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  4. Ausblick Deutschland
5. April 2016
Gemäß unseren und Konsensus-Erwartungen wird Deutschland voraussichtlich 4 Jahre (2014-2017) ein BIP-Wachstum über der Potentialrate und innerhalb einer extrem engen Bandbreite von 1,5% bis 1,7% verzeichnen. Falls doch eine Konjunkturwende ansteht, scheint eine Abwärtsbewegung wahrscheinlicher als eine Beschleunigung. Der tiefe Ölpreiseinbruch, der die Wirtschaft der Ölproduzenten erheblich unter Druck setzt, dämpft auch 2016 das deutsche Exportwachstum, selbst wenn der Gesamteffekt niedriger Ölpreise für die deutsche Konjunktur positiv ist. Die Wohnbauinvestitionen stiegen in den letzten Jahren nur träge an. Die wichtigsten Gründe sind ein Mangel an Bauland, gestiegene regulatorische Hürden, hohe Baukosten und ein Fachkräftemangel in der Bauwirtschaft. [mehr]
Ausblick Deutschland: Solides Wachstum, aber Probleme bei Export und Bau Aktuelle Themen Konjunktur BIP: 4 Jahre stabil bei 1 ½% Wachstum, wirklich? Befürchtungen über eine dro- hende Konjunkturschwächung sind abgeklungen. Wie erwartet haben sich die Stimmungsindikatoren im März stabilisiert, nachdem ihr Einbruch zu Jahresbe- ginn Rezessionsängste geweckt hatte. Gemäß unseren und Konsensus- Erwartungen wird Deutschland voraussichtlich 4 Jahre (2014-2017) ein BIP- Wachstum über der Potentialrate und innerhalb einer extrem engen Bandbreite von 1,5% bis 1,7% verzeichnen. Falls doch eine Konjunkturwende ansteht, scheint eine Abwärtsbewegung wahrscheinlicher als eine Beschleunigung. Ende der goldenen Zeit für Ölstaaten dämpft auch 2016 das deutsche Export- wachstum. Der tiefe Ölpreiseinbruch setzt die Wirtschaft der Ölproduzenten unter erheblichen Druck, und der derzeit hohe Angebotsüberhang spricht auch 2016 für niedrige Ölpreise. Der Gesamteffekt niedriger Ölpreise für die deutsche Konjunktur ist zwar positiv, aber die deutschen Exporte in die Ölstaaten stehen weiter unter Druck. Der Ausblick auf das Jahr 2016 verspricht nur wenig Besserung. Um die Auswirkungen auf die deutschen Exporte abzuschätzen, haben wir einen Exportindikator für die Ölstaaten berechnet. Dieser deutet auf einen erneuten Rückgang der Exporte in die Ölstaaten von knapp 10% hin. Un- ter den deutschen Industriesektoren dürfte der Maschinebau überdurchschnitt- lich stark getroffen werden. Die Exporte von Flugzeugen könnten auch 2016 für Entlastung sorgen. Wohnbau: Politik trägt nur allmählich zum Abbau des Nachfrageüberhangs bei. Die Wohnbauinvestitionen stiegen die letzten Jahre nur träge an. Die wichtigs- ten Gründe sind: ein Mangel an Bauland, gestiegene regulatorische Hürden in fast allen Baubereichen, hohe Baukosten und ein Fachkräftemangel in der Bauwirtschaft. Die Bundesregierung plant über die Einführung einer Sonderab- schreibung und ein Maßnahmenpaket in den angespannten Wohnungsmärkten gegenzusteuern. Die Umsetzung dieser Vorschläge ist oftmals aufgrund der vielen Beteiligten, öffentlichen wie privaten Interessengruppen schwierig, was eine niedrige Effektivität zur Folge haben könnte. Trotz des wohl geringen Mengeneffekts könnten die anvisierten wohnungspolitischen Maßnahmen aber die Preisdynamik bremsen und damit zur Reduzierung potentieller makro- prudentieller Risiken beitragen. EZB legt sich ins Zeug – Wirkung beschränkt. Die EZB hat mit ihren Beschlüs- sen vom 10. März die Markterwartungen deutlich übertroffen. Der überarbeitete TLTRO2 zeigt, dass die EZB die sich abzeichnende Belebung der Kreditnach- frage unterstützen möchte. Die Aufnahme von Unternehmensanleihen in das QE-Programm zeigt, dass die EZB bereit ist, größere Risiken zu akzeptieren, was – falls nötig – den Weg für weitere Stimulusmaßnahmen bereitet. Dennoch benötigt die Geldpolitik Unterstützung, wobei die Möglichkeiten der Fiskalpolitik allerdings beschränkt sind. Autor en Eric Heymann +49 69 910-31730 eric.heymann@db.com Jochen Möbert +49 69 910-31727 jochen.moebert@db.com Heiko Peters +49 69 910-21548 heiko.peters@db.com Oliver Rakau +49 69 910-31875 oliver.rakau@db.com Stefan Schneider +49 69 910-31790 stefan-b.schneider@db.com Editor Stefan Schneider Deutsche Bank AG Deutsche Bank Research Frankfurt am Main Deutschland E-Mail: marketing.dbr@db.com Fax: +49 69 910-31877 www.dbresearch.de DB Research Management Ralf Hoffmann Originalveröffentlichung in englischer Sprache: 1. April 2016 Inhaltsverzeichnis Seite Prognosetabellen ............................................2 BIP: 4 Jahre stabil bei 1 ½% Wachstum, wirklich? ..........................................................3 Ende der goldenen Zeit für Ölstaaten dämpft auch 2016 das deutsche Exportwachstum ......5 Wohnbau: Politik trägt nur allmählich zum Abbau des Nachfrageüberhangs bei ............. 10 EZB legt sich ins Zeug – Wirkung beschränkt .................................................... 16 DB Makro-Überraschungsindex Deutschland .................................................. 18 Eventkalender ............................................... 19 Datenkalender .............................................. 20 Finanzmarktprognosen ................................. 21 Datenmonitor ................................................ 22 5. April 2016 Ausblick Deutschland Solides Wachstum , aber Probleme bei Export und Bau Ausblick Deutschland 2 | 5. April 2016 Aktuelle Themen Wachstum, Inflation, Leistungsbilanz, Budgetsaldo DX BIP - Wachstum Inflation* Leistungsbilanzsaldo Budgetsaldo in % gg. Vj. in % gg. Vj. in % des BIP in % des BIP 2015 2016P 2017P 2015 2016P 2017P 2015 2016P 2017P 2015 2016P 2017P Euroland 1,5 1,5 1,5 0,0 0,1 1,3 3,1 2,6 2,2 - 2,0 - 2,0 - 1,7 Deutschland 1,7 1,7 1,6 0,2 0,3 1,5 8,3 8,1 7,8 0,6 0,0 0,0 Frankreich 1,1 1,2 1,5 0,1 0,2 1,1 - 0,1 0,1 0,3 - 3,5 - 3,3 - 2,9 Italien 0,8 1,1 1,1 0,1 0,1 1,3 2,1 1,8 1,5 - 2,6 - 2,7 - 2,5 Spanien 3,2 2,7 2,2 - 0,6 - 0,6 1,5 1,4 1,1 0,6 - 5,2 - 4,0 - 3,3 Niederlande 1,9 1,2 1,3 0,2 0,0 1,3 9,1 10,6 10,7 - 1,8 - 1,7 - 1,6 Belgien 1,4 1,0 1,2 0,6 1,0 1,7 0,4 1,0 1,0 - 2,7 - 2,7 - 2,3 Österreich 0,8 1,1 1,4 0 ,8 1,1 1,8 2,6 2,7 2,8 - 1,2 - 1,6 - 1,4 Finnland 0,4 0,6 1,0 - 0,2 0,2 1,3 0,1 0,3 0,4 - 2,7 - 2,6 - 2,1 Griechenland - 0,3 - 1,0 1,6 - 1,1 - 0,3 0,8 - 0,1 1,0 1,2 - 4,1 - 3,7 - 1,8 Portugal 1,5 1,3 1,5 0,5 0,3 1,4 0,9 1,0 0,9 - 4,2 - 2,8 - 2,6 Irland 7,8 3 ,8 3,2 0,0 0,3 1,7 4,5 4,0 3,5 - 1,8 - 1,1 - 0,6 Großbritannien 2,3 2,2 2,2 0,1 1,1 1,9 - 4,7 - 4,0 - 3,5 - 4,3 - 3,0 - 2,0 Dänemark 1,2 1,4 1,8 0,5 1,1 1,7 7,0 7,0 7,0 - 2,5 - 2,5 - 2,0 Norwegen 1,1 1,0 2,0 2,2 2,5 2,3 9,0 6,5 6,5 9,0 6,5 6,5 Schweden 3,8 3,4 2,5 0,0 0,9 1,8 5,9 5,7 5,5 - 0,8 - 1,0 - 0,5 Schweiz 0,9 1,3 1,5 - 1,1 - 0,5 0,2 11,4 9,0 8,0 0,3 - 0,5 - 0,5 Tschech. Rep. 4,3 2,6 3,2 0,3 1,0 1,7 1,6 1,2 0,8 - 1,9 - 1,4 - 1,2 Ungarn 2,9 2,4 3,1 - 0,1 0,3 1,8 3,1 3,3 2,5 - 2,4 - 2,2 - 2,0 Pol en 3,6 3,5 3,5 - 0,9 - 0,4 1,2 - 0,2 - 0,7 - 0,7 - 2,9 - 2,9 - 2,7 USA 2,4 1,4 2,2 0,1 1,4 1,9 - 2,4 - 2,8 - 3,2 - 2,4 - 2,9 - 2,9 Japan 0,5 - 0,4 0,5 0,8 0,1 1,8 3,3 4,6 4,5 - 4,2 - 4,2 - 3,5 China 6,9 6,7 6,7 1,4 1,8 1,8 2,7 2,7 2,5 - 3,5 - 4,0 - 4,0 Welt 3, 1 3,0 3,6 3,3 3,6 4,0 *Inflationsdaten für EU - Länder basieren auf harmonisierten Verbraucherpreisindizes außer bei Deutschland. Dies kann zu Diskrepanzen zu anderen DB Pub likationen führen. Quellen: Nationale Behörden, Nationale Zentralbanken, Deutsche Bank Prognosen Deutschland: BIP-Wachstum nach Komponenten, % gg.Vq., Jahresdaten % gg.Vj. DX 2015 2016 2013 2014 2015 2016P 2017P Q1 Q2 Q3 Q4 Q1P Q2P Q3P Q4P BIP 0,3 1,6 1,7 1,7 1,6 0,3 0,4 0,3 0,3 0,4 0,3 0,5 0,5 Privater Konsum 0,6 0,9 1,9 2,0 1,4 0,4 0,1 0,6 0,3 0,6 0,5 0,5 0,4 Staatsausgaben 0,8 1,7 2,4 2,9 1,8 0,4 0,7 1, 3 1,0 0,6 0,7 0,8 0,8 Anlageinvestitionen - 1,3 3,5 2,2 1,9 1,8 1,7 - 0,4 - 0,3 1,5 0,9 - 0,2 0,2 0,5 Ausrüstungen - 2,3 4,5 4,8 2,3 1,6 1,9 0,5 - 0,8 1,0 0,3 0,5 0,6 0,6 Bau - 1,1 2,9 0,3 2,2 2,2 1,8 - 1,3 - 0,3 2,2 1,5 - 0,9 - 0,2 0 ,4 Lager, %-Punkte 0,6 - 0,3 - 0,5 0,1 0,0 0,0 - 0,3 0,1 0,1 0,0 0,0 0,0 0,0 Exporte 1,6 4,0 5,4 3,0 4,5 1,5 1,8 0,2 - 0,6 0,8 1,3 1,3 1,0 Importe 3,1 3,7 5,8 4,6 4,8 2,1 0,5 1,1 0,5 1,3 1,5 1,3 1,0 Nettoexport, %-Punkte - 0,5 0,4 0,3 - 0,5 0,2 - 0,2 0,6 - 0,3 - 0,5 - 0,2 0,0 0,1 0,1 Konsumentenpreise* 1,5 0,9 0,2 0,3 1,5 0,0 0,5 0,1 0,3 0,2 0,0 0,3 0,7 Arbeitslosenquote, % 6,9 6,7 6,4 6,4 6,9 6,5 6,4 6,4 6,3 6,2 6,3 6,5 6,6 Industrieproduktion 0,1 1,5 0,5 0,6 Budgetsaldo, % BIP - 0,1 0,3 0,6 0,0 0,0 Öffentlicher Schuldenstand, % BIP 77,4 74,9 71,4 68,9 66,7 Leistungsbilanzsaldo, % BIP 6,5 7,3 8,3 8,1 7,8 Leistungsbilanzsaldo, EUR Mrd. 182 212 249 254 254 *Inflationsdaten für Deutschland basieren auf nationaler Abgrenzung. Dies kann zu Diskrepanzen zu anderen DB Publikationen fü hren. Quellen: Statistisches Bundesamt, Deutsche Bundesba nk, Arbeitsagentur, Deutsche Bank Research Ausblick Deutschland 3 | 5. April 2016 Aktuelle Themen BIP: 4 Jahre stabil bei 1 ½% Wachstum, wirklich? — Befürchtungen über eine drohende Konjunkturschwächung sind abgeklun- gen. Wie erwartet haben sich die Stimmungsindikatoren im März stabilisiert, nachdem ihr Einbruch zu Jahresbeginn Rezessionsängste geweckt hatte. Harte Monatsdaten, obwohl sie aufgrund des milden Winters und Einmalef- fekten teilweise überzeichnet sind, deuten auf ein solides BIP-Wachstum in Q1 hin. — Konjunktur in 2016 und 2017 leicht über Potential. Das Wachstum wird 2016 noch mehr durch die inländische Nachfrage, besonders durch den pri- vaten und staatlichen Konsum, getrieben, während Exporte unter einer schwachen Nachfrage in wichtigen Exportmärkten und der unerwarteten Eurostärke leiden. — Nächste Konjunkturwende: Hoch oder runter? Gemäß unsere und Konsen- sus-Erwartungen wird Deutschland voraussichtlich 4 Jahre (2014-2017) ein BIP-Wachstum über der Potenzialrate und innerhalb einer extrem engen Bandbreite von 1,5% bis 1,7% verzeichnen, trotz erheblicher Schocks und massiver Verschiebungen der Wachstumstreiber. Falls doch eine Konjunk- turwende ansteht, scheint eine Abwärtsbewegung wahrscheinlicher als eine Beschleunigung. Trendwachstumsraten in Q1 und 2016 Befürchtungen, dass die Konjunktur sich an der Schwelle zur Rezession befand, sind abgeklungen, da die Industrieproduktion im Januar kräftig anstieg. Das Plus von 3,3% gegenüber Dezember wurde durch den milden Winter und Ba- siseffekten (Umrüstung in der Automobilindustrie) angetrieben. Exporte hatten einen schwachen Start in das Jahr 2016 (-0,6% im Jan. im Vergleich zum Vor- monat), jedoch haben die Exportaufträge in den letzten Monaten deutlich zuge- legt und deuten nun auf eine Stabilisierung der Exporte hin. Einzelhandelsum- sätze und Kfz-Neuzulassungen zeigen die Auswirkungen von rekordverdächti- gen realen Einkommenszuwächsen. Zusammen mit Rekordtiefs der Zinsen befeuern sie ebenfalls die Bauinvestitionen, deren monatliche Indikatoren am Anfang des Jahres äußerst stark waren (wiederum Wettereffekte!). Flüchtlings- bedingte Ausgaben, Infrastrukturinvestitionen und höhere Sozialversicherungs- ausgaben werden zu einer moderat expansiven Fiskalpolitik führen. Konjunkturschwächung mittelfristig wahrscheinlicheres Szenario Die Potentiallücke sollte sich, trotz des leichten temporären Anstiegs des Trendwachstums, nun geschlossen haben. Jedoch scheint ein kräftiger Lohn- schub, der für die späte Phase eines Wachstumszyklus nicht unnormal ist, kein Thema zu sein angesichts des Wettbewerbsdrucks in exportorientierten Sekto- ren. Ungeachtet der starken, teilweise wetterbedingten, Beschäftigungsdynamik zu Jahresanfang, haben sich die Einstellungsintentionen in den letzten Monaten abgeschwächt. Es ist zudem unwahrscheinlich, dass das Konsumwachstum seine momentane Stärke nächstes Jahr beibehält, da der nachfragetreibende Effekt des niedrigeren Ölpreises abklingen dürfte. Falls der Flüchtlingsdeal mit der Türkei zu einer (nachhaltigen) Reduzierung der Anzahl neuankommender Flüchtlinge beiträgt, sollte der zugehörige Anstieg der Staatsausgaben seinen Höhepunkt dieses Jahr erreichen. Im Hinblick auf Exporte und Investitionen ist es schwer, eine zyklische Einschät- zung zu geben. Bauinvestitionen, besonders Wohnbauinvestitionen, scheinen einem mehrjährigen Aufwärtstrend zu folgen, der von Zinsen auf Rekordtief- 85 95 105 115 125 13 14 15 16 Industrieproduktion Auslandsaufträge Einzelhandelsumsätze Monatsdaten deuten auf solides Wachstum hin 1 2010=100 Quellen: Deutsche Bundesbank, Statistisches Bundesamt -6 -4 -2 0 2 4 92 96 00 04 08 12 16 BIP Potenziallücke Welcher Konjunkturzyklus? 2 % gg. Vj., % - P. Abweichung vom Trend Quellen: Statistisches Bundesamt, Deutsche Bank IWF Ausblick Deutschland 4 | 5. April 2016 Aktuelle Themen ständen und der ausgeprägten Angebotslücke getrieben wird, die zu starken Preisanstiegen führt. Ausrüstungsinvestitionen leiden unter einer schwachen ausländischen Nachfrage und damit verbundenen Unsicherheiten (China, USA). Die Kapazitätsauslastung und das Gewinnwachstum sind zwar solide, jedoch reichen sie per se nicht aus, um die Investitionsbereitschaft zu stimulieren. Nur falls die nun erwartete leichte Stärkung des globalen BIP-Wachstums für 2017 wirklich eintritt, werden Investitionsausgaben stärker ansteigen. Dennoch würde es wahrscheinlich einen deutlichen Anstieg des globalen BIP-Wachstums jen- seits der 3 ½% benötigen, um bremsende inländische Faktoren zu überkom- pensieren. Stefan Schneider (+49 69 910-31790, stefan-b.schneider@db.com) Ausblick Deutschland 5 | 5. April 2016 Aktuelle Themen Ende der goldenen Zeit für Ölstaaten dämpft auch 2016 das deutsche Exportwachstum — Der tiefe Ölpreiseinbruch setzt die Wirtschaft der Ölproduzenten unter er- heblichen Druck, und der derzeit hohe Angebotsüberhang spricht auch 2016 für niedrige Ölpreise. Die goldenen wirtschaftlichen Zeiten der Ölstaa- ten dürften damit vorerst vorüber sein. — Die ölpreisbedingte wirtschaftliche Abkühlung in den Ölstaaten hat über den Außenhandelskanal Implikationen für die deutsche Konjunktur. Der Ge- samteffekt niedriger Ölpreise für die deutsche Konjunktur ist zwar positiv, aber die deutschen Exporte in die Ölstaaten stehen weiter unter Druck. — 2015 fielen die Exporte in die Ölstaaten – das dritte Jahr in Folge – um etwas mehr als 7%. Die Exporte in die Nicht-OPEC-Ölstaaten befanden sich mit einem Rückgang von über 20% im freien Fall. Eine hohe Nachfrage aus den Vereinigten Arabischen Emiraten – v.a. Flugzeuge – und Saudi Arabien hatte zur Folge, dass die Exporte in die OPEC-Staaten noch um 7% stiegen. — Der Ausblick auf das Jahr 2016 verspricht nur wenig Besserung. Viele Öl- förderländer dürften angesichts weiterhin niedriger Ölpreise auch 2016 nur schwach wachsen und engen Budgetrestriktionen unterliegen. — Um die Auswirkungen auf die deutschen Exporte abzuschätzen, haben wir einen Exportindikator für die Ölstaaten berechnet. Dieser deutet auf einen erneuten Rückgang der Exporte in die Ölstaaten von knapp 10% hin. Unter den deutschen Industriesektoren dürfte der Maschinebau überdurchschnitt- lich stark getroffen werden. Die Exporte von Flugzeugen könnten auch 2016 für Entlastung sorgen. Die Bedeutung der Ölstaaten als Exportmarkt für die deutsche Industrie dürfte 2016 aber weiter sinken. Ölpreisverfall setzt Produzentenländer weiter unter Druck Der tiefe Einbruch der Ölpreise setzt seit Mitte 2014 die Wirtschaft vieler Ölpro- duzenten unter erheblichen Druck. Der derzeit recht hohe Angebotsüberhang beim Öl dürfte nur langsam abgebaut werden, sodass es voraussichtlich bis Mitte 2017 – keine signifikante koordinierte Produktionskürzung der Ölstaaten vorausgesetzt – einen globalen Überschuss auf dem Ölmarkt geben dürfte. Die Ölpreise werden damit bei hoher Volatilität relativ niedrig bleiben. 1 Insgesamt überwiegen aber die positiven Effekte auf die globale Konjunktur, vor allem über den ölpreisbedingten Schub für den privaten Konsum in den Industrieländern und China, die die größten Ölimporteure sind. Die goldenden Zeiten der Ölstaaten 2 , als die Ölpreise nördlich der USD 100 je Barrel lagen und die Länder die sprudelnden Öleinnahmen zur Finanzierung von staatlichem Konsum und Investitionen einsetzten, dürften damit vorerst vorüber sein. Vergleichsweise gut stehen unter den Ölstaaten die Länder da, die in der Vergangenheit verbleibende Überschüsse in Staatsfonds bündelten und international investierten. 3 Norwegen (USD 825 Mrd.), die Vereinigten Ara- bischen Emirate (USD 773 Mrd.), Saudi Arabien (USD 632 Mrd.) und Kuwait (USD 592 Mrd.) verfügen über die Staatsfonds mit dem größten verwalteten Vermögenswerten, die bei einbrechenden Ölpreisen zur Finanzierung von staat- lichen Budgetdefiziten verwendet werden können und damit die Binnenkonjunk- 1 Siehe für Details Hsueh, Michael (2016). #3: Crude Oil Capex crunch, Commodities Quarterly: An early recovery. Deutsche Bank Markets Research. 22. März 2016. 2 SWFI, Sovereign Wealth Fund Rankings. Stand: Februar 2016. 3 Zur Gruppe der Ölstaaten zählen wir im Folgenden die 13 OPEC-Staaten sowie die Nicht-OPEC- Ölstaaten, Aserbaidschan, Kasachstan, Norwegen und Russland. Deutlicher Ölpreiseinbruch 1 USD je Barrel Quelle: US Energy Information Administration Bloomberg Konsensus BIP-Prognosen 2016 für Ölstaaten deutlich gefallen 3 % gg. Vj. Quelle: Bloomberg Finance LP - 3 - 2 - 2 - 1 - 1 0 1 1 2 2 3 84 86 88 90 92 94 96 98 100 07 08 09 10 11 12 13 14 15 16 17 18 Tausende Saldo (rechts) OECD Lagerbestandsänderung (rechts) Globale Ölnachfrage (links) Globales Ölangebot (links) Überschuss Defizit Ölnachfrage/ - angebot weltweit 2 Millionen Barrel pro Tag Quellen: IEA, Deutsche Bank Ausblick Deutschland 6 | 5. April 2016 Aktuelle Themen tur unterstützen. Der Ölpreis, den die einzelnen Länder für einen ausgegliche- nen Staatshaushalt benötigen, liegt für alle Ölproduzenten über dem derzeitigen Niveau von USD 40 je Barrel. Zwischen den Ländern gibt es aber deutliche Unterschiede, die u.a. aus unterschiedlich hohen Förderkosten resultieren. Während Nigeria im Jahr 2016 für einen ausgeglichenen Staatshaushalt einen Ölpreis in Höhe von USD 85 je Barrel benötigt, sind es in Kuwait nur USD 47 je Barrel. Würden die staatlichen Vermögenswerte zur Finanzierung der Budgetde- fizite bei schwachen Ölpreisen eingesetzt, wäre dies hypothetisch in Kuwait für die nächsten 122 Jahre möglich und in Nigeria 0,1 Jahre. 4 Die Markterwartung (Bloomberg Konsensus) für das BIP-Wachstum in den Öl- staaten wurde seit dem Beginn der Ölpreisschwäche deutlich nach unten revi- diert, besonders stark für Venezuela; das Land dürfte das dritte Jahr in Folge in der tiefen Rezession verharren. Während vor allem durch den Ölpreiseffekt der Anteil der Exporte der Ölstaaten an den globalen Ausfuhren gefallen ist, war der Rückgang beim Importanteil der Ölstaaten deutlich geringer. In der Folge san- ken die traditionell hohen Handelsbilanzüberschüsse der Ölstaaten spürbar. Die ölpreisbedingte massive wirtschaftliche Abkühlung in den Ölstaaten hat vor allem über den Außenhandelskanal Implikationen für die deutsche Konjunktur, die wir im Folgenden genauer analysieren und damit unsere vor etwa einem Jahr veröffentlichte Studie „Deutsche Exporte in die Ölstaaten sinken 2015“ auf den aktuellen Stand bringen. Hierzu berechnen wir – analog zum in der letzten Ausgabe des Ausblicks Deutschlands veröffentlichten Exportindikator – für die deutschen Gesamtexporte einen länderspezifischen Exportindikator für die Öl- staaten. Wir unterscheiden dabei zwischen dem Nachfrage- und Preiseffekt. 5 Unsere damalige Einschätzung lautete, dass der Gesamteffekt niedriger Ölprei- se für die deutschen Ausfuhren positiv ist. Gleichwohl hatten wir erwartet, dass die deutschen Exporte in die Ölstaaten 2015 um 10 bis 15% sinken könnten; mit dieser Prognose lagen wir relativ gut (tatsächlich -7,4%). 6 Vor etwa einem Jahr gingen wir von einer Stabilisierung des Ölpreises auf niedrigem Niveau aus und rechneten mit einer moderaten Aufwärtsbewegung. Die erneuten starken Kor- 4 Siehe Körner, Kevin, Oliver Masetti et al. (2016). Updating fiscal breakevens for EM oil prod- ucers. EM Monthly: Crunch Time. Deutsche Bank Research. 18. Februar 2016. 5 Siehe für Details: Heymann, Eric und HeikoPeters (2016). Deutsche Exporte 2016 doppelt unter Beschuss. Ausblick Deutschland: Wachstum 2016: Exportindikator dämpft, Binnenwirtschaft läuft dank Staat und Bau. Deutsche Bank Research. 3. März 2016, http://dbresearch.db.com/PROD/DBR_INTERNET_DE-PROD/PROD0000000000390938.pdf 6 Heymann, Eric und Heiko Peters (2015). Deutsche Exporte in die Ölstaaten sinken 2015. Aktuelle Themen. Deutsche Bank Research. 24. Februar 2015. Anteil der Ölstaaten an den globalen Handelsströmen 6 % der globalen Exporte bzw. Importe Quellen: IWF, Deutsche Bank Research Ölpreiseinbruch negativ für Öl-Nettoexporteure 5 Deutschlands Handelsbilanzsaldo gg. Ölstaaten ins Positive gedreht 7 EUR Mrd., laufende 12-Monatssumme Quellen: Eurostat, Deutsche Bank Research F: \ ReWRITE3_GA \ Ausblick Deutsc h- land \ 2016.03 \ E ntstehung \ 3_X_Text_Oelstaaten \ Objs \ de.exp_n et_trade_oil_states_GM_DE.png$$SheetNameNo i n- fo$$FileNo info 0 25 50 75 100 125 Nigeria Russische Föderation Iran Saudi - Arabien Katar UAE Kuwait Jahre Quelle: Deutsche Bank Research Staatliche Vermögenswerte zur Abfederung von niedrigen Ölpreisen 4 Ausblick Deutschland 7 | 5. April 2016 Aktuelle Themen rekturen des Ölpreises – zwischenzeitlich fiel dieser in diesem Jahr auf unter USD 30 je Barrel – verdeutlicht die anhaltend schwierige Situation in den Öl- staaten. Vereinigte Arabische Emirate und Saudi-Arabien sorgen für gutes Ergebnis der OPEC-Staaten Zunächst schauen wir uns die Entwicklung der deutschen Exporte in die Ölstaa- ten im Jahr 2015 genauer an. Die wirtschaftliche Schwäche der Ölstaaten hinterließ in der deutschen Exportbilanz ihre Spuren. In Summe nahmen die deutschen Warenausfuhren in die Ölstaaten – wie bereits erwähnt – im letzten Jahr nominal um 7,4% ab. 7 Dies war bereits der dritte Rückgang in Folge. Die deutschen Exporte in alle Länder legten 2015 dagegen um 6,4% zu. Unterstützt wurde der Zuwachs durch eine breit gefächerte EUR-Schwäche sowie eine vor allem im 1. Halbjahr 2015 kräftige Nachfrage aus den USA. Differenziert man die Exporte in die Ölförderländer nach einzelnen Staaten bzw. Ländergruppen, ergibt sich ein sehr heterogenes Bild. So legten die deutschen Exporte in die OPEC-Staaten 2015 um 7,4% zu. Dies war bereits der vierte Zuwachs in Folge und der fünfte in den letzten sechs Jahren. Dagegen befan- den sich die Ausfuhren in die Nicht-OPEC-Länder unter den Ölstaaten mit ei- nem Rückgang von 20,7% im freien Fall und waren damit das dritte Jahr in Fol- ge rückläufig. Auffällig ist, dass innerhalb der OPEC-Staaten 2015 im Wesentlichen nur zwei Länder für den Zuwachs bei den deutschen Exporten gesorgt haben: Saudi- Arabien mit einem deutschen Exportplus von 12,3% und vor allem die Vereinig- ten Arabischen Emirate (VAE); dorthin expandierten die Warenausfuhren aus Deutschland 2015 sogar um 28,7%. Die Exporte in alle übrigen OPEC-Länder brachen im letzten Jahr dagegen um 10,4% ein. Die größten Einbußen ver- zeichneten 2015 die deutschen Warenausfuhren nach Libyen (-33,8%), Ka- sachstan (-27,4%), Russland (-25,5%) sowie Nigeria (-24,4%). In Summe nahm der Anteil der Ölstaaten an den gesamten deutschen Ausfuhren ab und lag 2015 nur noch bei 5,9%; im Jahr 2012 waren es noch 7,5%. In absoluter Be- trachtung sank das deutsche Exportvolumen in diese Länder zwischen 2012 und 2015 um EUR 11,6 Mrd. Flugzeugexporte verhindern schlimmeres Gesamtergebnis – Ma- schinenbau und Metallindustrie besonders negativ betroffen Ergänzt man die länder- durch eine branchenspezifische Analyse, wird deutlich, dass der hohe deutsche Exportzuwachs in Richtung VAE zu einem großen Teil von zwei Sektoren getragen wurde, nämlich der Elektrotechnik mit einem Plus von 33% im Jahr 2015 und vor allem dem sonstigen Fahrzeugbau (überwiegend Flugzeuge), wo die deutschen Ausfuhren in die VAE um knapp 61% expandier- ten. Ohne diese beiden Sektoren wären die Ausfuhren in die VAE „nur“ um 7,1% gewachsen. Im Falle von Saudi-Arabien basierte der Exportzuwachs des letzten Jahres auf deutlich mehr Sektoren. Bleiben wir noch auf der Branchenebene: Unter den großen deutschen Indust- riesektoren waren 2015 der Maschinenbau sowie die Metallindustrie am stärks- ten von der Wirtschaftsschwäche der Ölförderstaaten betroffen. Diese Sektoren 7 Für die monatlichen, aggregierten deutschen Handelszahlen haben wir hauptsächlich auf die traditionelle Datenbank für internationalen Handel (ComExt) von Eurostat zurückgegriffen und die nicht-saisonbereinigten Zeitreihen mit dem X-13ARIMA-SEATS-Verfahren saisonbereinigt. Ange- geben sind für 2015 die 12-Monatsdurchschnitte (Oktober 2015). Für die branchenspezifische Analyse wurden die Daten vom Statistischen Bundesamt verwendet. Deutlicher Rückgang der deutschen Ex- porte in die Ölstaaten 8 % gg. Vj., laufender 12-Monatsdurchschnitt Quellen: Eurostat, Deutsche Bank Research Anteil der Nicht-OPEC-Ölstaaten an den deutschen Exporten deutlich gesunken 10 % der gesamten deutschen Exporte Quellen: Eurostat, Deutsche Bank Research Russland dämpft am stärksten, während VAE und Saudi Arabien stabilisieren 9 Wachstumsbeitrag zu deutschen Gesamtexporten (%-P.), lfd. 12-Monatsdurchschnitt (10/2015) Quellen: Eurostat, Deutsche Bank Research Ausblick Deutschland 8 | 5. April 2016 Aktuelle Themen exportieren 2015 gut 18% bzw. 17% weniger Waren in die betreffenden Länder. Für den Maschinenbau fällt der negative Effekt besonders kräftig aus, denn die Ölstaaten machen 7,8% der gesamten deutschen Maschinenausfuhren aus und haben damit einen überdurchschnittlich hohen Anteil; zudem ist der deutsche Maschinenbau insgesamt sehr exportintensiv. Gerade das seit nunmehr drei Jahren stark rückläufige Russlandgeschäft schmerzt den deutschen Maschi- nenbau. 2015 lagen die Ausfuhren der Branche allein nach Russland um EUR 3,6 Mrd. oder 42,6% niedriger als 2012. Exporte in die Ölstaaten dürften 2016 erneut kräftig fallen Der Ausblick auf das Jahr 2016 verspricht nur wenig Besserung. Viele Ölförder- länder dürften angesichts weiterhin niedriger Ölpreise auch 2016 nur schwach wachsen und engen Budgetrestriktionen unterliegen. Um die Auswirkungen auf die deutschen Exporte abzuschätzen, haben wir einen Exportindikator für die Ölstaaten berechnet. Dieser setzt sich aus der Veränderung der Nachfrage aus den Ölstaaten (gemessen am BIP-Wachstum) und den veränderten Notierun- gen ihrer Währungen gegenüber dem Euro zusammen. Den Nachfrageimpuls haben wir anhand der aktuellen Bloomberg Konsensus-Prognosen für das BIP (Abbildung 3) berechnet, den Preisimpuls mit der jeweiligen Wechselkursent- wicklung seit Jahresanfang. Der Nachfrageimpuls dürfte sich danach in diesem Jahr wieder leicht verbes- sern. Dies wird hauptsächlich von der im Vergleich zu 2015 schwächer ausfal- lenden Rezession in Russland getrieben. Der – relativ gesehen – etwas günstigere Nachfrageimpuls dürfte aber durch den negativen Preisimpuls überkompensiert werden, da die teilweise dramatisch schwächeren Währungen in einigen Ölstaaten importierte Güter, etwa aus Deutschland, drastisch verteuern. Haupttreiber waren die Abwertungen in Russ- land (seit Jahresbeginn -14% gg. Vj.), Kasachstan (-47%) und Norwegen (-8%). Die dramatische Bewegung in Kasachstan ist auf die Aufgabe der Wechsel- kursanbindung an den USD im August 2015 zurückzuführen. Insgesamt deutet der Exportindikator für die Ölstaaten somit auf einen erneuten Rückgang der deutschen Exporte von knapp 10% gg. Vj. hin. Gerade Investitio- nen im Energiesektor dürften (weiter) zurückgefahren werden. Unter den deut- schen Industriesektoren dürfte dies den Maschinebau überdurchschnittlich stark treffen. Die Exporte von Flugzeugen könnten auch 2016 für Entlastung sorgen, Exportgewichteter Wechselkurs (Preisim- puls) der Ölstaaten zuletzt weiter negativ 12 % gg. Vj., 2016 bisheriger Jahresverlauf Quellen: Bloomberg Finance LP, Deutsche Bank Research Exportindikator für Ölstaaten deutet für 2016 auf deutlichen Exportrückgang 14 % gg. Vj. Vertikale Linien sind die 90% - Konfidenzintervalle Quellen: Eurostat, Deutsche Bank Research Exportgewichtetes Wachstum der Ölstaa- ten (Nachfrageimpuls) 2016 leicht stärker 13 % gg. Vj. Quellen: Eurostat, Deutsche Bank Research Exportsch ätzung 15 Deutsche Exporte in die Ölstaaten (% gg. Vj.) Koef. Gew.BIP der Ölstaaten (% gg. Vj.) 3,3 *** Gew. Wechselkurs der Ölstaaten (% gg. Vj.) 1,1 *** Konstante 1,8 Adj. R² 0,69 Signifikanzniveaus: *** 0,01 ** 0,05 Quelle: Deutsche Bank Research - 20 - 10 0 10 20 30 40 Sonst. Fahrzeugbau Pharmaindustrie Chemieindustrie Elektrotechnik Automobilindustrie Metallindustrie Maschinenbau Exporte in alle Ölstaaten Exporte in die OPEC - Staaten Exporte in die Ölstaaten: Licht und Schatten 11 Deutsche Warenausfuhr in die Ölstaaten nach Branchen, 2015, % gg. Vj. Quelle: Statistisches Bundesamt Ausblick Deutschland 9 | 5. April 2016 Aktuelle Themen denn hier beruhen die Auslieferungen zumeist auf langfristigen Verträgen. Und die Kunden, also die Fluggesellschaften, profitieren auf der Kostenseite von niedrigen Ölpreisen. Alles in allem dürfte die Bedeutung der Ölstaaten als Ex- portmarkt für die deutsche Industrie 2016 aber weiter sinken. Eric Heymann (+49 69 910-31730, eric.heymann@db.com) Heiko Peters (+49 69 910-21548, heiko.peters@db.com) Ausblick Deutschland 10 | 5. April 2016 Aktuelle Themen Wohnbau: Politik trägt nur allmählich zum Abbau des Nachfrageüberhangs bei — Die Wohnbauinvestitionen stiegen die letzten Jahre nur träge an. Die wichtigsten Gründe sind: ein Mangel an Bauland, gestiegene regulatorische Hürden in fast allen Baubereichen, hohe Baukosten und ein Fachkräfte- mangel in der Bauwirtschaft. — Die Bundesregierung plant über die Einführung einer Sonderabschreibung in den angespannten Wohnungsmärkten gegenzusteuern. Daneben fasst sie eine Reihe von weiteren Maßnahmen ins Auge, unter anderem die ver- billigte Bereitstellung von Grundstücken der öffentlichen Hand, die Harmo- nisierung der Bauordnung und sogar eine Neukonzeption von „Energie“- Gesetzen. Viele dieser Vorschläge berühren auch die Bundesländer und die Kommunen, wodurch ihre Umsetzung schwierig und ihre Effektivität niedrig sein könnte. — Die Wohnbauinvestitionen dürften bestenfalls gegen Ende des Jahres zu- sätzliche Impulse erhalten, daher lassen wir unsere Wohnbauprognose von +2,8% im Jahr 2016 und 2017 unverändert. Auch darüber hinaus erwarten wir keine starke Beschleunigung der Bauinvestitionen. Trotz des wohl ge- ringen Mengeneffekts könnten die anvisierten wohnungspolitischen Maß- nahmen aber die Preisdynamik bremsen und damit zur Reduzierung poten- tieller makroprudentieller Risiken beitragen. Warum kommen die Investitionen nicht in Schwung? Die Wohnbauinvestitionen entwickeln sich im aktuellen Hauspreiszyklus recht träge. Trotz des günstigen makroökonomischen Umfelds, der hohen Preisdy- namik und des großen Nachfrageüberhangs im Wohnungsmarkt blieb die Bau- tätigkeit hinter unseren Erwartungen zurück. So dürfte in den kommenden Jah- ren der aktuelle Hauspreiszyklus fortbestehen und der hohe Preisdruck nur all- mählich abebben. Ohne eine massive Ausweitung des Wohnangebots werden Überbewertungen in den nächsten Jahren zunehmend wahrscheinlicher. Damit steigen die makroprudentiellen Risiken im Finanzsektor mittelfristig deutlich an 8 . Aufgrund dieses Ausblicks stellt sich die Frage nach wohnungspolitischen Maß- nahmen, die möglichst schnell Wohnraum schaffen. Die Bundesregierung scheint nun das Problem erkannt zu haben und will über Sonderabschreibungen das Wohnangebot in den Ballungsgebieten ausweiten. Durch diese Regelung können bis zu 35% der Investitionen steuermindernd abgeschrieben werden. Wie von uns vorgeschlagen ist diese Regelung zeitlich begrenzt (Deutsche Bank: Falsche Wohnungspolitik erhöht Blasengefahr, Mai 2015). Dies hilft ein Überangebot am Ende des Hauspreiszyklus zu vermeiden. Weitere Ansätze der Regierung sind eine Verdopplung der Mittel für den sozialen Wohnungsbau und eine verbilligte Bereitstellung von Konversionsgrundstücken für städtebauliche Projekte und für die soziale Wohnungsförderung. Diesen Maßnahmen zur Schaffung „bezahlbaren Wohnens“ steht allerdings auch eine Reihe von Ent- scheidungen seitens der Bundesregierung gegenüber, die den Wohnraum zwar verbilligen, gleichzeitig aber zu einer Verschärfung des Preisdrucks beitragen. Bevor wir aber auf die Details eingehen, zeigen wir zunächst die geringe Preis- elastizität der Investitionen im laufenden Hauspreiszyklus von 2009 bis 2015 auf. 8 Siehe für Details: Fährt die Wohnungspolitik an die Wand? Deutsche Bank Research, 5. Oktober 2015. Bauinvestitionen: Prognose Jahr 2016 2017 Gewicht in % Wohnbau 2,8 2,8 59,3 Gewerbe 0,6 1,5 28,8 Öff entl. Bau 2,8 1,2 11,9 Gesamt 2,2 2,2 100 ,0 Beitrag zum BIP - Wachstum in % - Punkte n 0,2 0,2 Quelle: Deutsche Bank Research 90,0 100,0 110,0 120,0 09 10 11 12 13 14 15 Wohnbau Gewerbebau und öffentlicher Bau Bauinvestitionen 1 2010=100 Quellen: Destatis, Deutsche Bank Research 0 100 200 300 400 02 06 10 14 A - Städte B - Städte C - Städte D - Städte Deutschland Baufertigstellungen 2 Anzahl Wohnungen in '000 Quellen: BulwienGesa, Statistisches Bundesamt, Deutsche Bank Research Ausblick Deutschland 11 | 5. April 2016 Aktuelle Themen Wohnungsmarkt: Investitionen und Fertigstellungen Trotz Preissteigerungen um fast 40% sind die Wohnbauinvestitionen seit 2009 um nur rund 20% gestiegen. Dabei ist besonders die nachlassende Investiti- onsdynamik der letzten Jahre bemerkenswert. Die Zahl der fertiggestellten Wohnungen legte aufgrund der zunehmenden Verdichtung und des Trends zu kleineren Wohnungen in den letzten Jahren sukzessive zu und könnte in die- sem Jahr mehr als 300.000 betragen. Doch trotz dieser Entwicklung dürfte die Wohnnachfrage das Wohnangebot für absehbare Zeit übertreffen. Prognosen gehen von einer Wohnnachfrage von mehr als 400.000, teilweise sogar von bis zu 500.000, Wohnungen pro Jahr für die nächsten Jahre aus. Der Nachfrage- überhang und der dadurch verursachte Preisdruck dürften also fortbestehen. In den Großstädten scheint zudem eine besonders geringe Angebotselastizität vorzuliegen. Der Anteil der Baufertigstellungen in den 126 wichtigsten Städten an den bundesweiten Baufertigstellungen ist in den letzten Jahren nur leicht gestiegen (2009: 32,8%; 2015: 35,2%). Ein ähnliches Bild liegt auch für die Baugenehmigungen vor (2009: 35%; 2015: 40%). Allerdings ist der Anstieg der Fertigstellungen wie Baugenehmigungen fast komplett auf die Vervierfachung der Zahlen in Berlin zurückzuführen. Entsprechend weisen die meisten Groß- städte und Städte in den übrigen Metropolregionen eine relativ preisunelasti- sche Bauaktivität auf. Im Folgenden beleuchten wir, welche Faktoren hierzu beitragen. Berechnung der Wohnbauinvestitionen Die Wohnbauinvestitionen erfassen den Bau von neuen Wohnobjekten und investive Leistungen, die dem Gebäudeerhalt dienen. Dabei wird nicht nur die reine Bauleistung betrachtet, sondern auch fest verbundene Einrichtungen, Dienstleistungen, die den Bau, den Kauf oder die Grundstücksübertragung von Bauten betreffen, Eigenleistungen der Investoren sowie Schwarzarbeit. Im Jahr 2016 wird das Statistische Bundesamt voraussichtlich die Berechnungsmetho- dik ändern, wodurch die Bauinvestitionen durch die Berücksichtigung der Grunderwerbsteuer deutlich ansteigen sollten. Wohnbauinvestitionen EUR Mrd. 2009 2015 Bauhauptgew erbe 42,8 58,9 + Ausbaugewerbe 43,0 54,1 + Verarb. Gew. 10,5 13,3 + Eigenlst., Schwar z- arbeit, Baunebenk o- sten 29,8 52,6 Wohnbau Gesamt 126,1 178,9 Reale Veränderung +22,5% Preisveränderung +19,3% Quelle: Deutsche Bank Research - 100 000 200 000 300 000 400 000 500 000 600 000 700 000 800 000 900 000 1961 1971 1981 1991 2001 2011 Baugenehmigungen Baufertigstellungen Baugenehmigungen und Baufertigstellungen 3 Quelle: Statistisches Bundesamt Bis 1990 früheres Bundesgebiet, ab 1991 zusätzlich neue Bundesländer Ausblick Deutschland 12 | 5. April 2016 Aktuelle Themen In allen Bauphasen bestehen potentielle Engpässe Der Bau eines Wohngebäudes ist ein komplexes Vorhaben. Dabei können viele Details eine träge Investitionstätigkeit mit verursachen. Im Folgenden diskutie- ren wir anhand von vier Bauphasen potentielle Engpässe. 1. Finanzierung: Konservatives Umfeld und Regulatorik Dank ultraniedriger Zinsen dürfte das freundliche Finanzierungsumfeld über Jahre fortbestehen. Die EZB hat auf ihrer letzten Pressekonferenz nicht nur die Geldpolitik noch einmal gelockert, sondern für absehbare Zeit niedrige Zinsen versprochen. Trotzdem ist die Kreditdynamik bisher relativ gering. Die vielen globalen Immobilienblasen der letzten Jahrzehnte haben vermutlich zu einer vorsichtigen Kreditvergabe beigetragen. Auch das neue und sich ständig än- dernde regulatorische Umfeld dämpfte den Risikoappetit der Banken. Diese Entwicklung könnte sich mit der am 21. März 2016 in Kraft getretenen Wohn- immobilienkreditrichtlinie fortsetzen. Zum einen beansprucht die praktische Um- setzung der zahlreichen neuen Regeln erhebliche Ressourcen in den Kreditab- teilungen der Banken. Zum anderen könnte die Unsicherheit über die juristische Wirkung zu einer vorsichtigeren Kreditvergabe beitragen. Da die Wohnimmobi- lienkreditrichtlinie viele Jahre, gar Jahrzehnte, auf europäischer Ebene verhan- delt wurde, sind Änderungen auf absehbare Zeit unrealistisch. Um makro- prudentielle Risiken aber möglichst klein zu halten, wäre ein moderater Anstieg der Kreditvergabe zur Schaffung neuen Wohnraums wünschenswert. Nur so kann in den kommenden Jahren eine preisdämpfende Wirkung erzielt werden. 2. Hauptproblem: Mangel an Bauland Es herrscht ein breiter Konsens darüber, dass Bauland in Metropolregionen der Hauptengpass im Wohnungsmarkt ist. Die Flächen an veräußertem Bauland liefen in vielen Metropolen auf niedrigem Niveau seitwärts oder sind in den letz- ten Jahren sogar gesunken. Entsprechend sind in den Großstädten die Preise für Bauland von 2009 bis 2015 um fast 40% und in den anderen wichtigen deut- schen Städten um rund 20% gestiegen. Damit ist es für Grundbesitzer äußerst rentabel, den Verkauf von Bauland aufzuschieben, um weitere Bewertungsge- winne zu erzielen. Das Risiko wächst also, dass unbebaute Grundstücke zum Spekulationsobjekt werden. Nicht nur private Investoren, sondern auch die Städte und Kommunen haben Anreize, Bewertungsgewinne in den öffentlichen Haushalten durch Preissteigerungen zu verbuchen. Vermutlich gibt es aber gewichtigere Faktoren für die Knappheit an Bauland. Eng gezogene Stadtgren- Bauphase Potentieller Engpass Finanzierung Womöglich geringe Kreditvergabe aufgrund von Ver- schärfung der Immobilienkreditrichtlinie (WIKR) Bauland Mangel an Bauland, langwierige Verfahren zur Auswei- sung von baureifem Land, viele Städte zur Nachverdich- tung gezwungen aufgrund von enggezogenen Stadtgren- zen Bauplanung Hohe energetische Anforderungen, Anstieg der Neben - und Planungskosten, insbesondere Grunderwerbsteuer, komplizierte und langwierige Genehmigungsverfahren Neubau/Renovierung Anstieg der Baukosten, Fachkräftemangel, Mietprei s- bremse, Neuregelung des Mietspiegels, niedrigere Uml a- ge der Modernisierungskosten, Konversion von Gewerbe - in Wohnbau komplex und teuer 0 1000 2000 2010 2011 2012 2013 2014 Berlin Hamburg Frankfurt München und Nürnberg Stuttgart in 1000 qm Veräußertes baureifes Land 4 Quellen: Statistisches Bundesamt, Deutsche Bank Research 0,0 10,0 20,0 30,0 40,0 A - Städte B - Städte C - Städte D - Städte 2009 - 2015: Preise für Bauland 5 % Quellen: BulwienGesa, Deutsche Bank Research Ausblick Deutschland 13 | 5. April 2016 Aktuelle Themen zen, baurechtliche Vorgaben, Umwelt- und Energieauflagen, komplexe Geneh- migungsprozesse sowie eine verstärkte Bürgerbeteiligung erschweren eine zügige Ausweitung neuen Baulands. Trotz dieser zunehmenden Komplexität haben viele Bauämter das Personal nicht aufgestockt. Der Personalmangel könnte zu einer vernachlässigten Lie- genschaftspolitik und der trägen Ausweitung neuen Baulands geführt haben. Im aktuellen Hauspreiszyklus haben die Städte vor allem über Innenentwicklung und Nachverdichtung neuen Wohnraum geschaffen. So stieg die Zahl der ge- nehmigten Wohnungen pro Wohngebäude auf ein neues Allzeithoch (Chart 6). Die Nachverdichtung führt bei Abriss typischerweise zu einer Ausweitung des Wohnraums um 30-50%. Aufgrund der steigenden Wohnungspreise und der hohen Leerstandsquoten im Büromarkt haben viele Großstädte zudem die Kon- version von Gewerbe- in Wohngebäude vorangetrieben. Doch der Nachverdich- tung sind natürliche Grenzen gesetzt und die Konversionsverfahren sind teuer und komplex. Entsprechend wurde hierdurch der Nachfrageüberhang nur ge- ringfügig reduziert. Eine Flexibilisierung des Baurechts wäre hilfreich, scheint aber im gegenwärtigen Umfeld nur in Ansätzen realisierbar, da bei Bauprojekten die Anliegen vieler Interessengruppen zu berücksichtigen sind. Die von der Bundesregierung eingesetzte AG „Aktive Liegenschaftspolitik“ fordert daher einen Mix an wohnungspolitischen Maßnahmen. Eine ausreichende Finanzaus- stattung für die Kommunen, um zusätzliches qualifiziertes Personal einzustellen und damit die Genehmigungsverfahren zu beschleunigen. Die Anpassung der Baunutzungsverordnung und die Schaffung eines neuen Baugebietstyps „Urba- nes Wohnen“, der eine flexible Nutzungsmischung für Wohnen und Gewerbe bei Wohnbauprojekten und eine höhere Dichte in Innenstadtquartieren ermög- licht, stellen weitere Alternativen dar. Die Vorschläge setzen aber den bisheri- gen Kurs der Nachverdichtung und Konversion fort. Denkt man in größeren Dimensionen, dann müsste man die wohnungspolitischen Maßnahmen auch mit Infrastrukturinvestitionen stärker als bisher abstimmen. So könnte sich die Wohnnachfrage dank guter Verkehrsanbindung auf ein größeres Einzugsgebiet verteilen. Ebenso wäre es wünschenswert, die Ausweitung neuen Baulandes über die Stadtgrenzen hinaus zu koordinieren oder gleich die Neuordnung von Stadtgrenzen zu beschließen. Nicht nur aufgrund komplexer rechtlicher Vor- schriften, sondern auch wegen der fehlenden Bereitschaft der Bürger bleiben diese Vorschläge wohl Gedankenspiele. 3. Bauplanung: Bau- und Erwerbsnebenkosten steigen wegen strengeren Bauvorschriften und höherer Grunderwerbsteuer Auch die schärferen Bauauflagen tragen womöglich zu der trägen Investitions- dynamik bei. Viele Großstädte führen Vorschriften zum Bau von Sozialwohnun- gen bei Neubauprojekten ein. Dabei orientieren sie sich oftmals an dem Modell Münchens, bei dem Projektentwickler verpflichtet werden, bestimmte Leistungen (z.B. Bau von Kindertagesstätten) zu finanzieren oder einen gewissen Anteil der neuerstellten Wohnungen als Sozialwohnungen zu gestalten. Diese Vorgaben können insbesondere dann die Knappheit an bezahlbarem Wohnraum verschär- fen, wenn die Realisierung von Bauprojekten wegen der Auflagen unterbleibt. Alternativ werden um die Rentabilität des gesamten Bauprojekts zu gewährlei- sten, neben den obligatorischen Sozialwohnungen, Luxuswohnungen errichtet. Als Folge dieser Politik fehlt es insbesondere an Wohnraum für Haushalte mit mittlerem Einkommen. Eine Gentrifizierung zu Lasten der Mittelschicht kann die Folge sein. Wie die Bauämter müssen auch die Architekten, Bauingenieure und Bauherren eine Vielzahl neuer Vorschriften berücksichtigen. In den letzten Jah- ren sind die Anforderungen an die Bauplanung stark gestiegen. Erhöhte Sicher- heitsvorschriften, neue energetische Standards, Dokumentationspflichten und langwierige Baugenehmigungsverfahren erschweren die Planung. Zudem ver- 0 2 4 6 8 10 0 15 30 45 60 75 90 94 98 02 06 10 14 Wohnungen (links) Wohnungen pro Wohngebäude (rechts) Großstädte: Baugenehmigungen 6 Quellen: BulwienGesa, Deutsche Bank Research Linke y-Achse in '000 pro Jahr Rechte y-Achse: Anzahl Wohnungen 0% 2% 4% 6% 8% 10% Bauträger Private Bauherren Treuhand, kommunaler Zwischenerwerb 3,5 Prozent Grunderwerbsteuer 6,5 Prozent Grunderwerbsteuer Quelle: IW Institut Köln Steuerlast der Grunderwerbsteuer 7 in % des Kaufpreises, Annahmen: Grundstücks EUR 100T, Baukosten = 250T, Eigenanteil = 10% Ausblick Deutschland 14 | 5. April 2016 Aktuelle Themen ursachen die zahlreichen Novellierungen und Verschärfungen von Bauregeln mehr Planungsfehler. Laut ARGE e.V., eine durch die Bundesregierung aner- kannte deutsche Bauforschungseinrichtung, erklären diese Faktoren den An- stieg der Planungs- und Beratungskosten um fast 20% seit 2013. Höhere Grunderwerbsteuer: Auch höhere Steuern haben Kostensteigerungen verursacht. Bis auf Bayern und Sachsen haben alle Bundesländer die Grunder- werbsteuer erhöht. Den höchsten Steuersatz von 6,5% erheben Nordrhein- Westfalen, das Saarland und Schleswig-Holstein. Die Einnahmen aus dieser Steuer werden beim Länderfinanzausgleich größtenteils herausgerechnet. Ent- sprechend haben Steuererhöhungen geholfen, die Haushaltslöcher zu stopfen. Laut Beispielrechnungen des IW Köln kommt es insbesondere in Großstädten durch kommunalen Zwischenerwerb zur Mehrfachbesteuerung, wodurch die Grunderwerbsteuer den Kaufpreis von Neubauten um mehr als 10% erhöhen kann. Das IW Köln schlägt vor, diese Mehrfachbesteuerung durch einen Vor- steuerabzug zu beseitigen. Außerdem könnte eine Neuregelung des Länderfi- nanzausgleichs Abhilfe schaffen. Die vom Bauministerium eingesetzte Arbeits- gruppe AG „Aktive Liegenschaftspolitik“ schlägt gar einen bundeseinheitlichen Steuersatz von maximal 3,5% vor. 4. Neubau/Renovierung: Baukosten stark gestiegen, Fachkräfte fehlen im Ausbaugewerbe, strengere Mietregulierung Ein wesentlicher Faktor bei der Suche nach Wohnraum sind die Baukosten. Seit dem Jahr 2008 sind die Baukosten um rund 20% gestiegen, liegen also deutlich über der Steigerung der Lebenshaltungskosten. Laut ARGE e.V. ist der Anstieg der Baukosten vor allem auf ordnungsrechtliche Anforderungen und gestiegene Qualitätsansprüche zurückzuführen. Ebenso haben sich Bauausgaben für ener- getische Maßnahmen in den letzten Jahren stark verteuert. Die seit 1. Januar 2016 geltende Energieeinsparverordnung (EnEV) und das Erneuerbare- Energien-Wärmegesetz werden die Baukosten um weitere 9% im laufenden Jahr ansteigen lassen. Diese bundesweiten Durchschnittskosten variieren je- doch stark zwischen einzelnen Bundesländern und Städten. Viele Faktoren wie die regional unterschiedliche Wettbewerbsintensität in der Baubranche, die Ar- beitsmarktlage und die Kaufkraft der privaten Haushalte erklären die Unter- schiede. So dürften die Baukosten in den Großstädten deutlich überdurch- schnittlich sein. Laut internationalem Kostenindex von Arcadis zählen Frankfurts Baukosten zu den höchsten in Europa. Der Investitionsanreiz dürfte also deut- lich weniger gestiegen sein, als dies der 50%-Anstieg der Hauspreise seit dem Jahr 2009 in den Großstädten nahelegt. Entsprechend erlaubt auch die Bundes- regierung, die nun beschlossene Sonderabschreibung auf Herstellungskosten in Höhe von bis zu EUR 3000 pro Quadratmeter geltend zu machen. Fachkräftemangel nimmt zu: Nach dem Bauboom der Wiedervereinigung erleb- te die Bauwirtschaft einen tiefen Niedergang. Die Zahl der Betriebe halbierte sich und auch die Beschäftigtenzahl sank um rund 25%. Dabei war der Rück- gang der Beschäftigung im Bauhauptgewerbe besonders hoch (-59%). Erst Mitte der 2000er Jahre wurde der Tiefpunkt erreicht und trotz der nun dynami- schen Hauspreisanstiege legte die Zahl der Betriebe wie der Beschäftigten nur marginal zu. Einige Indizien zeigen, dass der Fachkräftemangel im Baugewerbe zu der geringen Angebotselastizität beiträgt. Laut ifo Institut weisen viele Bau- unternehmer auf einen Mangel an Arbeitskräften hin und die Agentur für Arbeit meldet Engpässe insbesondere bei Klempnern und Sanitärberufen. Die Vakanzzeit sozialversicherungspflichtig Beschäftigter in Bauberufen liegt seit letztem Jahr bei fast 3 Monaten und rangiert damit unter den nichtakademi- schen Berufsgruppen mit besonders hohem Fachkräftemangel. Verschärft wird dies weiter durch die steigenden Antragszahlen für die Rente ab 63 der Be- schäftigten im Baugewerbe und sinkende Bewerberzahlen für einen Ausbil- 100 105 110 115 120 08 09 10 11 12 13 14 Lebenshaltungskosten Baukostenindex für Wohngebäude (ARGE) Jan 2008 = 100 Quellen: ARGE e.V., Deutsche Bank Research Bau- vs. Lebenshaltungskosten 8 100 105 110 115 120 125 2011 2012 2013 2014 2015 Brennwertkessel Dämmschicht Rohrdämmung Wärmepumpe Quelle: Statistisches Bundesamt Preisinidizes der Bauleistungen für energetische Maßnahmen 9 2010 = 100 4 6 8 10 12 14 16 18 2000 2400 2800 3200 3600 91 95 99 03 07 11 15 Beschäftigte (links) Betriebe (rechts) beide Achsen in '000 Hinweis: Betriebe von Unternehmen mit 20 tätigen Personen und mehr Quellen: Statistisches Bundesamt, Deutsche Bank Research Beschäftigte und Betriebe im Bau 10 Ausblick Deutschland 15 | 5. April 2016 Aktuelle Themen dungsplatz (2015 -3,9% gegenüber Vorjahr). Zudem ging die Absolventenzahl der Bauingenieure von 6.700 in 2001 auf 6.100 in 2012 zurück. Dieser Rück- gang ist ein Resultat der hohen Abbrecherquote, welche die Verdopplung der Studienanfänger (2006 8.100, 2011 17.500) überkompensiert. Teilweise wird der Fachkräftemangel durch Arbeitnehmer aus dem europäischen Ausland ab- gefedert, deren Zahl sich im aktuellen Hauspreiszyklus fast verdoppelte. Regulierung bremst Investitionsanreize: Die Mietpreisbremse versucht, das Ziel der Bundesregierung „bezahlbaren Wohnraum“ zu schaffen, über eine Verbilli- gung von Wohnraum zu erreichen. Gleichzeitig reduziert sie damit die Investiti- onsanreize und trägt zu einem höheren Nachfrageüberhang und Preisdruck bei. Die nochmalige Verschärfung des Mietspiegels – aktuell wird eine Ausweitung des Bezugszeitraums von 4 auf 10 Jahre diskutiert – könnte die Investitionsan- reize nochmals absenken. Gleiches gilt für eine Reduzierung der Modernisie- rungskostenumlage, die laut Vorschlägen des Justizministeriums von 11% auf 8% reduziert werden könnte. 9 Aus wohnungspolitischer wie makroprudentieller Sicht wäre eine Verschiebung dieser Maßnahmen bis zu einem substanziellen Abbau der Nachfrageüberhänge in den angespannten Wohnungsmärkten emp- fehlenswert. Zusammenfassung Die geringe Elastizität der Investitionen hat zahlreiche Ursachen. In jeder Bau- phase – von der Finanzierung bis zum Ausbau – lassen sich Faktoren identifi- zieren, die helfen könnten, den großen Nachfrageüberhang schneller abzuarbei- ten. Die jüngsten Vorschläge deuten eine wohnungspolitische Kehrtwende an. Bisher sollte das Ziel, „bezahlbaren Wohnraum“ zu schaffen über die Verbilli- gung bestehenden Wohnraums erfolgen. Mit der Einführung der Sonderab- schreibung als auch den Expertenkommissionen des Bauministeriums wird der Schaffung neuen Wohnraums stärkere Bedeutung beigemessen. Jedoch steht die bei Bauangelegenheiten hohe Zahl an Interessengruppen und die komplexe rechtliche Lage einer schnellen Umsetzung vieler Ideen im Wege. Entsprechend dürfte der Wohnbau zunächst nur wenig zusätzliche Investitionsimpulse erhal- ten. Viele Vorschläge wie die Sonderabschreibungen, die Harmonisierung des Baurechts, die Neukonzeption der „Energie“-Gesetze und die Reform der Grunderwerbsteuer können aber die Bauinvestitionen perspektivisch steigern. Eine Komplettierung könnte durch eine Adressierung des Fachkräftemangels und mit einer Aufschiebung der anvisierten Neudefinition des Mietspiegels so- wie der Reduktion der Modernisierungskostenumlage erfolgen. Trotz des ver- mutlich verhaltenen Mengeneffektes der Maßnahmen dürften die so entstehen- den zusätzlichen neuen Wohnungen durchaus einen dämpfenden Preiseffekt bewirken. Die Wohnungspolitik könnte also einen bedeutenden Beitrag zur Re- duzierung makroprudentieller Risiken leisten. Leonie Hug und Jochen Möbert (+49 69 910-31727, jochen.moebert@db.com) 9 Weitere Details finden Sie unter Deutsche Bank - Equity Research – Europe: Markus Scheufler, Feb 2016: „German Real Estate – Regulation tracker: Accelerated depreciation vs housing shortage“ and „German Real Estate – Regulation tracker: Second strike: Mietspiegel shock? A proposal.“ 2,1 2,2 2,3 2,4 2,5 0 30 60 90 120 2003 2005 2007 2009 2011 2013 Entsandte (links) Beschäftigte im Bausektor (rechts) Entsandte Arbeitnehmer in der deutschen Bauwirtschaft 11 Quellen: Bundesagentur für Arbeit, Soka Bau, Deutsche Bank Research Linke y - Achse: Entsandte in '000 Rechte y - Achse: Beschäftigte in Mio. Ausblick Deutschland 16 | 5. April 2016 Aktuelle Themen EZB legt sich ins Zeug – Wirkung beschränkt — Die EZB hat mit ihren Beschlüssen vom 10. März die Markterwartungen deutlich übertroffen. Der überarbeitete TLTRO2 zeigt, dass die EZB die sich abzeichnende Belebung der Kreditnachfrage unterstützen möchte. Die Auf- nahme von Unternehmensanleihen in das QE-Programm zeigt, dass die EZB bereit ist, größere Risiken zu akzeptieren, was – falls nötig – den Weg für weitere Stimulusmaßnahmen bereitet. Dennoch benötigt die Geldpolitik Unterstützung, wobei die Möglichkeiten der Fiskalpolitik allerdings be- schränkt sind. Es gab zwar sowohl positive Überraschungen, beispielsweise das Ausmaß der QE-Erhöhung, als auch negative Überraschungen, wie die Botschaft, dass die Zinsen kaum weiter fallen dürften. Insgesamt glauben wir aber, dass das Maß- nahmenpaket der EZB die Markterwartungen übertroffen hat, insbesondere der überarbeitete TLTRO, jetzt TLTRO2, der Banken langfristig mit günstiger Liqui- dität versorgt. Die Maßnahmen zielen in zwei Richtungen. Erstens fokussieren sie stärker auf die (schwächeren) Banken in der Peripherie als auf die (stärkeren) Banken der Kernländer. Und das ist auch gut so. Die fragilen Banken befinden sich in der Peripherie, wo sich auch die Deflationsrisiken konzentrieren. Zweitens stellen sie eher auf die Binnennachfrage als auf die externe Nachfrage ab. Das Paket versucht mögliche negative Auswirkungen auf die Binnennachfrage aufgrund verschärfter Kreditbedingungen zu kompensieren. Durch die Vermeidung einer offensichtlichen Schwächung des Wechselkurses verschärft die EZB nicht noch zusätzlich die konjunkturellen Probleme Chinas und in den USA. Sorgen, dass TLTRO2 nur einen schwachen Angebotsimpuls setzt, sind über- trieben. Erstens kommen die neuen Refinanzierungsgeschäfte de facto mit ei- nem negativen Zins, obwohl dieser offiziell bei 0% liegt. Die Kreditvergabe- schwelle, die die Refinanzierungskosten auf -40bp reduziert, ist leicht zu über- treffen, was letztlich einer Senkung des Hauptrefinanzierungssatzes um 45bp gleichkommt. Zweitens mehren sich die Anzeichen, dass die geringeren Refi- nanzierungskosten von den Banken an die Kreditnehmer weitergegeben wer- den und somit die Kreditnachfrage und das Wirtschaftswachstum stützen. Das Maßnahmenpaket der EZB adressiert effektiv die Risiken durch verschärfte Kreditstandards. Es implementiert auch eine ultimative Kreditlinie für das Ban- kensystem im Falle eines unerwarteten Schocks. Der nächste Bank Lending Survey (19. April) sollte zeigen, inwieweit die Maßnahmen wirken. Allerdings dürfte das dadurch entstandene konjunkturelle Aufwärtspotenzial gering blei- ben, solange andere Faktoren, wie beispielsweise die schwache Weltkonjunk- tur, die Nachfrage begrenzen. Die Effektivität einer zunehmend aggressiveren Geldpolitik wird mittlerweile kontrovers diskutiert. Ceteris paribus führen mehr Wertpapierkäufe zu einer flachen Zinskurve und verringern die Nettozinsmarge der Banken. Damit die geldpolitischen Maßnahmen wirken, brauchen die Banken möglichst schnelle Resultate in Form einer höheren Kreditnachfrage, die ihr Nettozinseinkommen stützt. Es ist daher wichtig, dass andere Politikbereiche ebenfalls die Nachfrage stützen und/oder die Weltkonjunktur sich belebt. Allerdings hat die Weltkonjunk- tur zum wiederholten Male die in sie gesetzten Erwartungen nicht erfüllt. Verän- derungen unserer globalen Wachstumsprognose und des EUR-Wechselkurses haben in den letzten zwölf Monaten unsere BIP-Prognose für den Euroraum um gut 1/2 Prozentpunkt reduziert. Zwar wurde die Fiskalpolitik zuletzt moderat gelockert, allerdings ist der Spielraum durch die fiskalischen Regeln, die bereits sehr hohen öffentlichen Schuldenstände und die fehlende politische Bereitschaft in den Kernländern begrenzt. 0 500 1000 1500 2000 2500 3000 3500 4000 4500 07 08 09 10 11 12 13 14 15 16 17 EZB-Bilanz, Mrd. EUR, Annahme: EUR 80 Mrd. QE pro Monat bis März 2017 Annahme, dass alle LTROs in TLTRO2 übergerollt werden; Bei zusätzlicher Nutzung der TLTRO würde Bilanz noch weiter steigen Quellen: EZB, Deutsche Bank Research EZB Bilanz – auf zu neuen Höchst- ständen 1 - 10 - 8 - 6 - 4 - 2 0 2 4 6 - 60 - 40 - 20 0 20 40 60 80 100 120 2005 2007 2009 2011 2013 2015 Kreditkonditionen* (links, inv.) Kreditimpuls (rechts, % BIP) Priv. Binnennachfrage (rechts, % gg. Vj.) EZB - Politik soll günstige Kreditvergabe - bedingungen stützen 2 *negativ=Verbesserung Quellen: Deutsche Bank Research, Eurostat, EZB - 5 - 4 - 3 - 2 - 1 0 1 2 2012 2016 Einmaleffekte Zyklische Komponente Zinsausgaben Struktureller Primärsaldo Budgetsaldo Eurozone, Budgetsaldo, % BIP Zinsausgaben trugen am stärksten zur Defizitsenkung bei 3 Quellen: Deutsche Bank Research, EU - Kommission 0,7% BIP Rückgang Ausblick Deutschland 17 | 5. April 2016 Aktuelle Themen Die Optionen der EZB sind noch nicht erschöpft. Zwar ist der Umfang der Käufe von Unternehmensanleihen begrenzt (etwa 5-10 Mrd. EUR pro Monat), aber die EZB wird damit zum ersten Mal ungesicherte private Kreditrisiken kaufen. Dies ist eine wichtige Botschaft mit Blick auf den Risikoappetit der EZB und sie kann sich – falls notwendig – noch entschlossener in diese Richtung bewegen. Mark Wall (+44 20 754-52087, mark.wall@db.com) Stefan Schneider (+49 69 910-31790, stefan-b.schneider@db.com) Ausblick Deutschland 18 | 5. April 2016 Aktuelle Themen DB Makro-Überraschungsindex Deutschland Der DB Makro - Überraschungsindex vergleicht den Wert der veröffentlichten Konjunkturdaten mit den Markterwartungen und liefert damit Hinweise über die Rich tung künftiger Prognoseanpassungen. 10 Heiko Peters (+49 69 910-21548, heiko.peters@db.com) 10 Siehe für Details Ausblick Deutschland. 4. August 2014. Letzte 20 veröffentlichte deutsche Konjunkturdaten DX Bloomberg TickerIndikator Berichts- monat Veröffentlich- ungsdatum Aktueller Wert Bloomberg Konsensus Überra- schung Standardisierte Überraschung Quantils- rang GRZECURR IndexZEW - Konjunktur (Situation)2 201616.02.1652,355,0-2,7-0,50,2 GRGDPPGQ IndexBIP (% gg. Vq.)12 201523.02.160,30,30,0-0,10,4 GRIFPBUS Indexifo Geschäftsklimaindex2 201623.02.16105,7106,8-1,1-1,00,1 GRIMP95Y IndexImportpreise (% gg. Vj.)1 201629.02.16-3,8-3,4-0,40,00,4 GRFRIAMM IndexEinzelhandelsumsätze (% gg. Vm.)1 201629.02.16-0,10,3-0,40,00,5 MPMIDEMA IndexPMI Verarbeitendes Gewerbe2 201601.03.1650,550,20,30,30,7 GRUECHNG IndexVeränderung Arbeitslose (Tsd. gg. Vm.)2 201601.03.16-9,0-10,0-1,0-0,20,4 MPMIDESA IndexPMI Dienstleistungssektor2 201603.03.1655,355,10,20,20,7 GRIORTMM IndexAuftragseingänge (% gg. Vm.)1 201607.03.16-0,1-0,30,20,00,5 GRIPIMOM IndexIndustrieproduktion (% gg. Vm.)1 201608.03.163,30,52,82,51,0 GRCAEU IndexLeistungsbilanzsaldo (EUR Mrd.)1 201610.03.1613,217,0-3,8-1,50,1 GRCP20YY IndexVPI (% gg. Vj.)2 201611.03.160,00,00,00,20,3 MPMIDEMA IndexPMI Verarbeitendes Gewerbe3 201622.03.1650,450,40,00,00,5 GRZECURR IndexZEW - Konjunktur (Situation)3 201622.03.1650,753,0-2,3-0,40,3 GRIFPBUS Indexifo Geschäftsklimaindex3 201622.03.16106,7106,00,70,40,6 GRZEWI IndexZEW - Konjunktur (Erwartungen)3 201622.03.164,35,4-1,1-0,10,5 GRIMP95Y IndexImportpreise (% gg. Vj.)2 201624.03.16-5,7-5,1-0,6-0,10,3 GRCP20YY IndexVPI (% gg. Vj.)3 201630.03.160,30,10,21,40,9 GRUECHNG IndexVeränderung Arbeitslose (Tsd. gg. Vm.)3 201631.03.160,0-6,0-6,0-0,40,3 GRFRIAMM IndexEinzelhandelsumsätze (% gg. Vm.)2 201631.03.16-0,40,4-0,8-0,40,3 Quellen: Bloomberg Finance LP, Deutsche Bank Research -0,5 -0,4 -0,3 -0,2 -0,1 0,0 0,1 0,2 0,3 0,4 0,5 14 15 16 DB Makro - Überraschungsindex +/ - 1 Standardabweichung DB Makro-Überraschungsindex Deutschland x Durchschnitt der z - Werte der vergangenen 20 Datenüberraschungen Werte über (unter) 0 bedeuten über (unter) der Markterwartung liegende Datenveröffentlichungen Quellen: Bloomberg Finance LP, Deutsche Bank Research Ausblick Deutschland 19 | 5. April 2016 Aktuelle Themen Dieter Bräuninger (+49 69 910-31708, dieter.braeuninger@db.com) Deutschland: Termine der Finanz-, der Wirtschafts- und der Europapolitik DX Datum Ereignis Anmerkungen 13. - 14. April Treffen der G20 - Finanzminister und - Notenbankgouverneure, Washington Debatten über Strategien zur Stärkung des Wachstums und von Infrastru k- tu r investitionen u.a. 15. - 17. April Frühjahrstagung IWF u. Weltbank, Washington Debatten über Lage der Weltwirtschaft sowie an internationalen Finanzmärkten. 21. April Sitzung des EZB - Rates, Pressekonferenz Überprüfung des geldpolitischen Kurses. 22. - 23. April Eurog ruppe und informeller ECOFIN, Amsterdam Wahrscheinlich u.a. finanzpolitische Herausforderungen durch Flüchtlings - krise, Lage in Griechenland. 2. - 4. Mai Arbeitskreis Steuerschätzung, Essen Wir erwarten für 2016 nur geringe Änderungen der Schätzung vom Herb st, die für 2016 und 2017 Einnahmen des Staat es von EUR 686,2 Mrd. (+2,2% gg. Vj.) bzw. EUR 717,6 Mrd (+4,6%) prognostizierte. 24./25. Mai Eurogruppe und ECOFIN, Brüssel Wirtschaftliche Lage in der Eurozone - Frühjahrsprognose der EU - Kommission, Entwickl ung von Inflation u. Wechselkurs, thematische Debatte über Wachstum u. Beschäftigung u.a. 2. Juni Sitzung des EZB - Rates, Pressekonferenz, Wien Überprüfung des geldpolitischen Kurses. 16. - 17. Juni Eurogruppe und ECOFIN, Brüssel (Wahrscheinl.) Implikation en der Frühjahrsprognose für Defizitverfahren u. Innovationspartnerschaften, Lage in Griechenland, Arbeitsprogramm für H2 2016 u.a. 23. - 24. Juni Europäischer Rat, Brüssel (Wahrscheinl.) Debatten über Ergebnis des Referendums in GB, Flüchtlingskrise. Quelle: Deutsche Bank Research Ausblick Deutschland 20 | 5. April 2016 Aktuelle Themen Heiko Peters (+49 69 910-21548, heiko.peters@db.com) Oliver Rakau (+49 69 910-31875, oliver.rakau@db.com) Deutschland: Datenkalender DX D atum Uhrzeit Daten Berichtszeitraum DB Schätzung Letzter Wert 6. Apr 2016 8:00 Industrieproduktion (Index, sb.), % gg. Vm. Februar - 2,5 3,3 8. Apr 2016 8:00 Hande lsbilanz (EUR Mrd., sb.) Februar 19,0 18,7 8. Apr 2016 8:00 Warenexporte (EUR Mrd., sb.), % gg. Vm. (gg. Vj.) Februar 0,2 (0,4) - 0,6 (1,1) 8. Apr 2016 8:00 Warenimporte (EUR Mrd., sb.), % gg. Vm. (gg. Vj.) Februar - 0,1 (1,7) 1,3 (3,3) 22. Apr 2016 9:30 PMI Verarbeitendes Gewerbe (Flash) April 50,0 50,4 22. Apr 2016 9:30 PMI Dienstleistungssektor (Flash) April 54,0 55,5 25. Apr 2016 10:30 ifo Geschäftsklima (Index, sb.) April 106,5 106,7 28. Apr 2016 14:00 Vorläufiger VPI (sb.), % gg. Vm. (gg. Vj. ) April 0,0 (0,3) 0,8 (0,3) 29. Apr 2016 8:00 Einfuhrpreise (Index, sb.) % gg. Vm. (gg. Vj.) März 2,4 ( - 4,4) - 0,6 ( - 5,7) 29. Apr 2016 8:00 Einzelhandelsumsätze (Index, sb.), % gg. Vm. März 0,2 - 0,4 28. Apr 2016 10:00 Arbeitslosenrate (%, sb.) April 6,3 6,2 13. Mai 2016 8:00 Reales BIP (Index, sb.), % gg. Vq. Q1 2016 0,4 0,3 Quellen: Deutsche Bank Research, Statistisches Bundesamt, Bundesagentur für Arbeit, ifo, Markit Ausblick Deutschland 21 | 5. April 2016 Aktuelle Themen Heiko Peters (+49 69 910-21548, heiko.peters@db.com) Oliver Rakau (+49 69 910-31875, oliver.rakau@db.com) Finanzmarktprognosen DX US JP EWU GB CH SE DK NO PL HU CZ Leitzinssatz, % Aktuell 0,375 - 0,10 0,00 0,50 - 0,75 - 0,50 0,05 0,50 1,50 1,20 0,05 Jun 16 0,375 - 0,10 0,00 0,50 - 0,75 - 0,50 0,05 0,50 1,50 0,95 0,05 Sep 16 0,375 - 0,20 0,00 0,50 - 0,75 - 0,50 0,05 0,50 1,50 0,95 0,05 Dez 16 0,625 - 0,20 0,00 0,75 - 0,75 - 0,50 0,05 0,50 1,50 0,95 0,05 3M Geldmarktsatz, % Aktuell 0,63 0,10 - 0,24 0,59 Jun 16 0,58 0,10 - 0,25 0,65 Sep 16 0,58 0,05 - 0,25 0,93 Dez 16 0,83 0,05 - 0,25 0,95 Rendite 10J Staatsanleihen, % Aktuell 1,80 - 0,03 0,16 1,41 Jun 16 1,50 - 0,05 0,35 1,60 Sep 16 1,75 - 0,10 0,55 1,80 Dez 16 1,50 - 0,10 0,75 1,90 Wechselkurse EUR/USD USD/JPY EUR/GBP GBP/USD EUR/CHF EUR/SEK EUR/DKK EUR/NOK EUR/PLN EUR/HUF EUR/CZK Aktuell 1,14 112,63 0,79 0,70 1,10 9,28 7,45 9,41 4,28 314,12 27,05 Jun 16 1,06 105,00 0,77 1,38 1,11 8,99 7,46 9,67 4,36 317,50 27,10 Sep 16 1,03 109,00 0 ,77 1,34 1,12 8,88 7,46 9,63 4,31 318,75 27,10 Dez 16 1,00 112,00 0,78 1,28 1,12 8,75 7,46 9,57 4,25 320,00 27,10 Quellen: Bloomberg, Deutsche Bank Ausblick Deutschland 22 | 5. April 2016 Aktuelle Themen Deutschland: Datenmonitor DX Q1 2015 Q2 2015 Q3 2015 Q4 2015 Q1 2016 Okt 2015 Nov 2015 Dez 2015 Jan 2016 F eb 2016 Mrz 2016 Konjunkturumfragen Gesamtwirtschaft ifo Geschäftsklima 107,1 108,3 108,4 108,6 106,6 108,2 109,1 108,6 107,3 105,7 106,7 ifo Geschäftserwartungen 102,6 102,8 102,7 104,4 100,4 103,9 104,8 104,6 102,4 98,9 100,0 Produzierendes Gewerbe ifo Verarbeitendes Gewerbe 102,6 104,0 103,0 103,3 100,4 102,4 103,7 103,7 101,6 99,3 100,3 Produktion (% gg. Vp.) 0,3 0,1 - 0,2 - 0,5 0,7 - 0,2 - 0,3 3,3 Auftragseingang (% gg. Vp.) - 1,5 2,6 - 2,7 1,2 1,7 1,5 - 0,2 - 0,1 Grad der Kapazitätsauslastung 84,5 84,3 84,2 84,5 85,1 Bauhauptgewerbe Produktion (% gg. Vp.) 0,5 - 2,3 - 0,9 4,4 2,2 2,0 0,2 - 1,7 Auftragseingang (% g gü. Vp.) 7,2 - 4,2 0,5 10,4 - 4,7 14,2 3,5 1,0 ifo Bauhauptgewerbe 118,9 120,0 121,4 123,5 122,5 123,1 124,0 123,3 122,4 122,9 122,3 Konsumentennachfrage EC Konsumentenbefragung 1,0 3,0 - 0,3 - 4,4 - 6,1 - 4,6 - 4,5 - 4,2 - 5, 8 - 6,4 - 6,2 Einzelhandelsumsätze (% gg. Vp.) 1,4 - 0,1 0,8 0,5 - 0,1 0,5 1,0 - 0,1 - 0,4 Neuzulassungen PKW (% gg. Vj.) 6,4 4,2 6,1 5,7 1,1 8,9 7,7 3,3 12,1 Außenhandel Auslandsaufträge (% gg. Vp.) - 3,4 5,0 - 4,8 1,0 1,8 0,8 0,8 1,0 Exporte (% gg. Vp.) 1,8 2,8 - 1,0 - 0,7 - 0,8 0,4 - 0,7 - 0,6 Importe (% gg. Vp.) 1,7 1,2 0,9 - 0,9 - 2,1 1,1 - 1,6 1,3 Nettoexporte (EUR Mrd.) 60,0 65,3 60,3 60,4 20,3 19,7 20,3 18,7 Arbeitsmarkt Arbeitslosenquote (%) 6,5 6,4 6,4 6,3 6,2 6,3 6,3 6,3 6,2 6,2 6,2 Veränderung Arbeitslosigkeit (Tsd. gg. Vp.) - 36,0 - 29,0 - 1,7 - 22,7 - 37,0 - 6,0 - 14,0 - 14,0 - 17,0 - 9,0 0,0 Beschäftigung (% gg. Vj.) 0,6 0,7 0,8 1,0 0,9 1,0 1,0 1,2 1,3 ifo Beschäftigungsbarometer 107,7 108,0 108,1 109,8 108,3 109,1 109,9 110,4 109,7 108,0 107,4 Preise, Löhne und Arbeitskosten Preise HVPI (% gg. Vj.) - 0,1 0,4 0,0 0,2 0,2 0,2 0,2 0,4 - 0,2 Kern - HVPI (% gg. Vj.) 1,0 1,1 1,0 1,2 1,3 1,2 1,0 1,1 0,8 Harmonisierter PPI (% gg. Vj.) - 2,0 - 1,4 - 1,7 - 2,3 - 2,3 - 2,5 - 2,3 - 2,4 - 3,0 Rohstoffe ohne Energie (% gg. Vj.) 2,3 - 0,5 - 7,0 - 12,0 - 10,7 - 12,3 - 12,8 - 15,5 - 14,9 Ölpreis (USD) 55,1 63,7 51,3 44,8 49,4 46,0 39,0 31,9 33,6 Inflationserwartungen EC Haushaltsumfrage 0,5 6,1 4,9 4,0 5,3 1,3 5,6 5,0 6,3 5,4 4,3 EC Unternehmensumfrage - 0,4 1,5 0,8 1,5 - 2,4 1,8 2,1 0,6 - 0,8 - 2,9 - 3,5 Lohnstückkosten (gg. Vj.) Lohnstückkosten 1,7 1,7 1,6 1,8 Arbeitnehmerentgelt je Arbeitnehmer 2,4 2,9 2,8 2,8 Arbeitnehmerentgelt je Stunde 2,3 2,5 2,4 1,9 Monetärer Sektor (gg. Vj.) M 3 7,3 7,5 8,2 9,2 8,6 9,3 9,2 9,0 8,3 Trend von M3* 8,7 9,0 9,2 8,8 Kredite an Unternehmen und Privatpersonen 2,6 2,1 2,5 2,7 2,7 2,9 2,7 2,2 Kredite an öffentliche Haushalte 32,3 12,2 11,1 11,7 15,9 14,8 11,7 - 3,3 Ausblick Deutschland Unsere Publikationen finden Sie unentgeltlich auf unserer Internetseite www.dbresearch.de Dort können Sie sich auch als regelmäßiger Empfänger unserer Publikationen per E - Mail eintragen. Für die Print - Version wenden Sie sich bitte an: Deutsche Bank Research Marke ting 60262 Frankfurt am Main Fax: +49 69 910 - 31877 E - Mail: marketing.dbr@db.com Schneller via E - Mail: marketing.dbr@db.com Im Ausblick Deutschland aus der Reihe Aktuelle Themen/Konjunktur we r- den volkswirtschaftliche und wirtschaftspolitische Themen zu Deutschland behandelt. Jede Ausgabe enthält zudem Übersichtstabellen zu finanz - und wirtschaftspolitischen Terminen sowie einen detaillierten Datenmonitor zu deutschen Wirtschaftsindikatoren. Die Ausgabe erscheint monatlich.  Wachstum 2016: Exportindikator dämpft, Binnenwirtschaft läuft dank Staat und Bau ........................ 3. März 2016  Wachstum über Potenzial, keine Lohnexzesse ............ 28. Januar 2016  Verstärkte Binnendynamik im Jahr 2016 ................ 16 . Dezember 2015  Binnenkonjunktur läuft – aber keine Übertreibungen ................................ ........ 5. November 2015  Migration, Metropolregion, Inflation ............................... 2. O ktober 2015  Solides BIP, Haushaltsüberschüsse, aber neue Herausforderungen ................................ . 1. September 2015  Risse im Fundament? ................................ ..................... 3. August 2015  Höhere Inflationsraten trotz gedämpfter Kerninflation ................................ ................... 29. Juni 2015  Reduzierte BIP - Prognose – Binnenkonjunktur aber intakt ................................ ............... 1. Juni 2015  Deutsches Sparverhalten vor QE - Herausforderungen ................................ ..................... 30. April 2015  Kräftiger Gegenwind für deutsche Exportwirtschaft trotz Euroabwertung .............................. 30. März 2015  2015: Konjunkturerholung mit Risiken ............................ 6. Januar 2015  Strukturelle Verlangsamung des Welthandels belastet deutsches BIP - Wachstum ........................... 2. Dezember 2014  Weitere Enttäuschungen ................................ ........... 5. Nov ember 2014  Ice bucket challenge und strukturelle Investitionslücke ................................ .... 2. September 2014  So weit, so gut ................................ ................................ ...... 2. Mai 2014  2% Wachstum in 2015 trotz belastender Beschäftigungspolitik .............................. 28. Februar 2014  Weiter im Aufwind ................................ ......................... 27. Januar 2014 © Copyright 2016. Deutsche Bank AG, Deutsche Bank Research, 60262 Frankfurt am Main, Deutschland. Alle Rechte vorbehalten. Bei Zitaten wird um Quellenangabe „Deutsche Bank Research“ gebeten. Die vorstehenden Angaben stellen keine Anlage-, Rechts- oder Steuerberatung dar. Alle Meinungsaussagen geben die aktuelle Einschätzung des Verfassers wieder, die nicht notwendigerweise der Meinung der Deutsche Bank AG oder ihrer assoziierten Unternehmen entspricht. Alle Meinungen können ohne vorherige Ankündigung geändert werden. Die Meinungen können von Einschätzungen abweichen, die in anderen von der Deutsche Bank veröffentlichten Dokumenten, einschließlich Research-Veröffentlichungen, vertreten werden. Die vorstehenden Angaben werden nur zu Informations- zwecken und ohne vertragliche oder sonstige Verpflichtung zur Verfügung gestellt. Für die Richtigkeit, Vollständigkeit oder Angemessenheit der vorste- henden Angaben oder Einschätzungen wird keine Gewähr übernommen. In Deutschland wird dieser Bericht von Deutsche Bank AG Frankfurt genehmigt und/oder verbreitet, die über eine Erlaubnis zur Erbringung von Bank- geschäften und Finanzdienstleistungen verfügt und unter der Aufsicht der Europäischen Zentralbank (EZB) und der Bundesanstalt für Finanzdienstleis- tungsaufsicht (BaFin) steht. Im Vereinigten Königreich wird dieser Bericht durch Deutsche Bank AG, Filiale London, Mitglied der London Stock Exchan- ge, genehmigt und/oder verbreitet, die von der UK Prudential Regulation Authority (PRA) zugelassen wurde und der eingeschränkten Aufsicht der Fi- nancial Conduct Authority (FCA) (unter der Nummer 150018) sowie der PRA unterliegt. In Hongkong wird dieser Bericht durch Deutsche Bank AG, Hong Kong Branch, in Korea durch Deutsche Securities Korea Co. und in Singapur durch Deutsche Bank AG, Singapore Branch, verbreitet. In Japan wird dieser Bericht durch Deutsche Securities Inc. genehmigt und/oder verbreitet. In Australien sollten Privatkunden eine Kopie der betreffenden Pro- duktinformation (Product Disclosure Statement oder PDS) zu jeglichem in diesem Bericht erwähnten Finanzinstrument beziehen und dieses PDS be- rücksichtigen, bevor sie eine Anlageentscheidung treffen. Druck: HST Offsetdruck Schadt & Tetzlaff GbR, Dieburg Print: ISSN 1430 - 7421 / Internet: ISSN 1435 - 0734 / E - Mail: ISSN 1616 - 5640
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