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  4. Deutschland Monitor Unternehmensfinanzierung
2. September 2015
Nach einem starken Jahresauftakt legte die Kreditvergabe an Unternehmen und Selbstständige in Q2 nur noch um 0,2% zu. Die meisten industriellen Kernbranchen schnitten gut ab; Kredite an die Metallindustrie, Handel und Verkehr enttäuschten dagegen. Das stärkste Wachstum verzeichneten die inländischen Kreditbanken, auf der anderen Seite erlebten die Landesbanken einen Rückschlag. Die Finanzierungsalternativen überzeugten. Plus: Finanzmarkt Spezial zu Marktanteilen von Bankengruppen in einzelnen Branchen. Die deutsche Volkswirtschaft setzte ihren Wachstumskurs in Q2 fort (+0,4% gg. Vq.). Die Binnennachfrage schwächelte jedoch, denn sowohl die Investitionen als auch der private Konsum blieben unter den Erwartungen. Dafür sprang dieses Mal der Außenhandel in die Bresche. Der Ausblick für H2 trübte sich etwas ein, wobei sich die Wachstumstreiber wieder umkehren dürften. [mehr]
Unternehmensfinanzierung & Konjunktur in Deutschland Monitor Unternehmensfinanzierung Unternehmensfinanzierung Nur geringe Expansion im Kreditgeschäft. Nach einem starken Jahresauftakt legte das Kreditvolumen mit Unternehmen und Selbstständigen in Q2 nur noch um 0,2% zu. Nach Wirtschaftszweigen war das Bild sehr gemischt: Einige in- dustrielle Kern- sowie die Immobilienbranchen überzeugten mit solidem Wach- stum, während etwa Metall, Handel und Verkehr enttäuschten. Die inländischen Kreditbanken verzeichneten die höchsten Zuwächse, gefolgt von den Genos- senschaftsbanken, wohingegen die Landesbanken überraschend einen deutli- chen Rückschlag erlebten. Der Absturz der Zinsen setzte zumindest vorüberge- hend aus – das Niveau blieb im Großen und Ganzen unverändert, wozu die heftige Korrektur der Referenzzinssätze während des Quartals beigetragen haben dürfte. Angesichts eines intensiven Wettbewerbs senkten die Banken jedoch die Kreditanforderungen weiter, insbesondere die Margen. Die Einlagen schrumpften das zweite Quartal in Folge. Im Einklang mit einer schwächeren Kreditentwicklung schnitten die alternativen Finanzierungsformen der Unternehmen im Gegenzug überwiegend gut ab. Das Ergebnis im Leasing war erneut sehr stark, bei Anleiheemissionen robust und selbst bei Eigenkapital- besser als der Durchschnitt in jüngerer Zeit. Plus: Finanzmarkt Spezial zu Marktanteilen der verschiedenen Bankengruppen in einzelnen Branchen. Konjunktur Moderate Wachstumsbeschleunigung in Q2, aber schwächerer Ausblick für H2 2015. Das Wachstum der deutschen Wirtschaft zog in Q2 moderat auf 0,4% gg. Vq. an. Die Binnenwirtschaft dämpfte durch einen Rückgang der Bruttoanlage- investitionen und einen Lagerabbau. Die Ausrüstungsinvestitionen kamen fast zum Stillstand und die Bauinvestitionen gingen zurück. Sogar der private Kon- sum schwächte sich ab. Hauptwachstumstreiber waren die Nettoexporte, die die – wohl temporäre – Schwäche der Binnenkonjunktur mehr als ausgleichen konnten. In Q3 dürfte der private Konsum ölpreisbedingt zwar einen deutlichen Schub bekommen. Dieser dürfte aber wahrscheinlich durch die rauen interna- tionalen Gegenwinde, welche die Exporte belasten und damit auch die Investi- tionen, überkompensiert werden. Unsere Prognose für Q3 haben wir daher um 0,1%-Punkt auf 0,4% gg. Vq. gesenkt. Trotz dieser Q3-Revision erhöhen wir unsere BIP-Prognose für 2015 marginal auf 1,7%. Dies geht auf eine minimale Aufwärtsrevision für das erste Halbjahr und Veränderungen der Wachstums- komponenten zurück. Wir sehen die Binnennachfrage und insb. den privaten Konsum weiterhin als primäre Wachstumsstütze. Das außenwirtschaftliche Um- feld dürfte herausfordernd bleiben und stellt das Hauptrisiko für unsere Progno- se dar. Autoren Jan Schildbach +49 69 910-31717 jan.schildbach@db.com Heiko Peters +49 69 910-21548 heiko.peters@db.com Editor Jan Schildbach Deutsche Bank AG Deutsche Bank Research Frankfurt am Main Deutschland E-Mail: marketing.dbr@db.com Fax: +49 69 910-31877 www.dbresearch.de DB Research Management Ralf Hoffmann 2. September 2015 Unternehmensfinanzierung & Konjunktur in Deutschland 2. Quartal 2015 Unternehmensfinanzierung & Konjunktur in Deutschland 2 | 2. September 2015 Monitor Unternehmensfinanzierung Unternehmensfinanzierung in Deutschland Kreditvolumen Nach dem starken Jahresauftakt wuchs das Volumen ausstehender Kredite an deutsche Unternehmen und Selbstständige im zweiten Quartal weiter, jedoch mit deutlich geringerer Dynamik. Im Quartalsvergleich betrug das Plus nur noch 0,2% (ein Anstieg um EUR 2,8 Mrd.); gegenüber Juni letzten Jahres steht damit ein bescheidener Zuwachs von 0,8% zu Buche. Diese Entwicklung ist im Ein- klang mit dem durchwachsenen Konjunkturverlauf im Frühjahr – vor allem den schwachen Investitionen (die Details des gesamtwirtschaftlichen Abschneidens in dieser Ausgabe im Anschluss an das Extra-Kapitel zu Marktanteilen von Ban- kengruppen in einzelnen Branchen). Auch im Euroraum insgesamt gab es im Kreditgeschäft nach einem guten Jah- resstart in Q2 einen leichten Rückschlag, denn der Kreditbestand mit nichtfinan- ziellen Kapitalgesellschaften schrumpfte gegenüber März um 0,2% (über den 12-Monats-Horizont ergibt sich ein geringfügiger Rückgang um 0,3%; immerhin der schwächste seit drei Jahren). Nach den verschiedenen Sektoren in Deutschland betrachtet lassen sich zu- nächst einige positive Aussagen treffen: Die Kreditvergabe an das Verarbeiten- de Gewerbe war leicht höher als im Vorquartal (EUR +0,7 Mrd.) und auch die Volumina mit dem Dienstleistungssektor (EUR 5,4 Mrd.) und den Selbstständi- gen (EUR 2,2 Mrd.) expandierten (die beiden letzteren natürlich mit einer gewis- sen Schnittmenge). Im Jahresvergleich sieht es gemischter aus. Hier ist bei der Industrie immer noch ein Minus von 0,8% zu verzeichnen. Dagegen befinden sich sowohl Dienstleister als auch Selbstständige mit +1,3% solide in den „schwarzen Zahlen“. Hinsichtlich einzelner Wirtschaftszweige gab es neben Licht aber auch Schat- ten. Auf der Habenseite steht die ausgesprochen gute Entwicklung in mehreren industriellen Kernbranchen der deutschen Volkswirtschaft – Maschinenbau/Auto (+3% gg. Vq.), Elektrotechnik (3,7%) und die Chemie (2,2%) sahen starke Zu- wächse. Die Metallindustrie schwächelte hingegen (-1%), Holz/Papier/Möbel ging es nicht besser (-1,1%) und bei Baustoffen beschleunigte sich der langfris- tige Abwärtstrend mit einem plötzlichen Rutsch um 12,6% sogar. Hier liegt das Kreditvolumen mit nur noch EUR 4,2 Mrd. nun auf dem niedrigsten Stand seit der Deutschen Einheit. Außerhalb der Industrie mussten Versorger/Bergbau den zweiten Rückgang in Folge hinnehmen (-0,2%) – das gab es zuletzt vor zehn Jahren. Verkehr verbuchte ein kräftiges Minus von 4,1% und auch der Handel enttäuschte (-1,4%). Besser lief es in der Landwirtschaft (+2%) und auf dem Bau (0,8%), die allerdings beide auch von saisonalen Effekten profitierten. Bei den insgesamt erneut soliden Dienstleistungen konnten die Wohnungsun- ternehmen (+1,2%) und Gewerbeimmobilienfirmen (0,6%) nach längerer Zeit wieder einmal überzeugen; zudem setzten Telekom/Beratung/Werbung ihr Wachstum fort (0,6%). Auf der anderen Seite standen schwache Ergebnisse im Kreditgeschäft mit der Gesundheit (-0,6%) und Tourismus/Gastronomie (-0,4%). Nach Fristigkeiten wurde im zweiten Quartal relativ wenig Bewegung verzeich- net. Die kurzfristigen Ausleihungen wuchsen moderat an (+1,2%), die Laufzei- ten zwischen einem und fünf Jahren schrumpften dafür in ähnlicher Weise (-0,8%) und die langfristigen Kredite expandierten minimal (+0,2%). Unter dem Strich auch hier ein unspektakuläres Quartal. Spannender war das Abschneiden der verschiedenen Bankengruppen . Die in- ländischen Kreditbanken beschleunigten ihre Kreditvergabe an Unternehmen und Selbstständige weiter (+1,6% gg. Vq.) und auch die Auslandsbanken blie- ben zum sechsten Mal in Folge im Plus (0,6%). Einen Zuwachs in gleicher Höhe verzeichneten die Sparkassen, während die Genossenschaftsbanken ihr hohes Tempo praktisch unverändert hielten (1,1%). Auch die antizyklische Schrump- -4 -3 -2 -1 0 1 2 3 10 11 12 13 14 15 ggü. Vorjahr ggü. Vorquartal Kredite an inländische Unternehmen und Selbstständige* 1 % * ohne sonstige Finanzinstitute Quellen: Bundesbank, Deutsche Bank Research -12 -10 -8 -6 -4 -2 0 2 4 10 11 12 13 14 15 Verarbeitendes Gewerbe Dienstleistungssektor Selbstständige ... nach Branche 2 % gg. Vorjahr Quellen: Bundesbank, Deutsche Bank Research -25 -20 -15 -10 -5 0 5 10 11 12 13 14 15 Kurzfristige Kredite Mittelfristige Kredite Langfristige Kredite ... nach Fristigkeit* 3 % gg. Vorjahr * ohne sonstige Finanzinstitute Quellen: Bundesbank, Deutsche Bank Research -20 -15 -10 -5 0 5 10 10 11 12 13 14 15 Kreditbanken darunter Auslandsbanken Landesbanken Sparkassen Genossenschaftsbanken ... nach Bankengruppe* 4 * ohne sonstige Finanzinstitute % gg. Vorjahr Quellen: Bundesbank, Deutsche Bank Research Unternehmensfinanzierung & Konjunktur in Deutschland 3 | 2. September 2015 Monitor Unternehmensfinanzierung fungstendenz bei den Förderbanken setzte sich fort (-1,3%), wohingegen die Landesbanken einen überraschend herben Rückschlag erlitten (-1,8%). Diese haben damit seit Frühjahr 2009 EUR 60 Mrd. an Kreditvolumen eingebüßt, ver- glichen mit einem Minus von nur EUR 9 Mrd. bei den Kreditbanken und einem satten Anstieg von EUR 52 Mrd. bei den Genossenschaftsbanken bzw. EUR 45 Mrd. bei den Sparkassen. Zu den Details der Marktanteile einzelner Bankengruppen in einzelnen Wirt- schaftszweigen und deren Entwicklung in der langen Frist siehe Finanzmarkt Spezial im Anschluss. Andere Finanzierungsquellen Die schon öfter zu beobachtende tendenziell entgegengesetzte Entwicklung zwischen Bankkrediten und alternativen Finanzierungsmöglichkeiten manifes- tierte sich auch wieder in Q2: Während das Kreditgeschäft schleppend verlief, überzeugten die meisten Alternativen. Commercial Paper setzten ihre leichte Belebung mit einem Plus von EUR 0,3 Mrd. fort – gegenüber dem Vorjahreswert (dem schlechtesten Ergebnis der letzten sechs Jahre) eine besonders eindrucksvolle Verbesserung um EUR 6,5 Mrd. Nichtsdes- toweniger bleibt das generelle Umfeld für CP angesichts des extrem niedrigen Zinsniveaus auch für lange Laufzeiten unverändert wenig attraktiv. Von diesen Ausgangsbedingungen wiederum profitiert der Markt für Unterneh- mensanleihen , der dementsprechend im vergangenen Quartal mit einem Emis- sionsvolumen von netto EUR 5 Mrd. nach einem leichten Durchhänger zwi- schen Januar und März wieder ein gutes Resultat einfuhr. Das steht im scharfen Gegensatz zum Abschneiden im Euroraum insgesamt, wo es mit nur EUR 2,3 Mrd. das schlechteste Quartal seit der Finanzkrise gab. D.h., unter dem Strich zahlten Unternehmen im Euroraum ohne Deutschland sogar mehr Kapitalmarkt- verbindlichkeiten zurück als sie neue aufnahmen. Auch der deutsche Leasingmarkt läuft weiterhin rund. Beim Löwenanteil des Geschäfts, dem Mobilienleasing, legten die Neuabschlüsse um 4,5% gg. Vj. zu, auf EUR 12,4 Mrd. Es war zugleich überhaupt das zweitbeste Quartal seit 2008. Grund war vor allem eine anhaltend starke Nachfrage nach Kfz sowie immate- riellen Gütern, rückläufig hingegen der Bereich Büroelektronik. Darüber hinaus konnte sich das Immobilienleasing ebenfalls steigern auf EUR 111 Mio. (+19%). Nach einem sehr schwachen Jahresbeginn verzeichneten die deutschen Bör- sen im 2. Quartal zwei nennenswerte Aktienemissionen – eine Kapitalerhöhung aus der Finanz-, die andere aus der Immobilienbranche. Das Gesamtvolumen der emittierten Papiere belief sich auf EUR 3,2 Mrd. und damit zumindest den vierthöchsten Wert der vergangenen vier Jahre. Andererseits stellte der Dax einen neuen Allzeitrekord von mehr als 12.000 Punkten auf, obwohl die Ten- denz während des Quartals aufgrund der sich einmal mehr zuspitzenden Grie- chenland-Problematik überwiegend nach unten gerichtet war. Insofern bleibt die Dynamik im Emissionsgeschäft doch eher enttäuschend. Einlagenvolumen Die deutschen Unternehmen und Selbstständigen scheinen zunehmend auf das Null- bzw. Negativzinsniveau zu reagieren, ohne dabei zu überreagieren. Nach einem Anstieg in der zweiten Jahreshälfte 2014 sinken die Volumina jetzt wie- der (aktuelles Quartalsminus: EUR 5,7 Mrd. oder 0,5% gg. Vq.). Der leichte, seit 2011 existierende Abwärtstrend, bleibt damit intakt. Einmal mehr schichteten die Firmen zwischen März und Juni von Termingeldern (EUR -21,4 Mrd.) in Sicht- einlagen (EUR +15,8 Mrd.) um, da Zinsdifferenziale keine größere Rolle mehr spielen (zur Zinsentwicklung siehe nächste Seite). Das bedeutet, seit dem Hö- hepunkt der Finanzkrise ist der Bestand an Sichteinlagen um fast EUR 300 Mrd. - 8 - 6 - 4 - 2 0 2 4 6 8 10 11 12 13 14 15 Commercial Paper inländischer Nichtbanken, Nettoemission 5 Mrd. EUR Quellen: Bundesbank, Deutsche Bank Research - 4 - 2 0 2 4 6 8 10 10 11 12 13 14 15 Anleihen inländischer nichtfinanzieller Unternehmen, Nettoemission 6 Mrd. EUR Quellen: Bundesbank, Deutsche Bank Research 0 2 4 6 8 10 12 14 16 18 20 10 11 12 13 14 15 Aktienemissionen inländischer Unternehmen (einschl. Finanzinstitute) 8 Mrd. EUR Quellen: Bundesbank, Deutsche Bank Research 0 2 4 6 8 10 12 14 16 10 11 12 13 14 15 Mobilien Immobilien Mrd. EUR Leasinggeschäft, Neuvolumen 7 Quelle: BDL Unternehmensfinanzierung & Konjunktur in Deutschland 4 | 2. September 2015 Monitor Unternehmensfinanzierung bzw. mehr als drei Viertel gestiegen, wohingegen das Volumen der Terminein- lagen um über ein Viertel abgenommen hat (EUR -226 Mrd.). Ergebnisse des Bank lending surveys der EZB Innerhalb der Kreditvergabebedingungen ließen die Banken die allgemeinen Kreditstandards in Q2 praktisch unverändert. Das gilt sowohl insgesamt als auch für unterschiedliche Kundengruppen und Laufzeiten. Die konkreten Kredit- konditionen wiederum wurden deutlich gelockert. Netto 28% (13%) der 34 be- fragten Banken berichteten, sie hätten die Margen für durchschnittliche (risiko- reichere) Kredite verglichen mit dem Vorquartal gesenkt, jeweils 9% meldeten eine Verringerung der Nebenkosten sowie der Anforderungen an Covenants und Fristigkeiten. Dabei war die Lockerung durchweg bei großen Firmenkunden etwas stärker ausgeprägt als bei kleinen und mittleren Unternehmen. Als Ursa- che für die weicheren Bedingungen nannten die Banken ganz überwiegend eine verschärfte Wettbewerbssituation (16% Nennungen). Im Euroraum insgesamt berichteten die 142 befragten Banken von einer mini- malen Lockerung ihrer Standards und einer, verglichen mit Deutschland, ähnlich kräftigen Verringerung ihrer Margen (33% der Banken meldeten dies bei durch- schnittlichen Krediten, 6% bei riskanteren). Auch wenn sich das einmal mehr kaum in den harten Zahlen zum Kreditvolumen niederschlug, hat die Kreditnachfrage in Deutschland nach Aussage der Banken etwas zugenommen. Das lag allerdings ausschließlich an einer höheren Nachfra- ge nach langfristigen Finanzierungen (13%) und seitens KMUs (10%). Positiv auf die Nachfrage wirkten sich demzufolge insbesondere das Zinsniveau (22%) und Umschuldungsvorhaben (16%) aus, dämpfend dagegen die Konkurrenz durch stärkere Innenfinanzierung (16%) und andere Banken (9%). Die Finanzierungs- angebote von Nichtbanken oder die Emission von Anleihen werden bemerkens- werterweise schon seit Längerem kaum als nennenswerte Treiber genannt. Im Euroraum als Ganzes verspürten 13% der Institute eine höhere Nachfrage. Für das laufende Vierteljahr prognostizieren die deutschen Banken eine mode- rate Lockerung der Kreditstandards, vor allem für kurzfristige Kredite (9%) und solche an KMUs (7%), bei einer gleichzeitig weiter leicht ansteigenden Nachfra- ge (9%). Die europäischen Nachbarn bleiben nachfrageseitig wesentlich zuver- sichtlicher (31% der Banken gehen von einer Zunahme aus, wobei ein Großteil dieser Hoffnungen erfahrungsgemäß immer wieder enttäuscht wird), während bei den Standards keine Änderung erwartet wird. Zinssätze Summa summarum haben sich die Zinsen im Kredit-Neugeschäft mit Unter- nehmen in Q2 kaum verändert. In der Tendenz waren die Zinsen für geringere Volumina und kürzere Zinsbindungsfristen weiter rückläufig, für größere Kredite und eine längere Zinsfestschreibung stiegen sie dagegen etwas an. Das dürfte zum Teil auch den plötzlichen und relativ heftigen Sprung in den Marktzinsen während dieses Zeitraums reflektieren, die allerdings üblicherweise nur die gro- be Richtung für die Kreditzinsen vorgeben. Unter dem Strich gab es nach Kre- ditgröße betrachtet im Quartalsvergleich fast keine Bewegung; variabel verzins- te Kredite wurden nochmals 0,1%-Punkt günstiger, solche mit über fünfjähriger Zinsbindung auf der anderen Seite 0,2 %-Punkte teurer. Die Zinsen für Sichteinlagen erreichten ein neues Allzeittief von 6 Bp.; für Ter- mingelder bekamen Firmenkunden im Juni dagegen unvermittelt etwas mehr – ob dies von Dauer ist, muss sich jedoch erst noch herausstellen. Jan Schildbach (+49 69 910-31717, jan.schildbach@db.com) Wenn Sie den Monitor Unternehmensfinanzierung regelmäßig erhalten möchten, schicken Sie uns bitte eine E-Mail. Frühere Ausgaben stehen hier . 1.100 1.125 1.150 1.175 1.200 1.225 1.250 1.275 1.300 - 40 - 30 - 20 - 10 0 10 20 30 40 10 11 12 13 14 15 Sichteinlagen, ggü. Vorquartal (links) Termineinlagen, ggü. Vorquartal (links) Volumen insgesamt** (rechts) Mrd. EUR * einschließlich sonstiger Finanzinstitute ** Enthält Rückgang um EUR 80,9 Mrd. in Q3 13 und Anstieg um EUR 9,4 Mrd. in Q4 14 aufgrund statistischer Umklassifizierungen. Sicht - und Termineinlagen von inländi - schen Unternehmen & Selbstständigen* 9 Quellen: Bundesbank, Deutsche Bank Research Unternehmensfinanzierung & Konjunktur in Deutschland 5 | 2. September 2015 Monitor Unternehmensfinanzierung - 15 - 10 - 5 0 5 10 15 20 Q3 12 Q1 13 Q3 13 Q1 14 Q3 14 Q1 15 Q3 15 Deutschland Euroraum * Q3 15 erwarteter Wert Quellen: Bundesbank, EZB ... verschärft ... gelockert Bank lending survey: Kreditstandards für Unternehmen* 10 - 40 - 30 - 20 - 10 0 10 20 30 40 Q2 12 Q4 12 Q2 13 Q4 13 Q2 14 Q4 14 Q2 15 Deutschland Euroraum Quellen: Bundesbank, EZB ... gestiegen ... gesunken Bank lending survey: Margen für durchschnittliche Unternehmenskredite 11 - 40 - 30 - 20 - 10 0 10 20 30 40 Q3 12 Q1 13 Q3 13 Q1 14 Q3 14 Q1 15 Q3 15 Deutschland Euroraum * Q3 15 erwarteter Wert Quellen: Bundesbank, EZB ... gestiegen ... gesunken Bank lending survey: Nachfrage nach Unternehmenskrediten* 12 1,0 1,5 2,0 2,5 3,0 3,5 4,0 4,5 10 11 12 13 14 15 Kredite an nichtfinanzielle Kapitalgesellschaften, ≤ EUR 1 Mio. Kredite an nichtfinanzielle Kapitalgesellschaften, > EUR 1 Mio. Kredite an Selbstständige und Personengesellschaften % Ø - Zins im Kredit - Neugeschäft, nach Kredithöhe 13 Quelle: EZB 0,0 0,5 1,0 1,5 2,0 2,5 3,0 3,5 4,0 4,5 5,0 10 11 12 13 14 15 Kredite mit Zinsbindung ≤ 1 Jahr Kredite mit Zinsbindung von 1 - 5 Jahren Kredite mit Zinsbindung > 5 Jahre ... nach Zinsbindungsfrist 14 %, Kredite an nichtfinanzielle Kapitalgesellschaften Quelle: EZB 0,0 0,2 0,4 0,6 0,8 1,0 1,2 1,4 1,6 10 11 12 13 14 15 Sichteinlagen Termineinlagen % Ø - Zins auf Einlagen von nichtfinanziellen Kapitalgesellschaften (Neugeschäft) 15 Quelle: EZB Unternehmensfinanzierung & Konjunktur in Deutschland 6 | 2. September 2015 Monitor Unternehmensfinanzierung Finanzmarkt Spezial: Marktanteile von Bankengruppen in einzelnen Branchen Der deutsche Bankenmarkt ist traditionell stark gegliedert und durch eine Drei- Säulen-Struktur – bestehend aus privaten, genossenschaftlichen und öffentlich- rechtlichen Banken – gekennzeichnet. Daneben spielen staatliche Förderban- ken sowie weitere Spezialbanken eine Rolle. Innerhalb der Säule der privaten Kreditbanken lässt sich sinnvollerweise zwischen inländischen Instituten und Banken, die sich mehrheitlich in ausländischem Besitz befinden, unterscheiden. Bei den Genossenschaftsbanken wiederum können die lokal ausgerichteten Kreditgenossenschaften (Volks- und Raiffeisenbanken) und die beiden Zentral- banken zusammengefasst werden. Die Säule der öffentlich-rechtlichen Banken schließlich setzt sich aus den Sparkassen und den Landesbanken zusammen (die Förderbanken werden nicht dazu gezählt). Die Kreditvergabe an den gesamten Unternehmenssektor in Deutschland ein- schließlich der Selbstständigen (Gesamtvolumen: EUR 1.309 Mrd.) verteilt sich gegenwärtig zu 42% auf die öffentlich-rechtlichen Institute, zu 26% auf die Kre- ditbanken und zu 19% auf die Genossenschaftsbanken. Die bemerkenswertes- ten Veränderungen im letzten Jahrzehnt waren das Wachstum der Verbünde von Sparkassen und Genossenschaftsbanken, zulasten der Spezialbanken (insbesondere der Hypothekenbanken) und der Landesbanken. Um einen sinn- vollen Vergleich ziehen zu können, dient das Jahresende 2005 als Ausgangs- basis. Dies vermeidet signifikante Verzerrungen aufgrund der im Herbst 2005 erfolgten Übernahme einer der Großbanken durch einen ausländischen Wett- bewerber (die zu einer erheblichen Verschiebung der Marktanteile von den in- ländischen Kreditbanken zu den Auslandsbanken führte). Innerhalb des Unternehmenssektors kommt der Industrie in Deutschland eine besondere Bedeutung zu. Auch hier, beim Verarbeitenden Gewerbe (Kreditvo- lumen: EUR 128 Mrd.), stellt sich die Marktpräsenz der einzelnen Bankengrup- pen relativ ausgewogen dar, allerdings mit einer etwas stärkeren (und gewach- senen) Rolle der einheimischen privaten Banken, während die Spezialinstitute in diesem Segment praktisch nicht aktiv sind. Das Kreditgeschäft (EUR 9 Mrd.) mit einer für die deutsche Volkswirtschaft aus- gesprochen wichtigen Branche, der Chemieindustrie, hat in den letzten zehn Jahren gravierende Veränderungen erlebt. Hier dominierten früher die Aus- landsbanken, heute sind es die inländischen Kreditbanken. Gleichzeitig ist es den Sparkassen gelungen, ihren Anteil auf 21% mehr als zu verdoppeln. Das Geschäft mit der Metallindustrie (EUR 24 Mrd.) zeichnete sich durch mehr Stabilität aus; hier konnten die Sparkassen ihre Führungsposition behaupten. Bei den beiden wahrscheinlich wichtigsten Wirtschaftszweigen Deutschlands, den in der Bankenstatistik zusammengefassten Maschinenbau/Automobilindus- 15 17 11 9 23 27 18 15 14 19 6 6 14 7 0 20 40 60 80 100 2005 Jun 2015 Inländ. Kreditbanken Auslandsbanken Sparkassen Landesbanken Genossenschaftsbanken Förderbanken Sonstige Marktanteile im Kreditgeschäft in % Unternehmen & Selbstständige insgesamt 16 Quellen: Deutsche Bundesbank, Deutsche Bank Research 18 24 13 10 26 27 15 13 17 18 9 8 2 0 0 20 40 60 80 100 2005 Jun 2015 Inländ. Kreditbanken Auslandsbanken Sparkassen Landesbanken Genossenschaftsbanken Förderbanken Sonstige Marktanteile im Kreditgeschäft in % Verarbeitendes Gewerbe insgesamt 17 Quellen: Deutsche Bundesbank, Deutsche Bank Research 22 31 34 11 9 21 20 15 5 9 9 12 1 0 0 20 40 60 80 100 2005 Jun 2015 Inländ. Kreditbanken Auslandsbanken Sparkassen Landesbanken Genossenschaftsbanken Förderbanken Sonstige Marktanteile im Kreditgeschäft in % Chemie 18 Quellen: Deutsche Bundesbank, Deutsche Bank Research 18 23 6 9 34 34 11 9 19 20 9 5 2 0 0 20 40 60 80 100 2005 Jun 2015 Inländ. Kreditbanken Auslandsbanken Sparkassen Landesbanken Genossenschaftsbanken Förderbanken Sonstige Marktanteile im Kreditgeschäft in % Quellen: Deutsche Bundesbank, Deutsche Bank Research Metall 19 22 26 13 14 20 19 21 17 11 10 12 14 1 0 0 20 40 60 80 100 2005 Jun 2015 Inländ. Kreditbanken Auslandsbanken Sparkassen Landesbanken Genossenschaftsbanken Förderbanken Sonstige Marktanteile im Kreditgeschäft in % Quellen: Deutsche Bundesbank, Deutsche Bank Research Maschinenbau/Auto 20 21 33 13 10 26 23 12 11 14 16 10 6 4 1 0 20 40 60 80 100 2005 Jun 2015 Inländ. Kreditbanken Auslandsbanken Sparkassen Landesbanken Genossenschaftsbanken Förderbanken Sonstige Marktanteile im Kreditgeschäft in % Elektrotechnik 21 Quellen: Deutsche Bundesbank, Deutsche Bank Research Unternehmensfinanzierung & Konjunktur in Deutschland 7 | 2. September 2015 Monitor Unternehmensfinanzierung trie (EUR 34 Mrd.), verteilen sich die Marktanteile der verschiedenen Banken- gruppen recht gleichmäßig. Auffällig ist allerdings die außergewöhnlich große Rolle, die die Förderbanken auf diesem Feld spielen und die sie seit 2005 sogar noch etwas auszubauen konnten. In der Elektrotechnik wiederum (EUR 13 Mrd.) haben sich die einheimischen Kreditbanken mittlerweile die Spitzenposition erarbeitet und vereinen ein Drittel des Kreditbuchs mit dieser Branche auf sich. In der letzten der hier betrachteten Branchen des Verarbeitenden Gewerbes, der Nahrungsmittelindustrie (EUR 16 Mrd.), bietet sich ein relativ ausgewogenes Bild, denn alle drei klassischen Säulen sind hier ähnlich solide vertreten. Selbst die beiden Marktführer, Sparkassen und Kreditbanken, repräsentieren jeweils nicht einmal 30% des Gesamtmarktes. Außerhalb der Industrie und des auf der nächsten Seite analysierten Dienstleis- tungssektors stellt sich die Lage insgesamt wesentlich heterogener dar. Bei den Versorgern/Bergbau (EUR 99 Mrd. – fast eine Verdreifachung des Niveaus von 2005) haben Verbünde und inländische Kreditbanken in den letzten Jahren massiv an Gewicht gewonnen, während die Landesbanken ihre Führung verlo- ren und die Auslandsbanken heutzutage nur noch unter ferner liefen laufen. Am Bau (EUR 61 Mrd.) fanden im Zeitablauf weniger dramatische Verschiebun- gen statt. Dafür ist hier die Dominanz von Sparkassen und, in geringerem Ma- ße, auch Genossenschaftsbanken besonders ausgeprägt, auf die zusammen zwei Drittel der Kreditvergabe entfallen. Die privaten Kreditbanken dagegen kommen für ihre Verhältnisse auf einen deutlich unterdurchschnittlichen Anteil. Im Geschäft mit dem Handel (EUR 123 Mrd.) sieht es weniger spektakulär aus; hier herrschte relative Konstanz während des letzten Jahrzehnts und es besteht auch heute noch eine ziemlich ausgeglichene Marktverteilung. Die Landwirtschaft (EUR 49 Mrd., nach starkem Wachstum in den letzten Jah- ren) ist traditionell eine Domäne der Genossenschaftsbanken, die ihren Ur- sprung ja unter anderem in den auf gegenseitige Unterstützung von Bauern angelegten Raiffeisenbanken haben. Die Hälfte des Kreditmarkts mit landwirt- schaftlichen Betrieben machen demzufolge die Volks- und Raiffeisenbanken aus, mit weitem Vorsprung vor den Sparkassen. Die privaten Geschäftsbanken sind hingegen unterrepräsentiert (bei immerhin steigendem Marktanteil). Der Verkehrsbereich (EUR 67 Mrd.) ist eine klassische Stärke der Landesban- ken. Daran hat sich seit 2005 auch wenig geändert, obwohl die inländischen Kreditbanken substanziell zugelegt haben. Eine für ihre Verhältnisse nur unter- entwickelte Marktposition nehmen die Sparkassen und die genossenschaftli- chen Banken ein. 16 22 9 8 27 29 13 14 24 23 8 4 2 1 0 20 40 60 80 100 2005 Jun 2015 Inländ. Kreditbanken Auslandsbanken Sparkassen Landesbanken Genossenschaftsbanken Förderbanken Sonstige Quellen: Deutsche Bundesbank, Deutsche Bank Research Marktanteile im Kreditgeschäft in % Ernährung 22 16 23 11 5 14 23 35 21 7 16 11 8 5 3 0 20 40 60 80 100 2005 Jun 2015 Inländ. Kreditbanken Auslandsbanken Sparkassen Landesbanken Genossenschaftsbanken Förderbanken Sonstige Marktanteile im Kreditgeschäft in % Versorger/Bergbau 23 Quellen: Deutsche Bundesbank, Deutsche Bank Research 9 11 7 5 36 42 6 7 23 24 3 2 16 10 0 20 40 60 80 100 2005 Jun 2015 Inländ. Kreditbanken Auslandsbanken Sparkassen Landesbanken Genossenschaftsbanken Förderbanken Sonstige Quellen: Deutsche Bundesbank, Deutsche Bank Research Marktanteile im Kreditgeschäft in % Bau 24 19 23 11 12 30 29 8 6 19 22 3 1 9 7 0 20 40 60 80 100 2005 Jun 2015 Inländ. Kreditbanken Auslandsbanken Sparkassen Landesbanken Genossenschaftsbanken Förderbanken Sonstige Quellen: Deutsche Bundesbank, Deutsche Bank Research Marktanteile im Kreditgeschäft in % Handel 25 8 11 6 7 27 23 5 4 46 50 1 0 7 4 0 20 40 60 80 100 2005 Jun 2015 Inländ. Kreditbanken Auslandsbanken Sparkassen Landesbanken Genossenschaftsbanken Förderbanken Sonstige Quellen: Deutsche Bundesbank, Deutsche Bank Research Marktanteile im Kreditgeschäft in % Landwirtschaft 26 14 20 9 8 13 15 36 40 7 9 9 7 11 2 0 20 40 60 80 100 2005 Jun 2015 Inländ. Kreditbanken Auslandsbanken Sparkassen Landesbanken Genossenschaftsbanken Förderbanken Sonstige Marktanteile im Kreditgeschäft in % Verkehr 27 Quellen: Deutsche Bundesbank, Deutsche Bank Research Unternehmensfinanzierung & Konjunktur in Deutschland 8 | 2. September 2015 Monitor Unternehmensfinanzierung Der Dienstleistungssektor (in der Abgrenzung der Bankenstatistik der Bundes- bank) macht mit einem Volumen von zusammen EUR 651 Mrd. genau die Hälfte des gesamten Marktes für Kredite an Unternehmen und Selbstständige in Deutschland aus und ist daher für die Banken von herausragender Bedeutung. Im Aggregat sind alle Bankengruppen relativ gleichmäßig vertreten, mit einer gewissen Schwäche der Kreditbanken. Die Verbünde aus Sparkassen und Ge- nossenschaften haben hier beide in den letzten Jahren die kräftigsten Sprünge nach vorn gemacht (zulasten der Spezialinstitute und Landesbanken) und de- cken so heute gemeinsam fast die Hälfte des Kreditmarkts mit Dienstleistern ab. Innerhalb des Sektors nehmen wiederum Firmen mit Immobilienbezug eine hervorgehobene Stellung ein, denn sie stehen für über 50% des Gesamtportfo- lios. Dazu gehören zum einen die Wohnungsunternehmen (EUR 191 Mrd.). Auch hier findet sich aktuell eine eher ausgewogene Marktanteilsverteilung nach Bankengruppen, nachdem die Hypothekenbanken ihre früher dominante Rolle in den vergangenen Jahren eingebüßt und teilweise an die Sparkassen abgetreten haben. Zum anderen fallen unter die Immobilienbranchen die Unternehmen des ge- werblichen Immobilienbereichs mit ähnlich hohen Ausleihungen von EUR 175 Mrd. Hier konnten sich die Spezialbanken noch weitgehend behaupten, ob- gleich sie die Spitzenposition ebenfalls an die Sparkassen übergeben mussten. Die überwiegend lokal operierenden Sparkassen und Genossenschaften haben eine geradezu überwältigende Stellung im Tourismus/Gastronomiesektor, die sie seit 2005 sogar noch leicht ausbauen konnten. Auf sie entfallen mehr als drei Viertel des Kreditgeschäfts mit diesem Wirtschaftszweig (insgesamt EUR 22 Mrd.), wohingegen alle anderen Bankengruppen nahezu marginalisiert sind. Die privaten Geschäftsbanken wie auch die Landesbanken sind besser vertre- ten in einer der prominentesten und wachstumsträchtigsten Branchen der deut- schen Volkswirtschaft überhaupt – Telekom/Beratung/Werbung, den unterneh- mensnahen Dienstleistungen. Von einem Kreditbestand von EUR 97 Mrd. findet sich jeweils rund ein Drittel bei den beiden Marktführern, den Kreditbanken und den Sparkassen. Ebenfalls eine strukturelle Wachstumsbranche ist die Gesundheit, erst recht in einer alternden Gesellschaft wie der deutschen. Allerdings ist diese zunehmen- de Bedeutung praktisch nicht kreditfinanziert; im Wesentlichen stagniert das Kreditvolumen seit 2005 und liegt heute bei EUR 77 Mrd. Die Gesundheit ist traditionell eine Hochburg der Genossenschaftsbanken, die hier auch noch be- trächtlich an Marktanteilen hinzugewinnen konnten. 12 14 10 5 18 28 15 14 6 13 15 16 24 10 0 20 40 60 80 100 2005 Jun 2015 Inländ. Kreditbanken Auslandsbanken Sparkassen Landesbanken Genossenschaftsbanken Förderbanken Sonstige Quellen: Deutsche Bundesbank, Deutsche Bank Research Marktanteile im Kreditgeschäft in % Wohnungsunternehmen 29 9 10 12 7 21 31 24 16 8 13 1 2 25 20 0 20 40 60 80 100 2005 Jun 2015 Inländ. Kreditbanken Auslandsbanken Sparkassen Landesbanken Genossenschaftsbanken Förderbanken Sonstige Quellen: Deutsche Bundesbank, Deutsche Bank Research Marktanteile im Kreditgeschäft in % Gewerbeimmobilien 30 10 14 6 4 42 45 6 3 28 31 2 1 7 2 0 20 40 60 80 100 2005 Jun 2015 Inländ. Kreditbanken Auslandsbanken Sparkassen Landesbanken Genossenschaftsbanken Förderbanken Sonstige Quellen: Deutsche Bundesbank, Deutsche Bank Research Marktanteile im Kreditgeschäft in % Tourismus/Gastronomie 31 17 22 11 12 32 33 13 10 14 18 3 2 10 3 0 20 40 60 80 100 2005 Jun 2015 Inländ. Kreditbanken Auslandsbanken Sparkassen Landesbanken Genossenschaftsbanken Förderbanken Sonstige Quellen: Deutsche Bundesbank, Deutsche Bank Research Marktanteile im Kreditgeschäft in % Telekom/Beratung/Werbung 32 12 12 10 6 26 27 10 6 35 44 3 3 6 2 0 20 40 60 80 100 2005 Jun 2015 Inländ. Kreditbanken Auslandsbanken Sparkassen Landesbanken Genossenschaftsbanken Förderbanken Sonstige Marktanteile im Kreditgeschäft in % Gesundheit 33 Quellen: Deutsche Bundesbank, Deutsche Bank Research 13 14 11 8 23 30 19 13 12 19 6 7 17 10 0 20 40 60 80 100 2005 Jun 2015 Inländ. Kreditbanken Auslandsbanken Sparkassen Landesbanken Genossenschaftsbanken Förderbanken Sonstige Quellen: Deutsche Bundesbank, Deutsche Bank Research Marktanteile im Kreditgeschäft in % Dienstleistungen insgesamt 28 Unternehmensfinanzierung & Konjunktur in Deutschland 9 | 2. September 2015 Monitor Unternehmensfinanzierung Neben der Betrachtung aus Branchensicht bietet eine Aufschlüsselung aus der Perspektive der Bankengruppen interessante Einblicke in relative Stärken und Schwächen der Institute in den einzelnen Wirtschaftszweigen. Dabei wird der Marktanteil einer Bankengruppe in einer bestimmten Branche mit dem Marktan- teil dieser Bankengruppe im gesamten Kreditgeschäft mit Unternehmen und Selbstständigen verglichen. Summa summarum zeigt die folgende Tabelle, dass die inländischen Kreditban- ken eine (für ihre Verhältnisse) stärkere Position in der Industrie und eine eher schwächere bei Dienstleistern besitzen. Tendenziell umgekehrt ist es bei den Sparkassen. Die Landesbanken verfügen mit Versorgern/Bergbau und Verkehr nur über zwei ausgeprägte Stärken und liegen sowohl beim Verarbeitenden Gewerbe als auch dem Dienstleistungssektor eher unter ihrem eigenen Durch- schnitt über alle Branchen hinweg. Die Genossenschaftsbanken können insge- samt auf das ausgewogenste Kreditportfolio verweisen; ihre relativen Marktposi- tionen sind gegenüber den anderen Bankengruppen am besten „gemischt“. Die Förderbanken haben eindeutige Schwerpunkte in ausgewählten verarbeitenden Industrien und bei den Wohnungsunternehmen. Dafür sind sie in den Branchen außerhalb von Industrie und Dienstleistern sowie den übrigen Segmenten des Dienstleistungsmarktes gemessen am eigenen Maßstab unterrepräsentiert. Jan Schildbach* (+49 69 910-31717, jan.schildbach@db.com) * Der Autor dankt Julius Böttger für seine Unterstützung beim Verfassen dieses Kapitels. Übersicht: Relative Stärken und Schwächen der Bankengruppen in einzelnen Branchen 34 Abweichung des Marktanteils vom Durchschnitt der jeweiligen Bankengruppe bei allen Krediten an Unternehmen & Selbstständige* Verarbeitendes Gewerbe insgesamt Chemie Metall Maschinenbau/Auto Elektrotechnik Ernährung Versorger/Bergbau Bau Handel Landwirtschaft Verkehr Dienstleistungen insgesamt Wohnungsunternehmen Gewerbeimmobilien Tourismus/Gastronomie Telekom/Beratung/Werbung Gesundheit Kreditvolumen seit 2005** Inländ. Kreditbanken + + + + + + + - + - o o - - - + - Auslandsbanken o o o + o o - - + o o o - o - + o Sparkassen o - + - - o - + o - - o o + + + o Landesbanken o o - o - o + - - - + o o o - - - Genossenschaftsbanken o - o - o + o + o + - o - - + o + Förderbanken o + o + o o o - - - o o + - - - o * " - " < Abweichung - 3 % - Punkte ≤ "o" ≤ Abweichung +3 % - Punkte < "+" ** Kreditvolumen: Wachstum < - 10% - 10% ≤ Wachstum ≤ +10% Wachstum > +10% Quellen: Deutsche Bundesbank, Deutsche Bank Research Unternehmensfinanzierung & Konjunktur in Deutschland 10 | 2. September 2015 Monitor Unternehmensfinanzierung Moderate Wachstumsbeschleunigung in Q2, aber schwächerer Ausblick für H2 2015 — Das Wachstum der deutschen Wirtschaft zog in Q2 moderat auf 0,4% gg. Vq. an. Die Binnenwirtschaft dämpfte durch einen Rückgang der Bruttoan- lageinvestitionen und einen Lagerabbau. Die Ausrüstungsinvestitionen ka- men fast zum Stillstand und die Bauinvestitionen gingen zurück. Sogar der private Konsum schwächte sich ab. Hauptwachstumstreiber waren die Net- toexporte, die die – wohl temporäre – Schwäche der Binnenkonjunktur mehr als ausgleichen konnten. — In Q3 dürfte der private Konsum ölpreisbedingt zwar einen deutlichen Schub bekommen. Dieser dürfte aber wahrscheinlich durch die rauen inter- nationalen Gegenwinde, welche die Exporte belasten und damit auch die Investitionen, überkompensiert werden. Unsere Prognose für Q3 haben wir daher um 0,1%-Punkte auf 0,4% gg. Vq. gesenkt. — Trotz dieser Q3-Revision erhöhen wir unsere BIP-Prognose für 2015 margi- nal auf 1,7%. Dies geht auf eine minimale Aufwärtsrevision für das erste Halbjahr und Veränderungen der Wachstumskomponenten zurück. Wir se- hen die Binnennachfrage und insb. den privaten Konsum weiterhin als pri- märe Wachstumsstütze. Das außenwirtschaftliche Umfeld dürfte herausfor- dernd bleiben und stellt das Hauptrisiko für unsere Prognose dar. Q2 2015: Nettoexport einziger Wachstumsmotor Nachdem die deutsche Wirtschaft mit einem (angesichts der Frühindikatoren) enttäuschenden Wachstum von nur 0,3% gg. Vq. in das Jahr 2015 startete, beschleunigte sich das BIP-Wachstum im zweiten Quartal etwas auf 0,4% gg. Vq. Dies war im Einklang mit unserer Erwartung, aber etwas schwächer als vom Markt erwartet (Reuters Konsensus: +0,5% gg. Vq.). Während die Binnenwirt- schaft das Wachstum in Q2 dämpfte, zeigten die Nettoexporte Stärke. Im Ver- gleich zum Vorjahresquartal zog das Wachstum von 1,2% in Q1 auf 1,6% in Q2 an. Die Schwäche der Binnenwirtschaft im 2. Quartal folgte auf zwei Quartale soli- den Wachstums. Dies ging vor allem auf eine enttäuschende Entwicklung der Bruttoanlageinvestitionen und eines Lagerabbaus zurück. Die Nettoexporte konnten dank des kräftigen Wachstums der Exporte den negativen Beitrag der Binnenwirtschaft mehr als ausgleichen. Allerdings dürfte sich der Nettoexport angesichts des rauen internationalen Umfelds deutlich abschwächen. Die Binnenwirtschaft kostete 0,3%-Punkte an BIP-Wachstum, wobei der private Konsum sich zwar abschwächte, aber immer noch 0,1%-Punkte zum Gesamt- wachstum beitrug (0,2% gg. Vq.). Die Abschwächung kam nach kräftigen Zu- wächsen in den drei vorangegangenen Quartalen von durchschnittlich 0,7% gg. Vq. Angesichts der günstigen Fundamentalfaktoren dürfte dies nur eine tempo- räre Verlangsamung sein. — Die temporäre Erholung des Ölpreises und der Anstieg der Sparquote dämpften den privaten Konsum im zweiten Quartal recht kräftig. Nach ei- nem Rückgang des Ölpreises um 22% gg. Vq. stieg dieser im zweiten Quar- tal um +17% gg. Vq. Dies führte zu einem Anstieg der Energiekomponente des HVPI von rund 3%, was ceteris paribus eine Belastung bei den nomina- len Konsumausgaben von 0,3% gg. Vq. bedeutet. Die privaten Haushalte erhöhten ihre Sparquote von 9,5% auf 9,7%, was den privaten Konsum um 0,2%-Punkte dämpfte. - 3 - 2 - 1 0 1 2 3 - 1,0 - 0,8 - 0,6 - 0,4 - 0,2 0,0 0,2 0,4 0,6 0,8 1,0 12 13 14 15 % gg. Vq. (links) % gg. Vj. (rechts) Deutsche Konjunkturentwicklung 35 Reales BIP (% gg. Vq.; % gg. Vj.) Quellen: Statistisches Bundesamt, Deutsche Bank Research - 0,8 - 0,4 0,0 0,4 0,8 Reales BIP Privater Konsum Staatskonsum Ausrüstungsinv. Bauinvestitionen Lager Außenbeitrag Q1 15 Q2 15 Wachstumsbeitrag zum realen BIP Wachstum, % gg. Vq., % - Punkte Quelle: Statistisches Bundesamt Nettoexporte Hauptwachstumstreiber in Q2 36 - 15 - 10 - 5 0 5 10 15 - 4 - 3 - 2 - 1 0 1 2 3 4 11 12 13 14 15 % gg. Vq. (links) % gg. Vj. (rechts) Quellen: Statistisches Bundesamt, Deutsche Bank Research Etwa Stagnation der Ausrüstungs - investitionen in Q2 37 Unternehmensfinanzierung & Konjunktur in Deutschland 11 | 2. September 2015 Monitor Unternehmensfinanzierung — Günstig für den privaten Konsum wirkten weiter die gute Arbeitsmarktsitua- tion und die erhöhte Zuwanderung. Die Beschäftigung stieg erneut auf ei- nen neuen Höchststand von 42,8 Millionen Personen. Der Beschäftigungs- aufbau verlangsamte sich allerdings relativ deutlich von +0,8% gg. Vj. Ende 2014 auf nur noch +0,4% gg. Vj. Die Erwerbsquote blieb gg. dem Vorquartal unverändert bei 54,1% und die Erwerbslosenquote fiel auf 4,4%, dem nied- rigsten Wert seit der Wiedervereinigung. Die Arbeitnehmerentgelte je Stun- de stiegen um 0,9% gg. Vq. (+2,7% gg. Vj.), was vor dem Hintergrund des Konsumdeflators (+0,5% gg. Vq.; +0,9% gg. Vj.) zu soliden Reallohnerhö- hungen führte. Die ersten negativen Effekte der Mindestlohneinführung zei- gen sich aber bereits bei einem deutlichen Rückgang der geringfügig ent- lohnt Beschäftigten. — Die Nettozuwanderung erhöhte sich im Jahr 2014 erneut auf wahrscheinlich über 500.000 Personen und trug damit etwa 1/3 des BIP Wachstums 2014 bei. Rund 1,4 Millionen Personen – nach 1992 (1,5 Millionen) der zweit- höchste Wert der vergangenen 65 Jahre – wanderten nach Deutschland ein. Hauptherkunftsländer waren Rumänien, Polen und Bulgarien, wobei der hohe Zustrom aus Rumänien und Bulgarien auf die Öffnung des deutschen Arbeitsmarktes für diese Länder zurückzuführen ist. 1 Die Öffnung des Ar- beitsmarktes Richtung Kroatien ab Juli 2015 dürfte für einen erneuten Schub an Arbeitsmigration sorgen. Der Zustrom von wahrscheinlich 800.000 Asylbewerbern in diesem Jahr stellt eine enorme Herausforderung dar. 2 Im Vergleich zum Vorjahr stiegen die realen Konsumausgaben (+1,9%) vor allem für Verkehr und Nachrichtenübermittlung sowie Nahrungsmittel (Wachs- tumsbeitrag: 0,5%-Punkte), übrige Verwendungszwecke (0,4%-Punkte; bspw. Gesundheitspflege, Bildungswesen, Versicherungs- und Finanzdienstleistun- gen) und Wohnen inkl. Nebenkosten (0,3%-Punkte). Die Bruttoinvestitionen waren im ersten Quartal insgesamt enttäuschend und kosteten 0,4%-Punkte am Q2-Wachstum. Es fand ein Lagerabbau statt und die Bruttoanlageinvestitionen fielen durch den deutlichen Rückgang bei den Bauin- vestitionen. Einen Rückgang der Bauinvestitionen hatten wir erwartet, da wir mit einer Gegenbewegung nach den vorherigen von der milden Witterung begüns- tigten starken Quartalen rechneten. Die Höhe des Rückgangs überraschte aber (-1,2%). Während sich das Wachstum bei den Investitionen in Wohnbauten abschwächte (0,5% gg. 2,5% gg. Vq.), sanken die Investitionen in Nicht- Wohnbauten deutlich (-3,6% gg. +0,9% gg. Vq.). Angesichts der relativ hohen Volatilität bei den Quartalsdaten und den günstigen zugrundeliegenden Funda- mentalfaktoren für Wohnungsbauinvestitionen dürfte die Verlangsamung tempo- rär sein. Der Rückgang der öffentlichen Bauinvestitionen (-3,3%) dürfte auf- grund der bereits angekündigten zusätzlichen öffentlichen Infrastrukturinvesti- tionen ebenfalls vorübergehend sein. Die Unternehmensinvestitionen in Nicht- Wohnbauten (-3,6% gg. Vq.), die etwa 70% der Gesamtinvestitionen in Nicht- Wohnbauten ausmachen, dürften weiter schwach bleiben. Das Wachstum der Ausrüstungsinvestitionen kam so gut wie zum Stillstand (+0,1% gg. Vq.). Das Investitionsumfeld bleibt in Folge der Kapazitätsauslas- tung, die zwei Quartale hintereinander fiel und nur leicht über dem langfristigen Durchschnitt liegt (Q3: 84,2 vs. 83,6%), dem kräftigen internationalen Gegen- wind und der dämpfenden Wirtschaftspolitik der Großen Koalition weiter ange- spannt. Wenn Investitionen getätigt werden, dürften dies daher zum Großteil Ersatzinvestitionen sein. Nach wie vor sticht unter den Sektoren der Automobil- sektor mit einer Auslastung von 90,1% positiv hervor, aber im Vergleich zum 1. 1 Siehe Bräuninger, D.; Peters, H. (2015) Anhaltender Zuwanderungsboom 2014, aber Politik bleibt gefordert. Aktueller Kommentar. 17. Juni 2015. Deutsche Bank Research. 2 Siehe Bundesamt für Migration und Flüchtlinge. Prognoseschreiben zur Zahl der im Verteilsystem EASY registrierten Personen nach § 44 Abs. 2 AsylVfG vom 20.08.2015. -30 -20 -10 0 10 20 30 -5 -4 -3 -2 -1 0 1 2 3 4 5 12 13 14 15 Energie (links) Ölpreis in EUR (rechts) Quellen: Deutsche Bundesbank, Deutsche Bank Research % gg. Vq. (ssb.) Temporäre Gegenbewegung bei Energiepreisen in Q2 38 -6 -4 -2 0 2 4 6 8 10 10 11 12 13 14 15 Bauinvestitionen (VGR) Baugewerbe (Industrieproduktion) % gg. Vq. (reale Werte) Quelle: Statistisches Bundesamt Bauinvestitionen in Q2 gefallen 39 75 80 85 90 Maschinen - bau Chemie Pharma Ver. Gewerbe Metall - erzeugnisse Metall - erzeugnung Elektro - technik Automobil Durchschnitt seit 2000 2014 H1 2015 Q3 2015 Kapazitätsauslastung, sb., % Quelle: ifo Auslastung der Industrieunternehmen in Q3 zum zweiten Mal gefallen 40 Unternehmensfinanzierung & Konjunktur in Deutschland 12 | 2. September 2015 Monitor Unternehmensfinanzierung Hj. fiel die Auslastung um 1,7%-Punkte. Der deutsche Automobilbau profitierte von der wieder anziehenden Nachfrage in Westeuropa und Deutschland. Zu- dem sorgte die gute Autokonjunktur in den USA zusammen mit der EUR- Schwäche für eine kräftige Nachfrage. Deutlich unter dem langfristigen Durch- schnitt war die Kapazitätsauslastung im Maschinenbau. Hier dämpfte vor allem die gefallene Nachfrage aus vielen Ölstaaten. Die Auslastung im Chemiesektor blieb weiter schwach. Nettoexporte Hauptwachstumstreiber in Q2 Die Nettoexporte waren in Q2 der Hauptwachstumstreiber und glichen die Schwäche der Binnenkonjunktur mehr als aus. Das preisbereinigte Exportwach- stum beschleunigte sich auf kräftige 2,2% gg. Vq. – der höchste Wert seit Q1 2011 – und das Importwachstum verlangsamte sich auf 0,8% gg. Vq. Die deut- schen Exporte profitierten von der Euroschwäche sowie der kräftigen Nachfrage vor allem nach Autos, insbesondere aus den USA. Die USA lösten Frankreich als größtes Zielland deutscher Exporte seit Jahresanfang ab (+25% gg. Vj. in H1; 9,6%-Anteil an nominalen Gesamtexporten). Der Beitrag der Nettoexporte zum BIP-Wachstum belief sich auf 0,7%-Punkte, nachdem die Nettoexporte in den Quartalen zuvor dämpften (Q4: -0,3; Q1: -0,2%-Punkte), als die solide Bin- nenkonjunktur für ein kräftiges Importwachstum sorgte. Wiedererstarkte Binnenkonjunktur in Q3 Im dritten Quartal dürfte der Hauptwachstumsimpuls wieder von der Binnenkon- junktur kommen, die erneut einen kräftigen Schub durch einen niedrigeren Öl- preis erhalten dürfte (-17% im bisherigen Q3). Beim Nettoexport dürfte sich an- gesichts der starken internationalen Gegenwinde das Wachstum der Exporte verlangsamen. Gleichzeitig dürfte die wieder höhere inländische Nachfrage zu stärkeren Importen führen. Per Saldo dürften sich die Konjunkturaussichten leicht eingetrübt haben, so dass wir die Prognose für das dritte Quartal kürzlich marginal auf 0,4% gg. Vq. gesenkt haben, was auch die Entwicklung der Stimmungsindikatoren widerspie- gelt (PMI Gesamt und ifo-Geschäftserwartungen). Deutsche Bank Prognose: BIP-Wachstum von 1,7% in 2015 Seit der Veröffentlichung der vorherigen Ausgabe des Monitors Unternehmens- finanzierung Anfang Juni – damals hatten wir unsere Prognose für das Jahr 2015 durch den enttäuschenden Start ins Jahr deutlich von 2,0% auf 1,6% ge- senkt – haben wir unsere Prognose trotz der Q3-Abwärtsrevision marginal auf 1,7% nach oben angepasst. Diese leichte Prognoseanpassung geht allerdings nicht auf eine Änderung unserer grundsätzlichen Einschätzungen zurück, son- dern auf eine minimale Aufwärtsrevision für das erste Halbjahr und Veränderun- gen der Wachstumskomponenten. Wir sehen die Binnennachfrage und insbe- sondere den privaten Konsum weiterhin als primäre Wachstumsstütze. Das außenwirtschaftliche Umfeld dürfte herausfordernd bleiben und stellt das Haupt- risiko für unsere Prognose dar. Mit der aktuellen Prognose für 2015 liegen wir leicht über dem Bloomberg Consensus, der am 17. August relativ deutlich von 1,8% auf 1,6% gefallen war. Dass sich das Konjunkturbild seit Anfang Juni nicht grundlegend geändert hat, spiegelt sich auch in der Entwicklung unseres Makro-Überraschungsindexes für Deutschland wider, der die monatlichen Konjunkturdaten ins Verhältnis zu den Erwartungen setzt. Dieser bewegte sich innerhalb eines engen Bandes (+/- 1 -4 -2 0 2 4 6 8 10 12 13 14 Gesamt EWU USA Asien Nicht - EWU USA Stütze für deutsche Exporte 41 Veränderung (3M vs. 3M davor, %) Quellen: Deutsche Bundesbank, Deutsche Bank Research - 4 - 2 0 2 4 6 8 - 2,0 - 1,5 - 1,0 - 0,5 0,0 0,5 1,0 1,5 2,0 2,5 3,0 10 11 12 13 14 15 PMI gesamt (links) ifo Geschäftserwartungen (links) OECD CLI (links) Reales BIP (rechts) BIP - Wachstum und Frühindikatoren 42 Quellen: Markit, ifo , OECD, Statistisches Bundesamt Deutschland; standardisierte Werte (links); % gg. Vj. (rechts) - 1,0 - 0,5 0,0 0,5 1,0 1,5 2,0 2,5 Q2 14 Q3 14 Q4 14 Q1 15 Q2 15 14 15P 16P Privater Konsum Staatskonsum Ausrüstungsinvestitionen Bauinvestitionen Lager Außenbeitrag Reales BIP Wachstumsbeiträge zum realen BIP - Wachstum, gg. Vq., % - Punkte Quellen: Statistisches Bundesamt, Deutsche Bank Research Binnenwirtschaftlich getriebenes Wachstum 43 Unternehmensfinanzierung & Konjunktur in Deutschland 13 | 2. September 2015 Monitor Unternehmensfinanzierung Standardabweichung), drehte kürzlich in den leicht positiven Bereich und deutet auf ein aktuell ausgeglichenes Risikoprofil für unsere Prognose 2015 hin. Der Hauptwachstumstreiber dürfte im Jahr 2015 die Binnenwirtschaft sein. Der private Konsum dürfte mit etwa 2% so stark wachsen wie die letzten 15 Jahre nicht mehr. Zurück geht dies auf einen vor allem ölpreisbedingten Konsumschub und die solide Arbeitsmarktlage. Die Beschäftigung dürfte dank der zugrunde- liegenden robusten Konjunkturentwicklung und der anhaltend hohen Nettozu- wanderung erneut auf einen neuen Rekord klettern. Angesichts der negativ auf den Arbeitsmarkt wirkenden Einführung des Mindestlohns und des rauen inter- nationalen Umfelds, welches die deutschen Exporteure bei ihren Beschäfti- gungsplanungen auf Sicht fahren lassen, dürfte sich der Beschäftigungsaufbau im Jahresverlauf allerdings erheblich von 0,8% gg. Vj. Ende-2014 auf 0,1% gg. Vj. Ende-2015 verlangsamen. Im Jahresverlauf dürfte die Arbeitslosenquote zwar auf 6,4% fallen (2014: 6,7%), aber die Zahl der Arbeitslosen könnte sich in der zweiten Jahreshälfte moderat erhöhen. Die realen Tariflöhne dürften mit etwa 2 ½% deutlich steigen, der höchste Zuwachs seit 20 Jahren. Als Folge der Einführung des Mindestlohns dürften die Arbeitnehmerentgelte sogar noch stär- ker steigen als die Tariflöhne. Die bedeutendsten Abschlüsse der Tarifrunde 2015 gab es im der chemischen Industrie, dem Einzelhandel, der Metall- und Elektroindustrie, dem öffentlichen Dienst der Länder und dem Versicherungs- gewerbe. Das Streikvolumen dürfte 2015 noch einmal steigen und deutet auf einen kampfeslustigeren Kurs von Seiten der Spartengewerkschaften – häufig mit Spezialthemen. Im Jahr 2014 gab es 155 Tausend Streiktage. Der raue internationale Gegenwind dürfte für die deutschen Exporteure weiter eine Herausforderung darstellen. In der ersten Jahreshälfte war das Wachstum der deutschen Exporteure angesichts des deutlich schwächeren Welthandels überraschend hoch. Zurück geht dies auf den schwächeren EUR und vor allem die dynamische US-Nachfrage (+25% gg. Vj. in H1; 9,6%-Anteil an Gesamtex- porten). Der schwächere Euro stärkte die preisliche Wettbewerbsfähigkeit deutscher Exporteure. Fast zwei Drittel des Exportwachstums gingen auf den Euro-getriebenen Bewertungseffekt zurück. Während der Wert der US-Exporte in H1 um 24% gg. Vj. zulegte, stiegen die in Tonnen gemessenen Exporte nur um 6,5%. Dies deutet darauf hin, dass deutsche Exporteure mit dem Wäh- rungsvorteil bislang ihre Margen stärkten statt ihre Preise zu senken. Die hohe US-Nachfrage ging vor allem auf Automobile, sonstige Fahrzeuge (z.B. Flug- zeuge und Schiffe), Pharmazeutika und Maschinen zurück, die zusammen 70% der Beschleunigung trugen. Die nachlassende Dynamik des US-Autoabsatzes (Jan.: +9,5% gg. Vj.; Juli: +3,5%, gl. 3M-Schnitt) und die volatile Aufwertung des Euro gg. dem US-Dollar seit Mitte März deuten darauf hin, dass die deutschen US-Exporte an Tempo verlieren dürften. - 0,7 - 0,5 - 0,3 - 0,1 0,1 0,3 0,5 1,0 1,1 1,2 1,3 1,4 1,5 1,6 1,7 1,8 1,9 2,0 Jan 15 Apr 15 Jul 15 DB Makro - Überraschungsindex (rechts) Bloomberg Consensus (links) DB Prognose (links) Quellen: Bloomberg Finance LP, Deutsche Bank Research % gg. Vj. (links); Durchschnitt der z - Werte der vergangenen 20 Überraschungen (rechts) Deutsche Bank BIP - Prognose Deutschland 2015 vs. Bloomberg Consensus 44 - 1,0 - 0,5 0,0 0,5 1,0 1,5 2,0 00 02 04 06 08 10 12 14 Nominales verfügbares Einkommen Deflator (invertiert) Reales verfügbares Einkommen % gg. Vq., gl. 3Q Schnitt, sb. Quellen: Statistisches Bundesamt, Deutsche Bank Research Reale Kaufkraft profitiert von sinken - der Inflation 45 - 4 - 2 0 2 4 6 8 10 13 14 15 GB US NL RU Weitere Insg. Wachstumsbeitrag % - Punkte, % gg. Vj. Quellen: Statistisches Bundesamt, Deutsche Bank Research Russland schwächt deutsche Exportentwicklung 46 - 10 - 5 0 5 10 15 20 25 30 12 13 14 15 Exporte (Gewicht) Exporte (Bewertung) Exporte (Wert) Starkes Exportwachstum in die USA 47 % gg. Vj. Quellen: Statistisches Bundesamt, Deutsche Bank Research - 0,5 0,0 0,5 1,0 1,5 2,0 - 5 0 5 10 15 20 14 15 % gg. Vj. (links) % - Punkte (rechts) Exporte nach China deutlich gefallen 48 Quellen: Statistisches Bundesamt, Deutsche Bank Research % gg. Vj. (links), Beitrag zu gesamten Exportwachstum, % - Punkte (rechts) Unternehmensfinanzierung & Konjunktur in Deutschland 14 | 2. September 2015 Monitor Unternehmensfinanzierung Hinzu kommt der äußerst schwache Welthandel (real +1,1%; nominal -12,4% gg. Vj.; laufender 3-Monatsdurchschnitt) und die volatile Aufwertung des EUR vor allem gegenüber den Schwellenländerwährungen, die unsere Erwartung stützen, dass der deutsche Außenhandel sich wahrscheinlich nur temporär von der schwachen Entwicklung des Welthandels abkoppelt. Der Welthandel wird durch die schwierige Situation einiger Schwellen- und Entwicklungsländer ge- dämpft. Deutsche Exporte nach China (Rang 5; 6,0% der Gesamtexporte) schwächten sich schon merklich ab und die schwachen Rohstoffpreise werden vor allem die Nachfrage der Hauptrohstoffproduzenten merklich dämpfen. Stabilisieren dürfte die Nachfrage aus der Eurozone dank des anhaltenden, moderaten Aufschwungs. Die Stimmungsindikatoren (PMI Neue Exportaufträge, ifo-Exporterwartungen) bestätigen den Ausblick einer spürbaren Exportabschwächung in den nächsten Monaten. So fielen die ifo-Geschäftserwartungen der exportstarken Industrie (Juli: 98,9; Aug: 97,6) auf den niedrigsten Stand seit Ende 2014, was auch die gesamtwirtschaftlichen Geschäftserwartungen leicht dämpfte. Im Jahresdurch- schnitt dürften die deutschen Exporte dank des guten ersten Halbjahres um 5,7% gg. Vj. wachsen. Die Importe expandieren dank einer soliden Konsum- nachfrage wohl etwas stärker (5,9% gg. Vj.). Die Nettoexporte dürften damit 0,5%-Punkte zum BIP-Wachstum beitragen. Ausrüstungsinvestitionen: Anhaltend schwache Dynamik Das Umfeld für Investitionen in Maschinen und Fahrzeuge (Ausrüstungsinvestitio- nen) bleibt angesichts des angespannten internationalen Umfelds, der nur leicht über dem langfristigen Durchschnitt liegenden Kapazitätsauslastung und der dämp- fenden heimischen Wirtschaftspolitik (Kostendruck der Energiewende, des Mindest- lohns und der Rentenreform) angespannt. Das anhaltend extrem niedrige Zinsni- veau wirkt zwar weiter günstig, aber die zuletzt drastische Erhöhung der Marktvola- tilität in den vergangenen Wochen dürfte Zweifel an den globalen Wachstumsaus- sichten ausgelöst haben und damit an dem Ausblick der exportabhängigen deut- schen Unternehmen. Zudem fielen die Rohstoffpreise, die oftmals als ein Frühindi- kator für die globale Nachfrage gesehen werden, auf das zuletzt im Jahr 1999 ge- sehene Niveau zurück. Einen erheblichen Einfluss auf die Volatilitäten und die Stimmung der Exporteure hat die Unsicherheit über den künftigen geldpolitischen Kurs der PBoC und der Fed. Die Ausrüstungsinvestitionen dürften im Jahresdurch- schnitt 2015 um 4,4% gg. Vj. steigen, was marginal schwächer als im Vorjahr ist. -2,0 -1,5 -1,0 -0,5 0,0 0,5 1,0 1,5 2,0 -30 -20 -10 0 10 20 30 10 11 12 13 14 15 Welthandel (links) Deutsche Güterexporte (links) PMI Neue Exportaufträge* (rechts) ifo Exporterwartungen* (rechts) * Vorlauf von 3 Monaten % gg. Vj. (3-Monatsdurchschnitt, links), standardisierte Werte (rechts) Quellen: Deutsche Bundesbank, ifo, Markit, Deutsche Bank Research Gedämpfter Exportausblick 49 0 5 10 15 20 25 30 35 40 45 50 11 12 13 14 15 G10 EM (19 Länder gg. USD) Volatiltiät bei Währungen seit Mitte des 2014 deutlich gestiegen 50 Historische Volatilität (24 Stunden - Intervall) Quelle: Bloomberg Finance LP Die historische Volatilität ist definiert als die annualisierte Standardabweichung der logarithmischen Rendite über den Zeitraum hinweg. - 4 - 3 - 2 - 1 0 1 2 - 40 - 30 - 20 - 10 0 10 20 08 09 10 11 12 13 14 15 Ausrüstungsinvestitionen (links) Auftragseingänge ** (Inl. Investitionsgüter ohne Transport, links) ifo Exporterwartungen* (rechts) % gg. Vj. (links), standardisierte Werte (rechts) *Vorlauf von * 2Q * *1Q Keine merkliche Beschleunigung der Ausrüstungsinvestitionen zu erwarten 52 Quellen: ifo, Markit, Statistisches Bundesamt, Deutsche Bank Research 10 15 20 25 30 35 40 45 50 55 11 12 13 14 15 Euro Stoxx 50 DAX S&P 500 Hang Seng Aktienmarktvolatilität auf höchstem Niveau seit 2011 51 Volatilität, % - Punkte Quellen: Bloomberg Finance LP, Deutsche Bank Research Unternehmensfinanzierung & Konjunktur in Deutschland 15 | 2. September 2015 Monitor Unternehmensfinanzierung Trotz günstigen Umfelds Wachstum der Bauinvestitionen verhalten Das Wachstum der Bauinvestitionen dürfte 2015 um verhaltene 1,5% zulegen (2014: 2,9%). Dank weiter extrem niedriger Kreditzinsen (1,72%, Zinsbindung 5- 10J.), guter Arbeitsmarktlage und erhöhter Nettozuwanderung dürfte sich der Wohnungsbau , der 60% der Bauinvestitionen ausmacht, weiter positiv entwickeln. Zudem dürften sich die geplanten zusätzlichen öffentlichen Infrastrukturinvestitio- nen bei den staatlichen Bauinvestitionen niederschlagen. Abgeschwächter Anstieg der Immobilienpreise Etwas abgeschwächt dürfte sich die seit Anfang 2008 andauernde Aufwärtsbe- wegung der Immobilienpreise fortsetzen. Deutschlandweit lagen die Preise 2014 etwa 5 ¼% über dem Vorjahresniveau (2013: 7 ¼%). Für die „Top-7“- Städte lagen die Erhöhungen sogar bei 6,2% (2013: 9,1%). Dämpfend wirkt jedoch die Angebotsausweitung. Die Anzahl der Baugenehmigungen stieg im Jahr 2014 auf rund 285.000 (2013: 270 Tsd.) und deutet auf eine anhaltende Ausweitung der Fertigstellungen von Wohneinheiten hin (2013: rund 215 Tsd.). Die Nachfrage dürfte angesichts der günstigen Finanzierungsbedingungen, der hohen Nettozuwanderung sowie der weiteren Urbanisierung und der verringer- ten Haushaltsgröße hoch bleiben. Insgesamt dürfte sich der Preisdruck moderat abschwächen, und im Bundesdurchschnitt sind bisher keine Übertreibungen feststellbar. Bei den Hypothekenkrediten ist zuletzt ein leichtes Anziehen auf 3,6% gg. Vj. (Juli) zu beobachten. Mit dem etwas verlangsamten Anstieg der Immobilienpreise fiel der Anstieg der Kaltmieten (ohne Energie, 21% am CPI) ebenfalls geringer aus. Sie stiegen zuletzt um 1,2% gg. Vj. (Juli). Schwäche bei Rohstoffpreisen Abwärtsrisiko für Inflationsprognose Die kräftigen Schwankungen des Ölpreises bestimmten seit Mitte 2014 maßbeglich die Entwicklung der Konsumentenpreise. Durch den starken Rückgang des Ölprei- ses auf das Tief von 40 EUR/Bbl. (Brent) Mitte Januar fielen die Verbraucherpreise zwischenzeitlich um 0,3% gg. Vj. Zwischenzeitlich erhöhte sich der Ölpreis auf knapp über 60 EUR/Bbl. Anfang Mai. Seitdem bewegte er sich bei zusätzlich wech- selkursbedingter hoher Volatilität abwärts und lag zuletzt sogar bei 43 EUR/Bbl. Zuletzt sorgte die volatile Aufwertung des EUR auch wieder für einen dämpfenden Effekt der Importpreise (-1,7% gg. Vj. im Juli). Bei einer relativ konstanten Entwick- lung der Kerninflation von etwas über 1,0% gg. Vj. führte dies zu einem Anstieg der Inflation auf 0,7% gg. Vj. im Mai und dann zu einem erneuten Rückgang auf zuletzt 0,2% gg. Vj. im August. Die kürzlich breit gefächerte Schwäche der Rohstoffpreise stellt ein Abwärtsrisiko für die von uns prognostizierte hauptsächlich basiseffektgetriebene Beschleunigung der Konsumentenpreisinflation dar. Im Jahresdurchschnitt dürften die Konsumen- tenpreise um 0,5% steigen (2014: 0,9%). Heiko Peters (+49 69 910-21548, heiko.peters@db.com) 0 1 2 3 4 5 6 7 8 00 02 04 06 08 10 12 14 16 Effektivzins für Wohnimmobilienkredite, 5 - 10 - J Zinsbindung 10 - J Bundesanleihen Leitzins in % Quellen: Bundesbank, EZB, Deutsche Bank Research Baufinanzierung: Weiterhin niedriges Zinsniveau 53 - 4 - 2 0 2 4 6 8 10 12 14 05 06 07 08 09 10 11 12 13 14 15 Chemische Reinigung Taxi Zeitungen und Zeitschriften Friseur für Herren Gurkenkonserven VPI Komponenten, % gg. Vj. Quelle: Statistisches Bundesamt Mindestlohn sorgt für Preiserhöhungen 55 - 1,5 - 1,0 - 0,5 0,0 0,5 1,0 1,5 2,0 2,5 11 12 13 14 15 Kern Nahrungsmittel Energie Insg. (% gg. Vj.) Wachstumsbeiträge % - Punkte; % gg. Vj. Quellen: Statistisches Bundesamt, Deutsche Bank Research Energie dämpfte Preisanstiege zuletzt etwas weniger 54 Unternehmensfinanzierung & Konjunktur in Deutschland 16 | 2. September 2015 Monitor Unternehmensfinanzierung Prognosen Deutschland: BIP-Wachstum nach Komponenten, % gg.Vq., Jahresdaten % gg.Vj. 56 2012201320142015P2016PQ1Q2Q3Q4Q1Q2Q3PQ4P BIP0,40,31,61,71,70,7-0,10,20,60,30,40,40,3 Privater Konsum1,00,60,92,01,10,3-0,10,61,00,40,20,70,3 Staatsausgaben1,30,81,71,80,40,40,60,60,50,60,30,30,2 Anlageinvestitionen-0,4-1,33,52,62,12,4-1,5-0,71,31,7-0,40,60,6 Ausrüstungen-2,6-2,34,54,42,5-0,20,9-1,92,61,90,10,30,6 Bau0,5-1,12,91,52,44,4-3,8-0,40,61,8-1,21,00,9 Lager, %-Punkte-1,60,6-0,3-0,6-0,10,00,4-0,70,0-0,1-0,40,10,0 Exporte2,71,64,05,74,40,40,41,51,41,22,20,50,5 Importe-0,33,13,75,93,60,60,90,42,31,90,81,20,7 Nettoexport, %-Punkte1,4-0,50,40,40,50,0-0,20,5-0,3-0,20,8-0,30,0 Konsumentenpreise*2,01,50,90,52,01,21,10,80,50,00,50,51,4 Arbeitslosenquote, %6,86,96,76,46,56,86,76,76,66,56,46,46,5 Industrieproduktion-0,40,11,51,11,2 Budgetsaldo, % BIP-0,1-0,10,30,70,5 Öff. Schuldenstand, % BIP79,176,874,471,669,4 Leistungsbilanzsaldo, % BIP6,86,47,48,38,2 Leistungsbilanzsaldo, EUR Mrd.187180216252255 2015 Quellen: Statistisches Bundesamt, Deutsche Bundesbank, Arbeitsagentur, Deutsche Bank Research 2014 *Inflationsdaten für Deutschland basieren auf nationaler Abgrenzung. Dies kann zu Diskrepanzen zu anderen DB Publikationen führen. © Copyright 2015. Deutsche Bank AG, Deutsche Bank Research, 60262 Frankfurt am Main, Deutschland. Alle Rechte vorbehalten. Bei Zitaten wird um Quellenangabe „Deutsche Bank Research“ gebeten. Die vorstehenden Angaben stellen keine Anlage-, Rechts- oder Steuerberatung dar. Alle Meinungsaussagen geben die aktuelle Einschätzung des Verfassers wieder, die nicht notwendigerweise der Meinung der Deutsche Bank AG oder ihrer assoziierten Unternehmen entspricht. Alle Meinungen können ohne vorherige Ankündigung geändert werden. 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