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  4. Deutschland Monitor Unternehmensfinanzierung
19. Dezember 2023
Die Kreditvergabe an Unternehmen und Selbstständige hat im dritten Quartal weiter an Tempo verloren (Volumen EUR -2,6 Mrd.; +0,8% ggü. Vj.). Betroffen waren in der Breite fast alle Branchen, Laufzeiten und Bankengruppen. Hauptursachen blieben die gestiegenen Zinsen und eine geringe Investitionsneigung. Die Einlagen schrumpften zum ersten Mal seit 2014 (-1,3% ggü. Vj.). Anleiheemissionen schnitten so schwach ab wie zuletzt 2008, während es im Leasing sehr gut lief. Die deutsche Volkswirtschaft dürfte aktuell in einer leichten Rezession stecken, nachdem das BIP in Q3 um 0,1% gesunken war und zum Jahresende keine Besserung erwartet wird. Im Sommer wirkten privater Konsum und Lagerabbau negativ, was höhere Unternehmensinvestitionen und Nettoexporte nicht kompensieren konnten. 2024 ist angesichts von Gegenwind aus Fiskal- und Geldpolitik sowie dem Außenhandel erneut mit einem milden Rückgang der Wirtschaftsleistung zu rechnen (-0,2%). [mehr]
Deutschland - Monitor Unternehmensfinanzierung Unternehmensfinanzierung Kredit abschwung setzt sich fort . Der Kreditbestand mit Unternehmen und Selbstständigen ist im dritten Quartal leicht geschrumpft (um EUR 2,6 Mrd. bzw. 0,2% ggü. Juni). Im Vorjahresvergleich steht nur noch ein Plus von 0,8% zu Bu che, der niedrigste Wert seit 2015. Das ist jedoch auch auf einen Basiseffekt zu rückzuführen, da vor einem Jahr die Notkredite an Energiefirmen in die Bilanzen eingeflossen waren. Von der schwachen Dynamik sind nahezu alle Branchen, Laufzeiten und Bankengruppen betroffen. Haupttreiber bleiben die kräftig ge stiegenen Zinsen sowie eine geringe Investitionsneigung der Unternehmen. Al lerdings haben die Banken die Leitzinserhöhungen der EZB nicht einmal in vol lem Umfang weitergegeben. Das Einlagengeschäft verlief erneut durchwach sen, das ausstehende Volumen sank zum ersten Mal seit 2014 (-1,3% ggü. Vor jahr). Die Unternehmen schichteten angesichts einer rekordhohen Zinsdifferenz einmal mehr von Sicht- in Termingelder um. Flaute auch bei den Kapitalmarktemissionen . Während es im Aktiengeschäft im merhin mehrere eher kleine Transaktionen gab, fehlte es dem Markt für Com mercial Paper weiter an Schwung. Anleihen wurden sogar mehr zurückgezahlt als neu emittiert, was das schlechteste Quartalsergebnis seit 2008 bedeutete (EUR -2,8 Mrd.). Hier ist die neue Balance nach der Zinswende und dem Weg fall der EZB als dominantem Käufer offenbar noch nicht gefunden. Lediglich das Leasing lief in Q3 richtig rund und erzielte das beste Resultat seit Jahren. Konjunktur Deutsche Wirtschaft mit angezogener Handbremse . In Q3 schrumpfte die deut sche Wirtschaftsleistung leicht. Der private Verbrauch konnte seine ansatzweise Erholung nicht fortsetzen. Während der Nettoaußenbeitrag das Wachstum stützte, dämpften die Vorratsveränderungen deutlich. Vom staatlichen Konsum sowie den Bau- und Ausrüstungsinvestitionen kamen jeweils leicht positive Im pulse. Anpassung der Wachstumspro gnosen für 2023 und 2024 . Auch in Q4 könnte die deutsche Wirtschaft erneut leicht schrumpfen. Erst im kommenden Frühjahr dürfte die Konjunktur dank weiter nachlassender Inflationsraten und Einkom menszuwächsen langsam wieder anziehen. Nicht zuletzt als Folge des schwa chen Winterhalbjahres erwarten wir für 2024 noch einen Rückgang des BIP um 0,2%, nach -0,3% im abgelaufenen Jahr. Autoren Jan Schildbach +49 69 910-31717 jan.schildbach@db.com Marc Schattenberg +49 69 910-31875 marc.schattenberg@db.com Editor Stefan Schneider Deutsche Bank AG Deutsche Bank Research Frankfurt am Main Deutschland E-Mail: marketing.dbr@db.com Fax: +49 69 910-31877 www.dbresearch.de DB Research Management Stefan Schneider 19. Dezember 202 3 Flaute im Kredit geschäft und der Konjunktur hält in Q 3 2023 an Flaute im Kreditgeschäft und der Konjunktur hält in Q3 2023 an 2 | 19 . Dezember 202 3 Deutschland - Monitor Unternehmensfinanzierung in Deutschland Kreditvolumen Das im dritten Quartal traditionell eher gedämpfte Kreditgeschäft mit Unterneh men und Selbstständigen hat in diesem Jahr noch schwächer abgeschnitten als üblich. Das Kreditvolumen sank unter dem Strich um EUR 2,6 Mrd. bzw. 0,2% ggü. dem Stand von Juni. Im Vorjahresvergleich fiel das Wachstum sehr kräftig auf nur noch 0,8%. Das ist der niedrigste Wert seit 2015. Allerdings ist dabei zu berücksichtigen, dass im Herbst 2022 die Sorgen wegen der Energiekrise ebenso wie die Inflation auf ihrem Höhepunkt waren, und damit auch der Liqui ditätsbedarf der Unternehmen, sodass die Kreditexpansion damals besonders stark war. Zugleich waren die Notfallkredite an Energiefirmen in die Bilanzen eingeflossen. Dementsprechend handelt es sich beim geringen Wachstums tempo der letzten Monate zum Teil um einen Basiseffekt. Daneben spielen aber auch die erheblich gestiegenen Zinsen und die mauen gesamtwirtschaftlichen Perspektiven eine bremsende Rolle - das deutsche BIP dürfte nicht nur in die sem Jahr, sondern ebenso 2024 leicht schrumpfen (zu den Details des aktuel len Konjunkturverlaufs und -ausblicks siehe Teil 2 im Anschluss). Im Euro raum insgesamt befindet sich das Kreditvolumen mit nichtfinanziellen Unternehmen (ohne Selbstständige) seit einigen Monaten de facto in der Stag nation. In Q3 war es sogar leicht rückläufig - nicht nur auf Sicht von drei Mona ten (-0,6% bzw. EUR -30 Mrd.), sondern auch von 12 Monaten (-0,9%). Dabei verlief die Entwicklung in Italien (-8% ggü. Vorjahr), Spanien und den Niederlan den (beide -5%) wesentlich negativer als in Deutschland oder Frankreich (+2%). Mit Blick auf die verschiedenen Branchen in Deutschland ist der Kreditab schwung in der gesamten Breite spürbar. Die ohnehin recht schwankungsanfäl ligen Kredite an die Industrie lagen Ende September bereits 2,2% im Minus ggü. Vorjahr, während das Plus bei den Selbstständigen auf nur noch 1% und im Dienstleistungssektor auf 2,8% abnahm. Das ist die niedrigste Rate seit 2015 bzw. 2016. Von 22 Einzelbranchen verzeichneten 15 einen geringeren Kreditbe stand verglichen mit dem Vorquartal - die klare Mehrheit aller Wirtschafts zweige. Bei den Dienstleistern hätte es ohne das Schwergewicht der Woh nungsunternehmen im Aggregat ebenfalls einen Rückgang gegeben. Die Bran chen, die sich im Vorjahresvergleich unter der Nulllinie befinden, stehen immer hin für 25% des gesamten Kreditbuchs der Banken mit Unternehmen und Selbstständigen, was unterstreicht, dass die Verlangsamung nicht auf wenige Bereiche konzentriert ist. Innerhalb des Verarbeitenden Gewerbes ging es im dritten Quartal mit einer Ausnahme - Holz/Papier/Möbel (EUR +0,2 Mrd. ggü. Juni) - flächendeckend abwärts. Besonders betroffen waren volkswirtschaftliche Kernbranchen - die Chemie (EUR -0,7 Mrd.), Maschinenbau/Auto und die Elektrotechnik (jeweils EUR -0,5 Mrd.). Unter den Dienstleistern schnitten Wohnungsunternehmen (EUR +3,6 Mrd.) und Gewerbeimmobilienfirmen (EUR +1,7 Mrd.) noch recht passabel ab, während die Kreditentwicklung mit Beteiligungsgesellschaften (EUR -1,8 Mrd.) und Tele kom/Beratung/Werbung, den unternehmensnahen Dienstleistungen (EUR -0,9 Mrd.), eher enttäuschte. Bei den übrigen Branchen wurden offenbar wieder Hilfskredite von Energieun ternehmen an die staatlichen Förderbanken zurückgezahlt (Versorger/Bergbau insgesamt: EUR -2,9 Mrd. und Verkehr [inkl. Energietransport]: EUR -0,6 Mrd.). Darüber hinaus schwächte sich am Bau die Wachstumsdynamik ab (nur noch EUR +0,8 Mrd.). Hinsichtlich der unterschiedlichen Fristigkeiten schlug sich die Entspannung und geringere Liquiditätshaltung vor allem in einem Rückgang der kurzfristigen Kre dite nieder (Laufzeit < 1 Jahr). Diese liegen nicht nur erheblich (um 11,4%) unter -2 0 2 4 6 8 10 12 18 19 20 21 22 23 ggü. Vorjahr ggü. Vorquartal Kredite an inländische Unternehmen und Selbstständige* 1 % * ohne sonstige Finanzinstitute Quellen: Bundesbank, Deutsche Bank Research -15 -10 -5 0 5 10 15 18 19 20 21 22 23 Verarbeitendes Gewerbe Dienstleistungssektor Selbstständige ... nach Branche 2 % ggü. Vorjahr Quellen: Bundesbank, Deutsche Bank Research -20 -10 0 10 20 30 40 18 19 20 21 22 23 Kurzfristige Kredite Mittelfristige Kredite Langfristige Kredite ... nach Fristigkeit* 3 * ohne sonstige Finanzinstitute Quellen: Bundesbank, Deutsche Bank Research % ggü. Vorjahr -15 -10 -5 0 5 10 15 20 25 18 19 20 21 22 23 Kreditbanken darunter Großbanken darunter Auslandsbanken Landesbanken Sparkassen Kreditgenossenschaften ... nach Bankengruppe* 4 * ohne sonstige Finanzinstitute % ggü. Vorjahr Quellen: Bundesbank, Deutsche Bank Research Flaute im Kreditgeschäft und der Konjunktur hält in Q3 2023 an 3 | 19 . Dezember 202 3 Deutschland - Monitor dem Vorjahresniveau, welches aufgrund der vielfältigen Probleme und Sorgen in die Höhe getrieben worden war. Sondern auch im Quartalsvergleich war das Volumen spürbar rückläufig. Bei den bis zuletzt weiter gewachsenen mittelfristi gen Ausleihungen war im vergangenen Vierteljahr ebenfalls etwas die Luft raus (nur noch +6,9% ggü. Vorjahr). Das gilt umso mehr für die längerfristigen Kre dite mit einer Laufzeit von mehr als 5 Jahren, deren Plus (lediglich 2% über 12 Monate) so niedrig war wie zuletzt 2015. Neben der Belastung durch die höhe ren Finanzierungskosten dürfte dies auch die zunehmenden Fragen zur Wettbe werbsfähigkeit des Standorts Deutschland reflektieren und folglich ein Ausdruck der aktuell mäßigen Investitionsbereitschaft der Unternehmen sein. Dem Abschwung in der Kreditvergabe kann sich keine Bankengruppe entzie hen. Am besten halten sich noch die Verbünde aus Genossenschaftsbanken (+4,2% ggü. Vorjahr) und Sparkassen (+2,6%), die auch in Q3 einen Kreditan stieg verbuchten. Die Auslandsbanken stehen zwar auf Jahressicht noch davor (+4,7%), mussten zuletzt aber einen Rückgang hinnehmen. Bei den Großban ken (-2,8%) und den Landesbanken (-1,1%) ist der Kreditbestand bereits gerin ger als im Vorjahr. Für Erstere ist es die erste Schrumpfung seit der Neuformie rung der statistischen Kategorie 2018. Bei den Förderbanken (einschl. DZ Bank) kommt ein Sondereffekt zum Tragen, da die vor einem Jahr gewährten Notkre dite an Energiefirmen mittlerweile zu einem großen Teil zurückgezahlt worden sind. Dementsprechend liegt hier das Kreditvolumen ungefähr wieder auf dem Niveau vom Sommer 2022, vor der massiven Ausweitung (-18,6% ggü. Vorjahr). Wie am Gesamtmarkt, so gab es auch bei den meisten Bankengruppen keine gravierenden branchenspezifischen Ausschläge während der Monate Juli bis September. Die Retailinstitute schnitten bei den Krediten an Wohnungsunter nehmen noch gut ab, wohingegen die Großbanken ein kräftiges Minus in der In dustrie und bei den Beteiligungsgesellschaften verzeichneten. Die Landesban ken erzielten Zuwächse vor allem im Handel, dem Rückgänge bei Versor gern/Bergbau und Telekom/Beratung/Werbung entgegenstanden. Die Aus landsbanken zeigten die gleichen Schwächen, aber darüber hinaus auch bei Beteiligungsgesellschaften und im Handel. Bei den Förderbanken schlug insbe sondere die erwähnte Rückzahlung der Energie-Notkredite in den Bereichen Versorger/Bergbau und Verkehr ins Kontor. Andere Finanzierungsquellen Einerseits ist der Markt für Commercial Paper von Nichtbanken von Juli bis Sep tember mit einer Nettoemission von EUR 275 Mio. wieder knapp in die schwar zen Zahlen zurückgekehrt. Andererseits war er zuvor auch vier Quartale in Folge geschrumpft und liegt im bisherigen Jahresverlauf immer noch im Minus. Nach dem kleinen Lichtblick im Vorquartal ging es bei Unternehmensanleihen in Q3 wieder bergab. Netto wurden EUR -2,8 Mrd. emittiert, d.h. die Rückzahlun gen überwogen deutlich. Das war der schwächste Wert in einem Vierteljahr seit 2008 und belegt einmal mehr, in welch schwerem Fahrwasser sich der Markt für Schuldverschreibungen seit der Zinswende bewegt. In Euroland insgesamt be trug die Nettoemission EUR 6,8 Mrd. - ebenfalls ein ziemlich niedriges Ergeb nis. Da die EZB auslaufende Papiere nicht mehr vollständig reinvestiert, sank in diesen drei Monaten der Nominalwert der von ihr gehaltenen Unternehmenstitel um EUR 8 Mrd., auf allerdings immer noch EUR 371 Mrd. Ein kompletter Abbau würde also bei diesem Tempo rein rechnerisch weitere 12 Jahre dauern. Dagegen hat sich im Leasing der jüngste Aufwärtstrend sogar beschleunigt. Im dominanten Mobilienbereich war Q3 mit einem Neugeschäft von EUR 15,2 Mrd. (+25% ggü. Vorjahr) das beste Quartal seit Jahren. Sehr erfolgreich lief es vor allem in den Segmenten Pkw (dem Schwergewicht halfen auch das Auslaufen von Sondereffekten und Preissteigerungen), Lkw & Busse sowie bei den (relativ volatilen) Luft- & Schienenfahrzeugen. Nicht ganz mithalten konnten Maschinen, Büroelektronik, und Immobilien. -5 0 5 10 15 20 25 18 19 20 21 22 23 Anleihen inländischer nichtfinanzieller Unternehmen, Nettoemission 6 Mrd. EUR Quellen: EZB, Deutsche Bank Research -6 -5 -4 -3 -2 -1 0 1 2 3 4 18 19 20 21 22 23 Commercial Paper inländischer Nichtbanken, Nettoemission 5 Mrd. EUR Quellen: Bundesbank, Deutsche Bank Research 0 2 4 6 8 10 12 14 16 18 18 19 20 21 22 23 Mobilien Immobilien Mrd. EUR Leasinggeschäft, Neuvolumen* 7 * statistischer Bruch in Q1 2019. Entspricht nicht dem Gesamtmarkt. Quelle: BDL 0 2 4 6 8 10 12 14 16 18 20 18 19 20 21 22 23 Aktienemissionen inländischer Unternehmen (einschl. Finanzinstitute) 8 Mrd. EUR Quellen: Bundesbank, Deutsche Bank Research Flaute im Kreditgeschäft und der Konjunktur hält in Q3 2023 an 4 | 19 . Dezember 202 3 Deutschland - Monitor Angesichts einer durchwachsenen Börsenentwicklung kamen Aktienemissionen zwischen Juni und September erneut nicht richtig in Schwung. Es blieb bei meh reren eher kleinen Transaktionen aus verschiedenen Branchen, die sich auf EUR 2,6 Mrd. summierten. Einlagenvolumen Die Substitution von (gering verzinsten) Sichteinlagen durch (höher rentierliche) Termingelder setzte sich auch im dritten Quartal fort. Erstere nahmen um EUR 14 Mrd. ab, Letztere um EUR 22 Mrd. zu. Allerdings fielen die Abflüsse bei Sichteinlagen milder aus als in den Vormonaten. Unter dem Strich erhöhten sich die Einlagen der Unternehmen und Selbstständigen damit zwar geringfügig, der Vorjahresvergleich ging jedoch auf -1,3% zurück - die erste Kontraktion seit 2014. Gleichzeitig kletterten die Termingelder auf den höchsten Stand seit sechs Jahren, den attraktiveren Zinskonditionen sei Dank (s. auch unten). Ergebnisse des Bank lending surveys der EZB Nach den jüngsten Verschärfungen zeichnet sich mittlerweile eine vorsichtige Stabilisierung der generellen Kreditstandards ab. Im letzten Quartal berichteten netto nur 10% der Banken eine Straffung, verglichen mit den drei Monaten zu vor. Die konkreten Konditionen für neu ausgegebene Kredite wurden noch von 13% der Institute verschärft. Dabei ist vor allem bei den Margen für durch schnittliche Kredite eine Beruhigung absehbar, die zuletzt praktisch unverändert blieben. Allerdings waren sie in den 12 Monaten davor auch stärker gestiegen als bei riskanteren Darlehen. Im Euroraum als Ganzes sind die Trends ganz ähnlich. Bislang immer noch relativ schwach zeigt sich die Nachfrageseite . 23% der Banken in Deutschland meldeten in Q3 einen weiteren Rückgang ggü. Vorquar tal. Das lag erneut im Wesentlichen an den erhöhten Zinsen und einer gedämpf ten Investitionsneigung der Unternehmen. Bemerkenswert: Während die Nach frage nach kurzfristigen Krediten mehr oder weniger konstant blieb (was sich je doch mit der tatsächlichen Volumenentwicklung nicht deckte), verzeichneten be trächtliche 35% der Banken einen Rückgang bei langfristigen Ausleihungen. In Euroland insgesamt beurteilten die Institute die Nachfragesituation sogar noch trüber als hierzulande. Für das zu Ende gehende Vierteljahr erwarten die Banken in Deutschland eine weitere Verschärfung der Kreditstandards und ein Nachfrageminus, beides aber nur moderat. Langfristige Kredite dürften davon mehr betroffen sein als kurzfris tige, die Verschärfung außerdem bei großen Unternehmen stärker ausfallen als bei KMU. Die EWU-Banken sehen das grundsätzlich ähnlich, sind nachfragesei tig allerdings etwas pessimistischer. Zinssätze Die Auswirkungen des in der Geschichte der EZB beispiellos kräftigen Zinsan stiegs (von einem außerordentlich niedrigen Niveau aus) haben sich im Kredit - Neugeschäft zuletzt abgeschwächt und dürften bald zu Ende sein. Aufgrund der dürftigen Kreditnachfrage haben die Banken die Leitzinserhöhungen von 4,5 % Punkten bis Ende September nicht vollumfänglich an die Unternehmen weiter gegeben (im Durchschnitt nur rund 3,7 %-Punkte). Gerade langfristige Festzins kredite (Zinsbindung > 5 Jahre) sind in den letzten Monaten kaum noch teurer geworden und kosten im Mittel nur rund 4,1% p.a. - deutlich weniger als andere Kreditarten. Die Spreizung der Zinsen für Termin - und Sichteinlagen erreichte im September ein neues 20-Jahre-Hoch von 2,7 %-Punkten. Erstere legten im dritten Quartal erneut um 0,4 %-Punkte zu, auf 3,6%. Auch Letztere stiegen an, allerdings um 0,3 %-Punkte auf bloß 0,9%. Beides sind die höchsten Werte seit 2008/09. Jan Schildbach (+49 69 910-31717, jan.schildbach@db.com) 900 1.000 1.100 1.200 1.300 1.400 1.500 1.600 -60 -40 -20 0 20 40 60 80 18 19 20 21 22 23 Termineinlagen, ggü. Vorquartal (links) Sichteinlagen, ggü. Vorquartal (links) Volumen insgesamt** (rechts) Mrd. EUR Sicht - und Termineinlagen von inländi - schen Unternehmen & Selbstständigen* 9 * einschließlich sonstiger Finanzinstitute ** Enthält statistische Umklassifizierungen in Q3 20, Q3 & Q4 22 und Q3 23. Quellen: Bundesbank, Deutsche Bank Research -5 0 5 10 15 20 25 30 Q4 20 Q2 21 Q4 21 Q2 22 Q4 22 Q2 23 Q4 23 Deutschland Euroraum * Q4 23 erwarteter Wert ... verschärft ... gelockert Bank lending survey: Kreditstandards für Unternehmen* 10 Quellen: Bundesbank, EZB -50 -40 -30 -20 -10 0 10 20 30 Q4 20 Q2 21 Q4 21 Q2 22 Q4 22 Q2 23 Q4 23 Deutschland Euroraum ... gestiegen Bank lending survey: Nachfrage nach Unternehmenskrediten* 11 * Q4 23 erwarteter Wert Quellen: Bundesbank, EZB ... gesunken Flaute im Kreditgeschäft und der Konjunktur hält in Q3 2023 an 5 | 19 . Dezember 202 3 Deutschland - Monitor -20 -10 0 10 20 30 40 50 Q3 20 Q1 21 Q3 21 Q1 22 Q3 22 Q1 23 Q3 23 Deutschland Euroraum ... verschärft ... gelockert Bank lending survey: Kreditkonditionen für Unternehmen insgesamt 12 Quellen: Bundesbank, EZB -15 -10 -5 0 5 10 15 20 25 30 35 Q3 20 Q1 21 Q3 21 Q1 22 Q3 22 Q1 23 Q3 23 Deutschland Euroraum ... gesunken ... darunter Margen für durchschnittliche Unternehmenskredite 13 Quellen: Bundesbank, EZB ... gestiegen 0 1 2 3 4 5 6 7 18 19 20 21 22 23 Kredite an nichtfinanzielle Kapitalgesellschaften, ≤ EUR 1 Mio. Kredite an nichtfinanzielle Kapitalgesellschaften, > EUR 1 Mio. Kredite an Selbstständige und Personengesellschaften % Ø - Zins im Kredit - Neugeschäft, nach Kredithöhe 15 Quelle: EZB 0 1 2 3 4 5 6 18 19 20 21 22 23 Kredite mit Zinsbindung ≤ 1 Jahr Kredite mit Zinsbindung von 1-5 Jahren Kredite mit Zinsbindung > 5 Jahre ... nach Zinsbindungsfrist 16 %, Kredite an nichtfinanzielle Kapitalgesellschaften Quelle: EZB -1,0 -0,5 0,0 0,5 1,0 1,5 2,0 2,5 3,0 3,5 4,0 18 19 20 21 22 23 Sichteinlagen Termineinlagen % Ø - Zins auf Einlagen von nichtfinanziellen Kapitalgesellschaften (Neugeschäft) 17 Quelle: EZB -10 -5 0 5 10 15 20 25 Q3 20 Q1 21 Q3 21 Q1 22 Q3 22 Q1 23 Q3 23 Deutschland Euroraum ... gesunken ... darunter Margen für riskantere Unternehmenskredite 14 Quellen: Bundesbank, EZB ... gestiegen Flaute im Kreditgeschäft und der Konjunktur hält in Q3 2023 an 6 | 19 . Dezember 202 3 Deutschland - Monitor Deutsche Wirtschaft mit angezogener Handbremse - In Q3 schrumpfte die deutsche Wirtschaftsleistung leicht. Der private Ver brauch konnte seine ansatzweise Erholung nicht fortsetzen. Während der Nettoaußenbeitrag das Wachstum stützte, dämpften die Vorratsveränderun gen deutlich. Vom staatlichen Konsum sowie den Bau- und Ausrüstungsin vestitionen kamen jeweils leicht positive Impulse. - Auch in Q4 könnte die deutsche Wirtschaft erneut leicht schrumpfen. Erst im kommenden Frühjahr dürfte die Konjunktur dank weiter nachlassender Inflationsraten und Einkommenszuwächsen langsam wieder anziehen. Nicht zuletzt als Folge des schwachen Winterhalbjahres erwarten wir für 2024 dennoch einen Rückgang des BIP um 0,2%, nach -0,3% im abgelaufenen Jahr. Die deutsche Wirtschaft verlor zum Ende des Sommers wieder an Kraft (BIP Q3: -0,1% ggü. Vq., Q2: 0,1%) und könnte auch im Schlussquartal 2023 um etwa 0,2% geschrumpft sein. Der private Verbrauch konnte in Q3 nicht an die leichte Erholung des Vorquartals anknüpfen. Zudem dämpften die Vorratsverän derungen das BIP-Wachstum um 0,4 %-Punkte. In dieser Gegenbewegung zu Q2 (+0,7 %-Punkte) spiegelt sich unter anderem die anhaltend schwache In dustriekonjunktur bzw. anämische Nachfrage wider. Auch die Ex- und Importe entwickelten sich in Q3 entsprechend verhalten, leisteten aber in der Nettobe trachtung dennoch einen Wachstumsbeitrag von 0,2 %-Punkten. Leicht positive Impulse von je 0,1 %-Punkten kamen auch vom staatlichen Konsum und von den Bruttoanlageinvestitionen insgesamt. Anpassung der Wachstumsprognosen für 2023 und 2024 Die nach wie vor eingetrübten Stimmungsindikatoren und die bereits für Q4 ver fügbaren harten Daten deuten darauf hin, dass die deutsche Wirtschaft im Win terhalbjahr 2023/24 in einer leichten Rezession verharren wird. Erst im Verlauf des kommenden Frühjahrs dürfte die Konjunktur langsam anziehen, wenn wei ter nachlassende Verbraucherpreisinflation (2023: 6%; 2024: 2,6%) und Lohner höhungen in größerer Breite wirksam werden. Als Folge der schwachen Kon junktur im Winterhalbjahr erwarten wir für das Jahr 2024 dennoch einen Rück gang des BIP um 0,2%, nach -0,3% im abgelaufenen Jahr. Mit dem Kompromiss zum Bundeshaushalt 2024 dürfte ein Teil der Unsicherheit für die privaten Haushalte beseitigt worden sein, da keine bedeutenden Kürzun gen bei den Sozialausgaben geplant sind, allerdings dürften die beschlossenen Maßnahmen die Konsumenten belasten. Der insgesamt restriktivere finanzpoliti sche Kurs dürfte die Wirtschaftsdynamik noch erheblich dämpfen. Private Haushalte üben sich vorerst noch in Kaufzurü ckhaltung Im dritten Quartal ging der private Verbrauch um 0,3% ggü. Vq. zurück, nachdem er in Q2 noch um revidierte 0,2% expandierte. Trotz bereits nachlassender Ver braucherpreisinflation (Q3: 5,6% ggü. Vj.; Q2: 6,6%) und deutlich gestiegener Masseneinkommen (Q3: 7,6% ggü. Vj.) blieb die Anschaffungsneigung im Keller. Die Teilkomponente des GfK-Konsumklimaindex hat sogar in Q3 auf -15,9 nach gegeben. Zudem haben sich die Einkommenserwartungen nach einer zwischen zeitlichen Erholung im Verlauf von H2 wieder deutlich eingetrübt. Auch die erhöhte Sparneigung dürfte die Konsumnachfrage gedämpft haben. Zwar gab die Sparquote in Abgrenzung der volkswirtschaftlichen Gesamtrech nung in Q3 (11,7%; -0,3 %-Punkte ggü. Vq.) leicht nach, lag aber nach wie vor über ihrem langfristigen Mittel von knapp 11%. Deutschland: Konjunkturprognose % ggü. Vj. 2022 2023P 2024P Reales BIP 1,8 - 0,3 - 0,2 Privater Konsum 3,9 - 1,0 0,9 Staatsausgaben 1,6 - 2,3 0,5 Anlageinvestitionen 0,1 1,0 - 0,6 Ausrüstungen 4,0 4,6 0,6 Bau - 1,8 - 1,2 - 2,5 Lager, % - Punkte 0,7 0,1 - 0,4 Exporte 3,3 - 1,8 0,5 Importe 6,6 - 2,7 1,1 Nettoexport, % - Punkte - 1,2 0,4 - 0,2 VPI (nat. Def.) 6,9 6,0 2,6 Staatsverschuldung, % BIP 66,1 64,4 64,8 Arbeitslosenquote, % 5,3 5,7 6,0 Budgetsaldo, % BIP - 2,5 - 2,0 - 1,6 Quellen: Statistisches Bundesamt, Deutsche Bank Research -2 -1 0 1 2 3 4 Außenbeitrag Lager Bauinvestitionen Ausrüstungsinvestitionen Staatskonsum Privater Konsum Reales BIP, % gg. Vq. Prognose Wachstumsbeiträge zum realen BIP - Wachstum, ggü. Vq., ggü. Vj., % - Punkte Quellen: Statistisches Bundesamt, Deutsche Bank Research Deutsches BIP und Komponenten: Privater Verbrauch stützt wieder in 2024 19 8 10 12 14 16 18 20 22 -80 -70 -60 -50 -40 -30 -20 -10 0 10 15 16 17 18 19 20 21 22 23 Sparneigung (links) Sparquote (rechts) Sparquote und Sparneigung 20 Index % Quellen: GfK, Statistisches Bundesamt 18 Flaute im Kreditgeschäft und der Konjunktur hält in Q3 2023 an 7 | 19 . Dezember 202 3 Deutschland - Monitor Im Jahr 2024 dürfte der private Verbrauch endlich wieder zu einem Wachstums motor werden, wenngleich sich die Beschleunigungsphase wahrscheinlich über das Jahr hinzieht. Wir erwarten ein Plus von knapp 1% (2023: -1%). Da sich die Verbraucherpreisinflation im kommenden Jahr weiter deutlich entspannen dürfte und absehbar ist, dass die Masseneinkommen erneut kräftig zulegen werden, könnten die real verfügbaren Einkommen der privaten Haushalte mindestens um 1,5% zulegen. Das Lohnwachstum (DBR-Prognose 2024: 5,5%) wird erneut kräftig ausfallen und auch die Transferleistungen werden deutlich ansteigen. Am 1. Januar soll das Bürgergeld für rund 5 Mio. Leistungsempfänger um durchschnittlich 12% bzw. EUR 61 pro Monat angehoben werden. Mitte des Jahres könnten die Alters renten um 3,5% (endgültige Festlegung im Frühjahr 2024) für rund 21 Mio. Rent ner steigen. Bau investitionen mit leichtem Plus und Ausrüstungsinvestitionen robust, nicht zuletzt dank Sonderfak tor Die Bruttoanlageinvestitionen expandierten in Q3 um 0,6% ggü. Vq. (rev Q2: -0,3%). Trotz der anhaltend restriktiven Finanzierungsbedingungen und hohen Materialkosten expandierten die Bauinvestitionen in Q3 um 0,4% ggü. Vq. und verzeichneten damit einen kleinen positiven Rückprall nach revidiert -0,9% in Q2 (zuvor +0,2%). Bevor die Zinsen nicht nennenswert sinken, dürften sich Bauinvestitionen im Großen und Ganzen weiter deutlich negativ entwickeln, was sich auch in Vorlaufindikatoren wie Geschäftsklima und Baugenehmigungen zeigt. Zusätzlicher Gegenwind kommt von reduzierten Förderungen im Zuge des Kompromisses zum Bundeshaushalt 2024. Im Jahresdurchschnitt 2024 dürften die Bauinvestitionen mit -2,5% erneut schrumpfen, nach -1,2% in 2023. Trotz des ungünstigen konjunkturellen Umfeldes legten die Ausrüstungsinvestiti onen in Q3 um robuste 1,1% ggü. Vq. zu. Ein positiver Sonderfaktor dürften die Zulassungen gewerblich genutzter batterieelektrischer Fahrzeuge (BEV) gewe sen sein, denn Ende August lief der entsprechende Umweltbonus aus. Somit kam es nach Daten des VDA zu einem kräftigen Vorzieheffekt. Kumuliert über die Monate August und September stieg der Absatz von BEV im Vorjahresver gleich um 55%. Für das Schlussquartal 2023 deuten die bis November verfüg baren Daten auf einen Rückprall, der die Ausrüstungsinvestitionen dämpfen dürfte. Zudem ist die Kapazitätsauslastung des Verarbeitenden Gewerbes in H2 weiter bis auf 82% gesunken, dem tiefsten Stand seit Q1 2021. Angesichts der immer noch deutlich pessimistischen Einschätzung der Ge schäftslage und nur langsamer Aufhellung der Erwartungen dürfte auch die Ent wicklung der Ausrüstungsinvestitionen zunächst verhalten ausfallen. Nach ei nem kräftigen Plus von rund 4,5% im laufenden Jahr, dürften sie in 2024 eher verhaltene 0,6% zulegen. Schwache Konjunktur und strukturelle Faktoren belasten den Ar beitsmarkt Der Arbeitsmarkt läuft im Konjunkturzyklus nach, daher zeigen sich die Auswir kungen der gegenwärtigen wirtschaftlichen Schwächephase erst allmählich. Im Verlauf von H2 ist die saisonbereinigte (sb.) Arbeitslosenzahl um rund 122.000 angestiegen, die Quote kletterte bis November auf 5,9%. Die Registrierung uk rainischer Flüchtlinge für den Bezug von Grundsicherung wirkte sich in 2023 auch noch auf die deutsche Arbeitslosenstatistik aus. Aber selbst ohne diesen Faktor wäre die Arbeitslosigkeit in 2023 spürbar um knapp 150.000 (Stand Nov.) angestiegen. Arbeitsmarktfrühindikatoren signalisieren zumindest bis Anfang -80 -60 -40 -20 0 20 40 60 80 20 21 22 23 GfK Konsumklima Konjunkturerwartungen Einkommenserwartungen Anschaffungsneigung GfK Konsumklima vorerst weiter schwach 21 Index Quelle: GfK 70 74 78 82 86 90 -16 -11 -6 -1 4 9 14 16 17 18 19 20 21 22 23 Investitionen in Maschinen & Ausrüstungen (links) Kapazitätsauslastung ifo (rechts) Kapazitätsauslastung flaut weiter ab 22 Quellen: Statistisches Bundesamt, ifo % ggü. Vq. % 4,5 5,0 5,5 6,0 6,5 7,0 400 450 500 550 600 650 700 750 800 850 900 16 17 18 19 20 21 22 23 Offene Stellen (links) Arbeitslosenquote (rechts) '000 % Schwache Konjunktur hinterlässt Spuren am d eutschen Arbeitsmarkt 23 Quelle: Bundesagentur für Arbeit Flaute im Kreditgeschäft und der Konjunktur hält in Q3 2023 an 8 | 19 . Dezember 202 3 Deutschland - Monitor 2024 eine gedämpfte Einstellungsbereitschaft der Unternehmen und lassen zu nächst noch monatliche Zuwächse der Arbeitslosigkeit in der Größenordnung von 15.000 Personen (sb.) erwarten. Erst in H2 2024 dürften die monatlichen Arbeitslosenzahlen in saisonbereinigter Rechnung wieder leicht zurückgehen. Dennoch könnte die jahresdurchschnittli che Arbeitslosenquote in 2024 auf 6% ansteigen und erst 2025 auf 5,8% sinken. Die Abschwächung der Arbeitsmarktdynamik spiegelt sich auch in der sinken den Zahl offener Stellen wider. Bei den Arbeitsagenturen waren im November rund 729.000 Job-Offerten gemeldet. Das immer noch hohe Niveau erscheint je doch zunehmend eher als Indiz struktureller denn zyklischer Probleme. Kräftige Tari flohnabschlüsse auch in 2024 Die Entwicklung der deutschen Löhne und Gehälter in den Jahren 2023 und 2024 ist stark geprägt von der Abfolge kräftiger steuer- und abgabenfreier Infla tionsausgleichszahlungen (max. EUR 3.000 in Summe 2023/24) und nachgela gerten dauerhaft wirksamen prozentualen Lohnerhöhungen. Nachlassende In flationsraten und schwache Konjunktur könnten die Durchsetzung ambitionierter Gewerkschaftsforderungen (z.B. ver.di für Groß- und Außenhandel: +13%, mind. EUR 400/Monat bei 12 Monaten Laufzeit) etwas dämpfen. Im kommenden Jahr dürften die Tariflöhne (inkl. Einmalzahlungen) mit rund 5,5% deutlich kräftiger zulegen als in 2023 (4,2%). Dafür lassen sich im Großen und Ganzen drei Faktoren identifizieren. Erstens verzögerten sich im laufenden Jahr die Einigungen in großen Tarifbereichen. Deren Teilergebnisse können erst im Dezember 2023 (9. Dez. Einigung für Öffentlichen Dienst der Länder (o. Hessen)) bzw. hauptsächlich in den Jahren 2024 und 2025 wirksam werden. Letzteres dürfte insbesondere die rund 3,7 Mio. Beschäftigten im Einzel-, Groß- und Außenhandel betreffen. Das sind rund ein Drittel der Beschäftigten, für die in 2023 insgesamt Tarifverhandlungen anstanden. Zweitens wurden insbeson dere die kräftigen tabellenwirksamen Anhebungen im Öffentlichen Dienst von Bund und Kommunen (2,4 Mio.) erst für Ende Q1 2024 vereinbart. Zu guter Letzt laufen in 2024 die Tarifverträge für knapp 12 Mio. Beschäftigte aus. Da runter fallen bis zur Jahresmitte Schwergewichte, wie die Chemische Industrie, die Leiharbeit oder das Bauhauptgewerbe. Die Verhandlungen in der Metall- und Elektroindustrie bzw. im Öffentlichen Dienst von Bund und Gemeinden ste hen erst in Q4 2024 und Q1 2025 an. Industrieproduktion dürfte 2024 erneut schrumpfen Die Produktionsbehinderungen durch Lieferengpässe dürften sich zum größten Teil aufgelöst haben. So berichteten laut ifo Institut im Oktober nur noch rund 18% der befragten Unternehmen von Materialknappheiten. Im Gegensatz dazu stellen die im längerfristigen Vergleich immer noch hohen Energiepreise einen spürbaren Gegenwind dar. Im Oktober lag die Produktion in den energie-intensi ven Bereichen des Verarbeitenden Gewerbes (u.a. Chemie, Metallerzeugung, Baustoffe) immer noch 7% unter dem Vorjahr und sogar gut 18% unter dem Ni veau vom Februar 2022, dem Kriegsbeginn in der Ukraine. Dieser strukturelle Standortnachteil bremst natürlich auch andere Produktionsbereiche. Mit Blick auf die Stimmungsindikatoren könnte der Tiefpunkt bereits erreicht oder durchschritten sein. Die Produktionserwartungen im Einkaufsmanagerin dex für das Verarbeitende Gewerbe hellten sich zuletzt weiter auf und kletterten im Dezember auf 52,6 Punkte. Damit liegen sie seit sieben Monaten das erste Mal wieder über der Expansionsschwelle von 50. Allerdings sind harten Daten zufolge die Auftragseingänge (ohne Großaufträge) in den letzten Quartalen ten denziell rückläufig. Daher haben wir unsere Prognose für die Produktion des -5 -4 -3 -2 -1 0 1 2 3 18 19 20 21 22 23 IAB-Arbeitsmarktbarometer (A: Arbeitslosigkeit) ifo-Beschäftigungsbarometer PMI Composite Beschäftigungskomponente Arbeitsmarktfrühindikatoren signalisieren vorerst weitere Abschwächung 24 Standardisierte Werte Quellen: ifo, IAB, S&P Global, HCOB, Deutsche Bank Research 70 80 90 100 110 15 16 17 18 19 20 21 22 23 Verarbeitendes Gewerbe insgesamt Energieintensive Branchen Produktion des Verarbeitenden Gewerbes leidet unter hohen Energiekosten 25 Index, 2015=100 Quelle: Statistisches Bundesamt Flaute im Kreditgeschäft und der Konjunktur hält in Q3 2023 an 9 | 19 . Dezember 202 3 Deutschland - Monitor Verarbeitenden Gewerbes auf -0,5% im Jahr 2023 (von Stagnation) und auf -1,5% im Jahr 2024 (von -0,5%) gesenkt. Die Risiken für 2024 liegen eher auf der Abwärtsseite. EZB könnte die Leitzinsen schon ab April senken Angesichts der jüngsten Folge von Inflationsdaten haben wir den erwarteten Zeitpunkt der ersten Leitzinssenkung sukkzzive auf den 24. April (zuvor 24. Juni bzw. 24. September) vorgezogen, damit dürfte die EZB vor der Fed aktiv wer den. In 2024 rechnen wir nunmehr mit Lockerung um insgesamt 150 Basispunk ten (Bp.), beginnend mit jeweils 50 Bp. im April und Juni. Nach der jüngsten Pressekonferenz vom 14. Dezember schätzen wir das Risiko für einen noch früheren Beginn allerdings wieder geringer ein. Erwartungsgemäß hielt die EZB an ihrer Guidance fest, dass nur ein ausrei chend langes Beibehalten restriktiver Zinssätze die Inflation rechtzeitig wieder auf das Zielniveau bringen wird und ihre geldpolitischen Schritte datengetrieben vorgenommen werden. Präsidentin Lagarde betonte diese Datenabhängigkeit ganz besonders und wies darauf hin, dass es weniger eine „Zeitfrage" sei. Der Verweis auf das kräftige Wachstum der Lohnstückkosten verlieh der Pressekon ferenz sogar einen leicht „hawkischen" Zungenschlag. Entgegen unserer Erwartung kündigte die EZB bereits auf ihrer Dezembersit zung an, den Ausstieg aus den vollständigen PEPP-Reinvestitionen in H2 2024 beginnen zu wollen. Das Volumen soll um durchschnittlich EUR 7,5 Mrd. pro Monat (-50%) reduziert werden, bevor die Reinvestitionen Ende 2024 ganz ein gestellt werden. All das unter der Voraussetzung geordneter Kapitalmarktver hältnisse. Trotz der Absenkung der EZB-internen Inflationsprognosen (2024: 2,7%; zuvor 3,2%; 2025: 2,1% (unverändert)) dürften diese immer noch zu hoch sein. Aus unserer Sicht (HVPI 2024/25: 2,2%/2,3%) könnte die EZB nach wie vor von der Geschwindigkeit überrascht werden, mit der die Inflation im Jahr 2024 zum Zielwert von 2% zurückkehrt, nicht zuletzt, da die Konjunkturprognose der EZB unseres Erachtens immer noch zu optimistisch ist. Marc Schattenberg (+49 69 910-31875, marc.schattenberg@db.com) © Copyright 2023. Deutsche Bank AG, Deutsche Bank Research, 60262 Frankfurt am Main, Deutschland. Alle Rechte vorbehalten. Bei Zitaten wird um Quellenangabe „Deutsche Bank Research" gebeten. Die vorstehenden Angaben stellen keine Anlage-, Rechts- oder Steuerberatung dar. Alle Meinungsaussagen geben die aktuelle Einschätzung des Ver fassers wieder, die nicht notwendigerweise der Meinung der Deutsche Bank AG oder ihrer assoziierten Unternehmen entspricht. Alle Meinungen kön nen ohne vorherige Ankündigung geändert werden. Die Meinungen können von Einschätzungen abweichen, die in anderen von der Deutsche Bank veröffentlichten Dokumenten, einschließlich Research-Veröffentlichungen, vertreten werden. Die vorstehenden Angaben werden nur zu Informations zwecken und ohne vertragliche oder sonstige Verpflichtung zur Verfügung gestellt. Für die Richtigkeit, Vollständigkeit oder Angemessenheit der vorste henden Angaben oder Einschätzungen wird keine Gewähr übernommen. In Deutschland wird dieser Bericht von Deutsche Bank AG Frankfurt genehmigt und/oder verbreitet, die über eine Erlaubnis zur Erbringung von Bankge schäften und Finanzdienstleistungen verfügt und unter der Aufsicht der Europäischen Zentralbank (EZB) und der Bundesanstalt für Finanzdienstleis tungsaufsicht (BaFin) steht. Im Vereinigten Königreich wird dieser Bericht durch Deutsche Bank AG, Filiale London, Mitglied der London Stock Exchange, genehmigt und/oder verbreitet, die von der UK Prudential Regulation Authority (PRA) zugelassen wurde und der eingeschränkten Aufsicht der Financial Conduct Authority (FCA) (unter der Nummer 150018) sowie der PRA unterliegt. In Hongkong wird dieser Bericht durch Deutsche Bank AG, Hong Kong Branch, in Korea durch Deutsche Securities Korea Co. und in Singapur durch Deutsche Bank AG, Singapore Branch, verbreitet. 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