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  4. Deutschland Monitor Unternehmensfinanzierung
12. Dezember 2014
Im dritten Quartal 2014 fiel die Kreditvergabe an Unternehmen und Selbstständige wieder in die Stagnation zurück, auch wenn der Vorjahresvergleich mit +0,5% positiv blieb. Rückschläge gab es bei den meisten exportorientierten Industrien, ein Plus dagegen bei eher von der Binnenkonjunktur abhängigen Branchen. Die Wachstumsunterschiede zwischen den einzelnen Bankengruppen nahmen weiter ab, während das Zinsniveau einmal mehr auf neue Allzeittiefs rutschte. Die deutsche Volkswirtschaft verzeichnete in Q3 dank eines deutlichen Anstiegs des Konsums und eines positiven Beitrags der Nettoexporte wieder ein leichtes Wachstum (0,1% ggü. Vq.). Negativ wirkten sich hingegen erneut schwache Investitionen der Unternehmen und ein kräftiger Lagerabbau aus. [mehr]
Unternehmensfinanzierung & Konjunktur in Deutschland Monitor Unternehmensfinanzierung Unternehmensfinanzierung Kreditgeschäft zurück in der Stagnation. Das starke zweite Quartal entpuppte sich wie befürchtet als Strohfeuer, denn trotz einer leichten Lockerung der Kre- ditstandards war die Kreditvergabe an Unternehmen und Selbstständige in Q3 wieder von Lethargie geprägt. Dabei gab es Rückschläge bei fast allen export- orientierten Industrien, während eher von der Binnenkonjunktur abhängige Branchen überwiegend Wachstum verzeichneten. Im Dienstleistungssektor war das Bild gemischt. Die Unterschiede im Kreditwachstum zwischen den einzel- nen Bankengruppen nahmen weiter ab; selbst Landesbanken und Auslands- banken steigerten ihr Kreditvolumen moderat, im Gegensatz zu den staatlichen Förderbanken. Das Einlagengeschäft drehte ins Plus – angesichts der aufkom- menden Diskussion um negative Zinssätze durchaus überraschend. Das Zins- niveau rutschte auf breiter Front weiter ab und verzeichnete in vielen Kategorien neue Rekordtiefs. Im Einklang mit dem durchwachsenen Kreditgeschäft schnitten die alternativen Finanzierungsquellen zwischen Juni und September überwiegend solide ab. Commercial Paper schrumpften weniger drastisch als zuvor, das Anleihevolu- men wuchs ähnlich stark wie in den meisten Vorquartalen und am Aktienmarkt gab es mehrere Kapitalerhöhungen bzw. Börsengänge. Im Leasinggeschäft gewann der bereits laufende Aufschwung sogar noch an Dynamik. Konjunktur Nach schwachem Winterhalbjahr moderate Konjunkturerholung. Im Q3 wuchs die deutsche Wirtschaft wie erwartet wieder leicht (BIP: +0,1% gg. Vq). Die Bin- nenwirtschaft dämpfte das Wachstum, wobei der positive Nettoexport dies überkompensierte. Der deutliche Anstieg des Konsums konnte die Schwäche bei den Investitionen und den kräftigen Lagerabbau nicht ausgleichen. Die Aus- rüstungsinvestitionen gaben deutlich nach und die Bauinvestitionen stagnierten. Dämpfend wirkten die generell schwache Entwicklung der Weltkonjunktur, teil- weise unterausgelastete Kapazitäten und zahlreiche geopolitische Risiken. Wir erwarten im Winterhalbjahr wenig mehr als eine Stagnation der deutschen Wirtschaft. Im Laufe des nächsten Jahres dürfte die Konjunktur dank der US- getriebenen Beschleunigung der Weltwirtschaft, des schwächeren Euro und der Unterstützung des Konsums durch die niedrigen Rohstoffpreise moderat anzie- hen. Durch den schwachen Start in das Jahr dürfe das Wachstum im Jahr 2015 mit 1,0% unter dem diesjährigen von 1,4% liegen. Hauptwachstumstreiber wird wahrscheinlich weiter der private Konsum sein. Allerdings dürfte die gute Ar- beitsmarktlage durch die Reformen der großen Koalition (Einführung des Min- destlohns und Rentenpaket) einen Dämpfer erhalten. Die Ausrüstungsinvesti- tionen dürften nur sehr schwach zulegen und Ersatzinvestitionen dürften im Vordergrund stehen. Dank des immer noch lebhaften Wohnungsbaus dürften die Bauinvestitionen ebenfalls steigen. Die Nettoexporte werden wohl im Jahr 2015 keinen Wachstumsbeitrag leisten. Autor en Jan Schildbach +49 69 910-31717 jan.schildbach@db.com Heiko Peters +49 69 910-21548 heiko.peters@db.com Editor Jan Schildbach Deutsche Bank AG Deutsche Bank Research Frankfurt am Main Deutschland E-Mail: marketing.dbr@db.com Fax: +49 69 910-31877 www.dbresearch.de DB Research Management Ralf Hoffmann 12. Dezember 2014 Unternehmensfinanz ierung & Konjunktur in Deutschland 3 . Quartal 2014 Unternehmensfinanzierung & Konjunktur in Deutschland 2 | 12. Dezember 2014 Monitor Unternehmensfinanzierung Unternehmensfinanzierung in Deutschland Kreditvolumen Nach einem starken zweiten Quartal fiel die Kreditvergabe zwischen Juni und September wieder in weitgehende Lethargie zurück – wie befürchtet macht eine Schwalbe also in der Tat keinen Sommer. Die Kredite an inländische Unter- nehmen und Selbstständige schrumpften um EUR 0,6 Mrd. bzw. 0,1% gegenü- ber Vorquartal, womit sich im Großen und Ganzen die Stagnation der vergan- genen beiden Jahre fortsetzte. Der Vorjahresvergleich verbesserte sich trotz- dem leicht auf +0,5%. Damit bleibt die Kreditentwicklung weiterhin hinter dem Verlauf der Konjunktur und dem erwarteten moderaten Wachstum der Gesamt- wirtschaft in diesem Jahr zurück (zu den Details siehe Teil 2 im Anschluss). Im Euroraum insgesamt hielten die jüngsten Trends unverändert an – das Kre- ditvolumen mit Unternehmen war gegenüber Ende Juni weiter rückläufig (-0,7%), doch andererseits machte der 12-Monats-Vergleich (nur noch -2,5%) den nächsten kleinen Schritt in Richtung Stabilisierung. Zu Euphorie besteht jedoch weder in der Währungsunion insgesamt noch in Deutschland Anlass. Mit Blick auf die einzelnen Sektoren in Deutschland nahm die langfristige Tal- fahrt bei den Krediten an das Verarbeitende Gewerbe erneut Tempo auf (-1,5% ggü. Vq.; -2,5% ggü. Vj.). Auch bei den Dienstleistungsunternehmen gab es nach einem sehr positiven Q2 einen Rückschlag und die Jahresrate sank etwas (auf +0,7%). Verhältnismäßig solide schnitten dagegen die Kredite an Selbst- ständige ab (0,2% ggü. Vj.). Hinsichtlich einzelner Branchen gab es einen auffälligen, starken Kontrast: Ei- nerseits schwächelte in Q3 die Mehrzahl der für die deutsche Volkswirtschaft wichtigen klassischen Industrien: Maschinenbau/Auto verzeichnete ebenso ei- nen Rückgang (-1,4% ggü. Vq.) wie Metall (-1%), IT/Elektronik (-2,1%) und die Chemie (-6,4%), deren Einbruch die Zuwächse der vorangegangenen vier Quar- tale sogar komplett zunichte machte. Maschinenbau/Auto wiederum liegt damit weiter fast ein Drittel unter dem während der Finanzkrise erreichten Niveau. Andererseits legten Branchen außerhalb des Verarbeitenden Gewerbes – die eher von der Binnenkonjunktur und weniger von der Exportnachfrage abhängen – fast ausnahmslos zu; z.B. Bau (0,7%), Handel (1,3%), Versorger (0,6%), Landwirtschaft (1,8%) und Verkehr (0,9%). Die Versorger, einer der stärksten Wachstumsbereiche im Kreditgeschäft mit deutschen Unternehmen, haben ihr Kreditvolumen seit 2008 sogar um mehr als drei Viertel gesteigert, auch wenn sich das Tempo zuletzt verlangsamte. Gemischt war schließlich das Bild im Dienstleistungssektor. Einem moderaten Plus von 0,3% zwischen Juni und Sep- tember bei Telekom/Beratung/Werbung (den unternehmensnahen Dienstleis- tungen) stand ein leichtes Minus bei der Gesundheit (-0,4%) und, trotz der laufenden Diskussion über eine drohende Immobilienblase, bei den immobilien- bezogenen Branchen gegenüber. Nach Fristigkeiten betrachtet verlief das dritte Quartal überwiegend entspre- chend saisonaler Muster: Bei kurzfristigen Krediten gab es ein deutliches Minus (-3,2% im Quartalsvergleich), die Kredite mit Laufzeit 1-5 Jahre stagnierten, wohingegen die längerfristigen Ausleihungen einen soliden Anstieg verzeichne- ten (+0,5%). Der Trend der letzten Jahre zu einer eher langfristigen Finanzie- rung setzt sich damit fort. Der Anteil kurzlaufender Kredite ist seit der Finanzkri- se um 5 %-Punkte auf nur noch gut 13% gesunken, der von über 5-jährigen Krediten hingegen im selben Maß auf fast 75% gestiegen – angesichts der hi- storisch günstigen Finanzierungskosten durchaus eine logische Entwicklung. Mit Blick auf die unterschiedlichen Bankengruppen hält die seit etwa einem Jahr zu beobachtende Tendenz zur Konvergenz an. Eines der bemerkenswertesten Ergebnisse ist, dass das Geschäft der Auslandsbanken aktuell so stark wächst (1,5% ggü. Vj.) wie zuletzt 2008, vor Lehman Brothers. Auch die Landesbanken -4 -3 -2 -1 0 1 2 3 4 09 10 11 12 13 14 ggü. Vorjahr ggü. Vorquartal Kredite an inländische Unternehmen und Selbstständige* 1 % * ohne sonstige Finanzinstitute Quellen: Bundesbank, Deutsche Bank Research -12 -10 -8 -6 -4 -2 0 2 4 6 8 09 10 11 12 13 14 Verarbeitendes Gewerbe Dienstleistungssektor Selbstständige ... nach Branche 2 % ggü. Vorjahr Quellen: Bundesbank, Deutsche Bank Research -25 -20 -15 -10 -5 0 5 10 15 09 10 11 12 13 14 Kurzfristige Kredite Mittelfristige Kredite Langfristige Kredite ... nach Fristigkeit* 3 % ggü. Vorjahr * ohne sonstige Finanzinstitute Quellen: Bundesbank, Deutsche Bank Research -20 -15 -10 -5 0 5 10 09 10 11 12 13 14 Kreditbanken darunter Auslandsbanken Landesbanken Sparkassen Genossenschaftsbanken ... nach Bankengruppe* 4 * ohne sonstige Finanzinstitute % ggü. Vorjahr Quellen: Bundesbank, Deutsche Bank Research Unternehmensfinanzierung & Konjunktur in Deutschland 3 | 12. Dezember 2014 Monitor Unternehmensfinanzierung scheinen langsam Licht am Ende des Tunnels zu sehen – hier gab es das erste Quartalswachstum seit zweieinhalb Jahren, wodurch sich die Veränderung im Jahresvergleich auf nur noch -2,1% verbesserte. Ein unspektakuläres Quartal erlebten die inländischen Kreditbanken, die Sparkassen (1,5% ggü. Vj.) ver- zeichnen unverändert ein moderates, die Genossenschaftsbanken (3,8%) ein kräftiges Wachstum. Die einzige Bankengruppe, die momentan eindeutig den Rückwärtsgang eingelegt hat, sind die Banken mit Sonderaufgaben, d.h. die staatlichen Förderbanken. Auch hier blieb der Vergleich ggü. Vj. trotz des dritten Quartalsminus hintereinander vorerst noch positiv mit 1,1%. Offenbar nehmen die Förderbanken aber die bessere Entwicklung bei anderen Bankengruppen zum Anlass, am Markt selbst etwas restriktiver aufzutreten. Andere Finanzierungsquellen Angesichts des durchwachsenen Verlaufs des Kreditgeschäfts wenig überra- schend, legten die übrigen externen Finanzierungsquellen deutscher Unter- nehmen ein recht solides drittes Quartal hin. Commercial Paper schrumpften zwar zum sechsten Mal in Folge, allerdings hielt sich der Rückgang relativ in Grenzen (EUR -1,8 Mrd.). Insgesamt zeichnet sich jedoch für 2014 das zweit- schlechteste Jahr für Commercial Paper seit der Wiedervereinigung ab. Nach einem Ausreißer nach unten in Q2 lief es auch bei den Emissionen von Unternehmensanleihen zwischen Juni und September wieder deutlich besser. Der Nettowert von EUR 3,9 Mrd. lag mehr oder weniger auf dem Niveau der meisten Vorquartale, wobei der größte Schwung auch erst einmal wieder vorbei zu sein scheint. Ähnlich sieht das Bild übrigens auf europäischer Ebene aus, wo sich eine gewisse Normalisierung nach zwei sehr guten Vorjahren andeutet. Im Leasinggeschäft blieb der seit rund einem Jahr feststellbare Aufwärtstrend in Q3 nicht nur bestehen, sondern gewann zusätzlich an Dynamik. Genaugenom- men war das Neuvolumen von EUR 12 Mrd. (+12% ggü. Vj.) im Mobilienleasing sogar das höchste in einem solchen Zeitraum seit 2008. Einer der wichtigsten Wachstumstreiber war dabei das Leasing von Maschinen. Selbst das leidge- prüfte Immobilienleasing verbuchte mit EUR 340 Mio. immerhin ein höheres Resultat als im Vorjahr. Das Geschäft mit Emissionen am Aktienmarkt profitierte von mehreren Kapital- erhöhungen bzw. Börsengängen von Internet-Unternehmen und kam mit einem Volumen von EUR 6,3 Mrd. auf das drittbeste Quartalsergebnis der letzten drei Jahre. Möglicherweise hat die gute Entwicklung am deutschen Aktienmarkt mit dem erstmaligen Überspringen der Marke von 10.000 Punkten im Dax im Früh- sommer doch den Appetit einiger Emittenten geweckt. Offen bleibt angesichts der jedoch weiterhin begrenzten Zahl von Transaktionen, ob daraus auch für 2015 eine breitere Bewegung entstehen kann. Einlagenvolumen Bemerkenswerterweise legten die Unternehmen und Selbstständigen trotz der aufkommenden Diskussion über negative Einlagenzinssätze im dritten Quartal unter dem Strich erstmals seit Längerem wieder deutlich mehr Gelder in Form von Einlagen bei den Banken an. Gleichzeitig hielt die ebenso schon seit unge- fähr drei Jahren stattfindende Umschichtung von längerfristigen Termingeldern (EUR -7,8 Mrd.) zu täglich verfügbaren Sichteinlagen (EUR +25,4 Mrd.) unver- mindert an, so dass sich in Summe ein Zuwachs ggü. Vq. von EUR 17,6 Mrd. bzw. 1,5% ergab. Der Vorjahresvergleich sprang dadurch überraschend ins Plus – die 0,7% sind gleichzeitig der beste Wert seit zweieinhalb Jahren. Dass dieses Ergebnis mehr ist als nur eine „Eintagsfliege“ und stattdessen schon eine echte Umkehr des negativen Trends einläuten könnte, daran scheinen angesichts des unattraktiven Zinsumfelds dennoch Zweifel angebracht. Ergebnisse des Bank lending surveys der EZB Die deutschen Banken (netto 3% der Institute) meldeten in der letzten Umfrage - 15 - 10 - 5 0 5 10 09 10 11 12 13 14 Commercial Paper inländischer Nichtbanken, Nettoemission 5 Mrd. EUR Quellen: Bundesbank, Deutsche Bank Research - 4 - 2 0 2 4 6 8 10 09 10 11 12 13 14 Anleihen inländischer nichtfinanzieller Unternehmen, Nettoemission 6 Mrd. EUR Quellen: Bundesbank, Deutsche Bank Research 0 2 4 6 8 10 12 14 09 10 11 12 13 14 Mobilien Immobilien Mrd. EUR Leasinggeschäft, Neuvolumen 7 Quelle: BDL 0 2 4 6 8 10 12 14 16 18 20 09 10 11 12 13 14 Aktienemissionen inländischer Unternehmen (einschl. Finanzinstitute) 8 Mrd. EUR Quellen: Bundesbank, Deutsche Bank Research Unternehmensfinanzierung & Konjunktur in Deutschland 4 | 12. Dezember 2014 Monitor Unternehmensfinanzierung erstmals seit einem Jahr wieder eine leichte Lockerung der Kreditvergabebe- dingungen , für kurz- und langfristige Ausleihungen. Allerdings gab es ein Nach- lassen laut Aussage der Banken nur bei Krediten an große Unternehmen, nicht an KMUs, die zugegebenermaßen in den letzten Jahren von einer stärkeren Lockerung profitiert hatten. Die Banken berichteten auch von einem beschleu- nigten Abrutschen der Margen, sowohl für durchschnittliche (vermeldet von 13%) als auch riskantere Kredite (6%). Auf anderen Gebieten sanken die Kre- ditstandards ebenfalls schneller als zuvor, insbesondere bei den Kreditneben- kosten, Zusatzvereinbarungen (Covenants) und mit Blick auf die Fristigkeiten. Anekdotische Evidenz hatte dies bereits seit Längerem angedeutet, mittlerweile schlägt sich der harte Wettbewerb und die bessere Refinanzierungs- und Liqui- ditätslage der Banken aber auch in den Umfrageergebnissen nieder. Im Euroraum insgesamt war die Entwicklung im Großen und Ganzen eine ähnli- che, mit einer bedeutenden Ausnahme – hier berichteten (ähnlich wie in den beiden Vorquartalen) ganze 22% der Banken über geringere Margen bei durch- schnittlichen Unternehmenskrediten, während die Margen bei riskanten Krediten praktisch unverändert blieben. Die Kreditnachfrage in Deutschland und im Euroraum legte in Q3 leicht zu (je- weils berichtet von 6% der Banken) und damit einmal mehr deutlich weniger als in der Umfrage zuvor erwartet. Die Nachfrage seitens großer deutscher Unter- nehmen und nach langfristigen Krediten entwickelte sich positiv (was sich mit der tatsächlichen Kreditvergabe wie oben beschrieben deckt), die Nachfrage seitens KMUs und nach kurzfristigen Mitteln dagegen negativ. Die netto 9% der Banken, die eine Zunahme bei Langfristkrediten sahen, waren dabei der höchs- te Wert seit drei Jahren. Nachfragesteigernd wirkte v.a. der Finanzierungsbedarf aufgrund von Übernahmen/Fusionen und Unternehmensumstrukturierungen (nicht dagegen aufgrund von Investitionen); dämpfend u.a. die Konkurrenz durch andere Banken – die Verfügbarkeit anderer Finanzierungsquellen dage- gen kaum. Die Banken sehen also momentan weder nicht-traditionelle Kredit- anbieter noch den Aktien- oder Anleihemarkt als ihre Hauptwettbewerber an. Für das laufende Quartal gehen die Banken in Deutschland ebenso wie in Euro- land insgesamt (6% der Institute) von einer weiteren moderaten Lockerung der Kreditkonditionen aus. Auffällig aber die plötzliche Skepsis deutscher Banken hinsichtlich der Kreditnachfrage; hier erwarten 6% eine Verringerung. Einen solchen Pessimismus hat es zuvor im ganzen vergangenen Jahrzehnt über- haupt erst in drei Quartalen gegeben – möglicherweise spiegeln sich hierin die eingetrübten Konjunkturaussichten (und endlich eine größere Realitätsnähe) wider. Im Gegensatz dazu prognostizieren die Banken im Euroraum insgesamt (17%) unbeirrt eine weiter wachsende Nachfrage. Zinssätze Auch im dritten Quartal ging es mit dem Zinsniveau auf breiter Front abwärts. Im Kredit-Neugeschäft mit deutschen Unternehmen wurden weitere drastische Rückgänge bei Krediten an Selbstständige und Personengesellschaften (-0,3 %-Punkte) ebenso wie bei Kleinkrediten von < EUR 1 Mio. (-0,2 %-Punkte) verzeichnet. Aber auch bei Großkrediten bröckelte der Durchschnittszins erneut, um 9 Bp, auf nur noch 1,67%, das nächste Rekordtief. Bei den verschiedenen Zinsbindungsfristen blieben die ohnehin „teuersten“ Kredite mit Zinsbindung von 1-5 Jahren faktisch stabil; dafür rutschten sowohl variabel verzinste als auch langfristige Festzinskredite (Zinsbindung > 5 Jahre) auf neue historische Nied- rigstwerte. Gleiches gilt, wenig überraschend, für die Zinsen auf Sicht- und Ter- mineinlagen , die mittlerweile beide im Bereich von 0,1-0,2% angekommen sind. Jan Schildbach (+49 69 910-31717, jan.schildbach@db.com) Wenn Sie den Monitor Unternehmensfinanzierung regelmäßig erhalten möch- ten, schicken Sie uns bitte eine E-Mail. 1.100 1.125 1.150 1.175 1.200 1.225 1.250 1.275 1.300 - 40 - 30 - 20 - 10 0 10 20 30 40 09 10 11 12 13 14 Sichteinlagen, ggü. Vorquartal (links) Termineinlagen, ggü. Vorquartal (links) Volumen insgesamt** (rechts) Mrd. EUR * einschließlich sonstiger Finanzinstitute ** Enthält Rückgang um EUR 80,9 Mrd. in Q3 13 aufgrund einer statistischen Umklassifizierung. Sicht - und Termineinlagen von inländi - schen Unternehmen & Selbstständigen* 9 Quellen: Bundesbank, Deutsche Bank Research Unternehmensfinanzierung & Konjunktur in Deutschland 5 | 12. Dezember 2014 Monitor Unternehmensfinanzierung - 15 - 10 - 5 0 5 10 15 20 25 30 35 Q4 11 Q2 12 Q4 12 Q2 13 Q4 13 Q2 14 Q4 14 Deutschland Euroraum * Q4 14 erwarteter Wert Quellen: Bundesbank, EZB ... verschärft ... gelockert Bank lending survey: Kreditstandards für Unternehmen* 10 - 30 - 20 - 10 0 10 20 30 40 50 Q3 11 Q1 12 Q3 12 Q1 13 Q3 13 Q1 14 Q3 14 Deutschland Euroraum Quellen: Bundesbank, EZB ... gestiegen ... gesunken Bank lending survey: Margen für durchschnittliche Unternehmenskredite 11 - 40 - 30 - 20 - 10 0 10 20 30 40 Q4 11 Q2 12 Q4 12 Q2 13 Q4 13 Q2 14 Q4 14 Deutschland Euroraum * Q4 14 erwarteter Wert Quellen: Bundesbank, EZB ... gestiegen ... gesunken Bank lending survey: Nachfrage nach Unternehmenskrediten* 12 1,0 1,5 2,0 2,5 3,0 3,5 4,0 4,5 5,0 09 10 11 12 13 14 Kredite an nichtfinanzielle Kapitalgesellschaften, ≤ EUR 1 Mio. Kredite an nichtfinanzielle Kapitalgesellschaften, > EUR 1 Mio. Kredite an Selbstständige und Personengesellschaften % Ø - Zins im Kredit - Neugeschäft, nach Kredithöhe 13 Quelle: EZB 0 1 2 3 4 5 6 09 10 11 12 13 14 Kredite mit Zinsbindung ≤ 1 Jahr Kredite mit Zinsbindung von 1 - 5 Jahren Kredite mit Zinsbindung > 5 Jahre ... nach Zinsbindungsfrist 14 %, Kredite an nichtfinanzielle Kapitalgesellschaften Quelle: EZB 0,0 0,2 0,4 0,6 0,8 1,0 1,2 1,4 1,6 1,8 2,0 09 10 11 12 13 14 Sichteinlagen Termineinlagen % Ø - Zins auf Einlagen von nichtfinanziellen Kapitalgesellschaften (Neugeschäft) 15 Quelle: EZB Unternehmensfinanzierung & Konjunktur in Deutschland 6 | 12. Dezember 2014 Monitor Unternehmensfinanzierung Nach schwachem Winterhalbjahr moderate Konjunkturerholung in 2015 — Wie erwartet wuchs die deutsche Wirtschaft im dritten Quartal (+0,1% gg. Vq.) nur leicht und schrammte damit an einer technischen Rezession vor- bei. Die Binnenwirtschaft dämpfte das Wachstum leicht, was durch den po- sitiven Nettoexport ausgeglichen werden konnte. Der deutliche Anstieg des Konsums konnte die Schwäche bei den Investitionen und den kräftigen La- gerabbau nicht ausgleichen. Die Ausrüstungsinvestitionen gaben deutlich nach und die Bauinvestitionen stagnierten. Die schwache Entwicklung der Weltkonjunktur, teilweise unterausgelastete Kapazitäten und die erhöhte Unsicherheit in Folge der zahlreichen geopolitischen Risiken dämpften. — Wir erwarten über das Winterhalbjahr wenig mehr als Stagnation der deut- schen Wirtschaft. Im Laufe des nächsten Jahres dürfte die Konjunktur dank der US-getriebenen Beschleunigung der Weltwirtschaft, des schwächeren Euro und einer Unterstützung des Konsums durch die niedrigen Rohstoff- preise moderat anziehen. Durch den schwachen Start in das Jahr dürfe das Wachstum im Jahr 2015 mit 1,0% unter dem diesjährigen von 1,4% liegen. — Hauptwachstumstreiber dürfte im Jahr 2015 weiter der Konsum sein. Aller- dings dürfte die gute Arbeitsmarktlage durch die Reformen der großen Koa- lition (Einführung des Mindestlohns und Rentenpaket) einen Dämpfer erhal- ten. — Die Ausrüstungsinvestitionen dürften zwar im nächsten Jahr wieder leicht zulegen, aber dabei dürften Ersatzinvestitionen im Vordergrund stehen. Dank des immer noch lebhaften Wohnungsbaus dürften die Bauinvestitio- nen ebenfalls steigen. Die Nettoexporte werden wohl im Jahr 2015 keinen Wachstumsbeitrag leisten. Q3 2014: Deutsche Wirtschaft wächst wieder leicht (+0,1% gg. Vq.) Obwohl sich die deutsche Wirtschaft bei zunehmendem internationalem Gegenwind in der ersten Jahreshälfte robust entwickelte und mit 0,3% etwa mit der Potentialrate wuchs, schwächte sich das Wachstum zuletzt ab. Verzerrun- gen durch die wetterbedingten kräftigen Bewegungen im Bausektor sorgten im zweiten Quartal für eine leichte Schrumpfung des BIP. Im dritten Quartal expan- dierte die deutsche Wirtschaft leicht um 0,1% gg. Vq. und schrammte damit knapp an einer technischen Rezession vorbei. Die Wirtschaftsaktivität lag damit 1,2% über dem Vorjahresniveau. Die Weltkonjunktur blieb weiter schwach, in- sbesondere in einigen Hauptzielländern deutscher Exporte (Frankreich 9% der Exporte, China 7%, Italien 5%). Zusätzlich entwickelt sich der Welthandel, ent- gegen der vor der Krise typischen Outperformance, nur noch etwa so stark wie das globale BIP. Zusammen mit den anhaltenden geopolitischen Risiken liegen diese Faktoren weiter wie Mehltau auf der externen Nachfrage nach deutschen Produkten und der Bereitschaft der Unternehmen, ihre Kapazitäten durch Erwei- terungsinvestitionen auszuweiten. Allerdings stieg zuletzt der DB Makro- Überraschungsindex – das erste Mal seit Mai dieses Jahres – wieder in den positiven Bereich. Die letzten Konjunkturindikatoren entwickelten sich damit besser als die (teilweise pessimistischen) Markterwartungen. Die Binnenwirtschaft dämpfte das Wachstum im dritten Quartal. Die gute Kon- sumentwicklung konnte die schwachen Investitionen und den Lagerabbau nicht kompensieren. Die anhaltend positive Arbeitsmarktentwicklung und die erhöhte Nettozuwanderung – vor allem aus Osteuropa – unterstützen die Entwicklung des privaten Konsums. Die Nettolöhne und -gehälter je Arbeitnehmer stiegen um 0,5% gg. Vq. und die Anzahl der Beschäftigten um 0,8% gg. Vq. Die Er- werbsquote (54,4%) stieg erneut an – auf den höchsten Wert seit der Wieder- - 3 - 2 - 1 0 1 2 3 - 1,0 - 0,8 - 0,6 - 0,4 - 0,2 0,0 0,2 0,4 0,6 0,8 1,0 12 13 14 15 % gg. Vq. (links) % gg. Vj. (rechts) Deutsche Konjunkturentwicklung 16 Reales BIP (% gg. Vq.; % gg. Vj.) Quellen: Statistisches Bundesamt, Deutsche Bank Research - 0,5 - 0,3 - 0,1 0,1 0,3 0,5 Reales BIP Privater Konsum Staatskonsum Ausrüstungsinv. Bauinvestitionen Lager Außenbeitrag Q2 14 Q3 14 Wachstumsbeitrag zum realen BIP - Wachstum, % gg. Vq., % - Punkte Quelle: Statistisches Bundesamt Investitionen und Lagerabbau dämpfen Wachstum in Q3 2014 17 - 0,6 - 0,5 - 0,4 - 0,3 - 0,2 - 0,1 0,0 0,1 0,2 0,3 0,4 Jan 14 Mrz 14 Mai 14 Jul 14 Sep 14 Nov 14 DB Marko - Überraschungsindex +/ - 1 Standardabweichung DB Makro - Überraschungsindex Deutschland 18 Durchschnitt der z - Werte der vergangenen 20 Datenüberraschungen Quellen: Bloomberg Finance LP, Deutsche Bank Research Werte über (unter) 0 bedeuten über (unter) der Markterwartung liegende Datenveröffentlichungen Unternehmensfinanzierung & Konjunktur in Deutschland 7 | 12. Dezember 2014 Monitor Unternehmensfinanzierung vereinigung. Die Konsumausgaben stiegen im Vergleich zum Vorjahr vor allem fürs Wohnen und in den Bereichen Nahrungsmittel, Getränke und Tabakwaren sowie Verkehr und Nachrichtenübermittlung. Die Bruttoanlageinvestitionen entwickelten sich erneut enttäuschend. Die Bau- investitionen schrumpften – nach der witterungsbedingten Gegenbewegung im zweiten Quartal – wiederholt. Sie liegen aber noch leicht über dem Vorjahresni- veau. Der Rückgang bei den Nichtwohnbauten war stärker als bei den Wohn- bauten (-0,1% vs. -0,7% gg. Vq.). Die Ausrüstungsinvestitionen fielen im dritten Quartal deutlich um 2,3% gg. Vq. und verdeutlichen die Abschwächung der In- vestitionskonjunktur. Die Kapazitätsauslastung des Verarbeitenden Gewerbes ging im vierten Quartal erneut zurück und liegt damit auf etwa auf dem langfris- tigen Durchschnitt von etwa 83½%, aber noch über dem Vorjahreswert von 83%. Daher dürften die Unternehmen hauptsächlich Ersatzinvestitionen tätigen. Die anhaltend verhaltende Nachfrage aus dem In- und Ausland und die weiter hohe Unsicherheit deuten auf eine Fortsetzung der schwachen Entwicklung hin. Am höchsten und deutlich über dem langfristigen Durchschnitt ist die Kapazi- tätsauslastung weiterhin im Automobilsektor. Aber sogar die Automobilindustrie schwächte sich zuletzt ab. Die Nettoexporte trugen moderat zum BIP-Wachstum im dritten Quartal bei. Die preisbereinigten Exporte stiegen um 1,9% gg. Vq. und lagen 4,8% über dem Vorjahresniveau. Die im Vergleich zum Vorjahr gestiegene Nachfrage geht ins- besondere auf eine höhere Nachfrage aus China, dem Vereinigten Königreich und den USA zurück. Stärker nachgefragt wurden vor allem Autos. Im Zeichen der Russland-Ukraine-Krise lagen die Exporte nach Russland, die etwa 2,5% der Gesamtexporte ausmachen, im bisherigen Jahresverlauf (Januar bis Sep- tember) etwa 15% unter dem Vorjahresniveau. Die Importe stiegen weniger stark als die Exporte (1,7% gg. Vq, 3,6% gg. Vj.), so dass die Nettoexporte im dritten Quartal 0,2%-Punkte zum Wachstum beitrugen. - 25 - 20 - 15 - 10 - 5 0 5 10 15 00 02 04 06 08 10 12 14 Bauinvestitionen Ausrüstungsinvestitionen Investitionen, insgesamt % gg.Vj. Quelle: Statistisches Bundesamt Schwache Investitionen in Q3 20 - 15 - 10 - 5 0 5 10 15 - 4 - 3 - 2 - 1 0 1 2 3 4 11 12 13 14 15 % gg. Vq. (links) % gg. Vj. (rechts) Ausrüstungsinvestitionen 19 Quellen: Statistisches Bundesamt, Deutsche Bank Research - 3 - 2 - 1 0 1 2 3 4 5 13 14 Ernährungsgew.; Getränke Chemie Pharma Kunststoffwaren Metallerz. u. - bearb. Metallerzeugnisse Elektrotechnik Maschinenbau Automobilindustrie Weitere Verarb. Gewerbe (% gg. Vj.) Wachstumsbeiträge, % - Punkte; % gg. Vj. (Laufender 3 - Monatsdurchschnitt) Quellen: Statistisches Bundesamt, Deutsche Bank Research Sogar Automobilindustrie zuletzt etwas schwächer 21 - 2,0 - 1,5 - 1,0 - 0,5 0,0 0,5 1,0 1,5 2,0 - 30 - 20 - 10 0 10 20 30 10 11 12 13 14 15 Welthandel (links) Deutsche Güterexporte (links) PMI Neue Exportaufträge* (rechts) ifo Exporterwartungen* (rechts) % gg. Vj. (3 - Monatsdurchschnitt, links), standardisierte Werte (rechts) * Vorlauf von 3 Monaten Quellen: Deutsche Bundesbank, ifo, Markit, Deutsche Bank Research Stimmungsindikatoren für den Export deutlich gefallen 23 75 80 85 90 95 Automobil Pharma Elektro - technik Maschinen - bau Metall - erzeugung Ver. Gewerbe Chemie Metall - erzeugnisse Q4 2014 Q2 2014 2013 Durchschnitt seit 2000 Kapazitätsauslastung, sb., % Quelle: ifo Auslastung der Industrieunternehmen in Q4 wieder leicht gesunken, aber noch etwas über langfristigem Durchschnitt 22 Unternehmensfinanzierung & Konjunktur in Deutschland 8 | 12. Dezember 2014 Monitor Unternehmensfinanzierung Wahrscheinlich Stagnation in Q4 Die deutsche Wirtschaft dürfte im vierten Quartal nur stagnieren. Stimmungs- indikatoren deuten derzeit zwar auf ein leicht positives Wachstum hin, beide Indikatoren überzeichneten das Wachstum allerdings in den vergangenen Quar- talen. Im Jahresdurchschnitt 2014 dürfte das Wachstum bei 1,4% gg. Vj. liegen, nach 0,1% im Jahr 2013. Privater Konsum Stabilitätsanker im Jahr 2015 Nach einem schwachen Winterhalbjahr rechnen wir mit einer moderaten Beschleunigung des Wachstums im Verlauf des Jahres 2015. Die Wirtschafts- aktivität dürfte um 1,0% steigen. Diese Prognose basiert darauf, dass die EZB ihre Geldpolitik noch expansiver ausrichtet (QE), die Weltwirtschaft sich dank einer dynamischen Entwicklung in den USA merklich beschleunigt, ein schwächerer Euro die deutschen Exporte unterstützt und der anhaltend schwache Ölpreis die inländische Kaufkraft erhöht. Dämpfend auf das Wachstum wirken über den Prognosehorizont anhaltende geopolitische Risiken, insbesondere der Ukraine-Russland-Konflikt, und die beiden großen Reformprojekte der großen Koalition. Die Einführung des Min- destlohns von EUR 8,50 dürfte erhebliche negative Beschäftigungseffekte nach sich ziehen, den (Wieder-)Einstieg in den Arbeitsmarkt vor allem von Problem- gruppen erheblich erschweren und damit die strukturelle Arbeitslosigkeit erhö- hen – mit deutlichen negativen fiskalischen Effekten. Die Reduktion der Un- gleichheit der Bruttolohnverteilung wird durch das teilweise Herausdrängen der Arbeitnehmer mit der geringsten Produktivität erkauft. Der Beschäftigungsauf- bau dürfte trotz hoher Nettozuwanderung von der Mindestlohneinführung im Jahr 2015 gestoppt werden. Die Wirkung des Rentenpakets, insbesondere die Rente mit 63, ist ebenfalls negativ und vor dem Hintergrund der massiven de- mographischen Herausforderungen kontraproduktiv. Es ist mit der Rückkehr zur Frühverrentung ein Geschenk an die Älteren und eine Belastung für Jüngere mit erheblichen negativen Auswirkungen auf die Staatsfinanzen. Zudem dürfte es zu einer Verschärfung des Fachkräftemangels und zu einem deutlichen Verlust an betriebsspezifischem Humankapital kommen. Die Binnenwirtschaft dürfte der Hauptwachstumstreiber sein. In diesem Jahr dürften rund 80% und im nächsten Jahr nahezu das komplette BIP-Wachstum darauf zurückgehen. Vor allem der private Konsum dürfte sich trotz des Dämp- fers durch den Mindestlohn robust entwickeln und mit rund 1,5% Wachstum so kräftig wie seit 3 Jahren nicht mehr expandieren. Die Beschäftigung dürfte auf hohem Niveau bleiben, aber im Laufe des Jahres 2015 gestoppt werden. Die Reallöhne dürften ebenfalls relativ kräftig steigen, wobei sich die neuen Tarifab- schlüsse im Laufe des nächsten Jahres eher in Richtung 2% bewegen dürften, von etwas über 3% in diesem Jahr. Die Arbeitslosenquote dürfte nach dem Rückgang auf 6,7% (2013: 6,9%) im Jahr 2015 wahrscheinlich wieder etwas steigen. Die strukturelle Arbeitslosigkeit dürfte sich durch die Mindestlohneinfüh- rung, die bestehende Mismatch-Probleme verschärft, erhöhen. Die deutschen Exporte werden sich zwar in den nächsten Monaten wahrschein- lich noch relativ verhalten entwickeln, aber im Verlauf des nächsten Jahres dank der Erholung der Weltkonjunktur und der weiteren Abwertung des Euro deutli- cher zulegen. Das Wachstum der Importe dürfte sich weiter robust entwickeln. 2014 dürfte der Wachstumsbeitrag der Nettoexporte leicht positiv und in 2015 etwa neutral ausfallen. - 4 - 3 - 2 - 1 0 1 2 3 4 5 6 7 13 14 GB US CN RU Weitere Insg. Wachstumsbeitrag, % - Punkte, % gg. Vj. Quellen: Statistisches Bundesamt, Deutsche Bank Research Russland schwächt deutsche Exportentwicklung 25 - 4 - 2 0 2 4 6 8 - 2 - 1 0 1 2 3 4 10 11 12 13 14 PMI gesamt (links) ifo Geschäftsklimaindex (links) OECD CLI (links) Reales BIP (rechts) Deutschland, standardisierte Werte (links), % gg. Vj. (rechts) Quellen: Markit, ifo , OECD, Statistisches Bundesamt BIP - Wachstum und Frühindikatoren 26 - 1,0 - 0,5 0,0 0,5 1,0 1,5 2,0 Q3 13 Q4 13 Q1 14 Q2 14 Q3 14 14F 15F 16F Privater Konsum Staatskonsum Ausrüstungsinvestitionen Bauinvestitionen Lager Außenbeitrag Wachstumsbeiträge zum realen BIP - Wachstum, gg. Vq., % - Punkte Quellen: Statistisches Bundesamt, Deutsche Bank Research Q3 marginales Wachstum - privater Konsum Hauptwachstumstreiber DX 24 Unternehmensfinanzierung & Konjunktur in Deutschland 9 | 12. Dezember 2014 Monitor Unternehmensfinanzierung Ausrüstungsinvestitionen: Erholung im Jahresverlauf Für Investitionen in Maschinen und Fahrzeuge bleibt das Umfeld mit einer zu- letzt erneut gefallenen Kapazitätsauslastung und angesichts des internationalen Gegenwinds (schwache Weltkonjunktur und geopolitische Risiken) schwierig. Negativ wirken ebenfalls die Kosteneffekte der Energiewende, des Mindestlohns und der Rentenreform. Nach einem schwachen Winterhalbjahr 2014/15 dürften mit der erwarteten Aufhellung der Weltkonjunktur und weiterhin extrem niedrigen Zinsniveaus die Ausrüstungsinvestitionen jedoch im Verlauf des Jahres 2015 anziehen. Allerdings werden sie wegen des schwachen Winterhalbjahres im Jahresdurchschnitt 2015 nur um 0,9% nach 2,9% im Jahr 2014 expandieren. Bauinvestitionen dürften solide wachsen Die Bauinvestitionen dürften 2015 um rund 2½% steigen (2014: 3,4%). Dank his- torisch niedriger Kreditzinsen (2,31%, Zinsbindung 5-10J.), einer geringeren Ren- dite alternativer Anlageklassen, guter Arbeitsmarktlage und erhöhter Nettozuwan- derung dürfte sich der Wohnungsbau , der 60% der Bauinvestitionen ausmacht, weiter positiv entwickeln. Die Bauinvestitionen des Staates sollten leicht steigen. Immobilienpreise weiter im Aufwind Die seit Anfang 2008 andauernde Aufwärtsbewegung der Immobilienpreise dürf- te sich fortsetzen. Deutschlandweit lagen die Preise in den ersten 3 Quartalen 2014 etwa 3% über dem Vorjahresniveau – für die „Top-7“-Städte sogar rund 7%. Die Angebotsausweitung dämpft dabei etwas. Die Zahl der Baugenehmi- gungen stieg von Januar bis September um 5% gg. Vj. und deutet auf eine Ausweitung der Fertigstellungen von Wohneinheiten von etwa 250.000 hin. Die Nachfrage nach Immobilien dürfte durch die günstigen Finanzierungsbedingun- gen, die geringen Rendite alternativer Anlagen, die erhöhte Zuwanderung, die weitere Urbanisierung und die Veränderung der Haushaltsstruktur weiter steigen und der Preisdruck somit anhalten. Während in einigen Großstädten die Preise bereits überbewertet sein könnten, sind deutschlandweit keine Übertreibungen feststellbar. Die Preisveränderungen sind verglichen mit historischen Preis- anstiegsphasen und Immobilienbooms in anderen Ländern relativ gering. Zu- dem liegen die Erschwinglichkeitsindizes immer noch deutlich unter ihrem lang- fristigen Durschnitt, und im internationalen Vergleich zeigen diese Indikatoren, dass deutsche Immobilien unterbewertet sind. Ebenfalls ist kein Anziehen bei den Hypothekenkrediten zu beobachten. Das Wachstum verharrt seit Jahresan- fang bei etwa 2% gg. Vj. Mit höheren Immobilienpreisen stiegen seit Anfang 2013 auch die Kaltmieten (ohne Energie, 21% am CPI) moderat von 1,2% auf zuletzt 1,4% gg. Vj. (Nov. 2014). Die Unterschiede zwischen den Bundesländern sind erheblich (0,7% gg. Vj. im Saarland und Sachsen bis 1,9% in NRW). Größere Mieterhöhungen kommen zumeist nur regional begrenzt in ausgewählten Ballungszentren vor. Nur gedämpfter Anstieg der Konsumentenpreise Der Anstieg der Verbraucherpreise hat sich in den vergangenen Monaten weiter abgeschwächt und liegt nur noch bei 0,6% gg. Vj. Die schwache Entwicklung der Rohstoffpreise und generell niedrigere Importpreise haben den Preisanstieg gedämpft. Zudem dürfte der Anstieg der Löhne nicht ausreichen, um die Kernin- flation (ohne Energie und Nahrungsmittel) merklich zu heben. Weiterhin schwa- che Rohstoffpreise dürften weiter dämpfen. Kompensierend wirkt die erwartete weitere Abschwächung des Euro. Wir rechnen mit einer anhaltend niedrigen Konsumentenpreisinflation von 1,0% gg. Vj. (2013: 1,5%) im Jahr 2014 und 1,0% im Jahr 2015. Heiko Peters (+49 69 910-21548, heiko.peters@db.com) -4 -3 -2 -1 0 1 2 -40 -30 -20 -10 0 10 20 08 09 10 11 12 13 14 15 Ausrüstungsinvestitionen (links) Auftragseingänge ** (Inl. Investitionsgüter ohne Transport, links) ifo Exporterwartungen* (rechts) PMI* (neue Exportaufträge, rechts) *Vorlauf von * 2Q * *1Q % gg. Vj. (links), standardisierte Werte (rechts) Quellen: ifo, Markit, Statistisches Bundesamt, Deutsche Bank Research Keine merkliche Beschleunigung der Ausrüstungsinvestitionen zu erwarten 27 0 1 2 3 4 5 6 7 8 00 02 04 06 08 10 12 14 Effektivzins für Wohnimmobilienkredite, 5 - 10 - J Zinsbindung 10 - J Bundesanleihen Leitzins in % Quellen: Bundesbank, EZB, Deutsche Bank Research Baufinanzierung: weiterhin niedriges Zinsniveau 28 - 0,5 0,0 0,5 1,0 1,5 2,0 2,5 11 12 13 14 Kern Nahrungsmittel Energie Insg. (% gg. Vj.) Wachstumsbeiträge % - Punkte; % gg. Vj. Quellen: Statistisches Bundesamt, Deutsche Bank Research Energie dämpfte zuletzt Preisanstiege 29 Unternehmensfinanzierung & Konjunktur in Deutschland 10 | 12. Dezember 2014 Monitor Unternehmensfinanzierung 30 201220132014P2015P2016PQ1Q2Q3Q4PQ1PQ2PQ3PQ4P BIP0,40,11,41,01,20,8-0,10,10,00,20,20,30,4 Privater Konsum0,70,81,11,51,00,50,10,70,30,40,30,20,3 Staatsausgaben1,20,71,20,90,30,20,40,60,20,10,20,10,2 Anlageinvestitionen-0,7-0,63,01,62,42,8-1,8-0,90,30,30,61,00,7 Ausrüstungen-3,1-2,42,90,94,21,70,4-2,3-1,00,00,72,01,0 Bau0,6-0,13,42,32,34,2-3,9-0,31,00,70,70,70,7 Lager, %-Punkte-1,40,2-0,3-0,3-0,2-0,10,1-0,50,00,0-0,10,00,0 Exporte2,81,63,94,75,2-0,21,21,90,50,71,01,21,5 Importe0,03,13,75,55,4-0,11,11,71,21,01,21,51,5 Nettoexport, %-Punkte1,3-0,50,30,00,3-0,10,10,2-0,2-0,10,00,00,1 Konsumentenpreise*2,01,51,01,01,51,21,10,80,81,21,21,21,3 Arbeitslosenquote, %6,86,96,76,87,16,86,76,76,66,76,76,86,9 Industrieproduktion-0,40,11,81,00,0 Budgetsaldo, % BIP0,10,00,1-0,5-0,7 Öffentlicher Schuldenstand, % BIP81,078,474,072,470,6 Leistungsbilanzsaldo, % BIP7,16,77,67,27,0 Leistungsbilanzsaldo, EUR Mrd.196189220211212 Quellen: Statistisches Bundesamt, Deutsche Bundesbank, Arbeitsagentur, Deutsche Bank Research 20142015 *Inflationsdaten für Deutschland basieren auf nationaler Abgrenzung. Dies kann zu Diskrepanzen zu anderen DB Publikationen führen. © Copyright 2014. Deutsche Bank AG, Deutsche Bank Research, 60262 Frankfurt am Main, Deutschland. Alle Rechte vorbehalten. Bei Zitaten wird um Quellenangabe „Deutsche Bank Research“ gebeten. Die vorstehenden Angaben stellen keine Anlage-, Rechts- oder Steuerberatung dar. Alle Meinungsaussagen geben die aktuelle Einschätzung des Verfassers wieder, die nicht notwendigerweise der Meinung der Deutsche Bank AG oder ihrer assoziierten Unternehmen entspricht. Alle Meinungen können ohne vorherige Ankündigung geändert werden. Die Meinungen können von Einschätzungen abweichen, die in anderen von der Deutsche Bank veröffentlichten Dokumenten, einschließlich Research-Veröffentlichungen, vertreten werden. Die vorstehenden Angaben werden nur zu Informations- zwecken und ohne vertragliche oder sonstige Verpflichtung zur Verfügung gestellt. 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