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24. Januar 2020
Der materielle Wohlstand eines Landes ist nach wie vor eng mit dessen Energieverbrauch verknüpft. Da die Energieversorgung global noch immer zu rd. 80% auf fossilen Energieträgern basiert, ist ein hohes Wohlfahrts-niveau – gemessen am BIP – tendenziell auch mit hohen CO₂-Emissionen pro Kopf verbunden. Frankreich kommt von allen G20-Staaten dem Ziel am nächsten, relativ wohlhabend zu sein, aber zugleich möglichst wenige CO₂-Emissionen pro Kopf zu verursachen. Von der politisch angestrebten Klimaneutralität ist aber auch Frankreich noch weit entfernt. [mehr]
PROD0000000000504541 1   |    24. Januar 2020Aktuelle Grafik 24. Januar 2020 Reiches Land – hoher CO ₂ - Ausstoß Autor www.dbresearch.de Deutsche Bank Research Management Stefan Schneider Eric Heymann +49(69)910-31730 eric.heymann@db.com Der materielle Wohlstand eines Landes ist nach wie vor eng mit dessen Ener­ gieverbrauch verknüpft. Da die Energieversorgung global noch immer zu rd. 80% auf fossilen Energieträgern basiert, ist ein hohes Wohlfahrts­niveau – ge­ messen am BIP – tendenziell auch mit hohen CO ₂ ­Emissionen pro Kopf verbun­ den. Frankreich kommt von allen G20-Staaten dem Ziel am nächsten, relativ wohlhabend zu sein, aber zugleich möglichst wenige CO ₂ -Emissionen pro Kopf zu verursachen. Von der politisch angestrebten Klimaneutralität ist aber auch Frankreich noch weit entfernt. In der Grafik zeigt sich der Zusammenhang zwischen Reichtum und CO­Aus­ stoß sehr deutlich für die G20-Staaten (die EU als Mitglied der G20 ist in der Grafik nicht gesondert abgebildet). Gleichwohl weichen einzelne Länder erheb­ lich von der Trendlinie ab, was sich durch Unterschiede im Energiesektor, in den Konsum­ und Produktionsgewohnheiten oder durch abweichende Energie­ preise erklären lässt. 2 Reiches Land - hoher CO-Ausstoß pro Kopf Quellen: IWF, IEA 2 Deutsche Bank Research Reiches Land – hoher CO ₂ -Ausstoß 2   |    24. Januar 2020Aktuelle Grafik Die USA weisen unter den aufgeführten Ländern das höchste BIP pro Kopf auf (in Kaufkraftparitäten, PPP). Bei den personenbezogenen CO­Emissio­ nen belegen die USA ebenfalls einen der vorderen Plätze. Zwar sind die CO -Emissionen pro Kopf in den USA in den letzten Jahren stetig gesunken und unterschritten 2017 das Niveau von 2000 um rd. 28%. Dies ist u.a. darauf zu­ rückzuführen, dass Erdgas (Fracking) und Erneuerbare die Kohle im Strom­ sektor zurückgedrängt haben. Dennoch sind die USA noch immer eine CO- intensive Volkswirtschaft. Die energiebedingten CO-Emissionen pro Einheit BIP (PPP) übertreffen das Niveau der europäischen OECD-Staaten um fast 60%. Hierfür gibt es Gründe: Die recht geringe Besteuerung von Energie führt zu niedrigen Energiepreisen. Dadurch ist die Energieeffizienz z.B. von Gebäuden oder elektronischen Konsumgütern für die Verbraucher weniger wichtig. Der Kfz-Bestand in den USA mit seinem hohen Anteil an Pick-ups verzeichnet einen deutlich höheren durchschnittlichen Kraftstoffverbrauch als die Pkw­Flotte in Europa. Flugreisen gehören eher zum Alltag der US­ameri­ kanischen Bevölkerung als in den meisten anderen Staaten der Welt. Klima­ anlagen sind zudem weiter verbreitet als in Europa. Die Liste ließe sich fort­ setzen. Der Anteil des Verarbeitenden Gewerbes am BIP liegt in den USA zwar nur bei gut 11%. Dieser niedrige Industrieanteil wird jedoch u.a. durch den hohen „Alltagskonsum“ von Energie überkompensiert. Die Analyse für die USA trifft in groben Zügen auch auf Australien, Kanada und Saudi­Arabi­ en zu. 2 2 2 2 Auch China, der größte absolute CO-Emmitent der Welt, ist eine CO­inten­ sive Volkswirtschaft. Pro Einheit BIP stößt China fast 160% mehr CO aus als die europäischen OECD­Staaten. In China entfallen 62% des Primärener­ gieverbrauchs auf Kohle. Das Land ist weltweit zudem der größte Exporteur von Industrieerzeugnissen. Es exportiert damit in gewissem Sinne auch CO- Emissionen in die Abnehmerländer. Pro Kopf nahmen die CO-Emissionen in China von 2000 bis 2017 um 170% zu, wobei in den letzten Jahren kein An­ stieg mehr zu verzeichnen ist (offizielle Zahlen für 2018 und 2019 liegen bei der IEA jedoch noch nicht vor). Allerdings expandierte das nominale BIP pro Kopf (PPP) im gleichen Zeitraum sogar um 470%. In den letzten 20 Jahren sind dadurch hunderte Millionen Chinesen der Armut entkommen.   22 2 2 2 Indien ist trotz des Wirtschaftswachstums der vergangenen Jahre immer noch ein relativ armes Land. Das BIP pro Kopf (PPP) war 2019 weniger als halb so groß wie in China und erreichte nur 13% des Niveaus eines durch­ schnittlichen US-Bürgers. Dieses niedrige Wohlfahrtsniveau spiegelt sich im geringen Energieverbrauch sowie in den niedrigen CO-Emissionen wider. Obwohl in Indien 45% des Primärenergieverbrauchs und sogar 74% der Stromerzeugung auf Kohle basieren, liegen die CO-Emissionen pro Kopf noch unter 2 Tonnen. Gründe hierfür sind die geringe individuelle Mobilität und dabei vor allem die kleine Bedeutung des Autos im Verkehrssektor, der niedrige Heizwärmebedarf für Wohngebäude und die fehlende Industrialisie­ rung. Gleichwohl wächst der Energiebedarf Indiens enorm. Die IEA schätzt, dass der Primärenergieverbrauch des Landes bis 2040 um mehr als 3% pro Jahr steigen wird. Der Anteil der Kohle am Primärenergieverbrauch wird im   2 2 Deutsche Bank Research Reiches Land – hoher CO ₂ -Ausstoß 3   |    24. Januar 2020Aktuelle Grafik wahrscheinlichsten Szenario der IEA nur um 1%­Punkt auf 44% sinken. Da­ mit werden auch die CO­Emissionen pro Kopf stark steigen; schon zwi­ schen 2000 und 2017 haben sie sich in Indien fast verdoppelt. 2 Deutschland verzeichnet im Vergleich zu anderen westeuropäischen Staa­ ten relativ hohe CO­Emissionen pro Einwohner, erzielt aber auch ein höhe­ res Wohlfahrtsniveau als andere große Flächenstaaten in der EU. Ein Grund für die höheren CO­Emissionen liegt darin, dass das Verarbeitende Gewer­ be überdurchschnittlich stark zur Bruttowertschöpfung in Deutschland bei­ trägt (Anteil 2019: 21,6%; EU: ca. 16%). Auf der einen Seite zahlt die Indus­ trie überdurchschnittlich hohe Löhne und Gehälter und trägt daher maßgeb­ lich zum individuellen Wohlstand Deutschlands bei. Auf der anderen Seite führen der hohe Industrieanteil mit vielen arbeitsteiligen Produktionsprozes­ sen sowie die polyzentrische Wirtschaftsstruktur zu hohen Verkehrsleistun­ gen im Straßengüterverkehr und damit zu CO-Emissionen. Auch die Pkw- Flotte ist in Deutschland im Durchschnitt stärker motorisiert als etwa in Frankreich. Zudem spielt die CO­intensive Braunkohle im deutschen Strom­ sektor noch eine große Rolle. Nicht zuletzt fällt der Heizwärmebedarf in Deutschland höher aus als in südeuropäischen Ländern. Die energiebeding­ ten CO-Emissionen lagen in Deutschland 2017 um 13% unter dem Niveau von 2000.   2 2 2 2 2 Frankreich macht das Verarbeitende Gewerbe weniger als 11% der gesamt­ wirtschaftlichen Bruttowertschöpfung aus; im Jahr 2000 waren es noch 16%. Das ist ein Grund dafür, dass die CO-Emissionen pro Kopf von 2000 bis 2017 um etwa 25% gesunken sind und sie dort nur rd. 52% des deutschen Niveaus ausmachen. Das Argument der Pkw­Flotte sowie des Heizwärmebe­ darfs hatten wir bereits ausgeführt. Besonders positiv für die französische CO-Bilanz ist natürlich der hohe Anteil der Kernenergie im Stromsektor.   2 2 Unter dem Strich haben alle reichen Länder über der Trendlinie in der Grafik die größten Potenziale, ihren Energieverbrauch sowie ihre CO-Emissionen ohne (größere) materielle Wohlfahrtsverluste zu senken. Umgekehrt kommt Frank­ reich von allen G20-Staaten dem Ziel am nächsten, relativ wohlhabend zu sein, aber zugleich möglichst wenige CO-Emissionen pro Kopf zu verursachen. Von der politisch angestrebten Klimaneutralität ist aber auch Frankreich noch weit entfernt. Selbst die ärmsten Staaten der Welt in Afrika, wo die Energieversor­ gung zu einem großen Teil auf erneuerbaren Energien (Holz) basiert, individuel­ le Mobilität keine große Rolle spielt und wo das BIP pro Kopf nur einen Bruch­ teil des Niveaus in den Industrieländern ausmacht, sind nicht klimaneutral.   2 2 Deutsche Bank Research Reiches Land – hoher CO ₂ -Ausstoß 4   |    24. Januar 2020Aktuelle Grafik © Copyright 2020. Deutsche Bank AG, Deutsche Bank Research, 60262 Frankfurt am Main, Deutschland. Alle Rechte vor­ behalten. Bei Zitaten wird um Quellenangabe „Deutsche Bank Research“ gebeten. Die vorstehenden Angaben stellen keine Anlage­, Rechts­ oder Steuerberatung dar. Alle Meinungsaussagen geben die ak­ tuelle Einschätzung des Verfassers wieder, die nicht notwendigerweise der Meinung der Deutsche Bank AG oder ihrer as­ soziierten Unternehmen entspricht. Alle Meinungen können ohne vorherige Ankündigung geändert werden. Die Meinungen können von Einschätzungen abweichen, die in anderen von der Deutsche Bank veröffentlichten Dokumenten, einschließ­ lich Research-Veröffentlichungen, vertreten werden. Die vorstehenden Angaben werden nur zu Informationszwecken und ohne vertragliche oder sonstige Verpflichtung zur Verfügung gestellt. Für die Richtigkeit, Vollständigkeit oder Angemessen­ heit der vorstehenden Angaben oder Einschätzungen wird keine Gewähr übernommen. 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