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5. November 2018
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Nimmt bei fortschreitendem Konjunkturzyklus der Inflationsdruck zu, steigen zwangsläufig die Löhne und in der Folge schließlich die Verbraucherpreise, so die Grundregel von Makroökonomen und Notenbanken. Als wichtige Orientierungsgröße dient der Geldpolitik dabei die Schätzung der Output-Lücke – also inwieweit die volkswirtschaftliche Produktion vom Produktionspotenzial abweicht. Ist diese positiv, befindet sich die Wirtschaft langfristig gesehen nicht länger im Gleichgewicht. Es droht ein Anstieg der Teuerung auf nicht tragbare Niveaus. Jüngsten Schätzungen von OECD, IWF und Europäischer Kommission zufolge ist die Output-Lücke im Euroraum schon jetzt leicht positiv und dürfte bis Jahresende 2019 auf knapp 1% steigen. [mehr]
PROD0000000000480992 1   |    2. November 2018Weitere Research-Beiträge Das ist ein Auszug aus Focus Europe: Cyclical vs structural: observing the unobservable , veröffentlicht am 25. Oktober 2018. 2. November 2018 Zyklisch vs strukturell das unmögliche beobachten Nimmt bei fortschreitendem Konjunkturzyklus der Inflationsdruck zu, steigen zwangsläufig die Löhne und in der Folge schließlich die Verbraucherpreise, so die Grundregel von Makroökonomen und Notenbanken. Als wichtige Orientie­ rungsgröße dient der Geldpolitik dabei die Schätzung der Output­Lücke – also inwieweit die volkswirtschaftliche Produktion vom Produktionspotenzial ab­ weicht. Ist diese positiv, befindet sich die Wirtschaft langfristig gesehen nicht länger im Gleichgewicht. Es droht ein Anstieg der Teuerung auf nicht tragbare Niveaus. Jüngsten Schätzungen von OECD, IWF und Europäischer Kommissi­ on zufolge ist die Output-Lücke im Euroraum schon jetzt leicht positiv und dürfte bis Jahresende 2019 auf knapp 1% steigen. Als Output­Lücke bezeichnet man die Differenz zwischen der potentiell mögli­ chen und der tatsächlichen Wirtschaftsleistung. Im Gegensatz zum tatsächli­ chen Output ist das Produktionspotenzial keine beobachtbare Größe und muss daher geschätzt werden. Seine aktuelle und zukünftige Entwicklung wird be­ stimmt durch die aus den Einflussfaktoren Human­ und Sachkapital sowie tech­ nischer Fortschritt resultierende Produktivität sowie dem Arbeitskräfteangebot, das maßgeblich vom demografischen Wandel und den säkularen Trends bei der Erwerbsbeteiligung beeinflusst wird. Im Idealfall ist die Schätzung des aktu­ ellen und zukünftigen Produktionspotenzials gekennzeichnet durch Azyklizität sowie relative Stabilität und spiegelt die langfristige Entwicklung der Einflussfak­ toren wider. Erschwert wird die Schätzung unter anderem durch strukturelle Angebots­ schocks und deren Diffusionsgrad, ebenso wie durch längere Phasen der Un­ terauslastung – die sogenannten Hysterese­Effekte. Werden zyklische Schwan­ kungen nicht entsprechend bereinigt und/oder Angebotsschocks und deren Dif­ fusionsgrad falsch eingeschätzt, besteht die Gefahr, das Geld­ – und Fiskalpoli­ tik – zu prozyklisch agieren. Autoren www.dbresearch.de Marc de-Muizon +44(20)75477635 marc.de-muizon@db.com Kuhumita Bhattacharya +44(20)777-94106 kuhumita.bhattacharya@db.com Deutsche Bank Research Zyklisch vs strukturell 2   |    2. November 2018Weitere Research-Beiträge Wie wir im vorliegendem Artikel aufzeigen, liefern die offiziellen Schätzungen des Produktionspotenzials aufgrund ihrer Prozyklizität und hohen Revisionsan­ fälligkeit ungenaue Resultate. Auch die Anwendung alternativer makroökonomi­ scher Methoden auf den Euroraum brachte keine verlässlichen Ergebnisse. Bei genauerer Betrachtung der mikroökonomischen Entwicklung am Arbeitsmarkt zeigt sich, dass – entgegen der aktuellen offiziellen Schätzungen – die gesamt­ wirtschaftlichen Kapazitäten Ende 2019 bei aufgrund des demografischen Wan­ dels schwächerem Potenzialwachstum nahezu vollständig ausgelastet sein dürften. Zwar ist der Inflationsdruck zuletzt wieder leicht gestiegen. Welche Wir­ kung die auf den Weg gebrachten strukturellen Reformen entfalten und ob die höheren Löhne auf die Verbraucherpreise übergewälzt werden können und die Kerninflation sich tatsächlich wieder nachhaltig dem Zielwert annähert, auch wenn die Geldpolitik in den kommenden Jahren weniger akkommodierend als prognostiziert ausfällt und die Wirtschaft nicht länger über Potenzial wächst, bleibt allerdings abzuwarten. Hieraus ziehen wir folgende Schlussfolgerungen. Erstens, anstatt sich an der Output­Lücke zu orientieren, sollten die Märkte ihren Fokus stärker darauf le­ gen, wie die wirtschaftliche Entwicklung gemessen am Trend verläuft. Zweitens, für eine Zinserhöhung müssen nicht nur die vorausschauenden SAPI-Kriterien für eine nachhaltige Annäherung der Inflation an den Zielwert erfüllt sein, son­ dern auch die Kerninflation auf ein bestimmtes Niveau steigen, das wir bei rund 1,5% ansiedeln. Unter der Annahme, dass die Wirtschaft weiter über Trend wächst, gehen wir nach wie vor davon aus, dass dieses 2019 erreicht werden dürfte. Drittens, die Guidance der EZB lässt ausreichend Spielraum, um im Fal­ le enttäuschender Inflationsdaten angemessen reagieren zu können. Danach sollen die Zinsen mindestens über den Sommer 2019 auf den aktuellen Ni­ veaus bleiben, um eine Normalisierung der Inflation sicherzustellen. Die von der EZB angestrebten Finanzierungsbedingungen sprechen für eine Fortsetzung des über Trend liegenden Wachstums. Sollte infolge einer Verschlechterung der finanziellen Rahmenbedingungen das Wachstum an Schwung verlieren und Ri­ siken für den Inflationsausblick drohen – z.B. aufgrund eines stärkeren Euros oder steigender Renditen – würde der Zeitplan für die erste Zinserhöhung auto­ matisch neu angepasst. Wichtige rechtliche Hinweise finden Sie unter: https://research.db.com/Research/Disclosures/Disclaimer   Deutsche Bank Research Zyklisch vs strukturell 3   |    2. November 2018Weitere Research-Beiträge © Copyright 2018. Deutsche Bank AG, Deutsche Bank Research, 60262 Frankfurt am Main, Deutschland. Alle Rechte vor­ behalten. Bei Zitaten wird um Quellenangabe „Deutsche Bank Research“ gebeten. Die vorstehenden Angaben stellen keine Anlage­, Rechts­ oder Steuerberatung dar. Alle Meinungsaussagen geben die ak­ tuelle Einschätzung des Verfassers wieder, die nicht notwendigerweise der Meinung der Deutsche Bank AG oder ihrer as­ soziierten Unternehmen entspricht. Alle Meinungen können ohne vorherige Ankündigung geändert werden. Die Meinungen können von Einschätzungen abweichen, die in anderen von der Deutsche Bank veröffentlichten Dokumenten, einschließ­ lich Research-Veröffentlichungen, vertreten werden. Die vorstehenden Angaben werden nur zu Informationszwecken und ohne vertragliche oder sonstige Verpflichtung zur Verfügung gestellt. Für die Richtigkeit, Vollständigkeit oder Angemessen­ heit der vorstehenden Angaben oder Einschätzungen wird keine Gewähr übernommen. In Deutschland wird dieser Bericht von Deutsche Bank AG Frankfurt genehmigt und/oder verbreitet, die über eine Erlaub­ nis zur Erbringung von Bankgeschäften und Finanzdienstleistungen verfügt und unter der Aufsicht der Europäischen Zen­ tralbank (EZB) und der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) steht. Im Vereinigten Königreich wird die­ ser Bericht durch Deutsche Bank AG, Filiale London, Mitglied der London Stock Exchange, genehmigt und/oder verbreitet, die von der UK Prudential Regulation Authority (PRA) zugelassen wurde und der eingeschränkten Aufsicht der Financial Conduct Authority (FCA) (unter der Nummer 150018) sowie der PRA unterliegt. In Hongkong wird dieser Bericht durch Deutsche Bank AG, Hong Kong Branch, in Korea durch Deutsche Securities Korea Co. und in Singapur durch Deutsche Bank AG, Singapore Branch, verbreitet. 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