17. Dezember 2018
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Weihnachten steht vor der Tür, Deutschland kauft Geschenke. Jeder möchte seinen Lieben eine Freude machen. Das Geld sitzt locker, die Karte glüht – doch wie sicher ist das Bezahlen mit Karte? [mehr]
PROD0000000000484137 1   |    17. Dezember 2018Aktueller Kommentar 17. Dezember 2018 Kartenbetrug in Deutschland Geringer Anteil, aber hohe Kosten Autor www.dbresearch.de Deutsche Bank Research Management Stefan Schneider Heike Mai +49(69)910-31444 heike.mai@db.com Weihnachten steht vor der Tür, Deutschland kauft Geschenke. Jeder möchte seinen Lieben eine Freude machen. Das Geld sitzt locker, die Karte glüht – doch wie sicher ist das Bezahlen mit Karte? In Deutschland entstand 2016 ein Schaden von EUR 132 Mio. durch etwa 800.000 betrügerische Kartenzahlungen. Der hohe Schaden relativiert sich al­ lerdings bei einem Blick auf die insgesamt 6,3 Mrd. Kartenzahlungen und Abhe­ bungen am Geldautomaten, mit denen die Deutschen EUR 643 Mrd. bewegten. [1] Die Betrugsquoten lagen somit bei 0,02% des Betrags bzw. 0,01% der An­ zahl der Transaktionen. Damit entfiel 2016 auf jeden Einwohner theoretisch ein Schaden durch Kartenbetrug von EUR 1,61: EUR 0,26 bei Barabhebungen, EUR 0,29 bei Zahlungen an der Ladenkasse und EUR 1,06 beim Karteneinsatz im Internet. Tatsächlich wird Kartenbetrug in der Statistik unabhängig davon er­ fasst, wer einen Schaden letztendlich zu tragen hat – sei es Karteninhaber, des­ sen Bank, Händler oder Acquirer (Händlerbank).   Kartenbetrug in Deutschland: Geringer Anteil, aber hohe Kosten Quellen: EZB, Deutsche Bank Research   Kartenbetrug in Deutschland 2   |    17. Dezember 2018Aktueller Kommentar Das Betrugsrisiko im Kartenzahlungsverkehr hängt sehr stark vom Einsatzort ab. Das Geldabheben am Automaten ist dem Betrag nach die wichtigste Kar­ tenfunktion in Deutschland (EUR 384 Mrd.) und gleichzeitig die mit der gerings­ ten Betrugsquote. Rein rechnerisch kam auf je EUR 1.000 Barabhebung ein Betrugsschaden von knapp 6 Cent. An der Ladenkasse (Point-of-sale) wurden in Deutschland EUR 220 Mrd. mit Karte bezahlt, wobei einem Umsatz von EUR 1.000 durchschnittlich ein Betrug von 11 Cent gegenüberstand. Beim physi­ schen Karteneinsatz gingen in den letzten Jahren die Betrugsquoten durch die Einführung des EMV-Chips auf dem Plastik deutlich zurück, da mit der Chip- Technologie das betrügerische Kopieren des Magnetstreifens obsolet wird. In Europa sind mittlerweile 84% aller Karten mit EMV­Chips ausgestattet, und die­ se werden für 98% aller Kartenzahlungen verwendet. Das vergleichsweise größte Betrugsrisiko lauerte beim virtuellen Einsatz der Karte – wobei auch hier der allergrößte Teil des Kartenumsatzes von kriminellen Eingriffen unberührt blieb. Die sogenannten „Card­Not­Present“ (CNP) Transak­ tionen waren überwiegend Kartenzahlungen im Internet, umfassen aber auch Anweisungen per Telefon oder Brief. In Deutschland werden für den Online­Ge­ brauch fast ausschließlich Kreditkarten eingesetzt, Debitkarten spielen bei Inter­ neteinkäufen kaum eine Rolle. Betrüger erbeuteten EUR 87 Mio. von den EUR 38 Mrd., die über Internet oder Telefon mit Karte gezahlt wurden. Anders ausge­ drückt fiel im Durchschnitt ein Betrugsschaden von EUR 2,27 je EUR 1.000 Umsatz an. Der Betrug fand meistens mit gestohlenen sensiblen Daten statt – Daten über Karte und Karteninhaber – aber auch durch das betrügerische Zu­ rückfordern des Kaufpreises von Waren, die vorher tatsächlich online bestellt und mit Karte bezahlt wurden. Angesichts des relativ hohen Schadens beim virtuellen Karteneinsatz arbeiten Banken, Kartengesellschaften und Händler gezielt an der Bekämpfung von On­ line­Betrug. Gute Ergebnisse wurden nach Aussage von Händlern und Finanz­ anbietern v.a. mit 3D Secure Authentication (verbesserte Prüfung der korrekten Identität von Zahler und Empfänger) als auch mit dem Verfahren der Tokenizati­ on (Ersetzen der sensiblen Kartendaten im Bezahlprozess durch einen Zahlen­ code) erzielt. Die Abwehr von Betrugsversuchen durch rechtzeitige Erkennung auf Grundlage von neuronalen IT-Systemen führte ebenfalls zu geringeren Schäden. Diese und weitere Methoden zur Erhöhung der Sicherheit zeigten Er­ folge: Die Betrugsquote im CNP-Bereich sank bei steigenden Online-Umsätzen im Vergleich zur letzten Erhebung aus dem Jahr 2013. Auch wenn die Betrugsquoten gering waren und somit – egal an welchem Ein­ satzort – wertmäßig über 99,7% aller Kartentransaktionen sicher die richtigen Empfänger erreicht haben, sollte der absolute Schaden von EUR 132 Mio. An­ sporn sein zu weiteren Anstrengungen bei der Betrugsbekämpfung. Dies gilt so­ wohl für Kartenzahlungen als auch für andere Zahlungsarten wie Überweisun­ gen oder Internetzahlungen, für welche bisher keine vergleichbar umfassenden Betrugsdaten vorliegen.[2] Die Erfahrung hat gezeigt, dass es Betrüger v.a. dorthin zieht, wo die potenzielle Beute groß ist oder die Sicherheitsvorkehrun­ gen relativ gering sind. So verzeichnen Länder wie Frankreich, in denen Karten viel häufiger genutzt werden als hierzulande, deutlich höhere Betrugsquoten als Deutschland. Außerdem bieten neue Technologien und Zahlungswege oftmals neben gewolltem Fortschritt in Service oder Preis auch neue Einfallstore für Kri­ Kartenbetrug in Deutschland 3   |    17. Dezember 2018Aktueller Kommentar minelle. Es bleibt also ein Wettlauf zwischen Finanzdienstleistern einerseits und Betrügern andererseits. [1] Kartenzahlungen ohne elektronisches Lastschriftverfahren (Debitkartenzah­ lung mit Unterschrift). [2] Ab 2019 sind Zahlungsdienstleister nach der PSD2 verpflichtet, Betrugsfälle für alle Zahlungsarten in einem einheitlichen europäischen Schema an die na­ tionalen Aufsichtsbehörden zu melden. Diese Daten werden an EZB und EBA weitergeleitet werden. Es ist bisher jedoch offen, ob die EBA die Betrugsdaten in aggregierter Form der Öffentlichkeit zugänglich machen wird.   Kartenbetrug in Deutschland 4   |    17. Dezember 2018Aktueller Kommentar © Copyright 2018. Deutsche Bank AG, Deutsche Bank Research, 60262 Frankfurt am Main, Deutschland. Alle Rechte vor­ behalten. Bei Zitaten wird um Quellenangabe „Deutsche Bank Research“ gebeten. Die vorstehenden Angaben stellen keine Anlage­, Rechts­ oder Steuerberatung dar. Alle Meinungsaussagen geben die ak­ tuelle Einschätzung des Verfassers wieder, die nicht notwendigerweise der Meinung der Deutsche Bank AG oder ihrer as­ soziierten Unternehmen entspricht. Alle Meinungen können ohne vorherige Ankündigung geändert werden. Die Meinungen können von Einschätzungen abweichen, die in anderen von der Deutsche Bank veröffentlichten Dokumenten, einschließ­ lich Research-Veröffentlichungen, vertreten werden. 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