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  4. Deutschland Monitor Unternehmensfinanzierung
17. Dezember 2015
Die Kreditvergabe an Unternehmen und Selbstständige stagnierte in Q3. Das Volumen mit den meisten Industrie- und Dienstleistungsbranchen war leicht rückläufig – mit Landwirtschaft, Versorgern und dem Handel dagegen im Plus. Genossenschaftsbanken und Sparkassen legten weiter zu, während Landesbanken und Kreditbanken an Boden verloren. Auch die Finanzierungsalternativen blieben blass, dafür expandierte das Einlagenvolumen deutlich. Die deutsche Volkswirtschaft behielt ihr robustes Wachstumstempo in Q3 bei (+0,3% ggü. Vq.). Privater und staatlicher Konsum waren neben dem Lageraufbau die einzigen Treiber, denn die Investitionen gingen zurück und der Außenbeitrag war negativ. Der Ausblick für nächstes Jahr bleibt weitgehend unverändert (Wachstumsprognose: 1,9%), mit dem privaten Konsum und den Bauinvestitionen als den wichtigsten positiven Faktoren. [mehr]
Unternehmensfinanzierung & Konjunktur in Deutschland Monitor Unternehmensfinanzierung Unternehmensfinanzierung Kreditgeschäft und Finanzierungsalternativen treten auf der Stelle. Die Unter- nehmensfinanzierung in Deutschland hat sich im dritten Quartal bemerkenswert entwickelt: Sowohl die Kreditvergabe als auch die meisten anderen Finanzie- rungsformen schnitten relativ schwach ab, dafür stieg das Einlagenvolumen trotz Niedrigstzinsen stark an. Die Kredite an Unternehmen und Selbstständige blieben im Quartalsvergleich stabil, die Jahreswachstumsrate lag bei gerade einmal 0,9%. Das Geschäft mit vielen Industriebranchen und auch dem Dienstleistungssektor war leicht rück- läufig; mit der Landwirtschaft, den Versorgern und dem Handel überzeugte es jedoch. Gut lief es einmal mehr für die Genossenschaftsbanken und Sparkas- sen, während die privaten Kreditbanken und Landesbanken einen Rückschlag erlitten. Die Kreditzinsen stiegen erstmals nach langer Zeit wieder etwas an, dagegen wurde auf der Einlagenseite ein neues Rekordtief markiert. Die Ban- ken berichteten von weiter sinkenden Margen aufgrund des noch intensiver werdenden Wettbewerbs. Bei den Finanzierungsalternativen war die Nettoemission von Anleihen überra- schend negativ und auch das Aktiengeschäft fiel weitgehend in die Lethargie zurück. Nur im Leasing wurden wieder sehr gute Ergebnisse erzielt. Konjunktur Konsum zeigt Stärke in Q3 – außenwirtschaftliches Umfeld und Investitionen enttäuschen. Angesichts der schwachen Weltkonjunktur und geopolitischer Un- sicherheiten zeigte sich die deutsche Konjunktur mit einem Wachstum von +0,3% gg. Vq. widerstandsfähig. Die Binnenwirtschaft war durch den starken privaten und staatlichen Konsum die alleinige Wachstumsstütze. Die Bruttoin- vestitionen trugen insgesamt nur aufgrund eines Lageraufbaus zum Wachstum bei, die Ausrüstungs- und Bauinvestitionen gingen zurück. Das außenwirtschaft- liche Umfeld kostete Wachstum. In Q4 dürfte der Hauptwachstumsimpuls weiter von der Binnenkonjunktur kom- men. Die Exportdynamik wird wahrscheinlich blutleer bleiben, so dass die Net- toexporte das Wachstum erneut dämpfen. Per Saldo rechnen wir mit einer Seitwärtsbewegung des BIP-Wachstums. Für das Jahr 2016 erwarten wir eine Wachstumsbeschleunigung auf 1,9% (2015: 1,7%), dabei spielt der Flüchtlingszustrom über den zusätzlichen Impuls auf den privaten Konsum eine wichtige Rolle. Das binnenwirtschaftlich getriebe- ne Wachstum des zweiten Halbjahres 2015 dürfte sich im Jahr 2016 fortsetzen und das außenwirtschaftliche Umfeld herausfordernd bleiben, was für eine wei- ter verhaltene Entwicklung der Ausrüstungsinvestitionen spricht. Die Bauinvesti- tionen dürften sich aufgrund der günstigen Fundamentalfaktoren und wegen öffentlicher Infrastrukturinvestitionen wieder etwas beleben. Autoren Jan Schildbach +49 69 910-31717 jan.schildbach@db.com Heiko Peters +49 69 910-21548 heiko.peters@db.com Editor Jan Schildbach Deutsche Bank AG Deutsche Bank Research Frankfurt am Main Deutschland E-Mail: marketing.dbr@db.com Fax: +49 69 910-31877 www.dbresearch.de DB Research Management Ralf Hoffmann 17. Dezember 2015 Unternehmensfinanzierung & Konjunktur in Deutschland 3 . Quartal 2015 Unternehmensfinanzierung & Konjunktur in Deutschland 2 | 17. Dezember 2015 Monitor Unternehmensfinanzierung Unternehmensfinanzierung in Deutschland Kreditvolumen Im dritten Quartal stagnierte das Kreditgeschäft mit Unternehmen und Selbst- ständigen in Deutschland (bei einem Kreditbestand von EUR 1.180 Mrd. gab es genaugenommen ein minimales Plus von EUR 0,4 Mrd.). Gegenüber dem Stand vor einem Jahr blieb die Wachstumsrate ebenfalls praktisch unverändert bei 0,9%. Angesichts anhaltend schwacher Investitionen und einer nachlassen- den Dynamik auch im Außenhandel überrascht diese Entwicklung allerdings kaum (zu den Details des Konjunkturverlaufs und -ausblicks siehe Teil 2 im Anschluss). Im Euroraum insgesamt schrumpfte das Kreditvolumen mit nichtfinanziellen Unternehmen im dritten Quartal erneut leicht, um 0,7%, so dass der Kreditbe- stand knapp unter dem Vorjahreswert verharrte (-0,4%). Nichtsdestoweniger scheint zumindest der jahrelange Abwärtstrend 2015 gestoppt worden zu sein. Mit Blick auf die verschiedenen Sektoren in Deutschland hielt die jüngste Kon- vergenz an – die Kreditvergabe an das Verarbeitende Gewerbe drehte gegen- über dem Vorjahr knapp ins Plus (mit 0,3% war es überhaupt erst das zweite positive Quartal seit 2009), obwohl im Dreimonatsvergleich sogar wieder ein leichtes Minus von EUR 0,5 Mrd. zu verzeichnen war. Ähnlich das Bild beim Dienstleistungssektor – die Wachstumsrate ggü. Vj. stieg etwas auf 1,5%, trotz eines Rückgangs von EUR 1,7 Mrd. während des dritten Quartals. Die Kredite an Selbstständige legten dagegen auch in Q3 zu; der Anstieg um EUR 1,6 Mrd. hob den Vergleich mit September 2014 auf +1,4%. In diesem außerordentlich stabilen Marktsegment hat das Kreditvolumen mit EUR 395 Mrd. bereits den höchsten Wert seit 2006 (!) erreicht. Bei den einzelnen Wirtschaftsbranchen verbuchten die meisten klassischen Industrien ein Schrumpfen der Kreditfinanzierung. Das gilt sowohl für Maschi- nenbau/Auto (-0,8% ggü. Vq.) als auch Metall (-0,3%) und Elektrotechnik (-2,7%). Als einzige unter den großen Industriezweigen expandierten die Kredite an die Chemie (+1,4%). Außerhalb des Verarbeitenden Gewerbes sah es deut- lich besser aus. Das Kreditbuch mit Versorgern/Bergbau (+1,1%) und dem Handel (1,6%) erholte sich jeweils vom jüngsten Rückschlag, während auf dem Bau (0,4%) und in der Landwirtschaft (1,8%) der Aufwärtstrend anhielt. Sowohl Versorger/Bergbau als auch Landwirtschaft erzielten sogar abermals ein Re- kordvolumen – erstere schafften zum zweiten Mal den Sprung über die Marke von EUR 100 Mrd., letztere erstmals den Sprung über EUR 50 Mrd. Nur beim Verkehr hielt die Abwärtstendenz an (-2,3% ggü. Vq.). Beim insgesamt eher durchwachsenen Abschneiden der Dienstleistungen mussten die unternehmensnahen Dienstleistungen (Telekom/Beratung/Wer- bung) mit -1,3% zum ersten Mal seit sechs Quartalen ein Minus hinnehmen. Auf der anderen Seite legten die immobiliennahen Branchen weiter zu (Wohnungs- unternehmen um 0,3%; Gewerbeimmobilienfirmen um 0,8% – das stärkste Wachstum seit viereinhalb Jahren) und Tourismus/Gastronomie konnte sich sogar erstmals seit 1996 (!) über einen Zuwachs in einem dritten Quartal freuen (+0,3%). Das Kreditgeschäft mit dem Gesundheitssektor bleibt weiter sehr sta- bil; in Q3 gab es nach vier leichten Quartalsrückgängen am Stück mal wieder einen Anstieg von 0,6%. Die Entwicklung differenziert nach Fristigkeiten fiel einmal mehr relativ wenig aufregend aus. Langfristige Ausleihungen setzten ihren Wachstumskurs fort (+0,6%; das beste Ergebnis seit Frühjahr 2012), wohingegen Laufzeiten unter fünf Jahren, das heißt mittel- wie kurzfristige Kredite (-0,8% bzw. -2,3%), rück- läufig waren. Interessanter war erneut das Abschneiden der verschiedenen Bankengruppen . Hier konnten sich nach der Konvergenz der letzten Quartale in Q3 die Verbünde -4 -3 -2 -1 0 1 2 3 10 11 12 13 14 15 ggü. Vorjahr ggü. Vorquartal Kredite an inländische Unternehmen und Selbstständige* 1 % * ohne sonstige Finanzinstitute Quellen: Bundesbank, Deutsche Bank Research -12 -10 -8 -6 -4 -2 0 2 4 10 11 12 13 14 15 Verarbeitendes Gewerbe Dienstleistungssektor Selbstständige ... nach Branche 2 % ggü. Vorjahr Quellen: Bundesbank, Deutsche Bank Research -25 -20 -15 -10 -5 0 5 10 11 12 13 14 15 Kurzfristige Kredite Mittelfristige Kredite Langfristige Kredite ... nach Fristigkeit* 3 % ggü. Vorjahr * ohne sonstige Finanzinstitute Quellen: Bundesbank, Deutsche Bank Research -20 -15 -10 -5 0 5 10 10 11 12 13 14 15 Kreditbanken darunter Auslandsbanken Landesbanken Sparkassen Genossenschaftsbanken ... nach Bankengruppe* 4 * ohne sonstige Finanzinstitute % ggü. Vorjahr Quellen: Bundesbank, Deutsche Bank Research Unternehmensfinanzierung & Konjunktur in Deutschland 3 | 17. Dezember 2015 Monitor Unternehmensfinanzierung von Sparkassen (+0,7% ggü. Vq.) und Genossenschaftsbanken (1,2%) mit ei- nem höheren Kreditvolumen u.a. bei Wohnungsunternehmen wieder etwas von der Konkurrenz absetzen – was aber vor allem an der Schwäche der Wettbe- werber und weniger der eigenen Stärke lag. So mussten die privaten Kreditban- ken nach sechs Quartalen in Folge im Plus einen herben Rückschlag verkraften, und zwar sowohl die inländischen Institute (-0,2%) als auch die Auslandsbanken (-0,4%). Desgleichen erwischte es auch die Landesbanken (-0,8%) und die För- derbanken (-2,2%) – für letztere war es sogar das kräftigste Minus seit 2008, getrieben vor allem von einem Einbruch im Geschäft mit Beteiligungsgesell- schaften. Die Landesbanken ihrerseits stehen mittlerweile wieder auf dem Ni- veau von 1997: Zum zweiten Mal seit 2008, dem Ende ihrer letzten nennens- werten Wachstumsphase, hatten sie sich nach jahrelangem Schrumpfungspro- zess wieder in eine gewisse Stabilität zurückgekämpft, nur um im Anschluss einen erneuten Rückfall hinnehmen zu müssen. Der Abstand zur Konkurrenz ist im letzten halben Jahr jedenfalls wieder größer geworden. Insgesamt hat sich das Bild eines Marktes der drei Geschwindigkeiten verfestigt: An der Spitze liegen mit rund 4,5% Wachstum ggü. Vj. die Genossenschaftsbanken, im Mittel- feld mit gut 2,5% Sparkassen und Kreditbanken, und das Schlusslicht bilden Landesbanken und Förderbanken, die beide ihr Kreditgeschäft mit Unterneh- men und Selbstständigen zurückfahren. Andere Finanzierungsquellen In Q3 ließ sich nicht wie sonst öfter bei schwacher Kreditentwicklung ein deut- lich besseres Abschneiden der alternativen Finanzierungsformen beobachten. Zumindest der leichte Aufschwung bei Commercial Paper hielt mit einem Quartals- anstieg von EUR 1 Mrd. an. Es deutet somit vieles auf das erste Wachstum in einem Gesamtjahr seit 2011 hin, trotz des wenig förderlichen Zinsumfelds, das vor allem längerfristige Finanzierungen begünstigt. Ausgesprochen enttäuschend verlief die Emission von Unternehmensanleihen , die netto sogar negativ war (EUR -0,5 Mrd.) und damit den schlechtesten Wert seit vier Jahren einfuhr. Gleichzeitig ist ein positiveres Umfeld für Anleihen als in diesem Jahr – mit Extremzinsen, dem Ankaufprogramm der EZB und soliden Fundamentaldaten der deutschen Unternehmen – kaum vorstellbar. Angesichts international voraussichtlich bald wieder steigender Zinsen aufgrund der Zins- wende in den USA dürften die Bedingungen für die Kapitalaufnahme am Kapi- talmarkt in den nächsten Jahren jedenfalls nicht mehr ganz so rosig sein. Im Euroraum insgesamt erholte sich das Emissionsgeschäft in Q3 hingegen vom sehr schwachen Vorquartal und kam auf ordentliche EUR 15,7 Mrd. Die Vorzei- chen zwischen Deutschland und Euroland insgesamt haben sich also in diesen beiden Quartalen komplett gedreht. Unverändert schwungvoll bleibt der deutsche Leasingmarkt . Obwohl das beste Vierteljahr üblicherweise erst das vierte ist, kam das Mobilienleasing auch im Zeitraum zwischen Juni und September schon auf den besten Wert seit 2008. Das Volumen der Neuabschlüsse lag mit EUR 12,7 Mrd. 5,3% über Vorjahr und profitierte dabei von einem Boom beim Pkw-Leasing. Zuwächse verzeichneten auch Büroelektronik und Maschinen, während es bei Nicht-Straßenfahrzeugen einen Einbruch gab. Im Immobilienleasing ging das (ohnehin volatile) Geschäft stark auf nur noch EUR 208 Mio. zurück. Aktienemissionen an deutschen Börsen erzielten im 3. Quartal mit einer Höhe von EUR 1,6 Mrd. gemessen an den eigenen Maßstäben ein „normales“ Resul- tat. Was sich bereits beim Höhenflug des Marktes zuvor zeigte, bewahrheitete sich erneut, dieses Mal in den Turbulenzen des Spätsommers – deutsche Unternehmen bitten ihre Aktionäre nicht nur selten um frisches Kapital, sondern lassen sich dabei offenbar auch weder im Guten noch im Schlechten von Kurs- bewegungen gravierend beeinflussen. - 8 - 6 - 4 - 2 0 2 4 6 8 10 11 12 13 14 15 Commercial Paper inländischer Nichtbanken, Nettoemission 5 Mrd. EUR Quellen: Bundesbank, Deutsche Bank Research - 4 - 2 0 2 4 6 8 10 10 11 12 13 14 15 Anleihen inländischer nichtfinanzieller Unternehmen, Nettoemission 6 Mrd. EUR Quellen: Bundesbank, Deutsche Bank Research 0 2 4 6 8 10 12 14 16 18 20 10 11 12 13 14 15 Aktienemissionen inländischer Unternehmen (einschl. Finanzinstitute) 8 Mrd. EUR Quellen: Bundesbank, Deutsche Bank Research 0 2 4 6 8 10 12 14 16 10 11 12 13 14 15 Mobilien Immobilien Mrd. EUR Leasinggeschäft, Neuvolumen 7 Quelle: BDL Unternehmensfinanzierung & Konjunktur in Deutschland 4 | 17. Dezember 2015 Monitor Unternehmensfinanzierung Einlagenvolumen Paradoxerweise haben Unternehmen und Selbstständige in Deutschland selbst bei noch unattraktiver werdenden Konditionen wieder mehr Geld zu den Banken gebracht – genaugenommen war das abgelaufene Quartal mit einem Zufluss an Einlagen von netto EUR 30,1 Mrd. sogar das zweitbeste seit der Finanzkrise. Die Überraschung lag aber weniger im erneuten Anstieg der Sichteinlagen (EUR 17 Mrd.), sondern eher im Plus bei den Termineinlagen (EUR 13,1 Mrd.), die zuvor stetig geschrumpft waren. Das Einlagenwachstum insgesamt hat, trotz widriger Rahmenbedingungen, mit 2,5% ggü. Vj. das höchste Tempo seit 2011 erreicht. Gründe dürfte vor allem ein Mangel an Alternativen und große Un- sicherheit und Risikoaversion unter den Entscheidern in den Firmen sein (wes- wegen zum Beispiel größere Investitionen unterbleiben). Ergebnisse des Bank lending surveys der EZB Die allgemeinen Kreditstandards für Unternehmenskredite in Deutschland blie- ben im letzten Quartal nach Angaben der Banken unverändert, und zwar für alle Arten von Krediten und Kreditnehmern. Bei den konkreten Konditionen berichte- ten die Banken (Nennung durch 13% der Institute) zugleich von leicht abneh- menden Margen bei durchschnittlichen Krediten. Außerdem meldeten jeweils 9% eine Verringerung der Nebenkosten sowie der Anforderungen an Covenants und Fristigkeiten. Dafür wurde im Wesentlichen eine verschärfte Wettbewerbssi- tuation (23%) verantwortlich gemacht. Im Euroraum als Ganzes wurden die Standards minimal gelockert, allerdings nur für kleine und mittlere (5%), nicht für größere Unternehmen. Darüber hinaus hielt die Zweiteilung bei der Margenentwicklung an – für durchschnittliche Kredi- te meldeten 32% der Banken einen Rückgang, für riskantere Ausleihungen än- derte sich praktisch nichts. Die Kreditnachfrage in Deutschland wurde von den Banken (13% Nennungen) in Q3 etwas höher eingeschätzt als im Vorquartal, was sich allerdings mit der Empi- rie wie gezeigt kaum deckt. Positiv wirkten sich dabei das Zinsniveau, Umschul- dungsbemühungen und eine größere Investitionsbereitschaft der Unternehmen aus, negativ dagegen die Verfügbarkeit eigener Mittel der Firmen, von Krediten anderer Banken und die Begebung von Schuldverschreibungen. Im Euroraum insgesamt verspürten netto 16% der Institute eine stärkere Kreditnachfrage. Im laufenden Vierteljahr erwarten 6% der deutschen wie auch der EWU-Banken insgesamt eine Lockerung ihrer Kreditstandards. 9% in Deutschland und 34% im Eurogebiet gehen von einer höheren Nachfrage aus, wobei die letztere Schät- zung nahezu chronisch enttäuscht wird. Zinssätze Zum ersten Mal seit 2011 sind die Zinsen im Kredit-Neugeschäft mit Unterneh- men im 3. Quartal tatsächlich wieder ein Stück angestiegen. Und das über un- terschiedliche Größenklassen und Kreditnehmerkategorien (Kapitalgesellschaf- ten, Selbstständige) hinweg gleichmäßig um gut 0,1 %-Punkt. Bei kurzen und langen Zinsbindungsfristen war der Anstieg etwas stärker (rund 0,15 %-Punkte), wohingegen die Zinsen für mittlere Bindungsfristen von 1-5 Jahren de facto gleich blieben. Insgesamt verharrt das Zinsniveau natürlich weiterhin auf einem extrem niedrigen Niveau; Kredite mit Zinsfestschreibung über mehr als 5 Jahre beispielsweise werden im Durchschnitt schon für 2,1% p.a. neu abgeschlossen. Die Zinsen auf Sichteinlagen wiederum markierten im September ein neues Allzeittief von nur noch 5 Bp. Ebenfalls ein paar Bp. fielen die Zinsen für Ter- mingelder , auf 17 Bp. Jan Schildbach (+49 69 910-31717, jan.schildbach@db.com) Wenn Sie den Monitor Unternehmensfinanzierung regelmäßig erhalten möchten, schicken Sie uns bitte eine E-Mail. Frühere Ausgaben stehen hier . 1.100 1.125 1.150 1.175 1.200 1.225 1.250 1.275 1.300 - 40 - 30 - 20 - 10 0 10 20 30 40 10 11 12 13 14 15 Sichteinlagen, ggü. Vorquartal (links) Termineinlagen, ggü. Vorquartal (links) Volumen insgesamt** (rechts) Mrd. EUR * einschließlich sonstiger Finanzinstitute ** Enthält Rückgang um EUR 80,9 Mrd. in Q3 13 und Anstieg um EUR 9,4 Mrd. in Q4 14 aufgrund statistischer Umklassifizierungen. Sicht - und Termineinlagen von inländi - schen Unternehmen & Selbstständigen* 9 Quellen: Bundesbank, Deutsche Bank Research Unternehmensfinanzierung & Konjunktur in Deutschland 5 | 17. Dezember 2015 Monitor Unternehmensfinanzierung - 15 - 10 - 5 0 5 10 15 Q4 12 Q2 13 Q4 13 Q2 14 Q4 14 Q2 15 Q4 15 Deutschland Euroraum * Q4 15 erwarteter Wert Quellen: Bundesbank, EZB ... verschärft ... gelockert Bank lending survey: Kreditstandards für Unternehmen* 10 - 40 - 30 - 20 - 10 0 10 20 30 Q3 12 Q1 13 Q3 13 Q1 14 Q3 14 Q1 15 Q3 15 Deutschland Euroraum Quellen: Bundesbank, EZB ... gestiegen ... gesunken Bank lending survey: Margen für durchschnittliche Unternehmenskredite 11 - 40 - 30 - 20 - 10 0 10 20 30 40 Q4 12 Q2 13 Q4 13 Q2 14 Q4 14 Q2 15 Q4 15 Deutschland Euroraum * Q4 15 erwarteter Wert Quellen: Bundesbank, EZB ... gestiegen ... gesunken Bank lending survey: Nachfrage nach Unternehmenskrediten* 12 1,0 1,5 2,0 2,5 3,0 3,5 4,0 4,5 10 11 12 13 14 15 Kredite an nichtfinanzielle Kapitalgesellschaften, ≤ EUR 1 Mio. Kredite an nichtfinanzielle Kapitalgesellschaften, > EUR 1 Mio. Kredite an Selbstständige und Personengesellschaften % Ø - Zins im Kredit - Neugeschäft, nach Kredithöhe 13 Quelle: EZB 0,0 0,5 1,0 1,5 2,0 2,5 3,0 3,5 4,0 4,5 5,0 10 11 12 13 14 15 Kredite mit Zinsbindung ≤ 1 Jahr Kredite mit Zinsbindung von 1 - 5 Jahren Kredite mit Zinsbindung > 5 Jahre ... nach Zinsbindungsfrist 14 %, Kredite an nichtfinanzielle Kapitalgesellschaften Quelle: EZB 0,0 0,2 0,4 0,6 0,8 1,0 1,2 1,4 1,6 10 11 12 13 14 15 Sichteinlagen Termineinlagen % Ø - Zins auf Einlagen von nichtfinanziellen Kapitalgesellschaften (Neugeschäft) 15 Quelle: EZB Unternehmensfinanzierung & Konjunktur in Deutschland 6 | 17. Dezember 2015 Monitor Unternehmensfinanzierung Konsum zeigt Stärke in Q3 – außenwirtschaft- liches Umfeld und Investitionen enttäuschen — Angesichts der schwachen Weltkonjunktur und geopolitischer Unsicherhei- ten zeigte sich die deutsche Konjunktur mit einem Wachstum von +0,3% gg. Vq. widerstandsfähig. Die Binnenwirtschaft war durch den starken privaten und staatlichen Konsum die alleinige Wachstumsstütze. Die Bruttoinvesti- tionen trugen insgesamt nur aufgrund eines Lageraufbaus zum Wachstum bei, die Ausrüstungs- und Bauinvestitionen gingen zurück. Das außenwirt- schaftliche Umfeld kostete Wachstum, da sich das Exportwachstum deutlich abschwächte und die Importe relativ stark stiegen. — In Q4 dürfte der Hauptwachstumsimpuls weiter von der Binnenkonjunktur kommen. Durch den anhaltend starken internationalen Gegenwind wird die Exportdynamik wahrscheinlich blutleer bleiben, so dass die Nettoexporte das Wachstum erneut dämpfen. Per Saldo rechnen wir mit einer Seitwärtsbewegung des BIP-Wachstums. — Für das Jahr 2016 erwarten wir eine Wachstumsbeschleunigung auf 1,9% (2015: 1,7%), dabei spielt der Flüchtlingszustrom über den zusätzlichen Im- puls auf den privaten Konsum eine wichtige Rolle. Das binnenwirtschaftlich getriebene Wachstum des zweiten Halbjahres 2015 dürfte sich im Jahr 2016 fortsetzen und das außenwirtschaftliche Umfeld herausfordernd bleiben, was für eine weiter verhaltene Entwicklung der Ausrüstungsinvestitionen spricht. Die Bauinvestitionen dürften sich aufgrund der günstigen Funda- mentalfaktoren und wegen öffentlicher Infrastrukturinvestitionen wieder et- was beleben. Q3 2015: Externes Umfeld dämpft – Stabilitätsfaktor Konsum Das Wachstum der deutschen Wirtschaft zeigt sich angesichts der schwachen Entwicklung des Welthandels und der geopolitischen Unsicherheiten wider- standsfähig. Im dritten Quartal schwächte sich das BIP-Wachstum im Einklang mit unserer Erwartung leicht auf 0,3% gg. Vq. ab . Alleiniger Treiber ist die Bin- nenwirtschaft, insbesondere die solide Konsumentwicklung. Die Bruttoinvestitio- nen trugen insgesamt nur aufgrund eines Lageraufbaus zum Wachstum bei, während die Ausrüstungs- und Bauinvestitionen zurückgingen. Das externe Umfeld dämpfte ebenfalls. Im Vergleich zum Vorjahresquartal beschleunigte sich das Wachstum dennoch leicht auf 1,8% gg. Vj. Der private Konsum verzeichnete dank eines ölpreisbedingten Kaufkraftgewinns (Ölpreis in EUR: -20% gg. Vq.), einer gefallenen Sparquote, der anhaltend gu- ten Situation des Arbeitsmarktes sowie der weiterhin extrem hohen Nettozu- wanderung das höchste Quartalswachstum in diesem Jahr von 0,6 % gg. Vq. Zu der anhaltend hohen Arbeitszuwanderung seit der Öffnung des Arbeitsmarktes in Richtung Osteuropa in den vergangen Jahren dürften die zahlreichen interna- tionalen Krisenherde in diesem Jahr für einen Flüchtlingszustrom von etwa 1.000.000 Personen sorgen. Die Nettozuwanderung erreicht damit im Jahr 2015 einen Höchstwert und Deutschland könnte die USA als traditionell größtes Ein- wanderungsland ablösen. 1 Die Kosten für die Unterbringung und Versorgung der Flüchtlinge dürfte hauptsächlich für den Anstieg des Staatskonsums auf das höchste Quartalswachstum (+1,3% gg. Vq.) seit dem Jahr 2009 verantwortlich sein, als die tiefe Wirtschaftskrise hohe Staatsausgaben verursachte. 1 Siehe für Details Flüchtlingszustrom: Eine Chance für Deutschland, Standpunkt Deutschland, Deutsche Bank Research, 3. November 2015. - 1,0 - 0,5 0,0 0,5 1,0 1,5 2,0 Q3 14 Q4 14 Q1 15 Q2 15 Q3 15 14 15P 16P Privater Konsum Staatskonsum Ausrüstungsinvestitionen Bauinvestitionen Lager Außenbeitrag Reales BIP Wachstumsbeiträge zum realen BIP - Wachstum, gg. Vq., % - Punkte Binnenwirtschaftlich getriebenes Wachstum 16 Quellen: Statistisches Bundesamt, Deutsche Bank Research - 2,0 - 1,5 - 1,0 - 0,5 0,0 0,5 1,0 1,5 2,0 2,5 03 05 07 09 11 13 15 % gg. Vq. Quelle: Statistisches Bundesamt Staatskonsum in Q3 mit stärkstem Quartalswachstum seit 2009 17 0 100 200 300 400 500 600 700 800 900 1000 85 89 93 97 01 05 09 13 Tausend Personen Zahl der Asylbewerber in Deutschland in 2015 wohl auf historischem Hoch 18 Quellen: Eurostat, Deutsche Bank Research Unternehmensfinanzierung & Konjunktur in Deutschland 7 | 17. Dezember 2015 Monitor Unternehmensfinanzierung Schwach entwickelte sich im dritten Quartal das außenwirtschaftliche Umfeld, was darauf hindeutet, dass die temporäre Entkoppelung der deutschen Export- entwicklung vom Welthandel in der ersten Jahreshälfte dem Ende zugehen dürf- te. Zurück ging die Sonderkonjunktur der deutschen Exporte auf die dynami- sche US-Autokonjunktur und die kräftige Abwertung des EUR gg. dem USD. Dies führte dazu, dass die USA Anfang des Jahres 2015 Frankreich als tradi- tionell wichtigsten Abnehmer deutscher Produkte überholte. In der Spitze lagen die Exporte in die USA Mitte des Jahres 2015 bei 37% über dem Vorjahresni- veau und zuletzt gingen mehr als 10% der deutschen Exporte in die USA. Im Verlauf des dritten Quartals schwächte sich das Exportwachstum aber über alle Regionen hinweg merklich ab und das preisbereinigte Exportwachstum lag nur noch bei 0,2% gg. Vq. Maßgeblich ging dies auf die schwache Importnach- frage Chinas und die sich abkühlende US-Nachfrage zurück. Das Importwachstum lag wegen der soliden Entwicklung des privaten Konsums im dritten Quartal mit +1,1% deutlich über dem Exportwachstum, so dass die Nettoexporte das BIP-Wachstum erheblich bremsten (-0,4%-Punkte). Da die deutschen Investitionen maßgeblich von der Investitionstätigkeit der ex- portstarken Unternehmen des Verarbeitendes Gewerbes bestimmt werden, schlägt sich dort die schwache Exportentwicklung wider. Die Ausrüstungsin- vestitionen schwächten sich im Verlauf des Jahres 2015 ab und fielen im dritten Quartal um 0,8%. Trotz der extrem günstigen Finanzierungsbedingungen halten sich die Unternehmen bei den Investitionen wegen der globalen Konjunkturent- wicklung, der global bestehenden Überkapazitäten in einigen Segmenten, un- günstiger Reformen im Inland, der zahlreichen geopolitischen Risiken und vor allem der nur etwas über dem langfristigen Durchschnitt liegenden Kapazitäts- auslastung bei Investitionen zurück. Getätigte Investitionen dürften zum Großteil Ersatzinvestitionen gewesen sein. Nach wie vor sticht unter den Sektoren der Automobilsektor mit einer recht deut- lich über dem langfristigen Durchschnitt liegenden Kapazitätsauslastung von derzeit 91,4% positiv hervor. Der deutsche Automobilbau profitierte von der hohen, währungsbedingt unterstützten Nachfrage aus Nicht-EWU-Ländern (insb. USA, Vereinigtes Königreich). Zudem war die Nachfrage aus einigen Ländern der Eurozone – bspw. Spanien und Italien – ebenfalls recht hoch. Nachholeffekte nach der dortigen Absatzkrise dürften hier noch bestimmend sein. Deutlich unter dem langfristigen Durchschnitt war die Kapazitätsauslastung im Maschinenbau. Hier schlägt vor allem die Abschwächung der Nachfrage aus China und Russland voll durch. Die Auslastung im Chemiesektor und bei der Metallerzeugung blieb weiter schwach. -4 -2 0 2 4 6 8 10 12 13 14 Gesamt EWU USA Asien Nicht-EWU Veränderung (3M vs. 3M davor, %) Quellen: Deutsche Bundesbank, Deutsche Bank Research Deutliche Exportabschwächung in Q3 über alle Regionen hinweg 19 -2,0 -1,5 -1,0 -0,5 0,0 0,5 1,0 1,5 2,0 -30 -20 -10 0 10 20 30 10 11 12 13 14 15 16 Welthandel (links) Deutsche Güterexporte (links) PMI Neue Exportaufträge* (rechts) ifo Exporterwartungen* (rechts) * Vorlauf von 3 Monaten % gg. Vj. (3-Monatsdurchschnitt, links), standardisierte Werte (rechts) Quellen: Deutsche Bundesbank, ifo, Markit, Deutsche Bank Research Gedämpfter Exportausblick 20 -15 -10 -5 0 5 10 15 -5 -3 -1 1 3 5 11 12 13 14 15 16 % gg. Vq. (links) % gg. Vj. (rechts) Quellen: Statistisches Bundesamt, Deutsche Bank Research Äußerst verhaltene Entwicklung der Ausrüstungsinvestitionen 21 75 80 85 90 Metall- erzeugung Chemie Maschinen- bau Ver. Gewerbe Metall- erzeugnisse Pharma Elektro- technik Automobil Durchschnitt seit 2000 2014 2015 Q4 15 Kapazitätsauslastung, sb., % Quelle: ifo Auslastung der Industrieunternehmen insgesamt nur etwas über dem langfristigen Durchschnitt 22 Unternehmensfinanzierung & Konjunktur in Deutschland 8 | 17. Dezember 2015 Monitor Unternehmensfinanzierung Die Schwäche der Bauinvestitionen hielt im dritten Quartal an (-0,3% gg. Vq.). Investitionen in Wohnbauten (-0,1% gg. Vq.) und in Nichtwohnbauten (-0,7% gg. Vq.) waren rückläufig. Bei den Investitionen in Wohnbauten überdeckte der Rückgang der staatlichen Investitionen (-0,6% gg. Vq.) den leichten Anstieg der Investitionen des privaten Sektors (+0,3% gg. Vq.). Angesichts der relativ hohen Volatilität bei den Quartalsdaten und den günstigen zugrundeliegenden Funda- mentalfaktoren für Wohnungsbauinvestitionen dürfte die schwache Entwicklung der Bauinvestitionen temporär sein. Der erneute Rückgang der öffentlichen Bauinvestitionen dürfte aufgrund der bereits angekündigten zusätzlichen öffent- lichen Infrastrukturinvestitionen und der Schaffung von Wohnraum für die an- kommenden Flüchtlinge ebenfalls vorübergehend sein. Die Unternehmensin- vestitionen in Nicht-Wohnbauten (Gewerbebau), die etwa 70% der Gesamtin- vestitionen in Nicht-Wohnbauten ausmachen, dürften angesichts schwacher Ausrüstungsinvestitionen nur leicht steigen. Anhaltende Stärke der Binnenkonjunktur in Q4 Angesichts der günstigen Fundamentaldaten dürfte im vierten Quartal der Hauptwachstumsimpuls weiter von der Binnenkonjunktur kommen. Durch die weiter schwache Entwicklung der Weltkonjunktur dürfte das Exportwachstum blutleer bleiben, so dass die Nettoexporte das Wachstum erneut dämpfen. Per Saldo rechnen wir mit einer Seitwärtsbewegung des BIP-Wachstums. Damit liegt unsere Prognose fürs Q4 BIP-Wachstum mit 0,3% gg. Vq. unter der von den Stimmungsindikatoren (PMI Gesamt und ifo-Geschäftserwartungen) ange- zeigten Rate von 0,5-0,6% gg. Vq, aber über der von den bisher für Q4 veröf- fentlichten harten Konjunkturindikatoren angedeuteten. Eine ähnliche Divergenz der Signale der Stimmungs- und harten Konjunkturindikatoren war bereits im dritten Quartal zu beobachten. Der zwischenzeitlich deutliche Rückgang des DB Überraschungsindexes für Deutschland, der die monatlichen Konjunkturdaten ins Verhältnis zu den Markt- erwartungen setzt, ergab sich insbesondere durch die enttäuschende Entwick- lung der harten Konjunkturindikatoren. Zuletzt stieg er durch die positiv überra- schenden Stimmungsindikatoren für November wieder etwas, bleibt aber weiter im leicht negativen Bereich. Deutsche Bank Prognose: BIP-Wachstum von 1,9% in 2016 Seit der Veröffentlichung der vorherigen Ausgabe des Monitors Unternehmens- finanzierung Anfang September haben wir unsere Prognose von 1,7% für das Jahre 2015 – Q3 entwickelte sich etwa wie von uns erwartet – nicht verändert. Durch den Effekt des deutlich beschleunigten Flüchtlingszustroms vor allem auf den privaten Konsum, haben wir unsere Prognose für 2016 aber um etwa ¼ %- Punkt auf 1,9% erhöht. Das binnenwirtschaftlich getriebene Wachstum des zweiten Halbjahres 2015 dürfte sich im Jahr 2016 fortsetzen und das außenwirtschaftliche Umfeld herausfordernd bleiben. Unterstützend dürften die insgesamt weiter gute Ar- beitsmarktlage, die hohe Nettozuwanderung, öffentliche Infrastrukturmaßnah- men, die anhaltend extrem expansiv ausgerichtete Geldpolitik der EZB und das leicht anziehende Wachstum der Weltwirtschaft hauptsächlich getrieben durch die schwächere Rezession in einigen großen Schwellenländern wie bspw. Russ- land oder Brasilien sein. Belastende Faktoren: Die Schwäche des Welthandels dürfte zum Teil strukturel- ler Natur sein und sich 2016 dementsprechend wahrscheinlich fortsetzen. Die ölpreisbedingte Erholung der Inflationsraten dämpft die Reallohnentwicklung. -4 -2 0 2 4 6 8 -2,0 -1,5 -1,0 -0,5 0,0 0,5 1,0 1,5 2,0 2,5 3,0 10 11 12 13 14 15 PMI gesamt (links) ifo Geschäftserwartungen (links) OECD CLI (links) Reales BIP (rechts) BIP Wachstum und Frühindikatoren 23 Quellen: Markit, ifo, OECD, Statistisches Bundesamt Deutschland; standardisierte Werte (links); % gg. Vj. (rechts) 75 85 95 105 115 05 06 07 08 09 10 11 12 13 14 15 Dienstleistungssektor Gewerbliche Wirtschaft* Exporterwartungen (Ver. Gew.) ifo-Geschäftserwartungen 24 2005=100 * Ver. Gew., Bau, Einzel- und Großhandel Quelle: ifo -0,6 -0,4 -0,2 0,0 0,2 0,4 0,6 Jan 14 Mai 14 Sep 14 Jan 15 Mai 15 Sep 15 DB Marko-Überraschungsindex +/- 1 Standardabweichung Durchschnitt der z-Werte der vergangenen 20 Datenüberraschungen Quellen: Bloomberg Finance LP, Deutsche Bank Research Werte über (unter) 0 bedeuten über (unter) der Markterwartung liegende Datenveröffentlichungen DB Makro-Überraschungsindex Deutschland 25 Unternehmensfinanzierung & Konjunktur in Deutschland 9 | 17. Dezember 2015 Monitor Unternehmensfinanzierung Die ungünstige Ausrichtung der derzeitigen Wirtschaftspolitik (Mindestlohn, Re- gulierung der Arbeitnehmerüberlassung/Werkverträge, Rentenpaket) dürfte das Investitionsklima belasten. Hauptrisiken der Prognose sind eine mögliche Eska- lation der Flüchtlingskrise, das Eintreten geopolitischer Risiken oder aber eine noch verstärkte Regulierung mit negativen Effekten auf die Wettbewerbsfähig- keit. Anhaltend hohes Konsumwachstum in 2016 Der private Konsum dürfte dank der weiter günstigen Fundamentaldaten nach dem stärksten Wachstum der letzten 15 Jahre im Jahr 2015 mit etwas unter 2% im Jahr 2016 weiter kräftig wachsen. Auf Grund von Wirkungsverzögerungen nach einem Rückgang des Ölpreises dürfte der Effekt im Jahr 2016 weiter mo- derat positiv sein. Zudem dürfte der Staatskonsum durch die Ausgaben für die Versorgung von Flüchtlingen auch im Jahr 2016 mit etwas mehr als 2% kräftig steigen. Blutleeres Wachstum der Exporte … Der raue internationale Gegenwind dürfte für die deutschen Exporteure auch im Jahr 2016 eine Herausforderung bleiben. Aufgrund der schwachen Ausgangs- basis für das Jahr 2016 und der im Jahresverlauf wahrscheinlich nur moderaten Beschleunigung, wachsen die deutschen Exporte im Jahr 2016 wahrscheinlich nur um 4% nach über 5% in 2015. Die erwartete Abschwächung des Euro und eine stabile Konjunktur in der Eurozone könnten im Jahr 2016 erneut dafür sor- gen, dass Deutschland Welthandelsanteile hinzugewinnt. Die starke Konsumnachfrage dürfte dafür sorgen, dass die Importe im Jahr 2016 mit 4 ½% schneller als die Exporte steigen. Der Wachstumsbeitrag der Nettoexporte dürfte damit neutral sein. Der Leistungsbilanzüberschuss dürfte damit im Jahr 2016 auf 7,8% des BIP zurückgehen, vom historischen Hoch nördlich der 8%-Marke im Jahr 2015, das vor allem auch auf die kräftig gefallenen Ausgaben für Ölimporte zurückging. …bewirkt anhaltend gedämpftes Wachstum der Ausrüstungsinvestitionen Die insgesamt relativ schwachen Impulse aus dem Ausland dürften dafür sor- gen, dass das Umfeld für Investitionen in Maschinen und Fahrzeuge (Ausrüs- tungsinvestitionen) weiter ungünstig ausfällt. Die Weltkonjunktur kann sich im Jahr 2016 bereits das 5. Jahr in Folge wahrscheinlich nicht merklich beschleunigen. Die Kapazitätsauslastung dürfte zwar weiter etwas zulegen, aber insgesamt für Erweite- rungsinvestitionen zu schwach bleiben. Im Jahr 2016 dürfte die Erhöhung der Aus- rüstungsinvestitionen von nur etwa 1 ½% hauptsächlich auf Ersatzinvestitionen zurückgehen. Das extrem niedrige Zinsniveau, das auch im Verlauf des Jahres 2016 auf historischen Tiefs verharren sollte, dürfte keine größeren Impulse liefern. Bauinvestitionen dank Fundamentalfaktoren wieder stärker Das Wachstum der Bauinvestitionen wird im Jahr 2016 mit etwas über 2% wohl etwas anziehen. Dank weiter extrem niedriger Kreditzinsen (1,92%, Zinsbindung 5-10J.), guter Arbeitsmarktlage und hoher Nettozuwanderung dürfte sich der Wohnungsbau , der 60% der Bauinvestitionen ausmacht, weiter positiv entwickeln. Dämpfend wirken sich allerdings zunehmend Kapazitätsbeschränkungen bei den Baufirmen aus. Die geplanten zusätzlichen öffentlichen Infrastrukturinvestitionen dürfen sich positiv bei den staatlichen Bauinvestitionen niederschlagen. – 1,5 – 1,0 – 0,5 0,0 0,5 1,0 1,5 2,0 2,5 3,0 3,5 4,0 99 01 03 05 07 09 11 13 15 Privater Konsum Staatskonsum % gg. Vj. Quellen: Statistisches Bundesamt, Deutsche Bank Research Wachstum des privaten auf 15- und des staatlichen Konsums auf 6-Jahres- hoch 26 -15 -10 -5 0 5 10 15 99 01 03 05 07 09 11 13 15 17 Deutsche Exporte Deutsche Importe Welthandel % gg. Vj., (Exporte der VGR in konstanten Preisen) Quellen: Statistisches Bundesamt, Deutsche Bank Research Deutsches Exportwachstum wahrscheinlich 2016 schwächer 27 -4 -3 -2 -1 0 1 2 -40 -30 -20 -10 0 10 20 08 09 10 11 12 13 14 15 16 Ausrüstungsinvestitionen (links) Auftragseingänge ** (Inl. Investitionsgüter ohne Transport, links) ifo Exporterwartungen* (rechts) PMI* (neue Exportaufträge, rechts) *Vorlauf von * 2Q * *1Q % gg. Vj. (links), standardisierte Werte (rechts) Quellen: ifo, Markit, Statistisches Bundesamt, Deutsche Bank Research Keine merkliche Beschleunigung der Ausrüstungsinvestitionen zu erwarten 28 Unternehmensfinanzierung & Konjunktur in Deutschland 10 | 17. Dezember 2015 Monitor Unternehmensfinanzierung Dynamik der Häuserpreise anhaltend hoch Die Immobilienpreise dürften im Jahr 2016 das Wachstum von 4-5% der Jahre zuvor in etwa beibehalten. In den Großstädten fallen die Immobilienpreisan- stiege – im Jahr 2015 bei rund 8% – wahrscheinlich etwas höher aus. Im Jahr 2016 dürfte damit die seit Ende der 1990er-Jahre bestehende Unterbewertung der deutschen Hauspreise, gemessen am historischen Preis-Einkommens- Verhältnis, enden. Anziehen der Inflation in 2016 vor allem durch Energie Die Inflation dürfte von dem Tief von 0,3% im Jahresdurchschnitt 2015 im Jahr 2016 auf 1,3% steigen. Zurück geht dies vor allem auf einen Ende 2015 einsetzenden öl- preisbedingten Basiseffekt, der dafür sorgt, dass die Energiekomponente die Kon- sumentenpreise erhöht. Die erwartete Abwertung des Euro wirkt preistreibend auf die Importpreise. Die Kerninflation dürfte sich auf etwas unter 1% abschwächen, da der Mindestlohneffekt wegfällt und sich die Mieten relativ schwach entwickeln dürf- te. Heiko Peters (+49 69 910-21548, heiko.peters@db.com) Prognosen Deutschland: BIP-Wachstum nach Komponenten, % gg.Vq., Jahresdaten % gg.Vj. 31 201320142015P2016P2017PQ1Q2Q3Q4PQ1PQ2PQ3PQ4P BIP0,31,61,71,91,60,30,40,30,30,50,20,50,5 Privater Konsum0,60,91,91,81,30,40,10,60,30,40,40,40,4 Staatsausgaben0,81,72,62,11,10,40,71,30,80,30,30,30,3 Anlageinvestitionen-1,33,52,31,91,91,7-0,4-0,31,01,0-0,20,40,4 Ausrüstungen-2,34,54,01,61,71,90,5-0,80,40,30,70,70,7 Bau-1,12,90,82,22,21,8-1,3-0,31,61,7-0,90,20,2 Lager, %-Punkte0,6-0,3-0,50,00,0-0,2-0,30,20,00,00,00,00,0 Exporte1,64,05,64,05,31,51,80,20,51,21,01,21,2 Importe3,13,75,94,55,62,10,51,10,91,31,21,01,0 Nettoexport, %-Punkte-0,50,40,40,00,2-0,10,7-0,4-0,10,00,00,20,2 Konsumentenpreise*1,50,90,31,31,70,00,50,10,71,21,11,31,7 Arbeitslosenquote, %6,96,76,46,56,86,56,46,46,46,46,56,66,6 Industrieproduktion0,11,50,60,6 Budgetsaldo, % BIP-0,10,30,30,00,0 Öff. Schuldenstand, % BIP77,474,971,569,267,1 Leistungsbilanzsaldo, % BIP6,57,38,17,87,7 Leistungsbilanzsaldo, EUR Mrd.182212246245248 *Inflationsdaten für Deutschland basieren auf nationaler Abgrenzung. Dies kann zu Diskrepanzen zu anderen DB Publikationen führen. 2016 Quellen: Statistisches Bundesamt, Deutsche Bundesbank, Arbeitsagentur, Deutsche Bank Research 2015 0 1 2 3 4 5 6 7 8 00 02 04 06 08 10 12 14 16 Effektivzins für Wohnimmobilienkredite, 5- 10-J Zinsbindung 10-J Bundesanleihen Leitzins in % Quellen: Bundesbank, EZB, Deutsche Bank Research Baufinanzierung: weiterhin niedriges Zinsniveau 29 -1,5 -1,0 -0,5 0,0 0,5 1,0 1,5 2,0 2,5 13 14 15 16 Kern Energie Nahrungsmittel Insg. % gg. Vj., %-Punkte Quellen: Statistisches Bundesamt, Deutsche Bank Research Energie dürfte ab Ende 2015 deutsche Inflation nicht mehr dämpfen 30 Unternehmensfinanzierung & Konjunktur in Deutschland 11 | 17. Dezember 2015 Monitor Unternehmensfinanzierung © Copyright 2015. 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