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20. November 2018
In Europa, China und den Schwellenländern haben die Makrodaten zuletzt negativ überrascht. Auch in den USA haben sich die Stimmungsindikatoren und Finanzmarktbedingungen leicht eingetrübt. Allerdings wächst die Wirtschaft dort nach wie vor kräftig. Die Frage ist: Kann die US-Wirtschaft dem weltwirtschaftlichen Gegenwind auf Dauer trotzen? [mehr]
Weltwirtschaftlicher Ausblick - Kurzfassung Weltwirtschaft dank USA weiterhin solide 20. November 2018 Autoren: himanshul.porwal@db.com, quinn.brody@db.com, jim.reid@db.com 20. November 2018 Internet: www.dbresearch.de Makroprognosen Welt — Die Weltwirtschaft wächst nach wie vor robust. In Europa, China und den Schwellen- ländern hat die Konjunktur zuletzt aber an Schwung verloren. Wachstumslokomotive sind nach wie vor die USA, trotz leicht enttäuschender Daten und restriktiverer Finan- zierungsbedingungen. — Trotz der jüngsten Turbulenzen bleiben die Finanzierungskonditionen nach wie vor akkommodierend und auch von der Fiskalpolitik dürfte weiterhin Unterstützung kom- men. Wenn – wie von uns erwartet – das Wachstum in Europa und China lediglich et- was moderater ausfällt, spricht alles dafür, dass die Weltwirtschaft weiter stetig wächst, zumal das Wachstum in den Schwellenländern nicht wie befürchtet eingebro- chen ist, sondern sich lediglich verlangsamt hat. — Abwärtsrisiken drohen insbesondere durch eine aggressive quantitative Straffung der Geldpolitik, politische Risiken (harter Brexit, Schocks bezüglich der hohen italieni- schen Staatsverschuldung) und deutliche Korrekturen an den Finanzmärkten. USA — Das US-BIP ist im dritten Quartal 2018 mit einer annualisierten Rate von 3,5% ge- wachsen, wovon 2,1 %-Punkte auf die Lagerbestände und gerade mal 0,1 %-Punkte auf die Investitionen entfielen. Mittelfristig bleibt der Ausblick dennoch erfreulich. Für 2018 erwarten wir u.a. aufgrund von Steuersenkungen, höheren Staatsausgaben und einer lebhafteren Konsumnachfrage einen Anstieg der Wachstumsrate auf 2,9%. — Allerdings drohen Abwärtsrisiken in Form restriktiverer Finanzierungsbedingungen aufgrund der Leitzinserhöhungen der Fed, der hohen Verschuldung der US- Unternehmen und der handelspolitischen Unsicherheit. — Gemessen an unserem Rezessionsmodel, das mithilfe der Finanzierungsbedingun- gen die Wahrscheinlichkeit einer Rezession prognostiziert, sind die kurzfristigen Risi- ken sehr gering. Auf längere Sicht – z.B. einen Zeitraum von zwei bis drei Jahren – sind diese zwar höher, allerdings war das Modell in der Vergangenheit nicht immer ein verlässlicher Indikator. Euroraum — Im Verlauf der vergangenen zwei bis drei Monate stand die wirtschaftliche Erholung im Euroraum auf dem Prüfstand. Mit lediglich 0,2% gg. Vq. enttäuschte das Wachs- tum im dritten Quartal. Zudem fielen sowohl der Gesamt-Einkaufsmanagerindex als auch der für das Verarbeitende Gewerbe im Oktober auf das niedrigste Niveau der letzten zwei Jahre. Auch der SIREN-Überraschungsindikator rutschte wieder deutlich in den negativen Bereich. Auf kurze Sicht steigen also die Abwärtsrisiken. — Unsere Prognose für das deutsche BIP-Wachstum haben wir daher nach unten ange- passt. Statt 1,7% erwarten wir nur noch eine Rate von 1,3% für 2019. Ursächlich hier- für sind neben den Problemen im Automobilsektor die Eintrübung der Exporterwartun- gen und eine schlechtere Stimmung. Weltwirtschaft dank USA weiterhin solide Autoren: jim.reid@db.com, quinn.brody@db.com, himanshul.porwal@db.com 20. November 2018 Internet: www.dbresearch.de — Das kräftigere Lohnwachstum und die nach wie vor lockeren Finanzierungsbedingun- gen sprechen für eine robuste Binnenkonjunktur. Allerdings stagnieren die Kredit- ströme seit Anfang des Jahres. Da die von der Bankkreditvergabe ausgehenden Im- pulse nicht mehr unterstützend wirken, bleibt abzuwarten, ob das Wachstum 2019 tat- sächlich – wie vom Konsens erwartet – über der Trendwachstumsrate liegt. Wir rech- nen für den Euroraum mit einem BIP-Wachstum von 1,7% im Jahr 2019. China — In China hat sich das Wachstum im dritten Quartal 2018 von 6,7% auf 6,5% abge- schwächt (Konsens 6,6%, DB-Prognose 6,5%). Geschuldet war dies vor allem der rückläufigen Produktion im Automobilsektor und der schwachen Bautätigkeit. — Das vierte Quartal hat ausgeglichen begonnen und die jüngsten Daten deuten auf ein robustes Wachstum. Exporte und Industrieproduktion lagen im Oktober über den Er- wartungen. Die Autoverkäufe hingegen blieben schwach, während die Investitionen im Verarbeitenden Gewerbe mit 9,1% gg. Vj. im Oktober (kumuliert seit Jahresbeginn) ihren Aufwärtstrend fortsetzten. — Da das für dieses Jahr angestrebte Wachstumsziel erreicht werden dürfte, gehen wir davon aus, dass die chinesische Regierung im vierten Quartal an ihrem aktuellen Kurs festhält. Für Q1 erwarten wir nun angesichts des von den Exporten und Landver- käufen ausgehenden Gegenwinds nur noch ein Wachstum von 6,2%. Die kürzlich an- gekündigten Steuersenkungen im Umfang von schätzungsweise rund 0,5% des BIP dürften für Impulse beim Einzelhandel sorgen und die durch den Handelskonflikt dro- henden Abwärtsrisiken kompensieren. Schwellenländer — Die Konjunktursorgen in den Schwellenländern sind vorerst gebannt. Die politischen Reaktionen in wichtigen unter länderspezifischen Problemen leidenden Staaten (z.B. Türkei) stimmen zuversichtlich. Der Anpassungsprozess ist aber lang und mit zuneh- menden Risiken behaftet. — Nachdem die Rezessionsängste vorerst in den Hintergrund getreten sind, scheint eine technische Erholung möglich. Angesichts steigender Volatilität und Finanzierungskos- ten besteht aber kein Grund zur Selbstzufriedenheit. — Die einzelnen Regionen befinden sich in unterschiedlichen Phasen des Konjunk- turzyklus. Aus Lateinamerika kamen zuletzt gemischte Nachrichten. So hat der Aus- gang der Wahlen in Brasilien zwar die Tür für Reformen geöffnet, die Nachrichten aus Mexiko hingegen geben Anlass zur Sorge. — Im EMEA-Raum hat die Konjunktur u.a. in Russland (weitere US-Sanktionen) an Fahrt verloren. Zudem hat der Vertrauensschock seine Spuren beim türkischen Wachstum hinterlassen. In Asien setzt man auf Wachstum, unter Sicherung der Finanzstabilität . Geldpolitik — Fed: Erwarten einen weiteren Zinsschritt in diesem und vier im kommenden Jahr — EZB: QE endet zum Jahresende, erste Anhebung des Einlagensatzes um 15 Bp. im September 2019 — BoJ: Diskussion in den kommenden 2–3 Jahren über eine Umstellung des geldpoli- tischen Inflationsziels auf ein Wachstums- oder Preisziel — BoE: Keine weiteren Zinsanhebungen im Jahr 2018, da der Brexit und die damit verbundenen Wachstumsrisiken in den Fokus des geldpolitischen Komitees rücken — PBoC: Drei Senkungen der Mindestreserveanforderungen im Jahr 2019 Wichtige Abwärtsrisiken — Harter Brexit: Das zwischen Großbritannien und den EU-27 ausgehandelte Austritts- abkommen hat im Vereinigten Königreich für massive politische Turbulenzen gesorgt. Ohne Ratifizierung durch das britische Parlament droht ein ungeordneter Brexit. Auch ein Misstrauensvotum gegen Premierministerin May ist denkbar. — Italien: Italien und die Europäische Kommission bleiben im Haushaltsstreit auf Kon- frontationskurs. Dies könnte die politische Unsicherheit und Volatilität an den europäi- schen Märkten erhöhen und womöglich eine weitreichende Staatsschuldenkrise aus- lösen. — Handelskonflikt: Sollten sich die USA und China am Rande des G20-Gipfels nicht auf ein Abkommen einigen, könnten die verbliebenen chinesische Importe mit US- Weltwirtschaft dank USA weiterhin solide Autoren: jim.reid@db.com, quinn.brody@db.com, himanshul.porwal@db.com 20. November 2018 Internet: www.dbresearch.de Strafzöllen belegt werden und sich der Konflikt über die Handelsfragen hinaus zu ei- nem vollumfänglichen Wirtschaftskrieg ausweiten. Schlüsselthemen — Brexit: Wie in unserem Basisszenario erwartet, haben sich Großbritannien und die EU auf einen Entwurf für ein Austrittsabkommen geeinigt. Die weitaus größere Hürde – die notwendige Unterstützung im britischen Parlament sicherzustellen – muss aber in den kommenden Wochen erst noch genommen werden. Die ersten politischen Reakti- onen geben Anlass zur Sorge. Zwar ist ein Austritt ohne Abkommen nicht unser Ba- sisszenario. Gleichwohl sind wir der Meinung, dass die Märkte das Risiko eines unge- ordneten Brexit deutlich unterschätzen. — Italien: Die Wachstums- und Defizitprognosen der italienischen Regierung sind viel zu optimistisch. Im Verlauf der kommenden Wochen dürfte die Kommission daher ein Defizitverfahren gegen Italien einleiten und möglicherweise auch Sanktionen beschlie- ßen. Sofern sich beide Seiten nicht aufeinander zubewegen und miteinander koope- rieren, erscheint das Aufflammen einer erneuten Staatsschuldenkrise im Euroraum möglich. — Handelskrieg: Zwischen den USA und China hat das verbale Wettrüsten im Anschluss an das Telefonat der beiden Staatsoberhäupter etwas an Schärfe verloren. So gehen wir inzwischen mit einer Wahrscheinlichkeit von 50% davon aus, dass sich beide Län- der am 29. November auf ein Abkommen einigen. Aber auch wenn der Handelsstreit damit beigelegt werden würde, dürfte das US-chinesische Verhältnis über Jahre hin- aus angespannt bleiben. Marktprognosen Marktstimmung — Unterstützung kommt nach wie vor von den soliden makroökonomischen Rahmenbe- dingungen. — Volatilitätsausschläge werden häufiger auftreten, da die Zentralbanken ihre außeror- dentlich akkommodierende Politik zurückfahren. Aktien — Optimistisch für US-Aktien. Hohe Gewinne, robustes zugrundeliegendes Wachs- tum. — Aktuell überverkauft, nicht in Einklang mit dem Konjunkturausblick. Staatsanleihen — Strategisch pessimistisch. Wir erwarten weitere Zinserhöhungen seitens der Fed, höhere Laufzeitprämien, eine weniger lebhafte Nachfrage durch Pensionsfonds und weiter steigende Inflationsraten. — In Europa dürften die Renditen steigen, da die EZB ihre Anleihekäufe einstellt und das Wirtschaftswachstum solide bleibt. Devisen — US-Dollar: längerfristig unter Druck, kurzfristig ausgeglichen. Strategisch rech- nen wir im kommenden Jahr mit einer weiteren Abwertung des Dollar gegenüber an- deren wichtigen Währungen. Gegenüber dem Yuan hingegen dürfte sich der Höhen- flug der US-Währung jedoch fortsetzen. — Euro: vorerst neutral. Kapitalabflüsse wiegen positive Faktoren auf. Wir rechnen nach wie vor mit einer konjunkturellen Erholung und ersten Zinsschritten seitens der EZB im kommenden Jahr. — Yen: neutral. Noch keine Trendwende bei den Kapitalflüssen, ein Ausbruch des Yen aus der aktuellen Handelsspanne erscheint unwahrscheinlich. Unternehmensanleihen — Präferenz für EUR gg. USD. Insbesondere USD-HY-Anleihen erscheinen gegenüber EUR-Unternehmensanleihen und gegenüber den von der Volatilität implizierten Spread-Niveaus teuer. Volatilität dürfte sich zwar erholen, aber struktureller Anstieg erwartet. Weltwirtschaft dank USA weiterhin solide Autoren: jim.reid@db.com, quinn.brody@db.com, himanshul.porwal@db.com 20. November 2018 Internet: www.dbresearch.de Schwellenländer — Technische Erholung möglich. Politische Reaktionen in wichtigen an länderspezifi- schen Problemen leidenden Staaten stimmen zuversichtlich. Der Anpassungsprozess ist aber lang und mit zunehmenden Risiken behaftet. Aufwärtspotenzial bei Schwel- lenländer-Devisen, taktisch optimistischer für Unternehmensanleihen. EM-Rentenmärkte profitieren von höheren Laufzeitprämien. Öl — 2019 kein größerer Angebotsüberschuss am Ölmarkt, vorausgesetzt die Nachfrage gegenüber dem Vorjahr steigt um mindestens 1,3 Millionen Barrel/Tag. Mit Blick auf das langfristige Gleichgewicht erscheint im Moment ein Preis von USD 68/Barrel. an- gemessen. Weltwirtschaft dank USA weiterhin solide Autoren: jim.reid@db.com, quinn.brody@db.com, himanshul.porwal@db.com 20. November 2018 Internet: www.dbresearch.de BIP-Wachstum (%) Wichtige Marktkennzahlen 2016 2017 2018P 2019P Aktuell Q4 18P Q2-19P Q4 19P Global 3,2 3,8 3,8 3,8 US 10J-Renditen (%) 3,09 3,50 3,75 3,60 USA 1,6 2,2 2,9 2,8 EUR 10J-Renditen (%) 0,40 0,90 1,00 1,20 Euroraum 1,9 2,5 2,0 1,7 EUR/USD 1,13 1,17 1,25 1,30 Deutschland 2,2 2,2 1,6 1,3 USD/JPY 113 108 103 100 Japan 1,0 1,7 0,9 0,6 S&P 500 2,694 N/V N/V N/V Großbritannien 1,8 1,7 1,3 1,6 Stoxx 600 357 N/V N/V N/V China 6,7 6,9 6,6 6,3 Oil WTI (USD/Barrel) 57,2 72 70 68 Oil Brent (USD/Barrel) 67,3 80 78 76 Aktuelle Preise vom 15.11.2018 Leitzinsen (%) Aktuell 2017 2018P 2019P USA 2,125 1,375 2,375 3,375 Euroraum 0,00 0,00 0,00 0,00 Japan -0,10 -0,10 -0,10 -0,10 Großbritannien 0,75 0,50 0,75 1,00 China 1,50 1,50 1,50 1,50 Original in englischer Sprache: 15. November 2018 © Copyright 2018. Deutsche Bank AG, Deutsche Bank Research, 60262 Frankfurt am Main, Deutschland. Alle Rechte vorbehalten. Bei Zitaten wird um Quellenangabe „Deutsche Bank Research“ gebeten. Bei Zitaten wird um Quellenangabe „Deutsche Bank Research“ gebeten. Die vorstehenden Angaben stellen keine Anlage-, Rechts- oder Steuerberatung dar. Alle Meinungsaussagen geben die aktuelle Einschätzung des Ver- fassers wieder, die nicht notwendigerweise der Meinung der Deutsche Bank AG oder ihrer assoziierten Unternehmen entspricht. Alle Meinungen kön- nen ohne vorherige Ankündigung geändert werden. Die Meinungen können von Einschätzungen abweichen, die in anderen von der Deutsche Bank veröffentlichten Dokumenten, einschließlich Research-Veröffentlichungen, vertreten werden. Die vorstehenden Angaben werden nur zu Informations- zwecken und ohne vertragliche oder sonstige Verpflichtung zur Verfügung gestellt. Für die Richtigkeit, Vollständigkeit oder Angemessenheit der vorste- henden Angaben oder Einschätzungen wird keine Gewähr übernommen. 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