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  4. Deutschland Monitor Unternehmensfinanzierung
4. März 2015
Im Schlussquartal 2014 blieb das Kreditgeschäft mit Unternehmen und Selbstständigen schwach (-0,1% ggü. Vq.). Die Talfahrt bei den Krediten an das Verarbeitende Gewerbe beschleunigte sich, während es im Dienstleistungssektor ein solides Plus gab. Die öffentlich-rechtlichen Banken erlebten einen Rückschlag, private und genossenschaftliche Institute schnitten dagegen gut ab. Bei den Finanzierungsalternativen überzeugten das Anleihe- und das Leasinggeschäft. Die deutsche Volkswirtschaft wuchs zum Jahresende hin überraschend stark (+0,7% ggü. Vq.). Das lag vor allem an einer kräftigen Expansion des privaten Konsums und der Bauinvestitionen, während vom Außenhandel und den Investitionen der Unternehmen nur moderate Impulse ausgingen. Die Wachstumsprognose für 2015 wurde deutlich auf 2,0% angehoben. [mehr]
Unternehmensfinanzierung & Konjunktur in Deutschland Monitor Unternehmensfinanzierung Unternehmensfinanzierung Weiter schwache Kreditentwicklung. Auch zum Jahresausklang ist das Kreditvo- lumen mit Unternehmen und Selbstständigen nicht aus der Stagnation heraus- gekommen. Im Quartalsvergleich gab es erneut ein leichtes Minus von 0,1%. Dahinter verbergen sich jedoch deutliche Unterschiede nach Branchen: Kredite an das Verarbeitende Gewerbe beschleunigten ihre Talfahrt, während es mit dem Dienstleistungssektor ein solides Plus gab. Insgesamt ein enttäuschendes Ergebnis, zumal die Banken von deutlich gelockerten Konditionen und geringe- ren Margen berichteten. Nach Bankengruppen mussten die öffentlich- rechtlichen Institute einen Rückschlag hinnehmen; dagegen schnitten in- und ausländische Kreditbanken und vor allem die Genossenschaftsbanken erneut besser ab. Überraschenderweise verzeichnete das Einlagengeschäft weiteres Wachstum, trotz der Einführung negativer Zinssätze bei einzelnen Banken. Die meisten Kreditkategorien sahen einen weiteren, wenn auch etwas langsameren Rückgang der Zinsen auf neue historische Niedrigstwerte. Bei den Finanzierungsalternativen hielt der positive bzw. sehr positive Trend bei Unternehmensanleihen und im Leasing zwischen September und Dezember an. Commercial Paper schrumpften kaum noch; das Emissionsvolumen am Aktien- markt fiel dagegen nach einem besseren Sommerhalbjahr auf das schwache Durchschnittsniveau der letzten Jahre zurück. Konjunktur Deutliche Aufwärtsrevision des BIP-Wachstums für 2015P: 2,0%. Das deutsche BIP wuchs im Q4 überraschend stark (+0,7% gg. Vq.) und beendete die Stagna- tionsphase des Sommers. Hauptwachstumstreiber war die Binnenwirtschaft. Der private Konsum expandierte dank des Einbruches des Ölpreises und der positiven Arbeitsmarktentwicklung kräftig. Die Bruttoinvestitionen waren insge- samt wachstumsneutral, da der Rückgang beim Lagerabbau den Anstieg der Bruttoanlageinvestitionen kompensierte. Die Bauinvestitionen wuchsen kräftig. Die Ausrüstungsinvestitionen stiegen auch wieder etwas. Vom Außenhandel kamen moderate Wachstumsimpulse, dämpfend wirkten die Russland/Ukraine- Krise und die strukturell bedingte, schwache Entwicklung des Welthandels. Unsere BIP-Prognose für das Jahr 2015 haben wir kürzlich auf 2,0% angeho- ben. Dies geht auf den überraschend kräftigen Ölpreiseinbruch und die deutli- che Abschwächung des handelsgewichteten Euro zurück. Im Dezember lag unsere BIP Prognose noch bei 1,0%. Der Hauptwachstumstreiber dürfte 2015 erneut die Binnenwirtschaft sein. Der private Konsum dürfte mit etwas über 2% so stark wie seit 3 Jahren nicht mehr wachsen. Die Ausrüstungsinvestitionen dürften sich im Jahr 2015 moderat erholen, hauptsächlich dürfen aber noch Ersatzinvestitionen getätigt werden. Bauinvestitionen dürften dank eines dyna- mischen Wohnungsbaus solide wachsen. Die Nettoexporte werden wohl auch etwas zum Wachstum beitragen. Autoren Jan Schildbach +49 69 910-31717 jan.schildbach@db.com Heiko Peters +49 69 910-21548 heiko.peters@db.com Editor Jan Schildbach Deutsche Bank AG Deutsche Bank Research Frankfurt am Main Deutschland E-Mail: marketing.dbr@db.com Fax: +49 69 910-31877 www.dbresearch.de DB Research Management Ralf Hoffmann 4. März 2015 Unternehmensfinanzierung & Konjunktur in Deutschland 4 . Quartal 2014 Unternehmensfinanzierung & Konjunktur in Deutschland 2 | 4. März 2015 Monitor Unternehmensfinanzierung Unternehmensfinanzierung in Deutschland Kreditvolumen Auch das Schlussquartal des letzten Jahres brachte keine Belebung des Kredit- geschäfts mit deutschen Unternehmen und Selbstständigen. Das Volumen schrumpfte – bereinigt um umfangreiche Umklassifizierungen in der Statistik – erneut leicht um 0,1% (EUR 1,7 Mrd.) gegenüber Vorquartal. Angesichts des guten Q2-Werts blieb der Vorjahresvergleich dennoch im Plus, bei bescheide- nen 0,4%. Der Kontrast zwischen einer schleppenden Kreditvergabe und einer (trotzdem) anziehenden Konjunktur verstärkte sich somit im vierten Quartal (zu den Details der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung siehe Teil 2 im Anschluss). Nach mehreren Auf- und Abwärtsbewegungen über die letzten 15 Jahre liegt der Kreditbestand damit bemerkenswerterweise weiterhin etwa auf dem Niveau zur Zeit der Einführung des Euro 1999. Im Euroraum insgesamt fällt dieser Vergleich vollkommen anders aus. Hier steht über diesen Zeitraum, trotz der Schwäche der letzten Jahre, immer noch ein Anstieg von satten rund 90% in den Büchern. Gleichzeitig setzt sich am aktuel- len Rand die allmähliche Stabilisierung fort: Das Kreditvolumen mit Unterneh- men reduzierte sich zwischen September und Dezember nur noch um 0,3% und auch der Vergleich mit dem Vorjahr sieht mittlerweile wesentlich besser aus als noch Ende 2013 (-1,6% ggü. -4,2%). Bei der Betrachtung der einzelnen Sektoren in Deutschland sind überraschend große Unterschiede festzustellen. Der Abwärtstrend bei den Krediten an das Verarbeitende Gewerbe beschleunigte sich mit einem beträchtlichen Rückgang von EUR 4,2 Mrd. ggü. Vq. (-3,7% ggü. Vj.) sogar nochmals. Offenbar ist die Gewinnlage vieler Unternehmen so ausgezeichnet, dass die Ausweitung des Geschäfts auch ohne Kreditfinanzierung gelingt und aus vorhandener Liquidität bestritten werden kann. Gleichzeitig gab es im Dienstleistungssektor einen or- dentlichen Zuwachs von EUR 4,8 Mrd. und der Jahresvergleich verbesserte sich auf 0,9%. Die Kredite an Selbstständige verzeichneten in Q4 einen leichten Anstieg (0,5% ggü. Vj.). Mit Blick auf einzelne Wirtschaftszweige wird dieser Kontrast noch deutlicher. Mit einer einzigen Ausnahme (Metall: +0,2%) gab es bei sämtlichen Branchen des Verarbeitenden Gewerbes im letzten Quartal einen Rückgang des Kreditvo- lumens, von teils gravierendem Ausmaß: Textil -9,8% (der schärfste Einbruch seit Beginn der Statistik 1989!); Papier/Druck/Möbel -5,9%; Maschinenbau/Auto -5,8%; Chemie -4,4%. Auch die meisten Branchen außerhalb der Industrie und des Dienstleistungsgewerbes legten den Rückwärtsgang ein – während das Minus beim Bau (-0,8%) noch saisonal üblich war, überraschte es beim Handel (-1,8%) dagegen schon. Bei den insgesamt starken Dienstleistungen überzeug- ten v.a. Telekom/Beratung/Werbung (die unternehmensnahen Dienstleistungen) (+2,1%), das sonstige Grundstückswesen (+0,7%) und die Vermietung bewegli- cher Sachen (+12,9%). Offenbar hat die zum 1. Januar erfolgte Einführung des gesetzlichen Mindestlohns zumindest vorab keine größeren Spuren im Dienst- leistungssektor hinterlassen. Hinsichtlich Fristigkeiten entsprach das Schrumpfen der kurzfristigen Kredite im vierten Quartal dem jahreszeitlich Üblichen. Bei den Laufzeiten zwischen 1 und 5 Jahren gab es wenig Bewegung und bei dem in absoluten Zahlen bedeu- tendsten Segment, den längeren Fristigkeiten, einen weiteren moderaten Zu- wachs (+0,7% ggü. Vj.). Dabei dürfte die gerade bei langen Zinsbindungsfristen aus Unternehmenssicht so außerordentlich vorteilhafte Entwicklung der Zinsen in den letzten Monaten sicherlich eine Rolle gespielt haben. Bei den unterschiedlichen Bankengruppen erlebte die Säule der öffentlich- rechtlichen Kreditinstitute einen Rückschlag – bei den Landesbanken verringer- te sich das Kreditbuch zum Jahresende hin um 0,4% ggü. Vq.; bei den Spar- -4 -3 -2 -1 0 1 2 3 10 11 12 13 14 ggü. Vorjahr ggü. Vorquartal Kredite an inländische Unternehmen und Selbstständige* 1 % * ohne sonstige Finanzinstitute Quellen: Bundesbank, Deutsche Bank Research -12 -10 -8 -6 -4 -2 0 2 4 10 11 12 13 14 Verarbeitendes Gewerbe Dienstleistungssektor Selbstständige ... nach Branche 2 % ggü. Vorjahr Quellen: Bundesbank, Deutsche Bank Research -25 -20 -15 -10 -5 0 5 10 11 12 13 14 Kurzfristige Kredite Mittelfristige Kredite Langfristige Kredite ... nach Fristigkeit* 3 % ggü. Vorjahr * ohne sonstige Finanzinstitute Quellen: Bundesbank, Deutsche Bank Research -20 -15 -10 -5 0 5 10 10 11 12 13 14 Kreditbanken darunter Auslandsbanken Landesbanken Sparkassen Genossenschaftsbanken ... nach Bankengruppe* 4 * ohne sonstige Finanzinstitute % ggü. Vorjahr Quellen: Bundesbank, Deutsche Bank Research Unternehmensfinanzierung & Konjunktur in Deutschland 3 | 4. März 2015 Monitor Unternehmensfinanzierung kassen stagnierte es. Noch stärker auf dem Rückzug befinden sich die staatli- chen Förderbanken (-2,1%). Dagegen setzte sich der positive Trend bei den Auslandsbanken fort (+0,4%) und die inländischen Kreditbanken schnitten sogar noch etwas besser ab (+0,6%). Weiterhin einsam an der Spitze ziehen die Ge- nossenschaftsbanken ihre Kreise (+1%). Die Marktanteile verteilen sich damit gegenwärtig wie folgt: Sparkassen 28%, Kreditbanken 25% (davon inländische 17%, im Auslandsbesitz befindliche 8%), Genossenschaftsbanken 19,5%, Lan- desbanken 14% und Förderbanken 6%. Andere Finanzierungsquellen Während das Kreditgeschäft einmal mehr trotz guter Konjunkturentwicklung nicht vorankam, verlief Q4 bei den alternativen Finanzierungsmöglichkeiten verhältnismäßig gut. Commercial Paper verringerten sich zwar zum mittlerweile siebenten Mal in Folge, doch war das Minus mit nur EUR 0,8 Mrd. überschaubar – ein versöhnlicher Jahresausklang. Aufgrund des sehr schwachen H1 schloss 2014 dennoch mit dem zweitschlechtesten Ergebnis seit der Wende ab. Die Emission von Unternehmensanleihen durch deutsche Firmen blieb weiterhin solide. Mit einem Volumen von netto EUR 5,1 Mrd. wurde im vierten Quartal der beste Wert seit zwei Jahren erzielt, auch insgesamt fiel 2014 nur etwas schwä- cher aus als das gute Vorjahr. Im Euroraum insgesamt flaute die Emissionsakti- vität um einiges stärker ab (-24%) und lag nur noch auf der Hälfte des 2012er Niveaus, blieb aber im historischen Vergleich ebenfalls robust. Das Leasinggeschäft wächst mittlerweile wieder sehr dynamisch. Seit 2010, dem Tiefpunkt nach der Finanzkrise, hat das Volumen der neuen Vertragsab- schlüsse um mehr als 20% zugelegt und im vergangenen Jahr wurde erstmals seit 2009 auch wieder ein Anstieg im Immobilienleasing ggü. Vj. registriert. In Q4 überschritt das Immobilienleasing zum ersten Mal seit drei Jahren wieder die Milliardengrenze (EUR 1,3 Mrd.); das Mobilienleasing verzeichnete mit EUR 12,5 Mrd. den besten Wert seit 2008 (besonders stark schnitt dabei das Pkw-Geschäft ab). Nach zuletzt einigen Hoffnungsschimmern wurde das Geschäft mit Aktien- emissionen im vierten Quartal auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt. Mit EUR 1,7 Mrd. war es ein dürftiger Abschluss eines ansonsten durchaus recht erfolgreichen Jahres (+86% ggü. Vj.), der als solcher aber völlig im Durchschnitt früherer Quartalswerte lag. Dass der Dax einmal mehr ein neues Rekordhoch von über 10.000 Punkten erreichte, scheint mögliche Emittenten auch weiterhin nicht beeindruckt zu haben – offenbar braucht es noch wesentlich mehr als „nur“ eine gute Kurs-Performance, um sie aus der Reserve zu locken. Einlagenvolumen Obwohl mittlerweile mehrere, auch namhafte Institute angesichts der Politik der EZB ihren Firmenkunden teilweise negative Einlagenzinsen berechnen, hat sich das Einlagengeschäft mit deutschen Unternehmen und Selbstständigen para- doxerweise zum Jahresende hin weiter belebt. Das Volumen stieg (bereinigt) um EUR 6,5 Mrd. oder 0,55% ggü. Vq. – dies war seit über drei Jahren das erste Mal, dass der Einlagenbestand zwei Quartale in Folge zulegte. Vor dem Hintergrund des extremen Zinsumfelds bleibt eine gewisse Skepsis dennoch angebracht, ob sich diese Entwicklung verstetigen wird; andererseits scheinen die deutschen Firmen auch weiterhin ihr Portemonnaie konsequent zusammen- zuhalten und nur zurückhaltend investieren zu wollen. Nichts geändert hat sich hingegen an der Präferenz für Sichteinlagen (EUR +14,2 Mrd.) ggü. Termin- einlagen (EUR -7,7 Mrd.). Ergebnisse des Bank lending surveys der EZB Bei den Kreditvergabebedingungen ist zwischen den Kreditstandards und den Kreditkonditionen zu unterscheiden. Die Kreditstandards beziehen sich auf die grundsätzlichen internen Richtlinien, mit welchen Kunden und in welcher Form - 8 - 6 - 4 - 2 0 2 4 6 8 10 11 12 13 14 Commercial Paper inländischer Nichtbanken, Nettoemission 5 Mrd. EUR Quellen: Bundesbank, Deutsche Bank Research - 4 - 2 0 2 4 6 8 10 10 11 12 13 14 Anleihen inländischer nichtfinanzieller Unternehmen, Nettoemission 6 Mrd. EUR Quellen: Bundesbank, Deutsche Bank Research 0 2 4 6 8 10 12 14 16 10 11 12 13 14 Mobilien Immobilien Mrd. EUR Leasinggeschäft, Neuvolumen 7 Quelle: BDL 0 2 4 6 8 10 12 14 16 18 20 10 11 12 13 14 Aktienemissionen inländischer Unternehmen (einschl. Finanzinstitute) 8 Mrd. EUR Quellen: Bundesbank, Deutsche Bank Research Unternehmensfinanzierung & Konjunktur in Deutschland 4 | 4. März 2015 Monitor Unternehmensfinanzierung die Banken prinzipiell Geschäfte tätigen wollen. Entgegen der eigenen ur- sprünglichen Prognose der Banken blieben die Kreditstandards für Unterneh- men im vergangenen Quartal unverändert. Davon unabhängig sind die Kredit- konditionen, die die konkreten Bedingungen/Konditionen bei tatsächlich ausge- reichten Krediten betreffen. Hier gab es in Q4 erneut einen beträchtlichen Rutsch in den meisten Komponenten, von den Margen für durchschnittliche ebenso wie für riskantere Kredite (berichtet von netto 22% bzw. 13% der Institu- te) bis hin zu den Fristigkeiten (10%). Auch die Anforderungen mit Blick auf Covenants oder die Höhe des Kredits wurden abgeschwächt. Erstaunlicherwei- se vermeldeten die Banken jedoch weder eine spürbare Zunahme des Wettbe- werbs von innerhalb oder außerhalb der Branche noch eine Verbesserung ihrer Refinanzierungssituation oder Risikoeinschätzung, die sie zu dieser Lockerung veranlasst haben könnten. Im Euroraum insgesamt war die Entwicklung im Großen und Ganzen ähnlich, auch wenn hier 5% der Banken über eine Lockerung der allgemeinen Stan- dards, aber nur 2% über geringere Margen bei riskanteren Krediten berichteten. Hinsichtlich der Kreditnachfrage in Deutschland war laut Bank lending survey ein ungewöhnliches Phänomen zu beobachten: Die Nachfrage der Unterneh- men entwickelte sich ausnahmsweise deutlich besser als von den Banken er- wartet. Statt eines Rückgangs verbuchten 22% der Institute einen Zuwachs, welcher allerdings ausschließlich vonseiten großer Firmen kam, während die Nachfrage der KMUs weiter leicht rückläufig war. Ganz ähnlich das Bild im Eu- roraum insgesamt, wo unter dem Strich 18% der Banken eine größere Nachfra- ge verzeichneten. In Deutschland nahm zudem allein die Nachfrage nach lang- fristigen Krediten zu, getrieben von einem höheren Bedarf zur Finanzierung von Investitionen, für Übernahmen und Umschuldungen (jeweils genannt von 13- 16% der Banken). Die gemeldete Belebung der Kreditnachfrage steht allerdings so nicht im Einklang mit der Veränderung der tatsächlichen Volumina. Für das laufende Quartal erwarten 9% der deutschen Banken eine Lockerung der Kreditstandards – etwas mehr als in Euroland insgesamt. Nach dem plötzli- chen Anstieg der Kreditnachfrage in Q4 sehen die Banken in Deutschland nun eine stabile Entwicklung voraus, wohingegen ihre europäischen Nachbarn er- neut optimistischer gestimmt sind (17% gehen von einer Zunahme aus). Zinssätze Im Kredit-Neugeschäft mit Unternehmen hielt der Abwärtstrend in vielen Zinska- tegorien auch im Schlussquartal 2014 an, jedoch scheint sich das Tempo etwas zu verlangsamen. Im Quartalsvergleich waren die Zinsen für Großkredite > EUR 1 Mio. an Kapitalgesellschaften minimal im Plus und auch für kleinere Beträge de facto stabil; für Kredite an Selbstständige bröckelten sie aber weiter ab und fielen mit 2,2% auf den nächsten Tiefstand. Nach Zinsbindungsfristen betrachtet gilt das Gleiche sowohl für langfristige Festzinskredite (Zinsbindung > 5 Jahre), bei denen sich der Durchschnittszins auf 2,0% ermäßigte, als auch für mittlere Zinsbindungsfristen (-0,4 %-Punkte auf 2,3%). Andererseits wurden variabel verzinste Ausleihungen sogar minimal teurer. Ob es wirklich zu einer baldigen Stabilisierung kommt, bleibt allerdings abzuwarten – zu groß erscheint momen- tan noch der Druck vonseiten des Kapitalmarkts und der Wettbewerbssituation unter den Banken. Auf der Passivseite stiegen die Zinsen auf Termineinlagen der Unternehmen zwischen September und Dezember sogar etwas an, dafür fielen die Zinsen auf Sichteinlagen erstmals in der Geschichte auf einen einstel- ligen Basispunkt-Wert (9 Bp., -2 Bp. ggü. Vq.). Jan Schildbach (+49 69 910-31717, jan.schildbach@db.com) Wenn Sie den Monitor Unternehmensfinanzierung regelmäßig erhalten möchten, schicken Sie uns bitte eine E-Mail. Frühere Ausgaben stehen hier . 1.100 1.125 1.150 1.175 1.200 1.225 1.250 1.275 1.300 - 40 - 30 - 20 - 10 0 10 20 30 40 10 11 12 13 14 Sichteinlagen, ggü. Vorquartal (links) Termineinlagen, ggü. Vorquartal (links) Volumen insgesamt** (rechts) Mrd. EUR * einschließlich sonstiger Finanzinstitute ** Enthält Rückgang um EUR 80,9 Mrd. in Q3 13 und Anstieg um EUR 9,4 Mrd. in Q4 14 aufgrund statistischer Umklassifizierungen. Sicht - und Termineinlagen von inländi - schen Unternehmen & Selbstständigen* 9 Quellen: Bundesbank, Deutsche Bank Research Unternehmensfinanzierung & Konjunktur in Deutschland 5 | 4. März 2015 Monitor Unternehmensfinanzierung - 15 - 10 - 5 0 5 10 15 20 Q1 12 Q3 12 Q1 13 Q3 13 Q1 14 Q3 14 Q1 15 Deutschland Euroraum * Q1 15 erwarteter Wert Quellen: Bundesbank, EZB ... verschärft ... gelockert Bank lending survey: Kreditstandards für Unternehmen* 10 - 30 - 20 - 10 0 10 20 30 40 50 Q4 11 Q2 12 Q4 12 Q2 13 Q4 13 Q2 14 Q4 14 Deutschland Euroraum Quellen: Bundesbank, EZB ... gestiegen ... gesunken Bank lending survey: Margen für durchschnittliche Unternehmenskredite 11 - 40 - 30 - 20 - 10 0 10 20 30 Q1 12 Q3 12 Q1 13 Q3 13 Q1 14 Q3 14 Q1 15 Deutschland Euroraum * Q1 15 erwarteter Wert Quellen: Bundesbank, EZB ... gestiegen ... gesunken Bank lending survey: Nachfrage nach Unternehmenskrediten* 12 1,0 1,5 2,0 2,5 3,0 3,5 4,0 4,5 10 11 12 13 14 Kredite an nichtfinanzielle Kapitalgesellschaften, ≤ EUR 1 Mio. Kredite an nichtfinanzielle Kapitalgesellschaften, > EUR 1 Mio. Kredite an Selbstständige und Personengesellschaften % Ø - Zins im Kredit - Neugeschäft, nach Kredithöhe 13 Quelle: EZB 0,0 0,5 1,0 1,5 2,0 2,5 3,0 3,5 4,0 4,5 5,0 10 11 12 13 14 Kredite mit Zinsbindung ≤ 1 Jahr Kredite mit Zinsbindung von 1 - 5 Jahren Kredite mit Zinsbindung > 5 Jahre ... nach Zinsbindungsfrist 14 %, Kredite an nichtfinanzielle Kapitalgesellschaften Quelle: EZB 0,0 0,2 0,4 0,6 0,8 1,0 1,2 1,4 10 11 12 13 14 Sichteinlagen Termineinlagen % Ø - Zins auf Einlagen von nichtfinanziellen Kapitalgesellschaften (Neugeschäft) 15 Quelle: EZB Unternehmensfinanzierung & Konjunktur in Deutschland 6 | 4. März 2015 Monitor Unternehmensfinanzierung Deutliche Aufwärtsrevision des BIP-Wachstums für 2015P: 2,0% — Im vierten Quartal wuchs die deutsche Wirtschaft überraschend stark (+0,7% gg. Vq.) und beendete damit die Stagnationsphase über den Sommer hinweg. Innerhalb der Gruppe der größten Industrieländer war dies das stärkste Quartalswachstum. Hauptwachstumstreiber war die Binnen- wirtschaft. Der private Konsum expandierte dank Ölpreiseinbruch, positiver Arbeitsmarktentwicklung und hoher Nettozuwanderung kräftig. Die Bruttoin- vestitionen waren insgesamt wachstumsneutral, da der Rückgang beim Lagerabbau den Anstieg der Bruttoanlageinvestitionen kompensierte, die in den beiden Quartalen davor deutlich zurückgegangen waren. Die Bau- investitionen stiegen unterstützt von günstiger Witterung relativ stark. Die Ausrüstungsinvestitionen stiegen auch wieder etwas. Vom Außenhandel kamen im vierten Quartal ebenfalls moderate Wachstumsimpulse, dämp- fend wirkten die Russland/Ukraine-Krise und die strukturell bedingt schwa- che Entwicklung des Welthandels. — Unsere BIP-Prognose für das Jahr 2015 haben wir kürzlich auf 2,0% ange- hoben, was deutlich über dem Wachstum des Vorjahres liegt (1,6%). Dies geht auf den überraschend starken Einbruch des Ölpreises und die merkli- che Abschwächung des handelsgewichteten Euro infolge des deutlich ge- lockerten Kurses der EZB zurück. Ohne die negativen Effekte der geopoliti- schen Risiken, insbesondere den Russland/Ukraine-Konflikt, und die beiden großen Reformprojekte der großen Koalition würde das Wachstum wohl so- gar höher ausfallen. Im Dezember lag unsere Prognose noch bei 1,0%. — Der Hauptwachstumstreiber dürfte 2015 erneut die Binnenwirtschaft sein, auf die im Jahr 2015 wahrscheinlich etwa 80% des Wachstums zurückgeht. Der private Konsum dürfte mit etwas mehr als 2% so stark wie seit 3 Jahren nicht mehr wachsen. — Die Ausrüstungsinvestitionen dürften sich im Jahr 2015 moderat erholen. Hauptsächlich dürfen aber noch Ersatzinvestitionen getätigt werden. Bauin- vestitionen dürften dank eines dynamischen Wohnungsbaus solide wach- sen. Die Nettoexporte werden wohl auch etwas zum Wachstum beitragen. Exporte dürften vom schwächeren Euro und der moderaten Beschleunigung der Weltwirtschaft profitieren. Q4 2014: Starkes Wachstum zum Jahresende (+0,7% gg. Vq.) Die deutsche Wirtschaft expandierte mit 0,7% gg. Vq. im vierten Quartal 2014 überraschend stark und beendete damit die Stagnationsphase des Sommer- halbjahres. Innerhalb der Gruppe der größten Industrieländer war dies das höchste Wachstum. Im Vergleich zum Vorjahresquartal und im Jahresdurch- schnitt lag das Wirtschaftswachstum bei 1,6%. Das starke Schlussquartal liefert eine gute Ausgangsbasis für das Jahr 2015 (Überhang: 0,5%-Punkte). Die deutsche Wirtschaft zeigte sich dank der binnenwirtschaftlichen Stärke robust gegenüber dem anhaltenden internationalen Gegenwind durch die hohen geo- politischen Risiken und die enttäuschende Entwicklung des Welthandels. Dieser expandierte, strukturell bedingt, seit dem Jahr 2012 schwächer als die Weltwirt- schaft. 1 Diese internationalen Faktoren belasten nach wie vor die Nachfrage nach deutschen Produkten im Ausland und die Bereitschaft der deutschen Unternehmen, ihre Kapazitäten durch Erweiterungsinvestitionen zu erhöhen. 1 Siehe für weitere Details Peters, H. und S. Schneider (2014). Sluggish global trade: cyclical or structural? Deutsche Bank Research. Global Economic Perspectives. 25. November 2014. - 3 - 2 - 1 0 1 2 3 - 1,0 - 0,8 - 0,6 - 0,4 - 0,2 0,0 0,2 0,4 0,6 0,8 1,0 12 13 14 15 % gg. Vq. (links) % gg. Vj. (rechts) Deutsche Konjunkturentwicklung 16 Reales BIP (% gg. Vq.; % gg. Vj.) Quellen: Statistisches Bundesamt, Deutsche Bank Research - 0,8 - 0,4 0,0 0,4 0,8 Reales BIP Privater Konsum Staatskonsum Ausrüstungsinv. Bauinvestitionen Lager Außenbeitrag Q3 14 Q4 14 Wachstumsbeitrag zum realen BIP Wachstum, % gg. Vq., % - Punkte Quelle: Statistisches Bundesamt Starkes binnenwirtschaftlich getriebenes Wachstum in Q4 2014 17 - 15 - 10 - 5 0 5 10 15 - 4 - 3 - 2 - 1 0 1 2 3 4 11 12 13 14 15 % gg. Vq. (links) % gg. Vj. (rechts) Ausrüstungsinvestitionen 18 Quellen: Statistisches Bundesamt, Deutsche Bank Research Unternehmensfinanzierung & Konjunktur in Deutschland 7 | 4. März 2015 Monitor Unternehmensfinanzierung Die Binnenwirtschaft war der Hauptwachstumstreiber im vierten Quartal (Wachs- tumsbeitrag: 0,5%-Punkte). Der private Konsum stieg erneut deutlich an (jeweils 0,8% gg. Vj. in Q4 und Q3), das stärkste durchschnittliche Halbjahreswachstum seit dem Winterhalbjahr 2010/11. Dies geht auf das Zusammenspiel mit der posi- tiven Arbeitsmarktentwicklung zurück, nicht zuletzt wegen des hohen Zustroms an Zuwanderern und hoher Realeinkommensgewinne aufgrund des Verfalls der Ölpreise. — Der Ölpreisrückgang sorgte für einen Rückgang der Energiekomponente des Verbraucherindexes um etwa 3,5% gg. Vq. Bei einem Anteil von etwa 10% am Warenkorb bedeutet dies ceteris paribus eine Ersparnis von 0,4% bei den nominalen Konsumausgaben der privaten Haushalte. Diese Gelder dürften zunächst zum Teil gespart werden. Bei den unteren Einkommens- gruppen dürften sie aber fast vollständig verkonsumiert werden. Die Spar- quote stieg im vierten Quartal auf 9,8% des verfügbaren Einkommens (Q3: 9,2%). — Der seit Ende 2009 andauernde Beschäftigungsboom setzte sich im vierten Quartal fort. Die Beschäftigung kletterte auf den neuen Höchststand von 42,7 Millionen Personen und die Erwerbsquote stieg auf 54,2% (Q4 2009: 53,6%). Die harmonisierte Arbeitslosenquote fiel auf 4,6%, die niedrigste innerhalb der Eurozone. Hinzu kommt ein starker Lohnzuwachs. Die Tarif- löhne stiegen um 2,8% gg. Vj. und die Arbeitnehmerentgelte je Stunde um 1,6% gg. Vj., was angesichts der niedrigen Inflation von 0,5% gg. Vj. zu kräftigen Reallohnerhöhungen führte. — Die Nettozuwanderung erhöhte sich im Jahr 2014 noch einmal auf mehr als 470.000 Personen. Die Hauptherkunftsländer waren Rumänien (98.000 Zu- züge in H1), Polen (96.000) und Bulgarien (38.000), wobei der hohe Zu- strom aus Rumänien und Bulgarien auf die Öffnung des deutschen Ar- beitsmarktes für diese Länder zurückzuführen ist. Der Großteil davon integ- rierte sich direkt in den Arbeitsmarkt, was approximativ anhand des stärke- ren Anstiegs der Beschäftigung relativ zum Rückgang der Arbeitslosigkeit bestimmbar ist (Arbeitslose: -52.000; Beschäftigung +372.000; Differenz: 320.000). Im Vergleich zum Vorjahr stiegen die Konsumausgaben vor allem für übrige Verwendungszwecke (bspw. Gesundheitspflege, Bildungswesen, Versiche- rungs- und Finanzdienstleistungen), Verkehr und Nachrichtenübermittlung so- wie Nahrungsmittel, Getränke und Tabakwaren. Die Bruttoinvestitionen waren insgesamt wachstumsneutral im vierten Quartal. Der Rückgang beim Lagerabbau kompensierte den Anstieg der Bruttoanlagein- vestitionen, die in den beiden Quartalen davor deutlich zurückgegangen waren. Die Bauinvestitionen stiegen unterstützt von günstiger Witterung um 2,1% gg. Vq. und lagen damit wieder um 1,8% über dem Vorjahresniveau. Der Anstieg bei den Nichtwohnbauten war dabei stärker als bei den Wohnbauten (2,6% vs. 1,8% gg. Vq.). Treiber waren die Bauinvestitionen des Staates in Nichtwohnbau- ten (8,0% gg. Vq.). Die Ausrüstungsinvestitionen stiegen dagegen nur verhalten (0,6% gg. Vq.). Dies dürften aber weiter hauptsächlich Ersatzinvestitionen ge- wesen sein, da die Unternehmen bei einer nur etwas über dem historischen Durchschnitt liegenden Kapazitätsauslastung (Q4: 84,2 vs. 83,6%), erhöhten geopolitischen Risiken und verhaltener Auslandsnachfrage vorsichtig agierten. Am höchsten und deutlich über dem langfristigen Durchschnitt war die Kapazi- tätsauslastung im Automobilsektor. Relativ deutlich unter dem langfristigen Durchschnitt war die Kapazitätsauslastung im Maschinenbau, der am anfälligs- -25 -20 -15 -10 -5 0 5 10 15 00 02 04 06 08 10 12 14 Bauinvestitionen Ausrüstungsinvestitionen Investitionen, insgesamt % gg.Vj. Quelle: Statistisches Bundesamt Zarte Belebung bei Investitionen in Q4 19 - 3 - 2 - 1 0 1 2 3 4 5 13 14 Ernährungsgew.; Getränke Chemie Pharma Kunststoffwaren Metallerz. u. - bearb. Metallerzeugnisse Elektrotechnik Maschinenbau Automobilindustrie Weitere Verarb. Gewerbe (% gg. Vj.) Wachstumsbeiträge, % - Punkte; % gg. Vj. (Laufender 3 - Monats - Durchschnitt) Quellen: Statistisches Bundesamt, Deutsche Bank Research Noch moderates Wachstum bei Industrieproduktion 20 Unternehmensfinanzierung & Konjunktur in Deutschland 8 | 4. März 2015 Monitor Unternehmensfinanzierung ten für die durch den Ölpreiseinbruch merklich verschlechterten Perspektiven der Ölstaaten ist. 2 Vom Außenhandel kamen im vierten Quartal moderate Wachstumsimpulse. Die preisbereinigten Exporte stiegen mit 1,3% gg. Vq. und lagen damit 4,7% über dem Vorjahresniveau. Das Wachstum der Importe war im Vergleich dazu schwächer (+1,0% gg. Vq; 3,7% gg. Vj.), und damit trugen die Nettoexporte 0,2%-Punkte zum Q4 BIP-Wachstum bei. Die Nachfrage nach deutschen Produkten – insbesondere Autos – war beson- ders stark in China, den USA und dem Vereinigten Königreich. Dämpfend wirkte die Russland/Ukraine-Krise. Die Exporte nach Russland, die etwa 2,5% der Gesamtexporte ausmachen, gingen im Jahr 2014 um 18% zurück, was 0,7%- Punkte Exportwachstum kostete. 2 Heymann, E. und H. Peters (2015). Deutsche Exporte in die Ölstaaten sinken 2015. Deutsche Bank Research. Aktuelle Themen. 24. Februar 2015. 75 80 85 90 95 Metall - erzeugnisse Chemie Ver. Gewerbe Maschinen - bau Elektro - technik Metall - erzeugnung Pharma Automobil Q1 2015 H2 2014 2014 Durchschnitt seit 2000 Kapazitätsauslastung, sb., % Quelle: ifo Auslastung der Industrieunternehmen in Q1 gestiegen, aber nur leicht über langfristigem Durchschnitt 22 - 2,0 - 1,5 - 1,0 - 0,5 0,0 0,5 1,0 1,5 2,0 - 30 - 20 - 10 0 10 20 30 10 11 12 13 14 15 Welthandel (links) Deutsche Güterexporte (links) PMI Neue Exportaufträge* (rechts) ifo Exporterwartungen* (rechts) * Vorlauf von 3 Monaten Stimmungsindikatoren für den Export zuletzt wieder gestiegen 23 % gg. Vj. (3 - Monatsdruchschnitt, links), standardisierte Werte (rechts) Quellen: Deutsche Bundesbank, ifo, Markit, Deutsche Bank Research - 1,0 - 0,5 0,0 0,5 1,0 1,5 2,0 2,5 Q4 13 Q1 14 Q2 14 Q3 14 Q4 14 14 15P 16P Privater Konsum Staatskonsum Ausrüstungsinvestitionen Bauinvestitionen Lager Außenbeitrag Reales BIP Wachstumsbeiträge zum realen BIP - Wachstum, gg. Vq., % - Punkte Quellen: Statistisches Bundesamt, Deutsche Bank Research Binnenwirtschaftlich getriebenes Wachstum 21 Unternehmensfinanzierung & Konjunktur in Deutschland 9 | 4. März 2015 Monitor Unternehmensfinanzierung Anhaltend kräftiges Wachstum in Q1 Der Ölpreiseffekt und die gute Arbeitsmarktlage dürften auch im ersten Quartal für ein kräftiges binnenwirtschaftliches Wachstum sorgen. Wir rechnen mit ei- nem Wachstum von 0,5% gg. Vq., was im Einklang mit den Stimmungsindikato- ren (ifo, PMI) steht. Deutliche Aufwärtsrevision unserer BIP-Prognose für 2015 auf 2,0% Seit der letzten Veröffentlichung des Monitors Unternehmensfinanzierung über- raschten die Konjunkturdaten mehrheitlich deutlich positiv. Angezeigt wurde dies durch den Sprung des DB Marko-Überraschungsindexes in den positiven Bereich Ende des Jahres. Der überraschend kräftige Einbruch des Ölpreises und die deutliche Abschwächung des handelsgewichteten Euro infolge des wei- ter gelockerten Kurses der EZB hellten den Konjunkturausblick für Deutschland merklich auf, sodass wir unsere BIP-Prognose für 2015 kürzlich auf 2,0% ange- hoben haben (2014: 1,6%). Im Dezember lag unsere Prognose noch bei 1,0%. Ohne die geopolitischen Risiken, insbesondere den Russland/Ukraine-Konflikt, sowie die Belastungen durch die beiden großen Reformprojekte der großen Koalition würde das Wachstum wohl noch höher ausfallen. Der Mindestlohn in Höhe von EUR 8,50 dürfte erhebliche Beschäftigungsverluste nach sich ziehen, den (Wieder-)Einstieg in den Arbeitsmarkt von Problemgruppen erschweren und folglich die strukturelle Arbeitslosigkeit erhöhen, was mit negativen fiskalischen Effekten einhergeht. Das Rentenpaket geht ebenfalls in die falsche Richtung und dürfte die demografischen Herausforderungen verschärfen. Mit der Rück- kehr zur Frühverrentung ist es ein Geschenk an die Älteren und eine Belastung für die Jüngeren mit erheblichen negativen Auswirkungen auf die Staatsfinan- zen in der mittleren Frist. Hinzu kommen eine Verschärfung des Fachkräfte- mangels und ein deutlicher Verlust an betriebsspezifischem Humankapital. Der Hauptwachstumstreiber dürfe im Jahr 2015 weiter die Binnenwirtschaft sein, auf die etwa 80% des Wachstums zurückgehen. Der private Konsum dürfte mit etwas über 2% so stark wachsen wie seit 3 Jahren nicht mehr. Die Beschäfti- gung dürfte dank der zugrundliegenden Konjunkturdynamik und der weiter ho- hen Nettozuwanderung neue Höchststände erklimmen, wobei der Mindestlohn dämpfend wirkt. Die Arbeitslosigkeit dürfte im Jahresdurchschnitt zwar auf 6,5% (2014: 6,7%) fallen, aber wir rechnen in der zweiten Jahreshälfte mit einem leichten Anstieg infolge des Mindestlohns. Die Tariflöhne dürften dieses Jahr mit etwa 3% erneut deutlich steigen, real ergibt sich der höchste Zuwachs seit 15 Jahren. Für die Metall- und Elektroindustrie in Baden-Württemberg einigten sich die Tarifvertragsparteien kürzlich auf einen Entgeltanstieg um 3,4% ab April 2015 und eine Einmalzahlung von EUR 150. Für die weitere Tarifrunde 2015 rechnen wir mit etwas geringeren Abschlüssen, darunter sind die chemische Industrie und der öffentliche Dienst (Länder) die bedeutendsten Sektoren. Durch die Einführung des Mindestlohns dürften die Arbeitnehmerentgelte mit 4 bis 4 ½% sogar noch stärker steigen. Die deutschen Exporte dürften sich zwar in den nächsten Monaten noch verhal- ten entwickeln, im Verlauf des Jahres 2015 aber, dank des schwächeren Euro und einer moderaten Erholung der Weltkonjunktur, etwas stärker zulegen. Im Jahresdurchschnitt rechnen wir mit einem Exportwachstum von gut 5%, wobei die Exporte in die Ölstaaten sich schwach entwickeln dürften. Die Importe dürf- ten dank des kräftigen Konsums der privaten Haushalte um 5% steigen. Die Nettoexporte dürften damit 0,4%-Punkte zum BIP-Wachstum beitragen. -0,6 -0,4 -0,2 0,0 0,2 0,4 0,6 Jan 14 Apr 14 Jul 14 Okt 14 Jan 15 DB Marko - Überraschungsindex +/ - 1 Standardabweichung Durchschnitt der z-Werte der vergangenen 20 Datenüberraschungen Quellen: Bloomberg Finance LP, Deutsche Bank Research Werte über (unter) 0 bedeuten über (unter) der Markterwartung liegende Datenveröffentlichungen DB Makro-Überraschungsindex Deutschland wieder im pos. Bereich 24 - 4 - 3 - 2 - 1 0 1 2 3 4 5 6 7 13 14 GB US CN RU Weitere Insg. Wachstumsbeitrag % - Punkte, % gg. Vj. Quellen: Statistisches Bundesamt, Deutsche Bank Research Russland schwächt deutsche Exportentwicklung 25 - 4 - 3 - 2 - 1 0 1 2 - 40 - 30 - 20 - 10 0 10 20 08 09 10 11 12 13 14 15 Ausrüstungsinvestitionen (links) Auftragseingänge ** (Inl. Investitionsgüter ohne Transport, links) ifo Exporterwartungen* (rechts) *Vorlauf von * 2Q * *1Q % gg. Vj. (links), standardisierte Werte (rechts) Quellen: ifo, Markit, Statistisches Bundesamt, Deutsche Bank Research Keine merkliche Beschleunigung der Ausrüstungsinvestitionen zu erwarten 26 Unternehmensfinanzierung & Konjunktur in Deutschland 10 | 4. März 2015 Monitor Unternehmensfinanzierung Ausrüstungsinvestitionen: Moderate Erholung im Jahresverlauf Das Umfeld bleibt für Investitionen in Maschinen und Anlagen bei nur leicht über dem langfristigen Durchschnitt liegender Kapazitätsauslastung und zunächst ausbleibenden internationalen Impulsen schwierig. Negativ wirken zudem die Kosteneffekte der Energiewende, des Mindestlohns und der Rentenreform. Die von uns im weiteren Jahresverlauf erwartete moderate Erholung der Weltkon- junktur und das weiter extrem niedrige Zinsniveau dürften im Jahresverlauf für eine Erholung der Ausrüstungsinvestitionen sorgen. Im Jahresdurschnitt 2015 dürften die Ausrüstungsinvestitionen um 3,8% steigen, nach 4,3% im Jahr 2014. Solides Wachstum der Bauinvestitionen Die Bauinvestitionen dürften 2015 um rund 2,7% zulegen (2014: 3,6%). Dank historisch niedriger Kreditzinsen (2,12%, Zinsbindung 5-10J.), geringerer Renditen alternativer Anlageklassen, guter Arbeitsmarktlage und erhöhter Nettozuwande- rung dürfte sich der Wohnungsbau , der 60% der Bauinvestitionen ausmacht, wei- ter positiv entwickeln. Etwas schwächerer Anstieg der Immobilienpreise Die seit Anfang 2008 andauernde Aufwärtsbewegung der Immobilienpreise dürf- te sich etwas abgeschwächt fortsetzen. Deutschlandweit lagen die Preise in den ersten 3 Quartalen 2014 etwa 5 ¼% (2013: 7 ¼%) über dem Vorjahresniveau – für die „Top-7“-Städte sogar etwa 6% (2013: 9%). Die Angebotsausweitung dämpft dabei etwas. Die Zahl der Baugenehmigungen stieg 2014 um 4% gg. Vj. und deutet auf eine Ausweitung der Fertigstellungen von Wohneinheiten von etwa 225.000 hin. Die Nachfrage nach Immobilien dürfte durch die günstigen Finanzierungsbedingungen, die geringen Rendite alternativer Anlagen, die er- höhte Zuwanderung, die weitere Urbanisierung und die Verringerung der durch- schnittlichen Haushaltsgröße weiter steigen. Per Saldo dürfte sich damit der Preisdruck nur leicht abschwächen. Während in einigen Großstädten die Preise bereits überbewertet sein könnten, sind im Bundesdurchschnitt keine Übertrei- bungen feststellbar. Die Preisveränderungen sind, verglichen mit historischen Preisanstiegsphasen und Immobilienbooms in anderen Ländern, relativ gering. Zudem liegen die Erschwinglichkeitsindizes immer noch deutlich unter ihrem langfristigen Durchschnitt und zeigen im internationalen Vergleich eine Unter- bewertung. Bei den Hypothekenkrediten ist zuletzt ein leichtes Anziehen auf 3% gg. Vj. zu beobachten. Mit den zuletzt etwas langsameren Immobilienpreisanstiegen schwächte sich der Anstieg der Kaltmieten (ohne Energie, 21% am CPI) ab auf zuletzt 1,3% gg. Vj. (Jan. 2015). Die Unterschiede zwischen den Bundesländern sind erheblich (0,5% gg. Vj. im Saarland und Sachsen bis 1,9% in Niedersachsen). Größere Mieterhöhungen kommen zumeist nur regional begrenzt in den Ballungszentren vor. 0 1 2 3 4 5 6 7 8 00 01 02 03 04 05 06 07 08 09 10 11 12 13 14 15 Effektivzins für Wohnimmobilienkredite, 5 - 10 - J Zinsbindung 10 - J Bundesanleihen Leitzins in % Quellen: Bundesbank, EZB, Deutsche Bank Research Baufinanzierung: weiterhin niedriges Zinsniveau 27 Unternehmensfinanzierung & Konjunktur in Deutschland 11 | 4. März 2015 Monitor Unternehmensfinanzierung Stagnation bei Konsumentenpreisen Mit dem Einbruch des Ölpreises, der aktuell über 40% unter dem Vorjahres- niveau liegt, fielen die Energiepreise (CPI-Komponenten) um 9% gg. Vj. Die Verbraucherpreise lagen damit zuletzt 0,1% über dem Niveau des Vorjahres, wobei die Kerninflation relativ stabil bei etwa 1% liegt. Rohstoffpreise dürften weiter dämpfen. Die Abschwächung des Euro dürfte dies aber zum Teil kom- pensieren. Wir rechnen mit einer Stagnation der Konsumentenpreise in diesem Jahr (2014: 0,9%). Im Jahr 2016 dürften die Verbraucherpreise aufgrund kräfti- gen inländischen Wachstums und einer erwarteten Aufwärtsbewegung der Öl- preise um 1,5% steigen. Heiko Peters (+49 69 910-21548, heiko.peters@db.com) Prognosen Deutschland: BIP-Wachstum nach Komponenten, % gg.Vq., Jahresdaten % gg.Vj. 29 2012201320142015P2016PQ1Q2Q3Q4Q1PQ2PQ3PQ4P BIP0,40,11,62,01,70,8-0,10,10,70,50,40,40,3 Privater Konsum0,70,81,22,10,90,60,00,80,80,50,40,40,3 Staatsausgaben1,20,71,11,00,40,10,60,60,20,10,20,30,2 Anlageinvestitionen-0,7-0,63,42,52,33,0-1,7-1,21,20,90,51,00,6 Ausrüstungen-3,1-2,44,33,83,82,00,6-1,40,41,20,92,01,0 Bau0,6-0,13,62,72,14,5-3,7-1,52,11,00,40,70,6 Lager, %-Punkte-1,40,2-0,4-0,30,1-0,10,1-0,5-0,20,00,10,10,0 Exporte2,81,63,95,15,0-0,41,02,01,30,70,91,01,2 Importe0,03,13,45,04,5-0,31,21,31,00,71,21,51,5 Nettoexport, %-Punkte1,3-0,50,40,40,6-0,10,00,40,20,1-0,1-0,1-0,1 Konsumentenpreise*2,01,50,90,01,51,21,10,80,5-0,3-0,10,10,5 Arbeitslosenquote, %6,86,96,76,56,66,86,76,76,66,56,56,56,6 Industrieproduktion-0,40,11,41,72,0 Budgetsaldo, % BIP0,10,00,60,60,7 Öffentlicher Schuldenstand, % BIP81,078,473,369,365,8 Leistungsbilanzsaldo, % BIP7,16,77,48,48,2 Leistungsbilanzsaldo, EUR Mrd.196189215253257 Quellen: Statistisches Bundesamt, Deutsche Bundesbank, Arbeitsagentur, Deutsche Bank Research 20142015 *Inflationsdaten für Deutschland basieren auf nationaler Abgrenzung. Dies kann zu Diskrepanzen zu anderen DB Publikationen führen. © Copyright 2015. Deutsche Bank AG, Deutsche Bank Research, 60262 Frankfurt am Main, Deutschland. Alle Rechte vorbehalten. Bei Zitaten wird um Quellenangabe „Deutsche Bank Research“ gebeten. Die vorstehenden Angaben stellen keine Anlage-, Rechts- oder Steuerberatung dar. Alle Meinungsaussagen geben die aktuelle Einschätzung des Verfassers wieder, die nicht notwendigerweise der Meinung der Deutsche Bank AG oder ihrer assoziierten Unternehmen entspricht. Alle Meinungen können ohne vorherige Ankündigung geändert werden. Die Meinungen können von Einschätzungen abweichen, die in anderen von der Deutsche Bank veröffentlichten Dokumenten, einschließlich Research-Veröffentlichungen, vertreten werden. Die vorstehenden Angaben werden nur zu Informations- zwecken und ohne vertragliche oder sonstige Verpflichtung zur Verfügung gestellt. Für die Richtigkeit, Vollständigkeit oder Angemessenheit der vorste- henden Angaben oder Einschätzungen wird keine Gewähr übernommen. In Deutschland wird dieser Bericht von Deutsche Bank AG Frankfurt genehmigt und/oder verbreitet, die über eine Erlaubnis zur Erbringung von Bank- geschäften und Finanzdienstleistungen verfügt und unter der Aufsicht der Europäischen Zentralbank (EZB) und der Bundesanstalt für Finanzdienstlei- stungsaufsicht (BaFin) steht. Im Vereinigten Königreich wird dieser Bericht durch Deutsche Bank AG, Filiale London, Mitglied der London Stock Ex- change, genehmigt und/oder verbreitet, die von der UK Prudential Regulation Authority (PRA) zugelassen wurde und der eingeschränkten Aufsicht der Financial Conduct Authority (FCA) (unter der Nummer 150018) sowie der PRA unterliegt. In Hongkong wird dieser Bericht durch Deutsche Bank AG, Hong Kong Branch, in Korea durch Deutsche Securities Korea Co. und in Singapur durch Deutsche Bank AG, Singapore Branch, verbreitet. In Japan wird dieser Bericht durch Deutsche Securities Limited, Tokyo Branch, genehmigt und/oder verbreitet. In Australien sollten Privatkunden eine Kopie der betreffenden Produktinformation (Product Disclosure Statement oder PDS) zu jeglichem in diesem Bericht erwähnten Finanzinstrument beziehen und dieses PDS berücksichtigen, bevor sie eine Anlageentscheidung treffen. - 1,5 - 1,0 - 0,5 0,0 0,5 1,0 1,5 2,0 2,5 11 12 13 14 15 Kern Nahrungsmittel Energie Insg. (% gg. Vj.) Wachstumsbeiträge % - Punkte; % gg. Vj. Quellen: Statistisches Bundesamt, Deutsche Bank Research Energie dämpfte zuletzt Preisanstiege 28
2.3.3