1. Research

Maschinenbau bekommt Corona zu spüren

Autor
Josef Auer
Analyst
+49(69)910-31878
Deutsche Bank Research Management
Stefan Schneider
Die Corona-Pandemie trifft den deutschen Maschinenbau in einer ohnehin schwierigen Zeit. Spätestens seit 2019 belastet die Maschinenbauer die Neuausrichtung insbesondere der deutschen Automobilindustrie in Richtung Elektromobilität. Hinzu kamen denkbare Sonderbelastungen durch den möglichen Wegfall von Zulieferungen aus China (Stichwort: Handelskonflikt). Infolge von Corona ist 2020 ein Produktionsrückgang von über 25% möglich.

Die Corona-Krise weckt Erinnerungen an das Jahr 2009, als die Maschinenbauer einen Produktionseinbruch von 26% hinnehmen mussten. Die in den kommenden Wochen zu erwartenden Auftrags- und Stimmungsindikatoren werden zeigen, wie schlecht die Situation bereits heute ist. Und von einer weiteren Eintrübung infolge von Corona ist zumindest bis Ende des laufenden Quartals zu rechnen. Darauf deuten die jüngsten Umfrageergebnisse des Ifo-Instituts hin. Die Geschäftserwartungen des Maschinenbaus sanken auf minus 44 Punkte im März von minus 12 Punkten im Februar. Und laut VDMA-Umfrage stieg der Anteil der in ihrem Betriebsablauf beeinträchtigten Maschinenbauer von Mitte März 60% bis Ende März auf 84%. Als Konsequenz, so der VDMA, nahmen bereits drei Viertel der Maschinenbauunternehmen Kapazitätsanpassungen vor. Dazu nutzten sie vor allem Arbeitszeitkonten, Einstellungsstopps sowie das Instrument der Kurzarbeit. Und selbst Personalabbau ist mittlerweile für 12% der Unternehmen ein Thema. In der aktuellen Corona-Krise ist der Pilotabschluss in Nordrhein-Westfalen zweckmäßig, der eine Nullrunde bei den Löhnen, einen Verzicht auf betriebsbedingte Entlassungen sowie eine Aufstockung des Kurzarbeitergeldes vorsieht.

Von Corona werden praktisch alle rund 30 Fachzweige des Maschinenbaus betroffen. Noch schlechter als Durchschnitt (also mindestens -25%) wird möglicherweise der besonders zyklische Werkzeugmaschinenbau abschneiden. Ihn treffen zusätzlich auch die Neuausrichtung der Autoindustrie sowie seine hohe Verwundbarkeit bei lahmender Weltkonjunktur.

Unterdurchschnittlich werden wohl auch die Hersteller von Präzisionswerkzeugen bleiben, die Maschinen für die Blechverarbeitung der Autoindustrie liefern. Die Fachzweige Robotik und Automation trifft die aktuelle Investitionszurückhaltung der Fahrzeugindustrie ebenfalls zusätzlich.

Höhere Fertigungsrückgänge drohen auch den Produzenten von Kunststoff- und Gummimaschinen. Hier belastet neben den Unsicherheiten der Autoindustrie zudem die immer noch nicht beantwortete Frage nach der Zukunft der Verpackungen; also welche Verpackungen werden künftig noch toleriert (z.B. PET?). Unterdurchschnittlich dürften auch Hersteller von Gießereimaschinen und Messtechnik abschneiden.

Es gibt nur wenige Fachzweige, die zwar nicht wirklich gut, aber wohl besser als der Maschinenbauschnitt durch die aktuelle Krise kommen könnten. Dazu zählen die Hersteller von Armaturen. Ihnen kommt zugute, dass die Bauwirtschaft „noch läuft“. Auch die Antriebstechnik könnte weniger getroffen werden. Als China vor einigen Monaten drohte als Zulieferer wegzufallen, gab es hier volumenträchtige Angstbestellungen im Inland; diese sind immer noch abzuarbeiten.

In einem Positivszenario mit einer wirtschaftlichen Belebung im zweiten Halbjahr 2020, die sich 2021 und 2022 fortsetzt, werden die Perspektiven des Maschinenbaus wieder ungleich günstiger. Dafür spricht seine international einzigartige Breite der Produktpalette bei sehr hohen Qualitätsstandards. Deutschland ist in der Hälfte der rund 30 Maschinenbausparten Weltspitze. Etwa 70% der deutschen Maschinen sind Einzelfertigung oder Kleinserie. Und international geht der Nachfragetrend zu diesen Maschinen. Werden die Wertschöpfungsketten infolge eines Zurückdrängens der Globalisierung künftig wieder stärker heimatnah verankert, sollte dies den heimischen Maschinenbauern in den kommenden Jahren zugutekommen.

Überdies dürfte der deutsche Maschinenbau bei Energie- und Klimathemen weiter punkten. Die Modernisierung des globalen Kraftwerkparks ist ein wichtiges Zukunftsthema. Und in Deutschland sind die Weichen jüngst klar in diese Richtung gestellt worden. Gerade auch der Maschinenbau ermöglicht es, die Kosten alternativer Energiequellen zu senken. Innovative Maschinenbauer werden auch für die Steigerung der Energieeffizienz in der Produktion sowie bei Konsumartikeln benötigt.

Es wird wohl einige Jahre erfordern, damit der Fertigungsrückgang 2020 wieder aufgeholt wird. Dennoch sind wir optimistisch, dass dank deutscher Ingenieurskunst der deutsche Maschinenbau auf mittlere Sicht wieder mit durchschnittlichen Produktionszuwächsen um die 2% pro Jahr aufwarten kann.

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