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12. November 2010
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Die Verantwortung für das Management der Volatilität im Agrarsektor liegt zunehmend bei den Landwirten, die künftig stärker auf marktbasierte Instrumente zurückgreifen müssen. Insgesamt kann die Politik eine entscheidende Rolle dabei spielen, die Risikomanagementfähigkeiten der Landwirte zu verbessern. Eine Ausweitung des öffentlichen Sicherheitsnetzes verringert die Anreize für Landwirte und andere Akteure entlang der Lebensmittelkette, ihre Risiken effizient über Derivate, private Versicherungen oder betriebsinterne Strategien, wie z.B. eine Diversifizierung der Produktion, zu verringern. Die Politik muss die Landwirte dazu in die Lage versetzen, ihre eigenen Risikomanagement-Entscheidungen zu treffen, und ihnen Zugang zu verschiedenen Instrumenten und Strategien verschaffen. Direktere Interventionen sollten nur im Notfall eingesetzt werden und nur dann, wenn sie nicht auf Kosten der übrigen Welt oder der ökologischen Nachhaltigkeit gehen. [mehr]
Risikomanagement in der Landwirtschaft: Auf dem Weg zu marktorientierten Lösungen in der EU Trendforschung Aktuelle Themen 498 Autor Claire Schaffnit-Chatterjee +49 69 910-31821 claire.schaffnit- chatterjee@db.com Editor Stefan Schneider Publikationsassistenz Manuela Peter Deutsche Bank Research Frankfurt am Main Deutschland Internet: www.dbresearch.de E-Mail: marketing.dbr@db.com Fax: +49 69 910-31877 DB Research Management Thomas Mayer Die Verantwortung für das Risikomanagement in der Landwirtschaft liegt zunehmend bei den Landwirten. Die Gemeinsame Agrarpolitik der EU wird derzeit grundlegend reform iert und stärker auf Marktmechanismen ausgerich - tet. Aufgrund geringerer Budgetspielräume sowie umwelt - und handelspolitischer Erwägungen wurden Marktinterventionen verringert. Auf dieser Grundlage wird derzeit über die Gemeinsame Agrarpolitik (GAP) in der Zeit ab 2013 diskutiert. Im Agrarsektor werden die Produzenten stärker auf marktbasierte Instrumente zurückgreifen müssen. Wir haben die wichtigsten Risikomana - gementinstrumente, die den Landwirten in der EU zur Verfügung stehen, vor allem daraufhin unter sucht, wie wirksam sie das Einkommen stabilisieren. Soweit mög - lich, haben wir außerdem die Auswirkungen auf die Umwelt und die Sicherheit der Lebensmittelversorgung berücksichtigt. Die Landwirte in der EU werden künftig auf eine immer umfangreichere Palet te von privaten Risikomanagementinstrumen - ten zurückgreifen können. Wahrscheinlich werden sie zunehmend Finanzderivate und Versicherungsprodukte nutzen. Der Derivatemarkt ist in Europa noch klein, entwickelt sich aber und weist ein beträchtliches Potenzial auf. Staatliche Unterstützung kann die Nutzung von Derivaten zur Abfederung von Preisschwankungen unterstützen, indem Schulungen zu diesen Produkten gefördert werden, die Verfügbarkeit von Informationen sichergestellt wird und eine umsichtige Regulierung erfolgt. Dies spielt eine entscheidende Rolle dafür, dass Rohstoffderivate ihren Zweck erfüllen, nämlich Marktpreise zu ermitteln und als Absicherung zu dienen. Auch der Versicherungsmarkt dürfte sich weiterentwickeln ; er dient vor allem dazu, Produktionsr isiken abzufangen und finanzielle Risiken abzumildern. Die Rolle der Versicherung reicht in der EU meist nicht aus, um merkliche Ei n- kommensverluste in schlechten Jahren zu glätten. Um ökologische Nachhaltigkeit und dementsprechend auch die lan g- fristige Leb ensmittelversorgung sicherzustellen, müssen die Landwi r- te für die Bereitstellung öffentlicher Güter , z.B. Biodiversität, Qualität und Verfügbarkeit von Wasser, Luftqualität, Bodenfunktionalität, Klimastabilität ko m- pensiert werden. Um den Übergang zu einer nachhaltigeren Landwirtschaft (bis andere Maßnahmen ergriffen werden, um diese Externalitäten zu bewerten) zu ermöglichen, können Zahlungen für die Bereitstellung öffentlicher Güter dazu be i- tragen, die Einkommen der Landwirte zu stabilisieren. Insgesamt ka nn die Politik eine entscheidende Rolle dabei spielen, die Risikomanagementfähigkeiten der Landwirte zu verbessern. Dire k- tere Interventionen sollten nur im Notfall eingesetzt werden und nur dann erfolgen, wenn sie nicht auf Kosten der übrigen Welt oder der ökologischen Nachhaltigkeit gehen. 12. November 2010 Risikomanagement in der Landwirtschaft Auf dem Weg zu marktorientierten Lösungen in der EU Aktuelle Themen 498 2 12. November 2010 Inhaltsverzeichnis Seite 1. Risikomanagement im Agrarsektor: Die Hintergründe .................................................... 3 2. Risiken im Agrarsektor ...................................................................................................... 4 2.1 Verschiedene Risikodimensionen im Agrarsektor ......................................................................... 4 2.2 Produktionsrisiken ............................................................................................................................. 7 2.3 Preisrisiken ......................................................................................................................................... 8 2.4 Risikomanagementpraktiken in Europa ........................................................................................ 12 3. Staatliche Risikomanagementinstrumente ..................................................................... 14 3.1 Maßnahmen der EU zur Markt- und Preisstabilisierung .............................................................. 14 3.2 Traditionelle Maßnahmen der EU zur Dämpfung von Einkommensschwankungen ................. 17 3.3 Zahlungen für die Bereitstellung öffentlicher Güter ..................................................................... 18 4. Marktbasierte Risikomanagementinstrumente .............................................................. 20 4.1 Absicherung (Hedging) gegen Preisrisiken mit Hilfe von Derivaten .......................................... 20 4.2 Versicherungen im Agrarsektor ...................................................................................................... 26 5. Schlussfolgerungen ......................................................................................................... 31 Literaturverzeichnis ............................................................................................................. 33 Die Autorin dankt für hilfreiche Diskussionen und Einblicke in das jeweilige Spezialgebiet: Steve Schuetz, Agricultural Strategist beim Trading Desk der Deutschen Bank für Agrarprodukte, Ariel Brunner, Head of EU Policy bei Bird Life International, und seiner Kollegin Emma Comerford, Economist bei The Royal Society for the Protection of Birds, U.K. Risikomanagement in der Landwirtschaft 12. November 2010 3 Steigende Verlustwahrscheinlichkeit Stärkere Marktorientierung der Landwirtschaftspolitik weist Land - wirten mehr Verantwortung zu 1. Risikomanagement im Agrarsektor: Die Hintergründe Risikomanagement ist im Agrarsektor unter verschiedenen Ge- sichtspunkten erforderlich: Eine Risikoverringerung in der Landwirt- schaft erhöht den Wohlstand der Bauern nicht in jedem Fall, das Fehlen eines Risikomanagements wirkt sich jedoch direkt auf die Einkommen der Landwirte, die Marktstabilität und eventuell auch die Lebensmittelversorgung aus. Letzteres gilt vor allem für die Entwick- lungsländer, aber auch für die ärmsten Länder der EU, da vorüber- gehende Angebotsengpässe zu beträchtlichen Preissteigerungen führen können. Die beiden Hauptrisiken für Landwirte – Ertrags- und Preisvolatilität – dürften sich künftig erhöhen. Einerseits wird der Klimawandel zu einer höheren Zahl von extremen Wetterereignissen führen, die sich negativ auf die Erträge auswirken sollten. Andererseits ist weltweit langfristig aufgrund struktureller Faktoren ein Ungleichgewicht zwi- schen Angebot und Nachfrage zu erwarten: Die Nachfrage steigt wegen des Bevölkerungs- und Einkommenswachstums, gleichzeitig werden Wasser, Anbauflächen und Energie knapp. 1 Geringe Lager- bestände dürften die Preisschwankungen noch verstärken. Daneben wurde die Gemeinsame Agrarpolitik (GAP) der Europäi- schen Union reformiert und der Umfang von Marktinterventionen merklich verringert. Geringere Budgetspielräume sowie umwelt- und handelspolitische Erwägungen haben zu einer stärkeren Marktorien- tierung der GAP geführt, und diese Entwicklung dürfte sich fortset- zen. Im Rahmen der Health-Check-Reform im Jahr 2008 wurde die GAP vereinfacht und verschlankt und die Vorgaben für die Landwirte wurden reduziert, so dass diese besser auf Marktsignale reagieren und sich auf neue Herausforderungen einstellen können. Dement- sprechend liegt die Verantwortung für das Managen von Risiken, die zuvor durch Preis- und Marktstützungsmechanismen verringert wur- de, zunehmend bei den Landwirten. Bei jeder Diskussion über die GAP ab 2013 muss daher auch darauf eingegangen werden, wel- che Möglichkeiten die Landwirte und Akteure entlang der Lebens- mittelkette zum Abfangen von Risiken haben. In dieser Studie wollen wir auf die Instrumente eingehen, die in der Europäischen Union für das Risikomanagement in der Landwirt- schaft zur Verfügung stehen, und beurteilen, wie wirksam diese die Einkommen der Landwirte stabilisieren. Politik und Praxis im Agrar- sektor der EU haben gleichzeitig beträchtliche Auswirkungen auf andere Bereiche: Erstens hängt die Zukunft der Landwirtschaft eng mit dem Zustand der Umwelt zusammen (Biodiversität, Verfügbar- keit und Qualität von Wasser, Treibhausgasemissionen, Boden- und Luftqualität). Der Zustand der Umwelt ist sowohl ein wichtiger Pro- duktionsfaktor als auch ein wertvolles Produkt der Landwirtschaft sowie ein öffentliches Gut. Zweitens ist es die Hauptaufgabe der Landwirtschaft, ein Grundbedürfnis der Menschen auf der Erde – dasjenige nach Nahrung – zu stillen. Als großer Produzent und Ex- porteur von Nahrungsmitteln trägt die EU zur weltweiten Lebensmit- telversorgung bei und hat Einfluss auf die Agrarmärkte von Entwick- lungsländern. Wir untersuchen daher die wichtigsten Risikomanagementinstru- mente, die den Landwirten in der EU zur Verfügung stehen, vor allem daraufhin, wie wirksam sie das Einkommen stabilisieren. So- 1 Zu weiteren Einzelheiten vgl. Schaffnit-Chatterjee (2009). Aktuelle Themen 498 4 12. November 2010 Verschiedene, miteinander zusa m- menhängende Risiko quellen weit möglich, berücksichtigen wir außerdem die Auswirkungen auf die Umwelt und die Entwicklungsländer. Im folgenden Abschnitt gehen wir auf die größten Risiken, mit denen die Landwirte konfrontiert sind, und auf aktuelle Risikomanage- mentpraktiken in Europa ein. Im dritten Kapitel befassen wir uns mit politischen Maßnahmen zur Verringerung von Risiken, wobei wir sowohl auf traditionelle Instrumente eingehen als auch auf das neu- ere Konzept, Landwirte für die Bereitstellung öffentlicher Güter zu bezahlen. Im vierten Abschnitt untersuchen wir die beiden wichtigs- ten Marktinstrumente, mit deren Hilfe Landwirte Risiken abmildern können: die Futuresmärkte zur Verringerung von Preisrisiken und die Versicherungsmärkte, die vor allem zur Senkung von Produkti- onsrisiken dienen. Der letzte Abschnitt beinhaltet eine Zusammen- fassung sowie weitere Empfehlungen. 2. Risiken im Agrarsektor Der Begriff „Risiko― lässt sich als mögliche Abweichung der tatsäch- lichen von den erwarteten Ergebnissen definieren. Diese Abwei- chung kann positiv oder negativ sein; ein negatives Ergebnis ist aus praktischer Sicht von größerer Bedeutung, weshalb sich die Ent- scheidungsträger in der Regel auf diesen Fall konzentrieren. Als „Risikomanagement― bezeichnen wir hier die Palette an Techniken und Instrumenten, die angewendet werden können, um Verluste zu vermeiden oder zu minimieren und Chancen zu nutzen. 2.1 Verschiedene Risikodimensionen im Agrarsektor Landwirte sind mit einer Reihe von Risiken konfrontiert, die häufig miteinander zusammenhängen. Im Agrarsektor sind in der Regel sechs Arten von Risiken von Bedeutung, die nach ihren Ursachen kategorisiert werden: — Produktionsrisiken, die sich auf Schwankungen der Ernteerträge und der Nutztierproduktion beziehen. Diese sind auf eine Reihe von Faktoren zurückzuführen: Witterung/Klimawandel, Schädlin- ge, Krankheiten, technologische Veränderungen und Umgang mit natürlichen Ressourcen wie z.B. Wasser; — Preis- und Marktrisiken, die (vor allem) mit Schwankungen der Preise für das Endprodukt, aber auch mit Schwankungen der Preise für Produktionsfaktoren und der Integration in die Le- bensmittelkette (Qualität, Sicherheit, neue Produkte usw.) zu- sammenhängen; — regulatorische Risiken, die auf Änderungen der Agrarpolitik (z.B. Subventionen, Vorschriften für Lebensmittelsicherheit und Um- weltvorschriften) oder der Handelspolitik zurückzuführen sind: Wenn die staatlichen Maßnahmen nicht wie von den Landwirten erwartet ausfallen, können sie sich negativ auf deren Einkommen auswirken; — technologische Risiken, die mit der Einführung neuer Technolo- gien zusammenhängen; — finanzielle Risiken, die auf unterschiedliche Finanzierungsme- thoden im Agrarsektor zurückzuführen sind und mit der Verfüg- barkeit von Krediten, der Zins- und Wechselkursentwicklung usw. zusammenhängen; — Personalrisiken, d.h. die möglicherweise mangelnde Verfügbar- keit von Personal. 0 2 4 6 8 Witterung und Kata - strophenereignisse Preisvolatilität Tierseuchen Vermarktungs - schwierigkeiten Politische Maßnahmen Technologie Markt für Produktions - faktoren Verschuldung Deutschland Spanien Niederlande Polen Ungarn Umfrage unter Landwirten zur Bedeutung der Risikoursachen von 1 (keine Aus - wirkungen auf die Landwirtschaft) bis 7 (wesentliche Auswirkungen) Einschätzung der Risikoursachen Quellen: Székely und Pálinkás (2009), DB Research 1 Risikomanagement in der Landwirtschaft 12. November 2010 5 Diversifizierung, vertikale Integration und Ersparnisbildung: Strate gien auf Ebene des einzelnen Betriebs Eintrittshäufigkeit, Schadenspotenzi al , gegenseitige Abhängigkeit wichtige Faktoren für die Beur teilung von Risiken Preis- und Produktionsrisiken werden in der Regel als die größten Risiken im Agrarsektor angesehen (Grafik 1); im Folgenden gehen wir auf sie ein. Die Politik spielt bei der Abmilderung dieser Risiken eine Rolle, ist aber gleichzeitig Ursache regulatorischer Risiken. Die Risiken können nicht nur nach ihren Ursachen, sondern auch nach der Eintrittshäufigkeit negativer Ereignisse und Schadenspo- tenzial eingeteilt werden. Das Risikomanagement beginnt mit Ent- scheidungen auf der Ebene des einzelnen Betriebs bzw. Haushalts: Welche Produkte sollen produziert werden? Wie soll die Anbauflä- che eingeteilt werden? Welche Produktionsfaktoren und Techniken sollen eingesetzt werden? Eine Diversifizierung von Aktivitäten in- nerhalb bzw. außerhalb des Betriebs führt in der Regel dazu, dass Risiken verringert werden. Der Grad der Integration des einzelnen Landwirts in die Lebensmittelkette hat Konsequenzen für den Um- fang, in dem sich Preisschwankungen für den Betrieb auswirken. Eine vertikale Integration – bei der der Betrieb einen Rohstoff auf zwei oder mehr Produktionsstufen kontrolliert – senkt in der Regel die Risiken, die mit Quantitäts- und Qualitätsschwankungen der Produktionsfaktoren (Rückwärtsintegration) oder der Produkte (Vor- wärtsintegration) einhergehen. Vertikale Integration tritt häufiger in der Viehzucht (Rückwärtsintegration in die Futterproduktion) oder bei frischem Gemüse (Vorwärtsintegration in Sortierung, Verarbei- tung und Verpackung) auf. Der Aufbau finanzieller Reserven ist eine weitere, einfache Risikomanagementstrategie. Risiken, die auf häufig eintretende Ereignisse zurückzuführen sind und jeweils keine großen Verluste auslösen, wie z.B. „normale― Preis- und Produktionsschwankungen, werden auf der Ebene des einzelnen Betriebs abgefangen. Selten eintretende Ereignisse, die zu schweren Schäden in einer ganzen Region führen (z.B. Über- schwemmungen, Dürren oder Seuchen), gehören in der Regel zu den Katastrophenrisiken, bei denen marktorientierte Lösungen eine geringere Rolle spielen, was vor allem auf eine enge Einbindung des Staats zurückzuführen ist. Für den Bereich zwischen diesen Extremen bieten die Finanzmärkte und Versicherungen Lösungen. Risikomanagementinstrumente für den Agrarsektor Quellen: DB Research, OECD(2009 a) Katastrophenrisiken  Katastrophenhilfe  Sicherheitsnetze  Versicherungen Normale Risiken  Management auf der Ebene des einzelnen Betriebs  Allgemeine staatliche Politik (Steuersystem, Kranken- und Sozialversicherungssystem) niedrig Eintrittswahrscheinlichkeit des Verlusts hoch Schwere des Verlusts Aktuelle Themen 498 6 12. November 2010 Betriebliche und agg regierte Schwankungen: Bias der räumlichen Aggregierung Mögliche Maßnahmen, Str ategien, Anbieter Unterschiedliche Ziele im Risiko - ma nagement, die einander widersprechen können Außerdem ist es von Bedeutung, wie stark die gegenseitigen Ver- flechtungen sind: Für Versicherungsgesellschaften oder die Politik spielt es z.B. eine Rolle, ob wenige Landwirte betroffen sind (idiosynkratisches Risiko) oder viele (systemisches Risiko). Risiken, von denen zahlreiche Menschen gleichzeitig betroffen sind, wie Dürren, Überschwemmungen oder Preisschocks, lassen sich schwerer innerhalb des Sektors in den Griff bekommen. Bei einer Beurteilung der Risiken, mit denen die Produzenten kon- frontiert sind, muss man im Auge behalten, dass die aggregierten Daten insofern in die Irre führen können, als sie das Produktionsrisi- ko auf der Ebene des einzelnen Betriebs unterschätzen. Günstige Ernten an einem Standort werden in der Regel durch schlechte Ern- ten an einem anderen Standort kompensiert, so dass die Ernteer- träge insgesamt nicht so stark schwanken wie auf der Ebene des einzelnen Betriebs. In Bezug auf Preisschwankungen ist diese Ten- denz bei der räumlichen Aggregierung sehr viel schwächer ausge- prägt, weil sich die Produktpreise bei einer räumlichen Integration der Produktmärkte über verschiedene Standorte hinweg einander angleichen. 2 Eine Kategorisierung kann auch anhand der einzelnen Maßnahmen erfolgen, die zum Umgang mit den verschiedenen Risikoarten ergrif- fen werden. Die Landwirte können versuchen, die Eintrittswahr- scheinlichkeit eines negativen Ereignisses z.B. durch den Einsatz von Technologie zu verringern. Ebenso können sie versuchen, die möglichen Auswirkungen eines negativen Ereignisses abzumildern, indem sie die Anfälligkeit ihres Betriebs für dieses Ereignis von vornherein verringern. Mangelt es an derartigen Maßnahmen, müs- sen die Landwirte nach dem Eintreten des Negativereignisses damit umgehen (unterstützt z.B. durch direkte Zahlungen oder Einkünfte- /Einkommensversicherungen). Folgende Strategien können eingesetzt werden, um die Auswirkun- gen eines Ereignisses abzumildern: — Risikotransfer (z.B. am Derivatemarkt), — Risikopooling (z.B. durch Versicherungen), — Produktionsdiversifizierung (unterschiedliche wirtschaftliche Tä- tigkeiten oder Anbau verschiedener Nutzpflanzen). Unterschiedliche Risikokategorien werden von unterschiedlichen Anbietern abgesichert: Banken, Versicherungsgesellschaften, die öffentliche Hand oder öffentlich-private Partnerschaften, und man- che Risiken werden am besten im Betrieb von den Landwirten selbst gemanagt. Die verschiedenen Akteure verfolgen beim Risikomanagement un- terschiedliche Ziele. Diese Ziele können einander gegebenenfalls widersprechen (Lebensmittelproduzenten bzw. Käufer von Lebens- mitteln oder Futtermitteln). Manche Akteure wollen vorrangig die Lebensmittelpreise stabilisieren, andere direkt die Einkommen der Landwirte. Preisvolatilität ist Anlass zur Besorgnis sowohl auf der Makroebene des Staats als auch auf der Mikroebene bei Produzen- ten und Verbrauchern. Ein Rückgang der Rohstoffpreise in der Wachstumssaison ist ungünstig für die Landwirte und tendenziell günstig für die Verbraucher. Hohe Preise wirken sich dagegen un- günstig für die Verbraucher aus, da die privaten Haushalte einen hohen Anteil ihres Einkommens für Lebensmittel ausgeben. Aller- dings tritt dies in den Industrieländern relativ selten ein (wenngleich 2 OECD (2010). Risikomanagement in der Landwirtschaft 12. November 2010 7 S ubstitutive und komplementäre Instrumente es vorkommt), so dass die Regierungen der Industrieländer eher wegen der Auswirkungen von Preisschwankungen auf die Produ- zenten besorgt sind (die tendenziell gut in Lobbygruppen organisiert sind). In den Industrieländern schützt die Politik die Landwirte vor einem Preisrückgang. Bei einer höheren Volatilität der Lebensmit- telpreise steigt auch die Risikoprämie für Investitionen in der Land- wirtschaft an. Dadurch verringert sich tendenziell die Investitions- quote und dementsprechend auch das Wachstum in der Landwirt- schaft, was sich wiederum auf die Lebensmittelkette und potenziell auf die Sicherheit der Lebensmittelversorgung auswirkt. In der obigen Tabelle sind die verschiedenen Risikomanagement- instrumente für den Agrarsektor nach Strategieart und Anbieter auf- geführt. Dabei sind die Zusammenhänge zwischen den Instrumen- ten im Blick zu behalten. Wir gehen im Folgenden darauf ein, dass einige Instrumente andere verdrängen, da sie die marginalen Ge- winne für den einzelnen Landwirt reduzieren. Die Sicherheit, die bestimmte Versicherungen bieten, verringert z.B. den Nutzen von Produktionsdiversifizierungen, und eine umfangreiche Einkünfte- versicherung verringert die Nachfrage nach Preissicherungsinstru- menten oder lässt sie sogar ganz verschwinden. Im Gegenzug er- gänzen einige Instrumente einander: Zusätzliche Ernteversicherun- gen können zu einer höheren Nachfrage nach Preissicherungsin- strumenten führen. 3 Angesichts dieser wichtigen Beziehungen zwi- schen den Risikomanagementinstrumenten können die einzelnen Instrumente nicht getrennt von anderen Instrumenten betrachtet werden. 2.2 Produktionsrisiken Beim Produktionsrisiko handelt es sich um das Risiko von Produkti- onsverlusten. Bei Nutzpflanzen sind Ernterisiken vor allem auf Wet- terereignisse (Dürren, übermäßige Niederschläge, Hagel, Frost und Überschwemmungen), Pflanzenschädlinge und Pflanzenkrankheiten 3 OECD (2009a). Überblick über Instrumente für das Risikomanagement in der Landwirtschaft Betrieb/einzelner Haushalt/ Gemeinschaft Markt Staat Risikoverringerung Entscheidung über angewendete Technologie Risikomanagement - Schulungen Makroökonomische Politik Katastrophenverhinderung (Hoc h- wasserschutz) Verhinderung von Tierseuchen Risikoabmilderung Diversifizierung der Produktion Ertragsteilung Futures und Opti onen Versicherungen Vertikale Integration Produktions - oder Marketing - kon trakte Verteilung von Verkäufen über das Jahr Diversifizierte Finanzinvestitionen Arbeit außerhalb des Agrarsektors Glättung der Einnahmen über das Steuersystem Antizyklische Program me Grenzschließungen und sonstige Maßnahmen beim Ausbruch ansteckender Seuchen Bewältigung von Risiken Kreditaufnahme bei Nachbarn/ der Familie Unterstützung innerhalb der G e- meinschaft Verkauf von Finanzvermögens - werten Ersparnis/Kreditaufnahme bei Banken Einnahmen außerhalb des Agrar - sektors Katastrophenhilfe Sozialversicherung Programme zur Unterstützung des Agrarsektors Quellen: OECD (2009a), DB Research 2 Aktuelle Themen 498 8 12. November 2010 Kurzfristige/individuelle und langfristig e/kollektive Ziele bei der Risikover ringerung laufen einander häufig zuwider Voraussichtlich Anstieg der Produktionsrisiken Preisrisiken der Inputfaktoren – eher kurzfristig durch Ölpreis getrieben – könnten zunehmen zurückzuführen. Auf der Ebene des einzelnen Betriebs kann der Umfang der Ernterisiken in mancherlei Hinsicht durch bestimmte Strategien reduziert werden, z.B. durch eine umsichtige Entschei- dung über die anzubauenden Feldfrüchte, besseres Saatgut, Pesti- zide und Bewässerung. (Es sei darauf hingewiesen, dass die Pro- duktionsfaktoren in der Landwirtschaft die Risiken sowohl reduzie- ren als auch erhöhen können; so kann z.B. die Nutzung bestimmter chemischer Produktionsfaktoren die Wahrscheinlichkeit verringern, dass die Ernte schlecht ausfällt, aber gleichzeitig zu insgesamt stär- keren Schwankungen der Ernteerträge führen.) Bei Nutztieren ist die Häufigkeit von Produktionsverlusten sehr viel geringer als bei Feldfrüchten; Ursachen sind in der Regel das Ausbrechen von Seu- chen, witterungsbedingte Risiken oder Beutegreifer. Allgemein wer- den Produktionsrisiken vor allem durch Versicherungen verringert. Bei der Beurteilung von Produktionsrisiken ist auch darauf hinzu- weisen, dass kurzfristige/individuelle Risikoverringerung und lang- fristige/kollektive Risikoverringerung häufig im Konflikt miteinander stehen. So kann ein Landwirt das Risiko eines Ernteverlusts durch Dürre z.B. durch Bewässerung 4 verringern. Gleichzeitig bringt dies aber das Risiko eines chronisch übermäßigen Wasserverbrauchs oder der Versalzung mit sich, wenn zahlreiche Landwirte ihre Felder in großem Umfang bewässern. Beides ist langfristig für die Land- wirtschaft und in einem übergreifenden Zusammenhang negativ. Der Kampf gegen Krankheiten ist ein weiteres Beispiel. Setzt ein Land- wirt Pestizide für seine Nutzpflanzen ein oder lässt er seinen Vieh- bestand medizinisch behandeln, so senkt er eindeutig sein Risiko von Ernte- oder Nutztierverlusten. Bei einem breiten Einsatz ein- und desselben Produkts steigt jedoch das Risiko von Resistenzen bei den Schädlingen, was zu sehr viel größeren Verlusten führen kann. Das Produktionsrisiko dürfte aufgrund des Klimawandels 5 und der Globalisierung zunehmen. Wir rechnen damit, dass extreme Wetter- ereignisse künftig häufiger eintreten. Die Globalisierung dürfte auch dazu führen, dass Schädlinge oder Seuchen häufiger auftreten. Nach Auffassung einiger Beobachter könnte auch die Beachtung der Vorschriften für agrochemische Produkte das Ernterisiko erhö- hen; Beispiele sind die Nitratrichtlinie oder die Wasserrichtlinie, der zufolge Felder in der Nähe von Wasser nicht so stark gespritzt wer- den dürfen. Andererseits lässt sich die Auffassung vertreten, dass diese Vorschriften Anreize für den umsichtigeren Einsatz agroche- mischer Produkte oder die Suche nach Alternativen (z.B. Fruchtfol- ge) schaffen und so die Ernterisiken potenziell verringern. 2.3 Preisrisiken Das Preisrisiko bezieht sich auf Schwankungen der Preise für Pro- dukte und Produktionsfaktoren. Preisrisiken für Inputfaktoren von geringerer Bedeutung Beim Anbau von Feldfrüchten geht die Literatur in deutlich geringe- rem Umfang auf Preisrisiken für die Produktionsfaktoren ein; sie gelten als weniger wichtig als Produktpreis- und Ernterisiken (vgl. z.B. Grafik 3). Normalerweise führen sie nicht zu vergleichbar gro- ßen Ertragsschwankungen. 6 Außerdem ist das Zeitfenster für Preis- risiken bei den Produktionsfaktoren kürzer: Aufwendungen für Dün- ger und sonstige Produktionsfaktoren fallen in der Regel innerhalb 4 Heymann et al. (2010). 5 Kahn und Zaks (2009), Heymann (2007). 6 OECD (2008). Risikomanagement in der Landwirtschaft 12. November 2010 9 Preisveränderungen v or allem au f- grund von Schwankungen von Ange bot und Nachfrage sowie niedrigen Lagerbeständen weniger Monate nach Anbaubeginn an, die Unsicherheit über Pro- duktpreise und den Umfang der Ernte hält dagegen in der Regel mindestens sechs Monate lang an. Die Preise für Produktionsfaktoren können jedoch beträchtlich schwanken, und es gibt kein entsprechendes Absicherungssystem (allerdings können bestimmte Güter im Betrieb gelagert werden). Das Preisrisiko seitens der Produktionsfaktoren ist beträchtlich und wird möglicherweise übersehen. Die Schwankungen der Preise für Produktionsfaktoren sind wohl zum größten Teil auf die Entwicklung der Treibstoff- und Dünger- preise zurückzuführen, weil Treibstoff und Dünger im traditionellen Ackerbau zum einen den größten Teil der Produktionskosten aus- machen und weil es sich dabei zum anderen selbst um Rohstoffe handelt, die ebenso wie alle anderen Rohstoffe Preisschwankungen unterliegen. Diese Schwankungen dürften parallel zur höheren Vola- tilität der Energiepreise zunehmen. In der Viehzucht belaufen sich die Produktionskosten vor allem auf Futtermittelkosten. Die folgende Darstellung der Produktpreisrisiken für Feldfrüchte deckt daher die meisten Gesichtspunkte in Bezug auf Preisrisiken für Produktionsfaktoren in der Viehzucht ab. Schwankungen der Produktpreise hängen von zahlreichen Fak- toren ab Die Schwankungen der Produktpreise ergeben sich aus den biolo- gisch bedingten Verzögerungen in der landwirtschaftlichen Produk- tion. Die Produzenten müssen ihre Produktionsentscheidungen einige Monate (bei Bäumen sogar Jahre) vor dem Zeitpunkt treffen, zu dem sie das Produkt verkaufen können – das heißt, bevor sie den Marktpreis für das jeweilige Produkt kennen. In diesem Zeit- raum können sich die Produktpreise aufgrund von Angebots- und Nachfrageschocks merklich ändern. Die Landwirte geraten mögli- cherweise in eine schwierige Lage, wenn die Rohstoffpreise wäh- rend des Produktions- und Vermarktungszyklus merklich sinken. Zahlreiche Faktoren tragen zu den Preisschwankungen bei, wie sich bei der Preisspitze für Lebensmittel in den Jahren 2007/2008 zeigte. Das Einkommens- und Bevölkerungswachstum, steigende Energie- preise und Subventionen für die Produktion von Biotreibstoffen ha- ben dazu geführt, dass sich der Konsum von Agrarprodukten beträchtlich erhöht hat. Gleichzeitig wurden die Entwicklung von Produktivität und Produktion durch die begrenzte Verfügbarkeit na- türlicher Ressourcen, unzureichende Investitionen in die ländliche Infrastruktur und in die agrarwissenschaftliche Forschung, den ein- geschränkten Zugang der Bauern zu landwirtschaftlichen Produkti- onsmitteln und durch ungünstige Witterung gedämpft. Spekulatio- nen wurden als Grund für Preissteigerungen genannt; dieses The- ma wurde heftig diskutiert, aber es gibt keine eindeutigen Belege dafür, dass Spekulationen die Preise nach oben getrieben haben (genauere Ausführungen dazu finden sich in Kapitel 3.1). In den vergangenen Jahren übertraf der Getreideverbrauch die Erzeugung, wodurch die Lagerbestände sanken. Die Lagerbestände spielen wegen ihrer Pufferwirkung eine zentrale Rolle: Geringe Lagerbe- stände gehen mit starken Preisschwankungen einher. 7 Auch makro- ökonomische Faktoren wie z.B. die Entwicklung der Inflationsraten, Wechselkurse und Zinssätze wirken sich auf die Volatilität der Prei- se für landwirtschaftliche Produkte aus. 7 Balcombe (2009), OECD-FAO (2010). 0 200 400 600 800 1.000 1.200 1.400 0 20 40 60 80 100 120 140 160 01 02 03 04 05 06 07 08 09 10 Rohstoffpreise Quellen: Bloomberg, DB Research Mais (links) Weizen (links) Öl (rechts) USD/Barrel (rechts) US - Cent/Scheffel (links) 3 Aktuelle Themen 498 10 12. November 2010 Langsame Reaktion auf Preisschocks auf der Nachfrage - und der Angebotsseite Historische Volatilität, künftige Prei s- volatilität, implizite Volatilität Internatio nale und nationale Märkte Die Konsequenzen von Schocks für den Agrarsektor und die Le- bensmittelversorgung werden durch die geringe Elastizität des An- gebots und der Nachfrage verstärkt. Da Lebensmittel ein lebens- notwendiges Produkt sind, für das es keinen Ersatz gibt (mit Aus- nahme anderer Lebensmittel), reagiert die Nachfrage in der Regel kaum auf Preissteigerungen (nur die Ärmsten der Armen müssen gegebenenfalls hungern). Auch das Angebot reagiert kurzfristig kaum, bis die Anbauentscheidungen für die nächste Saison getrof- fen werden oder mehr Ackerland für den Anbau genutzt wird bzw. brachliegt. Verschiedene Arten von Preisschwankungen Preisschwankungen sind komplexer Natur und werden häufig als Preisvolatilität erfasst, die sich auf verschiedene Arten definieren lässt. Der Begriff verweist auf Preisbewegungen, die mit einer ge- wissen Periodizität – täglich, monatlich, in Abständen von einer Sai- son oder einem Jahr – auftreten. Volatilität kann auch unter dem Gesichtspunkt betrachtet werden, dass sie aus Komponenten mit hoher und geringer Frequenz besteht, zwischen denen es sich zu unterscheiden lohnt. 8 Volatilität wird häufig anhand des Variations- koeffizienten (Verhältnis zwischen Standardabweichung und Durch- schnittswert) einer historischen Preisreihe mit gegebener Häufigkeit gemessen. Die historische Volatilität lässt sich auch als annualisierte Standardabweichung der Veränderung der täglichen Abwicklungspreise in Prozent definieren. Manche Beobachter stel- len lieber auf die „Unsicherheitskomponente― der Volatilität ab: Da Preisschwankungen in gewissem Umfang z.B. anhand saisonaler Schwankungen oder des Verlaufs des Konjunkturzyklus prognosti- ziert werden kann, geht es ihnen darum, den Grad der Unsicherheit nicht zu hoch anzusetzen. Sie benutzen den Begriff Volatilität also nur für nicht vorhersehbare Preisausschläge. Es gibt auch Kennzah- len für die implizite Volatilität, die die Markterwartungen für den vor- aussichtlichen Umfang von Rohstoffpreisbewegungen widerspie- geln. Die Volatilität von Futurespreisen wird in Kapitel 3.1 darge- stellt. Die Übertragungen von Preisentwicklungen von den globalen auf die inländischen Märkte hängt vom Umfang des Handels ab sowie vom Management des Handelsumfelds im Inland (sofern Maßnah- men wie in Kapitel 2 beschrieben vorhanden sind). Bei für den Han- del offeneren Märkten entsprechen die Volatilitäten der inländischen Preise in etwa denjenigen an den internationalen Märkten. (2007/2008 wurden rund 19% des produzierten Weizens sowie 10% des Industriegetreides und 7% des Reises weltweit gehandelt.) Ein Preisschock für ein Produkt wie z.B. Weizen breitet sich daher ten- denziell weltweit aus, und der Umfang des Preisrisikos für einen Rohstoff ist tendenziell für alle Produzenten weltweit ähnlich. Die Beziehung zwischen Preisschwankungen und der Offenheit des Marktes ist komplex. Ein geschlossener Markt wird von externen Schocks – z.B. einer weltweiten Rezession – in geringerem Umfang in Mitleidenschaft gezogen, ist aber in hohem Maße für interne Schocks wie z.B. Dürren anfällig. Ein offener Markt wird direkt von der Instabilität der weltweiten Märkte in Mitleidenschaft gezogen, kann jedoch auch seine Risiken weltweit verteilen, was die Preise stabilisiert. 8 Roache (2010). Risikomanagement in der Landwirtschaft 12. November 2010 11 Künftige Preisvolatilität voraussich t- lich hoch Ausblick für die Preisvolatilität Die künftige Preisvolatilität hängt von verschiedenen Faktoren ab, wozu unter anderem die folgenden gehören: Das Verhältnis zwischen Angebot und Nachfrage ist von entschei- dender Bedeutung. Die steigende Nachfrage nach Lebensmitteln, Futtermitteln und Treibstoffen und die langfristige Tendenz zur Knappheit von Wasser, Anbauflächen und Energie deuten auf ein prekäres Gleichgewicht hin. Dies gibt vor allem dann Anlass zur Sorge, wenn die weltweiten Lagerbestände niedrig sind und auf einen Anstieg der Volatilität hindeuten, wobei es allerdings schwierig ist, zwischen Preistrends und kurzfristigen Preisausschlägen zu unterscheiden. Angesichts des Klimawandels ist damit zu rechnen, dass extreme Wetterereignisse häufiger auftreten. Dies trägt ebenso wie andere Faktoren, die sich auf die Ernten auswirken (siehe Kapitel 2.2), zur Erhöhung der Preisvolatilität bei. Zudem hängen die Lebensmittel- und die Ölpreise immer stärker gegenseitig voneinander ab, weil landwirtschaftliche Produkte zu- nehmend zur Energieproduktion dienen und die landwirtschaftliche Produktion den Einsatz von Energie erfordert. Ein möglicher Anstieg der Volatilität an den Energiemärkten (auch vor dem Hintergrund eines geringen Angebots) dürfte auf die Lebensmittelmärkte über- greifen. Die GAP wird die Preise für Produkte wie Getreide, Milch und Rind- fleisch künftig nicht mehr schützen oder stabilisieren. Die Preise für diese Produkte könnten stärker schwanken als in der Vergangen- heit. Technischer Fortschritt und eine Liberalisierung des Handels ermög- lichen eine raschere und ausgeprägtere Reaktion auf Schocks und dürften daher die Volatilität der Lebensmittelpreise dämpfen. Dies dürfte jedoch nicht ausreichen, um die anderen Faktoren auszuglei- chen. Insgesamt ist an den Märkten für landwirtschaftliche Produkte künf- tig mit hoher Preisvolatilität zu rechnen 9 Einige Faktoren werden entscheiden, in welchem Umfang die Landwirte in der EU von der weltweiten Preisvolatilität betroffen sind. Die Wechselkursschwan- kungen, vor allem des USD/EUR-Kurses, werden sich auswirken, da die meisten landwirtschaftlichen Rohstoffe in US-Dollar gehan- delt werden. Wie bereits erwähnt, ist auch der Grad, in dem ein Landwirt seine Produktion diversifiziert hat, für seine Anfälligkeit für Preisschwankungen von Bedeutung. Das Einkommensniveau spielt ebenfalls eine große Rolle dafür, wie gut die Landwirte mit hoher Volatilität umgehen können. 9 OECD-FAO (2010), Matthews (2010). 14 16 18 20 22 24 26 28 30 32 05/06 06/07 07/08 08/09 09/10 Quellen: FAO, DB Research % Schätzung Prognose Lagerbestände zum Saisonende verglichen mit Bedarf in der kommenden Saison Verhältnis zwischen Lager- beständen und Verbrauch Weizen Industrie - getreide Reis Getreide insgesamt 4 Aktuelle Themen 498 12 12. November 2010 Der EU - Agrarsektor in Zah len Menschen — 13,6 Millionen direkt Beschäftigte (ei n- schließlich Forstwirtschaft und Fischerei) — 5 Millionen weitere Beschäftigte in der Lebensmittelindustrie — 8,6% der gesamten Beschäftigung in der EU — 7% de r Landwirte sind unter 35 Jahre alt — Bis 2020 sind 4, 5 Millionen Landwirte 65 Jahre alt Betriebe — Landwirtschaft bedeckt 47% der Fläche der EU — 15% der Anbauflächen liegen in bergigen Gebieten — Kleine Betriebe überwiegen und sind für die Bereitstellung öffentlicher Güter von besonderer Bedeutung — Durchschnittlic he Betriebs größe: 12,6 ha Produktion — 4% des BIP der EU — Produktion im Wert von EUR 337 Mrd. — EU ist weltweit größter Produzent von Lebensmitteln und Getränken Handel — EU ist weltweit führender Exporteur von landwirtschaftlichen Produkten (17% des Welthandels, verglichen mit 19% im Jahr 2000) — Nettoimporteur von Agrargütern: EUR 88 Mrd. (20% der weltweiten landwirtschaftl i- chen Importe) Fokus in der Vergangenheit auf A b- milderung von Ernteschwankungen; Wandel findet statt 2.4 Risikomanagementpraktiken in Europa Seit Jahrzehnten hingen die Einkommenschwankungen der Land- wirte von bestimmten Entwicklungen ab, die vor allem im europäi- schen Agrarsektor dominieren: — die witterungsbedingten Schwankungen der Ernten gingen mit einem stetigen Anstieg der Durchschnittsernten aufgrund techno- logischer Innovationen einher; — relativ stabile Preise tendierten ebenfalls aufgrund der Marktin- terventionen der GAP nach oben; — die Landwirte haben den Teil ihres Einkommens erhöht, der nicht aus der Landwirtschaft stammt (z.B. Agrotourismus). Angesichts des Bedarfs sind die Risikomanagementinstrumente im europäischen Agrarsektor vor allem auf Schwankungen der Ernten ausgerichtet (Vermarktung überschüssiger Produktion, technologi- sche Innovation und Ernteversicherungen); die Preisstabilisierung z.B. über Futures und Terminkontrakte, Optionen und Lagermana- Wichtige statistische Daten zur Landwirtschaft in den einzelnen EU - Mitgliedsländern Anteil des Agrarsektors am BIP Beschäftigung in der Land - und Forstwir t- schaft, der Hege und der Fischerei Genutzte Anbau - flächen Genutzte Anbauflächen pro Hof % % 1.000 ha ha 2008 2008 2008 2007 EU - 27 1,2 5,4 178.813 12,6 BE 0,6 1,8 1.374 28,6 BG 5,5 7,5 5.101 6,2 CZ 0,8 3,3 3.551 89,3 DK 0,7 2,8 2.695 59,7 DE 0,6 2,2 16.926 45,7 EE 1,4 3,9 802 38,9 IE 0,9 5,7 4.200 32,3 GR 2,5 11,4 3.984 4,7 ES 2,2 4,3 25.657 23,8 FR 1,4 3,1 29.385 52,1 IT 1,7 3,8 13.338 7,6 CY 1,7 4,3 148 3,6 LV 1,3 7,9 1.825 16,5 LT 2, 3 7,9 2.672 11,5 LU 0,3 1,8 131 56,8 HU 2,5 4,5 5.790 6,8 MT 1,0 2,0 10 0,9 NL 1,3 2,8 1.933 24,9 AT 1,0 5,6 3.171 19,3 PL 2,2 14,0 15.608 6,5 PT 1,3 11,5 3.733 12,6 RO 6,0 28,8 13.717 3,5 SI 1,1 8,6 492 6,5 SK 1,0 4,0 1.936 28,1 FI 0,6 4,6 2.296 33,6 SE 0,4 2,1 3.076 42,9 UK 0,5 1,4 15.263 53,8 EU - 25 1,2 4,3 159.995 16,8 EU - 15 1,1 3,4 127.160 22,0 Quellen: EU - Kommission, DB Research 5 Risikomanagement in der Landwirtschaft 12. November 2010 13 gement wurde vernachlässigt. Im Zuge der GAP-Reform ist nun- mehr damit zu rechnen, dass eine steigende Anzahl privater Instru- mente für das Management von Preisschwankungen entwickelt wird. 10 Einnahmen der Landwirte schwanken zunehmend Die Gewinnmargen in der Landwirtschaft schrumpfen. 11 (Dies ist unter anderem darauf zurückzuführen, dass die Landwirte investie- ren müssen, um höhere Produktivität und eine umfangreichere Pro- duktion zu erzielen.) Bei einer geringen Marge führen selbst kleine Preisveränderungen zu relativ starken Einkommensschwankungen. Die Schwankungen von Preisen und Ernten führen zusammen mit niedrigeren Margen und höheren Produktionsvolumina pro Betrieb zu einer stärkeren Einkommensvolatilität. Dies bietet einen Anreiz, auf wirksame Risikomanagementinstrumente zurückzugreifen. Versicherungen und finanzielle Reserven liegen derzeit vorn Im Rahmen eines EU-Projekts 12 wurden Agrarproduzenten in fünf EU-Ländern (Deutschland, Ungarn, Polen, Spanien und die Nieder- lande) zu ihren Eindrücken (Grafik 1) und Praktiken (Grafik 7) im Risikomanagement befragt. Es zeigte sich, dass die befragten Landwirte insgesamt Risiken vor allem mit Hilfe von Sach- und Ernteversicherungen, dem Aufbau finanzieller Reserven und der Vermeidung von Schulden managen, gefolgt von vertikaler Integra- tion und Marketingverträgen. Die Vermeidung von Schulden ist in allen Ländern von gleicher Bedeutung (rund 40% der befragten Landwirte tun dies), ansonsten bestanden jedoch deutliche Unter- schiede zwischen den einzelnen Ländern. Diese sind auf das unter- schiedliche Risikoumfeld in den verschiedenen Ländern (politisches System und Erntesicherheit) sowie auf eine Reihe von Eigenschaf- ten der einzelnen Betriebe zurückzuführen. (So tendieren größere landwirtschaftliche Betriebe stärker zu Ernte- und Nutztierversiche- rungen, kleinere dagegen müssen ihr Einkommen häufig durch nicht zur Landwirtschaft gehörende Aktivitäten ergänzen 13 ). In Deutschland und Spanien werden Ernteversicherungen häufiger genutzt als in anderen Ländern (von 60-70% der Landwirte). Dies ist zum Teil auf hohe staatliche Subventionen in Spanien zurückzufüh- ren (49%). In Deutschland erfolgt die Absicherung vor allem über Einzelversicherungen 14 , wobei eine allgemeine Neigung zu Versi- cherungen besteht. Marketingverträge sind in Deutschland (50%), Ungarn und Polen von Bedeutung. Investitionen außerhalb der Landwirtschaft sind in Deutschland (50%) häufiger als in den ande- ren vier Ländern, ebenso wie Aktivitäten außerhalb der Landwirt- schaft (40%). Nutztierversicherungen werden in den alten Mitglieds- ländern deutlich häufiger genutzt (rund 40%) als in den neueren. Absicherungstransaktionen (Hedging) werden in Deutschland etwas häufiger, aber dennoch sehr selten angewendet (5%). Ein Vergleich mit Daten für den US-Agrarsektor 15 zeigte, dass finan- zielle Reserven, Teilnahme an staatlichen Programmen, Versiche- rungen und Diversifizierung sowie Termingeschäfte sowohl in den USA als auch in der EU wichtige Risikomanagementstrategien sind. Ein wichtiger Unterschied zwischen Europa und den USA besteht 10 Cafiero et al. (2007). 11 Vroljik et al. (2009). 12 „Design and economic impact of risk management tools for European agriculture―, dargestellt in Meuwissen et al. (2008). 13 OECD (2010). 14 Bielza et al. (2009). 15 USDA (1999), Szekely und Palinkas (2009). 0 20 40 60 80 Sachversicherungen Finanzielle Reserven Ernteversicherungen Vermeiden von Kreditaufnahmen Vertikale Integration Marketingkontrakte Nutztierversicherungen Diversifizierung Arbeit außerhalb des Agrarsektors Produktionskontrakte Investitionen außerh. des Agrarsektors Hedging Deutschland Spanien Niederlande Polen Ungarn Eingesetzte Risiko - managementinstrumente % der Befragten, die das jeweilige Instrument einsetzen Quellen: Székely und Pálinkás (2009), DB Research 7 0 20 40 60 80 100 120 140 1990 1995 2000 2003 Deutschland Frankreich Italien Luxemburg Niederlande Dänemark Großbritannien Griechenland Spanien Durchschnittliche Hofgröße, ESU Quellen: Vrolijk (2009), DB Research Intensiver Strukturwandel 6 Aktuelle Themen 498 14 12. November 2010 Nutzung neuer Instrumente erscheint unat traktiv – Interesse an Absiche r - ung nimmt mit Größe der Betriebe zu darin, dass Hedgingtransaktionen bei amerikanischen Landwirten sehr viel beliebter sind als bei europäischen (rund 60% der großen landwirtschaftlichen Betriebe im „Corn Belt― und 20% aller US- Betriebe nutzten Anfang der 90er Jahre Absicherungstransaktio- nen). Eine Reihe von Gründen für diese Differenz (Betriebsgröße, Sicherheit durch die GAP, historische Gründe) werden in Kapitel 4.1 diskutiert. Die EU-Umfrage ging auch auf die künftigen Risikomanagementplä- ne der Landwirte ein. 16 Es zeigte sich, dass die meisten Umfrage- teilnehmer künftig dieselben Risikomanagementmethoden anwen- den wollen wie derzeit. Die polnischen Landwirte sind bereit, neue, bisher noch nicht genutzte Instrumente auszuprobieren. Insbeson- dere sind sie sehr an Absicherungstransaktionen interessiert (60% der Befragten). Die Daten wurden auch nach der wirtschaftlichen Größe des Betriebs und seiner Hauptausrichtung (Ackerbau, Vieh- zucht oder gemischt) analysiert. Der Einsatz neuer Instrumente scheint für Betriebe jeder Größe und jeder Ausrichtung gleich unat- traktiv zu sein. Bemerkenswert ist allerdings, dass das Interesse an Hedgingtransaktionen mit der Betriebsgröße zunimmt. Rund 30% der mittelgroßen und großen Betriebe wollen Absicherungstransak- tionen vornehmen, aber lediglich 15% der kleinen Betriebe. In den folgenden Abschnitten befassen wir uns mit den einzelnen Risikomanagementinstrumenten, die in der EU zur Verfügung ste- hen. Wir untersuchen, wie wirksam sie die Einkommen der Landwir- te stabilisieren und wie sie sich auf die Umwelt und die Entwick- lungsländer auswirken. 3. Staatliche Risikomanagement- instrumente In diesem Kapitel befassen wir uns zunächst mit den klassischen Marktmanagementinstrumenten zur Stabilisierung von Preisen und Einkommen im Agrarsektor. Danach gehen wir auf das neuere Kon- zept ein, Landwirte für die Bereitstellung öffentlicher Güter zu be- zahlen. Mit Blick auf die Schwankungen der Lebensmittelpreise hat die EU vor allem den Ansatz verfolgt, die Einkommen zu stabilisieren, ohne dabei die Preise zu beeinflussen. Dieser Ansatz stützte sich auf die Argumentation, dass nicht in das natürliche Spiel von Angebot und Nachfrage eingegriffen werden solle (bei steigender Nachfrage er- höhen sich die Preise, was zu einer Steigerung des Angebots führt, wodurch der Preis wieder auf das normale Niveau fällt). Die EU hat jedoch in der Vergangenheit Preiskontrollmechanismen eingesetzt. 3.1 Maßnahmen der EU zur Markt- und Preisstabilisie- rung Staatliche Maßnahmen zielen darauf ab, internationale Preis- schwankungen durch Einfuhrbeschränkungen, Lagervorschriften und Preiseingriffe zu stabilisieren. Die Marktregulierung in der EU sollte vor allem die Preise stützen, wirkte sich aber auch auf die Preisstabilität aus. Im Rahmen der GAP stehen inzwischen deutlich weniger Marktinterventionsmechanismen zur Verfügung als früher; folgende Maßnahmen können jedoch noch ergriffen werden. 17 16 Meuwissen et. al (2008). 17 Matthews (2010). Risikomanagement in der Landwirtschaft 12. November 2010 15 Handelsbeschränkungen sind lan g- fristig für alle nachteilig Preisunterstützung: nur geringe Wirkung … … und unerwünschte Auswirkungen auf Entwicklungsländer, … Handelsinterventionen Einfuhrzölle sind weit verbreitet und werden seit 1994 in ihrer Höhe durch das Agrarabkommen der Uruguay-Runde (URAA) beschränkt. Innerhalb dieser Obergrenzen kann die EU ihre Zölle frei festlegen. So wurde z.B. der Zoll für Getreide während der Preisspitze in den Jahren 2007 und 2008 auf Null gesenkt, so dass die Preise inner- halb der EU weniger stark anstiegen als an den Weltmärkten. Dies hatte für die Entwicklungsländer offensichtlich Folgen, da die Land- wirte in der EU ihr Vieh auf Kosten der Armen in der Welt ernähren konnten, denen es schwer fiel, genug Lebensmittel zu kaufen. Exportsubventionen werden ebenfalls durch das URAA be- schränkt, wobei Obergrenzen für die Gesamtaufwendungen für Ex- portsubventionen und für das Volumen der subventionierten Exporte gelten. Diese Aufwendungen sind parallel zum Anstieg der Preise an den Weltmärkten deutlich zurückgegangen. Die EU führte nach dem Preiseinbruch, der auf die Preisspitze Mitte 2008 folgte, Exportrück- erstattungen für Milchprodukte und Schweinefleisch durch. Export- subventionen haben negative Auswirkungen für die Entwicklungs- länder, wenn von der EU geförderte, „billige― Rohstoffe in diesen Ländern mit den lokalen Produkten konkurrieren. Import-/Exportbeschränkungen eines Landes mögen die Lage für bestimmte Gruppen der Landwirte/inländischen Verbraucher kurz- fristig erleichtern, eine ökonomische Analyse zeigt jedoch eindeutig, dass sie insgesamt negative Auswirkungen auf die Binnenwirtschaft und den Rest der Welt haben. 18 Ein- und Ausfuhrbeschränkungen verlagern außerdem tendenziell die Preisschwankungen auf die Weltmärkte. Es gibt einige Anzeichen dafür, dass die EU ab 2013 keine Exportsubventionen mehr durchführen wird. Eine Liberalisie- rung des Handels würde die Chancen der Entwicklungsländer auf einen wettbewerbsfähigeren landwirtschaftlichen Sektor erhöhen – vor allem zusammen mit Bemühungen, kleine Landwirte in die glo- bale Lebensmittelkette einzubinden. Preisunterstützung Direkte staatliche Interventionen können in der EU durch Käufe und Angebotsverknappungen erfolgen, dienen aber eher als Preis- stützungsmechanismus. Käufe zu Fixpreisen erfolgen nur bei be- stimmten Produkten (Weichweizen, Butter und Milchpulver) und für vorher festgelegte Volumina. Im Ausschreibungsverfahren können höhere Volumina zu einem von der Kommission festgelegten Preis angekauft werden. Eine Angebotsverknappung kann unter bestimm- ten Bedingungen von Produzentenorganisationen bei Obst und Gemüse durchgeführt werden. Preisstützungsmaßnahmen haben sich als nicht sehr wirksam er- wiesen, da die durch sie erzielten Preissenkungen überwiegend anderen Akteuren in der Lebensmittelkette (Anbieter von Produkti- onsfaktoren, verarbeitende Industrie und Vertrieb, Landeigentümer) und kaum den Landwirten zugutekommen, auf die sie eigentlich abzielen 19 Preisstützungsmechanismen bringen außerdem verschiedene Nachteile mit sich. Erstens verschleiern sie die Preissignale für die Produzenten: Wenn die festgesetzten Preise über den natürlichen Marktpreisen liegen, kommt es voraussichtlich zu einer Über- schussproduktion, wie es z.B. in den 70er und 80er Jahren der Fall 18 Zu weiteren Einzelheiten über Handelsregulierungen und ihre Auswirkungen vgl. Schaffnit-Chatterjee (2010). 19 Vgl. OECD-FAO (2010). Aktuelle Themen 498 16 12. November 2010 … die Umwelt … … und die Verbraucher International verwaltete Lager - bestän de: möglicherweise Hilfe in Extremfällen war. Damals wurde die Überschussproduktion durch Exportsubven- tionen und Preisdumping abgebaut. Wenn die Preise und damit die Einkommen abhängig von der Pro- duktion angehoben werden, profitieren große Betriebe stärker von diesem Schritt. (Dieses Thema ist in Ländern von größerer Bedeu- tung, in denen das Ackerland oder die Produktion sehr uneinheitlich verteilt sind.) Auch dies schafft einen Anreiz zur Produktionssteige- rung, die im Fall von Übertreibungen vor allem bei sensiblen Böden negative Auswirkungen auf die Umwelt haben kann (Bodenqualität, Biodiversität usw.) 20 Die Balance zwischen Skaleneffekten und Um- weltschäden muss sorgfältig im Blick behalten werden. Zuletzt führen Preisunterstützungen für die Landwirte zu Preisanhe- bungen für die Verbraucher, so dass insbesondere ärmere Verbrau- cher im Nachteil sind. Ind irekte re Pr eis stü t z u n gen sind ebenfalls möglich. Un t erstü t- z u n g der priv aten Lag e rh altu n g kann durch gezielte Hilfen für Butter, Fleisch, Zucker und Olivenöl erfolgen. Die Produkte verblei- ben im Eigentum der Lagerhalter, und nach dem Ende des Lager- zeitraums gelten keine Beschränkungen. Sub v ent ion en z u r Fö rd e- run g des int e rnen Verbra u chs werden bei einigen Milchprodukten noch angewendet: Bei einigen Arten von Magermilch werden Beihil- fen zur Verarbeitung gewährt. Diese indirekten öffentlichen Unter- stützungsinstrumente sind hilfreich, es könnte jedoch nützlich sein, ihren Einsatz in der Privatwirtschaft (d.h. vom Sektor selbst finan- ziert) zu fördern. Internationale Maßnahmen zur Marktstabilisierung Diese Studie konzentriert sich auf europäische Agrarproduzenten. Vor dem Hintergrund eines offeneren Handelssystems ist es jedoch zuweilen wünschenswert, auf internationaler Ebene zu agieren. Bei mangelnden Lagerbeständen spiegeln Schwankungen der Welt- marktpreise die weltweite Angebots- und Nachfragesituation für einzelne Rohstoffe wider. Zur Stabilisierung der Weltmarktpreise treten manche Beobachter für einen Mechanismus ein, der sicher- stellen soll, dass bei niedrigen Preisen Lagerbestände aufgebaut werden, die dann bei hohen Preisen an den Markt gebracht werden. Frühere Versuche zum Abschluss internationaler Vereinbarungen über Rohstoffe datieren bis zu den 40er Jahren zurück und waren in Bezug auf die Preisstabilisierung nicht sehr erfolgreich; zuweilen wurden sie gar nicht erst umgesetzt. 21 Nach der Lebensmittelpreis- krise von 2007/2008 wurden zahlreiche Vorschläge zur Schaffung von Reserven gemacht, einschließlich eines international koordinier- ten, strategischen Reservesystems für Lebensmittelgetreide. 22 Von Braun und Torero 23 haben mit der Einrichtung einer virtuellen Reser- ve einen innovativen Plan vorgeschlagen, um die Preise zu dämp- fen. Die Teilnehmerländer würden Mittel zur Verfügung stellen, die erforderlichenfalls für Interventionen am Futuresmarkt für Getreide verwendet würden (Verkauf von Lieferkontrakten für den Rohstoff), bis sich die Futures- und Spotpreise stabilisiert haben. Für das Vorhalten einer strategischen Reserve muss das optimale Volumen der Lagerbestände bestimmt werden, müssen Kosten und Verluste berechnet werden und muss eine Lösung für die Unsicher- heiten gefunden werden, die die Reserve am Markt auslösen kann. 20 Vgl. OECD-FAO (2010). 21 Zu Einzelheiten vgl. Matthews (2010) 22 Von Braun und Torero (2009), Wright (2009). 23 Von Braun und Torero (2009). Risikomanagement in der Landwirtschaft 12. November 2010 17 Derzeitigen direkten Zahlungen mangelt es an Legitimität Entschädigung en reduzieren tenden ziell Verantwortung der Land wirte zur Reduzierung oder Abmilderung von Risiken Ein internationales Abkommen über eine Kombination von Reserven wirft ein weiteres Problem auf: Es muss ein Informationsdienst ein- gerichtet werden, der ein noch zu schaffendes Entscheidungsgremi- um auf dem Laufenden hält. 24 Obwohl die Einrichtung eines Reser- vesystems sehr schwierig ist und die Marktentscheidungen beein- flussen wird, könnte es in Notfällen die dringend benötigte Entlas- tung für die Einkommen der Landwirte schaffen und den Hunger in der Welt lindern. Unterstützung für Biotreibstoff kann in gewissem Umfang als Alter- native zur Lagerhaltung von Mais, Zuckerrohr und Pflanzenöl gelten und damit als Möglichkeit, den Preis von Agrarprodukten zu stabili- sieren. Bei (vorherzusehenden) Lebensmittelknappheiten/Preis- spitzen kann ein Aussetzen der Unterstützung für Biotreibstoff dazu führen, dass die Ernten wieder zur Lebensmittelversorgung dienen, und so die Preise stabilisieren. Eine solche rasche Umstellung ist allerdings nicht immer möglich, wenngleich es dafür historische Bei- spiele gibt. 25 Insgesamt tragen Biotreibstoffe, wie oben erläutert, zur Steigerung der Preisvolatilität an den Märkten für landwirtschaftliche Produkte bei, weil ein Substitutionseffekt gegenüber anderen Treib- stoffen besteht. 3.2 Traditionelle Maßnahmen der EU zur Dämpfung der Einkommensschwankungen Ein merklicher Produktions- oder Preisrückgang bei einem oder mehreren wichtigen landwirtschaftlichen Rohstoffen kann die Ein- kommenssituation der Landwirte erschweren, wenn diese Schwan- kungen nicht auf anderem Wege abgefedert werden oder das Risiko wirksam abgewälzt wird. Einige Maßnahmen stehen zur Stabilisie- rung der Betriebserträge oder der Einkommen der Landwirte zur Verfügung, so dass die Verluste über den öffentlichen Haushalt auf die Gesamtbevölkerung verteilt werden. Direktzahlungen (hauptsächlich in Form von Betriebsprämien) ma- chen heutzutage einen beträchtlichen Teil der landwirtschaftlichen Einkommen aus, wobei es Unterschiede zwischen den einzelnen Ländern, Agrarsystemen und Betrieben gibt. Diese Zahlungen erhö- hen den Wohlstand der Landwirte durchaus, sind jedoch in Bezug auf die Reduzierung von Einkommensschwankungen nicht so wirk- sam wie Subventionen für marktbasierte Risikoinstrumente 26 Den Betriebsprämienregelungen mangelt es insgesamt an Legitimität, und sie dürften im Rahmen der GAP an 2013 reduziert werden. Einige oben angeführte Argumente für Preisstützungen gelten auch hier: Von Direktzahlungen profitieren in ihrer derzeitigen Form vor allem Großbetriebe, und sie unterstützen tendenziell die Intensiv- landwirtschaft, vor allem in Westeuropa. (In den neuen Mitgliedslän- dern gilt derzeit eine Pauschale für alle zum System gehörenden Landwirte; die kleinsten/ärmsten Betriebe gehören jedoch nicht zum System.) Ad-hoc-Zahlungen und Katastrophenhilfefonds sind in den meis- ten Ländern vorhanden. Dabei handelt es sich um von den Landes- oder Provinzregierungen verwaltete, öffentliche Fonds, die zuweilen aus Beiträgen aus dem privaten Sektor gespeist werden. Letztere werden in Form von Produktionsabgaben, Prämien usw. eingesam- melt. Sie werden jedes Jahr von der Regierung bereitgestellt und im 24 Torero und von Braun (2010). 25 Im Sommer 2008 setzte Texas die Anwendung der Biotreibstoff-Standards aus, so dass die Maisernte wieder in den Lebensmittelsektor floss. Dies geschah bereits zur Pflanzzeit. 26 Vgl. z.B. OECD (2010) sowie Cafiero et al. (2007). Aktuelle Themen 498 18 12. November 2010 Umfangreiche Palette von öffentl i- chen Gütern im Agrarsektor, vor a l- lem im Bereich Umwelt, … Rund 50% der staatlichen Katastrophenhilfe in der EU werden für Naturkatastrophen gezahlt, deren Schäden durch Erntever - sicherungen gedeckt werden könnten . Quelle: Bielza (2009) Katastrophenfall eingesetzt. Der Hauptvorteil dieser Fonds gegen- über Ad-hoc-Hilfen besteht darin, dass umfangreiche Belastungen des Staatshaushalts vermieden werden. Allerdings haben diese staatlichen Hilfen einen großen Nachteil: Sie verzerren die Risikobe- reitschaft der Landwirte. Wenn die Landwirte von einem bestehen- den Sicherheitsnetz wissen, sinken die Anreize, Verlustrisiken oder die Anfälligkeit ihres Betriebs im Voraus zu verringern. Daher treffen die Landwirte möglicherweise weniger umsichtige Entscheidungen und Maßnahmen (Bekämpfung von Krankheiten, Auswahl der Feld- früchte), als sie es täten, wenn sie die Auswirkungen widriger Ereig- nisse in vollem Umfang tragen müssten. In einigen Ländern werden keine Zahlungen aus öffentlichen Fonds geleistet, wenn Versiche- rungen verfügbar sind (z.B. Griechenland, Spanien, Österreich, Portugal und Schweden; in Frankreich nur, wenn die Versicherun- gen weit verbreitet sind). 27 3.3. Zahlungen für die Bereitstellung öffentlicher Güter Derzeit wird zunehmend über eine Alternative zur Stabilisierung der Einkommen der Landwirte diskutiert. Sie stützt sich darauf, dass Landwirte auch öffentliche Güter bereitstellen. Diese Güter werden nicht am Markt vertrieben, sondern als Nebeneffekt außerhalb des Austauschs zwischen Produzenten und Verbrauchern bereitgestellt und nützen der Gesellschaft insgesamt. Als „öffentliche Güter― gel- ten in der Wirtschaftswissenschaft Güter, die folgende Eigenschaf- ten aufweisen: — Nicht-Rivalität: Der Konsum des Guts durch eine Person führt nicht dazu, dass die Verfügbarkeit des Guts für den Konsum durch andere verringert wird. — Nicht-Ausschließbarkeit: Niemand kann faktisch von der Nutzung des Guts ausgeschlossen werden. Der Agrarsektor ähnelt in vielerlei Hinsicht anderen Wirtschaftssek- toren: Eine große Anzahl von Produzenten handelt an den Märkten für Lebensmittel, Futtermittel, Treibstoffe und Fasern. Gleichzeitig ist die Landwirtschaft insofern anders, als es sich um einen Sektor handelt, in dem in ungewöhnlich hohem Maße öffentliche Güter bereitgestellt werden. Eine breite Palette an öffentlichen Gütern hängt mit der Landwirtschaft zusammen. 28 Überwiegend handelt es sich um ökologische Güter: Landschaftspflege, Biodiversität der Anbauflächen, Wasserqualität, Wasserverfügbarkeit, Bodenfunktio- nalität, Luftqualität, Klimastabilität (in Bezug auf Treibhausgasemis- sionen oder CO 2 -Speicherung) usw. (Der Agrarsektor weist außer- dem Zusammenhänge mit sozialpolitischen Zielen auf: Lebensmit- telsicherheit, Vitalität der ländlichen Räume, Tierwohl/-gesundheit im Betrieb.) Die Bereitstellung öffentlicher Güter, bei denen es sich um positive Externalitäten der Landwirtschaft handelt, ist nicht mit der Verringe- rung von Umweltschäden zu verwechseln, bei denen es sich um die Reduktion externer Kosten handelt. Wie zahlreiche andere Sektoren kann auch die Landwirtschaft diese externen Kosten verringern. Das Konzept der öffentlichen Güter geht jedoch insofern darüber hinaus, als es auch externen Nutzen umfasst. 29 27 In Frankreich sind die Ad-hoc-Zahlungen hoch (EUR 1.167 Mio. in den Jahren 2000–2005), in Spanien dagegen niedrig (EUR 22,5 Mio. im selben Zeitraum). Dahingegen sind die jährlichen Subventionen für Versicherungen in Spanien höher (EUR 230 Mio./Jahr) als in Frankreich (EUR 5 Mio./Jahr). Bielza et al. (2008). 28 Cooper et al. (2009), Birdlife et al. (2010). 29 Als Beispiele seien Habitate für Wildtiere oder die Landschaftspflege genannt: Wird eine Fabrik geschlossen, profitiert die Umwelt davon eindeutig. Stellt ein Risikomanagement in der Landwirtschaft 12. November 2010 19 … wird nicht in ausreichendem Maße bereitgestellt, … … woraus sozio - ökonomische Risiken entstehen Ökologisch sinnvolles Management im Agrarsektor Politische Untätigkeit bringt hohe Kosten mit sich, nicht nur für die Umwelt Umweltvorschri ften als eindeutige Basis Es gibt Belege dafür, dass bei den mit dem Agrarsektor zusammen- hängenden, öffentlichen Gütern ein Unterangebot besteht. Dies entspricht wirtschaftstheoretischen Postulaten: Da das kollektive gesellschaftliche Wohl verbessert wird, ohne dass die Anbieter den Nutzen monetisieren können, wird das entsprechende Gut nicht im für die Gesellschaft insgesamt optimalen Umfang produziert. Rele- vante, EU-weite Indikatoren für den Zustand der Umwelt lassen eine Verschlechterung im Zeitablauf erkennen, wobei allerdings Aus- nahmen bestehen (z.B. regionale Verbesserungen der Boden- und Luftqualität). Einzelne Indikatoren deuten z.B. auf einen anhalten- den Rückgang bei den Populationen von Feldvögeln, eine starke Bodenerosion durch Wasser und Wind, eine schwindende Konzent- ration von organischen Stoffen im Boden, einen hohen Wasserver- brauch vor allem in Gebieten mit geringen Wasservorräten usw. hin. 30 In bestimmten Regionen Europas bieten attraktive, von der Land- wirtschaft geformte Landschaften, Biodiversität der Ackerflächen und historische Charakteristika Chancen für verschiedene wirt- schaftliche Tätigkeiten wie z.B. Agrotourismus und Erholung, Spezi- alitätenherstellung und attraktive Unternehmensstandorte. Das Management im Agrarsektor wirkt sich darauf aus, in welchem Umfang öffentliche Güter bereitgestellt werden; Beispiele sind die Nutzung der Anbauflächen, die Anbausysteme, die Struktur des Betriebs, die landwirtschaftliche Infrastruktur, einschließlich der Drainage- und Bewässerungsmuster. Landwirtschaftliche Praktiken aus drei großen Bereichen können eingesetzt werden, um ökologi- sche Verbesserungen zu erzielen 31 : Praktiken, die weniger stark in die Umwelt eingreifen, Praktiken zur Verbesserung der Energieeffi- zienz und Senkung der Treibhausgasemissionen und Praktiken zur Lösung eines spezifischen Umweltproblems (z.B. der Einsatz von Pufferzonen oder geringere Bodenbearbeitung). So können Agrar- systeme mit einem hohen Naturschutzwert (z.B. extensive Nutztier- haltung und wenig intensive Dauerkulturen) dauerhaft ein hohes Niveau an öffentlichen Gütern sichern und eine Schlüsselrolle bei der Erhaltung der Biodiversität spielen. In einigen Studien auf Makroebene wurden der monetäre Wert von ökologischen Gütern und Dienstleistungen und die Kosten ge- schätzt, die bei einem mangelnden politischen Eingreifen entste- hen. 32 Sie deuten darauf hin, dass der monetäre Wert ebenso wie der Verlust an Wohlergehen, der bei einer Verschlechterung erfolgt, sehr hoch sein kann. Daraus ergibt sich ein beträchtliches öffentli- ches Interesse, sicherzustellen, dass hinreichend öffentliche ökolo- gische Güter vorhanden sind, die von der Landwirtschaft erbracht werden – nicht zuletzt durch Agrarsysteme mit niedrigeren Erträgen und einem höheren Arbeitseinsatz, die nur schwer an einem Markt konkurrieren können, der Externalitäten nicht einpreist. Unterstützung für ökologisch sinnvolle Agrarsysteme trägt dazu bei, das Problem des Unterangebots an öffentlichen Gütern und das Bestehen von Externalitäten zu lösen. Politische Maßnahmen kön- nen insofern nützlich sein, als Anreize für die Landwirte geschaffen werden, umweltfreundliche Praktiken umzusetzen, und eine weniger intensive Landwirtschaft aus wirtschaftlicher Sicht lohnender wird. Zahlungen für die Bereitstellung öffentlicher Güter sollen das Ange- landwirtschaftlicher Betrieb seine Arbeit ein, kann die Umwelt gewinnen, aber auch verlieren (je nachdem, welche landwirtschaftlichen Praktiken verfolgt wurden). 30 Vgl. z.B. die Kommission der Europäischen Gemeinschaften (2009b). 31 Cooper et al. (2009). 32 Cooper et al. (2009), Sukhdev (2009. Aktuelle Themen 498 20 12. November 2010 Transparenz und Lösung wichtiger künftiger Herausforderungen Marketing - und Produktionsverträge bot an diesen Gütern sicherstellen und können dazu beitragen, die Einkommen der Landwirte zu stabilisieren – zumindest, bis Exter- nalitäten im System eingepreist werden (z.B. nach dem Verursa- cherprinzip). Diese Zahlungen müssen auch durch umfassende Gesetze zur Verringerung von Umweltschäden ergänzt werden, z.B. für den korrekten Einsatz von Pestiziden und Düngemitteln und den Verbrauch von Wasser. 33 Eine Entlohnung der Landwirte für die Bereitstellung öffentlicher Güter kann auch die Beziehung zwischen der Unterstützung, die die Landwirte von den Steuerzahlern erhalten, und den Werten, den sie für die Bürger schaffen, klarer machen. Das neue Instrument dürfte daher an Legitimität gewinnen. Ein weiterer Vorteil besteht darin, dass es sich mit künftig zunehmend an Bedeutung gewinnenden Problemen befasst (Ausschöpfung natürlicher Ressourcen bei stei- gender Nachfrage), indem es Agrarsysteme stützt, die zur Siche- rung der Umwelt (Watershed Management, Kohlendioxidspeiche- rung, Biodiversität) und damit auch für die langfristige Sicherheit der Lebensmittelversorgung von entscheidender Bedeutung sind. Wir haben uns im Kapitel 3 mit verschiedenen Aspekten von staatli- chen Interventionen zur Stabilisierung der Agrarmärkte befasst, von traditionellen bis hin zu neueren Ansätzen, die die Risiken für die Landwirte direkt verringern sollen. Andere staatliche Politiken und Programme wirken sich indirekt aus, indem sie die Marktmechanis- men unterstützen. Auf diese gehen wir im folgenden Abschnitt ein. 4. Marktbasierte Risikomanagement- instrumente Die Landwirte können das Risiko von Preisschwankungen über die Derivatemärkte abwälzen. Versicherungsmärkte werden überwie- gend dazu genutzt, um Produktionsrisiken und finanzielle Risiken abzumildern. 4.1 Absicherung (Hedging) gegen Preisrisiken mit Hilfe von Derivaten Landwirte müssen schon lange bevor sie wissen, wie gut und um- fangreich die Ernte ausfällt, entscheiden, was und wie sie anbauen wollen – und zwar zu einem Zeitpunkt, zu dem noch nicht klar ist, wie hoch die Preise für die geernteten Feldfrüchte sein werden. Termingeschäfte Ein Termingeschäft ist ein einfaches Instrument zur Absicherung gegen Preisrisiken. Dabei einigen sich der Landwirt und der Käufer des Agrarprodukts im Voraus über die Lieferbedingungen, d.h. Men- ge und Preis (entweder fix oder abhängig von den Terminpreisen). Durch solche Vereinbarungen verzichtet der Landwirt auf die Chan- ce, am freien Markt einen höheren Preis zu erzielen, und wälzt das Preisrisiko zum Teil auf den Käufer ab. Generell lassen sich zwei Arten von Termingeschäften unterscheiden. Ein Produktionskontrakt verschafft dem Käufer des Rohstoffs (dem Verarbeiter) beträchtliche Kontrolle über den Produktionsprozess. Der Landwirt hängt in hohem Maße von nur einem Käufer ab und geht das Risiko ein, seine Produkte nach dem Auslaufen des Ge- schäfts nicht mehr auf anderem Weg absetzen zu können. Bei ei- nem Marketingkontrakt ist der Landwirt weiterhin in vollem Umfang 33 Birdlife et al. (2010), Heymann et al. (2010). Risikomanagement in der Landwirtschaft 12. November 2010 21 Kontrahentenrisiko Basisrisiko und Margen - anforderungen Futures preise und Kassapreise konvergieren zumeist für das Produktionsmanagement zuständig und kann dafür sorgen, dass sich seine Produkte von der Massenproduktion absetzen. 34 Diese Termingeschäfte bringen immer ein Kontrahentenrisiko mit sich: Der Landwirt geht das Risiko ein, dass der Käufer möglicher- weise die Ware nicht abnimmt oder nicht rechtzeitig zahlt (und der Käufer geht das Risiko ein, dass der Landwirt die Ware nicht wie vereinbart liefert). Diese Ausfallrisiken gelten als vertretbar, und in den USA werden Termingeschäfte häufig eingesetzt und von den Rohstoffproduzenten angeboten. Außerdem erleichtern Terminge- schäfte das Zeitmanagement: In der hektischen Erntezeit haben die Landwirte häufig nicht genügend Zeit, um ihre Produkte zu verkau- fen. Ein Nachteil ist, dass möglicherweise hohe Transaktionsauf- wendungen erforderlich sind, um einen potenziellen Käufer zu fin- den und die Bedingungen für das Termingeschäft auszuhandeln. 35 Futureskontrakte Ein Futureskontrakt ist ein Termingeschäft, das an einer organisier- ten Börse (nicht Over-the-Counter) gehandelt wird und in Bezug auf Quantität, Qualität sowie Lieferzeit und -ort standardisiert ist. (Futuresmärkte wurden ursprünglich im Mittelalter geschaffen, um die Bedürfnisse der Landwirte und Händler zu erfüllen.) Ein Land- wirt, der den Preis für seine Produkte absichern will, verkauft einen Futureskontrakt zur Aussaatzeit, liefert das Produkt aber typischer- weise nicht zum Auslaufen des Kontrakts. Er kauft stattdessen einen Futureskontrakt für dasselbe Lieferdatum, stellt so seine Position glatt und verkauft später am Kassamarkt. (Ein Beispiel: Ein Landwirt verkauft über seinen Broker und Trader im Mai einen Kontrakt für Mais zur Lieferung im Dezember. Er kann seine Position jederzeit bis zum Ende der Lieferfrist im Dezember glattstellen, indem er ei- nen Dezember-Maiskontrakt kauft.) Das Hauptmotiv beim Futures- handel besteht darin, zu Absicherungszwecken vorübergehend eine Position einzugehen, nicht darin, einen Rohstoff tatsächlich zu lie- fern (oder zu erwerben). Es ist außerdem preiswerter für die Produ- zenten, über die üblichen Kanäle zu liefern. Durch einen Futureskontrakt reduzieren die Landwirte ihr Risiko, müssen jedoch weiterhin das Basisrisiko tragen, das der Differenz zwischen dem Kassapreis und dem Futurespreis entspricht. Käufer und Verkäufer von Futures müssen außerdem bei ihren Brokern Margeneinlagen leisten, um ihre jeweiligen Verpflichtungen zu besi- chern. Neben dieser Einschusszahlung können weitere Zahlungen im Fall von Schwankungen anfallen: Wenn sich der Preis des Kon- trakts zuungunsten des Landwirts entwickelt, nimmt sein Broker einen Margin Call vor. Dann muss der Landwirt zusätzliche Margeneinlagen zur Deckung des Verlusts leisten, so dass eine Mindestmarge gewährleistet bleibt. Diese Mindestmarge liegt in der Regel unter der ursprünglichen Einschusszahlung, die sich zumeist auf 5-10% des zugrundeliegenden Werts des Kontrakts beläuft. Insgesamt sind die Kosten von Hedgingstrategien im Vergleich zur Risikoverringerung für die meisten Landwirte moderat. 36 Die Beziehung zwischen den Preisen für den Futureskontrakt und den Kassapreisen für das zugrundeliegende Gut wird über die Be- standhaltungskosten („Cost of Carry―; Lagerhaltungs- plus Versiche- rungskosten) bis zum Auslaufen des Kontrakts hergestellt. Ange- bots- und Nachfragefaktoren, die sich auf die Preise am Kassamarkt auswirken, sollten sich dadurch auf die Futuresmärkte übertragen, 34 Bielza et al. (2008). 35 OECD (2010). 36 USDA (1999). Aktuelle Themen 498 22 12. November 2010 Futu res senken Preisrisiken wirksam und sind für Preisfeststellung nützlich Optionen: ungenutztes Potenzial Hedging in den USA sehr viel stärker genutzt so dass der Futures- und der Kassapreis zum Ende des Abwick- lungszeitraums zusammenfallen. In der Vergangenheit war die Be- ziehung zwischen Kassa- und Futuresmärkten relativ konstant, wo- bei vorhersagbare saisonale Schwankungen verzeichnet wurden. Zum Auslaufzeitpunkt waren die Futurespreise in den USA jedoch zuletzt deutlich höher als die Kassamarktpreise, so dass sich das Basisrisiko verwirklichte. An den europäischen Futuresmärkten für Lebensmittelrohstoffe waren keine Probleme in Bezug auf die Kon- vergenz zu verzeichnen: Kassapreis und Futurespreis waren am Ende identisch. Trotzdem wird derzeit über die Ursachen und Fol- gen der mangelnden Konvergenz diskutiert. 37 Mit Hilfe der Futuresmärkte können die Landwirte ihre Preisrisiken wirksam verringern, und diese Märkte geben wichtige Hinweise auf die künftige Preisentwicklung. Durch ihre Nutzung wird Einkom- menssicherheit für die Lebensmittelproduzenten und Kostensicher- heit für die verarbeitende Industrie, den Vertrieb und den Einzelhan- del geschaffen. Einige Regierungen unterstützen die Landwirte bei der Nutzung der Futuresmärkte, wobei sie vor allem Informationen und technische Beratung bereitstellen (z.B. bietet Mexiko Subventi- onen für Landwirte an, die Rohstoffoptionen an den US-Futures- märkten kaufen). Optionen Optionen auf Futures stellen bei einigen Rohstoffen eine weitere Möglichkeit zur Absicherung von Preisrisiken dar. Optionen gewäh- ren das Recht, einen Futureskontrakt zum Ausübungspreis zu ver- kaufen bzw. zu kaufen. So wird die Wahrscheinlichkeitsverteilung für den Preis auf den Ausübungspreis beschränkt. Optionen schützen also vor ungünstigen Preisentwicklungen (niedriger Kassapreis für Verkäufer/Put-Inhaber, hoher Kassapreis für Käufer/Call-Inhaber). Gleichzeitig geben Optionen ihrem Inhaber die Möglichkeit, sie nicht auszuüben und von einer günstigen Preisentwicklung zu profitieren (hohe Preise für Put-Optionen, niedrige Preise für Call-Optionen). Landwirte können sich mit Hilfe von Put-Optionen einen Mindest- preis für ihre Produkte sichern. Laut OECD 2009a herrscht in der Literatur keine Einigkeit darüber, wie wirksam Optionskontrakte sind. Dies ist wahrscheinlich auf die Erwerbskosten sowie auf die Tatsache zurückzuführen, dass Optio- nen das Abwärtsrisiko mindern, sich aber nicht auf das Aufwärtsrisi- ko auswirken: Die Vorteile von Risikovermeidung lassen sich schlecht quantifizieren. Futures in der EU: Der Markt entwickelt sich Terminkontrakte, Futures und andere Derivate werden aus einer Reihe von Gründen in der EU sehr viel weniger eingesetzt als in den USA. Erstens stehen in der EU in breiterem Umfang öffentliche Marktmanagementinstrumente zur Verfügung. Wie in Abschnitt 2.4 dargelegt, bietet die GAP ein Sicherheitsnetz, so dass kaum Anreize für die Landwirte bestanden, zur Verringerung von Preisrisiken auf marktbasierte Risikomanagementinstrumente zurückzugreifen. Stattdessen war davon auszugehen, dass die Auswirkungen widri- ger Ereignisse auf die Einkommen der Landwirte von den Steuer- zahlern getragen wurden. Ein weiterer Grund ist die stärkere Konso- lidierung der Landwirtschaft in den USA, vor allem bei wichtigen Rohstoffen. In der EU wird Getreide noch immer häufig von kleinen, unterkapitalisierten Betrieben angebaut, die in sehr viel geringerem Umfang zum Einsatz innovativer Finanzinstrumente neigen. Größe- 37 Kommission (2009a). Risikomanagement in der Landwirtschaft 12. November 2010 23 Futures in der Praxis Ein einfaches Beispiel Ein Weizenproduzent will sein Einkommensrisiko durch den Verkauf eines Futureskontrakts zum Saatzeitpunkt reduzieren. Das Ernte - risiko macht ihm keine Sorgen (er bewässert seine Felder usw.), so dass er ein Volumen absichert, das der tats ächlichen Produktion entspricht und das er zur Erntezeit glattstellt. Der Futurespreis pro Tonne liegt zum Saatzeitpunkt bei EUR 200. Er erwartet eine Erntebasis von EUR - 10, woraus sich ein erwarteter Barpreis von EUR 200 plus EUR - 10 = EUR 190 pro Tonne ergibt. In der nachfolgenden Tabelle sind zwei Szenarien dargestellt: Ein Preisrückgang von EUR 15 zwischen Saat und Ernte und ein Preisanstieg um EUR 15. In beiden Fällen beläuft sich die realisiert e Ernt e- basis wie erwartet auf EUR - 10. Mit einer Hedgingtransaktion liegt der Ertrag pro Tonne in beiden Fällen bei EUR 190. Er läs st sich berechnen als (1) der Futurespreis zur Saatzeit plus die Erntebasis oder (2) der Barpreis zur Erntezeit plus Gewinn oder Verl ust aus der Futuresmarkt - Position. (In der Praxis lassen sich weder die Basis noch die Ernteerträge mit Sicherheit vorhersa gen . ) Realistischere Szenarien Ein Weizenproduzent hat einen Betrieb mit ei ner Größe von 200 Hektar. Seinen Ertrag aus einem Barverkauf zum Er ntezeitpunkt (ohne kurzfristiges Sicherungsgeschäft ) schwankt in den sechs Szenarien von EUR - 42.400 bis EUR 70.000. Nun beschließt der Landwirt im Frühjahr, eine Hedgingtransaktion abzuschließen. Er geht davon aus, dass seine Produktion voraussichtlich nicht unter 800 Ton nen fallen wird, und setzt seine optimale Absich erung bei 16 Kontrakten (50 Tonnen pro Kontrakt) an. Zum Erntezeitpunkt stellt er die kurzfristige Absicherung durch Rückkauf des Futureskontrakts glatt und verkauft seine Ernte gegen bar am Markt. Er erhält den Erlös aus dem Barverkauf der Ernte (abzüglic h Produktionskosten in Höhe von EUR 110.000) zuzuüglich der Gewinne oder Verluste aus der Futurestransaktion (abzüglich der Provisionsgebühren in Höhe von EUR 480). Mit dem Hedge schwanken die Erträge lediglich zwis chen EUR - 14.480 und EUR 29.520, und die Standardabweichung ist nur ein Drittel so hoch wie ohne Absicherung. re Betriebe nutzen allgemein mehr Risikomanagementstrategien, und dies gilt insbesondere im Bereich Hedging. 38 Außerdem werden landwirtschaftliche Rohstoffe in den USA seit längerer Zeit an den Börsen gehandelt. Die Übernahme von Finanzinnovationen braucht Zeit. 38 USDA (1999). Erträge aus einem Barverkauf zur Erntezeit und einem Futures - Hedge Szenario Produktion Barpreis zur Erntezeit Futures im Frühjahr Futures zur Erntezeit Ertrag aus der Ernte Nettoertrag aus dem Barverkauf zur Erntezeit Nettoertrag mit Hedg ing Differenz der Erträge Tonnen EUR/Tonne EUR/Tonne EUR/Tonne EUR EUR EUR EUR 1 1.200 65 125 75 78.000 - 32.000 7.520 39.520 2 1.200 150 110 160 180.000 70.000 29.520 - 40.480 3 1.000 70 130 80 70.000 - 40.000 - 480 39.520 4 1.000 1 65 125 175 165.000 55.000 - 14.520 - 40.480 5 800 85 145 95 65.800 - 42.000 - 2.480 39.520 6 800 170 130 180 136.000 26.400 - 14.480 2.720 Durchschnittlicher Nettoertrag 6.167 5.687 - 40.480 Hof mit 200 ha Größe und Erträgen von 6 bzw. 5 und 4 Tonnen pro ha Produktionskosten: EUR 110.000 Produzent verkauft 800 Tonnen über Futures bzw. 16 Kontrakte Produzent bezahlt pro Kontrakt EUR 30 an Maklergebühr, d.h. insgesa mt EUR 480 Quelle: DB Research, USDA Auswirkungen von Hedging auf den Ertrag eines Weizenproduzenten pro Tonne Preis pro Tonne (in EUR) Szenario mit sinkenden Preisen Szenario mit steigenden Preisen Zum Ernt ezeitpunkt erwarteter Barpreis 190 190 Zum Erntezeitpunkt realisierter Barpreis 175 205 Futurespreis zur Saatzeit 200 200 Futurespreis zur Erntezeit 185 215 Futurese rtrag für den Produzenten 15 - 15 Mit Hedging r ealisierter Nettopreis 190 190 Aktuelle Themen 498 24 12. November 2010 Einige Be schränkungen, die übe r- wunden werden können Daher liegen die wichtigsten Futuresmärkte für landwirtschaftliche Rohstoffe in den USA. Als Benchmark für eine Reihe von Rohstoffen (vor allem Weizen und Mais) dient die Chicago Mercantile Exchange (CME), die im Jahr 2007 das Chicago Board of Trade übernahm. In der EU werden die wichtigsten landwirtschaftlichen Kontrakte an der Euronext in Paris (Mahlweizen, Raps, Mais) und an der Liffe (Lon- don International Financial Futures Exchange; Kakao, Kaffee, Zu- cker, Futtermittelweizen) gehandelt. Außerdem existieren einige kleinere Futuresmärkte (z.B. in Deutschland, den Niederlanden und Ungarn). Rohstoffhändler neigen heutzutage stärker dazu, die Futuresmärkte für das Hedging und die Preisfeststellung an europä- ischen Börsen zu nutzen, als sie es taten, bevor verschiedene Re- formen der GAP zu einer deutlichen Senkung der Garantiepreise führten. Die Futuresmärkte weisen folgende Nachteile auf: — Das Basisrisiko (das Risiko, dass die Preisveränderung einer Hedgingtransaktion nicht der Preisveränderung für den abgesi- cherten Vermögenswert entspricht) kann für einige Landwirte ein ernsthaftes Teilnahmehindernis sein. Auch Handelskosten kön- nen eine Rolle spielen, wenngleich Futureskontrakte geringere Transaktionskosten mit sich bringen als Termingeschäfte. 39 Eini- ge Regierungen subventionieren die Kosten von Futureskontrakten (z.B. bietet Mexiko Subventionen für Landwir- te an, die Rohstoffoptionen an den US-Futuresmärkten kaufen). — Derivatemärkte stehen nicht für alle Rohstoffe zur Verfügung. Dies ändert sich allerdings rasch. — Die in den Kontrakten festgelegten Volumina sind für zahlreiche kleinere Produzenten möglicherweise nicht erreichbar. Dieses Problem kann allerdings durch Finanzintermediäre wie z.B. Bro- ker oder durch eine Organisation von Landwirten, die gemein- sam handeln, gelöst werden. — Die Derivatemärkte sind noch relativ neu, und die Kenntnisse sind unzureichend. Hier sind weitere Informationen und Schulun- gen notwendig. Die Regierungen können die Nutzung der Futuresmärkte durch die Landwirte fördern, indem sie Informati- onen und technische Beratung bereitstellen. 39 OECD (2010). Wichtige Futures - und Optionsmärkte für den Agrarsektor in Europa Rohstoff Börse Futures Optionen Volumen Ausstehend Volumen Ausstehend Januar - Juni 2 010 Juni 2010 Januar - Juni 2010 Juni 2010 Kakao London 1.656.171 196.423 441.206 261.355 Kaffee London 1.364.905 85.950 168.589 42.464 Weißer Zucker London 1.030.852 68.492 17.657 11.816 Futterweizen London 48.005 10.905 129 108 Weizen Paris 1.126.216 102.351 282.815 196.640 Mais Paris 74.177 8.337 3.762 2.640 Raps Paris 451.528 62.231 85.907 58.432 Braugerste Paris 1.320 836 310 310 Quellen: Futures Industry Association, DB Research 8 Risikomanagement in der Landwirtschaft 12. November 2010 25 Rolle von Derivaten bei jüngsten Preisanstiegen wohl gering Reine Risikovermeidung und reine Spekulation gehen ineinander über, … … wobei Übertreibungen möglich sind Tran sparenz und Regulierungen zur Vermeidung von Übertreibungen sind erforderlich Spekulation und Preise Es wird befürchtet, die Derivatemärkte für Agrarprodukte könnten spekulative Aktivitäten fördern und so das Grundrecht auf Nah- rungsmittel untergraben. Die Auswirkungen von Spekulationen auf die Lebensmittelpreise sind in der Tat ein heiß diskutiertes Thema, wobei zwei grundlegende Meinungen zu erkennen sind. Manche Beobachter sind davon überzeugt, dass Spekulanten an den Futuresmärkten für Lebensmittelrohstoffe eine Preisblase geschaf- fen haben. Andere argumentieren, dass Spekulation im Zeitablauf Preisausschläge glättet und stabilisiert. In einer Reihe von Studien wurde die Frage mit Hilfe unterschiedlicher Modelle, Daten und Me- thoden untersucht. 40 Sie kommen zu dem Schluss, dass es wenige bis gar keine Belege für die Annahme gibt, Spekulation habe die Preise nach oben getrieben. Hingegen spricht viel für die entgegen- gesetzte Auffassung: Spekulation folgt in der Regel fundamentalen Marktdaten und der Preisentwicklung, selbst wenn dies nicht bedeu- tet, dass alle Spekulanten jederzeit der Preisentwicklung folgen. 41 Außerdem lässt sich nicht klar zwischen den einzelnen Akteuren an den Rohstofffuturesmärkten unterscheiden: Akteure, die Hedging betreiben, wollen sich gegen Preisrisiken absichern (z.B. Landwirte und Käufer im Agrarsektor), und Spekulanten/Anleger wollen Ge- winne durch Wetten auf die künftige Preisentwicklung erzielen. Sie sind als Kontrahenten bei Absicherungstransaktionen notwendig. 42 (Da die Positionen der Akteure, die Hedging betreiben wollen, ei- nander in der Regel nicht aufwiegen, muss für einen funktionieren- den Futuresmarkt eine Partei vorhanden sein, die das Risiko im Austausch gegen einen erwarteten Gewinn zu übernehmen bereit ist.) Reine Risikovermeidung und reine Spekulation gehen fließend ineinander über. Dies bringt die Möglichkeit mit sich, dass bestimmte Positionen – z.B. aufgrund ihres Volumens – das normale Funktionieren des Markts verzerren. Derartige Spekulationen können ernsthafte Fol- gen für Landwirte und Verbraucher haben und sind im Prinzip nicht akzeptabel. Insgesamt ist es für das gute Funktionieren der Lebensmittelversor- gung wichtig, dass Rohstoffderivate ihren ursprünglichen Zweck der Preisfindung und der Absicherung erfüllen, um Preisschwankungen abzufangen. Wir befürworten allgemein größere Transparenz. Eine stärkere Regulierung des Derivatemarkts insgesamt trägt dazu bei, Exzesse zu verhindern. Außerdem sind einige spezifische Eigen- schaften von Agrarrohstoffen zu berücksichtigen. Ein regulatori- sches Umfeld, das die Effizienz der Märkte fördert und finanzielle Stabilität sicherstellt, nützt den Kunden von Dienstleistungsanbie- tern und kann ein Wettbewerbsvorteil für Finanzzentren sein. 43 Ausblick für Derivate Der Einsatz von Derivaten dürfte in Europa zunehmen, wenn die Nutzung öffentlicher Marktmanagementinstrumente weiter zurück- geht. Staatliche Eingriffe könnten diesen Trend ebenfalls verstärken, indem Schulungen zu Derivaten gefördert werden, die Verfügbarkeit von Informationen sichergestellt wird und ein angemessenes Über- wachungssystem vorhanden ist. Die EU kann auch Maßnahmen 40 Vgl. z.B. Kappel et al. (2010), Roache et al. (2010), Robles et al. (2010). 41 Kappel et al. (2010). 42 Anleger sind ebenfalls Spekulanten. Hier wird jedoch zuweilen unterschieden, weil die Anleger einen langfristigen Zeithorizont verfolgen und Rohstoffe ebenso wie Aktien, Anleihen, Immobilien usw. als Vermögenswerte betrachten. 43 Kern (2010). Aktuelle Themen 498 26 12. November 2010 Gewisse gegenseitige Unabhängi g- keit der Ereignisse und angemessene Informationen sind Vorbedingungen für Versicherbarke i t Rückversicherung erwägen, um das Instrument für kleine Landwirte attraktiver zu ma- chen; diese können ihre Kräfte auch durch die Bildung von Koopera- tiven zum Risikoausgleich bündeln. Ein Anstieg der Handelsvolumina wird die Futuresmärkte in Europa effizienter machen. Sie dürften für große Landwirte attraktiver sein, wenngleich Kooperativen sie zunehmend als attraktives Instrument zur Reduzierung von Einkommensschwankungen ansehen dürften. 4.2 Versicherungen im Agrarsektor Da sich die Witterung und andere Risiken auf die Erträge aus Ackerbau und Viehzucht auswirken können, besteht im Agrarsektor ganz klar eine Nachfrage nach Versicherungen. Versicherbarkeit von Risiken in der Landwirtschaft Damit ein Risiko versichert werden kann, müssen einige Bedingun- gen erfüllt sein 44 : — Es müssen genügend Informationen zu den Risikoereignissen zur Verfügung stehen, damit deren Eintrittswahrscheinlichkeit und die möglichen erwarteten Verluste (einschließlich der damit einhergehenden finanziellen Kosten) beurteilt werden können. Zur Berechnung der angemessenen Prämie muss die Risikover- teilung geschätzt werden. — Die Informationen müssen einer großen Anzahl von Akteuren am Markt zugänglich sein, damit das Potenzial von „moral hazard― und Negativauswahl minimiert wird. („Moral hazard― bezieht sich darauf, dass ein Einzelner sein Verhalten nach dem Kauf einer Versicherungspolice ändert, was potenziell zu einem Anstieg des Verlustumfangs und/oder der Wahrscheinlichkeit eines Verlusts für diesen Einzelnen führen kann. Eine Negativauswahl tritt dann ein, wenn der Versicherte über mehr Informationen verfügt als der Versicherungsgeber, was dazu führen kann, dass das Risi- koniveau für die versicherte Bevölkerung höher ist als für die Ge- samtbevölkerung, die zur Festlegung der Versicherungsprämie herangezogen wird.) — Die korrespondierenden Risiken für unterschiedliche Akteure müssen in gewissem Umfang voneinander unabhängig sein (idiosynkratisch sein). Systemische Risiken, die eine hohe Korre- lation aufweisen, können nicht ohne weiteres in einem Pool zu- sammengefasst werden und können zu hohen Verlusten und damit hohen Verbindlichkeiten für den Versicherer führen. (We- gen ihrer hohen Korrelation sind Preise für Agrarprodukte insge- samt besser für die Futures- und Optionsmärkte geeignet als für die Versicherungsmärkte.) Um hohe Prämien zu vermeiden, die für die Landwirte unerschwing- lich wären, werden systemische Risiken (die potenziell zu umfang- reichen Verlusten führen können) von der Versicherungsgesellschaft am internationalen Markt rückversichert oder über eine staatliche Garantie abgesichert. Umfangreiche Versicherungspläne für den Agrarsektor werden in der Regel vom öffentlichen Sektor unterstützt. Eine übermäßige Einbindung der Regierung ist jedoch nicht nur teuer, sondern hemmt auch die Entwicklung von Versicherungspro- dukten, weil gegebenenfalls Ad-hoc-Katastrophenhilfen geleistet werden. Wie bereits erwähnt, verringern derartige staatliche Interventionen auch die Wahrscheinlichkeit, dass die Landwirte ihre Risiken aktiv 44 Bielza et al. (2009). OECD (2009a). Risikomanagement in der Landwirtschaft 12. November 2010 27 Einzel - oder Mehrfachgefahren - versicherung, Gesamternte - versiche rung, Ertrags - und Einkom m ensversicherung Unterschiedlicher Umfang staatlicher Eingriffe Kooperativ en zum Risikoausgleich Anpassungsfähige Landwirtschaft ggü. staatlichen Interventionen (die potenziell zum Eingehen übermäßiger Risiken führen kann) abbauen bzw. abmildern. Wenn eine solide öffentliche Absicherung vorhanden ist, schielen die Landwirte möglicherweise eher auf die potenziell hohen Renditen, die mit einer erfolgreichen Ernte der falschen Feldfrucht am falschen Ort erzielt werden können – wenn- gleich dies sehr unwahrscheinlich ist. Möglicherweise pflanzen die Landwirte aber z.B. wasserintensive Pflanzen in Gebieten, die zur Dürre neigen, bebauen Überflutungsgebiete, pflegen eine Monokul- tur, die für Schädlinge anfälliger ist, usw. Verschiedene Arten von Versicherungen für einzelne Betriebe Der Landwirt entrichtet eine Prämie für den Kauf der Versicherung und erwirbt so einen Vertrag, der ihm bei widrigen Ereignissen das Recht auf eine Entschädigung gewährt. Die Höhe der Entschädi- gung hängt von den errechneten Verlusten ab. Bei Einzelrisikover- sicherungen werden bestimmte Ereignisse (z.B. Hagel und/oder Feuer), bei Multirisikoversicherungen eine bestimmte Anzahl me- teorologischer Ereignisse (z.B. einschließlich Frost) versichert. Eine Ernteversicherung deckt Ernteverluste bei einer bestimmten Feld- frucht aufgrund von Witterungsereignissen ab. Mehrgefahrenversi- cherungen springen dann ein, wenn die Produktion unter einen bestimmten Schwellenwert sinkt. Nutztierversicherungen gelten vor allem für Krankheiten (außer Seuchen) und Unfälle. Gesamternteversicherungen beziehen sich auf alle Feldfrüchte des Betriebs. Der Landwirt erhält nur dann eine Entschädigung, wenn der Gesamtertrag (nicht nur der Ertrag eines Feldes) unter einen bestimmten Schwellenwert sinkt. Ertragsversicherungen kombinieren Ernte- und Preisversicherun- gen und basieren auf dem Gesamtwert der Produktion eines Land- wirts. Einkommensversicherungen berücksichtigen auch die Pro- duktionskosten. Sie werden bisher nur in den USA angewendet. Je umfassender eine Versicherung, desto stärker wird sie tendenzi- ell vom Staat unterstützt. (Mehrgefahrenfachversicherungen für Ernteerträge werden weltweit staatlich finanziert.) Dies kann be- trächtliche Auswirkungen auf den Staatshaushalt haben. Stabilisierungsfonds auf Gegenseitigkeit Stabilisierungsfonds auf Gegenseitigkeit ermöglichen es einer Gruppe von Produzenten, das Risiko auf mehrere Schultern zu ver- teilen. Erleidet ein Mitglied einen Verlust, so wird dieser nach vorab festgelegten Regelungen ganz oder teilweise durch das im Fonds gesammelte Geld kompensiert (wobei häufig zusätzliche Beiträge der Teilnehmer eingesammelt werden). Derartige Fonds werden als Privatinitiativen hauptsächlich für einen bestimmten Sektor oder eine bestimmte Region eingerichtet. Der Unterschied zwischen einem Fonds auf Gegenseitigkeit und einer Versicherung auf Gegenseitigkeit (ebenfalls eine gemeinnützi- ge Kooperation auf der Grundlage der Selbsthilfe) liegt in der recht- lichen Natur der Institution. Bei einer Versicherung auf Gegenseitig- keit besteht ein Rechtsanspruch auf Entschädigung, und die Prä- mien werden auf versicherungsmathematischer Grundlage berech- net (im Gegensatz zu einem risikounabhängigen Fixbetrag). Der Vorteil dieser auf Risikoausgleich ausgerichteten Kooperationen liegt darin, dass die Landwirte einander häufig kennen, was „moral hazard― und Negativauswahl verringert. Nachteile sind die begrenz- ten Ressourcen, vor allem in den ersten Jahren des Fonds, und die gegenseitige Abhängigkeit: Es kann vorkommen, dass ein Landwirt einen Verlust verzeichnet und gleichzeitig in den Fonds einzahlen Aktuelle Themen 498 28 12. November 2010 Regionalindex (Ernten oder Erträge) oder indirekter Index auf der Basis von meteorologischen Indikatoren oder Satellitenbildern Zahlreiche Vorteile von Index - versi cherungen gegenüber Mehr - fac h gefahrenversicherungen … … und einige N achteile Spezifische E igenschaften der indirekten Indexversicherung muss, um die Verluste anderer Landwirte zu decken. Rückversiche- rungen oder Kooperationen mit anderen Regionen können zur Lö- sung dieses Problems beitragen. Indexversicherungen für eine gesamte Region Indexversicherungen stützen sich auf einen gemeinsamen Index für eine Region – im Gegensatz zu den oben beschriebenen Versiche- rungen für einzelne Betriebe, bei denen die Verluste feldbezogen beurteilt werden. 45 Hierbei kann ein direkter Index verwendet wer- den, z.B. Statistiken zu den Ernten in einem Jahr in einer definierten Region oder zu den durchschnittlichen Ernten/Erträgen in der Regi- on. Indirekte Indexversicherungen basieren auf einem meteorologi- schen Indikator (z.B. Regenfälle, Dürretage, Niederschläge, Frost- tage usw.) oder Satellitenbildern. Indexbasierte Wetterversicherun- gen, die auch als Wetterderivate bezeichnet werden, gehören zu dieser Kategorie, können allerdings auch als Over-the-Counter ge- handelte Optionen angesehen werden (siehe unten). Indexversicherungen stützen sich auf einen grundlegend anderen Ansatz bei der Versicherung von Ernteerträgen. Sie funktionieren für den einzelnen Landwirt am besten, wenn die Risiken nicht von- einander unabhängig, sondern wenn sie korreliert sind. Indexversi- cherungen für bestimmte Gebiete werden seit einigen Jahren in Brasilien, Kanada, den USA und Indien angeboten. In Indien und Kanada wurden auch Wetterversicherungen entwickelt, und in Ka- nada gibt es Versicherungen auf der Grundlage von Satellitenauf- nahmen. Indexversicherungen bieten eine Reihe von Vorteilen gegenüber den traditionellen Formen von Mehrfachgefahrenversicherungen auf der Ebene des einzelnen Betriebs. Da kein „moral hazard― und kei- ne Informationsasymmetrien vorhanden und die administrativen Kosten niedrig sind (kein Besuch einzelner Betriebe notwendig), ist die Risikoabdeckung für die Landwirte größer. Es ist kein Selbstbe- halt des Landwirts notwendig, da dieser das Ergebnis nicht beein- flussen kann, das zu einer Zahlung führt. Da Indexversicherungen standardisiert und transparent sind, können sie an den Futures- märkten gehandelt werden. Sie können auch als Rückversicherung dienen, um das Risiko weit verbreiteter, korrelierter Produktionsver- luste im Agrarsektor zu übertragen. Allerdings stoßen Indexversicherungen in den folgenden Fällen an ihre Grenzen. Basisrisiken treten ein, wenn die versicherten Verluste eine allzu lockere Korrelation mit dem Index aufweisen. (Da Ent- schädigungen nicht für die tatsächlichen Verluste eines Einzelnen gewährt werden, sondern für anhand eines bestimmten Parameters berechnete Verluste, kann es sein, dass ein Landwirt, der selbst keinen Verlust erlitten hat, von einer Entschädigung profitiert. Im Gegenzug wird ein Landwirt für seinen Verlust möglicherweise nicht in vollem Umfang entschädigt.) Die Durchführbarkeit einer Indexver- sicherung hängt außerdem entscheidend von einer objektiven und zutreffenden Messung des Index ab. Eine genaue Modellierung ist erforderlich, um die Wahrscheinlichkeiten der einzelnen Indexer- gebnisse zu prognostizieren. Zuletzt können es sich Versicherungs- gesellschaften nur selten leisten, Indexversicherungen ohne eine angemessene Rückversicherung anzubieten. Indirekte Indexversicherungen bieten gegenüber Indexversicherun- gen für ein bestimmtes Gebiet gewisse Vorteile. Die Überwachung ist noch einfacher und potenziell preiswerter. Historische Datenrei- 45 Bielza et al. (2008). Risikomanagement in der Landwirtschaft 12. November 2010 29 Auf Wetterindizes basierende Pr o- dukte: weder ganz Versicheru ng noch ganz Derivate, aber mit Entwicklungspotenzial Rolle für die Banken: Management korrelierter Risiken und besseres Eing ehen auf Bedürfnisse der Landwirte Entwicklung von Versicherungs - lö sungen hängt von Einbindung der Regierung ab hen für meteorologische Daten sind potenziell von besserer Qualität als die Daten für die Erträge in einem Gebiet (z.B. in Entwicklungs- ländern). In zahlreichen Regionen ist zu wenig oder zu viel Regen eine der Hauptursachen für Ertragsverluste. Ein spezifischer Nach- teil von indirekten Indexversicherungen besteht darin, dass es schwieriger ist, das reale Risiko der einzelnen Landwirte zu repro- duzieren. Auf Wetterindizes basierende Versicherungsprodukte werden auch als Wetterderivate bezeichnet, da sie als Versicherungsvertrag oder als Over-the-Counter-Option vermakelt werden können. 46 Da Entschädigungen nicht für reale Verluste gezahlt werden, die von Spezialisten auf dem Feld nachgeprüft werden müssen, können diese Produkte auch außerhalb des Versicherungssektors von Ban- ken und anderen Finanzinstituten verkauft werden. Sie unterschei- den sich jedoch insofern von traditionellen Rohstoffpreisderivaten, als es sich bei dem Underlying nicht um ein handelbares Gut han- delt. Die Preise für Wetterderivate stützen sich in der Regel auf versiche- rungsmathematische Berechnungen, da die traditionellen Black- Scholes-Algorithmen für diese Produkte nicht angemessen erschei- nen. Dadurch wird der Markt weniger transparent, und die Trans- aktionskosten steigen an. 47 Insgesamt bieten auf Wetterindizes basierende Versicherungspro- dukte viel Potenzial, wenngleich der Markt noch nicht gut entwickelt ist. Ausblick für Indexversicherungen Mit der zunehmenden Verfeinerung der Systeme zur Messung von Ereignissen, die weit verbreitete Probleme auslösen, wird die Indexierung von wichtigen Ereignissen einfacher und von den Kapi- talmärkten besser akzeptiert. Wenn Indexversicherungen auch im Bankensektor verkauft werden können, ist dies insofern von grund- legendem Vorteil, als eine Bank diese Kontrakte für das Manage- ment von korrelierten Risiken nutzen kann. So ist die Bank dazu in der Lage, die Landwirte beim Management von Basisrisiken zu un- terstützen: Wenn ein Landwirt einen unabhängigen Verlust erleidet, für den die Indexversicherung nicht zahlt, kann er einen Kredit bei der Bank aufnehmen, um diesen Schock zu glätten. So kann der größte Nachteil von Indexversicherungen wirksam umgangen wer- den (die durchaus vorhandene Möglichkeit, dass ein einzelner Landwirt einen Verlust erleidet, der nicht durch Zahlungen ausgegli- chen wird). 48 Versicherungssysteme in der EU 49 In der EU sind die Landwirte sehr heterogenen Risiken ausgesetzt, die von Land zu Land sowie je nach Art und Größe des Betriebs unterschiedlich sind. Die Entwicklung von landwirtschaftlichen Ver- sicherungen hängt in jedem Land vom Risikoumfang sowie von der Politik, die das Versicherungssystem stützt, ab. Einzelrisikoversicherungen (vor allem gegen Hagel) sind in Europa gut entwickelt. In der Regel bieten private Gesellschaften nur Versi- cherungen gegen Hagel und Feuer an; mit zunehmender Einbin- dung des Staats wird ein umfangreicherer Versicherungsschutz 46 Nach Bielza (2008). 47 Bielza et al. (2008). 48 Bielza et al. (2008). 49 Bielza et al. (2009). Aktuelle Themen 498 30 12. November 2010 Nur ein oder zwei große Akteure in jedem EU - La nd Einige Daten zur EU - Versicherung — Versichert: 23% des Erntewerts — Prämiensätze: 4% des versicherten Werts — G esamtprämiensumme pro Jahr: EUR 1,5 Mrd. — Jährliche staatliche Subventionen: EUR 500 Mio. (32% der Gesamtprämie n- summe) — Jährliche Entschädigungszahlungen: EUR 1 Mrd. — Durchschnittliche Verlustquoten: 60% - 75% Quelle: Bielza (2009), DB Research möglich. Ernteversicherungen bieten Schutz gegen alle wichtigen Witterungsrisiken, jedoch in der Regel nicht gegen Pflanzenkrank- heiten und Seuchen. Dafür muss die Verlustursache ermittelt wer- den. In den USA existieren dagegen Mehrfachgefahrenversicherun- gen für die Ernten, bei denen der Schaden schlicht als Differenz zwischen garantiertem und tatsächlichem Ernteertrag berechnet wird. Das europäische Versicherungssystem bringt höhere Kosten für die Verlustbereinigung mit sich, birgt aber keinen „moral hazard―. Das Versicherungssystem in den 27 EU-Ländern weicht von Land zu Land in Bezug auf Marktdurchdringung, Prämiensätze, Schaden- quoten (Verhältnis von Entschädigungen zu Prämien) und Umfang der Subventionen stark voneinander ab. Die meisten Länder haben jedoch eins gemeinsam, nämlich die Tatsache, dass wenige Teil- nehmer und ein oder zwei Unternehmen den sehr speziellen Sektor für landwirtschaftliche Versicherungen dominieren. Eine Förderung des Wettbewerbs könnte die Versicherungskosten für die Landwirte dämpfen und ihnen den Zugang zu Versicherungen erleichtern. Im Vergleich dazu bieten in den USA 17 private Gesellschaften Ver- sicherungen an, die in Absprache mit der USDA arbeiten. Der Anbau ist zu rund 45% seines Werts versichert. Die durchschnittliche Prä- mienquote liegt mit knapp 9% sehr viel höher als in Europa, was vor allem auf eine weitere Verbreitung von Ertrags- oder Ernteversiche- rungen anstelle von Einzelrisikoversicherungen zurückzuführen ist. Die staatliche Unterstützung für die Versicherungen (Prämiensub- ventionen, Mittel für administrative Kosten, Rückversicherung) be- läuft sich auf 72% der Prämiensumme (Kanada: 66%; EU: 32%). In der nachstehenden Tabelle sind verschiedene Aspekte und Impli- kationen eines möglichen, EU-weiten Versicherungssystems gemäß den oben vorgestellten Arten von Versicherungen zusammenge- fasst. Rating für Versicherungsinstrumente für das Risikomanagement (1 = Minimum, 5 = Maximum) Einzel - oder Mehrfach - gefahrenve r- sicherung Ernte - versich e- rung Erntever - sicherung für den g e- samten Hof Einkom - mens - / Ertragsve r- sicherung Regionale Indexvers i- c herung nur für Fel d- früchte Indirekte Indexver - s i cherung Staatliche Rückver - s i cherung Neigung zu Wohlstandsverlusten aufgrund von Informationsasy m- metrien 2 2 3 2 3 4 1 Anreize zu fehlerhaften Meldu n- gen in Bezug auf tatsächliche Verluste 1 2 3 3 2 1 1 Anreize zum Eingehen übermäß i- ger Risiken 3 2 4 3 3 4 2 Kosteneffizienz (Nutzen/staatliche Ausgaben) 4 3 3 4 2 2 2 Vereinbarkeit mit anderen EU - Maßnahmen 3 2 2 2 1 2 2 Vereinbarkeit mit Instrumenten aus dem privaten Sektor (1: Ergä nzung; 5: Ersatz) 1 3 3 4 4 2 1 Anfälligkeit für Rent - Seeking 4 3 3 4 2 2 2 Umfangreiche Rückversich e- rungskosten 1 2 3 3 4 2 3 Administrative Komplexität 3 4 5 4 4 3 Quellen: Meuwissen et al. (2008), DB Research 9 Risikomanagement in der Landwirtschaft 12. November 2010 31 Ausblick für Versicherungen Das derzeitige Versicherungsniveau in der EU reicht generell nicht aus, um größere Einkommenseinbußen in schlechten Jahren zu glätten, wenngleich zahlreiche Mitgliedsländer in den vergangenen Jahren an einer Weiterentwicklung des Versicherungssystems durch Ausweitung der abgedeckten Risiken und Einbeziehung weiterer Feldfrüchte und Nutztiere gearbeitet haben. Dies zeigt sich am Um- fang der weiterhin von den Regierungen gezahlten Ad-hoc-Hilfen in Höhe von über EUR 900 Mio. (und diese Zahl ist aufgrund man- gelnder Informationen wahrscheinlich deutlich zu niedrig 50 ). Ernteversicherungen dürften ohne staatliche Unterstützung wohl nicht möglich sein, und eine Subventionierung von Ernteversiche- rungen scheint Einkommensschwankungen wirksam, wenn auch nur in begrenztem Maße ausgleichen zu können 51 ; ansonsten über- wiegt der Verdrängungseffekt anderer Instrumente. Die Nutzung von Versicherungen bringt auch zahlreiche nicht wünschenswerte Effek- te mit sich, wie z.B. übertriebenes Risikoengagement, fehlerhafte Schadensmeldungen, Informationsasymmetrien und Rent-Seeking seitens der Versicherungsgesellschaften. Indexbasierte Versiche- rungsprodukte haben relative Vorteile und eignen sich am besten für homogene Regionen, in denen die Betriebe korrelierte Erträge auf- weisen. Angesichts der heterogenen klimatischen und geografi- schen Bedingungen in zahlreichen europäischen Ländern sind sie möglicherweise für eine Rückversicherung auf dem aggregierten Niveau sinnvoller als auf dem Niveau des einzelnen Betriebs. Mögli- cherweise werden sich die Banken stärker engagieren und den Landwirten Möglichkeiten zum Management des Basisrisikos bieten. Die EU wird Versicherungen möglicherweise als Mittel zur Stabilisie- rung der Einkommen der Landwirte weiter unterstützen. Gleichzeitig erscheint die Schaffung eines homogenen, gemeinsamen Versiche- rungssystems angesichts der ganz unterschiedlichen Risiken und sozioökonomischen Hintergründe in der EU nicht ratsam. 52 Die EU kann auch die Entwicklung nationaler Systeme fördern, indem sie die Zusammenstellung von Datenbanken erleichtert, öffentliche Rückversicherungen anbietet und ein gemeinsames regulatorisches Rahmenwerk einrichtet. 5. Schlussfolgerungen Die Schwankungen der Einkommen der Landwirte hängen von der Entwicklung der Preise, Ernten, Kosten und Unterstützungszahlun- gen sowie der Kovariabilität all dieser Faktoren und der Produkti- onsdiversifizierung ab. Angesichts der unterschiedlichen Lage in den einzelnen Ländern gehen wir davon aus, dass die Preise und Ernten der Landwirte in der EU künftig stärker schwanken werden. Gründe sind das sich verändernde weltweite Umfeld und der all- mähliche Abbau traditioneller Marktmanagementinstrumente im Rahmen der GAP. Es ist eine offene Frage, ob sich die EU oder die Mitgliedsländer mit der höheren Volatilität für die Landwirte befassen sollten. Manche vertreten die Auffassung, dass sich die Landwirte genau wie andere Unternehmer an Angebot und Nachfrage anpassen und sich stets zwischen höheren Erträgen und höherem Risiko einerseits oder niedrigeren, aber stabileren Erträgen entscheiden müssen. Andere 50 Bielza et al. (2009). 51 OECD (2010). 52 Bielza et al. (2009). Aktuelle Themen 498 32 12. November 2010 Politik soll Risikomanagementfähi g- keiten der Landwirte verbessern Direktere Interventionen: Notfallma ß- nahme, nicht auf Kosten der übrigen Welt oder der Ökologie Zunehmender Einsatz von Derivaten … … und Versicherungen Stabilisierung der Einkommen und Lösung des Problems der Umwel t - e xternalitäten durch Zahlung für die Bereitstellung öffentlicher Güter argumentieren, die Landwirtschaft sei ein besonderer Sektor, der öffentliche Unterstützung benötige, weil er ein grundlegendes menschliches Bedürfnis erfülle, für das es keinen Ersatz gibt: die dauerhafte Sicherung einer ausreichenden Lebensmittelversorgung, wobei Umwelt und Tiere geschützt und der Klimawandel abgemil- dert werden. Insgesamt wurde gezeigt, dass staatliche politische Maßnahmen private Risikomanagementinstrumente immer verdrängen. Außer- dem verhindern sie die Feststellung des natürlichen Marktpreises und so potenziell die notwendigen Anpassungen an ein sich wan- delndes Marktumfeld. Der Politik kommt dagegen die wichtige Auf- gabe zu, die Landwirte dazu in die Lage zu versetzen, ihre eigenen, gut informierten Risikomanagemententscheidungen zu treffen und zwischen einer Reihe von Instrumenten und Strategien auszuwäh- len. Direktere Interventionen sollten besser nur im Notfall eingesetzt werden und nur dann erfolgen, wenn sie die Märkte für EU- Produzenten nicht auf Kosten der übrigen Welt oder der ökologi- schen Nachhaltigkeit stabilisieren. Eine Unterstützung von marktba- sierten Risikomanagementinstrumenten hat den Vorteil, dass die Landwirte dazu angehalten werden, sich finanziell an ihrem Risiko- management zu beteiligen, was potenziell ihre Einkommens- schwankungen verringert. Es ist nahezu sicher, dass marktbasierte Risikomanagementinstru- mente angesichts der sinkenden staatlichen Unterstützung eine wichtigere Rolle spielen werden. Futures und andere Derivate wer- den zunehmend dazu dienen, Preisrisiken abzusichern. Die EU kann ihre Akzeptanz erhöhen, indem sie den Landwirten Schu- lungsmöglichkeiten anbietet, die Verfügbarkeit von Marktinformatio- nen sicherstellt, ein angemessenes Aufsichtssystem einrichtet und potenziell ihre Nutzung durch auf Risikoausgleich abzielende Ko- operativen fördert. Versicherungen werden ebenfalls zunehmend genutzt werden, um Ernterisiken abzumildern. Wachsende Versicherungsportfolios dürf- ten die Auswirkungen des Risikopoolings erhöhen und die Rückver- sicherungskosten dämpfen. Indexbasierte Versicherungsinstrumen- te werden ebenfalls dazu beitragen, dass mehr Risiken versichert werden können. Der öffentliche Sektor kann den Einsatz von Versi- cherungen durch die Landwirte fördern, indem er Rückversicherun- gen anbietet oder die Prämien für Ernteversicherungen in geringem Umfang subventioniert: so weit, dass sie erschwinglich sind, aber nicht übermäßig, um verantwortungsloses Verhalten zu verhindern (z.B. den Anbau unpassender Feldfrüchte). Außerdem wäre es sinnvoll, wenn die Mitgliedsländer die Landwirte zunehmend dazu verpflichten, Versicherungen für Entschädigungszahlungen im Fall von Krisen oder Katastrophen abzuschließen. Eine Entlohnung der Landwirte für die Bereitstellung öffentlicher Güter kann entscheidend dazu beitragen, die künftigen Probleme zu lösen: Förderung einer nachhaltigen Landwirtschaft und damit der langfristigen Lebensmittelsicherheit durch Unterstützung von Agrar- systemen, die bei der Produktion hohe Umweltstandards einhalten. Diese Zahlungen sollen Leistungen der Landwirtschaft entlohnen, für die am Markt kein Preis entrichtet wird. Sie tragen außerdem zur Risikoabdeckung bei. Darüber hinaus sollte die Möglichkeit weiter geprüft werden, Externalitäten im System einzupreisen (durch das Verursacherprinzip, wodurch z.B. Produzenten oder Produkte in Anspruch genommen werden können, die natürliche Ressourcen besonders ineffizient nutzen). Risikomanagement in der Landwirtschaft 12. November 2010 33 Literaturverzeichnis Alizadeh, Amir und N. Nomikos (2005). Agricultural reforms and the use of market mechanisms for risk management. Study commissioned by the Futures and Options Association. London. Cass Business School and FOA. März 2005. Auer, Josef (2003). Weather derivatives heading for sunny times. Deutsche Bank Research. Current Issues. Frankfurt am Main. Balcombe, Kevin (2009). The nature and determinants of volatility in agricultural prices. Technical Report. Report to the FAO. Bielza Diaz-Caneja, Maria, C.G. Conte, F.J. Gallego Pinilla, J. Stroblmair, R. Catanero und C. Dittman (2009). Risk manage- ment and agricultural insurance schemes in Europe. Joint Re- search Centre. European Communities. Luxemburg. Bielza Diaz-Canela, Maria, C.G. Conte, R. Catanero und F.J. Gallego Pinilla (2008). Agricultural Insurance Schemes II: index insurances Joint Research Centre. European Communities. Italien. 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