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  4. Ausblick Deutschland
3. Juli 2018
Der Sommerbeginn war geprägt von zahlreichen politischen Irritationen, die auch nicht ohne Einfluss auf Konjunktur und Märkte bleiben. Der anhaltende Handelskonflikt zwischen den USA und der EU droht sich über die Zölle auf Stahl und Aluminium hinaus auf die EU-Autoexporte in die USA auszuweiten. Davon wäre insbesondere die exportorientierte deutsche Autoindustrie betroffen. Im Asylstreit haben sich die Koalitionsparteien CDU und CSU auf einen Kompromiss geeinigt, der im Einklang mit den Beschlüssen des EU-Gipfels aus der letzten Woche steht. Damit sollte nun die Rückkehr zu einer konstruktiven Regierungsarbeit möglich sein. Mit Blick auf die Unsicherheiten im wirtschaftspolitischen und konjunkturellen Umfeld sehen wir unsere jüngste Anpassung der deutschen BIP-Wachstumsprognose für 2018 auf 2,0% (zuvor 2,3%) als wohlbegründet an. [mehr]
Ausblick Deutschland Automobilindustrie: Handelspolitische, konjunkturelle und regulatorische Pro- bleme nehmen zu. Die aktuellen Herausforderungen für die deutsche Automo- bilindustrie umfassen die Handelspolitik mit den USA, die Folgen des Brexit- Beschlusses, eine konjunkturelle Abkühlung in vielen Automärkten, den nicht gelösten Diesel-Skandal sowie Verzögerungen durch den neuen Abgastest WLTP. Jedes Problem für sich genommen wiegt bereits schwer. Angesichts des recht guten konjunkturellen Umfeldes reichen sie aber wahrscheinlich nicht aus, um den „perfekten Sturm“ zu erzeugen. Gleichwohl drücken sie das Wachstum der Branche. Die stückzahlmäßige Pkw-Produktion Deutschlands dürfte 2018 sinken. Gemessen am Produktionsindex, der auch qualitative Komponenten umfasst, dürfte kaum mehr als ein Plus von 1% möglich sein. Da die Automobil- industrie ein wichtiger Auftraggeber für andere Industriezweige und Dienstleis- tungsbranchen ist, wären negative gesamtwirtschaftliche Folgen unvermeidbar, sollten eines oder mehrere Probleme weiter eskalieren. Stabiler Einzelhandel trotz konjunktureller Fragezeichen. Umsätze des Einzel- handels robust trotz Konjunktureintrübung. Digitalisierung und neue Vertriebs- formen setzen klassischen Einzelhandel unter Druck. Digitaler Wettlauf erfordert Mindestgrößen des Handelsunternehmens. Für Franchisebetriebe und kleine Händler in der Fläche bleiben viele Herausforderungen. Ladenkassen werden perspektivisch zum Auslaufmodell. EZB: Spiel auf Zeit – und Spekulation auf Erholung. Die EZB puffert ihre falken- haften Schritte seit einiger Zeit mit taubenhaften Gegenmaßnahmen ab. Sie will ihre Nettokäufe im Rahmen der QE zum Jahresende 2018 einstellen. Die An- kündigung war jedoch außerordentlich taubenhaft formuliert, denn die Verringe- rung der QE im vierten Quartal hänge davon ab, dass die Ausstiegskriterien auch im September noch erfüllt seien. Zudem hat sich die EZB in ungewöhnli- cher Weise darauf festgelegt, den Leitzins bis zum Sommer 2019 unverändert zu lassen. Angesichts der Richtung der Konjunkturdaten und der zunehmenden Makrorisiken hatten wir damit gerechnet, dass die EZB bei der Pressekonferenz eine ausgeglichene Botschaft verkünden werde. Die Zentralbank gab sich je- doch taubenhaft, weshalb wir den ersten Zinsschritt jetzt nicht mehr im Juni, sondern im September 2019 erwarten. CDU/CSU: Einigung in letzter Minute. Auf Druck der Bundestagsfraktion haben sich die Spitzen von CDU und CSU geeinigt. Der Kompromiss zeigt jedoch, dass es in der Regierungskrise zuletzt immer weniger um die Kontroverse über den asylpolitischen Kurs ging. Der EU-Gipfel hatte im Rahmen einer grundsätz- lich europäischen Lösung der Asylfrage auch für diese Form des nationalen Vorgehens einen politischen Rahmen geschaffen. Reine unilaterale Zurückwei- sungen von registrierten Asylbewerbern ohne vertragliche Absprachen mit den Partnern sind auch nach dem CDU/CSU-Kompromiss nicht vorgesehen. Autoren Josef Auer +49 69 910-31878 josef.auer@db.com Barbara Böttcher (+49) 69 910-31787 barbara.boettcher@db.com Dieter Bräuninger (+49) 69 910-31708 dieter.braeuninger@db.com Eric Heymann +49 69 910-31730 eric.heymann@db.com Stefan Schneider +49 69 910-31790 stefan-b.schneider@db.com Editor Stefan Schneider Deutsche Bank AG Deutsche Bank Research Frankfurt am Main Deutschland E-Mail: marketing.dbr@db.com Fax: +49 69 910-31877 www.dbresearch.de DB Research Management Stefan Schneider Inhaltsverzeichnis Seite Prognosen ......................................................2 Automobilindustrie: Handelspolitische, konjunkturelle und regulatorische Probleme nehmen zu......................................................3 Stabiler Einzelhandel trotz konjunktureller Fragezeichen .................................................8 EZB: Spiel auf Zeit – und Spekulation auf Erholung .......................................................13 CDU/CSU: Einigung in letzter Minute ........16 DB Makro-Überraschungsindex Deutschland .................................................17 Datenkalender ..............................................18 Finanzmarktprognosen ................................18 Datenmonitor ................................................19 Original in englischer Sprache: 29.06.2018 3. Juli 2018 T urbulenter Sommerauftakt Turbulenter Sommerauftakt 2 | 3. Juli 2018 Ausblick Deutschland Wachstum, Inflation, Leistungsbilanz, Budgetsaldo DX BIP-Wachstum Inflation* Leistungsbilanzsaldo Budgetsaldo in % gg. Vj. in % gg. Vj. in % des BIP in % des BIP 2017 2018P 2019P 2017 2018P 2019P 2017 2018P 2019P 2017 2018P 2019P Euroland 2,6 2,1 1,7 1,5 1,8 1,6 3,5 3,3 2,7 -0,9 -0,6 -0,6 Deutschland 2,2 2,0 1,8 1,8 1,6 1,8 8,0 6,8 6,4 1,2 1,2 1,0 Frankreich 2,3 1,8 1,6 1,2 1,9 1,5 -0,6 -0,4 -0,4 -2,6 -2,1 -2,8 Italien 1,5 1,3 1,0 1,3 1,2 1,5 2,9 3,1 3,2 -2,3 -1,7 -1,2 Spanien 3,0 2,8 2,5 2,0 1,5 1,7 1,9 1,6 1,4 -3,1 -2,1 -1,3 Niederlande 2,9 2,5 2,5 1,3 1,3 1,8 10,5 10,2 10,1 1,1 0,5 0,4 Belgien 1,7 1,9 1,8 2,2 1,9 1,7 -0,2 -0,7 -1,0 -1,0 -1,0 -1,0 Österreich 3,1 3,0 2,3 2,2 2,1 1,8 1,9 2,4 2,7 -0,7 -0,6 -0,3 Finnland 2,7 2,3 2,1 0,8 1,2 1,4 0,7 0,5 0,5 -0,6 -0,3 -0,3 Griechenland 1,3 2,3 2,2 1,1 0,6 1,0 -0,8 -0,5 0,0 0,8 1,5 2,0 Portugal 2,7 2,2 1,7 1,6 1,0 1,5 0,7 0,4 0,2 -3,0 -1,0 -1,0 Irland 7,8 5,4 3,3 0,3 1,0 1,3 12,5 6,0 3,0 -0,3 0,1 -0,4 Großbritannien 1,7 1,3 1,6 2,7 2,4 2,1 -3,9 -3,8 -3,5 -1,5 -1,9 -1,4 Dänemark 2,3 2,0 1,9 1,1 1,5 1,6 7,8 7,5 7,0 0,9 -0,5 -0,5 Norwegen 2,0 2,2 2,0 1,9 1,9 1,8 5,5 6,0 5,5 4,4 4,0 5,0 Schweden 2,5 2,7 2,4 1,8 1,9 2,0 3,3 4,0 4,0 1,3 1,0 0,5 Schweiz 1,1 2,2 1,8 0,5 0,5 0,6 9,8 11,2 11,4 0,6 0,2 0,2 Tschech. Rep. 4,6 3,4 3,1 2,5 2,1 2,2 1,0 0,6 1,1 1,6 0,8 0,6 Ungarn 4,0 3,8 3,2 2,3 2,9 3,3 2,9 1,9 1,5 -2,0 -2,2 -2,3 Polen 4,6 4,2 3,4 2,0 2,0 2,8 0,3 -0,8 -1,1 -1,6 -2,0 -2,3 USA 2,3 3,0 2,8 2,1 2,6 2,1 -2,9 -3,2 -3,5 -3,4 -3,9 -4,6 Japan 1,7 0,8 0,5 0,5 0,7 0,6 4,0 4,1 4,4 -2,8 -2,6 -2,4 China 6,9 6,6 6,3 1,6 2,0 2,4 1,3 0,6 0,3 -3,7 -3,5 -3,5 Welt 3,8 3,9 3,9 2,9 3,2 3,2 *Inflationsdaten für EU-Länder basieren auf harmonisierten Verbraucherpreisindizes außer bei Deutschland. Dies kann zu Diskrepanzen zu anderen DB Publikationen führen. Quellen: Nationale Behörden, Nationale Zentralbanken, Deutsche Bank 2016 2017 2018P 2019P Q1P Q2P Q3P Q4P Q1P Q2P Q3P Q4P BIP 1,9 2,2 2,0 1,8 0,3 0,5 0,5 0,5 0,4 0,4 0,4 0,4 Privater Konsum 2,1 1,8 1,6 1,5 0,4 0,7 0,5 0,5 0,3 0,4 0,3 0,2 Staatsausgaben 3,7 1,5 0,6 1,0 -0,5 0,3 0,3 0,3 0,3 0,3 0,3 0,3 Anlageinvestitionen 3,1 3,3 4,0 3,5 1,7 1,3 1,0 0,8 1,0 0,9 0,9 0,8 Ausrüstungen 2,2 4,0 4,5 3,0 1,2 1,0 1,0 0,5 1,0 0,7 0,7 0,5 Bau 2,7 2,8 4,7 4,9 2,1 1,8 1,2 1,2 1,2 1,2 1,2 1,2 Lager, %-Punkte -0,2 0,2 -0,2 0,0 -0,1 -0,1 0,0 0,0 0,0 0,0 0,0 0,0 Exporte 2,6 4,6 3,8 4,5 -1,0 1,2 1,2 1,2 1,1 1,0 1,0 1,2 Importe 3,9 5,2 3,4 5,1 -1,1 1,4 1,4 1,4 1,2 1,2 1,1 1,2 Nettoexport, %-Punkte -0,3 0,1 0,4 0,0 -0,1 0,0 0,0 0,0 0,0 0,0 0,0 0,1 Konsumentenpreise* 0,5 1,8 1,6 1,8 Arbeitslosenquote, % 6,1 5,7 5,2 4,9 Industrieproduktion** 1,4 3,0 1,8 1,5 Budgetsaldo, % BIP 1,0 1,2 1,2 1,0 Öffentlicher Schuldenstand, % BIP 68,2 64,1 60,3 57,0 Leistungsbilanzsaldo, % BIP 8,5 8,0 6,8 6,4 Leistungsbilanzsaldo, EUR Mrd. 268,8 262,5 229 225 Prognosen Deutschland: BIP-Wachstum nach Komponenten, % gg.Vq., Jahresdaten % gg.Vj. *Inflationsdaten für Deutschland basieren auf nationaler Abgrenzung. Dies kann zu Diskrepanzen zu anderen DB Publikationen führen. ** Verarbeitendes Gewerbe (NACE C) 2018 2019 Quellen: Statistisches Bundesamt, Deutsche Bundesbank, Arbeitsagentur, Deutsche Bank Research Turbulenter Sommerauftakt 3 | 3. Juli 2018 Ausblick Deutschland Automobilindustrie: Handelspolitische, konjunktu- relle und regulatorische Probleme nehmen zu — Die aktuellen Herausforderungen für die deutsche Automobilindustrie um- fassen die Handelspolitik mit den USA, die Folgen des Brexit-Beschlusses, eine konjunkturelle Abkühlung in vielen Automärkten, den nicht gelösten Diesel-Skandal und seine Folgen sowie die Verzögerungen rund um den neuen Abgastest WLTP. — Jedes Problem für sich genommen wiegt bereits schwer. Angesichts der insgesamt recht guten konjunkturellen Rahmenbedingungen reichen die Probleme wahrscheinlich nicht aus, um den „perfekten Sturm“ zu erzeugen. Gleichwohl mehren sich die dunklen Wolken am Autohimmel und drücken auf das Wachstum der Branche. Die stückzahlmäßige Pkw-Produktion Deutschlands dürfte 2018 sinken. Gemessen am Produktionsindex, der auch qualitative Komponenten umfasst, dürfte kaum mehr als ein Plus von 1% möglich sein. — Da die Automobilindustrie ein wichtiger Auftraggeber für andere Industrie- zweige und Dienstleistungsbranchen ist, wären negative gesamtwirtschaftli- che Folgen unvermeidbar, sollten eines oder mehrere der oben genannten Probleme eskalieren. Für Makroökonomen ist derzeit ein Blick auf die Auto- mobilindustrie besonders relevant. Die deutschen Automobilhersteller veröffentlichten in den letzten Quartalen im Durchschnitt sehr ordentliche betriebswirtschaftliche Kennzahlen und konnten ihren Pkw-Absatz in vielen wichtigen Automärkten der Welt steigern. Dies spie- gelt die hohe internationale Wettbewerbsfähigkeit der Branche wider. Die Nach- richten mögen manchen Leser verwundern – vor allem in Deutschland selbst. Denn trotz der aktuell positiven wirtschaftlichen Entwicklung hat die Automobilin- dustrie in den letzten Jahren auch viele negative Schlagzeilen produziert, die die öffentliche Wahrnehmung zum Teil dominiert haben. Tatsächlich ist in der Branche bei Weitem nicht alles eitel Sonnenschein. Vielmehr mehren sich die handelspolitischen, konjunkturellen und regulatorischen Sorgen, von denen die Branche einen Teil selbst zu verantworten hat. Dies hat Einfluss auf die gesamt- wirtschaftliche Entwicklung in Deutschland. US-Importzölle auf Autos werden wahrscheinlicher US-Präsident Trump hat in den letzten Wochen und Monaten wiederholt höhere Zölle auf importierte Autos z.B. aus Europa oder China angedroht. Aktuell ist kaum zu erwarten, dass sich Trump offen zeigt für eine nüchterne Analyse der transatlantischen Handelsbeziehungen, die neben dem Güterhandel auch den Handel mit Dienstleistungen sowie die Salden bei den Primär- und Sekundär- einkommen berücksichtigt. Über alle Teilsalden hinweg erzielten die USA ge- genüber der EU 2017 nämlich einen Überschuss. 1 . Es ist daher (leider) auch müßig zu diskutieren, inwiefern höhere Importzölle der USA nationalen Interes- sen tatsächlich nutzen oder mittelfristig doch eher schaden würden oder wie stichhaltig die Argumente der US-Regierung sind. Letztlich ist die Wahrschein- lichkeit für solche Zölle unzweifelhaft gestiegen. Es wird also relevanter, sich mit einem „Was-wäre-wenn-Szenario“ zu beschäfti- gen. Deutschland wäre von Importzöllen auf Autos stark betroffen. Die USA wa- ren 2017 mit einem Anteil von 12,2% an den gesamten Ausfuhren der Branche der wichtigste Exportmarkt für die Automobilindustrie in Deutschland (entspricht 1 Vgl. Felbermayr, Gabriel (2018). Beobachtungen zur US-Leistungsbilanz. In: ifo Schnelldienst 9/2018. München. 0 10 20 30 US UK CN FR IT ES BE AT PL NL USA wichtigster Exportmarkt für deutsche Automobilindustrie 1 Ausfuhren der Autmobilindustrie in Deutschland nach Exportmärkten, 2017, EUR Mrd. Quelle: Statistisches Bundesamt Turbulenter Sommerauftakt 4 | 3. Juli 2018 Ausblick Deutschland einem Ausfuhrvolumen von EUR 28,6 Mrd.). Die USA konnten dabei ihren Spit- zenplatz verteidigen, obwohl die deutschen Automobilexporte in die USA 2016 und 2017 nominal um insgesamt 16% gesunken waren. Höhere US-Importzölle würden die Ausfuhren der deutschen Automobilindustrie (bei sonst gleichen Bedingungen) schmälern. Der Umfang lässt sich freilich nur grob abschätzen, zumal Zweitrundeneffekte und Wechselkurseffekte das Han- delsvolumen ebenfalls beeinflussen (würden). Ein Zollniveau von 20%, welches zuletzt im Gespräch war, würde natürlich nicht zu einem Rückgang der deut- schen Automobilausfuhren in die USA in gleicher Größenordnung führen. Bei Fahrzeugen der automobilen Oberklasse ist die Preiselastizität der Nachfrage nämlich relativ gering. Gleichwohl könnten die Ausfuhren der Branche in die USA bei einem derartigen Zollsatz um einen Betrag im niedrigen bis mittleren einstelligen Milliardenbereich sinken. Ferner könnten die Renditen pro Fahrzeug zurückgehen, wenn die Autohersteller die Zölle nicht (in vollem Umfang) auf die Verkaufspreise in den USA aufschlagen sollten. Zwar könnte die deutsche Auto- mobilindustrie mit einer höheren Fahrzeugproduktion in den USA auf etwaige Zölle reagieren; dies wäre jedoch kurzfristig nur recht schwer umzusetzen. Nachteilig für die deutsche Automobilindustrie wäre ferner, wenn die USA ge- genüber China ebenfalls höhere Importzölle erheben würden. Auch hierzu gibt es entsprechende Statements von Präsident Trump. Solche Zölle würden mit großer Wahrscheinlichkeit Gegenmaßnahmen von chinesischer Seite auslösen, weshalb die Exporte von Fahrzeugen mit deutschem Markenzeichen, die in den USA produziert werden, nach China verteuert würden. Brexit hinterlässt weiterhin Spuren Die Verhandlungen darüber, wie der Brexit-Beschluss praktisch umgesetzt wer- den könnte, gehen nur sehr schleppend voran. Die Diskussion und Unsicherheit rund um den Brexit sowie die damit zusammenhängende Abwertung des briti- schen Pfunds gegenüber dem Euro haben bereits Spuren im Exportgeschäft der deutschen Automobilindustrie mit UK hinterlassen: 2016 (nominal -6,6%) und 2017 (-8,3%) sind die Ausfuhren der Branche nach UK spürbar gesunken. Immerhin konnte der Abwärtstrend im 1. Jahresdrittel von 2018 mit einem Plus von knapp 1% gegenüber dem entsprechenden Vorjahreszeitraum gestoppt werden. Aber das UK-Geschäft dürfte in den kommenden Monaten und Jahren für die deutsche Automobilindustrie herausfordernd bleiben. Dies gilt sowohl für die Exporte aus Deutschland heraus als auch für die Investitionen deutscher Unternehmen in Fabriken vor Ort. Für die Automobilindustrie in Deutschland sind weitere handelspolitische Irritati- onen im Geschäft mit UK nicht zuletzt deshalb bedeutsam, weil das Land 2017 mit einem Anteil von 10,6% an den gesamten Ausfuhren der deutschen Autoin- dustrie der zweitwichtigste ausländische Absatzmarkt war. Im Jahr 2015 er- reichte der Anteil noch 12,8%. Autokonjunktur schwächt sich in wichtigen Märkten ab Neben den handelspolitischen Problemen mit den beiden wichtigsten Export- märkten der deutschen Automobilindustrie, den USA sowie UK, wird die Stim- mung der Branche auch durch die verschlechterten konjunkturellen Perspekti- ven in wichtigen Absatzmärkten getrübt. So sank der Absatz Light Vehicles (Pkw und Light Trucks) in den USA schon 2017 um knapp 2%, allerdings von hohem Niveau. In den ersten fünf Monaten von 2018 konnte „lediglich“ ein Plus von 1,2% gg. Vj. erzielt werden. Letztlich haben die Fahrzeugverkäufe in den USA aktuell ein Niveau erreicht, bei dem trotz der guten gesamtwirtschaftlichen Entwicklung kaum Spielraum für kräftige Wachstumsraten beim Absatz besteht; 0 10 20 30 40 08 09 10 11 12 13 14 15 16 17 Exporte Importe Exporte der Automobilindustrie in DE in die USA zuletzt rückläufig 2 Dt. Außenhandel mit Waren der Automobil- industrie mit den USA, EUR Mrd. Quelle: Statistisches Bundesamt 0 10 20 30 08 09 10 11 12 13 14 15 16 17 Exporte Importe Quelle: Statistisches Bundesamt Brexit dämpft Handel mit UK 3 Dt. Außenhandel mit Waren der Automobil- industrie mit UK, EUR Mrd. 0 3 6 9 12 15 18 90 92 94 96 98 00 02 04 06 08 10 12 14 16 Light Vehicles Passenger Cars Light Trucks Light Trucks immer beliebter 4 Absatz von Light Vehicles im US-Markt, Mio. Quelle: Bureau of Economic Analysis Turbulenter Sommerauftakt 5 | 3. Juli 2018 Ausblick Deutschland dies gilt nach unserer aktuellen Prognose auch für 2019. Hinzu kommt die an- haltende Verschiebung im US-Markt weg von Pkw hin zu Light Trucks. Hier sind die deutschen Hersteller gegenüber der US-Konkurrenz weniger gut positioniert. 2017 lag der Anteil der Pkw am gesamten Fahrzeugabsatz in den USA nur noch bei 35,6% und ist Anfang 2018 weiter gesunken; 2012 betrug der Pkw-Anteil da- gegen noch über 50%. Auch in Westeuropa ist nach den recht hohen Wachstumsraten bei den Pkw- Neuzulassungen der vergangenen Jahre die Luft nach oben dünner geworden. In den ersten fünf Monaten von 2018 übertrafen die Pkw-Neuzulassungen in der EU-15 das entsprechende Vorjahresniveau um 1,5% (Gesamtjahr 2017: +2,6%, 2016: +6%). Für 2019 rechnen wir mit einem Plus von weniger als 1%. Die nachlassende Dynamik in Westeuropa betrifft den Produktionsstandort Deutsch- land besonders, da ein großer Teil der hier produzierten Fahrzeuge in Europa abgesetzt wird. Schließlich sind auch in China die Zeiten regelmäßiger zweistelliger Wachs- tumsraten beim Pkw-Absatz vorbei, sodass auch der größte Automarkt der Welt künftig von einer geringeren Dynamik geprägt sein wird, natürlich auf sehr ho- hem absolutem Niveau. Hinzu kommt, dass deutsche Autohersteller die Nach- frage in China zu einem großen Teil durch Fabriken vor Ort bedienen. China ist mit Abstand der größte ausländische Produktionsstandort der deutschen Auto- hersteller. Im laufenden Jahr sorgen die Ausfuhren der Branche nach China für starke Impulse: Im 1. Jahresdrittel lagen sie um nominal knapp 25% über dem entsprechenden Vorjahreszeitraum. Hinsichtlich der Autokonjunktur lässt sich in Summe zusammenfassen, dass wir für keinen der wichtigen Absatzmärkte der deutschen Autohersteller einen (deutlichen) Rückgang der Pkw-Nachfrage erwarten. Eine spürbar geringere Wachstumsdynamik wird jedoch die Produktionstätigkeit in Deutschland dämp- fen. Dazu passt, dass die Exporterwartungen der hiesigen Automobilindustrie am aktuellen Rand im negativen Bereich liegen. Angesichts einer Exportquote von 64% (Anteil Auslandsumsatz am Gesamtumsatz) werden die konjunkturel- len Risiken deutlich. Diesel-Skandal und kein Ende Im sogenannten Diesel-Skandal kehrt nach wie vor keine Ruhe ein. Aufgrund immer neuer Vorwürfe an die Automobilindustrie, der politischen Debatte über Vor- und Nachteile von Hardware-Nachrüstungen von älteren Diesel-Pkw sowie über weitere (regional begrenzte) Fahrverbote haben Selbstzünder spürbar Marktanteile verloren. Im Zeitraum von Januar bis Mai 2018 lag der Diesel-An- teil an allen Pkw-Neuzulassungen in Deutschland nur noch bei 32% (2015: 48%). In der EU dürfte der Diesel-Anteil im laufenden Jahr erstmals seit 2001 wieder unter die Marke von 40% fallen. Für die Automobilindustrie ist dies insofern problematisch, als Diesel-Pkw in der Regel teurer sind als Benziner, weshalb die Marktanteilsverschiebung, bei sonst gleichen Bedingungen, zu Umsatzeinbußen führt. Stärker fällt jedoch ins Ge- wicht, dass es der Automobilindustrie bei einem sinkenden Diesel-Anteil schwe- rer fällt, die CO 2 -Grenzwerte für Pkw ab dem Jahr 2020/21 einzuhalten. Denn Diesel-Pkw schneiden bei den CO 2 -Emissionen pro Kilometer aufgrund des niedrigen Verbrauchs grundsätzlich besser ab als Benziner. Zugleich haben Fahrzeuge mit alternativen Antriebstechnologien (Elektromobilität) noch nicht den Weg aus der Nische gefunden, und viele Autokäufer bevorzugen Fahr- zeuge mit stärkerer Motorisierung. Sollte sich an diesen Trends nichts ändern, gerät das Einhalten der CO 2 -Grenzwerte in Gefahr; Strafzahlungen wären dann die Folge. Nicht auszuschließen ist ferner, dass Diesel-Pkw angesichts der ne- 50 60 70 80 90 100 110 120 00 02 04 06 08 10 12 14 16 DE FR IT ES UK Pkw-Neuzulassungen, 2000=100 Quelle: ACEA Pkw-Neuzulassungen: Keine einheitliche Entwicklung 5 10 11 12 13 14 15 00 02 04 06 08 10 12 14 16 18* Geringere Dynamik 6 Pkw-Neuzulassungen in der EU-15, Mio. * Prognose Quellen: ACEA, Deutsche Bank Research 0 5 10 15 20 25 30 06 08 10 12 14 16 18* Nur noch moderates Wachstum im chinesischen Automarkt 7 Pkw - Absatz in China, Mio. * Prognose Quellen: CAAM, Deutsche Bank Research Turbulenter Sommerauftakt 6 | 3. Juli 2018 Ausblick Deutschland gativen Erfahrungen der jüngeren Vergangenheit noch stärker in den Fokus um- weltpolitischer Regulierung geraten (z.B. höhere Steuersätze auf Diesel-Kraft- stoff). Die Branche investiert Milliardensummen in energieeffiziente und schad- stoffarme Verbrennungsmotoren sowie in die Elektromobilität & Co. Aber der Kunde entscheidet nach seinen Präferenzen. Zwar dürfte die Nachfrage nach Elektroautos in den kommenden Jahren spürbar anziehen. Allerdings wäre eine sinkende Rendite pro verkauftem Auto vorerst die Folge, was u.a. damit zusam- menhängt, dass in der Produktion von Elektroautos noch zu geringe Größenvor- teile erzielt werden können und die Batteriekosten – trotz sinkender Tendenz – ins Gewicht fallen. Neues Prüfverfahren WLTP: Produktionsausfälle bei bestimmten Modellen Eine weitere regulatorische Herausforderung führt in der Automobilindustrie in den kommenden Monaten zu höheren Kosten und könnte eventuell sogar (tem- poräre) Produktionsausfälle auslösen. Ab September 2018 müssen alle Neuwa- gen nach dem sogenannten Worldwide Harmonized Light Vehicles Test Proce- dure (WLTP) zertifiziert werden, bevor sie zugelassen werden dürfen. Da dies auch für verschiedene Varianten eines Pkw-Modells gilt (z.B. unterschiedliche Motorisierung und Ausstattung) und die Vorlaufzeit für das Einführen des WLTP recht kurz war, sind derzeit alle Prüfstände voll ausgelastet und es kommt zu Verzögerungen bei den Zertifizierungen. Daher haben verschiedene Autoher- steller angekündigt, dass sie bestimmte Modelle (vorübergehend) nicht anbieten werden. Dies ist bei Fahrzeugen, die ohnehin am Ende ihres Produktlebenszyk- lus angelangt sind, weniger dramatisch als bei jüngeren Modellen, die aus Ka- pazitätsgründen schlicht noch nicht zertifiziert werden konnten. Kunden könnten ihre Nachfrage zeitlich nach hinten verschieben, wenn sie sich für noch nicht lieferbare Modelle interessieren, aber beim Autokauf nicht unter Zeitdruck stehen. Dies könnte bei den Herstellern temporär für eine sinkende Kapazitätsauslastung sorgen. Größer wären die negativen Folgen für die inlän- dische Produktion, wenn sich Kunden mit geringer Markentreue für Autos aus- ländischer Anbieter entscheiden würden, bei denen die Zertifizierung schon ab- geschlossen ist. Die Auswirkungen auf die Automobilproduktion in Deutschland wären dagegen gering, wenn die Autokäufer lediglich ein gleichartiges Modell des gleichen Herstellers wählten, statt auf eine spätere Auslieferung zu warten. Unter dem Strich dürfte die WLTP-Zertifizierung die Kosten der Hersteller stär- ker negativ belasten als die inländische Autoproduktion. Bei einem bedeutenden deutschen Automobilhersteller war der Hinweis auf Probleme mit der Zertifizie- rung kürzlich ein Grund für eine Gewinnwarnung. Noch nicht der „perfekte Sturm“, aber mehr dunkle Wolken am Autohimmel Die skizzierten handelspolitischen, konjunkturellen und regulatorischen Prob- leme, mit denen sich die deutsche Automobilindustrie konfrontiert sieht, sind je- des für sich genommen bereits schwerwiegend. Angesichts der insgesamt recht guten konjunkturellen Rahmenbedingungen (wir erwarten für 2018 global eine leicht steigende Autonachfrage von etwa 2%) reichen die Probleme wahrschein- lich nicht aus, um den „perfekten Sturm“ zu erzeugen. Gleichwohl mehren sich die dunklen Wolken am Autohimmel. Sie dürften ein Produktionsplus von mehr als 1% im laufenden Jahr verhindern (gemessen am Produktionsindex, der auch qualitative Verbesserungen der Fahrzeuge umfasst). In stückzahlmäßiger Be- trachtung dürfte die Automobilproduktion in Deutschland 2018 sogar sinken. Bei einer Eskalation einzelner Problembereiche, etwa des Handelsstreits, wären die 20 30 40 50 60 00 02 04 06 08 10 12 14 16 EU-15 DE Quelle: ACEA Diesel - Anteil sinkt spürbar 8 Anteil von Diesel - Pkw an allen Pkw - Neuzulassungen, % 70 80 90 100 110 120 10 11 12 13 14 15 16 17 18 Produktion Aufträge Deutsche Automobilindustrie: 2018 geringeres Wachstum als 2017 9 Quelle: Statistisches Bundesamt Automobilindustrie in DE, 2015=100, sb., gleitender 3-Monatsdurchschnitt Turbulenter Sommerauftakt 7 | 3. Juli 2018 Ausblick Deutschland negativen Auswirkungen auf die inländische Automobilproduktion natürlich noch gravierender. Negative Auswirkungen auf andere Branchen unvermeidbar Die Automobilindustrie in Deutschland ist mit einem Anteil von rd. 20% an der Bruttowertschöpfung des gesamten Verarbeitenden Gewerbes der wichtigste In- dustriezweig in Deutschland und bedeutender Auftraggeber für andere Indust- riebranchen und Dienstleistungssektoren. Ein Blick auf die Input-Output-Rech- nung für Deutschland verdeutlicht diese hohe Bedeutung: Zu den Branchen, die einen hohen Anteil ihrer Vorleistungen an die Automobilindustrie liefern, zählen u.a. der Maschinenbau, die Hersteller von elektrischen Ausrüstungen, die Me- tallindustrie, die Gummi- und Kunststoffwarenindustrie, die Hersteller von Glas und Glaswaren oder die Textilindustrie. Bei den Dienstleistungssektoren sind der Großhandel, die Werbewirtschaft, technische und wirtschaftliche Beratungs- dienstleistungen, der Bereich Verkehr und Logistik oder die Zeitarbeitsbranche zu nennen. Ferner ist die Automobilindustrie ein wichtiger Auftraggeber für ex- terne Forschungsaufträge. Die Aufzählung verdeutlicht, dass bei einer konjunkturellen Schwächephase in der Automobilindustrie negative Auswirkungen auf andere Branchen unvermeid- bar wären. Diese würden sich aufgrund der großen direkten und indirekten Ver- flechtung der Autoindustrie auch in einem geringeren BIP-Wachstum nieder- schlagen. Die zuvor genannten Sektoren dürften sich noch schmerzlich an die Jahre 2008/09 erinnern, als sich der Rückgang in der Automobilproduktion um insgesamt rd. 25% andere Sektoren mit in die Krise riss. Für Makroökonomen ist derzeit ein Blick auf die Automobilindustrie daher besonders relevant. Eric Heymann (+49 69 910-31730, eric.heymann@db.com) 19,6 15,2 12,8 12 7,4 33 Automobilind. Maschinenbau Elektrotechnik Metallindustrie Chemieindustrie Sonstige Automobilindustrie größte Industrie- branche in Deutschland 10 Anteil von Branchen an der Bruttowertschöpfung des ges. Verarbeitenden Gewerbes, 2015, % Quelle: Statistisches Bundesamt Turbulenter Sommerauftakt 8 | 3. Juli 2018 Ausblick Deutschland Stabiler Einzelhandel trotz konjunktureller Frage- zeichen — Umsätze des Einzelhandels robust trotz Konjunktureintrübung. Digitalisie- rung und neue Vertriebsformen setzen klassischen Einzelhandel unter Druck. — Digitaler Wettlauf erfordert Mindestgrößen des Handelsunternehmens. Für Franchisebetriebe und kleine Händler in der Fläche bleiben viele Herausfor- derungen. Ladenkassen werden perspektivisch zum Auslaufmodell. Dank der noch günstigen Binnenwirtschaft bleiben die Rahmenbedingungen des deutschen Einzelhandels im laufenden und kommenden Jahr positiv. Die gute Arbeitsmarktsituation zeigt sich in steigenden Erwerbstätigenzahlen und unerwartet hohen Tarifabschlüssen. Die positive Einkommensentwicklung för- dert die privaten Konsumausgaben. Per Saldo dürfte für den deutschen Einzel- handel (ohne Kfz) 2018 das neunte und 2019 das zehnte Jahr mit nominalem Umsatzplus markieren (je + 2,5%). Preisbereinigt bedeuten die Zuwächse frei- lich lediglich jährliche Umsatzzuwächse um 1%. Vor dem Hintergrund, dass im- mer mehr private Ausgaben für Reisen und Dienste außerhalb des typischen Warenkorbs des Einzelhandels getätigt werden, ist der reale Umsatzzuwachs durchaus beachtlich, bestätigt aber auch, dass der Einzelhandel strukturell schwächer als der private Verbrauch insgesamt wächst. Ein Prognoserisiko sind die derzeitigen Anspannungen in der heimischen Poli- tik, Gesamtwirtschaft sowie der geopolitischen Lage. Diese haben bereits bis Mitte 2018 – trotz der aus Arbeitnehmersicht erfreulichen Lohnabschlüsse – zu einer leichten Eintrübung der Verbraucherstimmung geführt. Nach HDE/HB- Einschätzung ist dies allerdings noch nicht als Trendumkehr zu interpretieren. 2 Die GfK-Einkommenserwartungen lagen zuletzt merklich niedriger als vor einem Jahr, haben sich aber in den letzten Monaten auf solidem Niveau stabilisiert. Im Prognosezeitraum dürften sich absehbar einige Handelszweige recht günstig entwickeln: So profitieren die Fahrradhändler vom steigenden Interesse an im- mer leistungsfähigeren E-Fahrrädern. Die Fußball-WM kommt den Sportartikel- und auch N&G-Anbietern nach dem WM-Aus nicht mehr ganz so zugute wie ur- sprünglich erwartet. Von der gestiegenen Kaufkraft profitieren teurere Anschaf- fungen wie Unterhaltungselektronik und elektrische Haushaltsgeräte. Trotz des jüngsten monatlichen Rückgangs der Anschaffungsneigung befindet sich der In- dex im laufenden 3M-Vergleich weiter auf hohem Niveau. Ob der Einzelhandel mit Wohnmöbeln von der nunmehr schon seit Jahren sehr günstigen Baukon- junktur mehr Impulse erhält als zuletzt, bleibt fraglich; immer noch steht bei vie- len privaten Bauherren die Baufinanzierung im Vordergrund und erst zeitlich später werden – abgesehen vom Kücheninventar – die Wohnzimmer- und sons- tigen Möbelinvestitionen getätigt. Überdies bremst die allmähliche Alterung der Gesellschaft den Möbelabsatz. Anhaltend günstig werden sich wohl der Ver- sand- und Internethandel entwickeln. Dagegen dürfen Bücher, Schuhe und Uh- ren unter dem Durchschnitt des Einzelhandels zurück bleiben. Der Einzelhandel zählt zu den wandlungsfähigsten Wirtschaftsbranchen. Immer wieder neue Herausforderungen wie die Schnelllebigkeit vieler Konsum- und Modetrends, Schmuck- und Sportwaren sowie disruptive Innovationen infolge neuartiger Unterhaltungs- und Mobilgeräte müssen gemeistert werden. Gleich- wohl fordert die gegenwärtige Digitalisierung mit all ihren Facetten die Einzel- händler wie kein Megatrend zuvor. Zwei Beispiele zeigen die Tragweite: 2 Vgl. HDE/HB. Konsumbarometer. Juni 2018. S. 11-13 . -4 -3 -2 -1 0 1 2 3 4 5 02 03 04 05 06 07 08 09 10 11 12 13 14 15 16 17 Einzelhandelsumsatz (ohne Kfz) Privater Konsum Privater Konsum und Einzelhandels- umsätze 1 Quellen: Statistisches Bundesamt, Deutsche Bank Research Real, % gg. Vj., ssb. -1,0 0,0 1,0 2,0 3,0 4,0 5,0 -1,5 -0,5 0,5 1,5 2,5 12 13 14 15 16 17 18 EC Konsumklima GfK Konsumklima Einzelhandelsumsatz Konsumklima und Einzelhandelsumsätze 2 Quellen: Destatis, European Commission, GfK, Deutsche Bank Research Konsumklima, normalisiert (links); % gg. Vj., laufender 3-M Schnitt, ssb (rechts) Turbulenter Sommerauftakt 9 | 3. Juli 2018 Ausblick Deutschland — Zum einen die Tatsache, dass die Digitalisierung vor der Ladenkasse nicht Halt macht und letztlich den Bezahlvorgang wohl völlig revolutionieren könnte. — Zum anderen die Einschätzung, dass der traditionelle Einzelhandel auf- grund der Digitalisierung nicht automatisch vor dem Aus steht, sondern sich mittels modernisierter Vertriebsformate auch in der neuen Digitalwelt be- haupten und dynamisch weiterentwickeln kann. IoT-Regal beendet Stau an Supermarktkasse, beschleunigt Infor- mationsfluss und sammelt wertvolle Nutzer- bzw. Konsumdaten Für Kunden endet der Einkauf im deutschen Einzelhandel immer noch mit dem traditionellen Bezahlvorgang an der Marktkasse. Bar- und Kartenzahlung sind ähnlich zeitaufwendig und das Schlange stehen in Supermärkten stresst. Aber mittlerweile erlauben innovative Technologien wie kontaktlose Karten und Apps auf Mobilgeräten den Händlern, den steigenden Ansprüchen und Bedürfnissen der Kunden gerecht zu werden. Die neuen Techniken sind für beide Seiten vor- teilhaft: Händler, die solche Innovationen nutzen, erzielen schnellere Kassen- durchlaufzeiten, weil nicht zuletzt zeitintensive Kleinbetragszahlungen entfallen, und dank steigender Käuferzufriedenheit eine mit der Zeit höhere Kundenfre- quenz. Für Kunden bedeutet das kontaktlose und einfache bargeldlose Zahlen mehr Komfort, Zeitgewinn und auch Hygiene. 3 In Zukunft könnte der Check-out mit Bezahlvorgang noch sehr viel einfacher er- folgen, vorausgesetzt die Einzelhändler modernisieren ihre Läden mittels soge- nannter Internet-of-Things (IoT)-Regale. Für die Händler hätte die Innovation IoT-Regal gleich mehrere Vorteile: Es identifiziert den potenziellen Kunden vor dem Regal, registriert ob und wieviel Produkte er entnimmt bzw. wieder zurück- legt, und es ermittelt stets automatisch und zeitnah den Warenwert des Ein- kaufskorbs. Der Händler ist immer real time über den Stand seines Warenange- bots informiert, kann damit zeitnah logistisch reagieren und benötigt klassische Kassen allenfalls noch für konservative Käufer, die sich gegen Innovationen stemmen. In Deutschland und Europa wirkt die europäische Datenschutzgrundverordnung, die Ende Mai 2018 in Kraft trat, hier wohl zunächst bremsend. Allerdings zeigt die Historie ähnlich komplexer und grundlegender technischer Herausforderun- gen, dass letztlich wohl auch mit Blick auf den Schutz personenbezogener Da- ten Lösungen gefunden werden dürften. Für den Kunden wäre es ein Vorteil, für den Einkauf nur noch sein Gesicht bzw. seine Biometrie zu benötigen, also auf Bargeld, Karte oder Smartphone verzichten zu können. Das moderne IoT-Regal nutzt lediglich die Vektorstruktur seines Gesichts zur Identifikation und Informati- onsverarbeitung. Aufgrund der besonderen Sensibilitäten deutscher/europäischer Verbraucher und Gerichte besteht die Gefahr, dass heimische IT-Unternehmen zwar die neue Technologie erfunden und marktreif gemacht haben, dass aber deren praktische Nutzung zuerst in Regionen/Ländern erfolgt, in denen der Schutz persönlicher Daten weniger restriktiv interpretiert wird – zuvorderst in dem IT- Lösungen sehr viel offener begegnenden asiatischen Raum. Denkbar ist es selbst im bevölkerungsreichen China, das schon heute über ein modernes E- Commerce verfügt und bis 2025 technologisch in vielen weiteren Wirtschaftsfel- dern führend sein möchte. Kurzfristig bremst die DSGVO Europa zwar bei der Anwendung der neuen Technologie, mittel- und längerfristig könnten sich die Si- cherheitsstandards aber durchsetzen und Europa zum Vorteil gereichen. 3 Zu Details vgl. HDE/girocard. Kontaktlose Zahlungen akzeptieren. Eine Anleitung für Händler. 29.12.2017 . 0 5 10 15 20 25 30 35 40 45 50 0 10 20 30 40 50 60 00 02 04 06 08 10 12 14 16 18 % gg. Vj. Online-Umsatz ohne Umsatzsteuer (li) Online-Umsatz gg. Vj. (re) Online-Umsatz in D steigt weiter 3 Mrd. Euro Quellen: Statistisches Bundesamt, HDE Turbulenter Sommerauftakt 10 | 3. Juli 2018 Ausblick Deutschland Multichannelhändler mit Zukunftschancen trotz Expansion des On- line-Handels, digitaler Herausforderungen & Angriff der Big Techs Seit Jahren expandiert der Online-Handel spürbar stärker als der klassische Einzelhandel. Auch 2018 schneiden die Online-Umsätze mit einem zu erwarten- den Plus von 10% merklich besser ab als das stationäre Handelsgeschäft. Da- mit trägt der Online-Handel wesentlich zum nominalen Wachstum des gesamten Einzelhandels bei. Rund um die Digitalisierung haben sich mit Blick auf Ange- bot, Verfügbarkeit und Beratung vielfältige neue Möglichkeiten für den Online- Handel aufgetan, die zu den frühen Zeiten des Versandhandels noch nicht be- standen. Das rapide und nachhaltige Wachstum des E-Commerce inspiriert nicht nur tra- ditionelle Händler. Es findet auch das Interesse neuer innovativer Unternehmer. Die globale Expansion von Amazon hätte ohne die visionäre Kraft seines Mana- gements nicht stattgefunden. Dabei war die steigende Amazon-Konkurrenz, die mittlerweile auch in Deutschland spürbar ist, nur ein Anfang. In letzter Zeit ha- ben auch andere Größen der neuen Digitalwelt das E-Commerce als Wachs- tumsmarkt identifiziert; und versuchen in der neuen Handelswelt dauerhaft Fuß zu fassen und für eigenes Wachstum zu nutzen. Die Tatsache, dass sich heute nicht alle Internetgrößen gleichzeitig in Deutsch- land im E-Commerce versuchen, sollte nicht fehlinterpretiert werden. Wenn sich nämlich gegenwärtig Google an JD.com beteiligt, um in China zu expandieren, oder bereits zuvor mit der französischen Supermarktgröße Carrefour eine Part- nerschaft vereinbarte, um im Nachbarland voranzukommen, sind dies ernste Vorzeichen auf Entwicklungen im Handel, die in nicht allzu ferner Zukunft auch für neuen und mehr Online-Wettbewerb in Deutschland sprechen. Indem Inter- netgrößen gezielte Partnerschaften mit lokal fokussierten Adressen eingehen, öffnen sich ihnen deren Nutzerdaten auf den lokalen Handelsmärkten. Und diese können sich als wertvolles Fundament für eine künftige Vorwärtsstrategie erweisen. Der Datenpool kann nämlich die Basis für eine Optimierung von Lie- ferketten, Sortimentspflege sowie kundenpräferenzorientierte Marketinginitiati- ven bilden. Die HDE-Konjunkturumfrage 4 kommt zu dem Ergebnis, dass größere Unterneh- men die Einzelhandelskonjunktur besser einschätzen als kleinere Einzelhändler. Hinzu kommt, dass die ursprünglich dem stationären Handel entstammenden Multichannelhändler, die in den letzten Jahren zusätzlich zu ihrem stationären Geschäft auch den Online-Handel gezielt ausgebaut haben, 2018 mehrheitlich (nämlich mit 57%) günstigere Geschäfte erwarten als im Vorjahr. Beide Trends – der zur Größe und der zu Multichannelanbietern – dürften anhalten. In digitaler Welt ist Größe vorteilhaft Kleinere Unternehmen haben in wichtigen Industriebranchen wie dem Maschi- nenbau dank ihrer raschen Wandlungsfähigkeit und hohen Flexibilität gute Überlebens- und Wachstumschancen. Im Gegensatz dazu aber geht im Einzel- handel der Trend seit Dekaden in die andere Richtung. Früher waren zuvorderst Kosten- und Effizienzgesichtspunkte die Treiber für Strukturanpassung im Han- del. Heute ist es der Megatreiber Digitalisierung. Die neuen digitalen Möglichkei- ten im Einzelhandel können nur erschlossen werden, wenn das Unternehmen ausreichend groß ist und damit die erforderliche Investitionskraft besitzt. Die seit Jahren zu beobachtende Schwäche kleinerer Händler – insbesondere in der Fläche – steigt wohl angesichts der neuen digitalen Herausforderungen weiter 4 Vgl. HDE. Lage und Perspektiven im Einzelhandel. April 2018. S. 2/3. 0% 20% 40% 60% 80% 100% Einzelhandel ges. Multichannel Steigerung Stagnation Rückgang Multichannel optimistischer als gesamter Einzelhandel 4 Quellen: HDE, Konjunkturumfrage 2018, Frühjahr Anteil der Betriebe -10 10 30 50 Durchschnitt <5 5 bis 10 11 bis 20 21 bis 100 >100 Umsatzerwartung steigt mit Größe der Einzelhändler 5 Salden aus %-Punkten "Steigerung" und "Rückgang" Quellen: HDE, Konjunkturumfrage 2018, Frühjahr Turbulenter Sommerauftakt 11 | 3. Juli 2018 Ausblick Deutschland an. Treiber sind immer neue Wettbewerber im Internet, deren Waren durch öf- fentliche/private Dienste immer mehr auch auf dem Lande zugestellt werden. Die Digitalisierung kann aber auch für kleine Franchisebetriebe in größeren Shoppingzentren in der Nähe städtischer Agglomerationen zur Investitionsfalle werden, wenn infolge der neuen digitalen Alternativen die Besucherzahlen im Einkaufszentrum abnehmen. Diese Gefahr addiert sich zu dem geschäftsspezifi- schen Risiko, dass sich der dem Franchise zugrunde liegende Konsum-/Pro- dukttrend als schnell veraltender Hype entpuppt. Die Digitalisierung kann aber auch Basis neuer Produktideen und Franchisesysteme sein, also für Neuenga- gements sorgen. Multichannel ist eine intelligente Antwort auf digitale Gefahren Während der Trend zu größeren Unternehmen im Einzelhandel bereits seit De- kaden zu beobachten ist, ist der Multichannel-Trend noch recht jung und eng mit der zunehmenden Digitalisierung aller Wirtschafts- und Handelsbereiche verbunden. Und er ist eine Reaktion auf den sich absehbar künftig noch intensi- vierenden Wettbewerb seitens der global agierenden Internetgrößen wie Ama- zon & Co. Was möglich ist, zeigt z.B. ein Unternehmen wie Zalando, das sich in einer Dekade von einem normalen Onlinehändler für Schuhe zu einem Multi- Modellanbieter mit Plattformzugang auch für Markenproduzenten weiterentwi- ckelt hat. Für den etablierten Einzelhandel kommt es darauf an zu erkennen, dass die Di- gitalisierung nicht nur Wettbewerbsgefahren birgt, sondern auch neue Chancen bietet, noch intensiver den sich ändernden Kundenwünschen zu genügen. Der gegenwärtige Erfolg der zu Multichannelhändlern aufgewerteten Supermärkte, die ihren Kunden neue Einkaufserlebnisse, Flexibilität und Variantenreichtum of- ferieren, zeigt, dass auch modernisierte alte Handelskonzepte durchaus überle- bensfähig sind. Künftig wird selbst der traditionelle Handel Kundeninformationen aktiver nutzen. Der smarte Einkaufsmarkt der Zukunft setzt wohl alle Techniken ein, um den 0% 20% 40% 60% 80% 100% Offline Online Fashion & Accessoires Schmuck & Uhren CE/Elektro Heimwerken & Garten Wohnen & Einrichten Büro & Schreibwaren Freizeit & Hobby FMCG Gesundheit & Wellness Sonstige Im Offlinehandel dominieren schnelllebige Konsumgüter und Online sind Fashion und Konsumelektronik gefragt 6 2017, Anteile der Konsumgruppen Quelle: HDE, Online - Monitor 2018 Turbulenter Sommerauftakt 12 | 3. Juli 2018 Ausblick Deutschland speziellen Kundenbedarf zu ermitteln und Käufe anzustoßen. Schon bald wer- den den Kunden intelligente Kameras durch den Laden begleiten und an dem von ihm ausgewählten Regal versorgt ihn personalisierte Werbung. Überdies motivieren intelligente Produktetiketten, die kommunizieren können, mittels dy- namischer Preissetzung zum Kauf: Morgens locken sie Schnäppchenjäger, vor Ladenschluss „verticken“ sie frische Lebensmittel. Digitalisierung und Onlinehandel, die in Zukunft an Bedeutung gewinnen, wer- den vielen Kundengruppen auch jenseits rein materieller Erwägungen helfen. Ältere können bequem online einkaufen, sparen also viel Aufwand, Zeit und Le- bensenergie. Essenslieferanten können ihr Sortiment um Waren des Einzelhan- dels ergänzen. Und Kranken wie Diabetikern oder Allergikern offeriert der Su- permarkt der Zukunft additive Informationen wie zuckerhaltig oder glutenfrei. Fazit: Lage im Handel anspruchsvoller, bleibt aber meisterbar Die Demografie wird auf mittlere Sicht zu einer wirksamen Wachstumsbremse für den deutschen Einzelhandel. Und die Herausforderungen rund um die Digi- talisierung nehmen flächendeckend weiter zu. Machen die Einzelhändler aber von ihrer Wandlungsfähigkeit sowie den Vorteilen der Digitalisierung noch ent- schiedener Gebrauch, sollte trotz schärferen Wettbewerbs seitens Amazon & Co. doch ein auskömmliches Handelsgeschäft möglich sein. Josef Auer (+49 69 910-31878, josef.auer@db.com) Turbulenter Sommerauftakt 13 | 3. Juli 2018 Ausblick Deutschland EZB: Spiel auf Zeit – und Spekulation auf Erholung — Die EZB puffert ihre falkenhaften Schritte seit einiger Zeit mit taubenhaften Gegenmaßnahmen ab. In dieser Kunst hat sie jetzt ein neues Niveau er- reicht. Sie will ihre Nettokäufe im Rahmen der QE zum Jahresende 2018 einstellen. Die Ankündigung war jedoch außerordentlich taubenhaft formu- liert. So hieß es, die Verringerung der QE im vierten Quartal hänge davon ab, dass die Ausstiegskriterien auch im September noch erfüllt seien. Zu- gleich hat sich die EZB in ungewöhnlicher Weise darauf festgelegt, dass sie den Leitzins bis zum Sommer 2019 unverändert lassen wird. Der tauben- hafte Kurs wurde einstimmig getragen. — Angesichts der Richtung der Konjunkturdaten und der zunehmenden Ma- krorisiken hatten wir damit gerechnet, dass die EZB bei der Pressekonfe- renz eine ausgeglichene Botschaft verkünden werde. Die Zentralbank gab sich jedoch taubenhaft, weshalb wir den ersten Zinsschritt jetzt nicht mehr im Juni, sondern im September 2019 erwarten. Die Geldpolitik wird also frü- hestens in einem Jahr wirklich gestrafft. Dadurch verschafft sich die EZB ein Zeitfenster: Auch wenn sich die Konjunktur im Euroraum im Jahr 2018 vo- rübergehend verlangsamt, könnte sie sich danach wieder erholen, sodass dann der Ausstieg aus der expansiven Geldpolitik im kommenden Jahr im Konjunkturaufschwung stattfinden kann. — Ein langsamerer Ausstieg der EZB erscheint angesichts der derzeitigen konjunkturellen Risiken angemessen. Nach einem enttäuschenden Wachs- tum von 0,4% gg. Vq. in Q1 prognostizieren wir immer noch eine Belebung auf 0,5% in Q2. Allerdings lassen unsere Modelle auf Basis der derzeit ver- fügbaren Daten nicht darauf schließen, dass sich die Konjunktur nach ei- nem schwächer als erwarteten Q1 erholt. Derzeit deuten die Daten eher auf eine weitere Verlangsamung auf 0,3% bzw. eine möglicherweise unter der Trendrate liegende Expansion hin. Wir sind aber weiterhin der Auffassung, dass dies lediglich eine vorübergehende Delle sein sollte. Insgesamt blei- ben die Treiber für die Konjunktur positiv; ein Beispiel wären die lockeren fi- nanziellen Bedingungen. EZB: Eine weitere taubenhafte Straffung Peter Praets Rede in der vergangenen Woche deutete bereits darauf hin, dass die EZB ihren Ausstieg aus der QE ankündigen werde. Wir hatten damit gerech- net, dass die EZB eine endgültige Entscheidung erst im Juli treffen werde. Dem war aber nicht so. Der Rat will die Nettokäufe im Rahmen der QE von derzeit EUR 30 Mrd. pro Monat auf EUR 15 Mrd. pro Monat im Schlussquartal reduzie- ren und dann zum Jahresende hin vollständig einstellen. Dieses Prozedere ent- spricht sowohl unseren als auch den Konsenserwartungen. Die EZB hat zwar wie erwartet eine Beendigung der QE angekündigt, diese je- doch in taubenhaften Formulierungen verpackt. Wir hatten bereits in unserem „Preview“ darauf hingewiesen, dass eine frühere Ankündigung des QE- Ausstiegs nicht unbedingt auch eine raschere Beendigung des monetären Sti- mulus bedeutet. Dem Stand der Daten zufolge sind die Kriterien für einen QE- Ausstieg erfüllt. Die Richtung der Konjunkturdaten und der Anstieg der Makro- risiken mahnen jedoch zur Vorsicht. Die EZB bezeichnete die Konjunkturrisiken weiterhin als weitgehend ausgeglichen, führte aber neben der zunehmend pro- tektionistischen Handelspolitik jetzt auch eine anhaltend hohe Finanzmarktvola- tilität (ein indirekter Verweis darauf, dass die Entwicklung in Italien disruptiv wir- ken könne) als wichtiges Risiko an. -2,5 -2 -1,5 -1 -0,5 0 0,5 1 1,5 35 40 45 50 55 60 07 09 11 13 15 17 PMI Composite, links Reales BIP, rechts Stimmungsindikatoren geben nach, Niveaus sind hoch 1 Index % gg. Vq. Quellen: IHS Markit, Eurostat, Macrobond, Deutsche Bank Research Turbulenter Sommerauftakt 14 | 3. Juli 2018 Ausblick Deutschland Taubenhafte Elemente – erster Zinsschritt jetzt wohl im September 2019 Mehrere taubenhafte Elemente der geldpolitischen Entscheidungen und der Pressekonferenz zeigten, dass der Rat vorsichtig vorgeht. Erstens findet der Ausstieg aus der QE nur statt, wenn bestimmte Bedingungen erfüllt sind. Ob die Käufe ab September tatsächlich reduziert werden, hängt da- von ab, ob die neuen Daten den mittelfristigen Inflationsausblick bestätigen. Dies steht mit dem in unserem „Preview“ beschriebenen ersten taubenhaften Szenario im Einklang: Die Ausstiegskriterien sind zwar derzeit erfüllt; damit die EZB ihre Käufe wirklich verringert, muss dies aber längerfristig der Fall sein. Zweitens, und dies ist noch wichtiger, wurde die Forward Guidance der EZB taubenhafter formuliert. Zuvor hieß es, die Zinsen würden noch „längere Zeit“ und „weit“ über das Ende der Nettokäufe hinaus unverändert bleiben. Jetzt wurde ein klarer Zeitpunkt genannt: Die EZB geht davon aus, dass die Leitzin- sen „mindestens über den Sommer 2019 und in jedem Fall so lange wie erfor- derlich auf ihrem aktuellen Niveau bleiben werden“, um sicherzustellen, dass die Inflation nachhaltig zum Zielwert zurückkehrt. Dies ist zweifelsohne eine tauben- hafte Haltung. Es ist ungewöhnlich, dass sich die EZB vorab auf einen bestimm- ten politischen Kurs festlegt. Dies verrät etwas darüber, wie hoch die Nervosität im Rat ist. Die Festlegung wurde zudem ohne Vorbehalt getroffen; die Zinsen bleiben also anscheinend selbst dann unverändert, wenn sich die konjunkturelle Situation verbessern sollte. Aufgrund dieses deutlichen Signals rechnen wir jetzt erst später mit dem ersten Zinsschritt. Ende Juli 2019 könnte das Kriterium zwar erfüllt sein, dass die Leit- zinsen noch „über den Sommer“ unverändert bleiben sollen; für eine Anhebung müssten die Daten jedoch gut ausfallen. „Über den Sommer“ dürfte wohl eher auf den September 2019 hindeuten. Wir hatten ursprünglich mit einer ersten Leitzinsanhebung im Juni 2019 gerechnet (Einlagensatz + 20 Bp., Refinanzie- rungssatz + 25 Bp.). Jetzt erwarten wir den ersten Zinsschritt für September 2019 und danach Erhöhungen in Abständen von sechs Monaten. Der zweite Schritt stünde dann im März 2020 an. Auch bei einer solchen Verschiebung würde der erste Zinsschritt noch vor dem Ende von Draghis Amtszeit Ende Ok- tober 2019 erfolgen. Drittens sagte Draghi, der Rat habe seine Entscheidung einstimmig getroffen und sich insbesondere einstimmig auf die verschiedenen Elemente des eher taubenhaften Kurs festgelegt, nämlich die Entscheidung zum Tapering der QE ggf. zu überdenken, die Zinsen ggf. über den kommenden Sommer hinaus un- verändert zu lassen, ggf. länger Reinvestitionen durchzuführen usw. Das Rah- menwerk für die Geldpolitik ist insgesamt asymmetrisch: Bei stärkeren Daten wird die Geldpolitik nicht rascher gestrafft, bei schwächeren könnte sie jedoch gelockert werden. Über Zinsanhebungen wurde nicht diskutiert. EZB kauft sich Zeit für eine Konjunkturerholung nach der jüngsten Verlangsamung Sofern das Makroumfeld günstig bleibt – wovon sowohl die EZB als auch wir in unserem Basisszenario ausgehen –, wird die QE in Q4 verringert und eine Straffung der Geldpolitik erfolgt im Spätsommer 2019. Die Geldpolitik wird frü- hestens in einem Jahr wirklich gestrafft. Dadurch verschafft sich die EZB ein Zeitfenster: Auch wenn sich die Konjunktur vorübergehend verlangsamt, könnte sie sich danach wieder erholen, sodass dann der Ausstieg aus der expansiven Geldpolitik im kommenden Jahr im Konjunkturaufschwung stattfinden kann. -2 -1 0 1 2 3 4 5 00 02 04 06 08 10 12 14 16 18 HVPI: Energie HVPI: Nahrungsmittel HVPI: ohne Energie und Nahrungsmittel HVPI: insgesamt Eurozone: HVPI 2 Gesamtinflationsrate, Komponenten, nsb., % - Punkte Quellen: Eurostat, Haver Analytics LP, Deutsche Bank Research -0,5 0,0 0,5 1,0 1,5 2,0 2,5 3,0 Q 3 - 2 0 1 2 Q 1 - 2 0 1 3 Q 3 - 2 0 1 3 Q 1 - 2 0 1 4 Q 3 - 2 0 1 4 Q 1 - 2 0 1 5 Q 3 - 2 0 1 5 Q 1 - 2 0 1 6 Q 3 - 2 0 1 6 Q 1 - 2 0 1 7 Q 3 - 2 0 1 7 Q 1 - 2 0 1 8 Q 3 - 2 0 1 8 Q 1 - 2 0 1 9 Q 3 - 2 0 1 9 Q 1 - 2 0 2 0 * Survey of Professional Forecasters Inflationserwartungen normalisieren sich 3 HVPI, % gg. Vj. und SPF* Erwartungsprofil Quellen: EZB, Haver Analytics LP, Deutsche Bank Research Turbulenter Sommerauftakt 15 | 3. Juli 2018 Ausblick Deutschland Wir erwarten eine Wachstumsbelebung auf 0,5% gg. Vq. in Q2. Bisher deuten die Daten jedoch auf eine Expansion um 0,3% hin, was unter der Potenzialrate liegen könnte. Wenn das Wachstum unter der Trendrate verharrt, dürfte der Preisdruck (der soeben erst eingesetzt hat) wieder abklingen, statt sich zu ver- stärken. Die Lieferzeiten im Einkaufsmanagerindex sind ein gutes Beispiel. Sie haben ihren Höchststand erreicht, was dafür spricht, dass sich die zugrundelie- gende Produzentenpreisinflation vorerst nicht weiter beschleunigen wird. Trotz der schwachen Wachstumssignale deuten jedoch (a) die Daten nicht auf einen richtiggehenden Wendepunkt im Konjunkturzyklus hin und sprechen (b) die Makrofundamentaldaten (z.B. weiterhin akkommodierende finanzielle Bedin- gungen) nach wie vor für ein kräftiges Wachstum. Die EZB hat sich Zeit für den Fall gekauft, dass möglicherweise keine rasche Erholung stattfindet. BIP-Wachstum im Euroraum in Q2: Stärkere Volatilität Monatliche Umfragedaten deuten darauf hin, dass sich die Konjunkturverlang- samung des Q1 in Q2 fortsetzt. Damit entstehen Risiken für unsere Prognose, dass nach einem enttäuschenden Wachstum von 0,4% gg. Vq. in Q1 mit einer leichten Erholung auf 0,5% gg. Vq. in Q2 zu rechnen ist. Unsere Modelle für die Schätzung der aktuellen Lage, die anhand der monatlichen Daten ein BIP- Wachstumsprofil in Echtzeit erstellen (vgl. dazu einen früheren Artikel), deuten auf ein Wachstum von 0,3% gg. Vq. in Q2 hin. Zahlreiche volatile Faktoren könnten das BIP dämpfen, z.B. die ungewöhnlich milde Witterung im April, die Lage des Osterfests und eine ungewöhnliche Häufung von Feiertagen im Mai in Ländern wie Deutschland und Frankreich. Wir sind daher zuversichtlich, dass die konjunkturelle Schwäche im Euroraum nicht von Dauer sein sollte. Dennoch lässt sich das Gefühl nicht abschütteln, dass der Höhepunkt der Konjunkturer- holung hinter uns liegt. Mark Wall (+44 20 754-52087, mark.wall@db.com) Clemente De Lucia (+44 20 754-11411, clemente.delucia@db.com) Stefan Schneider (+49 69 910-31790, stefan-b.schneider@db.com) -2,5 -2 -1,5 -1 -0,5 0 0,5 1 1,5 -12,5 -10,5 -8,5 -6,5 -4,5 -2,5 -0,5 1,5 3,5 02 04 06 08 10 12 14 16 18 Industrieproduktion, links Reales BIP, rechts Industrieproduktion deutet auf schwächeres BIP-Wachstum in Q2 4 Quellen: Statistisches Bundesamt, Deutsche Bank Research %, gleit. 3M-Durchschn. % gg. Vq. 25 30 35 40 45 50 55 60 65 05 07 09 11 13 15 17 Eurozonen PMI Industrie - Einkaufsmengen Vorprodukte Eurozonen PMI Industrie - Lieferzeiten sb., 50 = keine Veränderung gg. Vm. Eurozonen PMI Industrie - Lieferzeiten haben ihren Höhepunkt überschritten 5 Quellen: IHS Markit, Deutsche Bank Research Turbulenter Sommerauftakt 16 | 3. Juli 2018 Ausblick Deutschland CDU/CSU: Einigung in letzter Minute Die Spitzen von CDU und CSU haben sich gestern Abend auf einen Kompro- miss in der Asylfrage geeinigt. Zur „besseren Ordnung, Steuerung und Verhin- derung von Sekundärmigration“ sind nun drei Punkte vorgesehen. Der wich- tigste Baustein ist der Aufbau von sogenannten Transitzentren an der deutsch- österreichischen Grenze, aus denen Asylbewerber, für deren Verfahren andere EU-Länder zuständig sind, direkt wieder zurückgeschickt werden können. Für Horst Seehofer ist dieser Kompromiss so weitreichend und wirkungsstark, dass er seinen Posten als Innenminister weiter ausüben wird, wie er gestern mitteilte. Der Kompromiss zeigt freilich erst recht, dass die Regierungskrise in Deutsch- land zuletzt immer weniger mit einer Kontroverse über den asylpolitischen Kurs zu tun gehabt hatte. Die Beschlüsse des EU-Gipfels von letzter Woche haben genau für ein solches Vorgehen den politischen Rahmen geschaffen. Das Kom- muniqué des Rates wird von einem deutlich skeptischeren Ton hinsichtlich der Migrationsfolgen für die EU getragen – wozu sicherlich auch der innenpolitische Druck in Deutschland beigetragen hat – und adressiert sowohl die Bedenken der Länder an den Außengrenzen der EU über den Strom von Asylsuchern als auch die anderer Mitgliedsländer über eine ungeordnete Binnenwanderung von Asylsuchenden im Schengenraum. Während europäische Lösungen nach dem Wunsch von Kanzlerin Merkel Priorität haben sollen – eine Position, in der Mer- kel während des Koalitionsstreits von ihrer Partei ausdrücklich bestärkt wurde –, sehen die EU-Schlussfolgerungen gleichzeitig vor, dass Mitgliedstaaten notwen- dige Maßnahmen gegen Binnenwanderung in enger Abstimmung mit den Part- nern ergreifen können. Reine, unilaterale Maßnahmen ohne Abstimmung mit den EU-Partnern sind nach dem CDU/CSU-Kompromiss auch jetzt nicht vorge- sehen, vielmehr sollen die Zurückweisungen auf Grundlage einer Vereinbarung mit Österreich stattfinden. Innenminister Seehofer kann nun bereits auf der nächste Woche anstehenden Sitzung der EU-Innenminister, die zum ersten Mal unter österreichischem EU-Vorsitz tagt, sein politisches Gewicht für entspre- chende bilaterale Vereinbarungen einsetzen. Die Einigung zwischen Merkel und Seehofer wurde auch auf Druck aus den ei- genen Reihen, v.a. der CDU/CSU-Fraktion im Bundestag, erreicht. An einem Auseinanderbrechen der Fraktionsgemeinschaft und der damit verbundenen Schwächung der politischen Mitte bestand trotz inhaltlicher Differenzen auf ver- schiedenen Politikfeldern kein Interesse. Auch die CSU-Führung konnte in einer weiteren Zuspitzung der politischen Lage keine Vorteile für die Partei bzw. die anstehende Landtagswahl erkennen. Zudem signalisierten Meinungsumfragen (Forschungsgruppe Wahlen), dass die CSU, auch wenn deren Forderungen ge- teilt wurden, doch als Verursacher eines Koalitionsbruchs mit entsprechend ne- gativen Auswirkungen auf die deutsche Parteienlandschaft gesehen würden. Wählergewinne für die Landtagswahlen waren nicht erkennbar. Wie sich das zerrüttete Verhältnis zwischen Merkel und Seehofer auf die Kabinettszusam- menarbeit auswirkt, bleibt abzuwarten. Bis zu den Landtagswahlen dürfte nun aber eher Ruhe an dieser Front herrschen. In dem heute Abend tagenden Koalitionsausschuss muss nun noch die SPD dem Kompromiss zustimmen. Wir erwarten ein positives Votum, da sich der jet- zige Kompromiss von dem (von der SPD abgelehnten) Vorschlag in 2015 inso- fern unterscheidet, als die Transitzentren nur für bereits registrierte Asylbewer- ber vorgesehen sind und nicht wie damals alle Asylsuchenden aufnehmen soll- ten. Barbara Böttcher (+49 69 910-31787, barbara.boettcher@db.com) Dieter Bräuninger (+49 69 910-31708, dieter.braeuninger@db.com) 0 100 200 300 400 500 600 700 800 900 2014 2015 2016 2017 2018* GR IT ES** in 1.000 Quelle: UNHCR * 1. Januar bis 1. Juli; ** Spanien einschließlich Zuwanderung auf dem Landweg In Mittelmeerländern auf dem Seeweg angekommene Flüchtlinge u. Migranten 1 0 10 20 30 CDU/CSU SPD Grüne FDP Linke AfD Sonstige Aktuelle Umfragen* Bundestagswahl Quelle: Wahlrecht.de Aktuelle Stärke der Parteien & Ergebnis der Bundestagswahl 2017 2 * Durchschnitt der Ergebnisse jüngster Umfragen führender Meinungsforschungsinstitute (Allensbach, Emnid, Forsa, Forschungsgruppe Wahlen, Infratest dimap, INSA) Stand 30.06.2018, % Turbulenter Sommerauftakt 17 | 3. Juli 2018 Ausblick Deutschland DB Makro-Überraschungsindex Deutschland Der DB Makro-Überraschungsindex vergleicht den Wert der veröffentlichten Konjunkturdaten mit den Markterwartun- gen und liefert damit Hinweise über die Richtung künftiger Prognoseanpassungen. Jochen Möbert (+49 69 910-31727, jochen.moebert@db.com) Neu berechnet von Marc Schattenberg und Jochen Möbert (+49 69 910-31727, jochen.moebert@db.com) Quelle: Heiko Peters (2014). DB Makro-Überraschungsindex Deutschland. Ausblick Deutschland, 4. August 2014. Letzte 20 veröffentlichte deutsche Konjunkturdaten DX -0,5 -0,4 -0,3 -0,2 -0,1 0,0 0,1 0,2 0,3 0,4 0,5 14 15 16 17 18 DB Makro-Überraschungsindex +/- 1 Standardabweichung DB Makro-Überraschungsindex Deutschland Durchschnitt der z-Werte der vergangenen 20 Datenüberraschungen Werte über (unter) 0 bedeuten über (unter) der Markterwartung liegende Datenveröffentlichungen Quellen: Bloomberg Finance LP, Deutsche Bank Research Bloomberg Ticker Indikator Berichts- monat Veröff entlich- ungsdatum Aktueller Wert Bloomberg Konsensus Überra- schung Standardisierte Überraschung Quantils- rang GRFRIAMM Index Einzelhandelsumsätze (% gg. Vm.) 3 2018 30.04.2018 -0,4 0,8 -1,2 -0,7 0,2 MPMIDEMA Index PMI Verarbeitendes Gew erbe 4 2018 02.05.2018 58,1 58,1 0,0 0,0 0,4 MPMIDESA Index PMI Dienstleistungssektor 4 2018 04.05.2018 53,0 54,1 -1,1 -1,2 0,1 GRIORTMM Index Auftragseingänge (% gg. Vm.) 3 2018 07.05.2018 -1,1 0,5 -1,6 -0,8 0,2 GRIPIMOM Index Industrieproduktion (% gg. Vm.) 3 2018 08.05.2018 1,7 0,8 0,9 0,8 0,8 GRCAEU Index Leistungsbilanzsaldo (EUR Mrd.) 3 2018 08.05.2018 29,6 27,0 2,6 0,4 0,7 GRZEWI Index ZEW - Konjunktur (Erw artungen) 5 2018 15.05.2018 -8,2 -8,2 0,0 0,0 0,6 GRZECURR Index ZEW - Konjunktur (Situation) 5 2018 15.05.2018 87,4 85,5 1,9 0,2 0,6 GRCP20YY Index VPI (% gg. Vj.) 4 2018 16.05.2018 1,6 1,6 0,0 0,2 0,3 GRGDPPGQ Index BIP (% gg. Vq.) 3 2018 24.05.2018 0,3 0,3 0,0 -0,2 0,3 GRIFPBUS Index ifo Geschäftsklimaindex 5 2018 25.05.2018 92,9 102,0 -9,1 -0,6 0,3 GRIMP95Y Index Importpreise (% gg. Vj.) 4 2018 30.05.2018 0,6 0,8 -0,2 0,2 0,5 GRUECHNG Index Veränderung Arbeitslose (Tsd. gg. Vm.) 5 2018 30.05.2018 -12,0 -10,0 2,0 -0,1 0,4 GRCP20YY Index VPI (% gg. Vj.) 5 2018 30.05.2018 2,2 2,2 0,0 0,2 0,3 GRFRIAMM Index Einzelhandelsumsätze (% gg. Vm.) 4 2018 30.05.2018 2,3 0,5 1,8 1,7 0,9 MPMIDEMA Index PMI Verarbeitendes Gew erbe 5 2018 01.06.2018 56,9 56,8 0,1 0,1 0,5 MPMIDESA Index PMI Dienstleistungssektor 5 2018 05.06.2018 52,1 52,1 0,0 0,0 0,5 GRIORTMM Index Auftragseingänge (% gg. Vm.) 4 2018 07.06.2018 -2,5 0,8 -3,3 -1,6 0,0 GRCAEU Index Leistungsbilanzsaldo (EUR Mrd.) 4 2018 08.06.2018 22,7 20,0 2,7 0,5 0,7 GRIPIMOM Index Industrieproduktion (% gg. Vm.) 4 2018 08.06.2018 -1,0 0,3 -1,3 -1,0 0,1 Quellen: Bloomberg Finance LP, Deut sche Bank Research Turbulenter Sommerauftakt 18 | 3. Juli 2018 Ausblick Deutschland Marc Schattenberg, Sebastian Becker & Jochen Möbert (+49 69 910-31727, jochen.moebert@db.com) Datum Uhrzeit Daten Berichtszeitraum 5 Jul 2018 8:00 Auftragseingang im Ver. Gewerbe (% gg. Vm., sb.) Mai 6 Jul 2018 8:00 Industrieproduktion (% gg. Vm., sb.) Mai 9 Jul 2018 8:00 Handelsbilanz (EUR Mrd., sb.) Mai 9 Jul 2018 8:00 Warenexporte (% gg. Vm., sb.) Mai 9 Jul 2018 8:00 Warenimporte (% gg. Vm., sb.) Mai 24 Jul 2018 9:30 PMI Verarbeitendes Gewerbe (Flash) Juni 24 Jul 2018 9:30 PMI Dienstleistungssektor (Flash) Juni 25 Jul 2018 10:00 ifo Geschäftsklima (Index, sb.) Juni 30 Jul 2018 14:00 Vorläufiger VPI (% gg. Vj., sb.) Juni 31 Jul 2018 8:00 Einzelhandelsumsätze (Index, sb.), % gg. Vm.* Mai 31 Jul 2018 9:55 Arbeitslosenrate (%, sb.) Juni Deutschland: Datenkalender Letzter Wert DB Schätzung 17,8 19,2 1,1 -1,7 1,1 -0,2 -0,1 -3,1 0,6 -1,3 5,2 5,2 2,0 2,1 56,0 54,4 55,9 53,9 102,0 101,8 Quellen: Deutsche Bank Research, Statistisches Bundesamt, Bundesagentur für Arbeit, ifo, Markit 1,0 -2,1 *lt. Statistischem Bundesamt auch früherer Veröffentlichungstermin möglich US JP EWU GB CH SE DK NO PL HU CZ Leitzinssatz, % Aktuell 1,875 -0,10 0,00 0,50 -0,75 -0,50 0,05 0,50 1,50 0,26 1,00 Jun 18 1,875 -0,10 0,00 0,50 -0,75 -0,50 0,05 0,50 1,50 0,26 1,00 Sep 18 2,125 -0,10 0,00 0,75 -0,75 -0,50 0,05 0,75 1,50 0,15 1,25 Dez 18 2,375 -0,10 0,00 0,75 -0,75 -0,25 0,05 0,75 1,50 0,15 1,50 Aktuell 2,34 0,08 -0,33 0,68 Jun 18 2,34 0,08 -0,33 0,67 Sep 18 2,48 0,05 -0,30 0,55 Dez 18 2,73 0,05 -0,30 0,75 Aktuell 2,86 0,03 0,30 1,34 Jun 18 2,84 0,04 0,30 1,36 Sep 18 3,25 0,00 0,55 1,50 Dez 18 3,50 0,00 0,90 1,80 Wechselkurse EUR/USD USD/JPY EUR/GBP GBP/USD EUR/CHF EUR/SEK EUR/DKK EUR/NOK EUR/PLN EUR/HUF EUR/CZK Aktuell 1,16 111,00 0,89 1,32 1,16 10,46 7,45 9,50 4,39 329,81 26,01 Jun 18 1,17 110,45 0,89 1,31 1,16 10,45 9,51 4,36 329,77 26,02 Sep 18 1,17 105,00 0,86 1,36 1,18 9,50 9,10 4,35 318,50 25,05 Dez 18 1,20 102,00 0,85 1,41 1,20 9,20 7,46 9,00 4,30 320,00 25,00 Finanzmarktprognosen Quellen: Bloomberg Finance LP, Deutsche Bank Research 3M Geldmarktsatz, % Rendite 10J Staatsanleihen, % Turbulenter Sommerauftakt 19 | 3. Juli 2018 Ausblick Deutschland Deutschland: Datenmonitor DX Q2 2017 Q3 2017 Q4 2017 Q1 2018 Q2 2018 Jan 2018 Feb 2018 Mrz 2018 Apr 2018 Mai 2018 Jun 2018 Konjunkturumfragen Gesamtwirtschaft ifo Geschäftsklima 102,3 104,3 105,0 104,1 102,1 104,8 104,2 103,4 102,2 102,3 101,8 ifo Geschäftserwartungen 100,8 102,1 103,0 100,6 98,6 101,4 100,3 100,1 98,7 98,6 98,6 Produzierendes Gewerbe ifo Verarbeitendes Gewerbe 105,9 108,0 108,9 107,8 104,8 109,4 107,8 106,3 104,9 104,8 104,7 Produktion (% gg. Vp.) 1,5 1,6 1,0 0,3 0,0 -1,7 1,6 -1,7 Auftragseingang (% gg. Vp.) 1,2 2,3 3,5 -2,2 -3,5 -0,2 -1,1 -2,5 Grad der Kapazitätsauslastung 86,1 86,9 87,7 88,2 87,8 Bauhauptgewerbe Produktion (% gg. Vp.) 5,4 -0,4 -1,0 5,9 -7,2 Auftragseingang (% ggü. Vp.) -2,0 -1,7 10,2 -1,7 -12,8 9,9 -15,1 2,6 ifo Bauhauptgewerbe 108,1 109,9 110,7 110,1 111,5 110,2 109,3 110,8 111,4 111,8 111,3 Konsumentennachfrage EC Konsumentenbefragung 3,6 4,1 5,5 6,7 5,5 7,4 6,5 6,1 6,1 5,9 4,6 Einzelhandelsumsätze (% gg. Vp.) 0,5 0,5 0,8 -0,6 -0,6 -0,1 0,2 1,6 -2,1 Neuzulassungen PKW (% gg. Vj.) 0,0 0,3 4,2 4,0 11,6 7,4 -3,4 8,0 -5,8 Außenhandel Auslandsaufträge (% gg. Vp.) 1,5 3,5 4,9 -4,6 Exporte (% gg. Vp.) 1,6 0,7 2,9 -0,6 -0,4 -3,1 1,8 -0,3 Importe (% gg. Vp.) 1,4 0,2 2,8 -0,1 -0,2 -1,5 -0,2 2,6 Nettoexporte (EUR Mrd.) 60,5 62,0 64,3 62,6 21,5 19,4 21,6 19,0 Arbeitsmarkt Arbeitslosenquote (%) 5,7 5,7 5,5 5,4 5,2 5,4 5,4 5,3 5,3 5,2 5,2 Veränderung Arbeitslosigkeit (Tsd. gg. Vp.) -45,3 -24,7 -54,7 -70,0 -40,0 -24,0 -21,0 -18,0 -8,0 -12,0 -15,0 Beschäftigung (% gg. Vj.) 1,4 1,5 1,4 1,4 1,4 1,4 1,4 1,4 1,4 ifo Beschäftigungsbarometer 102,6 103,3 104,0 104,8 103,8 105,5 105,0 103,9 103,3 104,1 104,0 Preise, Löhne und Arbeitskosten Preise HVPI (% gg. Vj.) 1,6 1,7 1,6 1,4 1,9 1,4 1,2 1,5 1,4 2,2 2,1 Kern-HVPI (% gg. Vj.) 1,4 1,5 1,3 1,3 1,2 1,3 1,4 1,3 1,0 1,5 1,2 Harmonisierter PPI (% gg. Vj.) 2,8 2,7 2,5 2,0 2,1 1,8 1,9 2,0 2,7 Rohstoffe ohne Energie (% gg. Vj.) 8,9 4,2 -5,6 -12,4 -11,1 -13,5 -12,6 -6,3 5,9 Rohöl, Brent (USD/Bbl) 50,8 52,2 61,5 66,9 69,1 65,3 66,0 72,0 76,9 74,5 Inflationserwartungen EC Haushaltsumfrage 17,6 16,3 16,0 16,4 17,3 16,6 18,3 14,4 15,1 16,8 19,9 EC Unternehmensumfrage 11,4 10,2 14,2 15,0 13,8 16,3 14,5 14,2 14,6 12,1 14,6 Lohnstückkosten (gg. Vj.) Lohnstückkosten 2,4 1,8 1,0 2,2 Arbeitnehmerentgelt je Arbeitnehmer 2,6 2,6 2,4 2,8 Arbeitnehmerentgelt je Stunde 3,9 2,6 2,6 3,7 Monetärer Sektor (gg. Vj.) M3 5,6 4,7 4,3 3,3 3,6 3,2 3,3 3,5 4,2 Trend von M3* 4,1 3,7 3,4 3,3 Kredite an Unternehmen und Privatpersonen 3,8 3,9 4,2 4,3 4,3 4,3 4,3 4,3 Kredite an öffentliche Haushalte 4,1 5,5 -2,9 -20,0 -5,4 -12,9 -20,0 -8,7 % gg. VP = Veränderung gegenüber der Vorperiode; * zentrierter 3M-Durchschnitt Quellen: Bundesagentur für Arbeit, Deutsche Bundesbank, Europäische Kommission, Eurostat, Statistisches Bundesamt, HWWI, ifo, Markit Ausblick Deutschland Unsere Publikationen finden Sie unentgeltlich auf unserer Internetseite www.dbresearch.de Dort können Sie sich auch als regelmäßiger Empfänger unserer Publikationen per E-Mail eintragen. Für die Print-Version wenden Sie sich bitte an: Deutsche Bank Research Marketing 60262 Frankfurt am Main Fax: +49 69 910-31877 E-Mail: marketing.dbr@db.com Schneller via E-Mail: marketing.dbr@db.com * Turbulenter Sommerauftakt ............................................ 3. Juli 2018 * Mehr Signale eines schwächeren Wachstumstrends .... 11. Juni 2018 * Nachlassende Wachstumsdynamik, aber Normalisierung der Inflation ...................................... 8. Mai 2018 * Handelskonflikt fordert Unternehmen und Regierung .... 10. April 2018 * Kräftiges Wachstum, (noch) begrenzte Inflation ........... 13. März 2018 * Partyzeit ................................................................... 5. Februar 2018 * Ausblick 2018: Robuste Konjunktur – fragile Politik ...................... 14. Dezember 2017 * Konjunktureller Rückenwind für Koalitions- verhandlungen ....................................................... 3. November 2017 * Jamaika-Koalition dürfte kein Füllhorn ausschütten .... 6. Oktober 2017 © Copyright 2018. Deutsche Bank AG, Deutsche Bank Research, 60262 Frankfurt am Main, Deutschland. Alle Rechte vorbehalten. Bei Zitaten wird um Quellenangabe „Deutsche Bank Research“ gebeten. Die vorstehenden Angaben stellen keine Anlage-, Rechts- oder Steuerberatung dar. Alle Meinungsaussagen geben die aktuelle Einschätzung des Ver- fassers wieder, die nicht notwendigerweise der Meinung der Deutsche Bank AG oder ihrer assoziierten Unternehmen entspricht. 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