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2. Oktober 2015
Trotz der Eintrübung des externen und des Finanzmarktumfeldes haben wir unsere Prognose für das BIP-Wachstum in 2016 von 1,7% auf 1,9% angehoben. Unsere Prognose für 2015 bleibt unverändert bei 1,7%. Die Treiber sind ein höheres reales Konsumwachstum, das vom niedrigeren Ölpreis und einer hohen Zuwanderung gestützt wird. Letzteres sollte den Konsum (staatlich und privat) um ½%-Punkt und das BIP um ¼%-Punkt erhöhen. Dagegen haben wir unsere Exportprognose angesichts der sich abzeichnenden Schwäche in den Emerging Markets und der bislang schwächer als erwartet ausgefallenen Abwertung des Euro moderat gesenkt. Der höhere Konsum treibt zudem das Importwachstum. Dies dämpft den Außenbeitrag. Beim Außenhandel bestehen unseres Erachtens vor allem wegen der Emerging Markets Abwärtsrisiken. [mehr]
Ausblick Deutschland: Migration, Metropolregion, Inflation Aktuelle Themen Konjunktur Einwanderung treibt das Wachstum in 2016. Trotz der Eintrübung des externen und des Finanzmarktumfeldes haben wir unsere Prognose für das BIP- Wachstum in 2016 von 1,7% auf 1,9% angehoben. Unsere Prognose für 2015 bleibt unverändert bei 1,7%. Die Treiber sind ein höheres reales Konsumwach- stum, das vom niedrigeren Ölpreis und einer hohen Zuwanderung gestützt wird. Letzteres sollte den Konsum (staatlich und privat) um ½%-Punkt und das BIP um ¼%-Punkt erhöhen. Dagegen haben wir unsere Exportprognose angesichts der sich abzeichnenden Schwäche in den Emerging Markets und der bislang schwächer als erwartet ausgefallenen Abwertung des Euro moderat gesenkt. Der höhere Konsum treibt zudem das Importwachstum. Dies dämpft den Au- ßenbeitrag. Beim Außenhandel bestehen unseres Erachtens vor allem wegen der Emerging Markets Abwärtsrisiken. Wir nehmen an, dass der VW-Skandal keine größeren negativen Auswirkungen auf andere deutsche Auto- Produzenten oder gar das „Made in Germany“-Siegel entfalten wird. Metropolregionen gehört die Zukunft! Unter den 100 wohlhabendsten europä- ischen Regionen befinden sich 62 deutsche. Die Top-5-Regionen sind: Mün- chen, Düsseldorf, Ingolstadt, Frankfurt und Heilbronn. Vorteilhaft für die großen Metropolregionen sind die günstige Bevölkerungsstruktur, die positiven demo- graphischen Faktoren und die Präsenz der Hauptquartiere der großen Unter- nehmen. Der schärfer werdende demographische Wandel dürfte die Lage in den kleineren und den Nicht-Metropolregionen weiter zuspitzen. Daher sollten Überlegungen angestellt werden, wie die regionale Mobilität erhöht werden kann. Dies würde auch bedeuten, dass kleinere Gemeinden zusammengelegt werden sollten, wenn sich die Infrastruktur nicht unter vertretbaren Kosten zu- rückbauen lässt. Europas Wohnungspreise: Deutschland hat noch Potenzial – mittelfristig droht Korrektur. Aufgrund der Internationalisierung des deutschen Wohnungsmarkts lohnt mehr denn je ein Vergleich deutscher mit den europäischen Wohnungsprei- sen. Unsere Analyse für 200 europäische Städte zeigt, dass aktuell deutsche Wohnungen eher zu günstig als zu teuer sind. Allerdings droht aufgrund der Markteingriffe des Staates eine weiterhin gedämpfte Mietdynamik. Zusammen mit Deutschlands schnell alternder Bevölkerung droht am Zyklusende eine Marktkor- rektur. Diese wird vermutlich noch einige Jahre auf sich warten lassen, dürfte dann aber umso größer ausfallen je länger der Hauspreiszyklus dauert. EZB: QE-Erweiterung gewinnt an Wahrscheinlichkeit. Entscheidend mit Blick auf eine mögliche Ausweitung von QE sind die Antworten auf folgende Fragen: 1.) Gefährdet die Entwicklung in China die konjunkturelle Erholung in der Euro- zone? 2.) Überwiegt die Verschlechterung der finanziellen Rahmenbedingung die Verbesserung der Kreditbedingungen? 3.) Gefährden schwächere Inflati- onserwartungen die Stabilisierung der Kerninflation? Die EZB dürfte wohl noch in diesem Jahr eine mögliche QE-Ausweitung adressieren. Autor en Jochen Möbert +49 69 910-31727 jochen.moebert@db.com Heiko Peters +49 69 910-21548 heiko.peters@db.com Oliver Rakau +49 69 910-31875 oliver.rakau@db.com Stefan Schneider +49 69 910-31790 stefan-b.schneider@db.com Editor Stefan Schneider Deutsche Bank AG Deutsche Bank Research Frankfurt am Main Deutschland E-Mail: marketing.dbr@db.com Fax: +49 69 910-31877 www.dbresearch.de DB Research Management Ralf Hoffmann Inhaltsverzeichnis Seite Prognosetabellen ............................................2 Einwanderung treibt das Wachstum in 2016 ...3 Metropolregionen gehört die Zukunft!..............5 Europas Wohnungspreise: Deutschland hat noch Potenzial – mittelfristig droht Korrektur ....................................................... 18 EZB: QE-Erweiterung gewinnt an Wahrscheinlichkeit ........................................ 24 DB Makro-Überraschungsindex Deutschland .................................................. 27 Eventkalender ............................................... 28 Datenkalender .............................................. 29 Finanzmarktprognosen ................................. 30 Datenmonitor ................................................ 31 2. Oktober 2015 Ausblick Deutschla nd Migration, Metropolregion, Inflation Ausblick Deutschland 2 | 2. Oktober 2015 Aktuelle Themen Wachstum, Inflation, Leistungsbilanz, Budgetsaldo DX BIP - Wachstum Inflation* Leistungsbilanzsaldo Budgetsaldo in % gg. Vj. in % gg. Vj. in % des BIP in % des BIP 2014P 2015P 2016P 2014P 2015P 2016 P 2014P 2015P 2016P 2014P 2015P 2016P Euroland 0,9 1,4 1,6 0,4 0,3 1,4 2,1 3,0 2,3 - 2,4 - 2,1 - 1,8 Deutschland 1,6 1,7 1,9 0,9 0,3 1,3 7,4 8,3 8,2 0,3 0,7 0,5 Frankreich 0,2 1,2 1,6 0,6 0,3 1,1 - 0,9 - 0,5 - 1,0 - 4,0 - 3,8 - 3,6 Italien - 0,4 0,7 1,5 0,2 0,2 1,2 2,0 2,5 2,9 - 3,0 - 2,8 - 2,2 Spanien 1,4 3,2 2,8 - 0,2 - 0,3 1,5 1,0 1,3 1,1 - 5,8 - 4,6 - 3,6 Niederlande 1,0 1,9 1,4 0,3 0,2 1,3 10,6 11,1 11,1 - 2,3 - 2,0 - 1,9 Belgien 1,1 1,3 1,6 0,5 0,6 1,6 0,1 2,0 1,5 - 3,2 - 2,7 - 2,5 Österreich 0,5 0,5 1,4 1,5 1,0 1,8 2,0 1,1 1,5 - 2,4 - 2,0 - 1,9 Finnland - 0,4 0,2 0,9 1,2 0,1 1,4 - 0,9 - 1,0 - 0,8 - 3,2 - 3,1 - 2,8 Griechenland 0,7 - 3,0 - 1,4 - 1,4 - 1,4 1,0 - 2,3 1,5 1,2 - 3,5 - 3,4 - 2,7 Portugal 0,9 1,6 1,7 - 0,2 0,7 1,4 0,6 0,9 1,0 - 4,5 - 3,1 - 2,6 Irland 5,2 3,7 3,5 0,3 0,3 1,8 3,6 5,0 4,5 - 4,1 - 2,4 - 2,0 Großbritannien 2,9 2,5 2,3 1,5 0,5 1,6 - 3,2 - 4,5 - 3,0 - 4,3 - 3,8 - 2,5 Dänemark 1,1 1,8 2,0 0,6 0,6 1,4 6,3 6,0 6,0 - 1,0 - 1,5 - 2,0 Norwegen 2,3 1,5 1,9 2,0 2,0 2,2 9,4 7,5 7,0 9,1 7,5 7,5 Schweden 2,4 2,4 2,6 - 0,2 0,3 1,5 6,8 6,5 6,0 - 1,9 - 1,0 - 0,5 Schweiz 1,9 0,8 1,2 0,0 - 1,0 - 0,3 7,0 7,0 6,5 0,2 0,0 - 0,5 Tschech. Rep. 2,0 4,2 3,0 0,4 0,6 2,1 0,6 0,3 0,0 - 1,9 - 1,8 - 1,6 Ungarn 3,6 2,7 2,4 - 0,2 0,4 2,7 4,0 3,1 3,3 - 2 ,6 - 2,7 - 2,4 Polen 3,4 3,4 3,5 0,0 - 0,7 1,4 - 1,4 - 1,7 - 1,8 - 3,2 - 2,9 - 2,7 USA 2,4 2,6 3,0 1,6 0,4 2,3 - 2,6 - 3,0 - 3,6 - 2,8 - 2,7 - 2,4 Japan - 0,1 0,6 1,1 2,7 0,8 0,8 0,5 3,4 3,3 - 5,9 - 5,3 - 4,5 China 7,3 7,0 6,7 2,0 1,7 2,7 3,1 3,4 3,3 - 2,1 - 3 ,7 - 3,0 Welt 3,3 3,1 3,5 3,6 3,5 4,2 *Inflationsdaten für EU - Länder basieren auf harmonisierten Verbraucherpreisindizes außer bei Deutschland. Dies kann zu Diskrepanzen zu anderen DB Pub likationen führen. Quellen: Nationale Behörden, National e Zentralbanken, Deutsche Bank Prognosen Deutschland: BIP-Wachstum nach Komponenten, % gg.Vq., Jahresdaten % gg.Vj. DX 2014 2015 2012 2013 2014 2015P 2016P Q1 Q2 Q3 Q4 Q1 Q2 Q3P Q4P BIP 0,4 0,3 1,6 1,7 1,9 0,7 - 0,1 0,2 0,6 0,3 0,4 0,4 0,3 Privater Konsum 1,0 0,6 0,9 2,0 1,8 0,3 - 0,1 0,6 1,0 0,4 0,2 0,7 0,3 Staatsausgaben 1,3 0,8 1,7 1,8 0,4 0,4 0, 6 0,6 0,5 0,6 0,3 0,3 0,2 Anlageinvestitionen - 0,4 - 1,3 3,5 2,6 1,9 2,4 - 1,5 - 0,7 1,3 1,7 - 0,4 0,6 0,5 Ausrüstungen - 2,6 - 2,3 4,5 4,3 2,0 - 0,2 0,9 - 1,9 2,6 1,9 0,1 0,3 0,4 Bau 0,5 - 1,1 2,9 1,5 2,4 4,4 - 3,8 - 0,4 0,6 1,8 - 1,2 1,0 0,9 Lager, %-Punkte - 1,6 0,6 - 0,3 - 0,6 - 0,1 0,0 0,4 - 0,7 0,0 - 0,1 - 0,4 0,1 0,0 Exporte 2,7 1,6 4,0 5,7 4,2 0,4 0,4 1,5 1,4 1,2 2,2 0,5 0,5 Importe - 0,3 3,1 3,7 5,9 3,8 0,6 0,9 0,4 2,3 1,9 0,8 1,2 0,7 Nettoexport, %-Punkte 1,4 - 0,5 0,4 0,4 0 ,3 0,0 - 0,2 0,5 - 0,3 - 0,2 0,8 - 0,3 0,0 Konsumentenpreise* 2,0 1,5 0,9 0,3 1,3 1,2 1,1 0,8 0,5 0,0 0,5 0,1 0,7 Arbeitslosenquote, % 6,8 6,9 6,7 6,4 6,6 6,8 6,7 6,7 6,6 6,5 6,4 6,4 6,5 Industrieproduktion - 0,4 0,1 1,5 1,1 1,2 Budgetsaldo, % BIP - 0,1 - 0,1 0,3 0,7 0,5 Öffentlicher Schuldenstand, % BIP 79,1 76,8 74,4 71,6 69,4 Leistungsbilanzsaldo, % BIP 6,8 6,4 7,4 8,3 8,2 Leistungsbilanzsaldo, EUR Mrd. 187 180 216 252 255 *Inflationsdaten für Deutschland basieren auf nationaler Abgrenzung. Dies kann zu Diskrepanzen zu anderen DB Publikationen fü hren. Quellen: Statistisches Bundesamt, Deutsche Bundesbank, Arbeitsagentur, Deutsche Bank Research Ausblick Deutschland 3 | 2. Oktober 2015 Aktuelle Themen Einwanderung treibt das Wachstum in 2016 — Trotz der Eintrübung des externen und des Finanzmarktumfeldes haben wir unsere Prognose für das BIP-Wachstum in 2016 von 1,7% auf 1,9% ange- hoben. Unsere Prognose für 2015 bleibt unverändert bei 1,7%. — Die Treiber sind ein höheres reales Konsumwachstum, das vom niedrigeren Ölpreis und einer hohen Zuwanderung gestützt wird. Letzteres sollte den Konsum (staatlich und privat) um ½%-Punkt und das BIP um ¼%-Punkt er- höhen. — Dagegen haben wir unsere Exportprognose angesichts der sich abzeich- nenden Schwäche in den Emerging Markets und der bislang schwächer als erwartet ausgefallenen Abwertung des Euro moderat gesenkt. Der höhere Konsum treibt zudem das Importwachstum. Dies dämpft den Außenbeitrag. — Beim Außenhandel bestehen unseres Erachtens vor allem wegen der Emerging Markets Abwärtsrisiken. Wir nehmen an, dass der VW-Skandal keine größeren negativen Auswirkungen auf andere deutsche Auto- Produzenten oder gar das „Made in Germany“-Siegel entfalten wird. Q3 BIP-Wachstum: Leichte Aufwärtsrisiken Wir erwarten für das Q3 ein unverändertes BIP-Wachstum von 0,4% gg. Vq. Modelle, die auf monatlichen Konjunkturdaten oder Ergebnissen von Stim- mungsumfragen basieren, deuten sogar auf leichte Aufwärtsrisiken hin. Selbst wenn es in Q4 dann eine negative Überraschung geben sollte – z.B. weil sich außenwirtschaftliche Risiken oder idiosynkratische Schocks (VW) materialisie- ren – bestehen für unser Wachstumsprognose für das laufende Jahr (+1,7%) kaum Risiken. Wachstum noch stärker inländisch geprägt … Die Lohnentwicklung fiel im laufenden Jahr bislang leicht schwächer aus als von uns erwartet. Die Tariflöhne liegen etwa 2 ¾% über Vorjahr. Dank des Mindest- lohneffekts lag die Gesamtvergütung je Arbeitnehmer in Q2 jedoch sogar bei gut 3% über Vorjahr. Im kommenden Jahr dürfte sich die Lohndynamik etwas abschwächen Richtung 2 ½%. Dies wird durch eine nunmehr niedrigere Inflationsprognose kompensiert, was dem realen Einkommenswachstum einen Schub gibt. Für das laufende Jahr haben wir die Inflationsprognose leicht von 0,5% auf 0,3% gesenkt. So fiel die jährliche Inflationsrate wegen erneuter markanter Rückgänge der Energiepreise (Öl) im September auf 0% – der zweitniedrigste Wert der letzten sechs Jahre. Für das nächste Jahr prognostizieren wir einen Anstieg von 1,3% nach zuvor 2,0%. Dies ist zum einen Resultat der niedrigeren Ausgangsbasis. Zum anderen haben unsere Rohstoff- und Währungsstrategen ihre Ölpreisprognose für 2016 gesenkt und erwarten nun beim EUR/USD-Wechselkurs, dass dieser erst im Laufe des ersten Quartals Richtung Parität fällt. Dies dämpft die Importpreise relativ zu unseren vorherigen Erwartungen, was die weiterhin erwartete Inflati- onsbeschleunigung verzögert. … auch wegen hoher Zuwanderung und niedriger Zinsen Der Konsum wird im laufenden und vor allem im nächsten Jahr einen zusätzli- chen Schub durch die anhaltend hohe Zuwanderung und insbesondere die markante Zunahme von Asylsuchenden erhalten. Der Zuzug dürfte sich ange- -0,5 0 0,5 1 1,5 2 2,5 12 13 14 15 Inflation Kerninflation Fallende Inflation, aber stabile Kernrate 1 Quelle: Statistisches Bundesamt Konsumentenpreise, % gg. Vj. - 4 - 3 - 2 - 1 0 1 2 3 4 98 00 02 04 06 08 10 12 14 Nominale Arbeitnehmerentgelte Harm. Inflation (invertiert) Reale Arbeitnehmerentgelte Quellen: Europäische Zentralbank , Deutsche Bank Research Je Erwerbstätigen, % gg. Vj. Reale Einkommen steigen mit beachtlichem Tempo 2 Ausblick Deutschland 4 | 2. Oktober 2015 Aktuelle Themen sichts der anhaltend chaotischen Lage in wichtigen Herkunftsländern 2016 kaum verlangsamen und könnte erneut die Millionen-Marke erreichen. Kürzlich verabschiedete Gesetzesvorlagen dürften jedoch dafür sorgen, dass die Quote der gewährten Asylanträge sinkt und ein Teil der Asylsuchenden abgeschoben wird. Legt man EUR 12.000 je Person und Jahr zugrunde, dürfte der Konsum (staatlich und privat) 2016 dennoch um EUR 12 Mrd. höher liegen. Selbst wenn zum Teil diskutierte Ausgabenkürzungen an anderer Stelle erfolgen, sollte das Konsumwachstum um einen halben Prozentpunkt und das BIP-Wachstum um einen Viertelprozentpunkt höher ausfallen. (Die Unsicherheiten bei diesen Prognosen sind jedoch massiv!) Wir erwarten in 2016 ein reales Plus des priva- ten Konsums von 1,8%. Dies markiert den zweithöchsten Wert der letzten 15 Jahre nach erwarteten +2,0% in 2015. Die Immobilienkreditvergabe an Haushalte hat sich zuletzt ebenfalls sehr dyna- misch gezeigt. Das Niedrigzinsumfeld dürfte hier seine Spuren hinterlassen haben. Das Neugeschäft lag in den ersten sieben Monaten um 28% über Vor- jahr. Die moderate Beschleunigung bei den Wohnbaugenehmigungen deutet darauf hin, dass dies zumindest zum Teil auch in den Neubau fließt statt nur für Immobilienkäufe verwendet zu werden. Externer Gegenwind Dank der Dynamik der Auslandsnachfrage aus den USA und der Eurozone stiegen die deutschen Exporte in den letzten Monaten kräftig. Auch der im Vor- jahresvergleich schwächere EUR hat dazu beigetragen. Die Nachfrage aus den Emerging Markets dürfte sich in den kommenden Monaten jedoch abschwä- chen. Auch die US-Exporte dürften etwas von ihrem hohen Tempo verlieren, was sich zuletzt schon andeutete. Desweiteren blieb der EUR gg. dem USD in den letzten Monaten – entgegen unseren Erwartungen – recht stabil, was unse- re Exportprognose für 2016 ebenfalls leicht dämpft. Der kürzlich erfolgte Aktienmarkteinbruch dürfte – trotz sehr schwach ausge- prägter Vermögenseffekte in Deutschland – zusammen mit dem eingetrübten externen Umfeld dafür sorgen, dass die „Animal Spirits“ und damit die Investiti- onsbereitschaft begrenzt bleibt. Die im dritten Quartal auf ihren historischen Durchschnitt gefallene Kapazitätsauslastung tut ihr Übriges. Auch die heimi- schen Investitionsgüterbestellungen, die im Mai/Juni 2 ¼% niedriger als in den drei Vormonaten waren, deuten in diese Richtung. Unsere ohnehin geringen Erwartungen an die Ausrüstungsinvestitionen in 2016 haben wir daher erneut leicht gesenkt. „Made in Germany“: Totalschaden oder Kratzer am Lack? Es gibt keine seriöse Möglichkeit den makroökonomischen Schaden des VW- Emissionsskandals vorherzusagen, außer dass der Rückruf der knapp 3 Millio- nen Fahrzeuge in Deutschland das Wachstum kurzfristig sogar (marginal) erhö- hen könnte – auf Kosten des VW-Gewinns. Angenommen, dass andere deutsche Hersteller nicht betroffen sind, könnten diese von Ausweich-Käufen profitieren. Zugegeben, Volkswagen ist nahezu der Inbegriff von „Made in Germany“. Das Siegel könnte also durchaus Schaden nehmen. Aber werden in- und ausländische Käufer, die seit Jahrzehnten meist hoch zufrieden waren mit deutschen Produkten, wegen des Betrugs bei VW keine deutschen Produkte mehr kaufen? Stefan Schneider (+49 69 910 31790, stefan-b.schneider@db.com) - 1 - 0,5 0 0,5 1 1,5 2 2,5 3 3,5 92 96 00 04 08 12 16 Realer privater Konsum, % gg. Vj. Quellen: Statistisches Bundesamt, Deutsche Bank Research 2015/16: Ausgeprägte Konsumstärke 3 - 3 - 2 - 1 0 1 2 3 4 - 15 - 10 - 5 0 5 10 15 20 12 13 14 15 Auslandsaufträge (% gg. Vj., links) PMI Exportaufträge (stand., rechts) ifo Exporterwartungen (stand., rechts) Exporte & Stimmung 4 Quellen: Statistisches Bundesamt, Markit, ifo 0 10 20 30 40 50 60 - 30 - 25 - 20 - 15 - 10 - 5 0 5 10 15 20 00 02 04 06 08 10 12 14 Ausrüstungsinv. (% gg. Vj., links) Implizite Dax - Vola (rechts, invers) Investitionen & Unsicherheit 5 Quellen: Statistisches Bundesamt, Bloomberg Finance LP Ausblick Deutschland 5 | 2. Oktober 2015 Aktuelle Themen Metropolregionen gehört die Zukunft! — Der Wohlstandsvergleich zwischen den Ländern als auch den Regionen innerhalb eines Landes zeigt, dass der Wohlstand umso höher ist, je höher der Anteil der Stadtbevölkerung bzw. die Bevölkerungsdichte der Region. Global gesehen liegt Deutschland auf Rang 15, und unter den 100 wohlha- bendsten europäischen Regionen befinden sich 62 deutsche Regionen. — Unser regionaler Vergleich zeigt für Deutschland, dass das Wohlstandsni- veau umso höher ist, je dichter die Region besiedelt ist. In den größeren Städten samt deren Einzugsgebieten liegt das Wohlstandsniveau im Jahr 2011 etwa 25% über dem deutschlandweiten Durchschnitt. Erklären lässt sich dies dadurch, dass durch das Vorhandensein von Skalenvorteilen posi- tive Agglomerationseffekte entstehen. Zudem spielen regionale Gegeben- heiten und Pfadabhängigkeiten eine entscheidende Rolle. — Die Top-5-Regionen mit dem höchsten Wohlstand waren: München, Düs- seldorf, Ingolstadt, Frankfurt am Main und Heilbronn. Am stärksten verbes- serte sich seit 2000 die relative Position für Ingolstadt (+15 auf Rang 2) und die Positionierung sackte am stärksten ab für Wuppertal (-12 auf Rang 35). — Vorteilhaft für die großen deutschen Metropolregionen sind die vergleich- sweise günstig Bevölkerungsstruktur, die positiveren demographischen Fak- toren und die Präsenz der Hauptquartiere der großen Unternehmen. In Ber- lin stieg die Bevölkerung zwischen den Jahren 2000 und 2011 um 3% und in den größeren Metropolregionen um 2,3%. — Es lässt sich zwischen den Jahren 2000 und 2011 trotz einer regionalen Förderung der besonders strukturschwachen Regionen nur eine moderate Konvergenz beobachten. Die Unterschiede zwischen den großen Metropol- regionen bleiben aber weiter relativ groß und die moderate Konvergenz dürfte zum Teil temporärer Natur gewesen sein. — Der schärfer werdende demographische Wandel dürfte die Lage in den kleineren und den Nicht-Metropolregionen weiter zuspitzen. So reduzierte sich die Bevölkerung in den Nicht-Metropolregionen bereits um 3,4% und in den Nicht-Metropolregionen in Ostdeutschland sogar um fast 12% zwischen den Jahren 2000 und 2011. — Daher sollte angesichts dieser sich verschärfenden Situation in den ländli- cheren Gebieten und der positiven Agglomerationseffekte der dichter besie- delten städtischen Regionen Überlegungen angestellt werden, wie die re- gionale Mobilität erhöht werden und überdimensioniert gewordene Infra- struktur in den ländlichen Gebieten zurückgebaut werden kann. Dies würde auch bedeuten, dass kleinere Gemeinden zusammengelegt oder aufgelöst werden sollten, wenn sich die Infrastruktur nicht unter vertretbaren Kosten zurückbauen lässt. Top-5 der wohlhabendsten Metropolregionen (nach BIP pro Kopf) und stärkste Verbesserung/tiefster Fall im Ranking DX Quellen: Eurostat, Deutsche Bank Research Ausblick Deutschland 6 | 2. Oktober 2015 Aktuelle Themen Metropolregionen gehört die Zukunft! Global lag das höchste BIP pro Kopf (Luxemburg) über dem 500-fachen des Landes mit dem geringsten Wert (Burundi). Das BIP pro Kopf verwenden wir im Folgenden als Wohlstandsmaß. 1 Der Wohlstand unterscheidet sich aber nicht nur zwischen verschiedenen Ländern, sondern auch innerhalb eines Lan- des gibt es deutliche regionale Unterschiede. Zudem steigt mit zunehmendem Wohlstand der Anteil der Bevölkerung, der in der Stadt lebt, an. Global gesehen liegt Deutschland auf Rang 15. Bei regionaler Betrachtung auf der am tiefsten gegliederten regionalen Ebene (NUTS-3 – Kreise und kreisfreie Städte) zeigt sich, dass das BIP pro Kopf relativ stark streut und umso höher ist, je höher die Bevölkerungsdichte der Region ist. In Europa streute das BIP pro Kopf zwischen EUR 2.560 (Vidin, Bulgarien) und EUR 164.047 (Inner London – West, UK). Im europäischen Vergleich ist das Wohlstandsniveau in Deutschland, das etwa 30% der Regionen stellt, relativ hoch. Unter den 100 wohlhabendsten europäischen Regionen (NUTS-3) befin- den sich 62 deutsche Regionen. Innerhalb Deutschlands variierte das BIP pro Kopf ebenfalls erheblich und zwar von EUR 14.566 (Südwestpfalz) bis EUR 108.860 (Wolfsburg, kreisfreie Stadt). Noch stärker ist die Streuung bei der Bevölkerungsdichte pro km², die zwischen 37 (Mecklenburg-Strelitz) und 4396 (München, kreisfreie Stadt) lag. Positive Agglomerationseffekte durch (lokale) Skalenvorteile Der positive Zusammenhang zwischen dem Wohlstand einer Region und der Bevölkerungsdichte geht letztendlich darauf zurück, dass mit der Bildung von Ballungszentren eine Verkürzung der Wege stattfindet und dies zu einer Kos- tensenkung führt. Mikroökonomisch lassen sich diese positiven Agglomerati- onseffekte durch das Vorhandensein von (lokalen) Skalenvorteilen erklären. Zurück gehen diese auf die folgenden Mechanismen 2 : (i) gemeinsame Nutzung, (ii) Matching und (iii) Lernen. i. Der naheliegende erste Vorteil der Bildung von Ballungsräumen ergibt sich durch die gemeinsame Nutzung von unteilbaren Gütern oder Einrichtungen, die einen hohen Fixkostenanteil haben. Der Bau von großen unteilbaren Einrichtungen, wie beispielsweise Flughäfen oder Fußball-Arenen, würde von einzelnen Personen oder in dünn besiedelten Gebieten (im Normalfall) nicht stattfinden. Die mögliche Kostenverteilung auf viele Personen in dich- ter besiedelten Gebieten ermöglicht jedoch den Bau. Ein Ballungsraum ist demnach also nichts anderes als ein räumlicher Klub, der die Bereitstellung von großen unteilbaren Einrichtungen organisiert. Mit einer steigenden Be- völkerungsdichte treten immer stärker werdende Verdrängungseffekte auf durch etwa Kapazitätsengpässe der Einrichtung oder überfüllte Anfahrtswe- ge. Ob die Einrichtung privat oder öffentlich finanziert werden sollte, hängt typischerweise vom Grad der privatrechtlichen Exkludierbarkeit von der Nutzung und dem Grad der Rivalität im Konsum ab. Beispielsweise sollte die Bereitstellung reiner öffentlicher Güter, wie etwa die Landesverteidigung oder Deiche, bei denen das Ausschließen des Nutzers unter vertretbaren Kosten nicht möglich wäre und ein zusätzlicher Nutzer keine Einbußen für 1 Das BIP pro Kopf ist hoch korreliert mit alternativen Wohlfahrtsmaßen wie bspw. dem Human Development Index. Siehe auch Kassenboehmer, S.; Schmidt, C. (2011). Beyond GDP and 2 Siehe für Details Duranton, G.; Puga, D. (2004). Micro-foundations of urban agglomeration econmics, Handbook of Regional and Urban Economics, 2004, vol. 4, chapter 48, S. 2063-2117. Alternativ wird oft die folgende Abgrenzung vorgenommen – Interkationen auf dem Arbeitsmarkt, Verzahnung zwischen Vor- und Endproduktproduzenten und Verbreitung von Wissen –, die ganz grob der Unterteilung von Marshall, A. (1890), Principles of Economics, London: Macmillan and Co. 8th ed. 1920, entspricht. BIP pro Kopf in dichter besiedelten Regionen höher 3 Quellen: Eurostat, Deutsche Bank Research Anteil der Stadtbevölkerung steigt mit zunehmendem Wohlstand 1 Quelle: World Bank – World Development Indicators BIP pro Kopf hoch korreliert mit dem Human Development Index 2 Quellen: UN, World Bank – World Development Indicators Ausblick Deutschland 7 | 2. Oktober 2015 Aktuelle Themen die bisherigen Nutzer zur Folge hat, durch kollektive Beschlussfassung und Zwangsfinanzierung aller objektiv Begünstigten erfolgen. 3 Eine weitere Er- klärung für die Bildung von Ballungszentren ist die Entstehung einer Fabrik- stadt, deren Einwohner in den nahegelegenen großen Produktionsanlagen arbeiteten. Voraussetzung hierfür sind Unteilbarkeiten und damit steigende Skalenerträge bei Produktionsprozessen, wie zum Beispiel bei der Stahl- produktion. Reine Fabrikstädte kommen allerdings relativ selten vor. Zudem können große Endproduktproduzenten ihre Kosten reduzieren, wenn sie Zugriff auf eine breitere Auswahl an Vorprodukten haben oder aber von ei- nem mit dem Produktionsvolumen steigenden Spezialisierungsgrad 4 sowie einer Risikoteilung. Kürzere Wege zwischen den Endgüterproduzenten und den Herstellern von Vorleistungsgütern oder den Endverbrauchern senken die Transportkosten für Waren und Dienstleistungen. Wichtiger Faktor hier- für ist die bereitgestellte Infrastruktur, insb. Straßen. 5 Während die Trans- portkosten für Waren in den vergangenen Jahrzehnten relativ deutlich ge- sunken sind, bleiben die Kosten – Opportunitätskosten und direkte Trans- portkosten – des Pendelns für Personen relativ hoch. Die deutliche Reduk- tion der Transportkosten für Waren führte dazu, dass die Produktionsstädte normalerweise außerhalb der Ballungszentren liegen und in den Ballungs- räumen häufig die Unternehmenszentralen und Unternehmensdienstleis- tungen angesiedelt sind. ii. Der zweite Vorteil der Ballungsraumentstehung liegt in einer Verbesserung der Qualität und der höheren Wahrscheinlichkeit eines Matchings. Zudem findet mit zunehmender Dichte eine Verringerung von Problemen bei ver- tragsspezifischen Investitionen statt (Hold-up), da ein Ausweichen auf ande- re Anbieter/Nachfrager eher möglich ist. iii. Der dritte Vorteil entsteht in der mit der zunehmenden Bevölkerungsdichte steigenden Generierung, Verbreitung und Akkumulation von Wissen (Wis- sens-Spillover). Hinzu kommt, dass günstige regionale Gegebenheiten – wie eine günstige Lage als Transportknotenpunkt oder als Urlaubsregion – und Pfadabhängigkeiten eine entscheidende Rolle spielen und die derzeit seit langer Zeit bestehenden Ballungszentren eine positiv selektierte Gruppe darstellen. In Europa stieg der Anteil der Stadtbevölkerung von etwa 10% zu Zeiten des Mittelalters und bis weit ins 18. Jahrhundert hinein mit der Industrialisierung deutlich auf heute etwa 75%. Die städtischen Gebiete weisen in Europa zudem eine hohe Stabilität über die Zeit auf, wobei sich die Dimensionen der Städte und die relative Bedeutung über die Jahrhunderte deutlich veränderten. So galt 1800 eine Stadt noch mit 50.000 Einwohnern als groß und nur einige wenige Großstädte überschritten die Grenze von 100.000 Einwohnern. 6 Kein Vergleich zu den heutigen größten europäischen Städten mit etwa 8,5 Millionen Einwoh- nern in London, gefolgt von Paris (6,5 Millionen) und Berlin (3,5 Millionen). 3 Grossekettler, H. (2007). Öffentliche Finanzen, Vahlens Kompendium der Wirtschaftstheorie und Wirtschaftspolitik Band 1 Kapitel I. 4 Becker, G.; Murphy, K. (1992). The division of labor, coordination costs, and knowledge. Quarter- ly Journal of Economics 107 (4), S. 1137-1160. 5 Redding, S.; Turner, M. (2014). Transportation costs and the spatial organization of economic activity, NBER Working Paper 20235. 6 Hohenberg, P. (2004). The historical geography of European cities: An interpretive essay, Hand- book of Regional and Urban Economics, 2004, vol. 4, chapter 67, S. 3021-3052. Abgrenzung der Metropolregionen 5 Eine Metropolregion ist ein Ballungsra um mit mehr als 250.000 Einwohnern. Ermittelt we r- den die Ballungsräume anhand des Urban Audit für funktionale Gebiete von Eurostat. Ein Ballungsraum besteht damit aus einer NUTS - 3 oder mehreren NUTS - 3 - Regionen, der am tiefsten untergliederte regionale Hier archie - stufe. Die NUTS - 3 Ebene entspricht in Deutschland den Kreisen und kreisfreien Städten. Für Deutschland gibt es danach 412 NUTS - 3 Regionen. Da die regionale Abgrenzung einer Metropo l- region auf Ballungsräumen basiert und das Pendlereinzugsgebiet eine r Stadt mit einbez o- gen wird, entstehen bei einem Vergleich bspw. des BIP pro Kopf zwischen den Metropolregi o- nen keine regionalen Verzerrungen durch Pendlerverkehr. Deutschland hat 68 Metropo l- regionen. Unterteilt werden diese weiter nach (i) Hauptstadt - Metr opolregionen, (ii) Metropo l- regionen der zweiten Kategorie und (iii) klein e- ren Metropolregionen. Metropolregionen der zweiten Kategorie mit hohem Wohlstandsniveau 6 Namen angezeigt für die Hauptstad t - Metropolregion und Metropolregionen der zweiten Kategorie BIP pro Kopf in EUR Quellen: Eurostat, Deutsche Bank Research 0 10 20 30 40 50 60 70 80 90 Bahn Straße Binnen - schifffahrt Züge Pkw Busse Gütertransport Personentransport % der insgesamt gefahrenen Gütertransport - km - Tonnen ( Personentransport - km), 2013 Großteil des deutschen Transports über die Straße 4 Quelle: Eurostat Ausblick Deutschland 8 | 2. Oktober 2015 Aktuelle Themen Große Metropolregionen erhöhen Wohlstand Bei einem Vergleich des BIP pro Kopf auf der am tiefsten untergliederten Ebene (NUTS3-Region) gibt es bei dem Vergleich zwischen den Regionen das Prob- lem, dass es durch Pendlerströme zwischen den Regionen zu erheblichen Ver- zerrungen kommt. Daher wechseln wir im Folgenden auf die Ebene der Metro- polregion, die neben den Städten auch die jeweiligen Pendlereinzugsgebiete umfassen. 7 In Deutschland gibt es danach 68 Metropolregionen, in denen im Jahr 2011 rund 69% der Gesamtbevölkerung lebten und 73% der wirtschaftlichen Aktivität stattfanden. Zwischen den einzelnen Metropolregionen gibt es allerdings deutli- che Unterschiede. Beispielsweise liegt der Wohlstand in München 55% über und in Plauen 37% unter dem deutschlandweiten Niveau. Das Vorhandensein von positiven Agglomerationseffekten zeigt sich durch den leicht positiven Zusammenhang zwischen dem Wohlstand und der Bevölke- rungsdichte für die deutschen Metropolregionen und das sowohl für die west- als auch für die ostdeutschen Regionen. In der Unterteilung nach Hauptstadt- Metropolregion, Metropolregionen der zweiten Kategorie, die die Gruppe der größten Städte neben der Hauptstadt bilden (7) und kleineren Metropolregionen (60) dürften sich die Agglomerationseffekte vor allem bei den ersten beiden Gruppierungen der Metropolregionen zeigen. Im Vergleich mit anderen großen europäischen Ländern zeigt sich, dass in Deutschland die Metropolregionen der zweiten Kategorie eine deutlich höhere gesamtwirtschaftliche Bedeutung haben, in denen fast ¼ der Bevölkerung lebt und 30% des BIP erwirtschaftet werden. In den anderen großen europäischen Ländern hat die Hauptstadt-Metropolregion eine deutlich exponiertere Stellung. Berlin im Vergleich zu anderen europäischen Hauptstadt-Metropolregionen gesamtwirtschaftlich relativ unbedeutend Die Hauptstadt-Metropolregion Berlin nimmt durch die deutsche Teilung eine Sonderrolle unter den europäischen Hauptstadt-Metropolregionen ein. Mit dem Einigungsvertrag wurde festgelegt, dass Berlin die Hauptstadt Deutschlands ist 8 und im Jahr 1991 wurde die Verlegung von Parlaments- und Regierungssitz von Bonn nach Berlin beschlossen. Der Umzug nach Berlin erfolgte dann Mitte des Jahres 1999 und am 1. September 1999 war der offizielle Arbeitsbeginn von Parlament und Regierung in Berlin. Im Vergleich zu anderen europäischen Hauptstadt-Metropolregionen ist Berlin mit einem Bevölkerungs- von 6% und einem BIP-Anteil von 5% gesamtwirtschaftlich allerdings relativ unbedeutend. Zudem ist Berlin die einzige Hauptstadt-Metropolregion in Europa, deren Wohl- stand unter dem jeweiligen landesweiten Niveau liegt. Das BIP pro Kopf liegt nur bei 84% des landesweiten Durchschnitts, während die Bewohner der Hauptstadt-Metropolregionen der anderen großen Länder der Eurozone ein Wohlstandsniveau haben, das etwa 40% über dem jeweiligen nationalen Durchschnitt liegt. 7 Die Variablen auf Metropolregionsebene wurden durch Aggregation der NUTS-3 Regionaldaten von Eurostat berechnet. 8 Vertrag zwischen der Bundesrepublik Deutschland und der Deutschen Demokratischen Republik über die Herstellung der Einheit Deutschlands - Einigungsvertrag -, Artikel 2 (1). Wohlstand in dichter besiedelten Metropol- regionen höher 7 Quellen: Eurostat, Deutsche Bank Research 0 5 10 15 20 25 30 Berlin Rom Madrid EWU Paris London Bevölkerung BIP % des jeweiligen Landes Quellen: Eurostat, Deutsche Bank Research Berlin verglichen mit anderen Hauptstadt - Metropolregionen relativ unbedeutend 8 0 5 10 15 20 25 30 35 40 IT UK DE FR ES Hauptstadt - Metropolregion Metropolregionen der zweiten Kategorie Kleinere Metropolregionen Quellen: Eurostat, Deutsche Bank Research % des jeweiligen nationalen BIP Deutsche Metropolregionen der zweiten Kategorie mit hohem Gewicht 9 Ausblick Deutschland 9 | 2. Oktober 2015 Aktuelle Themen Hohes Wohlstandsniveau in deutschen Metropolregionen der zweiten Kategorie Das hohe Wohlstandsniveau in den deutschen Metropolregionen der zweiten Kategorie, die mindestens 1,5 Millionen Einwohner haben, verdeutlicht mit der Ausnahme des Ruhrgebiets die positiven Agglomerationseffekte. 9 So lag das BIP pro Kopf durchschnittlich um 24% über dem deutschen Niveau und in Mün- chen sogar um 36% darüber. Das Ruhrgebiet hat nach wie vor mit dem Struk- turwandel weg von der Montanindustrie zu kämpfen, so dass das BIP pro Kopf rund 10% unter dem deutschen Niveau lag und sogar fast 40% unter dem von Düsseldorf, das eine mit dem Ruhrgebiet vergleichbare Bevölkerungsdichte hatte (1.665 gg. 1.674 Einwohner je km²). 9 Dijkstra, L. (2009). Metropolitan regions in the EU, EU Commission Directorate-General for Re- gional Policy, Regional Focus 01/2009 Wohlstand in den großen deutschen Metropolregionen am höchsten 10 Quellen: Eurostat, Deutsche Bank Research Ausblick Deutschland 10 | 2. Oktober 2015 Aktuelle Themen Mehrheit der kleineren Metropolregionen zu klein für Agglomerationseffekte Die Gruppe der kleineren Metropolregionen stellt eine sehr heterogene Gruppe dar, wobei 75% weniger als 500.000 Einwohner haben. Der Großteil der kleine- ren Metropolregionen dürfte nicht die nötige Größe für die volle Ausnutzung der positiven Agglomerationseffekte erreicht haben. Das BIP pro Kopf lag für weni- ger als 40% dieser Regionen über dem deutschlandweiten Wert. Die Bevölkerung variiert zwischen 243.000 Einwohneren in der Metropolregion Plauen und 1,35 Millionen in Dresden. Der Unterschied der Wohlstandsniveaus weicht ebenfalls deutlich voneinander ab. Plauen hatte mit rund EUR 20.000 das niedrigste BIP pro Kopf unter den kleineren Metropolregionen und Ingols- tadt mit EUR 47.300 das höchste, der dritthöchste Wert unter allen Metropolre- gionen. Ingolstadt profitiert insbesondere durch den Stammsitz eines deutschen Premium-Autoherstellers. Deutlich geringeres BIP pro Kopf in ostdeutschen Metropolregionen, aber posi- tive Agglomerationseffekte vorhanden Besonders deutlich sind nach wie vor die Unterschiede zwischen den ostdeut- schen und den westdeutschen Metropolregionen. Die ostdeutschen Metropolre- gionen zählen durchweg zur Gruppe der kleineren Metropolregionen und das BIP pro Kopf liegt im Durchschnitt 27% unter dem Niveau der westdeutschen kleineren Metropolregionen sowie 33% unter dem Niveau aller westdeutschen Metropolregionen, was in etwa dem BIP-pro-Kopf-Unterschied zwischen den neuen und den alten Bundesländern entspricht. 10 Für die ostdeutschen Bundes- länder zeigen sich ebenfalls deutlich die positiven Agglomerationseffekte, die mit einer höheren Bevölkerungsdichte einhergehen. Die Abweichungen der einzelnen Regionen vom positiven linearen Zusammenhang zwischen dem Wohlstand und der Bevölkerungsdichte sind bei den ostdeutschen Metropolre- gionen sogar geringer als bei den westdeutschen Regionen. Nettozuwanderung in Metropolregionen sorgt für Bevölkerungswachstum Die Attraktivität der Metropolregionen sorgt für eine Nettozuwanderung vor al- lem von jüngeren und höher qualifizierten Personen, wobei die Nettozuwande- rung umso höher ausfällt, je größer die Metropolregion ist. Zuwanderung findet vor allem durch Netzwerkeffekte in städtischen Regionen statt, in denen der Anteil der Ausländer mit 12,3% deutlich über dem in ländlichen Regionen liegt (4,7%). Die Ausländerquote war besonders hoch in Offenbach am Main (32%), in Frankfurt am Main (27%) und in München (24%). 11 Dabei wirken ein hohes Wohlstandsniveau und eine gute Arbeitsmarktlage als Magnet für Zuwanderer. Dies zeigt sich anhand der positiven Korrelation zwi- schen der Nettozuwanderung mit der Bevölkerungsdichte und dem Wohl- standsniveau sowie der negativen Korrelation mit der Arbeitslosenquote. Wer- den diese drei Variablen mit einer Hauptkomponentenanalyse zusammenge- fasst, ist die Korrelation zwischen der ersten Hauptkomponente und der Netto- zuwanderung bei hohen 0,8. 10 Siehe auch Peters, H.; Rakau, O.; Engelhardt, M. (2014). 25 Jahre nach dem Mauerfall: Nur teilweise „blühende Landschaften“, Ausblick Deutschland, 5. November 2014, Deutsche Bank Research. 11 Statistisches Bundesamt, Fachserie 1 Reihe 2 und Reihe 2.2. Formales Bildungsniveau in dicht besiedelten Regionen höher 11 Bevölkerungsanteil mit Abschluss im Tertiärbereich (ISCED 5-8), Alter 25-64 Quellen: Eurostat, Deutsche Bank Research -10,0 -8,0 -6,0 -4,0 -2,0 0,0 2,0 4,0 6,0 8,0 00 02 04 06 08 10 12 Ost - Metropolregion Ost - keine Metropolregion West - Metropolregion West - keine Metropolregion Deutschland Quellen: Eurostat, Deutsche Bank Research Je 1000 Einwohner der durchschnittlichen Bevölkerung der jeweiligen Region Ost- und West Metropolr. profitieren gleichermaßen von Nettozuwanderung 12 -4,0 -2,0 0,0 2,0 4,0 6,0 8,0 10,0 00 02 04 06 08 10 12 Hauptstadt - Metropolregion Metropolregionen der zweiten Kategorie Kleinere Metropolregionen Keine Metropolregion Deutschland Quellen: Eurostat, Deutsche Bank Research Je 1000 Einwohner der durchschnittlichen Bevölkerung der jeweiligen Region Nettozuwanderung vor allem in Metropolregionen 13 Ausblick Deutschland 11 | 2. Oktober 2015 Aktuelle Themen Die Zuwanderer sind zum Zeitpunkt der Einreise mit durchschnittlich 23,3 Jah- ren deutlich jünger als die heimische Bevölkerung (44,5 Jahre). Dies hat zur Folge, dass die natürliche Bevölkerungsbewegung, also der Saldo aus Lebend- geborenen und Gestorbenen, in den Metropolregionen im Vergleich zu den Nicht-Metropolregionen günstiger ausfällt. Der Anteil der Bevölkerung mit einem Abschluss im Tertiärbereich liegt durch die Präsenz der universitären Einrichtungen und der Zuwanderung von höher qualifizierten Arbeitskräften in dicht besiedelten Gebieten deutlich über dem in geringer besiedelten Gebieten (Abbildung 11). Der Altenquotient, der Anteil der Bevölkerung älter als 65 Jahre an der Gesamtbevölkerung der jeweiligen Regi- on, war mit 20,4% in Metropolregionen im Jahr 2011 unter dem in Nicht- Metropolregionen (21,1%). Innerhalb der Gruppe der Metropolregionen lag die- ser in den Metropolregionen der zweiten Kategorie (19,9%) und Berlin (20%) unter dem in den kleineren Metropolregionen (20,7%). Diese günstigere Engwicklung sorgte dafür, dass die Bevölkerung in den Metro- polregionen im Gegensatz zum deutschlandweiten Rückgang der Bevölkerung um 0,5% im Zeitraum von 2000 bis 2011 um fast 1% stieg und damit der Anteil der Bevölkerung in Metropolregionen auf 69% kletterte. Der Bevölkerungsans- Nettozuwanderung durch Netzwerkeffekte höher in dichter besiedelten Gebieten … 16 Quellen: Eurostat, Deutsche Bank Research Bevölkerungswachstum in Metropolregionen 15 20002011Veränderung MillionenMillionen% Insgesamt82,281,8 -0,5 Nicht Metropolregionen26,225,3 -3,4 Metropolregionen56,056,5 0,9 Hauptstadt4,95,1 3,0 Zweite Kategorie19,319,8 2,3 Kleinere31,531,4 -0,3 Insgesamt13,912,8 -7,7 Nicht Metropolregionen6,35,5 -11,9 Metropolregionen7,67,3 -4,2 Insgesamt64,965,5 0,9 Nicht Metropolregionen19,919,8 -0,7 Metropolregionen45,045,7 1,6 Quellen: Eurostat, Deutsche Bank Research Deutschland Ost (ohne Berlin) West (ohne Berlin) … und guter Arbeitsmarktlage 18 Quellen: Eurostat, Deutsche Bank Research … mit einem hohen Wohlstandsniveau… 1 7 Quellen: Eurostat, Deutsche Bank Research -6,0 -5,0 -4,0 -3,0 -2,0 -1,0 0,0 00 02 04 06 08 10 12 Ost - Metropolregion Ost - keine Metropolregion West - Metropolregion West - keine Metropolregion Deutschland Quellen: Eurostat, Deutsche Bank Research Je 1000 Einwohner der durchschnittlichen Bevölkerung der jeweiligen Region Natürliche Bevölkerungsbewegung günstiger in Metropolregionen 14 -4 -3 -2 -1 0 00 02 04 06 08 10 12 Hauptstadt - Metropolregion Metropolregionen der zweiten Kategorie Kleinere Metropolregion Keine Metropolregion Deutschland Quellen: Eurostat, Deutsche Bank Research Je 1000 Einwohner der durchschnittlichen Bevölkerung der jeweiligen Region Natürliche Bevölkerungsbewegung günstiger, je größer die Metropolregion 19 Ausblick Deutschland 12 | 2. Oktober 2015 Aktuelle Themen tieg betrug in Berlin sogar 3% und in den Metropolregionen der zweiten Katego- rie immerhin noch 2,3%. In kleineren Metropolregionen ging die Bevölkerung leicht zurück. In den Nicht-Metropolregionen fiel die Bevölkerung um 3,4%. Diese günstigere Bevölkerungsentwicklung der Metropolregionen im Vergleich zu den Nicht-Metropolregionen vollzog sich aber nicht nur in West- sondern auch in Ostdeutschland. In Ostdeutschland führten die ungünstigere natürliche Bevölkerungsbewegung und die Wanderung nach Westdeutschland zu einem deutlichen Bevölkerungsrückgang seit dem Jahr 2000. Die Situation in den ost- deutschen Metropolregionen, die alle zur Gruppe der kleineren Metropolregio- nen zählen, ist aber durch die positive Nettozuwanderung bei Weitem nicht so düster wie die Lage in den ostdeutschen Nicht-Metropolregionen, deren Bevöl- kerung sich um fast 12% reduzierte. Die Nettozuwanderung aus dem Ausland hat sich vor allem seit dem Jahr 2010 merklich erhöht und dürfte auch nach dem Jahr 2011 für einen weiteren kräfti- gen Anstieg der Bevölkerung in den größeren Metropolregionen geführt und damit den Anteil der Bevölkerung in Metropolregionen noch einmal erhöht ha- ben. Seit dem Jahr 2010 wanderten bis zum Jahr 2014 per Saldo 1,7 Millionen Personen zu, so dass trotz einer rückläufigen heimischen Bevölkerung die Ge- samtbevölkerung um etwa eine halbe Million Personen anstieg. Vor allem die Öffnung des deutschen Arbeitsmarktes Richtung Osteuropa – im Mai 2011 für die EU-8 und ab Anfang 2014 für die EU-2 12 – führte zu einem Zustrom an Ar- beitszuwanderung. 13 Dieser dürfte mit der vollen Öffnung des Arbeitsmarktes für Kroatien ab Juli 2015 noch einen weiteren Schub bekommen. Zudem stieg der Zustrom an Flüchtlingen deutlich an. Im Jahr 2014 lag die Zahl der Asylanträge bei etwa 200.000 – der höchste Wert seit 1993 – und im Jahr 2015 könnten etwa 800.000 bis 1 Million Flüchtlinge in Deutschland Schutz su- chen. Die anfängliche regionale Verteilung innerhalb Deutschlands wird anhand des Königsteiner Schlüssels vorgenommen, der sich zu 2/3 an den Steuerein- nahmen und zu 1/3 an der Bevölkerungszahl orientiert. Sobald sich die Asylsu- chenden und geduldeten Ausländer nach Aufhebung der Residenzpflicht – grundsätzlich nach drei Monaten Aufenthalt – frei bewegen können, dürfte sich die regionale Verteilung jener der Arbeitszuwanderer angleichen. Hauptsitze größter Unternehmen vor allem in Metropolregionen angesiedelt Von den größten deutschen Unternehmen haben fast alle ihre Hauptsitze in Metropolregionen – rund 95% der 500 größten deutschen Unternehmen – und trugen zur Prosperität der jeweiligen Region bei. Die Kausalität herzustellen, ob die Metropolregionen die Unternehmen angezogen haben oder aber ob durch die ursprüngliche Ansiedlung des Unternehmens die Entstehung der Metropol- region überhaupt erst stattgefunden hat, lässt sich mit den vorliegenden Daten ab dem Jahr 2000 nicht klären. Es dürfte im Zeitablauf aber zu selbstverstär- kenden Effekten gekommen sein, da eine gute Unternehmensentwicklung im- mer mehr Arbeitskräfte und weitere Unternehmen, bspw. Zulieferbetriebe oder Dienstleister, angezogen haben und mit der zunehmenden Bevölkerungsdichte über positive Agglomerationseffekte wieder die Ansiedlung von Unternehmen und Arbeitskräften zur Folge gehabt haben dürfte. Dass ein hoher Industrieanteil mit einem hohen Wohlstandsniveau einhergeht, lässt sich in der Querschnitts-Betrachtung, wenn überhaupt, auf regionaler Ebe- ne nur schwach erkennen. Ebenfalls zeigt sich nur ein schwach positiver Zu- sammenhang zwischen dem BIP-pro-Kopf-Wachstum der Metropolregion und 12 EU-8: Polen, Ungarn, Tschechische Republik, Slowakei, Slowenien, Estland, Lettland, Litauen und EU-2: Rumänien und Bulgarien. 13 Bräuninger, D.; Peters, H.; Nagel, V. (2015). Anhaltender Zuwanderungsboom 2014, aber Politik bleibt gefordert, Aktueller Kommentar, 17. Juni 2015, Deutsche Bank Research. Geringe Korrelation zwischen dem Indust- rieanteil und BIP pro Kopf und … 21 Qu ellen: Eurostat, Deutsche Bank Research … zwischen der Industrieanteilsverände- rung und dem BIP-pro-Kopf-Wachstum 22 Quellen: Eurostat, Deutsche Bank Research - 100 0 100 200 300 400 500 600 08 09 10 11 12 13 14 EU - 8 EU - 2 GIPS - Staaten weitere Länder Insg. Nettozuwanderung 2014 auf über 500.000 gestiegen 20 Tausend Personen Quellen: Statistisches Bundesamt, Deutsche Bank Research Ausblick Deutschland 13 | 2. Oktober 2015 Aktuelle Themen der Erhöhung des Industrieanteils. Eine deutliche Ausweitung des Industriean- teils kann auch mit einer deutlichen Erhöhung des Wohlstands einhergehen. Dies lässt sich aber auf spezifische Faktoren zurückführen. Ingolstadt und Gör- litz stechen da unter den Metropolregionen hervor. Im Falle Ingolstadts, einer wachsenden Region mit sowohl positiver Nettozuwanderung als auch einem Wachstum der heimischen Bevölkerung, geht dies auf die Expansion eines gro- ßen deutschen Premium-Autoherstellers zurück. In Görlitz, der Metropolregion mit dem geringsten BIP pro Kopf im Jahr 2000, stieg das BIP und der Industrie- anteil bspw. dank des Maschinen- sowie des Schienen- und Fahrzeugbaus rela- tiv deutlich. Das deutliche BIP-pro-Kopf-Wachstum geht aber zum Teil auf einen Rückgang der Bevölkerung zurück, die in Görlitz zwischen 2000 und 2011 um 16% zurückging. Die demographischen Faktoren fallen zudem ungünstig für Görlitz aus. Konvergenz des Wohlstandes schwach ausgep- rägt bei Metropolregionen Bisher wurden die Metropolregionen vor allem nur zu einem Zeitpunkt, nicht aber über den Zeitablauf verglichen. In dem Zeitraum von 2000 bis 2011, der angesichts der langen Geschichte der deutschen Städte sehr kurz ist, kommt es zum Teil bereits zu deutlichen Veränderungen des Wohlstandsrankings der einzelnen Metropolregionen. Von den 68 Metropolregionen hat sich die relative Positionierung für rund 90% verändert, von denen 54% ihren Rang verbesser- ten (siehe auch Abbildung 30). Die Region mit dem höchsten Wohlstandsniveau war in beiden Jahren München, gefolgt von Düsseldorf, Ingolstadt, Frankfurt am Main und Heilbronn im Jahr 2011. Am stärksten verbesserte sich seit dem Jahr 2000 die relative Position für Ingolstadt (+15 auf Rang 2) und die Positionierung sackte am stärksten ab für Wuppertal (-12 auf Rang 35). Top-5 der wohlhabendsten Metropolregionen (nach BIP pro Kopf) und stärkste Verbesse- rung/tiefster Fall im Ranking 23 Quellen: Eurostat, Deutsche Bank Research Ausblick Deutschland 14 | 2. Oktober 2015 Aktuelle Themen Ob es zwischen den Metropolregionen eine Konvergenz der Wohlstandsniveaus gibt, lässt sich anhand zweier Konvergenzkonzepte überprüfen. Unterschieden wird dabei zwischen der absoluten (Beta-Konvergenz) und der relativen Kon- vergenz (Sigma-Konvergenz). Anhand der Beta-Konvergenz wird überprüft, ob es einen Aufholprozess der ärmeren Regionen gibt. Die Sigma-Konvergenz gibt an, wie sich die Unterschiede zwischen allen Regionen im Zeitablauf verän- dern. 14 Absolute Konvergenz der Metropolregionen insgesamt schwach … Beta-Konvergenz liegt also vor, wenn die Metropolregionen mit einem anfäng- lich niedrigen BIP pro Kopf am stärksten wachsen und damit ein negativer Zu- sammenhang zwischen den durchschnittlichen Wachstumsraten und dem loga- rithmierten BIP pro Kopf zum Anfangszeitpunkt der einzelnen Metropolregionen besteht. Für die Metropolregionen besteht trotz der Regionalförderung der struk- turschwachen – vor allem ostdeutschen – Regionen nur eine schwach ausgep- rägte Beta-Konvergenz (Abbildung 24). … aber höher für Metropolregionen der zweiten Kategorie, … Unterteilt in die Kategorien der Metropolregionen der zweiten Kategorie und der kleineren Metropolregionen, liegt eine Beta-Konvergenz nur für die Regionen der zweite Kategorie vor, wobei das Ruhrgebiet innerhalb dieser Gruppe das einzige Gebiet ist, das auf Grund des Strukturwandels Mittel aus den regionalen Förderprogrammen erhält. Positiv sticht hier die Metropolregion Düsseldorf her- vor, die trotz des bereits hohen Wohlstandsniveaus das Niveau im Vergleich zu den anderen Regionen noch weiter steigern konnte. … deren Wohlstandsniveau 25% über dem landesweiten Niveau liegt Das Wohlstandsniveau der Metropolregionen der zweiten Kategorie liegt auch im Jahr 2011 mit 25% über dem deutschlandweiten Niveau. Die Verkleinerung des Abstands in den vergangenen Jahren dürfte hauptsächlich auf die erhöhte Zuwanderung aus dem Ausland in die Metropolregionen zurückzuführen sein. Dies liegt daran, dass die Zugewanderten aufgrund von nicht vorhandenem länderspezifischem Wissen, wie detaillierte Informationen über den lokalen Ar- beitsmarkt, Sprachkenntnisse und lokale Geschäftsgepflogenheiten, zum Zeit- punkt der Zuwanderung einen relativ deutlichen Lohnabstand zu vergleichbar qualifizierten heimischen Arbeitskräften haben. Mit steigender Aufenthaltsdauer steigen die Löhne der Immigranten jedoch im Durchschnitt überproportional an, da sie sich das spezifische Wissen nach und nach aneignen und ihre Löhne, bspw. durch Arbeitsplatzwechsel, deutlich steigern können. 15 Dies dürfte dann dazu führen, dass das Wohlstandniveau der Metropolregionen der zweiten Ka- tegorie relativ deutlich steigen dürfte. Keine absolute Konvergenz bei kleineren Metropolregionen Bei den kleineren ost- und westdeutschen Metropolregionen lässt sich jeweils keine Beta-Konvergenz feststellen. Auf Ebene der Metropolregionen zeigt sich zudem, dass die Angleichung der Wohlstandsniveaus zwischen den ost- und westdeutschen Metropolregionen ins Stocken geriet. Das BIP pro Kopf in den ostdeutschen Metropolregionen, welche alle zur Gruppe der kleineren Metropol- 14 Beide Konvergenzkonzepte hängen eng zusammen. Formal betrachtet ist Beta-Konvergenz eine notwendige, aber keine hinreichende Bedingung für Sigma-Konvergenz. 15 Gundel, S.; Peters, H. (2007). Assimilation and Cohort Effects for German Immigrants, SOEPpapers on Multidisciplinary Panel Data Research 64, November 2007. Beta-Konvergenz insgesamt relativ schwach ausgeprägt … 24 Regressionsgeraden jeweils ohne Görlitz und Ingolstadt Quellen: Eurostat, Deutsche Bank Research … aber deutlich stärker für Metropolregio- nen der zweiten Kategorie 25 Regressionsgeraden jeweils ohne Gör litz und Ingolstadt Quellen: Eurostat, Deutsche Bank Research 70 80 90 100 110 120 130 00 02 04 06 08 10 Hauptstadt - Metropolregion Metropolregionen der zweiten Kategorie Kleinere Metropolregionen West - kleinere Metropolregionen Ost - kleinere Metropolregionen Metropolregionen der größeren Städte mit höchstem BIP pro Kopf 26 BIP pro Kopf Deutschlands = 100 Quellen: Eurostat, Deutsche Bank Research Ausblick Deutschland 15 | 2. Oktober 2015 Aktuelle Themen regionen zählen, verharrt seit Mitte der 2000er Jahre etwa 30% unter dem Ni- veau der westdeutschen kleineren Metropolregionen. Dies zeigt sich auch bei einem Vergleich zwischen Ost- und Westdeutschland insgesamt. 16 Moderate relative Angleichung des Wohlstands der Metropolregionen … Sigma-Konvergenz ist vorhanden, wenn es im Zeitablauf eine Angleichung der Niveaus des BIP pro Kopf zwischen den Metropolregionen gibt. Die Anglei- chung ist damit vorhanden, wenn das verwendete Ungleichheitsmaß – die Hälf- te des quadrierten Variationskoeffizienten des BIP pro Kopf – im Zeitablauf sinkt. Zwischen den Metropolregionen kam es zu einer moderaten Reduktion der Ungleichheit. … dürfte sich künftig wieder umkehren Die Untergliederung in die Ungleichheit zwischen den Metropolregionen der zweiten Kategorie und der kleineren Metropolregionen sowie innerhalb der je- weiligen Gruppe ergibt, dass die moderate Sigma-Konvergenz zu fast zwei Drit- teln auf die Reduktion der Ungleichheit zwischen den beiden Gruppen zurück- geht. Diese Reduktion dürfte aber zum Teil temporär sein, da die Zuwanderer aus dem Ausland in die Metropolregionen der zweiten Kategorie den anfänglich relativ großen Lohnabstand nach und nach schließen dürften. Innerhalb der Gruppen kam es zu einer relativ deutlichen Sigma-Konvergenz bei den Metro- polregionen der zweiten Kategorie, wobei die Ungleichheit bei den kleineren Metropolregionen etwa unverändert blieb. Fazit: Relativ dünn besiedelte ländliche Gebiete dürften weiter zurückfallen Bei einem Wohlstandsvergleich zwischen den Ländern als auch den Regionen innerhalb eines Landes zeigt sich, dass der Wohlstand umso höher ist, je höher der Anteil der Stadtbevölkerung, bzw. die Bevölkerungsdichte der Region. Unser regionaler Vergleich zeigt für Deutschland, dass das Wohlstandsniveau umso höher ist, je dichter die Region besiedelt ist. In den größeren Städten samt deren Einzugsgebieten, also den Metropolregionen der zweiten Kategorie, liegt das Wohlstandsniveau im Jahr 2011 etwa 25% über dem deutschlandwei- ten Durchschnitt. Die Top-5 Metropolregionen mit dem höchsten Wohlstand im Jahr 2011 waren: München, Düsseldorf, Ingolstadt, Frankfurt am Main und Heilbronn. Erklären lässt sich dieser positive Zusammenhang zwischen dem Wohlstandsniveau und der Bevölkerungsdichte damit, dass durch das Vorhan- densein von (lokalen) Skalenvorteilen positive Agglomerationseffekte entstehen. Zudem spielen regionale Gegebenheiten und Pfadabhängigkeiten eine ent- scheidende Rolle. Günstig für die großen deutschen Metropolregionen sind die vergleichsweise günstige Bevölkerungsstruktur mit einem geringeren Altenquotient und einem höheren Qualifikationsniveau, die positiveren demographischen Faktoren und die Präsenz der Hauptquartiere der großen Unternehmen. In Berlin stieg die Bevölkerung zwischen den Jahren 2000 und 2011 um 3% und in den Metropol- regionen der zweiten Kategorie um 2,3%. 16 Siehe für weitere Informationen Peters, H.; Rakau, O.; Engelhardt, M. (2014). 25 Jahre nach dem Mauerfall: Nur teilweise „blühende Landschaften“, Ausblick Deutschland, 5. November 2014, Deutsche Bank Research. 0,000 0,005 0,010 0,015 0,020 0,025 0,030 00 02 04 06 08 10 Zwischen Innerhalb Insg. Hälfte des quadrierten Variationskoeffizienten des BIP pro Kopf zerlegt in seine Komponenten Quellen: Eurostat, Deutsche Bank Research Sigma - Konvergenz insb. durch Ungleichheitsreduktion zwischen den Gruppen 27 0,010 0,015 0,020 00 02 04 06 08 10 Zweite Kategorie Kleinere Quellen: Eurostat, Deutsche Bank Research Sigma - Konvergenz für Metropol - regionen der zweiten Kategorie 28 Hälfte des quadrierten Variationskoeffizienten des BIP pro Kopf Ausblick Deutschland 16 | 2. Oktober 2015 Aktuelle Themen Es lässt sich zwischen den Jahren 2000 und 2011 trotz einer regionalen Förde- rung der besonders strukturschwachen Regionen nur eine moderate Konver- genz beobachten, in der die ärmsten Metropolregionen etwas aufgeholt haben (Beta-Konvergenz) und die Unterschiede zwischen den Metropolregionen etwas abgenommen haben (Sigma-Konvergenz). Die Unterschiede zwischen den Metropolregionen der zweiten Kategorie und der kleineren Metropolregionen sowie den Nicht-Metropolregionen bleiben aber weiter relativ groß und dürften zum Teil temporärer Natur sein, da sich der an- fängliche Lohnabstand für die Zuwanderer, die in der Mehrheit in die größeren Städte wandern, nach und nach mit der Aufenthaltsdauer schließen dürfte. Der schärfer werdende demographischen Wandel 17 – vor allem ab dem Jahr 2020 mit dem Ausscheiden der geburtenstarken Baby-Boomer-Generationen – dürfte die Lage in den kleineren und den Nicht-Metropolregionen weiter ver- schärfen. So reduzierte sich die Bevölkerung in den Nicht-Metropolregionen bereits um 3,4% und in den Nicht-Metropolregionen in Ostdeutschland sogar um fast 12% zwischen den Jahren 2000 und 2011. Daher sollte angesichts dieser sich verschärfenden Situation in den ländlicheren Gebieten und der positiven Agglomerationseffekte der dichter besiedelten städ- tischen Regionen Überlegungen angestellt werden, wie die regionale Mobilität erhöht werden und überdimensioniert gewordene Infrastruktur in den ländlichen Gebieten zurückgebaut werden kann. Dies würde auch bedeuten, dass kleinere Gemeinden zusammengelegt oder aufgelöst werden sollten, wenn sich die kommunale Infrastruktur – bspw. Wasserver- und Abwasserentsorgung – nicht unter vertretbaren Kosten zurückbauen lässt. Ein klares Negativbeispiel für überdimensionierte Infrastrukturprojekte im ländlichen Raum sind zudem zahl- reiche Regionalflughäfen. 18 Heiko Peters (+49 69 910-21548, heiko.peters@db.com) 17 Gräf, B.; Peters, H. (2013). Trendwachstum der Beschäftigung – auf längere Sicht negativ, Aus- blick Deutschland, 1. August 2013, Deutsche Bank Research. 18 Heymann, E. (2015). Regionalflughäfen politisch und wirtschaftlich unter Druck, Aktuelle Themen, 2. Juli 2015, Deutsche Bank Research. In großen Metropolregionen ist die Nettozuwanderung und die natürliche Bevölkerungsbewegung günstiger 29 Quellen: Eurostat, Deutsche Bank Research Ausblick Deutschland 17 | 2. Oktober 2015 Aktuelle Themen Relative Positionierung für rund 90% der Metropolregionen verändert zwischen 2000 und 2011 30 EUR, Metropolregion (Rang) Quellen: Eurostat, Deutsche Bank Research Ausblick Deutschland 18 | 2. Oktober 2015 Aktuelle Themen Europas Wohnungspreise: Deutschland hat noch Potenzial – mittelfristig droht Korrektur — Die Internationalisierung des deutschen Wohnungsmarkts gewinnt an Fahrt. Dies gilt sowohl für die Geldpolitik und das regulatorische Umfeld als auch die Investoren und die Nachfrage nach Wohnraum. Daher lohnt mehr denn je ein Vergleich deutscher mit den europäischen Wohnungspreisen. — Unsere Analyse für 200 europäische Städte und mehr als 30 Länder zeigt, dass Wohnungen in Deutschland eher zu günstig als zu teuer sind. Dies kann man sowohl aus dem Vergleich der absoluten Wohnungspreise als auch relativ zu wichtigen Makrovariablen wie Einkommen, Arbeitslosenrate und Erwerbsquote ablesen. Allerdings zeigen unsere einfachen Vergleiche auch die Grenzen des aktuellen Hauspreiszyklus auf. Denn die Höhe der Mieten in den Großstädten und auch die schwache Bevölkerungsentwick- lung deuten im Vergleich zu anderen europäischen Städten eher auf zu ho- he Preise in Deutschland hin (siehe Tabelle „Übersicht der Ergebnisse“). — Im Großen und Ganzen bestätigen die Daten unsere bekannte Marktein- schätzung, dass der aktuelle Aufschwung am deutschen Häusermarkt sich weiter fortsetzen dürfte. Insbesondere der gute Arbeitsmarkt sollte die Preisdynamik konstant hoch halten. Allerdings droht aufgrund der Marktein- griffe des Staates eine weiterhin gedämpfte Mietdynamik. Zusammen mit dem schwachen Einwohnerwachstum droht am Zyklusende eine Marktkor- rektur. Die Korrektur, die vermutlich noch einige Jahre auf sich warten lässt, dürfte dann umso größer ausfallen je länger der Hauspreiszyklus dauert. Internationale Einflüsse gewinnen an Bedeutung Deutschlands Wohnungsmarkt ist in immer stärkerem Ausmaß internationalen Einflüssen ausgesetzt. Seit Beginn der Eurokrise ist die Zinspolitik der EZB ei- ner der Hauptpreistreiber am Wohnungsmarkt. Auch die Einführung der Ban- kenunion und das Brüsseler Bestreben, den Baufinanzierungsmarkt zu harmo- nisieren, belegen den großen europäischen Einfluss auf den deutschen Markt. Aber nicht nur die immobilienwirtschaftlichen Rahmenbedingungen, auch die Investoren werden zunehmend internationaler. Aufgrund der guten bis sehr guten deutschen Wirtschaftsdaten und einem attraktiven Verhältnis von Risiko und Rendite bei gleichzeitig mäßigen Renditealternativen im Finanzmarkt steht der deutsche Wohnungsmarkt bei vielen Investoren im Fokus. Im aktuellen Hauspreiszyklus wird auch der deutsche Arbeitsmarkt aufgrund der netto mehr als 1 Millionen Zuwanderer internationaler. Diese zusätzlichen Arbeitskräfte Wohnungspreise und Preisdeterminanten – Übersicht der Ergebnisse 1 Variable Einheit Bewertung deutsche Städte Bewertung der Großstädte Absolute Wohnungspreise EUR eher günstig eher günstig Wohnungspreise relativ zu anderen Variablen Mieten EUR fair gepreist leicht zu teuer Verfügbares Einkommen EUR zu günstig leicht zu günstig Arbeitslosenquote in % der Erwerbstätigen zu günstig große Spannweite: zu teuer und zu günstig Erwerbsquote in % der Bevölkerung zu günstig fair gepreist Bevölkerung in % 2009 - 14 Wachstum zu teuer zu teuer Quelle: Deutsche Bank Research Ausblick Deutschland 19 | 2. Oktober 2015 Aktuelle Themen tragen nicht nur zum Wirtschaftswachstum bei, sondern erhöhen auch die Wohnnachfrage gerade in den Großstädten und den Ballungszentren. Aufgrund dieser zunehmenden Internationalisierung sinkt der Einfluss von nationalen Regeln (Gesetzgebung, Regulatorik, institutionelles Umfeld) auf die Preisbil- dung. Folglich sollten große, dauerhafte und nicht fundamental erklärbare Preisunterschiede in Europa seltener werden. Nach der Finanzkrise wurden viele Fehlbewertungen bereits abgebaut, so dass der Vergleich der europä- ischen Wohnungspreise bereits heute an Aussagekraft gewonnen hat. Bei- spielsweise sind irische und spanische Wohnungspreise wieder auf eher fun- damental gerechtfertigten Niveaus. Aufgrund der Internationalisierung und der geringeren Fehlbewertungen lohnt also mehr denn je ein Querschnittsvergleich deutscher mit europäischen Wohnungspreisen unter Berücksichtigung makro- ökonomischer Variablen. Details zur Datenquelle der Wohnungspreise Grundlage für unsere Analyse sind die Wohnungspreise von Numbeo.com. Die- se stehen grundsätzlich im Einklang mit anderen Datenanbietern und mit Markt- einschätzungen von Immobilienexperten. 19 Die hier analysierten Wohnungsprei- se sind definiert als „Preise außerhalb der Innenstadt“. Diese Kategorie erlaubt eine bessere Vergleichbarkeit als Innenstadtpreise, die eher durch Sonderfakto- ren, wie beispielsweise Tourismus, beeinflusst werden. Die hier analysierten Preise der Nichteuroländer sind basierend auf tagesaktuellen Kursen in Euro umgerechnet. Unsere Daten umfassen 200 europäische Städte aus über 30 Ländern, wobei 91 Städte aus den bevölkerungsreichen EU-Ländern enthalten sind: DE 16, ES 10, FR 11, IT 17, PL 10, UK 27. Unter den deutschen Städten finden sich sowohl die einwohnerstärksten Städte (Berlin, Düsseldorf, Frankfurt, Hamburg, Köln, München, Stuttgart), als auch mittelgroße Städte (Nürnberg, Freiburg, Dresden, Mannheim, Karlsruhe, Heidelberg, Augsburg, Aachen und Leipzig). Deutschlands Wohnungspreise im europäischen Mittelfeld Chart 2 zeigt die große Spannweite der Preise in den wichtigsten Städten jedes Landes. Abgesehen von den hohen Preisen in London und Paris (EUR 12.000 und EUR 7.900) ist das teuerste Land mit Quadratmeterpreisen bis zu EUR 9.000 die Schweiz. Gefolgt von Schweden und Norwegen mit Preisen bis zu EUR 5.000. Deutsche Städte liegen mit Preisen von EUR 2.000 bis 2.500 nur im europäischen Mittelfeld. Gleichauf liegen Irland, Italien, Dänemark, Frankreich und die Niederlande. In Portugal und Osteuropa liegen die Durchschnittspreise bei rund EUR 1.000 und in der Spitze bei bis zu EUR 1.500. Höchstpreise in Osteuropa zahlt man in Moskau mit rund EUR 3.000. 19 Die Numbeo.com Daten beruhen auf der Befragung von Nutzern, die online ihre Preise und auch Daten über Einkommen, Wohnqualität, etc. in Städten eintragen. Aus verschiedenen Gründen halten wir die Daten für aussagekräftig: 1. Verschiedene andere anerkannte Medien (Financial Times, Economist etc.) haben Numbeo bereits zitiert. 2. Die Preise in dieser inoffiziellen Daten- quelle liegen zumeist nahe an offiziellen Stadtstatistiken, soweit diese verfügbar sind. 3. Sie spie- geln regelmäßig die Erfahrungen und anekdotische Evidenz von Marktteilnehmern wider. Ausblick Deutschland 20 | 2. Oktober 2015 Aktuelle Themen Wohnungspreise und Mieten deutscher Städte Die teuerste deutsche Stadt ist München mit einem Quadratmeterpreis außer- halb der Innenstadt von fast EUR 4.800. Mit deutlichem Abstand folgen die wei- teren deutschen Großstädte Hamburg, Stuttgart, Frankfurt und Düsseldorf. Durchschnittspreise von EUR 2.000 bis 2.500 sind in Nürnberg, Freiburg, Berlin, Dresden, Karlsruhe und Köln zu bezahlen. Auch in Heidelberg und Augsburg liegen die Preise bei fast EUR 2.000 und lediglich in Aachen und Leipzig deut- lich darunter. Die durchschnittlichen Monatsmieten pro Quadratmeter in den Großstädten liegen zwischen EUR 10 und EUR 15. Im Durchschnitt über die mittelgroßen Städte sind mehr als EUR 9 zu zahlen. Basierend auf diesen Daten liegen die Mietrenditen – das einfache Verhältnis von Jahresmiete zu Kaufpreis ohne Transaktionskosten und ohne Verschuldung – bei über 4%, in den Großstädten aber teilweise auch deutlich darunter. Vergleicht man die deutschen Städte mit den europäischen, wird deutlich, dass deutsche Städte keineswegs teuer sind. So ist München als teuerste deutsche Stadt lediglich auf dem 15. Rang in Europa. Hamburg, Stuttgart und Frankfurt, laut Numbeo die weiteren deutschen Städte mit einem Quadratmeterpreis von deutlich über EUR 2.500, rangieren im europäischen Vergleich lediglich auf Rang 27, 40 und 51. Trotz unterschiedlicher institutioneller, regulatorischer und gesetzlicher Rahmenbedingungen stellen diese Zahlen die von der Bundesbank ausgemachte Überbewertung in den deutschen Großstädten von bis zu 25% – auf Basis einer nationalen Stichprobe – in Frage. Eine kleine, aber international bekannte deutsche Stadt wie Heidelberg liegt auf Rang 87, gleichauf mit Städ- ten wie Tampere in Finnland und Belfast in Nordirland. Leipzig, die günstigste deutsche Stadt in unseren Daten, liegt auf Rang 149, gleichauf mit Posen in Polen und Vilnius in Litauen. Diese Platzierungen lassen unserer Einschätzung nach auf eher zu günstige als zu teure deutsche Städte schließen. Marktlage d eutsche r Städte 3 Kaufpreis Miete Mietrendite EUR/qm EUR/qm in % München 4.784 16,1 3, 4 Hamburg 3.440 13,3 4,0 Stuttgart 2.960 11,1 3,8 Frankfurt 2.771 13,2 4,9 Düsseldorf 2.593 11,8 4,6 Nürnberg 2.500 9,1 3,7 Freiburg 2.500 12,5 5,1 Berlin 2.254 10,1 4,6 Dresden 2.250 8,8 4,0 Mannheim 2.000 7,4 3,8 Karlsruhe 2.000 9,4 4,8 Köln 2 .000 10,3 5,3 Heidelberg 1.983 10,9 5,6 Augsburg 1.899 11,4 6,1 Aachen 1.750 8,4 4,9 Leipzig 1.200 6,7 5,7 Quellen: Numbeo, Deutsche Bank Research 0 2.000 4.000 6.000 8.000 10.000 12.000 14.000 BU RO PT PL GR CZ RU ES BE NL DE FR DK IT IE FI AT UK SE NO CH Maximum 75% - Perzentil 25% - Perzentil Minimum Wohnungspreise in den großen Städten jedes Landes 2 EUR/qm von Wohnungen außerhalb der Innenstadt Quellen: Numbeo, Deutsche Bank Research Ausblick Deutschland 21 | 2. Oktober 2015 Aktuelle Themen Das Verhältnis von Mieten und Preisen in Europa Der Vergleich von Mieten und Preisen über 200 Städte hinweg zeigt, dass eine um EUR 100 höhere Monatsmiete für eine Standardwohnung außerhalb der Innenstadt den durchschnittlichen Kaufpreis pro Quadratmeter um EUR 300 erhöht. Berechnet man basierend auf diesem einfachen Ansatz „faire Preise“, sind die deutschen Städte im Durchschnitt richtig gepreist. Für einzelne Städte gibt es jedoch erhebliche Abweichungen. Nach dieser Methodik sind gerade die deutschen Großstädte teilweise bis zu 20% zu teuer. Man kann allerdings auch zu günstige Mieten unterstellen, denn die geringere Dynamik der Mieten relativ zu den Preisen ist ein wesentliches Merkmal des aktuellen Hauspreiszyklus. Während bundesweit die Wohnungspreise von 2009 bis heute um mehr als 30% anzogen, stiegen die Mieten nur halb so stark. Die jüngsten Markteingriffe zementieren diese Diskrepanz, die auch angesichts des ultraniedrigen Zinsum- feldes für einige Zeit bestehen bleiben sollte. Zudem bleiben Wohnungskäufe zur Eigennutzung wie zur Vermögensbildung attraktiv und der hohe Nachfrage- überhang sollte die Preise weiter erhöhen. Makroökonomisches Umfeld: Einkommen und Arbeitsmarkt Die Numbeodaten enthalten auch eine Einkommensvariable, wodurch wir auf Stadtebene die Monatseinkommen (genau genommen die verfügbaren durch- schnittlichen Monatseinkommen) mit den Wohnungspreisen vergleichen kön- nen. Dabei zeigt sich, dass ein um EUR 100 höheres Monatseinkommen die Quadratmeterpreise um EUR 120 steigen lässt. Nach dieser Berechnung sind deutsche Wohnungspreise aktuell immer noch zu günstig. Insbesondere die Preise in den Großstädten haben hiernach ein Aufwertungspotenzial von im Durchschnitt EUR 400 pro Quadratmeter bzw. fast 20% relativ zum Marktpreis. Zudem erwarten wir in den Jahren 2015 und 2016 dank der guten Konjunktur bundesweit Lohnerhöhungen von rund 3% p.a., welche sich abermals in höhe- ren Wohnungspreisen gerade in den Städten niederschlagen sollten. Die Woh- nungsnachfrage in den Städten dürfte aber nicht nur durch höhere Löhne weiter steigen, sondern auch durch die Fortsetzung der Zuwanderung. Insbesondere Deutschlands rekordverdächtige niedrige Jugendarbeitslosigkeit von 7% klingt für Migranten aus wirtschaftschwachen Ländern wie ein Versprechen auf eine bessere Zukunft. Neben den Einkommensvariablen liegen in den Numbeodaten keine weiteren Makrodaten vor. Deshalb vergleichen wir die Wohnungspreise mit Arbeitsmarkt- daten der Regionen (NUTS-2 Ebene entspricht in Deutschland Regierungsbe- zirk). Deutschlands Arbeitslosenquote liegt nach internationaler Rechnung bei 4,7% und die Erwerbsquote bei über 50%. Die Regionaldaten rund um die von uns untersuchten Städte weisen eine ähnliche durchschnittliche Arbeitslosenra- te, jedoch eine um rund 20%-Punkte höhere Erwerbsquote auf. Dies spiegelt den hohen Anteil der jungen, gut ausgebildeten Stadtbevölkerung wider. Chart 10 zeigt auch die Stärke des deutschen Arbeitsmarktes relativ zur EU. Dort liegt die Arbeitslosenquote ohne Deutschland bei 10,5% und die Erwerbsquote bei 48% – noch angespannter als in der EU ist der Arbeitsmarkt in Euroland. Unsere Stadtdaten zeigen erwartungsgemäß höhere Wohnungspreise bei nied- rigen Arbeitslosenraten und höherer Erwerbsquote. Dabei ist für beide Verglei- che ein nichtlinearer Zusammenhang zu beobachten. So steigen die Woh- nungspreise besonders stark, wenn niedrige Arbeitslosenraten zurückgehen und hohe Erwerbsquoten steigen. Beides deutet auf eine Knappheit an Arbeits- kräften hin, die es erlaubt, Lohnsteigerungen leichter durchzusetzen und höhere Wohnungspreise zu zahlen. Basierend auf diesen Arbeitsmarktvariablen sind y = 3,02x - 295,13 R² = 0,78 0 2.000 4.000 6.000 8.000 10.000 12.000 14.000 0 1.000 2.000 3.000 y - Achse: Preise in EUR/qm x - Achse: Monatsmiete in EUR Quellen: Numbeo, Deutsche Bank Research Wohungspreise vs. Mieten 4 90 100 110 120 130 140 09 10 11 12 13 14 15 Wohnungspreise, Bestand Mieten Deutschland: Preise vs. Mieten 5 Jan 2009=100 Quellen: ImmobilienScout, Deutsche Bank Research y = 1,23x + 247,13 R² = 0,63 0 2.000 4.000 6.000 8.000 10.000 12.000 14.000 0 2.000 4.000 6.000 8.000 Quellen: Numbeo, Deutsche Bank Research Wohnungspreise vs. Einkommen 6 y - Achse: Wohnungspreise in EUR/qm x - Achse: Monatseinkommen in EUR Ausblick Deutschland 22 | 2. Oktober 2015 Aktuelle Themen die deutschen Wohnungspreise im Durchschnitt mehr als 10% zu günstig, wobei auch hier einzelne Städte deutlich nach oben wie nach unten abweichen. Schwaches Bevölkerungswachstum wirkt preisdämpfend Vergleicht man dagegen die regionale Einwohnerentwicklung der letzten fünf Jahre mit den Wohnungspreisen kommt man für die deutschen Städte zu einem gegenteiligen Urteil. Nach diesem Vergleich sind fast alle deutschen Städte mindestens 20% zu teuer. Dies ist doppelt bemerkenswert, denn zum einen hat in unserem Datenbestand das Bevölkerungswachstum der letzten fünf Jahre einen besonders guten statistischen Fit mit den Wohnungspreisen und zum anderen hat Deutschland im Vergleich zu vielen anderen europäischen Ländern eine besonders schnell alternde Bevölkerung. Im aktuellen Zyklus dürfte die erst in den nächsten Jahrzehnten zurückgehende Einwohnerzahl wenig Gewicht haben. Aktuell werden die guten Arbeitsmarkt- zahlen und die steigenden Einkommen für weitere Nachfrage nach Wohnraum in den Ballungsgebieten sorgen. Das Kaufinteresse sollte auch deshalb hoch bleiben, weil die extrem niedrigen Hypothekenzinsen für einige Zeit Bestand haben sollten. Erst jüngst hat die EZB ihre Inflations- und Wachstumsprognose für den Euroraum gesenkt und signalisiert, bei schwach bleibender Wirtschafts- dynamik eine Verlängerung oder gar Ausweitung der Wertpapierkäufe in Erwä- gung zu ziehen. Wie schon diskutiert sprechen nahezu alle Vorzeichen für eine mehrere Jahre anhaltende, hohe positive Nettozuwanderung. Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass für die langfristige Wohnnachfrage über 2020 oder gar 2030 hinaus es von besonderer Bedeutung sein wird, die Zuwanderer nachhaltig für den Ar- beitsmarkt zu gewinnen und in die Gesellschaft zu integrieren. Gelingt dies, könnten die deutschen Wohnungspreise auch langfristig weiter anziehen, an- dernfalls könnte nach einem sehr langen Aufschwung Wohnraum in deutschen Städten wieder deutlich günstiger werden. Interpretation der Ergebnisse und Ausblick Unsere Analyse für 200 europäische Städte und mehr als 30 Länder zeigt, dass deutsche Städte eher zu günstig als zu teuer sind. Dies kann man sowohl aus dem Vergleich der absoluten Preise als auch relativ zu wichtigen Makrovariab- len wie Einkommen, Arbeitslosenrate und Erwerbsquote feststellen. Allerdings zeigen unsere einfachen Vergleiche auch die Grenzen des aktuellen Hauspreis- zyklus auf. Denn die Mieten in den Großstädten und auch die schwache regio- nale Bevölkerungsentwicklung deuten wiederum eher auf zu hohe deutsche Wohnungspreise hin. Im Großen und Ganzen bestätigen die Daten jedoch un- sere bekannte Markteinschätzung, dass sich die positive Preisdynamik am deutschen Häusermarkt fortsetzt. Ein entscheidender Faktor für die Dauer des aktuellen Hauspreiszyklus wird die Geldpolitik sein. Erst jüngst hat die EZB auf die Fortsetzung der Niedrigzinspoli- tik hingedeutet, wodurch auch die Hypothekenzinsen auf sehr niedrigen Ni- veaus bleiben sollten. Damit ist der Wohnungskauf gegenüber der Miete, trotz geringerer Mietdynamik, in vielen Fällen die günstigere Alternative. Dies spricht für eine anhaltend hohe Nachfrage und bei geringem Angebot für steigende Wohnungspreise. Am Ende eines sehr langen Zyklus droht dann aber bei einer Normalisierung der Geldpolitik und zusammen mit der geringen Dynamik der Mieten und dem schwachen Einwohnerwachstum eine Marktkorrektur, deren Abwärtspotential mit der Länge des vorangehenden Aufschwungs zunimmt. y = 149,32e 0,0389x R² = 0,2878 0 2.000 4.000 6.000 8.000 10.000 12.000 14.000 40 50 60 70 80 90 Wohnungspreise vs. regionale Erwerbsquote 8 y - Achse: Wohnungspreise in EUR/qm x - Achse: NUTS - 2 Erwerbsq. in % d. Bevölker. Quellen: Numbeo, Deutsche Bank Research y = 4537x - 0,391 R² = 0,1376 0 2.000 4.000 6.000 8.000 10.000 12.000 14.000 2 6 10 14 18 22 26 Wohnungspreise vs. regionale Arbeitslosenrate 7 y - Achse: Wohnungspreise in EUR/qm x - Achse: NUTS - 2 Arbeitslosenrate in % Quellen: Numbeo, Deutsche Bank Research y = 1666,3e 0,1206x R² = 0,4917 0 2.000 4.000 6.000 8.000 10.000 12.000 14.000 - 20 - 10 0 10 20 y - Achse: Wohnungspreise in EUR/qm x - Achse: NUTS - 2 Bevölkerungswachstum in % Quellen: Numbeo, Deutsche Bank Research Wohnungspreise vs. Bevölke - rungswachstum von 2009 - 2014 9 Ausblick Deutschland 23 | 2. Oktober 2015 Aktuelle Themen Jochen Möbert (+49 69 910-31727, jochen.moebert@db.com) Für die Wohnungspreise wichtige Regionalvariablen 10 (NUTS - 2 in Deutschland Regierungsbezirke) Stadt Arbeitslosenquote i n % Erwerbsquote in % Bevölkerungswachstum 2009 - 14 in % Düsseldorf 6,3 69,8 - 2,0 Stuttgart 3,1 76,9 - 0,8 Heidelberg 3,5 74,8 - 1,4 Mannheim 3,5 74,8 - 1,4 München 2,5 78,9 3,1 Augsburg 3,0 77,4 1,1 Nürnberg 3,1 76,6 - 0,3 Karlsruhe 3,5 74,8 - 1,4 Hamb urg 5,0 74,7 - 1,5 Frankfurt 4,5 72,9 1,0 Köln 5,3 70,5 - 1,2 Aachen 4,2 74,1 - 0,2 Berlin 9,8 69,0 - 0,3 Freiburg 3,0 78,2 - 1,0 Leipzig 8,3 73,4 - 1,0* Dresden 7,4 74,7 - 2,9 Deutschland 4,7 52,2 - 0,2 DE (Numbeo Städte) 4,8 74,5 - 0,6 EMU ex DE 13,1 46 ,0 0,3 EU ex DE 10,5 47,7 0,2 Europa ex DE (Numbeo Städte) 9,7 66,4 1,9 *Leipzig Wachstumsrate von 2011 bis 2014, weil Daten für 2009 und 2010 fehlen. Quellen: Eurostat, Deutsche Bank Research Ausblick Deutschland 24 | 2. Oktober 2015 Aktuelle Themen Europäische Zentralbank (EZB): QE-Erweiterung gewinnt an Wahrscheinlichkeit Entscheidend mit Blick auf eine mögliche Ausweitung von QE sind die Antwor- ten auf folgende Fragen: — Gefährdet die Entwicklung in China die konjunkturelle Erholung in der Eurozone? — Überwiegt die Verschlechterung der finanziellen Rahmenbedingung die Verbesserung der Kreditbedingungen? — Gefährden schwächere Inflationserwartungen die Stabilisierung der Kerninflation? Die Europäische Zentralbank dürfte wohl noch in diesem Jahr eine mögliche QE-Ausweitung adressieren. Die EZB hatte bereits in den im September veröffentlichten Stabsprojektionen ihre Wachstums- und Inflationsprognosen für die Eurozone in 2016 um 0,2%- Punkte bzw. 0,4%-Punkte nach unten korrigiert. Begründet wurden diese An- passungen mit einer weniger dynamischen Entwicklung der Weltwirtschaft und des Welthandels. Dabei spielte insbesondere die Schwäche in den Schwellen- ländern eine entscheidende Rolle. Die moderatere globale Konjunkturentwick- lung sowie die niedriger als ursprünglich erwarteten Ölpreise waren die Haupt- gründe für die reduzierte Inflationsprognose. Die EZB wies bei der Veröffentli- chung der Prognosen darauf hin, dass die Entwicklung beim Wechselkurs und den Ölpreisen seit dem Abschluss der Prognose (Mitte August) weitere Ab- wärtsrisiken signalisierte. Tatsächlich ist der Ölpreis seitdem wieder unter 50 USD/Bbl. gefallen und der Außenwert des Euro ist um knapp 4 ½% gestiegen. Zudem haben die aus Marktpreisen errechneten impliziten Inflationserwartun- gen nochmals leicht nachgegeben. Demgegenüber haben sich die realwirtschaftlichen Stimmungsindikatoren ver- gleichsweise stabil entwickelt. Der PMI Composite-Index hat sich zwar im Sep- tember leicht um 0,4 Punkte abgeschwächt, schwankt aber mittlerweile seit gut einem halben Jahr um 54. Allerdings hat sich beim PMI in der Industrie, wo sich der moderatere Ausblick für die Weltwirtschaft und die Wechselkurseffekte wohl schneller niederschlagen, in den letzten Monaten ein leichter Abwärtstrend etabliert. Im Gegensatz dazu hat sich das von der europäischen Kommission erhobene Industrievertrauen im September aber sogar überraschend deutlich erhöht. EZB-Präsident Draghi hat bei seiner letzten Anhörung vor dem europäischen Parlament erneut auf die Flexibilität des Wertpapierankaufsprogramms (QE) der EZB hingewiesen und betont, dass die EZB nicht zögern würde, falls sich die mittelfristigen Inflationsaussichten weiter abschwächen sollten. Damit muss die Europäische Zentralbank in den nächsten Monaten bei ihrer Analyse drei entscheidende Fragen beantworten: 1. Wird die von China ausgehende Belastung der Weltkonjunktur die wirtschaftliche Dynamik in der Eurozone übertrumpfen? In China ist der offizielle Einkaufsmanagerindex im September um 0,1 Punkte gestiegen, während der privat erhobene (Caixin-PMI) um 0,1 Punkte auf ein sechseinhalb Jahrestief gesunken ist (47,2). Der offizielle Index, in dem die grö- ßeren staatlichen Unternehmen ein höheres Gewicht haben, tendiert mit 49,8 nur marginal unter der Stagnationslinie. Die Diskrepanz könnte andeuten, dass die Maßnahmen zur Stützung der Konjunktur, die wohl stärker die staatlichen 40 45 50 55 60 65 70 100 102 104 106 108 110 112 114 Jul 15 Aug 15 Sep 15 EUR, nom. effektiver Wechselkurs (links) Ölpreis, Brent (rechts) Inflationsprognose: Risikofaktoren 1 Quelle: Europäische Zentralbank Index (links), USD/Bbl. (rechts) - 16,0 - 14,0 - 12,0 - 10,0 - 8,0 - 6,0 - 4,0 - 2,0 0,0 42 44 46 48 50 52 54 56 2013 2014 2015 Composite - PMI (links) Manuf. - PMI (links) Ind. Confidence (rechts) EWU: Stabile Stimmung 2 Quellen: EU - Kommission, Markit Index Ausblick Deutschland 25 | 2. Oktober 2015 Aktuelle Themen Unternehmen treffen, Wirkung entfalten. Dem steht allerdings der kräftige Rück- gang der neuen Exportaufträge gegenüber (44,6). Dies bedeutet auch, dass der Welthandel sich weiterhin mehr oder weniger seitwärts entwickeln dürfte. Zu- dem haben sich die Einkaufsmanager-Indices im September in fast allen Schwellenländern schwach entwickelt. In der Eurozone ist die hauptsächlich durch den privaten Verbrauch getriebene Erholung der Binnennachfrage weiterhin intakt. Die allmähliche Verbesserung am Arbeitsmarkt sowie die Unterstützung der Realeinkommen durch die in etwa stagnierende Inflationsrate haben im September die Anschaffungsbereitschaft der Konsumenten weiter verbessert. Die Beschäftigungserwartungen in der Industrie haben sich bis Ende September günstig entwickelt. 2. Wird die Verschlechterung der finanziellen Rahmenbedingun- gen die anhaltende Verbesserung der Kreditbedingungen über- trumpfen? Die finanziellen Rahmenbedingungen haben sich durch die erneute Aufwertung des Euro, den Einbruch an den Aktienmärkten sowie dem generellen Anstieg der Volatilität verschlechtert. Andererseits hat sich die bescheidene Belebung der Kreditnachfrage der privaten Haushalte (1,0% gegen Vorjahr) und der Un- ternehmen (0,4%) im August fortgesetzt. Allerdings ist der Rückgang bei den Kreditzinsen zuletzt zum Stillstand gekommen. Die gedämpfte globale Konjunk- turentwicklung sowie der deutliche Anstieg der Volatilität an den Finanzmärkten machen die von den Banken für das dritte Quartal erwartete weitere Belebung der Kreditnachfrage – zumindest mit Blick auf die Unternehmen – fraglich. 3. Werden die sich abschwächenden Inflationserwartungen den sich abzeichnenden Anstieg in der Kerninflation übertrumpfen? Aufgrund deutlich nachgebender Energiepreise ist die Inflationsrate in der Euro- zone im September (-0,1% gg. Vj.) erneut unter die Nulllinie gerutscht. Die Schwäche beim Ölpreis und den Rohstoffen generell sowie die schwächere Entwicklung in den Schwellenländern haben zu einem erneuten Rückgang der marktbasierten Inflationserwartungen geführt. Zwar ist die Prognosequalität derartiger Indikatoren eher gering, wie eine aktuelle Studie von Ökonomen der San Francisco-Fed zeigt 20 , allerdings hat die EZB dem Markt in der Vergangen- heit signalisiert, dass marktbasierte Inflationserwartungen für ihre Analyse rele- vant sind. Andererseits hat sich die Kerninflation in den vergangenen Monaten leicht über den Erwartungen entwickelt, wie die marginale Aufwärtsrevision in der Stabs- prognose für 2015 (von 0,8% auf 0,9%) und die unveränderte Prognose für 2016 (1,4%) – trotz der niedrigeren BIP-Prognose – zeigen. Bei den Dienstleis- tungspreisen, die weniger von globalen Faktoren beeinflusst werden, hat sich die leichte Aufwärtsentwicklung bis zuletzt fortgesetzt (September 1,3% gg. Vj.). Zurzeit kann die EZB wohl keine dieser Fragen eindeutig beantworten. Aller- dings dürfte ein deutlicher Rückgang der Inflationserwartungen von der EZB mit einer Ausweitung des QE-Programms beantwortet werden. Nicht zuletzt, da sie immer wieder auf das Risiko einer sich selbst erfüllenden Erwartungshaltung hingewiesen hat. Das Ausmaß der Reaktion, dürfte von den Antworten auf die beiden ersten Fragen abhängen, insbesondere von der Entwicklung in China. Sollte sich die Konjunkturerholung in der Eurozone weiterhin – wenn auch mo- derater – fortsetzen, dürfte die Reaktion der EZB begrenzter ausfallen. Aller- dings dürfte sich die EZB aufgrund der insgesamt schwierigeren Lage wohl 20 Can we rely on market-based inflation forecasts? M. Bauer, E. McCarthy. FRBSF Economic Letter Sep. 2015. -30 -25 -20 -15 -10 -5 0 2013 2014 2015 Anschaffungsbereitschaft Beschäftigungserwartungen (Industrie) EWU: Günstige Konsumbedingungen 3 Index Quelle: EU - Kommission - 1,0 - 0,5 0,0 0,5 1,0 1,5 2,0 2,5 2013 2014 2015 HVPI HVPI (ohne Nahr. & Energie) Dienstleistungen EWU: Inflationsentwicklung 4 % gg. Vorjahr Quelle: Eurostat Ausblick Deutschland 26 | 2. Oktober 2015 Aktuelle Themen nicht mehr – wie von uns bisher erwartet – mit einer Entscheidung, ob QE „auf- gebohrt“ wird bis Frühjahr 2016 Zeit lassen, sondern diese wohl bis zum Jah- resende adressieren. Mark Wall (+44 20 754-52087, mark.wall@db.com) Stefan Schneider (+49 69 910-31790, stefan-b.schneider@db.com) Ausblick Deutschland 27 | 2. Oktober 2015 Aktuelle Themen DB Makro-Überraschungsindex Deutschland Der DB Makro - Überraschungsindex vergleicht den Wert der veröffentlichten Konjunkturdaten mit den Markterwartunge n und liefert damit Hinweise über die Richtung künftiger Prognoseanpassungen. 21 Heiko Peters (+49 69 910-21548, heiko.peters@db.com) 21 Siehe für Details Ausblick Deutschland. 4. August 2014. Letzte 20 veröffentlichte deutsche Konjunkturdaten DX Bloomberg TickerIndikator Berichts- monat Veröffentlich- ungsdatum Aktueller Wert Bloomberg Konsensus Überra- schung Standardisierte Überraschung Quantils- rang GRIFPBUS Indexifo Geschäftsklimaindex8 201525.08.15108,4107,60,80,50,7 GRGDPPGQ IndexBIP (% gg. Vq.)6 201525.08.150,40,40,0-0,10,4 GRIMP95Y IndexImportpreise (% gg. Vj.)7 201527.08.15-1,7-1,4-0,30,10,5 GRFRIAMM IndexEinzelhandelsumsätze (% gg. Vm.)7 201531.08.151,61,10,50,60,7 MPMIDEMA IndexPMI Verarbeitendes Gewerbe8 201501.09.1553,353,20,10,10,5 GRUECHNG IndexVeränderung Arbeitslose (Tsd. gg. Vm.)8 201501.09.15-6,0-3,52,5-0,10,5 MPMIDESA IndexPMI Dienstleistungssektor8 201503.09.1554,953,61,31,40,9 GRIORTMM IndexAuftragseingänge (% gg. Vm.)7 201504.09.15-1,4-0,6-0,8-0,40,3 GRIPIMOM IndexIndustrieproduktion (% gg. Vm.)7 201507.09.150,71,1-0,4-0,30,4 GRCAEU IndexLeistungsbilanzsaldo (EUR Mrd.)7 201508.09.1523,421,51,90,20,6 GRCP20YY IndexVPI (% gg. Vj.)8 201511.09.150,20,20,00,30,3 GRZEWI IndexZEW - Konjunktur (Erwartungen)9 201515.09.1512,118,3-6,2-0,70,2 GRZECURR IndexZEW - Konjunktur (Situation)9 201515.09.1567,564,03,50,40,7 MPMIDESA IndexPMI Dienstleistungssektor9 201523.09.1554,354,5-0,2-0,20,4 MPMIDEMA IndexPMI Verarbeitendes Gewerbe9 201523.09.1552,552,50,00,00,5 GRIFPBUS Indexifo Geschäftsklimaindex9 201524.09.15108,5107,90,60,30,6 GRIMP95Y IndexImportpreise (% gg. Vj.)8 201529.09.15-3,1-3,0-0,10,30,6 GRCP20YY IndexVPI (% gg. Vj.)9 201529.09.150,00,1-0,1-0,30,2 GRFRIAMM IndexEinzelhandelsumsätze (% gg. Vm.)8 201530.09.15-0,40,2-0,6-0,20,4 GRUECHNG IndexVeränderung Arbeitslose (Tsd. gg. Vm.)9 201530.09.152,0-5,0-7,0-0,50,3 Quellen: Bloomberg Finance LP, Deutsche Bank Research -0,5 -0,4 -0,3 -0,2 -0,1 0,0 0,1 0,2 0,3 0,4 0,5 14 15 DB Marko - Überraschungsindex +/ - 1 Standardabweichung DB Makro-Überraschungsindex Deutschland Durchschnitt der z-Werte der vergangenen 20 Datenüberraschungen Quellen: Bloomberg Finance LP, Deutsche Bank Research Werte über (unter) 0 bedeuten über (unter) der Markterwartung liegende Datenveröffentlichungen -1,0 -0,8 -0,6 -0,4 -0,2 0,0 0,2 0,4 0,6 0,8 1,0 05 06 07 08 09 10 11 12 13 14 15 Cons. Ec. Prognosen, % - Punkte gg. Vm. DB Makro Überraschungsindex (Vorlauf 3M) DB Makro-Überraschungsindex Deutschland und Konsensusprognoserevisionen der BIP-Prognose Konsensusprognoserevisionen gg. Vm.; Durchschnitt der letzten 20 z-Werte Quellen: Consensus Economics Inc., Deutsche Bank Research Ausblick Deutschland 28 | 2. Oktober 2015 Aktuelle Themen Dieter Bräuninger (+49 69 910-31708, dieter.braeuninger@db.com) Deutschland: Termine der Finanz-, der Wirtschafts- und der Europapolitik DX Datum Ereignis Anmerkungen 5./6. Okt. Eurogruppe und ECOFIN, Brüssel Wachstum u. Beschäftigung u. diesbezügl. Qualität öffentlicher Finanzen, (möglicherweise) Prüfung Entwürfe der Haushaltspläne gem. Two - Pack - Verfahren, Stand Anpassungsprogramm für Zypern. 8. Okt. Treffen der Justi z - und Innenminister der EU, Brüssel Debatte über gemeinsame EU - Asylpolitik, z.B. über Liste sicherer He r- kunftstaaten, u.a. 9. - 11. Okt. Jahresversammlung von IWF und Weltbank, Lima Lage der Weltwirtschaft u. internationaler Finanzmärkte, (möglicherweise ) Entwicklung der Wechselkurse. 15. - 16. Okt. Europäischer Rat, Brüssel Debatten über Zuwanderung, v.a. gemeinsame EU - Asylpolitik, über den Bericht zur Wirtschafts - und Währungsunion, über Außenpolitik, Referendum in GB u.a. 22. Okt. Sitzung des EZB - Ra tes, Pressekonferenz, Malta Keine Änderungen des laufenden Programms der Anleihekäufe zu erwarten. 9./10. Nov. Eurogruppe und ECOFIN, Brüssel Debatten über Herbst - Prognosen der Kommission, Griechenland u.a. 3. Dez Sitzung des EZB - Rates, Pressekonferenz Keine Änderungen des laufenden Programms der Anleihekäufe zu erwarten. Quelle: Deutsche Bank Research Ausblick Deutschland 29 | 2. Oktober 2015 Aktuelle Themen Heiko Peters (+49 69 910-21548, heiko.peters@db.com) Oliver Rakau (+49 69 910-31875, oliver.rakau@db.com) Deutschland: Datenkalender DX Datum Uhrzeit Daten Berichtszeitraum DB Schätzung Letzter Wert 6. Okt 2015 8:00 Auftragseingang im Ver. Gewerbe (Index, sb.), % gg. Vm. August 3,0 - 1,4 7. Okt 2015 8:00 Industriepro duktion (Index, sb.), % gg. Vm. August - 1,0 0,7 8. Okt 2015 8:00 Handelsbilanz (EUR Mrd., sb.) August 18,5 22,9 8. Okt 2015 8:00 Warenexporte (EUR Mrd., sb.), % gg. Vm. (gg. Vj.) August - 4,6 (6,2) 2,5 (6,3) 8. Okt 2015 8:00 Warenimporte (EUR Mrd., sb .), % gg. Vm. (gg. Vj.) August - 0,6 (6,3) 2,3 (6,2) 23. Okt 2015 9:30 PMI Verarbeitendes Gewerbe (Flash) Oktober 52,0 52,5 23. Okt 2015 9:30 PMI Dienstleistungssektor (Flash) Oktober 54,5 54,3 26. Okt 2015 10:30 ifo Geschäftsklima (Index, sb.) Oktober 108,0 108,5 28. Okt 2015 8:00 Einfuhrpreise (Index, sb.) , % gg. Vm. (gg. Vj.) September 0,4 ( - 3,0) - 1,5 ( - 3,1) 29. Okt 2015 10:00 Arbeitslosenrate (%, sb.) Oktober 6,4 6,4 29. Okt 2015 14:00 Vorläufiger VPI (sb.), % gg. Vm. (gg. Vj.) Oktober 0,0 (0, 3) - 0,2 (0,0) 2. Nov 2015 8:00 Einzelhandelsumsätze (Index, sb.), % gg. Vm. September 0,7 - 0,4 13. Nov 2015 8:00 Reales BIP (Index, sb.), % gg. Vq. Q3 2015 0,4 0,4 Quellen: Deutsche Bank Research, Statistisches Bundesamt, Bundesagentur für Arb eit, ifo, Markit Ausblick Deutschland 30 | 2. Oktober 2015 Aktuelle Themen Heiko Peters (+49 69 910-21548, heiko.peters@db.com) Oliver Rakau (+49 69 910-31875, oliver.rakau@db.com) Finanzmarktprognosen DX US JP EWU GB CH SE DK NO PL HU CZ Leitzinssatz, % Aktuell 0,125 0,10 0,05 0,50 - 0,75 - 0,35 0,05 0,75 1,50 1,35 0,05 Dez 15 0,375 0,10 0,05 0,50 - 0,75 - 0,35 0,05 0,75 1,50 1,35 0,05 Jun 16 0,875 0,10 0,05 0,75 - 0,75 - 0,35 0,05 0,50 1,50 1,35 0,05 Sep 16 0,875 0,10 0,05 1,00 - 0,75 - 0,35 0,05 0,50 1,50 1,35 0,05 3M Geldmarktsatz, % Aktuell 0,33 0,17 - 0,04 0,58 Dez 15 0,75 0,15 - 0,10 0,59 Jun 16 1,63 0,15 - 0,10 0,60 Sep 16 1,93 0,15 - 0,10 0,87 Rendite 10J Staatsanleihen, % Aktuell 2,05 0,35 0,59 1,77 Dez 15 1,75 0,45 0,80 2,15 Jun 16 2,25 0,55 1,00 2,55 Sep 16 3,25 0,60 1,20 2,75 Wechselkurse EUR/USD USD/JPY EUR/GBP GBP/USD EUR/CHF EUR/SEK EUR/DKK EUR/NOK EUR/PLN EUR/HUF EUR/CZK Aktuell 1,12 119,95 0,74 0,66 1,09 9,40 7,46 9,52 4,23 313,45 27,19 Dez 15 1,05 125,00 0,69 1,52 1,12 8,90 7,46 9,37 4,18 310,0 0 27,20 Jun 16 0,95 127,50 0,69 1,38 1,11 8,83 7,46 8,90 4,09 315,00 27,20 Sep 16 0,93 128,75 0,71 1,31 1,11 8,79 7,46 8,85 4,05 310,00 27,20 Quellen: Bloomberg, Deutsche Bank Ausblick Deutschland 31 | 2. Oktober 2015 Aktuelle Themen Deutschland: Datenmonitor DX Q3 2014 Q4 2014 Q1 2015 Q2 2015 Q3 2015 Apr 2015 Mai 2015 Jun 2015 Jul 2015 Aug 2015 Sep 2015 Konjunkturumfragen Gesamtwirtschaft ifo Geschäftsklima 106,6 104,7 107,2 108,2 108,3 108,6 108,6 107,5 108,0 108,4 108,5 ifo Geschäftserwartungen 101,9 100,4 102,7 102,8 1 02,6 103,4 103,0 102,1 102,4 102,2 103,3 Produzierendes Gewerbe ifo Verarbeitendes Gewerbe 102,7 100,0 102,8 104,0 102,9 104,6 104,3 103,0 103,2 103,0 102,6 Produktion (% gg. Vp.) 0,0 0,8 0,5 0,2 0,6 0,2 - 0,9 0,7 Auftragseingang (% gg . Vp.) 1,3 1,4 - 1,5 3,0 2,2 - 0,3 1,8 - 1,4 Grad der Kapazitätsauslastung 83,8 84,1 84,5 84,3 84,2 Bauhauptgewerbe Produktion (% gg. Vp.) 0,4 1,3 1,1 - 0,7 - 0,9 0,6 - 2,3 0,6 Auftragseingang (% gg . Vp.) - 1,9 - 0,7 7,7 - 4,7 - 4,0 4,4 - 3,8 - 1,0 ifo Bauhauptgewerbe 120,3 120,4 118,8 119,9 121,3 119,5 119,8 120,4 120,0 121,0 122,8 Konsumentennachfrage EC Konsumentenbefragung 1,0 - 1,2 1,0 3,0 - 0,3 3,3 3,0 2,8 1,4 0,7 - 2,9 Einzelhandelsumsätze (% gg. Vp.) - 0,1 1,3 1, 5 - 0,3 0,2 0,2 - 0,8 1,6 - 0,4 Neuzulassungen PKW (% gg. Vj.) 4,1 2,7 6,4 4,2 6,3 - 6,7 12,9 7,4 6,2 Außenhandel Auslandsaufträge (% gg. Vp.) 3,4 0,9 - 3,3 5,8 5,7 0,3 4,4 - 5,2 Exporte (% gg. Vp.) 2,6 1,4 0,6 3,5 1,7 1,7 - 1,1 2,5 Importe (% gg. Vp.) 0,7 0,6 1,2 1,4 - 0,3 0,7 - 0,8 2,3 Nettoexporte (EUR Mrd.) 57,6 60,3 59,2 66,2 21,4 22,6 22,1 22,9 Arbeitsmarkt Arbeitslosenquote (%) 6,7 6,6 6,5 6,4 6,4 6,4 6,4 6,4 6,4 6,4 6,4 Veränderung Arbeitslosigkeit (Tsd . gg. Vp.) - 4,0 - 38,7 - 45,0 - 26,0 4,7 - 8,0 - 4,0 0,0 9,0 - 6,0 3,0 Beschäftigung (% gg. Vj.) 0,9 0,8 0,5 0,4 0,4 0,4 0,4 0,4 0,5 ifo Beschäftigungsbarometer 106,5 106,4 107,6 108,0 108,1 108,0 108,2 107,8 107,2 108,4 108,6 Preise, Löhne und Arbeitsko sten Preise HVPI (% gg. Vj.) 0,8 0,4 - 0,2 0,3 0,0 0,3 0,7 0,1 0,1 0,1 - 0,2 Kern - HVPI (% gg. Vj.) 1,2 1,1 1,0 1,1 1,1 1,4 0,9 0,9 1,1 Harmonisierter PPI (% gg. Vj.) - 0,8 - 1,2 - 2,0 - 1,4 - 1,5 - 1,3 - 1,4 - 1,3 - 1,7 Rohstoffe o hne Energie (% gg. Vj.) - 1,8 0,9 2,3 - 0,5 0,5 - 0,3 - 1,6 - 2,4 - 9,0 Ölpreis (USD) 102,0 76,4 55,1 63,7 61,6 65,7 63,7 56,9 48,4 Inflationserwartungen EC Haushaltsumfrage 13,4 8,6 0,5 6,1 4,9 2,1 8,3 7,8 7,0 1,0 6,6 EC Unternehmensumfra ge 4,2 2,1 - 0,4 1,5 0,8 0,4 0,9 3,2 2,0 - 0,1 0,5 Lohnstückkosten (gg. Vj.) Lohnstückkosten 2,1 1,7 1,8 1,7 Arbeitnehmerentgelt je Arbeitnehmer 2,6 2,6 2,5 3,1 Arbeitnehmerentgelt je Stunde 2,5 1,8 2,4 2,7 Monetärer Sektor (gg. Vj.) M3 4,7 4,8 7,2 7,6 7,2 7,2 7,6 7,9 7,3 Trend von M3* 7,2 7,3 7,6 7,6 Kredite an Unternehmen und Privatpersonen 1,4 1,7 2,6 2,1 1,8 2,2 2,1 3,0 2,9 Kredite an öffentliche Haushalte 5,9 12,6 32,3 12,2 27,1 24 ,9 12,2 8,9 15,5 % gg. VP = Veränderung gegenüber der Vorperiode; * zentrierter 3M - Durchschnitt Quellen: Bundesagentur für Arbeit, Deutsche Bundesbank, Europäische Kommission, Eurostat, Statistisches Bundesamt, HWWI, ifo, Markit Ausblick Deutschland Unsere Publikationen finden Sie unentgeltlich auf unserer Internetseite www.dbresearch.de Dort können Sie sich auch als regelmäßiger Empfänger unserer Publikationen per E - Mail eintragen. Für die Print - Version wenden Sie sich bitte an: Deutsche Bank Research Marke ting 60262 Frankfurt am Main Fax: +49 69 910 - 31877 E - Mail: marketing.dbr@db.com Schneller via E - Mail: marketing.dbr@db.com Im Ausblick Deutschland aus der Reihe Aktuelle Themen/Konjunktur we r- den volkswirtschaftliche und wirtschaftspolitische Themen zu Deutschland behandelt. Jede Ausgabe enthält zudem Übersichtstabellen zu finanz - und wirtschaftspolitischen Terminen sowie einen detaillierten Datenmonitor zu deutschen Wirtschaftsindikatoren. Die Ausgabe erscheint monatlich.  Solides BIP, Haushaltsüberschüsse, aber neue Herausforderungen ................................ . 1. September 2015  Risse im Fundament? ................................ ..................... 3. August 2015  Höhere Inflationsraten trotz gedämpfter Kerninflation ................................ ................... 29. Juni 2015  Reduzierte BIP - Prognose – Binnenkonjunktur aber intakt ................................ ............... 1. Juni 2015  Deutsches Sparverhalten vor QE - Herausforderungen ................................ ..................... 30 . April 2015  Kräftiger Gegenwind für deutsche Exportwirtschaft trotz Euroabwertung .............................. 30. März 2015  Höheres Wachstum und Löhne, Sparer weiter vorsichtig ................................ ...................... 2. März 2015  Deutsches BIP nach Öl, EUR und EZB ........................ 2. Februar 2015  2015: Konjunkturerholung mit Risiken ............................ 6. Januar 2015  Strukturelle Verlangsamung des Welthandels belastet deutsches BIP - Wachstum ........................... 2. Dezember 2014  Weitere Enttäuschungen ................................ ........... 5. Nov ember 2014  Ice bucket challenge und strukturelle Investitionslücke ................................ .... 2. September 2014  So weit, so gut ................................ ................................ ...... 2. Mai 2014  2% Wachstum in 2015 trotz belastender Beschäftigungspolitik .............................. 28. Februar 2014  Weiter im Aufwind ................................ ......................... 27. Januar 2014  Aufbruch in die Vergangenheit (Aktuelle Themen – Konjunktur) ............................. 29. November 2013  Trotz Wachstum in der Kritik (Research Briefing – Konjunktur) ............................ 19. November 2013 (Research Briefing – Konjunktur) ................................ 15. Oktober 2013 © Copyright 2015. Deutsche Bank AG, Deutsche Bank Research, 60262 Frankfurt am Main, Deutschland. Alle Rechte vorbehalten. Bei Zitaten wird um Quellenangabe „Deutsche Bank Research“ gebeten. Die vorstehenden Angaben stellen keine Anlage-, Rechts- oder Steuerberatung dar. 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