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28. Oktober 2019
Die gute Nachricht in diesem Monat lautet: Die größten Abwärtsrisiken für die Weltwirtschaft haben sich abgeschwächt. Bei den Brexit-Verhandlungen wurden Fortschritte erzielt und im Handelskonflikt zwischen den USA und China sind beide Seiten derzeit eher an Gesprächen als an einer weiteren Verschärfung der Spannungen interessiert. Allerdings sind zahlreiche handelspolitische Fragen noch ungelöst und dürften es auch noch einige Zeit lang bleiben. [mehr]
Weltwirtschaftlicher Ausblick – Kurzfassung Schutz vor dem Sturm 28. Oktober 2019 Autoren: quinn.brody@db.com, jim.reid@db.com 28. Oktober 2019 Internet: www.dbresearch.de Makroprognosen Welt — Das Wachstum der Weltwirtschaft hat sich in diesem Jahr deutlich verlangsamt, bleibt jedoch positiv. Für 2019 prognostizieren wir ein Wachstum von 3,1% und für 2020 eine leichte Beschleunigung auf 3,2%. — Koordinierte Lockerungsmaßnahmen der Zentralbanken dürften den Abschwung zwar dämpfen, ihn aber nicht vollständig abwenden können. — Sowohl beim Brexit als auch bei den Handelsgesprächen zwischen den USA und China hat sich die Situation positiv entwickelt, woraus sich gewisse Aufwärtsrisiken ergeben. Dennoch überwiegen insgesamt nach wie vor die Abwärtsrisiken. Bei beiden Themen könnte sich die Lage wieder eintrüben und in Europa oder China ist eine deutlichere Konjunkturverlangsamung möglich. USA — Das Wachstum verlangsamt sich in Richtung der Potenzialrate. Die Prognose für das Gesamtjahr 2019 bleibt bei 2,2%; 2020 ist mit einer Verlangsamung auf 1,5% (d.h. etwa die Trendrate) zu rechnen. — Die handelspolitischen Spannungen dämpfen die Investitionen und die Stimmung bleibt trübe; die Frühindikatoren deuten auf eine weitere Konjunkturabschwächung hin. Außerdem löst die Tatsache Besorgnis aus, dass ersten Anzeichen zufolge inzwi- schen auch der Dienstleistungssektor in Mitleidenschaft gezogen wird. — Die Fundamentaldaten für den Konsum sind abgesehen vom Handel relativ solide; al- lerdings schwächt sich die Lage am Arbeitsmarkt ab. Darauf deuten die Beschäfti- gungsentwicklung, die Zahl der Arbeitsstunden und die Zahl der Überstunden hin. — Die Inflation verharrt unter dem Zielwert der Fed und die Erwartungen sind gesunken. Unter anderem ist die Erwartungskomponente der Umfrage der Universität Michigan auf einen Allzeittiefstand gefallen. — Die Hauptaufwärts- bzw. -abwärtsrisiken für unsere Prognose gehen vom Handels- konflikt aus. Eine Lösung könnte zu einem Anstieg der Investitionen führen, eine wei- tere Eskalation dagegen die Wirtschaft in eine Rezession stürzen. Euroraum — Wir sind inzwischen pessimistischer für den Euroraum. Wir haben unsere Wachs- tumsprognose für 2020 auf 0,8% gesenkt, da wir im Winterhalbjahr mit wirtschaftlicher Stagnation rechnen. — Ersten Anzeichen zufolge greift die Abschwächung im Verarbeitenden Gewerbe auf den Dienstleistungssektor über: Die Stimmungsindizes sinken und der Beschäfti- gungsaufbau verlangsamt sich. Dennoch bleibt der Arbeitsmarkt vorerst eine Konjunk- turstütze. Schutz vor dem Sturm Autoren: quinn.brody@db.com, jim.reid@db.com 28. Oktober 2019 Internet: www.dbresearch.de — Rezessionsrisiken werden durch den robusten Arbeitsmarkt und lockere Finanzie- rungsbedingungen verschleiert. Die Finanzierungsbedingungen der Banken dämpfen die Entwicklung jedoch weiterhin, auch wenn sich die Marktbedingungen verbessert haben. Damit entsteht ein Dilemma für die EZB. — Die Risiken sind recht hoch, da die Unsicherheit beim Thema Brexit ungeachtet des möglichen Übereinkommens anhält und bisher keine Lösung im Handelskonflikt ge- funden wurde. Nach wie vor könnten die USA Zölle auf die Autoexporte der EU ver- hängen. China — Das Wachstum in China verlangsamt sich; es besteht jedoch noch Spielraum für eine moderate Unterstützung durch die Politik. Für das Gesamtjahr 2019 prognostizieren wir nunmehr ein Wachstum von 6,2%, das sich 2020 auf 5,9% verlangsamen dürfte. — Die Einkaufsmanagerindizes und die Infrastrukturinvestitionen lassen erste Anzeichen für eine Wachstumsstabilisierung erkennen; die bisherigen Lockerungsmaßnahmen wirken sich inzwischen auf die Konjunktur aus. — Die Inflation ist bereits hoch und dürfte sich noch beschleunigen, was nahezu aus- schließlich auf die Preisentwicklung für Schweinefleisch zurückzuführen ist. Wir prog- nostizieren für das Jahresende eine Inflationsrate von 3,5%; im Jahr 2020 ist dann mit einer Verlangsamung zu rechnen. — Im Handelskonflikt wurden Fortschritte erzielt. Dennoch könnten die Gespräche noch scheitern und der Konflikt könnte sich über den Handel hinaus auf die Bereiche Finan- zen, Technologie, Sicherheit oder andere Sektoren ausweiten. Schwellenländer — Das Wachstum der Schwellenländer dürfte in diesem Jahr mit 4,1% deutlich niedriger liegen als 2018 und sich im Jahr 2020 auf 4,5% erholen. Die stagnierende Produktion wird durch Stimulusmaßnahmen über Wasser gehalten. — In Lateinamerika und dem Raum Mittel- und Osteuropa/Naher Osten/Afrika dürfte die Wachstumsrate für 2019 um knapp 1%-Punkt unter dem Wert von 2018 liegen. In bei- den Regionen sollten politische Impulse jedoch im nächsten Jahr zu einer erneuten Belebung führen. — In Asien wirken die Wachstumsverlangsamung in China und der anhaltende Handels- konflikt dämpfend; für dieses Jahr erwarten wir lediglich ein Wachstum von 5,4%. Die Erholung im kommenden Jahr sollte deutlich schwächer ausfallen als in anderen Re- gionen; wir prognostizieren für 2020 ein Wachstum von 5,5%. — Nach wie vor überwiegen die Abwärtsrisiken; die Handelsgespräche zwischen den USA und China könnten noch scheitern und in zahlreichen Ländern und Regionen be- stehen landesspezifische Risiken. Geldpolitik — Fed: Fed: Drei weitere Zinssenkungen (Okt., Dez. und Jan.) — EZB: Lockerungspaket im vergangenen Monat wie erwartet; weitere Zinssenkung im Dezember möglich — BoJ: Abwartend, Zielrenditen für Renditekurvenkontrolle unverändert, möglicherweise bis deutlich ins Jahr 2020 hinein — BoE: Keine Zinserhöhung in diesem Jahr; geldpolitischer Kurs hängt in hohem Maße vom Brexit ab — PBoC: Weiterhin konservativ, kurzfristig keine Lockerung — Schwellenländer: Mehrere Zentralbanken senken Zinsen Wichtige Abwärtsrisiken — Handelskonflikt: Ausweitung des Handelskonflikts zwischen den USA und China und Zölle auf europäische Produkte (Autos) würden globalen Handel dämpfen und die Weltwirtschaft merklich in Mitleidenschaft ziehen Schutz vor dem Sturm Autoren: quinn.brody@db.com, jim.reid@db.com 28. Oktober 2019 Internet: www.dbresearch.de — Rezession: Anhaltende bzw. deutlich sichtbarere Wachstumsschwäche in China und Europa und entsprechende Rezession/deutliche Korrektur an den Finanzmärkten — Geopolitische Risiken: Zunehmende Spannungen zwischen USA und Türkei, zwi- schen Iran und Saudi-Arabien oder zwischen anderen Ländern können für Unsicher- heit sorgen — Crash-Brexit: Das Risiko eines „No-deal-“Brexit ist gesunken. Die beiden großen Par- teien sprechen sich für ein Abkommen aus, sodass die mit vorzeitigen Neuwahlen ein- hergehenden Risiken sinken Schlüsselthemen — Lockerung der Geldpolitik: Wichtige Zentralbanken lockern ihre Geldpolitik und dürften dies auch in den kommenden Monaten tun, was das Wachstum stützen sollte. — Handelskonflikt: Im Konflikt zwischen den USA und China hat sich die Lage ent- spannt. Allerdings droht Trump nach wie vor mit Zollerhöhungen im Dezember und es wurde noch kein Abkommen geschlossen. — Brexit: Im Basisszenario gehen wir nach wie vor von Neuwahlen noch in diesem Jahr aus. Nach den jüngsten Durchbrüchen sind wir jedoch optimistischer; inzwischen ist ein Weg hin zu einem Abkommen zu erkennen. Marktprognosen Marktstimmung — Fortschritte beim Brexit und in der Handelspolitik verringern die drängendsten Abwärtsrisiken — Kurzfristig bestehen angesichts der aktuellen Bewertungen und Positionierungen Risiken Aktien — Die Rallye dürfte sich fortsetzen, wenn das Wachstum bald die Talsohle erreicht und sich im kommenden Jahr wieder belebt — Kurzfristig sind wir jedoch wegen der erhöhten Positionierungsrisiken vorsichtig Staatsanleihen — Wir rechnen mit einer Rallye am kurzen Ende, wenn die Fed die Zinsen weiter senkt; das lange Ende dürfte durch technische Faktoren und eine Erholung der Fundamen- taldaten gestützt werden — Innerhalb des Markts für europäische Staatsanleihen setzen wir auf Relative-Value- Trades Devisen — Der Dollar dürfte seinen Höchststand erreicht und der Euro die Talsohle durchschrit- ten haben — Die Fed verfügt über mehr Zinssenkungsspielraum; Europas Außenwirtschaftssalden sind stärker — Außerdem setzen wir auf den australischen Dollar und den russischen Rubel und sind pessimistisch für asiatische Schwellenländerwährungen Schutz vor dem Sturm Autoren: quinn.brody@db.com, jim.reid@db.com 28. Oktober 2019 Internet: www.dbresearch.de Unternehmensanleihen — Unternehmensanleihen sollten vom Schwinden wichtiger Abwärtsrisiken profitieren; angesichts hoher Bewertungen und des unsicheren Ausblicks sind wir jedoch vorsichtig — Wir rechnen 2020 mit einer deutlichen Ausweitung Schwellenländer — Weithin lockere Geldpolitik sorgt für günstiges Umfeld; langsames Wachstum und lan- desspezifische Risiken begrenzen Performancechancen jedoch auf die Carry — Wir sind in Bezug auf Schwellenländerwährungen weniger pessimistisch, wählen aber innerhalb der Assetklasse genau aus Öl — Die US-Förderung dürfte im kommenden Jahr zwar zurückgehen, wir sehen jedoch keinen Aufwärtstrend bei den Preisen — Die OPEC hat ihre Förderung bereits deutlich gesenkt, was weitere koordinierte Kür- zungen schwierig machen dürfte Schutz vor dem Sturm Autoren: quinn.brody@db.com, jim.reid@db.com 28. Oktober 2019 Internet: www.dbresearch.de Wichtige Makro- und Marktprognosen BIP-Wachstum (%) Wichtige Marktkennzahlen 2018 2019P 2020P Aktuell Q3 19P Q4 19P Global 3,8 3,1 3,2 US 10J-Renditen (%) 1,73 2,05 2,15 USA 2,9 2,2 1,5 EUR 10J-Renditen (%) -0,56 -0,35 -0,30 Euroraum 1,9 1,1 1,0 EUR/USD 1,10 1,10 1,13 Deutschland 1,5 0,3 0,7 USD/JPY 108 108 105 Japan 0,8 0,9 -0,1 S&P 500 2.989 3.175 3.250 Großbritannien 1,4 1,2 1,3 Gold (USD/Unze) 1.494 1.488 1.488 China 6,6 6,2 5,9 Oil WTI (USD/Barrel) 56,1 62,0 60,0 Oil Brent (USD/Barrel) 61,1 70,0 68,0 Aktuelle Preise vom 22.10.2019 Leitzinsen (%) Aktuell 2019P 2020P USA 1,88 1,38 1,13 Euroraum -0,50 -0,60 -0,60 Japan -0,10 -0,10 -0,10 Großbritannien 0,75 0,75 1,00 China 3,30 3,00 Indien 5,40 4,90 4,75 Original in englischer Sprache: 22. Oktober 2019 © Copyright 2019. Deutsche Bank AG, Deutsche Bank Research, 60262 Frankfurt am Main, Deutschland. Alle Rechte vorbehalten. Bei Zitaten wird um Quellenangabe „Deutsche Bank Research“ gebeten. 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