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17. November 2017
Der Euro kann seinen zweiten Platz unter den weltweit wichtigsten Reservewährungen bislang problemlos verteidigen. In Q2 2017 lag sein Anteil an den zugeordneten Währungsreserven nach Angaben des IWF bei 19,9%. Der US-Dollar bleibt mit 63,8% die unangefochtene Nummer eins unter den Reservewährungen. Doch sowohl der Euro als auch der Dollar mussten Anteile zugunsten anderer (nicht-traditioneller) Reservewährungen aufgeben. Ungeachtet der Frage, ob dies strukturellen Entwicklungen oder (vorübergehenden) Verschiebungen in der Reserveallokation geschuldet ist – die Diskussion um die führende Weltreservewährung (oder führenden Reservewährungen) des 21. Jahrhunderts gewinnt dadurch zweifelsohne an Bedeutung. [mehr]
PROD0000000000456039 1   |    17. November 2017Aktueller Kommentar 17. November 2017 Weltreservewährungen – (wie lange) wird die Dollar-Euro Dominanz bestehen? Autoren www.dbresearch.de Deutsche Bank Research Management Stefan Schneider Kevin Körner +49(69)910-31718 kevin.koerner@db.com Franziska Winkler +49(69)910-41438 franziska.winkler@db.com Der Euro kann seinen zweiten Platz unter den weltweit wichtigsten Reserve­ währungen bislang problemlos verteidigen. In Q2 2017 lag sein Anteil an den zugeordneten Währungsreserven nach Angaben des IWF bei 19,9%. Der US- Dollar bleibt mit 63,8% die unangefochtene Nummer eins unter den Reserve­ währungen. Doch sowohl der Euro als auch der Dollar mussten Anteile zuguns­ ten anderer (nicht-traditioneller) Reservewährungen aufgeben. Ungeachtet der Frage, ob dies strukturellen Entwicklungen oder (vorübergehenden) Verschie­ bungen in der Reserveallokation geschuldet ist – die Diskussion um die führen­ de Weltreservewährung (oder führenden Reservewährungen) des 21. Jahrhun­ derts gewinnt dadurch zweifelsohne an Bedeutung. Anteil der Weltreservewährungen Anmerkung: Anteil der zugeordneten FX-Reserven. *Chinesischer RMB erst seit Oktober 2016 seperat ausgewiesen, zuvor Bestandteil des Postens "other currencies". Quellen: IWF COFER, Deutsche Bank Research Weltreservewährungen – (wie lange) wird die Dollar­Euro Dominanz bestehen? 2   |    17. November 2017Aktueller Kommentar Der Euro kann seinen zweiten Platz unter den weltweit wichtigsten Reserve­ währungen bislang problemlos verteidigen. In Q2 2017 lag sein Anteil an den zugeordneten Währungsreserven bei 19,9%[1] und somit leicht höher als in Q2 2016 (19,4%). Die Gemeinschaftswährung beweist dadurch ihre Robustheit ge­ genüber erhöhter politischer Unsicherheit, etwa in Folge des britischen EU­Re­ ferendums und eines erstarkenden Populismus in Europa. Auch der Anteil des britischen Pfund blieb – trotz der starken Pfund­Abwertung infolge des Brexit­ Votums – mit 4,4% nahezu unverändert gegenüber dem Vorjahreswert (­0,14 %­Punkte). Obgleich der US­Dollar im Jahresvergleich 1,4 %­Punkte seiner An­ teile einbüßen musste, bleibt er mit 63,8% die unangefochtene Nummer eins unter den Reservewährungen. Im vergangenen Jahr wurde mit dem chinesi­ schen Renminbi eine fünfte[2] Währung in den Reservekorb des IWF aufge­ nommen. Große Veränderungen blieben seither allerdings aus: Mit 1,1% bean­ sprucht der RMB nur einen geringen Anteil der insgesamt 9,3 Billionen USD an zugeordneten FX-Reserven. Dollar-Aufwertung in Folgejahren der Finanzkrise drückt den Euro-Anteil In den Jahren nach der Finanzkrise hat sich das Gewicht des Euro an den inter­ nationalen Währungsreserven spürbar verringert. Nachdem der Euro-Anteil 2009 einen Höchstwert von 28% erreichte, schrumpfte dieser und konnte sich schließlich in den letzten beiden Jahren bei knapp 20% stabilisieren. Ein we­ sentlicher Teil dieser mittelfristigen Abnahme ist allerdings der starken Dollar- Aufwertung zuzuschreiben. So stiegen die Euro­Reserven seit Q2 2009 um ins­ gesamt 56% (absolute Werte). Gemessen in konstanten Wechselkursen (daher bereinigt um eine 24-prozentige Aufwertung des US-Dollars gegenüber dem Euro seit Q2) ergibt sich jedoch ein weit höherer Zuwachs von 93%[3]. Diese Beobachtung spricht für die Robustheit der Euro-Reserven in Zeiten erhöhter Unsicherheit, wie etwa während der europäischen Staatsschuldenkrise, als die Angst vor einem Auseinanderbrechen der Eurozone um sich griff. Dennoch lässt sich nicht bestreiten, dass sowohl der Euro als auch der Dollar in den ver­ gangenen Jahren Anteile zugunsten anderer (nicht­traditioneller) Reservewäh­ rungen aufgeben mussten. Ungeachtet der Frage, ob dies strukturellen Ent­ wicklungen oder (vorübergehenden) Verschiebungen in der Reserveallokation aus Gründen der Portfoliodiversifizierung geschuldet ist – die Diskussion um die führende Weltreservewährung (oder führenden Reservewährungen) des 21. Jahrhunderts gewinnt dadurch zweifelsohne an Bedeutung. Angeheizt wird die Debatte nicht zuletzt auch durch zunehmende Bestrebungen auf chinesischer Seite, die internationale Rolle des Renminbi zu stärken. Das „exorbitante Privileg“, die weltweit wichtigste Reservewährung zu sein Ob es sich tatsächlich um ein „exorbitantes Privileg“ handelt, die weltweit füh­ rende Reservewährung zu sein – um den früheren französischen Staatspräsi­ denten Valéry Giscard d’Estaing zu zitieren – oder ob eher die damit einherge­ hende internationale Verantwortung (sowie ungewollte Begleiterscheinungen wie teurere Exporte oder Umverteilungseffekte) überwiegen – diese Frage wird wohl nicht abschließend geklärt werden können. Doch wie am Beispiel der USA zu sehen ist, geht der Weltreservewährungsstatus unbestritten mit einem be­ günstigten Zugang zu globalen Finanzmärkten sowie der Möglichkeit einher, oh­ Weltreservewährungen – (wie lange) wird die Dollar­Euro Dominanz bestehen? 3   |    17. November 2017Aktueller Kommentar ne größere Beeinträchtigungen ausgeprägte Leistungs- und Haushaltsdefizite zu führen. Hinzu kommen auch „softe“ bzw. symbolische Vorteile. Dazu zählt das diplomatische Prestige, das sich aus dem Status einer Leitwährung als Sinnbild der eigenen politischen und wirtschaftlichen Stärke gewinnen lässt. In­ wiefern der Leitwährungsstatus aber tatsächlich einen guten Indikator für wirt­ schaftliches und politisches Gewicht liefert, bleibt indes offen. Reservewährungsstatus spiegelt nicht zwangsläufig wirtschaftliche Be­ deutung wider Trotz des wirtschaftlichen Aufschwungs Chinas in den vergangenen Dekaden ist die Bedeutung des Renminbi als globale Reservewährung nach wie vor ge­ ring. Während die Volksrepublik China nunmehr die weltweit drittgrößte Wirt­ schaft nach den USA und der Europäischen Union darstellt (und die größte ge­ messen am kaufkraftbereinigten BIP), umfasst der Renminbi nur einen Bruchteil der Weltreserven. Dieses Phänomen mag zunächst verwunderlich erscheinen, ist jedoch histo­ risch betrachtet keineswegs eine Anomalie. So spiegelt der Weltreservewäh­ rungsstatus nicht zwangsläufig das relative wirtschaftliche Gewicht eines Lan­ des wider, sondern ist vielmehr das Produkt zahlreicher volks­ und finanzwirt­ schaftlicher sowie politischer Faktoren. Dazu gehören die Währungspolitik von Drittländern (z.B. feste Wechselkurse und Währungskörbe) sowie Größe und Li­ quidität des Finanzmarkts im jeweiligen Währungsraum. Seit Ende des zweiten Weltkriegs fungierten die USA als vorherrschende (westliche) politische und wirtschaftliche Kraft. Etwa ein Viertel aller Währungen ist an den US­Dollar ge­ koppelt, während fast die Hälfte aller Transaktionen (inkl. des Löwenanteils aller Ölgeschäfte) in US-Dollar abgewickelt wird. Dazu kommt der große und liquide (Staats-) Anleihenmarkt der USA. Obgleich China eine zentrale Bedeutung in der Weltwirtschaft und im Welthandel zukommt, ist die Volksrepublik nach wie vor durch eine restriktive Wechselkurspolitik (etwa in Form von Kapitalkontrol­ len) sowie eine zunehmende wirtschaftliche Unsicherheit gekennzeichnet. Dies könnte für die fortdauernde Zurückhaltung in der Reservehaltung des Renminbi mitverantwortlich sein. Zudem spricht einiges für ein gewisses Trägheitselement in der Haltung von Währungsreserven. So fungierte das britische Pfund in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts noch als internationale Leitwährung, wäh­ rend sich das wirtschaftliche Gewicht längst zugunsten der USA verschoben hatte. Diese Sichtweise wird allerdings mittlerweile mehr und mehr infrage gestellt, un­ ter anderem von Barry Eichengreen, Berkeley-Professor und ehemaliger Senior Advisor beim IWF. Eichengreen prognostiziert dem Renminbi eine zunehmende internationale Bedeutung, im Einklang mit Chinas wachsender geopolitischer Rolle. Demnach könnte der Renminbi dem „Greenback“ irgendwann durchaus Konkurrenz machen. Dies müsse jedoch nicht zwangsläufig zu einer neuen vor­ herrschenden Leitwährung führen. Vielmehr distanziert sich Eichengreen von dieser „traditionellen Sichtweise“ und verweist auf die Möglichkeit eines multipo­ laren Szenarios, in welchem „mehrere Währungen eine wichtige, internationale Rolle einnehmen“[4]. Welche Rolle in einem solchen Szenario dem Euro zu­ kommt, wird wohl von mehreren Faktoren bestimmt werden. Dazu zählt sicher­ lich die Fähigkeit der Eurozone, ihre internen Diskrepanzen zu überwinden, Re­ Weltreservewährungen – (wie lange) wird die Dollar­Euro Dominanz bestehen? 4   |    17. November 2017Aktueller Kommentar Originalversion in Englisch vom 15. November 2017: ˮ21st century reserve currencies ­ (how long) will the dollar­euro do­ minance prevail?ˮ formen umzusetzen und sich in einem von ständigem Wandel gekennzeichne­ ten globalen Wettbewerbsumfeld zu behaupten. [1] IMF Currency Composition of Foreign Exchange Reserves (COFER)  Daten­ bank; die zugewiesenen Reserven in Q2 2017 decken rund 83% der Weltreser­ ven über USD 11,1 Billionen ab, während die Währungsaufteilung der verblei­ benden 17% nicht öffentlich publiziert wird. [2] Neben USD, EUR, GBP und JPY. [3] Siehe EZB (2017):  “The international role of the euro” . [4] Eichengreen et al. (2017): “How Global Currencies Work: Past, Present, and Future” ; Princeton University Press. Weltreservewährungen – (wie lange) wird die Dollar­Euro Dominanz bestehen? 5   |    17. November 2017Aktueller Kommentar © Copyright 2017. Deutsche Bank AG, Deutsche Bank Research, 60262 Frankfurt am Main, Deutschland. Alle Rechte vor­ behalten. Bei Zitaten wird um Quellenangabe „Deutsche Bank Research“ gebeten. 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