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3. Juni 2016
Wir korrigieren unsere BIP-Wachstumsprognose für Q2 von 0,3% auf 0,1% nach unten, da wir mit einer erheblichen Gegenbewegung nach dem starken Q1 rechnen. Während wir im Hinblick auf den Arbeitsmarkt optimistisch bleiben, glauben wir, dass der Einfluss der niedrigen Ölpreise auf das Realeinkommen langsam abklingt. Weiterhin hat der milde Winter in der Bauindustrie zu Vorzieheffekten geführt, wobei die Stärke der zugrunde liegenden Nachfrage nach Bauleistungen die Q2-Gegenbewegung begrenzen könnte. Unsere BIP-Prognose für 2016 lassen wir dennoch unverändert bei 1,7%. Trotz Flüchtlingsausgaben erzielte der Staatshaushalt 2015 ein Plus von 0,7% des BIPs und damit den höchsten Überschuss seit dem Jahr 2000. Der gute kurz- und mittelfristige Fiskalausblick reduziert allerdings die Reformnotwendigkeit der öffentlichen Haushalte nur geringfügig. [mehr]
Ausblick Deutschland: Wachstums- und Fiskalausblick: Risiken bleiben Aktuelle Themen Konjunktur BIP-Abwärtsrevision in Q2; Abwärtsrisiken für H2. In Q1 wurde das BIP- Wachstum (+0,7% gg. Vq. nach +0,3% zuvor) ausschließlich von einem stabilen Wachstum der Binnennachfrage angetrieben, die 0,8%-Punkte zum Gesamt- wachstum beitrug. Wir korrigieren unsere BIP-Wachstumsprognose für Q2 von 0,3% auf 0,1% nach unten, da wir mit einer erheblichen Gegenbewegung nach dem starken Q1 rechnen. Während wir im Hinblick auf den Arbeitsmarkt optimi- stisch bleiben, glauben wir, dass der Einfluss der niedrigen Ölpreise auf das Realeinkommen langsam abklingt. Weiterhin hat der milde Winter in der Bauin- dustrie zu Vorzieheffekten geführt, wobei die Stärke der zugrunde liegenden Nachfrage nach Bauleistungen die Q2-Gegenbewegung begrenzen könnte. Unsere BIP-Prognose für 2016 lassen wir unverändert bei 1,7%. Wir glauben weiterhin, dass das diesjährige Wachstum von der Binnennachfrage getrieben sein wird, insbesondere vom Konsum. Dagegen dürften die Nettoexporte das Wachstum dämpfen, da die schwache Weltwirtschaft und der stärkere Euro das Exportwachstum bremsen und das Importwachstum hoch bleiben dürfte. Guter mittelfristiger Fiskalausblick entschärft demographische Belastung kaum. Trotz Flüchtlingsausgaben erzielte der Staatshaushalt 2015 ein Plus von 0,7% des BIPs und damit den höchsten Überschuss seit dem Jahr 2000. Der öffentli- che Schuldenstand verbesserte sich abermals und liegt nun bei 71,2%. Bei an- haltend guter Wirtschaftsdynamik wird er weiter schrumpfen und könnte am Ende des Jahrzehnts sogar auf 60% – die im Vertrag von Maastricht verankerte Obergrenze – fallen. Dagegen ist in den anderen bevölkerungsreichen Eurolän- dern in den nächsten Jahren ein Schuldenrückgang kaum zu erwarten. Der gute kurz- und mittelfristige Fiskalausblick reduziert allerdings die Reformnotwendig- keit der öffentlichen Haushalte nur geringfügig. Deutschlands im internationalen Vergleich besonders schnell alternde Bevölkerung dürfte die Sozialversicherun- gen massiv belasten und deutliche Reformen notwendig machen. Leider läuft die aktuelle politische Diskussion – gut ein Jahr vor den Bundestagswahlen – eher in die entgegengesetzte Richtung. EZB spielt auf Zeit. Die EZB dürfte wohl bis September warten, bevor sie auf Basis einer ersten Analyse der Wirkungen ihres am 8. Juni startenden Ankauf- programms für Unternehmensanleihen und des TLTRO2 (erste Zuteilung am 23. Juni) über weitere Lockerungsschritte entscheiden wird. Wir erwarten, dass sie dabei wohl auf Nummer sicher geht und im Zweifel ihr QE-Programm über den März 2017 hinaus verlängert. Sollte es am 23. Juni zum Brexit kommen, erwarten wir, dass die EZB relativ zügig weitere Lockerungsschritte einleitet, um negative Auswirkungen auf die Wirtschaft der Eurozone zu begrenzen. Autor en Jochen Möbert +49 69 910-31727 jochen.moebert@db.com Heiko Peters +49 69 910-21548 heiko.peters@db.com Oliver Rakau +49 69 910-31875 oliver.rakau@db.com Stefan Schneider +49 69 910-31790 stefan-b.schneider@db.com Editor Stefan Schneider Deutsche Bank AG Deutsche Bank Research Frankfurt am Main Deutschland E-Mail: marketing.dbr@db.com Fax: +49 69 910-31877 www.dbresearch.de Inhaltsverzeichnis Seite Prognosetabellen ............................................2 BIP-Abwärtsrevision in Q2; Abwärtsrisiken für H2..............................................................3 Guter mittelfristiger Fiskalausblick entschärft demographische Belastung kaum ...................8 EZB spielt auf Zeit ........................................ 11 DB Makro-Überraschungsindex Deutschland .................................................. 13 Exportindikator .............................................. 14 Eventkalender ............................................... 15 Datenkalender .............................................. 16 Finanzmarktprognosen ................................. 17 Datenmonitor ................................................ 18 3. Juni 2016 Ausblick Deutschland Wach s tums - und Fiskalausblick: Risiken bleiben Ausblick Deutschland 2 | 3. Juni 2016 Aktuelle Themen Wachstum, Inflation, Leistungsbilanz, Budgetsaldo DX BIP - Wachstum Inflation* Leistungsbilanzsaldo Budgetsaldo in % gg. Vj. in % gg. Vj. in % des BIP in % des BIP 2015 2016P 2017P 2015 2016P 2017P 2015 2016P 2017P 2015 2016P 2017P Euroland 1,5 1,5 1,5 0,0 0,1 1,3 3,2 2,6 2,2 - 2,1 - 2,0 - 1,7 Deutschland 1,7 1,7 1,6 0,2 0,6 1,5 8,3 8,1 7,8 0,7 0,0 0,0 Frankreich 1,2 1,2 1,5 0,1 0,2 1,1 - 0,2 0,1 0,3 - 3,5 - 3,3 - 2,9 Italien 0,8 1,1 1,1 0,1 0,1 1,3 2,2 2,6 2,3 - 2,6 - 2,5 - 2,1 Spanie n 3,2 2,7 2,2 - 0,6 - 0,6 1,5 1,4 1,1 0,6 - 5,1 - 4,0 - 3,3 Niederlande 2,0 1,2 1,3 0,2 0,0 1,3 9,1 10,6 10,7 - 1,8 - 1,7 - 1,6 Belgien 1,4 1,0 1,2 0,6 1,0 1,7 0,0 1,0 1,0 - 2,6 - 2,7 - 2,3 Österreich 0,8 1,1 1,4 0,8 1,1 1,8 2,6 2,7 2,8 - 1,2 - 1,6 - 1,4 Finnland 0,5 0,6 1,0 - 0,1 0,2 1,3 0,1 0,3 0,4 - 2,7 - 2,6 - 2,1 Griechenland - 0,3 - 1,0 1,6 - 1,1 - 0,3 0,8 - 0,1 1,0 1,2 - 7,2 - 3,7 - 1,8 Portugal 1,5 1,3 1,5 0,5 0,3 1,4 0,6 1,0 0,9 - 4,4 - 2,8 - 2,6 Irland 7,8 3,8 3,2 0,0 0,3 1,7 4,5 4,0 3,5 - 2,3 - 1,1 - 0,6 Großbritannien 2,3 1,7 2,1 0,0 1,1 1,9 - 4,7 - 4,0 - 3,5 - 4,3 - 3,0 - 2,0 Dänemark 1,2 1,4 1,8 0,5 1,1 1,7 7,0 7,0 7,0 - 2,5 - 2,5 - 2,0 Norwegen 1,1 1,0 2,0 2,2 2,5 2,3 9,0 6,5 6,5 9,0 6,5 6,5 Schweden 3,9 3,4 2,5 0,0 0,9 1,8 5,9 5,7 5,5 - 0,8 - 1,0 - 0,5 Schweiz 0,9 1,3 1,5 - 1,1 - 0,5 0,2 11,4 9,0 8,0 0,3 - 0,5 - 0,5 Tschech. Rep. 4,3 2,6 3,2 0,3 1,0 1,7 1,6 1,2 0,8 - 1,9 - 1,4 - 1,2 Ungarn 2,9 2,4 3,1 - 0,1 0,4 1,4 4,4 4,2 3,5 - 2,0 - 1,9 - 2,5 Polen 3,6 3,6 3,5 - 0,9 - 0,6 1,2 - 0,2 - 0,8 - 0,7 - 2,5 - 2,9 - 3,0 USA 2,4 1,4 2,1 0,1 1,3 1,9 - 2,4 - 2,7 - 3,0 - 2,4 - 2,9 - 2,9 Japan 0,6 0,2 0,5 0,8 0,0 1,7 3,3 3,6 3,5 - 4,2 - 4,3 - 3,7 China 6,9 6,7 6,7 1,4 1,8 1,8 2,7 2,7 2,5 - 3,5 - 4,0 - 4,0 Welt 3,1 3,0 3,6 3,3 3,7 4,0 *Inflat ionsdaten für EU - Länder basieren auf harmonisierten Verbraucherpreisindizes außer bei Deutschland. Dies kann zu Diskrepanzen zu anderen DB Pub likationen führen. Quellen: Nationale Behörden, Nationale Zentralbanken, Deutsche Bank Prognosen Deutschland: BIP-Wachstum nach Komponenten, % gg.Vq., Jahresdaten % gg.Vj. DX 2015 2016 2013 2014 2015 2016P 2017P Q1 Q2 Q3 Q 4 Q1 Q2P Q3P Q4P BIP 0,3 1,6 1,7 1,7 1,6 0,3 0,4 0,3 0,3 0,7 0,1 0,5 0,5 Privater Konsum 0,6 0,9 2,0 1,8 1,3 0,4 0,1 0,6 0,4 0,4 0,2 0,5 0,4 Staatsausgaben 0,8 1,7 2,5 2,8 1,8 0,4 0,7 1,3 0,9 0,5 0,7 0,8 0,8 Anlageinvestitionen - 1,3 3,5 2,2 2,8 1,7 1,7 - 0,4 - 0,3 1,4 1,8 - 0,5 0,2 0,5 Ausrüstungen - 2,3 4,5 4,8 3,2 1,4 1,9 0,5 - 0,8 1,0 1,9 - 0,5 0,6 0,6 Bau - 1,1 2,9 0,3 3,0 2,2 1,8 - 1,3 - 0,3 2,0 2,3 - 0,9 - 0,2 0,4 Lager, %-Punkte 0,6 - 0,3 - 0,5 0,1 0,0 - 0,1 - 0,3 0,0 0,1 0,1 0,0 0,0 0,0 Exporte 1,6 4,0 5,4 2,8 4,4 1,5 1,8 0,2 - 0,6 1,0 0,8 1,3 1,0 Importe 3,1 3,7 5,8 4,3 4,7 2,1 0,5 1,1 0,5 1,4 1,0 1,3 1,0 Nettoexport, %-Punkte - 0,5 0,4 0,3 - 0,5 0,2 - 0,2 0,6 - 0,3 - 0,5 - 0,1 0,0 0,1 0,1 Konsumentenpreise* 1,5 0,9 0,2 0,6 1,5 0,0 0,5 0,1 0,3 0,3 0,2 0,9 1,2 Arbeitslosenquote, % 6,9 6,7 6,4 6,3 6,8 6,5 6,4 6,4 6,3 6,2 6,2 6,4 6,5 Industrieproduktion 0,1 1,5 0,5 1,3 Budgetsaldo, % BIP - 0,1 0,3 0,7 0,0 0,0 Öffentlicher Schuldenstand, % BIP 77,2 74,7 71,2 69,3 67,1 Leistungsbilanzsaldo, % BIP 6,5 7,3 8,3 8,1 7,8 Leistungsbilanzsaldo, EUR Mrd. 182 212 249 254 254 *Inflationsdaten für Deutschland basieren auf nationaler Abgren zung. Dies kann zu Diskrepanzen zu anderen DB Publikationen führen. Quellen: Statistisches Bundesamt, Deutsche Bundesbank, Arbeitsagentur, Deutsche Bank Research Ausblick Deutschland 3 | 3. Juni 2016 Aktuelle Themen BIP-Abwärtsrevision in Q2; Abwärtsrisiken für H2 — In Q1 wurde das BIP-Wachstum (+0,7% gg. Vq. nach +0,3% zuvor) aus- schließlich von einem stabilen Wachstum der Binnennachfrage angetrieben (+0,8% nach +0,9%), was 0,8%-Punkte zum Gesamtwachstum beitrug. Das Wachstum der Binnennachfrage wurde durch die gute Situation auf dem Arbeitsmarkt mit anhaltend starken zuwanderungsbedingten Anstiegen der Beschäftigtenzahlen und einer robusten Lohndynamik unterstützt. Des Wei- teren profitierten die Investitionen von einem Anstieg der Exporte und der Kapazitätsauslastung, flüchtlingsbedingten staatlichen Investitionen und starkem zugrunde liegenden Wohnungsbau sowie saisonalen Faktoren. — Neben den saisonalen Faktoren lag der Anstieg des Gesamtwachstums im Vergleich zu Q4 auch am geringeren Gegenwind durch die Nettoexporte (-0,1%-Punkte im Vergleich zu -0,5%-Punkte zuvor), bedingt durch eine Er- holung der Exporte (+1,0% im Vergleich zu -0,6%). Diese gingen zuvor durch den schwachen Welthandel und insbesondere die schwache Nach- frage aus den OPEC-Staaten zurück. — Wir korrigieren unsere BIP-Wachstumsprognose für Q2 von 0,3% auf 0,1% nach unten, da wir mit einer erheblichen Gegenbewegung nach dem star- ken Q1 rechnen. Während wir im Hinblick auf den Arbeitsmarkt optimistisch bleiben, glauben wir, dass der Einfluss der niedrigen Ölpreise auf das Real- einkommen langsam abklingt. Weiterhin hat der milde Winter in der Bauin- dustrie zu Vorzieheffekten geführt, wobei die Stärke der zugrunde liegenden Nachfrage nach Bauleistungen die Q2-Gegenbewegung begrenzen könnte. Aufgrund der schwachen Exportstimmung, rückläufigen Investitionsgüterbe- stellungen und der gesunkenen Kapazitätsauslastung gehen wir davon aus, dass die Ausrüstungsinvestitionen das Q2-Wachstum belasten werden. — Unsere grundlegende Einschätzung der Wachstumsaussichten für Deutsch- land 2016 bleibt jedoch weitgehend unverändert. Im Schnitt liegt das Wach- stum in Q1 und Q2 2016 zusammen voraussichtlich immer noch über jenem in H2 2015. Auch unsere BIP-Prognose für 2016 bleibt unverändert (1,7%). Wir glauben weiterhin, dass das diesjährige Wachstum von der Binnen- nachfrage getrieben sein wird, insbesondere vom Konsum. Dagegen dürf- ten die Nettoexporte das Wachstum dämpfen, da die schwache Weltwirt- schaft und der stärkere Euro das Exportwachstum bremsen und das Im- portwachstum hoch bleiben dürfte. — Unsere Risikobewertung bleibt ebenso unverändert: Wir sehen Aufwärtsrisi- ken für unsere Prognose der Binnennachfrage (Bau, privater und staatlicher Konsum) und Abwärtsrisiken für unsere Wachstumsprognosen für den Ex- port und für die Ausrüstungsinvestitionen (Abwärtsrisiko hinsichtlich H2- Erwartungen für das globale Wachstum, Unsicherheit aufgrund geopoliti- scher Risiken). Insgesamt haben die Abwärtsrisiken ein leichtes Überge- wicht, insbesondere, wenn man den moderaten Abwärtstrend und das nied- rige Niveau der weltweiten Einkaufsmanagerindizes (im verarbeitenden Gewerbe) betrachtet. Weiterhin vermutet unser China-Experte einen Wach- stumsrückgang im H2 2016, und unsere US-Experten sind ebenfalls nicht optimistisch im Hinblick auf einen wesentlichen Wachstumsaufschwung nach einem schwachen Q1. Ausblick Deutschland 4 | 3. Juni 2016 Aktuelle Themen BIP-Details in Q1: Anhaltend starke Binnennachfrage mit geringe- rem Gegenwind von außen Das BIP-Wachstum in Q1 (+0,7% gg. Vq. im Vergleich zu +0,3% im vorherigen Quartal) wurde erneut von einer starken Binnennachfrage dominiert, die das dritte Quartal in Folge stark anstieg (+0,8% im Vergleich zu +0,9%) und 0,8%-Punkte zum Gesamtwachstum beitrug. Die Zusammensetzung des An- stiegs bei der Binnennachfrage hat sich wenig verändert. Privater und staatli- cher Konsum sowie Ausrüstungs- und Bauinvestitionen sind weiterhin stark und tragen jeweils zwischen 0,1%-Punkte und 0,2%-Punkte zum Gesamtwachstum bei. Neben den saisonalen Faktoren lag der Anstieg des Gesamtwachstums im Ver- gleich zu Q4 auch am geringeren Gegenwind durch die Nettoexporte (-0,1%-Punkte im Vergleich zu -0,5%-Punkte zuvor), bedingt durch eine Erho- lung der Exporte (+1,0% im Vergleich zu -0,6%), nachdem diese zuvor durch den schwachen Welthandel und insbesondere die schwache Nachfrage aus den OPEC-Staaten gefallen waren. Die Importe stiegen (+1,4% im Vergleich zu 0,5%) dank stärkeren Exporten, die die Nachfrage nach Zwischengütern erhöh- ten, und einer robusten Binnennachfrage. Die Treiber der Binnennachfrage blieben weitgehend gleich: — Anhaltend gute Arbeitsmarktlage: Der private Konsum (unverändert bei +0,4%) profitierte vom starken Wachstum des verfügbaren Einkommens (+2,5% gg. Vj. im Vergleich zu +2,8% im Vorquartal). Vor allem die Lohn- einkommen wuchsen dynamisch (Bruttolöhne +4,2% im Vergleich zu +4,1%), wohingegen Einkommen aus unternehmerischer Tätigkeit und Vermögen schwach blieb (+0,8% im Vergleich zu -1,0%). Dies ist eine Folge des starken Arbeitsmarkts mit dem höchsten quartalsweisen Beschäfti- gungszuwachs (+0,4% im Quartalsvergleich) seit Q1 2008 und der anhal- tenden Stärke des Bruttolohnanstiegs je Arbeitnehmer (+2,4% gg. Vj. im Vergleich zu +2,5% zuvor). Der Beschäftigungszuwachs kann auf die Integ- ration von eingewanderten Arbeitnehmern, vermutlich vorwiegend aus Süd- und Osteuropa, zurückgeführt werden. Die Sparquote ist in etwa auf ihren historischen Durchschnitt gefallen (9,6% im Vergleich zu 10%), nachdem der stimulierende Einfluss der niedrigen Ölpreise auf die Realeinkommen vermutlich nachlässt. — Starke Staatsausgaben: Der staatliche Konsum blieb robust (+0,5% gg. Vq. nach +0,9% zuvor). Hier hat vermutlich das große Flüchtlingsaufkommen starke Auswirkungen gehabt – obwohl der Zustrom in jüngster Zeit deutlich nachgelassen hat. Diese Komponente bleibt durch die graduelle Eingliede- rung der Flüchtlinge in den Arbeitsmarkt (z.B. Integrations- und Sprachkur- se) wahrscheinlich weiterhin auf einem hohen Niveau. Weiterhin blieben auch die staatlichen Investitionen auf einem hohen Level. Sie sind zwar ge- fallen (-2,0% gg. Vq.), sind aufgrund der starken Anstiege von 7,1% und 2,8% in den vorhergehenden Quartalen jedoch immer noch auf einem ho- hen Niveau. Dies liegt vermutlich an höheren Militärausgaben, flüchtlings- bedingten Wohnbauinvestitionen und allgemeinen Infrastrukturausgaben. Obwohl es auf Quartalsbasis bei diesen Komponenten einen Rückgang gab, scheint der allgemeine Aufwärtstrend stabil zu bleiben. — Private Investitionen profitierten von einer starken Nachfrage nach Baulei- stungen und hoher industrieller Kapazitätsauslastung. Private Ausrüstungs- investitionen stiegen um robuste 3,0% gg. Vq. (im Vergleich zu -0,5% zu- vor). Private Bauinvestitionen stiegen weiter an (+2,6% im Vergleich zu +1,6%). - 1.0 - 0.5 0.0 0.5 1.0 1.5 2.0 2.5 10 11 12 13 14 15 16 Reales BIP 2014 Durchschnitt 2015 Durchschnitt 2016 Durchschnitt Reales BIP, % gg. Vq. Quellen: Statistisches Bundesamt, Deutsche Bank Research Anhaltend robustes Wachstum 1 – 1.0 – 0.5 0.0 0.5 1.0 1.5 11 12 13 14 15 16 Erwerbstätige Geleistete Arbeitsstunden Produktivität je Stunde Reales BIP Hohes Beschäftigungswachstum 2 % gg. Vq., 4Q - Durchschnitt Quellen: Statistisches Bundesamt, Deutsche Bank Research - 0.5 0 0.5 1 1.5 2 10 11 12 13 14 15 16 Staat Rest Reales BIP Quellen: Statistisches Bundesamt, Deutsche Bank Research Beitrag zum realen BIP - Wachstum, gg. Vq., % - P. Q1 2016: Starke Privatwirtschaft 3 Ausblick Deutschland 5 | 3. Juni 2016 Aktuelle Themen Q2-Ausblick: Rückgang wegen Investitionsstärke in Q1 und ab- klingenden Auswirkungen aufgrund des Ölpreises Nachdem das Wachstum in Q1 stärker als erwartet ausfiel, korrigieren wir unse- re BIP-Wachstumsprognose für Q2 von +0,3% gg. Vq. auf +0,1% gg. Vq. Dies stellt keine veränderte Einschätzung des zugrunde liegenden Wachstumstrends dar. Stattdessen glauben wir, dass in Q2 aufgrund des starken Q1 eine Gegen- bewegung stattfinden wird. Wir erwähnten Aufwärtsrisiken für unsere Q1- Prognose aufgrund von einmaligen Faktoren, die eingetreten sind. Insgesamt sollten Q1 und Q2 zusammen trotzdem durchschnittliche Quartalswachstumsra- ten von 0,4% aufweisen – etwas mehr als in H2 2015. Wir erwarten die Gegenbewegung hauptsächlich beim Bau und den Ausrü- stungsinvestitionen. In Q1 stiegen die gesamten Bauinvestitionen um 2,3% gg. Vq., was den höchsten Anstieg seit Q1 2014 darstellt. Wie damals spielte hier der milde Winter eine entscheidende Rolle. Dies wird durch die Einschätzung des Wetters durch Baubetriebe untermauert, wobei der Bau-PMI auf eine starke Abschwächung in Q2 hindeutet. Weiterhin liegt ein negativer statistischer Über- hang von Q1 auf Q2 vor, da die Bauproduktion im März 1,5% unter dem hohen Durchschnitt des Q1 lag. Die Stärke der Ausrüstungsinvestitionen in Q1 (+1,9% im Vergleich zu +1,0%) stand in Verbindung mit einem Anstieg der Kapazitätsauslastung auf über 85% dank gesteigerter Auslandsnachfrage. Jedoch ist die Kapazitätsauslastung seit- dem wieder gesunken (84,4%). Weiterhin deuten die inländischen Investitions- güterbestellungen auf einen quartalsmäßigen Rückgang der Ausrüstungsinve- stitionen in Q2 hin. Abschließend haben sich Frühindikatoren für Auslandsnach- frage, wie die ifo-Exporterwartungen, abgeschwächt. Darüber hinaus glauben wir, dass das private Konsumwachstum zeitweise durch den negativen Effekt steigender Ölpreise auf das reale verfügbare Ein- kommen gebremst werden könnte. In den letzten beiden Jahren gab es einen starken inversen Zusammenhang zwischen den beiden Zeitreihen (Grafik 12). Angesichts der Ölpreisentwicklung haben wir auch unsere Inflationsprognose (nationale Definition) für 2016 von 0,3% auf 0,6% angehoben. 75 80 85 90 95 100 105 Jan 2013/15 Jan 2014/16 Start Jan. 13 Start Jan. 15 Bauproduktion, real, Feb. 2014 & 2016=100 Hält Gegenbewegung im April an? 4 Quellen: Statistisches Bundesamt, Deutsche Bank Research 40 45 50 55 60 65 70 - 10 - 5 0 5 10 15 20 10 11 12 13 14 15 16 Bauinvestitionen (links) Bau - PMI (rechts) % gg. Vq. (links); Index (rechts) Bau: Schwächeres Q2 5 Quellen: Statistisches Bundesamt, Markit - 70 - 50 - 30 - 10 10 30 50 - 15 - 10 - 5 0 5 10 15 20 25 30 12 13 14 15 16 Bauproduktion (links) ifo - Bauumfrage, "schlechtes Wetter" (rechts) Wettereffekt lässt nach 6 % gg. Vj., 3M - Schnitt (links); Saldo (r., inv.) Quellen: ifo, Statistisches Bundesamt Ausblick Deutschland 6 | 3. Juni 2016 Aktuelle Themen H2 2016: Inländische Aufwärtsrisiken im Vergleich zu ausländischen Abwärtsrisiken Wir sind optimistisch, dass sich die deutsche Wirtschaft nach dem erwarteten schwachen Q2 dank ihrer zugrunde liegenden Robustheit wieder erholen wird. Wir halten an unserer Prognose von hohen Quartalswachstumsraten von 0,5% gg. Vq. für Q3 und Q4 fest. Folglich bleibt unsere BIP-Prognose für 2016 unve- rändert bei 1,7% gg. Vj. Unsere Einschätzung der Zusammensetzung des Wachstums in 2016 bleibt weitgehend unverändert (Grafik 14). Die Binnennachfrage und insbesondere der private Konsum (+1,8% im Jahresvergleich) sowie der staatliche Konsum (+2,8%) sollten die primären Wachstumstreiber bleiben. Hauptsächlich aufgrund des starken Jahresbeginns gehen wir von einem soliden Investitionswachstum aus (+2,8%). Jedoch erwarten wir, dass die Nettoexporte das Wachstum des BIP dämpfen (-0,5%-Punkte). In unserer Fiskalprognose halten wir weiterhin an einem ausgeglichenen Haushalt in diesem und dem nächsten Jahr fest. Nachfrage und Preisimpuls 9 …für deutsche Exporte (+) pos. / (-) neg. Quellen: Eurostat, Deutsche Bank Research 70 72 74 76 78 80 82 84 86 88 90 00 02 04 06 08 10 12 14 16 Durchschnitt seit 1993 Quelle: ifo Verarbeitendes Gewerbe, %, sb. Geringere Kapazitätsauslastung 7 -20 -15 -10 -5 0 5 10 06 07 08 09 10 11 12 13 14 15 16 Inländische Investitionsgüteraufträge ohne Flugzeuge, 1Q verzögert Ausrüstungsinvestitionen (VGR) Quelle: Statistisches Bundesamt Real, % gg. Vq. Investitionsgüteraufträge gesunken 8 75 100 125 150 175 200 05 06 07 08 09 10 11 12 13 14 15 16 Auftragseingang Auftragsbestand Quellen: Destatis, Deutsche Bank Research 2010=100, kalendar - und saisonbereinigt Wohnungsbau: Auftragsschub 10 50 60 70 80 91 95 99 03 07 11 15 Kapazitätsauslastung nahe der Hochs 11 Bauwirtschaft, in % Quellen: ifo, Deutsche Bank Research - 40 - 30 - 20 - 10 0 10 20 30 40 - 0.6 - 0.4 - 0.2 0 0.2 0.4 0.6 0.8 1 1.2 10 11 12 13 14 15 16 Privater Konsum (links) Ölpreis (Brent, invertiert, rechts) Deutschland: Realer Konsum & Ölpreis 12 % gg. Vq. Quellen: Statistisches Bundesamt, Bloomberg Finance LP Ausblick Deutschland 7 | 3. Juni 2016 Aktuelle Themen Auch unsere Risikobewertung bleibt weitgehend unverändert. Wir sehen Auf- wärtsrisiken für die Binnennachfrage, insbesondere im Baubereich, wo kräftig gestiegene Auftragszahlen in den letzten Monaten den Auftragsbestand deutlich in die Höhe getrieben haben. Jedoch befürchten wir, dass die bereits hohe Ka- pazitätsauslastung im Baugewerbe die Auswirkungen einschränken bzw. auf einen späteren Zeitpunkt in 2016 verschieben könnte. Die Risiken im Hinblick auf unseren Exportausblick und das Wachstum der Aus- rüstungsinvestitionen sind jedoch abwärts gerichtet. Basierend auf dem weltwei- ten PMI im verarbeitenden Gewerbe und der Exportauftragskomponente wird sich das Wachstum des Welthandels nicht so bald erholen und vermutlich unter dem weltweiten BIP-Wachstum liegen. Dies könnte deutsche Exporte stärker beeinflussen als wir aktuell prognostizieren. Als Folge könnte die deutsche In- dustrie ihre Investitionsausgaben reduzieren. Weitreichende (geo-)politische Risiken könnten insbesondere Mitte des Jahres zur gedämpften Investitionsbe- reitschaft beitragen. Heiko Peters (+49 69 910-21548, heiko.peters@db.com) Oliver Rakau (+49 69 910-31875, oliver.rakau@db.com) Deutschland: BIP-Prognose 14 Wachstumsbeitrag zum realen BIP-Wachstum (gg. Vq. oder gg. Vj.), Prozentpunkte Quellen: Statistisches Bundesamt, Deutsche Bank Research 40 45 50 55 60 10 11 12 13 14 15 16 Verarbeitendes Gewerbe Verarbeitendes Gewerbe - Exportaufträge Dienstleistungssektor Quelle: Markit Index, sb. Globale Einkaufsmanagerindizes: Schwache Aussichten 13 Ausblick Deutschland 8 | 3. Juni 2016 Aktuelle Themen Guter mittelfristiger Fiskalausblick entschärft demographische Belastung kaum — Trotz Flüchtlingsausgaben erzielte der Staatshaushalt 2015 ein Plus von 0,7% des BIPs und damit den höchsten Überschuss seit dem Jahr 2000. Zudem verzeichneten alle Gebietskörperschaften und die Sozialversiche- rungen zum ersten Mal seit der Wiedervereinigung einen Überschuss. — Der öffentliche Schuldenstand verbesserte sich abermals und liegt nun bei 71,2%. Bei anhaltend guter Wirtschaftsdynamik wird er weiter schrumpfen und könnte am Ende des Jahrzehnts sogar auf 60% – die im Vertrag von Maastricht verankerte Obergrenze – fallen. Dagegen ist in den anderen bevölkerungsreichen Euroländern in den nächsten Jahren ein Schuldenrückgang kaum zu erwarten. — Der gute kurz- und mittelfristige Fiskalausblick reduziert allerdings die Re- formnotwendigkeit der öffentlichen Haushalte nur geringfügig. Deutschlands im internationalen Vergleich besonders schnell alternde Bevölkerung dürfte die Sozialversicherungen massiv belasten und deutliche Reformen notwen- dig machen. Leider läuft die aktuelle politische Diskussion – gut ein Jahr vor den Bundestagswahlen – eher in die entgegengesetzte Richtung. Komfortable Haushaltslage trotz Mehrausgaben Trotz der Mehrausgaben im Zuge der Flüchtlingskrise erzielte der Staatshaus- halt 2015 ein Plus von 0,7% des BIPs und damit den höchsten Überschuss seit dem Jahr 2000. Zudem war dies das erste Jahr seit der Wiedervereinigung, in dem alle Gebietskörperschaften und die Sozialversicherungen einen Über- schuss erzielten. Fast die Hälfte des Überschusses, 0,33% des BIPs, entfallen auf den Bund. Dieser hohe Überschuss erlaubt eine Rücklagenbildung in Höhe von EUR 12,1 Mrd. für die Aufnahme und Unterbringung der Flüchtlinge in den kommenden Jahren. Auf der Grundlage von Berechnungen des Bundesfinanz- ministeriums, welche die Gesamtkosten im Zuge der Flüchtlingskrise auf minde- stens EUR 16 Mrd. jährlich beziffert, dürfte diese Rücklage in den nächsten Jahren wohl abschmelzen. Werden dieses Jahr, wie von der Bundesregierung angenommen, rund eine halbe Millionen neue Flüchtlinge nach Deutschland kommen und unterstellt man Geld- und Sachleistungen pro Jahr und Flüchtling von etwa EUR 12.000., fallen alleine für die Neuankömmlinge Kosten in Höhe von EUR 6 Mrd. an. Bisher hat der Bund den Ländern und Kommunen Ausga- ben im Zusammenhang mit der Flüchtlingskrise in Höhe von lediglich EUR 4,5 Mrd. zugesagt und für Integrationsmaßnahmen, wie Sprachkurse, weitere EUR 3,5 Mrd. eingeplant. Die tatsächlichen Ausgaben des Bundes könnten also deutlich über den bisherigen Plangrößen liegen. Auch unter Berücksichtigung dieser potentiellen Mehrausgaben erwarten wir für den Bundeshaushalt für 2016 einen kleinen Finanzierungsüberschuss, denn auf der Einnahmeseite setzt sich die positive Entwicklung der vergangenen Jahre fort. Im ersten Quartal dieses Jahres sind die Steuereinnahmen gegenüber dem Vorjahresquartal er- neut kräftig gestiegen und aufgrund der robusten Konjunkturlage dürften die Steuereinnahmen auch für das Gesamtjahr dynamisch weiterwachsen. Die Staatseinnahmen der Länderhaushalte haben im ersten Quartal ebenfalls deutlich zugelegt. Angesichts der hohen Korrelation mit den Steuereinnahmen insgesamt dürften auch die kommunalen Einnahmen gestiegen sein. Die Aus- gaben für die Flüchtlinge belasten die Länder- und kommunalen Haushalte allerdings vermutlich stark, weshalb wir für beide Gebietskörperschaften, trotz der geplanten Bundesmittel in Milliardenhöhe und womöglich weiterer Bundes- zuschüsse, für das Gesamtjahr ein Defizit in Höhe von jeweils EUR 1,0 Mrd. erwarten. - 5.0 - 4.0 - 3.0 - 2.0 - 1.0 0.0 1.0 2.0 00 02 04 06 08 10 12 14 16 Bund Länder Gemeinden Sozialversicherungen Gesamtstaat: Finanzierungssaldo 1 % des BIP Quellen: Bundesbank, Deutsche Bank Research - 120.0 - 100.0 - 80.0 - 60.0 - 40.0 - 20.0 0.0 20.0 40.0 00 02 04 06 08 10 12 14 16 Bund Länder Gemeinden Sozialversicherungen Gesamtstaat: Finanzierungssaldo 2 EUR Mrd. Quellen: Bundesbank, Deutsche Bank Research - 20.0 - 15.0 - 10.0 - 5.0 0.0 5.0 10.0 15.0 20.0 25.0 00 02 04 06 08 10 12 14 16 Rentenversicherung Bundesagentur für Arbeit Krankenversicherung Pflegeversicherung Gesamtstaat: Sozialversicherungen 3 EUR Mrd. Quellen: Bundesbank, Deutsche Bank Research Ausblick Deutschland 9 | 3. Juni 2016 Aktuelle Themen Die positive Entwicklung der Staatseinnahmen zu Jahresbeginn spiegelt sich auch in den Sozialversicherungen (Renten-, Kranken-, Pflege- und Arbeitslo- senversicherung) wider. Die Einnahmen erhöhten sich in erster Linie dank der steigenden Beschäftigtenzahl. Aufgrund der dynamischeren Ausgabenentwick- lung erwarten wir aber nur einen marginalen Jahresüberschuss in Höhe von EUR 0,1 Mrd. Die Versorgung der Flüchtlinge wird vor allem die Krankenver- sicherungen belasten und vermutlich zu einem weiteren Defizitjahr beitragen. So erwarten wir für 2016, wie im Vorjahr, ein Defizit der Krankenversicherungen von mehr als EUR 3 Mrd. Dagegen dürften die durch die Flüchtlinge verursach- ten Ausgaben der Bundesagentur für Arbeit (BA), insbesondere für Sprachkur- se, dank solider Haushaltslage wenig ins Gewicht fallen. So dürfte die BA auf- grund der anhaltend guten Konjunkturlage einen Überschuss in Höhe von EUR 3,5 Mrd. erzielen. Bestehen die hohen Überschüsse in den Folgejahren fort, könnte die komfortable Kassenlage sinkende Beitragssätze erlauben. Auch der Finanzierungssaldo der Rentenversicherung verbesserte sich im ersten Quartal 2016 relativ zum Vorjahresquartal. Jedoch werden aufgrund der kräftigen Ren- tenerhöhungen zum 1. Juli diesen Jahres (+4,25% im Westen, +5,95% im Osten) die Ausgaben anziehen. Für das Gesamtjahr rechnen wir deshalb mit einem Defizit in der Rentenversicherung von EUR 2,3 Mrd. Die Pflegeversiche- rung dürfte dagegen erneut ein Plus von EUR 2,2 Mrd. aufweisen, nachdem bereits im Vorjahr ein Überschuss von EUR 1,7 Mrd. zu verzeichnen war. Ne- ben der guten Konjunkturlage schlägt hier auch die Anhebung der Beitragssätze im Jahr 2015 positiv zu Buche. Deutschlands mittelfristiger Ausblick nochmals verbessert Der höher als erwartete Überschuss im Jahr 2015 verbessert auch den aktuel- len Schuldenstand auf 71,2% des BIPs (Jahresendstand). Unterstellt man bis zum Jahr 2020 einen ausgeglichenen Haushalt und ein nominales BIP- Wachstum von rund 3% pro Jahr, was in etwa der Wirtschaftsdynamik der letz- ten Jahre entspricht, dann dürfte der Schuldenstand auf nahezu 60% fallen. In den Folgejahren könnte dann zum ersten Mal seit 2002 die im Vertrag von Maastricht vereinbarte Obergrenze eingehalten werden. Deutschland könnte somit relativ zu den großen Euroländern seine Sonderstellung ausbauen, denn die EU-Kommission prognostiziert bis zum Jahr 2017 nur marginale Verände- rungen der Schuldenquoten (Frankreich 97,0%, +1,2% relativ zum Jahr 2015, Italien 131,8%, -0,9% und Spanien 99,6%, +0,4%). Aufgrund der Reformmüdig- keit dieser Länder ist eine baldige Trendwende kaum abzusehen. Im Gegenteil, die EU-Kommission toleriert mit ihrer großzügigen Interpretation und nachsichti- gen Beurteilungen die Nichteinhaltung des Fiskalpakts. So lagen die portugiesi- schen und spanischen öffentlichen Defizite seit 2008 über der im Fiskalpakt vereinbarten 3%-Grenze. Obwohl in diesem Fall der Fiskalpakt die Verhängung einer Strafe erlaubt, hat die EU-Kommission hiervon bisher weder Gebrauch gemacht noch dieses Druckmittel als politische Option betrachtet. Die nationa- len Defizite werden insbesondere dann zum europäischen Problem, wenn der aktuelle Konjunkturzyklus endet und der jetzige fiskalische und geldpolitische Handlungsrahmen weiter ausgeweitet werden muss. Viele Beobachter sehen monetäre Staatsfinanzierung, oft als Helikoptergeld tituliert, dann als wahr- scheinliche Politikoption an. Langfristiger Ausblick: Weiterhin hoher Reformbedarf In den nächsten Jahrzehnten weisen viele Länder bessere demographische Vorzeichen auf als Deutschland. Aufgrund der recht schnell alternden deut- schen Bevölkerung drohen große fiskalische Anpassungen. Auch der gute mit- telfristige Ausblick mildert die Herausforderung nur geringfügig. Aktuelle Lang- - 1 0 1 2 40 50 60 70 80 90 12 14 16 18 20 Finanzierungssaldo (rechts) Schuldenstand (links) Budgetsaldo und Schuldenstand 4 % des BIP Quellen: Statistisches Bundesamt, Deutsche Bank Research 30 60 90 120 150 97 99 01 03 05 07 09 11 13 15 17 DE ES FR IT Öffentliche Schuldenstände 5 % des BIP Quelle: Eurostat - 12.0 - 9.0 - 6.0 - 3.0 0.0 3.0 97 01 05 09 13 17 ES PT Gesamtstaat: Finanzierungssaldo 6 % des BIPs Quelle: Eurostat Ausblick Deutschland 10 | 3. Juni 2016 Aktuelle Themen fristprojektionen zeigen einen kräftigen Bevölkerungsrückgang an. Bis zum Jahr 2060 wird die Einwohnerzahl im besten Fall auf 70 Millionen, im schlechten Fall aber sogar auf rund 60 Millionen, zurückgehen. In beiden Fällen dürften ohne Reformen die Sozialversicherungsbeiträge von derzeit unter 40% der beitrags- pflichtigen Bruttoentgelte auf deutlich über 40% ansteigen. Gleichzeitig wird die Zahl der Beschäftigten nach 2020 voraussichtlich sukzessive schrumpfen – von heute über 43 Millionen Beschäftigten auf bis zu 30 Millionen im Jahr 2060. Folglich erwarten wir, trotz des positiven mittelfristigen Ausblicks, weiterhin ei- nen massiven Anstieg des Verhältnisses von Rentnern zu Erwerbstätigen. Ent- sprechend groß dürfte der politische Handlungsbedarf sein, um solide öffentli- che Haushalte gewährleisten zu können. Neben einer Fortsetzung der konser- vativen Fiskalpolitik wäre die Einführung von Nachhaltigkeitskomponenten in die Sozialsysteme ratsam. Höchste Bedeutung hat dabei eine Rentenreform, um der besonders großen Tragfähigkeitslücke der Rentenversicherung entgegen- zuwirken. Zurzeit – gut ein Jahr vor der nächsten Bundestagswahl im Herbst 2017 – läuft die Diskussion aber eher in die entgegengesetzte Richtung. Jochen Möbert (+49 69 910-31727, jochen.moebert@db.com) Ausblick Deutschland 11 | 3. Juni 2016 Aktuelle Themen EZB spielt auf Zeit — Die EZB dürfte wohl bis September warten, bevor sie auf Basis einer ersten Analyse der Wirkungen ihres am 8. Juni startenden Ankaufprogramms für Unternehmensanleihen und des TLTRO2 (erste Zuteilung am 23. Juni) über weitere Lockerungsschritte entscheiden wird. — Wir erwarten, dass sie dabei wohl auf Nummer sicher geht und im Zweifel ihr QE-Programm über den März 2017 hinaus verlängert. — Sollte es am 23. Juni zum Brexit kommen, erwarten wir, dass die EZB rela- tiv zügig weitere Lockerungsschritte einleitet, um negative Auswirkungen auf die Wirtschaft der Eurozone zu begrenzen. In der letzten Pressekonferenz machte die EZB deutlich, dass sie zunächst ab- warten wird, um die Auswirkungen ihrer jüngsten Politikmaßnahmen einschät- zen zu können. Insgesamt machte die EZB den Eindruck von Zuversicht, Ge- duld, Wachsamkeit und Bereitschaft zum Handeln. Die EZB ist zuversichtlich mit Blick auf die Wirksamkeit ihrer Politik, hat Geduld, die Auswirkungen der Poli- tikmaßnahmen abzuwarten. Sie ist wachsam mit Blick auf die verschiedenen Risiken – inklusive Brexit –, wobei sie sich aber durch die etwas robustere Kon- junkturentwicklung ermutigt fühlt, und betont ihre Bereitschaft, alle zur Verfü- gung stehenden Instrumente einzusetzen, falls nötig. Dabei scheint die EZB ihre Aufmerksamkeit speziell auf drei Ereignisse zu rich- ten. Erstens der Ausgang des britischen Referendums. Draghis Äußerungen legen nahe, dass die Eurozone unter einem Austritt Englands aus der EU leiden könnte. Zweitens eine Einschätzung der Auswirkungen der anstehenden Poli- tikmaßnahmen, i.e. CSPP (Ankaufsprogramm für Unternehmensanleihen) und TLTRO2. Das CSPP beginnt am 8. Juni. Die erste TLTRO2-Auktion wird am 23. Juni zugeteilt. Drittens die Wechselkursentwicklung. Die EZB erwartet weiterhin einen schwächeren Wechselkurs aufgrund divergierender geldpoliti- scher Ausrichtungen. Falls es nicht zum Brexit kommt, erwarten wir, dass die EZB bis zumindest Sep- tember keine weiteren Maßnahmen ergreift. September ist wohl der früheste Zeitpunkt, an dem die EZB eine vorläufige Einschätzung der Auswirkungen von CSPP und TLTRO2 vornehmen kann. In diesem Szenario würden wir erwarten, dass die EZB auf Nummer sicher geht und eine Verlängerung von QE be- schließt. Ein Aufschub der Entscheidung könnte zu einer Verschlechterung der finanziellen Rahmenbedingungen führen. Je besser sich die wirtschaftliche Entwicklung darstellt, desto wahrscheinlicher wäre ein derartiger Aufschub. Falls es zum Brexit kommt, erwarten wir eine zügige weitere geldpolitische Locke- rung. Zuversichtlich, geduldig, aufmerksam und bereit Die EZB ist zuversichtlich, dass ihre Politik wirkt. In der Juni-Pressekonferenz bezeichnete Draghi die Risiken – dank der geldpolitischen Maßnahmen – als stärker ausgeglichen. Dies deckt sich mit unserer Interpretation der EZB- Maßnahmen vom März, die wohl als Reaktion auf verschärfte finanzielle Rah- menbedingungen und Sorgen über die Stabilität der europäischen Banken zu sehen sind. Die EZB ist geduldig. Sorgen darüber, dass die Inflationsprojektionen auch in 2018, dem Ende des Prognosehorizonts, noch unter dem Referenzwert liegen, wirkte Draghi durch seine Zuversicht hinsichtlich der zukünftigen Wirkung der geldpolitischen Maßnahmen entgegen. Ausblick Deutschland 12 | 3. Juni 2016 Aktuelle Themen Die EZB beobachtet aufmerksam die Risiken. Zwar hat sich die Wahrscheinlich- keitsverteilung innerhalb ihres Prognoseszenarios etwas verbessert, es gibt aber immer noch deutlich Abwärtsrisiken. Die Stabsprognose der EZB für 2016 wurde mit Blick auf das BIP und die Inflationsrate leicht nach oben revidiert, während die Prognosen für 2017 und 2018 unverändert blieben oder sogar marginal nach unten genommen wurden (2018 BIP -0,1 Prozentpunkte auf jetzt 1,7 %). Die Inflationsprognose für das laufende Jahr wurde aufgrund der aktuel- len Ölpreisentwicklung leicht um 0,1 Prozentpunkte auf 0,2 % angehoben. Die Prognosen für die Kerninflation wurden für 2017 und 2018 um jeweils 0,1 Pro- zentpunkte nach unten revidiert (auf 1,2 % bzw. 1,5 %). Die EZB bleibt weiterhin wachsam bezüglich möglicher Zweitrundeneffekte. Draghi verwies in der Pressekonferenz darauf, dass sowohl das Vereinigte Kö- nigreich als auch die EWU-Länder von der etablierten Arbeitsteilung profitieren. Darin könnte ein versteckter Hinweis liegen, dass die EZB im Falle eines Brexit ihre Politik weiter lockern dürfte. Mark Wall (+44 20 754-52087, mark.wall@db.com) Stefan Schneider (+49 69 910-31790, stefan-b.schneider@db.com) Projektion des Stabes – leichte Aufwärtsrevisionen für 2016, ansonsten unverändert DX BIP, % HICP, % Datum der Verö f- fentlichung 2016 2017 2018 2016 2017 2018 EZB - Stab (März 2016) 10.3.2016 1,4 1,7 1,8 0,1 1,3 1,6 Deutsche Bank 1.4.2016 1,5 1,5 na 0,1 1,3 na IWF WEO 12.4.2016 1,5 1,6 1,6 0,4 1,1 1,3 Survey of Prof. Forecasters 22.4.2016 1,5 1,6 1,7 0,3 1,3 1,6 Europäische Kommission 4.5. 2016 1,6 1,8 na 0,2 1,4 na Consensus Economics 16.5.2016 1,6 1,6 na 0,2 1,3 na Bloomberg Consensus 18.5.2016 1,5 1,6 1,5 0,3 1,4 1,7 Prognose EZB - Mitarbeiter Juni 2016 -- Prognose neue Mitarbeiter 1,6 1,7 1,7 0,2 1,3 1,6 -- Verä nd. gg. März 2016 Prognose 0,2 0,0 - 0,1 0,1 0,0 0,0 -- Veränd. gg. März 2015 Prognose (QE - Bekanntgabe) - 0,3 - 0,4 na - 1,3 - 0,5 na Quellen: Deutsche Bank, EZB, IWF, Europäische Kommission, Consensus Economics Inc, Bloomberg Finance LP Ausblick Deutschland 13 | 3. Juni 2016 Aktuelle Themen DB Makro-Überraschungsindex Deutschland Der DB Makro - Überraschungsindex vergleicht den Wert der veröffentlichten Konjunkturdaten mit den Markterwartungen und liefert damit Hinweise über die Richtung künftiger Prognoseanpassungen. 1 Heiko Peters (+49 69 910-21548, heiko.peters@db.com) 1 Siehe für Details Ausblick Deutschland. 4. August 2014. Letzte 20 veröffentlichte deutsche Konjunkturdaten DX Bloomberg TickerIndikator Berichts- monat Veröffentlich- ungsdatum Aktueller Wert Bloomberg Konsensus Überra- schung Standardisierte Überraschung Quantils- rang GRIFPBUS Indexifo Geschäftsklimaindex4 201625.04.16106,7107,1-0,4-0,40,3 GRIMP95Y IndexImportpreise (% gg. Vj.)3 201627.04.16-5,9-6,20,30,60,8 GRUECHNG IndexVeränderung Arbeitslose (Tsd. gg. Vm.)4 201628.04.16-16,00,016,00,40,7 GRFRIAMM IndexEinzelhandelsumsätze (% gg. Vm.)3 201629.04.16-1,40,4-1,8-1,10,1 MPMIDEMA IndexPMI Verarbeitendes Gewerbe4 201602.05.1651,851,9-0,1-0,10,3 MPMIDESA IndexPMI Dienstleistungssektor4 201604.05.1654,554,6-0,1-0,10,5 GRIORTMM IndexAuftragseingänge (% gg. Vm.)3 201609.05.161,90,61,30,60,7 GRCAEU IndexLeistungsbilanzsaldo (EUR Mrd.)3 201610.05.1630,425,05,41,30,9 GRIPIMOM IndexIndustrieproduktion (% gg. Vm.)3 201610.05.16-1,3-0,2-1,1-0,90,2 GRCP20YY IndexVPI (% gg. Vj.)4 201613.05.16-0,1-0,10,00,30,3 MPMIDEMA IndexPMI Verarbeitendes Gewerbe5 201623.05.1652,452,40,00,00,5 MPMIDESA IndexPMI Dienstleistungssektor5 201623.05.1655,255,20,00,00,5 GRGDPPGQ IndexBIP (% gg. Vq.)3 201624.05.160,70,70,0-0,10,4 GRZECURR IndexZEW - Konjunktur (Situation)5 201624.05.1653,149,04,10,50,7 GRZEWI IndexZEW - Konjunktur (Erwartungen)5 201624.05.166,412,0-5,6-0,70,2 GRIFPBUS Indexifo Geschäftsklimaindex5 201625.05.16107,7106,80,90,60,7 GRIMP95Y IndexImportpreise (% gg. Vj.)4 201630.05.16-6,6-6,2-0,40,00,4 GRCP20YY IndexVPI (% gg. Vj.)5 201630.05.160,10,10,00,30,3 GRFRIAMM IndexEinzelhandelsumsätze (% gg. Vm.)4 201631.05.16-0,90,9-1,8-1,10,1 GRUECHNG IndexVeränderung Arbeitslose (Tsd. gg. Vm.)5 201631.05.16-11,0-5,06,00,00,5 Quellen: Bloomberg Finance LP, Deutsche Bank Research -0.5 -0.4 -0.3 -0.2 -0.1 0.0 0.1 0.2 0.3 0.4 0.5 14 15 16 DB Makro - Überraschungsindex +/ - 1 Standardabweichung DB Makro-Überraschungsindex Deutschland Durchschnitt der z-Werte der vergangenen 20 Datenüberraschungen Werte über (unter) 0 bedeuten über (unter) der Markterwartung liegende Datenveröffentlichungen Quellen: Bloomberg Finance LP, Deutsche Bank Research Ausblick Deutschland 14 | 3. Juni 2016 Aktuelle Themen Exportindikator 2016: Nachfrageimpuls weiter schwach – Preisimpuls ins Negative gedreht Der Exportin dikator identifiziert die Auswirkungen von globalen Nachfrageveränderungen und von Währung s- bewegungen (Preisimpuls) auf die deutschen Exporte. 2 Heiko Peters (+49 69 910-21548, heiko.peters@db.com) 2 Siehe für Details Ausblick Deutschland. 3. März 2016. Ausblick Deutschland 15 | 3. Juni 2016 Aktuelle Themen Dieter Bräuninger (+49 69 910-31708, dieter.braeuninger@db.com) Deutschland: Termine der Finanz-, der Wirtschafts- und der Europapolitik DX Datum Ereignis Anmerkungen 16./17. Juni Eurogruppe und ECOFIN , Luxemburg (Wahrscheinl.) Implikationen der Frühjahrs prognose für Defizitverfahren und Innovationspartnerschaften, Lage in Griechenland, Arbeitsprogramm für H2 2016 u.a. 21 . Juni Bundesverfassungsgericht, Karlsruhe Verkündung des Urteils zum OMT - Programm der EZB. 28./29. Juni Europäischer Rat, Brüssel (Wahrscheinl.) Debatten über Ergebnis des EU - Referendums (Termin 23. Juni) in GB und Flüchtlingskrise, insbesondere Stand der Umsetzung des EU - Türkei - Abkommens. 11./12. Juli Eurogruppe und ECOFIN, Brüsse l Möglicherweise Lage in Griechenland, finanzielle Implikationen der Flüchtlingskrise, Folgen des Referendums in GB 11. Juli - 4. Sep. Deutscher Bundestag Parlamentarische Sommerpause 21. Juli Sitzung des EZB - Rates, Pressekonferenz Überprüfun g des geldpolitischen Kurses. 23./24. Juli G20 - Finanzminister und - Notenbankgouverneure, Chen g- du (China) Lage d. Weltwirtschaft u. internationaler Finanzmärkte, Multilaterale Entwic k- lungsbanken u. Infrastrukturinvestitionen, internationale Steuerthemen u. a. 4. Sep. Landtagswahl in Mecklenburg - Vorpommern In dem von einer SPD/CDU - Koalit ion regierten Bundesland zeichne t sich ein Kopf - an - Kopf - Rennen beider Parteien ab. Ob sie erneut eine Koalition bilden können, ist wegen der Stärke der AfD aber offen. 8. Sep. Sitzung des EZB - Rates, Pressekonferenz Überprüfung des geldpolitischen Kurses. Möglicherweise Verlängerung des QE - Programms. 18. Sep. Wahl zum Abgeordnetenhaus von Berlin Umfragen zufolge dürfte die regierende SPD/CDU - Koalition ihre Mehrheit im Abgeo rdnetenhaus verlieren. Ein starkes Ergebnis der AfD könnte die Bi l- dung einer neuen Regierung schwierig machen, da sich dann drei Parteien zusammenfinden müssten. Quelle: Deutsche Bank Research Ausblick Deutschland 16 | 3. Juni 2016 Aktuelle Themen Heiko Peters (+49 69 910-21548, heiko.peters@db.com) Oliver Rakau (+49 69 910-31875, oliver.rakau@db.com) Deutschland: Datenkalender DX Datum Uhrzeit Daten Berichtszeitraum DB Schätzung Letzter Wert 6. Jun 2016 8:00 Auftragseing ang im Ver. Gewerbe (Index, sb.), % gg. Vm. April - 1,2 1,9 7. Jun 2016 8:00 Industrieproduktion (Index, sb.), % gg. Vm. April 0,7 - 1,3 9. Jun 2016 8:00 Handelsbilanz (EUR Mrd., sb.) April 23,1 23,8 9. Jun 2016 8:00 Warenexporte (EUR Mrd., sb.), % gg. V m. (gg. Vj.) April 1,1 (2,0) 1,9 (2,2) 9. Jun 2016 8:00 Warenimporte (EUR Mrd., sb.), % gg. Vm. (gg. Vj.) April 2,1 (0,6) - 2,3 ( - 2,6) 23. Jun 2016 9:30 PMI Verarbeitendes Gewerbe (Flash) Juni 52,0 52,1 23. Jun 2016 9:30 PMI Dienstleistungssektor (Fl ash) Juni 55,0 55,2 24. Jun 2016 10:30 ifo Geschäftsklima (Index, sb.) Juni 107,0 107,7 29. Jun 2016 14:00 Vorläufiger VPI (sb.), % gg. Vm. (gg. Vj.) Juni 0,2 (0,4) 0,3 (0,1) 29. Jun 2016 8:00 Einfuhrpreise (Index, sb.) % gg. Vm. (gg. Vj.) Mai 0,6 ( - 5,9) - 0,1 ( - 6,6) 30. Jun 2016 8:00 Einzelhandelsumsätze (Index, sb.), % gg. Vm. Mai 0,5 - 0,9 30. Jun 2016 10:00 Arbeitslosenrate (%, sb.) Juni 6,1 6,1 12. Aug 2016 8:00 Reales BIP (Index, sb.), % gg. Vq. Q2 2016 0,1 0,7 Quellen: Deutsche Bank Research, Statistisches Bundesamt, Bundesagentur für Arbeit, ifo, Markit Ausblick Deutschland 17 | 3. Juni 2016 Aktuelle Themen Finanzmarktprognosen DX US JP EWU GB CH SE DK NO PL HU CZ Leitzinssatz, % Aktuell 0,375 - 0,10 0,00 0,50 - 0,75 - 0,50 0,05 0,50 1,50 0,90 0,05 Jun 16 0,375 - 0,10 0,00 0,50 - 0,75 - 0,50 0,05 0,25 1,50 0,90 0,05 Sep 16 0,375 - 0,20 0,00 0,50 - 0,75 - 0,50 0,05 0,25 1,50 0,90 0,05 Dez 16 0,625 - 0,20 0,00 0,50 - 0,75 - 0,50 0,05 0,25 1,50 0,90 0,05 3M Geldmarktsatz, % Aktuell 0,67 0,06 - 0,26 0,59 Jun 16 0,58 0,10 - 0,25 0,62 Sep 16 0,58 0,05 - 0,25 0,63 Dez 16 0,83 0,05 - 0,25 0,89 Rendite 10J Staatsanleihen, % Aktuell 1,85 - 0,11 0,15 1,44 Jun 16 1,75 - 0,10 0,20 1,50 Sep 16 1,75 - 0,15 0,30 1,70 Dez 16 1,75 - 0,15 0,45 1,80 Wechselkurse EUR/USD USD/JPY EUR/GBP GBP/USD EUR/CHF EUR/SEK EUR/DKK EUR/NOK EUR/PLN EUR/HUF EUR/CZK Aktuell 1,11 111,09 0,76 0,69 1,10 9,29 7,44 9,32 4,39 314,11 27,02 Jun 16 1,11 103,00 0,81 1,37 1,11 8,99 7,46 9,40 4,37 313,85 27,10 Sep 16 1,08 101,00 0,81 1,33 1,12 8,75 7,46 9,20 4,31 316,93 27,10 Dez 16 1,05 105,00 0,82 1,28 1,14 8,51 7,46 9,00 4,25 320,00 27,10 Quellen: Bloomberg, Deutsche Bank Ausblick Deutschland 18 | 3. Juni 2016 Aktuelle Themen Deutschland: Datenmonitor DX Q1 2015 Q2 2015 Q3 2015 Q4 2015 Q1 2016 Dez 2015 Jan 2016 Feb 2016 Mrz 2016 Apr 2016 Mai 2016 Konjunkturumfragen Gesamtwirtschaft ifo Geschäftsklima 107,2 108,2 108,4 108,6 106,7 108,6 107,4 105,8 106,8 106,7 107,7 ifo Geschäftserwartungen 102,7 102,8 102,7 104,3 100,5 104,5 102,4 98,9 100,1 100,5 101, 6 Produzierendes Gewerbe ifo Verarbeitendes Gewerbe 102,7 103,9 103,1 103,3 100,5 103,7 101,7 99,4 100,4 100,8 101,5 Produktion (% gg. Vp.) 0,0 0,2 - 0,1 - 0,3 1,8 0,0 2,8 - 0,7 - 1,3 Auftragseingang (% gg. Vp.) - 1,1 1,8 - 2,0 0,6 0,6 - 0,5 0,5 - 0,8 1,9 Grad der Kapazitätsauslastung 84,4 84,4 84,2 84,4 85,1 Bauhauptgewerbe Produktion (% gg. Vp.) 0,3 - 1,7 - 0,6 3,5 1,7 0,5 - 0,5 4,4 - 4,4 Auftragseingang (% gg . Vp.) 6,2 - 3,4 0,6 10,2 6,4 2,2 1,7 - 1,5 - 0,5 ifo Bauha uptgewerbe 118,9 120,0 121,4 123,4 122,6 123,2 122,4 122,9 122,4 123,0 124,7 Konsumentennachfrage EC Konsumentenbefragung 1,0 3,0 - 0,3 - 4,4 - 6,1 - 4,2 - 5,8 - 6,4 - 6,2 - 4,8 - 3,2 Einzelhandelsumsätze (% gg. Vp.) 1,7 0,2 0,5 0,3 0,4 0,8 - 0,1 0 ,4 - 1,4 - 0,9 Neuzulassungen PKW (% gg. Vj.) 6,4 4,2 6,1 5,7 4,5 7,7 3,3 12,1 0,0 8,4 Außenhandel Auslandsaufträge (% gg. Vp.) - 3,3 4,5 - 3,8 0,2 2,1 0,0 1,9 - 2,1 4,3 Exporte (% gg. Vp.) 1,8 2,8 - 1,0 - 0,6 0,4 - 1,5 - 0,4 1,3 1,9 Impor te (% gg. Vp.) 1,7 1,2 0,9 - 0,8 - 0,3 - 1,7 1,1 0,1 - 2,3 Nettoexporte (EUR Mrd.) 60,0 65,3 60,3 60,6 62,5 20,1 18,8 20,0 23,8 Arbeitsmarkt Arbeitslosenquote (%) 6,5 6,4 6,4 6,3 6,2 6,3 6,2 6,2 6,2 6,2 6,1 Veränderung Arbeitslosigkeit ( Tsd. gg. Vp.) - 38,0 - 24,7 - 3,0 - 24,0 - 40,3 - 15,0 - 18,0 - 10,0 - 3,0 - 16,0 - 11,0 Beschäftigung (% gg. Vj.) 0,7 0,7 0,9 1,0 1,3 1,1 1,3 1,3 1,2 1,3 ifo Beschäftigungsbarometer 107,7 108,0 108,1 109,8 108,4 110,5 109,7 108,0 107,4 108,2 108,2 Preise, Löh ne und Arbeitskosten Preise HVPI (% gg. Vj.) - 0,1 0,4 0,0 0,2 0,1 0,2 0,4 - 0,2 0,1 - 0,3 Kern - HVPI (% gg. Vj.) 1,0 1,1 1,0 1,2 1,1 1,0 1,1 0,8 1,3 0,7 Harmonisierter PPI (% gg. Vj.) - 2,0 - 1,4 - 1,7 - 2,3 - 2,8 - 2,3 - 2,4 - 3,0 - 3 ,1 - 3,1 Rohstoffe ohne Energie (% gg. Vj.) 2,3 - 0,5 - 7,0 - 12,0 - 14,4 - 12,8 - 15,5 - 14,9 - 12,8 - 11,6 - 8,4 Ölpreis (USD) 55,1 63,7 51,3 44,8 35,1 39,0 31,9 33,6 39,8 43,2 Inflationserwartungen EC Haushaltsumfrage 0,5 6,1 4,9 4,0 5,3 5,0 6 ,3 5,4 4,3 3,0 1,9 EC Unternehmensumfrage - 0,4 1,5 0,8 1,5 - 2,4 0,6 - 0,8 - 2,9 - 3,5 - 0,5 2,4 Lohnstückkosten (gg. Vj.) Lohnstückkosten 1,7 1,8 1,7 1,5 2,1 Arbeitnehmerentgelt je Arbeitnehmer 2,4 2,8 2,7 2,5 2,4 Arbeitnehmeren tgelt je Stunde 2,3 2,5 2,6 1,4 3,2 Monetärer Sektor (gg. Vj.) M3 7,3 7,5 8,2 9,2 7,8 9,2 9,0 8,2 7,8 7,1 Trend von M3* 9,2 8,8 8,3 Kredite an Unternehmen und Privatpersonen 2,6 2,1 2,5 2,7 2,7 2,2 2,3 2,0 Kredite an öffentliche Haushalte 32,3 12,2 11,1 11,7 11,7 - 3,3 4,6 % gg. VP = Veränderung gegenüber der Vorperiode; * zentrierter 3M - Durchschnitt Quellen: Bundesagentur für Arbeit, Deutsche Bundesbank, Europäische Kommission, Eurostat, Statistisches Bundesam t, HWWI, ifo, Markit Ausblick Deutschland Unsere Publikationen finden Sie unentgeltlich auf unserer Internetseite www.dbresearch.de Dort können Sie sich auch als regelmäßiger Empfänger unserer Publikationen per E - Mail eintragen. Für die Print - Version wenden Sie sich bitte an: Deutsche Bank Research Marke ting 60262 Frankfurt am Main Fax: +49 69 910 - 31877 E - Mail: marketing.dbr@db.com Schneller via E - Mail: marketing.dbr@db.com Im Ausblick Deutschland aus der Reihe Aktuelle Themen/Konjunktur we r- den volkswirtschaftliche und wirtschaftspolitische Themen zu Deutschland behandelt. Jede Ausgabe enthält zudem Übersichtstabellen zu finanz - und wirtschaftspolitischen Terminen sowie einen detaillierten Datenmonitor zu deutschen Wirtschaftsindikatoren. Die Ausgabe erscheint monatlich.  W i e die Rente finanzieren ? ................................ ................ 1 2. Mai 2016  Solides Wachstum, aber Probleme bei Export und Bau ................................ .............................. 5 . April 2016  Wachstum 2016: Exportindikator dämpft, Binnenwirtschaft läuft dank Staat und Bau ........................ 3. März 2016  Wachstum über Potenzial, keine Lohnexzesse ............ 28. Januar 2016  Verstärkte Binnendynamik im Jahr 2016 ................ 16 . Dezember 2015  Binnenkonjunktu r läuft – aber keine Übertreibungen ................................ ........ 5. November 2015  Migration, Metropolregion, Inflation ............................... 2. Oktober 2015  Solides BIP, Haushaltsüberschüsse, aber neue Herausforderungen ................................ . 1. September 2015  Risse im Fundament? ................................ ..................... 3. August 2015  Höhere Inflationsraten trotz gedämpfter Kerninflation ................................ ................... 29. Juni 2015  Reduzierte BIP - Prognose – Binnenkonjunktur aber intakt ................................ ............... 1. Juni 2015  Deutsches Sparverhalten vor QE - Herausforderungen ................................ ..................... 30. April 2015  Kräftiger Gegenwind für deutsche Exportwirtschaft trotz Euroabwertung .............................. 30. März 2015  2015: Konjunkturerholung mit Risiken ............................ 6. Januar 2015  Strukturelle Verlangsamung des Welthandels belastet deutsches BIP - Wachstum ........................... 2. Dezember 2014  Weitere Enttäuschungen ................................ ........... 5. Nov ember 2014  Ice bucket challenge und strukturelle Investitionslücke ................................ .... 2. September 2014  So weit, so gut ................................ ................................ ...... 2. Mai 2014 © Copyright 2016. Deutsche Bank AG, Deutsche Bank Research, 60262 Frankfurt am Main, Deutschland. Alle Rechte vorbehalten. Bei Zitaten wird um Quellenangabe „Deutsche Bank Research“ gebeten. Die vorstehenden Angaben stellen keine Anlage-, Rechts- oder Steuerberatung dar. Alle Meinungsaussagen geben die aktuelle Einschätzung des Verfassers wieder, die nicht notwendigerweise der Meinung der Deutsche Bank AG oder ihrer assoziierten Unternehmen entspricht. Alle Meinungen können ohne vorherige Ankündigung geändert werden. Die Meinungen können von Einschätzungen abweichen, die in anderen von der Deutsche Bank veröffentlichten Dokumenten, einschließlich Research-Veröffentlichungen, vertreten werden. 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