1. Research

EZB: Vom Inflationsanstieg (noch) unbeeindruckt

Autor
Deutsche Bank Research Management
Stefan Schneider
Die in den letzten Monaten deutlich gestiegenen (Headline)-Inflationsraten haben zum Wiederaufflammen der Diskussionen über das EZB-Anleihekaufprogramm geführt. Zuletzt legten auch die deutschen Erzeugerpreise deutlich zu. Im Dezember 2016 erhöhten sich die Preise von Metallen (+5% gg. Vorjahresmonat) und Energie (+10%) besonders dynamisch, während der Rest (Gewicht 83,6%) aber weiterhin keinerlei Inflationsdruck zeigt.
Für die EZB ist der Anstieg der EWU-Konsumentenpreise auf 1,8% im Januar und um mehr als 2%-Punkte seit Sommer 2016 aber die relevantere Größe, könnte doch damit das (jahresdurchschnittliche) EZB-Inflationsziel von „unter, aber nahe 2%“ – nach drei Jahren mit Inflationsraten von nur knapp über der Nulllinie – wieder in Reichweite gelangen.
Aber trotz der hohen medialen Aufmerksamkeit insbesondere in Deutschland dürfte die EZB wohl kaum eine vorzeitige Begrenzung des Anleihekaufprogramms in Erwägung ziehen. Die Kerninflationsrate, also die Preisveränderung von Konsumentengütern ohne volatile Komponenten wie Nahrungsmittel und Energie, liegt in Deutschland und im gesamten Euroraum weiterhin und nahezu unverändert bei etwa 1%. Ein kräftiges Lohnwachstum ist Voraussetzung für eine dynamischere Kerninflationsrate. Dieses dürfte in Deutschland trotz Vollbeschäftigung wie auch in den letzten Jahren bei rund 2% liegen.
Entsprechend wird der EZB-Rat auf seiner März-Sitzung trotz des jüngsten Anstiegs der Gesamtinflation kaum gewillt sein, ein mögliches „Tapering“ der Anleihekäufe zu signalisieren. Im besten Fall formuliert er spezifischere Bedingungen, unter denen eine Reduzierung der Anleihekäufe erfolgen könnte. Die Ankündigung über ein Zurückfahren oder die Modifikation der Anleihekäufe erwarten wir weiterhin frühestens im Juni. Aber die EZB könnte sehr wohl bereits im März eine leichte Akzentverschiebung in ihrer Kommentierung vornehmen.
 
 
German translation published on 22. Februar 2017: ˮECB unimpressed by the rise in inflation – for nowˮ

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