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3. August 2016
Vieles von dem, was wir vor Dekaden bereits in Science-Fiction-Filmen mit Staunen beobachten durften, ist heute massenmarkt-taugliche Realität. Hollywood zeigt uns heute, was auf uns zukommt, wenn wir an den digitalen Technologien mit der aktuellen Dynamik weiter forschen. Von der künstlichen Intelligenz bzw. deren Unterstützung in all unseren Lebensbereichen sind wir zweifelsohne noch weit entfernt. Wenn es aber z.B. um Mustererkennung, moderne Datenauswertung oder den Einsatz selbstlernender Algorithmen geht, dann werden gerade beachtliche Fortschritte erzielt. Ohne diese technologischen Fortschritte wäre es uns nicht mehr möglich, mit der exponentiell wachsenden Datenflut und dem nur noch erahnbaren Datenpotential fertig zu werden. Wir brauchen die Maschinen. [mehr]
PROD0000000000447590 1   |    03. August 2016Aktueller Kommentar 03. August 2016 Robo Advice Wenn Maschinen Ihr Vermögen verwalten (Fintech #8) Autor www.dbresearch.de Deutsche Bank Research Management Stefan Schneider Thomas-Frank Dapp null thomas-frank.dapp@db.com Vieles von dem, was wir vor Dekaden bereits in Science-Fiction-Filmen mit Staunen beobachten durften, ist heute massenmarkt-taugliche Realität. Holly- wood zeigt uns heute, was auf uns zukommt, wenn wir an den digitalen Techno- logien mit der aktuellen Dynamik weiter forschen. Von der künstlichen Intelli- genz bzw. deren Unterstützung in all unseren Lebensbereichen sind wir zwei- felsohne noch weit entfernt. Wenn es aber z.B. um Mustererkennung, moderne Datenauswertung oder den Einsatz selbstlernender Algorithmen geht, dann werden gerade beachtliche Fortschritte erzielt. Ohne diese technologischen Fortschritte wäre es uns nicht mehr möglich, mit der exponentiell wachsenden Datenflut und dem nur noch erahnbaren Datenpotential fertig zu werden. Wir brauchen die Maschinen. Mit sogenannten Robo Advisors setzen sich z.B. Fintech Start-ups immer häufi- ger mit professionellen, digitalen Angeboten zwischen traditionelle Bank und Kunde. Anders als der Name vermuten lässt, hat Robo Advice nichts mit physi- schen Robotern zu tun. Ein Robo Advisor ist eine algorithmenbasierte Software und ein Algorithmus ist eine Handlungsanweisung, die eine Anzahl an Schritten beschreibt, mit denen ein (mathematisches) Problem gelöst werden kann. Bei Robo Advice handelt es sich also quasi um digitale Vermögensverwalter, deren Anlageempfehlungen computergestützt angeboten werden und nicht von men- schlicher Intuition oder von menschlichen Entscheidungen abhängen. So funktioniert Robo Advice Über wenige, gezielte Fragen und ohne menschliche Interaktion werden aus der Risikobereitschaft, der finanziellen Situation und den Anlagewünschen des Kunden Anlage- und Portfoliostrategien mit Hilfe diversifizierter Finanzmarktpro- dukte konfiguriert. Die Jungentrepreneure bieten ihren Kunden somit einen Zu- gang zur professionellen Vermögensverwaltung, der für traditionelle Anbieter häufig nicht rentabel war/ist.   Robo Advice 2   |    03. August 2016Aktueller Kommentar Damit üben die Newcomer innovationsstimulierenden Druck auf die Etablierten aus, was der Entwicklung zusätzliche Impulse beschert. Da die Technologie aber noch in den Kinderschuhen steckt und stark von der Qualität der Software abhängt, beschränken sich die meisten Robo Advisors bei der Auswahl der Fi- nanzprodukte (momentan noch) auf sogenannte ETFs (Exchange Traded Funds, börsengehandelte Fonds). Mit Hilfe dieser abgebildeten Indizes können Kunden durch ihre Investition an den Entwicklungen vieler Unternehmen, Bran- chen sowie an den Rentenmärkten beteiligt sein. Allerdings stehen wir hier erst am Anfang der Entwicklung. Künftig werden sicherlich auch weitere Produkte über Robo Advice automatisiert verwaltet. Mit zunehmender Komplexität der zurzeit eher standardisierten Robo-Dienste steigen allerdings die regulatori- schen und aufsichtsrechtlichen Anforderungen. Die meisten Anbieter von Robo Advice aus dem Nichtbanken-Sektor agieren derzeit als reine Anlagevermittler und unterstehen somit nicht der Bankenaufsicht. Aspekte hinsichtlich Haftungs- grundsätze und Verbraucherschutz müssen dann beispielsweise neu eruiert werden. Diese Vorteile bieten die digitalen Robo-Verwalter Während eine individuelle Beratung für klassische Anbieter erst bei höheren An- lagebeträgen interessant ist, verkauft „Kollege Algorithmus“ zwar ein ähnliches Produkt, verzichtet jedoch auf den menschlichen Kontakt zum Kunden. Durch den digitalen Vertrieb des Robo Advisors sinken die Grenzkosten (wie im Übri- gen bei allen digitalen Diensten), also die Kosten einer weiteren Einheit an Ver- waltung, gegen Null. Somit wird Robo Advice für die breite Masse erschwing- lich, d.h. auch für Kleinanleger ist es damit interessanter, an der Kapitalmarkt- entwicklung zu partizipieren. Das Mindestanlagevermögen liegt bei den meisten Anbietern zwischen EUR 1.000 und EUR 10.000, während die Gebühren i.d.R. mit weniger als 1% des investierten Vermögens deutlich unterhalb der Kosten für traditionelle Verwaltungen/Beratungen liegen. Neben den geringeren Kosten werben die neuen, technologiegetriebenen Anbieter auch damit, dass ihr digita- ler Service eine höhere Rendite erziele als traditionelle Beratung. Dies ist auf- grund mangelnder Erfahrungswerte bisher jedoch kaum evaluierbar. Marktlücke mit großem Wachstumspotential Der Branche wird laut einer Studie von Oliver Wyman großes Wachstumspoten- tial prophezeit. Daher treten neben den Fintech Start-ups vermehrt auch große traditionelle Finanzakteure in den Markt für algorithmenbasierte Anlageprodukte ein. Im vergangenen Jahr wurden weltweit lediglich USD 30 Mrd. durch Robo Advisors verwaltet. Für das Jahr 2020 wird hingegen mit einem global verwalte- ten Vermögen von ca. USD 500 Mrd. gerechnet, wobei 50% des Assetpools in Nordamerika verwaltet sein werden. Für die deutsche Robo-Advice-Branche schätzen Experten für 2020 ein Volumen von EUR 20 bis 30 Mrd. Das prognos- tizierte Wachstum wird auch durch die demographische Entwicklung begründet. Denn die internetaffine Kernzielgruppe der über 35-Jährigen fängt gerade an, größere Vermögen aufzubauen. Bis eine kritische Masse an Konsumenten der Technik vertraut und sich daran gewöhnt, Investitionsentscheidungen von einer Maschine treffen zu lassen, könnte aber noch einige Zeit verstreichen. Am Ende werden aber auch die vermögenden Kunden, insbesondere vertreten in den Al- terskohorten 50+, angesprochen und bedient werden. Robo Advice 3   |    03. August 2016Aktueller Kommentar Banken mit Größenvorteilen – Wenn die Implementierung gelingt Da kaum ein Unternehmen Gewinne mit den derzeit angebotenen Robo-Ad- vice-Strategien generiert, wird es zwangsläufig auch zur Konsolidierung kom- men. Sollte der Robo Advisor das einzige Produkt sein, werden einige Fintech Start-ups mittel- bis langfristig den Markt verlassen oder mit Wettbewerbern kol- laborieren müssen, um wettbewerbsfähig zu bleiben. Es sei denn, sie können durch alternative Erlösquellen fehlende Gewinne durch Quersubventionierung kompensieren, was traditionellen Banken leichter fallen mag. Sollten zudem die regulatorischen Anforderungen im Robo-Geschäft steigen, werden es traditio- nelle Banken aufgrund ihrer Kompetenzen und Erfahrungen mit aufsichtsrechtli- chen Behörden ebenfalls leichter haben. Diese Marktaussicht stellt für die neuen Anbieter von Robo Advisors sowohl Chance als auch Risiko dar. Ihre Agilität erlaubt es ihnen, ihre Produktpalette an Finanzdiensten zeitnah zu erweitern, um sich gegenüber den traditionellen Ban- ken besser positionieren zu können. Denn, sollten plötzlich alle Finanzdienst- leister eine algorithmenbasierte Anlageverwaltung anbieten, entscheiden neben der Qualität des Algorithmus das Angebot zusätzlicher, komplementärer Finanz- dienste über den Markterfolg. Denn im digitalen Zeitalter gilt: Wer ein aufeinan- der abgestimmtes Angebot verschiedener (Finanz-)Dienste aus einer Hand an- bieten kann, bei dem Technologie, Dienste und individuelle Nachfrage digital vernetzt sind (Stichwort Internet der Dinge), wird im Markt erfolgreich sein. Dies setzt allerdings voraus, dass auch traditionelle Banken diesen digitalen Evoluti- onsschritt erkennen und ebenfalls Robo Advice in ihr Produktangebot integrie- ren. Werden die Maschinen den Menschen vollends ersetzen? Ein Verdrängungswettbewerb zwischen „digitalen und menschlichen Beratern“ ist vorerst nicht zu erwarten, da a) der Einsatz von Robo-Advisors eher als Komplement denn als Substitut zu begreifen ist und es b) immer Kunden geben wird, die den persönlichen Kontakt zu ihrem Berater bevorzugen. Gerade bei extremen Marktereignissen steigt das Bedürfnis der Anleger, sich mit jemandem auszutauschen, um ggf. Vermögensumschichtungen vorzunehmen. Jene Kun- den werden dann auch bereit sein, für diesen weiterhin gewünschten menschli- chen Kontakt zu bezahlen. Zudem kommen viele Kunden aus unterschiedlichen Jurisdiktionen, was ebenfalls (noch) nicht optimal abgedeckt werden kann mit derzeit verwendeten Algorithmen. Bei derzeitigem Stand der Technik bleibt menschliches Handeln vorerst unverzichtbar, nicht zuletzt, um mit menschlicher Erfahrung und der Fähigkeit, „out-of-the-Box“ zu denken, mögliche Fehler im programmierten Algorithmus zu korrigieren.  Fazit für Wettbewerber und Kunden Für traditionelle Banken ist der Einsatz von Robo Advice durchaus ratsam, weil sie dadurch eine zusätzliche Datenquelle erschließen können. Die neu hinzu- kommenden oftmals personenbezogenen Daten erlauben es den Bankhäusern – das Einverständnis der Kunden vorausgesetzt – weitere nutzenstiftende und individuelle Finanzdienste aus einer Hand anzubieten. Denn gerade der Um- gang mit (personenbezogenen) Daten wird künftig darüber entscheiden, inwie- Robo Advice 4   |    03. August 2016Aktueller Kommentar fern sich traditionelle Banken im Markt gegenüber den neu in den Markt eintre- tenden, technologiegetriebenen Akteuren positionieren. Je nachdem, wie schnell der Regulator u.a. hinsichtlich Haftung und Verbrau- cherschutz eingreifen wird, werden die neuen Robo-Anbieter, die als reine Anla- gevermittler agieren, mittelfristig ihre Geschäftsmodelle anpassen müssen. Konsolidierungen bzw. strategische Allianzen sind vorprogrammiert. Für Robo-Advice-Kunden ist es sicherlich von besonderem Vorteil, wenn sie ei- ne gewisse Kapitalmarkterfahrung besitzen. Aber das Robo-Angebot richtet sich eben auch oder gerade an jene Kundengruppen, die bewusst eine bequeme Kapitalanlage suchen, ohne sich spezifisch in die Materie einarbeiten zu müs- sen.    Hier finden Sie weitere Kommentare aus der Fintech-Reihe: Fintech #7 Fintech #6 Fintech #5 Fintech #4 Fintech #3 Fintech #2 Fintech #1   Hier geht’s zu den Chancen und Risiken von „ Big Data “. Lesen Sie hier, was hinter der Fintech -Bewegung steckt. In Fintech reloaded  finden Sie eine Analyse, wie sich traditionelle Banken zu ei- ner digitalen Plattform wandeln können. Robo Advice 5   |    03. August 2016Aktueller Kommentar © Copyright 2017. Deutsche Bank AG, Deutsche Bank Research, 60262 Frankfurt am Main, Deutschland. Alle Rechte vor- behalten. Bei Zitaten wird um Quellenangabe „Deutsche Bank Research“ gebeten. Die vorstehenden Angaben stellen keine Anlage-, Rechts- oder Steuerberatung dar. Alle Meinungsaussagen geben die ak- tuelle Einschätzung des Verfassers wieder, die nicht notwendigerweise der Meinung der Deutsche Bank AG oder ihrer as- soziierten Unternehmen entspricht. Alle Meinungen können ohne vorherige Ankündigung geändert werden. Die Meinungen können von Einschätzungen abweichen, die in anderen von der Deutsche Bank veröffentlichten Dokumenten, einschließ- lich Research-Veröffentlichungen, vertreten werden. 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