1. Research

Umweltfreundlichkeit ist beim Autokauf nicht entscheidend

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Analyst
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Deutsche Bank Research Management
Stefan Schneider
Neuwagenkäufer in Deutschland achten bei der Wahl ihres Fahrzeugs vor allem auf das Preis-Leistungsverhältnis, Komfort und Sicherheit. Dies geht aus dem jüngsten Bericht „Trends beim Autokauf“ der Aral AG hervor. Gegenüber der Umfrage von 2015 nahm die Bedeutung von Umweltfreundlichkeit zwar um 5%-Punkte auf 25% zu, sie rangiert aber lediglich auf Rang 11 und liegt damit hinter Aspekten wie Ergonomie oder Image. Angesichts der in den letzten Monaten sehr lebhaften Debatte über zu hohe Schadstoffemissionen (Stickoxide) vieler Diesel-Pkw fällt dieser Anstieg durchaus gering aus.
Umfragen der Deutschen Automobil Treuhand (DAT) zu den wichtigsten Kriterien beim Neuwagenkauf kommen zu ähnlichen Ergebnissen. Dort landete die „Umweltverträglichkeit“ in den vergangenen Jahren jeweils nicht in den Top 10 der wichtigsten Kaufkriterien.
Die Intensität der öffentlichen Diskussion über erhöhte Schadstoffemissionen überzeichnet offenbar die Relevanz des Themas Umweltfreundlichkeit für den durchschnittlichen Autokäufer. Das zeigen nicht nur die zitierten Umfrageergebnisse, sondern auch die tatsächlichen Kaufentscheidungen der letzten Jahre. Beispielsweise setzt sich laut Kraftfahrtbundesamt bei den Pkw-Neuzulassungen der Trend hin zu einer höheren Motorleistung fort. 2016 lag die durchschnittliche Motorleistung eines Pkw um 26,5% über dem Niveau von 2007. Ferner steigt der Anteil von SUVs und Geländewagen stetig. Bemerkenswert ist jedoch, dass die offiziell erfassten CO2-Emissionen und damit der Kraftstoffverbrauch pro neu zugelassenem Pkw – trotz der genannten Trends – zwischen 2007 und 2016 um 25% gesunken sind.
Bislang sind in Deutschland nur wenige Autokäufer auf alternative Antriebstechnologien umgestiegen. Dies liegt nicht nur an der für sie geringen Bedeutung des Faktors Umweltverträglichkeit. Hinzu kommt, dass Elektroautos oder Hybridfahrzeuge heute ganz offensichtlich noch nicht die Anforderungen der Kunden erfüllen. Dies betrifft Aspekte wie Anschaffungspreis, Reichweite, Ladezeiten oder Ladeinfrastruktur.
Die Aral-Studie zeigt allerdings auch deutliche Spuren der Diesel-Debatte: Der Anteil der Befragten, deren nächster Wagen voraussichtlich ein Diesel wird, ist gegenüber 2015 um 13%-Punkte auf 18% eingebrochen. In dieser geringen Quote spiegelt sich die aktuelle Unsicherheit der (privaten) Autokäufer hinsichtlich der künftigen Regulierung von Diesel-Pkw wider. Bei solchen Umfragen ist jedoch stets zu beachten, dass die getätigten Aussagen zur geplanten Anschaffung nicht immer mit dem tatsächlichen Autokauf übereineistimmen. In den ersten sieben Monaten von 2017 entfielen nämlich – trotz sinkender Tendenz – immer noch gut 41% aller Pkw-Neuzulassungen in Deutschland auf Diesel-Pkw. Allerdings basiert dieser Wert auch auf dem hohen Anteil gewerblicher Neuzulassungen, während in der Aral-Studie Privatpersonen befragt wurden.
 
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