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11. Mai 2021
Die Voraussetzungen für eine kräftige Expansion der deutschen Wirtschaft im Sommerhalbjahr manifestieren sich: Die weltweite Nachfrage belebt sich deutlich und die Impfkampagne nimmt endlich Fahrt auf. Angesichts des schwächer als erwartet ausgefallenen Rückgangs des BIP in Q1 (-1,7%) und der Aufwärtsrevisionen für H2 2020 haben wir unsere BIP-Prognose für 2021 von 3,7% auf 4,0% angehoben. Derweil hängen die Wahlumfragen in der Schwebe. Die Nominierungen von Annalena Baerbock und Armin Laschet als Kanzlerkandidaten haben den Grünen klar zu einem Aufschwung verholfen. Der aktuelle Stimmungsumschwung in der Wählerschaft lässt eine ganze Reihe von Koalitionsoptionen zu. [mehr]
Ausblick Deutschland Deutsche Wirtschaft startklar für den Aufschwung. Die Voraussetzungen für eine kräftige Expansion der deutschen Wirtschaft im Sommerhalbjahr manifes tieren sich: Die weltweite Nachfrage belebt sich deutlich und die Impfkampagne nimmt endlich Fahrt auf. Der sprunghafte Anstieg der Einzelhandelsumsätze im März (+7,7% gg. Vm.) deutet unseres Erachtens auf einen Nachfragestau hin. Da die Lockdown-Einschränkungen für vollständig Geimpfte bzw. negativ Ge testete zurückgenommen werden, sollten die Auswirkungen des Lockdowns bis Ende Mai deutlich schwächer werden. Diese Entwicklungen stehen im Einklang mit unseren früheren Prognosen. Da das BIP in Q1 schwächer als erwartet zu rückgegangen ist (-1,7% gg. Vq.) und die Zahlen für H2 2020 nach oben revi diert wurden, haben wir unsere BIP-Prognose für 2021 von 3,7% auf 4,0% an gehoben. Die Inflation ist stärker gestiegen als zuvor angenommen, infolge hö herer Energiepreise und der Basiseffekte der vorübergehenden Mehrwert- steuersenkung im vergangenen Jahr. Wir rechnen jetzt mit einer durchschnittli chen Inflationsrate (nationale Definition) von 2,5% im Jahr 2021 (Prognose zu vor: 2,2%). Die Homeoffice-Quote dürfte in wenigen Jahren ihr Maximum erreichen . Die Verordnungen während der Corona-Pandemie dürften die Homeoffice-Quote um rund 7%-Punkte erhöht haben. Der Homeoffice-Boom beruht aber nicht nur auf einer üppigen Ausweitung der Quote, sondern auch auf der intensiveren Nutzung durch diejenigen, die zuvor schon von zu Hause aus arbeiten konnten und dies nun stärker in Anspruch nehmen. Mit dem Ende der akuten Infektions gefahr dürften sich die Büros erst einmal wieder füllen, da der Wunsch nach mehr und vor allem persönlicher Kommunikation besteht. Infolge der positiven Erfahrungen dürfte die Homeoffice-Quote mittelfristig aber wieder steigen. Sie dürfte dann ein Maximum von etwa 35% erreichen, unterhalb ihres tatsächli chen Potenzials von gut 45%. Koalitionsoptionen: Alles ist möglich - zumindest rechnerisch. Die Nominierung von Annalena Baerbock und Armin Laschet als Kanzlerkandidaten hat die Grü nen in den Umfragen beflügelt. Sie dürften nicht nur der Königsmacher der nächsten Regierung werden, sondern könnten selbst die Kanzlerin stellen. Die jüngsten Umfragen eröffnen ein Bündel an Koalitionsoptionen, wobei eine Koali tion mit der AfD von allen ausgeschlossen wurde. Uns erscheint eine schwarz grüne Koalition derzeit noch etwas wahrscheinlicher als eine von den Grünen geführte Ampel. Es bleibt abzuwarten, ob der Höhenflug der Grünen bis zum Wahltag anhält, da die Positionen der Partei im Wahlkampf sicher kritisch hin terfragt werden. Autoren Barbara Böttcher +49 69 910-31787 barbara.boettcher@db.com Jochen Möbert +49 69 910-31727 jochen.moebert@db.com Marion Mühlberger +49 69 910-31815 marion.muehlberger@db.com Marc Schattenberg +49 69 910-31875 marc.schattenberg@db.com Stefan Schneider +49 69 910-31790 stefan-b.schneider@db.com Editor Stefan Schneider Deutsche Bank AG Deutsche Bank Research Frankfurt am Main Deutschland E-Mail: marketing.dbr@db.com Fax: +49 69 910-31877 www.dbresearch.de DB Research Management Stefan Schneider Inhaltsverzeichnis Seite Prognosen ................................................... 2 Deutsche Wirtschaft startklar für den Aufschwung ................................................. 3 Die Homeoffice-Quote dürfte in wenigen Jahren ihr Maximum erreichen .................... 6 Koalitionsoptionen: Alles ist möglich - zumindest rechnerisch ............................... 10 Datenkalender ........................................... 14 Datenmonitor ............................................ 15 Finanzmarktprognosen ............................. 16 Original in englischer Sprache: 7. Mai 2021 11. Mai 2021 Deutsche Wirtschaft startklar für den Aufschwung Wahlumfragen hängen in der Schwebe Deutsche Wirtschaft startklar für den Aufschwung 2 | 11. Mai 2021 Ausblick Deutschland Wachstum, Inflation, Leistungsbilanz, Budgetsaldo DX BIP-Wachstum Inflation* Leistungsbilanzsaldo Budgetsaldo in % gg. Vj. in % gg. Vj. in % des BIP in % des BIP 2020 2021P 2022P 2020 2021P 2022P 2020 2021P 2022P 2020 2021P 2022P Euroland -6,7 4,6 4,8 0,3 1,7 1,1 2,0 2,3 2,6 -7,2 -7,4 -4,6 Deutschland -4,9 4,0 4,2 0,4 2,3 1,1 7,1 6,2 5,9 -4,2 -5,9 -1,7 Frankreich -8,2 6,2 4,5 0,5 1,4 1,3 -2,5 -1,5 -0,9 -9,2 -6,7 -4,1 Italien -8,9 4,9 5,1 -0,1 0,9 0,7 3,6 3,4 2,7 -9,5 -10,0 -8,3 Spanien -10,8 6,3 7,4 -0,3 1,3 0,8 2,0 2,8 2,8 -11,0 -9,2 -5,3 Niederlande -3,8 1,5 2,8 1,1 1,5 1,3 10,0 10,2 9,5 -8,0 -7,9 -6,2 Belgien -6,3 4,2 3,9 0,4 1,7 1,2 0,0 -0,1 -0,7 -12,7 -9,4 -10,1 Österreich -6,6 2,9 5,1 1,4 1,4 0,5 2,1 2,6 2,8 -9,6 -7,2 -2,9 Finnland -2,8 2,2 3,0 0,4 1,9 0,9 -0,2 -0,5 -1,0 -8,0 -5,9 -4,1 Griechenland -10,0 2,0 6,1 -1,3 -0,6 0,0 -7,4 -5,4 -4,2 -9,6 -7,2 -7,4 Portugal -7,6 4,6 4,6 -0,1 1,2 0,9 -1,3 -0,5 -0,5 -9,1 -6,3 -6,8 Irland 2,5 3,5 5,1 -0,5 1,3 0,2 5,0 7,5 10,0 -7,1 -5,7 -2,8 Großbritannien -9,8 6,0 4,8 0,9 1,7 1,6 -3,1 -4,5 -5,1 -14,5 -8,9 -4,4 Dänemark -2,7 3,5 2,5 0,3 1,0 1,2 7,8 6,8 7,0 -1,1 -2,6 -1,9 Norwegen -1,3 3,5 2,7 1,3 2,8 1,9 1,9 4,0 4,2 -3,4 2,0 4,1 Schweden -3,0 3,3 3,0 0,7 1,2 1,4 5,2 4,2 4,0 -3,1 -2,5 -1,5 Schweiz -3,0 3,7 2,8 -0,7 0,1 0,4 3,8 8,9 9,6 -2,6 -1,7 -0,7 Tschech. Rep. -5,6 3,9 4,3 3,2 2,4 2,3 1,1 0,3 0,1 -6,2 -6,3 -5,0 Ungarn -5,0 4,7 5,2 3,3 3,8 4,0 -0,8 -0,5 -0,5 -8,1 -5,8 -4,5 Polen -2,7 4,5 4,0 3,4 3,5 3,6 3,5 1,9 1,2 -4,8 -3,7 -3,3 USA -3,5 7,0 4,7 1,2 3,0 2,1 -3,1 -3,5 -3,5 -15,4 -14,3 -5,6 Japan -4,9 2,7 2,3 0,0 0,2 0,6 3,3 4,4 4,5 -17,0 -13,3 -8,5 China 2,3 9,5 5,8 2,5 1,4 2,3 1,9 2,5 2,0 -6,2 -5,0 -4,2 Welt -3,2 6,3 2,6 3,3 *Die Inflationsprognosen für Euroland sowie für die EWU-Mitgliedsstaaten (harmonisierter Verbraucherpreisindex) berücksichtigen Monatszahlen für Januar 2021 noch nicht Quellen: Nationale Behörden, Nationale Zentralbanken, Deutsche Bank Prognosen Deutschland: BIP-Wachstum nach Komponenten, % gg.Vq., Jahresdaten % gg.Vj. 2020 2021 2019 2020 2021P 2022P Q1 Q2 Q3 Q4 Q1P Q2P Q3P Q4P BIP 0,6 -4,9 4,0 4,2 -2,0 -9,7 8,7 0,5 -1,7 2,0 4,0 1,5 Privater Konsum 1,6 -6,1 -0,3 4,7 -2,3 -11,0 10,8 -3,3 -4,6 2,2 5,8 0,8 Staatsausgaben 2,7 3,3 2,2 0,3 0,6 2,1 0,6 -0,5 1,5 0,2 0,2 0,2 Anlageinvestitionen 2,5 -3,1 4,0 4,8 -0,8 -6,6 3,9 1,0 -0,4 2,2 2,0 1,6 Ausrüstungen 0,5 -12,1 10,1 6,4 -6,9 -15,1 15,9 -0,1 2,0 2,0 4,0 3,0 Bau 3,8 1,9 0,8 3,6 4,3 -4,3 -1,3 1,8 -2,0 3,0 1,0 0,8 Lager, %-Punkte -0,7 -0,8 -0,7 -0,6 0,0 0,0 -2,0 1,4 -0,3 0,2 -0,1 0,0 Exporte 1,0 -9,4 15,6 8,0 -3,3 -20,4 18,0 4,5 -1,0 9,1 5,0 3,0 Importe 2,6 -8,5 11,1 7,6 -2,0 -15,9 9,0 3,7 -2,0 10,1 4,2 2,0 Nettoexport, %-Punkte -0,6 -0,9 2,6 0,8 -0,7 -2,9 3,9 0,6 0,4 0,2 0,7 0,7 Konsumentenpreise (VPI)* 1,4 0,5 2,5 1,5 Arbeitslosenquote, % 5,0 5,9 6,0 5,9 Industrieproduktion** -4,2 -9,6 8,0 5,0 Budgetsaldo, % BIP 1,5 -4,2 -5,9 -1,7 Öffentlicher Schuldenstand, % BIP 59,7 69,8 72,6 69,8 Leistungsbilanzsaldo, % BIP 7,1 7,1 6,2 5,9 Leistungsbilanzsaldo, EUR Mrd. 267,1 220,6 215 212 *Inflationsdaten für Deutschland basieren auf nationaler Abgrenzung (VPI). Dies kann zu Diskrepanzen zu anderen DB Publikationen (HVPI) führen. ** Verarbeitendes Gewerbe (NACE C) Quellen: Statistisches Bundesamt, Deutsche Bundesbank, Arbeitsagentur, Deutsche Bank Research Deutsche Wirtschaft startklar für den Aufschwung 3 | 11. Mai 2021 Ausblick Deutschland Deutsche Wirtschaft startklar für den Aufschwung - Die Voraussetzungen für eine kräftige Expansion der deutschen Wirtschaft im Sommerhalbjahr manifestieren sich: Die weltweite Nachfrage belebt sich deutlich, und die Impfkampagne nimmt endlich Fahrt auf. - Der sprunghafte Anstieg der Einzelhandelsumsätze im März (+7,7% gg. Vm.) deutet unseres Erachtens auf einen Nachfragestau hin. Und da die Lockdown-Einschränkungen für vollständig Geimpfte bzw. negativ Getes tete zurückgenommen werden, sollten die Auswirkungen des Lockdowns bis Ende Mai deutlich schwächer werden. - Diese Entwicklungen stehen im Einklang mit unseren früheren Prognosen. Da das BIP in Q1 schwächer als erwartet zurückgegangen ist (-1,7% gg. Vq.) und die Zahlen für H2 2020 nach oben revidiert wurden, haben wir un sere BIP-Prognose für 2021 von 3,7% auf 4,0% angehoben. - Die Inflation ist stärker gestiegen als zuvor angenommen, infolge höherer Energiepreise und der Basiseffekte der vorübergehenden Mehrwertsteuer senkung im vergangenen Jahr. Wir rechnen jetzt mit einer durchschnittli chen Inflationsrate (nationale Definition) von 2,5% im Jahr 2021 (Prognose zuvor: 2,2%). Kräftige außenwirtschaftliche Dynamik Seit November 2020 ist der Welthandel real im Vormonatsvergleich durch schnittlich um 1,0% gewachsen. Im Februar lag sein Volumen um 3,6% über dem Vor-COVID-19-Niveau. Die Dynamik könnte allerdings in nächster Zeit durch Engpässe bei den Transportkapazitäten gedämpft werden. Im Vergleich zu Q4 2019 ist der Baltic Dry Index um 60% angestiegen, die Preise am Contai nermarkt von Schanghai haben sich im selben Zeitraum nahezu verdreifacht, und die zunehmend synchron verlaufende weltweite Erholung sollte im Sommer zweistellige Zuwachsraten ermöglichen. Der Frühindikator der Deutschen Bun desbank für die globale Industrieproduktion ist in den vergangenen Monaten deutlich angestiegen. Dieser Index ist wiederum ein guter Frühindikator für die deutschen Exportaufträge. Die moderate Korrektur der Exportkomponente des Einkaufsmanagerindex PMI im April (von 69,1 auf 67,5) könnte ein erster Hin weis auf Engpässe bei den Transportkapazitäten sein. Die vorlaufenden ifo-Ex porterwartungen liegen allerdings lediglich um zwei Punkte unter ihrem im Ja nuar 2011 erreichten Allzeithoch. Die Exporterwartungen für Kapitalgüter kletter ten im April sogar auf einen neuen Allzeithöchststand. COVID-19: Dritte Welle bricht; voraussichtlich umfangreiche Öff nungen im Mai Die Anzeichen mehren sich, dass der Höhepunkt der dritten Welle hinter uns liegt. Die Sieben-Tages-Inzidenzrate ist von 197 pro 100.000 Einwohner Ende Dezember auf mittlerweile 119,1 (10. Mai) gesunken. Angesichts der wärmeren Witterung und der Impffortschritte - am 9. Mai hatten 32,8% der Gesamtbevöl kerung ihre Erstimpfung erhalten und 9,4% waren bereits vollständig geimpft - dürfte die Sieben-Tage-Inzidenzrate in den kommenden Wochen auf unter 50 sinken, sofern keine aggressiveren Mutationen auftreten. Vor Kurzem wurde eine deutliche Lockerung der Einschränkungen für vollständig Geimpfte und Ge nesene beschlossen. 15 25 35 45 55 65 75 -60 -50 -40 -30 -20 -10 0 10 20 30 2017 2018 2019 2020 2021 Welthandel (links) ifo Exporterwartungen Neue Exportaufträge % gg. Vj Index Quellen: ifo, IHS Markit, CPB, EU- Kommission Exportausblick weiterhin positiv 1 0 500 1000 1500 2000 2500 3000 3500 16 17 18 19 20 Shanghai Containerized Freight Index (SCFI) Baltic Exchange Dry Index (BDIY) Frachtraten im Zuge der globalen Erholung kräftig gestiegen 2 Quellen: Bloomberg Finance LP, Shanghai Shipping Index (Monatsdurchschnitt) 0 5 10 15 20 25 30 Feb 20 Jun 20 Okt 20 Feb 21 Quelle: RKI Sinkende Fallzahlen in der dritten Welle 3 Tägliche bestätigte COVID-19-Fälle in Deutschland, gleitender 7-Tage-Schnitt, '000 Deutsche Wirtschaft startklar für den Aufschwung 4 | 11. Mai 2021 Ausblick Deutschland BIP-Rückgang in Q1 vor allem aufgrund des schwächeren privaten Konsums Den verbalen Kommentaren des Statistischen Bundesamts zufolge wurde das BIP in Q1 (-1,7% gg. Vq., Details zu den Unterkomponenten am 25. Mai) vor al lem durch den privaten Konsum gedämpft; die Einzelhandelsumsätze gingen um 6,9% gg. Vq. zurück. Der Außenbeitrag leistete dagegen einen positiven Wachstumsbeitrag. Bereits in Q1 hat sich die Diskrepanz zwischen der sich be schleunigenden Exportnachfrage und der durch die COVID-19-Einschrän kungen gedämpften Binnennachfrage wieder verringert. Nach einem Einbruch um 8,0% bzw. 6,2% gg. Vm. im Dezember bzw. Januar stiegen die Einzelhan delsumsätze im Februar bereits um 2,7% und im März dann sogar um 7,7% an. Die Zahl der Pkw-Neuzulassungen (90% gg. Vj.) steigt von Monat zu Monat et was an. Im Dienstleistungssektor haben sich die Umfrageergebnisse im April leicht verschlechtert, bleiben aber im neutralen (Einkaufsmanagerindex PMI: 49,9) bzw. sogar im leicht positiven Bereich (ifo Geschäftsklima Dienstleistungs sektor (Salden): 3,5). Sektorale Engpässe dämpften die Industrieproduktion in Q1 trotz prall gefüllter Auftragsbücher Die Auftragseingänge steigen seit Jahresbeginn zunehmend schneller an (nach 0,8% im Januar wurde der Wert für Februar von 1,2% auf 1,4% nach oben korri giert). Im März war der Anstieg vor allem auf Großaufträge zurückzuführen, bei denen ein Zuwachs um 1,6% verzeichnet werden konnte. Die Rate gegenüber dem Vorjahr schnellte auf 27,8% in die Höhe, was ganz klar auf einen beträchtli chen Basiseffekt wegen des Lockdowns im Jahr 2020 zurückzuführen ist. Auch im Vergleich zum Februar 2020, also dem Monat vor dem Beginn der COVID 19-Krise, sind die Auftragseingänge jedoch um 9,1% angestiegen. Trotz der äußerst guten Auftragslage ging die Produktion im Verarbeitenden Gewerbe in Q1 leicht um knapp 0,3% gg. Vq. zurück. Hauptgrund dafür sind Lieferengpässe bei Vorprodukten, wodurch der Ausstoß in der Autoindustrie zu rückging (-12,2% gg. Vq.). Zum Beispiel im Maschinenbau (+6% gg. Vq.) und in der Elektrotechnik (+3,8% gg. Vq.) stieg die Produktion dagegen in Q1 merklich an. Die deutsche Autoindustrie scheint sich aus der COVID-19-Krise herauszuarbei ten. Die Stimmung hellte sich im April sowohl bei den Autoherstellern selbst als auch bei den Zulieferern weiter deutlich auf und ist inzwischen so optimistisch wie seit zwei Jahren nicht mehr. Dazu trägt eine lebhafte Nachfrage bei, auf grund derer die Auftragseingänge weiter angestiegen sind. Die Kapazitätsaus lastung ist auf 91,1% angestiegen. Gleichzeitig klagten mehr als die Hälfte der Unternehmen über Lieferengpässe. Vor allem die begrenzte Verfügbarkeit von Siliziumchips führte in einigen Werken zu Kurzarbeit. Nichtsdestotrotz geht die Zahl der Kurzarbeiter jedoch weiter zurück und lag im April noch bei 45.000. Im Vorjahr waren auf dem Höhepunkt der COVID-19-Krise 560.000 Menschen in Kurzarbeit gewesen. Die Tatsache, dass die verschiedenen politischen Parteien einander mit immer strikteren CO 2 -Senkungszielen überbieten wollen, könnte die Unternehmensstimmung jedoch in den kommenden Monaten belasten. Im Baugewerbe belebt sich die Aktivität nach dem witterungsbedingt schwachen Jahresauftakt wieder. Trotz des deutlichen Anstiegs der Produktion im März (10,8% gg. Vm.) zeichnet sich für das erste Quartal insgesamt ein Rückgang um knapp 4% gg. Vq. ab. In den kommenden Monaten könnte sich der jüngste Auf wärtstrend konsolidieren, wenngleich Angebotsengpässe und Preissteigerungen für Baustoffe und die anhaltende Knappheit an Fachkräften die Stimmung wie der zunehmend dämpfen sollten. -15 -10 -5 0 5 10 15 -10 -6 -2 2 6 10 17 18 19 20 21 gg. Vq. (links) gg. Vj. (rechts) Prognose Mit Lockerung der Einschränkungen dürfte die Konjunktur an Fahrt gewinnen Quellen: Statistisches Bundesamt, Deutsche Bank Research % % 4 110 115 120 125 130 -50 -40 -30 -20 -10 0 10 20 30 40 2018 2019 2020 2021 Auftragsbestand (rechts) Inländische Aufträge Ausländische Aufträge % gg. Vj. Index Quelle: Deutsche Bundesbank Industrie: Aufragsbücher prall gefüllt 5 -80 -60 -40 -20 0 20 40 60 80 100 Jan 20 Apr 20 Jul 20 Okt 20 Jan 21 Apr 21 % gg. Vj. PKW-Neuzulassungen gewinnen Dynamik 6 Quelle: Haver Analytics LP Deutsche Wirtschaft startklar für den Aufschwung 5 | 11. Mai 2021 Ausblick Deutschland Höhepunkt der Wachstumsdynamik im Sommer Die Quartalswachstumsraten dürften sich in Q3 auf rund 4% gg. Vq. beschleuni gen. Allerdings hat sich im vergangenen Jahr gezeigt, wie schwierig es ist, die Wachstumsdynamik bei einer erneuten Öffnung der Wirtschaft vorauszusagen. Dieses Mal lässt die lebhafte Exportnachfrage darauf schließen, dass die Auf wärtsrisiken überwiegen. Daher wird die jüngste Aufwärtskorrektur der jährli chen BIP-Wachstumsrate für 2021 auf 4% möglicherweise nicht die letzte gewe sen sein. Preisanstieg um 2 ½% im Jahr 2021 Die Gesamtinflationsrate (nationale Definition) setzt ihren Aufwärtstrend fort; im April lag sie bei 2% gg. Vj. Seit Februar sind die Preise saisonal bereinigt im Durchschnitt um 0,3% gg. Vm. angestiegen. Diese Aufwärtsdynamik ist zu ei nem großen Teil auf die Energiepreise zurückzuführen, bei denen sich die Infla tionsrate inzwischen auf 7,9% gg. Vj. beläuft. Die Kerninflationsrate ist in den vergangenen Monaten mit durchschnittlich 0,1% gg. Vm. moderater angestie gen. Der Anstieg gg. Vj. schwankt zwischen 1,3% und 1,4%. Wie in anderen Ländern sind die Input- und Output-Preiskomponenten des Einkaufsmanagerin dex PMI in die Höhe geschnellt. Die Input-Preiskomponente für das Verarbei tende Gewerbe kletterte im April auf 84,3 (der Allzeithöchststand wurde im Feb ruar 2011 bei 88,0 erreicht) und die Output-Preiskomponente erreichte mit 64,4 sogar ihren zweiten Allzeithöchststand in Folge. Im Dienstleistungssektor hat ebenfalls ein Anstieg der Inputpreise eingesetzt, bei den Output-Preisen ist je doch bisher nur wenig Bewegung zu verzeichnen. Die Verbraucherpreiserwartungen sind nach dem Einbruch vom vergangenen Frühjahr zwar wieder angestiegen, liegen aber nicht nennenswert höher als in den vergangenen vier Jahren. Das Lohnwachstum wird nach wie vor durch die COVID-19-Pandemie gedämpft. Vor Beginn der Pandemie stiegen die Stunden löhne um knapp 2,5% gg. Vj. an. Anfang 2021 hatte sich diese Dynamik auf knapp 1,5% gg. Vj. verlangsamt. Steigende Rohstoffpreise und Lieferengpässe bei immer mehr Vorprodukten dürften den Kostendruck für deutsche Unterneh men erhöhen. Bspw. sind im Bausektor die Preiserwartungen laut ifo-Index in die Höhe geschnellt; im April wurde ein neuer Allzeithöchststand bei 40,5 er reicht (vorhergehende Höchstmarke vom August 2018: 34,8). Die lebhafte Nachfrage sollte in den kommenden Monaten dazu führen, dass die Unterneh men über eine größere Preissetzungsmacht verfügen. Zusammen mit dem Ba siseffekt aufgrund der Mehrwertsteuersenkung in H2 2020 dürfte die Kernrate daher in der zweiten Jahreshälfte in Richtung 2% ansteigen. Zum Jahresende hin könnte die Gesamtinflationsrate bei über 3% liegen. In H1 2022 werden die Auswirkungen des Mehrwertsteuer-Basiseffekts auslaufen, und der Preisauftrieb im Energiesektor sollte sich im Vorjahresvergleich merklich abflachen, sodass sich die Gesamtinflationsrate wieder in Richtung 1 ½% bewegen sollte. Die jüngsten Preissteigerungen könnten sich allerdings auf die Preiserwartungen der Verbraucher und damit auch auf das Lohnwachstum auswirken, wenn sich die Wirtschaft vollständig erholt hat. Insofern bestehen beträchtliche Aufwärtsri siken für diese Prognose. Stefan Schneider (+49 69 910-31790, stefan-b.schneider@db.com) Marc Schattenberg (+49 69 910-31875, marc.schattenberg@db.com) -10 -5 0 5 10 15 95 96 97 98 99 100 101 102 103 104 2011 2013 2015 2017 2019 2021 Bundesbank Frühindikator für globale Industrieproduktion Auftragseingang aus dem Ausland (Kern, gleit. 3M-Durchschn., rechts) Index % Quelle: Deutsche Bundesbank Deutsche Industrie profitiert vom globalen Aufschwung 7 -1,0 -0,5 0,0 0,5 1,0 1,5 2,0 2,5 3,0 10 11 12 13 14 15 16 17 18 19 20 21 22 Kerninflation Energie Nahrungsmittel Inflation Inflationsausblick (VPI) 8 % bzw. Wachstumsbeitrage in %-Punkten Quellen: Statistisches Bundesamt, Deutsche Bank Research -1,0 -0,5 0,0 0,5 1,0 1,5 2,0 2,5 3,0 3,5 16 17 18 19 20 21 22 Inflation Kerninflation Energie VPI: Quartalsverläufe 9 % gg. Vj. bzw. Beiträge in %-Punkten Quellen: Statistisches Bundesamt, Deutsche Bank Research Deutsche Wirtschaft startklar für den Aufschwung 6 | 11. Mai 2021 Ausblick Deutschland Die Homeoffice-Quote dürfte in wenigen Jahren ihr Maximum erreichen - Die Verordnungen während der Corona-Pandemie dürften die Homeoffice Quote um rund 7%-Punkte erhöht haben. Der Homeoffice-Boom beruht aber nicht nur auf einer üppigen Ausweitung der Quote, sondern auch auf der intensiveren Nutzung durch diejenigen, die zuvor schon von zu Hause aus arbeiten konnten und dies nun stärker in Anspruch nehmen. - Mit dem Ende der akuten Infektionsgefahr dürften sich die Büros erst einmal wieder füllen, da der Wunsch nach mehr und vor allem persönlicher Kom munikation besteht. Infolge der positiven Erfahrungen dürfte die Home office-Quote mittelfristig aber wieder steigen. Sie dürfte dann ein Maximum von etwa 35% erreichen, unterhalb ihres tatsächlichen Potenzials von gut 45%. Hybride Arbeitsformen scheinen der neue Konsens post-Corona Die Corona-Krise hat die Koordinaten in der Arbeitswelt spürbar verschoben. Zwar zog die Homeoffice-Quote 1 bereits vor Corona an, aber oftmals trafen die Wünsche der Arbeitnehmer auch auf Widerstände. Mittlerweile wird hauptsäch lich darüber diskutiert, in welchem Umfang Homeoffice weiter genutzt wird. Das „Live-Experiment" birgt sicher noch die eine oder andere Überraschung, insbe sondere angesichts fehlender langfristiger Erfahrungswerte und einer noch ver gleichsweise dünnen Studienlage. Aktuell werden vornehmlich Umfrageergeb nisse von Arbeitnehmern und Managern herangezogen. Daraus resultieren teil weise sehr unterschiedliche Bewertungen. Nichtsdestotrotz zeichnet sich ein neuer Konsens in Form von hybriden Arbeitsmodellen ab. Durchschnittlich zwei Arbeitstage im Homeoffice und drei Tage im traditionellen Büro scheint laut vie len Unternehmensmeldungen die neue Normalität in der Post-Corona-Welt zu werden. Schon vor Corona erhöhte sich die Homeoffice-Nutzung kräftig In den 1990er Jahren lag die Homeoffice-Quote relativ konstant bei rund 12%. Anschließend erhöhte sie sich und erreichte im Jahr 2018 laut Erwerbstätigen rechnung des Bundesinstituts für Berufsbildung (BIBB) 26%. Schreibt man die durchschnittliche Zunahme von 2014 bis 2018 von 1,5%-Punkten pro Jahr fort, dann lag die Quote Ende 2019 bei rund 28%. Laut ifo-Institut stieg die Quote bis zum Frühjahr 2020 auf 35%. Der Corona-Effekt im ersten Lockdown betrug demnach 7%-Punkte. Im Februar und März 2021 lag die Quote etwas über 30% und fiel damit wieder zurück auf den Trend von 2014 bis 2018. Der durch die Corona-Krise verursachte Homeoffice-Boom resultiert also weniger aus einer üppigen Ausweitung der Quote auf viele Beschäftigte, sondern dürfte eher auf eine intensivere Nutzung derjenigen, die bereits zuvor von zu Hause aus arbei ten konnten und wollten, zurückzuführen sein. 1 Nachfolgend wird der Begriff „Homeoffice" als Synonym für „mobiles Arbeiten" und „Telearbeit" verwendet, sofern nicht anders erläutert. 0 5 10 15 20 25 30 35 40 97 01 05 09 13 17 21 2014-2018 Trend/-fortschreibung SOEP BIBB-BAuA ETB SOEP-CoV (Apr 2020) ifo Pressemitteiliung 3. März 2021 1997-2021: Homeoffice: Anteil der Beschäftigten 1 in % Quellen: SOEP, BIBB-BAuA, Erwerbstätigenbefragung 2018, cesifo Forum Alipour, Falck et al (2020) Deutsche Wirtschaft startklar für den Aufschwung 7 | 11. Mai 2021 Ausblick Deutschland Potenzialerhöhung auch dank Infektionsschutzgesetz Zudem erscheint es plausibel, dass die vielen positiven Erfahrungen während der Lockdown-Monate das künftige Homeoffice-Potenzial erhöht haben. Laut ifo-Institut liegt das Potenzial - definiert als der Anteil der abhängigen Beschäf tigten, die wenigstens teilweise von zu Hause aus arbeiten könnten - aktuell bei 56%. 2 Im Gegensatz dazu ermittelte die DAK Gesundheit anhand einer Panel Befragung gegenwärtig ein Homeoffice-Potenzial von 45% der Beschäftigten. 3 Laut dieser Studie arbeiteten im Februar 38% der Arbeitnehmer von zu Hause. Folglich war das Potenzial nach dieser Erhebung nahezu ausgeschöpft. Das jüngst verabschiedete Infektionsschutzgesetz könnte die Homeoffice-Quote er neut temporär kräftig erhöhen. Bisher war der Arbeitgeber verpflichtet Home office anzubieten, für den Arbeitnehmer war Homeoffice aber lediglich eine Op tion. Diese nunmehr per Dekret verankerte Pflicht zu Hause zu arbeiten, dürfte somit nicht nur die Quote bis Ende Juni 2021 (Ende des Lockdowns laut Infekti onsschutzgesetz) auf erhöhtem Niveau halten, sondern auch helfen, dass tat sächliche mittelfristige Potenzial abzuschätzen. Bei dieser Abwägung muss aber auch berücksichtigt werden, dass mit dem Ende der sozialen Distanzierung für Unternehmen wieder vor allem betriebswirtschaftliche Gründe in den Mittelpunkt rücken, die den Umfang des Arbeitens im Homeoffice bestimmen. Wie sieht die Office-Welt nach Corona aus? Viele der bestimmenden Faktoren, die mittelfristig wieder zu einer steigenden Homeoffice-Quote führen dürften, hatten wir bereits in einem Aktuellen Kom mentar 4 zusammengetragen und gegenübergestellt. Für Arbeitnehmer sind si cherlich die räumliche und zeitliche Flexibilität sowie der Zeitgewinn durch ent fallendes Pendeln hervorzuheben. Langfristig könnten die neuen Möglichkeiten der beruflichen Tätigkeit in den heimischen vier Wänden sogar die Erwerbsbe teiligung fördern. 5 Ganz allgemein kann Homeoffice die Opportunitätskosten der Arbeitsaufnahme senken, was vor allem angesichts des demografischen Wan dels positiv zu bewerten ist. So könnten bspw. erziehende oder pflegende Per sonen eher am Berufsleben teilhaben oder ältere und erfahrene Arbeitnehmer einfacher länger beruflich tätig bleiben. Für Unternehmen dürften u.a. das Kos tensparpotenzial bei Büroflächen, die Produktivitätsgewinne durch beschleu nigte Digitalisierung oder die nicht notwendigerweise ortsgebundene Beschäfti gung internationaler Arbeitskräfte die Attraktivität von Homeoffice-Regelungen stärken. Trotz dieser positiven Treiber erwarten wir, dass das langfristige Potenzial auf gut 45% begrenzt sein dürfte, dies aber im langfristigen Trend wohl nur zu 35% (über alle Intensitätsausprägungen) ausgeschöpft werden dürfte. Ganz grundle gend ist der Umfang von Tätigkeiten, die für das berufliche Arbeiten von zu Hause aus geeignet sind, begrenzt. Zudem könnte sich herauskristallisieren, dass bei den avisierten hybriden Arbeitsmodellen nur bestimmte Wochentage (Di-Mi-Do) bevorzugt für das Arbeiten im Unternehmen gewünscht werden. Sollte sich das gewünschte Optimum als nicht darstellbar erweisen, könnte die 2 Alipour, Jean-Victor, Oliver Falck, Andreas Peichl und Stefan Sauer (2021). Homeoffice-Potenzial weiterhin nicht ausgeschöpft. ifo Schnelldienst digital 2021, 2, Nr.6. 3 DAK-Gesundheit (2021). Digitalisierung und Homeoffice in der Corona-Krise - Update 4 Möbert, Jochen und Marc Schattenberg (2021). Homeoffice-Potenzial in Deutschland nur etwa zur Hälfte genutzt. Gibt es ein Produktivitätsparadox? Deutsche Bank Research. Aktueller Kom mentar. 5 Schattenberg, Marc (2020). Homeoffice - gekommen um zu bleiben. Deutsche Bank Research. Deutschland Monitor. F \R WRITE3 GA\A bli k D t h 82 69 59 57 52 44 36 35 35 23 13 0 20 40 60 80 100 Informationsdienstl. Bildung, Kultur, Medien F&E, Wissenschaft Rechtsberatung Banken, Versicherungen Öffentl. Verwaltung Fahrzeugbau, -zulieferer Sonstige Dienstleistungen Chemische Industrie Handel Gesundheitswesen Dritte Befragung (Februar 2021), N=7.040, Regelmäßige Arbeit im Homeoffice 2 Quelle: DAK Gesundheit 10% 33% 46% 10% gar nicht od. ausnahmsweise HO 25% der Arbeitszeit im HO mind. 50% der Arbeitszeit im HO (fast) nur noch im HO arbeiten Arbeitnehmer: Wünsche zum zukünftigen Homeoffice-Anteil 3 Quelle:DAK Gesundheit Dritte Befragung, Beschäftigte im Homeoffice, N = 3.004 Deutsche Wirtschaft startklar für den Aufschwung 8 | 11. Mai 2021 Ausblick Deutschland Nachfrage geringer ausfallen. Letztlich dürften auch die räumlichen Gegeben heiten daheim zumindest für einige Arbeitnehmer ein limitierender Faktor blei ben. Selbst bei zunehmender Digitalisierung und einer verstärkten Ausrichtung auf Dienstleistungs- bzw. Bürotätigkeiten, sind auch hier viele Aufgaben letztlich nicht dauerhaft ohne persönliche Interaktion zu bewältigen. Ganz zu schweigen von den möglichen negativen Effekten auf die betriebliche Produktivität, wenn es z.B. um Kreativaufgaben geht oder das Zustandekommen ungeplanter Inno vationen (sog. Serendipität). Zudem dürften vor allem berufliche Neueinsteiger den persönlichen Erfahrungsaustausch schätzen, da Lernen auch immer eine soziale Komponente behalten wird. Die wichtigsten Weichenstellungen Während der Corona-Pandemie hat sich die Verlegung des beruflichen Arbei tens in die heimischen vier Wände für viele Tätigkeitsbereiche als tatsächlich umsetzbar erwiesen. Dieser Machbarkeitsbeweis kann mit Fug und Recht als Weichenstellung bezeichnet werden. Zudem haben sowohl Unternehmen als auch Arbeitnehmer nennenswerte Investitionen in technische Infrastruktur getä tigt, die eine dauerhaftere Nutzung sinnvoll erscheinen lassen, ganz zu schwei gen von dem erarbeiteten Wissen im Umgang mit der neuen Arbeitssituation. Auch die Politik hat in der massiven Ausweitung des Arbeitens im Homeoffice Regulierungsbedarf erkannt. Mit der Gesetzesinitiative zum mobilen Arbeiten wurde ein Rahmenwerk für Arbeitgeber und Arbeitnehmer geschaffen, auf das sich die Umsetzung von Homeoffice stützen soll. Dabei handelt es sich nach ge genwärtigem Stand nicht um ein Recht auf das berufliche Arbeiten von zu Hause aus, jedoch um einen Erörterungsanspruch. Dabei geht es insbesondere um die allgemeine Aufgabenaufteilung, die Arbeitszeit, den Arbeitsschutz und noch offene Versicherungsfragen. Die Sozialpartner sollen aber weiterhin Ver einbarungen auf betrieblicher Ebene treffen können. Die Umsetzung der Geset zesinitiative könnte die Homeoffice-Nutzung zukünftig weiter fördern. Trotz der zuvor skizzierten positiven Aspekte ist die vor uns liegende Entwick lung mit einiger Unsicherheit behaftet. Wir erwarten eine volatile Entwicklung der Homeoffice-Quote Folgende künftige Entwicklung halten wir für plausibel. In den kommenden Wo chen könnte aufgrund der Pandemie-bedingten Homeoffice-Pflicht ein Höchst wert der Quote in der Größenordnung vom Frühjahr 2020 (etwa 35%) erreicht werden. Laut jüngsten Umfrageergebnissen des ifo-Instituts lag der Anteil im April 2021 bei knapp 31%. Wenn gemäß unseren Erwartungen die Corona Krise im zweiten Halbjahr 2021 tatsächlich zum größten Teil überwunden sein wird, erwarten wir erst einmal einen starken Rückgang der Quote. Zu Beginn dürfte der große Wunsch nach intensiver und vor allem persönlicher Kommuni kation die Büros wieder füllen und die Quote temporär kräftig senken. Für das Jahr 2021 und 2022 erwarten wir eine durchschnittliche Homeoffice-Quote von 29%. Im Anschluss dürfte sie spürbar zulegen und im Laufe der Dekade gegen ein Maximum konvergieren. Dabei halten wir etwa 35% für plausibel, wenn auch der Entwicklungstrend vor der Pandemie berücksichtigt wird. Diese Konvergenz auf eine Quote - vermutlich weit unterhalb des Potenzials - drückt einerseits unsere Einschätzung der Produktivität und Leistungen im Homeoffice aus. An dererseits aber auch die Erwartung, dass sich viele Arbeitnehmer dauerhaft ei nen intensiveren Austausch mit persönlichen Begegnungen wünschen. 18 28 38 48 14 18 22 26 30 2014-2018 Trend/-fortschreibung SOEP BIBB-BAuA ETB SOEP-CoV (Apr 2020) ifo Pressemitteiliung 3. März 2021 in % Quellen: SOEP, BIBB-BAuA, Erwerbstätigenbefragung 2018, cesifo Forum Alipour, Falck et al (2020) 2014-2030: Homeoffice: Anteil der Beschäftigten 4 Deutsche Wirtschaft startklar für den Aufschwung 9 | 11. Mai 2021 Ausblick Deutschland Wenn die außerordentlichen Regelungen zum Infektionsschutz in den Hinter grund getreten sind, dürften in den Unternehmen wieder vornehmlich betriebs wirtschaftliche Gründe für die Ausgestaltung der Homeoffice-Regelungen be stimmend sein. Grafik 4 skizziert die Dynamik des von uns erwarteten Szena rios. Marc Schattenberg (+49 69 910-31875, marc.schattenberg@db.com) Jochen Möbert (+49 69 910-31727, jochen.moebert@db.com) Deutsche Wirtschaft startklar für den Aufschwung 10 | 11. Mai 2021 Ausblick Deutschland Koalitionsoptionen: Alles ist möglich - zumindest rechnerisch - Die Nominierung von Annalena Baerbock und Armin Laschet als Kanzler kandidaten hat die Grünen in den Umfragen beflügelt. Sie dürften nicht nur der Königsmacher der nächsten Regierung werden, sondern könnten selbst die Kanzlerin stellen. - Die jüngsten Umfragen eröffnen ein Bündel an Koalitionsoptionen, wobei eine Koalition mit der AfD von allen ausgeschlossen wurde. Uns erscheint eine schwarz-grüne Koalition derzeit noch etwas wahrscheinlicher als eine von den Grünen geführte Ampel. - Es bleibt abzuwarten, ob der Höhenflug der Grünen bis zum Wahltag an hält, da die Positionen der Partei im Wahlkampf sicher kritisch hinterfragt werden. Eine Vielzahl von Koalitionsoptionen - theoretisch. Mit der Nominierung der Kanzlerkandidaten von den Grünen und der CDU/CSU ist eine Verschiebung in den Umfragen zu beobachten (s. Grafik): Während die Grünen mit der überzeu genden Präsentation von Annalena Baerbock das politische Momentum nutzen konnten, hat die Union mit der kontroversen Nominierung von Armin Laschet in den Umfragen weiter verloren. Die FDP kann offensichtlich mit ihrer konstrukti ven Kritik am Regierungsmanagement in der Pandemie punkten und erreicht in zwischen zweistellige Zustimmungswerte. Das Kopf-an-Kopf-Rennen von Grü nen und Union lässt derzeit keine verlässlichen Rückschlüsse auf den Wahlaus gang zu (siehe unsere Analyse „Was bewegt die Wähler im September" ). Viel mehr werden zunehmend auch andere Optionen diskutiert. Dazu gehören: • Schwarz-Grün - weiterhin große Unterstützung . Die besonders in den Me dien verbreitete Wahrnehmung, dass sich immer mehr Wähler eine Regie rung ohne die Union vorstellen können, wird bisher nicht von Umfragen ge stützt. Etwa ein (stabiles) Fünftel der Wähler möchte eine Regierung ohne CDU/CSU, während 40-50% eine unionsgeführte Regierung bevorzugen (s. Grafik). Freilich unterscheiden sich die Präferenzen der Altersgruppen deutlich. Die über 65-Jährigen stehen einem „Regierung-ohne-Union-Sze nario" skeptischer gegenüber als die 18-29-Jährigen (Spiegel, 28. April). Gleichzeitig wollen 40% der Wähler die Grünen an einer Regierung beteiligt sehen, bevorzugt unter einem CDU/CSU-Kanzler. Die Koalitionsverhandlun gen hätten in diesem Fall eine Reihe von kontroversen Punkten zu klären, wie (i) die Geschwindigkeit und die Wahl der Instrumente beim Erreichen der Klimaziele, (ii) Erhöhung der Investitionen ohne Verletzung der Schul denbremse bzw. massive Steuererhöhungen oder (iii) sozialpolitische Maß nahmen (Mindestlohn, Finanzierung der Sozialsysteme). • Grün-schwarze Koalition wenig realistisch. Sollten die Grünen die stärkste Partei werden, erscheint es aus unserer Sicht wenig wahrscheinlich, dass sich die Union mit der Rolle eines Juniorpartners zufrieden gibt, besonders die CSU nicht. Das Schicksal der SPD in den Merkel-Regierungen und die jüngsten Erfahrungen der CDU in Baden-Württemberg zeigen, dass es nicht einfach ist, sich aus der Juniorrolle zu befreien. Der Druck in einer solchen Koalition, die politische Agenda der Grünen auch jenseits der Klimapolitik zu akzeptieren, würde die Kernanliegen der Union in der Steuer- und Fiskalpo litik oder ganz allgemein der Sozialen Marktwirtschaft infrage stellen. Unse rer Meinung nach dürfte die CDU/CSU in dieser Konstellation eher eine starke Rolle in der Opposition vorziehen, auch um sich inhaltlich und perso nell neu aufzustellen. Schlussendlich würden bei einem solchen Wahlergeb nis auch die Grünen andere Koalitionspräferenzen haben. 0 5 10 15 20 25 30 35 40 Jan. 20 Apr. 20 Jul. 20 Okt. 20 Jan. 21 Apr. 21 CDU/CSU SPD Grüne FDP Linke AfD Pandemie Stärke der Parteien seit Beginn der Corona-Pandemie 1 % der Stimmen, wöchentlicher Duchschnitt der aktuellen Umfrageergebnisse* * Umfragen der führenden Meinungsforschungs institute (Allensbach, Kantar, Forsa, FG Wahlen, Infratest, INSA). Quellen: Wahlrecht.de, Deutsche Bank Research Nominierung Baerbock / Laschet 0 10 20 30 40 50 60 Koalitionen unter CDU/CSU-Führung Koalitionen ohne CDU/CSU Koalitionen mit den Grünen Linke Koalitionen unter grüner Führung Koalitionen mit CDU/CSU und den Grünen sind am beliebtesten 2 Bevorzugte Koalition, % der Stimmen Quellen: FG Wahlen Politbarometer, Deutsche Bank Research Deutsche Wirtschaft startklar für den Aufschwung 11 | 11. Mai 2021 Ausblick Deutschland • Eine grüne Ampel - die beste Chance für die Grünen auf die Kanzlerschaft . Sollten die Grünen als die stärkste Partei aus den Wahlen hervorgehen, scheint eine Koalition mit der SPD und der FDP am wahrscheinlichsten. Die FDP hat sicher auch durch ihre konstruktive Kritik am Krisenmanagement und die Betonung von Freiheitsrechten im Gegensatz zu einer Politik des undifferenzierten Lockdowns an Unterstützung gewonnen. Zwar hat die FDP in manchen Politikbereichen (Steuern, Sozialpolitik, Klimainstrumente, EU-Politik) deutlich andere Vorstellungen. Zudem dürften die FDP-Wähler in einer solchen Regierungskoalition die Partei als ein liberales, marktwirt schaftliches Gegengewicht zu den beiden Mitte-Links-Parteien und ihren Umverteilungsplänen sehen. Dies dürfte die Koalitionsverhandlungen er schweren, umso mehr als die SPD in einer solchen Konstellation vermutlich auf stärkere Kompensation der sozial Schwächeren im Rahmen einer ehr geizigen Klimapolitik drängen würde. Dennoch: Bei den Koalitionsverhand lungen in Rheinland-Pfalz zeigten sich die Liberalen sehr kompromissbereit, um weiterhin Teil der von der SPD geführten Ampel zu bleiben. • Jamaica - nur mit einer sehr starken FDP. Die Koalitionsverhandlungen für Jamaica scheiterten 2017, nachdem sich die FDP zurückzog. Diesmal dürfte die FDP sehr großes Interesse haben, nach acht Jahren wieder an ei ner Regierung beteiligt zu sein. In ihrem Wahlprogramm steht dazu: „Wir wollen so stark werden, dass keine seriöse Bundesregierung ohne die Freien Demokraten gebildet werden kann…". Dabei dürfte die Partei sicher besonders an Jamaica denken. Angesichts der aktuellen Umfragewerte dürfte dies jedoch ein (über-)ambitioniertes Ziel sein. Sollten CDU/CSU und Grüne zusammen eine Mehrheit haben, ergibt es keinen Sinn, noch einen weiteren Koalitionspartner aufzunehmen. • G2R - wenig wahrscheinlich . Eine ökologisch-linke Koalition der Grünen mit der SPD und der Linken ist der Wunsch der grünen Parteibasis (Spiegel 28. April) und der Alptraum vieler konservativer Wähler. Angesichts des Umfra gehochs der Grünen könnte eine solche Koalition eine dünne, aber fragile Mehrheit finden - jedenfalls solange die Linke nicht noch an der 5%-Hürde scheitert, der sie sich in einzelnen Umfragen nähert. Die Vorstellungen der Linken zur Außen- und Sicherheitspolitik (u.a. Abschaffung der NATO, ein neues Sicherheitsnetz mit Russland) stoßen bei allen möglichen Koalitions partnern auf Widerstand. Zwar gibt es auf Länderebene drei entsprechende Regierungskoalitionen (Bremen, Berlin, Thüringen), auf Bundesebene wür den wir aber eine solche Koalition ausschließen - auch, weil die Grünen im mer wieder betonen, die neue Partei der politischen Mitte sein zu wollen. • Eine SPD-geführte Regierung - eher Ministerposten statt Kanzleramt . Seit etwa drei Jahren dümpelt die SPD um die 15%-Marke in Umfragen. Der ei gentlich populäre Scholz, der gerade mit beeindruckenden 96,2% vom SPD-Parteitag als Kanzlerkandidat bestätigt wurde, liegt in Beliebtheitsum fragen konstant vor Armin Laschet. Trotzdem ist es kaum vorstellbar, dass er Wählerstimmen von anderen Parteien, v.a. links von der SPD, zurückge winnen würde und somit die SPD stärkste Partei werden könnte. Die SPD fühlt sich zwar ermutigt durch den Wahlausgang in Rheinland-Pfalz, wo ge rade die Neuauflage einer SPD-geführten Ampel verkündet wurde. FM Scholz bekräftigte in einem Fernsehinterview (ZDF), dass die SPD ein Wahlergebnis in den „oberen 20%"erreichen und damit die nächste Regie rung anführen könnte. Dies steht in starkem Widerspruch zur gegenwärti gen politischen Stimmung in den Umfragen. Zudem dürfte ein (überraschen der) Sieg der SPD vermutlich nicht mit einer Mehrheit von SPD-Grünen FDP einhergehen. Alternative Wahl - Wähler erwägen zu wählen … _____________________________________ Quelle: KAS-Umfrage vom Februar 2020 0 10 20 30 40 50 %, Summe 1. und 2. Wählerpräferenz Quelle: KAS-Umfrage vom Februar 2020 Maximales Wählerpotenzial 3 CDU/ CSU Grüne SPD FDP Linke AfD Keine andere 33 31 24 31 29 50 CDU/CSU 12 18 38 2 23 Grüne 25 39 7 30 1 SPD 9 29 8 24 2 FDP 18 2 3 1 9 Linke 1 12 11 4 5 AfD 4 1 1 4 1 Lesebeispiel: Für 25% der CDU/CSU-Anhänger sind die Grünen eine Alternative, für 18% die FDP und für 9% die SPD. 2. Präferenz - würde auch wählen, % der Stimmen 1. Präferenz - Wahlabsicht 4 Deutsche Wirtschaft startklar für den Aufschwung 12 | 11. Mai 2021 Ausblick Deutschland Hohe Sympathiewerte müssen sich nicht 1:1 in der Stimmabgabe niederschla gen Die Grünen verfügen inzwischen über ein ähnlich hohes Wählerpotenzial wie die CDU/CSU (s. Grafik 3). Die aktuelle Enttäuschung über die CDU/CSU hat deren Wählerpotenzial verkleinert: Während sich noch im Januar etwa die Hälfte der Wähler vorstellen konnte für die Union zu stimmen, sind es nun nur noch 40% (INSA 6 ). Vor allem die Grünen und die FDP werden von vielen Unionswäh lern als wählbare Alternative gesehen. Die Grünen wiederum können Wähler stimmen nicht nur von der CDU/CSU, sondern auch von der SPD und der Lin ken gewinnen (s. Grafik 4). Das wird v.a. durch zwei Faktoren begünstigt: Zum einen werden die Grünen als „die" Klimapartei angesehen und treffen damit den Zeitgeist. Das kritische Urteil des BVerfG zur Klimapolitik der aktuellen Regie rung hat das nochmals unterstrichen. 58% der Deutschen trauen den Grünen am ehesten zu, die Aufgaben der Umwelt- und Klimapolitik zu lösen (Deutsch landTrend). Freilich müssen die Grünen genauer darlegen, wie und zu welchem Preis sie die Klimaziele erreichen wollen. Dabei sehen sie sich nicht nur mit Wählern konfrontiert, die sich um die kategorische Unterordnung von sozialen und wirtschaftlichen Aspekten unter das Ziel der Klimaneutralität sorgen, son dern auch von den eigenen Unterstützern, die eine radikalere Klimapolitik ein fordern. Zum anderen führt Annalena Baerbock mit Abstand die Beliebtheitsliste der Kanzlerkandidaten. Sie verkörpert glaubwürdig ein moderneres Deutsch land, wird aber interessanterweise als weniger führungsstark als Scholz und Laschet wahrgenommen (s. Grafik 5). Eine Regierung unter einer grünen Kanzlerin würde gleichzeitig jedoch einen historisch bedeutsamen Politikwechsel einläuten. Anders als die Wahlumfragen suggerieren, bekommt die gegenwärtige Regierung weiterhin gute Noten (rund 60% sind zufrieden mit der Regierung, 77% mit der Arbeit Merkels; FG Wahlen, Politbarometer). Unabhängig davon, wie ausgeprägt die Wechselstimmung unter den Wählern ist, dürfte der Wahlkampf für die Grünen aus drei Gründen herausfordernd wer den: Erstens sind die Grünen (noch) keine Volkspartei. Bisher haben sie eine überwiegend urbane, akademische Wählerschaft und sind vor allem in west deutschen Bundesländern erfolgreich (s. Grafik 6). Viele nehmen sie noch im mer als „Ein-Themen-Partei" wahr, nämlich als Klimaschutz-Partei, gerade mal 8% der Deutschen trauen ihnen Wirtschaftskompetenz zu (CDU/CSU 37%). Sollte bei den Wählern der Eindruck aufkommen, dass dem Klimaziel alles un tergeordnet wird, auch soziale und wirtschaftliche Fragen, könnten manche ihre Wahlabsicht überdenken. Zweitens werden die Grünen im Fokus der Kritik an derer Parteien stehen, sind sie doch mit ihrer aktuellen Stärke und dem Poten zial, von der Union und SPD Wähler zu gewinnen, zum Hauptkonkurrenten ge worden. Die Grünen werden sich vermutlich zu einigen ihrer eher progressiven Ideen erklären müssen (z.B. bedingungsloses Grundeinkommen, Zulassung nur für emissionsfreie Neuwagen ab 2030, nuklear-freies Deutschland). Dies wird insbesondere auch zu einer Herausforderung für das bisher harmonische Auf treten der Grünen werden. Denn eine gewisse Spannung zwischen dem realpo litischeren Flügel rund um die Parteiführung und der fundamentalistischeren Parteibasis besteht weiterhin. Drittens hat Baerbock als Kanzlerkandidatin der Grünen keine Regierungserfahrung. Dies könnte bei dem einen oder anderen Wähler Unsicherheit wecken, ob ein direkter Sprung ins Kanzleramt nicht zu groß sein könnte. Andere Kanzler, so auch Merkel, konnten immerhin Erfahrung als Ministerpräsidenten oder Bundesminister sammeln. Ein weiterer wichtiger 6 Das Institut Allensbach kommt zum gleichen Schluss (FAZ vom 23. März), wobei es für beide Parteien ein tieferes Wählerpotenzial ausweist. Demzufolge verringerte sich das CDU/CSU Wählerpotenzial von 42% im Februar auf 29% im März. Derweil blieb das Grüne-Wählerpotenzial stabil bei rund 30%. 6 0 10 20 30 40 50 am sympa thischsten am glaub würdigsten am führungs stärksten Baerbock (Grüne) Scholz (SPD) Laschet (CDU/CSU) % der Stimmen Quelle: ARD Deutschlandtrend vom 6. Mai Baerbock wirkt für die meisten sympathisch und glaubwürdig 5 0 5 10 15 20 25 30 35 BW (2021) Hamburg (2020) Hessen (2018) Bayern (2018) Bremen (2019) Berlin (2016) SH (2017) Brandenburg (2019) RP (2021) Niedersachsen (2017) Sachsen (2019) NW (2017) Thüringen (2019) Sachsen-Anhalt (2019) MV (2016) Saarland (2017) Deutschland letzte Landtagswahl Bundestagswahl 2017 Die Grünen sind vor allem in West deutschland erfolgreich 6 % Stimmen für die Grünen Quellen: Bundeswahlleiter, Wahlrecht.de, Deutsche Bank Research Anm.: Jahr letzte Landtagswahl in Klammern. Deutsche Wirtschaft startklar für den Aufschwung 13 | 11. Mai 2021 Ausblick Deutschland Punkt: Die Union könnte in der Schlussphase des Wahlkampfs neuen Schub er halten, wenn ihnen im Sommer der Impferfolg und die Öffnung der Wirtschaft zugeschrieben werden. Fazit: Wenn wir diese Argumente abwägen, ist es aus heutiger Sicht noch nicht ausgemacht, dass die Grünen wirklich die Kanzlerin stellen werden. Im Kopf-an Kopf-Rennen der beiden Parteien dürften die Stärken und Schwächen von Grü nen und CDU/CSU erst im Wahlkampf richtig deutlich werden. Barbara Böttcher (+49 69 910-31787, barbara.boettcher@db.com) Marion Mühlberger (+49 69 910-31815, marion.muehlberger@db.com) Ursula Walther (ursula.walther@db.com) Deutsche Wirtschaft startklar für den Aufschwung 14 | 11. Mai 2021 Ausblick Deutschland Marc Schattenberg, Sebastian Becker & Jochen Möbert (+49 69 910-31727, jochen.moebert@db.com) Deutschland: Datenkalender DX Datum Uhrzeit Daten Berichtszeitraum DB Schätzung Letzter Wert 21.05.2021 9:30 PMI Verarbeitendes Gewerbe (Flash) Mai 67,0 66,2 21.05.2021 9:30 PMI Dienstleistungssektor (Flash) Mai 55,0 49,9 25.05.2021 10:00 ifo Geschäftsklima (Index, sb.) Mai 98,0 96,8 25.05.2021 8:00 Reales BIP (% gg. Vq., sb.) - Details Q1 2021 -1,7 -1,7 31.05.2021 14:00 Vorläufiger VPI (% gg. Vj.) Mai 2,2 2,0 01.06.2021 9:55 Arbeitslosenrate (%, sb.) Mai 6,1 6,0 01.06.2021 8:00 Einzelhandelsumsätze (Index, sb.), % gg. Vm.* April -2,0 7,7 07.06.2021 8:00 Auftragseingang im Ver. Gewerbe (% gg. Vm., sb.) April 1,5 3,0 08.06.2021 8:00 Industrieproduktion (% gg. Vm., sb.) April 1,5 0,7 09.06.2021 8:00 Handelsbilanz (EUR Mrd., sb.) April 15,0 14,3 09.06.2021 8:00 Warenexporte (% gg. Vm., sb.) April 1,5 1,2 09.06.2021 8:00 Warenimporte (% gg. Vm., sb.) April 1,0 6,5 *lt. Statistischem Bundesamt auch früherer Veröffentlichungstermin möglich Quellen: Deutsche Bank Research, Statistisches Bundesamt, Bundesagentur für Arbeit, ifo, IHS Markit Deutsche Wirtschaft startklar für den Aufschwung 15 | 11. Mai 2021 Ausblick Deutschland Deutschland: Datenmonitor DX Q2 2020 Q3 2020 Q4 2020 Q1 2021 Q2 2021 Nov 2020 Dez 2020 Jan 2021 Feb 2021 Mrz 2021 Apr 2021 Konjunkturumfragen Gesamtwirtschaft ifo Geschäftsklima 80,9 91,6 91,9 93,2 91,0 92,2 90,3 92,8 96,6 96,8 ifo Geschäftserwartungen 82,0 96,1 93,2 95,5 91,9 93,1 91,3 94,9 100,3 99,5 Produzierendes Gewerbe ifo Verarbeitendes Gewerbe 78,1 90,3 95,8 101,3 95,5 97,9 97,9 101,3 104,8 105,4 Produktion (% gg. Vp.) -18,8 13,9 6,4 -0,2 1,2 1,5 -0,5 -2,0 0,7 Auftragseingang (% gg. Vp.) -23,6 31,9 7,5 2,3 2,7 -1,9 0,8 1,4 3,0 Grad der Kapazitätsauslastung 71,4 74,4 79,1 80,4 86,7 Bauhauptgewerbe Produktion (% gg. Vp.) -2,3 -0,4 0,4 0,0 2,1 -3,5 -2,4 -2,3 17,7 Auftragseingang (% ggü. Vp.) -5,9 3,4 5,6 2,2 2,4 2,1 -3,7 ifo Bauhauptgewerbe 95,6 101,7 101,1 100,5 101,0 101,1 98,7 100,0 102,7 101,7 Konsumentennachfrage EC Konsumentenbefragung -14,0 -9,0 -10,5 -11,4 -11,6 -10,5 -14,0 -12,0 -8,2 -7,9 Einzelhandelsumsätze (% gg. Vp.) 0,9 4,0 1,4 -6,9 1,6 -8,0 -6,2 2,7 7,7 Neuzulassungen PKW (% gg. Vj.) -47,4 -6,7 1,0 -6,4 -3,0 9,9 -31,1 -19,0 35,9 90,0 Außenhandel Auslandsaufträge (% gg. Vp.) -29,7 43,6 7,1 2,7 3,1 -2,8 3,2 -0,2 1,6 Exporte (% gg. Vp.) -21,7 20,7 4,6 3,6 1,9 0,3 1,7 1,0 1,2 Importe (% gg. Vp.) -15,8 12,3 5,4 2,8 4,4 -0,2 -3,0 3,6 6,5 Nettoexporte (EUR Mrd.) 25,2 49,7 50,1 54,2 15,9 16,5 21,0 18,9 14,3 Arbeitsmarkt Arbeitslosenquote (%) 6,2 6,3 6,1 6,0 6,1 6,1 6,0 6,0 6,0 6,0 Veränderung Arbeitslosigkeit (Tsd. gg. Vp.) 533,7 89,3 -84,7 -65,0 -38,0 -34,0 -35,0 11,0 -6,0 9,0 Beschäftigung (% gg. Vj.) -1,2 -1,3 -1,4 -1,6 -1,4 -1,5 -1,6 -1,7 -1,4 ifo Beschäftigungsbarometer 89,3 94,9 96,2 95,8 96,7 95,5 95,1 94,6 97,6 98,3 Preise, Löhne und Arbeitskosten Preise HVPI (% gg. Vj.) 0,7 -0,2 -0,6 1,7 -0,7 -0,7 1,6 1,6 2,0 2,1 Kern-HVPI (% gg. Vj.) 1,1 0,5 0,0 1,8 -0,1 -0,1 2,0 1,7 1,6 1,1 Harmonisierter PPI (% gg. Vj.) Rohstoffe ohne Energie (% gg. Vj.) -5,5 3,9 14,1 33,4 12,9 17,2 25,1 32,3 43,5 54,1 Rohöl, Brent (USD/Bbl) 33,1 43,3 45,3 61,2 44,2 50,2 55,3 62,0 65,7 65,2 Inflationserwartungen EC Haushaltsumfrage 38,9 25,4 28,6 33,4 28,4 31,0 30,7 31,5 38,0 35,0 EC Unternehmensumfrage -4,9 0,1 3,3 14,9 2,5 5,1 8,3 13,1 23,4 30,6 Lohnstückkosten (gg. Vj.) Lohnstückkosten 8,0 2,6 2,1 Arbeitnehmerentgelt je Arbeitnehmer -2,2 0,7 1,2 Arbeitnehmerentgelt je Stunde 5,4 3,0 3,8 Monetärer Sektor (gg. Vj.) M3 6,9 7,3 8,2 7,1 8,2 8,2 9,2 9,0 7,1 Trend von M3* 7,7 8,0 8,5 8,8 8,4 Kredite an Unternehmen und Privatpersonen 4,7 4,3 4,1 4,2 4,1 4,1 4,2 4,1 0,0 Kredite an öffentliche Haushalte 3,1 9,5 22,9 6,7 8,9 22,9 15,4 15,5 6,7 % gg. VP = Veränderung gegenüber der Vorperiode; * zentrierter 3M-Durchschnitt Quellen: Bundesagentur für Arbeit, Deutsche Bundesbank, Europäische Kommission, Eurostat, Statistisches Bundesamt, HWWI, ifo, IHS Markit Deutsche Wirtschaft startklar für den Aufschwung 16 | 11. Mai 2021 Ausblick Deutschland Finanzmarktprognosen DX US JP EWU GB CH SE DK NO PL HU CZ Leitzinssatz, % Aktuell 0,125 -0,10 0,00 0,10 0,10 0,79 0,25 Jun 21 0,125 -0,10 0,00 0,10 0,10 0,90 0,25 Sep 21 0,125 -0,10 0,00 0,10 0,10 0,90 0,50 Dez 21 0,125 -0,10 0,00 0,10 0,25 1,05 0,75 3M Geldmarktsatz, % Aktuell 0,16 -0,07 Jun 21 0,25 0,03 Sep 21 0,25 0,03 Dez 21 0,35 0,10 Rendite 10J Staatsanleihen, % Aktuell 1,59 0,09 -0,22 0,78 Jun 21 1,80 0,20 -0,17 0,54 Sep 21 2,00 0,20 -0,08 0,57 Dez 21 2,25 0,20 0,00 0,67 Wechselkurse EUR/USD USD/JPY EUR/GBP GBP/USD EUR/CHF EUR/SEK EUR/DKK EUR/NOK EUR/PLN EUR/HUF EUR/CZK Aktuell 1,22 108,76 0,86 1,40 1,09 10,11 9,99 4,55 358,59 25,65 Jun 21 1,25 108,00 0,86 1,45 1,10 10,00 10,25 4,55 350,00 25,50 Sep 21 1,28 106,50 0,88 1,45 1,11 9,88 10,00 4,40 345,00 25,00 Dez 21 1,30 105,00 0,90 1,45 1,12 9,75 9,75 4,40 340,00 24,80 Quellen: Bloomberg Finance LP, Deutsche Bank Research © Copyright 2021. Deutsche Bank AG, Deutsche Bank Research, 60262 Frankfurt am Main, Deutschland. Alle Rechte vorbehalten. Bei Zitaten wird um Quellenangabe „Deutsche Bank Research" gebeten. Die vorstehenden Angaben stellen keine Anlage-, Rechts- oder Steuerberatung dar. Alle Meinungsaussagen geben die aktuelle Einschätzung des Ver fassers wieder, die nicht notwendigerweise der Meinung der Deutsche Bank AG oder ihrer assoziierten Unternehmen entspricht. Alle Meinungen kön nen ohne vorherige Ankündigung geändert werden. Die Meinungen können von Einschätzungen abweichen, die in anderen von der Deutsche Bank veröffentlichten Dokumenten, einschließlich Research-Veröffentlichungen, vertreten werden. Die vorstehenden Angaben werden nur zu Informations zwecken und ohne vertragliche oder sonstige Verpflichtung zur Verfügung gestellt. Für die Richtigkeit, Vollständigkeit oder Angemessenheit der vorste henden Angaben oder Einschätzungen wird keine Gewähr übernommen. 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