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  4. Ausblick Deutschland
30. Juni 2014
Die deutsche Industrieproduktion dürfte im Gesamtjahr um real etwa 4% wachsen. Zwar haben sich am aktuellen Rand die Geschäftserwartungen eingetrübt, sie befinden sich aber nach wie vor im positiven Bereich. Trotz der guten Arbeitsmarktlage in Deutschland hat sich die Inflation spürbar verlangsamt. Die Erholung der Weltwirtschaft, der abwertende Euro sowie die Einführung des flächendeckenden Mindestlohns in Deutschland führen in unserer Prognose dazu, dass der Tiefpunkt der Inflation erreicht ist. Nach 1,1% im laufenden Jahr könnte sie 2015 auf 1,6% steigen. Die EZB hat am 5. Juni ein umfangreiches Maßnahmenpaket aufgelegt. Dabei handelte sie aus Sorge über die niedrige Inflation sowie ein Absinken der langfristigen Inflationserwartungen, was sich negativ auf die Kreditvergabe und die Schuldentragfähigkeit auswirken würde. Wir erwarten dass die EZB im ersten Halbjahr 2015 mit einem auf private Kreditforderungen abzielenden quantitativen Lockerungsprogramm nachlegen wird. Vorsichtige Zinserhöhungen sehen wir erst gegen Ende 2016. [mehr]
Ausblick Deutschland: Solides Wachstum, wenig Inflation (trotz EZB) Aktuelle Themen Konjunktur Industrie wächst 2014 überdurchschnittlich. Die deutsche Industrieproduktion dürfte – nach einem guten Start ins Jahr 2014 – im Gesamtjahr um real etwa 4% wachsen. Zwar haben sich am aktuellen Rand die Geschäftserwartungen eingetrübt, sie befinden sich aber nach wie vor im positiven Bereich. Zudem sind die Kapazitäten derzeit gut ausgelastet. Die deutsche Industrie profitiert von der allmählichen konjunkturellen Erholung in Westeuropa. So lagen die deutschen Warenexporte in die meisten westeuropäischen Länder im 1. Quartal 2014 wieder über dem entsprechenden Vorjahresniveau. Von den großen deutschen Industriebranchen dürfte 2014 die Automobilindustrie mit einem Plus von rd. 5% das höchste Produktionswachstum erzielen. In der Elektrotechnik halten wir einen Zuwachs um 3% für möglich. Der Maschinenbau und die Chemieindustrie haben zu Jahresbeginn enttäuscht. Setzt hier jedoch – wie von uns erwartet – in den nächsten Monaten eine Erholung ein, kann die Produktion 2014 noch um real 2% bzw. 1% wachsen. Schwache Weltkonjunktur dämpft deutsche Inflation. Trotz der guten Arbeits- marktlage in Deutschland hat sich die Inflation spürbar verlangsamt. Nach 2% in 2012 und 1,5% in 2013 lag sie in H1 2014 bei 1,1% und damit nicht viel höher als in der Eurozone insgesamt. Der nachfragebedingte Rückgang der globalen Rohstoffpreise (Energie und Nahrungsmittel) hat diese Entwicklung weitgehend bestimmt. Der relativ starke Euro bei gleichzeitiger Unterauslastung der Welt- wirtschaft hat die Importpreise zusätzlich gedämpft. Dagegen hat sich die Kern- inflation 2014 sogar erhöht. Dies lässt sich allerdings mit einem Basiseffekt durch den Wegfall der Praxisgebühr erklären und ist daher kein Zeichen von z.B. lohngetriebenem Preisdruck. Die Erholung der Weltwirtschaft, der abwer- tende Euro sowie die Einführung des flächendeckenden Mindestlohns in Deutschland führen in unserer Prognose dazu, dass der Tiefpunkt der Inflation erreicht ist. Nach 1,1% im laufenden Jahr könnte sie 2015 auf 1,6% steigen. EZB-Paket markiert noch nicht das Ende der Fahnenstange. Die EZB hat am 5. Juni ein umfangreiches Maßnahmenpaket aufgelegt. Dabei handelte sie aus Sorge über die niedrige Inflation sowie ein Absinken der langfristigen Inflations- erwartungen, was sich negativ auf die Kreditvergabe und die Schuldentragfä- higkeit auswirken würde. Allerdings dürften die TLTROs, die u.a. den Kernpunkt des Pakets darstellen und weniger gezielt sind als es ihr Namen Glauben macht, selbst bei voller Weitergabe der gesunkenen Refinanzierungskosten das Wirtschaftswachstum nur in der Peripherie mit 0,3 bis 0,4 Prozentpunkten spür- bar stimulieren. Den Inflationseffekt veranschlagen wir für die gesamte Euro- zone lediglich auf 0,1 Prozentpunkte in 2017. Daher erwarten wir, dass die EZB im ersten Halbjahr 2015 mit einem auf private Kreditforderungen abzielenden quantitativen Lockerungsprogramm nachlegen wird. Vorsichtige Zinserhöhun- gen sehen wir erst gegen Ende 2016. Autor en Eric Heymann +49 69 910-31730 eric.heymann@db.com Oliver Rakau +49 69 910-31875 oliver.rakau@db.com Stefan Schneider +49 69 910-31790 stefan-b.schneider@db.com Editor Stefan Schneider Deutsche Bank AG Deutsche Bank Research Frankfurt am Main Deutschland E-Mail: marketing.dbr@db.com Fax: +49 69 910-31877 www.dbresearch.de DB Research Management Ralf Hoffmann Inhaltsverzeichnis Seite Prognosetabellen ............................................2 Industrie wächst 2014 überdurchschnittlich .....3 Schwache Weltkonjunktur dämpft deutsche Inflation ...........................................................8 EZB-Paket markiert noch nicht das Ende der Fahnenstange ......................................... 12 Grafik des Monats ......................................... 14 Chartbook ..................................................... 16 Eventkalender ............................................... 23 Datenkalender .............................................. 24 Finanzmarktprognosen ................................. 25 Datenmonitor ................................................ 26 30. Juni 2014 Ausblick Deutschland Solides Wachstum, wenig Inflat ion (trotz EZB) Ausblick Deutschland 2 | 30. Juni 2014 Aktuelle Themen Wachstum, Inflation, Leistungsbilanz, Budgetsaldo DX BIP - Wachstum Inflation* Leistungsbilanzsaldo Budgetsaldo in % gg. Vj. in % gg. Vj. in % des BIP in % des BIP 2013 2014P 2015P 2013 2014P 2015P 2013 2014P 2015P 2013 2014P 2015P Euroland - 0,4 1,1 1,5 1,4 0,7 1,2 2,4 2,4 2,3 - 3,1 - 2,5 - 2,1 Deutschland 0,4 1,8 2,0 1,5 1,1 1,6 7,5 7,1 6,8 0,0 0,2 0,1 Frankreich 0,4 0,7 1,3 1,0 0,9 1,0 - 1,3 - 1,1 - 1,1 - 4,3 - 3,9 - 3,6 Italien - 1,9 0,3 1,3 1,3 0,5 1,1 1,0 1,6 2,0 - 3 ,0 - 2,9 - 2,5 Spanien - 1,2 1,0 1,8 1,5 0,2 1,0 0,8 0,5 0,5 - 7,1 - 5,7 - 4,9 Niederlande - 0,7 0,3 1,7 2,6 0,5 1,1 10,4 11,1 10,9 - 2,5 - 2,9 - 2,2 Belgien 0,2 1,4 1,5 1,2 0,8 1,3 - 1,6 - 1,0 - 0,5 - 2,6 - 2,5 - 2,4 Österreich 0,3 1,4 1,8 2,1 1,6 1,6 2,7 3,4 3,6 - 1,5 - 2,7 - 1,4 Finnland - 1,3 - 0,4 0,8 2,2 1,2 1,3 - 1,1 - 0,8 - 0,5 - 2,1 - 2, 5 - 1,8 Griechenland - 3,9 0,5 2,2 - 0,9 - 1,0 0,2 0,5 1,0 1,5 - 12,7 - 1,5 - 0,2 Portugal - 1,4 0,9 1,5 0,4 0,0 0,9 0,7 1,0 1,0 - 4,9 - 4,1 - 3,0 Irland - 0,3 1,8 2,3 0,5 0,4 1,1 6,6 6,5 7,0 - 7,2 - 4,7 - 2,6 Großbritannien 1,7 3,1 2,5 2,6 1,6 1,8 - 4,4 - 3,7 - 3,0 - 5,8 - 4,6 - 3,4 Dänemark 0,4 1,4 1,8 0,8 0,8 1,8 7,3 6,5 6,5 0,0 - 1,5 - 2, 5 Norwegen 2,0 2,1 2,4 2,1 1,8 2,2 11,1 11,5 11,0 7,6 9,5 9,0 Schweden 1,6 2,4 2,8 0,0 0,1 1,6 6,5 6,3 6,0 - 3,6 - 1,5 - 1,0 Schweiz 2,0 1,8 2,0 - 0,2 0,0 0,4 13,0 12,5 12,0 0,2 0,0 0,2 Tschech. Rep. - 0,9 2,3 2,6 1,4 0,8 2,0 - 1,4 - 1,5 - 1,4 - 1,4 - 2,6 - 2,5 Ungarn 1,1 2,7 2,8 1,7 0,5 2,8 2,9 1,5 1,1 - 2,2 - 2,9 - 2,7 Polen 1,6 3,3 3, 7 0,9 0,9 2,3 - 1,3 - 2,0 - 1,8 - 4,4 4,3 - 3,1 USA 1,9 1,9 3,5 1,5 2,0 2,3 - 2,4 - 2,7 - 2,8 - 4,0 - 2,8 - 2,5 Japan 1,5 1,2 1,5 0,4 2,7 1,7 0,7 0,5 1,8 - 9,1 - 6,8 - 5,7 Welt 2,9 3,2 3,9 3,2 3,5 3,6 *Inflationsdaten für EU - Länder basieren auf harmonisierten Verbraucherpreisindizes außer bei Deutschland. Dies kann zu Diskrepanzen zu anderen DB Publikationen führen. Quellen: Nationale Behörden, Nationale Zentralbanken, Deutsche Bank Prognosen Deutschland: BIP-Wachstum nach Komponenten, % gg.Vq., Jahresdaten % gg.Vj. DX 2013 2014 2011 2012 2013 2014P 2015P Q1 Q2 Q3 Q4 Q1 Q2P Q3P Q4P BIP 3,3 0,7 0,4 1,8 2,0 0,0 0,7 0,3 0,4 0,8 0,2 0,5 0,4 Privater Konsum 2,3 0,8 0,9 1,3 1,6 0,3 0,7 0,3 - 0,3 0,7 0,4 0,4 0,4 Staatsausgaben 1,0 1,0 0,4 0,8 0,5 0,0 - 0,2 0,7 - 0,3 0,4 0,2 0,2 0,2 Anlageinvestitionen 6,9 - 2,1 - 0,8 5,5 3,8 - 1,4 1,2 1,3 0,7 3,2 0,4 1,0 0,9 Ausrüstungen 5,8 - 4,0 - 2,4 7,0 5,1 - 1,4 0,5 0,1 1,4 3,3 1,5 1,5 1,5 Bau 7,8 - 1,4 - 0,2 5,4 3,2 - 1,5 1,7 2,1 0,2 3,6 - 0,5 0,5 0,5 Lager, % - Punkte - 0,1 - 0,5 0,1 0,5 0,0 0,5 - 0,4 0,2 - 0, 2 0,7 - 0,2 0,1 0,0 Exporte 8,0 3,2 0,9 4,7 6,8 - 0,7 2,5 - 0,1 2,5 0,2 1,4 1,2 1,5 Importe 7,4 1,4 1,5 6,5 7,2 0,2 1,5 0,8 1,3 2,2 1,5 1,5 1,8 Nettoexport, % - Punkte 0,7 0,9 - 0,2 - 0,5 0,3 - 0,5 0,6 - 0,5 0,7 - 0,9 0,0 - 0,1 - 0,1 Konsumentenpreise* 2,1 2,0 1,5 1,1 1,6 1,5 1,5 1,6 1,3 1,1 1,0 1,1 1,2 Arbeitslosenquote, % 7,1 6,8 6,9 6,6 6,6 6,9 6,9 6,8 6,9 6,8 6,7 6,6 6,5 Industrieproduktion 7,3 - 0,4 0,0 4,2 3,0 Budgetsaldo, % BIP - 0,8 0,1 0,0 0,2 0,1 Öffentlicher Schuldenstand, % BIP 80,0 81,0 78,4 75,2 72,0 Leistungsbilanzsaldo, % BIP 6,8 7,4 7,5 7,1 6,8 Leistungsbilanzsaldo, EUR Mrd. 178 199 206 201 198 *Infla tionsdaten für Deutschland basieren auf nationaler Abgrenzung. Dies kann zu Diskrepanzen zu anderen DB Publikationen führen. Quellen: Statistisches Bundesamt, Deutsche Bundesbank, Arbeitsagentur, Deutsche Bank Research Ausblick Deutschland 3 | 30. Juni 2014 Aktuelle Themen Industrie wächst 2014 überdurchschnittlich — Die deutsche Industrieproduktion dürfte – nach einem guten Start ins Jahr 2014 – im Gesamtjahr um real etwa 4% wachsen. Zwar haben sich am ak- tuellen Rand die Geschäftserwartungen eingetrübt, sie befinden sich aber nach wie vor im positiven Bereich. Zudem sind die Kapazitäten derzeit gut ausgelastet. Die deutsche Industrie profitiert von der allmählichen konjunk- turellen Erholung in Westeuropa. So lagen die deutschen Warenexporte in die meisten westeuropäischen Länder im 1. Quartal 2014 wieder über dem entsprechenden Vorjahresniveau. — Von den großen deutschen Industriebranchen dürfte 2014 die Automobil- industrie mit einem Plus von rd. 5% das höchste Produktionswachstum er- zielen. In der Elektrotechnik halten wir einen Zuwachs um 3% für möglich. Der Maschinenbau und die Chemieindustrie haben zu Jahresbeginn ent- täuscht. Setzt hier jedoch – wie von uns erwartet – in den nächsten Mona- ten eine Erholung ein, kann die Produktion 2014 noch um real 2% bzw. 1% wachsen. — Die Automobilindustrie hat seit 2008 ihren Anteil an der gesamten industriel- len Wertschöpfung um mehr als 3%-Punkte auf 15,7% (2012) erhöht. Insgesamt ist die deutsche Industrie damit abhängiger von der Automobilin- dustrie geworden, gleichwohl basiert ihr Erfolg noch immer auf vielen Schul- tern. Die deutsche Industrie ist recht gut ins Jahr 2014 gestartet. In den ersten vier Monaten 2014 lag die Produktion saisonbereinigt um real 1,5% über dem Ni- veau des letzten Jahresdrittels 2013. Im Vorjahrsvergleich überstieg die Ferti- gung zwischen Januar und April 2014 den entsprechenden Wert von 2013 so- gar um 3,7%. Insgesamt rechnen wir für das Gesamtjahr 2014 mit einem Zu- wachs der inländischen Industrieproduktion um rd. 4%. 2012 (-1,1%) und 2013 (-0,1%) waren jeweils noch leichte Rückgänge zu verzeichnen. Wir erwarten, dass die inländische Fertigung im Verlauf der verbleibenden Mo- nate von 2014 weiter steigen wird. Ein Grund für unsere recht optimistische Einschätzung liegt in der Entwicklung der Auftragseingänge. Sie tendierten in den letzten Monaten nach oben, wenngleich auf Monatsbasis zum Teil deutliche Schwankungen zu verzeichnen waren; die hohe Volatilität bei Großaufträgen war hierfür maßgeblich. Insgesamt lagen die Auftragseingänge im ersten Jah- resdrittel 2014 saisonbereinigt zwar „nur“ um real 0,5% über dem Wert der Vor- periode. Im Vorjahresvergleich beträgt das Plus jedoch beachtliche 5,2%. Inter- essant ist, dass sich im Zeitraum Januar bis April 2014 die Inlandsaufträge im Durchschnitt besser entwickelten als die Auslandsaufträge. Gerade bei den Bestellungen aus der Eurozone ist am aktuellen Rand noch kein stabiler Auf- wärtstrend zu beobachten, wenngleich das Niveau auch hier höher ist als vor Jahresfrist. Stimmungsindikatoren deuten auf Belebung der Geschäftstätigkeit hin Unsere Industrieprognose wird durch verschiedene Stimmungsindikatoren ge- stützt. So liegen die ifo-Erwartungen der Unternehmen hinsichtlich der Ge- schäftstätigkeit, der Produktions- und der Exportentwicklung seit Monaten stabil im positiven Bereich, wenngleich sie am aktuellen Rand (leicht) sanken. Gleich- wohl wurden auch hier auf Monatsbasis zuletzt immer wieder Schwankungen gemeldet, die nicht zuletzt auf geopolitische Faktoren (z.B. Ukraine-Konflikt) zurückzuführen sein dürften. Sie sind ein Zeichen dafür, dass die (weitere) kon- junkturelle Erholung der Industrie kein Selbstläufer sein wird und gesamtwirt- schaftliche Risiken relevant bleiben. Die Einschätzung der aktuellen Lage durch die Unternehmen, die in den letzten Monaten ein sehr hohes Niveau erreicht 90 95 100 105 110 115 10 11 12 13 14 Produktion Aufträge Quelle: Statistisches Bundesamt Intakter Aufwärtstrend 1 Produktion und Aufträge im Verarbeitenden Gewerbe, real, sb. DE, 2010=100 - 60 - 40 - 20 0 20 40 08 09 10 11 12 13 14 … Geschäftstätigkeit … Beschäftigung … Produktionstätigkeit … Exporttätigkeit Gute Stimmung in deutscher Industrie 2 Erwartungen der Unternehmen zur Entwicklung der..., Saldo aus pos. und neg. Firmenmeldungen Quelle: ifo Institut Ausblick Deutschland 4 | 30. Juni 2014 Aktuelle Themen hat, wurde hiervon jedoch bislang kaum beeinträchtigt. Insgesamt zeichnen die ifo-Zahlen für die Industrie also ein positives Bild, wobei die aktuelle Lage von den Unternehmen schon seit Ende 2010 besser eingeschätzt wird als die Er- wartungen. In diesen Zeitraum fiel eine Reihe von Meldungen z.B. rund um die Eurokrise, die zwar auf die Stimmung der Unternehmen drückten, deren negati- ve Auswirkungen in der Praxis jedoch begrenzt waren oder durch bessere Ge- schäfte mit Ländern außerhalb der Eurozone kompensiert werden konnten. Kapazitäten gut ausgelastet – Fokus auf Ersatzinvestitionen Die Kapazitätsauslastung der Industrieunternehmen hat sich zuletzt gut entwi- ckelt. Sie ist im 2. Quartal 2014 auf den höchsten Wert seit zwei Jahren geklet- tert und liegt inzwischen auch wieder über dem langfristigen Durchschnitt. In- landsaufträge für Investitionsgüter – ein guter Frühindikator für die Investitions- tätigkeit – sind im ersten Jahresdrittel 2014 um 2,7% gegenüber den letzten vier Monaten 2013 gestiegen. Gleichwohl dürften in den nächsten Monaten in den meisten Industriezweigen wenige Erweiterungsinvestitionen getätigt werden, denn viele Branchen – z.B. die Stahlindustrie – sind zumindest auf europäischer Ebene derzeit noch von Überkapazitäten geprägt. Zudem dürften sich einige Unternehmen angesichts verschiedener Beschlüsse der Bundesregierung (z.B. Rentenpaket) oder hoher Energiepreise mit Investitionen in Deutschland zu- rückhalten. Insofern ist auch ein Beschäftigungsaufbau in der Industrie vorerst wenig wahrscheinlich. Dies deckt sich mit der jüngsten ifo-Umfrage, nach der Industrieunternehmen in Deutschland für die nähere Zukunft in etwa eine kons- tante Beschäftigung erwarten. Dabei ist allerdings zu berücksichtigen, dass die Zahl der Industriebeschäftigen in Deutschland aktuell um mehr als 7% über dem Tiefpunkt vom Frühjahr 2010 und insgesamt auf einem im langfristigen Ver- gleich hohen Niveau liegt. Warenausfuhr: Nur noch wenige Länder im Minus Ein wesentlicher Faktor für unsere zuversichtliche Industrieprognose ist die all- mähliche gesamtwirtschaftliche Erholung in Westeuropa. Nach den Rückgängen des BIP in der Eurozone in den Jahren 2012 und 2013 dürfte die Wirtschaft im gemeinsamen Währungsraum im laufenden Jahr wieder wachsen (+1,1%). Dies ist zwar eine recht verhaltene Dynamik, und die gesamtwirtschaftlichen Risiken sind noch immer beträchtlich. Dennoch dürfte diese Entwicklung der deutschen Industrie Impulse verleihen: Noch immer gehen knapp 37% der deutschen Aus- fuhren in die Eurozone; 2008 waren es freilich noch 43%. So bestätigt ein Blick auf die deutschen Warenexporte, dass die Ausfuhren in die meisten westeuropäischen Länder im ersten Jahresdrittel wieder über dem entsprechenden Vorjahresniveau lagen – zum Teil deutlich. Unter den bedeu- tenden Abnehmerländern in Westeuropa verzeichneten lediglich Belgien und die Schweiz bei den deutschen Exporten ein Minus im Vorjahresvergleich. Au- ßerhalb Westeuropas schrumpften vor allem die Ausfuhren nach Russland und in die Türkei deutlich, was u.a. auf die Abwertung der beiden nationalen Wäh- rungen gegenüber dem Euro, eine jeweils gegenüber 2013 geringere gesamt- wirtschaftliche Dynamik und im Falle Russlands auch auf den Ukrainekonflikt zurückzuführen ist. Anteil der Industrie an der Bruttowertschöpfung könnte 2014 wieder steigen Es ist wahrscheinlich, dass der von uns erwartete kräftige Anstieg der Industrie- produktion auch mit einem überdurchschnittlichen Zuwachs der industriellen Bruttowertschöpfung in Deutschland einhergeht. Daher dürfte 2014 der Anteil der Industrie an der gesamtwirtschaftlichen Bruttowertschöpfung wieder steigen, 40 60 80 100 05 06 07 08 09 10 11 12 13 14 Kapazitäten recht gut ausgelastet 3 Kapazitätsauslastung in deutscher Industrie, % Quelle: ifo Institut 4,7 4,8 4,9 5,0 5,1 5,2 05 06 07 08 09 10 11 12 13 14 Quelle: Statistisches Bundesamt Gute Beschäftigungssituation 4 Industriebeschäftigte in Deutschland, Mio. - 30 - 20 - 10 0 10 20 30 09 10 11 12 13 14 Quelle: Statistisches Bundesamt Warenausfuhr aus Deutschland, % gg. Vj. Deutsche Warenexporte zuletzt überwiegend im Plus 5 Ausblick Deutschland 5 | 30. Juni 2014 Aktuelle Themen nachdem er 2013 zum zweiten Mal in Folge gesunken war und mit 21,8% den zweitniedrigsten Wert in den letzten zehn Jahren erreichte. Diese Zahlen über- raschen auf den ersten Blick, gilt doch die heimische Industrie aufgrund ihrer innovativen Produkte und internationalen Ausrichtung zu Recht als eine der wesentlichen Säulen für die gute wirtschaftliche Entwicklung Deutschlands in den letzten Jahren. Die Entwicklung zeigt jedoch auch, dass es in hochentwi- ckelten Volkswirtschaften wie Deutschland schon sehr ambitioniert ist, einen bestimmten Industrieanteil lediglich zu halten – geschweige denn zu steigern. Letzteres setzte nämlich naturgemäß voraus, dass die Wertschöpfung der In- dustrie dauerhaft schneller stiege als jene der anderen Sektoren. Dies ist vor allem hinsichtlich des hohen Wachstumspotenzials einzelner Dienstleistungen (z.B. im IT- oder Gesundheitsbereich) sehr anspruchsvoll. Insgesamt ist natürlich festzuhalten, dass Deutschland mit seinem aktuellen Industrieanteil von 21,8% nach wie vor deutlich über dem EU-Durchschnitt von 15,1% liegt. Verglichen mit Frankreich oder Großbritannien, deren Industriean- teil inzwischen auf rd. 10% gesunken ist, zeichnet sich Deutschland ohnehin durch eine hohe Bedeutung der Industrie aus. Automobilindustrie mit höchster Dynamik im Jahr 2014 Von den größten deutschen Industriezweigen dürfte 2014 die Automobilindust- rie das stärkste Produktionswachstum erzielen. Wir rechnen mit einem Plus von real 5% (2013: +1,2%). In den ersten vier Monaten von 2014 lag die inländische Fertigung um real 2,4% über dem Niveau des letzten Jahresdrittels 2013. Im Vorjahresvergleich übertraf die Produktion von Januar bis April 2014 den Wert von 2013 um 8%. Die Automobilindustrie in Deutschland profitiert von der wie- der anziehenden Autonachfrage in Westeuropa und der fortgesetzten Dynamik des US-amerikanischen und chinesischen Automarktes. Dies verleiht den Aus- fuhren von Autos, Teilen und Zubehör aus deutscher Produktion Impulse und kann die aktuellen Rückgänge bei den Exporten etwa nach Russland oder Bel- gien überkompensieren. Aufgrund der höheren Nachfrage haben zuletzt einige Hersteller aus dem so genannten Premiumsegment angekündigt, die Werksfe- rien in diesem Sommer zu verkürzen oder ganz ausfallen zu lassen. Aktuell liegt die Kapazitätsauslastung in der Branche schon über 90% und damit spürbar über dem langfristigen Durchschnitt. Die tendenziell aufwärts gerichtete Ent- wicklung der Auftragseingänge sowie Geschäftserwartungen im positiven Be- reich sprechen auch für den Rest von 2014 für eine rege Produktionstätigkeit in der Automobilindustrie. Auch die Elektrotechnik ist gut ins Jahr 2014 gestartet. Im ersten Jahresdrittel lag die inländische Produktion saisonbereinigt um real 3,1% über dem Niveau der letzten vier Monate von 2013. Für das Gesamtjahr rechnen wir mit einem Plus von 3% (2013: -2,1%), wobei die jüngsten Daten sogar auf eine Aufwärts- revision hindeuten. Stützend wirkten im bisherigen Jahresverlauf die Ausfuhren nach China und einige westeuropäische Länder, aber auch von Seiten der In- landsnachfrage sind Impulse zu verzeichnen. Die Kapazitätsauslastung ist am aktuellen Rand zum vierten Mal in Folge gestiegen, und die Geschäftserwartun- gen liegen seit Ende 2012 stabil im positiven Bereich. Auf Kurs Richtung 4% reales Produktionswachstum ist die Metallindustrie (Me- tallerzeugung und Metallerzeugnisse) in Deutschland, die wiederum von der Nachfrage der zuvor genannten Branchen profitiert. Zwar hat bei den Auftrags- eingängen zuletzt die Dynamik etwas nachgelassen. Die Stimmungsindikatoren sind jedoch nach wie vor robust. 62 64 66 68 70 72 18 20 22 24 26 28 91 95 99 03 07 11 Verarbeitendes Gewerbe (links) Dienstleistungen (rechts) Industrieanteil sinkt zuletzt wieder 6 Quelle: Statistisches Bundesamt Anteil an Bruttowertschöpfung in Deutschland, % 80 90 100 110 120 130 10 11 12 13 14 Produktion Aufträge Quelle: Statistisches Bundesamt Hohes Produktionsniveau erreicht 7 Produktion und Aufträge in der Automobilindustrie, real, sb. DE, 2010=100 90 100 110 120 10 11 12 13 14 Produktion Aufträge Quelle: Statistisches Bundesamt Produktion und Aufträge in der Elektroindustrie, real, sb. DE, 2010=100 Zum Jahresauftakt dynamisch 8 Ausblick Deutschland 6 | 30. Juni 2014 Aktuelle Themen Maschinenbau und Chemie noch mit angezogener Handbremse – Erholung ab Q2 erwartet Im Maschinenbau ist derzeit der Konjunkturaufschwung dagegen noch ausge- blieben. Im Zeitraum Januar bis April 2014 lag die Produktion in Deutschland saisonbereinigt sogar um real 1,2% unter dem Wert der vorangegangenen Viermonatsperiode. Zwar zogen die Auftragseingänge am aktuellen Rand an, jedoch ist mit Blick auf die letzten Monate kein stabiler Aufwärtstrend zu beo- bachten. Stattdessen ähnelt die Entwicklung der Auftragseingänge einem stän- digen Auf und Ab. Der Maschinenbau hat damit zu kämpfen, dass die Nachfra- ge aus wichtigen Abnehmerländern zu Jahresbeginn gesunken ist. So sind die Ausfuhren nach Russland, das 2013 viertgrößter Abnehmer von Maschinen aus deutscher Produktion war, im ersten Jahresdrittel um 17,6% gg. Vj. gesunken. Hinzu kommt, dass die Nachfrage aus Westeuropa sich noch nicht auf breiter Front erholt hat. In der Folge ist auch die Kapazitätsauslastung in der Branche noch nicht gestiegen. Zwar erwarten wir, dass die Nachfrage aus dem In- und Ausland und damit auch die Produktion im weiteren Verlauf von 2014 noch an- ziehen werden, sodass die Produktion im Maschinenbau im Gesamtjahr um real rd. 2% expandieren dürfte (2013: -1,6%). Bliebe diese Erholung in den nächsten zwei bis drei Monaten jedoch aus, müssten wir unsere Prognose nach unten revidieren. Noch schwächer entwickelte sich in den letzten Monaten die Chemieindustrie in Deutschland. Hier lag die inländische Produktion im ersten Jahresdrittel saison- bereinigt um real 2,4% unter dem Niveau der Vorperiode. In der Branche stottert zu Jahresbeginn der Exportmotor, und auch die Inlandsnachfrage tendiert seit einiger Zeit eher seitwärts. Wir erwarten – wie auch für den Maschinenbau – in der Chemieindustrie eine Erholung von Aufträgen und Produktion in den kom- menden Monaten. Jedoch wäre auch hier eine Revision unserer aktuellen Pro- duktionsprognose von +1% (2013: +0,5%) im Jahresdurchschnitt notwendig, wenn diese Erholung kurzfristig ausbliebe. Industriestruktur ändert sich seit Beginn der Krise nur wenig Die deutsche Industrie hat seit Ende 2008, als die globale Wirtschafts- und Fi- nanzkrise begann, turbulente Zeiten hinter sich: Im Jahr 2009 sank die inländi- sche Produktion um mehr als 17%. Darauf folgte eine beeindruckende Erholung in den Jahren 2010 (Produktion +12%) und 2011 (+8,5%), die maßgeblich für die gute gesamtwirtschaftliche Entwicklung Deutschlands in diesen beiden Jah- ren war und in anderen westeuropäischen Ländern ausblieb oder deutlich mo- derater ausfiel. Erst 2012 und 2013 „normalisierte“ sich die Industrieproduktion in Deutschland wieder. Es ist interessant zu sehen, dass sich die hiesige Industriestruktur trotz dieser hohen Volatilität der Produktion in den genannten Jahren nicht übermäßig ge- ändert hat. Vergleicht man den Anteil der einzelnen Industriezweige an der ge- samten Bruttowertschöpfung des Verarbeitenden Gewerbes von 2012 (neuere Zahlen liegen noch nicht vor) mit jenem von 2008, dann fallen eigentlich nur zwei wesentliche Änderungen auf: Erstens ist der Anteil der Automobilindustrie um 3,2%-Punkte gestiegen. Sie ist damit gemessen an der Bruttowertschöpfung die größte Industriebranche (Anteil am Verarbeitenden Gewerbe 2012: 15,7%), während es 2008 und 2009 noch der Maschinenbau war. Zweitens büßte die Metallindustrie die deutlichsten Verluste ein: Ihr Anteil an der industriellen Wert- schöpfung sank in diesem Zeitraum um 1,2%-Punkte. Zwar sind auch bei vielen anderen Branchen Anteilsverluste zu verzeichnen, jedoch fallen diese kaum ins Gewicht. Da die Automobilindustrie 2013 etwas besser abgeschnitten hat und auch 2014 schneller wachsen wird als der Industriedurchschnitt, ist es wahrscheinlich, dass 80 90 100 110 120 130 10 11 12 13 14 Produktion Aufträge Quelle: Statistisches Bundesamt Produktion und Aufträge in Maschinenbau, real, sb. DE, 2010=100 Aufträge schwankungsanfällig 9 90 95 100 105 110 10 11 12 13 14 Produktion Aufträge Quelle: Statistisches Bundesamt Produktion und Aufträge in der Chemieindustrie, real, sb. DE, 2010=100 Schlechter Start ins Jahr 2014 10 0 5 10 15 20 Automobilindustrie Maschinenbau Elektroindustrie Metallindustrie Chemieindustrie Ernährungsgewerbe 2008 2012 Quelle: Statistisches Bundesamt Automobilindustrie wird wichtiger 11 Anteil einzelner Industriebranchen an gesamter industrieller Bruttowertschöpfung, DE, % Ausblick Deutschland 7 | 30. Juni 2014 Aktuelle Themen die Branche ihren Anteil an der gesamten industriellen Wertschöpfung weiter erhöht. So ist die deutsche Industrie in den letzten Jahren abhängiger von der Automobilindustrie geworden, gleichwohl basiert ihr Erfolg noch immer auf vie- len Schultern. Eric Heymann (+49 69 910-31730, eric.heymann@db.com) Ausblick Deutschland 8 | 30. Juni 2014 Aktuelle Themen Schwache Weltkonjunktur dämpft deutsche Inflation — Trotz der guten Arbeitsmarktlage in Deutschland hat sich die Inflation spür- bar verlangsamt. Nach 2% in 2012 und 1,5% in 2013 lag sie in H1 2014 bei 1,1% und damit nicht viel höher als in der Eurozone insgesamt. — Der nachfragebedingte Rückgang der globalen Rohstoffpreise (Energie und Nahrungsmittel) hat diese Entwicklung weitgehend bestimmt. Der relativ starke Euro bei gleichzeitiger Unterauslastung der Weltwirtschaft hat die Importpreise zusätzlich gedämpft. Dagegen hat sich die Kerninflation 2014 sogar erhöht. Dies lässt sich allerdings durch einen Basiseffekt durch den Wegfall der Praxisgebühr erklären und ist daher kein Zeichen von z.B. lohn- getriebenem Preisdruck. — Die Erholung der Weltwirtschaft, der abwertende Euro sowie die Einführung des flächendeckenden Mindestlohns in Deutschland führen in unserer Prognose dazu, dass der Tiefpunkt der Inflation erreicht ist. Nach 1,1% im laufenden Jahr könnte sie 2015 auf 1,6% steigen. Seit Mai 2013 ist die Inflation in Deutschland höher als im Euroraum insgesamt. Das ist nach 2007 erst der zweite längere Zeitraum für den das gilt. Allerdings hat sich die Inflation auch in Deutschland spürbar verlangsamt. Sie folgt seit Anfang 2012 einem schwankenden Abwärtstrend und lag mit 0,9% im Mai und 1,0% im Juni so niedrig wie seit Mitte 2010 nicht mehr, als sich Deutschland noch aus der Krise arbeitete. Den EWU-Schnitt von 0,5% im Mai überstieg sie nur minimal, da die harmonisierte deutsche Inflation sogar nur 0,6% betrug. Damit gehörte Deutschland nur zum oberen Drittel des Inflations-Rankings der EWU-Staaten, obwohl Deutschland 2014 mit 1,8% BIP-Wachstum merklich über seinem Potential und deutlich schneller als die meisten Euro-Länder wachsen dürfte, und die Tarifabschlüsse dank des robusten Arbeitsmarktes mit rd. 3% – und teilweise deutlich darüber – sehr ordentlich sind. Damit erfüllt die deutsche Preisentwicklung bislang nicht die Hoffnungen/ Erwartungen vieler Analysten und Politiker. So sollte eine im europäischen Ver- gleich deutlich höhere Inflation in Deutschland zum Abbau der über Jahre auf- gebauten makroökonomischen Ungleichgewichte in der Eurozone beitragen. Energie- und Nahrungsmittelpreise dämpften Im ersten Halbjahr 2014 betrug die Inflation 1,1% – 2013 waren es noch 1,5%. Tatsächlich lässt sich die gesamte Verlangsamung durch die volatilen und stark von globalen Rohstoffpreisen abhängigen Komponenten Nahrungsmittel und vor allem Energie erklären. So lagen die Energiepreise aufgrund des recht sta- bilen Ölpreises und des relativ starken Euro seit September unter Vorjahresni- veau und dämpften somit die Gesamtinflation. In H1 2014 betrug dieser dämp- fende Effekt 0,2%-Punkte, nachdem Energie 2013 noch leicht zur Inflation bei- trug (0,1%-Punkte; 2012: +0,6%-Punkte). Die Nahrungsmittelpreisentwicklung hatte im Verlauf von 2013 auch spürbar an Tempo verloren. Nach Wachstums- raten von über 5% Mitte 2013 lagen die Nahrungsmittelpreise zuletzt nur noch leicht über Vorjahr. Daher trugen sie 2014 bislang mit 0,2%-Punkten nur halb so viel zur Inflation bei wie im Vorjahr. Schon 2012 und 2013 dämpften die fallen- den Rohstoffpreise die deutsche Inflationsrate merklich. Kerninflation: Höchste Rate seit 2007, aber immer noch niedrig Im Gegensatz dazu hat sich die Kerninflation (Inflation ohne Energie- und Nah- rungsmittelpreise) in Deutschland Anfang 2014 beschleunigt. In H1 betrug sie -0,5 0,0 0,5 1,0 1,5 2,0 2,5 3,0 3,5 4,0 10 11 12 13 14 FR DE IT ES EWU Deutsche Inflation: Über EWU-Schnitt, aber niedrig 1 Harmonisierter Verbraucherpreisindex, % gg. Vj. Quelle: Eurostat - 0,5 0,0 0,5 1,0 1,5 2,0 2,5 3,0 2011 2012 2013 2014 bislang Kern (ohne Energie & Nahrungsmittel) Nahrungsmittel Energie Insgesamt (% gg. Vj.) Quellen: Eurostat, Deutsche Bank Research Deutschland, Beitrag zur Inflation, % - Punkte Energiepreise erklärten Großteil der Inflationsverlangsamung 2 0,0 0,5 1,0 1,5 2,0 2,5 05 06 07 08 09 10 11 12 13 14 DE EWU Quelle: Eurostat Harmonisierter Verbraucherpreisindex, Kernrate (ohne Energie und Nahrungsmittel), % gg. Vj. Volatile Kerninflation in Deutschland in H1 2014 3 Ausblick Deutschland 9 | 30. Juni 2014 Aktuelle Themen im Schnitt 1,4% (2013: 1,2%). Das ist der höchste Wert seit 2007. Nimmt man erneut die für europäische Zwecke harmonisierte Inflation zur Hand, liegt die deutsche Kerninflation seit Mitte 2013 über jener der Eurozone (Jan.-Mai 2014: 1,1% gg. 0,8%), die stark gefallen ist. Für einen rapiden Abbau der Ungleichge- wichte ist der Abstand zwischen der Inflation in Deutschland und der EWU aller- dings zu gering. Zudem haben Sonder- und Einmaleffekte insbesondere im April dafür gesorgt, dass die deutsche Kerninflation einen temporären Schub erhalten hat. Eine breit angelegte (lohngetriebene) Beschleunigung der Kerninflation ist derzeit nicht ersichtlich. Der wichtigste Treiber der Kerninflation in 2014 sind die Preise für Gesund- heit(sdienstleistungen). Die Preise waren 2013 im Schnitt um 3,7% gefallen, da die Regierung Anfang 2013 die Praxisgebühr abgeschafft hatte. Dieser dämp- fende Basiseffekt fiel Anfang 2014 wieder weg und die Preise stiegen bislang um durchschnittlich 1,6%. Dieser Effekt allein erklärt die höhere Kerninflation in H1 2014. Zudem hat die Preisentwicklung von Pauschalreisen auf Monatsbasis für eine erheblich schwankende Kerninflation gesorgt. So stiegen die Preise für diesen Urlaubstyp im April um über 10% gg. Vj., da das späte Osterfest und die jährliche Aufnahme der Preise aus den Sommerreisekatalogen für manche Ziel- regionen zusammenkamen. Im Mai (-3,5%) und Juni (+2,6%) folgte jedoch eine Gegenbewegung. Die einzige andere Warengruppe der Kerninflation, die in H1 (Jan.-Mai) eben- falls etwas stärker zur allgemeinen Preisentwicklung beitrug (0,1%-Punkte) als in 2013, war die Gruppe Alkohol & Tabak. Allerdings gibt es auch Abgrenzun- gen der Kerninflation, die diese Güter zusammen mit den Nahrungsmitteln un- berücksichtigt lassen. Die Bierpreise stiegen mit zwischenzeitlich über 4% so schnell wie seit der Wiedervereinigung nicht mehr, während bei Tabak (Jan.- Mai: +4,6%) die höhere Tabaksteuer (Mitte 2013) preistreibend wirkte. Beide Gruppen haben aber nur ein geringes Gewicht im Warenkorb, und die Preisbe- schleunigung dürfte temporär bleiben. Eine vielfach geäußerte Erwartung ist, dass die in den letzten Jahren verstärkt steigenden Immobilienpreise steigende Mieten mit sich bringen und so die deutsche Inflation antreiben. Mieten (ohne Haushaltsenergie) sind mit einem Gewicht von 21% die wichtigste Einzelkomponente im deutschen Verbraucher- preisindex. Tatsächlich haben sich Mieten seit Anfang 2013 graduell beschleu- nigt. In H1 2014 betrugen die durchschnittlichen Mietsteigerungen 1,5%. Das ist der höchste Wert seit 2007 aber immer noch recht moderat. - 6 - 4 - 2 0 2 4 6 8 Alkoholfreie Getränke Alkohol und Tabak Bekleidung und Schuhe Wohnung, Wasser (ohne Energie) Möbel, Leuchten, Geräte Gesundheits - pflege Verkehr (ohne Energie) Nachrichten - übermittlung Freizeit, Unterhalt - ung und Kultur Bildung Beherbergungs - und Gaststätten - dienstleistungen Andere Waren und Dienst - leistungen 2011 2012 2013 2014 bislang Verbraucherpreise, komponenten der Kerninflation, % gg. Vj. Quelle: Statistisches Bundesamt Anstieg der Kerninflation nicht breit basiert – Alkohol & Tabak sowie Gesundheit stechen hervor 4 0,0 0,5 1,0 1,5 2,0 2,5 3,0 3,5 96 98 00 02 04 06 08 10 12 H1 '14 Quelle: Statistisches Bundesamt Kaltmieten (ohne Energie), % gg. Vj. Kaltmieten: Anstiege zuletzt stärker 5 Ausblick Deutschland 10 | 30. Juni 2014 Aktuelle Themen Der beschleunigte Mietanstieg ist zudem in einigen Bundesländern mit prospe- rierenden Ballungszentren konzentriert (z.B. Berlin, Baden-Württemberg und Hessen). In eher ländlich geprägten Ländern (z.B. Saarland und Sachsen) sind die Mietanstiege deutlich geringer und haben sich kaum erhöht, was auch zur regional sehr unterschiedlichen Immobilienpreisentwicklung passt. Im Schnitt stiegen die Preise in Deutschland 2013 um 4,5%; in den 125 größeren Städten waren es 6,3% und in den 7 Großstädten Berlin, Düsseldorf, Frankfurt, Ham- burg, Köln, München und Stuttgart sogar 9,0%. Mieten spiegeln nicht zuletzt wegen der deutschen Mietgesetze zurückliegende Preisanstiege erst mit Ver- zögerung. Das heißt, es besteht durchaus Raum für einen weiteren moderaten Auftrieb bei den Mieten. Importpreise und bislang moderate Lohnanstiege entlasteten Zu der niedrigen Inflation haben auch die fallenden Importpreise beigetragen. Importierte Güter machen laut der Input-Output-Rechnung rd. ein Fünftel des inländischen Produktionswertes aus. Die deutschen Einfuhrpreise fielen 2013 um 2,5%. Selbst ohne Energie waren die Preise 1,6% niedriger als im Vorjahr. Rechnet man darüber hinaus noch andere Rohstoffe wie Metall/Erze heraus, ändert sich an dem Bild fallender Importpreise auch nichts, was wohl auf den starken Euro und die nach wie vor hohe Unterauslastung der Weltwirtschaft zurückzuführen ist. Auch im bisherigen Jahresverlauf 2014 setzte sich diese Entwicklung fort. Trotz zum Teil deutlich über 3% liegender Lohnabschlüsse dürften die tariflichen Stundenlöhne 2014 um nicht einmal 3% zulegen. 1 Dies überzeichnet die ge- samtwirtschaftliche Lohndynamik zudem, da die Löhne der nicht tarifgebunde- nen Beschäftigten weniger stark steigen. So haben die Bruttolöhne und -gehälter je Arbeitnehmerstunde im Verlauf von 2013 spürbar an Tempo ver- loren (2012: +3,6%; 2013: +2,4%). In Q1 2014 ist der Lohnauftrieb laut diesem Indikator sogar fast zum Stillstand gekommen (+0,4% gg. Vj.). Dies dürfte die Entwicklung zwar unterzeichnen, macht aber deutlich, dass die deutsche Lohn- entwicklung 2014 trotz der guten Arbeitsmarktsituation kaum merklichen Preis- druck erzeugen dürfte. 1 Siehe Gräf, Bernhard und Oliver Rakau (2014). So weit, so gut. Deutsche Bank Research. Aus- blick Deutschland. 2. Mai 2014. 0,0 0,5 1,0 1,5 2,0 2,5 3,0 Baden - Württemberg Bayern Berlin Brandenburg Hessen Mecklenburg - Vorpommern Nieder - sachsen Nordrhein - Westfalen Rheinland - Pfalz Saarland Sachsen Sachsen - Anhalt Thüringen Deutschland 2010 2011 2012 2013 2014 bislang Quelle: Statistisches Bundesamt Kaltmieten (ohne Energie), % gg. Vj. Mietpreisentwicklung regional sehr unterschiedlich 6 - 60 - 40 - 20 0 20 40 60 - 15 - 10 - 5 0 5 10 15 06 07 08 09 10 11 12 13 14 Insgesamt Insgesamt ohne Energie Nahrungs - und Futtermittel Erdöl und - gas (rechts) Einfuhrpreise, % gg. Vj. Quelle: Statistisches Bundesamt Einfuhrpreise: Kein turn - around 7 - 60 - 40 - 20 0 20 40 60 80 - 15 - 10 - 5 0 5 10 15 20 06 07 08 09 10 11 12 13 14 15 Energie (Inflationskomponente, links) Ölpreis in EUR je Barrel (rechts) Energiepreise: Tiefpunkt wohl erreicht 8 % gg. Vj. Quellen: Statistisches Bundesamt, Deutsche Bank Global Insight Ausblick Deutschland 11 | 30. Juni 2014 Aktuelle Themen Abwertender EUR dürfte Rohstoffe teurer machen Vieles spricht dafür, dass die Inflation im Verlauf des Jahres nicht weiter fällt. Allerdings gibt es auch keine Anzeichen für einen deutlich stärkeren Preisauf- trieb. Energie dürfte in H2 2014 und 2015 wieder zur Inflation beitragen, da der Öl- preis zuletzt leicht angestiegen ist (Juni 2014: rd. USD 110 per Barrel; H1: rd. USD 108) und nicht zuletzt aufgrund der Spannungen im Irak noch etwas weiter zulegen dürfte. Zwar sollte er 2015 wieder etwas nachgeben (gut USD 105 per Barrel). Allerdings wird dies in unserer Prognose durch den abwertenden EUR mehr als ausgeglichen. Von derzeit gut 1,35 USD dürfte er bis Ende 2014 auf 1,30 und bis Ende 2015 sogar auf 1,15 abwerten. Die Nahrungsmittelpreise sollten über die nächsten anderthalb Jahre ebenfalls wieder etwas stärker zulegen. So haben sich die Preiserwartungen der deut- schen Lebensmittelproduzenten auf niedrigem Niveau stabilisiert. Zugleich ha- ben sich die Weltmarktpreise erholt. Ende 2013 lagen sie noch über 20% unter Vorjahr. Zuletzt waren es nur noch rd. -3% gg. Vj. Effekte des Mindestlohns – die große Unbekannte Die Entwicklung der Kerninflation ist weniger eindeutig bestimmbar. Zwar hat sich trotz der guten Wirtschaftslage bislang kein starker Auftrieb gezeigt. Mit dem Anfang 2015 startenden flächendeckenden Mindestlohn hat die Unsicher- heit allerdings zugenommen. 2 Im Friseurhandwerk wurde bspw. schon Mitte 2013 ein branchenspezifischer Mindestlohn eingeführt und die Preisentwicklung beschleunigte sich merklich (Friseurdienstleistungen 2012: +1,5%; 2013: +2,6%; bislang in 2014: +3,7%). Besonders betroffen sind die Landwirtschaft, Handel und Dienstleistungen, bei denen der Personalkostenanteil ver- gleichsweise hoch und der Anteil der Geringverdiener überdurchschnittlich ist. Vermutlich werden die deutschen Unternehmen ihre gestiegenen Kosten nur teilweise und schrittweise an die Konsumenten weitergeben können. So könnte der Nahrungsmittelhandel auf importierte Nahrungsmittel zurückgreifen. Dies begrenzt die Preissetzungsmacht deutscher Hersteller. Somit dürften vor allem Marge (und Umsatz) der deutschen Hersteller leiden. Wir nehmen an, dass der Mindestlohn 2015 einen zusätzlichen Beitrag zur Inflation von etwa 0,2%- Punkten liefern wird. Inflation: Moderater Anstieg auf 1,6% in 2015 Die Inflationsprognosen haben sich der schwachen Entwicklung nur schrittweise angepasst. Anfang 2013 erwarteten die Prognostiker laut Consensus Econo- mics für 2014 noch zwischen 1,2% und 2,7% Inflation bei einem Schnitt von 2%. Zuletzt lagen die Prognosen zwischen 1,0% und 2,1% und betrugen im Schnitt 1,3%. Wir erwarten für 2014 sogar nur eine durchschnittliche Inflationsrate von 1,1%. Mit der weiteren Erholung der Weltwirtschaft, dem Mindestlohn und dem schwächeren EUR dürfte die Inflation dann 2015 auf 1,6% steigen. Für 2015 liegt der Consensus bei 1,9% und Prognosen liegen zwischen 1,0% und 2,5%. Unserer Prognose zufolge bliebe der Abstand zum EWU-Schnitt von 1,2% auch im nächsten Jahr moderat. Oliver Rakau (+49 69 910-31875, oliver.rakau@db.com) 2 Siehe Peters, Heiko (2014). Robuste Binnenwirtschaft durch gute Absichten gefährdet. Deutsche Bank Research. Ausblick Deutschland. 4. Juni 2014. 80 90 100 110 120 130 140 -6 -4 -2 0 2 4 6 8 10 00 02 04 06 08 10 12 14 Nahrungsmittelpreise (links) Preiserwartungen - Lebensmittel - produzenten (rechts, 6M verschoben) Preiserwartungen der Lebensmittel- produzenten: Tiefpunkt erreicht 9 % gg. Vj. (links); 2005=100 (rechts) Quellen: Statistisches Bundesamt, ifo - 2 0 2 4 6 8 10 12 92 96 00 04 08 12 Bruttolöhne und - gehälter je Stunde Verbraucherpreisindex Löhne bislang kein Preistreiber 10 Nominal, % gg. Vj. Quelle: Statistisches Bundesamt 0,0 0,5 1,0 1,5 2,0 2,5 3,0 13 14 Tiefste Mittelwert Höchste Tatsächliche Inflation Inflationsprognosen liegen 2014 bislang über tatsächlicher Inflation 11 Quellen: Statistisches Bundesamt, Consensus Economics Inflationsprognosen für 2014, Deutschland, % gg. Vj. Ausblick Deutschland 12 | 30. Juni 2014 Aktuelle Themen EZB-Paket markiert noch nicht das Ende der Fahnenstange — Die EZB hat am 5. Juni ein umfangreiches Maßnahmenpaket aufgelegt. Dabei handelte sie aus Sorge über die niedrige Inflation sowie ein Absinken der langfristigen Inflationserwartungen, was sich negativ auf die Kreditver- gabe und die Schuldentragfähigkeit auswirken würde. — Allerdings dürften die TLTROs, die u.a. den Kernpunkt des Pakets darstel- len und weniger gezielt sind als es ihr Namen Glauben macht, selbst bei voller Weitergabe der gesunkenen Refinanzierungskosten das Wirtschafts- wachstum nur in der Peripherie mit 0,3 bis 0,4 Prozentpunkten spürbar sti- mulieren. Den Inflationseffekt veranschlagen wir für die gesamte Eurozone lediglich auf 0,1 Prozentpunkte in 2017. — Daher erwarten wir, dass die EZB im ersten Halbjahr 2015 mit einem auf private Kreditforderungen abzielenden quantitativen Lockerungsprogramm nachlegen wird. Vorsichtige Zinserhöhungen sehen wir erst gegen Ende 2016. Sorge vor Absenkung der langfristigen Inflationserwartungen Es war vor allem die Sorge, dass die derzeit niedrigen Inflationsraten in der Eurozone zu einer Absenkung der langfristigen Inflationserwartungen führen könnten, die die EZB zu dem umfangreichen Maßnahmenpaket am 5. Juni ver- anlasst hat. Sie hat ihren Hauptrefinanzierungssatz von 0,25% auf 0,15% ge- senkt und will diese noch mindestens bis Ende 2016 als Mengentender mit Voll- zuteilung abwickeln. Zudem hat sie erstmals einen negativen Einlagenzinssatz von -0,1% beschlossen, gezielte längerfristige Refinanzierungsgeschäfte (TLTROs, targeted longer-term refinancing operations) sowie die Vorbereitun- gen zu Ankäufen von durch Forderungen an den privaten nicht-finanziellen Sek- tor abgesicherten Vermögenswerten (ABS, Asset Backed Securites) angekün- digt. Obwohl unserer Einschätzung nach die Eurozone nur wenige Monate von dem Wendepunkt des Inflationszyklus entfernt ist, erschien der EZB das Risiko einer negativen Spirale aus fallender Inflation und Kreditvolumen zu groß. So war der Anstieg der Konsumentenpreise gegenüber dem Vorjahr im Durchschnitt der Eurozone im Mai auf nur noch 0,5% gesunken. In einigen Ländern, wie bei- spielsweise Griechenland und Portugal, sind die Preise im Mai sogar weiter zurückgegangen. Im Jahresdurchschnitt 2014 erwarten wir im Durchschnitt der Eurozone einen Preisanstieg von lediglich 0,7%, der sich 2015 leicht auf 1,2% beschleunigen dürfte. Als Banken-basiertes Finanzsystem setzt eine weitere konjunkturelle Erholung in der Eurozone Vertrauen in die Fähigkeit der Banken voraus, ihre Kreditbücher auszuweiten. Allerdings muss sich angesichts des massiven Deleveragings in 2013, das zum Teil ein Nebeneffekt der Überprüfung der Qualität der Bankaktiva war, der Rückgang der Kreditvergabe im laufenden Jahr lediglich abschwächen, um konsistent mit unserer Wachstumsprognose (und der des Marktes) von 1,1% für 2014 zu sein. Unsere BIP-Prognose von 1,5% für 2015 unterstellt dann aber einen Anstieg der Kreditvergabe an den privaten Sektor um rund EUR 85 Mrd. Das Maßnahmenpaket vom 5. Juni soll sicherzustellen, dass die Kreditvergabe in 2015 auch tatsächlich wieder an- springt. 0,0 0,5 1,0 1,5 2,0 2,5 3,0 3,5 4,0 00 01 02 03 04 05 06 07 08 09 10 11 12 13 14 15 16 Jährlicher HVPI, in % Gleitender 4J Durchschnitt EZB - Projektionen Quellen: Deutsche Bank Research, Eurostat, EZB % gg. Vj. Niedrige Inflationsraten geben EZB Anlass zur Sorge 1 0 1 2 3 4 5 6 08 09 10 11 12 13 14 Refi - Satz 3M - Satz 10J Rendite Deutschland: Zinsentwicklung 2 % Quellen: EZB, Global Insight 0 200 400 600 800 1000 1200 1400 07 08 09 10 11 12 13 14 Einlagen der Finanzinstitute bei der EZB 3 Insgesamt, EUR Mrd. Quelle: EZB Ausblick Deutschland 13 | 30. Juni 2014 Aktuelle Themen TLTROs Kernpunkt des Maßnahmenpakets Das Hauptelement des Lockerungspakets der EZB sind die gezielten längerfris- tigen Refinanzierungsgeschäfte, die mit der Kreditvergabe der Banken verknüpft sind. Diese verschaffen den Banken eine günstige, längerfristige Refinanzierung (bis zu 4 Jahren, mit einem festen Zinssatz von 0,25%), die für die ersten bei- den Jahre ohne weitere Bedingung zur Verfügung steht. Nach zwei Jahren müssen Banken dann aber bei ihrer Nettokreditvergabe eine von der EZB wohl eher großzügig (noch zu) bemessende Mindestschwelle übertreffen. Wir hatten eine „gezieltere“ Liquiditätszufuhr seitens der EZB erwartet, beispielsweise mit einem klaren Schwerpunkt auf die Kreditvergabe an kleine und mittlere Unter- nehmen. Dagegen zielen die TLTROs eher generell auf einen Anreiz zur Kredit- vergabe. Die Mittel können auch zur Finanzierung von carry-trades verwandt werden, d.h. die Verwendung der Liquidität aus den TLTROs zum Kauf von vor allem kurzfristigen Staatsanleihen, die kein Eigenkapital binden. Allerdings sind diese Strategien aufgrund der massiv zusammengelaufenen Zinsabstände bei europäischen Staatsanleihen heute lange nicht mehr so attraktiv wie bei der Einführung der dreijährigen Refinanzierungsgeschäfte vor zweieinhalb Jahren. Der daraus resultierende geringere Anreiz der Banken zu diesen carry-trades im Vergleich zu einer Kreditvergabe an den privaten Sektor dürfte der EZB sicher- lich zupass kommen. Durch die TLTROs reduzieren sich die Grenzkosten für die Refinanzierung von Banken im Vergleich zu einer marktbasierten Refinanzierung über vorrangige, nicht abgesicherte Anleihen um etwa 100 Basispunkte in den Kernländern und um etwa 200 Basispunkte in der Peripherie. Allerdings ist unsicher, inwieweit die Banken diese Maßnahme zur Ausweitung ihrer Zinsmarge nutzen werden – insbesondere in der Peripherie könnte dies der Fall sein. In diesem Falle würde sich zwar mittelfristig die Stabilität der Banken verbessern, kurzfristig jedoch die Übertragung des geldpolitischen Impulses stark eingeschränkt. Aber auch bei einer vollen Weitergabe dürfte der Rückgang der Kreditkosten aufgrund des nach wie vor herrschenden Drucks der Unternehmen und Haushalte zur Rück- führung ihrer Verschuldung einen nur unterdurchschnittlichen Effekt auf die Kreditnachfrage haben. Weitere quantitative Lockerungen wohl im 1. Halbjahr 2015 Wir schätzen, dass auch bei einer vollen Weitergabe des Zinsvorteils die TLTROs das Wachstum in Deutschland und Frankreich bestenfalls um 0,1 Pro- zentpunkte pro Jahre erhöhen, in Italien und Spanien könnte der Effekt mit 0,3 bis 0,4 Prozentpunkten dagegen spürbarer ausfallen. Angesichts der begrenz- ten Wirkung auf das Wachstum in den beiden größten Volkswirtschaften der Eurozone dürfte der Effekt auf die Inflationsrate in der Eurozone selbst in 2017 bei mageren 0,1 Prozentpunkten liegen. Daher rechnen wir damit, dass die EZB mit einem weiteren Stimulus nachlegen wird, um sicherzustellen, dass die Infla- tionserwartungen auch mittelfristig verankert bleiben. Wir glauben weiterhin, dass die EZB im ersten Halbjahr 2015 ein auf den Ankauf privater Kreditforde- rungen (ABS) abzielendes quantitatives Lockerungsprogramm startet. Ein auf Staatsanleihen zielendes Ankaufprogramm erachten wir lediglich als ultima ra- tio. Wir erwarten keine weiteren konventionellen geldpolitischen Lockerungs- schritte, d.h. keine weiteren Zinssenkungen, mehr. Graduelle Zinsanhebungen sehen wir nunmehr erst gegen Ende 2016, da die Inflationsrate in den folgen- den zwei Jahren – dem für die geldpolitischen Maßnahmen relevanten Wir- kungszeitraum – dann wieder auf knapp 2% steigen dürfte. Gilles Moec (+44 20 754-52088, gilles.moec@db.com) Stefan Schneider (+49 69 910-31790, stefan-b.schneider@db.com) Mark Wall (+44 20 754-52087, mark.wall@db.com) 0,00 0,05 0,10 0,15 0,20 0,25 0,30 0,35 0,40 0,45 DE FR IT ES Weitergabe zu 50% Weitergabe zu 100% Quelle: Deutsche Bank Research TLTRO der EZB sollte das BIP - Wachs - tum vor allem in der Peripherie stützen 4 Auswirkungen des TLTRO auf das BIP, % p.a., 2015 – 2017 0 200 400 600 800 1000 1200 00 02 04 06 08 10 12 14 Hauptrefinanzierungsgeschäfte Längerfristige Refinanzierungsgeschäfte EZB: Ausleihungen an Banken 5 EUR Mrd. Quelle: EZB - 4 - 2 0 2 4 6 8 10 12 14 06 07 08 09 10 11 12 13 14 M3 Bankkredite an den privaten Sektor EWU: Geldmenge & Kredit 6 % gg. Vj. Quelle: EZB Ausblick Deutschland 14 | 30. Juni 2014 Aktuelle Themen Grafik des Monats Starke Unternehmen: Geringer Bedarf an externen Finanzmitteln Trotz des historisch niedrigen Zinsniveaus sind 2013 alle Sektoren der deut- schen Wirtschaft Nettokreditgeber geblieben und haben diese Position zusam- mengenommen sogar gestärkt. Der Staatshaushalt blieb ungefähr ausgegli- chen, die privaten Haushalte waren sparfreudig und die nicht-finanziellen Unter- nehmen haben ihre Nettokreditvergabe sogar erhöht. Letzteres kann auf solide Unternehmensbilanzen, eine robuste Profitabilität und relativ niedrige Investitionsausgaben, die den Bedarf an Außenfinanzierung reduzierten, zurückgeführt werden. Von einem Anteil von bis zu 30% an der Gesamtfinanzierung ging die Fremdfinanzierung bis 2013 auf weniger als 10% zurück. Dies ist nicht zuletzt durch fallende Investitionen bedingt. Die Ausrüs- tungsinvestitionen fielen 2012 um 4% und 2013 um knapp 2,5%. Die Struktur der geringen, von den Unternehmen benötigen externen Finanzmit- tel hat sich jedoch deutlich gewandelt. Eine wichtige strukturelle Veränderung ist die zunehmend gebräuchliche Emission von Anleihen, was zu Lasten des An- teils von Bankkrediten und Aktien ging. 2012 allein stiegen die Netto- Anleiheemissionen um 150%, während die Neuemissionen im Aktienbereich um 60% zurückgingen. Seit 2008 stieg der Anleiheanteil an der Neuaufnahme von Fremdmitteln von 8% auf 52%. Im Hinblick auf die Bestände ist das Kreditvolu- men aber immer noch zehnmal so hoch wie jenes von Anleihen. Weitere Ent- wicklungen sind ein deutlicher aber temporärer Anstieg von Krediten von nicht- finanziellen Unternehmen (z.B. konzerninterne Finanzierung) sowie von Han- delskrediten und anderen Verbindlichkeiten (einschl. Steuergutschriften), die angesichts ihres Timings auf eine starke Zyklizität hindeuten. Bezüglich der deutschen privaten Haushalte tragen die demografischen Heraus- forderungen, denen sich das Land gegenübersieht, dazu bei, die konsistenten jährlichen Ersparnisse von ca. EUR 150 Mrd. zu erklären. Die privaten Haushal- te sehen dem Rekordtiefstand der Zinsen und der krisenbedingten Unsicherheit nicht untätig zu. So ist die Sparquote zuletzt bei steigenden Einkommen zu- rückgegangen. Das kann als im Einklang mit dem neoklassischen Ansatz einer - 100 - 50 0 50 100 150 08 09 10 11 12 13 Festverzinsliche Wertpapiere Aktien Sonstiges Handelskredite & übrige Verbindlichkeiten Kredite von Nicht - MFIs Kredite von MFIs Insgesamt Flüsse, EUR Mrd. Quellen: Deutsche Bundesbank, Deutsche Bank Research Außenfinanzierungsstruktur der nichtfinanziellen Kapitalgesellschaften DX - 100 - 50 0 50 100 150 200 250 08 09 10 11 12 13 Private Haushalte Nichtfinanzielle Kapitalgesellschaften Finanzielle Kapitalgesellschaften Staat Gesamte Volkswirtschaft EUR Mrd. Quellen: Statistisches Bundesamt, Deutsche Bank Research Nettokreditvergabe der deutschen Sektoren DX Ausblick Deutschland 15 | 30. Juni 2014 Aktuelle Themen intertemporalen Budgetoptimierung gesehen werden 3 . Außerdem haben die Haushalte eine zunehmende Präferenz für die liquidesten Formen von Einlagen, was gleichzeitig die sich abschwächende Attraktivität langfristiger Anlageklas- sen und eine starke Risikoaversion z.B. in Bezug auf Aktien widerspiegelt. Oliver Rakau (+49 69 910-31875, oliver.rakau@db.com) William Vickery 3 Gräf, B. und O. Rakau (2013). Niedrigzinsen dämpfen Sparneigung der privaten Haushalte. Deutsche Bank Research. Ausblick Deutschland. 1. Oktober 2013. Ausblick Deutschland 16 | 30. Juni 2014 Aktuelle Themen Chartbook – Gesamtwirtschaft — Die deutsche Wirtschaft ist stark ins Jahr gestartet. Mit 0,8% gg. Vq . wuchs das BIP in Q1 2014 so stark wie seit Q1 2001 nicht mehr. Aufgrund des milden Winters und der dadurch begünstigten Bauinvestitionen (+3,6% gg. Vq.) übe r- zeichnet die hohe Rate das zugrundeliegende Wachstumstempo allerdings. Dieses dürfte bei etwa 0,4 % liegen – dem Durchschnitt der letzten fünf Quartale. Das hohe Wachstum geht teilweise auf die derzeit hohe Nettozuwanderung z u- rück. — Allein die Binnenwirtschaft trug mit +1,7% - P . zum Wachstum in Q1 bei , maßgeblich waren vor allem der private Ko n- sum und de r Bau mit je 0,4% - P . Dagegen senkte der Außenhandel aufgrund des schwachen Exports das Wachstum um 0,9% - P. Dies ist eine Umkehr des ungewöhnlichen Bildes in Q4, als der Export alleiniger Wachstumstreiber war. Allerdings dominierte in den letzten fünf Quart alen die Binnenkonjunktur: Sie trug im Schnitt 0,5% - P. zum Wachstum bei, während der Außenhandel 0,1% - P. Wachstum kostete. — In Q2 dürfte es beim BIP - Wachstum eine Gegenbewegung geben (+0,2% gg. Vq.), da sich die Bauinvestitionen no r- malisieren sollten. Dies deutete sich schon mit der stark rückläufigen Bauproduktion im März und April an. Trotz der in den letzten Monaten abwärtstendierenden Stimmungsindikatoren deutet ihr Niveau immer noch auf eine robuste (bi n- nenwirtschaftlich getriebene) konjunkturelle Entwi cklung hin. So fiel der ifo - Index im Juni vor allem aufgrund rückläuf i- ger Erwartungen (in der exportierenden Industrie) auf den niedrigsten Wert seit 6 Monaten. Die ifo - Indizes in den bi n- nenwirtschaftlich orientierten Sektoren (z.B. Bau) haben sich hingege n etwas erholt. Der PMI des inlandsorientierten Dienstleistungssektors fiel im Juni au f seinen immer noch hohen April - Wert zurück. Dagegen blieb der Industrie - PMI etwa auf Vormonatsniveau, weis t aber ein insgesamt niedrigeres Niveau auf als der Dienstleist ungs - PMI. — Dank Quartalswachstumsraten von im Schnitt 0,4% gg. Vq. sollte das BIP 2014 um 1,8% zulegen . Die Binnenwir t- schaft dürfte wie im Vorjahr der Hauptwachstumstreiber sein. Vor allem der private Konsum (+1,3% gg. Vj.) sollte dank der Arbeitsmarktdynam ik Impulse geben. Bau - und Ausrüstungsinvestitionen sollten zulegen können. Der Außen beitrag dürfte negativ ausfallen, da steigende Importe die moderate Exporterholung überkompensieren. Quellen: Statistisches Bundesamt, Markit, ifo, Deutsche Bank Research - 2 0 2 4 6 - 1 0 1 2 3 10 11 12 13 14 % gg. Vq. (links) % gg. Vj. (rechts) Entwicklung des realen BIP - 6 - 4 - 2 0 2 4 6 05 06 07 08 09 10 11 12 13 14 15 Privater Konsum Staatskonsum Ausrüstungsinvestitionen Bau Außenbeitrag BIP (% gg. Vj.) Beitrag zum realen BIP - Wachstum (% - Punkte) 70 80 90 100 110 120 130 08 09 10 11 12 13 14 Klima Lage Erwartungen ifo - Index - Gewerbliche Wirtschaft insgesamt (2005=100) 30 40 50 60 70 08 09 10 11 12 13 14 Gesamtindex Dienstleistungen Verarb. Gewerbe Einschätzungen der Einkaufsmanager (PMI, Index) Ausblick Deutschland 17 | 30. Juni 2014 Aktuelle Themen Chartbook – Außenhandel — Der Außenhandel war 2013 schwach. Warenexporte fielen um 0,2% und Importe um gut 1%. Mitte 2013 schwenkte er auf einen moderaten Erholungskurs. Aufgrund des immer noch schwachen Welthandels (März: +1,8% gg. Vj.) hat der Export zuletzt aber wieder etwas an Schwung verloren. Im April 2014 lagen die deutschen Ausfuhren 2,0% über Vo r- jahr (gl. 3M - Schnitt). Die Verlangsamung wird allerdings durch den sehr schwachen März überzeichnet. Dank der recht dynamischen Binnennachfrage in Deutschland legten die Importe zul etzt (+4,1%) stärker zu als die Exporte. Der Handelsbilanzüberschuss stieg im April von EUR 15 Mrd. auf EUR 17,7 Mrd. Das ist der höchste Wert seit November. — Der Dynamikverlust zeigt sich vor allem bei den deutschen Exporten in die EWU (Jan. +3% gg Vj.; Ap ril +2%, gl. 3M - Schnitt) mit ihrem Anteil von fa s t 40%. Die Exporte nach Asien haben sich ebenfalls abgeschwächt; das Tempo blieb aber robust (Jan. +4,6% gg. Vj.; April +3,5%). Die US - Exporte stiegen auch im April weiter kräftig (+6,3% ggü. +6,2% Jan.). — Vo r allem die Automobilexporte (April +4,5% gg. Vj.) stütz en derzeit die moderate Exporterholung. Insbesondere im europäischen Automarkt dürfte es nach den Jahren der Krise und Konsumzurückhaltung einen gewissen Nachholb e- darf geben. Die Exporte im Maschinenb au, der anderen deutschen Paradebranche, befanden sich dagegen unter Vo r- jahresniveau ( - 1,6%). Die Auslandsnachfrage im Metallgewerbe bleibt deutlich rückläufig ( - 6,2%). — Frühindikatoren für den Export zeigen ein gemischtes Bild. Sowohl die ifo - Exporterwartu ngen als auch die Neuauftr ä- ge laut PMI deuten derzeit höchstens auf eine verhaltende Exportkonjunktur hin. Dennoch erwarten wir im Jahresve r- lauf eine Beschleunigung der Weltwirtschaft, dank einer US - Wirtschaft, die das schwache Q1 hinter sich lässt, einer graduellen Beschleunigung in China und der anhaltenden schwachen und fragilen Erholung in der EWU. Quellen: Statistisches Bundesamt, Markit, ifo, Deutsche Bank Research, CPB 0 5 10 15 20 25 30 35 40 45 50 - 30 - 20 - 10 0 10 20 30 40 08 09 10 11 12 13 14 Handelsbilanz (rechts) Ausfuhren (links) Einfuhren (links) Warenhandel % gg. Vj., gl. 3M - Schnitt (links); Mrd. EUR (rechts) - 40 - 30 - 20 - 10 0 10 20 30 40 08 09 10 11 12 13 14 Insgesamt Asien USA Eurozone Deutsche Ausfuhren nach Regionen % gg. Vj., gl. 3M - Schnitt - 20 - 10 0 10 20 30 40 50 10 11 12 13 14 Chemie Elektrotechnik Maschinenbau Metallbranche Automobil Ausfuhren nach Sektoren % gg. Vj., gl. 3M - Schnitt - 2 - 1 0 1 2 - 30 - 20 - 10 0 10 20 30 10 11 12 13 14 Ausfuhren (links) Welthandel (links) PMI Verarb. Gew - Exportaufträge (rechts) ifo Exporterwartungen (rechts) Ausfuhren und Frühindikatoren % gg. Vj., gl. 3M - Schnitt (links); Standardisierte Werte (rechts, 4M Vorlauf) Ausblick Deutschland 18 | 30. Juni 2014 Aktuelle Themen Chartbook – Industrie — Die Industrie spiegelte im Verlauf des letzten Jahres zunehmend die konjunkturelle Erholung der Weltwirtschaft. Wie bei den Exporten gingen die Wachstumsraten zuletzt wieder etwas zurück. Im April lag die Industrieproduktion und der Auftragseingang aber immer noch um 3,0% bzw. 4,7% über Vorjah r (gl. 3M - Schnitt). Bei der Produktion dämpfte n z u- letzt die Normalisierung im Bausektor, der in Q1 wetterbedingt sehr stark war, sowie ein Basiseffekt. — Der ifo - Index und der PMI für das Verarbeitende Gewerbe haben sich über die letzten Monate abgeschwächt und deuten darauf hin, dass sich die Industriekonjunktur Richtung Jahresende abschwächt. — Von den größten Industriebranchen dürfte 2014 die Automobilindustrie das höchste Produktionswachstum erzielen. Wir rechnen mit einem Zuwachs von real etwa 5%. Maßgebli ch für den Aufschwung ist u.a. die wieder anziehende Aut o- nachfrage aus Westeuropa. Hier kommen deutsche Hersteller auf einen Marktanteil von rd. 50%. Im Maschinenbau ist ein Fertigungsplus von etwa 2% möglich. Die Branche dürfte von steigenden Aufträgen au s dem Ausland und der günstigeren Investitionsneigung im Inland profitieren, wenngleich der Start ins Jahr 2014 noch schleppend verlief. Für die Elektrotechnik rechnen wir mit einem Anstieg der inländischen Fertigung 2014 um 3%. Die Metallindustrie könnte 2014 sogar mit einem Plus von 4% abschließen. Für die Chemieindustrie erwarten wir ein Plus von etwa 1%, wobei das erste Quartal schwach war. Im Ernährungsgewerbe, einer ohnehin stabilen Branche, dürfte die Produktion im la u- fenden Jahr in etwa stagnieren. Unter dem Strich dürfte die Produktion im Verarbeitenden Gewerbe 2014 um real etwa 4% steigen (nach - 0,1% im Jahr 2013). Quellen: Statistisches Bundesamt, ifo 60 70 80 90 100 110 120 130 -40 -30 -20 -10 0 10 20 30 40 08 09 10 11 12 13 14 Industrieproduktion (links) Auftragseingang (links) ifo Geschäftserwartungen im Ver. Gewerbe (rechts, 4M Vorlauf) Industrieproduktion, Auftragseingang & ifo-Erwartungen % gg. Vj., gl. 3M-Schnitt (links); Index (rechts) -50 -40 -30 -20 -10 0 10 20 30 40 08 09 10 11 12 13 14 Insgesamt Inland Ausland (EWU) Ausland (Nicht - EWU) Auftragseingang nach Ursprung % gg. Vj., gl. 3M-Schnitt 60 70 80 90 100 110 120 130 08 09 10 11 12 13 14 Automobilindustrie Chemieindustrie Elektrotechnik Maschinenbau Metallindustrie Produktion der größten Industriebranchen (2010=100, sb.) 50 60 70 80 90 100 110 120 130 08 09 10 11 12 13 14 Automobilindustrie Chemieindustrie Elektrische Ausrüstungen Maschinenbau Metallerzeugnisse ifo-Geschäftserwartungen der größten Industriebranchen (2005=100) Ausblick Deutschland 19 | 30. Juni 2014 Aktuelle Themen Chartbook – Inländische Nachfrage — Die konjunkturelle Erholung seit dem Frühjahr 2013 schlug sich Ende 2013 zunehmend in Aufwärtstendenzen am Arbeitsmarkt nieder. Im Mai enttäuschte der Arbeitsmarkt durch den unerwarteten Anstieg der Arbeitslosigkeit (+24 Tsd.). Dies ging aber auf eine Gege nbewegung nach der wetterbedingt schon im März und April stattgefundenen Frühjahrsbelebung und der geringeren Entlastung durch die Arbeitsmarktpolitik zurück. Die Zahl der Arbeitslosen fiel in den letzten drei Monaten um im Schnitt 4 Tsd. gg. Vm. und lag w eiter merklich unter Vorjahr. Der Beschäftigung s- aufbau nahm ebenfalls zu (3M - Schnitt: +40 Tsd. gg. Vm.; +0,9% gg. Vj.). Hauptsächlich durch Zuwanderung legt die Beschäftigung stärker zu als die Arbeitslosigkeit fällt. Frühindikatoren deuten für die nächste n Monate eine positive Entwicklung an. Die Arbeitslosenquote sollte 2014 auf 6,6% sinken (2013: 6,9%) . — Die Einzelhandelsumsätze lagen im Mai um 1,5% über Vorjahr (gl . 3M - Schnitt) und folgen einem moderaten, aber volatilen Aufwärtskurs. Die Rekordstände beim Gfk - Konsumklima (Höchststand seit Dezember 2006) und Konsume n- tenvertrauen (seit Mitte 2011) sowie der stützende Arbeitsmarkt lassen eine anhaltend positive Entwick lung erwarten. — Nach dem schwachen Vorjahresergebnis sollten sowohl die Ausrüstungs - als auch die Bauinvestitionen 2014 wieder zum BIP - Wachstum beitragen. Die Ausrüstungsinvestitionen waren in Q1 stark. Die inländischen Investitionsgüterb e- stellungen und Kap azitätsauslastung lassen aber keine deutliche weitere Belebung im weiteren Jahresverlauf erwa r- ten. Dennoch dürften die Ausrüstungsinvestitionen um 7% (2013: - 2,4%) zulegen. — Die Bauwirtschaft profitiert dank hoher Nettozuwanderung und steigender Einkommen v on der zunehmenden Nac h- frage nach Wohnraum. Sowohl die Bauaktivität (April +4,5% gg. Vj.) als auch die Auftragseingänge (+12,7%) liegen trotz schwachem April spürbar über Vorjahr. 2014 könnten die Bauinvestitionen etwa gut 5% zulegen (2013: - 0,2%). Quellen: Statistisches Bundesamt, Gfk, EU - Kommission, ifo, Deutsche Bank Research 85 90 95 100 105 110 115 - 400 - 200 0 200 400 600 800 08 09 10 11 12 13 14 Arbeitslose (links, invertiert) Beschäftigte (links) ifo Beschäftigungsbarometer (rechts, 6M Vorlauf) Arbeitslosigkeit, Beschäftigung und ifo Beschäftigungsbarometer '000 gg. Vj. (links); Index (rechts) - 4 - 3 - 2 - 1 0 1 2 3 4 - 3 - 2 - 1 0 1 2 3 4 08 09 10 11 12 13 14 GfK Konsumklima (links) Konsumentenvertrauen (EU - Kommission, links) Einzelhandelsumsätze (rechts) Einzelhandelsumsätze und Konsumentenvertrauen Konsumentenvertrauen, standardisiert (links); % gg. Vj., gl. 3M - Schnitt (rechts) 96 97 98 99 100 101 102 103 - 30 - 20 - 10 0 10 20 08 09 10 11 12 13 14 Ausrüstungsinvestitionen DB Investitionsklimaindex Ausrüstungsinvestitionen und DB Investitionsklimaindex % gg. Vj. (links); Index standardisiert auf 100 (rechts) 0 50 100 150 200 250 91 95 99 03 07 11 Bauaktivität Auftragseingang Bauhauptgewerbe: Bauaktivität und Auftragseingang 2010=100, gl. 3M - Schnitt Ausblick Deutschland 20 | 30. Juni 2014 Aktuelle Themen Chartbook – Finanzmärkte — Die Inflation hat sich im Juni wieder etwas auf 1,0% gg. Vj . erhöht, nachdem sie im Mai stark gefallen war (0,9% nach 1,3% im April). Die Schwankungen der letzten Monate waren weitgehend durch das Auf und A b bei Preisen für Pa u- schalreisen bestimmt, was auch für Ausschläge bei der Kerninflation sorgte. Im Juni lag sie vermutlich wieder bei 1,3%. Bei Nahrungsmittel n und Energie zeigten sich in den letzten Monaten gegenläufige Entwicklungen. Bei Energie wurde die Inflationsrate zunehmend weniger negativ (Juni: - 0,3%) , weil der Ölpreis etwas zulegte und der EUR nicht w eiter aufwertete. Dagegen fiel die Nahrungsmittelinflation weiter ( 0, 0%). Die Inflation dürfte 2014 1,1% betragen. — Die EZB beschloss im Juni ein umfangreiches Maßnahmenpaket. Der Leitzins wurde auf 0,15% und der Einlage n- zinssatz mit - 0,1% sogar das erste M al in den negativen Bereich gesenkt. Darüber hinaus wurde die Vollzuteilung ve r- längert, die Sterilisierung des SMP - Programms aufgegeben, die Vorbereitungen für mögliche Käufe privater Anleihen (ABS) intensiviert und neue „gezielte“ Langfristtender angekünd igt. Dies soll die Liquiditätsversorgung der Banken auf absehbare Zeit sichern, die Zinsen am kurzen Ende niedrige r halten und somit die Kreditvergabe stützen. Das Paket umfasst zwar viele Maßnahmen, dürfte das Wachstum aber nicht entscheidend stimulieren. Der Start eines Anleih e- kaufprogramms für ABS - Anleihen wird in H1 2015 erwartet. — Seit Anfang des Jahres fielen die Renditen 10 - jähriger US Treasuries von 3% auf zuletzt 2,6%. Dies ging auf die U n- sicherheit über die zugrundeliegende Stärke der Konjunkturerh olung, das Umfeld gedämpfter Inflationsraten und ta u- benha fte Äußerungen von Seiten der Fed zurück. Trotz Anzeichen für eine ansteigende Inflation ist die Fed - Chefin Yellen mit ihren Äußerungen hinsichtlich des ersten Zinsschrittes der Fed bislang zurückhal tend. Aufgrund der dive r- gierenden Zins - und Wachstumserwartungen für den Euroraum und die USA hat sich der Renditeabstand zwischen den 10 - jährigen US Treasuries und den Bunds zuletzt weiter auf über 1% - Punkt ausgeweitet. Dank der besseren Ko n- junkturaussich ten und der anhaltend akkommodierenden Politik reduzierten sich die Zinsabstände der Peripherielä n- der gegenüber Deutschland auf unter 1,5% - P. (Mitte 2013: rd. 3% - P.). — Die Inflationserwartungen im Euroraum haben sich weiter abgeschwächt. Das gilt für die im pliziten Mar k terwartungen wie auch für die Erwartungen der von der EZB befragten Prognostiker, was das EZB - Maßnahmenpaket stützt. Quellen: Statistisches Bundesamt, EZB, Global Insight, Reuters -20 -10 0 10 20 -4 -3 -2 -1 0 1 2 3 4 08 09 10 11 12 13 14 Insgesamt (links) Kerninflation (links) Nahrungsmittel (rechts) Energie (rechts) Verbraucherpreise (% gg. Vj.) 0 1 2 3 4 5 6 08 09 10 11 12 13 14 EZB - Leitzins 3M - Satz EWU: Leitzins und 3M-Satz (%) 0 1 2 3 4 5 6 7 8 08 09 10 11 12 13 14 US DE FR IT ES Rendite 10J-Staatsanleihen (%) -15 -5 5 15 25 35 0 1 2 3 08 09 10 11 12 13 14 Implizite Inflationserwartung des Marktes (links) EZB Prognostikerumfrage - Inflation in 2 Jahren (links) EZB Prognostikerumfrage - Inflation in längerer Frist (links) Konsumentenpreisentwicklung in den nächsten 12 M (rechts) Inflationserwartungen Eurozone % gg. Vj. (links), Saldo der pos. u. neg. Antworten (rechts) Ausblick Deutschland 21 | 30. Juni 2014 Aktuelle Themen Chartbook – Kreditvergabe — Im vergangenen Jahr blieb die Kreditvergabe an Unternehmen anhaltend schwach, wobei der Rückgang in der Eur o- zone stärker ausgeprägt war als in Deutschland. Während die sinkende Kreditvergabe in der Eurozone besonders a n- halten dem Deleveraging geschuldet ist, s piegelt diese in Deutschland eher eine verhaltene Investitionstätigkeit und Rückgriff e auf alternative Finanzierungsmöglichkeiten wider. Im ersten Quartal 2014 nahmen die Rückgänge in der Eurozone etwas ab. Dieser Trend setzte sich im April mit - 3,3% fort. In Deutschland hat sich der Rückgang mit - 0,3% gg. Vorjahr im April zuletzt etwas abgeschwächt (März noch - 1,2 %). — Auch die Haushalte in der Eurozone b auen weiter Verbindlichkeiten ab ( - 0, 2 % gg. Vj.). Dagegen steigt die Kreditve r- gabe an Haushalte in Deutschland weiter leicht an (i m April erneut Z uwächse von rd. 1,1%). — Das stabile , aber insgesamt nur leichte Kreditwachstum der Haushalte in Deutschland ist durch die Entwicklungen bei Hypothekarkrediten bedingt (April erneut +2% gg. Vj.). Die Zuwächse ve rzeichnen ein hohes Maß an Kontinuität: S eit Jahresbeginn beträgt das Wachstum 2% und liegt damit in ähnlicher Größenordnung wie bereits 2013. Trotz des sta r- ken Rückgangs der Zinsen für Hypothekarkredite – April 2,7% – bleibt das Wachstum bei Immobilienkre diten ve r- gleichsweise moderat, was teils Portfolioumschichtungen sowie lokalen Angebotsknappheiten geschuldet sein dürfte. Das Geschäft mit Konsumentenkrediten war dagegen auch im April weiter rückläufig ( - 1,7% gg. Vj.). Die gute Ei n- kommensentwicklung in D eutschland führ t – trotz des niedrigen Zinsniveaus – zu einer gebremste n Kreditnachfrage auf Seiten vieler Haushalte, da Anschaffungen auch aus Einkommen bzw. Vermögen finanziert werden. — Angesichts der historisch niedrigen Leitzinsen bleiben den deutschen Unternehmen die günstigen Zinssätze erhalten. Die Zinsen für Unternehmenskredite sind im April um etwa 5 Basispunkte auf 2,95% gesunken. — Insgesamt sind die Finanzierungsbedingungen der Unternehmen außergewöhnlich günstig. Im Mai erreichte die Kr e- dithürde n eue historische Tiefststände. Lediglich 17,4% der Unternehmen aus der gewerblichen Wirtschaft schätzen die Kreditvergabe gegenwärtig als restriktiv ein. Auch die Kredithürde für das Baugewerbe erreichte mit 22% im Mai ein Allzeittief. Dem vergleichsweise l eichten Zugang zu Kreditmitteln steht das schwache Wachstum der Kreditvolum i- na bei Unternehmenskrediten in Deutschland entgegen. Quellen: EZB, ifo, Deutsche Bank Research -10 -5 0 5 10 15 20 06 07 08 09 10 11 12 13 14 EWU - nicht finanz. Kapitalgesell. DE - nicht finanz. Kapitalgesell. EWU - priv. Haushalte DE - priv. Haushalte Kredite an den privaten Sektor (% gg. Vj.) -6 -4 -2 0 2 4 6 05 06 07 08 09 10 11 12 13 14 Konsumentenkredite Hypothekarkredite Kredite an private Haushalte (% gg. Vj.) 0 1 2 3 4 5 6 7 06 07 08 09 10 11 12 13 14 EZB - Leitzins Hypotheken (5 - 10 - jährige Zinsbindung) Unternehmenskredite (<1 Mio. EUR, Neugeschäft) Zinssätze (%) 0 20 40 60 08 09 10 11 12 13 14 Kredithürde Bau Kredithürde Gewerbliche Wirtschaft Kreditbedingungen aus Sicht der Unternehmen Kredithürde: Prozentsatz der Unternehmen, die angeben, Kreditvergabe sei restriktiv. Höhere Werte bedeuten restriktiveren Zugang aus Unternehmenssicht. Ausblick Deutschland 22 | 30. Juni 2014 Aktuelle Themen Chartbook – Staatsfinanzen — Deutschland konnte neben Luxemburg als einziges E uroland 2013 ohne ein Defizit im Gesamth aushalt auskommen. Bund und Länder weisen aber nach wie vor Defizite aus. Nur dank der Überschüsse von Kommunen und Sozialver - sicherungen konnte der Gesamthaushalt einen kleinen Überschuss verzeichnen. 2014 und 2015 dürfte der Haushalt ebenfalls mit einem kleinen Überschuss abschließen. — Der öffentliche Schuldenstand belief sich Ende 2013 auf 78,4% des BIP. Dies spiegelt einerseits die gute Situation auf der Einnahmeseite wider, andererseits führt der anhaltende Portfolioabbau bei den Bad Banks quasi automatisch zu einem Rückgang der Verschuldung. — Auch in den nächsten Jahren dürfte die Staatsverschuldung kontinuierlich zurückgehen. Alleine der Portfolioabbau bei den Bad Banks wird den Schuld enstand um etwa 0,5% des BIP p.a. zurückführen, ein moderates Wachstum wird ebenfalls zum Absenken der Schuldenstandsquote beitragen. — Die gesamten Steuereinnahmen sind im Mai im Vorjahresvergleich um fast 7% zurückgegangen. Dieser Rückgang der Gesamteinna hmen ist insbesondere der Einkommensteuer und den Verbrauchsteuern geschuldet. Das hat ve r- schiedene Ursachen: So musste u.a. wegen eines Beschlusses des Finanzgerichts Hamburg der Bund die Ker n- brennstoffsteuer vorläufig wieder an die Energiekonzerne erstat ten. Sondereffekte bei der Abgeltungsteuer auf Div i- denden (Dividendenzahlungstermine der DAX - Konzerne) und bei der Kfz - Steuer (Reform Steuerverwaltung) kommen hier hinzu. — Insgesamt nehmen die Steuereinnahmen des Staates jedoch weiterhin zu. Bis Mai dieses Jahres liegen sie kumuliert immer noch 1,5 % über dem gleichen Zeitraum des Vorjahres (nach 3,4 % im April). Im 12 - Monatsdurchschnitt liegt die Zunahme sogar bei noch gut 2%. Das starke Wachstum der Umsatzsteuer (Q1) hat sich verlangsamt (vor allem wegen des Rückgangs der Einfuhrumsatzsteuer). Die Lohnsteuer (als wichtigste Komponente der Einkommensteuer) wächst nach wie vor solide und liegt kumuliert bis Mai immer noch 6% über dem Vorjahr. Wir sehen die Entwicklung im Mai daher aus heutiger Sicht noch nic ht als Trendwende an und erwarten über das Gesamtjahr weiterhin eine Z u- nahme des Steueraufkommens von gut 3%, zumal die üblicherweise sehr aufkommensstarken Monate Juni, Septe m- ber und Dezember noch ausstehen. Quellen: Deutsche Bank Research, Europäische Kommission, Bundesbank 30 40 50 60 70 80 90 - 10 - 6 - 2 2 6 10 95 99 03 07 11 15 Staatsdefizit (links) Staatsverschuldung (rechts) Staatsverschuldung und - defizit In % des BIP - 5,0 - 4,0 - 3,0 - 2,0 - 1,0 0,0 1,0 2,0 00 01 02 03 04 05 06 07 08 09 10 11 12 13 14 15 Strukturell Zyklisch Staatsdefizit Staatsdefizit Gesamtstaat, in % des BIP - 10% - 5% 0% 5% 10% 15% 20% 10 11 12 13 14 Steuereinnahmen Veränderung gg. Vorjahrjahresmonat und als 12 - Monatsdurchschnitt - 4% - 2% 0% 2% 4% 6% 8% 10% 12% 14% 12 13 14 Steuereinnahmen gesamt Einkommensteuer Umsatzsteuer Verbrauchsteuern Entwicklung wichtiger Steuern Veränderung gg. Vorjahr, 12 - Monatsdurchschnitt Ausblick Deutschland 23 | 30. Juni 2014 Aktuelle Themen Dieter Bräuninger (+49 69 910-31708, dieter.braeuninger@db.com) Nicolaus Heinen (+49 69 910-31713, nicolaus.heinen@db.com) Deutschland: Termine der Finanz-, der Wirtschafts- und der Europapolitik DX Datum Ereignis Anmerkungen 1 Juli Brüssel Italien übernimmt EU - Präsidentschaft von Griechenland. 3. Juli Sitzung des EZB - Rates, Pressekonferenz Überprüfung des geldpolitischen Kurses. 7./8. Juli Eurogruppe und ECOFIN in Brüssel Finanzielle und makro ökonomische Stabilität im Euroraum; Stand des A n- passungsprogramms Griechenlands; Bankenunion; Verminderung des gr o- ßen Abgabenkeils bei Arbeitseinkommen. 7. Aug. Sitzung des EZB - Rates, Pressekonferenz Überprüfung des geldpolitischen Kurses. 4. Sep. Sitzung des EZB - Rates, Pressekonferenz Überprüfung des geldpolitischen Kurses 11 . /12. Sep. ASEM - Finanzministertreffen in Mailand Finanzminister aus 52 europäischen und asiatischen Ländern debattieren über wirtschaftliche Beziehungen und bereiten das ASEM - Gipfeltreffen am 16./17. Oktober vor. 12./13. Sep. Eurogruppe und informeller ECOFIN in Mailand Stabilität im Euroraum; Wirtschaf tsprognosen 2014 u. 2015, Überprüfung der Anpassungsprogramme Griechenlands und Zyperns; Bankenunion. 20./21. Sep. Treffen der G20 - Finanzminister und Notenbank - gouverneure in Cairns/Australien Debatte über Fiskal - u. Geldpolitik (Stärkung privater Investitionen, von Handel u. Beschäftigung), Finanzmarktregu lierung ( u.a. Schattenbanken ) und Steuerfra gen (Steuervermeidung, internationale Transparenz ). Quelle: Deutsche Bank Research Ausblick Deutschland 24 | 30. Juni 2014 Aktuelle Themen Heiko Peters (+49 69 910-21548, heiko.peters@db.com) Oliver Rakau (+49 69 910-31875, oliver.rakau@db.com) Deutschland: Datenkalender DX Datum Uhrzeit Daten Berichtszeitraum DB Schätzung Letzter Wert 1. Jul i 2014 10:00 Arbeitslosenrate (%, sb.) Juni 6,7 6,7 4. Jul i 2014 8:00 Auftragseingang im Ver. Gewerbe (Index, sb.), % gg. Vm. Mai - 0,5 3,1 7. Jul i 2014 8:00 Industrieproduktion (Index, sb.), % gg. Vm. Mai 0,2 0,2 8. Jul i 2014 8:00 Handelsbilanz (EUR Mrd., sb.) Mai 15,0 17,6 8. Jul i 2014 8:00 Warenexporte (EUR Mrd., sb.), % gg. Vm. (gg. Vj.) Mai - 1,7 (2,8) 2,9 (2,3) 8. Jul i 2014 8:00 Warenimporte (EUR Mrd., sb.), % gg. Vm. (gg. Vj.) Mai 1,2 (2,8) 0,2 (2,5) 24. Jul i 2014 9:30 PMI Verarbeitendes Gewerbe (Flash) Juli 52,4 52,4 24. Jul i 2014 9:30 PMI Dienstleistungssektor (Flash) Juli 55,0 54,8 25. Jul i 2014 10:30 ifo Geschäftsklima (Index, sb.) Juli 109,5 109,7 30. Jul i 2014 14:00 Vorläufiger VPI (sb.), % gg. Vm. (gg. Vj.) Juli 0,6 (1,1) 0,3 (1,0) 29. Jul i 2014 8:00 Einfuhrpreise (Index, sb.) % gg. Vm. (gg. Vj.) Juni 0,0 ( - 1,5) 0,0 ( - 2,1) 31. Jul i 2014 8:00 Einzelhandelsumsätze (Index, sb.), % gg. Vm. Juni 0,8 - 0,6 14. Aug 2014 8:00 Reals BIP (Index, sb.), % gg. Vq. Q2 2014 0,2 0,8 Quellen: Deutsche Bank Research, Statistisches Bundesamt, Bundesagentur für Arbeit, ifo, Markit Ausblick Deutschland 25 | 30. Juni 2014 Aktuelle Themen Heiko Peters (+49 69 910-21548, heiko.peters@db.com) Oliver Rakau (+49 69 910-31875, oliver.rakau@db.com) Finanzmarktprognosen DX US JP EWU GB CH SE DK NO PL HU CZ Le itzinssatz, % Aktuell 0,125 0,10 0,15 0,50 0,00 0,75 0,20 1,50 2,50 2,30 0,05 Sep 14 0,125 0,10 0,15 0,50 0,00 0,50 0,20 1,50 2,50 2,30 0,05 Dez 14 0,125 0,10 0,15 0,75 0,00 0,50 0,20 1,50 2,50 2,30 0,05 Juni 15 0,500 0,10 0,15 1,00 0,00 0,75 0,20 1,50 2,50 2,50 0,05 3M Geldmarktsatz, % Aktuell 0,23 0,21 0,21 0,55 Sep 14 0,35 0,20 0,20 0,55 Dez 14 0,35 0,20 0,20 0,80 Juni 15 0,75 0,20 0,25 1,10 Rendite 10J Staatsanleihen, % Aktuell 2,52 0,56 1,21 2,64 0,73 1,70 1,64 2,50 Sep 14 2,65 0,70 1,50 2,90 0,85 1,90 1,85 2,65 Dez 14 2,80 0,70 1,75 3,00 1,15 2,10 2,05 2,80 Juni 15 3,00 0,80 1,90 3,20 1,35 2,20 2,10 3,15 Wechselkurse EUR/USD USD/JPY EUR/GBP GBP/USD EUR/CHF EUR/SEK EUR/DKK EUR/NOK EUR/PLN EUR/HUF EUR/CZK Aktuell 1,36 101,51 0,80 1,70 1,22 9,19 7,46 8,37 4,15 308,59 27,46 Sep 14 1,33 109,00 0,82 1,62 1,26 8,70 7,46 8,35 4,08 306,00 27,00 Dez 14 1,30 112,00 0,79 1,65 1,27 8,58 7,46 8,28 4,00 305,00 27,00 Juni 15 1,22 116,00 0,76 1,61 1,27 8,35 7,46 8,00 3,95 304,00 27,00 Quellen: Bloomberg, Deutsche Bank Ausblick Deutschland 26 | 30. Juni 2014 Aktuelle Themen Deutschland: Datenmonitor DX Q2 2013 Q3 2013 Q4 2013 Q1 2014 Q2 2014 Jan 2014 Feb 2014 Mrz 2014 Apr 2014 Mai 2014 Jun 2014 Konjunkturumfragen Gesamtwirtschaft ifo Geschäftsklima 105,3 107,2 108,8 110,9 110,4 110,6 111,3 110,7 111,2 110,4 109,7 ifo Geschäftserwartungen 101,8 103,4 106,0 107,8 106,1 108,9 108,2 106,3 107,3 106,2 104,8 PMI Composite 49,9 52,9 54,5 55,4 55,3 55,5 56,4 54,3 56,1 55,6 54,2 Produzierendes Gewerbe ifo Verarbeitendes Gewerbe 100,4 102,7 104,5 106,9 106,6 106,3 107,3 107,0 107,5 106,9 105,3 PMI Verarbeitendes Gewerbe 48,7 51,2 52,9 55,0 52,9 56,5 54,8 53,7 54,1 52,3 52,4 Produktion (% gg. Vp.) 1,6 0,6 0,6 1,2 0,5 0,5 - 0,6 0,2 Auftragseingang (% gg. Vp.) 1,0 1,5 2,3 0,1 0,1 0,9 - 2,8 3,1 Grad der Kapazitätsauslastung 82,1 83,2 83,2 83,4 84,3 Bauhauptgewerbe Produktion (% gg. Vp.) 12,2 1,4 0,0 4,3 1,9 1,6 - 1,9 - 3,9 Auftragseingang (% gg. Vp.) 1,6 - 1,1 3,4 1,8 4,4 - 3,6 - 2,6 3,5 ifo Bauhauptgewerbe 123,7 120,4 121,2 122,6 120,5 124,2 123,1 120,6 120,6 120,3 120,5 Dienstleistungen PMI Dienstleistungen 49,9 52,6 54,1 54,0 55,2 53,1 55,9 53,0 54,7 56,0 54,8 Ko nsumentennachfrage EC Konsumentenbefragung - 4,2 - 3,2 - 2,8 0,3 4,3 - 0,8 - 0,7 2,3 3,1 5,5 4,3 Einzelhandelsumsätze (% gg. Vp.) 0,1 - 0,2 - 0,4 1,8 1,9 0,6 0,6 - 1,5 - 0,6 Neuzulassungen PKW (% gg. Vj.) - 3,7 - 1,4 1,6 2,8 - 2,0 4,3 5,4 - 3,6 5,2 Außenhandel Auslandsaufträge (% gg. Vp.) 2,8 0,6 3,9 - 1,3 - 1,3 0,7 - 4,5 5,5 Exporte (% gg. Vp.) 0,3 0,3 1,6 0,3 2,3 - 1,3 - 1,8 2,9 Importe (% gg. Vp.) 1,4 - 0,3 0,6 2,2 3,2 0,4 - 1,1 0,2 Nettoexporte (EUR Mrd.) 48,0 49,3 52,3 48,1 17,3 15,8 15,0 17,6 Ar beitsmarkt Arbeitslosenquote (%) 6,9 6,8 6,9 6,8 6,8 6,8 6,7 6,7 6,7 Veränderung Arbeitslosigkeit (Tsd. gg. Vp.) 19,7 - 4,7 14,3 - 45,7 - 26,0 - 12,0 - 11,0 - 25,0 24,0 Beschäftigung (% gg. Vj.) 0,5 0,6 0,6 0,8 0,8 0,8 0,9 1,0 ifo Beschäftigungsbarometer 104,9 106,3 107,2 107,5 106,8 107,0 108,0 107,4 107,4 106,9 106,1 Pr eise, Löhne und Arbeitskosten Preise HVPI (% gg. Vj.) 1,5 1,7 1,3 1,0 0,9 1,2 1,0 0,9 1,1 0,6 1,0 Kern - HVPI (% gg. Vj.) 1,0 1,2 1,1 1,1 1,2 1,2 0,9 1,4 0,7 Harmonisierter PPI (% gg. Vj.) - 0,1 - 0,3 - 0,7 - 1,0 - 1,1 - 0,9 - 0,9 - 0,9 - 0,8 Rohstoffe ohne Energie (% gg. Vj.) - 7,0 - 12,2 - 10,4 - 11,1 - 11,0 - 11,0 - 11,3 - 5,8 - 5,4 Ölpreis (USD) 102,5 110,4 109,3 108,2 108,3 108,9 107,5 107,7 109,6 Inflationserwartungen EC Haushaltsumfrage 22,5 26,2 25,5 22,0 16,9 24,0 22,0 19,9 18,0 18,1 14,6 EC Unternehmensumfrage - 0,6 2,8 6,1 5,6 2,3 7,8 4,8 4,1 2,5 1,9 2,6 Lohnstückkosten (gg. Vj.) Lohnstückkosten 1,4 1,2 1,2 0,5 Arbeitnehmerentgelt je Arbeitnehmer 1,7 2,0 2,0 2,5 Arbeitnehmerentgelt je Stunde 1,1 1,2 1,9 0,3 Mo netärer Sektor (gg. Vj.) M3 3,8 2,5 2,7 3,5 3,1 3,9 3,5 3,7 Trend von M3* 3,2 3,5 3,7 3,6 Kredite an Unternehmen und Privatpersonen 1,3 - 4,0 - 3,1 - 3,6 - 3,8 - 3,9 - 3,6 - 3,4 Kredite an öffentliche Haushalte - 22,4 - 17,7 - 17,1 - 1,5 - 5,8 - 5,8 - 1,5 - 8,4 % gg. VP = Veränderung gegenüber der Vorperiode; * zentrierter 3M - Durchschnitt Quellen: Bundesagentur für Arbeit, Deutsche Bundesbank, Europäische Kommission, Eurostat, Statistisches Bundesamt, HWWI, ifo, Markit Ausblick Deutschland Unsere Publikationen finden Sie unentgeltlich auf unserer Internetseite www.dbresearch.de Dort können Sie sich auch als regelmäßiger Empfänger unserer Publikationen per E - Mail eintragen. Für die Print - Version wenden Sie sich bitte an: Deutsche Bank Research Marke ting 60262 Frankfurt am Main Fax: +49 69 910 - 31877 E - Mail: marketing.dbr@db.com Schneller via E - Mail: marketing.dbr@db.com Im Ausblick Deutschland aus der Reihe Aktuelle Themen/Konjunktur we r- den volkswirtschaftliche und wirtschaftspolitische Themen zu Deutschland behandelt. Jede Ausgabe enthält zudem Übersichtstabellen zu finanz - und wirtschaftspolitischen Terminen sowie einen detaillierten Datenmonitor zu deutschen Wirtschaftsindikatoren. Die Ausgabe erscheint monatlich.  Robuste Binnenwirtschaft durch gute Absichten gefährdet (Aktuelle Themen – Konjunktur) ................................ ......... 4. Juni 2014  So weit, so gut (Aktuelle Themen – Konjunktur) ................................ .......... 2. Mai 2014  2% Wachstum in 2015 trotz belastender Beschäftigungspolitik (Akt uelle Themen – Konjunktur) ................................ . 28. Februar 2014  Weiter im Aufwind (Aktuelle Themen – Konjunktur) ................................ ... 27. Januar 2014  Aufbruch in die Vergangenheit (Aktuelle Themen – Konjunktur) ............................. 29. November 2013  Trotz Wachstum in der Kritik (Research Briefing – Konjunktur) ............................ 19. November 2013  Von Übertreibungen und Ängsten (Aktuelle Themen – Konjunktur) ................................ . 31. Oktober 2013  Arbeitsmarkt: Weiter im Aufwind (Research Briefing – Konjunktur) ................................ 15. Oktober 2013  Deutschland nach der Wahl (Aktuelle Themen – Konjunktur) ................................ ... 1 . Oktober 2013  Ja mei, is denn scho o’zapft? (Research Briefing – Konjunktur) ........................... 16. September 2013  Deutsches BIP +0,5% in 2013 – trotz Verlangsamung in H2 (Aktuelle Themen – Konjunktur) .............................. 2. September 2013  Das Wandern ist des Deutschen Lust (Research Briefing – Konjunktur) ................................ .. 15. August 2013  Strukturelle Verbesserungen stützen Sonderstellung (Aktuelle Themen – Konjunktur ) ................................ .......... 1. Jul i 2013  Deutsche Sonderstellung – Gefahr für den Euro? ( Research Briefing – Konjunktur ) ................................ ...... 14. Juni 2013  Die schöne neue Welt der Geldpolitik (Aktuelle Themen) ................................ ............................... 4. Juni 2013  T arifrunde 2013: Kräftiges reales Plus ( Research Briefing – Konjunktur ) ................................ ....... 16. Mai 2013  BIP - Prognose: Leichter Anstieg in Q1, © Copyright 2014. Deutsche Bank AG, Deutsche Bank Research, 60262 Frankfurt am Main, Deutschland. Alle Rechte vorbehalten. Bei Zitaten wird um Quellenangabe „Deutsche Bank Research“ gebeten. Die vorstehenden Angaben stellen keine Anlage-, Rechts- oder Steuerberatung dar. Alle Meinungsaussagen geben die aktuelle Einschätzung des Verfassers wieder, die nicht notwendigerweise der Meinung der Deutsche Bank AG oder ihrer assoziierten Unternehmen entspricht. Alle Meinungen können ohne vorherige Ankündigung geändert werden. Die Meinungen können von Einschätzungen abweichen, die in anderen von der Deutsche Bank veröffentlichten Dokumenten, einschließlich Research-Veröffentlichungen, vertreten werden. Die vorstehenden Angaben werden nur zu Informations- zwecken und ohne vertragliche oder sonstige Verpflichtung zur Verfügung gestellt. Für die Richtigkeit, Vollständigkeit oder Angemessenheit der vorste- henden Angaben oder Einschätzungen wird keine Gewähr übernommen. In Deutschland wird dieser Bericht von Deutsche Bank AG Frankfurt genehmigt und/oder verbreitet, die über eine Erlaubnis der Bundesanstalt für Fi- nanzdienstleistungsaufsicht verfügt. 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