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8. Mai 2018
Schwächere Daten sind noch kein Grund, das Handtuch zu werfen, trotzdem haben wir unsere BIP-Prognose auf 2% gesenkt. Deutschlands BIP dürfte im ersten Quartal um rund ¼% gg. Vq. gestiegen sein. Wir rechnen mit einer wenn auch begrenzten Gegenbewegung in Q2. Im restlichen Jahresverlauf wird das Wachstum entscheidend von den Unternehmensinvestitionen abhängen. Allerdings sind die Signale der Frühindikatoren hier eher uneinheitlich ausgefallen. Der merkliche Rückgang der Erwartungskomponente des ifo-Index deutet darauf hin, dass die Quartalswachstumsraten im laufenden Zyklus ihren Höchststand überschritten haben. Daher haben wir unsere Wachstumsprognose für das Gesamtjahr von 2,3% auf 2% gesenkt. (Weitere Themen in dieser Ausgabe: Erzeuger- und Importpreise in der Industrie, Arbeitsmigration, EZB) [mehr]
Ausblick Deutschland Schwächere Daten sind noch kein Grund, das Handtuch zu werfen, trotzdem haben wir unsere BIP-Prognose auf 2% gesenkt. Deutschlands BIP dürfte im ersten Quartal um rund ¼% gg. Vq. gestiegen sein. Wir rechnen mit einer wenn auch begrenzten Gegenbewegung in Q2. Im restlichen Jahresverlauf wird das Wachstum entscheidend von den Unternehmensinvestitionen abhängen. Aller- dings sind die Signale der Frühindikatoren hier eher uneinheitlich ausgefallen. Der merkliche Rückgang der Erwartungskomponente des ifo-Index deutet da- rauf hin, dass die Quartalswachstumsraten im laufenden Zyklus ihren Höchst- stand überschritten haben. Daher haben wir unsere Wachstumsprognose für das Gesamtjahr von 2,3% auf 2% gesenkt. Nachlassende Dynamik der Industriekonjunktur und starker Euro dämpfen Infla- tionsdruck. Die Inflationsrate in Deutschland bleibt auch 2018 unter der Marke von 2%. Die Erzeugerpreise im Verarbeitenden Gewerbe sind zu Jahresbeginn 2018 nicht mehr so stark gewachsen wie 2017; hier macht sich die Verschnauf- pause bei der Industriekonjunktur bemerkbar. Hinzu kommt, dass der starke Euro dämpfend auf die deutschen Einfuhrpreise wirkt. Diese dürften 2018 deut- lich weniger stark zulegen als 2017 oder sogar schrumpfen. Arbeitsmigration: Der Boom nährt den Boom – bislang noch. Seit 2010 sind mehr Personen aus EU-Partnerländern nach Deutschland zugewandert als aus Drittstaaten. Die mit der Migration verbundene Verdoppelung der Zahl ausländi- scher Arbeitnehmer auf 3,66 Mio. hat die Wachstumskräfte gestärkt und den Lohnanstieg gebremst. Freilich ist auch die Zahl der Sozialleistungsempfänger kräftig gestiegen – zuletzt bedingt durch die Zuwanderung Schutzsuchender. Der derzeitige Mismatch von fast 1,2 Mio. offenen Stellen bei 2,52 Mio. Arbeits- losen, darunter knapp 0,91 Mio. Beziehern von Grundsicherung, und insgesamt 4,26 Mio. erwerbsfähigen Leistungsberechtigten belegt die Herausforderung in puncto Qualifizierung und Arbeitsmarktintegration. EZB: Das Vertrauen ist weder absolut noch bedingungslos. Die vorbereitete Presseerklärung der April-Pressekonferenz verwendete praktisch unveränderte Formulierungen und der Rat zeigte sich nach wie vor zuversichtlich bezüglich Wachstum und Inflation. Dagegen schlug Draghi in der Fragerunde etwas vor- sichtigere Töne an. Der Rat hat sich nicht über die Geldpolitik ausgetauscht. Stattdessen hat er sich auf die „sehr wichtigen“ aktuellen Wirtschaftsdaten kon- zentriert. Da in den kommenden Monaten eine Entscheidung über das Ende von QE ansteht, kann die EZB nicht einfach davon ausgehen, dass die schwä- chere konjunkturelle Dynamik im ersten Quartal nur ein vorübergehendes Phä- nomen ist. Insgesamt ist die Wahrscheinlichkeit einer QE-Ankündigung im Juni unseres Erachtens gesunken. Wir rechnen jetzt damit, dass die EZB im Juli an- kündigt, QE in Q4 zu reduzieren und im Dezember zu beenden. Eine Anhebung des Einlagensatzes um 20 Bp. dürfte im Juni 2019 folgen. Autoren Dieter Bräuninger (+49) 69 910-31708 dieter.braeuninger@db.com Eric Heymann +49 69 910-31730 eric.heymann@db.com Stefan Schneider +49 69 910-31790 stefan-b.schneider@db.com Editor Stefan Schneider Deutsche Bank AG Deutsche Bank Research Frankfurt am Main Deutschland E-Mail: marketing.dbr@db.com Fax: +49 69 910-31877 www.dbresearch.de DB Research Management Stefan Schneider Inhaltsverzeichnis Seite Prognosen ......................................................2 Schwächere Daten sind noch kein Grund, das Handtuch zu werfen, trotzdem haben wir unsere BIP-Prognose auf 2% gesenkt ...3 Nachlassende Dynamik der Industriekon- junktur und starker Euro dämpfen Inflations- druck ..............................................................8 Arbeitsmigration Der Boom nährt den Boom – bislang noch ..............................................10 EZB: Das Vertrauen ist weder absolut noch bedingungslos ..............................................14 DB Makro-Überraschungsindex Deutschland .................................................16 Exportindikator .............................................17 Eventkalender ..............................................18 Datenkalender ..............................................19 Finanzmarktprognosen ................................20 Datenmonitor ................................................21 Original in englischer Sprache: 7. Mai 2018 8. Mai 2018 Nachlassende Wachstums- dynamik, aber Normalisierung der Inflation Nachlassende Wachstumsdynamik, aber Normalisierung der Inflation 2 | 8. Mai 2018 Ausblick Deutschland Wachstum, Inflation, Leistungsbilanz, Budgetsaldo DX BIP-Wachstum Inflation* Leistungsbilanzsaldo Budgetsaldo in % gg. Vj. in % gg. Vj. in % des BIP in % des BIP 2017P 2018P 2019P 2017P 2018P 2019P 2017P 2018P 2019P 2017P 2018P 2019P Euroland 2,5 2,1 1,7 1,5 1,6 1,5 3,5 3,3 2,7 -0,9 -0,6 -0,6 Deutschland 2,2 2,0 1,8 1,8 1,6 1,8 7,2 6,5 6,5 1,1 1,1 0,9 Frankreich 2,0 1,8 1,6 1,2 1,9 1,5 -0,6 -0,4 -0,4 -2,6 -2,1 -2,8 Italien 1,5 1,3 1,0 1,3 1,2 1,5 2,9 3,1 3,2 -2,3 -1,7 -1,2 Spanien 3,0 2,8 2,5 2,0 1,5 1,7 1,9 1,6 1,4 -3,1 -2,1 -1,3 Niederlande 3,2 2,5 2,5 1,3 1,3 1,8 10,2 10,2 10,1 1,1 0,5 0,4 Belgien 1,7 1,9 1,8 2,2 1,9 1,7 -0,2 -0,7 -1,0 -1,0 -1,0 -1,0 Österreich 3,0 3,0 2,3 2,2 2,1 1,8 1,9 2,4 2,7 -0,9 -0,6 -0,3 Finnland 2,7 2,3 2,1 0,8 1,2 1,4 0,7 0,5 0,5 -0,6 -0,3 -0,3 Griechenland 1,3 2,3 2,2 1,1 0,6 1,0 -0,8 -0,5 0,0 0,8 1,5 2,0 Portugal 2,7 2,2 1,7 1,6 1,0 1,5 0,6 0,4 0,2 -3,0 -1,0 -1,0 Irland 7,8 5,4 3,3 0,3 1,0 1,3 12,5 6,0 3,0 -0,3 0,1 -0,4 Großbritannien 1,8 1,3 1,6 2,7 2,4 2,1 -4,1 -3,8 -3,5 -1,9 -1,9 -1,4 Dänemark 2,2 2,0 1,9 1,1 1,5 1,6 7,5 7,5 7,0 -1,0 -0,5 -0,5 Norwegen 1,9 2,2 2,0 1,9 1,9 1,8 6,0 6,0 5,5 3,5 4,0 5,0 Schweden 2,7 2,7 2,4 1,8 1,9 2,0 5,0 4,0 4,0 1,3 1,0 0,5 Schweiz 1,0 2,2 1,8 0,6 0,5 0,6 9,3 11,2 11,4 0,2 0,2 0,2 Tschech. Rep. 4,6 3,5 3,2 2,5 2,3 2,2 1,0 0,4 0,9 1,0 0,8 1,1 Ungarn 4,0 3,8 3,2 2,3 2,5 3,0 2,9 1,9 1,5 -2,0 -2,2 -2,3 Polen 4,6 4,0 3,4 2,0 2,0 2,8 0,3 -0,4 -0,1 -1,9 -2,1 -2,5 USA 2,3 2,9 2,8 2,1 2,3 2,2 -2,9 -3,2 -3,5 -3,6 -3,7 -5,3 Japan 1,7 1,1 0,5 0,5 0,7 0,7 4,0 4,6 4,7 -2,7 -2,4 -2,2 China 6,9 6,6 6,3 1,6 2,7 2,4 1,3 0,6 0,3 -3,7 -3,5 -3,5 Welt 3,8 3,9 3,9 2,9 3,3 3,0 *Inflationsdaten für EU-Länder basieren auf harmonisierten Verbraucherpreisindizes außer bei Deutschland. Dies kann zu Diskrepanzen zu anderen DB Publikationen führen. Quellen: Nationale Behörden, Nationale Zentralbanken, Deutsche Bank Prognosen Deutschland: BIP-Wachstum nach Komponenten, % gg.Vq., Jahresdaten % gg.Vj. 2018 2019 2016 2017P 2018P 2019P Q1P Q2P Q3P Q4P Q1P Q2P Q3P Q4P BIP 1,9 2,2 2,0 1,8 0,3 0,6 0,5 0,5 0,4 0,4 0,4 0,4 Privater Konsum 2,1 1,9 1,3 1,5 0,3 0,7 0,5 0,5 0,3 0,4 0,3 0,2 Staatsausgaben 3,7 1,6 1,3 1,0 0,3 0,3 0,3 0,3 0,3 0,3 0,3 0,3 Anlageinvestitionen 3,1 3,2 2,5 3,6 0,6 1,2 1,0 0,8 1,0 0,9 0,9 0,8 Ausrüstungen 2,2 4,0 3,8 3,1 0,5 1,0 1,0 0,5 1,0 0,7 0,7 0,5 Bau 2,7 2,6 2,6 5,0 0,5 1,8 1,2 1,2 1,2 1,2 1,2 1,2 Lager, %-Punkte -0,2 0,1 0,1 0,0 -0,1 0,0 0,0 0,0 0,0 0,0 0,0 0,0 Exporte 2,6 4,7 5,9 4,5 0,9 1,2 1,2 1,2 1,1 1,0 1,0 1,2 Importe 3,9 5,1 6,0 5,1 1,2 1,4 1,4 1,4 1,2 1,2 1,1 1,2 Nettoexport, %-Punkte -0,3 0,1 0,4 0,0 -0,1 0,0 0,0 0,0 0,0 0,0 0,0 0,1 Konsumentenpreise* 0,5 1,8 1,6 1,8 Arbeitslosenquote, % 6,1 5,7 5,3 4,8 Industrieproduktion** 1,4 3,0 1,8 1,5 Budgetsaldo, % BIP 0,8 1,1 1,1 0,9 Öffentlicher Schuldenstand, % BIP 68,2 64,1 60,4 57,5 Leistungsbilanzsaldo, % BIP 8,4 7,2 6,5 6,5 Leistungsbilanzsaldo, EUR Mrd. 262,6 232,0 212 214 *Inflationsdaten für Deutschland basieren auf nationaler Abgrenzung. Dies kann zu Diskrepanzen zu anderen DB Publikationen führen. ** Verarbeitendes Gewerbe (NACE C) Quellen: Statistisches Bundesamt, Deutsche Bundesbank, Arbeitsagentur, Deutsche Bank Research Nachlassende Wachstumsdynamik, aber Normalisierung der Inflation 3 | 8. Mai 2018 Ausblick Deutschland Schwächere Daten sind noch kein Grund, das Handtuch zu werfen, trotzdem haben wir unsere BIP-Prognose auf 2% gesenkt — Gerade als die EZB den Ausstieg aus der QE ernstlich angehen wollte, ha- ben sich die Konjunkturdaten überraschend abgeschwächt. Insbesondere in Deutschland, das ganz klar eine Vorreiterrolle im EWU-Konjunkturzyklus einnimmt, waren die harten Daten sowie die Umfrageergebnisse in den ver- gangenen Monaten enttäuschend. — Deutschlands BIP dürfte im ersten Quartal wohl um rund ¼% gg. Vq. ge- wachsen sein. Allerdings rechnen wir mit einer Gegenbewegung in Q2, da einige temporär dämpfende Faktoren für die Konjunktur abklingen sollten. — Im restlichen Jahresverlauf wird das Wachstum entscheidend von den Un- ternehmensinvestitionen abhängen. Allerdings sind die Signale der Frühin- dikatoren für diese Nachfragekomponente zuletzt eher uneinheitlich ausge- fallen. — Zwar ist in Q2 wohl eine begrenzte Aufholbewegung zu erwarten, der merk- liche Rückgang der Erwartungskomponente des ifo-Geschäftsklimaindex deutet jedoch darauf hin, dass die Quartalswachstumsraten im laufenden Zyklus ihren Höchststand überschritten haben. — Daher haben wir aufgrund des wohl schwachen ersten Quartals unsere Wachstumsprognose für das Gesamtjahr von 2,3% auf 2% gesenkt. Binnennachfrage kam in H2 zum Stillstand Bereits in H2 2017 erschien die Zusammensetzung des Wachstums seltsam. Obwohl monatlich 53.000 neue Stellen geschaffen wurden und die Reallöhne ähnlich wie in H1 um rund 1% anstiegen, kam das Wachstum des privaten Kon- sums zum Stillstand. Die Geschäftsklimaindizes kletterten auf neue Allzeit- höchststände und die Kapazitätsauslastung erhöhte sich weiter – aber gleich- zeitig verlangsamte sich der Anstieg der Investitionen in Maschinen und Ausrüs- tung in Q4 auf magere 0,7% gg. Vq. Natürlich lassen sich dafür Erklärungen finden, z.B.: Der Konsum legte nach dem kräftigen Zuwachs in H1 (0,85% gg. Vq.) lediglich eine Atempause ein. Die Investitionsausgaben wurden möglicherweise durch Kapazitätsengpässe ge- dämpft, die auch zu längeren Lieferzeiten und einem höheren Auftragsbestand führten. Möglicherweise spielte sogar die langwierige Regierungsbildung nach den Wahlen im September eine Rolle. Nichtsdestotrotz erscheint die Flaute bei der Binnennachfrage eigenartig. Harte Daten enttäuschten in Q1 Darüber hinaus fielen die harten Monatsdaten im ersten Quartal schwach aus. Dies gilt nicht nur für Deutschland. Die Indizes für wirtschaftliche Überraschun- gen weisen in Europa inzwischen nach unten und haben sich in den USA abge- schwächt. In Deutschland wird das BIP-Wachstum im ersten Quartal deutlich unter der ursprünglichen Prognose (0,6%) liegen. 1 Vergleicht man Q1 mit dem 4. Quartal 2017, so ergibt sich bei der Industriepro- duktion (inkl. Bauwirtschaft) nur eine Stagnation, der Einzelhandelsumsatz ging 1 Siehe DB Makro-Überraschungsindex Deutschland, S. 16 7,0 7,5 8,0 8,5 9,0 9,5 10,0 10,5 11,0 11,5 -0,4 -0,2 0,0 0,2 0,4 0,6 0,8 1,0 Q1 2014 Q1 2015 Q1 2016 Q1 2017 Q1 2018 Privater Verbrauch GfK Konsumentenvertrauen Konsum: Nur eine Reaktion? 1 Quellen: Deutsche Bank Research, Deutsche Bundesbank, GfK %, gg. Vq. Index Nachlassende Wachstumsdynamik, aber Normalisierung der Inflation 4 | 8. Mai 2018 Ausblick Deutschland um 0.9% zurück, der Auftragseingang schrumpfte um 2,1%, der von inländi- schen Investitionsgütern sank sogar um 2,7% und die realen Exporte dürften trotz einer Erholung im März wohl um rund 1% gefallen sein. Allerdings waren die Q4-Daten teilweise sehr gut. Auch für die unerwartete Schwäche in Q1 scheinen die Erklärungen auf der Hand zu liegen. Nach Auffas- sung der Bundesbank könnten die Streiks in der Metallindustrie und die schwere Grippewelle die Produktion im Februar gedämpft haben. In der Tat ging die Produktion in der Autoindustrie im Februar um 5,9% gg. Vm. zurück. Diese Schwankung liegt allerdings innerhalb der üblichen monatlichen Volatilitäten für diese Datenreihe. Wenn bei den Produktionszahlen einzelner Unternehmen un- gewöhnliche Schwankungen auftreten, haken die statistischen Landesämter (welche die Daten für das Statistische Bundesamt sammeln) in der Regel bei den betreffenden Unternehmen nach und geben die Ursachen (z.B. Streiks oder temporäre Werksschließungen) bei der Datenweitergabe an das Statistische Bundesamt an. Für Februar gibt es jedoch keine derartigen Berichte. Allerdings spricht der Anstieg der Investitionsgüterproduktion um 2,6% im März nach ei- nem Rückgang um 2,7% im Vormonat für einen Einfluss der Streiks. Die Grippewelle erreichte in diesem Jahr in der siebten Kalenderwoche ihren Höhepunkt. Aufgrund der ungewöhnlich langen individuellen Krankheitsdauer war die Grippewelle ganz klar schwerer als in früheren Jahren, denn die Zahl der Krankmeldungen lag im Februar so hoch wie seit zehn Jahren nicht mehr. Im Februar waren auch die Lieferzeiten im Verarbeitenden Gewerbe (ermittelt anhand des Einkaufsmanagerindex) so lang wie nie zuvor, was unter anderem auf die oben genannten Faktoren zurückzuführen sein könnte. Allerdings ging auch der Auftragsbestand laut Einkaufsmanagerindex leicht zurück; der ifo-Um- frage zufolge stieg er jedoch weiter an. Diese Faktoren haben die Konjunktur im Februar zweifelsohne belastet, es ist jedoch fraglich, ob sie die schwachen Da- ten zur Gänze erklären können. Witterungseinflüsse wurden ebenfalls als mögli- che Ursache angeführt; sie waren jedoch im Februar im Vergleich zum Januar und März relativ moderat. Insgesamt sollten sich die Konjunkturdaten im März leicht erholt haben. Nichtsdestotrotz dürfte das BIP in Q1 wohl bestenfalls ¼% zugelegt haben (die erste Schätzung wird am 15. Mai veröffentlicht; Produkti- onsdaten für März stehen am 9. Mai an). Vertrauensindizes: Normalisierung oder etwas Unheilvolleres? Diese vorübergehenden Faktoren dürften sich auch auf die Vertrauensumfragen ausgewirkt haben. Außerdem könnte die schärfere Tonlage in der Handelspoli- tik Anfang April die Stimmung gedämpft haben. Dies gilt vor allem für den ZEW- Index, der bei Finanzmarktteilnehmern erhoben wird; diese reagieren nämlich sensibler auf politische Themen. Der ifo-Index und die Einkaufsmanagerindizes zeigen jedoch bereits seit Jahresbeginn nach unten, d.h. bevor die erwähnten temporären Faktoren in Erscheinung traten. Allerdings gingen sowohl der ifo-In- dex als auch der Einkaufsmanagerindex für das Verarbeitende Gewerbe von Allzeithöchstständen aus zurück. Darüber hinaus handelt es sich sowohl bei dem ifo- als auch bei dem Einkaufsmanagerindex um Diffusionsindizes. Wenn also bei den Umfrageantworten eine Verschiebung von „besser“ zu „unverän- dert“ stattfindet, ist dies nicht unbedingt als Verschlechterung der Lage zu inter- pretieren; möglicherweise bedeutet es lediglich, dass sich die wirtschaftliche Lage nicht mehr im selben Tempo verbessert wie im Vormonat. Der ifo-Index basiert auf einem Basisjahr, dem der Wert 100 zugeschrieben wird. Dieses Ba- sisjahr wurde mit der Veröffentlichung der April-Umfrage von 2005 auf 2015 ver- schoben. Der Einkaufsmanagerindex ist dagegen auf einen Wert von 50 kalib- riert, sodass ein Indexwert über 50 auf ein Wachstum der Wirtschaft hindeutet. Mit einem Stand von 55,3 lässt der Einkaufsmanagerindex für April also nach Hinausgezögerte Grippewelle in 2018 Grippewelle 2017/18 2014/15 2015/16 2016/17 2017/18 Kalenderwoche Quelle: GrippeWeb, Robert Koch Institut 2 Nachlassende Wachstumsdynamik, aber Normalisierung der Inflation 5 | 8. Mai 2018 Ausblick Deutschland wie vor auf robustes Wachstum schließen, zumal der langfristige Durchschnitts- wert bei 53,3 liegt. Gründe für Optimismus i. Die Vertrauensindizes notieren nach wie vor auf sehr hohen Niveaus. Aus Brückenmodellen auf der Basis des ifo-Index oder des Einkaufsmanagerin- dex ergibt sich ein BIP-Wachstum von 1,1% in Q1. Selbst für Q2 ergibt sich auf der Grundlage der Zahlen für April eine Expansion um 0,9%. Allerdings lag der Restwert dieser Modelle (d.h. der Wert, um den das tatsächliche Wachstum überschätzt wurde) in Q4 2017 bei 0,7%-Punkten, im Durch- schnitt der vergangenen acht Quartale dagegen lediglich bei 0,2%-Punkten. ii. Diese Umfragen weisen eventuell eine gewisse Zirkularität auf. Genau wie Volkswirten könnte es den Unternehmensmanagern möglicherweise schwerfallen zu beurteilen, inwieweit die jüngsten, schwachen monatlichen Daten als verlässliches Signal anzusehen sind und ob gegebenenfalls die Mikrodaten für ihr eigenes Unternehmen auf eine zyklische Entwicklung hin- deuten oder ebenfalls lediglich diese Sonderfaktoren widerspiegeln. iii. Das internationale Makroumfeld: Obwohl wir nach dem schwachen ersten Quartal unsere Prognose für die Eurozone für das Gesamtjahr von 2,4% auf 2,1% gesenkt haben, liegt unsere globale BIP-Wachstumsprognose nach wie vor bei 3,9%. Aber auch nationale Faktoren – das Beschäftigungs- und Lohnwachstum ist solide und die Fiskalpolitik ist expansiv (wenngleich die Ausgaben großenteils in späteren Jahren erfolgen sollen) – sprechen ge- gen eine bevorstehende deutliche Konjunkturabschwächung, solange sich die derzeitigen Handelsstreitigkeiten nicht unerwartet verschärfen. Diese Faktoren sollten jedoch auch den Umfrageteilnehmern bekannt sein. Wa- rum haben sie dann ihre Erwartungen doppelt so stark zurückgenommen wie die Einschätzung der aktuellen Lage? Aber dennoch ... Dass die Erwartungskomponente im ifo-Geschäftsklimaindex in den vergange- nen Monaten um insgesamt 7,4 Punkte zurückgegangen ist, sollte nicht auf die leichte Schulter genommen werden. Wie Grafik 3 zeigt, befand sich der Konjunkturzyklus bei einem derartigen Rück- gang in der Vergangenheit immer an seinem oberen Wendepunkt. Nur das Jahr 2002 stellt eine Ausnahme dar. Damit war dieses Signal bei insgesamt fünf beo- bachteten Fällen in 80% der Fälle zuverlässig. Zudem sanken die Quartals- wachstumsraten in allen sechs Fällen, in denen die Unterkomponente für die Er- wartungen über fünf Monate hinweg um 7,4%-Punkte oder mehr zurückging, merklich. Investitionsausgaben als entscheidender Faktor Wie oben erwähnt, gab der geringere Anstieg der Investitionsausgaben in H2 bereits Anlass zur Sorge, bevor sich das Geschäftsvertrauen um die Jahres- wende herum eintrübte und die Daten im Januar/Februar unerwartet schwach ausfielen. Selbst wenn der Konsum weiterhin robust bleibt, müssen die Investiti- onsausgaben nachhaltig ansteigen, damit die Binnenkonjunktur weiter in Fahrt bleibt. -1 -0,8 -0,6 -0,4 -0,2 0 0,2 0,4 0,6 0,8 1 -20,0 -15,0 -10,0 -5,0 0,0 5,0 10,0 15,0 20,0 zyklische Wendepunkte (+1=höher, - 1=niedriger) 5M Veränderung in ifo Erwartungen ifo Erwartungen (Veränderung über 5M) & zyklische Wendepunkte (%-Punkte) 3 Quellen: ifo, OECD, Deutsche Bank Research Nachlassende Wachstumsdynamik, aber Normalisierung der Inflation 6 | 8. Mai 2018 Ausblick Deutschland Leider sind die Aussichten eher gemischt: — Die Betriebsgewinne stiegen in H2 2017 um 4 ¼% gg. Vj. an, d.h. so kräftig wie seit Q4 2013 bzw. Q1 2014 nicht mehr. Die Einschätzung der aktuellen Situation im ifo-Geschäftsklimaindex (der im Januar seinen Höchststand er- reichte) – ein guter gleichlaufender Indikator für die Gewinnentwicklung – deutet aber auf eine Abflachung hin. — Die Kapazitätsauslastung im Verarbeitenden Gewerbe ist seit Mitte 2016 merklich angestiegen und lag um nicht einmal 1%-Punkt unter dem in Q1 2008 erreichten Allzeithöchststand von 88,8%. Allerdings ging sie in Q2 2018 leicht zurück. — Die wirtschaftspolitische Unsicherheit hat sich in den vergangenen 12 Mo- naten merklich verringert, der DAX notiert jedoch unter seinem Vorjahres- stand und die implizite Volatilität (die ebenfalls als Indikator für wirtschaftli- che Unsicherheit dient) hat sich erhöht. — In Q2 sank in der Umfrage zur Kreditvergabe der Banken die Zahl der Ban- ken leicht, die Investitionsvorhaben als Treiber für die Kreditnachfrage an- führen, nachdem sie in Q4 und Q1 angestiegen war. — Die inländischen Auftragseingänge für Investitionsgüter schwankten in den vergangenen 12 Monaten merklich, was u.a. auf Großaufträge zurückzufüh- ren war. Insgesamt bewegten sie sich jedoch im Wesentlichen seitwärts. Die Auswirkungen der Grippewelle bzw. von Streiks dürften bei den Auf- tragseingängen eher von geringerer Bedeutung sein. — Die inländischen Auftragseingänge für Investitionsgüter und die Investitions- ausgaben selbst weisen eine hohe Korrelation mit dem ifo-Geschäfts- klimaindex für das Verarbeitende Gewerbe auf. Der Anstieg des Geschäfts- klimaindex im vergangenen Jahr schlug sich nur zum Teil in den Auftrags- eingängen und der Investitionstätigkeit nieder. Angesichts der Trendwende beim ifo-Geschäftsklimaindex ist die Wahrscheinlichkeit gesunken, dass es sich bei der jüngsten Abschwächung der Auftragseingänge für Investitions- güter lediglich um einen Ausreißer handelt. Jeder dieser Faktoren für sich genommen lässt sicherlich noch nicht darauf schließen, dass der Investitionszyklus seinen Höhepunkt überschritten hat. Auch wenn man sie alle zusammennimmt, würden wir diesen Schluss noch nicht ziehen. Dennoch lässt sich nicht ignorieren, dass die Daten zuletzt recht eindeutig in eine Richtung wiesen. Wachstum sollte sich in Q2 wieder beleben, Momentum dürfte je- doch Höchststand überschritten haben Zyklische Wendepunkte kündigen sich normalerweise nicht an. Jeder Ab- schwung beginnt mit einem zunächst unscheinbaren Rückgang von einem zykli- schen Höchststand aus, und die Konjunktur macht häufig noch einen guten Ein- druck, bevor plötzlich eine Wende eintritt. Daher sollten wir wohl nicht allzu sehr darauf vertrauen, dass die Unternehmensumfragen noch auf einem hohen Ni- veau liegen und dass es eine lange Liste mit möglichen Erklärungen dafür gibt, dass sich die derzeitige Schwäche als vorübergehendes Phänomen erweisen könnte. Der ifo-Index kletterte bis vor einigen Monaten auf mehrere Allzeit- höchststände, was es recht unwahrscheinlich macht, dass er in den kommen- den Quartalen wieder auf einen Aufwärtstrend einschwenkt; schließlich kehrt er in der Regel zum Mittelwert zurück („mean reversion“). Die schwächer als er- warteten Arbeitsmarktzahlen für April sind ebenfalls ein Grund, vorsichtig zu bleiben. -20 -15 -10 -5 0 5 10 15 20 -5 -4 -3 -2 -1 0 1 2 3 4 5 91 95 99 03 07 11 15 BIP gg. Vq. Erwartungen (5M Veränderung) delta links ifo Erwartungen (Veränderung über 5M) & BIP-Wachstum 4 Quellen: ifo, OECD, Deutsche Bank Research -70 -50 -30 -10 10 30 50 -30 -25 -20 -15 -10 -5 0 5 10 15 20 Q1 2003 Q1 2006 Q1 2009 Q1 2012 Q1 2015 Q1 2018 Maschinen und Ausrüstung (links) Kreditnachfrage für Investitionen Investitionen in Maschinen und Ausrüstung 5 % gg. Vj Anteil in %, netto Quellen: Deutsche Bundesbank, ECB 80 85 90 95 100 105 110 115 120 13 14 15 16 17 18 Investitionsgüter Investitionsgüter ohne 29.10 (Autos) ohne Großaufträge Inländische Auftragseingänge für Investitionsgüter 6 2015=100, volume Quellen: Deutsche Bundesbank, Statistisches Bundesamt Nachlassende Wachstumsdynamik, aber Normalisierung der Inflation 7 | 8. Mai 2018 Ausblick Deutschland Wir haben unsere BIP-Prognose für das Gesamtjahr auf 2,0% ge- senkt Dem ifo-Index zufolge wurde der Höhepunkt des laufenden Zyklus im vergange- nen November erreicht (Index einschließlich Dienstleistungssektor, Basisjahr 2015). Dies lässt jedoch lediglich darauf schließen, dass sich das durchschnittli- che Quartalswachstum im Vergleich zu den 0,7% in 2017 abschwächen wird. Mit wohl rund ¼% BIP-Wachstum in Q1 und aufgrund der ausgelasteten Kapa- zitäten nur begrenztem Aufholpotenzial in Q2 haben wir unsere Wachstums- prognose für das Gesamtjahr von 2,3% auf 2,0% gesenkt. Selbst bei dieser Rate sind für die zweite Jahreshälfte noch robuste Wachstumsraten leicht über Potenzial unterstellt. Stefan Schneider (+49 69 910-31790, stefan-b.schneider@db.com) -35 -25 -15 -5 5 15 -30 -25 -20 -15 -10 -5 0 5 10 15 20 Q1 2003 Q1 2006 Q1 2009 Q1 2012 Q1 2015 Q1 2018 Maschinen und Ausrüstung (links) inländische Investitionsgüter Investitionen in Maschinen und Ausrüstung und inländische Auftragseingänge für Investitionsgüter 7 Quelle: Deutsche Bundesbank 2015=100 gg. Vj. gleit. 3M-Durchschn., Vol. Nachlassende Wachstumsdynamik, aber Normalisierung der Inflation 8 | 8. Mai 2018 Ausblick Deutschland Nachlassende Dynamik der Industriekonjunktur und starker Euro dämpfen Inflationsdruck — Die Inflationsrate in Deutschland bleibt auch 2018 unter der Marke von 2%, obwohl das BIP zum fünften Mal in Folge über Potenzial wachsen dürfte, die Kapazitäten gut ausgelastet sind, der Arbeitsmarkt vielerorts leergefegt ist und die Tariflöhne kräftig steigen. Die Erzeugerpreise im Verarbeitenden Gewerbe sind zu Jahresbeginn 2018 nicht mehr so stark gewachsen wie 2017; hier macht sich die Verschnaufpause bei der Industriekonjunktur be- merkbar. Hinzu kommt, dass der starke Euro dämpfend auf die deutschen Einfuhrpreise wirkt. Diese dürften 2018 deutlich weniger stark zulegen als 2017 oder sogar schrumpfen. — Für die Eurozone rechnen wir 2018 mit einer Inflationsrate von 1,6%. Die niedrige Preissteigerung liefert den „Tauben“ innerhalb der EZB gute Argu- mente für den (angekündigten) langsamen Ausstieg aus der expansiven Geldpolitik. Seit vielen Monaten treibt die internationalen Finanzmärkte die Frage um, wann die Inflation endlich wieder zurückkehren wird. Trotz expansiver Geldpolitik und guter Konjunkturdaten ist die Zielmarke einer Inflationsrate von etwa 2% ledig- lich in den USA erreicht (und zwar im März 2018 erstmals wieder seit Januar 2017). In der Eurozone liegt sie knapp unter 1 ½% – in Japan weiterhin unter 1%. In den USA mehren sich die Anzeichen, dass die Knappheit am Arbeits- markt zu stärkerem Inflations- und Preisdruck führen wird. Die Wahrscheinlich- keit, dass die Fed in diesem Jahr die Leitzinsen insgesamt viermal oder häufiger anhebt, ist nach Einschätzung des Marktes in den letzten Wochen deutlich ge- stiegen. Die EZB zeigt sich nach wie vor optimistisch, dass über das recht kräf- tige BIP-Wachstum, die gestiegene Kapazitätsauslastung und bessere Arbeits- marktzahlen in vielen Ländern der Eurozone die Inflation wieder stärker wach- sen sollte, wenngleich Draghi in der letzten Pressekonferenz doch etwas vor- sichtiger klang. Trotzdem verharrt die Teuerung in den letzten Monaten zumeist (deutlich) unter der 2%-Marke. Dies gilt auch für Deutschland, das 2018 zum fünften Mal in Folge über Potenzial wachsen dürfte, wo die Zahl der Erwerbstätigen auf ein Rekordhoch geklettert und die Arbeitslosigkeit auf den niedrigsten Wert seit der Wiedervereinigung gesunken ist. Trotz dieser positiven Rahmenbedingungen lag die Inflationsrate 2017 lediglich bei 1,7% und im ersten Jahresdrittel von 2018 bei 1,5% gg. Vj. (2016: +0,4%). -2 -1 0 1 2 3 4 15 16 17 18 Quelle: Statistisches Bundesamt Erzeugerpreise steigen weiter an, aber zuletzt nicht mehr so schnell 1 Erzeugerpreise im Verarbeitenden Gewerbe in Deutschland, % gg. Vj. 98 100 102 104 106 108 15 16 17 18 Produktion im Verarbeitenden Gewerbe in Deutschland, Quartalswerte, sb., 2015=100 Quelle: Statistisches Bundesamt Deutsche Industriekonjunktur legt zu Jahresbeginn Verschnaufpause ein 2 50 60 70 80 90 100 07 08 09 10 11 12 13 14 15 16 17 18 Kapazitätsauslastung Mittelwert seit 1992 Kapazitätsauslastung im Verarbeitenden Gewerbe in Deutschland, % Auslastung sinkt auf hohem Niveau 3 Quelle: ifo -1,0 -0,5 0,0 0,5 1,0 1,5 2,0 2,5 15 16 17 18 EWU DE US Inflationsrate in Europa weiterhin unter 2% 4 Inflationsrate*, % gg. Vj. * Für die USA basierend auf Personal Consumption Expenditure Price Index Quellen: Bureau of Economic Analysis, Deutsche Bundesbank, Eurostat Nachlassende Wachstumsdynamik, aber Normalisierung der Inflation 9 | 8. Mai 2018 Ausblick Deutschland Weniger Dynamik bei deutschen Erzeugerpreisen Die Erzeugerpreise im Verarbeitenden Gewerbe legten in Deutschland 2017 im- merhin um 2,6% zu. Seit einigen Monaten lässt die Dynamik jedoch spürbar nach: Im 1. Quartal 2018 lag das Plus nur noch bei 1,8% gg. Vj. Erstaunlich ist dieser Rückgang nicht zuletzt deshalb, weil der Ölpreis zu Jahresbeginn über dem Wert des Vorjahres lag (Q1 20018 gg. Q1 2017: +6,2% in Euro gerechnet; in US-Dollar: +23%). 2017 waren es jedenfalls noch die rohstoffnahen Sektoren (Metalle, Chemie), die zum Anstieg der Erzeugerpreise in Deutschland maßgeb- lich beigetragen haben. Der geringere Preisanstieg könnte mit der Verschnaufpause der deutschen In- dustrieproduktion im 1. Quartal 2018 zusammenhängen. Hier war saisonberei- nigt lediglich ein marginales Plus gg. Vq. zu verzeichnen, nachdem die Indust- rieproduktion 2017 deutlich kräftiger gestiegen war. Auch die industrielle Kapa- zitätsauslastung zeigt, dass das Verarbeitende Gewerbe zuletzt einen Gang runtergeschaltet hat. Zu Beginn des 2. Quartals 2018 ging sie leicht zurück, je- doch auf hohem Niveau. Schließlich passen die Geschäftserwartungen der In- dustrie in dieses Bild: Sie sanken im April 2018 zum fünften Mal in Folge, liegen jedoch noch knapp im positiven Bereich. Es sieht derzeit nicht danach aus, als würde die deutsche Industrie kurzfristig in eine ernsthafte konjunkturelle Krise rutschen. Das geringere Wachstumstempo ist angesichts der gut ausgelasteten Kapazitäten sowie der Engpässe am Arbeitsmarkt zumindest in Teilen erklärbar. Für die angestrebte Rückkehr der Inflationsrate in Richtung 2% kommt die (tem- poräre) konjunkturelle Schwächephase im Verarbeitenden Gewerbe jedoch zu einem unpassenden Zeitpunkt. Importpreise aus den Nicht-Euro-Ländern im Minus Zugleich gehen die Impulse von den deutschen Einfuhrpreisen für die Inflations- rate derzeit zurück. In Grafik 6 haben wir die Einfuhrpreise für Erzeugnisse des Verarbeitenden Gewerbes dargestellt, und zwar für die Importe aus der Euro- zone sowie für Einfuhren aus Nicht-Euro-Ländern. Es wird deutlich, dass die Einfuhrpreise bei Importen aus dem Nicht-Euro-Raum im den letzten Monaten im Vorjahresvergleich ins Minus gerutscht sind. Hierin spiegelt sich die relative Stärke des Euro gegenüber den Währungen wichtiger Handelspartner wieder. So notiert der handelsgewichtete nominale Euro-Wechselkurs für Deutschland im 1. Quartal 2018 um mehr als 7% über dem entsprechenden Niveau des Vor- jahres. Hinzu kommt, dass z.B. in China, Deutschlands wichtigstem Importeur, die Erzeugerpreise für gewerbliche Produkte in den letzten Monaten nach unten tendierten. Inflationsrate in Deutschland und der Eurozone bleibt auch 2018 unter 2% Nach unserer aktuellen Prognose dürfte die Inflationsrate in Deutschland 2018 bei etwa 1,6% liegen. Für preistreibende Impulse sorgen u.a. die recht hohen Lohnabschlüsse sowie die weiter sinkende Arbeitslosenquote bzw. steigende Beschäftigung. Auch der Ölpreis wird im Jahresdurchschnitt 2018 wohl über dem Niveau von 2017 liegen. Dem steht ein starker Euro gegenüber, der die deutschen Einfuhren verbilligt. Hinzu kommt, dass der Konjunkturzyklus in Deutschland und wichtigen Exportmärkten schon weit vorangeschritten ist. Für die Eurozone rechnen wir 2018 mit einer Inflationsrate von 1,6%. Die nied- rige Preissteigerung liefert den „Tauben“ im EZB-Rat gute Argumente für den (angekündigten) langsamen Ausstieg aus der expansiven Geldpolitik. Eric Heymann (+49 69 910-31730 eric.heymann@db.com) -20 0 20 40 60 15 16 17 18 Erwartungen Lage Verarbeitendes Gewerbe, Saldo aus positiven und negativen Firmenmeldungen Quelle: ifo Institut Erwartungen in der Industrie trüben sich ein 5 -6 -4 -2 0 2 4 6 15 16 17 18 Gesamt Euro-Länder Nicht-Euro-Länder Quelle: Statistisches Bundesamt Starker Euro drückt auf Importpreise 6 Deutsche Einfuhrpreise für Erzeugnisse des Verarbeitenden Gewerbes, % gg. Vj. 100 105 110 115 120 125 05 07 09 11 13 15 17 Wechselkurs Durchschnitt seit 2005 Euro - W echselkurs zuletzt stärker 7 Nominaler handelsgewichteter EUR-Wechselkurs, Q1 1999=100 Quelle: EZB Nachlassende Wachstumsdynamik, aber Normalisierung der Inflation 10 | 8. Mai 2018 Ausblick Deutschland Arbeitsmigration: Der Boom nährt den Boom – bislang noch Migration sorgt für Bevölkerungswachstum Deutschland erlebt seit Beginn dieses Jahrzehnts starke Zuwanderung, deren Umfang allenfalls mit dem Migrationsboom nach dem Fall des Eisernen Vor- hangs vergleichbar ist. Allerdings ist das aktuelle Wanderungsgeschehen viel- schichtig. Gleichwohl scheint – wie damals – nach rd. acht Jahren die Dynamik nachzulassen. Von 2010 bis 2017 sind rd. 3,83 Mio. Personen mehr nach Deutschland zugewandert als von hier fortgezogen (Sept. 2017 bis Dez. 2017 eigene Hochrechnung). Das entspricht einem durchschnittlichen Wanderungs- saldo von rd. 480.000 pro Jahr. In der vergangenen Dekade waren es hingegen nur gut 96.000 pro Jahr nach 387.000 p.a. in den 1990er Jahren. Anders als während der meisten Jahre der vergangenen Dekade hat die Zu- wanderung damit den Bevölkerungsrückgang überkompensiert, der in dem seit 1972 anhaltend negativen Saldo aus Geburten und Sterbefällen angelegt ist. In der Folge weist Deutschland seit 2011 wieder eine wachsende Bevölkerung auf. Nach Schätzungen des Statistischen Bundesamtes zählte das Land Ende 2017 rd. 82,8 Mio. Einwohner – rd. 2,5 Mio. mehr als Ende 2011 (Daten 2010 nicht vergleichbar). Fluchtmigration dominiert aktuelle Debatte Mit Blick auf die Migration dominiert in Deutschland das Thema Flüchtlingskrise die aktuelle Debatte. Tatsächlich bildeten die Schutzsuchenden aus den Kriegs- und Krisengebieten des Nahen Ostens und Afrikas das Gros der Zuwanderer in den Jahren 2015 und 2016. 2 Für diese beiden Jahre weist das Statistische Bun- desamt eine Netto-Zuwanderung von rd. 550.000 bzw. knapp 340.000 (nicht be- reinigte Daten) aus den betreffenden Ländern aus. Dies entspricht Anteilen von 48% bzw. 46% am gesamten Wanderungssaldo der jeweiligen Jahre (2016 nicht bereinigt). Dies hat u.a. wesentlich dazu beigetragen, dass Bürger aus Sy- rien (knapp 0,7 Mio.) nach denen aus der Türkei (1,5 Mio.) und Polen (0,87 Mio.) inzwischen (Ende 2017) die drittgrößte Gruppe der ausländischen Bevöl- kerung (10,6 Mio.) darstellen. Als Folge der Schließung der Balkan-Route, einer restriktiveren deutschen Asyl- politik und verschiedener Maßnahmen der EU, insbesondere des Abkommens mit der Türkei vom März 2016, ist die Zahl Asylsuchender seit den Höchststän- den im Herbst 2015 und Frühjahr 2016 deutlich gesunken. Das spiegelt sich bei der Zuwanderung aus allen Drittstaaten außerhalb der EU wider. Wanderten dem Ausländerzentralregister (AZR) zufolge 2015 noch rd. 860.000 Drittstaats- angehörige mehr nach Deutschland ein als von hier wegzogen, so waren es 2016 nur noch rd. 350.000. 3 Für H1 2017 weist das AZR ein entsprechendes Plus von 117.000 aus – ein Rückgang um 40% gg. H1 2016. 4 2 Zu diesen Ländern zählen Afghanistan, Eritrea, Irak, Iran, Nigeria, Pakistan, Somalia und Syrien. 3 Die Zahlen des AZR unterscheiden sich von denen des Statistischen Bundesamtes, da Personen im AZR erst registriert werden, wenn sie sich länger als 90 Tage im Bundesgebiet aufhalten oder ein sonstiger Anlass zur Registrierung besteht (z.B. ein Asylantrag). 4 Diese Daten zeigen auch, wie stark die Zuwanderung aus Drittstaaten derzeit von der Flucht- migration geprägt wird, da es daneben kaum quantitativ bedeutende andere Aufenthalts- bzw. Zuwanderungsmöglichkeiten für Drittstaatsangehörige gibt. (Zu den Ausnahmen gehört etwa die zeitlich befristete Aufenthaltserlaubnis für die Ausübung einer Erwerbstätigkeit, die 2016 rd. 66.500 Personen erteilt wurde, von denen knapp die Hälfte im selben Jahr eingereist waren.) -400 -200 0 200 400 600 800 1000 1200 1400 1992 1996 2000 2004 2008 2012 2016 Geburtendefizit Netto-Migration Veränderung Bevölkerungszahl 1.000 Quellen: Statistisches Bundeasamt, Deutsche Bank Research Migration prägt Entwicklung der Bevölkerungszahl in Deutschland 1 0 10 20 30 40 50 60 70 0 100 200 300 400 500 600 700 800 DE insgesamt (links) Anteil an allen Anträgen in der EU (rechts) * Januar - März Deutschland Hauptzielland für Asylsuchende in der EU 2 Asylerstanträge 1.000 linke Skala, % rechte Skala Quellen: BAMF, Eurostat, Deutsche Bank Research Nachlassende Wachstumsdynamik, aber Normalisierung der Inflation 11 | 8. Mai 2018 Ausblick Deutschland Seit 2010 auch Zuwanderungsplus von 1,9 Mio. aus EU-Ländern Angesichts der Debatte über die Fluchtmigration übersehen viele die in diesem Jahrzehnt ebenfalls umfangreiche Zuwanderung aus den Partnerländern der EU. Seit 2010 sind von dort insgesamt sogar mehr Personen zugewandert als aus Drittstaaten. Auch der Zuwanderungsüberschuss (rd. 1,9 Mio. bis August 2017) ist höher als der gegenüber den Drittstaaten (1,83 Mio.), trotz höherer Ab- wanderung (insbesondere wenn man deutsche Staatsangehörige einbezieht). Auf dieser Basis resultieren damit knapp 51% der bisherigen Wanderungsge- winne dieser Dekade aus EU-Partnerländern. Lediglich 2015 und 2016 lag der Anteil der EU mit 29% bzw. 43% unter dem der Drittstaaten. Die Wanderungsbilanz gegenüber den EU-Ländern war während dieser Zeit fast ausschließlich (rd. 97%) durch Personen aus zwei Ländergruppen geprägt. Zum einen sind dies die acht bzw. zwei mittel- und südosteuropäischen Staaten, die im Mai 2004 und Anfang 2007 der EU beitraten, aber erst mit einer Verzöge- rung von jeweils sieben Jahren das Recht auf (Arbeitnehmer-)Freizügigkeit er- hielten. Die Bürger dieser Länder konnten dementsprechend erst ab Mai 2011 bzw. Januar 2014 zur Aufnahme einer Erwerbstätigkeit oder zwecks Arbeitsu- che nach Deutschland einreisen. Angesichts der gemessen am Niveau in Deutschland relativ geringen (Netto-)Einkommen in diesen Ländern (z.B. Polen nur rd. 30%, Rumänien 18%) und der gleichsam jahrelang aufgestauten Wan- derungswünsche erreichte die (Netto-)Zuwanderung von dort sehr schnell hohe Werte in der Größenordnung von insgesamt 200.000 p.a. von 2012 bis 2015. Zum kleineren Kreis zuletzt beigetretener Länder (EU3) gehört inzwischen auch Kroatien, für dessen Bürger seit Mitte 2015 Arbeitnehmerfreizügigkeit gilt (nach EU-Beitritt am 1. Juli 2013). Aus diesen 11 Partnerländern wanderten von An- fang 2010 bis August 2017 netto 1,43 Mio. Personen zu, und zwar vor allem aus Polen (414.000 Personen), Rumänien (434.000) und Bulgarien (201.000). Die zweite Gruppe bilden die vier südeuropäischen Länder des Eurogebietes, die Ende des vergangenen Jahrzehnts in eine krisenhafte Lage mit jahrelang hoher Arbeitslosigkeit gerieten. Während auf die erste Gruppe fast drei Viertel der in diesem Jahrzehnt bislang erzielten Wanderungsgewinne Deutschlands gegenüber Partnerländern entfallen, beträgt der Anteil der zweiten Gruppe, der EU4 (GIPS, Griechenland, Italien, Portugal, Spanien), rd. 22% (2010 bis Aug. 2017: +410.000 Personen). Wanderungsdynamik lässt nach Wie die Zuwanderung aus Drittstaaten ging 2016 auch der Zuzug aus Partner- ländern zurück. Allerdings stellte das Statistische Bundesamt in dem Jahr die Datenerfassung um. Gerade länderspezifische Vergleiche zum Jahr 2015 sind deswegen nur bedingt möglich. Die Daten des AZR, die auf Staatsangehörigkeit abstellen, deuten indes auf einen merklichen Rückgang hin (2016 gg. 2015: -25%), der sich – anders als aktuelle Daten des Bundesamtes nahelegen – 2017 fortgesetzt hat (H1 2017 gg. H1 2016: -15%). Allerdings zeigen auch die Daten des Bundesamtes eine im bisherigen Jahresverlauf deutlich nachlas- sende Wanderungsdynamik aus den südeuropäischen EU-Ländern, insbeson- dere aus Spanien und Portugal. Dies passt zu der anhaltenden wirtschaftlichen Erholung in diesen Ländern. Aber auch die Zuwanderung aus Mittelosteuropa, insbesondere aus Polen, dürfte (weiter) nachlassen, zumal auch dort Fachkräfte mehr und mehr gebraucht werden. Migration stärkt Wachstumskräfte und dämpft Lohnanstieg Die Migration hat das Geschehen am deutschen Arbeitsmarkt in den vergange- nen Jahren merklich beeinflusst. Insbesondere die Zuwanderung aus den EU- 0 10 20 30 40 50 60 70 80 0 200 400 600 800 1000 1200 Insgesamt (linke Skala) Anteil EU (rechte Skala) * Januar - August 1.000 linke Skala, % rechte Skala Netto-Zuwanderung nach Deutschland 3 Quellen: Statistisches Bundesamt, Deutsche Bank Research -50 0 50 100 150 200 250 300 350 400 2010 2011 2012 2013 2014 2015 2016 2017* EU8 EU3 GIPS Übrige EU Quellen: Statistisches Bundesamt, Deutsche Bank Research 1.000 Umfangreiche Wanderungsgewinne gg. EU-Partnerländern 4 * Januar - August Nachlassende Wachstumsdynamik, aber Normalisierung der Inflation 12 | 8. Mai 2018 Ausblick Deutschland Partnerländern hat sich unmittelbar positiv auf das Arbeitskräfteangebot ausge- wirkt und damit dazu beigetragen, dass die deutsche Wirtschaft trotz Engpässen beim Angebot einheimischer Arbeitskräfte auf einem Pfad bemerkenswerten Wachstums bleiben konnte (durchschnittl. BIP-Wachstum seit 2014: +1,9% p.a, seit 2010: + 2,1% p.a.). So hat die Zuwanderung die Wachstumskräfte gestärkt und damit zugleich zur anhaltenden Attraktivität Deutschlands als Zielland für Migranten auf der Suche nach Arbeit beigetragen. Eine aktuelle Analyse der Deutschen Bundesbank konstatiert zudem einen lohndämpfenden Effekt der arbeitsmarktorientierten Zuwanderung. 5 Dieser re- sultiert demnach v.a. daraus, dass ein Großteil insbesondere der Zuwanderer aus den neuen EU-Mitgliedstaaten in Wirtschaftszweigen mit eher niedrigem Lohnniveau (und tendenziell unterdurchschnittlicher Lohndynamik), wie Land- wirtschaft, Arbeitnehmerüberlassung, Gastgewerbe und Baugewerbe, tätig sind. Verdoppelung der Zahl ausländischer Beschäftigter seit Q1 2010 Ohne Hilfe von außen wäre der kräftige Anstieg der sozialversicherungspflichti- gen Beschäftigung um 15% im Jahresdurchschnitt seit 2010 auf insgesamt 32,26 Mio. im Jahr 2017 kaum möglich gewesen. Der Zuwachs von 4,23 Mio. resultiert zu 38% aus einem Plus bei den sozialversicherungspflichtig beschäf- tigten Ausländern. Deren Zahl hat sich in den neun Jahren seit Q1 2010 auf 3,66 Mio. (Durchschnitt Jan./Feb. 2018) verdoppelt (Durchschnitt 2017 gg. 2010: +85% auf 3,5 Mio.). Dadurch nahm der Anteil von Ausländern an der sozi- alversicherungspflichtigen Beschäftigung von 6,7% 2010 auf 10,8% im vergan- genen Jahr und sogar 11,3% im Februar 2018 zu. Die größten Beiträge dazu leisteten Personen aus den neuen mittelosteuropäi- schen EU-Ländern (EU11: +873.500, darunter Polen: 286.000, Rumänien: 251.000) und aus den GIPS (+180.000). Für Personen aus den Kriegs- und Kri- senländern weist die Statistik ein Plus von rd. 140.000 entsprechend Beschäf- tigter aus. Das deutlich größere Plus bei den ersten beiden Gruppen ist insoweit verständ- lich, als es sich dabei überwiegend um Personen handelt, die per se zwecks Aufnahme einer Erwerbstätigkeit nach Deutschland einwanderten. Wande- rungsmotiv der Flüchtlinge ist hingegen die Schutzsuche. So handelt es sich bei einem wesentlichen Teil der Migranten aus den Kriegs- und Krisenländern auch um Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren. Zudem steht Asylbewerbern aus diesen Ländern der Arbeitsmarkt grundsätzlich erst nach sechs Monaten offen. Vor allem aber stehen einer schnellen Arbeitsmarktintegration der Flüchtlinge in vielen Fällen Qualifizierungsdefizite und insbesondere fehlende Sprachkennt- nisse entgegen, die erst erworben werden müssen. All dies erfordert Zeit. Bei der Interpretation der Daten gilt es zudem zu beachten, dass die Beschäfti- gungsstatistik Zuwanderer nicht separat erfasst, sondern auf die Nationalität ab- stellt. Zu einem – freilich nur geringen – Teil könnten die genannten Zuwächse daher einen Anstieg der Erwerbsneigung der bereits vor 2010 in Deutschland ansässigen ausländischen Bürger reflektieren. Dies dürfte bei der seit 2010 um rd. 51.000 gestiegenen Beschäftigung türkischer Bürger eine Rolle gespielt ha- ben, zumal seit 2010 insgesamt nur knapp 30.000 türkische Staatsbürger mehr nach Deutschland zu- als fortgezogen sind. 5 Deutsche Bundesbank (2018): Lohnwachstum in Deutschland: Einschätzung der Einflussfaktoren der jüngeren Entwicklung. Monatsbericht April 2018. 0,0 0,5 1,0 1,5 2,0 2,5 3,0 3,5 4,0 4,5 2010 2011 2012 2013 2014 2015 2016 2017 Deutschland auf dem Wachstumspfad 5 Quelle: Statistisches Bundesamt Reales BIP, % gg. Vorjahr 0 2 4 6 8 10 12 25 26 27 28 29 30 31 32 33 Insgesamt Anteil Ausländer Aufschwung am Arbeitsmarkt von ausländischen Arbeitskräften gestützt 6 Sozialversicherungspflichtig Beschäftigte, Jahres- durchschnitt, Mio. linke Skala, % rechte Skala Quellen: Bundesagentur für Arbeit, Deutsche Bank Research 0 200 400 600 800 1000 1200 1400 EU11 GIPS Kriegs- u. Krisenländer Quellen: Bundesagentur für Arbeit, Deutsche Bank Research Hohes Beschäftigungsplus bei Auslän - dern aus wichtigen Herkunftsländern 7 Sozialversicherungspflichtig Beschäftigte, gleitender 3-Monatsdurchschnitt, 1.000 Nachlassende Wachstumsdynamik, aber Normalisierung der Inflation 13 | 8. Mai 2018 Ausblick Deutschland Relativ hohe Beschäftigungsquote bei Bürgern aus EU-Partnerländern Bezogen auf die jeweilige nationale Bevölkerungsgruppe in Deutschland (ge- mäß AZR) weisen Personen aus den EU11 und den GIPS mit zuletzt (Feb. 2018) 50,4% bzw. 49,7% weitaus höhere Beschäftigungsquoten aus als die Ausländer insgesamt (41,1%, zum Vergleich Deutsche: 61,2%; jeweils nur sozi- alversicherungspflichtig Beschäftigte ohne ausschließlich geringfügig Beschäf- tigte und ohne Selbstständige). Bei den Personen aus den Kriegs- und Krisen- gebieten waren es zuletzt 19,4%. Ein gewisses Spiegelbild dieser Zahlen stellen die Daten zur Arbeitslosigkeit dar. Trotz der umfangreichen Zuwanderung waren im ersten Quartal mit 61.100 weniger Personen aus den GIPS arbeitslos als vor neun Jahren (Q1 2010: 66.500). Hingegen hat sich die Zahl der Arbeitslosen aus den mittel- und süd- osteuropäischen EU-Ländern im selben Zeitraum von rd. 54.000 auf 116.000 (April 2018: 107.000) gut verdoppelt. Die modifizierte Arbeitslosenquote (bezo- gen auf die sozialversicherungspflichtig und geringfügig Beschäftigten plus Ar- beitslose) betrug für Staatsangehörige aus den GIPS zuletzt (Feb. 2018) 9,6% und für jene aus den EU11 8,8% (allerdings Bulgarien: 16,8%), was die umfang- reichere Zuwanderung reflektiert. Deutlich mehr Sozialleistungsempfänger aus dem Ausland Auf Probleme bei der Arbeitsmarktintegration verweist vor allem auch die Inan- spruchnahme von Leistungen der Grundsicherung (nach SGB II). Hier bestehen bei den betrachteten Zuwanderergruppen erhebliche Unterschiede. Während die Zahl der Leistungsbezieher aus den GIPS von 2010 bis 2017 nur um rd. ein Fünftel (21,5%) bzw. 24.400 auf 138.000 zunahm, beträgt der Zuwachs bei den EU11 – von einer geringeren Basis aus – rd. 175% bzw. rd. 180.000 auf 283.000 (Jan 2018: 281.000). Allerdings fiel der Zuwachs 2017 relativ gering aus (3%) und im Januar lag die Zahl der Leistungsempfänger unter dem Vorjah- reswert, wie dies für Personen aus Südeuropa seit Längerem gilt. Aus den Krieg- und Krisenländern empfingen zuletzt (im Januar) 968.000 Personen Grundsicherung, darunter 652.000 Erwerbsfähige. Auch diese Zahl belegt die Größe und Herausforderung der Integrationsaufgabe. Fazit Der Zuwanderungsboom hat den Aufschwung in Deutschland befördert und un- terstützt weiterhin die robuste Konjunktur. Inzwischen dürfte der Zuzug von Ar- beitskräften aus den EU-Partnerländern aber die Höchstwerte überschritten ha- ben. Soweit auch in der anbrechenden Epoche der digitalen Wirtschaft noch ein Überhang bei der Nachfrage nach Fachkräften besteht, erscheint es ratsam, die Attraktivität Deutschlands für qualifizierte Zuwanderer aus Drittstaaten weiter zu steigern. Vor allem gilt es, das im Inland vorhandene Potenzial an Arbeitskräften effizient zu nutzen. Der derzeit am deutschen Arbeitsmarkt bestehende Mis- match von einerseits fast 1,2 Mio. offenen Stellen in Q1 2018 und andererseits 2,52 Mio. Arbeitslosen, darunter knapp 0,91 Mio. Beziehern von Grundsiche- rung im selben Quartal bei einer Gesamtzahl von zuletzt (Jan. 2018) 4,26 Mio. erwerbsfähigen Leistungsberechtigten, belegt die Herausforderung. Dieter Bräuninger (+49 69 910-31708, dieter.braeuninger@db.com) 0 2 4 6 8 10 12 14 16 0 10 20 30 40 50 60 SV-Beschäftigungsquote EU11 SV-Beschäftigungsquote GIPS Arbeitslosenquote EU11 (rechts) Arbeitslosenquote GIPS (rechts) Quelllen: Bundesagentur für Arbeit, Deutsche Bank Research Jahresdurchschnitt, % * Sozialversicherungspflichtig Beschäftigte bezogen auf die betreffende Bevölkerungsgruppe gem. AZR ** Quote mit eingeschränkter Bezugsgröße SV - Beschäftigungs - * & Arbeitslosen - quote** für Bürger aus Partnerländern 8 0 50 100 150 200 250 300 EU11 GIPS Jahresdurchschnitt, 1.000 Quellen: Bundesagentur für Arbeit, Deutsche Bank Research Empfänger von Grundsicherungs- leistungen aus EU-Partnerländern 9 Nachlassende Wachstumsdynamik, aber Normalisierung der Inflation 14 | 8. Mai 2018 Ausblick Deutschland EZB: Das Vertrauen ist weder absolut noch bedin- gungslos — In unserem Basisszenario für die April-Pressekonferenz gingen wir davon aus, dass die Presseerklärung unverändert bleiben und sich Mario Draghi in der Fragerunde etwas taubenhafter zu den Risiken äußern werde. Genau so ist es auch gekommen. Die vorbereitete Presseerklärung verwendete praktisch unveränderte Formulierungen und der Rat zeigte sich nach wie vor zuversichtlich in Bezug auf Wachstum und Inflation. Dagegen schlug Draghi in der Fragerunde etwas vorsichtigere Töne an. — Die wichtigste Erkenntnis aus der Pressekonferenz lautet, dass sich der Rat nicht über die Geldpolitik ausgetauscht hat. Stattdessen hat er sich auf die „sehr wichtigen“ aktuellen Wirtschaftsdaten konzentriert. Da in den kom- menden Monaten eine Entscheidung über die Beendigung der QE ansteht, kann die EZB nicht einfach davon ausgehen, dass die schwächere konjunk- turelle Dynamik im ersten Quartal nur ein vorübergehendes Phänomen ist – auch wenn wir genau wie die Zentralbank der Auffassung sind, dass dies wahrscheinlich in der Tat der Fall ist. Darüber hinaus ist immer noch ein Handelskrieg möglich und dieser unbekannte Faktor könnte beträchtliche Auswirkungen auf das Vertrauen haben. — Da also eine gewisse Vorsicht zu spüren ist und keinerlei Vorbereitungen für eine wichtige geldpolitische Entscheidung in naher Zukunft getroffen wurden, ist die Wahrscheinlichkeit einer QE-Ankündigung im Juni unseres Erachtens gesunken. Wir rechnen jetzt damit, dass die EZB die Einstellung der Nettokäufe von Vermögenswerten im Juli ankündigt. Ganz gleich, ob dieser Schritt nun im Juni oder Juli erfolgt – wir gehen weiterhin von einer Reduzierung der QE in Q4 und ihrer Beendigung im Dezember 2018 sowie von einer ersten Anhebung des Einlagensatzes um 20 Bp. im Juni 2019 aus. Erstens: Die vom Rat genehmigte Presseerklärung war im Vergleich zum März praktisch unverändert. Als erste Änderung wurde die Konjunkturabschwächung in den vergangenen Monaten zur Kenntnis genommen. Allerdings wurde sie weitgehend als (a) erwartet und (b) möglicherweise durch temporäre Faktoren verursacht abgetan. Eine zweite Änderung wurde bei den Äußerungen zu even- tuellen Wachstumsrisiken vorgenommen. Insgesamt wurden die Risiken weiter- hin als ausgeglichen angesehen. Allerdings wurde das zuvor bestehende Auf- wärtsrisiko aufgrund der anhaltend kräftigen Wachstumsdynamik nicht mehr an- geführt, und es hieß, dass „Risiken im Zusammenhang mit globalen Faktoren, darunter die Gefahr eines verstärkten Protektionsmus, vermehrt in den Vorder- grund“ träten. Die Botschaft der Presseerklärung blieb also vordergründig unver- ändert, wobei jedoch etwas taubenhaftere Akzente zu erkennen waren. Zweitens: Draghi äußerte sich in der Fragerunde taubenhafter und wand sich bei seinen Formulierungen, um das in der Presseerklärung ausgedrückte Ver- trauen nicht allzu sehr zu beschädigen. (1) Draghi sagte, die Schwäche der jüngsten Konjunkturdaten – auf die er in allen Einzelheiten einging, um sich nicht vorwerfen lassen zu müssen, er beachte die Daten nicht genügend – müsse im Auge behalten werden. Er sagte, natürlich herrsche eine gewisse Vor- sicht, aber gleichzeitig sei das Vertrauen unverändert. Anders ausgedrückt: Der Rat möchte weiter optimistisch sein, sieht sich aber angesichts der jüngsten Da- ten etwas unter Druck. (2) Draghi sagte, es sei nicht über die Geldpolitik disku- tiert worden. Die Aussprache habe sich auf die Wirtschaft und die Entwicklun- gen in den einzelnen Ländern aus Sicht der Zentralbankgouverneure kon- zentriert. Insgesamt war auf breiter Front eine Konjunkturverlangsamung zu er- kennen. Draghi äußerte, über die Geldpolitik sei nicht diskutiert worden, weil die Nachlassende Wachstumsdynamik, aber Normalisierung der Inflation 15 | 8. Mai 2018 Ausblick Deutschland aktuellen Konjunkturdaten „sehr wichtig“ seien. Die Presseerklärung ließ durch- blicken, dass der Rat den jüngsten Daten nicht allzu viel Beachtung geschenkt habe; Draghi signalisierte dagegen deutlich, dass durchaus etwas mehr Besorg- nis besteht. Welche Botschaft nehmen wir aus der Pressekonferenz mit? All- mählicher Ausstieg, QE-Entscheidung wohl eher im Juli als im Juni Erstens: Die ausgewogene, „taubenhafte Exit-Strategie“ wird weiter verfolgt. Es gibt keinerlei Hinweise darauf, dass sich die EZB nicht weiter auf einen Ausstieg aus der QE zubewegt. Ganz wie die EZB sind wir der Auffassung, dass die Fun- damentaldaten trotz der überraschenden Schwäche in Q1 weiterhin auf ein über der Trendrate liegendes Wirtschaftswachstum hindeuten und dass durchaus mit einer Normalisierung der Inflation zu rechnen ist. Der Ausstieg wird wohl allmäh- lich und unter Berücksichtigung eventuell auftretender Makrorisiken erfolgen. Eine dauerhafte Normalisierung der Inflationsrate – ein Kriterium für die Beendi- gung der Netto-QE-Käufe – scheint weiterhin in Reichweite, solange die Ab- wärtsrisiken für das Wachstum nicht eintreten. Der Rat geht davon aus, dass dies nicht der Fall sein wird, wenngleich sich diese Einschätzung mit der Prog- noseaktualisierung im Juni ändern könnte. Wohlgemerkt: Wie der Rat die Risi- ken einschätzt, könnte nicht zuletzt davon abhängen, ob die EU von den höhe- ren US-Zöllen auf Stahl und Aluminium ausgenommen bleibt oder nicht. Zweitens: Unseres Erachtens ist es bedeutsam, dass nicht über die Geldpolitik diskutiert wurde; dies lässt darauf schließen, dass die QE-Entscheidung wohl eher im Juli als im Juni getroffen wird. Dass nicht über die Geldpolitik diskutiert wurde, bedeutet, dass keine Vorbereitungen für eine zweifelsohne bedeutsame Entscheidung getroffen wurden, nämlich über das Ob und Wie eines Ausstiegs aus der QE. Dabei geht es nicht nur um die Frage, ob sich die Inflation dauer- haft normalisiert, sondern auch darum, ob der Ausstieg abrupt oder allmählich erfolgt und ob und in welchem Umfang die Zins-Guidance geändert werden muss, damit es nicht zu Turbulenzen an den Finanzmärkten kommt. Da keine entsprechenden Vorbereitungen getroffen wurden, ist wohl eher im Juli als im Juni damit zu rechnen, dass das Ende der Anleihekäufe angekündigt wird. Wir ändern daher unsere Prognose und rechnen jetzt mit einer Entscheidung im Juli, wenngleich der Juni natürlich weiterhin ein möglicher Termin ist. Die Risikoabwägung deutete ohnehin bereits auf Juli hin. Dies wäre der spätest- mögliche Zeitpunkt, zu dem eine Beendigung der Anleihekäufe angekündigt werden könnte. Schon Ende 2017 hat die EZB mit der Bekanntgabe der Redu- zierung der Anleihekäufe von EUR 60 Mrd. auf EUR 30 Mrd. so lange wie mög- lich gewartet. Ob die QE-Entscheidung nun im Juni oder – was inzwischen wahrscheinlicher ist – im Juli erfolgt, ändert jedoch nichts an unserer Prognose, dass die Anleihekäufe in Q4 reduziert und im Dezember 2018 beendet wird und die Tür für einen ersten Zinsschritt im Juni 2019 offen ist. Wir gehen weiterhin von einer Anhebung des Einlagensatzes um 20 Bp. im Juni 2018 aus. Drittens: Draghi erklärte, es gebe eine Diskussion darüber, ob das Trendwachs- tum ansteige und daher auch der neutrale Zinssatz höher liege. Draghi äußerte sich jedoch nicht eindeutig falkenhaft zu dieser Frage – er deutete vielmehr an, dass sich der Geldpolitik bei einem steigenden neutralen Zinssatz mehr Spiel- raum eröffne. Erneut schlug er einen eher taubenhaften Ton an. Die EZB möchte laut Draghi eine unangemessene Straffung der finanziellen Bedingun- gen vermeiden und ist bereit, sich erforderlichenfalls dagegenzustemmen. Mark Wall (+44 20 754-52087, mark.wall@db.com) Stefan Schneider (+49 69 910-31790, stefan-b.schneider@db.com) Nachlassende Wachstumsdynamik, aber Normalisierung der Inflation 16 | 8. Mai 2018 Ausblick Deutschland DB Makro-Überraschungsindex Deutschland Der DB Makro-Überraschungsindex vergleicht den Wert der veröffentlichten Konjunkturdaten mit den Markterwartun- gen und liefert damit Hinweise über die Richtung künftiger Prognoseanpassungen. Neu berechnet von Marc Schattenberg und Jochen Möbert (+49 69 910-31727, jochen.moebert@db.com) Quelle: Heiko Peters (2014). DB Makro-Überraschungsindex Deutschland. Ausblick Deutschland, 4. August 2014. Letzte 20 veröffentlichte deutsche Konjunkturdaten DX -0,5 -0,4 -0,3 -0,2 -0,1 0,0 0,1 0,2 0,3 0,4 0,5 14 15 16 17 18 DB Makro-Überraschungsindex +/- 1 Standardabweichung DB Makro - Überraschungsindex Deutschland Durchschnitt der z-Werte der vergangenen 20 Datenüberraschungen Werte über (unter) 0 bedeuten über (unter) der Markterwartung liegende Datenveröffentlichungen Quellen: Bloomberg Finance LP, Deutsche Bank Research Bloomberg Ticker Indikator Berichts- monat Veröffentlich- ungsdatum Aktueller Wert Bloomberg Konsensus Überra- schung Standardisierte Überraschung Quantils- rang GRIFPBUS Index ifo Geschäf tsklimaindex 3 2018 22/03/2018 103.3 114.6 -11.3 -1.4 0.0 GRIMP95Y Index Importpreise (% gg. Vj.) 2 2018 27/03/2018 -0.6 -0.3 -0.3 0.1 0.5 GRUECHNG Index Veränderung Arbeitslose (Tsd. gg. Vm.) 3 2018 29/03/2018 -18.0 -15.0 3.0 -0.1 0.5 GRFRIAMM Index Einzelhandelsumsätze (% gg. Vm.) 2 2018 03/04/2018 -0.2 0.7 -0.9 -0.4 0.3 MPMIDEMA Index PMI Verarbeitendes Gew erbe 3 2018 03/04/2018 58.2 58.4 -0.2 -0.3 0.3 GRIORTMM Index Auftragseingänge (% gg. Vm.) 2 2018 05/04/2018 -0.2 1.5 -1.7 -0.9 0.2 MPMIDESA Index PMI Dienstleistungssektor 3 2018 05/04/2018 53.9 54.2 -0.3 -0.3 0.4 GRIPIMOM Index Industrieproduktion (% gg. Vm.) 2 2018 06/04/2018 -1.6 0.2 -1.8 -1.5 0.1 GRCAEU Index Leistungsbilanzsaldo (EUR Mrd.) 2 2018 09/04/2018 20.7 22.9 -2.2 -1.0 0.1 GRCP20YY Index VPI (% gg. Vj.) 3 2018 13/04/2018 1.6 1.6 0.0 0.2 0.3 GRZEWI Index ZEW - Konjunktur (Erw artungen) 4 2018 17/04/2018 -8.2 -1.0 -7.2 -0.9 0.2 GRZECURR Index ZEW - Konjunktur (Situation) 4 2018 17/04/2018 87.9 88.0 -0.1 -0.1 0.4 GRIFPBUS Index ifo Geschäf tsklimaindex 4 2018 24/04/2018 102.1 102.8 -0.7 0.7 0.6 GRUECHNG Index Veränderung Arbeitslose (Tsd. gg. Vm.) 4 2018 27/04/2018 -7.0 -15.0 -8.0 -0.5 0.3 GRIMP95Y Index Importpreise (% gg. Vj.) 3 2018 27/04/2018 -0.1 0.0 -0.1 0.2 0.6 GRCP20YY Index VPI (% gg. Vj.) 4 2018 30/04/2018 1.6 1.5 0.1 0.9 0.8 GRFRIAMM Index Einzelhandelsumsätze (% gg. Vm.) 3 2018 30/04/2018 -0.6 0.8 -1.4 -0.8 0.2 MPMIDEMA Index PMI Verarbeitendes Gew erbe 4 2018 02/05/2018 58.1 58.1 0.0 0.0 0.4 MPMIDESA Index PMI Dienstleistungssektor 4 2018 04/05/2018 53.0 54.1 -1.1 -1.2 0.1 GRIORTMM Index Auftragseingänge (% gg. Vm.) 3 2018 07/05/2018 -0.9 0.5 -1.4 -0.7 0.2 Quellen: Bloomberg Finance LP, Deut sche Bank Research Nachlassende Wachstumsdynamik, aber Normalisierung der Inflation 17 | 8. Mai 2018 Ausblick Deutschland Deutscher Exportindikator Der Exportindikator identifiziert die Auswirkungen von globalen Nachfrageveränderungen und von Währungs- bewegungen (Preisimpuls) auf die deutschen Exporte. 6 Jochen Möbert (+49 69 910-31727, jochen.moebert@db.com) 6 Siehe für Details Ausblick Deutschland, 3. März 2016. Nachlassende Wachstumsdynamik, aber Normalisierung der Inflation 18 | 8. Mai 2018 Ausblick Deutschland Dieter Bräuninger (+49 69 910-31708, dieter.braeuninger@db.com) Deutschland: Termine der Finanz-, der Wirtschafts- und der Europapolitik DX Datum Ereignis Anmerkungen 7. Mai Beginn der Schlichtungsverhandlungen in der Bau-Tarif- runde 2018 Nachdem die Gewerkschaft IG Bauen-Agrar-Umwelt die Tarifverhandlungen für die rund 800.000 Beschäftigten nach drei Runden für gescheitert erklärt hatte, begann am 7. Mai ein 14-tägiges Schlichtungsverfahren. Führt dies nicht zu einer Einigung, muss die Schlichtungskommission einen Schieds- spruch fällen. Über dessen Annahme entscheiden die Tarifparteien dann in- nerhalb von zwei Wochen. Schlichter ist der frühere Bundeswirtschaftsminis- ter Wolfgang Clement. 7./9. Mai Arbeitskreis Steuerschätzungen, Mainz Bei der Sitzung im November prognostizierte der Arbeitskreis für 2018 und 2019 einen Anstieg des Steueraufkommens von je 4,1% auf insges. EUR 764,3 Mrd. bzw. 795,4 Mrd. Da Bundesregierung und Institute inzwischen ein (noch) etwas kräftigeres Wachstum des nominalen BIP und der Bruttolöhne und -gehälter prognostizieren als im November angenommen wurde, dürfte der Arbeitskreis seine Schätzungen anheben. Presseberichten zufolge um insgesamt bis zu EUR 60 Mrd für die kommenden Jahre bis 2022. 24./25. Mai Eurogruppe und ECOFIN, Brüssel Wirtschaftliche Lage im Eurogebiet, thematische Debatte über Wachstum und Beschäftigung – Überprüfung der Staatsausgaben, (möglicherweise) Lage in Griechenland und in Zypern. 14. Juni Sitzung des EZB-Rates, Pressekonferenz Aufgrund des schwachen Q1-Wachstums, der jüngst eher verhaltenen öko- nomischen Indikatoren und des potenziell eskalierenden Handelsstreits dürfte die EZB wenig entscheidungsfreudig sein und kein Ende der Anleihe- käufe verkünden. 21./22. Juni Eurogruppe und ECOFIN, Brüssel (Voraussichtl.) Implikationen der Frühjahrsprognose der Kommission für De- fizitverfahren (EDP) und Innovationspartnerschaften (EIPs) für Länder des Eurogebiets, thematische Debatte über Wachstum und Beschäftigung: Effizi- enz der Arbeitsmärkte und Nachhaltigkeit der Alterssicherung; (voraussichtl.) Lage im Eurogebiet gem. IWF-Vorgaben, Lage in Griechenland u.a. 28./29. Juni Europäischer Rat, Brüssel Auswärtige Angelegenheiten und internationale Beziehungen, v.a. Handels- beziehungen, Migrations- und Asylpolitik der EU, Meinungsaustausch über EU-Budget, (voraussichtl.) Stand der Brexit-Verhandlungen. Mitte Juli - 7. Sept. Deutscher Bundestag Parlamentarische Sommerpause. 26. Juli Sitzung des EZB-Rates, Pressekonferenz Die EZB dürfte auf ihrer Juli-Sitzung das Ende der Anleihekäufe für Q4 2018 bekanntgeben. Damit dürfte der Fokus auf die Zinspolitik schwenken. Wir er- warten zwei Zinsschritte im Juni und Dezember 2019. Der Einlagensatz dürfte um 20 Bp und die Hauptrefinanzierungsrate um 25 Bp steigen. Wir halten einen Zinsschritt vor Juni 2019 für nahezu ausgeschlossen. Quelle: Deutsche Bank Research Nachlassende Wachstumsdynamik, aber Normalisierung der Inflation 19 | 8. Mai 2018 Ausblick Deutschland Marc Schattenberg, Sebastian Becker & Jochen Möbert (+49 69 910-31727, jochen.moebert@db.com) Deutschland: Datenkalender DX Datum Uhrzeit Daten Berichtszeitraum DB Schätzung Letzter Wert 7 Mai 2018 8:00 Auftragseingang im Ver. Gewerbe (% gg. Vm., sb.) März -0,9 -0,2 8 Mai 2018 8:00 Industrieproduktion (% gg. Vm., sb.) März 1,1 -1,7 8 Mai 2018 8:00 Handelsbilanz (EUR Mrd., sb.) März 22,0 19,2 8 Mai 2018 8:00 Warenexporte (% gg. Vm., sb.) März 1,7 -3,1 8 Mai 2018 8:00 Warenimporte (% gg. Vm., sb.) März -0,9 -1,3 15 Mai 2018 8:00 Reales BIP (% gg. Vq., sb.) Q4 2017 0,3 0,5 23 Mai 2018 9:30 PMI Verarbeitendes Gewerbe (Flash) April 58,0 58,1 23 Mai 2018 9:30 PMI Dienstleistungssektor (Flash) April 53,5 53,0 24 Mai 2018 8:00 Reales BIP (% gg. Vq., sb.) - Details Q4 2017 0,3 0,5 25 Mai 2018 10:30 ifo Geschäftsklima (Index, sb.) April 102,7 102,1 30 Mai 2018 09:55 Arbeitslosenrate (%, sb.) März 5,3 5,3 30 Mai 2018 14:00 Vorläufiger VPI (% gg. Vj., sb.) April 1,5 1,6 30 Mai 2018 8:00 Einzelhandelsumsätze (Index, sb.), % gg. Vm.* März 1,5 -0,6 *lt. Statistischem Bundesamt auch früherer Veröffentlichungstermin möglich Quellen: Deutsche Bank Research, Statistisches Bundesamt, Bundesagentur für Arbeit, ifo, IHS Markit Nachlassende Wachstumsdynamik, aber Normalisierung der Inflation 20 | 8. Mai 2018 Ausblick Deutschland Finanzmarktprognosen DX US JP EWU GB CH SE DK NO PL HU CZ Leitzinssatz, % Aktuell 1,625 -0,10 0,00 0,50 -0,75 -0,50 0,05 0,50 1,50 0,05 0,75 Jun 18 1,875 -0,10 0,00 0,50 -0,75 -0,50 0,05 0,50 1,50 0,05 0,75 Sep 18 2,125 -0,10 0,00 0,75 -0,75 -0,50 0,05 0,75 1,50 0,05 0,75 Dez 18 2,375 -0,10 0,00 0,75 -0,75 -0,25 0,05 0,75 1,50 0,05 1,00 3M Geldmarktsatz, % Aktuell 2,30 0,07 -0,33 0,67 Jun 18 2,34 0,05 -0,35 0,60 Sep 18 2,52 0,05 -0,35 0,55 Dez 18 2,76 0,05 -0,35 0,75 Rendite 10J Staatsanleihen, % Aktuell 2,95 0,05 0,54 1,46 Jun 18 3,00 0,00 0,70 1,45 Sep 18 2,95 0,00 0,90 1,60 Dez 18 3,25 0,00 1,25 1,80 Wechselkurse EUR/USD USD/JPY EUR/GBP GBP/USD EUR/CHF EUR/SEK EUR/DKK EUR/NOK EUR/PLN EUR/HUF EUR/CZK Aktuell 1,19 108,94 0,88 1,36 1,19 10,56 7,45 9,64 4,28 313,87 25,51 Jun 18 1,24 102,00 0,91 1,37 1,20 9,60 9,25 4,16 317,00 25,44 Sep 18 1,26 105,00 0,93 1,35 1,22 9,40 9,10 4,17 316,00 25,05 Dez 18 1,28 105,00 0,93 1,38 1,25 9,20 7,46 9,00 4,19 315,00 24,75 Quellen: Bloomberg Finance LP, Deutsche Bank Research Nachlassende Wachstumsdynamik, aber Normalisierung der Inflation 21 | 8. Mai 2018 Ausblick Deutschland Deutschland: Datenmonitor DX Q2 2017 Q3 2017 Q4 2017 Q1 2018 Q2 2018 Dez 2017 Jan 2018 Feb 2018 Mrz 2018 Apr 2018 Mai 2018 Konjunkturumfragen Gesamtwirtschaft ifo Geschäftsklima 105,7 107,1 108,0 106,9 107,8 108,2 106,8 105,7 104,5 ifo Geschäftserwartungen 103,1 104,4 106,4 102,8 105,9 104,6 102,9 101,0 99,8 Produzierendes Gewerbe ifo Verarbeitendes Gewerbe 106,0 107,9 109,0 107,8 108,6 109,4 107,6 106,3 104,8 Produktion (% gg. Vp.) 1,5 1,6 1,0 0,1 -0,4 0,0 -1,7 1,1 Auftragseingang (% gg. Vp.) 1,2 2,3 3,5 -2,1 2,6 -3,5 -0,2 -0,9 Grad der Kapazitätsauslastung 85,8 86,5 88,2 88,5 88,0 Bauhauptgewerbe Produktion (% gg. Vp.) 5,4 -0,4 -1,0 -3,3 5,9 -7,2 Auftragseingang (% ggü. Vp.) -2,0 -1,7 10,2 13,5 -12,8 9,9 ifo Bauhauptgewerbe 108,1 109,9 110,7 110,1 110,7 110,2 109,3 110,7 111,5 Konsumentennachfrage EC Konsumentenbefragung 3,6 4,1 5,5 6,7 6,1 7,4 6,5 6,1 6,1 Einzelhandelsumsätze (% gg. Vp.) 0,8 0,3 0,7 -0,9 -1,1 -0,4 -0,2 -0,6 Neuzulassungen PKW (% gg. Vj.) 0,0 0,3 4,2 4,0 -1,0 11,6 7,4 -3,4 8,0 Außenhandel Auslandsaufträge (% gg. Vp.) 1,5 3,5 4,9 4,4 -4,6 Exporte (% gg. Vp.) 1,6 0,7 2,9 -0,7 0,0 -0,4 -3,1 1,7 Importe (% gg. Vp.) 1,4 0,2 2,8 -0,4 0,9 -0,3 -1,4 -0,9 Nettoexporte (EUR Mrd.) 60,5 62,0 64,3 63,1 21,8 21,7 19,4 22,0 Arbeitsmarkt Arbeitslosenquote (%) 5,7 5,7 5,5 5,4 5,5 5,4 5,4 5,3 5,3 Veränderung Arbeitslosigkeit (Tsd. gg. Vp.) -45,0 -25,7 -54,7 -69,7 -29,0 -24,0 -21,0 -18,0 -7,0 Beschäftigung (% gg. Vj.) 1,4 1,5 1,4 1,4 1,4 1,4 1,4 1,4 ifo Beschäftigungsbarometer 102,7 103,3 104,0 104,8 104,7 105,5 105,0 103,9 103,3 Preise, Löhne und Arbeitskosten Preise HVPI (% gg. Vj.) 1,6 1,7 1,6 1,4 1,6 1,4 1,2 1,5 1,4 Kern-HVPI (% gg. Vj.) 1,4 1,5 1,3 1,3 1,4 1,3 1,4 1,3 1,0 Harmonisierter PPI (% gg. Vj.) 2,8 2,7 2,5 2,0 2,3 2,1 1,8 1,9 Rohstoffe ohne Energie (% gg. Vj.) 8,9 4,2 -5,6 -12,4 -10,5 -11,1 -13,5 -12,6 -6,3 Rohöl, Brent (USD/Bbl) 50,8 52,2 61,5 66,9 64,4 69,1 65,3 66,0 72,0 74,2 Inflationserwartungen EC Haushaltsumfrage 17,6 16,3 16,0 16,4 14,8 16,6 18,3 14,4 15,1 EC Unternehmensumfrage 11,6 10,1 14,1 14,3 17,7 15,6 14,0 13,4 15,0 Lohnstückkosten (gg. Vj.) Lohnstückkosten 2,6 1,9 1,1 Arbeitnehmerentgelt je Arbeitnehmer 2,7 2,7 2,5 Arbeitnehmerentgelt je Stunde 4,1 2,8 2,8 Monetärer Sektor (gg. Vj.) M3 5,6 4,7 4,3 3,4 4,3 3,6 3,2 3,4 Trend von M3* 4,6 4,1 3,7 3,4 Kredite an Unternehmen und Privatpersonen 3,8 3,9 4,2 4,3 4,2 4,3 4,3 4,3 Kredite an öffentliche Haushalte 4,1 5,5 -2,9 -20,1 -2,9 -5,4 -12,9 -20,1 % gg. VP = Veränderung gegenüber der Vorperiode; * zentrierter 3M-Durchschnitt Quellen: Bundesagentur für Arbeit, Deutsche Bundesbank, Europäische Kommission, Eurostat, Statistisches Bundesamt, HWWI, ifo, Markit Nachlassende Wachstumsdynamik, aber Normalisierung der Inflation 22 | 8. Mai 2018 Ausblick Deutschland Nachlassende Wachstumsdynamik, aber Normalisierung der Inflation 23 | 8. Mai 2018 Ausblick Deutschland Ausblick Deutschland Unsere Publikationen finden Sie unentgeltlich auf unserer Internetseite www.dbresearch.de Dort können Sie sich auch als regelmäßiger Empfänger unserer Publikationen per E-Mail eintragen. Für die Print-Version wenden Sie sich bitte an: Deutsche Bank Research Marketing 60262 Frankfurt am Main Fax: +49 69 910-31877 E-Mail: marketing.dbr@db.com Schneller via E-Mail: marketing.dbr@db.com * Nachlassende Wachstumsdynamik, aber Normalisierung der Inflation ...................................... 8. Mai 2018 * Handelskonflikt fordert Unternehmen und Regierung .... 10. April 2018 * Kräftiges Wachstum, (noch) begrenzte Inflation ........... 13. März 2018 * Partyzeit ................................................................... 5. Februar 2018 * Ausblick 2018: Robuste Konjunktur – fragile Politik ...................... 14. Dezember 2017 * Konjunktureller Rückenwind für Koalitions- verhandlungen ....................................................... 3. November 2017 * Jamaika-Koalition dürfte kein Füllhorn ausschütten .... 6. Oktober 2017 * Konjunkturboom – noch ohne Lohndruck ............... 6. September 2017 * Konjunkturboom kein Grund für fiskalische Selbstzufriedenheit ...................................................... 8. August 2017 © Copyright 2018. Deutsche Bank AG, Deutsche Bank Research, 60262 Frankfurt am Main, Deutschland. Alle Rechte vorbehalten. Bei Zitaten wird um Quellenangabe „Deutsche Bank Research“ gebeten. Die vorstehenden Angaben stellen keine Anlage-, Rechts- oder Steuerberatung dar. Alle Meinungsaussagen geben die aktuelle Einschätzung des Ver- fassers wieder, die nicht notwendigerweise der Meinung der Deutsche Bank AG oder ihrer assoziierten Unternehmen entspricht. Alle Meinungen kön- nen ohne vorherige Ankündigung geändert werden. 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