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1. August 2018
Der Handelskrieg bleibt das wichtigste Makrothema. Die USA haben neue Zölle verhängt und mit einer weiteren Eskalation gedroht. Ihre Handelspartner (u.a. China, die EU und Kanada) haben im Gegenzug selbst protektionistische Maßnahmen ergriffen. Wir rechnen mit einer weiteren Verschärfung der Spannungen. ... [mehr]
Weltwirtschaftlicher Ausblick - Kurzfassung Tauziehen – nicht nur in der Handelspolitik 1. August 2018 Autoren: marcos.arana@db.com, quinn.brody@db.com, himanshul.porwal@db.com, raj.hindocha@db.com 01.08.2018 Internet: www.dbresearch.de Makroprognosen Welt — Das Wachstum hat sich in den vergangenen Monaten verlangsamt, ruht jedoch wei- terhin auf einer breiten Basis. Den jüngsten Daten zufolge hat sich der Trend stabili- siert. In den meisten wichtigen Volkswirtschaften liegt die derzeitige Wachstumsrate über der Trendwachstumsrate. Wir erwarten für 2018 einen Anstieg der Wachstums- rate der Weltwirtschaft auf 3,9% (d.h. etwas mehr als 2017), da die Fundamentaldaten die Konjunktur weiterhin stützen. Mittelfristig erwarten wir einen Rückgang der Wachs- tumsrate Richtung Trendwachstumsrate. — Das Risiko eines Handelskriegs, der größere Verwerfungen mit sich bringen würde, ist gestiegen; US-Politiker drohen sogar mit weiteren Zollerhöhungen. Die ausländischen Handelspartner reagieren mit Vergeltungsmaßnahmen. Eine weitere Eskalation könnte über höhere Kosten, eine Eintrübung der Stimmung und restriktivere Finanzie- rungsbedingungen merkliche Makroauswirkungen haben. — Die Konjunktur in Europa und den USA läuft weiter auseinander. Während sich das Wachstum in Europa spürbar verlangsamt hat, wird das US-Wachstum durch fiskalpo- litische Impulse und kräftige Fundamentaldaten gestützt. USA — Die Jahreswachstumsrate dürfte sich in diesem Jahr auf 2,9% beschleunigen, getrie- ben durch Steuersenkungen und höhere Staatsausgaben. — Die zuletzt überdurchschnittliche US-Entwicklung geht auf die vergangene Dollar-Ab- wertung zurück. Angesichts der jüngsten Dollar-Aufwertung dürfte sich aber das US- Wachstum im Vergleich zu anderen Ländern künftig verlangsamen. — Die konjunkturelle Dynamik bleibt sehr kräftig und stützt unsere über dem Konsens liegenden Wachstumserwartungen für dieses Jahr. Die Finanzmarktbedingungen blei- ben trotz der jüngsten Kursausschläge und der Dollar-Aufwertung akkommodierend. — Die jüngsten Lohn- und Preisdaten unterstützen unsere Erwartung, dass die Inflation in diesem Jahr überraschend hoch ausfallen dürfte. Die Arbeitslosigkeit sinkt und die freien Kapazitäten sind begrenzt, sodass das Wachstum in diesem und im kommen- den Jahr zunehmend die Inflation ankurbeln dürfte. Euroraum — In diesem Jahr dürfte die Wirtschaft im Euroraum um 2,1% wachsen, d.h. etwas lang- samer als im beeindruckenden Jahr 2017. Die Dynamik hat sich in den vergangenen Monaten abgeschwächt, liegt aber weiterhin deutlich über dem von uns geschätzten Potenzialwachstum (ca. 1,0%). Das Risiko eines Handelskriegs, der zu größeren Ver- werfungen führen könnte, ist vorhanden; u.a. haben die USA mit höheren Zöllen auf Autoexporte aus der EU gedroht, was bei einer Umsetzung die Stimmung und das Wachstum belasten würde. Weitere Abwärtsrisiken gehen von Italien aus, wenn ab Q4 2018 mit der EU über den Haushalt für 2019 diskutiert wird. Die günstige Entwick- lung des Kreditzyklus stellt ein gewisses Aufwärtsrisiko dar. — Die moderate Wachstumsverlangsamung unterstützt unsere Auffassung, dass das zu- letzt verzeichnete hohe Wachstumstempo nicht dauerhaft tragfähig ist. In den Daten zeigen sich bereits Kapazitätsengpässe und in der ersten Jahreshälfte wirkte sich auch die ungünstige Witterung aus. Tauziehen – nicht nur in der Handelspolitik Autoren: marcos.arana@db.com, quinn.brody@db.com, himanshul.porwal@db.com, raj.hindocha@db.com 01.08.2018 Internet: www.dbresearch.de — Die zugrundeliegenden Fundamentaldaten sprechen für eine über der Trendrate lie- gende Erholung in H2 2018. Dies ergibt sich aus den jüngst veröffentlichten Makroda- ten, der Erholung der Stimmungsindikatoren sowie dem Ausrüstungsinvestitions- und Arbeitsmarktzyklus, die sämtlich auf ein besseres Verbraucher- und Geschäftsver- trauen hindeuten. China — Chinas Wirtschaftswachstum sollte sich in diesem Jahr auf 6,6% verlangsamen. Die Fiskalpolitik wurde zuletzt restriktiver, nachdem sie das Wachstum in der ersten Jah- reshälfte gestützt hatte. — Die Geldpolitik dürfte weiter zur Konjunkturstützung eingesetzt werden, wodurch sich der Wechselkurs aufgrund der Zinsdifferenz abschwächen sollte. Der Yuan dürfte in diesem Jahr und 2019 weiter abwerten. — Im Handelskonflikt mit den USA haben sich die Aussichten verschlechtert. Die bereits angekündigten Maßnahmen dürften das Wachstum in diesem Jahr nur geringfügig dämpfen. Falls jedoch weitere Exporte wie vorgeschlagen mit Zöllen belegt werden, ist mit spürbaren negativen Makroauswirkungen zu rechnen. Als Reaktion darauf dürf- ten die Behörden ihre Politik aggressiver lockern. Schwellenländer — Das Wachstum und die Inflation in den Schwellenländern beschleunigen sich. Aller- dings bestehen weiterhin hohe Risiken aufgrund des starken Dollars, höherer US- Zinsen, des potenziellen Handelskonfliktes und der Rücknahme der lockeren Zentral- bankpolitik. Bisher haben sich die Schwellenländer trotz des Marktdrucks als wider- standsfähig erwiesen. — Verschiedene Faktoren belasten den Wachstumsausblick: Spannungen in der Han- delspolitik, Wahlen in mehreren Schwellenländern, Kapitalabflüsse und nur begrenzte positive Auswirkungen vom Investitionszyklus in den Industrieländern. — Das Wachstum in den Schwellenländern verläuft nicht mehr so synchron. Die asiati- schen Länder sind im Zyklus am weitesten fortgeschritten und anfälliger für das Risiko eines Handelskriegs. Im Raum EMEA und in Lateinamerika spielen landesspezifische Risiken eine größere Rolle. Insgesamt befinden sich die lateinamerikanischen Länder jedoch in einer schwächeren Position; vor allem Venezuela, Argentinien und Brasilien stehen unter dem größten Druck. Geldpolitik — Fed: Wir erwarten 2 weitere Zinsschritte in diesem Jahr (d.h. insgesamt 4) sowie 4 weitere Zinserhöhungen 2019 — EZB: Reduzierung der QE auf EUR 15 Mrd. pro Monat in Q4 und Beendigung im Dez. 2018; erste Anhebung des Einlagensatzes um 20 Bp. im Sep. 2019 — BoJ: Dieses Jahr keine Veränderung der Zielrenditen für die Renditekurvenkontrolle, weitere Reduzierung der JGB-Käufe — BoE: Opportunistischer, einmaliger Zinsschritt im August, sofern sich die politischen Risiken nicht verschärfen — PBoC: Kursänderung hin zu einer Lockerung; noch eine Senkung der Mindestreserve- anforderungen im weiteren Jahresverlauf 2018, drei weitere Schritte im Jahr 2019 — Schwellenländer: Reflation und allmähliche Straffung der Geldpolitik. Zentralbanken zunehmend auf unterschiedlichem Kurs Wichtige Abwärtsrisiken — Eskalation des Handelskonflikts zwischen wichtigen Handelspartnern (USA, China, Kanada, EU) würde Weltwirtschaft aus dem Tritt bringen — Politische Unsicherheiten in Europa (Brexit, Haushalt in Italien) führt zu höherer Fi- nanzmarktvolatilität — Stärkerer US-Dollar zwingt Anleger zur Auflösung von Positionen in Schwellenlän- dern; führt zu einem überschießenden Ausverkauf Tauziehen – nicht nur in der Handelspolitik Autoren: marcos.arana@db.com, quinn.brody@db.com, himanshul.porwal@db.com, raj.hindocha@db.com 01.08.2018 Internet: www.dbresearch.de — Rezession: deutliche Korrektur am Finanzmarkt führt zu geringerer Liquidität und kann Konjunkturverlangsamung/Rezession auslösen Schlüsselthemen — Handelskrieg: Die zunehmenden handelspolitischen Spannungen im vergangenen Monat sind für die Märkte das Hauptthema. Die US-Regierung hat eine Reihe protekti- onistischer Maßnahmen ergriffen und scheint in nächster Zeit weitere Schritte in die- ser Richtung unternehmen zu wollen. Rhetorische Aufrüstung in jüngster Zeit, vor al- lem zwischen USA und China; EU-Politiker wollen verhandeln, um Eskalation zu ver- meiden. Weitere Eskalation dürfte Vertrauen schmälern und das Wachstum stärker dämpfen. Wir gehen nicht davon aus, dass die USA zurückstecken; eine weitere Es- kalation ist höchst wahrscheinlich. — Währungskrieg: Spannungen in der Handelspolitik schlagen sich vor allem an Devi- senmärkten nieder (z.B. Abwertung des chinesischen Yuan); Extremrisiko eines Wäh- rungskriegs wieder aufgetaucht. — Brexit: Großbritannien scheint sich auf „weichen Brexit“ zuzubewegen; Klarheit über die Entwicklung erst im weiteren Jahresverlauf. Premierministerin May dürfte sich im Sommer durchwursteln. — Verringerung der Wachstumsdynamik: Globale Makrodynamik hat sich in diesem Jahr abgeschwächt, bleibt jedoch kräftig und spricht für weiterhin robustes BIP-Wachstum. Wir rechnen 2019 mit einer Wachstumsverlangsamung. Marktprognosen Marktstimmung — Märkte werden weiterhin durch gute Makro-Fundamentaldaten gestützt — Wir halten an unseren strategischen Auffassungen fest, wenngleich sich die Ab- wärtsrisiken durch die Handelspolitik merklich erhöht haben. Aktien — Optimistisch für US-Aktien. Gewinne sind hoch, zugrundeliegendes Wachstum ist ro- bust, Gewinnmargen steigen weiter an, Rückkäufe dürften dieses Jahr Höchststände erreichen — Fundamentaldaten deuten insgesamt nicht auf ein Ende des Zyklus hin Staatsanleihen — Strategisch pessimistisch. Die Fed dürfte ihre Geldpolitik weiter straffen, das US- Finanzministerium das Angebot an Staatsanleihen erhöhen, der Laufzeitaufschlag an- steigen, und die Nachfrage durch Pensionsfonds schwächer werden — Für Europa bleiben wir pessimistisch. QE läuft aus, und die Spreads der Peripherie- länder könnten im weiteren Jahresverlauf anfällig werden, wenn politische Risiken wieder auftreten Devisen — Kurzfristig sind die Risiken ausgeglichen, strategisch rechnen wir mit einem schwä- cheren Dollar über das kommende Jahr angesichts der ungünstigeren Kapitalflüsse — Derzeit neutral für den Euro. Wachstumsdynamik sollte sich erholen, EZB will jedoch die Zinsen vor Ende des Sommers 2019 nicht anheben — Neutral für den Yen. Japanische Anleger scheinen dazu bereit zu sein, Käufe auslän- discher Vermögenswerte zu erhöhen Unternehmensanleihen — Taubenhafte EZB-Äußerungen stützen Credit Spreads in Europa; allerdings bleiben die mit der Handelspolitik, den aggressivere Zinsanhebungen der Fed und der euro- päischen Politik verbundenen Abwärtsrisiken bestehen Schwellenländer — Wachstum bleibt wichtigster Treiber, aber zunehmende Differenzierung; Ausblick ge- dämpft durch Handelskonflikte, Kapitalabflüsse etc. — Erholung von Schwellenländer-Vermögenswerten kommt zum Stillstand; pessimisti- sche Tendenz bei hoch verzinslichen Schwellenländer- und asiatischen Währungen Tauziehen – nicht nur in der Handelspolitik Autoren: marcos.arana@db.com, quinn.brody@db.com, himanshul.porwal@db.com, raj.hindocha@db.com 01.08.2018 Internet: www.dbresearch.de Öl — Wir erwarten kurzfristig einen Ölpreisanstieg (auf USD 80 zum Jahresende), bevor sich in den kommenden Jahren ein neues Gleichgewicht einpendelt. Angebotsaus- blick wird durch geringe Investitionen in den vergangenen Jahren gedämpft und die US-Sanktionen gegenüber Iran verringern das globale Angebot weiter — Nachfrage steigt bei robustem globalem Wachstum weiter an BIP-Wachstum (%) Wichtige Marktkennzahlen 2016 2017 2018P 2019P Aktuell Q3-18 Q4-18P Q2-19P Global 3,2 3,8 3,9 3,8 US 10J-Renditen (%) 2,94 3,25 3,50 3,60 USA 2,3 2,9 2,8 1,7 EUR 10J-Renditen (%) 0,39 0,60 0,90 1,05 Euroraum 2,5 2,1 1,7 1,3 EUR/USD 1,17 1,17 1,20 1,25 Deutschland 2,2 2,0 1,8 1,2 USD/JPY 111 105 102 99 Japan 1,7 0,8 0,5 0,2 S&P 500 2,820 N/V 3,000 N/V Großbritannien 1,7 1,3 1,6 1,5 Stoxx 600 387 N/V 395 N/V China 6,9 6,6 6,3 6,0 Gold (USD/oz) 1,233 1,280 1,210 1,240 Oil WTI (USD/Barrel) 69 74 74 70 Oil Brent (USD/Barrel) 74 80 80 77 Aktuelle Preise vom 25.07.2018 Leitzinsen (%) Aktuell 2017 2018P 2019P USA 1,75-2,00 1,25-1,50 2,25-2,50 3,25-3,50 Euroraum 0,00 0,00 0,00 0,25 Japan -0,10 -0,10 -0,10 -0,10 Großbritannien 0,50 0,50 0,75 1,00 China 1,50 1,50 1,50 1,50 Indien 6,25 6,00 6,50 6,75 Original in englischer Sprache: 25.07.2018 © Copyright 2018. 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