1. Research
Das ist ein Auszug aus Focus Europe: Contagion: Italy and the role of fiscal similarity, veröffentlicht am 12. November 2018.

Ansteckungspotenzial: Die Lage in Italien und die Bedeutung von fiskalischen Ähnlichkeiten

Autoren
Mark Wall
+44(207)545-2087
Clemente Delucia
+44(20)754-11411
Kuhumita Bhattacharya
+44(20)777-94106
Die Spannungen an den Finanzmärkten haben sich deutlich erhöht, seit im Mai die populistische/euroskeptische Koalition aus „Fünf-Sterne-Bewegung“ und Lega die Regierungsgeschäfte in Italien übernommen und einen Haushalt vorgelegt hat, der nicht den EU-Regeln entspricht. Die EU-Kommission hat darauf, wie zu erwarten war, resolut reagiert und Italien noch einmal an die Arbeit geschickt. Nun hat das Land seinen neuen Haushaltsentwurf vorgelegt, der allerdings nicht wesentlich anders aussieht und damit nicht auf die Einwände der Kommission eingeht.
Die Kommission ist innerhalb der nächsten drei Wochen erneut am Zug. Da die Änderungen am italienischen Haushaltsentwurf minimal sind, rechnen wir damit, dass die Kommission ein Defizitverfahren empfiehlt. Fraglich ist nur, welche Korrekturen die Kommission von Rom verlangen wird und wie viel Zeit sie der italienischen Regierung dafür zubilligt. Unseres Erachtens wird die Entscheidung der Kommission nicht zuletzt davon abhängen, wie die Ansteckungseffekte an den Finanzmärkten im Falle einer weiteren Eskalation ausfallen könnten.    
Ansteckungseffekte sind für die politischen Akteure und uns Ökonomen von Interesse, weil dadurch die Kosten einer Krise ansteigen. In unserem Artikel befassen wir uns mit zwei Methoden, anhand derer die Ansteckung gemessen wird. Erstens untersuchen wir die Korrelation zwischen den CDS-Spreads der einzelnen Mitgliedstaaten des Euroraums. CDS geben Aufschluss über Ausfallrisiken. Die Korrelation zwischen den einzelnen Ländern liegt zwar nicht bei Null, ist aber von 0,9 vor der Ankündigung der OMT auf zuletzt rund 0,55 deutlich zurückgegangen. Die Korrelation für Spanien und Portugal, d.h. die beiden Länder, die als besonders anfällig für die Entwicklung in Italien gelten, ist seit der Schuldenkrise merklich gesunken.
Zweitens berechnen wir mithilfe der Favero-Missale-Methode (2012) eine Kennzahl für das Ansteckungspotenzial, die auf den Bund-Spreads der Mitgliedstaaten basiert, die jeweils fiskalische Ähnlichkeiten aufweisen. Damit lässt sich die Ausweitung der Spreads in den Jahren 2011/2012 gut erklären. Parallel zum Rückgang der CDS-Korrelationen verringerte sich zuletzt auch die Anfälligkeit der Spreads für Ansteckungseffekte (gemessen anhand der fiskalischen Ähnlichkeiten). Dieser Kennzahl für das Ansteckungspotenzial zufolge ist vor allem Portugal für die Entwicklung in Italien anfällig.
Die Daten lassen darauf schließen, dass die Verbesserung der Governance und des Stabilitätsrahmens im Euroraum (d.h. die Einführung des ESM und insbesondere der OMT) wesentlich zur Verringerung des Ansteckungspotenzials beigetragen hat. Die negative Externalität entspringt fiskalischen Ähnlichkeiten zwischen den Mitgliedsländern des Euroraums. Der jüngste Schock aus Italien ist landesspezifisch und nicht systemisch. Dies wiederum deutet darauf hin, dass die neue Governance und der Stabilitätsrahmen tatsächlich Vorteile bieten. Angesichts des begrenzten Ansteckungspotenzials könnte die Kommission schärfer gegen Italien vorgehen, wenngleich generell abrupte Änderungen von Korrelationen in Krisen an der Tagesordnung sind.
Online Document "PROD0000000000468611" not found.
4.10.0