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  4. Ausblick Deutschland
4. November 2019
Zuletzt haben sich deutsche Exporte und der Welthandel weitgehend parallel entwickelt und stagnieren jeweils im Vorjahresvergleich. Der Frühindikator der Bundesbank für die globale Industrieproduktion hat gegenüber den deutschen Exporten einen Vorlauf von 4 bis 5 Monaten. Dass dieser Indikator zuletzt gesunken ist, spricht gegen eine Belebung der deutschen Exporte vor dem Ende des ersten Quartals 2020 – auch wenn in jüngster Zeit Anzeichen für eine Stabilisierung der Auslandsaufträge zu erkennen waren. (Außerdem in dieser Ausgabe enthalten: Hauspreise in Deutschland, Arbeitsmarkt, Automobilkonjunktur, EZB-Geldpolitik) [mehr]
Microsoft Word - AD_2019.08_Okt_SA_neu.docx Ausblick Deutschland Deutsche Exporte: Erholung frühestens im Frühjahr 2020. Zuletzt haben sich deutsche Exporte und der Welthandel weitgehend parallel entwickelt und stag- nieren jeweils im Vorjahresvergleich. Der Frühindikator der Bundesbank für die globale Industrieproduktion hat gegenüber den deutschen Exporten einen Vor- lauf von 4 bis 5 Monaten. Dass dieser Indikator zuletzt gesunken ist, spricht ge- gen eine Belebung der deutschen Exporte vor dem Ende des ersten Quartals 2020 – auch wenn in jüngster Zeit Anzeichen für eine Stabilisierung der Aus- landsaufträge zu erkennen waren. Kräftiges Wachstum bei Hypothekenkrediten erhöht Hauspreise und makropru- denzielle Risiken. Rasantes Hypothekenwachstum dürfte die Hauspreise weiter ankurbeln. Die jüngste Kreditwelle wirkt wie ein Brandbeschleuniger, weshalb die makroprudenziellen Risiken steigen dürften. Dies gilt insbesondere für die Hypothekenzinsen, die wahrscheinlich für eine lange Zeit relativ niedrig bleiben werden. Es gibt zudem Indizien für eine steigende Risikobereitschaft der Kredit- geber und Kreditnehmer. Deutscher Arbeitsmarkt: Nachlassender Beschäftigungsaufbau. Trotz der Kon- junkturschwäche hält sich der deutsche Arbeitsmarkt gut. Mit Ausnahme von Zeitarbeitsfirmen stieg die Beschäftigung im Jahresvergleich bis zuletzt weiter an, insbesondere im Dienstleistungssektor. Die Zahl der Menschen, die in Kurz- arbeit sind, wächst, aber nur allmählich. Wir gehen davon aus, dass sich das Beschäftigungswachstum weiter verlangsamen wird und die Zahl der Arbeitslo- sen in den kommenden Monaten moderat ansteigt. Deutsche Automobilkonjunktur: Gemischte Signale, aber die Talsohle rückt nä- her . Die Geschäftserwartungen und Inlandsaufträge in der deutschen Automo- bilindustrie sind zuletzt gestiegen. Der Auftragsbestand nimmt seit Mitte 2019 wieder leicht zu. Allerdings gingen die Kapazitätsauslastung sowie die Aus- landsaufträge erneut zurück. Wir erwarten, dass sich die globale Autonachfrage 2020 erholen und damit die deutsche Automobilindustrie stützen wird. EZB-Pressekonferenz: Kontinuität . Zum Abschied setzte Draghi unterschwellig – aber nachdrücklich – auf Kontinuität. Die Wahrung der Preisstabilität bleibt das oberste Ziel der EZB, unabhängig davon, wer an ihrer Spitze steht. Hin- sichtlich einer Neuausrichtung der Geldpolitik scheint seine Nachfolgerin Christine Lagarde vorerst nicht unter Zugzwang zu stehen. Denn, so Draghi, an den Märkten herrsche Klarheit, welche Geldpolitik die EZB verfolgt. Daher habe Lagarde viel Zeit, um sich ein eigenes Bild zu machen. Aufgrund dieser Aussa- gen gehen wir nicht länger davon aus, dass die EZB den Einlagenzinssatz im Dezember erneut um 10 Bp. reduziert. Vorausgesetzt es treten keine Risiken ein, dürften weitere Zinssenkungen erst einmal vom Tisch sein. Autoren Eric Heymann +49 69 910-31730 eric.heymann@db.com Jochen Möbert +49 69 910-31727 jochen.moebert@db.com Marc Schattenberg +49 69 910-31875 marc.schattenberg@db.com Stefan Schneider +49 69 910-31790 stefan-b.schneider@db.com Editor Stefan Schneider Deutsche Bank AG Deutsche Bank Research Frankfurt am Main Deutschland E-Mail: marketing.dbr@db.com Fax: +49 69 910-31877 www.dbresearch.de DB Research Management Stefan Schneider Inhaltsverzeichnis Seite Prognosen .................................................... 2 Deutsche Exporte: Erholung frühestens im Frühjahr 2020 .............................................. 3 Kräftiges Wachstum bei Hypothekenkrediten erhöht Hauspreise und makroprudenzielle Risiken ......................................................... 6 Deutscher Arbeitsmarkt: Nachlassender Beschäftigungsaufbau .................................. 9 Deutsche Automobilkonjunktur: Gemischte Signale, aber die Talsohle rückt näher ....... 12 EZB-Pressekonferenz: Kontinuität ............. 16 DB Makro-Überraschungsindex Deutschland ............................................... 20 Datenkalender ............................................ 21 Finanzmarktprognosen .............................. 22 Datenmonitor .............................................. 23 4. November 2019 Schwache Konjunktur und Groko-Turbulenzen Schwache Konjunktur und Groko-Turbulenzen 2 | 4. November 2019 Ausblick Deutschland Wachstum, Inflation, Leistungsbilanz, Budgetsaldo DX BIP-Wachstum Inflation* Leistungsbilanzsaldo Budgetsaldo in % gg. Vj. in % gg. Vj. in % des BIP in % des BIP 2018 2019P 2020P 2018 2019P 2020P 2018 2019P 2020P 2018 2019P 2020P Euroland 1,9 1,1 0,8 1,8 1,2 1,2 3,1 2,3 2,0 -0,5 -0,9 -1,0 Deutschland 1,5 0,3 0,7 1,7 1,5 1,3 7,3 6,5 6,1 1,9 1,0 0,4 Frankreich 1,7 1,3 1,1 2,1 1,3 1,4 -0,7 -0,3 -0,2 -2,5 -3,2 -2,4 Italien 0,7 0,1 0,6 1,2 0,7 0,8 2,6 2,5 2,3 -2,2 -2,0 -2,2 Spanien 2,4 2,1 1,5 1,7 0,8 0,9 1,9 0,6 0,5 -2,5 -2,2 -2,2 Niederlande 2,6 1,8 1,6 1,6 2,8 1,9 10,8 9,9 9,7 1,5 0,7 0,2 Belgien 1,5 1,1 0,8 2,3 1,3 1,4 -1,0 -0,5 0,0 -0,7 -1,4 -1,8 Österreich 2,3 1,5 1,2 2,1 1,4 1,5 2,3 2,1 2,1 0,2 0,3 0,3 Finnland 1,7 1,2 0,9 1,2 1,2 1,2 -1,4 -1,5 -1,0 -0,8 -0,6 -1,1 Griechenland 1,9 1,4 1,5 0,8 0,3 0,3 -2,8 -2,0 -1,5 1,0 1,1 1,0 Portugal 2,4 1,8 1,3 1,2 0,3 0,5 0,4 -0,8 -1,1 -0,4 -0,4 -0,2 Irland 8,3 5,3 2,5 0,7 0,8 0,7 10,6 8,5 8,0 0,1 0,7 0,0 Großbritannien 1,4 1,2 1,3 2,5 1,9 1,9 -4,3 -3,8 -3,7 -1,9 -2,3 -2,4 Dänemark 1,5 1,8 1,6 0,7 0,9 1,2 7,1 6,6 6,4 -0,3 0,4 -0,1 Norwegen 1,6 2,4 1,9 2,8 2,3 1,8 7,2 7,0 6,5 8,1 7,5 7,2 Schweden 2,4 1,4 1,3 2,0 1,7 1,7 1,7 4,0 3,8 1,7 0,6 0,4 Schweiz 2,8 0,9 1,6 0,9 0,6 0,7 10,5 10,1 10,0 0,8 1,1 1,1 Tschech. Rep. 2,9 2,5 2,4 2,1 2,9 2,2 0,3 0,4 0,2 1,1 0,3 0,1 Ungarn 5,1 4,7 3,2 2,9 3,3 3,2 -0,5 -0,7 -0,4 -2,3 -1,7 -1,6 Polen 5,1 4,3 3,7 1,7 2,3 2,7 -1,0 -0,8 -0,8 -0,3 -1,4 -1,5 USA 2,9 2,2 1,5 2,4 1,7 1,9 -2,4 -3,0 -3,5 -3,8 -4,5 -4,6 Japan 0,8 0,8 -0,2 1,0 0,6 0,6 3,5 3,5 4,1 -2,3 -2,2 -2,2 China 6,6 6,2 5,9 2,1 2,9 3,6 0,4 1,5 1,1 -4,2 -4,5 -5,0 Welt 3,8 3,1 3,2 3,3 3,1 3,2 *Inflationsdaten für EU-Länder basieren auf harmonisierten Verbraucherpreisindizes außer bei Deutschland. Dies kann zu Diskrepanzen zu anderen DB Publikationen führen. Quellen: Nationale Behörden, Nationale Zentralbanken, Deutsche Bank Prognosen Deutschland: BIP-Wachstum nach Komponenten, % gg.Vq., Jahresdaten % gg.Vj. 2019 2020 2017 2018 2019P 2020P Q1 Q2 Q3P Q4P Q1P Q2P Q3P Q4P BIP 2,5 1,5 0,3 0,7 0,4 -0,1 -0,5 0,0 0,2 0,2 0,2 0,2 Privater Konsum 1,3 1,3 1,3 0,8 0,8 0,1 0,1 0,1 0,1 0,2 0,2 0,2 Staatsausgaben 2,4 1,4 1,8 1,2 0,8 0,5 0,2 0,2 0,3 0,3 0,3 0,3 Anlageinvestitionen 2,5 3,5 2,9 2,0 1,6 -0,1 0,1 0,2 0,5 0,4 0,4 0,5 Ausrüstungen 4,0 4,4 1,8 0,4 1,4 0,6 -0,6 -0,7 0,3 0,0 0,0 0,3 Bau 0,7 2,5 3,8 3,4 2,5 -1,0 0,4 1,0 0,8 0,7 0,7 0,7 Lager, %-Punkte 0,5 0,3 -0,4 -0,3 -0,6 -0,1 -0,2 0,1 0,0 0,0 0,0 0,0 Exporte 4,9 2,1 0,5 0,6 1,8 -1,3 -0,7 0,1 0,2 0,2 0,2 0,2 Importe 5,2 3,6 2,4 1,8 0,9 -0,3 0,2 0,5 0,3 0,3 0,3 0,3 Nettoexport, %-Punkte 0,3 -0,4 -0,8 -0,5 0,2 -0,1 -0,4 -0,2 0,0 0,0 0,0 0,0 Konsumentenpreise* 1,5 1,7 1,5 1,3 Arbeitslosenquote, % 5,7 5,2 5,0 5,2 Industrieproduktion** 2,9 1,1 -4,0 0,5 Budgetsaldo, % BIP 1,2 1,9 1,0 0,4 Öffentlicher Schuldenstand, % BIP 65,3 61,9 59,1 57,1 Leistungsbilanzsaldo, % BIP 8,1 7,3 6,9 6,4 Leistungsbilanzsaldo, EUR Mrd. 261,9 245 238 227 *Inflationsdaten für Deutschland basieren auf nationaler Abgrenzung. Dies kann zu Diskrepanzen zu anderen DB Publikationen führen. ** Verarbeitendes Gewerbe (NACE C) Quellen: Statistisches Bundesamt, Deutsche Bundesbank, Arbeitsagentur, Deutsche Bank Research Schwache Konjunktur und Groko-Turbulenzen 3 | 4. November 2019 Ausblick Deutschland Deutsche Exporte: Erholung frühestens im Früh- jahr 2020 — Die deutschen Exporte gingen bereits vor der allgemeinen Verlangsamung des Welthandels zurück. Zuletzt allerdings haben sich beide Datenreihen weitgehend parallel entwickelt und stagnieren jeweils im Vorjahresvergleich. — Die mittelfristigen Prognosen für den deutschen Export hängen weitgehend von den Annahmen zum Brexit und zur Entwicklung des Handelskonflikts zwischen den USA und China sowie von der nach wie vor im Raum stehen- den Erhöhung der US-Zölle auf Autoimporte ab. — Der Frühindikator der Bundesbank für die globale Industrieproduktion hat ei- nen Vorlauf von 4 bis 5 Monaten gegenüber den deutschen Exporten. Dass dieser Indikator zuletzt gesunken ist, spricht gegen eine Belebung der deut- schen Exporte vor dem Ende des ersten Quartals 2020 – auch wenn in jüngster Zeit Anzeichen für eine Stabilisierung der Auslandsaufträge zu er- kennen waren. Die deutliche Konjunkturverlangsamung in Deutschland in den Jahren 2018 und 2019 war abgesehen von einigen binnenwirtschaftlichen Sonderfaktoren vor al- lem darauf zurückzuführen, dass sich der Überschuss in der Außenhandelsbi- lanz in ein Defizit verwandelte 1 . Besagte Exportschwäche wiederum wurde vor allem von der abnehmenden Dynamik des Welthandels im Jahr 2018 ausgelöst; Mitte 2019 kam das Wachstum des Welthandels sogar vollständig zum Still- stand. Dabei schwächte sich der deutsche Export im Jahr 2018 stärker ab als der Welthandel insgesamt. In Q1 2018 kam es nach der sehr lebhaften Export- nachfrage in H2 2017 wohl zu einer Gegenbewegung, und zum Jahresende 2018 hin hinterließen die WLTP-Probleme der deutschen Autoindustrie ihre Spuren. 2019 entwickelten sich die deutschen Exporte und der Welthandel weit- gehend parallel, wobei sich der Welthandel aufgrund der höheren Ausgangsba- sis aus dem Jahr 2018 sogar noch etwas deutlicher verlangsamte. Dass die deutschen Exporte im Jahr 2018 stärker nachließen als der Welthandel, ist auch auf die regionale Struktur des deutschen Exports zurückzuführen, da in wichti- gen Märkten die Nachfrage durch landesspezifische Ereignisse gedämpft wurde (Großbritannien, Türkei, Russland und Südafrika). Die Produktstruktur der deut- schen Exporte war ebenfalls nicht hilfreich. Aufgrund des hohen Anteils von In- vestitionsgütern an den Gesamtexporten wurden die deutschen Ausfuhren von der zunehmenden globalen wirtschaftspolitischen Unsicherheit (die den Investi- tionszyklus dämpfte) merklich in Mitleidenschaft gezogen. Kräftige Lohnsteigerungen verschärfen das Problem Die unerwartete Konjunkturverlangsamung in Deutschland hat zusammen mit den hohen Tarifabschlüssen des vergangenen Jahres zu einem deutlichen An- stieg der Lohnstückkosten geführt, da die Unternehmen die steigenden Lohn- kosten nicht an ihre Kunden weitergeben konnten. Dies ist in der Einschätzung der Unternehmen bezüglich ihrer Wettbewerbsposition außerhalb der EWU deutlich sichtbar; der Saldo der Meinungen ist so negativ wie seit 2009 nicht mehr. 1 Der Beitrag von +0,5%-Punkten in Q1 2019 war ein Einmalfaktor, der auf WLTP-bedingte Aufhol- effekte und die lebhafte Nachfrage aus Großbritannien vor dem ursprünglichen Brexit-Stichtag am 31. März zurückzuführen ist. -1 -0,5 0 0,5 1 1,5 2 17 18 19 Netto-Export Vorräte Baugewerbe M&A Staatsverbrauch Privater Verbrauch BIP Netto Export: Wachstumsbeitrag 1 % gg. Vq, pp, real, sb. Quellen: Deutsche Bundesbank, Deutsche Bank 0,00 0,05 0,10 0,15 0,20 0,25 0,30 0,35 Bruttoanlageinvestitionen 3 pp-Wachstumsbeitrag, gleit. 3Q-Durchschn. Quelle: OECD -4,0 -2,0 0,0 2,0 4,0 6,0 8,0 10,0 17 18 19 Welthandel, CPB Deutscher Export (sb., real) Deutscher Export & Welthandel 2 Quellen: Deutsche Bundesbank, CPB gg. Vj. Schwache Konjunktur und Groko-Turbulenzen 4 | 4. November 2019 Ausblick Deutschland Exportausblick: Annahmen zur politischen Entwicklung spielen ent- scheidende Rolle Die Auslandsaufträge haben sich nach dem Einbruch in H1 wieder etwas stabili- siert. Im 3M-Vergleich (Juni/Aug. gg. Apr./Juni) sind sie insgesamt um 0,3% bzw. bei Kerngütern (ohne Transport) um 0,7% angestiegen. In der monatlichen ifo-Umfrage und im Einkaufsmanagerindex liegen die Unterkomponenten für die Exportaussichten weiterhin im negativen Bereich, haben sich jedoch im Oktober nicht weiter verschlechtert. Die Unterkomponente des Ifo-Index für die Export- aussichten im Verarbeitenden Gewerbe ist im Oktober deutlich angestiegen (von -5,3 auf -1,2). Dies ist möglicherweise dem leichten Optimismus mit Blick auf das in Aussicht gestellte „Phase-I“-Handelsabkommen zwischen den USA und China, eine etwas geringere Wahrscheinlichkeit eines harten Brexit und der Stabilisierung der chinesischen Stimmungsindikatoren zu verdanken. Der Aus- blick für 2020 hängt offensichtlich in hohem Maße von den Erwartungen zur künftigen Entwicklung des Konflikts zwischen den USA und China ab. Der zu- grundeliegende Konflikt ist unseres Erachtens nicht so sehr das bilaterale Han- delsbilanzdefizit der USA mit China als vielmehr die zunehmende geopolitische Herausforderung, die China für die USA darstellt. Dennoch rechnen wir in den kommenden Monaten nicht mit einer weiteren Eskalation, weil inzwischen beide Volkswirtschaften klar die Folgen der bilateralen Zollanhebungen zu spüren be- kommen. Im Vorfeld der Wahlen im Jahr 2020 dürfte dies der US-Regierung zu- nehmend Anlass zur Sorge geben. Die derzeitigen Maßnahmen könnten das Wachstum der Weltwirtschaft nach Schätzungen des IWF im Jahr 2020 um bis zu 0,8%-Punkte dämpfen. 2 Dennoch geht der IWF davon aus, dass sich das Wachstum des globalen Güter- und Dienstleistungshandels von etwa 1% im lau- fenden Jahr wieder auf rund 3% im kommenden Jahr erholt (die Zahlen des IWF beziehen auch Dienstleistungen mit ein, im Gegensatz zu den oben erwähnten, monatlichen CPB-Daten zum Güterhandel). Die IWF-Prognose impliziert, dass die Elastizität des globalen BIP-Wachstums und des globalen Handels wieder zu einem Wert von 1 (d.h. demselben Stand wie im Jahr 2018) zurückkehrt. Deutsche Forschungsinstitute stützen ihre Annahmen zum Welthandel auf die CPB-Datenreihe zum Güterhandel. Sie rechnen mit einem Rückgang des welt- weiten Güterhandels um 0,8% in diesem Jahr und einem mageren Anstieg um 0,7% im Jahr 2020. 2 World Economic Outlook, Oktober 2019. Diese Berechnungen beziehen die ursprünglich für Mitte Oktober geplante Zollerhöhung von 25% auf 30% für chinesische Importe im Wert von USD 250 Mrd. sowie Zollerhöhungen auf Konsumgüter ab Mitte Dezember ein. Die USA haben beide Maß- nahmen vorerst verschoben. -15 -10 -5 0 5 10 15 -6 -4 -2 0 2 4 6 8 10 12 Q1 2003 Q1 2006 Q1 2009 Q1 2012 Q1 2015 Q1 2018 Lohnstückkosten Unternehmen: Wettbewerbssituation außerh. der EWU, invers rechts Lohnstückkosten & Bewertung der Wettbewerbssituation der Unternehmen 4 % gg. Vj. Saldo Quellen: Deutsche Bundesbank, EU-Kommisson 95 100 105 110 115 120 15 16 17 18 19 insgesamt ohne Flugzeuge & Schiffe ohne Großaufträge Auslandsaufträge 5 2015=100 Quellen: Statistisches Bundesamt, Deutsche Bank Research -30 -20 -10 0 10 20 92 94 96 98 100 102 104 03 05 07 09 11 13 15 17 19 Leitindex für globales IP, 4M nach vorne (links) Deutsche Exporte, gg. Vj., gleit. 3M-Durchschn. Deutscher Export & Bundesbank-Leitindex für globales IP 7 Index % gg. Vj. Quellen: Deutsche Bundesbank, Deutsche Bank Research 30 40 50 60 -25 -15 -5 5 15 25 35 18 19 Verarbeitende Industrie Auto/-teile Investitionsgüter Neue Exportaufträge PMI (rechts) Exporterwartungen 6 Quellen: ifo, IHS Markit Saldo Index Schwache Konjunktur und Groko-Turbulenzen 5 | 4. November 2019 Ausblick Deutschland Die Auswirkungen der US-amerikanischen bzw. chinesischen Zollerhöhungen auf den Handel sind noch nicht in vollem Umfang zu spüren, da die jüngsten Maßnahmen erst im September in Kraft traten. Allerdings ist anzunehmen, dass der bilaterale Handel künftig nicht mehr so stark sinken wird wie im Jahr 2019, zumal China zugesagt hat, mehr US-Agrarprodukte abzunehmen. In den ersten 8 Monaten des Jahres gingen die US-Ausfuhren nach China um 18,2% und die US-Importe chinesischer Güter um 12,4% zurück. Daher sollte wieder ein positi- ves Wachstum des globalen Handels zu verzeichnen sein, wenngleich es viel- leicht nicht so kräftig ausfallen wird wie vom IWF erwartet, dessen Prognosen in den vergangenen Jahren relativ optimistisch waren. Deutsche Exporte – Belebung frühestens im Frühjahr 2020 Der mittelfristige Ausblick ist angesichts der geopolitischen Unwägbarkeiten sehr unsicher. Deshalb haben wir versucht, Indikatoren zu finden, die zumindest eine Einschätzung der Exportentwicklung in den kommenden Monaten erlau- ben. Dabei ist der Frühindikator der Bundesbank für die globale Industriepro- duktion besonders interessant. Er basiert auf Unterkomponenten des globalen Einkaufsmanagerindex, der Sentix-Umfrage und des S&P Global 1200-Aktienin- dex. Dieser Index hat einen Vorlauf von 4 bis 5 Monaten gegenüber den deut- schen Exporten (Korrelation für beide Lags: 0,89). Der Bundesbank-Index ist bis September um rund 0,1 Punkt gesunken, und das Ergebnis für Oktober wird An- fang November bekanntgegeben. Angesichts der Verbesserung des Sentix und einiger Vorabschätzungen des Einkaufsmanagerindex könnte sich der Frühindi- kator für die globale Industrieproduktion im Oktober stabilisiert haben. Allerdings dürfte er klar unter der Kontraktions- bzw. Expansionsschwelle von 100 verhar- ren. Unserer Korrelationsanalyse zufolge ist also frühestens Ende des ersten Quartals 2020 mit einer Erholung der deutschen Exporte zu rechnen. In der Folge könnten sie sich jedoch stabilisieren, sofern unsere optimistischen Annah- men zum weiteren Verlauf der globalen Handelskonflikte zutreffen. Stefan Schneider (+49 69 910-31790, stefan-b.schneider@db.com) Schwache Konjunktur und Groko-Turbulenzen 6 | 4. November 2019 Ausblick Deutschland Kräftiges Wachstum bei Hypothekenkrediten er- höht Hauspreise und makroprudenzielle Risiken — Der jüngste Anstieg der Hypothekenkreditvergabe gießt zusätzlich Öl ins Feuer. Bisher ist es zwar noch nicht zu einer Hauspreisblase gekommen, aber eine solche wird deutlich wahrscheinlicher. Die Risikobereitschaft der Kreditgeber und -nehmer scheint zugenommen zu haben, wodurch sich auch die makroprudenziellen Risiken verschärfen. — In den ersten Jahren des aktuellen Hauspreiszyklus, der im Jahr 2009 be- gann, war das Wachst um der Neukreditvergabe sehr gedämpft. Sie belebte sich deutlich, als die Hypothekenzinsen im Jahr 2015 auf unter 2% fielen. — Das langsame Wirtschaftswachstum im Euroraum, insbesondere in Deutschland, veranlasste die EZB zu weiteren unorthodoxen Maßnahmen. Aufgrund der von der EZB im September angekündigten weiteren Anleihe- käufe fielen die Kapitalmarktzinsen und in der Folge auch die Hypotheken- zinsen auf neue Allzeittiefstände und di e Neuvergabe von Hypothekenkredi- ten stieg deutlich an. — Im Jahr 2020 dürften sich die Hypothekenzinsen auf einem Niveau von 1,2% seitwärts bewegen. Es ist eher unwahrscheinlich, dass die Hypothe- kenzinsen bald wieder auf über 2% ansteigen. Unseres Erachtens ist eher mit einem weiteren Zinsrückgang zu rechnen als mit steigenden Zinsen. Dieser dürfte zu einer noch stärkeren Ausweitung der Kreditvergabe führen. Wachstum der Hypothekenkr editvergabe beschleunigt sich Am 12. September 2019 kündigte die EZB ein neues, unbefristetes Kaufpro- gramm für Vermögenswerte im Umfang v on EUR 20 Mrd. pro Monat an. Im Vor- feld der Wiederaufnahme der Käufe am 1. November fiel der durchschnittliche Hypothekenzinssatz auf einen Allzeitti efstand von 1,2%, was einem Rückgang von über ½%-Punkt gegenüber dem Jahresbeginn entspricht. Infolgedessen stieg das Volumen der neu vergebenen Hypothekenkredite in den Sommermo- naten auf einen neuen Allzeithöchststand von EUR 25 Mrd. an. Die Hypothe- kenvolumina erhöhten sich exponentiell zum Rückgang der Hypothekenzinsen (vgl. Grafik). Falls die Hypothekenzinsen weiter sinken, dürften die monatlichen Volumina der in der Grafik dargestellten Funktion zufolge weiter ansteigen (bei 1% auf EUR 23 Mrd. pro Monat, bei 0,5% auf EUR 28 Mrd. pro Monat, und bei 0,1% – was sehr unwahrscheinlich ist – würde sich das monatliche Hypotheken- kreditvolumen auf EUR 44 Mrd. erhöhen). -10 0 10 20 30 70 74 78 82 86 90 94 98 02 06 10 14 18 Hypotheken Insgesamt Inflation Deutschland: Kreditwachstum 1 % gg. Vj. Quellen: Deutsche Bundesbank, Deutsche Bank Research -1 0 1 2 3 4 5 6 03 05 07 09 11 13 15 17 19 5-10J Hypothekenzinsen 10J Bundrenditen Einlagensatz 10J EUR Swap 5-10J Hypothekenzinsen vs. EZB Einlagensatz 2 % Quellen: EZB, Deutsche Bank Research y = 552,16x -1,86 R² = 0,59 1 10 10 30 Quelllen: Deutsche Bundesbank, Deutsche Bank Research Volumen der neuen Hyoptheken mit log-log Skala 3 y-Achse: log (5-10J Hypothekenzinsen in %) x-Achse: log (neues Volume n in EUR Mrd. pro Monat) 1 2 3 4 5 6 9 1 21 51 82 12 42 7 2008-2011 2012-2015 2016-2019 Jüngster Wert Volumen der neuen Hypotheken 4 y-Achse: Hypothekenzinsen % x-Achse: neues Volumen in EUR Mrd. pro Monat Quellen: Deutsche Bundesbank, Deutsche Bank Research Schwache Konjunktur und Groko-Turbulenzen 7 | 4. November 2019 Ausblick Deutschland Wir rechnen auf Jahre hinaus mit niedrigen oder sogar negativen Zinsen Aus heutiger Sicht erscheinen derartig niedrige Hypothekenzinsen noch un- wahrscheinlich. Allerdings rechnen wir derzeit für die kommenden Jahre nicht mit einem spürbaren Anstieg der kurz- bzw. langfristigen Zinsen. Wir gehen da- von aus, dass der Hauptrefinanzierungssatz der EZB bis Ende 2023 bei 0% ver- harrt und dass die 10J-Bund-Renditen negativ bleiben und Ende 2020 bei -0,32% liegen. Die 10J-Swapsätze sollten dann bei 0,08% notieren. Vor diesem Hintergrund sollten die Hypothekenzinsen noch auf Jahre hinaus deutlich unter 2% liegen. Sie könnten in den kommenden Monaten noch etwas weiter auf 1,0% sinken und im Jahr 2020 dann wieder auf 1,2% ansteigen (im Juli hatten wir noch mit einer Seitwärtsbewegung bei 1,46% gerechnet). Diese Prognosen implizieren, dass die Spreads der Hypothekenzinsen gegenüber 10J-Bunds und 10J-Swaps hoch bleiben, sich jedoch im Vergleich zu den Sommermonaten im Laufe des kommenden Jahres etwas verringern. Wachstum der Hypothekenkreditvergabe aufgrund eines höheren durchschnittlichen Kreditvolumens; Zahl der Transaktionen sinkt Während sich das Neukreditvolumen um 35% im Zyklusverlauf von 2009 bis heute erhöhte, legte das Kreditvolumen pro Kreditnehmer um 78% zu. 3 Das durchschnittliche Kreditvolumen ist von etwa EUR 140.000 im Jahr 2009 auf EUR 250.000 im Jahr 2019 angestiegen. Allein in den vergangenen 20 Monaten schnellte es um EUR 50.000 in die Höhe. Dies ist zum Teil darauf zurückzufüh- ren, dass aufgrund des beträchtlichen Preisanstiegs in den vergangenen zehn Jahren weniger Transaktionen durchgeführt werden. Zahlreichen privaten Haus- halten mangelt es schlicht an Kaufkraft, sodass sie aus dem Wohnungsmarkt verdrängt wurden. Gleichzeitig könnte das höhere Hypothekenvolumen pro Kre- ditnehmer auch auf eine gestiegene Risikobereitschaft zurückzuführen sein. Für eine solche Interpretation spricht die Tatsache, dass sich die Rückzahlungs- quote in den vergangenen beiden Jahren bei knapp 3% p.a. seitwärts bewegt hat. Von 2009 bis 2017 sind die Rückzahlungsquoten bei sinkenden Zinsen in der Regel angestiegen. Zumindest einige der traditionell risikoaversen deut- schen Hypothekenkreditnehmer scheinen ihr Verhalten geändert zu haben. Von 2009 bis 2014 fand im laufenden Zyklus keine zusätzliche Hypothekenkreditver- gabe statt, d.h. das reale gesamte Hypothekenkreditvolumen stagnierte. Erst in den Folgejahren stieg die Hypothekenkreditvergabe an. In den vergangenen 12 Monaten beschleunigte sich die Wachstumsrate auf 10% gg. Vorjahr, und das Hypothekenkreditvolumen hat sich um über EUR 130 Mrd. erhöht. Dies ist so- wohl auf das höhere Neukreditvolumen als auch auf die stagnierende Rückzah- lungsquote zurückzuführen. Bei steigenden Hauspreisen und einer größeren Ri- sikobereitschaft der Kreditgeber und -nehmer scheint eine „Hauspreisblase“ in den kommenden Jahren wohl unvermeidlich zu sein. Risiko einer Hauspreisblase: Ein bereits überbewerteter Markt wird zusätzlich angeheizt Wenn durch den deutlichen Anstieg der Hypothekenkreditvergabe auch die Zahl der Neubauten zunähme und so der Angebotsengpass am Wohnungsmarkt ab- gebaut würde, würde das Risiko einer Hauspreisblase sinken. Unseren eigenen Berechnungen zufolge wird der Großteil der Hypothekenkredite jedoch für Be- standsimmobilien gewährt. 4 Insofern trägt die Kreditvergabe zum Preisanstieg 3 Vgl. https://www.drklein.de/presse.html 4 Vgl. Deutsche Bank Research. Ausblick Deutschland. Juli 2016. 0 1 2 3 4 5 09 10 11 12 13 14 15 16 17 18 19 Tilung Hypothekenzinsen Tilgung und Hypothekenzinsen 5 % Quellen: EZB, Dr. Klein, Deutsche Bank Research 120 150 180 210 240 270 4 6 8 10 12 09 10 11 12 13 14 15 16 17 18 19 Jährliche Zinszahlung Kreditvolumen pro Kreditnehmer beide y-Achsen: EUR Tsd. Jährliche Zinszahlung vs. Kreditvolumen pro Kreditnehmer 6 Quellen: Dr. Klein, Deutsche Bank Research -5 0 5 10 15 20 25 09 10 11 12 13 14 15 16 17 18 19 Neue Häuser Häuser, Bestand Wohnungen Deutschland: Wohnungspreise 7 % gg. Vj. Quellen: Hypoport, Deutsche Bank Research Schwache Konjunktur und Groko-Turbulenzen 8 | 4. November 2019 Ausblick Deutschland bei. Da der deutsche Immobilienmarkt (zumindest leicht und in einigen Regio- nen) überbewertet ist, sind gewisse Warnungen angezeigt. 5 Hypoport zufolge sind die Haus- und Wohnungspreise im August 2019 bereits um rund 10% gg. Vj. angestiegen. Der berühmte Wirtschaftshistoriker Charles Kindleberger be- zeichnete das regelmäßig auftretende Phänomen, dass die Kreditvergabe die Preise nach oben treibt, in seiner Analyse der Finanzmarkt- und Immobilien- marktblasen der vergangenen vierhundert Jahre als „Öl ins Feuer gießen“ („fueling the flames“). 6 Genau dies scheint derzeit auch am deutschen Immobili- enmarkt zu passieren. Im Zuge der höheren Kreditvergabe steigen die bereits überbewerteten Immobilien- und Wohnungspreise weiter an, und da es nach wie vor an neuem Wohnraum mangelt, dürfte sich der Zyklus noch fortsetzen. Wir halten daher an unserer Prognose fest, dass der deutliche Preisanstieg min- destens bis zum Jahr 2022 anhalten wird. Was ist zu tun? Neuer Wohnraum muss gebaut werden. Striktere Regulierungen werden eine Hauspreisblase nicht verhindern Die Regierung, die Aufsichtsbehörden und die Banken sollten sich auf die Fi- nanzierung neuen Wohnraums konzentrieren, um den Preisdruck abzumildern. Neubauten und die Schaffung von leer stehenden Immobilien ist wohl die ein- zige sinnvolle Möglichkeit, um das Entstehen einer Blase zu verhindern. Wenn dagegen Kredite für den Kauf von Bestandsimmobilien vergeben werden, stei- gen die Preise weiter an. Bei strikteren regulatorischen Vorschriften kommt es zu regulatorischer Arbitrage. Dies gilt zumindest für die überwiegend ineffektive striktere Regulierung der Mieten, die derzeit politischer Konsens ist. Wenn vor allem zu Mietpreisbremsen gegriffen wird, ist dies ein deutliches Signal dafür, dass das Angebot noch auf längere Zeit hinaus knapp bleiben wird. Deshalb se- hen immer mehr Anleger die Chance, am Immobilienmarkt schnell Geld zu ma- chen. Auch dieses Phänomen beschreibt die Literatur zu Vermögenspreisbla- sen regelmäßig. Falls sich eine Blase entwickelt und platzt, ist mit beträchtlichen gesellschaftlichen Folgen zu rechnen Gesellschaftlicher Zusammenhalt ist dringend erforderlich, wenn sich Deutsch- land die anstehenden Herausforderungen vom Klimawandel bis hin zur demo- grafischen Entwicklung und dem Erhalt der Wettbewerbsfähigkeit an den globa- len Märkten meistern soll. Bei einer weiterhin erratischen und ineffektiven Woh- nungspolitik riskieren wir nicht nur eine Hauspreisblase mit entsprechenden un- günstigen wirtschaftlichen Folgen, sondern möglicherweise auch den sozialen Zusammenhalt und die politische Stabilität, weil sich die Unzufriedenheit der Bürger auch daraus speist, dass Wohnen zunehmend unerschwinglich wird. Jochen Möbert +49-69-910-31727 (jochen.moebert@db.com) 5 Vgl. Standpunkt Deutschland, Falsche Wohnungspolitik erhöht Blasengefahr, 2015. 6 Charles P. Kindleberger, Robert Z. Aliber: Manias, Panics, and Crashes: A History of Financial Cri- ses, Seventh Edition 7th Edition. 40 80 120 160 68 72 76 80 84 88 92 96 00 04 08 12 16 10%-Perzentile Median Deutschland Perzentile auf Basis aller Länder berechnet Quellen: Deutsche Bank Research, OECD Perzentile des OECD Preis-Mieten- Verhältnis von 1970 bis heute 9 40 80 120 160 68 72 76 80 84 88 92 96 00 04 08 12 16 10%-Perzentile Median 90%-Perzentile Quellen: Deutsche Bank Research, OECD Blase Überbewertung Unterbewertung Negative Blase Perzentile auf Basis aller Länder berechnet Perzentile des OECD Preis-Mieten- Verhältnis von 1970 bis heute 8 Schwache Konjunktur und Groko-Turbulenzen 9 | 4. November 2019 Ausblick Deutschland Deutscher Arbeitsmarkt: Nachlassender Beschäf- tigungsaufbau Trotz der gegenwärtigen konjunkturellen Schwächephase – die deutsche Volks- wirtschaft dürfte in Q3 in eine technische Rezession gerutscht sein – ist der deutsche Arbeitsmarkt noch in einer guten Verfassung. Das ist aber kein Anlass für übermäßigen Optimismus, da der Arbeitsmarkt gewöhnlich mit einem Nach- lauf von rund sechs Monaten auf die wirtschaftliche Entwicklung reagiert. Nach den starken Anstiegen der Erwerbstätigenzahl im vergangenen Jahr flacht sich die aktuelle Entwicklung im Vorjahresvergleich spürbar ab. Nach einem Plus von 0,8% gg. Vj. im Juli und 0,7% gg. Vj. im August dürfte das Wachstum auch im September bei 0,7% gg. Vj liegen, da dieser Monat im Jahr 2018 etwas schwächer war. In Q4 ist dann eine Verlangsamung des Wachstums der Er- werbstätigenzahl auf durchschnittlich 0,5% gg. Vj. zu erwarten. Im dritten Quartal verlangsamte sich das jährliche Beschäftigungswachstum weiter auf 0,8% gg. Vj., nach 1,0% im zweiten Quartal und 1,1% zu Beginn des Jahres. Im dritten Quartal wurden in der deutschen Wirtschaft 50 Tsd. neue Ar- beitsplätze geschaffen, verglichen mit nur 32 Tsd. in Q2. In Q4 erwarten wir ein Beschäftigungswachstum von durchschnittlich 0,5% gg. Vj. Die Verlangsamung der Wachstumsdynamik gilt auch für die sozialversicherungspflichtige Beschäfti- gung, obwohl diese Gruppe (33,6 Mio.) derzeit noch mit Jahresraten von rund 1 ½% wächst. Bis August (letzte detaillierte Daten) ist die Beschäftigung fast ausschließlich bei Zeitarbeitsfirmen (106 Tsd. gg. Vj.) zurückgegangen. Qualifi- zierte Unternehmensdienstleister, Gesundheits-, Sozial- und Pflegedienstleister, IT, Baubereich und sogar Metall- und Elektrotechnik berichten nach wie vor über höhere Personalzahlen als im Vorjahr. 65 67 69 71 73 75 27 28 29 30 31 32 33 34 35 08 10 12 14 16 18 Sozialversicherungspflichtig Beschäftigte (links) Anteil an Erwerbstätigen insgesamt (rechts) Starkes Wachstum der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung 1 Quellen: Deutsche Bundesbank, Deutsche Bank Research Mio. (sb.) % 0 100 200 300 400 500 600 700 800 13 14 15 16 17 18 19 Differenz Sozialversicherungspflichtig Beschäftigte Erwerbstätige Anhaltendender Beschäftigungsaufbau mit nachlassender Dynamik 2 Veränderung gg. Vj., '000 Personen Quellen: Bundesagentur für Arbeit, Statistisches Bundesamt, Deutsche Bank Research Schwache Konjunktur und Groko-Turbulenzen 10 | 4. November 2019 Ausblick Deutschland Die Frühindikatoren des ifo und IAB (Beschäftigungsbarometer) sowie die Un- terkomponenten der Einkaufsmanagerindizes (PMI) deuten insgesamt auf eine Verschlechterung der aktuellen Arbeitsmarktsituation hin. Einzig die jüngsten ifo-Daten signalisieren eine leichte Stabilisierung. Dies gilt insbesondere für die Umfrageergebnisse im Verarbeitenden Gewerbe. Der Stellenabbau dürfte je- doch nach wie vor den Zuwachs an Stellen überwiegen. Der leichte Rückgang des ifo-Barometers im Oktober wurde durch den Dienst- leistungssektor verursacht. Dies kann als weiteres Anzeichen gewertet werden, dass der Dienstleistungssektor als Jobmotor allmählich an Kraft einbüßt, da sich die Rezession in der deutschen Industrie immer mehr auf diesen Bereich aus- wirkt. Auch die Umfrageergebnisse zur Beschäftigungskomponente des PMI im Dienstleistungssektor waren in den letzten Monaten schwächer (Okt. 52,4 nach 56,7 in Q3 und 56,5 in Q2). Mit einem Wert von über 50 Punkten liegen sie aber immer noch in expansivem Bereich. -2 -1 0 1 2 15 16 17 18 19 IAB-Arbeitsmarktbarometer (Komponente A: Arbeitslosigkeit) ifo-Beschäftigungsbarometer PMI Beschäftigungskomponente PMI Industrie Beschäftigungskomp. Arbeitsmarktindikatoren: Keine fundamental unterschiedliche Botschaft 3 Standardisierte Werte Quellen: Bundesagentur für Arbeit, ifo, IAB, Markit -40 -30 -20 -10 0 10 20 30 40 50 60 70 12 13 14 15 16 17 18 19 Arbeitslose IAB* ifo* Prognosen: IAB- und ifo-Barometer deuten auf einen Anstieg der Arbeitslosigkeit (s.b.) 4 Veränderung gg. Vm., Tsd. Personen Quellen: ifo, IAB, Bundesagentur für Arbeit * Einfache lineare Regression der Änderung der Arbeitslosenzahl basierend auf den Arbeitsmarktfrühindikatoren (1 bzw. 2 Monate verzögert). Aufgrund der Sonderprüfung zum Vermittlungsstatus von ALG-II Empfängern kam es im Mai 2019 zu einem Anstieg der saisonbereinigten Arbeitslosenzahl um 62 Tsd. Nach Angaben der Bundesagentur für Arbeit hätte der Anstieg ohne den Sondereffekt bei 20–30 Tsd. gelegen. Schwache Konjunktur und Groko-Turbulenzen 11 | 4. November 2019 Ausblick Deutschland Nachdem die Arbeitslosenzahl in den letzten 6 Monaten stagnierte, dürfte sie in Q4 (+30 Tsd.) nun weiter zunehmen. Aufgrund der sich abschwächenden Aussichten gehen wir davon aus, dass der Rückgang der Arbeitskräftenachfrage durch mehr Kurzarbeit ausgeglichen wird. Nach Schätzungen der Bundesagentur für Arbeit (BA) wird die Zahl der Kurzar- beiter im November allmählich auf 80,8 Tsd. steigen (75,7 Tsd. Okt., 50,1 Tsd. Sep.). Im Vergleich dazu waren es im November 2018 nur 42,9 Tsd. Insgesamt ist der deutsche Arbeitsmarkt nach wie vor in guter Verfassung. Die Anzahl der offenen Stellen – wenn auch langsam schrumpfend (Okt. 748 Tsd. nach Sep. 760 Tsd.) – deutet immer noch auf eine starke Nachfrage nach quali- fizierten Arbeitskräften hin. Für das Jahr 2020 erwarten wir eine Verlangsamung des Wachstums der Er- werbstätigkeit auf 0,1 % gg. Vj. Die Arbeitslosenzahl dürfte um 80 Tsd. steigen, auf dann gut 2,3 Mio. Das entspricht einem Anstieg der Arbeitslosenquote auf 5,2%. Marc Schattenberg (+49 69 910-31875, marc.schattenberg@db.com) -40 -30 -20 -10 0 10 20 30 40 50 60 70 0 1 2 3 4 5 6 7 15 16 17 18 19 Veränderung gg. Vm. in Tsd. (rechts) Arbeitslosenqoute (links) Bremsspuren am Arbeitsmarkt 5 Quelle: Bundesagentur für Arbeit 5,0 5,5 6,0 6,5 7,0 7,5 300 400 500 600 700 800 900 11 12 13 14 15 16 17 18 19 Offene Stellen (links) Arbeitslosenquote (rechts) Arbeitsmarkt: Fast Vollbeschäftigung, aber erste Bremsspuren 6 Tsd. Quote Quelle: Deutsche Bundesbank Schwache Konjunktur und Groko-Turbulenzen 12 | 4. November 2019 Ausblick Deutschland Deutsche Automobilkonjunktur: Gemischte Sig- nale, aber die Talsohle rückt in Sicht Die Automobilindustrie ist – gemessen am Umsatz – die größte deutsche In- dustriebranche. Ihre Entwicklung ist daher ausschlaggebend dafür, wann und in welchem Ausmaß die deutsche Industrie die seit dem 3. Quartal 2018 anhal- tende Rezession überwinden kann. Die inländische Automobilproduktion liegt in den ersten Monaten von 2019 unter dem Vorjahresniveau, was auf die deutlich abgeschwächte globale Nachfrage zurückzuführen ist. Die Stimmungsindikato- ren in der Branche sendeten in den letzten Monaten unterschiedliche Signale. Während die Inlandsaufträge am aktuellen Rand stark zulegten, setzte sich bei den Auslandsaufträgen die leichte Abwärtstendenz fort. Ein Rückschlag für die deutsche Automobilindustrie wäre es, wenn die USA, wie mehrfach angedroht, ihre Zölle auf Autoimporte aus der EU erhöhen würde. Eine Entscheidung hierzu steht vermutlich bis Mitte November an. Jüngste Aussagen der US- Regierung deuten allerdings auf eine gewisse Flexibilität bezüglich des Termins und auf andere Optionen als Importzölle hin. Grafik 1: Die Geschäftserwartungen der deutschen Automobilindustrie lagen zu Jahresbeginn im negativen Bereich, drehten am aktuellen Rand jedoch wieder in den positiven Bereich. Seit August schätzten die Unternehmen zudem ihre aktuelle Lage positiv ein. Der Auftragsbestand in der Branche liegt auf hohem Niveau und ist seit Jahresmitte sogar wieder leicht gestiegen. -40 -20 0 20 40 60 80 17 18 19 Lage Erwartungen ifo Geschäftsklima in der deutschen Automobilindustrie 1 Saldo aus positiven und negativen Firmenmeldungen (%) Quelle: ifo -30 -20 -10 0 10 20 30 40 17 18 19 … der Produktionstätigkeit … des Exportgeschäfts … der Beschäftigungsentwicklung ifo-Erwartungen hinsichtlich ... 2 Automobilindustrie in Deutschland, Saldo aus positiven und negativen Firmenmeldungen (%) Quelle: ifo Schwache Konjunktur und Groko-Turbulenzen 13 | 4. November 2019 Ausblick Deutschland Grafik 2: Die Trendwende bei den gesamten Geschäftserwartungen der Bran- che spiegelt sich noch nicht in den Unterkomponenten des ifo-Konjunkturtests wider. Produktions-, Export- und Beschäftigungserwartungen waren im Oktober negativ, wobei alle Zeitreihen sich zuletzt recht volatil entwickelten. Wir erwar- ten, dass die Beschäftigung in der Branche 2019 leicht sinkt. Grafik 3: Die Kapazitätsauslastung in der deutschen Automobilindustrie lag An- fang des 4. Quartals 2019 deutlich unter dem Durchschnitt von 2018 und fiel auch etwas unter den langjährigen Mittelwert. Der erneute Rückgang der Kapa- zitätsauslastung war eine Enttäuschung, könnte aber den Tiefpunkt im aktuellen Zyklus markieren. Wir erwarten eine Stabilisierung der globalen Autonachfrage im Rest von 2019 und einen moderaten Anstieg 2020. Daher dürfte die Kapazi- tätsauslastung im 1. Halbjahr 2020 wieder steigen (siehe Grafik 6). Grafik 4: Die stückzahlmäßige Pkw-Produktion in Deutschland lag in den ersten Monaten von 2019 deutlich unter dem Vorjahreswert. Im September war jedoch ein Plus von 4% gg. Vj. zu verzeichnen. Das Minus fällt beim Produktionsindex, der auch qualitative Komponenten umfasst (z.B. bessere Ausstattung), grund- sätzlich weniger kräftig aus. Der Produktionsindex könnte im 3. Quartal noch einmal leicht gg. Vq. sinken, danach dürfte er sich aber wieder erholen. Ohnehin dürften im 2. Halbjahr 2019 im Vorjahresvergleich wieder positive Wachstums- raten erzielt werden, weil die Vergleichsbasis in H2 2018 durch den WLTP- Effekt nach unten gezogen wurde. Allerdings wird die inländische Produktion im Gesamtjahr deutlich schrumpfen. Für 2020 rechnen wir dagegen mit einem Fer- tigungsplus. 90 95 100 105 110 80 85 90 95 100 15 16 17 18 19 Kapazitätsauslastung, % (links) Produktion, sb., 2015=100 (rechts) Produktion und Kapazitätsauslastung in der deutschen Automobilindustrie 3 Quellen: ifo, Statistisches Bundesamt -25 -20 -15 -10 -5 0 5 10 17 18 19 Pkw-Produktion, Stückzahlen, gleit. 3-Monatsdurchschn. Produktionsindex, arbeitstägl. ber., gleit. 3-Monatsdurchschn. Automobilproduktion in Deutschland 4 % gg. Vj. Quellen: Statistisches Bundesamt, VDA Schwache Konjunktur und Groko-Turbulenzen 14 | 4. November 2019 Ausblick Deutschland Grafik 5: Die Auftragseingänge aus dem Inland und die Auslandsbestellungen entwickelten sich im August gg. Vm. unterschiedlich (+8% bzw. -0,6%). Insge- samt zeichnet sich bei den Auftragseingängen in den letzten Monaten jedoch eine Stabilisierung ab. Die Pkw-Neuzulassungen tendierten in den ersten neun Monaten von 2019 seitwärts auf hohem Niveau. Bei den Auslandsbestellungen könnte sich im 4. Quartal eine leichte Erholung einsetzen. Grafik 6: Die schwache Autonachfrage in wichtigen deutschen Exportmärkten zum Jahresende 2018 und den ersten Monaten von 2019 hatte rückläufige Aus- fuhren der deutschen Automobilindustrie zur Folge. Die Exporte dürften im Ge- samtjahr sinken. Allerdings ist eine relative Belebung der globalen Autonach- frage in Sicht. Aus China waren zuletzt politische Signale zu vernehmen, dass die chinesische Autonachfrage (die seit Monaten sehr schwach ausfällt) in Kürze gestützt werden könnte. 90 100 110 120 130 17 18 19 Inland Ausland Auftragseingang in der deutschen Automobilindustrie 5 sb., 2015=100 Quelle: Statistisches Bundesamt -15 -10 -5 0 5 10 15 20 14 15 16 17 18 19 Pkw-Neuzulassungen, CN, US*, EWU, UK Nom. Exporte der dt. Automobilind. (Euro), gleit. 3M-Durchschn. % gg. Vj. * Light vehicles Globale Autonachfrage und Exporte der deutschen Automobilindustrie 6 Quellen: ACEA, Bureau of Economic Analysis, China Automotive Information, Statistisches Bundesamt Schwache Konjunktur und Groko-Turbulenzen 15 | 4. November 2019 Ausblick Deutschland Grafik 7: Abgesehen vom aktuellen Konjunkturzyklus setzen Autohersteller und Kfz-Zulieferer ihre Anstrengungen fort, die Produktion von Elektrofahrzeugen bzw. entsprechenden Zulieferteilen und Ausrüstungen in ihren Fabriken zu stei- gern. Immer mehr Modelle befinden sich im Angebot. Gemessen an der gesam- ten Pkw-Produktion bleibt der Anteil der Elektrofahrzeuge jedoch auch 2020 noch klein (wahrscheinlich unter 5%). Insofern schlägt sich dieser evolutionäre Wandel bei den Antriebstechnologien noch nicht so stark in den Produktions- zahlen nieder. Grundsätzlich positiv für den Produktionswert ist, dass Elektro- fahrzeuge derzeit im Durchschnitt teurer sind als entsprechende Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor. Allerdings wird die inländische Produktion dadurch negativ beeinflusst, dass manche Produktionsstätten umstrukturiert werden, um die Pro- duktion von Elektrofahrzeugen hochfahren zu können (Kapazität steht während der Umbauphase nicht vollständig zur Verfügung). Der technologische Wandel stellt die globale (und nicht nur die deutsche!) Automobilindustrie vor große Her- ausforderungen, denn er wird bislang vor allem durch strenge staatliche CO 2 - Grenzwerte für Pkw und weniger durch Marktkräfte getrieben. Die Autokäufer sind bislang noch zurückhaltend, zumindest solange keine kräftigen Subventio- nen gewährt werden. Hohen Investitionen steht also ein kleiner Markt gegen- über (in der EU im 1. Halbjahr 2019: 2,4%). Aber noch einmal: Dies ist kein spe- zifisches Problem der deutschen Automobilindustrie. Eric Heymann (+49 69 910-31730, eric.heymann@db.com) 012345 Diesel Benzin Elektroautos* Sonstige H1 2018 H1 2019 * Batterieelektrisch, Plug-in-Hybride, Range Extender, Brennstoffzelle Quelle: ACEA Pkw-Neuzulassungen in der EU nach Antriebsart 7 Mio., Einheiten Schwache Konjunktur und Groko-Turbulenzen 16 | 4. November 2019 Ausblick Deutschland EZB-Pressekonferenz: Kontinuität — Für Mario Draghi ist der Vorhang gefallen. Viel Aufheben um seine Person machte der scheidende EZB-Präsident auf seiner letzten Pressekonferenz freilich nicht und hat damit demonstriert, dass die Währungshüter, nicht zu- letzt ihr Präsident, sich vor allem einem verpflichtet fühlen: der EZB und ih- rem Mandat. Zum Abschied setzte Draghi somit unterschwellig – aber nach- drücklich – auf Kontinuität. Die Wahrung der Preisstabilität bleibt das oberste Ziel der EZB, unabhängig davon, wer an ihrer Spitze steht. — Hinsichtlich der Ausrichtung der Geldpolitik scheint seine Nachfolgerin Christine Lagarde zumindest vorerst nicht unter Zugzwang zu stehen. Denn, so Draghi, an den Märkten herrsche Klarheit, welche Geldpolitik die EZB verfolgt. Daher habe Lagarde viel Zeit, um sich ein eigenes Bild zu machen. Aufgrund dieser Aussagen gehen wir nicht länger davon aus, dass die EZB den Einlagenzinssatz im Dezember erneut um 10 Bp. reduziert. Vorausge- setzt es treten keine Risiken ein, dürften weitere Zinssenkungen erst einmal vom Tisch sein. — Ob es nach dem Amtsantritt von Lagarde am 1. November tatsächlich ein „Weiter so“ gibt, bleibt abzuwarten. Manches könnte sie anders machen als ihr Vorgänger. So erwarten wir, dass sie unter anderem in der Kommunika- tion neue Akzente setzen wird, was – zumindest zu Beginn – für volatile Signale sorgen dürfte. Kritisch hinterfragen könnte sie auch die geldpoliti- sche Strategie. Wie weit sie dabei geht, ist offen. Hinzu kommt die Fiskalpo- litik. Hier muss Lagarde vor allem eine engere Koordination zwischen Geld- und Fiskalpolitik erreichen. Zum anderen gilt es zu klären, wo die Grenzen zwischen fiskal- und geldpolitischem Stimulus verlaufen. Draghi als Diener der Institution Für Mario Draghi ist der Vorhang gefallen. Viel Aufheben um seine Person machte er auf seiner letzten Pressekonferenz freilich nicht. So gab er sich mit Blick auf die Erfolge, die er während seiner achtjährigen Amtszeit verzeichnen konnte, bescheiden, und auch im Ton zeigte er sich stets versöhnlich. Das Bild, das Draghi dabei vermittelte, war das eines bescheidenen Notenbankers, für den die Erfüllung seiner Aufgabe stets an erster Stelle stand. Schließlich seien die Währungshüter, nicht zuletzt ihr Präsident, vor allem der EZB und ihrem Mandat verpflichtet, so der Tenor bei der Pressekonferenz. In diesem Sinne setzte Draghi zum Abschied unterschwellig – aber nachdrücklich – auf Kontinui- tät. Im Folgenden beleuchten wir, was seine Äußerungen für die künftige Geldpolitik bedeuten könnten. EZB wird ihr Mandat weiter verfolgen. Auf sein Erbe angesprochen, betonte Draghi, dass die Erfüllung des EZB-Mandats für ihn stets oberste Priorität hatte. Vorrangiges Ziel der EZB sei die Preisstabilität. Diesem Mandat werde sie stets treu bleiben. Obwohl dies auf der Hand liegt – schließlich ist die EZB gemäß Maastricht-Vertrag zur Wahrung der Preisstabilität verpflichtet – könnte diese Aussage auch als Hinweis interpretiert werden, dass die EZB auch unter ihrer neuen Präsidentin bereit sein sollte, alles zu tun was nötig ist, um ihr Mandat zu gewährleisten. So, wie sie es in der Vergangenheit getan hat. Lagarde vorerst nicht unter Zugzwang . Zwei Aussagen Draghis sprechen für diese Annahme. So betonte er unter anderem, dass an den Märkten Klarheit herrsche, welche Geldpolitik die EZB verfolgt. Tatsächlich wurden weitere Zins- senkungen in den kommenden Monaten an den Märkten inzwischen weitge- Schwache Konjunktur und Groko-Turbulenzen 17 | 4. November 2019 Ausblick Deutschland hend ausgepreist. Damit, so Draghi, bleibe Lagarde viel Zeit, um sich ein eige- nes Bild zu machen. Und das obwohl die EZB ihre wirtschaftliche Einschätzung zuletzt nach unten korrigiert hat. So räumt sie inzwischen ein, dass sich die ak- tuellen Unsicherheiten über das exportorientierte Verarbeitende Gewerbe hin- aus auf andere Sektoren negativ auswirken, was die Unternehmen dazu veran- lasst Investitionen aufzuschieben. Angesichts dieser Aussagen Draghis ist da- von auszugehen, dass die EZB auf ihrer nächsten Sitzung im Dezember trotz leichter Abwärtsrevisionen der gesamtwirtschaftlichen Projektionen an ihrem derzeitigen Kurs festhält. Prognoseänderung: Wir erwarten daher nicht länger, dass die EZB den Einla- genzinssatz im Dezember um weitere 10 Bp. senkt und haben unser Basissze- nario entsprechend angepasst. Vorausgesetzt es treten keine Risiken ein, die eine weitere geldpolitische Lockerung erfordern, dürften Zinssenkungen vorerst vom Tisch sein. Insbesondere das Risiko eines ungeordneten Brexit ist zuletzt geringer geworden. Nach wie vor ist aber nicht auszuschließen, dass die USA Zölle auf Autoimporte aus der EU verhängen. Zudem könnten die andauernden Unsicherheiten tiefere Bremsspuren in der Wirtschaft hinterlassen als in unse- rem Basisszenario erwartet. 7 Selbst im Baugewerbe zeichnete sich zuletzt eine Verlangsamung ab. 8 Zinsen bleiben noch lange auf niedrigem Niveau. Zu den jüngst vom IWF im Rahmen seiner Sitzungen geäußerten Sorgen bezüglich der potenziellen Ne- benwirkungen der lockeren Geldpolitik äußerte sich Draghi zurückhaltend und verwies stattdessen auf den vom IWF in Hinblick auf eine anhaltende Niedrig- zinspolitik vollzogenen Paradigmenwechsel. Inwieweit hierdurch die Tragfähig- keit des Bankensystems bedroht ist, bleibt abzuwarten. Wir sehen durchaus An- lass zur Sorge. Wie wir in der letzten Ausgabe unseres Ausblicks Deutschland ausgeführt haben, laufen die finanzmarkt- und bankbasierten Finanzierungsbe- dingungen seit einiger Zeit auseinander. Über die Ankurbelung der Kredit- vergabe durch die Banken hat die lockere Geldpolitik inzwischen auch in der Gesamtwirtschaft ihre Wirkung entfaltet. Laut jüngstem Bank Lending Survey dürfte sich die Nachfrage nach Krediten wieder stabilisieren. Eine Erholung ist freilich nicht in Sicht. Die Reversal rate, ab der eine weitere Lockerung mehr schadet als nutzt, könnte also bald erreicht sein. Für diese Annahme spricht auch unsere jüngste Analyse der Renditekurve, die eine Reversal rate von -0,60 bis -0,65% impliziert. Mit aktuell -0,50% liegt der Einlagenzinssatz nur un- wesentlich höher. 9 Ende der Anleihekäufe nicht in Sicht. Im Gegensatz zu anderen EZB-Vertretern sieht Draghi noch „eine lange Zeit“ Spielraum für Nettoankäufe im monatlichen Volumen von EUR 20 Mrd., ohne dass die derzeit geltenden Obergrenzen pro Emission/Emittent verletzt würden. Diese Einschätzung wird auch von unseren Fixed Income-Strategen geteilt. Im Übrigen verwies er erneut darauf, dass diese Grenzen selbst gesteckt und zudem lageabhängig seien. Mit anderen Worten: Sollte es erforderlich sein, kann die EZB die Obergrenzen jederzeit anheben. Wann diese erreicht seien, so Draghi weiter, hänge letztlich auch von der Emis- sionstätigkeit ab. Ruf nach der Fiskalpolitik wird etwas lauter. Mit Blick auf einen stärkeren Ein- satz der Fiskalpolitik beließ es Draghi zwar nach wie vor bei Andeutungen, zeigte sich aber beharrlich in der Sache. Bei Unterstützung seitens der Fiskalpo- 7 Economic uncertainty: Rising and spreading. Deutsche Bank Research. Focus Europe. 23. Okto- ber 2019. 8 Brace for impact: Uncertainty and the labour market. Deutsche Bank Research. Focus Europe. 11. Oktober 2019. 9 Shadow analysis: A yield curve implied estimate of the reversal rate. Deutsche Bank Research. Focus Europe. 22. Oktober 2019. Deutschland: PMI impliziert Kontraktions- risiko für den Arbeitsmarkt 2 Quellen: Deutsche Bank, Macrobond, IHS Markit, Eurostat -2,4 -1,9 -1,4 -0,9 -0,4 0,1 0,6 1,1 -60 -50 -40 -30 -20 -10 0 10 20 30 04 06 08 10 12 14 16 18 BLS Kreditvergabestandards (links) DB Marktbasierte Finanzkonditionen (rechts) Q4 BLS Erwartungen Entkoppelung als mögliches Zeichen dafür, dass der Umkehrzins erreicht ist 1 % Saldo # Standardabweichungen Quellen: Deutsche Bank, EZB, Bloomberg Finance LP Schwache Konjunktur und Groko-Turbulenzen 18 | 4. November 2019 Ausblick Deutschland litik sei früher mit einer Normalisierung der Zinsen und der Geldpolitik zu rech- nen. Entsprechend geringer wären die Nebenwirkungen. Neu war jedoch, dass die Geldpolitik auch bei einer Lockerung der Fiskalpolitik noch für einen länge- ren Zeitraum akkommodierend bleiben dürfte, womit die EZB ihre Bereitschaft zur impliziten Koordination signalisierte. Sonst drohen bei einer fiskalpolitischen Lockerung Verdrängungseffekte. 10 11 Weiter zu Lagarde. Mit Amtsantritt von Christine Lagarde am 1. November könnten – wie wir in unserer EZB-Vorschau aufzeigten – in den folgenden drei Bereichen Änderungen anstehen: — Kommunikation . Manches spricht dafür, dass die Kommunikation der neuen EZB-Präsidentin zunächst für mehr Volatilität an den Märkten sorgen dürfte – zumindest so lange bis diese gelernt haben, ihre Signale zu interpretieren. Die hohe wirtschaftliche Unsicherheit und ein tief gespaltener Rat könnten die Kommunikation der geldpolitischen Maßnahmen für Lagarde zusätzlich erschweren. — Überprüfung der geldpolitischen Strategie. Auf den Prüfstand gehören das Inflationsziel sowie die Instrumente – einschließlich ihrer potenziellen Ne- benwirkungen. Ob Lagarde darüber hinaus auch die Entscheidungspro- zesse und das Abstimmungsverfahren ins Visier nimmt, um die tiefen Grä- ben im Rat zu überwinden, bleibt abzuwarten. — Fiskalpolitik. Hier steht Lagarde vor zwei Aufgaben. Zum einen muss sie eine engere Koordination zwischen Geld- und Fiskalpolitik erreichen, zum anderen gilt es zu klären, wo die Grenzen zwischen fiskal- und geldpoliti- schem Stimulus verlaufen. Da die Geldpolitik zunehmend an ihre Grenzen stößt und eine nachhaltige Annäherung an das Inflationsziel nicht in Sicht ist, ist nunmehr ein gemeinsames Agieren von Fiskal- und Geldpolitik erfor- derlich. Hierfür braucht es eine politische Debatte, an deren Ende ein Kon- sens steht. 12 10 How to avoid a stagnation trap. Deutsche Bank Research. Focus Europe. 20. August 2019. 11 Beginning to rethink fiscal policy. Deutsche Bank Research. Focus Europe. 3. Oktober 2019. 12 ECB Preview: (Dis)continuous monetary policy. Deutsche Bank Research. Focus Europe. 18.Ok- tober 2019. 0 5 10 15 20 25 30 35 Sep 19 Apr 19 Dez 18 Jul 18 Mrz 18 Okt 17 Jun 17 Jan 17 Sep 16 Apr 16 Dez 15 Jul 15 Mrz 15 Nov 14 Aug 14 Mai 14 Feb 14 Nov 13 Aug 13 Mai 13 Feb 13 Nov 12 Aug 12 Mai 12 Feb 12 Nov 11 Anzahl der Erwähnungen von „fiscal“ in den Pressemitteilungen der EZB während der Amtszeit von Draghi Quellen: Deutsche Bank, EZB Draghis zunehmender Bezug zur Fiskalpolitik: 2011-2013 richtete sich dies gegen die „Fiskalkonsolidierung“, in den letzten Monaten hat er auf das Gegenteil gedrängt 3 Schwache Konjunktur und Groko-Turbulenzen 19 | 4. November 2019 Ausblick Deutschland Europa und der Euroraum stehen im Jahr 2020 vor drängenden Fragen. Nicht nur in der Geldpolitik. Nur wenn an vielen Stellschrauben gedreht wird, ist Eu- ropa für die Zukunft gerüstet. Mit dem Abschied Mario Draghis als EZB- Präsident neigt sich eine Ära ihrem Ende zu. Die Stabilität des Euro kann zu- künftig nicht allein von Lagarde und ihrer Geldpolitik abhängen. Stellt sich Eu- ropa seinen Problemen nicht, riskiert es einen Verlust an Glaubwürdigkeit. Es braucht Lösungen. Genau hier könnte Lagardes Stärke liegen. Mark Wall (+44 20 754-52087, mark.wall@db.com) Stefan Schneider (+49 69 910-31790, stefan-b.schneider@db.com) Schwache Konjunktur und Groko-Turbulenzen 20 | 4. November 2019 Ausblick Deutschland DB Makro-Überraschungsindex Deutschland Der DB Makro-Überraschungsindex vergleicht den Wert der veröffentlichten Konjunkturdaten mit den Markterwartun- gen und liefert damit Hinweise über die Richtung künftiger Prognoseanpassungen. Neu berechnet von Marc Schattenberg und Jochen Möbert (+49 69 910-31727, jochen.moebert@db.com) Quelle: Heiko Peters (2014). DB Makro-Überraschungs index Deutschland. Ausblick Deutschland, 4. August 2014. Letzte 20 veröffentlichte deutsche Konjunkturdaten DX Bloomberg Ticker Indikator Berichts- monat Veröffentli- chungsdatum Aktueller Wert Bloomberg Konsen- sus Überra- schung Standar- disierte Überra- schung Quantils- rang GRIMP95Y Index Importpreise (% gg. Vj.) 8 2019 27.09.2019 -2,7 -2,6 -0,1 0,0 0,6 GRFRIAMM Index Einzelhandelsumsätze (% gg. Vm.) 8 2019 30.09.2019 -0,1 0,5 -0,6 -0,3 0,4 GRUECHNG Index Veränderung Arbeitslose (Tsd. gg. Vm.) 9 2019 30.09.2019 -9,0 5,0 14,0 0,4 0,7 MPMIDEMA Index PMI Verarbeitendes Gewerbe 9 2019 01.10.2019 41,7 41,4 0,3 0,3 0,8 MPMIDESA Index PMI Dienstleistungssektor 9 2019 03.10.2019 51,4 52,5 -1,1 -1,3 0,1 GRIORTMM Index Auftragseingänge (% gg. Vm.) 8 2019 07.10.2019 -0,6 -0,3 -0,3 -0,2 0,4 GRIPIMOM Index Industrieproduktion (% gg. Vm.) 8 2019 08.10.2019 0,3 0,0 0,3 0,4 0,7 GRBTEXMM Index Exporte (% gg. Vm.) 8 2019 10.10.2019 -1,5 -1,0 -0,5 -0,3 0,4 GRCAEU Index Leistungsbilanzsa ldo (EUR Mrd.) 8 2019 10.10.2019 16,9 17,9 -1,0 -0,6 0,3 GRTBALE Index Handelsbilanz (EUR Mrd.) 8 2019 10.10.2019 16,4 18,8 -2,4 -1,1 0,2 GRBTIMMM Index Importe (% gg. Vm.) 8 2019 10.10.2019 0,6 0,5 0,1 0,1 0,5 GRCP20YY Index VPI (% gg. Vj.) 9 2019 11.10.2019 1,2 1,2 0,0 0,2 0,4 GRZEWI Index ZEW - Konjunktur (Erwartungen) 10 2019 15.10.2019 -22,8 -26,4 3,6 0,5 0,7 GRZECURR Index ZEW - Konjunktur (Situation) 10 2019 15.10.2019 -25,3 -23,6 -1,7 -0,3 0,3 MPMIDESA Index PMI Dienstleistungssektor 10 2019 24.10.2019 51,2 51,2 0,0 0,0 0,5 MPMIDEMA Index PMI Verarbeitendes Gewerbe 10 2019 24.10.2019 41,9 41,9 0,0 0,0 0,5 GRIMP95Y Index Importpreise (% gg. Vj.) 9 2019 28.10.2019 -2,5 -3,0 0,5 0,8 0,9 GRUECHNG Index Veränderung Arbeitslose (Tsd. gg. Vm.) 10 2019 30.10.2019 6,0 3,0 -3,0 -0,3 0,3 GRCP20YY Index VPI (% gg. Vj.) 10 2019 30.10.2019 1,1 1,0 0,1 0,6 0,7 GRFRIAMM Index Einzelhandelsumsätze (% gg. Vm.) 9 2019 31.10.2019 0,1 0,2 -0,1 0,1 0,5 Quellen: Bloomberg Finance LP, Deutsche Bank Research -0,6 -0,4 -0,2 0,0 0,2 0,4 0,6 14 15 16 17 18 19 DB Makro-Überraschungsindex +/- 1 Standardabweichung DB Makro-Überraschungsindex Deutschland Durchschnitt der z-Werte der vergangenen 20 Datenüberraschungen Werte über (unter) 0 bedeuten über (unter) der Markterwartung liegende Datenveröffentlichungen Quellen: Bloomberg Finance LP, Deutsche Bank Research Schwache Konjunktur und Groko-Turbulenzen 21 | 4. November 2019 Ausblick Deutschland Marc Schattenberg, Sebastian Becker & Jochen Möbert (+49 69 910-31727, jochen.moebert@db.com) Deutschland: Datenkalender Datum Uhrzeit Daten Berichtszeitraum DB Schätzung Letzter Wert 06.11.2019 8:00 Auftragseingang im Ver. Gewerbe (% gg. Vm., sb.) September 0,2 -0,6 07.11.2019 8:00 Industrieproduktion (% gg. Vm., sb.) September -0,2 0,7 08.11.2019 8:00 Handelsbilanz (EUR Mrd., sb.) September 18,6 18,4 08.11.2019 8:00 Warenexporte (% gg. Vm., sb.) September 0,4 -1,5 08.11.2019 8:00 Warenimporte (% gg. Vm., sb.) September 0,3 0,6 14.11.2019 8:00 Reales BIP (% gg. Vq., sb.) Q3 2019 -0,5 -0,1 22.11.2019 8:00 Reales BIP (% gg. Vq., sb.) - Details Q3 2019 0,4 0,0 22.11.2019 9:30 PMI Verarbeitendes Gewerbe (Flash) November 43,0 41,9 22.11.2019 9:30 PMI Dienstleistungssektor (Flash) November 52,0 51,2 25.11.2019 10:30 ifo Geschäftsklima (Index, sb.) November 95,2 94,6 28.11.2019 14:00 Vorläufiger VPI (% gg. Vj., sb.) November 1,2 1,1 29.11.2019 9:55 Arbeitslosenrate (%, sb.) November 5,0 5,0 02.12.2019 8:00 Einzelhandelsumsätze (Index, sb.), % gg. Vm.* Oktober 0,5 0,1 *lt. Statistischem Bundesamt auch früherer Veröffentlichungstermin möglich Quellen: Deutsche Bank Research, Statistisches Bundesamt, Bundesagentur für Arbeit, ifo, IHS Markit Schwache Konjunktur und Groko-Turbulenzen 22 | 4. November 2019 Ausblick Deutschland Finanzmarktprognosen DX US JP EWU GB CH SE DK NO PL HU CZ Leitzinssatz, % Aktuell 1,625 -0,10 0,00 0,75 -0,75 -0,25 -0,75 1,50 1,50 0,20 2,00 Dez 19 1,625 -0,10 0,00 0,75 -0,75 -0,25 -0,85 1,50 1,50 0,25 2,00 Mrz 20 1,625 -0,10 0,00 0,75 -0,75 -0,25 -0,85 1,50 1,50 0,25 2,00 Jun 20 1,625 -0,10 0,00 0,75 -0,75 -0,25 -0,85 1,50 1,50 0,25 2,00 3M Geldmarktsatz, % Aktuell 1,89 0,01 -0,40 0,82 Dez 19 1,90 0,05 -0,45 0,85 Mrz 20 1,75 0,05 -0,45 0,85 Jun 20 1,75 0,05 -0,45 Rendite 10J Staatsanleihen, % Aktuell 1,71 -0,18 -0,38 0,66 Dez 19 1,85 -0,15 -0,40 1,12 Mrz 20 1,70 -0,10 -0,35 1,13 Jun 20 1,70 0,00 -0,32 Wechselkurse EUR/USD USD/JPY EUR/GBP GBP/USD EUR/CHF EUR/SEK EUR/DKK EUR/NOK EUR/PLN EUR/HUF EUR/CZK Aktuell 1,12 108,18 0,86 1,29 1,10 10,68 7,47 10,14 4,25 327,99 25,51 Dez 19 1,13 108,00 0,93 1,22 1,13 11,00 7,46 10,15 4,35 335,00 25,70 Mrz 20 1,16 106,00 0,93 1,25 1,14 11,00 10,11 4,40 330,00 25,60 Jun 20 1,19 104,00 0,93 1,28 1,14 11,00 10,08 4,38 325,00 25,55 Quellen: Bloomberg Finance LP, Deutsche Bank Research Schwache Konjunktur und Groko-Turbulenzen 23 | 4. November 2019 Ausblick Deutschland Deutschland: Datenmonitor DX Q4 2018 Q1 2019 Q2 2019 Q3 2019 Q4 2019 Mai 2019 Jun 2019 Jul 2019 Aug 2019 Sep 2019 Okt 2019 Konjunkturumfragen Gesamtwirtschaft ifo Geschäftsklima 102,1 99,6 98,4 94,9 98,2 97,5 95,9 94,3 94,6 94,6 ifo Geschäftserwartungen 98,4 94,9 94,8 91,4 95,2 94,0 92,1 91,3 90,9 91,5 Produzierendes Gewerbe ifo Verarbeitendes Gewerbe 101,6 98,0 95,1 90,9 95,6 94,2 91,5 90,7 90,6 91,0 Produktion (% gg. Vp.) -1,2 -0,7 -1,6 0,8 -1,3 -0,5 0,7 Auftragseingang (% gg. Vp.) 0,4 -4,2 -0,9 -2,0 2,7 -2,1 -0,6 Grad der Kapazitätsauslastung 87,1 86,3 85,3 83,9 82,6 Bauhauptgewerbe Produktion (% gg. Vp.) 0,1 3,9 0,6 -2,2 3,9 -1,8 -1,8 Auftragseingang (% ggü. Vp.) 10,0 -2,2 -5,3 -3,6 2,6 0,0 -2,6 ifo Bauhauptgewerbe 116,6 111,7 113,2 112,8 114,1 112,9 113,2 112,4 112,7 112,3 Konsumentennachfrage EC Konsumentenbefragung 0,4 -0,2 -1,7 -3,1 -1,4 -3,1 -2,9 -3,9 -2,4 -4,1 Einzelhandelsumsätze (% gg. Vp.) 0,4 2,0 0,1 0,6 -0,5 1,9 -0,4 -0,1 0,1 Neuzulassungen PKW (% gg. Vj.) -8,1 0,2 0,9 6,8 9,1 -4,7 4,7 -0,8 22,2 Außenhandel Auslandsaufträge (% gg. Vp.) 0,9 -5,2 1,4 -3,9 5,2 -4,2 0,9 Exporte (% gg. Vp.) 0,9 0,7 -1,8 1,4 -0,2 0,8 -1,5 Importe (% gg. Vp.) 0,0 0,4 -0,9 -0,4 1,3 -2,4 0,6 Nettoexporte (EUR Mrd.) 55,8 57,0 53,5 18,9 17,5 20,5 18,4 Arbeitsmarkt Arbeitslosenquote (%) 5,0 5,0 5,0 5,0 5,0 5,0 5,0 5,0 5,0 5,0 Veränderung Arbeitslosigkeit (Tsd. gg. Vp.) -48,0 -31,3 21,0 21,7 62,0 0,0 2,0 3,0 -9,0 7,0 Beschäftigung (% gg. Vj.) 1,2 1,1 1,0 0,8 1,0 0,9 0,8 0,8 0,7 ifo Beschäftigungsbarometer 104,2 102,4 100,6 98,8 100,3 100,0 99,5 98,1 98,9 98,7 Preise, Löhne und Arbeitskosten Preise HVPI (% gg. Vj.) 2,2 1,6 1,6 1,0 1,3 1,5 1,1 1,0 0,9 Kern-HVPI (% gg. Vj.) 1,4 1,5 1,5 0,9 0,9 1,5 0,9 0,8 1,0 Harmonisierter PPI (% gg. Vj.) Rohstoffe ohne Energie (% gg. Vj.) -0,3 1,5 0,2 6,3 -3,4 0,1 10,0 2,3 6,7 Rohöl, Brent (USD/Bbl) 68,8 63,8 68,6 62,1 70,3 63,2 64,4 59,6 62,3 59,6 Inflationserwartungen EC Haushaltsumfrage 34,3 31,7 33,8 33,7 35,4 33,4 34,0 35,6 31,5 34,0 EC Unternehmensumfrage 17,6 14,4 7,1 2,2 8,4 6,2 2,6 3,0 1,1 2,3 Lohnstückkosten (gg. Vj.) Lohnstückkosten 2,9 3,2 4,1 Arbeitnehmerentgelt je Arbeitnehmer 2,8 3,0 3,3 Arbeitnehmerentgelt je Stunde 2,2 2,5 4,1 Monetärer Sektor (gg. Vj.) M3 4,5 5,1 4,8 5,1 4,7 4,8 5,0 6,1 5,1 Trend von M3* 5,0 5,1 5,0 4,8 5,3 5,4 Kredite an Unternehmen und Privatpersonen 3,9 4,1 4,6 4,5 4,4 4,6 4,6 4,8 0,0 Kredite an öffentliche Haushalte -6,3 14,1 5,7 6,3 5,7 7,0 7,8 % gg. VP = Veränderung gegenüber der Vorperiode; * zentrierter 3M-Durchschnitt Quellen: Bundesagentur für Arbeit, Deutsche Bundesbank, Europäische Kommission, Eurostat, Statistisches Bundesamt, HWWI, ifo, Markit   A usblick Deutschland Unsere Publikationen finden Sie unentgeltlich auf unserer Internetseite www.dbresearch.de Dort können Sie sich auch als regelmäßiger Empfänger unserer Publikationen per E-Mail eintragen. Für die Print-Version wenden Sie sich bitte an: Deutsche Bank Research Marketing 60262 Frankfurt am Main Fax: +49 69 910-31877 E-Mail: marketing.dbr@db.com Schneller via E-Mail: marketing.dbr@db.com  Schwache Konjunktur und Groko-Turbulenzen ....... 4. November 2019  Klimapaket: Kein Kurswechsel in der Fiskalpolitik .................... 30. September 2019  Nur eine „technische Rezession“? Die Risiken sind entscheidend! .................................. 20. August 2019  Schwarz-Grün im Bund – schmerzhafte Kompromisse drohen ................................... 8. Juli 2019  Nicht über den Berg, Politik ist keine Hilfe ....................... 17. Mai 2019  Export und Autos bremsen die Konjunktur aus ................ 8. April 2019  Die Achillesferse der deutschen Wirtschaft ..................... 6. März 2019 © Copyright 2019. Deutsche Bank AG, Deutsche Bank Research, 60262 Frankfurt am Main, Deutschland. Alle Rechte vorbehalten. Bei Zitaten wird um Quellenangabe „Deutsche Bank Research“ gebeten. Die vorstehenden Angaben stellen keine Anlage-, Rechts- oder Steuerberatung dar. Alle Meinungsaussagen geben die aktuelle Einschätzung des Ver- fassers wieder, die nicht notwendigerweise der Meinung der Deutsche Bank AG oder ihrer assoziierten Unternehmen entspricht. Alle Meinungen kön- nen ohne vorherige Ankündigung geändert werden. Die Meinungen können von Einschätzungen abweichen, die in anderen von der Deutsche Bank veröffentlichten Dokumenten, einschließlich Research-Veröffentlichungen, vertreten werden. 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