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17. Januar 2019
Der Kreditboom mit Unternehmen und Selbstständigen hält an: Volumen EUR +15,2 Mrd. in Q3 bzw. +5,4% ggü. Vj. – das kräftigste Plus seit fast 20 Jahren. Allerdings dürfte der Höhepunkt des Kreditzyklus nah sein. Der Aufschwung verteilt sich auf zahlreiche Branchen; Auslandsbanken und Landesbanken verzeichnen das größte Momentum. Das Zinsniveau war erneut leicht rückläufig. Das Einlagengeschäft litt weiter unter negativen Zinsen; Anleiheemissionen unter der Kreditexpansion. Die deutsche Volkswirtschaft ist in Q3 mit -0,2% ggü. Vq. das erste Mal seit Anfang 2015 geschrumpft. Gründe waren schwache Exporte u.a. wegen Problemen in der Autoindustrie sowie ein geringerer privater Konsum und stagnierende Staatsausgaben. Im Gesamtjahr verlangsamte sich das Wachstum der deutschen Wirtschaft auf 1,5%. Für dieses Jahr ist auch aufgrund einer schleppenden Erholung der Autoindustrie nur noch von einem Plus von 1% auszugehen. [mehr]
Deutschland-Monitor Unternehmensfinanzierung Unternehmensfinanzierung Kreditboom setzt sich fort, Auslandsbanken und Landesbanken mit stärkstem Momentum. Das Kreditgeschäft mit Unternehmen und Selbstständigen in Deutschland hat auch im dritten Quartal kräftig expandiert. Das ausstehende Volumen legte um bereinigt EUR 15,2 Mrd. bzw. 1,2% zu, was gleichbedeutend war mit dem besten Q3-Ergebnis seit Einführung des Euro. Der Kreditbestand lag 5,4% höher als im Vorjahr. Dynamischer war das Kreditwachstum zuletzt vor fast 20 Jahren. Allerdings dürfte der Höhepunkt des Kreditzyklus nicht mehr weit oder sogar schon erreicht sein, gegeben die zunehmend spürbare konjunktu- relle Abschwächung. Bisher findet der Kreditanstieg in vielen Branchen statt, wobei sich der Schwerpunkt in letzter Zeit hin zu kurz- und mittelfristigen Kredi- ten verschoben hat. Die stärkste Beschleunigung der Kreditvergabe können Auslandsbanken und Landesbanken verbuchen, während einheimische Kredit- banken Marktanteile verlieren. Unternehmen substituieren Anleihen durch Kredite . Angesichts der positiven Kreditentwicklung verlief das Anleihegeschäft in Q3 einmal mehr sehr schwach. Auch am Aktienmarkt gab es keine größeren Emissionen. Im Leasing hielt der moderate Aufwärtstrend dagegen an. Das Zinsniveau war insgesamt erneut leicht rückläufig, wobei negative Zinsen die Zuflüsse in Einlagen weiterhin dämpfen. Die Wettbewerbsintensität unter den Banken blieb sehr hoch, was sich in gesunkenen Margen niederschlug. Konjunktur Die deutsche Volkswirtschaft schrumpfte im dritten Quartal um 0,2% ggü. Vq. Der Rückgang des realen BIP-Wachstums in Q3 (Q2: 0,5%) war der erste Rück- gang im Quartalsvergleich seit Q1 2015. Dies war vor allem auf die Einführung des neuen EU-weiten Abgasmessverfahrens WLTP zurückzuführen. In der Folge kam es zu Verzögerungen bei der Zertifizierung neuer Pkw-Modelle. Dar- aus ergaben sich negative Effekte auf die Industrieproduktion, die Ausfuhren in die EU-Länder, wie auch für den privaten Verbrauch. Zusätzlich dämpften geo- und wirtschaftspolitische Unsicherheiten die ökonomische Aktivität und vor al- lem die Erwartungen für die zukünftige Entwicklung. Das deutsche BIP ist im Jahr 2018 um 1,5% gewachsen. Für das Jahr 2019 ha- ben wir unsere Prognose auf 1% (1,3%) revidiert. Zu dieser Anpassung sehen wir uns veranlasst, da dämpfende Einflüsse, die den Rückgang in Q3 verur- sachten, auch in Q4 noch anhielten. Das spiegelten die schwachen Stimmungs- indikatoren (ifo, PMI) in H2 wider. Neben dem BIP-Wachstum in Q4 belastet die schwächer als ursprünglich erwartet ausfallende Normalisierung in der deut- schen Autoindustrie den Wachstumsausblick für 2019. Im kommenden Jahr dürfte das Wachstum hauptsächlich durch die binnenwirtschaftlichen Treiber ge- stützt werden. Autoren Jan Schildbach +49 69 910-31717 jan.schildbach@db.com Marc Schattenberg +49 69 910-31875 marc.schattenberg@db.com Editor Stefan Schneider Deutsche Bank AG Deutsche Bank Research Frankfurt am Main Deutschland E-Mail: marketing.dbr@db.com Fax: +49 69 910-31877 www.dbresearch.de DB Research Management Stefan Schneider 17. Januar 2019 Starke Kreditvergabe, jedoch BIP-Rückgang in Deutschland in Q3 2018 Starke Kreditvergabe, jedoch BIP-Rückgang in Deutschland in Q3 2018 2 | 17. Januar 2019 Deutschland-Monitor -15 -10 -5 0 5 10 15 20 13 14 15 16 17 18 Kreditbanken darunter Auslandsbanken Landesbanken Sparkassen Kreditgenossenschaften ... nach Bankengruppe* 4 * ohne sonstige Finanzinstitute % ggü. Vorjahr Quellen: Bundesbank, Deutsche Bank Research Unternehmensfinanzierung in Deutschland Kreditvolumen Der Kreditboom in Deutschland hält ungebrochen an. Die Kreditvergabe an Un- ternehmen und Selbstständige legte mit einem Plus von bereinigt EUR 15,2 Mrd. bzw. 1,2% auch im dritten Quartal 2018 kräftig zu, was den besten Q3- Wert seit Einführung des Euro bedeutet. Das ausstehende Volumen lag 5,4% höher als im Vorjahr (entspricht dem stärksten Anstieg seit dem Jahr 2000). Be- merkenswert: Damit hat sich das Kreditgeschäft weiter von der schwächer wer- denden gesamtwirtschaftlichen Dynamik entkoppelt. Das dürfte jedoch nicht von Dauer sein – der Kreditzyklus hat seinen Höhepunkt vermutlich erreicht oder steht kurz davor (zu den Details des aktuellen Konjunkturverlaufs und -ausblicks siehe Teil 2 im Anschluss). Im Euroraum als Ganzes hat das Kreditgeschäft mit nichtfinanziellen Unterneh- men zuletzt ebenfalls deutlich angezogen, nachdem es wesentlich länger stag- niert hatte als in Deutschland. So nahm das Kreditvolumen in Q3 um 0,4% zu. Das waren 2,1% mehr als 12 Monate zuvor und zugleich der beste Wert seit Sommer 2009. Damit hinkt die Kreditvergabe in Euroland der in Deutschland al- lerdings weiterhin hinterher; wenigstens ist der Abstand in den letzten Quartalen nicht mehr größer geworden. Der Kreditaufschwung in Deutschland findet unverändert in vielen Branchen statt. So ist die Expansion im Verarbeitenden Gewerbe mit +7,3% ggü. Vj. die stärkste seit der Finanzkrise, während das Plus von 6% im (vom Volumen her deutlich gewichtigeren) Dienstleistungssektor sogar das höchste seit der New- Economy-Blase ist. Gleiches gilt bei den Selbstständigen, wo sich das Wachs- tum trotz einer sinkenden Zahl von Selbstständigen auf 2,8% beschleunigt hat. Bei den einzelnen Industriebranchen schnitten im traditionell schwachen dritten Quartal Maschinenbau/Auto (EUR +1 Mrd. ggü. Vq.) und Ernährung (EUR +0,6 Mrd.) am besten ab. Erstere verzeichneten – vermutlich auch wegen der WLTP- Probleme – den ersten Q3-Anstieg seit 2008. Gut lief es auch bei Metall (EUR +0,4 Mrd.) und Holz/Papier/Möbel (EUR +0,3 Mrd.). Die Chemie musste nach dem sehr positiven Vorquartal einen Dämpfer hinnehmen (EUR -1 Mrd.). Unter den Dienstleistungsbranchen ragte einmal mehr der Immobiliensektor her- aus: Der Kreditzuwachs bei Wohnungsunternehmen betrug EUR 3,9 Mrd., bei Gewerbeimmobilienfirmen EUR 2 Mrd. Weiter gut lief es auch bei Telekom/Be- ratung/Werbung, d.h. den unternehmensnahen Dienstleistungen (EUR +2,2 Mrd.). Tourismus/Gastronomie kam zwar nur auf augenscheinlich bescheidene EUR +0,3 Mrd., das war jedoch das beste Resultat in einem Q3 seit 1994. Mit Ausnahme des Verkehrs (EUR -0,3 Mrd., bereits der 14. Quartalsrückgang in Folge) verzeichneten alle sonstigen Branchen in Q3 eine Zunahme beim Kre- ditbestand. Ganz vorn lag dabei der Handel (EUR +2,3 Mrd.), gefolgt vom Bau (EUR +1,1 Mrd.) und der Landwirtschaft (EUR +0,9 Mrd.). Nach Fristigkeiten bleibt das seit Anfang 2018 etablierte Bild im Wesentlichen erhalten: Die langfristigen Kredite mit einer Laufzeit von > 5 Jahren entwickeln sich stabil positiv (+4% ggü. Vj., nahezu unverändert seit Sommer 2017), aber den größeren Schwung gibt es bei kurz- und mittelfristigen Ausleihungen. Im- merhin verschob sich das Wachstum im dritten Quartal von den kurzfristigen (+10,8% ggü. Vj.) mehr zu den mittelfristigen Krediten (+8,5%). Insgesamt zei- gen sich die Unternehmen also trotz steigender Verschuldung weiterhin relativ vorsichtig und an einer guten Finanzierungsausstattung interessiert, was sicher- lich der Vielzahl v.a. politischer Risikofaktoren wie Handelskrieg und Brexit, aber auch den Problemen der heimischen Autobranche geschuldet ist. Den Wandel vom Schlusslicht zur erfolgreichsten Bankengruppe und damit eine beeindruckende Wende haben in den letzten Jahren die Auslandsbanken ge- -2 -1 0 1 2 3 4 5 6 13 14 15 16 17 18 ggü. Vorjahr ggü. Vorquartal Kredite an inländische Unternehmen und Selbstständige* 1 % * ohne sonstige Finanzinstitute Quellen: Bundesbank, Deutsche Bank Research -6 -4 -2 0 2 4 6 8 13 14 15 16 17 18 Verarbeitendes Gewerbe Dienstleistungssektor Selbstständige ... nach Branche 2 % ggü. Vorjahr Quellen: Bundesbank, Deutsche Bank Research -6 -3 0 3 6 9 12 13 14 15 16 17 18 Kurzfristige Kredite Mittelfristige Kredite Langfristige Kredite ... nach Fristigkeit* 3 % ggü. Vorjahr * ohne sonstige Finanzinstitute Quellen: Bundesbank, Deutsche Bank Research Starke Kreditvergabe, jedoch BIP-Rückgang in Deutschland in Q3 2018 3 | 17. Januar 2019 Deutschland-Monitor 0 2 4 6 8 10 12 13 14 15 16 17 18 Aktienemissionen inländischer Unternehmen (einschl. Finanzinstitute) 8 Mrd. EUR Quellen: Bundesbank, Deutsche Bank Research schafft. Mit einer Ausweitung des Kreditbuchs im Jahresvergleich um 17,3% er- reichten sie das größte Plus aller Bankengruppen seit 2005. Die Kreditgenos- senschaften setzten mit +6,2% ihre jahrelange kräftige Expansion fort (aller- dings ohne weiteres Momentum), gefolgt von den Sparkassen mit +5,5%. Letz- tere haben sich jedoch seit Ende 2014 kontinuierlich gesteigert, von damals nur +1,5%. Beeindruckend auch das Comeback der Landesbanken, deren Geschäft noch vor anderthalb Jahren deutlich schrumpfte. Mittlerweile kommen sie auf +3,5% ggü. Vj., was mit Abstand ihr bestes Ergebnis seit der Finanzkrise dar- stellt. Zurückgefallen sind in diesem allgemeinen Kreditaufschwung die inländi- schen Kreditbanken, die mit einer Steigerung von nur 2% ebenso weiter Markt- anteile verlieren wie das Schlusslicht, die Förderbanken (einschließlich DZ Bank), die sich mit +0,5% aber immerhin zum ersten Mal seit 2014 in den Wachstumsbereich verbesserten. Sehr gut lief es für die Auslandsbanken in Q3 einmal mehr im Handel, überra- schenderweise dem Verkehr, und in mehreren Dienstleistungsbranchen. Die Genossenschaftsbanken waren in den sonstigen Branchen besonders erfolg- reich: Versorger/Bergbau, Bau und Landwirtschaft. Die Zuwächse der Sparkas- sen speisten sich erneut v.a. aus den immobiliennahen Branchen sowie den Be- teiligungsgesellschaften. Die Landesbanken schnitten bei Wohnungsunterneh- men und im Handel am besten ab, wohingegen die inländischen Kreditbanken den Kreditbestand in dem für sie üblicherweise schwachen Quartal so gut wie überhaupt nicht ausweiteten. Andere Finanzierungsquellen Die Stärke des Kreditgeschäfts spiegelt sich seit einiger Zeit in einer Schwäche mancher Finanzierungsalternativen wider. Im dritten Quartal war die Nettoemission von Commercial Paper durch Nichtban- ken negativ (EUR -0,9 Mrd.); dank des soliden ersten Halbjahres dürfte es im Gesamtjahr dennoch für einen moderaten Anstieg des Marktvolumens gereicht haben Nachdem H1 bereits das schwächste seit einem Jahrzehnt war, lief es für Anlei- hen nichtfinanzieller Unternehmen auch zwischen Juli und September ausge- sprochen schlecht. Nach Emissionen in Höhe von netto nur EUR 0,8 Mrd. spricht viel dafür, dass 2018 insgesamt ein Jahr zum Vergessen war. Es könnte sogar die dürftigen Ergebnisse der Jahre 2010–11 noch unterboten haben. Of- fensichtlich präferieren deutsche Unternehmen nach einer Phase der zuneh- menden Kapitalmarktorientierung in letzter Zeit wieder den Bankkredit. Außer- dem könnten sich internationale Investoren angesichts ausbleibender Fort- schritte bei der Schaffung einer europäischen Kapitalmarktunion und des unver- ändert bestehenden Flickenteppichs an nationalen Regelungen im Insolvenz-, Wertpapier- und Steuerrecht zurückhalten. Auch im Euroraum insgesamt ist bei der Emission von Unternehmensanleihen eine moderate Verlangsamung festzu- stellen. Zwar lag das Volumen in Q3 auf Vorjahresniveau (EUR 19,1 Mrd.), je- doch unterliegen diese Angaben häufig (Abwärts-)Revisionen. So wurde der Q2-Wert von ursprünglich EUR 12,6 Mrd. auf gerade einmal EUR 1,7 Mrd. nach unten korrigiert. In den ersten neun Monaten 2018 betrug das Minus ggü. Vj. damit 15%. Im Leasing hielt der moderate Wachstumstrend in Deutschland auch in Q3 an. Dank einer positiven Entwicklung bei Maschinen, Bussen und Lkw verzeichnete das Mobilien-Leasing mit einem Neuvolumen von EUR 12,9 Mrd. ein Plus von 6% ggü. Vj. Leicht über dem Vergleichsniveau lag auch das Pkw-Leasing. Das Immobiliensegment kam auf gute EUR 568 Mio., das beste Resultat in einem dritten Quartal seit 2011. Nach einigen größeren Transaktionen im Vorquartal blieb es am Markt für Ak- tienemissionen zwischen Juli und September relativ ruhig. U.a. zwei relativ -2 0 2 4 6 8 10 13 14 15 16 17 18 Anleihen inländischer nichtfinanzieller Unternehmen, Nettoemission 6 Mrd. EUR Quellen: Bundesbank, Deutsche Bank Research -8 -6 -4 -2 0 2 4 6 13 14 15 16 17 18 Commercial Paper inländischer Nichtbanken, Nettoemission 5 Mrd. EUR Quellen: Bundesbank, Deutsche Bank Research 0 2 4 6 8 10 12 14 16 13 14 15 16 17 18 Mobilien Immobilien Mrd. EUR Leasinggeschäft, Neuvolumen* 7 * statistische Brüche in Q1 2014 und Q1 2017 Quelle: BDL Starke Kreditvergabe, jedoch BIP-Rückgang in Deutschland in Q3 2018 4 | 17. Januar 2019 Deutschland-Monitor kleine Kapitalerhöhungen aus dem Einzelhandel und der Immobilienbranche brachten das Gesamtvolumen wenigstens noch auf mäßige EUR 1 Mrd. Ange- sichts der sich abkühlenden Konjunktur zeichnet sich auch für 2019 keine wirkli- che Belebung der Emissionsaktivitäten ab. Einlagenvolumen Das Einlagengeschäft mit Unternehmen und Selbstständigen verläuft weiter schleppend. Im dritten Quartal erhöhte sich das Volumen um bescheidene EUR 2,6 Mrd. (+1,3% ggü. Vj.), wobei sich der Rückgang der Termineinlagen um EUR 16,4 Mrd. und der Anstieg der Sichteinlagen um EUR 19 Mrd. quasi die Waage hielten. Die geringe Dynamik ist nicht zuletzt auf die deutlich negativen Zinsen zurückzuführen, die Bankeinlagen zurzeit sehr unattraktiv machen. Wo- hin fließen jedoch die zunehmenden Mittel, die Unternehmen bei Banken abru- fen, wenn sie kaum in neue Anlagen investiert oder als kurzfristig verfügbare Li- quidität wieder bei den Banken geparkt werden? Entsprechende Daten aus der Finanzierungsrechnung liegen zwar noch nicht vor, aber denkbare Optionen sind etwa Anlagen am Kapitalmarkt in Aktien oder Schuldverschreibungen oder eine steigende (Netto-)Verschuldung aufgrund von sinkender Profitabilität. Ergebnisse des Bank lending surveys der EZB Die allgemeinen Kreditstandards für Unternehmen blieben auch in Q3 einmal mehr de facto konstant. Mit Blick auf die konkreten Bedingungen für tatsächlich vergebene Kredite gingen zumindest die Margen für durchschnittliche Kredite erneut zurück (berichtet von 16% der Banken), ausschließlich aufgrund eines schärferen Wettbewerbs. In allen Fällen gab es keine nennenswerten Unter- schiede zwischen kleineren/mittleren und größeren Unternehmen. Im Euroge- biet als Ganzes sah es nicht wesentlich anders aus. Gleichzeitig entwickelte sich die Nachfrage nach Krediten in Deutschland erneut moderat positiv – 10% der Banken meldeten eine Erhöhung im Vergleich zum Vorquartal. Im Gegensatz zu den tatsächlichen Volumina berichteten allerdings 6% der Banken über eine nachlassende Nachfrage bei kurzfristigen Krediten, und 16% über einen Anstieg bei langfristigen Ausleihungen. Wichtigste Treiber waren der Investitionsbedarf und das Zinsniveau, dagegen bremsten v.a. die gute Ertragslage der Unternehmen und Kredite von anderen Banken die Nach- frage. Im Euroraum legte die Kreditnachfrage über alle Segmente hinweg relativ gleichmäßig zu (insgesamt verzeichneten 12% der Banken eine Zunahme). Für das vierte Quartal erwarteten die deutschen Banken eine gewisse Locke- rung der Kreditstandards, insbesondere für Großunternehmen (berichtet von netto 10% der Institute), sowie eine moderat höhere Nachfrage nach Krediten (13%). In der EWU im Aggregat sah das Bild nicht grundlegend anders aus. Hier wäre es nachfrageseitig sogar der 20. Quartalsanstieg nacheinander. Zinssätze Die Zinsen im Kredit-Neugeschäft waren im dritten Quartal in den meisten Be- reichen leicht rückläufig. Das stärkste Minus (-16 Bp. auf ein neues Rekordtief von 2,1%) gab es bei kleinen Krediten an Kapitalgesellschaften (< EUR 1 Mio.). Der Zinssatz für größere Kredite fiel zwischenzeitlich erneut unter die Marke von 1%. Einzig Kredite mit einer Zinsbindung von 1–5 Jahren verzeichneten einen Zinsanstieg (+13 Bp. auf 2%). Mit der mittlerweile erst für nächstes Jahr erwar- teten ersten vorsichtigen Zinsanhebung der EZB und deutlich moderateren Er- wartungen bzgl. der Fed dürfte sich das Zinsniveau 2019 insgesamt eher seit- wärts bewegen und somit weiter nahe historischer Tiefstände verharren. Die Einlagenzinsen blieben in Q3 praktisch stabil, bei -2 Bp. bzw. -8 Bp. für Sicht- und Termingelder. Eine Konsequenz der Strafzinsen ist die erhebliche strukturelle Verlangsamung des Einlagenwachstums. Jan Schildbach (+49 69 910-31717, jan.schildbach@db.com) 1.100 1.125 1.150 1.175 1.200 1.225 1.250 1.275 1.300 -40 -30 -20 -10 0 10 20 30 40 13 14 15 16 17 18 Termineinlagen, ggü. Vorquartal (links) Sichteinlagen, ggü. Vorquartal (links) Volumen insgesamt** (rechts) Mrd. EUR * einschließlich sonstiger Finanzinstitute ** Enthält Rückgang um EUR 80,9 Mrd. in Q3 13 und Anstieg um EUR 9,4 Mrd. in Q4 14 aufgrund statistischer Umklassifizierungen. Sicht - und Termineinlagen von inländi - schen Unternehmen & Selbstständigen* 9 Quellen: Bundesbank, Deutsche Bank Research Starke Kreditvergabe, jedoch BIP-Rückgang in Deutschland in Q3 2018 5 | 17. Januar 2019 Deutschland-Monitor -35 -30 -25 -20 -15 -10 -5 0 Q 3 1 5 Q 1 1 6 Q 3 1 6 Q 1 1 7 Q 3 1 7 Q 1 1 8 Q 3 1 8 Deutschland Euroraum ... gesunken Bank lending survey: Margen für durchschnittliche Unternehmenskredite 11 Quellen: Bundesbank, EZB 0 5 10 15 20 25 30 35 40 Q 4 1 5 Q 2 1 6 Q 4 1 6 Q 2 1 7 Q 4 1 7 Q 2 1 8 Q 4 1 8 Deutschland Euroraum ... gestiegen Bank lending survey: Nachfrage nach Unternehmenskrediten* 12 * Q4 18 erwarteter Wert Quellen: Bundesbank, EZB 0,0 0,5 1,0 1,5 2,0 2,5 3,0 3,5 13 14 15 16 17 18 Kredite an nichtfinanzielle Kapitalgesellschaften, * EUR 1 Mio. Kredite an nichtfinanzielle Kapitalgesellschaften, > EUR 1 Mio. Kredite an Selbstständige und Personengesellschaften % Ø - Zins im Kredit - Neugeschäft, nach Kredithöhe 13 Quelle: EZB 0,0 0,5 1,0 1,5 2,0 2,5 3,0 3,5 4,0 13 14 15 16 17 18 Kredite mit Zinsbindung * 1 Jahr Kredite mit Zinsbindung von 1-5 Jahren Kredite mit Zinsbindung > 5 Jahre ... nach Zinsbindungsfrist 14 %, Kredite an nichtfinanzielle Kapitalgesellschaften Quelle: EZB -0,2 -0,1 0,0 0,1 0,2 0,3 0,4 13 14 15 16 17 18 Sichteinlagen Termineinlagen % Ø - Zins auf Einlagen von nichtfinanziellen Kapitalgesellschaften (Neugeschäft) 15 Quelle: EZB -12 -10 -8 -6 -4 -2 0 2 4 6 Q 4 1 5 Q 2 1 6 Q 4 1 6 Q 2 1 7 Q 4 1 7 Q 2 1 8 Q 4 1 8 Deutschland Euroraum * Q4 18 erwarteter Wert ... verschärft ... gelockert Bank lending survey: Kreditstandards für Unternehmen* 10 Quellen: Bundesbank, EZB Starke Kreditvergabe, jedoch BIP-Rückgang in Deutschland in Q3 2018 6 | 17. Januar 2019 Deutschland-Monitor Rückgang des BIP in Q3 – schrumpfender privater Kon- sum und negativer Außenbeitrag kosteten Wachstum — Die deutsche Volkswirtschaft ist in Q3 2018 um 0,2% ggü. Vq. geschrumpft. Im Gegensatz zu Q2 konnte der negative Wachstumsbeitrag der Nettoex- porte nicht wieder durch das Binnenwachstum kompensiert werden. Zur Schwäche der inländischen Verwendung trugen insbesondere die rückläufi- gen Konsumausgaben der privaten Haushalte bei. — In der Automobilbranche kam es in Q3 aufgrund der Probleme mit dem neuen Emissionsmessverfahren WLTP zu verschiedenen Produktionsaus- fällen. Dieser temporäre Sondereffekt ließ die Produktion im Verarbeitenden Gewerbe insgesamt schrumpfen. Die Exporte von Kfz- und Kfz-Teilen gin- gen in der Folge zurück. Bei hoher Kapazitätsauslastung dämpften auch die außenwirtschaftlichen Unsicherheiten nach wie vor die Industriekonjunktur und belasteten das Investitionsklima. — Das deutsche BIP ist im Jahr 2018 um 1,5% gewachsen. Unter Annahme der bisherigen Quartalsergebnisse impliziert dies ein nur schwaches Wachstum in Q4. Dies und die auch in Q1 wohl schleppende Normalisie- rung in der deutschen Autoindustrie haben uns dazu veranlasst, die Wachs- tumsprognose für das Jahr 2019 auf 1% (1,3%) anzupassen. BIP-Wachstum in Q3: -0,2% – Automobilbranche auf der Bremse Im Q3 2018 ist die deutsche Volkswirtschaft um 0,2% ggü. Vq. geschrumpft, im Quartalsvergleich das erste Mal seit dem Q1 2015. Diese Entwicklung war vor allem auf den starken temporären Sondereffekt in Verbindung mit dem neuen EU-weiten Abgasmessverfahren WLTP (Worldwide Harmonized Light Vehicles Test Procedure) zurückzuführen. Die Verzögerung der Zertifizierung vieler neuer Fahrzeugmodelle führte zu umfangreichen Produktionsausfällen in der Automobilbranche und damit zu einem Wertschöpfungsverlust im Verarbeiten- den Gewerbe. Daraus ergab sich auch ein belastender Effekt für die deutschen Exporte in das EU-Ausland, da nichtzertifizierte Fahrzeuge auch dort nicht ver- kauft werden durften. Insgesamt machen Kfz und Kfz-Teile auf Jahressicht fast 20% der weltweiten deutschen Ausfuhren aus. Die konjunkturelle Abschwächung während der Sommermonate spiegelte sich auch auf der Nachfrageseite der deutschen Volkswirtschaft wider. Das einge- trübte außenwirtschaftliche Umfeld und der zuvor beschriebene Sondereffekt führten zu einer gedämpften Entwicklung der deutschen Ausfuhren (-0,9% ggü. Vq.). Aufgrund der robusten ökonomischen Grundtendenz wuchsen die Importe um 1,3% ggü. Vq. und führten damit zu einem negativen Wachstumsbeitrag der Nettoexporte (-1%-Punkt). Im Gegensatz zum Vorquartal konnte dies nicht wie- der von den positiven Impulsen der inländischen Verwendung kompensiert wer- den. Das war insbesondere auf den negativen Beitrag der privaten Konsumaus- gaben (-0,1%-Punkte) zurückzuführen, die damit als wichtiger Wachstumsmotor ausfielen. Mit 0,7%-Punkten leistete der Lageraufbau den größten positiven Bei- trag – auch hier dürfte der WLTP-Effekt eine Rolle gespielt haben, da zunächst noch produzierte Fahrzeuge bis zur Modellzertifizierung zwischengelagert wer- den mussten. Die ifo-Konjunkturumfrage zu den Fertigwarenlagern stützte diese Annahme. Sowohl die Ausweitung der Ausrüstungs- als auch der Bauinvestitio- nen trugen jeweils 0,1%-Punkte bei. Der staatliche Konsum lieferte keinen Bei- trag zum Quartalswachstum. -1,0 -0,5 0,0 0,5 1,0 1,5 2,0 2,5 Q3 17 Q4 17 Q1 18 Q2 18 Q3 18 17 18 Außenbeitrag Lager Bauinvestitionen Ausrüstungsinvestitionen Staatskonsum Privater Konsum Reales BIP Wachstumsbeiträge zum realen BIP-Wachstum, ggü. Vq., ggü. Vj., %-Punkte, sb. Quellen: Statistisches Bundesamt, Deutsche Bank Research Q3 2018: Schrumpfende private Konsum - ausgaben und negativer Außenbeitrag 16 Starke Kreditvergabe, jedoch BIP-Rückgang in Deutschland in Q3 2018 7 | 17. Januar 2019 Deutschland-Monitor Investitionen in Q3 mit zaghafter Beschleunigung Ungeachtet der Eintrübung des wirtschaftlichen Umfeldes gewannen die Brutto- anlageinvestitionen in Q3 wieder etwas an Schwung und legten um 0,8% ggü. Vq. (Q2: 0,5%) zu. Eine Kapazitätsauslastung von rund 88% und die hohen Auf- tragsbestände der Unternehmen führten trotz schwächelnder Ausfuhren zu ei- ner Ausweitung der Ausrüstungsinvestitionen um 0,8% ggü. Vq., nachdem sie in Q2 (rev. 0,1%) nahezu stagnierten. Im Schlussquartal dürften sie sich weiter verhalten entwickelt haben. Darauf deuten sowohl die nominalen Umsätze der Investitionsgüterhersteller im Inland, wie auch die bis jetzt verfügbaren Daten zu den Kapitalgüterimporten hin. Laut der ifo Investitionsumfrage zum Leasingsektor wuchs das Neugeschäft im Jahresdurchschnitt um 3,6% auf EUR 60,6 Mrd (bisher höchster Wert). Auf- grund der Probleme in der Fahrzeugbranche entwickelte sich das Neugeschäft in diesem Bereich mit 3,1% jedoch schwächer. Für den Immobilienbereich ist hingegen mit einem Zuwachs von 30% zu rechnen. Die Bauinvestitionen stiegen in Q3 wieder mit 0,9% ggü. Vq. (rev. Q2 2018: 0,9%) an. Dabei belebten sich vor allem die privaten Bauinvestitionen um 1,1% ggü. Vq. (Q2: rev. 0,5%) und hier insbesondere die Investitionen in Wohnbauten (1,6% ggü. Vq.). Dagegen stagnierten die staatlichen Bauinvestitionen in Q3, während das Vorquartalswachstum deutlich von 2,6% ggü Vq. auf 3,3% auf- wärtsrevidiert wurde. Folglich war die Stimmung im Bauhauptgewerbe in H2 weiterhin bestens. Dazu trugen auch die anhaltend hohe Kapazitätsauslastung von 79% und ein durch- schnittliches Auftragspolster von 4 Monaten bei. Daher verwundert es nicht, dass die entsprechende Komponente des ifo-Geschäftsklimas einen Rekord- wert markierte. Im Quartalsdurchschnitt erreichte der Index zum Jahresschluss mit 116,9 Punkten (Q3: 116,6) einen neuen Höchststand. Allerdings fielen die Geschäftserwartungen für die kommenden Monate zum Jahresende auf 7,4 Saldenpunkte und damit knapp unter das Jahresmittel von 7,7. Dennoch rech- nen viele Bauunternehmen damit, die Preise für ihre Leistungen in den kom- menden Monaten anheben zu können. Auch dieser ifo-Umfragewert erreichte zum Jahresende ein Allzeithoch. Der Arbeitskräftemangel ist im gesamten Bau- gewerbe nach wie vor ein großes Hemmnis für die Fertigstellung von Bauprojek- ten. Das deutsche Investitionsklima bleibt, wie schon im bisherigen Jahresverlauf, weiterhin von verschiedenen Sondereffekten belastet. Die anhaltenden Unsi- cherheiten im internationalen Handelsumfeld, der sich abzeichnende harte Brexit sowie die nur sehr langsam abklingenden negativen Effekte im Zusam- menhang mit der WLTP-Umsetzung in der Fahrzeugbranche wiegen gegenwär- tig am schwersten. Stützend wirken die weiterhin günstigen Finanzierungsbedin- gungen. Aufgrund der hoch ausgelasteten volkswirtschaftlichen Kapazitäten investieren die Unternehmen nicht nur in Anlagegüter, sondern auch erheblich in die Ge- winnung zusätzlicher Arbeitskräfte und vor allem in die Qualifizierung ihrer Be- schäftigten. Diese Ausgaben tauchen jedoch nicht als Investitionen in der Statis- tik der Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung auf. Private Konsumausgaben ausgebremst Nicht zuletzt durch die Zurückhaltung beim Kauf von Pkw – laut ifo-Institut san- ken private Neuzulassungen in Q3 um -8,5% ggü. Vq. – schrumpften die realen Konsumausgaben der privaten Haushalte in Q3 um 0,3% ggü. Vq. Zusätzlich 70 72 74 76 78 80 82 84 86 88 -6 -4 -2 0 2 4 6 8 10 11 12 13 14 15 16 17 18 Investitonen in Maschinen & Ausrüstungen Kapazitätsauslastung ifo Kapazitätsauslastung und Investitionen 17 Quelle: Statistisches Bundesamt %, ggü. Vq., sb. %, sb. -6,0 -4,0 -2,0 0,0 2,0 4,0 6,0 8,0 12 13 14 15 16 17 18 Investitionen, insgesamt Ausrüstungsinvestitionen Bauinvestitionen Verhaltene Belebung der Investitionen in Q3 2018 18 % ggü. Vq., sb. Quelle: Statistisches Bundesamt Starke Kreditvergabe, jedoch BIP-Rückgang in Deutschland in Q3 2018 8 | 17. Januar 2019 Deutschland-Monitor zum verringerten Fahrzeugangebot, dämpften wahrscheinlich auch die Diskussi- onen um Fahrverbote von Fahrzeugen mit hohem Schadstoffausstoß die Kauf- laune. Ein weiterer Sonderfaktor dürfte das lang anhaltende heiße Sommerwet- ter gewesen sein, welches in den Herbstmonaten zu einem geringeren Absatz von saisonüblichen Bekleidungsartikeln führte. Bemerkenswerterweise standen die Konsumausgaben der privaten Haushalte im Gegensatz zu deren guter Einkommensentwicklung. Die Lohneinkommen wuchsen um kräftige 4,8% ggü Vj. (Q2: rev. 4,6%). Das gesamte Volkseinkom- men wuchs im dritten Quartal mit 2,4% ggü. Vj. (Q2: rev. 4,2%) allerdings weni- ger dynamisch. Das war auf den Rückgang (Q3: -2,1% ggü. Vj.) der Unterneh- mens- und Vermögenseinkommen zurückzuführen. Da diese Größe der Volks- wirtschaftlichen Gesamtrechnung als Residual ermittelt wird, spiegelt sich an dieser Stelle der produktionsbedingte Rückgang der Bruttowertschöpfung direkt wider. Als Ergebnis der Kaufzurückhaltung stieg die Sparquote der privaten Haushalte in Q3 auf 10,7% (Q2: 10,2%). Mit einer Normalisierung der zuletzt bremsenden Sondereffekte sollte sich der private Konsum im letzten Quartal des Jahres wieder beleben. Die Daten zu den Einzelhandelsumsätzen der Mo- nate Oktober (0,1% ggü Vq.) und November (1,4% ggü. Vq.) deuten dies an. Ein weiterer stützender Faktor dürfte die günstige Arbeitsmarktentwicklung sein. Die Zahl der Erwerbstätigen stieg in Q3 um 1,3% ggü. Vj., ein Plus von 556.000 Personen. Die Arbeitslosenquote sank in Q3 auf 5,1% ggü. Vq. und in Q4 zu- letzt sogar auf 5%. Die Neuabschlüsse aus den Tarifverhandlungen des Jahres 2018 führten mit einem Plus von durchschnittlich 3,5% zu deutlich höheren Stei- gerungen als von den meisten erwartet. Insgesamt war 2018 ein Tariflohn- wachstum von durchschnittlich rund 3% zu verzeichnen. Trotz der bis zum Dezember auf 14,1 Punkte gesunkenen GfK-Konjunkturerwar- tungen (H2: 19,3 Punkte), zeigt sich das GfK-Konsumklima mit 10,4 Punkten (H2: 10,6 Punkte) zum Jahreswechsel robust. Auch dieser Indikator deutet da- rauf hin, dass die privaten Konsumausgaben zum Ende des Jahres 2018 wieder eine Stütze der Konjunktur waren. Die deutsche Industrie mit anhaltender Schwächephase Die deutsche Industriekonjunktur hat in Q3 weiter an Schwung verloren. Die Hauptursache waren die schon beschriebenen Probleme bei der WLTP- Zertifizierung neuer Fahrzeugmodelle, die zu zahlreichen Produktionsausfällen in Kfz-Industrie führten. Auch der Start in das Schlussquartal fiel schwach aus. Im Vergleich der ersten beiden Monate von Q4 und dem August/September schrumpfte die Industrieproduktion um 1,5%. Besonders auffällig waren in die- sem Kontext die negativen Ergebnisse der Konsumgüterproduktion (-5,4%) und der Energieerzeugung (-6,2%). Die Entwicklung der Auftragseingänge in diesem Zeitraum sah auch nicht rosig aus. So schrumpften die Auftragseingänge (inkl. Großauftr.) im beschriebenen Zeitraum um 0,3%. Vor allem die Vorleistungs- (-2,5%) und Konsumgüteraufträge (-3%) trugen zu der schlechten Entwicklung bei. Einen Lichtblick markierten die Investitionsgüterbestellungen (+1,4%) und insbesondere die Aufträge für die Kfz-Industrie. Diese nahmen im Zweimonats- vergleich um 4,9% zu, wobei die Aufträge aus dem Ausland außerhalb der Eu- rozone um kräftige 10,5% wuchsen. Damit verstärken sich die Erwartungen ei- ner weiteren Belebung in diesem wichtigen Industriezweig. Die gute Auftrags- entwicklung, wie auch die jüngsten Inlandsumsätze der Investitionsgüterprodu- zenten (Okt/Nov vs. Aug/Sep: +3,1%) dürften die deutschen Ausrüstungsinvesti- tionen auch weiter stützen. Gegenwärtig sieht sich die exportorientierte und stark in internationale Wert- schöpfungsketten integrierte deutsche Industrie mit einem schwierigen geo- und wirtschaftspolitischen Umfeld konfrontiert. Der schwelende Handelskonflikt zwi- schen China und den USA, drohende Zölle auf europäische Autoexporte in die -0,8 -0,6 -0,4 -0,2 0 0,2 0,4 0,6 0,8 1 1,2 1,4 11 12 13 14 15 16 17 18 Quelle: Statistisches Bundesamt %, ggü. Vq., sb. Schrumpfende reale private Konsumausgben in Q3 2018 19 -20 -15 -10 -5 0 5 10 15 20 25 30 14 15 16 17 18 … zur Entwicklung der Geschäftstätigkeit … zur Entwicklung der Exporttätigkeit Erste Anzeichen einer Erholung in der Autoindustrie 20 Erwartungen in der dt. Automobilindustrie..., Saldo aus pos. u. neg. Firmenmeldungen, sb. Quelle: ifo Institut 95 100 105 110 115 14 15 16 17 18 Produktion Aufträge Quelle: Statistisches Bundesamt Verarbeitendes Gewerbe in DE, 2015=100, sb. Konjunkturhöhepunkt überschritten 21 Starke Kreditvergabe, jedoch BIP-Rückgang in Deutschland in Q3 2018 9 | 17. Januar 2019 Deutschland-Monitor USA sowie ein ungeordneter Brexit sind Risiken, die sich auch im Jahr 2019 nicht schnell auflösen werden. Trotz der jüngsten Signale der ifo-Erwartungen, die auf eine weitere Abkühlung der Industriekonjunktur hindeuten, halten wir eine Rezession aus gegenwärtiger Sicht für wenig wahrscheinlich. Dies gilt auch für die Industrieproduktion, die im Jahr 2019 von einem globalen Wachstum von 3,5% gestützt werden sollte. Nach 1,5% im Jahr 2018, rechnen für das Jahr 2019 mit einem geringeren Pro- duktionsplus im deutschen Verarbeitenden Gewerbe in Höhe von 0,5%. Neben dem eingetrübten wirtschaftlichen Umfeld und den schon genannten Sondereffekten behindert der Mangel an geeigneten Fachkräften das Produkti- onswachstum angebotsseitig. Angesichts des engen deutschen Arbeitsmarktes wird dieses Problem auch im Jahr 2019 weiter bestehen. 1,5% BIP-Wachstum in 2018 – Prognose für 2019 auf 1% (1,3%) angepasst Auch wenn der BIP-Rückgang um 0,2% ggü. Vq. in Q3 vor allem auf den WLTP-Effekt zurückzuführen war, hat sich das zugrunde liegende Wachstum im Jahr 2018 ganz klar verlangsamt. Nach ersten Berechnungen des Stabu ist das BIP im Gesamtjahr 2018 lediglich um 1,5% gewachsen. Nimmt man an, dass die Vorquartale nicht revidiert werden, impliziert dies ein schwaches Wachstum in Q4. Die Schnellschätzung der Q4-Wachstumsrate wird am 14. Februar veröf- fentlicht. Die schwachen Q4-Daten insbesondere aus der Autoindustrie deuten auch für Q1 ein schwächer als bislang erwartetes Wachstum an. Deshalb prog- nostizieren wir nun für 2019 ein BIP-Wachstum von 1% (1,3%). Für 2020 ist trotz eines spürbaren, positiven Arbeitstageeffekts nur mit einer geringfügigen Beschleunigung zu rechnen, da die Abschwächung des weltweiten Wachstums und eine Aufwertung des Euro für kräftigen externen Gegenwind sorgen dürften. EZB – Bestätigung des Ausstiegs aus den Nettoanleihekäufen Die EZB hat im Verlauf des dritten Quartals immer wieder auf das bevorste- hende Auslaufen ihrer Nettoanleihekäufe hingewiesen. Erwartungsgemäß wur- den sie zum Jahresende eingestellt . Die notwendigen weiteren geldpolitischen Impulse – so das Argument der EZB – werden im weiteren Verlauf über den be- trächtlichen Stand an erworbenen Vermögenswerten erfolgen. Danach werden die Zinsen so lange wie notwendig auf dem aktuellen Niveau bleiben und Til- gungen aus fällig werdenden Anleihen vollständig reinvestiert. Die konjunktu- relle Verlangsamung in der EWU macht der EZB die Normalisierung ihrer Geld- politik nicht einfacher. Aktuell sprechen aber die Niveaus und die Erwartung ei- ner Normalisierung der Inflation weiterhin für einen graduellen Ausstieg. Den Aussagen der jüngsten Pressekonferenz und den entsprechenden Sitzungspro- tokollen folgend, wird die EZB bei ihrem derzeitigen geldpolitischen Kurs die ak- tuell bestehenden Abwärtsrisiken im Blick behalten. Zu diesem Zweck legte sie sich vorab darauf fest, ihr Reinvestitionsprogramm für längere Zeit nach Ende des Nettoerwerbs von Vermögenswerten weiterzuführen sowie die Leitzinsen mindestens über den Sommer 2019 und in jedem Fall so lange wie notwendig auf ihrem aktuellen Niveau zu halten. Zudem betonte sie ihre Bereitschaft, so- fern erforderlich „alle Instrumente" (einschließlich der Nettokäufe) zu nutzen. Sollten diese nicht eintreten, dürfte die nächste Phase des Ausstiegs – die erste Leitzinserhöhung – vor Jahresende 2019 anstehen Marc Schattenberg (+49 69 910-31875, marc.schattenberg@db.com) Starke Kreditvergabe, jedoch BIP-Rückgang in Deutschland in Q3 2018 10 | 17. Januar 2019 Deutschland-Monitor © Copyright 2019. Deutsche Bank AG, Deutsche Bank Research, 60262 Frankfurt am Main, Deutschland. Alle Rechte vorbehalten. Bei Zitaten wird um Quellenangabe „Deutsche Bank Research“ gebeten. Die vorstehenden Angaben stellen keine Anlage-, Rechts- oder Steuerberatung dar. Alle Meinungsaussagen geben die aktuelle Einschätzung des Ver- fassers wieder, die nicht notwendigerweise der Meinung der Deutsche Bank AG oder ihrer assoziierten Unternehmen entspricht. Alle Meinungen kön- nen ohne vorherige Ankündigung geändert werden. Die Meinungen können von Einschätzungen abweichen, die in anderen von der Deutsche Bank veröffentlichten Dokumenten, einschließlich Research-Veröffentlichungen, vertreten werden. Die vorstehenden Angaben werden nur zu Informations- zwecken und ohne vertragliche oder sonstige Verpflichtung zur Verfügung gestellt. Für die Richtigkeit, Vollständigkeit oder Angemessenheit der vorste- henden Angaben oder Einschätzungen wird keine Gewähr übernommen. In Deutschland wird dieser Bericht von Deutsche Bank AG Frankfurt genehmigt und/oder verbreitet, die über eine Erlaubnis zur Erbringung von Bankge- schäften und Finanzdienstleistungen verfügt und unter der Aufsicht der Europäischen Zentralbank (EZB) und der Bundesanstalt für Finanzdienstleis- tungsaufsicht (BaFin) steht. 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