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  4. Ausblick Deutschland
2. September 2016
Wir erhöhen die BIP-Prognose für 2016 auf 1,9% (von 1,7%). Für das Jahr 2017 senken wir unsere Wachstumsprognose auf 1,0% (von 1,3%). Ein etwas schwächeres Lohnwachstum dürfte den Konsum und der gedämpfte Exportausblick sowie die hohe globale Unsicherheit die Ausrüstungsinvestitionen belasten. Weitere Themen in dieser Ausgabe: Finanzierungssaldo, Leistungsbilanzüberschuss, Privatanleger, Deutsche Industrie, EZB [mehr]
Ausblick Deutschland: Niedrige Zinsen und politische Unzufriedenheit lassen Deutsche risikofreudiger werden Aktuelle Themen Konjunktur Schwache Q2 BIP-Details – eingetrübter Ausblick. Wir erhöhen die BIP- Prognose für 2016 auf 1,9% (von 1,7%). Für das Jahr 2017 senken wir unsere Wachstumsprognose auf 1,0% (von 1,3%). Ein etwas schwächeres Lohnwachs- tum dürfte den Konsum und der gedämpfte Exportausblick sowie die hohe glo- bale Unsicherheit die Ausrüstungsinvestitionen belasten. Deutschlands Finanzierungssaldo verbessert sich trotz Mehrausgaben für Flüchtlinge. Wir erhöhen unsere Prognose des Finanzierungssaldos für die Jah- re 2016 und 2017 auf jeweils 0,5% (zuvor jeweils 0%). Der öffentliche Schul- denstand dürfte bereits dieses Jahr unter 69% des BIP fallen. Deutschlands enormer Leistungsbilanzüberschuss fällt in nächsten Jahren deut- lich. Der deutsche Überschuss dürfte sich aufgrund der demografischen Ent- wicklung, des Immobilienbooms und einer Verlangsamung der Globalisierung bis zum Jahr 2020 um 20% auf 7% des BIP verringern. Der fortgesetzte Abfluss von festverzinslichen Anlagen aus Europa (‚Euroglut‘) dürfte einen zusätzlichen Abwertungsdruck auf den Euro ausüben. Deutsche Privatanleger suchen mehr Risiko. In den letzten Quartalen hat die Risikobereitschaft deutscher Privathaushalte spürbar zugelegt. Dies ist bis dato noch als Normalisierung zu charakterisieren. Es ist zu früh, um den Einfluss des massiven Zins- und Renditerückgangs dabei zu beurteilen, da historisch be- trachtet das (reale) Zinsniveau keinen nennenswerten Einfluss auf die Portfolio- allokation der deutschen Anleger hat. Die Entwicklungen sollten angesichts des noch länger anhaltenden Niedrigzinsenumfelds aber weiter beobachtet werden. Deutsche Industrie: Beschäftigungsaufbau dürfte enden. Angesichts des gerin- gen globalen Wirtschaftswachstums und der verhaltenen Investitionstätigkeit dürfte die Industriebeschäftigung bis 2017 eher stagnieren – allerdings auf ho- hem Niveau. EZB-Treffen: Gute Gründe abzuwarten. Aufgrund jüngster Entwicklungen erwar- ten wir jetzt, dass die EZB ihre Politik am 8. September nicht verändern und erst im Dezember eine Verlängerung von QE ankündigen wird. Wir erwarten aber weiterhin einen taubenhaften Ton. Das gesamtwirtschaftliche Umfeld bleibt sehr unsicher und die EZB wird Spekulationen an den Märkten verhindern wollen, dass ihre Untätigkeit im September ein Indiz für einen anstehenden Politik- wechsel sein könnte. Wir erwarten, dass die EZB ihre Bereitschaft unterstreicht, falls notwendig mit allen ihr zur Verfügung stehenden Mitteln zu agieren, um eine unerwünschte Verschärfung der Bedingungen an den Finanzmärkten zu verhindern. Autor en Eric Heymann +49 69 910-31730 eric.heymann@db.com Jochen Möbert +49 69 910-31727 jochen.moebert@db.com Heiko Peters +49 69 910-21548 heiko.peters@db.com Oliver Rakau +49 69 910-31875 oliver.rakau@db.com Stefan Schneider +49 69 910-31790 stefan-b.schneider@db.com Editor Stefan Schneider Deutsche Bank AG Deutsche Bank Research Frankfurt am Main Deutschland E-Mail: marketing.dbr@db.com Fax: +49 69 910-31877 www.dbresearch.de Inhaltsverzeichnis Seite Prognosetabellen ............................................2 Schwache Q2 BIP-Details – eingetrübter Ausblick ..........................................................3 Deutschlands Finanzierungssaldo verbessert sich trotz Mehrausgaben für Flüchtlinge ..........5 Deutschlands enormer Leistungsbilanzüber- schuss fällt in nächsten Jahren deutlich ..........6 Deutsche Privatanleger suchen mehr Risiko ...7 Deutsche Industrie: Beschäftigungsaufbau dürfte enden ................................................. 16 EZB-Treffen: Gute Gründe abzuwarten. ....... 18 DB Makro-Überraschungsindex Deutschland .................................................. 22 Exportindikator .............................................. 23 Eventkalender ............................................... 24 Datenkalender .............................................. 25 Finanzmarktprognosen ................................. 26 Datenmonitor ................................................ 27 2. September 2016 Ausblick Deutschland Niedrige Zinsen und po litische Unzufriedenheit lassen Deut sche risikofreudi ger werden Ausblick Deutschland 2 | 2. September 2016 Aktuelle Themen Wachstum, Inflation, Leistungsbilanz, Budgetsaldo DX BIP - Wachstum Inflation* Leistungsbilanzsaldo Budgetsaldo in % gg. Vj. in % gg. Vj. in % des BIP in % des BIP 2015 2016P 2017P 2015 2016P 2017P 2015 2016P 2017P 2015 2016P 2017P Euroland 1,6 1,6 1,1 0,0 0,2 1,2 3,2 2,6 2,0 - 2,1 - 2,0 - 1,9 Deutschland 1,7 1,9 1,0 0,2 0,5 1,5 8,5 8,8 8,2 0,7 0,5 0,5 Frankreich 1,2 1,5 1,3 0,1 0,2 1,0 - 0,2 - 0,3 - 0,3 - 3,5 - 3,3 - 2,9 Italien 0,8 0,8 0,4 0,1 0,0 1,1 2,2 2,6 1,9 - 2,6 - 2,5 - 2,4 Spanien 3,2 3,0 2,0 - 0,6 - 0,4 1,3 1,4 1,1 0,3 - 5,1 - 4,0 - 3,6 Niederlande 2,0 1,3 0,9 0,2 0,2 1,1 8,6 10,5 10,2 - 1,8 - 1,8 - 1,8 Belgien 1,4 1,2 0,9 0,6 1,7 1,8 0,0 1,0 0,8 - 2,6 - 2,7 - 2,5 Österreich 0,8 1,1 1,1 0,8 1,1 1,7 2,5 2,7 2,7 - 1,2 - 1,6 - 1,5 Finnland 0,2 1,1 0,7 - 0,1 0,5 1,2 0,1 0,2 0,1 - 2,7 - 2,4 - 2,4 Griechenland - 0,3 - 0,7 1,2 - 1,1 - 0,3 0,7 0,0 1,0 0,9 - 7,2 - 3,7 - 2,0 Portugal 1,5 1,0 1,1 0,5 0,8 1,3 0,6 1,0 0,7 - 4,4 - 2,8 - 2,8 Irland 26,3 5,0 2,9 0,0 0,3 1,4 10,2 4,0 2,9 - 2,3 - 1,1 - 1,1 Großbritannien 2,2 1,7 0,9 0,0 0,7 2,2 - 4,7 - 4,0 - 3,5 - 4,3 - 3,0 - 3,0 Dänemark 1,0 1,1 1,8 0,5 0,4 1,6 7,0 7,0 7,0 - 2,5 - 2,5 - 2,0 Norwegen 1,1 0,8 1,8 2,2 2,9 2,4 9,0 6,5 6,5 9,0 6,5 6,5 Schweden 3,9 3,3 2,4 0,0 1,0 1,5 5,9 5,7 5,5 - 0,8 - 1,0 - 0,5 Schweiz 0,9 1,0 1,5 - 1,1 - 0,7 0,3 11,4 9,0 8,0 0,3 - 0,5 - 0,5 Tschech. Rep. 4,3 2,6 2,7 0,3 0,7 1,6 0,9 1,1 0,5 - 1,9 - 1,4 - 1,6 Ungarn 2,9 2,4 2,5 - 0,1 0,5 1,9 4,4 4,2 3,0 - 2,0 - 1,9 - 2,7 Polen 3,6 3,6 3,3 - 0,9 - 0,7 1,1 - 0,2 - 0,7 - 1,6 - 2,6 - 2,9 - 3,0 USA 2,6 1,3 1,7 0,1 1,5 2,2 - 2,4 - 2,5 - 2,7 - 2,4 - 2,9 - 2,8 Japan 0,6 0,5 0,9 0,8 - 0,2 0,6 3,3 3,8 3,6 - 4,0 - 3,8 - 3,8 China 6,9 6,6 6,5 1,4 1,8 1,8 2,8 2,8 2,4 - 3,5 - 4,0 - 4,0 Welt 3,2 2,9 3,4 3,4 4,4 4,7 *Inflationsdaten für EU - Länder basieren auf harmonisierten Verbraucherpreisindizes außer bei Deutschland. Dies kann zu Diskrepanzen zu anderen DB Pub likationen führen. Quellen: Nationale Behörden, Nationale Zentralbanken, Deutsche Bank Prognosen Deutschland: BIP-Wachstum nach Komponenten, % gg.Vq., Jahresdaten % gg.Vj. DX 2015 2016 2013 2014 2015 2016P 2017P Q1 Q2 Q3 Q4 Q1 Q2 Q3P Q4P BIP 0,5 1,6 1,7 1,9 1,0 0,3 0,4 0,3 0,4 0,7 0,4 0,2 0,5 Privater Konsum 0,7 0,9 2,0 1,6 1,2 0,4 0,1 0,6 0,4 0,3 0,2 0,3 0,4 Staatsausgaben 1,2 1,2 2,8 3,9 1,7 0,4 0,7 1,3 1,2 1,3 0,6 0,8 0,8 Anlageinvestitionen - 1,1 3,4 1,7 2,7 1,2 1,7 - 0,4 - 0,3 1,7 1,7 - 1,5 0,8 0,7 Ausrüstungen - 2,1 5,5 3,7 1,9 0,0 1,9 0,5 - 0,8 1,8 1,2 - 2,4 1,0 0,1 Bau - 1,1 1,9 0,3 3,1 2,0 1,8 - 1,3 - 0,3 2,0 2,3 - 1,6 0,8 1,2 Lager, % - Punkte 0,6 - 0,3 - 0,5 - 0,3 0,0 - 0,1 - 0,5 0,3 0,1 - 0,3 - 0,1 0,1 0,0 Exporte 1,9 4,1 5,2 3,0 2,0 1,5 1,8 0,2 - 0,7 1,6 1,2 0,5 0,4 Importe 3,1 4,0 5,5 3,4 2,9 2,1 0,5 1,1 0,6 1,3 - 0,1 1,6 0,6 Nettoexport, % - Punkte - 0,5 0,4 0,3 - 0,1 - 0,2 - 0,1 0,6 - 0,5 - 0,6 0,2 0,6 - 0,4 - 0,1 Konsumentenpreise* 1,5 0,9 0,2 0,5 1,5 0,0 0,5 0,1 0,3 0,3 0,1 0,7 1,1 Arbeitslosenquote, % 6,9 6,7 6,4 6,2 6,5 6,5 6,4 6,4 6,3 6,2 6,1 6,1 6,2 Industrieproduktion 0,1 1,5 0,5 1,4 Budgetsaldo, % BIP - 0,1 0,3 0,7 0,5 0,5 Öffentlicher Schuldenstand, % BIP 77,1 74,6 71,2 68,2 65,9 Leistungsbilanzsaldo, % BIP 6,5 7,3 8,5 8,8 8,2 Leistungsbilanzsaldo, EUR Mrd. 190 213 256 275 265 *Inflationsdaten für Deutschland basieren auf nationaler Abgrenzung. Dies kann zu Diskrepanzen zu anderen DB Publikationen fü hren. Quellen: Statistisches Bundesamt, Deutsche Bundesbank, Arbeitsagentur, Deutsche Bank Research Ausblick Deutschland 3 | 2. September 2016 Aktuelle Themen Schwache Q2 BIP-Details – eingetrübter Ausblick — Die Details des besser als erwarteten Q2-Wachstums waren schwächer als es das Aggregat nahelegte. Insbesondere der Rückgang der Investitionen fiel stärker als erwartet aus. Die Nettoexporte überraschten positiv und überkompensierten den Rückgang der Binnenwirtschaft. Eine Ge- genbewegung zu den starken Nettoexporten dürfte das Q3-Wachtum belasten. Die Binnenwirtschaft dürfte dagegen wieder anziehen. Unsere BIP-Prognose für 2016 erhöhen wir auf 1,9% (von 1,7%) infolge des stärkeren Q2-Wachstums und der Revisionen historischer Daten. — Für das Jahr 2017 senken wir unsere Wachstumsprognose auf 1,0% (von 1,3%). Ein etwas schwächeres Lohnwachstum dürfte den Konsum und den gedämpften Exportausblick sowie die hohe globale Unsicherheit die Ausrüs- tungsinvestitionen belasten. Q2 2016 schwache Binnenwirtschaft & starker Nettoexport: Wechsel der Wachstumstreiber aber nur temporär Im zweiten Quartal verlangsamte sich das Wachstum auf 0,4% gg. Vq. (Q1: 0,7% gg. Vq.). Die Abschwächung fiel allerdings weniger ausgeprägt als von uns erwartet aus, da der Nettoexport positiv überraschte und damit die Wachs- tumstreiber drehten. Seit 2013 kamen die Wachstumsimpulse hauptsächlich von der Binnenwirtschaft. Der Anstieg des Außenhandels resultierte vor allem aus einem Importrückgang (-0,1% gg. Vq. gg. zuvor +1,3% gg. Vq.). Dies war der erste Rückgang seit En- de 2012, wobei der Preisanstieg zu geringeren realen Ölimporten geführt hat und weniger Investitionsgüter eingeführt wurden. Das Exportwachstum verlang- samte sich angesichts der schwachen Konjunkturentwicklung auf wichtigen Exportmärkten von 1,6% auf 1,2% gg. Vq. Die Binnenwirtschaft dämpfte das Wachstum. Sowohl der Lagerabbau als auch die inländische Endnachfrage kosteten Wachstum, wobei insbesondere die wetterbedingte, deutliche Gegenbewegung bei den Bauinvestitionen eine Rolle spielte (-1,6% gg. Vq. gg. zuvor +2,3% gg. Vq.). Die Ausrüstungsinvestitionen fielen ebenfalls deutlich (-2,4% gg. zuvor +1,2% gg. Vq.). Der private Konsum schwächte sich leicht ab (+0,2% gg. zuvor +0,3% gg. Vq.), da der Anstieg des Ölpreises um 31% gg. Vq. (Brent in Euro) die Realeinkommen dämpfte. Trotz der günstigen Fundamentalfaktoren – robuste Arbeitsmarktlage, hohe Zuwande- rung, historisch niedrige Zinsen – war der Rückgang der Endnachfrage aller- dings stärker als von uns erwartet. Die BIP-Details zeigen insgesamt eine schwächere, zugrundeliegende Entwick- lung als es die robuste Wachstumsrate nahelegt. Die Entwicklung der Staatsfi- nanzen profitiert aber weiter von der anhaltend günstigen Arbeitsmarktentwick- lung und den durch die historisch niedrigen Zinsen bedingten deutlich gefalle- nen Zinsausgaben. Dank weiter sprudelnder Steuereinnahmen lag der Finanzie- rungssaldo des Staates im zweiten Quartal bei +0,7% des BIP und im Durch- schnitt seit Ende 2014 bei 0,8%. Q3 Prognose reduziert Allerdings rechnen wir damit, dass die Binnenwirtschaft wieder zum Haupttrei- ber wird. Bei den Nettoexporten gehen wir von einer Gegenbewegung im dritten Quartal aus. Der deutsche Export leidet weiter unter einer äußerst verhaltenen Nachfrage, wozu der relativ starke Euro beiträgt. Die Importe dürften angesichts der soliden Binnenwirtschaft wieder anziehen. - 1,0 - 0,5 0,0 0,5 1,0 1,5 12 13 14 15 16 Lager Außenbeitrag Inländische Endnachfrage Reals BIP (% gg. Vq.) Starke Nettoexporte in Q2 2016 1 Wachstumsbeitrag zum BIP, % - Punkte gg. Vq. Quellen: Statistisches Bundesamt, Deutsche Bank Research - 2,0 - 1,5 - 1,0 - 0,5 0,0 0,5 1,0 1,5 2,0 - 30 - 20 - 10 0 10 20 30 10 11 12 13 14 15 16 Welthandel (links) Deutsche Güterexporte (links) PMI Neue Exportaufträge* (rechts) ifo Exporterwartungen* (rechts) * Vorlauf von 3 Monaten % gg. Vj. (3 - Monatsdurchschnitt, links), standardisierte Werte (rechts) Quellen: Deutsche Bundesbank, ifo, Markit, Deutsche Bank Research Gedämpfter Exportausblick 2 - 4 - 3 - 2 - 1 0 1 2 - 40 - 30 - 20 - 10 0 10 20 08 09 10 11 12 13 14 15 16 Ausrüstungsinvestitionen (links) Auftragseingänge ** (Inl. Investitionsgüter ohne Transport, links) ifo Exporterwartungen* (rechts) PMI* (neue Exportaufträge, rechts) *Vorlauf von * 2Q * *1Q % gg. Vj. (links), standardisierte Werte (rechts) Quellen: ifo, Markit, Statistisches Bundesamt, Deutsche Bank Research Keine merkliche Beschleunigung der Ausrüstungsinvestitionen zu erwarten 3 Ausblick Deutschland 4 | 2. September 2016 Aktuelle Themen Daher haben wir die Prognose für das dritte Quartal von 0,5% auf 0,2% gg. Vq. gesenkt. Der stärkste Rückgang des ifo-Index seit Mai 2012 deutet ebenfalls auf eine Abschwächung hin. Die ifo-Erwartungskomponente deutet – basierend auf den Juli- und Augustwerten – für das dritte Quartal noch auf ein BIP-Wachstum von 0,3% gg. Vq. Insgesamt enttäuschten die Konjunkturindikatoren für Deutsch- land zuletzt recht deutlich, so dass unser DB Makro-Überraschungsindex wieder in den negativen Bereich rutschte. Dennoch erwarten wir für die Binnenwirtschaft in H2 immer noch eine Wachs- tumsrate von 0,6%. Das Wachstum des privaten Konsums dürfte sich wieder etwas beschleunigen. Die Investitionen dürften im dritten Quartal auch wieder zulegen. Während die Fundamentalfaktoren für den Bausektor extrem günstig bleiben und wir dort mit einer dynamischen Entwicklung rechnen, dämpfen die Unsicherheiten (insbesondere Brexit, Türkei) und die schwache Weltkonjunktur die Ausrüstungsinvestitionen. Prognose für 2016: Aufwärtsrevision auf 1,9% BIP-Wachstum Unsere Prognose für das BIP-Wachstum 2016 haben wir von 1,7% auf 1,9% erhöht. Dies liegt vor allem am unerwartet kräftigen Wachstum im zweiten Quar- tal und den Revisionen der Historie, die eine höhere Ausgangsbasis für den Rest des Jahres bilden. Das durchschnittliche erwartete Quartalswachstum 2016 liegt unverändert leicht über 0,4% gg. Vq. Aufgrund des etwas höheren BIP-Wachstums und wahrscheinlich leicht geringe- rer als von uns ursprünglich erwarteten flüchtlingsbezogenen Ausgaben, haben wir unsere Prognose des Finanzierungssaldos auf 0,5% des BIP angehoben. Dies wäre der dritte Überschuss in Folge. Ausblick für 2017 eingetrübter Für das Jahr 2017 senken wir unsere Wachstumsprognose von 1,3% auf 1,0%. Zum einen ist dies eine Folge unserer Prognoseänderung für das zweite Halb- jahr 2016. Zum anderen haben wir die Quartalswachstumsraten für das kom- mende Jahr leicht nach unten genommen: Das etwas schwächere Lohnwachs- tum dürfte das Konsumwachstum belasten. Die Ausrüstungsinvestitionen könn- ten weitgehend stagnieren. Der gedämpfte Exportausblick und die hohe globale Unsicherheit schlagen negativ auf die Investitionsplanung der Unternehmen durch, was sich an der zuletzt schwachen Auftragslage für inländische Investiti- onsgüter zeigt. Die prognostizierten durchschnittlichen Quartalswachstumsraten von etwa 0,35% gg. Vq. sind allerdings weiter solide angesichts der ungünsti- gen demographischen Entwicklung und des aufgrund rückläufiger Migrations- zahlen wohl geringeren Anstiegs der Staatsausgaben. Wir sehen aufgrund der anhaltend hohen Unsicherheit über das externe Umfeld eher Abwärtsrisiken zu unserer Prognose. Heiko Peters (+49 69 910-21548, heiko.peters@db.com) Oliver Rakau (+49 69 910-31875, oliver.rakau@db.com) -2,0 -1,5 -1,0 -0,5 0,0 0,5 1,0 1,5 2,0 2,5 3,0 10 11 12 13 14 15 16 PMI gesamt (links) ifo Geschäftserwartungen (links) OECD CLI (links) Deutschland; standardisierte Werte (links); % gg. Vj. (rechts) Quellen: Markit, ifo , OECD, Statistisches Bundesamt BIP Wachstum und Frühindikatoren 4 - 0,6 - 0,4 - 0,2 0,0 0,2 0,4 0,6 14 15 16 DB Marko - Überraschungsindex +/ - 1 Standardabweichung Durchschnitt der z - Werte der vergangenen 20 Datenüberraschungen Quellen: Bloomberg Finance LP, Deutsche Bank Research Werte über (unter) 0 bedeuten über (unter) der Markterwartung liegende Datenveröffentlichungen DB Makro - Überraschungsindex Deutschland zuletzt deutlich gefallen 5 - 1,5 - 1,0 - 0,5 0,0 0,5 1,0 1,5 11 12 13 14 15 16 Finanzierungssaldo des Staates deutlich im Plus 6 % des BIP Quellen: Statistisches Bundesamt, Deutsche Bank Research Ausblick Deutschland 5 | 2. September 2016 Aktuelle Themen Deutschlands Finanzierungssaldo verbessert sich trotz Mehrausgaben für Flüchtlinge — Im ersten Halbjahr 2016 weist der Staat einen positiven Finanzierungssaldo von 0,6% relativ zum BIP auf (erstes Halbjahr 2015 0,5%). Der Überschuss resultiert vor allem aus weiterhin steigenden Steuereinnahmen, sinkenden Zinsausgaben und einer gedämpften Zuwanderungsdynamik, wodurch die höheren Mehrausgaben etwas geringer als ursprünglich erwartet ausfielen. — Deshalb erhöhen wir unsere Prognose des Finanzierungssaldos für die Jahre 2016 und 2017 auf jeweils 0,5% (zuvor jeweils 0%). Da auch das BIP weiter wächst, dürfte der öffentliche Schuldenstand bereits dieses Jahr un- ter 69% fallen. Damit rückt auch bei einer zurückhaltenden Entwicklung der Ausgabenseite das Unterschreiten der 60% Schuldengrenze des Maastrich- ter Vertrages am Ende des Jahrzehntes in Reichweite. Rekordüberschuss im ersten Halbjahr Der Staat verzeichnete im ersten Halbjahr des Jahres 2016 einen hohen Über- schuss von 0,6% des BIPs (EUR 18,5 Mrd.). Durch die Mehrausgaben zur Be- wältigung der Flüchtlingskrise verschlechterten sich die Länder- und Gemeinde- haushalte gegenüber 2015, wenngleich die Ausgaben unter den Erwartungen lagen. Daher weisen alle drei Gebietskörperschaften und die Sozialversicherung immer noch Überschüsse aus. Basis hierfür waren sprudelnde Steuereinnah- men und sinkende Zinsausgaben. Besonders stark stiegen die Einnahmen aus der Tabaksteuer durch die Neuregelung der Tabakverordnung (16% gegenüber dem Vorjahr oder EUR 1,0 Mrd.). Ähnlich stark stiegen auch die gewinnabhän- gigen Steuern (14,5% oder EUR 7,3 Mrd.). Laut Bundesbank ist dies haupt- sächlich auf früher als 2015 ausgezahlte Dividenden zurückzuführen, die durch eine Gegenbewegung in der zweiten Jahreshälfte ausgeglichen werden. Da- durch dürfte der in den letzten Jahren beobachtete Saisonverlauf mit einem hohen Finanzierungssaldo im ersten Halbjahr und einem schwächeren im zwei- ten Halbjahr verstärkt werden. Neue Prognose für Finanzierungssaldo und Staatsschulden Unsere Berechnungen legen einen Überschuss in der zweiten Jahreshälfte im einstelligen Milliardenbereich nahe. Entsprechend haben wir unsere Budget- prognose wie vor der Flüchtlingswelle nun wieder auf 0,5% im Jahr 2016 ange- hoben. Diese Prognose ist konservativ und der Überschuss könnte noch leicht höher ausfallen. Ein Jahr vor der nächsten Bundestagswahl gibt es aber auch erhebliche Anreize für zusätzliche Staatsausgaben. Entsprechend könnte der Finanzierungssaldo im zweiten Halbjahr auch enttäuschen. Da das nominale Bruttoinlandsprodukt 2016 mit rund 3% wachsen dürfte, könnte die Staatsver- schuldung am Ende des Jahres auf unter 69% fallen (Ende des ersten Quartals 71,1%). Für das Jahr 2017 erwarten wir ebenfalls einen Überschuss von 0,5%. Durch die stetige Entschuldung könnte dann schon vor dem Ende des Jahr- zehnts die 60%-Schuldengrenze des Maastrichter Vertrages unterschritten wer- den. Die Projektion basiert auf Überschüssen von 0,2% nach dem Jahr 2017. Diese wären auch bei der Umsetzung einer umfangreichen Steuerreform nach der Bundestagswahl möglich, so dass die 60% Schuldenobergrenze im Jahr 2020 in Reichweite bleibt. Jochen Möbert (+49 69 910-31727, jochen.moebert@db.com) 0,0 0,2 0,4 0,6 Bund Länder Gemeinden SV 2016 2015 Finanzierungssaldo im 1. Halbjahr 1 % BIP Quellen: Statistisches Bundesamt, Deutsche Bank Research 0 4 8 12 16 Insgesamt Lohn Umsatz Gewinn Energie Tabak Quellen: Bundesbank, Deutsche Bank Research % gg. erstes Halbjahr 2015 Steuereinnahmen des Bundes im ersten Halbjahr 2016: 2 Ausblick Deutschland 6 | 2. September 2016 Aktuelle Themen Deutschlands enormer Leistungsbilanzüber- schuss fällt in den nächsten Jahren deutlich Dieser Artikel wurde als Current Issues „Germany's massive current account surplus set to decline” veröffentlicht (26. Aug. 2016; nur in Englisch verfügbar). Dem Leistungsbilanzüberschuss der Eurozone stand in den vergangenen zwei Jahren ein massiver Abfluss von festverzinslichen Anlagen aus der Eurozone gegenüber, was einen Haupttreiber für die Entwicklung des Euro darstellte. Deutschland spielt dabei eine zentrale Rolle, da sein Anteil am Überschuss 60% ausmacht. Der deutsche Überschuss dürfte sich bis zum Jahr 2020 um 20% auf 7% des BIP verringern. Der fortgesetzte Abfluss von festverzinslichen Anlagen aus Europa – eine Dy- namik, die wir als ‚Euroglut‘ bezeichnen – dürfte einen zusätzlichen Abwer- tungsdruck auf den Euro ausüben. Die ungünstige demographische Entwicklung und der anhaltende Immobilien- boom in Deutschland sind die Haupttreiber des Leistungsbilanzrückgangs. Bei- de Faktoren führen einerseits zum Absinken der Sparquote der Haushalte und andererseits zum Anstieg der Nachfrage nach Importgütern. Außerdem dürfte die Rekordzuwanderung den Überschuss weiter senken, da die Nachfrage nach ausländischen Gütern steigt. Desweiteren dürfte es zu einem deutlich höheren Volumen an Heimatüberweisungen kommen. Zudem wird die Nachfrage der Einwanderer nach Wohnraum den schon ohnehin beträchtlichen Nachfrage- überhang von Wohnraum in den nächsten Jahren verstärken und die Immobi- lienpreise kräftig antreiben. Zwar dürfte das – relativ zu Deutschland – anziehende globale Wachstum die Exportnachfrage erhöhen, der Effekt wird aber wahrscheinlich überschaubar bleiben, da das gedämpfte Welthandelswachstum voraussichtlich anhält. Die Folgen des Brexit und die geringe Nachfrage aus ölexportierenden Ländern sind hierbei besonders nachteilig für deutsche Exporteure. Vor dem Hintergrund, dass unsere Ergebnisse auf Modellen basieren, analysie- ren wir auch die Haupttreiber der deutschen Leistungsbilanz: den Immobilien- markt, den Welthandel, sowie die demographische Entwicklung, welche auch die Migration einschließt. Heiko Peters (+49 69 910-21548, heiko.peters@db.com) Robin Winkler (+44 20 754-71841, robin.winkler@db.com) Deutschlands Leistungsbilanzüberschuss dürfte bis 2020 durch die ungünstige demographische Entwicklung, dem Immobilienboom und einer Globalisierungsverlangsamung um 20% fallen 1 % des BIP %, %-Punkte Quelle : Deutsche Bank Research -4 -2 0 2 4 6 8 10 95990307111519 DBe - 25 - 20 - 15 - 10 - 5 0 5 10 Globaler Konjunktur - zyklus Demographie Immobilien - boom Globale Wert - schöpfungs - ketten Insgesamt (%) Ausblick Deutschland 7 | 2. September 2016 Aktuelle Themen Deutsche Privatanleger suchen mehr Risiko — In den letzten Quartalen hat die Risikobereitschaft deutscher Privathaushal- te spürbar zugelegt. Der Anteil risikotragender Anlagen an den gesamten Neuanlagen hat von 5% Mitte 2015 auf über 20% in Q1 2016 zugenommen. Das war der höchste Stand seit 2006 und fast doppelt so hoch wie im histo- rischen Durchschnitt. Das wichtigste Vehikel sind weiterhin Investment- fonds, aber Aktien waren auch zunehmend nachgefragt. — Der Anstieg der Risikobereitschaft ist bis dato noch als Normalisierung zu charakterisieren, da der historische Durchschnitt stark durch die Jahre seit 2008 geprägt ist. Vergleicht man das Anlageverhalten nur mit den Vorkri- senjahren bzw. den 1990er Jahren, ist es nicht außergewöhnlich. — Laut unserem Maß lag die deutsche Risikobereitschaft seit 2012 merklich über dem Durchschnitt der EWU, auch wenn sie in der EWU zuletzt eben- falls anstieg. Auch in den Jahren vor 2008 war die Risikobereitschaft in Deutschland höher. Französische Anleger sind merklich vorsichtiger als deutsche, während spanische und italienische Sparer risikobereiter sind. — Es ist zu früh, um sagen zu können, dass der massive Zins- und Rendite- rückgang die höhere Risikobereitschaft verursacht hat, denn historisch be- trachtet haben (reale) Zinsniveaus keinen nennenswerten Einfluss auf die Portfolioallokation der deutschen Anleger. Andere Faktoren, wie das Ver- mögensniveau und verblassende Erinnerungen an die Finanz- und Wirt- schaftskrise, dürften ebenfalls eine Rolle spielen. — Das Zinsniveau dürfte allerdings der wichtigste Treiber des sich weiter be- schleunigenden Schuldenaufbaus deutscher Haushalte sein. Zuletzt wurden neue Schulden in Höhe von 1,3% des BIP aufgenommen – der höchste Stand seit 2001. Angesichts kräftig steigender Einkommen ist die Schulden- last zudem weitgehend konstant. — Beide Entwicklungen sind im historischen und internationalen Vergleich bislang moderat, sollten angesichts des vermutlich noch länger anhaltenden Niedrigzinsenumfelds aber weiter beobachtet werden. Bei der Analyse des Spar- und Anlageverhaltens deutscher Privathaushalte stellen sich im anhaltenden Niedrigzinsumfeld zwei Kernfragen: i) Nimmt das niedrige Zinsniveau den Anlegern die Lust am Sparen und wie beeinflusst es das Investitionsverhalten? ii) Motiviert das Zinsumfeld die Haushalte zur Schul- denaufnahme und nimmt das Kreditwachstum dadurch so viel Tempo auf, dass die Schuldenlast der Haushalte nach langjährigem Abwärtstrend wieder steigt? Aus Sicht der EZB ist dies für die Einschätzung der Wirkung ihrer lockeren Geldpolitik relevant. Private Haushalte sind dabei zunächst bei ihrer Spar- und Konsumentscheidung betroffen. So soll eine niedrigere Sparquote kurzfristige Wachstumsimpulse geben. Darüber hinaus betrifft es Portfolio-Umschichtungen. So könnten Investitionen in Anlagen mit mehr Risiko (z.B. im Extrem Eigenkapi- tal für Start-Ups statt Bankeinlagen) eine dynamischere Konjunkturentwicklung mit sich bringen. Dem möglichen konjunkturellen Impuls stehen mittel- bis lang- fristige Risiken entgegen, falls z.B. ein massiver Schuldenaufbau zu einer Im- mobilienblase führt. Auf diesen Aspekt schauen vor allem die für die Finanzsta- bilität zuständigen Behörden. Wir werden die aktuellen Daten zum deutschen Spar- und Anlageverhalten auf beide Aspekte hin untersuchen. Risikobehaftete Anlageklassen: Unsere Definition 1 Letztlich ist jede Geldanlage mit Risiko beha f- tet. Es gibt aber große Unterschiede bei der Anfälligkeit für Finanzmarktschwankungen und den Ausfallwahrscheinlichkeiten. Dies lässt eine grobe Kategorisierung zu, mit Hilfe der wir die Risikobereitschaft privater Anleger am Finanzmarkt messen. Zu den „risikotragenden“ Anlageklassen zählen wir Schuldverschreibungen (Anleihen), bö r- sennotierte Aktien und Investmentzertifikate. Bei diesen partizipiert der Anleger direkt an Finanzmarktschwankungen. Zu den „nicht - risikotragenden“ Anlagen zählen wir Bargeld, Einlagen und Investitionen in Versicherungs - /Alterssicherungssyst eme. Bei diesen spielen kurzfristige Finanzmarkten t- wic k lungen höchstens indirekt über Übe r- schussbeteiligungen eine Rolle und es besteht häufig eine festgelegte (Mindest - ) Rendite. Nicht - börsennotierte Aktien und sonstige A n- teilsrechte lassen wir wie auch s onstige Ford e- rungen außen vor. Wir rechnen sie eher den realwirtschaftlichen Investitionen zu, und wen i- ger den allgemein zugänglichen Finanzmark t- investitionen. Die sonstigen Forderungen spielen insgesamt eine kleine Rolle und entstehen meist als Nebenergeb nis von anderen Investitionen, können also nicht vom Anleger gemanagt werden. Bei den privaten Haushalten fallen darunter bspw. Überschussbeteiligungen. Quelle: Deutsche Bank Research Ausblick Deutschland 8 | 2. September 2016 Aktuelle Themen Risikobereitschaft im Aufwind Trotz des extremen Zinsrückgangs hat sich an der Sparquote deutscher Haus- halte zuletzt wenig geändert. So fielen die Renditen deutscher Staatsanleihen mit 10jähriger Laufzeit in Q2 im Schnitt -0,1%. Die Sparquote lag in Q2 2016 bei 9,7%, was etwa dem Durchschnitt der Jahre 2014 und 2015 entsprach und nur leicht unter dem Durchschnitt seit 1999 liegt. Dies stützt die Vermutung, dass der Zins nur eines von vielen Determinanten für das Sparverhalten ist, und das Vorsorgemotiv gerade in Deutschland eine wichtige Rolle spielen dürfte. Fallen- de Zinsen können somit sogar zu steigenden Sparquoten führen, wenn z.B. ein bestimmtes Vermögen bei Renteneintritt vorhanden sein soll. Allerdings hat sich die Risikobereitschaft deutscher Anleger im Vergleich zu unseren letzten Analysen 1 , bei denen wir nur ein von niedrigem Niveau aus leicht gestiegene Risikobereitschaft attestieren konnten, spürbar erhöht. 2 Wäh- rend Anfang 2014 Geld aus risikotragenden Anlagen (Definition in Abb. 1) noch netto abgezogen wurden und Mitte 2015 noch unter 5% der neu angelegten Gelder (Geldvermögensbildung) in diese Anlagen flossen, waren es in Q1 2016 etwa 21% (Schnitt der letzten vier Quartale). Dies war der höchste Stand seit Ende 2006 (Abb. 3). Der Anteil blieb aber letztlich noch moderat. Er lag zwar fast doppelt so hoch wie im historischen Durchschnitt von 12% seit 2000; damit entsprach es aber in etwa dem Durchschnitt der Jahre vor der Krise (2004- 2007) bzw. den Verhalten in den 1990er Jahren. 3 Wie definiert man Risikobereitschaft? Zu den risikotragenden Anlagen zählen wir Schuldverschreibungen (Anleihen), börsennotierte Aktien und Investmentzertifikate, da Anleger bei diesen Anlagen Finanzmarktschwankungen direkt ausgesetzt sind. Alternative Definitionen mit zum Teil längerer Historie deuten ebenfalls auf eine höhere Risikobereitschaft 1 Rakau, Oliver (2015). Ausblick Deutschland: Binnenkonjunktur läuft – aber keine Übertreibungen. 5. November 2015. Deutsche Bank Research. Rakau, Oliver (2015). Ausblick Deutschland: Deut- sches Sparverhalten vor QE-Herausforderungen. 30. April 2015. 2 Zudem haben wir unsere Definition von risikotragenden Analgen angepasst, um ein verbessertes Maß für die Bereitschaft, Finanzmarktrisiken einzugehen, zu erhalten. Dazu haben wir nur noch börsennotierte Aktien und nicht mehr nicht-börsennotierte Aktien und sonstige Anteilsrechte ein- gerechnet. 3 Daten für das Anlage- und Sparverhalten vor 1999 basieren auf einer anderen statistischen Abgrenzung (ESVG 1995 statt ESVG 2010). Für private Haushalte halten sich die Unterschiede allerdings in engen Grenzen, sodass wir beide Zeitreihen verkettet haben. -2 0 2 4 6 8 10 12 00 02 04 06 08 10 12 14 16 Netto - Geldvermögensbildung* Sparquote (%) Renditen 10J - Staatsanleihen Sparquoten trotzen Tiefstzinsen 2 *4Q - Summe in % d. verf. Einkommens Quellen: Deutsche Bundesbank, Statistisches Bundesamt, Deutsche Bank Research - 60 - 40 - 20 0 20 40 60 80 92 96 00 04 08 12 16 Risikotragend* (inkl. nicht börsennotierte Aktien) Risikotragend* (ohne Schuldverschreibungen) Risikotragend* Anleger mit mehr Risiko 3 Anteil an Geldvermögensbildung, 4Q - Schnitt, % *Schuldverschreibungen, börsennotierte Aktien, Investmentzertifikate Quellen: Deutsche Bundesbank, Deutsche Bank Research Ausblick Deutschland 9 | 2. September 2016 Aktuelle Themen hin. Wenn man Schuldverschreibungen außen vor lässt, wird sogar der höchste Stand seit 2001 erreicht. Bei Schuldverschreibungen findet derzeit ein struktu- reller Abbau von Investitionen statt, sodass die Risikobereitschaft unterzeichnet werden könnte, wie wir bei unserer letzten Analyse darstellten. 4 Wir bezeichnen in dieser Analyse einen relativen Anstieg der Käufe risikotra- gender Anlagen als eine Zunahme der Risikobereitschaft. Ein Anstieg könnte aber auch durch eine gestiegene relative Rendite risikotragender Anlagen ver- ursacht sein oder eine bewertungsgetriebene Veränderung der Portfoliostruktur ausgleichen und somit keine gestiegene Risikobereitschaft reflektieren. Des Weiteren kann wie in extremen Niedrigzinsphasen üblich der Rückgang der Volatilität an den Kapitalmärkten von Investoren als Indiz für eine dauerhafte Verringerung der Risiken (fehl-) interpretiert werden. Aktien wieder beliebter … Die höhere Risikobereitschaft zeigt sich vor allem bei Aktienanlagen. Nachdem Anleger im Zeitraum von 2012 bis 2014 netto keine Gelder neu in Aktien inves- tierten, fragten sie im Verlauf von 2015 vermehrt Aktien nach (Abb. 4). In Q1 2016 allein flossen EUR 8,4 Mrd. in börsennotierte Aktien, nachdem schon in den letzten Quartalen überdurchschnittlich viel in Aktien investiert wurde. Relativ zu den gesamten Neuanlagen wurde im Schnitt der letzten vier Quartale mit 13% der höchste Wert seit Q2 2009 und einer der sieben höchsten Werte seit 1999 erreicht bei einer relativ hohen Aktienmarktvolatilität. Die höhere Risikobereitschaft zeigt sich auch bei anderen Anlageklassen. Der weiter oben erwähnte Abbau der Investitionen in Schuldverschreibungen scheint sich in den letzten Quartalen verlangsamt zu haben (Abb. 5), womit deren dämpfende Wirkung auf unser Maß der Risikobereitschaft nachlässt. Der Anteil der Investitionen in Investmentzertifikate blieb zuletzt auf einem hohen Niveau von gut 15% (4Q-Schnitt). Zu den Investmentzertifikaten gehören bspw. ETFs (Exchange Traded Funds) und Investmentfonds. 4 Geringere Investitionen in Bankanleihen sind der Haupttreiber dafür. -60 -40 -20 0 20 40 60 80 -100 -80 -60 -40 -20 0 20 40 60 80 92 96 00 04 08 12 16 Aktieninvestitionen (links) Dax (rechts) Hohe Neuanlagen bei Aktien 4 Anteil an Geldvermögensbildung, % (links); durchschnittlicher Daxstand, % gg. Vj. (rechts) Quellen: Deutsche Bundesbank, Deutsche Bank Research - 60 - 40 - 20 0 20 40 60 80 92 94 96 98 00 02 04 06 08 10 12 14 16 Schuldverschreibungen Aktien Sonstige Anteilsrechte Investmentzertifikate Risikotragend* (inkl. nicht börsennotierte Aktien) Anteil an Geldvermögensbildung, 4Q - Schnitt, % Quellen: Deutsche Bundesbank, Deutsche Bank Research 'Schuldverschreibungen, Aktien, Investmentzertifikate Mehr Aktien und geringerer Abbau von Schuldverschreibungen 5 Ausblick Deutschland 10 | 2. September 2016 Aktuelle Themen … aber „sichere“ Anlagen weiter dominant Trotz der zuletzt gestiegenen Risikobereitschaft bleiben nicht-risikotragende Anlagen dominant. In den letzten vier Quartalen flossen etwa 42% der Erspar- nisse in Bargeld und Einlagen. Ein Jahr zuvor waren es jedoch noch rund 60%. Auch der Anteil der Versicherungs- und Alterssicherungssysteme ist etwas zu- rückgegangen von gut 50% vor einem Jahr auf zuletzt gut 40%. Zuletzt standen beide Kategorien insgesamt also noch für etwa 85% der Neuanlagen und damit noch mehr als zur Mitte der 2000er Jahre. Die Diskrepanz bei den Anteilen von 85% nicht-risikotragenden und 21% risikotragenden Anlagen zu 100% entsteht durch die sonstigen Forderungen und Anteilsrechte, die weiterhin negativ aus- fielen. Negative Anteile entstehen rechnerisch, wenn aus Anlagen Gelder aktiv abgezogen werden, wie es beispielsweise bei risikotragenden Anlagen in der Finanzkrise der Fall war. Bislang kaum Effekte auf Vermögensbestand Die in den letzten Quartalen zunehmende Risikobereitschaft der deutschen Anleger bei ihren Neuanlagen hat sich in den Beständen des Finanzvermögens jedoch bislang kaum bemerkbar gemacht. Die Neuanlagen entsprechen nur etwa 1% des Finanzvermögens. Insgesamt gab es kaum relevante Verschie- bungen der Anteile am Bestand. Selbst der langfristige Trend eines steigenden Anteils von Investmentzertifikaten auf Kosten des Anteils von Schuldverschrei- bungen hat sich in den letzten Quartalen gelegt. Trotz der hohen Neuinvestitionen in risikotragende Anlagen lag der Anteil der börsennotierten Aktien am gesamten Geldvermögen aufgrund von Bewertungs- verlusten in Q1 2016 sogar leicht unter dem Stand vom Vorquartal (4,8% gg. 5,0%). Insgesamt liegt der Aktienanteil seit Ende 2013 recht stabil um die 5%, nachdem er zuvor von niedrigem Niveau aus langsam anstieg. Der Anteil sons- tiger Anteilsrechte (inkl. Nicht-börsennotierte Aktien) ist ebenfalls seit vielen Quartalen in etwa unverändert bei gut 5%. Bei den Schuldverschreibungen macht sich der zuvor beschriebene strukturelle Abbau bemerkbar. Während deren Anteil 2008 noch bei fast 7% lag, ist er seitdem graduell Richtung gut 3% geschrumpft (zuletzt aber ebenfalls stabil). Der Anteil der Investmentzertifikate lag weiter bei knapp 10%. - 60 - 40 - 20 0 20 40 60 80 100 120 00 02 04 06 08 10 12 14 16 Bargeld & Einlagen Versicherungs - und Alterssicherungssysteme Risikotragend* Anteil an Geldvermögensbildung, 4Q - Schnitt, % Quellen: Deutsche Bundesbank, Deutsche Bank Research Risiko steigt auf moderates Niveau 6 *Schuldverschreibungen, börsennotierte Aktien, Investmentzertifikate 0 10 20 30 40 50 60 70 80 90 100 99 01 03 05 07 09 11 13 15 Bargeld & Einlagen Schuldverschreibungen Börsennotierte Aktien Sonstige Anteilsrechte Investmentzertifikate Versich. - und Alterssicherungssys. Sonstige Forderungen Rückzug bei Schuldverschreibungen 7 Anteil am Geldvermögen, % Quelle: Deutsche Bundesbank Ausblick Deutschland 11 | 2. September 2016 Aktuelle Themen Bei den nicht-risikotragenden Anlagen blieben die Anteile ebenfalls stabil. Bar- geld und Einlagen standen genau wie Versicherungs- und Alterssicherungssys- teme für 39% bzw. 37% der Gesamtanlagen. Auch hier zeigt sich die hohe Prä- ferenz für sichere Anlagen. Risikobereitschaft seit 2012 über EWU-Schnitt … Auch in der EWU insgesamt ist die Risikobereitschaft zuletzt tendenziell ange- stiegen (Abb. 8). Nachdem private Haushalte seit Ende 2012 Investitionen in risikotragende Anlagen zum Teil sehr deutlich abgebaut hatten, waren die Flüs- se in den letzten Quartalen neutral und in Q4 2015 sogar leicht positiv. Es flos- sen in Q1 2016 knapp 4% der Ersparnisse aus risikotragenden Anlagen ab (Q4 2015: +2%). Damit entsprach der Anteil in etwa dem historischen Durchschnitt seit 2000 (-2%). Er blieb aber wie schon seit 2012/13 hinter dem deutschen Anteil zurück, der auch über den gesamten Zeitraum überdurchschnittlich war (11%). Insbesondere Anfang der 2000er Jahre war die Risikobereitschaft in Deutschland deutlich überdurchschnittlich. Die Daten der letzten Jahre werden stark durch den massiven Abbau von Inves- titionen in Schuldverschreibungen getrieben, der in der EWU insgesamt noch ausgeprägter war als in Deutschland. Stellt man nur die Anlagen in börsenno- tierte Aktien und Investmentzertifikate den neu angelegten Ersparnissen gegen- über, dann wäre es tatsächlich umgekehrt und die Risikobereitschaft läge im EWU-Schnitt über jener in Deutschland (Abb. 9). Eine überdurchschnittliche Risikobereitschaft in Deutschland erscheint zunächst überraschend, wenn man den Ruf des als risikoavers geltenden deutschen Spa- rers bedenkt. Ein Vergleich mit den anderen EU-Ländern zeigt, dass Deutsch- land bei der Risikobereitschaft im Schnitt der letzten 4 Quartale auf Platz 7 der EWU-Länder und Rang 9 der EU-Länder lag (Abb. 10). Ende 2013 war es noch Rang 12 unter den EWU-Ländern. Dieser Vergleich ist aufgrund der sehr hohen Volatilität dieser Größe in vielen anderen Ländern nicht allein aussagekräftig. Dies rührt z.B. von der geringeren und teilweise negativen Geldvermögensbildung in anderen Ländern her (die Basis bei der Errechnung des Anteils der risikotragenden Anlagen). Daher set- zen wir zur Gegenprüfung die Neuanlagen in risikotragende Anlagen ins Ver- hältnis zum Geldvermögensbestand. Bei diesem Vergleich kam Deutschland zuletzt auf Rang 9 der Risikobereitschaft. Diese Daten bestätigen damit, dass -140 -120 -100 -80 -60 -40 -20 0 20 40 60 80 00 02 04 06 08 10 12 14 EWU DE FR Deutschland: Überdurchschnittliche Risikofreudigkeit 8 Anteil risikotragender* Anlagen an Geldvermögens - bildung, %, 4Q - Schnitt Quellen: Eurostat, Deutsche Bank Research *Schuldverschreibungen, börsennotierte Aktien, Investmentzertifikate - 150 - 100 - 50 0 50 100 00 02 04 06 08 10 12 14 EWU DE FR Quellen: Deutsche Bank Research, Eurostat Anteil risikotragender* Anlagen an Geldver - mögensbildung (ohne Schuldver.), %, 4Q - Schnitt *Schuldverschreibungen, börsennotierte Aktien, Investmentzertifikate Risikobereitschaft in Eurozone durch Schuldverschreibungen gedämpft 9 - 1 - 0,5 0 0,5 1 1,5 2 2,5 - 30 - 20 - 10 0 10 20 30 40 50 60 Kroatien Littauen Finland Irland Frankreich EWU Bulgarien Niederlande Rumänien Slowakei Dänemark Schweden Slowenien Österreich Estland Polen Deutschland Luxemburg Zypern Tschechien Lettland Belgien Malta Ungarn Geldvermögensbildung (links) Geldvermögensbestand (rechts) Etwas überdurchschnittliche deutsche Risikobereitschaft 10 Neuanlagen in risikotragende Anlagen*, 4Q - Schnitt, Q4 2015, % der... *Schuldverschreibungen, börsennotierte Aktien, Investmentzertifikate Quellen: Deutsche Bank Research, Eurostat - 6 - 4 - 2 0 2 4 6 8 10 Schuld - verschreib - ungen Börsennotierte Aktien Investment - zertifikate EWU DE Quellen: Deutsche Bank Research, Eurostat Deutsche vor allem Aktienmuffel 11 %, Anteil an Geldvermögensbildung, Durchschn. der Quartalsdaten, 2000 - 2015 Ausblick Deutschland 12 | 2. September 2016 Aktuelle Themen die Risikobereitschaft merklich zugenommen hat und über dem E(W)U-Schnitt liegen dürfte. … endlich auch dank Aktien Eine disaggregierte Analyse der drei von uns identifizierten risikotragenden An- lageklassen zeigt, dass der Ruf der deutschen als risikoscheu zumindest auf makroökonomischer Ebene nur von zurückhaltenden Investitionen in Aktien herrühren kann (Abb. 11). Seit 2000 lag der durchschnittliche Aktienanteil an den Neuanlagen bei 0,8% gg. 1,8% in der Eurozone insgesamt, wobei dies vor allem an der Verkaufswelle Anfang der 2000er lag. In Schuldverschreibungen (2% gg. -5%) und Investmentzertifikate (8% gg. 1%) investierten die Deutschen hingegen überdurchschnittliche Anteile ihrer Neuanlagen. Auch der Gleichlauf (Korrelation) der Investitionsanteile über die letzten gut 15 Jahre ist bei diesen beiden Anlageklassen recht hoch (Abb. 13-14). Insbesondere bei Investment- zertifikaten ist die Dynamik sehr ähnlich. Ein Vergleich der Eurozone mit Deutschland für den Zeitraum vor 2000 ist auf- grund fehlender Daten nicht möglich. Allerdings bestätigt der Vergleich mit an- deren großen EU-Ländern über den Zeitraum 1996-2014 die These, dass deut- sche Anleger bei Aktieninvestitionen etwas zurückhaltend sind, aber insgesamt durchaus auch in risikotragende Anlagen investiert haben. Risiko im Bestand ebenfalls leicht überdurchschnittlich Deutsche Anleger weisen zwar bei ihren Neuanlagen zuletzt und im Schnitt seit 2000 eine überdurchschnittliche Risikobereitschaft auf; in dem Vermögensbe- stand zeigt sich dies allerdings weniger ausgeprägt. Unter den EU-Ländern lag Deutschland zuletzt auf Rang 9. Anlagen deutscher Haushalte bestanden zu 18% aus risikotragenden Anlagen; im Schnitt der Eurozone waren es aber nur geringfügig weniger (16%; Frankreich: 13%; Spanien: 22%; Italien: 23%). Den Spitzenplatz nimmt Finnland mit 27% ein. Der Anteil der risikotragenden Anla- gen im Bestand in Deutschland und in der EWU weist wie bei den Neuanlagen einen hohen Gleichlauf auf und liegt seit Mitte der 2000er Jahre fast gleich auf. -100 -80 -60 -40 -20 0 20 40 60 00 02 04 06 08 10 12 14 16 EWU DE Schuldverschreibungen, Anteil an der Geld- vermögensbildung, %, 4Q-Schnitt Quellen: Eurostat, Deutsche Bank Research Risikobereitschaft bei Anleihen ... 12 - 100 - 80 - 60 - 40 - 20 0 20 40 60 00 02 04 06 08 10 12 14 16 EWU DE Quellen: Eurostat, Deutsche Bank Research Aktien (inkl. sonst. Anteilsrechte), Anteil an der Geldvermögensbildung, %, 4Q - Schnitt ... Aktien ... 13 - 100 - 80 - 60 - 40 - 20 0 20 40 60 00 02 04 06 08 10 12 14 16 EWU DE Quellen: Eurostat, Deutsche Bank Research Investmentzertifikate, Anteil an der Geld - vermögensbildung, %, 4Q - Schnitt ... und Investmentzertifikaten 14 0 10 20 30 40 99 01 03 05 07 09 11 13 15 EA19 DE ES FR IT Deutschland: Nahe am EWU - Schnitt 15 Risikotragende* Anlagen im Bestand, Anteil an Finanzvermögen, % * Schuldverschreibungen, Aktien (inkl. sonst. Anteilsrechte), Investmentzertifikate Quelles: Eurostat, Deutsche Bank Research Ausblick Deutschland 13 | 2. September 2016 Aktuelle Themen Mehr Risiko von Dauer? Wir haben ausführlich dargestellt, dass die deutschen Haushalte ihre Ersparnis- se über die letzten zwei Jahre vermehrt in risikotragende Anlagen investiert haben und davon – im Gegensatz zu den Jahren seit Krisenbeginn – auch Ak- tien wieder verstärkt profitiert haben. Am aktuellen Rand ist nicht klar, ob dies eine Reaktion auf das veränderte Zinsumfeld darstellt oder, ob die Risikobereit- schaft nachhaltig gestiegen ist. Es spricht zwar insgesamt einiges dafür, dass die Daten nicht nur ein Ausreißer sind und deutsche Anleger tatsächlich wieder mehr Risiko fahren, auch wenn der Anstieg vor allem im Vergleich zum extrem schwachen Niveau der letzten Jahre auffällig ist. Darüber hinaus stellt sich die Frage, wie lange die erhöhte Risikobereitschaft anhält und/oder ob sie sich sogar noch verstärkt. Es ist wohl möglich, dass die nächsten Quartale eine Gegenbewegung oder zumindest eine Verlangsamung mit sich bringen – z.B. wegen der Finanzmarktunsicherheiten in Bezug auf die Brexit-Abstimmung Ende Q2 2016, für die uns noch keine Daten vorliegen, oder der generellen globalen Unsicherheit. Es ist allerdings zu früh, die Entwicklung am aktuellen Rand schon als Auswir- kung des Negativzinsumfelds zu interpretieren. Die Bundesbank (Monatsbericht Oktober 2015) hat in einer umfangreichen Analyse das Anlageverhalten öko- nometrisch untersucht und versucht, die Investitionsanteile der Anlageklassen mit Hilfe makroökonomischer Größen zu modellieren. Es zeigt sich, dass der Einfluss des Zinsniveaus auf das Sparverhalten und die Portfolioallokation nur einen begrenzten und zudem unklaren Einfluss hat. Allerdings können derartige Schätzungen keine Aussage liefern, ob sich der schwache Einfluss der Zinsen bei Werten nahe Null oder gar negativen Werten verändert, da die Schätzungen solche Zeitperioden nicht umfassen. Die Altersstruktur der Bevölkerung und das Vermögensniveau spielen hingegen eine entscheidende Rolle. Die äußert ro- buste Einkommensentwicklung deutscher Haushalte könnte zum Anstieg der Risikobereitschaft beigetragen haben. Uns erscheint aber ein anderer Faktor wichtiger, den auch die Bundesbank dis- kutiert: Die verblassenden Erinnerungen an Finanzmarktvolatilitäten und -verluste Anfang der 2000er Jahre während der DotCom-Phase und später während der großen Wirtschafts- und Finanzkrise könnten die Normalisierung der gemessenen Risikobereitschaft befördert haben. 0 5 10 15 20 25 30 BG LV EE CY IE LT NL HR RO SI UK PT EL SK PL CZ FR DK EA19 SE DE AT HU ES IT BE LU MT FI Börsennotierte Aktien Investmentzertifikate Schuldverschreibungen Risikotragend* % der Finanzvermögen, Q4 2015 * Schuldverschreibungen, börsennotierte Aktien, Investmenzertifikate Quellen: Eurostat, Deutsche Bank Research Deutsche Anleger mit leicht überdurchschnittlichem Risiko im Bestand dank Investmentfonds 16 0 50 100 150 200 250 300 98 00 02 04 06 08 10 12 14 16 USA EU Russland UK Japan Quelle: Baker, Scott R., Bloom, Nick, Davis, Stephen J. Erhöhte Unsicherheit 17 Wirtschaftspolitische Unsicherheit, Jan. 2015=100, 6M - Schnitt Ausblick Deutschland 14 | 2. September 2016 Aktuelle Themen Hypothekenzinsen treiben Schuldenaufbau Bislang haben wir uns nur die Vermögens- und nicht die Verschuldungssituation der Haushalte angeschaut. In unserer letzten Analyse hatten wir dargestellt, dass Haushalte wegen der Kombination aus niedrigen Zinsen, der guten Ein- kommenssituation und mangelhafter Alternativanlagen zunehmend in Immobi- lien investieren haben. Diese Entwicklung hatte im ersten Quartal noch einmal etwas an Tempo gewonnen. Die Kreditaufnahme betrug über die letzten vier Quartale insgesamt knapp EUR 41 Mrd.; das war der höchste Wert seit Ende 2000. Relativ zur Wirtschaftsleistung (BIP) hat die Kreditaufnahme ebenfalls deutlich zugelegt und betrug zuletzt 1,3% des BIP (Abb. 18). Die hohe Dynamik hat dazu geführt, dass die Verschuldung der Haushalte rela- tiv zu ihren verfügbaren Einkommen in Q1 recht deutlich von 91,7% auf 92,4% anstieg; dies folgte einem langanhaltenden Abwärtstrend (Abb. 19). Wir inter- pretieren dies allerdings als Stabilisierung und nicht als Trendwende. Denn ak- tuellere Monatsdaten zeigen, dass sich die Kreditaufnahme seit Q1 wieder deut- lich verlangsamt hat (Abb. 20). Dies dürfte auch mit Vorzieheffekten bei den Baugenehmigungen zusammenhängen. Verschärfte Vorschriften für Energie- standards ab Anfang 2016 und die Umsetzung der Kreditrichtlinie Anfang 2016 dürften die Anreize noch 2015 aktiv zu werden, verstärkt haben. Baugenehmi- gungen und Kreditvergabe weisen einen recht engen (verzögerten) Zusammen- hang auf. Angesichts der anhaltend niedrigen Hypothekenzinsen und des hohen Nachfra- geüberhangs dürfte die Kreditnachfrage aber auf hohem Niveau bleiben. Aber selbst wenn sich die Kreditaufnahme weiter beschleunigen sollte und mehrere Jahre anhielte, würde das Verschuldungsniveau relativ zur Wirtschaftsleistung aber gerade einmal das Niveau von Anfang der 2000er Jahre erreichen und damit weit von Niveaus entfernt bleiben, die Länder wie Spanien während ihrer Immobilienblase erreicht hatten. Mehr Risiko: Gut oder schlecht? Portfolios sollten ein „gesundes“ Maß an Risiko aufweisen. Wo dies liegt, hängt von der Situation jedes Haushalts ab. Die in Deutschland und anderen Ländern insgesamt vorherrschende Risikoaversion der letzten Jahre dürfte jedoch eini- ges an Rendite gekostet haben, da stärker risikotragende Anlagen in den letz- ten Jahren nicht zuletzt wegen der extremen Geldpolitik auch überdurchschnitt- -2 -1 0 1 2 3 4 5 6 -40 -20 0 20 40 60 80 100 120 92 96 00 04 08 12 16 Mrd. EUR (rechts) % nominales BIP (links) Neuverschuldung stieg kräftig 18 Kreditaufnahme (links), 4Q Summe Quellen: Deutsche Bundesbank, Deutsche Bank Research 40 60 80 100 120 140 160 180 200 800 1000 1200 1400 1600 1800 2000 99 01 03 05 07 09 11 13 15 Haushaltsschulden (Mrd. EUR, links) Verfügbare Einkommen (Mrd. EUR, links) Haushaltsschulden (% verf. Eink., rechts) Stabilisierte Schuldenquote 19 Quellen: Statistisches Bundesamt, Deutsche Bundesbank, Deutsche Bank Research - 50 - 40 - 30 - 20 - 10 0 10 20 30 40 50 05 07 09 11 13 15 Baugenehmigungen (% gg. Vj., gl. 6M - Schnitt) Neuvergabe von Hypothekenkrediten (% gg. Vj., 6M - Schnitt, 6M - Vorlauf) Immobilienkredite & Baugenehmigungen 20 Quellen: Statistisches Bundesamt, Deutsche Bundesbank 1 2 3 4 5 6 9 12 15 18 21 24 27 2004 - 2007 2008 - 2010 2011 - 2013 2013 - 2016 LATEST Rasante Entwicklung bei neuen Wohnbaukrediten 21 Quellen: Bundesbank, Deutsche Bank Research x - Achse: Neugeschäft Wohnbaukredite in EUR Mrd. pro Monat, y - Achse: Zinsen in % Ausblick Deutschland 15 | 2. September 2016 Aktuelle Themen liche Renditen aufwiesen. Daher sehen wir den Anstieg der Risikobereitschaft auf die durchschnittlichen Niveaus der Vorkrisenperiode bzw. der 1990er Jahre positiv. Auch wenn es bislang keine eindeutige Evidenz gibt, dass dies durch Negativzinsen getrieben ist, sollte die Entwicklung weiter beobachtet werden. Dies gilt ebenfalls für den zuletzt weiter an Tempo zulegenden Schuldenaufbau deutscher Haushalte. Insgesamt steigt aber das Risiko, dass die durch die ext- reme Niedrigzinsphase ausgelöste „Jagd nach Rendite“ zu einer kollektiven Unterschätzung der Finanzmarktrisiken führt. Oliver Rakau (+49 69 910-31875, oliver.rakau@db.com) Ausblick Deutschland 16 | 2. September 2016 Aktuelle Themen Deutsche Industrie: Beschäftigungsaufbau dürfte enden — Das Verarbeitende Gewerbe ist einer der wichtigsten Arbeitgeber in Deutschland. Im ersten Halbjahr 2016 waren hier durchschnittlich über 5,2 Mio. Menschen beschäftigt. Gegenüber Anfang 2005 ist die Mitarbeiterzahl damit um 6,3% gewachsen – trotz der tiefen Rezession von 2008/09. — Auf Branchenebene verzeichneten der Maschinenbau, das Ernährungsge- werbe, die Gummi- und Kunststoffindustrie sowie die Metallindustrie im ge- nannten Zeitraum überdurchschnittliche Zuwächse. Zuletzt hat sich der Be- schäftigungsaufbau in der deutschen Industrie verlangsamt. — Angesichts des geringen globalen Wirtschaftswachstums und der verhalte- nen Investitionstätigkeit dürfte die Industriebeschäftigung bis 2017 eher stagnieren – allerdings auf hohem Niveau. Im Juni 2016 waren gut 5,2 Mio. Menschen im Verarbeitenden Gewerbe in Deutschland beschäftigt. Dies entspricht einem Plus von 0,8% gegenüber dem Vorjahreswert. Lässt man die typischen saisonalen Schwankungen unberück- sichtigt, setzt sich damit der Aufwärtstrend fort, der Mitte 2010 einsetzte. Da- mals erreichte die Beschäftigung im Verarbeitenden Gewerbe – als Folge der globalen und nationalen Rezession 2008/09 – mit knapp 4,8 Mio. Menschen einen Tiefstand. Dank der anschließend einsetzenden konjunkturellen Erholung übertraf die Zahl der Industriebeschäftigten im 1. Halbjahr 2016 das Niveau des 1. Halbjahres 2010 um gut 9%. Auch gegenüber dem bereits hohen Vorkrisen- niveau (1. Halbjahr 2008) ist ein Plus von 3,2% zu verzeichnen. Dies ist im Ver- gleich zu anderen westeuropäischen Staaten ein positiver Trend. In der Grafik ist die indexierte Zahl der Beschäftigten in den sieben größten Industriebranchen (nach Mitarbeiterzahl) in Deutschland dargestellt. An der Spitze lag im Durchschnitt des 1. Halbjahres der Maschinenbau mit gut 900.000 Beschäftigten. Es folgen die Automobilindustrie (760.000), die Metallindustrie (750.000), die Elektrotechnik (624.000), das Ernährungsgewerbe (397.000), die Gummi- und Kunststoffindustrie (331.000) sowie die Chemieindustrie (291.000; ohne Pharmaindustrie). Auf diese Sektoren entfielen zuletzt knapp 78% der gesamten Beschäftigten im Verarbeitenden Gewerbe. Maschinenbau mit besonders starkem Wachstum Auf Branchenebene hat sich die Beschäftigtenzahl durchaus unterschiedlich entwickelt. Von den genannten Sektoren verzeichnete der Maschinenbau im langfristigen Vergleich (1. Halbjahr 2016 gegenüber dem entsprechenden Zeit- raum von 2005) den höchsten Beschäftigungszuwachs (+19,3%). Der Branche kommt zugute, dass sie einen relativ hohen heimischen Wertschöpfungsanteil hat. Seit Ende 2014 erfolgt im Maschinenbau jedoch kein Beschäftigungsaufbau mehr, was u.a. mit der international nur verhaltenen Nachfrage nach Investiti- onsgütern erklärt werden kann. Auf Platz 2 folgt das Ernährungsgewerbe (Be- schäftigungszuwachs H1 2016 gg. H1 2005: +13,1%). Hier sind die saisonalen Schwankungen (z.B. in Abhängigkeit von Ernten) stark ausgeprägt, aber der generelle Trend zeigt relativ stabil nach oben. Selbst während der Rezession 2008/09 ging die Beschäftigung im Ernährungsgewerbe nicht zurück. Im lang- fristigen Vergleich konnten auch die Gummi- und Kunststoffindustrie (+12,6%) sowie die Metallindustrie (+9,3%) nennenswerte Zuwächse verzeichnen. Beide Branchen sind wichtige heimische Zulieferer für die erfolgreiche deutsche Au- tomobilindustrie. Innerhalb der Metallindustrie entwickelte sich dabei die roh- stoff- und energieintensive Metallerzeugung (-0,7%) deutlich schlechter als die 85 90 95 100 105 110 115 120 05 07 09 11 13 15 Maschinenbau Ernährungsgewerbe Gummi - u. Kunststoffindustrie Metallindustrie Automobilindustrie Elektrotechnik Chemieindustrie Verarbeitendes Gewerbe Beschäftigte* in ausgewählten Branchen des Verarbeitenden Gewerbes, DE, Jan. 2005=100 * Basierend auf der statistischen Abgrenzung der so genannten fachlichen Betriebsteile Quellen: Statistisches Bundesamt, Deutsche Bank Research Größter Beschäftigungszuwachs im Maschinenbau 1 Ausblick Deutschland 17 | 2. September 2016 Aktuelle Themen Herstellung von Metallerzeugnissen (+14,8). Überkapazitäten etwa in der Stahl- erzeugung haben hierbei eine Rolle gespielt. Automobilindustrie seit der Krise mit kräftigen Zuwächsen In der Automobilindustrie (+2,1%) sowie der Elektrotechnik (+0,5%) fiel der Be- schäftigungszuwachs im Betrachtungszeitraum deutlich geringer aus. In der Automobilindustrie ist das u.a. darauf zurückzuführen, dass bereits zwischen 2005 und dem Beginn der Krise Ende 2008 die Beschäftigung tendenziell ab- nahm; darin unterscheidet sie sich von den meisten anderen Sektoren. Der Rückgang setzte sich während der Rezession zwar beschleunigt fort. Seit dem Tiefpunkt Anfang 2010 ist jedoch ein überproportional starker Beschäftigungs- zuwachs in der Automobilindustrie zu verzeichnen. In dieser Zeit wuchs die inländische Produktion in der Automobilindustrie deutlich schneller als im Durchschnitt des Verarbeitenden Gewerbes. Insgesamt hat sich (nicht nur) in der Automobilindustrie der Anteil der hochqualifizierten Arbeitskräfte (z.B. im F&E-Bereich) an der Gesamtzahl der Beschäftigten erhöht. Der Anteil der Mit- arbeiter in der Produktion ist dagegen gesunken. Hier ist die Konkurrenz zu Produktionsstätten im Ausland besonders groß. Dies trifft auch auf Teile der Elektrotechnik zu, was hier den unterdurchschnittlichen Beschäftigungsaufbau erklärt. Die Chemieindustrie ist die einzige der hier betrachteten Branchen, in der im 1. Halbjahr 2016 die Zahl der Beschäftigten niedriger ausfällt als im 1. Halbjahr 2005 (-0,6%). Maßgeblich hierfür sind u.a. das schwache inländi- sche Produktionswachstum der Branche sowie die unterdurchschnittlichen In- vestitionen der Chemieindustrie in hiesige Standorte. Das reale Nettoanlage- vermögen der Chemieindustrie in Deutschland ist in den letzten Jahren stetig gesunken. Unter dem Strich lässt sich zur Beschäftigungsentwicklung im Verarbeitenden Gewerbe in Deutschland in den letzten Jahren ein positives Fazit ziehen. Trotz anhaltender Maßnahmen zur Steigerung der Produktivität in den Unternehmen, einer nur verhaltenen Produktions- und Investitionstätigkeit der Industrie im In- land sowie intensiver internationaler Konkurrenz nahm die Zahl der Beschäftig- ten seit der Rezession und auch im langfristigen Vergleich zu. Hierzu haben auch die bis Mitte der letzten Dekade durchgeführten Arbeitsmarktreformen beigetragen. Seit einiger Zeit verlangsamt sich jedoch der Beschäftigungsauf- bau in Deutschland. Dies dürfte auf das nur geringe globale BIP- und Investiti- onswachstum sowie politische und wirtschaftliche Risiken in und außerhalb Europas zurückzuführen sein. Hinzu kommt, dass verschiedene Industriebran- chen Erweiterungsinvestitionen eher im Ausland statt im Inland tätigen. Durch Entscheidungen der aktuellen Bundesregierung haben sich zudem die regulato- rischen Rahmenbedingungen z.B. im Bereich der Arbeitsmarkt- und Rentenpoli- tik eher verschlechtert. Zunehmend macht sich aber auch das sinkende Arbeits- kräftepotenzial bemerkbar. Letztlich erwarten wir, dass die Industriebeschäfti- gung bis einschließlich 2017 in etwa stagnieren wird. Eine solche Stagnation würde jedoch auf einem sehr hohen Niveau erfolgen. Mögliche Effekte durch eine erfolgreiche Integration von Migranten dürften sich erst in den Folgejahren niederschlagen. Philipp Büchner Eric Heymann (+49 69 910-31730, eric.heymann@db.com) 17,2 14,5 14.4 11,9 7.6 6.3 5,6 22,4 Maschinenbau Automobilindustrie Metallindustrie Elektrotechnik Ernährungsgewerbe Gummi - u. Kunststoffindustrie Chemieindustrie Rest Quellen: Statistisches Bundesamt, Deutsche Bank Research Ein Sechstel aller Beschäftigten ist im Maschinenbau angestellt 2 Anteil an Beschäftigten im Verarbeitenden Gewerbe, Deutschland, 1. Halbjahr 2016, % 0,0 0,2 0,4 0,6 0,8 1,0 1,2 1,4 15 16 Quelle: Statistisches Bundesamt Dynamik lässt etwas nach 3 Beschäftigte im Verarbeitenden Gewerbe in Deutschland auf Monatsbasis, % gg. Vj. Ausblick Deutschland 18 | 2. September 2016 Aktuelle Themen EZB-Treffen: Gute Gründe abzuwarten — Wir hatten erwartet, dass die EZB auf ihrer Sitzung im September auf Nummer sicher gehen und QE um weitere 9-12 Monate verlängern würde. Aufgrund jüngster Entwicklungen erwarten wir jetzt, dass die EZB ihre Poli- tik am 8. September nicht verändern und erst im Dezember eine Verlänge- rung von QE ankündigen wird. — Für den EZB-Rat gibt es mehrere Gründe, die für eine abwartende Haltung sprechen. Die Auswirkungen des Brexit waren bis jetzt wesentlich weniger dramatisch als befürchtet. Eine sich abzeichnende aggressivere Haltung der Fed könnte über den Wechselkurs entlasten. Überdies entwickelt sich der Kreditimpuls weiterhin günstig und im letzten Bank Lending Survey war kei- ne Verschlechterung zu erkennen. Der EZB wird zunehmend klar, dass die Märkte sich Sorgen über die Profitabilität des Bankensektors machen, was den geldpolitischen Transmissionsmechanismus schwächen könnte. Diese Zusammenhänge möchte sie wohl zunächst weiter untersuchen. — Wir erwarten aber weiterhin einen taubenhaften Ton. Das gesamtwirtschaft- liche Umfeld bleibt weiterhin sehr unsicher und die EZB wird Spekulationen an den Märkten verhindern wollen, dass ihre Untätigkeit im September ein Indiz für einen anstehenden Politikwechsel sein könnte. Wir erwarten, dass die EZB ihre Bereitschaft unterstreicht, falls notwendig mit allen ihr zur Ver- fügung stehenden Mitteln zu agieren, um eine unerwünschte Verschärfung der Bedingungen an den Finanzmärkten zu verhindern. — Unsere Prognoseänderung war eine knappe Entscheidung. Es besteht nach wie vor ein erhebliches Risiko, dass die EZB bereits im September eine Verlängerung von QE ankündigt. Eine derartige Entscheidung müsste von Maßnahmen begleitet werden, die sicherstellen, dass der EZB ein entspre- chendes Volumen geeigneter Vermögenstitel zur Verfügung steht. Dazu müsste sie wohl die Obergrenze für ihre Käufe von Nicht-CAC-Anleihen von 33 auf 50% erhöhen. Wir erwarten weiterhin nicht, dass eine Senkung des Einlagezinssatzes Teil eines EZB-Maßnahmenpakets sein wird. Ziel: Geldpolitischen Expansionsgrad beibehalten Die Zusammenfassung der letzten EZB-Sitzung vom 21. Juli machte deutlich, dass die EZB darauf abzielt, den Grad der geldpolitischen Akkommodation bei- zubehalten. Wir glauben, diese Absicht wird auch auf der Sitzung am 8. Sep- tember im Vordergrund stehen. — Kein Anlass für weitere Lockerungen. Bereits am 21. Juli zeigte sich der EZB-Rat zufrieden mit der Resilienz der europäischen Finanzmärkte nach dem Brexit-Votum. Neuere Daten dürften die Einschätzung der EZB bestä- tigt haben. Auch die Ergebnisse des jüngsten EBA-Stresstests haben die Märkte kaum belastet, wenngleich deren vollständige Auswirkungen erst im Rahmen des SREP-Verfahrens (Supervisory Review and Evalution Pro- cess) sichtbar werden dürften. Auch erscheint die globale Konjunktur ver- gleichsweise stabil. — Aber auch keine Gründe für eine Verschärfung. Dem EZB-Rat werden bei seiner Sitzung am 8. September die neuen Projektionen des Stabes vorlie- gen. Die Erwartungen für das BIP-Wachstum dürften wohl leicht nach unten revidiert werden – zumindest für 2017 –, um die nach dem Brexit-Votum ge- stiegene Unsicherheit zu reflektieren. Der handelsgewichtete Wechselkurs des Euro ist etwas niedriger als im Juni. Der Effekt auf die Inflationsprogno- se dürfte aber durch den gesunkenen Ölpreis ausgeglichen werden. Ange- sichts des schwächeren Wachstumsausblicks dürfte die Inflationsprognose 0 0,2 0,4 0,6 0,8 1 1,2 14 15 16 SIREN - Momentum Exponentiell gewichtetes standardisiertes Momen- tum makroökonomischer Daten, 3M-Schnitt Quellen: Deutsche Bank Research, Bloomberg Finance LP, Haver SIREN-Momentum bleibt im stabilen Wachstums-Kanal 1 Ausblick Deutschland 19 | 2. September 2016 Aktuelle Themen bestenfalls leicht nach unten angepasst werden - aber nicht in einem Aus- maß, welches eine geldpolitische Lockerung rechtfertigen würde. Vorsicht: Die geldpolitische Ausrichtung ist nicht statisch Selbst wenn es derzeit keinen Auslöser für eine aktive Anpassung der Geldpoli- tik geben dürfte, muss doch der EZB-Rat überprüfen, ob sich der Grad der geldpolitischen Lockerung – beispielsweise durch Veränderungen des geldpoli- tischen Transmissionsprozesses – verändert haben könnte, und ob dies ein Nachsteuern notwendig macht. — Der Rat glaubt, dass frühere Maßnahmen noch weiter Wirkung entfalten werden. Insbesondere vom Ankaufprogramm für Unternehmensanleihen und dem TLTRO2 erwartet der Rat noch weitere Impulse. Er dürfte daher deren Effekte zunächst abwarten, bevor er über weitere Lockerungsschritte entscheidet. — Die Zinspolitik hat dynamische Effekte auf die Banken. Nach Meinung des EZB-Rates sind die Effekte der Geldpolitik nicht schädlich für das Banksys- tem. Nach Ansicht von Benoît Cœuré haben die Zinsen noch nicht ein Ni- veau erreicht, an dem die negativen Effekte überwiegen, allerdings akzep- tiert die EZB, dass einige der positiven Wirkungen – wie beispielsweise die Kursgewinne – zukünftig nachlassen. In seiner Rede in Jackson Hole kon- zedierte Cœuré, dass es zu einer Situation kommen könnte, in der die ne- gativen Auswirkungen dominieren. — Das Eingeständnis möglicher Kosten impliziert keine Umkehr der Geldpoli- tik. Zunächst sind die Bankgewinne das Ergebnis von Aufwand und Ertrag. Die EZB hält die Banken weiterhin an, mehr Einnahmen durch Kommissio- nen und Gebühren zu erwirtschaften und ihre Kosten besser zu kontrollie- ren. Zweitens betonte Cœuré häufiger mikro- und makroprudentielle Mittel, um die negativen Konsequenzen dauerhaft niedriger Zinsen auf die Finanz- stabilität im Zaum zu halten. Wir halten zwar nach wie vor eine Differenzie- rung zwischen dem Einlagesatz und dem Satz für bedingte TLTRO2-Mittel für sinnvoll, sehen aber derzeit wenig Bereitschaft bei der EZB, in diese Richtung zu gehen. — Eine QE-Verlängerung vor dem Jahresende ist notwendig, um eine geldpoli- tische Verschaffung zu vermeiden. Erst nach dem September über eine Verlängerung zu entscheiden, erhöht aus Sicht der Märkte das Risiko, dass sie vielleicht ganz vom Tisch ist und es in 2017 eventuell zu einem „tapering“ kommt. Man sollte daher eine Verlängerung von QE nicht als wei- tere Lockerung, sondern eher als die Vermeidung einer Straffung der Geld- politik interpretieren. Ein Aufschub dieser Entscheidung muss daher sorgfäl- tig erklärt werden. Prognoseänderung: Die EZB hat Gründe abzuwarten Wir hatten erwartet, dass die EZB auf ihrer Sitzung im September auf Nummer sicher gehen würde und QE um weitere 9-12 Monate verlängern, aber den Einlagesatz nicht weiter senken würde. Die Verlängerung von QE wäre wohl von Maßnahmen begleitet worden, die den Pool zur Verfügung stehender Ver- mögenstitel entsprechend erhöht hätten – höchstwahrscheinlich durch eine An- hebung des Kauflimits für non-CAC-Anleihen von 33% auf 50%. Aufgrund jüngster Entwicklungen erwarten wir jetzt, dass die EZB ihre Politik am 8. September nicht verändern und erst im Dezember eine Verlängerung von QE ankündigen wird. Unsere Prognoseänderung war eine knappe Entscheidung. Es besteht nach wie vor ein erhebliches Risiko, dass die EZB bereits im September - 30 - 20 - 10 0 10 20 30 40 10 11 12 13 14 15 16 Quellen: Deutsche Bank Research, EZB Kreditvergabe an Haushalte und nicht - finanzielle Unternehmen, Mrd. EUR, 6 - Monatsschnitt Kreditvergabe weiterhin robust 2 Ausblick Deutschland 20 | 2. September 2016 Aktuelle Themen eine Verlängerung von QE ankündigt. Insgesamt überwiegen aber nach unserer Meinung die Gründe, die für eine abwartende Haltung sprechen. — Die Auswirkungen des Brexit waren bis jetzt wesentlich weniger dramatisch als befürchtet. Die Vertrauensindikatoren (PMI, nationale Erhebung) waren zwar durchwachsen, gaben aber keine Indikation für einen unmittelbaren, massiven Einbruch. Die EZB interpretiert zwar Brexit als einen fundamenta- len Schock für das Vereinigte Königreich und den Rest Europas; dieser dürfte sich aber erst mittelfristig in der wirtschaftlichen Entwicklung manifes- tieren. — Eine sich abzeichnende aggressivere Haltung der Fed könnte über den Wechselkurs entlasten. Ein schwächerer Euro würde das Wachstum und die Inflationsentwicklung stützen. Zwar wird die EZB alles vermeiden, was den Eindruck einer aktiven Wechselkurspolitik vermitteln könnte, aber deut- licher divergierende geldpolitische Zyklen auf beiden Seiten des Atlantiks würden der Eurozone helfen. Der handelsgewichtete Wechselkurs liegt un- gefähr auf dem Niveau der letzten vier bis fünf Monate ist aber in den letz- ten Tagen fast ein Prozent gefallen. Solche Phasen waren in der Vergan- genheit häufig nicht von Dauer, aber angesichts der relativ stabilen wirt- schaftlichen Entwicklung in der Eurozone dürfte die EZB geneigt sein, die nächste Sitzung der Fed am 21. September abzuwarten. Auch das britische Pfund hat sich dank der zuletzt besseren britischen Daten gegenüber dem Euro gefestigt. — Die EZB möchte den geldpolitischen Transmissionsprozess beobachten. Im Juli urteilte die EZB, dass der Transmissionsprozess bis jetzt gut funktioniert habe. Allerdings ist sich die EZB zunehmend des Risikos bewusst, dass das Durchwirken ihrer Politik durch das Bankensystem potenziell gefährdet ist. Sie sieht aufgrund des niedrigen Wachstums, der niedrigen Zinsen und des hohen Bestandes an notleidenden Krediten eine zunehmende Verunsiche- rung der Markteinschätzung mit Blick auf die Profitabilität des Bandsystems. Da aber der Kreditimpuls sich weiterhin günstig entwickelt und im letzten Bank Lending Survey keine Verschlechterung zu erkennen ist, dürfte die EZB aktuell am Status quo festhalten. — Bei bestimmten Themen möchte die EZB eine fundierte Einschätzung. Dies betrifft beispielsweise die Lohnentwicklung oder die Inflationserwartungen. In der Zusammenfassung der Sitzung vom 21. Juli wurde beispielsweise auf die Diskrepanz zwischen marktbasierten und umfragebasierten Inflations- erwartungen hingewiesen. Dabei dürften technische Faktoren eine vorsich- tige Interpretation der marktbasierten Erwartungen nahelegen, was implizit eine geringere Sorge seitens der EZB über die niedrigen marktbasierten Erwartungen und damit mehr Geduld der EZB nahelegt. Abwarten mit taubenhaften Zwischentönen Im September dürfte die EZB wohl eine abwartende Haltung einnehmen. Die Zwischentöne bei der letzten Pressekonferenz am 21. Juli waren taubenhafter, aber unserer Einschätzung nach weniger taubenhaft als sie hätten sein können. Die Tür für weitere Lockerungsschritte war offen, aber die EZB bewegte sich nicht. Die EZB dürfte unserer Ansicht nach versuchen, diese Botschaft auch am 8. September zu vermitteln. In der Zwischenzeit dürfte es kein Ereignis gegeben haben, dass eine weitere geldpolitische Lockerung nahelegt. Allerdings bleibt das Umfeld insgesamt sehr unsicher und die EZB dürfte wohl mit allen Mitteln dem möglichen Eindruck ent- gegentreten, dass durch ein Abwarten im September ein geldpolitischer Kurs- wechsel angedeutet werden könnte. 1,6 1,65 1,7 1,75 1,8 1,85 1,9 1,95 2 2,05 00 02 04 06 08 10 12 14 16 Quelle: EZB EZB-Umfrage unter prof. Prognostikern, Inflationsrate in 5 Jahren, % Langfristige Inflationserwartungen: Tiefer aber stabil 3 Ausblick Deutschland 21 | 2. September 2016 Aktuelle Themen Sie wird daher betonen, dass sie bereit ist, alle ihr zur Verfügung stehenden Mittel einzusetzen. Sie dürfte die derzeit bestehenden Unsicherheiten und ihre intensive Überwachung der Wirtschaft der Finanzmärkte und des Transmissi- onsprozesses betonen. Mario Draghi wird die Kapazität der EZB, ihre Geldpoli- tik weiter zu lockern, herausstellen, ohne dabei ins Detail zu gehen. Die Reden in Jackson Hole haben uns vor Augen geführt, dass ein Geldpolitiker niemals zugeben wird, dass ihm die Mittel ausgehen. Mark Wall (+44 20 754-52087, mark.wall@db.com) Stefan Schneider (+49 69 910-31790, stefan-b.schneider@db.com) Ausblick Deutschland 22 | 2. September 2016 Aktuelle Themen DB Makro-Überraschungsindex Deutschland Der DB Makro - Überraschungsindex vergleicht den Wert der veröffentlichten Konjunkturdaten mit den Markterwartungen und liefert damit Hinweise über die Richtung künftiger Prognoseanpassungen. 5 Heiko Peters (+49 69 910-21548, heiko.peters@db.com) 5 Siehe für Details Ausblick Deutschland. 4. August 2014. Letzte 20 veröffentlichte deutsche Konjunkturdaten DX Bloomberg TickerIndikator Berichts- monat Veröffentlich- ungsdatum Aktueller Wert Bloomberg Konsensus Überra- schung Standardisierte Überraschung Quantils- rang GRIFPBUS Indexifo Geschäftsklimaindex7 201625.07.16108,3107,50,80,50,7 GRIMP95Y IndexImportpreise (% gg. Vj.)6 201627.07.16-4,6-4,60,00,30,7 GRUECHNG IndexVeränderung Arbeitslose (Tsd. gg. Vm.)7 201628.07.16-7,0-4,03,0-0,10,5 GRFRIAMM IndexEinzelhandelsumsätze (% gg. Vm.)6 201629.07.16-0,60,1-0,7-0,30,3 MPMIDEMA IndexPMI Verarbeitendes Gewerbe7 201601.08.1653,853,70,10,10,5 MPMIDESA IndexPMI Dienstleistungssektor7 201603.08.1654,454,6-0,2-0,20,4 GRIORTMM IndexAuftragseingänge (% gg. Vm.)6 201605.08.16-0,40,5-0,9-0,50,3 GRIPIMOM IndexIndustrieproduktion (% gg. Vm.)6 201608.08.160,80,70,10,20,6 GRCAEU IndexLeistungsbilanzsaldo (EUR Mrd.)6 201609.08.1626,323,03,30,60,7 GRCP20YY IndexVPI (% gg. Vj.)7 201612.08.160,40,40,00,30,3 GRZECURR IndexZEW - Konjunktur (Situation)8 201616.08.1657,650,27,41,00,8 GRZEWI IndexZEW - Konjunktur (Erwartungen)8 201616.08.160,52,0-1,5-0,20,5 MPMIDESA IndexPMI Dienstleistungssektor8 201623.08.1653,354,4-1,1-1,20,1 MPMIDEMA IndexPMI Verarbeitendes Gewerbe8 201623.08.1653,653,60,00,00,5 GRGDPPGQ IndexBIP (% gg. Vq.)6 201624.08.160,40,40,0-0,10,3 GRIFPBUS Indexifo Geschäftsklimaindex8 201625.08.16106,2108,5-2,3-1,90,0 GRCP20YY IndexVPI (% gg. Vj.)8 201630.08.160,40,5-0,1-0,30,2 GRIMP95Y IndexImportpreise (% gg. Vj.)7 201630.08.16-3,8-4,00,20,50,8 GRUECHNG IndexVeränderung Arbeitslose (Tsd. gg. Vm.)8 201631.08.16-7,0-4,03,0-0,10,5 GRFRIAMM IndexEinzelhandelsumsätze (% gg. Vm.)7 201631.08.161,70,51,21,20,9 Quellen: Bloomberg Finance LP, Deutsche Bank Research -0,5 -0,4 -0,3 -0,2 -0,1 0,0 0,1 0,2 0,3 0,4 0,5 14 15 16 DB Makro - Überraschungsindex +/ - 1 Standardabweichung DB Makro-Überraschungsindex Deutschland Durchschnitt der z-Werte der vergangenen 20 Datenüberraschungen Werte über (unter) 0 bedeuten über (unter) der Markterwartung liegende Datenveröffentlichungen Quellen: Bloomberg Finance LP, Deutsche Bank Research Ausblick Deutschland 23 | 2. September 2016 Aktuelle Themen Exportindikator 2016: Nachfrageimpuls weiter schwach – Preisimpuls ins Negative gedreht Der Exportindikator identifiziert die Auswirkungen von globalen Nachfrageveränderungen und von Währung s- bewegungen (Preisimpuls) auf die deutschen Exporte. 6 Heiko Peters (+49 69 910-21548, heiko.peters@db.com) 6 Siehe für Details Ausblick Deutschland, 3. März 2016. Ausblick Deutschland 24 | 2. September 2016 Aktuelle Themen Dieter Bräuninger (+49 69 910-31708, dieter.braeuninger@db.com) Deutschland: Termine der Finanz-, der Wirtschafts- und der Europapolitik DX Datum Ereignis Anmerkungen 4. Sep. Landtagswahl in Mecklenburg - Vorpommern In dem von einer SPD/CDU - Koalition regierten Bundesland zeichnen sich bei den Wahlen für beide Parteien, aber insbesondere für die SPD, erhebliche Verluste ab. Ob sie erneut eine Koalition bilden können, ist wegen der Stärke der AfD offen. 4./5. Sep. G20 - Gipfel, Hangzhou (China) U.a. Debatte über Förderung des Wirtschaftswachstums durch Innovationen (digitale Wirtschaft), Strukturreformen, Welthandel und globale Regeln für Auslandsinvestitionen sowie über vertiefte Reformen der Architektur intern a- tiona ler Finanzmärkte. 8. Sep. Sitzung des EZB - Rates, Pressekonferenz Unsere Erwartung bleibt bestehen: Eine weitere Verminderung des Einl a- gensatzes ist wegen des Drucks auf Banken unwahrscheinlich. Wir erwarten im September jedoch eine Verlängerung des QE - Pr ogramms um 9 bis 12 Monate sowie Maßnahmen, die sicherstellen, dass in hinreichendem Maß Wertpapiere gekauft werden können, z.B. erhöhte Limits in Bezug auf ei n- zelne Emissionen. 9./10. Sep. Eurogruppe und (informeller) ECOFIN, Bratislava Lage in Griechen land, Q ualität öffentlicher Finanzen in der Euroz one – Überprüfung staatl icher Ausgaben, Vorbereitung G7 - Treffen einschließl. Debatte über Wechselkurse. 16. Sep. (Informeller) Europäischer Rat, Bratislava Debatte über die Zukunft der EU, Konsequenzen des britischen EU - Referendums. 18. Sep. Wahl zum Abgeordnetenhaus von Berlin Umfragen zufolge dürfte die regierende SPD/CDU - Koalition ihre Mehrheit im Abgeordnetenhaus verlieren. Ein starkes Ergebnis der AfD könnte die Bi l- dung einer neuen Regierung schwierig machen, da sich dann drei Parteien zusammenfinden müssten. 10./11. Okt. Eurogruppe und ECOFIN, Luxemburg U.a. finanzwirtschaftliche un d makroökonomische Stabilität in der Eurozone, thematische Debatte ü ber Wachstum u. Beschäftigung: Gesundheits - wesen/Pflege. 20. Okt. Sitzung des EZB - Rates, Pressekonferenz Überprüfung des geldpolitischen Kurses. 20./21. Okt. Europäischer Rat, Brüssel Voraussichtlich Flüchtlingskrise – u.a. Stand der Umsetzung des EU - Türkei - Abkommens, Folgen des Referendums in GB. 7./8. Nov. Eurogruppe und ECOFIN, Brüssel Debatten über wirtschaftliche Lage bzw. Herbst - Prognose der EU - Kommission, über Entwicklung der Inflation, Lage in Gri echenland, Spanien und Zypern – Überwachung (nach Ende der Anpassungsprogramme) 6. bzw. 1. Überprüfung, Bankenunion. Quelle: Deutsche Bank Research Ausblick Deutschland 25 | 2. September 2016 Aktuelle Themen Heiko Peters (+49 69 910-21548, heiko.peters@db.com) Oliver Rakau (+49 69 910-31875, oliver.rakau@db.com) Deutschland: Datenkalender DX Datum Uhrzeit Daten Berichtszeitraum DB Schätzung Letzter Wert 6. Sep . 2016 8:00 Auftragseingang im Ver. Gewerbe (Index, sb.), % gg. Vm. Juli 2,5 - 0,4 7. Jul i 2016 8:00 Industrieproduktion (Index, sb.), % gg. Vm. Juli - 0,7 0,8 9. Sep . 2016 8:00 Handelsbilanz (EUR Mrd., sb.) Juli 22,2 21,5 9. Sep . 2016 8:00 Warenexporte (EUR Mrd., sb.), % gg. Vm. (gg. Vj.) Juli 2,2 (0,0) 0,2 ( - 0,8) 9. Sep . 2016 8:00 Warenimporte (EUR Mrd., sb.), % gg. Vm. (gg. Vj.) Juli 2,0 ( - 0,6) 1,1 ( - 1,0) 23. Sep . 2016 9:30 PMI Verarbeitendes Gewerbe (Flash) September 53,2 53,6 23. Sep . 2016 9:30 PMI Dienstleistungssektor (Flash) September 53,7 53,3 26. Sep . 2016 10:30 ifo Geschäftsklima (Index, sb.) September 106,5 106,2 29. Sep . 2016 14:00 Vorläufiger VPI (sb.), % gg. Vm. (gg. Vj.) September 0,1 (0,6) 0,0 (0,4) 29. Sep . 2016 10:00 Arbeitslosenrate (%, sb.) September 6,1 6,1 29. Sep . 2016 8:00 Einfuhrpreise (Index, sb.) % gg. Vm. (gg. Vj.) August 0,1 ( - 2,3) 0,1 ( - 3,8) 30. Sep . 2016 8:00 Einzelhandelsumsätze (Index, sb.), % gg. Vm. August - 1,0 1,7 15. Nov . 2016 8:00 Reales BIP (Index, sb.), % gg. Vq. Q3 2016 0,2 0,4 Quellen: Deutsche Bank Research, Statistisches Bundesamt, Bundesagentur für Arbeit, ifo, Markit Ausblick Deutschland 26 | 2. September 2016 Aktuelle Themen Finanzmarktprognosen DX US JP EWU GB CH SE DK NO PL HU CZ Le itzinssatz, % Aktuell 0,375 - 0,10 0,00 0,25 - 0,75 - 0,50 0,05 0,50 1,50 0,90 0,05 Sep 16 0,375 - 0,20 0,00 0,10 - 0,75 - 0,50 0,05 0,25 1,50 0,90 0,05 Dez 16 0,625 - 0,20 0,00 0,10 - 0,75 - 0,50 0,05 0,25 1,50 0,90 0,05 Mrz 17 0,625 - 0,20 0,00 0,10 - 0,75 - 0,50 0,05 0,25 1,50 0,90 0,05 3M Geldmarktsatz, % Aktuell 0,84 0,06 - 0,30 0,38 Sep 16 0,58 0,05 - 0,30 0,26 Dez 16 0,83 0,05 - 0,30 0,22 Mrz 17 0,83 0,05 - 0,35 0,21 Rendite 10J Staatsanleihen, % Aktuell 1,57 - 0,05 - 0,13 0,58 Sep 16 1,25 - 0,15 - 0,10 0,60 Dez 16 1,25 - 0,10 - 0,05 0,65 Mrz 17 1,25 - 0,10 0,05 0,70 Wechselkurse EUR/USD USD/JPY EUR/GBP GBP/USD EUR/CHF EUR/SEK EUR/DKK EUR/NOK EUR/PLN EUR/HUF EUR/CZK Aktuell 1,12 103,37 0,84 0,75 1,10 9,58 7,44 9,31 4,36 310,05 27,03 Sep 16 1,08 97,00 0,88 1,23 1,10 9,24 7,46 9,20 4,34 318,08 27,10 Dez 16 1,05 94,00 0,91 1,15 1,12 8,90 7,46 9,00 4,30 320,00 27,10 Mrz 17 1,01 94,00 0,88 1,15 1,16 8,80 7,46 8,94 4,23 321,25 27,10 Quellen: Bloomberg, Deutsche Bank Ausblick Deutschland 27 | 2. September 2016 Aktuelle Themen Deutschland: Datenmonitor DX Q3 2015 Q4 2015 Q1 2016 Q2 2016 Q3 2016 Mrz 2016 Apr 2016 Mai 2016 Jun 2016 Jul 2016 Aug 2016 Konjunkturumfragen Gesamtwirtschaft ifo Geschäftsklima 108,4 108,6 106,7 107,7 106,9 106,7 107,8 108,7 108,3 106,2 ifo Geschäftserwartungen 102,7 104,3 100,6 101,7 100,2 100,4 101,7 103,1 102,1 100,1 Produzierendes Gewerbe ifo Verarbeitendes Gewerbe 103,0 103,3 100,6 101,8 100,5 100,8 101,6 102,9 102,4 100,7 Produktion (% gg. Vp.) - 0,1 - 0,4 1,7 - 1,0 - 1,2 0,4 - 0,9 0,8 Auftragseingang (% gg. Vp.) - 2,0 0,6 0,8 - 0,5 2,6 - 1,9 0,1 - 0,4 Grad der Kapazitätsauslastung 84,3 84,4 85,1 84,4 84,7 Bauhauptgewerbe Produktion (% gg. Vp.) - 0,6 3,5 1,4 - 5,1 - 5,1 - 3,7 0,3 1,4 Auftragseingang (% gg. Vp.) 0,7 10,2 6,3 0,0 - 0,2 - 0,9 3,5 - 1,8 ifo Bauhauptgewerbe 121,4 123,3 122,6 124,5 122,5 123,1 124,9 125,6 126,0 126,0 Ko nsumentennachfrage EC Konsumentenbefragung - 0,3 - 4,4 - 6,1 - 3,2 - 6,2 - 4,8 - 3,2 - 1,6 - 2,1 - 2,5 Einzelhandelsumsätze (% gg. Vp.) 0,6 0,2 0,4 - 0,4 - 1,0 0,0 0,8 - 0,6 1,7 Neuzulassungen PKW (% gg. Vj.) 6,1 5,7 4,5 9,4 0,0 8,4 11,9 8,3 - 3,9 Außenhandel Auslandsaufträge (% gg. Vp.) - 3,7 0,2 2,1 - 1,4 4,4 - 4,3 1,9 - 1,2 Exporte (% gg. Vp.) - 1,0 - 0,6 0,3 0,7 1,9 0,2 - 1,9 0,2 Importe (% gg. Vp.) 0,9 - 0,8 - 0,2 - 1,6 - 2,3 - 0,4 0,1 1,1 Nettoexporte (EUR Mrd.) 60,3 60,6 61,9 67,7 23,5 24,1 22,2 21,5 Ar beitsmarkt Arbeitslosenquote (%) 6,4 6,3 6,2 6,1 6,2 6,2 6,1 6,1 6,1 6,1 Veränderung Arbeitslosigkeit (Tsd. gg. Vp.) - 3,0 - 23,7 - 40,0 - 30,3 - 2,0 - 17,0 - 10,0 - 6,0 - 8,0 - 7,0 Beschäftigung (% gg. Vj.) 0,9 1,1 1,2 1,2 1,2 1,2 1,2 1,2 1,2 ifo Beschäftigungsbarometer 108,1 109,7 108,4 108,2 107,5 108,3 108,3 108,0 108,1 108,7 Pr eise, Löhne und Arbeitskosten Preise HVPI (% gg. Vj.) 0,0 0,2 0,1 0,0 0,1 - 0,3 0,0 0,2 0,4 Kern - HVPI (% gg. Vj.) 1,0 1,2 1,1 1,0 1,3 0,7 1,1 1,2 1,3 Harmonisierter PPI (% gg. Vj.) - 1,7 - 2,3 - 2,8 - 2,6 - 3,1 - 3,1 - 2,7 - 2,2 - 2,0 Rohstoffe ohne Energie (% gg. Vj.) - 8,7 - 12,6 - 14,6 - 6,5 - 11,2 - 8,5 - 6,9 - 3,9 0,2 Ölpreis (USD) 51,3 44,8 35,1 46,9 39,8 43,2 47,7 49,9 46,6 Inflationserwartungen EC Haushaltsumfrage 4,9 4,0 5,3 3,6 4,3 3,0 1,9 5,9 4,9 7,2 EC Unternehmensumfrage 0,8 1,5 - 2,4 1,7 - 3,5 - 0,5 2,4 3,2 4,8 1,6 Lohnstückkosten (gg. Vj.) Lohnstückkosten 1,5 1,7 2,0 0,3 Arbeitnehmerentgelt je Arbeitnehmer 2,4 2,4 2,5 1,9 Arbeitnehmerentgelt je Stunde 2,6 1,9 3,3 0,1 Monetärer Sektor (gg. Vj.) M3 8,2 9,2 7,8 7,2 7,8 7,1 7,2 7,2 7,4 Trend von M3* 7,7 7,3 7,2 7,2 Kredite an Unternehmen und Privatpersonen 2,5 2,7 2,0 2,7 2,0 2,5 2,7 2,7 Kredite an öffentliche Haushalte 11,1 11,7 - 9,1 9,7 - 9,1 - 5,0 1,4 9,7 % gg. VP = Veränderung gegenüber der Vorperiode; * zentrierter 3M - Durchschnitt Quellen: Bundesagentur für Arbeit, Deutsche Bundesbank, Europäische Kommission, Eurostat, Statistisches Bundesamt, HWWI, ifo, Markit Ausblick Deutschland Unsere Publikationen finden Sie unentgeltlich auf unserer Internetseite www.dbresearch.de Dort können Sie sich auch als regelmäßiger Empfänger unserer Publikationen per E - Mail eintragen. Für die Print - Version wenden Sie sich bitte an: Deutsche Bank Research Marke ting 60262 Frankfurt am Main Fax: +49 69 910 - 31877 E - Mail: marketing.dbr@db.com Schneller via E - Mail: marketing.dbr@db.com Im Ausblick Deutschland aus der Reihe Aktuelle Themen/Konjunktur we r- den volkswirtschaftliche und wirtschaftspolitische Themen zu Deutschland behandelt. Jede Ausgabe enthält zudem Übersichtstabellen zu finanz - und wirtschaftspolitischen Terminen sowie einen detaillierten Datenmonitor zu deutschen Wirtschaftsindikatoren. Die Ausgabe erscheint monatlich.  EZB hilft Industrien und treibt Immobilienpreise ................ 27. Jul i 2016  Deutscher Konsument vs. Brexit ................................ .......... 4 . Jul i 2016  Wachstums - und Fiskalausblick: Risiken bleiben ............... 3. Juni 2016  W ie die Rente finanzieren? ................................ ................ 12. Mai 2016  Solides Wachstum, aber Probleme bei Export und Bau ................................ .............................. 5. April 2016  Wachstum 2016: Exportindikator dämpft, Binnenwirtschaft lä uft dank Staat und Bau ........................ 3. März 2016  Wachstum über Potenzial, keine Lohnexzesse ............ 28. Januar 2016  Verstärkte Binnendynamik im Jahr 2016 ................ 16 . Dezember 2015  Binnenkonjunktur läuft – aber keine Übertreibungen ................................ ........ 5. November 2015  Migration, Metropolregion, Inflation ............................... 2. Oktober 2015  Solides BIP, Haushaltsüberschüsse, aber neue Herausforderungen ................................ . 1. September 2015  Risse im Fundament? ................................ ..................... 3. August 2015  Höhere Inflationsraten trotz gedämpfter Kerninflation ................................ ................... 29. Juni 2015  Reduzierte BIP - Prognose – Binnenkonjunktur aber intakt ................................ ............... 1. Juni 2015  Deutsches Sparverhalten vor QE - Herausforderungen ................................ ..................... 30. April 2015  2015: Konjunkturerholung mit Risiken ............................ 6. Januar 2015  Strukturelle Verlangsamung des Welthandels belastet deutsches BIP - Wachstum ........................... 2. Dezember 2014  Weitere Enttäuschungen ................................ ........... 5. Nov ember 2014  Ice bucket challenge und strukturelle Investitionslücke ................................ .... 2. September 2014 © Copyright 2016. Deutsche Bank AG, Deutsche Bank Research, 60262 Frankfurt am Main, Deutschland. Alle Rechte vorbehalten. Bei Zitaten wird um Quellenangabe „Deutsche Bank Research“ gebeten. Die vorstehenden Angaben stellen keine Anlage-, Rechts- oder Steuerberatung dar. 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