1. Research

Deutscher Handelsbilanzüberschuss gegenüber USA in wichtigen Industriebranchen

Autor
Analyst
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Deutsche Bank Research Management
Stefan Schneider
Deutschland erzielte gegenüber den USA 2017 einen Handelsbilanzüberschuss in Höhe von gut EUR 50 Mrd. Die Exporte beliefen sich auf gut EUR 111 Mrd. Dem standen Importe von rd. EUR 61 Mrd. gegenüber. Dies war der zweithöchste Überschuss im deutsch-amerikanischen Warenhandel. Gegenüber 2011 hat sich der deutsche Überschuss im Handel mit den USA in etwa verdoppelt.
Dt. Handelsüberschuss gg. USA in wichtigen Branchen
AG_Heymann_2018_04_Handelsbilanz_Branchen_USA.xlsx  Tabelle1 Diagramm 10006

Quelle: Statistisches Bundesamt

Die USA waren im letzten Jahr mit einem Anteil von 8,7% an den gesamten deutschen Warenausfuhren der wichtigste deutsche Exportmarkt (vor Frankreich, China und den Niederlanden). Zieht man das gesamte Handelsvolumen heran, also Ausfuhren plus Einfuhren, rangierten die US immerhin auf Platz 3 der wichtigsten Handelspartner Deutschlands (nach China und den Niederlanden, aber vor Frankreich).

Aus Sicht der aktuellen US-Regierung sind die US-Handelsdefizite (nicht nur) gegenüber Deutschland auch ein Folge vermeintlich unfairer Handelspraktiken. Diese Position ist schwer zu untermauern. Gerade bei industriellen Erzeugnissen liegen die jeweiligen Importzölle beim Handel zwischen der EU und den USA recht nah zusammen und im niedrigen einstelligen Bereich. Nicht-tarifäre Handelshemmnisse spielen in der Tat eine Rolle, aber bei nüchterner Betrachtung fällt es auch hier schwer, ein Ungleichgewicht auszumachen. Der Handel mit landwirtschaftlichen Erzeugnissen ist allerdings stärker reguliert als der Handel mit Industriegütern.
Das Handelsungleichgewicht zwischen den USA und Deutschland hat vielfältige Ursachen. Ein Grund ist die historisch gewachsene Spezialisierung und hohe Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands bei klassischen Investitionsgütern. Hinzu kommt eine frühzeitige Ausrichtung deutscher Unternehmen auf ausländische Wachstumsmärkte, zu denen die USA zweifelsohne zählen. Dagegen sind die Fabriken US-amerikanischer Unternehmen in den USA stärker als in Deutschland auf die Bedienung des großen heimischen Absatzmarktes ausgerichtet. Zugleich betreiben viele große US-Industrieunternehmen Produktionsstätten außerhalb der USA und beliefern von dort die lokalen Märkte.
Die Spezialisierung Deutschlands auf Investitionsgüterbranchen zeigt sich auch beim Blick auf die deutschen Handelsbilanzüberschüsse gegenüber den USA nach einzelnen Industriesektoren. An der Spitze liegt die Automobilindustrie, vor dem Maschinenbau; auf Platz 4 folgt die Elektrotechnik. Diese drei Sektoren allein erzielten 2017 einen Überschuss von etwa 42 EUR Mrd. Dabei war und ist der entscheidende Aspekt, dass die betreffenden Erzeugnisse ihre Kunden auf der anderen Seite des Atlantiks überzeugen. Umgekehrt dominieren US-amerikanische Unternehmen z.B. den europäischen und deutschen Markt für viele digitale Dienstleistungen, weil die Kunden vom Produkt überzeugt sind und weil die USA in diesem Segment Spezialisierungsvorteile aufweisen.
 

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