1. Research

Auf der anderen Seite ist das Gras grüner: Europäer EU-kritischer als Rest der Welt

Autoren
Analyst, Teamleiter
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Deutsche Bank Research Management
Stefan Schneider
Die europäische Einigung hat in der Vergangenheit einige Höhen und Tiefen erlebt, in ihrem Umfang ist die europäische Zusammenarbeit allerdings historisch einmalig. Umso interessanter ist der Blick von außen auf die EU.
In diesem Sinne vergleicht eine Studie des Meinungsforschungsinstituts Ipsos vom März 2017 die Bewertung der europäischen Einigung in neun EU-Staaten mit der Meinung von 16 außereuropäischen Staaten.1 Demnach wird die EU im Ausland deutlich positiver bewertet als innerhalb der EU. So war der Anteil der Europäer, die die EU als Beispiel einer stabilen Region für den Rest der Welt sehen, um 12 Prozentpunkte geringer als der Anteil der Befragten in Nicht-EU-Ländern. Lediglich bei einer der sechs Fragen überwogen unter den EU-Bürgern die „EU-positiven“ Antworten.
Auch der Aussage, dass die europäische Einigung Europa stärker gemacht hat, stimmten mehr als die Hälfte der Nicht-Europäer zu, aber nur 46% der EU-Bürger. Näher beieinander lagen die Zustim-mungsraten bei der Frage, ob die europäische Einigung in den letzten 60 Jahren mehr Erfolge als Niederlagen zu verzeichnen hatte: Sowohl in der EU (33%) als auch in den nicht-europäischen Ländern (35%) sah eine relative Mehrheit die Erfolge überwiegen, wenn die „weder noch“-Antworten berücksichtigt werden.
Allerdings war der Anteil derer, für die die Misserfolge vorherrschen, unter den Europäern mit 24% deutlich größer als unter Nicht-Europäern (15%). Dies könnte zum Teil dadurch begründet sein, dass Nachrichten über gescheiterte Europainitiativen und innereuropäische Konflikte weniger im Fokus der außereuropäischen Öffentlichkeit stehen, diese umgekehrt aber einen größeren Raum in der Berichterstattung in Europa einnehmen und teilweise auch von den Befragten direkt(er) wahrge-nommen werden.
Allerdings war der Anteil derer, für die die Misserfolge vorherrschen, unter den Europäern mit 24% deutlich größer als unter Nicht-Europäern (15%). Dies könnte zum Teil dadurch begründet sein, dass Nachrichten über gescheiterte Europainitiativen und innereuropäische Konflikte weniger im Fokus der außereuropäischen Öffentlichkeit stehen, diese umgekehrt aber einen größeren Raum in der Berichterstattung in Europa einnehmen und teilweise auch von den Befragten direkt(er) wahrge-nommen werden.
Ein genauerer Blick in die Daten offenbart zudem, dass Indien, Südafrika sowie die lateinamerikanischen Staaten besonders positiv gegenüber der Europäischen Union eingestellt sind, wohingegen Nordamerikaner, Australier, Japaner und Russen eine Stärkung Europas eher nicht sehen. China und Südkorea liegen ungefähr im Durchschnitt der befragten nichteuropäischen Länder. Ein Grund für das gute Bild der EU in vielen Schwellenländern könnte ihre hohe politische und institutionelle Stabilität sein, die von Ländern mit weniger stabilen Systemen als erstrebenswert angesehen wird.
Andererseits kann auch die EU-Länderauswahl Einfluss auf die Ergebnisse haben: Von den neun eu-ropäischen Ländern stellen in zweien, Polen und Ungarn, europakritische Parteien die Regierung, Großbritannien hat letztes Jahr entschieden die EU zu verlassen und besonders in Italien hat die schwierige wirtschaftliche Entwicklung die Zustimmung zur EU sinken lassen. Zudem könnten der während der Befragungszeit (Februar - März 2017) laufende Präsidentschaftswahlkampf in Frankreich und die europafeindlichen Positionen einzelner Kandidaten die Ergebnisse in Frankreich beeinflusst haben.
  1. EU: Belgien, Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Italien, Polen, Schweden, Spanien, Ungarn

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