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6. Juli 2017
Kürzlich hat der deutsche Maschinenbau seine Wachstumsprognose für 2017 von real 1% auf 3% verdreifacht. Ein wichtiger Wachstumsmotor ist der Maschinenbaufachzweig Robotik und Automation, der seine Fertigung mit voraussichtlich 7% mehr als doppelt so stark ausweiten dürfte wie die Obergruppe. Für diesen großen Erfolg ist das Megathema Industrie 4.0 ein entscheidender Treiber. Da das Thema in Deutschland und der Welt immer wichtiger wird, bleiben auch die mittelfristigen Perspektiven des Fachzweigs überdurchschnittlich günstig. [mehr]
PROD0000000000446866 1   |    06. Juli 2017Aktueller Kommentar 6. Juli 2017 Robotik und Automation dank Industrie 4.0 beson­ ders dynamisch Autor www.dbresearch.de Deutsche Bank Research Management Stefan Schneider Josef Auer +49(69)910-31878 josef.auer@db.com Kürzlich hat der deutsche Maschinenbau seine Wachstumsprognose für 2017 von real 1% auf 3% verdreifacht. Ein wichtiger Wachstumsmotor ist der Maschi­ nenbaufachzweig Robotik und Automation, der seine Fertigung mit voraussicht­ lich 7% mehr als doppelt so stark ausweiten dürfte wie die Obergruppe. Für die­ sen großen Erfolg ist das Megathema Industrie 4.0 ein entscheidender Treiber. Da das Thema in Deutschland und der Welt immer wichtiger wird, bleiben auch die mittelfristigen Perspektiven des Fachzweigs überdurchschnittlich günstig. Die vierte industrielle Revolution, auch „Industrie 4.0“ genannt, ist in dieser De­ kade wohl eines der wichtigsten Themen in praktisch allen Industriezweigen, vom Maschinenbau selbst bis hin zur Automobilindustrie. Im Kern geht es um eine möglichst zügige und letztlich perfekte Symbiose etablierter industrieller Produktionsprozesse mit dem digitalen Fortschritt der Informations­ und Kom­ munikationstechnik dieser Tage. Unternehmen, die sich der digitalen Vernet­ zung und Optimierung der Wertschöpfungsketten entziehen (wollen), laufen Ge­ fahr, in nicht allzu ferner Zukunft spürbar an Wettbewerbskraft einzubüßen und möglicherweise nicht mehr „marktrelevant“ zu sein. Immer mehr zeichnet sich ab: Die Fabrik der Zukunft wird wohl fast vollständig automatisiert und auch roboterisiert sein. Die anvisierte Smart Factory der Zu­ kunft kombiniert dazu intelligent viele Aspekte, so dass letztlich hocheffiziente Fertigungsstätten entstehen, in der Produktionsstufen und Logistiksysteme sich permanent austauschen, (re­)organisieren und optimieren – und dies möglichst ohne menschliche Einflussnahme. Damit die Vision zur Realität werden kann Weltweit kommen immer mehr Industrieroboter auf den Markt Robotik und Automation dank Industrie 4.0 besonders dynamisch 2   |    06. Juli 2017Aktueller Kommentar und damit künftig weitaus mehr Effizienz in der industriellen Fertigung möglich wird, sind freilich noch weitere technische Innovationen nötig. Doch schon heute zeigt sich vielerorts technischer Fortschritt auf unterschiedli­ chen Ebenen: Mittlerweile gibt es sehr variable Montageanlagen. Flexible Auto­ matisierungslösungen ermöglichen eine individualisierte Fertigung, nicht zuletzt auch zur Bedienung der sich stetig verfeinernden Kunden­ bzw. Konsumenten­ bedürfnisse. „Mass Customization“ zählt zu den Hauptzielen von Industrie 4.0. und hat in vielen Branchen die Startphase bereits hinter sich; darunter in so un­ terschiedlichen Produktsegmenten wie Textil, Schuhe, Möbel, Uhren und Schmuck. Der Effizienz der Fertigung dient auch, dass das Management der Komponenten zunehmend vernetzt erfolgt. Moderne industrielle Fertigung nutzt zum Zwecke höchster Qualitätssicherung zudem zeitgemäße Bildverarbeitungs­ systeme. Die zunehmende Digitalisierung, Automatisierung und Roboterisierung strahlt auf die Arbeitswelt aus und verändert diese spürbar. Es ist zwar einerseits si­ cherlich richtig, dass künftig noch mehr einfache, monotone und den Körper oft­ mals auch sehr strapazierende Handtätigkeiten in der industriellen Fertigung dem technischen Fortschritt weichen werden. Andererseits erfordert aber die Stabilisierung bzw. der Zugewinn von Wettbewerbsfähigkeit immer effizientere Produktionsprozesse. Unter dem Strich verdankt gerade das Industrieland Deutschland seine Exporterfolge nicht zuletzt seinem klaren Bekenntnis zu mo­ dernen Fertigungsverfahren, Produktinnovationen und Kosteneffizienz. In der neuen Zeit von Industrie 4.0 geht es darum, das Beziehungsgeflecht zwi­ schen dem arbeitenden Menschen und der Roboterwelt neu zu denken und zu einer Win­win­Beziehung aufzuwerten. Entscheidend ist, dass Mensch und Ma­ schine ein Team bilden, indem sie immer stärker interagieren: Der Industriero­ boter arbeitet unübertreffbar stetig, präzise, schnell und dank moderner Bildver­ arbeitung mit für den Menschen nicht erreichbarer Null-Fehler-Qualität. Damit kommt dem Roboter die Rolle des perfekten Assistenten zu. Die zentrale Rolle bleibt gleichwohl beim Arbeitskollegen Mensch. Zu seinen entscheidenden Pluspunkten zählen Kreativität, Flexibilität und zudem seine besondere Urteils­ fähigkeit in komplexen und kritischen Situationen. Übersehen wird gelegentlich das dem Menschen eigene intrinsische Wissen, über das (noch) kein Roboter verfügt. Letztlich ist dieses dem Menschen inne­ wohnende Wissen Basis auch so marktrelevanter Werte wie Ästhetik, Mode und Geschmack. Wer zweifelt ernsthaft daran, dass individuelle Kriterien bei vielen Konsumentscheidungen von großer Bedeutung sind – vom Autokauf bis zur Kleidung – und damit letztlich den jeweiligen Markterfolg der meisten Indus­ triegüter entscheidend mitbestimmen. Robotik und Automation dank Industrie 4.0 besonders dynamisch 3   |    06. Juli 2017Aktueller Kommentar Noch bis vor Kurzem galten Arbeitsplätze in der industriellen Fertigung für viele junge, ehrgeizige und kreative Köpfe als nur wenig interessant. Kein Wunder, dass sich auch viele Maschinenbauer Sorgen wegen ihrer vermeintlichen At­ traktivität für Studierende und Facharbeiter machten. Industrie 4.0 und die stei­ genden Anforderungen der Mensch-Roboter-Kollaboration (MRK) verändern dies nachhaltig, kehren diesen Trend vermutlich grundlegend um. Gerade die Interaktion und Optimierung von Mensch und Roboter bedarf besonders kreati­ ver Personen, die allem Neuen sehr offen begegnen und barrierefreies Denken als ihre individuelle Zukunftschance begreifen. Attraktiv für Technikaffine sind in diesem Zusammenhang nicht zuletzt die vielen deutschen Mittelständler, das Fundament des heimischen Maschinenbaus. Oftmals waren die kleinen und mittleren Unternehmen diejenigen, die auf neue Produkte und neuartige Ferti­ gungsverfahren setzten. Nutzen die Mittelständler künftig verstärkt MRK­Lösun­ gen, wird ihnen dies in den kommenden Jahren dank Markterfolg im In- und Ausland wahrscheinlich sogar ermöglichen, ihren Mitarbeiterstamm weiter aus­ zubauen. Bereits heute beschäftigt der mittelständisch geprägte deutsche Ma­ schinenbau trotz vielerlei technischer Herausforderungen in den letzten Jahr­ zehnten so viele Mitarbeiter wie nie zuvor seit der Wiedervereinigung. Nach unserer Einschätzung bleiben auch auf mittlere Sicht Digitalisierung und Industrie 4.0 auf der Tagesordnung aller Industriezweige im In- und Ausland. Die erforderlichen Investitionen für die Modernisierung kommen insbesondere den Herstellern von Robotern und Automationslösungen zugute. Deshalb dürfte in der verbleibenden Zeitspanne bis 2025 der Fachzweig Robotik und Automati­ on – wie in diesem Jahr – seine reale Fertigung zumindest doppelt so stark stei­ gern können wie der gesamte Maschinenbau, für den wir im Durchschnitt (also inklusive konjunktureller Schwächejahre) 1 bis 2% p.a. erwarten. Robotik und Automation dank Industrie 4.0 besonders dynamisch 4   |    06. Juli 2017Aktueller Kommentar © Copyright 2017. Deutsche Bank AG, Deutsche Bank Research, 60262 Frankfurt am Main, Deutschland. Alle Rechte vor­ behalten. Bei Zitaten wird um Quellenangabe „Deutsche Bank Research“ gebeten. 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