1. Research
  2. Produkte & Themen
  3. Publikationsreihen
  4. Ausblick Deutschland
8. Mai 2017
Im Jahr 2016 war das Wachstum des Welthandels mit +1,3% schwach und in manchen Monaten sogar rückläufig. Im Winterhalbjahr aber nahm der Welthandel mit einem Plus von rund 3% gegenüber den Vorjahresmonaten wieder Fahrt auf. Unser Modell prognostiziert allerdings nur ein moderates Wachstum von etwas mehr als 2% im Jahr 2017 und rund 3% im Jahr 2018. Aufgrund der aktuellen Wachstumsdynamik und struktureller Unsicherheiten beschreibt dies wohl eher den unteren Rand des Prognosekorridors. Die insgesamt vorsichtige Prognose steht allerdings auch mit den zunehmenden globalen Handelsrestriktionen im Einklang, denn trotz gegenteiliger Beteuerungen auf G20-Gipfeln steigt die Zahl der Handelshemmnisse an. (Weitere Beiträge in dieser Ausgabe: Deutsches Beschäftigungswunder; EZB-Geldpolitik) [mehr]
Ausblick Deutschland: Positive Signale Ausblick Deutschland Zyklischer Aufschwung des Welthandels, trotz zusätzlicher Handelsbeschrän- kungen. Im Jahr 2016 war das Wachstum des Welthandels mit +1,3% schwach und in manchen Monaten sogar rückläufig. Im Winterhalbjahr aber nahm der Welthandel mit einem Plus von rund 3% gegenüber den Vorjahresmonaten wie- der Fahrt auf. Die aktuelle Dynamik ist wohl auch auf den Anstieg des Rohöl- preises auf über USD 50/Bbl. zurückzuführen, wodurch die Investitionstätigkeit in vielen Emerging Markets und auch den USA wieder anzog. Ölpreisbedingte höhere Einnahmen ermöglichen bis dato aufgeschobene Investitionen in der Ölindustrie und anderen Sektoren und stimulieren damit den Welthandel. Unser Modell prognostiziert allerdings nur ein moderates Wachstum von etwas mehr als 2% im Jahr 2017 und rund 3% im Jahr 2018. Aufgrund der aktuellen Wachs- tumsdynamik und struktureller Unsicherheiten beschreibt dies wohl eher den unteren Rand des Prognosekorridors. Die insgesamt vorsichtige Prognose steht allerdings auch mit den zunehmenden globalen Handelsrestriktionen im Ein- klang, denn trotz gegenteiliger Beteuerungen auf G20-Gipfeln steigt die Zahl der Handelshemmnisse an. Ende 2016 waren in Deutschland rd. 44 Mio. Menschen erwerbstätig, mehr als jemals zuvor. Gegenüber 2005 erhöhte sich die Zahl der Erwerbstätigen um knapp 11% oder um mehr als 4 Mio. Erwerbstätige. Auf sektoraler Ebene gab es erhebliche Unterscheide. Bei den Unternehmensdienstleistern nahm die Er- werbstätigkeit am stärksten zu (2016 gg. 2005: +36%). Auf dem zweiten Platz folgen die öffentlichen Dienstleister einschließlich Erziehung und Gesundheit mit einem Plus von 14%. Knapp 70% des absoluten Anstiegs der Erwerbstätigkeit seit 2005 sind auf diese beiden Wirtschaftszweige zurückzuführen. Beide Berei- che sind jedoch durch eine unterdurchschnittliche Produktivität charakterisiert. Dies trübt das positive Gesamtbild am deutschen Arbeitsmarkt. Für ein kräftige- res Lohnwachstum müsste in Sektoren mit hoher Produktivität die Erwerbstätig- keit überdurchschnittlich steigen. Dem steht jedoch ein Fachkräftemangel in einzelnen Branchen und Regionen gegenüber. Äußerst schmallippige EZB. Auf der Pressekonferenz am 27. April dämpfte der EZB-Präsident die hohen Erwartungen auf eine baldige Änderung der Geldpoli- tik. Er sah noch keinen Nachweis für eine nachhaltige Belebung der Preisdyna- mik und wollte offensichtlich einem vorzeitigen Einpreisen von Zinsanstiegen entgegenwirken. Unserer Ansicht nach setzt sich die Konjunkturerholung in der Eurozone fort und das Wachstum ist kräftig genug für eine Reflationierung. Ent- sprechend erwarten wir für Juni eine Anpassung der Forward Guidance, für September die Ankündigung die Anleihekäufe der EZB im Jahr 2018 zurückzu- fahren und für Dezember 2017 eine Anhebung des Einlagensatzes. Aufgrund des sehr schmallippigen EZB-Präsidenten halten wir jedoch auch eine spätere Anpassung der Forward Guidance für möglich. Autoren Eric Heymann +49 69 910-31730 eric.heymann@db.com Jochen Möbert +49 69 910-31727 jochen.moebert@db.com Stefan Schneider +49 69 910-31790 stefan-b.schneider@db.com Mark W all +44 207 545-2087 mark.wall@db.com Editor Stefan Schneider Deutsche Bank AG Deutsche Bank Research Frankfurt am Main Deutschland E-Mail: marketing.dbr@db.com Fax: +49 69 910-31877 www.dbresearch.de DB Research Management Stefan Schneider Inhaltsverzeichnis Seite Prognosen......................................................... 2 Zyklischer Aufschwung des Welthandels, trotz zusätzlicher Handelsbeschränkungen .... 3 Deutsches Beschäftigungswunder: nicht alles Gold, was glänzt – eine sektorale Betrachtung ...................................................... 6 Äußerst schmallippige EZB ............................ 11 DB Makro-Überraschungsindex Deutschland .................................................... 14 Exportindikator ................................................ 15 Eventkalender ................................................. 16 Datenkalender ................................................ 16 Finanzmarktprognosen................................... 17 Datenmonitor .................................................. 18 Original in englischer Sprache: 5. Mai 2017 8. Mai 2017 Positive Signale Ausblick Deutschland: Positive Signale 2 | 8. Mai 2017 Ausblick Deutschland Wachstum, Inflation, Leistungsbilanz, Budgetsaldo DX BIP-Wachstum Inflation* Leistungsbilanzsaldo Budgetsaldo in % gg. Vj. in % gg. Vj. in % des BIP in % des BIP 2016 2017P 2018P 2016 2017P 2018P 2016 2017P 2018P 2016 2017P 2018P Euroland 1,7 1,3 1,5 0,2 1,4 1,5 3,3 2,8 2,5 -1,8 -1,5 -1,5 Deutschland 1,9 1,1 1,6 0,5 1,7 1,6 8,4 8,0 7,8 0,8 0,5 0,2 Frankreich 1,1 1,3 1,1 0,3 1,2 1,3 -0,9 -0,3 -0,1 -3,2 -3,2 -3,1 Italien 0,9 0,7 0,7 -0,1 1,0 1,2 2,9 2,7 2,3 -2,3 -2,3 -2,3 Spanien 3,2 2,5 2,2 -0,4 1,7 1,7 2,0 1,7 1,7 -4,5 -3,2 -2,8 Niederlande 2,1 2,1 1,5 0,1 1,0 1,2 8,4 10,2 10,2 -1,1 -0,7 -0,5 Belgien 1,2 1,1 1,3 1,8 2,0 1,8 -0,4 1,0 1,0 -3,0 -2,5 -2,6 Österreich 1,5 1,5 1,6 1,0 1,8 1,6 1,7 2,8 3,1 -1,4 -1,2 -1,0 Finnland 1,4 1,2 1,5 0,4 1,3 1,4 -1,1 -0,4 -0,3 -2,3 -2,2 -1,7 Griechenland -0,1 1,4 1,6 0,2 1,3 1,0 -0,6 1,2 1,5 -3,7 -2,4 -2,2 Portugal 1,4 1,6 1,2 0,7 1,4 1,5 1,0 0,7 0,7 -2,2 -2,0 -2,0 Irland 5,2 2,8 3,0 -0,2 1,1 1,4 4,7 10,0 8,0 -1,1 -1,1 -1,0 Großbritannien 1,8 1,7 1,1 0,7 2,3 2,7 -5,2 -4,8 -4,0 -3,3 -2,9 -2,5 Dänemark 1,3 1,7 1,8 0,3 1,1 1,4 6,5 6,5 6,5 -2,1 -2,5 -1,9 Norwegen 0,7 1,6 1,8 3,6 2,7 2,5 4,4 6,2 7,0 3,7 3,9 4,2 Schweden 3,1 2,0 2,3 1,0 1,7 1,9 4,6 4,2 4,4 2,0 -0,2 0,0 Schweiz 1,3 1,5 1,7 -0,3 0,5 0,7 9,5 9,3 9,0 -0,1 -0,1 -0,1 Tschech. Rep. 2,3 2,7 2,8 0,7 2,6 2,2 1,1 1,2 1,1 0,1 -0,6 -0,6 Ungarn 2,0 3,2 3,0 0,4 2,9 3,2 4,2 3,7 3,2 -1,8 -2,5 -2,3 Polen 2,8 3,2 3,4 -0,6 1,9 2,2 -0,3 -1,2 -1,4 -2,6 -3,0 -2,9 USA 1,6 2,2 3,6 1,3 2,3 2,1 -2,8 -3,4 -4,1 -3,1 -2,9 -2,4 Japan 1,0 1,1 1,2 -0,1 0,7 1,1 3,8 3,8 3,9 -3,4 -3,6 -3,3 China 6,7 6,7 6,3 2,0 1,7 2,7 2,4 2,1 1,8 -3,8 -4,0 -4,0 Welt 3,1 3,5 3,9 4,2 5,1 4,4 *Inflationsdaten für EU-Länder basieren auf harmonisierten Verbraucherpreisindizes außer bei Deutschland. Dies kann zu Diskrepanzen zu anderen DB Publikationen führen. Quellen: Nationale Behörden, Nationale Zentralbanken, Deutsche Bank Prognosen Deutschland: BIP-Wachstum nach Komponenten, % gg. Vq., Jahresdaten % gg. Vj. DX 2016 2017 2014 2015 2016 2017P 2018P Q1 Q2 Q3 Q4 Q1P Q2P Q3P Q4P BIP 1,6 1,7 1,9 1,1 1,6 0,7 0,5 0,1 0,4 0,4 0,3 0,4 0,4 Privater Konsum 0,9 2,0 2,0 1,0 1,4 0,7 0,2 0,2 0,3 0,3 0,2 0,4 0,3 Staatsausgaben 1,2 2,8 4,0 1,5 1,0 1,3 0,9 0,2 0,8 0,3 0,2 0,3 0,3 Anlageinvestitionen 3,4 1,7 2,3 0,4 2,8 1,8 -1,5 -0,2 0,8 -0,2 1,2 0,6 0,7 Ausrüstungen 5,5 3,7 1,1 -0,2 2,4 0,9 -2,3 -0,5 -0,1 1,1 0,3 0,3 0,3 Bau 1,9 0,3 3,0 1,0 3,7 2,7 -1,7 -0,3 1,6 -1,4 2,2 1,0 1,2 Lager, %-Punkte -0,3 -0,5 -0,1 0,2 0,0 -0,4 -0,1 0,3 0,3 -0,1 -0,1 0,0 0,0 Exporte 4,1 5,2 2,6 3,0 3,7 1,4 1,2 -0,3 1,8 0,8 0,7 1,1 1,0 Importe 4,0 5,5 3,7 3,6 4,1 1,4 0,1 0,4 3,1 0,1 0,6 1,3 1,1 Nettoexport, %-Punkte 0,4 0,3 -0,4 -0,1 0,0 0,1 0,5 -0,3 -0,4 0,4 0,1 0,0 0,0 Konsumentenpreise* 0,9 0,2 0,5 1,7 1,6 0,3 0,1 0,5 1,1 1,9 1,6 1,6 1,8 Arbeitslosenquote, % 6,7 6,4 6,1 5,8 6,0 6,2 6,1 6,1 6,0 5,9 5,8 5,7 5,8 Industrieproduktion 1,5 0,5 1,3 0,6 1,4 Budgetsaldo, % BIP 0,3 0,7 0,8 0,5 0,2 Öffentlicher Schuldenstand, % BIP 74,9 71,2 68,3 65,9 63,4 Leistungsbilanzsaldo, % BIP 7,3 8,3 8,4 8,0 7,8 Leistungsbilanzsaldo, EUR Mrd. 213 253 263 259 260 *Inflationsdaten für Deutschland basieren auf nationaler Abgrenzung. Dies kann zu Diskrepanzen zu anderen DB Publikationen führen. Quellen: Statistisches Bundesamt, Deutsche Bundesbank, Arbeitsagentur, Deutsche Bank Research Ausblick Deutschland: Positive Signale 3 | 8. Mai 2017 Ausblick Deutschland Zyklischer Aufschwung des Welthandels, trotz zusätzlicher Handelsbeschränkungen — Im Jahr 2016 war das Wachstum des Welthandels mit +1,3% äußerst schwach und in manchen Monaten sogar rückläufig. Im Winterhalbjahr aber nahm der Welthandel mit einem Plus von rund 3% gegenüber den Vorjah- resmonaten wieder Fahrt auf. Angesichts des globalen Stimmungshochs könnte diese Belebung eine Fortsetzung finden. — Allerdings spiegeln harte Konjunkturindikatoren diese Entwicklung bis jetzt nur teilweise wider. Insofern könnte die Stimmung die tatsächliche Entwick- lung etwas überzeichnen. Zwar dürfte unsere einfache Modellschätzung des Welthandels, die nur ein moderates Wachstum von etwas mehr als 2% im Jahr 2017 und rund 3% im Jahr 2018 ergibt, wohl den unteren Rand des Prognosekorridors bilden. Trotzdem dürfte der zyklische Aufschwung auch aufgrund der seit 2008 sukzessiv zunehmenden globalen Handelsrestriktio- nen eher schwach bleiben. — Die aktuelle Dynamik des Welthandels ist wohl auch auf den Anstieg des Rohölpreises auf über USD 50/Bbl. zurückzuführen, wodurch die Investiti- onstätigkeit in vielen Emerging Markets und auch den USA wieder kräftig anzog. Denn die dank höherem Rohölpreis gesteigerten Einnahmen erlau- ben die Finanzierung des Nachholbedarfs von Investitionen in der Ölindust- rie und auch anderen Sektoren und stimulieren damit den Welthandel. Welthandel wächst um mehr als 3% zum Jahresstart 2017 Seit dem Jahr 2012 dümpelt der Welthandel vor sich hin und wuchs anders als in den vergangenen Jahrzehnten sogar schwächer als das globale BIP. Die wenig dynamische Entwicklung seit dem Jahr 2012 deutet auf strukturelle Ver- änderungen hin. 1 Phasenweise schrumpfte der Welthandel in den letzten zwei Jahren sogar, was zuvor nur in der schweren Rezession 2001/02 und nach dem Globalen Finanzcrash 2007/08 zu beobachten war. Doch die jüngsten Daten zeigen eine Belebung des Welthandels an. Gegen Ende des Jahres 2016 war ein Plus um rund 3% gegenüber den Vorjahresmonaten zu verzeichnen, wel- ches zum Jahresbeginn 2017 Bestand hatte. Gleichzeitig legt auch die globale Industrieproduktion mit rund 3% zu. Konjunktur: Lohn- und Produktivitätssteigerung wahrscheinlicher Auch das globale Konjunkturumfeld ist aktuell wachstumsfreundlicher als in den Vorjahren. Dank des relativ langen aktuellen Konjunkturzyklus von bald 10 Jah- ren sind die Arbeitslosenraten in vielen Ländern unter langfristige nationale Durchschnittswerte gerutscht, die Beschäftigung hat weltweit angezogen und in einigen Sektoren und Ländern zeichnet sich ein Fachkräftemangel ab. Diese potenzielle Knappheit am Arbeitsmarkt macht Lohn- und Produktivitätssteige- rungen heute im Vergleich zu dem trägen Umfeld der letzten Jahre wahrschein- licher. Zudem haben die von der US-Regierung angekündigten Steuererleichte- rungen und Deregulierungsvorhaben die globalen Wachstumserwartungen zu- sätzlich befeuert. Stimmungsindikatoren und Rohstoffpreise treiben Welthandel In diesem Umfeld haben sich viele Stimmungsindikatoren, gerade in den USA, aber nicht nur dort, deutlich verbessert. Zu den für den Welthandel wichtigsten Indikatoren zählen Analysten typischerweise Einkaufsmanagerindizes des Ver- arbeitenden Gewerbes, in erster Linie den globalen PMI und für die US- 1 Vgl. Peters und Schneider (2014). Sluggish global trade – cyclical or structural? Global Economic Perspectives. 0 1 2 3 4 12 13 14 15 16 17 Reales BIP Realer Welthandel Global: BIP vs. Welthandel 1 % gg. Vj. Quellen: OECD, CPB, Deutsche Bank Research 0 1 2 3 73 77 81 85 89 93 97 01 05 09 13 17 5JMA Langfristiger Durchschnitt dimensionslos Quellen: OECD, CPB, Deutsche Bank Research W elthandelselastizität relativ zu globalem BIP - Wachstum 2 -6 -4 -2 0 2 4 6 00 02 04 06 08 10 12 14 16 EWU USA USA und Eurozone: Beschäftigung 3 % gg. Vj. Quellen: Eurostat, BLS, Deutsche Bank Research 0 0 6 12 47 57 67 77 87 97 07 17 Rezession Arbeitslosenrate % US-Konjunktuzyklen: Arbeitslosenrate vs.Rezessionen 4 Quellen: BEA, Department of Labor, Deutsche Bank Research Ausblick Deutschland: Positive Signale 4 | 8. Mai 2017 Ausblick Deutschland Wirtschaft den ISM-Index. Diese haben einen Vorlauf von wenigen Monaten und deuten eine weitere Wachstumsbelebung an. Aufgrund der deutschen Ex- portstärke berücksichtigen wir zudem die Erwartungen deutscher Unternehmen für die nächsten sechs Monate (ifo-Erwartungen). Unseren Berechnungen nach haben die ifo-Erwartungen gegenüber dem Welthandelswachstum sogar einen Vorlauf von zwölf Monaten. Auch globale Indikatoren aus der Schifffahrt werden regelmäßig herangezogen, um die Dynamik des Welthandels einzuschätzen. Der umfragebasierte Baltic Dry Index misst die Preisentwicklung für den Transport von wichtigen Rohstof- fen, wie Kohle und Eisenerz, auf den globalen Schiffsrouten, und der RWI/ISL- Index den globalen Containerumschlag und damit auch die Menge der transpor- tierten Endprodukte. Beide Indikatoren sind jüngst auf Mehrjahreshochs ge- sprungen (Grafik 7) und bestätigen damit die verbesserte globale Dynamik. Allerdings ist in den letzten Jahren eher ein loser Zusammenhang mit der Ent- wicklung des Welthandels festzustellen. Die aktuellen Hochs beider Indikatoren sollten daher nicht eins-zu-eins auf den Welthandel übertragen werden. Rohstoff- und Ölpreise sind weitere wichtige Determinanten des Welthandels, wobei höhere Preise für sich genommen das Wachstum dämpfen. Jedoch stei- gen die Rohölpreise oftmals dank eines verbesserten Wachstumsumfelds, wo- von auch gleichzeitig der Welthandel profitiert. Auch in den letzten Monaten haben die anziehenden Rohölpreise wohl den Welthandel stimuliert. Denn der besonders niedrige Rohölpreis von teilweise unter USD 30/Bbl. zu Beginn des Jahres 2016 hat nicht nur die Exporte vieler Emerging Markets reduziert, son- dern auch einen Investitionsstopp und damit eine kräftige Reduktion der Importe bewirkt. So reduzierten die Emerging Markets ihre Bestellungen deutscher Au- tos und Produkte aus dem Maschinenbau kräftig. Auch in den USA führte der besonders niedrige Ölpreis zu einer deutlichen Abnahme der Investitionstätig- keit in der Schieferölindustrie. Die in den letzten sechs Monaten beobachtete Erholung des Rohölpreises hat deshalb wohl zur Belebung des Welthandels beigetragen. Zudem liegt der Rohölpreis, trotz des Anstiegs auf aktuell wieder rund USD 50/Bbl., immer noch deutlich unter dem Durchschnitt der Jahre 2012- 2014 von über USD 100/Bbl. Dank anhaltend hohem Konsumniveau und der Vermeidung von negativen Investitionseffekten könnte das aktuelle Niveau der Rohölpreise für den Welthandel besonders wachstumsförderlich sein. Modellschätzung bestätigt erhöhte Welthandelsdynamik Basierend auf den oben diskutierten Stimmungs- und Preisindikatoren model- lierten wir das Wachstum des Welthandels. Die Prognosen (out-of-sample) sind generell besonders zuverlässig, wenn nur wenige Variablen berücksichtigt wer- den. Dies gilt auch für ein nur auf den ifo-Erwartungen und dem Rohölpreis (Brent) beruhendes Welthandelsmodell, welches für die Jahre 2014-2017 eine gute Prognosequalität aufweist (siehe Grafik 10, out-of-sample Root Mean Square Error, RMSE = 1,2%-Punkte). Gemäß diesen Schätzungen nimmt der Welthandel Fahrt auf, jedoch dürfte der Welthandel das aktuelle Tempo zu- nächst nicht halten können. Unsere Berechnungen legen Raten von +2,1% im Jahr 2017 und +2,9% im Jahr 2018 nahe. Die Differenz zu den deutlich höheren IWF-Schätzungen des Welthandelswachstums von 3,8% und 3,9% entsprechen dabei der Überschätzung von jährlich 1,8%-Punkten in den Jahren 2014 bis 2016. Unseren Berechnungen nach würde sich die Elastizität des Welthandels- wachstums zum globalen BIP-Wachstum damit wieder auf fast 1 verbessern. Angesichts der Überlagerung von zyklischen und strukturellen Bremsfaktoren in den letzten zehn Jahren, sollte man die Prognosequalität eines derartigen Mo- dells nicht überschätzen. Verlieren strukturelle Bremsfaktoren, beispielsweise die Schwäche der globalen ausländischen Direktinvestitionen, an Wirkung, könnte das tatsächliche Wachstum in diesem und dem nächsten Jahr um ½ bis 1%-Punkte über unserer Modellprognose liegen. -3 0 3 6 46 50 54 58 12 13 14 15 16 17 Globaler PMI ISM (US) Welthandel (rechts) Welthandel vs. globaler PMI und US- Einkaufsmanagerindex: ISM 5 linke y-Achse: Index<50 Kontrak., >50 Expansion rechte y-Achse: % gg. Vj. Quellen: Markit , ISM, CPB, Deutsche Bank Research -3 0 3 6 90 97 104 111 12 13 14 15 16 17 12MLag ifo-Erwartungen Welthandel (rechts) Quellen: Markit , ISM, CPB, Deutsche Bank Research linke y - Achse: Index<100 Kontrak., >100 Expans. rechte y-Achse: % gg. Vj. Welthandel vs. ifo-Erwartungen 6 -80 0 80 160 240 320 400 -6 -3 0 3 6 9 12 12 13 14 15 16 17 RWI/ISL Containerumschlag realer Welthandel Baltic Dry Index (rechts) Welthandel und Schifffahrt: Baltic Dry Index und RWI/ISL Containerumschlag 7 % gg. Vj. Quellen. Bloomberg Finance LP, RWI/ISL, Deutsche Bank Research -1 0 1 2 3 4 5 6 0 20 40 60 80 100 120 140 12 13 14 15 16 17 Brent Welthandel (rechts) Welthandel und Rohölpreise 8 linke y-Achse: USD/Bbl. rechte y-Achse: % gg. Vj. Quellen: Bloomberg Finance LP, CPB, Deutsche Bank Research Ausbl ick Deutschland: Positive Signale 5 | 8. Mai 20 17 Aus bl ic k D eu ts c hl an d Siegeszu g des Protektionismus seit dem Jahr 2008 Di e Z ahl der global en Handel shemm ni sse i st sei t 2008, tr ot z gegent eil i ger Ab- si cht serk l ärungen auf G 20-Gi pf eln, ununter broc hen gewach sen. Z udem werden v on der neuen US -Regier ung anv i si ert e Handel sabkom m en beendet (TPP ) oder bestehen de neu v erhandel t (NA FTA ). Die V erhandl ungen des Handel sabkom - m ens zwischen der EU und den USA (TTIP ) dürft en f ortgeset zt werden. Ei n Ver t ragsab schl uss und z usät zl i che Impul se f ür den W elt handel si nd aber f rüh- est ens gegen Ende de s Jahrzehnt es zu er wart en. Im akt uell en v on zunehm en- dem P rot ekti onism us geprägten Umf el d i st einer der weni gen Li cht bli ck e das CET A- Abk omm en. Nach der Vert ragsunter zei chnung zwische n der E U und Kanada im Nov em ber 2016 besteht di e berec hti gt e Hoff nung, dass auch di e nat i onal en Parl am ent e in Eur opa den Ver t rag r atif izier en. Di eser Li chtbli ck dürf - t e di e Welt handel sdynam i k aber nur ger i ngf ügig stimulier en ***** * ********* **** ******** *** *** ****** **** *** ******* ** **** ****** ******* ** **** *********** **** * * ******* **** ********** * ************* *** * ******* ******* * ***** ***************** *** *********************************************************** **** **** ******* **** * ******* ****** * *** ***** ****** ** ** ******* *** ****** ****** * * *********** ** * ********* *** **************** ************* ***** ***** ****** *** ** ** ************* ***** ******************* **** ***** *************** ***** **** ***** ******* *************** ******* ********************* ****** *** *** ****** ** * **** *** ** ********************* ************* *** ******** ******** *** ****** *** ******* *************** ******* ******************** **** ****** ** * ****** **** ***** ************ * *** ****** **************** *********** **** ******* **** ** *********************************** * *************** *************** **** ****** *** ********* * ****** ******** ***** *********** ****** ********* * **** ** *** * ** ********* * **** *** ******* ************ *********** * ************ **** ****** * ******** **** ******** **************** ****** **** *** ****** ********** *********** * *** ****** *************** * ***** *********** **** **** ****** ************** *********** ************** ************ ********* *** ************* ********* **** * *** ********** ************************ ** ********************* * *********** ** ****** ******* ** ****** ** ******** ***** **** ******************* ***** * ** ************ * ******** ***************** ********** *** ****** ****** ****** ******* *** **** * ** *********** *** * ***** ************* * * *** **** ***************** ************* ** ** **** **** ************* **** *** **** ***** *** ** ***** ************ ** ** ****** ***** ****** **** ************ ************* ********* ******** * ******* ***** ** ** ******** ********* ***** ******************** **************** ** ********* **** ******** ******* * **** *** ********* ******** ****** **** * ***** *** ********* * ********** ** ** ** **** *** ** * * *** *** * * *** *** * *** *** *** **** **** ** ** ** ** ** ** ** **** ********* ** ** ***** *** * ****** * *** ** ** * ** * ** ** ***** ************* * **** ****** ** * * * * * * * *** *** *** *** *** *** *** *** ** ** ** ** ** ** ** *** * ********** ** ** *** * * **** **** ** ************** **** ***** ******** ** ************* * ****************** *** * ***** * * ** ** *** * **** ********** ******* ****** * ** **** ** **** *********** * ** * * * * ** ** ** ** ** ** ** ****** ****** ************* * ********* * ******************** ** ** ****** * * **** **** *********** **** ************ * * * * ** ** ** ** ***** ** ******* * ********* ******** * * **** * ***** *** ********** ** *** * * * ** * ** * * * * * * * ** ** * **** ************** * *** * **** ****** *********** ** ************* Ausblick Deutschland: Positive Signale 6 | 8. Mai 2017 Ausblick Deutschland Deutsches Beschäftigungswunder: nicht alles Gold, was glänzt – eine sektorale Betrachtung — Ende 2016 waren in Deutschland rd. 44 Mio. Menschen erwerbstätig, mehr als jemals zuvor. Gegenüber 2005 erhöhte sich die Zahl der Erwerbstätigen um knapp 11% oder um mehr als 4 Mio. Erwerbstätige. — Auf sektoraler Ebene gab es erhebliche Unterscheide. Bei den Unterneh- mensdienstleistern nahm die Erwerbstätigkeit am stärksten zu (2016 gg. 2005: +36%). Auf dem zweiten Platz folgen die öffentlichen Dienstleister einschließlich Erziehung und Gesundheit mit einem Plus von 14%. Knapp 70% des absoluten Anstiegs der Erwerbstätigkeit seit 2005 sind auf diese beiden Wirtschaftszweige zurückzuführen. — Beide Bereiche sind jedoch durch eine unterdurchschnittliche Produktivität charakterisiert. Dies trübt das positive Gesamtbild am deutschen Arbeits- markt. Für ein insgesamt kräftigeres Lohnwachstum wäre es notwendig, wenn der Zuwachs bei der Zahl der Erwerbstätigen zu einem größeren Teil in Sektoren mit höherer Produktivität erfolgte. Dem steht jedoch ein Fach- kräftemangel in einzelnen Regionen und Branchen gegenüber. — Mögliche Gegenmaßnahmen sind bekannt, sie wirken jedoch zumeist nur mittel- bis langfristig. Zu nennen sind höhere staatliche und private Investi- tionen in Bildung, Forschung und Entwicklung, mehr betriebliche Weiterbil- dungsmaßnahmen sowie Initiativen, die die Vereinbarkeit von Familie und Beruf oder die Arbeitskräftemobilität verbessern. Um einem sinkenden Er- werbspersonenpotenzial in den kommenden Jahrzehnten entgegenzuwir- ken, bedarf es mehr Zuwanderung sowie einer (noch) höheren Erwerbsbe- teiligung über alle Bevölkerungsgruppen hinweg. Dies ist ambitioniert. Denn die Erwerbstätigenquote der Personen im Alter von 15 bis 64 erreicht aktuell bereits den im langfristigen Vergleich sehr hohen Wert von 75%. Deutscher Arbeitsmarkt in guter Verfassung Wenn Anfang 2005, als in Deutschland die Arbeitslosenquote bei rd. 12% lag und über 5 Mio. Menschen arbeitslos gemeldet waren, jemand prognostiziert hätte, dass die Zahl der Arbeitslosen zehn Jahre später dauerhaft und deutlich unter der Marke von 3 Mio. liegen würde, hätte er eine absolute Mindermeinung vertreten. Denn über weite Strecken der 1990er Jahre und auch zu Beginn des neuen Jahrhunderts zählte es zu den typischen Mustern der deutschen Volks- wirtschaft bzw. des hiesigen Arbeitsmarktes, dass die Sockelarbeitslosigkeit mit jeder wirtschaftlichen Schwächephase zunahm. Die Trendwende erfolgte erst Mitte des letzten Jahrzehnts, als die Reformen des Arbeitsmarktes zu wirken begannen (Stichwort: Agenda 2010). Günstig wirkte in diesen Jahren zudem die hohe Dynamik der Weltkonjunktur, die bis zum Beginn der Wirtschafts- und Finanzkrise im Herbst 2008 anhielt. Deutschland als offene Volkswirtschaft mit einem Fokus auf innovative Investitionsgüter profitierte hiervon. Zudem trugen die moderaten Tarifabschlüsse dazu bei, die internationale Wettbewerbsfähig- keit der deutschen Wirtschaft zu verbessern. Nicht nur die Arbeitslosigkeit ist seit 2005 in Deutschland spürbar gesunken, zugleich expandierte auch die Erwerbstätigkeit deutlich. Ende 2016 waren in Deutschland rd. 44 Mio. Menschen erwerbstätig, mehr als jemals zuvor. Gegen- über 2005 erhöhte sich die Zahl der Erwerbstätigen um knapp 11% oder um mehr als 4 Mio. Erwerbstätige. Auch wenn man sich inzwischen an einen dyna- mischen deutschen Arbeitsmarkt gewöhnt haben, kann eine solche Entwicklung in der Rückschau durchaus als Beschäftigungswunder bezeichnet werden. 2 3 4 5 6 5 7 9 11 13 03 05 07 09 11 13 15 17 Arbeitslosenquote*, % (links) Arbeitslose**, Mio. (rechts) Quellen: Deutsche Bundesbank, Bundesanstalt für Arbeit Arbeitslosenquote und Zahl der Arbeitslosen in Deutschland, saisonbereinigt * Gemessen an allen zivilen Erwerbspersonen ** Bei Arbeitsämtern gemeldet Deutscher Arbeitsmarkt in guter Verfassung 1 Ausblick Deutschland: Positive Signale 7 | 8. Mai 2017 Ausblick Deutschland Zwar hinterließ die Wirtschafts- und Finanzkrise ihre Spuren auf dem deutschen Arbeitsmarkt, sodass die Zahl der Erwerbstätigen zum Jahreswechsel 2009/10 einen temporären Tiefpunkt erreichte. Nicht zuletzt dank der großzügigen Rege- lung zur Kurzarbeit blieb es jedoch nur bei einer kleinen Delle. Seit 2010 nahm die Erwerbstätigkeit in Deutschland um über 6% zu. Die Arbeitslosenquote liegt am aktuellen Rand in saisonbereinigter Betrachtung bei unter 6%. Die Erwerbstätigenquote der Personen im Alter von 15 bis 64 Jahren nahm von gut 65% im Jahr 2005 auf knapp 75% (2016) zu. Dabei nahm in dieser Gruppe der Anteil der Teilzeitbeschäftigten an den gesamten Beschäftigten von 23,4 (2005) auf 26,7% im Jahr 2016 zu (für Erwerbstätige liegen entsprechende Zahlen nicht vor). 2 Die Zahl der offenen Stellen lag zuletzt bei 960.000. Dies ist eben- falls ein im langfristigen Vergleich hoher Wert. Unterschiedliche Entwicklung auf Branchenebene – Dienstleister legen zu Im Folgenden zeigen wir, welche Sektoren maßgeblich zum Zuwachs bei der Erwerbstätigkeit in Deutschland beigetragen haben und wo sie sich unter- durchschnittlich entwickelt hat. Vor allem aus Gründen der Datenverfügbarkeit bleiben wir dabei auf einer recht hohen Aggregationsstufe (siehe Grafiken 4 bis 6). Die Unternehmensdienstleister verzeichneten das mit Abstand stärkste Plus an Erwerbstätigen; die Zahl der Erwerbstätigen nahm hier zwischen 2005 und 2016 um 36% zu. Auf dem zweiten Platz folgen die öffentlichen Dienstleister ein- schließlich der Bereiche Erziehung und Gesundheit mit einem Zuwachs um 14%. Beide Bereiche sind in auch absoluter Betrachtung sehr bedeutsam. Auf sie entfielen 2016 etwa 38% aller Erwerbstätigen in Deutschland (2005: 34,7%). Knapp 70% des absoluten Anstiegs der Erwerbstätigkeit seit 2005 sind auf sie zurückzuführen. Interessant ist, dass der Zuwachs im Betrachtungszeitraum recht stetig erfolgte: Lediglich 2009 nahm bei den Unternehmensdienstleistern die Zahl der Erwerbstätigen leicht ab. Die Bereiche Handel, Verkehr und Gastgewerbe sowie Information und Kom- munikation verzeichneten einen Anstieg der Erwerbstätigkeit um 8,1% bzw. 6,9%. Einen signifikanten Rückgang der Zahl der Erwerbstätigen weisen dage- gen die Finanz- und Versicherungsdienstleistungen auf. 2016 waren hier etwa 7% weniger Personen erwerbstätig als 2005. Außerhalb der Dienstleistungsbranchen erzielte das Baugewerbe zwischen 2005 und 2016 ein Plus bei der Zahl der Erwerbstätigen in Höhe von 7,7%. Damit liegt das Niveau aktuell aber noch um knapp 15% unter dem Durchschnitt der Jahre 1991 bis 2005. In den 1990er Jahren war die Zahl der Erwerbstätigen im Baugewerbe aufgrund des Baubooms nach der Wiedervereinigung hoch. Allerdings begann die Erwerbstätigkeit schon Mitte der 1990er Jahre zu sinken. Der Anstieg der Erwerbstätigkeit im Baugewerbe seit 2005/06 markiert damit eine Trendwende in der langfristigen Entwicklung dieses Sektors, die durch die wieder bessere Baukonjunktur der letzten Jahre ausgelöst wurde. Das Verarbeitende Gewerbe weist nach den öffentlichen Dienstleistern sowie dem Bereich Handel, Verkehr, Gastgewerbe die höchste absolute Zahl an Er- werbstätigen in Deutschland auf. 2016 lag hier die Zahl der Erwerbstätigen um 2 Der hier erwähnte Anteil der Teilzeitbeschäftigten basiert auf Daten von Eurostat. In der deut- schen Medienlandschaft werden häufig deutlich höhere Teilzeitquoten genannt. So wurden kürz- lich Zahlen des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) in den Medien zitiert, wo- nach die Teilzeitquote in Deutschland bei knapp 39% liegt. Der Unterschied zwischen den beiden Quoten hängt vor allem davon ab, ob in die Berechnung nur die sozialversicherungspflichtig Be- schäftigten oder alle Beschäftigten einbezogen werden. Werden nur die sozialversicherungs- pflichtig Beschäftigten berücksichtigt, fällt die Teilzeitquote niedriger aus. Hier decken sich am ak- tuellen Rand die Daten von Eurostat und Bundesagentur für Arbeit (Teilzeitquote 2016: rd. 27%). Bei den nicht sozialversicherungspflichtig Beschäftigten ist die Teilzeitquote deutlich höher. 38 39 40 41 42 43 44 03 05 07 09 11 13 15 Quelle: Statistisches Bundesamt Zahl der Erwerbstätigen in Deutschland, saisonbereingt, Mio. Zahl der Erwerbstätigen steigt recht stetig 2 21 22 23 24 25 26 27 28 05 07 09 11 13 15 Quelle: Eurostat Mehr Teilzeitbeschäftigte 3 Anteil der teilzeitbeschäftigten Personen an der gesamten Beschäftigung in Deutschland, % 24,5 22,9 17,3 13,5 21,8 Öffentliche Dienstleister Handel, Verkehr, Gastgewerbe Verarbeitendes Gewerbe Unternehmensdienstleister Sonstige Quelle: Statistisches Bundesamt Viele Erwerbstätige in öffentlichen Dienstleistungen 4 Anteil einzelner Wirtschaftsbereiche an der Zahl der Erwerbstätigen in Deutschland, 2016, % Ausblick Deutschland: Positive Signale 8 | 8. Mai 2017 Ausblick Deutschland 3,6% über dem Niveau von 2005. Die konjunkturellen Schwankungen in Folge der Rezession 2008/09 waren besonders stark ausgeprägt. Damit unterscheidet sich die Industrie deutlich von den Dienstleistungen, wo der Zuwachs bei der Erwerbstätigkeit stetiger erfolgte. Outsourcing begünstigt Dienstleistungen Ein wichtiger Grund für den steilen und recht stetigen Anstieg der Erwerbs- tätigenzahl bei den Unternehmensdienstleistungen liegt im Outsourcing u.a. des Verarbeitenden Gewerbes. Unternehmensdienstleister erbringen Tätigkeiten für Industriebetriebe, die nicht oder nicht im vollen Umfang zu den eigenen Kern- kompetenzen zählen. Dadurch kann die eigene Wertschöpfungskette ver- schlankt werden. Zu nennen sind z.B. Logistikdienstleistungen, die Steuer- und Rechtsberatung oder Tätigkeiten von Ingenieurbüros. Durch Zeitarbeit oder die Vermietung von Fahrzeugen oder Maschinen können Industrieunternehmen ihre Produktionsprozesse flexibler an konjunkturelle Ausschläge anpassen. So ist es wenig überraschend, dass die Zeitarbeitsbranche (Vermittlung und Überlassung von Arbeitskräften) zwischen 2005 und 2016 maßgeblich zum Zuwachs bei der Zahl der Erwerbstätigen in den Unternehmensdienstleistungen beigetragen hat. Nicht zuletzt wegen der hohen industriellen Lohnkosten in Deutschland ist eine solche Flexibilität beim Einsatz der Arbeitskräfte ein wichtiger Erfolgsfaktor im internationalen Wettbewerb. Die gestiegene Erwerbstätigkeit bei den öffentlichen Dienstleistern ist vor allem auf mehr Erwerbstätige im (öffentlichen) Pflege- und Gesundheitssektor sowie in Kindertageseinrichtungen zurückzuführen. Diese Bereiche haben einen Rückgang bei der Zahl der Erwerbstätigen in der öffentlichen Verwaltung über- kompensiert. Zuwachs der Erwerbstätigkeit in Sektoren mit niedriger und zum Teil sinkender Arbeitsproduktivität Insgesamt ist der deutsche Arbeitsmarkt also in blendender Verfassung, zumin- dest auf den ersten Blick. Es ist jedoch nicht alles Gold, was glänzt. Das scheinbar so eindeutig positive Gesamtbild wird durch eine Reihe von Faktoren zumindest getrübt. So hat sich die Arbeitsproduktivität pro Erwerbstätigen in den beiden Sektoren mit dem höchsten Zuwachs der Erwerbstätigkeit seit 2005 (deutlich) schlechter entwickelt als im gesamtwirtschaftlichen Durchschnitt: Bei den unternehmensnahen Dienstleistern sank die Arbeitsproduktivität je Erwerbs- tätigen zwischen 2005 und 2016 um insgesamt 15%. Bei den öffentlichen Dienstleistern war immerhin ein Plus von knapp 1% zu verzeichnen. Die gesam- te Arbeitsproduktivität pro Erwerbstätigen nahm im genannten Zeitraum dage- gen um 6% zu. Zum Vergleich: Im Verarbeitenden Gewerbe stieg die Arbeits- produktivität pro Erwerbstätigen um 18%, im Sektor Information und Kommuni- kation sogar um über 60%, weil hier der technische Fortschritt besonders stark ausgefallen sein dürfte. Die sinkende Arbeitsproduktivität pro Erwerbstätigen ist übrigens nicht speziell auf mehr Teilzeitbeschäftigung in den beiden Wirt- schaftsbereichen zurückzuführen. Denn der Rückgang der durchschnittlichen Arbeitsstunden pro Erwerbstätigen entspricht in beiden Dienstleistungsbranchen in etwa dem gesamtwirtschaftlichen Durchschnitt. Neben der unterdurchschnittlichen Entwicklung der Arbeitsproduktivität pro Er- werbstätigen im Verlauf der letzten Jahre ist ebenfalls bemerkenswert, dass bei den Unternehmensdienstleistern und den öffentlichen Dienstleistern die abso- lute Produktivität relativ gering ausfällt. Wir haben dazu die nominale Brutto- wertschöpfung der einzelnen Wirtschaftsbereiche ins Verhältnis zur Gesamtzahl der jeweils insgesamt geleisteten Arbeitsstunden gesetzt. Dabei kommen die Unternehmensdienstleister auf 82,5% des durchschnittlichen Niveaus aller Wirt- 90 100 110 120 130 140 05 07 09 11 13 15 Erwerbstätige gesamt Verarbeitendes Gewerbe Handel, Verkehr, Gastgewerbe Unternehmensdienstleister Öffentliche Dienstleister Quelle: Statistisches Bundesamt Starker Anstieg bei Unternehmens - dienstleistern 5 Erwerbstätige in ausgewählten Wirtschafts- bereichen in Deutschland, 2005=100 80 100 120 140 160 180 05 07 09 11 13 15 Erwerbstätige gesamt Verarbeitendes Gewerbe Handel, Verkehr, Gastgewerbe Information und Kommunikation Unternehmensdienstleister Öffentliche Dienstleister Quelle: Statistisches Bundesamt Divergierende Entwicklung 6 Arbeitsproduktivität je Erwerbstätigen in aus - gewählten Wirtschaftsbereichen in DE, 2005=100 Ausblick Deutschland: Positive Signale 9 | 8. Mai 2017 Ausblick Deutschland schaftszweige, die öffentlichen Dienstleister sogar nur auf knapp 47%. Auch hier ein Vergleich: Das Verarbeitende Gewerbe übertrifft das durchschnittliche Produktivitätsniveau dagegen um fast 40%. Extensives Wachstum bei Erwerbstätigkeit stößt an Grenzen Natürlich greift diese rein monetäre Beurteilung verschiedener Formen der Er- werbstätigkeit anhand des Verhältnisses der Bruttowertschöpfung zu den ge- leisteten Arbeitsstunden zu kurz und ist daher nur bedingt aussagekräftig. Denn die Tätigkeiten in den beiden genannten Dienstleistungssektoren sind nicht nur für effiziente Wertschöpfungsketten etwa in der Industrie wichtig, sondern auch für funktionierende Prozesse in der öffentlichen Verwaltung, dem Bildungs-, Gesundheits- oder Pflegesektor. Ferner spielt bei personenbezogenen Dienst- leistungen der technische Fortschritt eine geringere Rolle als etwa in der Indust- rie. Hinzu kommt, dass die Arbeitsproduktivität durch eine bessere Ausbildung der Erwerbstätigen hier nur wenig gesteigert werden kann (z.B. in der Kinder- erziehung). Beide Faktoren wirken dämpfend auf die Wachstumsdynamik der Bruttowertschöpfung. Trotz dieser berechtigten Einschränkungen zeigen die oben skizzieren Daten, dass der Zuwachs bei der Zahl der Erwerbstätigen in Deutschland zu einem großen Teil in relativ unproduktiven Sektoren erfolgte. Dies gilt sowohl für die Entwicklung der letzten Jahre (Veränderung der Arbeits- produktivität pro Erwerbstätigen im Zeitablauf) als auch für die absolute Höhe der Produktivität. Zudem sank die durchschnittliche Zahl der Arbeitsstunden pro Erwerbstätigen in allen Sektoren mit Ausnahme des Bereichs Information und Kommunikation. Die Zahl der insgesamt geleisteten Arbeitsstunden stieg zwischen 2005 und 2016 weniger schnell als die Zahl der Erwerbstätigen (+6,8% gegenüber +10,6%). Dies zeigt, dass der deutsche Arbeitsmarkt in den letzten Jahren vor allem durch extensives Wachstum geprägt war. In den nächsten Jahren dürfte es schwerfallen, dieses extensive Wachstum aufrechtzuhalten. Dafür sprechen mehrere Gründe: Beispielsweise hat die Erwerbsbeteiligung in Deutschland bereits ein sehr hohes Niveau erreicht. Mit einer Erwerbstätigenquote von 74,5% (Personen im Alter von 15 bis 64 Jahre) liegt Deutschland spürbar über dem Mittelwert der EU (66,5%). Es ist natürlich nicht ausgeschlossen, die Erwerbstätigenquote noch weiter zu steigern, etwa bei Ausländern, Frauen und Menschen, die 65 Jahre und älter sind. Gleichwohl sind die Potenziale hier be- grenzt. In absoluter Betrachtung wird in den kommenden Jahren ohne massive Zuwanderung das Erwerbspersonenpotenzial in Deutschland sinken. Eine Untersuchung des Statistischen Bundesamtes kommt zu dem Ergebnis, dass eine Nettozuwanderung von mindestens 400.000 Personen notwendig ist, um das Erwerbspersonenpotenzial in Deutschland langfristig in etwa konstant zu halten. 3 Dabei wird bereits eine höhere Erwerbsbeteiligung bei Frauen, Älteren und natürlich auch bei den Zuwanderern selbst unterstellt. Letzteres stellt ins- besondere dann eine große Herausforderung dar, wenn der Anteil von Flüchtlingen unter den Zuwanderern groß ist. Längere Lebensarbeitszeiten können dem sinkenden Erwerbspersonenpotenzi- al ebenfalls entgegenwirken. Eine Verlängerung des Renteneintrittsalters über die Rente mit 67 hinaus nimmt auf der politischen Agenda aber derzeit keinen prominenten Platz ein; ein höherer Anteil älterer Erwerbstätiger dürfte in einzel- nen Berufsgruppen allerdings mit einer niedrigeren Arbeitsproduktivität einher- gehen. Längere Wochenarbeitszeiten wären eine weitere Alternative. Aber auch hier gibt es Grund für Skepsis: Bei den geleisteten Arbeitssunden pro Erwerbs- tätigen zeigt der langfristige Trend nämlich eindeutig nach unten. Wenig spricht dafür, dass diese Entwicklung in erster Linie von Arbeitgeberseite forciert wor- 3 Vgl. Fuchs, Johann und Alexander Kubis (2016). Zuwanderungsbedarf und Arbeitskräfteangebot bis 2050. Statistisches Bundesamt. WISTA. Sonderheft Arbeitsmarkt und Migration. Wiesbaden. 0 20 40 60 80 Verarbeitendes Gewerbe Erwerbstätige gesamt Unternehmens- dienstleister Öffentliche Dienstleister Handel, Verkehr, Gastgewerbe Hohe spezifische Bruttowert- schöpfung in der Industrie 7 * Zur Berechnung haben wir die Bruttowertschöpfung des Sektors ins Verhälntis zu den insgesamt geleisteten Arbeits- stunden des Sektors gesetzt Bruttowertschöpfung pro Arbeitsstunde* in ausgew. Wirtschaftsbereichen in DE, EUR, 2016 Quelle: Statistisches Bundesamt 0 20 40 60 80 SE NL DE UK CZ AT FI EU HU PL FR BE ES IT Quelle: Eurostat Erwerbstätigenquote der Personen im Alter von 15 bis 64 Jahren, 2016, % Hohe Erwerbsbeteiligung in Deutschland 8 Ausblick Deutschland: Positive Signale 10 | 8. Mai 2017 Ausblick Deutschland den wäre. Vielmehr dürfte hier der Wunsch vieler Erwerbstätigen nach einer reduzierten Wochenarbeitszeit zum Ausdruck kommen. Fazit und Ausblick Der deutsche Arbeitsmarkt befindet sich in guter Verfassung. Die hohe Zahl der Erwerbstätigen gepaart mit einer geringen Arbeitslosigkeit sind maßgeblich für die recht gute Binnenkonjunktur der letzten Jahre und entlasten die Sozialkas- sen. Das Urteil über die Entwicklung des Arbeitsmarktes fällt besonders positiv aus, wenn man sich die dramatische Lage des Jahres 2005 in Erinnerung ruft. Im Vergleich zu den meisten anderen EU-Ländern schneidet der deutsche Ar- beitsmarkt ebenfalls sehr gut ab. Das positive Gesamtbild wird dadurch getrübt, dass der Zuwachs der Erwerbs- tätigkeit in den letzten Jahren zu einem großen Teil in Wirtschaftsbereichen mit unterdurchschnittlicher Produktivität erfolgte. Zudem nahm die Zahl der insge- samt geleisteten Arbeitsstunden weniger stark zu als die Zahl der Erwerbstäti- gen (mehr Teilzeitbeschäftigung). Aus individueller Sicht dürfte die höhere Teil- zeitquote in den meisten Fällen den Präferenzen der Erwerbstätigen entspre- chen. Der positive volkswirtschaftliche Effekt wird jedoch gedämpft. Wir haben zudem aufgezeigt, dass das extensive Wachstum bei der Erwerbstätigkeit in den kommenden Jahren an Grenzen stoßen dürfte. Für ein insgesamt kräftigeres Lohnwachstum wäre es notwendig, wenn der Zu- wachs bei der Zahl der Erwerbstätigen zu einem größeren Teil in Sektoren mit hoher Produktivität erfolgte (intensives Beschäftigungswachstum). Dies lässt sich jedoch nicht einfach umsetzen. Ein hemmender Faktor ist der Fachkräfte- mangel in einzelnen Regionen und Branchen bzw. in bestimmten Berufsbildern. Dieser dürfte durch die demografische Entwicklung sowie die Rente mit 63 künf- tig verschärft werden. Mögliche Gegenmaßnahmen sind zwar bekannt, sie wir- ken jedoch in den meisten Fällen nur mittel- bis langfristig. Zu nennen sind hö- here staatliche und private Investitionen in Bildung, Forschung und Entwicklung, mehr betriebliche Weiterbildungsmaßnahmen sowie Initiativen, die die Verein- barkeit von Familie und Beruf oder die Arbeitskräftemobilität verbessern. Um einem sinkenden Erwerbspersonenpotenzial in den kommenden Jahrzehnten entgegenzuwirken, bedarf es mehr Zuwanderung sowie einer (noch) höheren Erwerbsbeteiligung über alle Bevölkerungsgruppen hinweg. Interessant ist, dass auch in einzelnen sozialen Berufen (mit tendenziell gering- erer Produktivität) Fachkräfte knapp sind (z.B. im Pflegebereich). Dies dürfte zu einem großen Teil durch die recht geringe Entlohnung bedingt sein. Hier muss die Gesellschaft Antworten auf die Frage finden, welchen Preis sie für diese Tätigkeiten zu zahlen bereit ist; die reine Produktivität als Maßstab greift wohl zu kurz. Wir haben zu Beginn des Beitrags ausgeführt, dass die positive Entwicklung des deutschen Arbeitsmarktes im Jahr 2005 kaum für möglich gehalten worden wäre. Umgekehrt sollte man heute einen dynamischen oder zumindest robusten Arbeitsmarkt nicht als Selbstverständlichkeit hinnehmen. Zum einen kann sich das globale konjunkturelle Umfeld verschlechtern. Zum anderen wird die Regu- lierung des Arbeitsmarktes im beginnenden Bundestagswahlkampf und wohl auch nach der Wahl eine wichtige Rolle spielen. Eine teilweise Rückabwicklung der arbeitsmarktpolitischen Reformen der Agenda 2010 ist dabei nicht ausge- schlossen. Eric Heymann (+49 69 910-31730, eric.heymann@db.com) Florian Schneider Maßnahmen gegen den regionalen und branchenspezifischen Fachkräf- temangel wirken zumeist nur mittel- bis langfristig Positive Entwicklung des Arbeits- marktes ist kein Selbstläufer Ausblick Deutschland: Positive Signale 11 | 8. Mai 2017 Ausblick Deutschland Äußerst schmallippige EZB — Auf der Pressekonferenz am 27. April dämpfte EZB-Präsident Mario Draghi die hohen Erwartungen auf eine baldige Änderung der Geldpolitik. Er sah noch keinen Nachweis für eine nachhaltige Belebung der Preisdynamik und wollte offensichtlich einem vorzeitigen Einpreisen von Zinsanstiegen entgegenwirken. Eine Anpassung der Kommunikation dürfte erst erfolgen, wenn die vom europäischen Wahlkalender ausgehenden Risiken ausblei- ben und die Kerninflation anzieht. — Unserer Ansicht nach ist Mario Draghis Formulierung, „die Wachstumsrisi- ken und nicht die Inflationsrisiken entscheiden über den geldpolitischen Kurs“, eine undifferenzierte Argumentation. Denn trotz zeitlicher Verzöge- rungen, sind beide Variablen eng miteinander verwoben. Gerade aktuell gilt dies vor dem Hintergrund des ausgeglichenen Risikoausblicks, denn zum ersten Male seit geraumer Zeit sind Aufwärts- und Abwärtsrisiken nahezu ausgeglichen. — Unsere Ansicht setzt sich die Konjunkturerholung in der Eurozone fort und das Wachstum ist kräftig genug für eine Reflationierung. Alle unsere Inflati- onsmodelle und Vorlaufindikatoren weisen auf eine leicht anziehende Preisdynamik im zweiten Halbjahr 2017 hin. — Entsprechend bleibt unser Basisszenario bestehen: wir erwarten für Juni eine Anpassung der Forward Guidance, für September die Ankündigung, die Anleihekäufe der EZB zurückzufahren, und für Dezember eine Anhe- bung des Einlagensatzes. Aufgrund des sehr schmallippigen EZB- Präsidenten auf der Pressekonferenz im April halten wir jedoch auch eine spätere Anpassung der Forward Guidance für möglich. April-Pressekonferenz: Mario Draghi begrenzt Erwartungen Die EZB sieht den Nachweis einer nachhaltigen Belebung der Inflationsdynamik aktuell noch nicht erbracht. Entsprechend war Mario Draghis Hauptziel auf der Pressekonferenz am 27. April, einem vorzeitigen Einpreisen eines Zinsanstiegs entgegenzuwirken. — Ein Vergleich der Pressemeldungen von März und April zeigt, dass sich die Änderungen im Großen und Ganzen neutralisieren. Der größte Un- terschied zwischen beiden Presseerklärungen war die verbesserte Risi- koverteilung für das Wirtschaftswachstum. Im Gegensatz zu den voran- gehenden Monaten glichen sich die Aufwärts- die Abwärtsrisiken nahe- zu aus. Jedoch enthält der Inflationsausblick, ohne explizite Risikoab- wägung, nun eher einen Hinweis auf ein eher taubenhaftes Element. So dämpfen laut EZB freie Kapazitäten die Lohn- und Preisdynamik. — Tatsächlich deuteten sich diese Änderungen bereits in den Protokollen der März-Sitzung an. Dort fand bereits eine Diskussion über einen aus- geglichenen Risikoausblick für das Wachstum und freie Kapazitäten statt. Da Mario Draghi diese bereits Anfang April auf der EZB-Watcher- Konferenz erwähnte, enthält das Protokoll der letzten Ratssitzung keine wirklichen Neuigkeiten. Die äußerst graduelle Anpassung der Tonlage im Hinblick auf den ausgeglichenen Wachstumsausblick wurde zudem einstimmig beschlossen – der gesamte EZB-Rat teilt offensichtlich die Einschätzung des Präsidenten. — Hauptthema auf der April-Sitzung waren Wachstums- und nicht Inflati- onsrisiken. Thematisiert wurden weder die Forward Guidance noch die Reihenfolge („Sequencing“) künftiger geldpolitischer Maßnahmen: Re- duktion der Anleihekäufe einerseits und eventuelle Zinsanhebungen an- -2,0 -1,0 0,0 1,0 11 12 13 14 15 16 17 Strikter Lockerer Verbesserte Finanzierungsbedin- gungen nach FR-Wahl (1. Runde) 1 Quellen: Haver Analytics LP, Bloomberg Finance LP, Deutsche Bank Research # Stabw. vom Mittelwert (marktbasierter Index) -1,0 0,0 1,0 2,0 2004 2006 2008 2010 2012 2014 2016 HICP Kerngüter PPI Kernkonsumentengüter plus PMI- implizierte Entwicklung Quellen: Eurostat, Markit, Deutsche Bank Research % gg. Vj. PMI Outputpreise laufen PPI Kerngütern 6M voraus und letztere HICP Kerngütern um 8M Signale weisen auf steigende Kerngüter-Produzentenpreise hin 2 0,0 0,5 1,0 1997 2000 2003 2006 2009 2012 2015 2018 HICP Inflation DL-Sektor fitted, f(Arblose_lag,Nahrung_lag, SPF) Modell zeigt Beschleunigung der Preisdynamik im DL-Sektor an 3 % gg. Vq, sb. Quellen: Eurostat, Markit, Deutsche Bank Research Ausblick Deutschland: Positive Signale 12 | 8. Mai 2017 Ausblick Deutschland dererseits. Auch wann und wie eine Anpassung der Geldpolitik kommu- niziert werden sollte, wurde im April wohl nicht diskutiert. Wachstums- und Inflationsrisiken sind eng verknüpft Mario Draghi hat auf der Pressekonferenz die Wachstums- und Inflationsrisiken klar separiert. Aus ökonomischer Sicht bestehen jedoch hohe Abhängigkeiten beider Variablen. — Gemäß EZB-Präsident standen die Wachstums- und nicht die Inflations- risiken im Mittelpunkt der Ratssitzung. Dank der Binnenkonjunktur ist die Verteilung der Wachstumsrisiken leicht verbessert. Die außerhalb der Eurozone liegenden Risikofaktoren, wie beispielsweise geopoliti- sche Entwicklungen, haben sich insgesamt – trotz einer positiveren Ein- schätzung der globalen Konjunktur – sogar verschlechtert. — Forward Guidance durch Inflationsrisiken bestimmt. Mario Draghi ver- deutlichte, dass die Forward Guidance Resultat der Interpretation von Inflations- und nicht Wachstumsrisiken durch den Rat ist. Generell im- pliziert ein verbesserter Risikoausblick für das Wachstum auch, auf- grund geringerer „Tail risks“, einen Rückgang der Abwärtsrisiken für die Inflation. Dies sei aber derzeit noch nicht genügend ausgeprägt. — Wachstum und Inflation beeinflussen einander. Die Inflationsentwick- lung folgt dem Wirtschaftswachstum typischerweise mit einer Zeitverzö- gerung. Ein verbesserter Risikoausblick für das Wachstum hat somit re- gelmäßig auch einen verbesserten Risikoausblick für die Inflationsdy- namik zur Folge. Aktuell, dank des kräftigen Inlandswachstums, dürfte die Inflation bald auf Wachstumsimpulse reagieren. Natürlich können auch externe Faktoren die Inflation beeinflussen, eine Normalisierung der Inflation erfordert aber vor allem eine dynamische Binnenkonjunktur. Möglicher Fahrplan für EZB-Ausstieg In der Eurozone setzt sich unserer Meinung nach die Konjunkturerholung fort, was die Reflationierung vorantreiben dürfte. So weisen alle unsere Inflations- modelle und Vorlaufindikatoren auf eine leicht anziehende Preisdynamik im zweiten Halbjahr 2017 hin. Daher gehen wir weiterhin von folgendem Fahrplan für den EZB-Ausstieg aus der sehr lockeren Geldpolitik aus: — Juni 2017: Anpassung der Forward Guidance, d.h. Streichung der For- mulierung „oder niedrigere Zinsen“ („or lower“). — September 2017: Ankündigung der Reduktion der Anleihekäufe für Ja- nuar 2018. — Dezember 2017: eine einmalige Anhebung des Einlagenzinses um 15 bis 20 Basispunkte. Bezüglich der Reihenfolge von geringeren Anleihe- käufen einerseits und höheren Zinsen andererseits („Sequencing“) wiederholte der EZB-Präsident die Worte von seiner Rede auf der EZB- Watcher-Konferenz. So sei laut Mario Draghi „aus heutiger Sicht“ kein Anpassungsbedarf möglich. Diese Formulierung schließt jedoch eine geldpolitische Änderung in der Zukunft nicht aus. Aus unserer Sicht bleibt die Änderung der Reihenfolge eine Option (siehe unseren ECB Preview). 4 — H1 2018: Allmähliche Reduktion der Anleihekäufe, welche bis Mitte 2018 beendet sind. 4 Mark Wall (2017). „ECB Preview: Seeing is believing“. Special Report, 20 April 2017. 2,5 3,5 4,5 2008 2010 2012 2014 2016 Unterbeschäftigte Teilzeitbeschäftigte Verfügbare aber nicht suchende Personen Unterbeschäftigung geht zurück 4 % der Erwerbsbevölkerung Quellen: Eurostat, Markit, Deutsche Bank Research 0,4 0,8 1,2 1,6 2,0 2,4 2008 2010 2012 2014 2016 2018 Kerninflation HICP (ex Energie, Nahrungsmittel, Alkohol, Tabak) DB Prognose Mittelwert 1999-2008 Prognose Klares Signal für höhere Kerninflation gegen Jahresende 5 % gg. Vj. Quellen: Eurostat, Markit, Deutsche Bank Research EZB staff economic projections Ausblick Deutschland: Positive Signale 13 | 8. Mai 2017 Ausblick Deutschland — Ende 2018: Erster kompletter Zinsschritt (Einlagen-, Hauptrefinanzie- rungs- und Spitzenrefinanzierungssatz). Könnte eine spätere Anpassung der Forward Guidance erfolgen? Unserer Einschätzung nach hat die EZB bereits im März die Streichung des „or lower“ und die Neuausrichtung der Forward Guidance vorbereitet. So hielt Mario Draghi auf der Pressekonferenz Szenarien, welche zusätzliche Zinsreduktionen bewirken können, für unwahrscheinlich. Damit ist grundsätzlich die Kommunika- tion darauf ausgerichtet, künftig die Formulierung „or lower“ zu streichen. In der April-Pressekonferenz gab es jedoch eine Reihe von Punkten, welche eine spä- tere Veränderung der Forward Guidance andeuten. — Die jüngste Inflationsvolatilität, zusätzlich beeinflusst durch die Oster- feiertage, erschwert die Einschätzung der aktuellen Inflationsdynamik. Auf der Ratssitzung im Juni liegt der EZB nur eine Inflationsmessung nach Ostern vor. — Mario Draghi stand dem Argument, die EZB zögere aufgrund der geld- politischen Straffung in den Jahren 2008 und 2011, ablehnend gegenü- ber. Er betonte die aktuelle Inflation sei zu niedrig, während sie in den beiden angeführten Jahren über dem EZB-Inflationsziel lag. Die Fakten- lage und nicht historische Erfahrungen sind die Entscheidungsgrundla- ge der EZB. Folglich könnte ohne eine höhere Inflationsdynamik die Forward Guidance noch ein wenig länger bestehen. — Die jüngsten Revisionen der EZB-Makroprognosen (ECB staff economic projections) deuten keinen Kurswechsel im Juni an. Die Finanzmärkte haben bereits begonnen das Streichen des „or lower“ einzupreisen. Dies könnte sich als voreilig erweisen, da die EZB eine vorzeitige Straf- fung der Finanzierungsbedingungen vermeiden möchte. Zusammenfassung In unserem Basisszenario erwarten wir das Wegfallen des „or lower“ im Juni. Allerdings halten wir auch eine Anpassung der Forward Guidance auf der Rats- sitzung am 20. Juli für möglich. Entsprechend unserer Makroprognosen erwar- ten wir im September eine Ankündigung der Rückführung der Anleihekäufe und im Dezember eine Anhebung des Einlagensatzes. Diese Einschätzungen müs- sen nicht zwangsläufig revidiert werden, falls die Forward Guidance erst im Juli verändert wird. Mark Wall (+44 20 754-52087, mark.wall@db.com) Stefan Schneider (+49 69 910-31790, stefan-b.schneider@db.com) Ausblick Deutschland: Positive Signale 14 | 8. Mai 2017 Ausblick Deutschland DB Makro-Überraschungsindex Deutschland Der DB Makro-Überraschungsindex vergleicht den Wert der veröffentlichten Konjunkturdaten mit den Markterwartungen und liefert damit Hinweise über die Richtung künftiger Prognoseanpassungen. 5 Neu berechnet von Jochen Möbert (+49 69 910-31727, jochen.moebert@db.com ) Quelle: Heiko Peters (2014). DB Makro-Überraschungsindex Deutschland. Ausblick Deutschland, 4. August 2014. Letzte 20 veröffentlichte deutsche Konjunkturdaten DX Bloomberg Ticker Indikator Berichts- monat Veröffentlich- ungsdatum Aktueller Wert Bloomberg Konsensus Überra- schung Standardisierte Überraschung Quantils- rang GRZEWI Index ZEW - Konjunktur (Erwartungen) 3 2017 14/03/2017 12.8 13.0 -0.2 0.0 0.5 GRIFPBUS Index ifo Geschäftsklimaindex 3 2017 27/03/2017 112.4 111.1 1.3 0.8 0.8 GRIMP95Y Index Importpreise (% gg. Vj.) 2 2017 29/03/2017 7.4 7.0 0.4 0.6 0.9 GRUECHNG Index Veränderung Arbeitslose (Tsd. gg. Vm.) 3 2017 31/03/2017 -29.0 -10.0 19.0 0.5 0.7 GRFRIAMM Index Einzelhandelsumsätze (% gg. Vm.) 2 2017 31/03/2017 1.1 0.7 0.4 0.6 0.7 MPMIDEMA Index PMI Verarbeitendes Gewerbe 3 2017 03/04/2017 58.3 58.3 0.0 0.0 0.5 MPMIDESA Index PMI Dienstleistungssektor 3 2017 05/04/2017 55.6 55.6 0.0 0.0 0.5 GRIORTMM Index Auftragseingänge (% gg. Vm.) 2 2017 06/04/2017 3.4 4.0 -0.6 -0.3 0.4 GRCAEU Index Leistungsbilanzsaldo (EUR Mrd.) 2 2017 07/04/2017 20.4 19.1 1.3 0.0 0.5 GRIPIMOM Index Industrieproduktion (% gg. Vm.) 2 2017 07/04/2017 2.2 -0.2 2.4 2.1 1.0 GRZEWI Index ZEW - Konjunktur (Erwartungen) 4 2017 11/04/2017 19.5 14.8 4.7 0.6 0.8 GRZECURR Index ZEW - Konjunktur (Situation) 4 2017 11/04/2017 80.1 77.5 2.6 0.3 0.6 GRCP20YY Index VPI (% gg. Vj.) 3 2017 13/04/2017 1.6 1.6 0.0 0.2 0.3 MPMIDESA Index PMI Dienstleistungssektor 4 2017 21/04/2017 54.7 54.7 0.0 0.0 0.5 GRIFPBUS Index ifo Geschäftsklimaindex 4 2017 24/04/2017 112.9 112.4 0.5 0.2 0.6 GRCP20YY Index VPI (% gg. Vj.) 4 2017 27/04/2017 2.0 1.9 0.1 0.8 0.8 GRFRIAMM Index Einzelhandelsumsätze (% gg. Vm.) 3 2017 28/04/2017 0.1 0.0 0.1 0.3 0.6 GRIMP95Y Index Importpreise (% gg. Vj.) 3 2017 28/04/2017 6.1 6.5 -0.4 0.0 0.4 MPMIDEMA Index PMI Verarbeitendes Gewerbe 4 2017 02/05/2017 58.2 58.2 0.0 0.0 0.5 GRUECHNG Index Veränderung Arbeitslose (Tsd. gg. Vm.) 4 2017 03/05/2017 -15.0 -11.0 4.0 -0.1 0.5 Quellen: Bloomberg Finance LP, Deutsche Bank Research -0,5 -0,4 -0,3 -0,2 -0,1 0,0 0,1 0,2 0,3 0,4 0,5 14 15 16 17 DB Makro-Überraschungsindex +/- 1 Standardabweichung DB Makro - Überraschungsindex Deutschland Durchschnitt der z-Werte der vergangenen 20 Datenüberraschungen Werte über (unter) 0 bedeuten über (unter) der Markterwartung liegende Datenveröffentlichungen Quellen: Bloomberg Finance LP, Deutsche Bank Research Ausblick Deutschland: Positive Signale 15 | 8. Mai 2017 Ausblick Deutschland Deutscher Exportindikator Der Exportindikator identifiziert die Auswirkungen von globalen Nachfrageveränderungen und von Währungs- bewegungen (Preisimpuls) auf die deutschen Exporte. 6 Oliver Rakau (+49 69 910-31875, oliver.rakau@db.com) 6 Siehe für Details Ausblick Deutschland, 3. März 2016. Ausblick Deutschland: Positive Signale 16 | 8. Mai 2017 Ausblick Deutschland Dieter Bräuninger (+49 69 910-31708, dieter.braeuninger@db.com) Oliver Rakau (+49 69 910-31875, oliver.rakau@db.com) Deutschland: Termine der Finanz-, der Wirtschafts- und der Europapolitik DX Datum Ereignis Anmerkungen 14. Mai Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen Jüngsten Umfragen zufolge hat die SPD in NRW nach einem Zwischenhoch im Gefolge der Nominierung von Martin Schulz als Kanzlerkandidat wieder an Popularität eingebüßt. Für die Regierungsbildung wird viel davon abhän- gen, ob die Grünen und die Linke den Einzug in den Landtag schaffen. 22./23. Mai Eurogruppe und ECOFIN, Brüssel Debatten über wirtschaftliche Lage im Eurogebiet (Frühjahrsprognose der Kommission), Entwicklung der Inflation, nationale Insolvenzregeln. 8. Juni Sitzung des EZB-Rates, Pressekonferenz, Tallinn Unser Hauptszenarium bleibt unverändert: Die EZB dürfte ihre Forward Guidance anpassen, indem sie den Hinweis auf "niedrigere Sätze" streicht. Eine Vorankündigung für das Tapering dürfte im September erfolgen und eine einmalige Erhöhung des Zinssatz für die Einlagefazilität könnte im Dezember folgen. 15./16. Juni Eurogruppe und ECOFIN, Brüssel (Mögl.) Implikationen der Frühjahrsprognose für Defizitverfahren für Euro- Länder, thematische Debatte über Wachstum u. Beschäftigung – Qualität öffentl. Finanzen, Bankenunion, Griechenland, Vorbereitung Juni-Treffen des Europäischen Rates u.a. 16.-18. Juni Grüne Bundesdelegiertenkonferenz, Berlin Abschließende Debatte und Beschluss des Wahlprogramms für die Bundes- tagswahl. 22./23. Juni Europäischer Rat, Brüssel Debatte über die Zukunft der EU27 und (mögl.) über Brexit-Verhandlungen. 25. Juni SPD, Außerordentlicher Bundesparteitag, Dortmund Beschluss des Programms für die Bundestagswahl ("Regierungsprogramm"), das wohl sehr stark auf das Thema "soziale Gerechtigkeit" ausgerichtet sein wird. 28. Juni (?) CDU/CSU Verabschiedung des gemeinsamen Bundestagswahlprogramms, das u.a. eine Agenda 2025 für die Sicherung und Schaffung von Arbeitsplätzen ent- halten soll. (Datum noch nicht offiziell bestätigt.) 7./8. Juli G20-Gipfel, Hamburg Debatten u.a. über Fragen internationaler Wirtschafts-, Finanz- und Han- delspolitik. Besondere Beachtung dürfte erstmalige Teilnahme von US- Präsident Trump am Treffen der G20 finden. 20. Juli Sitzung des EZB-Rates, Pressekonferenz Überprüfung des geldpolitischen Kurses (s. oben 8. Juni). Quelle: Deutsche Bank Research Deutschland: Datenkalender DX Datum Uhrzeit Daten Berichtszeitraum DB Schätzung Letzter Wert 9. Mai 2017 8:00 Industrieproduktion (% gg. Vm., sb.) März -0,8 2,2 9. Mai 2017 8:00 Handelsbilanz (EUR Mrd., sb.) März 20,3 21,2 9. Mai 2017 8:00 Warenexporte (% gg. Vm., sb.) März -0,5 0,9 9. Mai 2017 8:00 Warenimporte (% gg. Vm., sb.) März 0,5 -1,6 12. Mai 2017 8:00 Reales BIP (% gg. Vq., sb.) Q1 2017 0,4 0,4 23. Mai 2017 8:00 Reales BIP (% gg. Vq., sb.) - Details Q1 2017 0,4 0,4 23. Mai 2017 10:30 ifo Geschäftsklima (Index, sb.) Mai 111,5 112,9 24. Mai 2017 9:30 PMI Verarbeitendes Gewerbe (Flash) Mai 57,5 (0,0) 58,2 (0,0) 24. Mai 2017 9:30 PMI Dienstleistungssektor (Flash) Mai 54,7 (0,0) 54,7 (0,0) 30. Mai 2017 14:00 Vorläufiger VPI (% gg. Vj., sb.) Mai 1,9 2,0 31. Mai 2017 8:00 Einzelhandelsumsätze (Index, sb.), % gg. Vm. April 0,2 0,1 31. Mai 2017 10:00 Arbeitslosenrate (%, sb.) Mai 5,8 5,8 Quellen: Deutsche Bank Research, Statistisches Bundesamt, Bundesagentur für Arbeit, ifo, Markit Ausblick Deutschland: Positive Signale 17 | 8. Mai 2017 Ausblick Deutschland Finanzmarktprognosen DX US JP EWU GB CH SE DK NO PL HU CZ Leitzinssatz, % Aktuell 0,875 -0,10 0,00 0,25 -0,75 -0,50 0,05 0,50 1,50 0,90 0,05 Jun 17 1,125 -0,10 0,00 0,25 -0,75 -0,50 0,05 0,50 1,50 0,90 0,05 Sep 17 1,375 -0,10 0,00 0,25 -0,75 -0,50 0,05 0,50 1,50 0,90 0,15 Dez 17 1,375 -0,10 0,00 0,25 -0,75 -0,50 0,05 0,50 1,50 0,90 0,25 3M Geldmarktsatz, % Aktuell 1,17 0,06 -0,34 0,32 Jun 17 1,48 0,05 -0,30 0,40 Sep 17 1,73 0,05 -0,30 0,40 Dez 17 1,73 0,05 -0,30 0,40 Rendite 10J Staatsanleihen, % Aktuell 2,31 0,02 0,31 1,08 Jun 17 2,25 0,05 0,45 1,25 Sep 17 2,50 0,03 0,60 1,50 Dez 17 2,75 0,00 0,75 1,65 Wechselkurse EUR/USD USD/JPY EUR/GBP GBP/USD EUR/CHF EUR/SEK EUR/DKK EUR/NOK EUR/PLN EUR/HUF EUR/CZK Aktuell 1,09 112,00 0,84 1,29 1,08 9,63 7,44 9,39 4,22 312,15 26,87 Jun 17 1,08 119,00 0,83 1,30 1,04 9,39 7,46 8,90 4,38 309,80 26,00 Sep 17 1,03 122,00 0,83 1,24 1,00 9,32 7,46 8,80 4,35 310,90 26,30 Dez 17 0,95 125,00 0,79 1,20 1,00 9,25 7,46 8,50 4,40 312,00 25,50 Quellen: Bloomberg Finance LP, Deutsche Bank Research Ausblick Deutschland: Positive Signale 18 | 8. Mai 2017 Ausblick Deutschland Deutschland: Datenmonitor DX Q2 2016 Q3 2016 Q4 2016 Q1 2017 Q2 2017 Dez 2016 Jan 2017 Feb 2017 Mrz 2017 Apr 2017 Mai 2017 Konjunkturumfragen Gesamtwirtschaft ifo Geschäftsklima 107,9 108,1 110,7 111,1 111,1 109,9 111,1 112,4 112,9 ifo Geschäftserwartungen 101,9 102,2 105,6 104,4 105,6 103,3 104,2 105,7 105,2 Produzierendes Gewerbe ifo Verarbeitendes Gewerbe 101,9 102,5 105,3 106,1 105,3 104,5 105,9 108,0 107,7 Produktion (% gg. Vp.) -0,8 0,3 0,1 -2,4 2,2 2,2 Auftragseingang (% gg. Vp.) -0,8 0,1 4,2 6,1 -6,8 3,4 Grad der Kapazitätsauslastung 84,5 84,8 85,7 86,0 86,0 Bauhauptgewerbe Produktion (% gg. Vp.) -5,3 1,9 3,1 -2,4 -3,2 20,7 Auftragseingang (% ggü. Vp.) -0,3 -4,2 7,9 0,4 -0,3 2,0 ifo Bauhauptgewerbe 124,7 126,9 129,6 128,4 130,7 129,2 127,5 128,5 129,7 Konsumentennachfrage EC Konsumentenbefragung -3,2 -2,5 -1,5 -0,6 -0,7 0,2 -2,1 0,2 2,8 Einzelhandelsumsätze (% gg. Vp.) -0,2 0,5 0,8 -0,1 0,5 -1,0 1,1 0,1 Neuzulassungen PKW (% gg. Vj.) 9,4 4,2 -0,3 6,7 3,7 10,5 -2,7 11,4 -8,0 Außenhandel Auslandsaufträge (% gg. Vp.) -2,1 1,8 3,1 4,6 -4,6 0,0 Exporte (% gg. Vp.) 0,4 -0,2 2,4 -2,0 2,4 0,9 Importe (% gg. Vp.) -1,2 1,4 3,7 0,0 2,8 -1,6 Nettoexporte (EUR Mrd.) 65,5 61,8 60,2 18,8 18,9 21,2 Arbeitsmarkt Arbeitslosenquote (%) 6,1 6,1 6,0 5,9 6,0 5,9 5,9 5,8 5,8 Veränderung Arbeitslosigkeit (Tsd. gg. Vp.) -26,3 -24,3 -32,7 -63,3 -20,0 -27,0 -16,0 -29,0 -15,0 Beschäftigung (% gg. Vj.) 1,2 1,2 1,3 1,5 1,4 1,5 1,5 1,5 ifo Beschäftigungsbarometer 108,2 109,0 111,2 110,3 111,8 110,7 110,6 109,4 111,3 Preise, Löhne und Arbeitskosten Preise HVPI (% gg. Vj.) 0,0 0,4 1,0 1,9 1,7 1,9 2,2 1,5 2,0 Kern-HVPI (% gg. Vj.) 1,0 1,1 1,2 1,0 1,4 1,1 1,1 0,9 Harmonisierter PPI (% gg. Vj.) -2,6 -1,7 0,2 2,8 1,0 2,4 3,1 3,1 Rohstoffe ohne Energie (% gg. Vj.) -6,5 2,9 19,2 32,7 29,5 34,5 37,7 26,3 16,5 Rohöl, Brent (USD/Bbl.) 45,6 46,6 51,1 54,5 54,9 55,4 56,0 52,6 53,8 Inflationserwartungen EC Haushaltsumfrage 3,6 6,2 10,0 18,9 10,8 17,3 18,9 20,6 17,4 EC Unternehmensumfrage 1,7 3,0 6,2 13,0 6,3 11,4 13,8 13,8 11,7 Lohnstückkosten (gg. Vj.) Lohnstückkosten 0,3 1,5 1,7 Arbeitnehmerentgelt je Arbeitnehmer 2,0 2,3 2,3 Arbeitnehmerentgelt je Stunde 0,6 2,4 3,5 Monetärer Sektor (gg. Vj.) M3 7,2 6,6 5,7 6,0 5,7 5,7 5,6 6,0 Trend von M3* 5,4 5,5 5,6 5,7 Kredite an Unternehmen und Privatpersonen 2,7 2,6 2,9 2,9 3,1 3,0 Kredite an öffentliche Haushalte 9,7 -0,1 8,9 8,9 15,5 18,4 % gg. VP = Veränderung gegenüber der Vorperiode; * zentrierter 3M-Durchschnitt Quellen: Bundesagentur für Arbeit, Deutsche Bundesbank, Europäische Kommission, Eurostat, Statistisches Bundesamt, HWWI, ifo, Markit Ausblick Deutschland Unsere Publikationen finden Sie unentgeltlich auf unserer Internetseite www.dbresearch.de Dort können Sie sich auch als regelmäßiger Empfänger unserer Publikationen per E-Mail eintragen. Für die Print-Version wenden Sie sich bitte an: Deutsche Bank Research Marketing 60262 Frankfurt am Main Fax: +49 69 910-31877 E-Mail: marketing.dbr@db.com Schneller via E-Mail: marketing.dbr@db.com * Öffentliche Investitionen und Wohnungsbau ziehen an ......................................................................... 7. April 2017 * Wachstum und Inflation dürften EZB noch kalt lassen ..................................................... 22. März 2017 * Risiken für den Export – trotz unterstützender EZB .................................................. 30. Januar 2017 * Ausblick 2017 – solide, trotz nachlassendem Rückenwind .......................................................... 16. Dezember 2016 * Schwache Industrieproduktion dämpft Lohnwachstum .......................................................... 28. Oktober 2016 * Schwierige Zeiten für deutsche Sparer ........................4. Oktober 2016 * Niedrige Zinsen und politische Unzufriedenheit lassen Deutsche risikofreudiger werden ................. 2. September 2016 * EZB hilft Industrien und treibt Immobilienpreise ................ 27. Juli 2016 * Deutscher Konsument vs. Brexit ......................................... 4. Juli 2016 * Wachstums- und Fiskalausblick: Risiken bleiben ...............3. Juni 2016 * Wie die Rente finanzieren? .............................................. 12. Mai 2016 * Solides Wachstum, aber Probleme bei Export und Bau ................................... 5. April 2016 © Copyright 2017. Deutsche Bank AG, Deutsche Bank Research, 60262 Frankfurt am Main, Deutschland. Alle Rechte vorbehalten. Bei Zitaten wird um Quellenangabe „Deutsche Bank Research“ gebeten. Die vorstehenden Angaben stellen keine Anlage-, Rechts- oder Steuerberatung dar. Alle Meinungsaussagen geben die aktuelle Einschätzung des Verfassers wieder, die nicht notwendigerweise der Meinung der Deutsche Bank AG oder ihrer assoziierten Unternehmen entspricht. Alle Meinungen können ohne vorherige Ankündigung geändert werden. Die Meinungen können von Einschätzungen abweichen, die in anderen von der Deutsche Bank veröffentlichten Dokumenten, einschließlich Research-Veröffentlichungen, vertreten werden. Die vorstehenden Angaben werden nur zu Informations- zwecken und ohne vertragliche oder sonstige Verpflichtung zur Verfügung gestellt. Für die Richtigkeit, Vollständigkeit oder Angemessenheit der vorste- henden Angaben oder Einschätzungen wird keine Gewähr übernommen. In Deutschland wird dieser Bericht von Deutsche Bank AG Frankfurt genehmigt und/oder verbreitet, die über eine Erlaubnis zur Erbringung von Bank- geschäften und Finanzdienstleistungen verfügt und unter der Aufsicht der Europäischen Zentralbank (EZB) und der Bundesanstalt für Finanzdienstlei- stungsaufsicht (BaFin) steht. Im Vereinigten Königreich wird dieser Bericht durch Deutsche Bank AG, Filiale London, Mitglied der London Stock Ex- change, genehmigt und/oder verbreitet, die von der UK Prudential Regulation Authority (PRA) zugelassen wurde und der eingeschränkten Aufsicht der Financial Conduct Authority (FCA) (unter der Nummer 150018) sowie der PRA unterliegt. In Hongkong wird dieser Bericht durch Deutsche Bank AG, Hong Kong Branch, in Korea durch Deutsche Securities Korea Co. und in Singapur durch Deutsche Bank AG, Singapore Branch, verbreitet. In Japan wird dieser Bericht durch Deutsche Securities Inc. genehmigt und/oder verbreitet. In Australien sollten Privatkunden eine Kopie der betreffenden Pro- duktinformation (Product Disclosure Statement oder PDS) zu jeglichem in diesem Bericht erwähnten Finanzinstrument beziehen und dieses PDS be- rücksichtigen, bevor sie eine Anlageentscheidung treffen. Druck: HST Offsetdruck Schadt & Tetzlaff GbR, Dieburg
2.1.7