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  4. Weltwirtschaftlicher Ausblick - Kurzfassung
29. April 2022
Die Gewitterwolken über der Weltwirtschaft werden immer schwärzer. Nach Russlands Invasion der Ukraine stellen sich grundlegende Fragen zu Europas Abhängigkeit von russischer Energie und zur geopolitischen Stabilität des Kontinents. Der daraus resultierende, deutliche Rohstoff-preisanstiegkurbelt die ohnehin über dem Zielwert liegende Inflation zusätzlich an. Damit besteht ein ernsthaftes Risiko, dass sich die längerfristigen Inflationserwartungen aus ihrer Verankerung lösen. [mehr]
Deutsche Bank Research Weltwirtschaftlicher Ausblick: Kurzfassung Vor einer harten Landung MAKROPROGNOSEN marion.laboure@db.com henry-f.allen@db.com jim.reid@db.com 29. April 2022 EUROPA DEUTSCHLAND WELT • Die Aussichten für die Weltwirtschaft haben sich merklich eingetrübt. • Durch Russlands Invasion der Ukraine sind die Rohstoff preise deutlich gestiegen, sodass sich die ohnehin über den Zielwerten liegende Inflation weiter beschleunigt hat. • Die Zentralbanken müssen entschieden handeln, um glaubwürdig zu bleiben. Trotzdem dürfte es schwierig werden, die langfristigen Inflationserwartungen in ihrer Verankerung zu halten. USA • Kurzfristig sollte das Wachstum robust bleiben. Für H2 2023 ist jedoch eine deutliche Verlangsamung zu erwarten. Weil die Straffungsmaßnahmen der Fed stärker greifen, dürfte die Wirtschaft in eine Rezession geraten und in Q4 2023 sowie Q1 2024 schrumpfen. • Die Gesamtrate des VPI sollte in diesem Jahr bei 7,2% gg. Vj. liegen, die Kernrate bis 2024 bei oder über 3% verharren. • Die Fed dürfte ihren Leitzins bei jeder der drei kommenden Sitzungen um jeweils 50 Bp. und bei den restlichen Sitzungen in diesem Jahr um jeweils 25 Bp. anheben. Im weiteren Verlauf sollte der Leitzins bis Juni 2023 auf 3,6% ansteigen. CHINA SCHWELLENLÄNDER • Der Ukraine-Schock wurde durch fiskalpolitische Lockerungen etwas abgemildert. Wir erwarten für 2022 ein Wachstum von 2,8%. • Eine Rezession in der nächsten Zeit wäre möglich, falls Russland seine Energielieferungen unterbricht. • Bis Ende 2023 sollten die Straffungsmaßnahmen der EZB und die von der Fed ausgelöste US-Rezession das Wachstum in Europa merklich dämpfen. Eine Rezession dürfte jedoch vermieden werden. • Der Krieg in der Ukraine hat Verbrauchern und Unternehmen einen weiteren Schock versetzt. Wir prognostizieren nunmehr für 2022 ein BIP-Wachstum von 2,3%. • Unter ungünstigeren Annahmen (falls z.B. Russland seine Gaslieferungen stoppt) würde Deutschland nahezu mit Sicherheit in eine schwere Rezession geraten. • Wir prognostizieren für 2022 ein BIP-Wachstum von 4,4%. Das Konsumwachstum bleibt aufgrund restriktiverer COVID-19-Eindämmungsmaßnahmen gedämpft. • COVID-19 stellt kurzfristig das größte Abwärtsrisiko für den Wachstumsausblick dar • Die Regierung könnte weitere Lockerungen vornehmen, um ihr Wachstumsziel von 5,5% für das Gesamtjahr zu erreichen. • Die Schwellenländer haben mit verschiedenen widrigen Umständen zu kämpfen: stagflationäre Auswirkungen des Ukraine-Konflikts (Stichwort Rohstoffpreise), straffere Geldpolitik der Zentralbanken in Industrieländern und Abwärtsrisiken für Chinas Wachstum. • Asien steht unter Druck: die Terms of Trade hängen in relativ hohem Maße von Rohstoffpreisen ab, die Politik wird verzögert/langsam normalisiert, und Chinas Null-COVID Strategie wirft Probleme auf. • Lateinamerika hat die größten Fortschritte bei der Normalisierung der Politik gemacht. Nach der weitgehenden Normalisierung der Fiskalpolitik ist die Region vergleichs weise billig gegenüber anderen Schwellenländern. • In der Region CEEMEA bestehen beträchtliche Unterschiede. Für die CE3 sind die Risiken aufgrund der Entwicklungen in der Ukraine am größten; Südafrika befindet sich auf einem schmalen Grat zwischen besseren Terms of Trade und der langsam vorgehenden Zentralbank; in der Türkei ist die Politik nach wie vor wenig vorhersehbar. M Weltwirtschaftlicher Ausblick 2. Mai 2022 MARKTPROGNOSEN WICHTIGE MAKRO- UND MARKTPROGNOSEN BIP-Wachstum (%) 2022P 2023P Leitzinsen (%) Aktuell Q2-22 Q4-22 Wichtige Marktkennzahlen Aktuell Q4-22 Global 3,3 3,1 USA: Federal Funds Rate 0,375 1,375 2,625 US 10J-Renditen (%) 2,89 3,30 USA 3,0 1,8 Euroraum: Deposit Facility Rate -0,50 -0,50 0,00 EUR 10J-Renditen (%) 0,94 1,55 Euroraum 2,8 2,3 Japan: Policy Balance Rate -0,10 -0,10 -0,10 EUR/USD 1,08 1,17 Deutschland 2,3 3,0 Großbritannien: Bank Rate 0,75 1,25 1,50 USD/JPY 128 117 Japan 1,5 1,3 China: MLF 1Y Interest Rate 2,85 2,65 2,65 S&P 500 4392 5250 Großbritannien 3,8 0,7 Gold (USD/Unze) 1978 1800 China 4,4 4,7 Oil WTI (USD/Barrel) 105,5 96,0 Oil Brent (USD/Barrel) 110,6 100,0 Höher als erwartete Inflation - Wenn die Inflationserwartungen sich aus ihrer Verankerung lösen und die Inflation nicht wie erwartet sinkt, müssen die Zentralbanken wohl noch aggressiver vorgehen, was die Konjunkturverlangsamung/Rezession verschärfen dürfte . Eskalation in der Ukraine - Bei einer stärkeren Aggression Russlands fiele die Reaktion des Westens (Sanktionen und militärische Unterstützung der Ukraine) deutlich schärfer aus. Neue COVID-19-Mutationen - In vielen Weltregionen kehrt nach der Pandemie wieder Normalität ein; bei einer schwerer verlaufenden Mutation könnten diese Fortschritte jedoch zunichte gemacht werden. Abwärts- AKTIEN • Zielwerte für das Jahresende 2022: S&P 500: 5250; STOXX 600: 550 % STAATS- ANLEIHEN • Renditeanstieg im Jahresverlauf 2022 • Der Krieg in der Ukraine ist ein Aufwärtsschock für die Inflation und ein Abwärtsschock für das Wachstum und hat insbesondere in Europa zu einer strukturellen Lockerung der Fiskalpolitik geführt. • EUR/USD zum Jahresende bei 1,17. • Korrekturen der Fed-Prognosen werden zunehmend ungünstiger für den Dollar . • Die EZB hat unsere (falkenhaften) Erwartungen übertroffen und Europa scheint beträchtliche fiskalpolitische Reaktionen zum Ausgleich der kurzfristigen Auswirkungen auf das Wachstum zu planen. UNTER NEHMENS ANLEIHEN • Spreadausweitung ab Frühjahr 2023, die im weiteren Jahresverlauf immer deutlicher wird. • Das Wachstum sollte in diesem Jahr akzeptabel sein; der jüngste Spreadanstieg dürfte die Gesamtrenditen erhöhen und Anleger daher zu höheren In vestitionen veranlassen, solange der Zyklus anhält. • Der Preis für Brent Blend sollte in diesem Jahr bei etwa USD 95 - 100/Barrel unterstützt bleiben. • Schon vor dem Ukraine-Konflikt bestanden Knappheiten bei Öl. Die Lagerbestände sanken stetig und lagen im vergangenen Jahr unter dem unteren Rand des Fünf-Jahres-Korridors. Die Aussichten auf eine Wiederaufstockung sind gering. GELD- POLITIK • Fed: Zinserhöhungen um jeweils 50 Bp. im Mai, Juni und Juli; das Zinshoch dürfte Mitte 2023 bei rund 3,6% liegen. • EZB: Erster Zinsschritt im September, der Einlagensatz erreicht Ende 2023 bei 2% seinen Höchststand. • BoJ: Unveränderte Zinsen. • BoE: Vier weitere Zinsanhebungen (Mai, Juni, August, Februar 2023) auf ein Endniveau von 1,75%. • PBoC: Voraussichtlich Senkung des 1J-Mindestausleihesatzes auf 2,65% in Q2. MARKT STIMMUNG • Schwierigkeiten zu erwarten: USA geraten 2023 in eine Rezession. • Aktien sollten 2022 weiter zulegen, da die längerfristigen Zinsen ansteigen. Bei einer US Rezession sollte es jedoch 2023 zu Kursrückgängen und einer Ausweitung der Spreads sowie einem Rückgang der längerfristigen Zinsen kommen. WECHSEL- KURSE H M N Weltwirtschaftlicher Ausblick 2. Mai 2022 MAKROEREIGNIS-KALENDER 2022 April 2022r Mai 2022 Juni 2022 18-24 IWF/Weltbank- Frühjahrstagung 24 FR Französische Präsidentschafts- wahlen (2. Runde) 28 JP BoJ-Entscheidung 04 US Fed-Entscheidung 05 GB Bank of England-Entscheidung 05 GB Kommunalwahlen 21 AU Australische Bundeswahl 09 EU EZB-Entscheidung 15 US Fed-Entscheidung 16 GB Bank of England-Entscheidung 17 JP BoJ-Entscheidung 23-24 EU Sitzung Europäischer Rat 26-28 G7-Gipfeltreffen 27-29 EU EZB-Zentralbankforum © Copyright 2022. Deutsche Bank AG, Deutsche Bank Research, 60262 Frankfurt am Main, Deutschland. Alle Rechte vorbehalten. Bei Zitaten wird um Quellenangabe „Deutsche Bank Research" gebeten. Die vorstehenden Angaben stellen keine Anlage-, Rechts- oder Steuerberatung dar. Alle Meinungsaussagen geben die aktuelle Einschätzung des Verfassers wieder, die nicht notwendigerweise der Meinung der Deutsche Bank AG oder ihrer assoziierten Unternehmen entspricht. Alle Meinungen können ohne vorherige Ankündigung geändert werden. 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