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  4. Ausblick Deutschland
11. Juni 2018
Das BIP-Wachstum hat sich in Q1 mit 0,3% gg. Vq. (Q4 2017: 0,6%) spürbar abgeschwächt. Sinkende Stimmungsindikatoren (ifo, PMI) sowie schwache Industrieproduktion kündigten dies an. Die Wachstumsimpulse kamen ausschließlich aus dem Inland. Anhaltend schleppende Industrieproduktion und rückläufige Auftragseingänge könnten das Investitionswachstum in Q2 dämpfen. Fortwährende Handelsstreitigkeiten dürften zudem den Außenbeitrag belasten. Positive Impulse erwarten wir vom Bausektor und von der Konsumnachfrage. Insgesamt sehen wir unsere jüngste Anpassung der Wachstumsprognose auf 2% (zuvor 2,3%) als wohlbegründet an. (Weitere Themen in dieser Ausgabe: Deutscher Häusermarkt, Kreditvergabe in Deutschland, EZB und QE-Ausstieg) [mehr]
Ausblick Deutschland Deutsches BIP-Wachstum – ein kalter Frühling . Das BIP-Wachstum hat sich in Q1 mit 0,3% gg. Vq. (Q4 2017: 0,6%) spürbar abgeschwächt. Sinkende Stim- mungsindikatoren (ifo, PMI) sowie schwache Industrieproduktion kündigten dies an. Die Wachstumsimpulse kamen ausschließlich aus dem Inland. Anhaltend schleppende Industrieproduktion und rückläufige Auftragseingänge könnten das Investitionswachstum in Q2 dämpfen. Fortwährende Handelsstreitigkeiten dürf- ten zudem den Außenbeitrag belasten. Positive Impulse erwarten wir vom Bau- sektor und von der Konsumnachfrage. Insgesamt sehen wir unsere jüngste An- passung der Wachstumsprognose auf 2% (zuvor 2,3%) als wohlbegründet an. Gedämpfter Neubau – kein baldiges Zyklusende. Angesichts der akuten Wohn- raumknappheit erfahren die Neubauzahlen eine hohe mediale Aufmerksamkeit. Jüngst wurden f ür das Jahr 2017 rund 285.000 fertiggestellte Wohnungen ge- meldet (2% gg. Vj.). Die mittlere jährliche Wachstumsrate der Fertigstellungen in den letzten drei Jahren beträgt 5%. Die Gründe für diese geringe Wachs- tumsdynamik sind bekannt: Mangel an Bauland, strenges regulatorisches Um- feld, steigende Baukosten, Fachkräftemangel und hohe Kapazitätsauslastung. Diese Hemmnisse für die Bauwirtschaft dürften über Jahre hinweg den Neubau dämpfen. Entsprechend ist es schon heute offensichtlich, dass das Ziel der Bundesregierung, in der Legislaturperiode 1,5 Mio. neue Wohnungen zu bauen, kaum noch erreicht werden kann. Die Nachfrage nach Wohnraum bleibt hoch und entsprechend dürften Preise und Mieten weiter dynamisch wachsen. Kreditvergabe in Deutschland weiter schwungvoll – Unternehmen stocken in Q1 Liquiditätsreserven auf. Das Kreditwachstum mit nichtfinanziellen Unternehmen und Selbstständigen in Deutschland hat in Q1 den höchsten Stand seit der Fi- nanzkrise erreicht (ausstehendes Volumen +4,3% gg. Vj.). Der Aufschwung ist weiterhin von einer breiten Branchenbasis getragen – sowohl mit dem Verarbei- tenden Gewerbe als auch mit dem Dienstleistungssektor liegt die Zuwachsrate bei über 5%. Besonders dynamisch entwickelten sich die kurzfristigen Kredite, da die Unternehmen ihre Liquiditätsreserven aufstockten. EZB und QE-Ausstieg: Ganz nah am Ziel. Nach Peter Praets Rede in der letz- ten Woche sollte es nun wirklich niemanden mehr überraschen, wenn die EZB bei der Ratssitzung am 14. Juni ein Ende der QE ankündigt. Wir haben vor Kur- zem alle drei Kriterien für einen QE-Ausstieg geprüft und sind zu dem Ergebnis gekommen, dass man durchaus argumentieren kann, sie seien erfüllt. Proble- matisch sind weniger die Zahlen an sich als die „Richtung“ der Daten: Das BIP lag in Q1 unter den Erwartungen. Dabei hat sich die Investitionstätigkeit, der mit Blick auf die weitere konjunkturelle Dynamik eine Schlüsselrolle zukommt, ab- geschwächt. Nach dem ernüchternden G7-Gipfel am Wochenende hat überdies das Risiko eines Handelskriegs deutlich zugenommen. Autoren Jochen Möbert +49 69 910-31727 jochen.moebert@db.com Marc Schattenberg +49 69 910-31875 marc.schattenberg@db.com Jan Schildbach +49 69 910-31717 jan.schildbach@db.com Stefan Schneider +49 69 910-31790 stefan-b.schneider@db.com Editor Stefan Schneider Deutsche Bank AG Deutsche Bank Research Frankfurt am Main Deutschland E-Mail: marketing.dbr@db.com Fax: +49 69 910-31877 www.dbresearch.de DB Research Management Stefan Schneider Inhaltsverzeichnis Seite Prognosen ......................................................2 Deutsches BIP-Wachstum – ein kalter Frühling...........................................................3 Gedämpfter Neubau – kein baldiges Zyklusende .....................................................6 Kreditvergabe in Deutschland weiter schwungvoll – Unternehmen stocken in Q1 Liquiditätsreserven auf .................................10 EZB und QE-Ausstieg: Ganz nah am Ziel ..11 DB Makro-Überraschungsindex Deutschland .................................................12 Eventkalender ..............................................13 Datenkalender ..............................................13 Finanzmarktprognosen ................................14 Datenmonitor ................................................15 Original in englischer Sprache: 8. Juni 2018 11. Juni 2018 Mehr Signale eines schwä- cheren Wachstumstrends Mehr Signale eines schwächeren Wachstumstrends 2 | 11. Juni 2018 Ausblick Deutschland Wachstum, Inflation, Leistungsbilanz, Budgetsaldo DX BIP-Wachstum Inflation* Leistungsbilanzsaldo Budgetsaldo in % gg. Vj. in % gg. Vj. in % des BIP in % des BIP 2017 2018P 2019P 2017 2018P 2019P 2017 2018P 2019P 2017 2018P 2019P Euroland 2,6 2,1 1,7 1,5 1,6 1,5 3,5 3,3 2,7 -0,9 -0,6 -0,6 Deutschland 2,2 2,0 1,8 1,8 1,6 1,8 8,0 6,8 6,4 1,2 1,2 1,0 Frankreich 2,3 1,8 1,6 1,2 1,9 1,5 -0,6 -0,4 -0,4 -2,6 -2,1 -2,8 Italien 1,5 1,3 1,0 1,3 1,2 1,5 2,9 3,1 3,2 -2,3 -1,7 -1,2 Spanien 3,0 2,8 2,5 2,0 1,5 1,7 1,9 1,6 1,4 -3,1 -2,1 -1,3 Niederlande 3,2 2,5 2,5 1,3 1,3 1,8 10,2 10,2 10,1 1,1 0,5 0,4 Belgien 1,7 1,9 1,8 2,2 1,9 1,7 -0,2 -0,7 -1,0 -1,0 -1,0 -1,0 Österreich 3,1 3,0 2,3 2,2 2,1 1,8 1,9 2,4 2,7 -0,7 -0,6 -0,3 Finnland 2,7 2,3 2,1 0,8 1,2 1,4 0,7 0,5 0,5 -0,6 -0,3 -0,3 Griechenland 1,3 2,3 2,2 1,1 0,6 1,0 -0,8 -0,5 0,0 0,8 1,5 2,0 Portugal 2,7 2,2 1,7 1,6 1,0 1,5 0,6 0,4 0,2 -3,0 -1,0 -1,0 Irland 7,8 5,4 3,3 0,3 1,0 1,3 12,5 6,0 3,0 -0,3 0,1 -0,4 Großbritannien 1,8 1,3 1,6 2,7 2,4 2,1 -4,1 -3,8 -3,5 -1,5 -1,9 -1,4 Dänemark 2,2 2,0 1,9 1,1 1,5 1,6 7,9 7,5 7,0 0,9 -0,5 -0,5 Norwegen 2,0 2,2 2,0 1,9 1,9 1,8 5,5 6,0 5,5 4,4 4,0 5,0 Schweden 2,5 2,7 2,4 1,8 1,9 2,0 3,3 4,0 4,0 1,3 1,0 0,5 Schweiz 1,1 2,2 1,8 0,5 0,5 0,6 9,8 11,2 11,4 0,6 0,2 0,2 Tschech. Rep. 4,6 3,4 3,1 2,5 1,9 2,1 1,0 0,6 1,1 1,6 0,8 0,6 Ungarn 4,0 3,8 3,2 2,3 2,7 3,2 2,9 1,9 1,5 -2,0 -2,2 -2,3 Polen 4,6 4,2 3,4 2,0 1,9 2,8 0,3 -0,8 -1,1 -1,6 -2,0 -2,3 USA 2,3 2,9 2,8 2,1 2,6 2,2 -2,9 -3,2 -3,5 -3,6 -3,7 -5,3 Japan 1,7 0,7 0,6 0,5 1,0 0,8 4,0 4,1 4,4 -2,7 -2,6 -2,4 China 6,9 6,6 6,3 1,6 2,7 2,4 1,3 0,6 0,3 -3,7 -3,5 -3,5 Welt 3,8 3,9 3,9 2,9 3,4 3,2 *Inflationsdaten für EU-Länder basieren auf harmonisierten Verbraucherpreisindizes außer bei Deutschland. Dies kann zu Diskrepanzen zu anderen DB Publikationen führen. Quellen: Nationale Behörden, Nationale Zentralbanken, Deutsche Bank Prognosen Deutschland: BIP-Wachstum nach Komponenten, % gg.Vq., Jahresdaten % gg.Vj. 2018 2019 2016 2017 2018P 2019P Q1 Q2P Q3P Q4P Q1P Q2P Q3P Q4P BIP 1,9 2,2 2,0 1,8 0,3 0,6 0,5 0,5 0,4 0,4 0,4 0,4 Privater Konsum 2,1 1,8 1,6 1,5 0,4 0,7 0,5 0,5 0,3 0,4 0,3 0,2 Staatsausgaben 3,7 1,5 0,6 1,0 -0,5 0,3 0,3 0,3 0,3 0,3 0,3 0,3 Anlageinvestitionen 3,1 3,3 4,0 3,5 1,7 1,3 1,0 0,8 1,0 0,9 0,9 0,8 Ausrüstungen 2,2 4,0 4,5 3,0 1,2 1,0 1,0 0,5 1,0 0,7 0,7 0,5 Bau 2,7 2,8 4,7 4,9 2,1 1,8 1,2 1,2 1,2 1,2 1,2 1,2 Lager, %-Punkte -0,2 0,2 -0,1 0,0 -0,1 0,0 0,0 0,0 0,0 0,0 0,0 0,0 Exporte 2,6 4,6 3,8 4,5 -1,0 1,2 1,2 1,2 1,1 1,0 1,0 1,2 Importe 3,9 5,2 3,4 5,1 -1,1 1,4 1,4 1,4 1,2 1,2 1,1 1,2 Nettoexport, %-Punkte -0,3 0,1 0,4 0,0 -0,1 0,0 0,0 0,0 0,0 0,0 0,0 0,1 Konsumentenpreise* 0,5 1,8 1,6 1,8 Arbeitslosenquote, % 6,1 5,7 5,3 4,8 Industrieproduktion** 1,4 3,0 1,8 1,5 Budgetsaldo, % BIP 1,0 1,2 1,2 1,0 Öffentlicher Schuldenstand, % BIP 68,2 64,1 60,3 57,0 Leistungsbilanzsaldo, % BIP 8,5 8,0 6,8 6,4 Leistungsbilanzsaldo, EUR Mrd. 268,8 262,5 229 225 *Inflationsdaten für Deutschland basieren auf nationaler Abgrenzung. Dies kann zu Diskrepanzen zu anderen DB Publikationen führen. ** Verarbeitendes Gewerbe (NACE C) Quellen: Statistisches Bundesamt, Deutsche Bundesbank, Arbeitsagentur, Deutsche Bank Research Mehr Signale eines schwächeren Wachstumstrends 3 | 11. Juni 2018 Ausblick Deutschland Deutsches BIP-Wachstum – ein kalter Frühling — Deutschlands BIP-Wachstum hat sich in Q1 2018 auf 0,3% gg. Vq. abge- schwächt. Die verringerte Dynamik ging einher mit rückläufigen Stimmungs- indikatoren und schwachen Produktionsdaten, u.a. verursacht durch grö- ßere geopolitische Unsicherheiten und eine ungewöhnlich starke Grippe- welle in Deutschland. Zu Beginn des zweiten Quartals hat sich die Stim- mung wieder etwas aufgehellt. — Für Q2 rechnen wir mit einer leichten Aufholbewegung, die weiterhin haupt- sächlich von der Binnennachfrage getrieben wird. Der günstige Arbeitsmarkt und die kräftigen, über den Erwartungen liegenden Tarifabschlüsse in Q1 sollten den privaten Konsum weiter ankurbeln. Entscheidend für das BIP- Wachstum in Q2 werden die privaten Investitionsausgaben sein, wo sich derzeit ein gemischtes Bild ergibt. — Aufgrund fortwährender Handelsstreitigkeiten wird das weltwirtschaftliche Umfeld für die deutsche Exportwirtschaft nicht einfacher. Die jüngste Euro- abwertung dürfte dabei erst im zweiten Halbjahr voll zum Tragen kommen – aktuell dürfte noch die kräftige Aufwertung der letzten Quartale dominieren. Die Wachstumsimpulse für Q2 sollten daher bestenfalls neutral ausfallen. BIP-Details Q1 2018 – Investitionen stärkster Wachstumstreiber Im Vergleich zum starken Schlussquartal 2017 (+0,6% gg. Vq.) hat sich das Wachstum der deutschen Volkswirtschaft in Q1 2018 mit 0,3% gg. Vq. deutlich verlangsamt. Damit bestätigte sich die eingetrübte konjunkturelle Stimmung, die im Frühjahr bereits durch rückläufige ifo- und PMI-Indizes sowie schwache In- dustrieproduktionsdaten signalisiert wurde. Positive Wachstumsimpulse kamen in Q1 ausschließlich aus dem Inland. Haupttreiber waren dabei die realen Investitionen. So leisteten die Ausrüstungs- investitionen einen Wachstumsbeitrag von 0,1%-Punkten und die Bauinvestitio- nen lieferten weitere 0,2%-Punkte zum Quartalswachstum des deutschen BIP. Nach einem halben Jahr annähernder Stagnation belebten sich auch die realen privaten Konsumausgaben wieder und trugen 0,2%-Punkte bei. Der Rückgang des staatlichen Konsums sowie die Entwicklung des Außenhandels reduzierten das Quartalswachstum um jeweils 0,1%-Punkte. Private Investitionen zogen kräftig an – durchwachsenes Umfeld Die Entwicklung der privaten Investitionen profitierte in Q1 sowohl von der mit 88% sehr hohen Auslastung der industriellen Kapazitäten, wie auch von einer starken Nachfrage nach Bauleistungen, die sich in einer Auftragsreichweite von zuletzt vier Monaten im Bauhauptgewerbe widerspiegelt. So gewannen die pri- vaten Ausrüstungsinvestitionen in Q1 mit 1,2% gg. Vq. (Q4 2017: 0,7%) weiter an Schwung. Die Finanzierungsbedingungen für Unternehmen bleiben weiterhin günstig. Angesichts guter Erträge ist auch die Innenfinanzierungssituation gut. Demgegenüber drücken jedoch die jüngsten geopolitischen Entwicklungen, ins- besondere der sich weiter verschärfende Handelskonflikt mit den USA auf die Stimmung und auf die für Investitionen noch wichtigeren Erwartungen. Die ifo- Geschäftserwartungen fielen seit Jahresbeginn kontinuierlich bis auf den Mai- Wert von 99,6 Punkten (H2 2017: 105,4). Insbesondere die ifo-Exporterwartun- gen gingen auf 13,6 Saldenpunkte zurück, ihren Stand vom Januar 2017. Somit wird das Wachstum der Ausrüstungsinvestitionen trotz hoher Kapazitätsauslas- -1,0 -0,5 0,0 0,5 1,0 1,5 2,0 2,5 Q1 17 Q2 17 Q3 17 Q4 17 Q1 18 17 18F 19F Außenbeitrag Lager Bauinvestitionen Ausrüstungsinvestitionen Staatskonsum Privater Konsum Reales BIP Wachstumsbeiträge zum realen BIP-Wachstum, gg. Vq., %-Punkte Binnenwirtschaft Hauptwachstumstreiber 1 Quellen: Statistisches Bundesamt, Deutsche Bank Research -6,0 -4,0 -2,0 0,0 2,0 4,0 6,0 11 12 13 14 15 16 17 Investitionen, insgesamt Ausrüstungsinvestitionen Bauinvestitionen Investitionen 2 % gg. Vq. Quelle: Statistisches Bundesamt Mehr Signale eines schwächeren Wachstumstrends 4 | 11. Juni 2018 Ausblick Deutschland tung kein Selbstläufer werden. Aufgrund des Mangels an Fachkräften investie- ren Unternehmen auch vermehrt in die Weiterbildung ihres Personals – Ausga- ben, die nicht in der Investitionsstatistik auftauchen. Die privaten Bauinvestitionen stiegen mit 2,1% gg. Vq. (Q4 2017: 0,5%) deutlich an. Das Statistische Bundesamt teilte zudem mit, dass das Wachstum der Bau- investitionen in Q4 2017 bei 0,1% gg. Vq. lag und damit um 0,5%-Punkte auf- wärts revidiert wurde. So ist die Stimmung im Baugewerbe weiterhin bestens, wie der neueste Rekordwert des ifo-Geschäftsklimas im Bauhauptgewerbe mit 111,8 Punkten im Mai zeigt. Damit ist die kleine Delle zu Jahresbeginn mehr als ausgeglichen. Bei einer Kapazitätsauslastung von knapp 80%, nahe des Allzeit- hochs, im Bauhauptgewerbe ist der Arbeitskräftemangel, neben Verzögerungen in den Lieferketten, weiterhin ein großes Hemmnis in der Fertigstellung von Bauprojekten. Privater Konsum profitiert von anhaltend guter Arbeitsmarktlage Nach einem halben Jahr annähernder Stagnation belebten sich die realen priva- ten Konsumausgaben mit einem Plus von 0,4% gg. Vq. Die Normalisierung wurde durch ein kräftig wachsendes Volkseinkommen begünstigt (+4% gg. Vj.). Dabei wuchsen die Lohneinkommen im Vorjahresvergleich sehr dynamisch (+4,6% gg. Vj.), aber auch die Unternehmens- und Vermögenseinkommen konnten solide zulegen (+2,9% gg. Vj.). Auch die nach wie vor sehr gute Ar- beitsmarktsituation stützt den privaten Konsum. Die Zahl der Erwerbstätigen stieg in Q1 um 1,4% gg. Vj., ein Plus von 609.000 Personen. Die Arbeitslosen- quote sank auf 5,4%. Vor diesem Hintergrund kamen die Tarifverhandlungen für die Arbeitnehmer des Öffentlichen Dienstes (2018: +3%), der Metall- und Elekt- roindustrie (2018: +3,9%) sowie des Bauhauptgewerbes (2018: +4,7%) zu sehr guten Ergebnissen. Die Abschlüsse werden hauptsächlich in Q2 wirksam, damit dürften die privaten Konsumausgaben dann weiteren Rückenwind erfahren. Dies gilt auch vor dem Hintergrund der jüngst angestiegenen Ölpreise, in Ver- bindung mit der Euroschwäche seit Beginn Q2 und der damit verbundenen Dämpfung der Realeinkommen. Staatsausgaben rückläufig – zum ersten Mal seit knapp 5 Jahren Die staatlichen Konsumausgaben schrumpften in Q1 um 0,5% gg. Vq. – der erste Rückgang nach nahezu fünf Jahren. Hier dürfte die langwierige Regie- rungsbildung eine Rolle gespielt haben. So war der Bundestag bis zur Konstitu- tion der ständigen Ausschüsse am 31. Januar 2018 nur über einen Hauptaus- schuss arbeitsfähig. Ein Blick auf die detaillierten Angaben zeigt, dass der Rück- gang auf den Kollektivkonsum des Staates (u.a. Verwaltungsausgaben, Sicher- heit und Verteidigung, Forschung und Entwicklung, Infrastruktur und Wirt- schaftsförderung) zurückzuführen ist. Daher ist im zweiten Quartal eine Normali- sierung des Staatskonsums zu erwarten. Kein positiver Beitrag vom Außenhandel Der Außenhandel dämpfte das BIP-Wachstum in Q1. Die Exporte schrumpften um 1% gg. Vq., und die Importe gingen um 1,1% gg. Vq. zurück. Die anhalten- den Handelsstreitigkeiten sowie die geopolitischen Unsicherheiten im Mittleren Osten führten zu einem stetigen Rückgang der ifo-Exporterwartungen bis auf 13,6 Saldenpunkte im Mai – ein Niveau, das zuletzt im Januar 2017 erreicht wurde. Auch die aktuellen neuen Exportaufträge (PMI) fielen im Mai auf ein Zweijahrestief von gut 52 Punkten. Da sich bei den grundlegenden Ursachen 50 55 60 65 70 75 80 -20 -15 -10 -5 0 5 10 15 20 01 03 05 07 09 11 13 15 17 Bauinvestitionen (% gg. Vj., links) Kapazitätsauslastung Bau (%-PP gg. Vj., links) Kapazitätsauslastung Bau (%, rechts) Bauinvestitionen: Kapazitätsengpässe bremsen 3 Quellen: ifo, Statistisches Bundesamt, Deutsche Bank Research -1 -0,5 0 0,5 1 1,5 11 12 13 14 15 16 17 Quelle: Statistisches Bundesamt Real, % gg. Vq. Belebung des realen privaten Konsums 4 -1 0 1 2 3 4 5 6 7 8 11 12 13 14 15 16 17 Exporte Importe Quelle: Statistisches Bundesamt Real, % gg. Vj. Reale Importe und reale Exporte in Q1 gesunken 5 Mehr Signale eines schwächeren Wachstumstrends 5 | 11. Juni 2018 Ausblick Deutschland dieser Entwicklung keine schnelle Lösung abzeichnet, dürfte der Außenbeitrag in Q2 bestenfalls neutral ausfallen. Ausblick Q2 – nach der Grippesaison bleibt vor dem Handelsstreit Nachdem die deutsche Volkswirtschaft die Auswirkungen der langanhaltenden Grippesaison in Q1 hinter sich gelassen hat, sieht sie sich immer noch mit den anhaltenden Handelsstreitigkeiten konfrontiert. Solange die Verunsicherung im internationalen Handelsumfeld anhält, erwarten wir keine Wachstumsimpulse vom Außenhandel. Im April gingen die Exportzahlen erneut leicht zurück (-0,3% gg. Vormonat), den dritten Monat im Jahr 2018, während die Importe kräftig zu- legten (+2,2%). Infolgedessen könnten die Nettoexporte das BIP-Wachstum in Q2 sogar dämpfen. Auch die Industrieproduktion und der Auftragseingang fielen im April, wodurch der Wachstumsausblick auf die Investitionen ebenfalls verhal- ten ist. Positiv blicken wir auf die Entwicklung des privaten Konsums nach star- ken Einzelhandelsumsätzen. Auch dank der sehr guten Tarifabschlüsse und der Arbeitsmarktsituation insgesamt dürfte die Dynamik erhalten bleiben. Die posi- tive fiskalische Situation dürfte zudem den staatlichen Konsum wieder ankur- beln, sodass die Binnennachfrage weiter der Spielmacher bleiben sollte. Daher sehen wir unsere jüngste Anpassung der Jahreswachstumsprognose auf 2% (zuvor 2,3%) als wohlbegründet an. Marc Schattenberg (+49 69 910-31875, marc.schattenberg@db.com) -20 -10 0 10 20 30 40 10 11 12 13 14 15 16 17 18 … zur Entwicklung der Geschäftstätigkeit … zur Entwicklung der Beschäftigung … zur Entwicklung der Produktionstätigkeit … zur Entwicklung der Exporttätigkeit Erwartungen der Unternehmen in DE, Saldo aus positiven und negativen Firmenmeldungen Quelle: ifo Institut Immer noch positive Stimmung im Verarbeitenden Gewerbe 6 Mehr Signale eines schwächeren Wachstumstrends 6 | 11. Juni 2018 Ausblick Deutschland Gedämpfter Neubau – kein baldiges Zyklusende — Angesichts der akuten Wohnraumknappheit erfahren die vom Statistischen Bundesamt veröffentlichten Neubauzahlen eine hohe mediale Aufmerksam- keit. Für das Jahr 2017 wurden am 24. Mai 2018 rund 285.000 fertigge- stellte Wohnungen gemeldet. Dies ist lediglich ein Plus von etwas mehr als 7.000 Wohnungen bzw. 2% gegenüber dem Vorjahr. — Die mittlere jährliche Wachstumsrate der Fertigstellungen in den letzten drei Jahren beträgt 5% und über den gesamten Zyklus seit dem Jahr 2009 auch nur 7,5%. Die Gründe für diese geringe Wachstumsdynamik sind bekannt: Mangel an Bauland, strenges regulatorisches Umfeld, steigende Baukosten, Fachkräftemangel und hohe Kapazitätsauslastung. Diese Hemmnisse für die Bauwirtschaft dürften über Jahre hinweg den Neubau dämpfen. — Entsprechend ist es schon heute offensichtlich, dass das Ziel der Bundesre- gierung, in der Legislaturperiode 1,5 Mio. neue Wohnungen zu bauen, kaum noch erreicht werden kann. Wachsen die Fertigstellungszahlen in den nächsten Jahren weiterhin mit jährlich 5% (DB-Prognose), werden weniger als 1,3 Mio. neue Wohnungen gebaut. — Die Nachfrage nach Wohnraum bleibt hoch und entsprechend dürften Preise und Mieten weiter dynamisch wachsen. Zudem scheinen die privaten Haushalte ihre Kreditaversion zu reduzieren. So stieg jüngst die Kreditauf- nahme der privaten Haushalte und gleichzeitig war die Tilgungsrate leicht rückläufig. Perspektivisch steigen damit die makroprudenziellen Risiken. Ausgangslage für das Jahr 2018 – ein wenig Gegenwind In unserem Ausblick auf den deutschen Wohnungs- und Häusermarkt diskutier- ten wir am Anfang des Jahres 2018 zwei neue, wesentliche Entwicklungen in diesem Zyklus. Zum einen war angesichts des avisierten Ausstiegs der EZB aus ihrem Anleihekaufprogramm mit leicht höheren Kapitalmarkt- und Hypotheken- zinsen zu rechnen. Zum anderen deutete sich im Koalitionsvertrag an, dass die Bundesregierung zum ersten Mal im aktuellen Hauspreiszyklus den Neubau kräftig ausweiten will. Da die Angebotsknappheit aber weiterhin hoch war und wir von mehr als 1 Mio. fehlender Wohnungen in Deutschland ausgehen, hielten wir ein Zyklusende für nahezu ausgeschlossen und erwarteten weitere Preis- steigerungen. Vor diesem Hintergrund analysieren wir hier sowohl die Auswir- kungen der politischen Krise in Italien für die künftige Entwicklung der Hypothe- kenzinsen als auch die jüngst vom Statistischen Bundesamt veröffentlichten Neubauzahlen des Jahres 2017. Hypothekenzinsen am Jahresende bei 2% trotz Italienkrise Die zunächst unklaren politischen Verhältnisse in Italien nach der Wahl im März haben zu einem Abverkauf italienischer Staatsanleihen geführt. Zeitweilig zogen die Renditen kräftig an und im Zuge der Flucht in Sicherheit weiteten sich die Spreads gegenüber Bundesanleihen noch stärker aus als die Renditen. Diese Marktreaktionen sind insbesondere vor dem Hintergrund der immer noch massi- ven EZB-Anleihekäufe von monatlich EUR 30 Mrd. ein Warnsignal. Nichts- destotrotz halten wir an unserer Jahresendprognose einer Rendite von 1,25% für die 10jährigen deutschen Staatsanleihen fest. Mit dem avisierten Ausstieg der EZB aus dem Aufkaufprogramm fehlt künftig der Hauptkäufer im Anleihe- markt der Eurozone, damit dürften die Renditen auch für deutsche Staatsanlei- hen anziehen. Die 5-10jährigen Hypothekenzinsen notieren lt. EZB aktuell (April 2018) bei 1,77%. Entsprechend halten wir auch an unserer Jahresendprognose Bitte klicken! 4 0 200 400 600 90 95 00 05 10 15 A-Städte B-Städte C-Städte D-Städte Deutschland Baufertigstellungen 1 Anzahl der Wohnungen in '000 Quellen: riwis, Statistisches Bundesamt, Deutsche Bank Research 2017: 284.800 0 200 400 09 11 13 15 17 19 21 Quellen: Statistisches Bundesamt, Deutsche Bank Research Jährliche Nachfrage 350-400k Baufertigstellungen vs. Nachfrage 2 Anzahl der Wohnungen in '000 0 300 600 900 1200 1500 Quellen: Statistisches Bundesamt, Deutsche Bank Research Anzahl der Wohnungen in '000 Koalitionsplan über Legislaturperiode vs. DB-Prognose 3 Koalitionsplan 2018 2019 2020 2021 Mehr Signale eines schwächeren Wachstumstrends 7 | 11. Juni 2018 Ausblick Deutschland von 2% für dieses Jahr fest. Auch in den Folgejahren dürften die Kapitalmarkt- renditen und folglich auch die Hypothekenzinsen nur leicht ansteigen. Entspre- chend dürfte die Nachfrage nach Wohnraum nur wenig gedämpft werden. Wann erhöhen wir unsere Prognose der Hypothekenzinsen? In der EWU gaben realwirtschaftliche Vorlaufindikatoren in den letzten Monaten nach. Jedoch deuten die Niveaus immer noch ein Wachstum über Potenzial an und die globale Konjunkturlage ist, trotz höherer Energiepreise und zahlreicher wirtschaftlicher und geopolitischer Risiken, weiterhin robust. Zu den wirtschaftli- chen Risiken zählen wir potenziell stärker steigende Inflationsraten insbeson- dere in den USA und damit einhergehend höhere Geld- und Kapitalmarktzinsen. Dies könnte sich auch auf die europäischen Zinsmärkte auswirken, gerade vor dem Hintergrund des bevorstehenden Endes der EZB-Anleihekäufe. Folglich wäre dann eher eine Erhöhung unserer Prognose der 5-10jährigen Hypotheken- zinsen nötig. Wann senken wir unsere Prognose der Hypothekenzinsen? Hauptsächlich wird aber eher eine Prognoseanpassung nach unten diskutiert. Diese wäre insbesondere dann erforderlich, wenn die politische Unsicherheit in Italien oder der potenzielle Handelskonflikt der USA mit der EU und China im Laufe des Jahres auf die Konjunktur durchschlagen. Zudem könnten weitere Ri- siken, wie die vollständige Aufkündigung des iranischen Atomabkommens, ein ungeordneter Brexit oder weitere geopolitische Risiken das Wachstum bremsen. Realisieren sich diese Risiken, dürften die globalen Zentralbanken reagieren und das Zinsniveau im Geld- wie im Kapitalmarkt fallen bzw. der prognostizierte Zinsanstieg in der Eurozone ausbleiben. In diesem Fall würden wir die Prog- nose der langfristigen deutschen Hypothekenzinsen nach unten korrigieren. Erneute Stagnation des Wohnbaus ist ein Warnsignal Wesentlich weniger Unsicherheit als an der Zinsfront gibt es beim Wohnungsan- gebot. Weiterhin dominiert die Knappheit an Wohnraum die Marktentwicklung. Laut Statistischem Bundesamt lag der Neubau im Jahr 2015 mit 247.700 Woh- nungen deutlich unter den Erwartungen und stagnierte nahezu gegenüber dem Jahr 2014. Im Jahr 2016 erhöhten sich die Fertigstellungen kräftig auf fast 277.700. Die jüngst veröffentlichten Fertigstellungen für 2017 ergeben mit 284.800 Wohnungen (DB-Prognose 305.000) lediglich einen Anstieg um rund 7.000 Wohnungen bzw. um etwas mehr als 2% gegenüber dem Vorjahr. Folg- lich lag in den letzten drei Jahren die durchschnittliche jährliche Wachstumsrate bei lediglich 5%. Bei dieser geringen Wachstumsdynamik dürfte es bis zum Jahr 2022 dauern, bis das Angebot die jährliche Nachfrage von mindestens 350.000 Wohnungen pro Jahr übersteigt. Erst danach dürfte der Nachfrageüberhang von dann deutlich über 1 Mio. Wohnungen allmählich sinken. Daher dürfte auch der Preisdruck nicht vor dem Jahr 2022 nachlassen. Geringe Baudynamik strukturell bedingt Die Gründe für die geringen Bauinvestitionen sind hinreichend bekannt: Mangel an Bauland, strenges regulatorisches Umfeld, steigende Baukosten und Fach- kräftemangel. Die Beseitigung dieser bremsenden Faktoren ist eine Mammut- aufgabe, zumal Politiker in den Ballungszentren wenige Anreize haben, umfas- sende Lösungen zu präsentieren. Die Prozesse sind komplex, viele Bauämter schlecht besetzt, die Bürgerbeteiligung rege, regelmäßig treten Wutbürger auf 1 2 3 4 5 6 9 12 15 18 21 24 27 2008-2011 2012-2015 2016-2018 Apr 2018 Rasante Entwicklung bei neuen Wohnbaukrediten 6 y - Achse: Hypothekenzinsen in %, x - Achse: Neue Wohnbaukredite in EUR Mrd. pro Monat Quellen: Bundesbank, Deutsche Bank Research -1 0 1 2 3 4 5 6 03 05 07 09 11 13 15 17 10J DE Staatsanleihen EZB-Einlagensatz 5-10J Hypothekenzins (EZB) Hyptohekenzins, Staatsanleihen - renditen vs. EZB-Einlagensatz 5 % Quellen: EZB, Deutsche Bank Research 0 2 4 6 8 10 0 40 80 120 160 200 09 10 11 12 13 14 15 16 17 Jährlicher Nachfrageüberhang Haus- und Wohnungspreise Zusätzlicher jährlicher Nachfrage- überhang vs. Preisentwicklung 7 linke y-Achse: Anzahl der Wohnungen in '000 rechte y-Achse: Preise in % gg. Vj. Quellen: Statistisches Bundesamt, riwis, Deutsche Bank Research Mehr Signale eines schwächeren Wachstumstrends 8 | 11. Juni 2018 Ausblick Deutschland den Plan und die Umsetzung großer Bauvorhaben dauert schnell länger als ein Jahrzehnt. Entsprechend gehen proaktive Politiker das Risiko ein, dass sie für ihre Initiative politische Mehrheiten verlieren bzw. aus großen Bauprojekten kein politisches Kapital erzielen. Wohnungspolitik der neuen Koalition dürfte scheitern Die regionalen und lokalen politischen Strukturen dürften es der Bundesregie- rung erschweren, ihre Ziele zu erreichen. So rücken die 1,5 Mio. neue Wohnun- gen, die die Regierung in der Legislaturperiode 2017 bis 2021 bauen will, ange- sichts der geringen Neubaudynamik in weite Ferne. Wachsen die Fertigstellun- gen wie in den vergangenen Jahren um 5% pro Jahr werden in der Legislatur- periode insgesamt weniger als 1,3 Mio. neue Wohnungen gebaut. Angesichts der historisch hohen Kapazitätsauslastung dürften viele staatliche Maßnahmen von der Einführung des Baukindergeldes über Steuererleichterungen bis hin zu staatlichen Investitionen in den sozialen Wohnungsbau hauptsächlich zu „Crow- ding out-Effekten“ und noch stärker steigenden Preisen führen. Entsprechend erwarten wir nur marginale Impulse für den Neubau. Jetzt rächt es sich, dass die Wohnungspolitik von 2009 bis 2017 kein bundespolitischer Schwerpunkt war. Die politische Passivität in den Anfangsjahren des Hauspreiszyklus trägt jetzt entscheidend dazu bei, dass die hohe Preisdynamik auch zunehmend auf die Mieten durchschlägt. Jeder Mieter, der heute aus jahrzehntealten Mietver- träge aussteigt, wird mit massiven Mieterhöhungen konfrontiert. Daher ist es praktisch vorprogrammiert, dass die Unzufriedenheit der Wähler wächst. Mittelfristiger Preisausblick positiv Entsprechend dieser Rahmenbedingungen wird die Entwicklung der Preise und Mieten in den kommenden Jahren hoch bleiben. Unserer Prognose nach stei- gen die Wohnungspreise in den 126 größten deutschen Städten in den Jahren 2018-2022 um rund 5% gegenüber dem Vorjahr und um 6 ½% in den Metropo- len (A-Städten). Ebenso dürften die Mieten, wie in den vergangenen Jahren auch, deutlich kräftiger als die Inflation zulegen. So erwarten wir eine Mietstei- gerung von rund 4% pro Jahr in den 126 größten Städten und von rund 5% in den Metropolen. Auch in den Folgejahren dürfte mit einer ähnlich hohen Preisdynamik zu rechnen sein. Entsprechend steigt das Risiko von Überbewer- tungen. Basierend auf Preis-Einkommens-Verhältnissen könnten deutsche Haus- und Wohnungspreise unseren Berechnungen nach im Jahr 2022 um durchschnittlich 20% über historisch fairen Preisen liegen. Ist der Wohnraum dann immer noch knapp, steuert der deutsche Haus- und Wohnungsmarkt auf eine ausgewachsene Blase zu. Ein Szenario, vor dem wir seit vielen Jahren warnen. Bisher maues Kreditwachstum, aber Risiken steigen Aktuell wächst das Kreditvolumen im deutschen Hypothekenmarkt mit lediglich nominal 4% und inflationsbereinigt um 2,7% gegenüber Vorjahr. Kumuliert ist das nominale Hypothekenvolumen seit Q1 2009 um lediglich 23% gestiegen, in- flationsbereinigt sogar nur um 10% und gemessen am BIP ist es von 44% auf 40% zurückgegangen. Der Hauspreiszyklus ist also nahezu kreditlos. Allerdings gibt es eine Reihe von Indizien, die ein höheres Kreditwachstum in der Zukunft andeuten. So steht über den gesamten Zyklus hinweg dem relativ zinssensiti- ven Neugeschäft eine hohe und steigende Tilgungsrate gegenüber. Jüngst aber fiel die Tilgungsrate vom Hochpunkt von 3,2% pro Jahr auf unter 3%. Gleichzei- tig zieht die durchschnittliche Kreditaufnahme der Haushalte in den letzten 12 Monaten merklich an. Beides zusammen dürfte das Kreditwachstum ein wenig ankurbeln. Angesichts des geringen Angebots und der hohen Häuser- und 0 2 4 6 8 Deutschland Metropolen (A-Städte) % gg. Vj. Quelle: Deutsche Bank Research 2018-2022 Prognose: Wohnungspreise 8 0 2 4 6 8 Deutschland Metropolen (A-Städte) 2018 - 2022 Prognose: Mieten 9 % gg. Vj. Quelle: Deutsche Bank Research -8 0 8 16 92 94 96 98 00 02 04 06 08 10 12 14 16 18 Nominal Inflationsbereinigt % gg. Vj. Quellen: Bundesbank, Deutsche Bank Research Wohnbaukredite 10 Mehr Signale eines schwächeren Wachstumstrends 9 | 11. Juni 2018 Ausblick Deutschland Wohnungspreise dürften viele Haushalte aber immer stärker gezwungen sein, ihre Kreditaufnahme zu erhöhen, um noch zum Zuge zu kommen. Damit steigen perspektivisch die makroprudenziellen Risiken. Dies gilt insbesondere dann, wenn wie oben beschrieben der Zyklus deutlich über das Jahr 2022 andauert. Zusammenfassung Die durch die jüngste Italienkrise ausgelöste Unsicherheit am Zinsmarkt könnte – bei einem weniger konfrontativen Kurs der neuen Regierung – wohl zunächst weiter abebben und damit wenig Einfluss auf die deutschen Hypothekenzinsen am Jahresende haben. Die geringe Ausweitung des Neubaus im Jahr 2017 ist ein klarer Hinweis auf eine Fortsetzung des aktuellen Hauspreiszyklus. Das Ziel der Bundesregierung, in der Legislaturperiode 1,5 Mio. Wohnungen zu bauen, ist damit kaum noch zu erreichen. Der Neubau dürfte über Jahre gedämpft blei- ben und wir erwarten kein Zyklusende vor dem Jahr 2022. Angesichts der ho- hen Nachfrage und des knappen Wohnraumangebots dürften die Preise und Mieten bis dahin weiter anziehen. Folglich könnten dann die deutschen Haus- und Wohnungspreise gemessen an historischen Einkommen-Preis-Verhältnis- sen 20% überbewertet sein. Gleichzeitig gibt es erste Anzeichen, dass die Ver- braucher ihre Kreditaversion ein wenig reduzieren. Damit steigen die makropru- denziellen Risiken. Übertrifft die Nachfrage nach dem Jahr 2022 immer noch das Angebot, steuert der deutsche Häusermarkt auf eine ausgewachsene Blase zu – ein Szenario, vor dem wir seit Jahren warnen. Jochen Möbert (+49 69 910-31727, jochen.moebert@db.com) 0 20 40 60 80 100 120 70 74 78 82 86 90 94 98 02 06 10 14 18 Gesamt Hypothekarkredite Deutschland: Kreditvolumen 11 % des BIPs Quellen: Bundesbank, Deutsche Bank Research 0 1 2 3 4 5 09 10 11 12 13 14 15 16 17 18 Tilgung Zinsen Tilgung und Hypothekenzinsen 12 Quellen: EZB, Dr. Klein, Deutsche Bank Research % pro Jahr 120 150 180 210 240 4 6 8 10 12 09 10 11 12 13 14 15 16 17 18 5-10J Hypothekenzinsen Kredithöhe Tilgung und Kredithöhe 13 linke y-Achse: % pro Jahr rechte y-Achse: Tausend EUR Quellen: Dr. Klein, Deutsche Bank Research Mehr Signale eines schwächeren Wachstumstrends 10 | 11. Juni 2018 Ausblick Deutschland Kreditvergabe in Deutschland weiter schwungvoll – Unternehmen stocken in Q1 Liquiditätsreserven auf Das Kreditwachstum mit nichtfinanziellen Unternehmen und Selbstständigen in Deutschland hat in Q1 den höchsten Stand seit der Finanzkrise erreicht (ausste- hendes Volumen +4,3% gg. Vj.). Der Aufschwung ist weiterhin von einer breiten Branchenbasis getragen – sowohl mit dem Verarbeitenden Gewerbe als auch mit dem Dienstleistungssektor liegt die Zuwachsrate bei über 5% und damit auf Nachkrisen-Rekordniveau. Besonders dynamisch läuft es momentan bei der Kernbranche Maschinenbau/Auto (+10%), ebenso wie bei Beteiligungsgesell- schaften (14%), Chemie (8%) oder Versorger/Bergbau (7%). Die kräftigste Bewegung im ersten Quartal, welches traditionell ihr stärkstes ist, gab es bei den kurzfristigen Krediten (Laufzeit < 1 Jahr), die mit +8,3% gg. Vq. den größten Sprung seit der Wiedervereinigung verzeichneten. Gründe hierfür könnten zum einen der deutliche Dämpfer bei der Konjunkturentwicklung und zum anderen die wachsenden Sorgen um einen Handelskrieg sein, die bei den Unternehmen zu wachsender Vorsicht geführt haben dürften. Dementsprechend stockten sie ihre Liquiditätspolster in einem ähnlichen Maße auf, wie es zuletzt 2007/08 der Fall war. Ohne den außergewöhnlichen Anstieg bei den kurzfristi- gen Krediten hätte der Zuwachs insgesamt 3,4% gg. Vj. betragen. Sämtliche Bankengruppen konnten zwischen Dezember und März einen An- stieg des Kreditvolumens verbuchen. An der Spitze liegen unverändert die Aus- landsbanken (+11% gg. Vj.), gefolgt von den Kreditgenossenschaften (+6 ½%) und den Sparkassen (+5 ½%). Aber auch die inländischen Kreditbanken konn- ten sich nach längerer Durststrecke mal wieder über ein gutes Vierteljahr freuen und im Vorjahresvergleich auf knapp 2% verbessern. Die Landesbanken schaff- ten es sogar zum ersten Mal seit 2009 nennenswert ins Plus (1%). Insgesamt bleibt die Spreizung des Marktes jedoch erhalten und die Marktanteile verschie- ben sich weiter hin zu den Verbünden und den Banken in Auslandsbesitz. Dagegen waren die Einlagen von Unternehmen und Selbstständigen in Q1 so stark rückläufig wie seit 2013 nicht mehr. Selbst die zuletzt kontinuierlich ge- wachsenen Sichteinlagen mussten ein Minus von EUR 4 Mrd. hinnehmen. Wie sich bereits in den letzten Quartalen angedeutet hatte, scheint damit am Ende doch das extrem niedrige und damit aus Kundensicht unattraktive Zinsniveau durchzuschlagen, nachdem sich das Einlagengeschäft lange Zeit erstaunlich ro- bust entwickelt hatte. In der Tat liegen die Zinsen sowohl bei Sicht- als auch bei Termingeldern mit -3 bzw. -6 Bp. verhältnismäßig tief im roten Bereich. Für den Anstieg der Kredite bei gleichzeitigem Rückgang der Einlagen bei Banken spie- len mehrere Faktoren eine Rolle: i) Die Unternehmen haben in Q1 relativ viel in- vestiert. ii) Sie haben Kapitalmarkt-Verbindlichkeiten verringert, d.h. ausste- hende Unternehmensanleihen reduziert. iii) Die Unternehmen haben einen Teil der zusätzlichen Liquidität wahrscheinlich außerhalb des Bankensektors ange- legt. Jan Schildbach (+49 69 910-31717, jan.schildbach@db.com) -2 -1 0 1 2 3 4 5 13 14 15 16 17 18 gg. Vj. gg. Vq. Kredite an inländische Unternehmen und Selbstständige* 1 % * ohne sonstige Finanzinstitute Quellen: Bundesbank, Deutsche Bank Research -6 -4 -2 0 2 4 6 13 14 15 16 17 18 Verarbeitendes Gewerbe Dienstleistungssektor Selbstständige ... nach Branche 2 % gg. Vj. Quellen: Bundesbank, Deutsche Bank Research -6 -4 -2 0 2 4 6 8 10 13 14 15 16 17 18 Kurzfristige Kredite Mittelfristige Kredite Langfristige Kredite ... nach Fristigkeit* 3 % gg. Vj. * ohne sonstige Finanzinstitute Quellen: Bundesbank, Deutsche Bank Research -12 -9 -6 -3 0 3 6 9 12 15 13 14 15 16 17 18 Kreditbanken darunter Auslandsbanken Landesbanken Sparkassen Kreditgenossenschaften ... nach Bankengruppe* 4 * ohne sonstige Finanzinstitute % gg. Vj. Quellen: Bundesbank, Deutsche Bank Research Mehr Signale eines schwächeren Wachstumstrends 11 | 11. Juni 2018 Ausblick Deutschland EZB und QE-Ausstieg: Ganz nah am Ziel Nach Peter Praets Rede in der letzten Woche sollte es nun wirklich niemanden mehr überraschen, wenn die EZB bei der Ratssitzung am 14. Juni ein Ende der QE ankündigt. Wir haben vor Kurzem alle drei Kriterien für einen QE-Ausstieg ((1) Anstieg der Inflationsrate nahe, aber unter 2%, (2) eine hinreichende Über- zeugung der EZB, dass die Konvergenz mit dem Ziel dauerhaft ist, (3) die Ein- schätzung, dass die Konvergenz nicht durch das Ende von QE gefährdet wird) geprüft und sind zu dem Ergebnis gekommen, dass man durchaus argumentie- ren kann, sie seien erfüllt. Problematisch sind weniger die Zahlen an sich als die „Richtung“ der Daten: Das BIP lag in Q1 unter den Erwartungen. Dabei hat sich die Investitionstätigkeit, der mit Blick auf die weitere konjunkturelle Dynamik eine Schlüsselrolle zukommt, abgeschwächt. Die deutschen Investitionsgüter- aufträge aus der Eurozone haben im April erneut deutlich nachgegeben, was für wenig Investitionsdynamik in Q2 spricht. Nach dem ernüchternden G7-Gipfel am Wochenende hat überdies das Risiko eines Handelskriegs deutlich zugenom- men. Praets Äußerungen haben wohl ein eindeutiges Signal gegeben. Die Frage lau- tet nicht, ob eine Ausstiegsentscheidung bevorsteht, sondern wodurch sie noch verzögert werden könnte. Wir halten derzeit zwei taubenhafte Szenarien für den 14. Juni für möglich. Im ersten Szenario vertritt die EZB die Auffassung, die Ausstiegskriterien seien erfüllt, verzögert die Ausstiegsentscheidung aber noch um einige Monate, um sicherzugehen, dass dies auch dauerhaft der Fall ist. Im zweiten Szenario wartet die EZB noch weitere Ergebnisse der internen Aus- schüsse ab, um den politischen Kurs nach dem Ende der QE abzustecken. Die EZB hat Ausstiegsentscheidungen tendenziell durch taubenhafte Maßnahmen abgefedert, und auch Praet betonte in seiner Rede, wie wichtig Reinvestitionen und eine Rekalibrierung der Forward Guidance nach dem Ende der QE seien. In unserem Basisszenario gehen wir davon aus, dass der Ausstieg aus der QE im Juli bekanntgegeben wird. Insbesondere da der EZB durch dieses „retardie- rende Moment“ wohl keine Kosten mit Blick auf Forward Guidance oder ihre Re- putation entstehen dürften. Allerdings spricht auch vieles für Juni, sodass uns eine Ankündigung bereits an diesem Donnerstag auch nicht überraschen würde. Dies würde jedoch nicht bedeuten, dass durch eine etwas raschere Ent- scheidung auch der expansive Kurs rascher aufgegeben wird. Ganz gleich, ob der Ausstieg nun im Juni oder Juli bekannt gegeben wird, wird die QE voraus- sichtlich im vierten Quartal zurückgefahren und im Dezember beendet werden. Der erste Zinsschritt – eine Anhebung des Einlagesatzes um 20 bp und des Re- finanzierungssatzes um 25bp – sollte dann im Juni 2019 erfolgen. Außerdem dürfte die EZB weiterhin betonen, dass reichlicher Stimulus erforderlich ist, da- mit die Inflation mittelfristig auch sicher zum Zielwert zurückkehrt. Einerseits könnte die EZB die Chance nutzen, die sich aus den Daten ergibt, um die QE zu beenden und zu vermeiden, dass sie zu einem politischen Spielball wird. An- dererseits könnte sie angesichts der „Richtung“ der Makroereignisse ihre Äuße- rungen sorgfältig formulieren müssen, um eine unerwünschte Entwicklung der finanziellen Bedingungen zu vermeiden. Mark Wall (+44 20 754-52087, mark.wall@db.com) Stefan Schneider (+49 69 910-31790, stefan-b.schneider@db.com) Mehr Signale eines schwächeren Wachstumstrends 12 | 11. Juni 2018 Ausblick Deutschland DB Makro-Überraschungsindex Deutschland Der DB Makro-Überraschungsindex vergleicht den Wert der veröffentlichten Konjunkturdaten mit den Markterwartun- gen und liefert damit Hinweise über die Richtung künftiger Prognoseanpassungen. Neu berechnet von Marc Schattenberg und Jochen Möbert (+49 69 910-31727, jochen.moebert@db.com) Quelle: Heiko Peters (2014). DB Makro-Überraschungsindex Deutschland. Ausblick Deutschland, 4. August 2014. Letzte 20 veröffentlichte deutsche Konjunkturdaten DX -0,5 -0,4 -0,3 -0,2 -0,1 0,0 0,1 0,2 0,3 0,4 0,5 14 15 16 17 18 DB Makro-Überraschungsindex +/- 1 Standardabweichung DB Makro-Überraschungsindex Deutschland Durchschnitt der z - Werte der vergangenen 20 Datenüberraschungen Werte über (unter) 0 bedeuten über (unter) der Markterwartung liegende Datenveröffentlichungen Quellen: Bloomberg Finance LP, Deutsche Bank Research Bloomberg Ticker Indikator Berichts- monat Veröff entlich- ungsdatum Aktueller Wert Bloomberg Konsensus Überra- schung Standardisierte Überraschung Quantils- rang GRFRIAMM Index Einzelhandelsumsätze (% gg. Vm.) 3 2018 30.04.2018 -0,4 0,8 -1,2 -0,7 0,2 MPMIDEMA Index PMI Verarbeitendes Gew erbe 4 2018 02.05.2018 58,1 58,1 0,0 0,0 0,4 MPMIDESA Index PMI Dienstleistungssektor 4 2018 04.05.2018 53,0 54,1 -1,1 -1,2 0,1 GRIORTMM Index Auftragseingänge (% gg. Vm.) 3 2018 07.05.2018 -1,1 0,5 -1,6 -0,8 0,2 GRIPIMOM Index Industrieproduktion (% gg. Vm.) 3 2018 08.05.2018 1,7 0,8 0,9 0,8 0,8 GRCAEU Index Leistungsbilanzsaldo (EUR Mrd.) 3 2018 08.05.2018 29,6 27,0 2,6 0,4 0,7 GRZEWI Index ZEW - Konjunktur (Erw artungen) 5 2018 15.05.2018 -8,2 -8,2 0,0 0,0 0,6 GRZECURR Index ZEW - Konjunktur (Situation) 5 2018 15.05.2018 87,4 85,5 1,9 0,2 0,6 GRCP20YY Index VPI (% gg. Vj.) 4 2018 16.05.2018 1,6 1,6 0,0 0,2 0,3 GRGDPPGQ Index BIP (% gg. Vq.) 3 2018 24.05.2018 0,3 0,3 0,0 -0,2 0,3 GRIFPBUS Index ifo Geschäftsklimaindex 5 2018 25.05.2018 92,9 102,0 -9,1 -0,6 0,3 GRIMP95Y Index Importpreise (% gg. Vj.) 4 2018 30.05.2018 0,6 0,8 -0,2 0,2 0,5 GRUECHNG Index Veränderung Arbeitslose (Tsd. gg. Vm.) 5 2018 30.05.2018 -12,0 -10,0 2,0 -0,1 0,4 GRCP20YY Index VPI (% gg. Vj.) 5 2018 30.05.2018 2,2 2,2 0,0 0,2 0,3 GRFRIAMM Index Einzelhandelsumsätze (% gg. Vm.) 4 2018 30.05.2018 2,3 0,5 1,8 1,7 0,9 MPMIDEMA Index PMI Verarbeitendes Gew erbe 5 2018 01.06.2018 56,9 56,8 0,1 0,1 0,5 MPMIDESA Index PMI Dienstleistungssektor 5 2018 05.06.2018 52,1 52,1 0,0 0,0 0,5 GRIORTMM Index Auftragseingänge (% gg. Vm.) 4 2018 07.06.2018 -2,5 0,8 -3,3 -1,6 0,0 GRCAEU Index Leistungsbilanzsaldo (EUR Mrd.) 4 2018 08.06.2018 22,7 20,0 2,7 0,5 0,7 GRIPIMOM Index Industrieproduktion (% gg. Vm.) 4 2018 08.06.2018 -1,0 0,3 -1,3 -1,0 0,1 Quellen: Bloomberg Finance LP, Deut sche Bank Resear ch Mehr Signale eines schwächeren Wachstumstrends 13 | 11. Juni 2018 Ausblick Deutschland Dieter Bräuninger (+49 69 910-31708, dieter.braeuninger@db.com) Marc Schattenberg, Sebastian Becker & Jochen Möbert (+49 69 910-31727, jochen.moebert@db.com) Deutschland: Termine der Finanz-, der Wirtschafts- und der Europapolitik DX Datum Ereignis Anmerkungen 14. Juni Sitzung des EZB-Rates, Pressekonferenz In unserem Basisszenario erwarten wir die Ankündigung des Endes der An- leihekäufe (QE) im Juli. Nach der jüngsten Rede von Peter Praet wäre aber niemand überrascht, wenn die EZB das Ende der Anleihekäufe bereits auf der Juni-Sitzung bekannt gibt. 21./22. Juni Eurogruppe und ECOFIN, Brüssel (Voraussichtl.) Implikationen der Frühjahrsprognose der Kommission für De- fizitverfahren (EDP) und Innovationspartnerschaften (EIPs) für Länder des Eurogebiets, thematische Debatte über Wachstum und Beschäftigung: Effizi- enz der Arbeitsmärkte und Nachhaltigkeit der Alterssicherung; (voraussichtl.) Lage im Eurogebiet gem. IWF-Vorgaben, Lage in Griechenland u.a. 28./29. Juni Europäischer Rat, Brüssel Auswärtige Angelegenheiten und internationale Beziehungen, v.a. Handels- beziehungen, insbesondere mit USA u. mit China, Abstimmung über Verlän- gerung der Sanktionen gg. Russland, Meinungsaustausch über Zukunft der EU und über EU-Budget, (voraussichtl.) Stand der Brexit-Verhandlungen; ge- plante Entscheidungen über Reformen des EU-Asylsystems könnten hinge- gen verschoben werden. Mitte Juli - 7. Sept. Deutscher Bundestag Parlamentarische Sommerpause. 26. Juli Sitzung des EZB-Rates, Pressekonferenz Die EZB dürfte auf ihrer Juli-Sitzung das Ende der Anleihekäufe für Q4 2018 bekannt geben. Damit dürfte der Fokus auf die Zinspolitik schwenken. Wir er- warten zwei Zinsschritte im Juni und Dezember 2019. Der Einlagensatz dürfte um 20 Bp und die Hauptrefinanzierungsrate um 25 Bp steigen. Wir halten einen Zinsschritt vor Juni 2019 für nahezu ausgeschlossen. Quelle: Deutsche Bank Research Deutschland: Datenkalender DX Datum Uhrzeit Daten Berichtszeitraum DB Schätzung Letzter Wert 22 Jun 2018 9:30 PMI Verarbeitendes Gewerbe (Flash) Juni 56,2 56,9 22 Jun 2018 9:30 PMI Dienstleistungssektor (Flash) Juni 52,5 52,1 25 Jun 2018 10:30 ifo Geschäftsklima (Index, sb.) Juni 102,0 102,2 28 Jun 2018 14:00 Vorläufiger VPI (% gg. Vj., sb.) Juni 2,2 2,2 29 Jun 2018 9:55 Arbeitslosenrate (%, sb.) Juni 5,3 5,2 29 Jun 2018 8:00 Einzelhandelsumsätze (Index, sb.), % gg. Vm.* Mai 1,0 2,3 5 Jul 2018 8:00 Auftragseingang im Ver. Gewerbe (% gg. Vm., sb.) Mai 2,7 -0,2 6 Jul 2018 8:00 Industrieproduktion (% gg. Vm., sb.) Mai 1,1 -1,7 9 Jul 2018 8:00 Handelsbilanz (EUR Mrd., sb.) Mai 20,3 19,2 9 Jul 2018 8:00 Warenexporte (% gg. Vm., sb.) Mai 0,6 -3,1 9 Jul 2018 8:00 Warenimporte (% gg. Vm., sb.) Mai -0,3 -1,3 *lt. Statistischem Bundesamt auch früherer Veröffentlichungstermin möglich Quellen: Deutsche Bank Research, Statistisches Bundesamt, Bundesagentur für Arbeit, ifo, Markit Mehr Signale eines schwächeren Wachstumstrends 14 | 11. Juni 2018 Ausblick Deutschland Finanzmarktprognosen DX US JP EWU GB CH SE DK NO PL HU CZ Leitzinssatz, % Aktuell 1,625 -0,10 0,00 0,50 -0,75 -0,50 0,05 0,50 1,50 0,12 0,75 Jun 18 1,875 -0,10 0,00 0,50 -0,75 -0,50 0,05 0,50 1,50 0,05 0,75 Sep 18 2,125 -0,10 0,00 0,75 -0,75 -0,50 0,05 0,75 1,50 0,05 0,75 Dez 18 2,375 -0,10 0,00 0,75 -0,75 -0,25 0,05 0,75 1,50 0,05 1,00 3M Geldmarktsatz, % Aktuell 2,32 0,08 -0,33 0,63 Jun 18 2,23 0,05 -0,30 0,60 Sep 18 2,48 0,05 -0,35 0,55 Dez 18 2,73 0,05 -0,35 0,75 Rendite 10J Staatsanleihen, % Aktuell 2,98 0,06 0,48 1,47 Jun 18 3,00 0,00 0,50 1,35 Sep 18 2,95 0,00 0,85 1,55 Dez 18 3,25 0,00 1,25 1,80 Wechselkurse EUR/USD USD/JPY EUR/GBP GBP/USD EUR/CHF EUR/SEK EUR/DKK EUR/NOK EUR/PLN EUR/HUF EUR/CZK Aktuell 1,18 109,96 0,88 1,34 1,16 10,26 7,45 9,50 4,29 317,36 25,65 Jun 18 1,24 102,00 0,91 1,37 1,20 9,60 9,25 4,16 317,00 25,44 Sep 18 1,17 105,00 0,86 1,36 1,18 9,50 9,10 4,17 316,00 25,05 Dez 18 1,20 102,00 0,85 1,41 1,20 9,20 7,46 9,00 4,19 315,00 24,75 Quellen: Bloomberg Finance LP, Deutsche Bank Research Mehr Signale eines schwächeren Wachstumstrends 15 | 11. Juni 2018 Ausblick Deutschland Deutschland: Datenmonitor DX Q2 2017 Q3 2017 Q4 2017 Q1 2018 Q2 2018 Jan 2018 Feb 2018 Mrz 2018 Apr 2018 Mai 2018 Jun 2018 Konjunkturumfragen Gesamtwirtschaft ifo Geschäftsklima 102,5 104,3 105,0 104,1 104,8 104,1 103,3 102,2 102,2 ifo Geschäftserwartungen 100,8 102,0 103,1 100,6 101,5 100,3 100,1 98,7 98,5 Produzierendes Gewerbe ifo Verarbeitendes Gewerbe 105,9 108,0 109,0 107,8 109,5 107,6 106,3 104,9 104,8 Produktion (% gg. Vp.) 1,5 1,6 1,0 0,3 0,0 -1,7 1,6 -1,7 Auftragseingang (% gg. Vp.) 1,2 2,3 3,5 -2,2 -3,5 -0,2 -1,1 -2,5 Grad der Kapazitätsauslastung 86,1 86,9 87,7 88,2 87,8 Bauhauptgewerbe Produktion (% gg. Vp.) 5,4 -0,4 -1,0 5,9 -7,2 Auftragseingang (% ggü. Vp.) -2,0 -1,7 10,2 -1,7 -12,8 9,9 -15,1 ifo Bauhauptgewerbe 108,1 109,9 110,7 110,1 110,2 109,3 110,8 111,4 111,8 Konsumentennachfrage EC Konsumentenbefragung 3,6 4,1 5,5 6,7 7,4 6,5 6,1 6,1 5,9 Einzelhandelsumsätze (% gg. Vp.) 0,5 0,5 0,8 -0,8 -0,6 -0,1 -0,4 2,3 Neuzulassungen PKW (% gg. Vj.) 0,0 0,3 4,2 4,0 11,6 7,4 -3,4 8,0 -5,8 Außenhandel Auslandsaufträge (% gg. Vp.) 1,5 3,5 4,9 -4,6 Exporte (% gg. Vp.) 1,6 0,7 2,9 -0,6 -0,4 -3,1 1,8 -0,3 Importe (% gg. Vp.) 1,4 0,2 2,8 -0,1 -0,2 -1,5 -0,2 2,2 Nettoexporte (EUR Mrd.) 60,5 62,0 64,3 62,6 21,5 19,4 21,6 19,4 Arbeitsmarkt Arbeitslosenquote (%) 5,7 5,7 5,5 5,4 5,4 5,4 5,3 5,3 5,2 Veränderung Arbeitslosigkeit (Tsd. gg. Vp.) -45,0 -25,7 -55,3 -69,0 -23,0 -21,0 -18,0 -7,0 -12,0 Beschäftigung (% gg. Vj.) 1,4 1,5 1,4 1,4 1,4 1,4 1,4 1,4 ifo Beschäftigungsbarometer 102,6 103,3 104,0 104,8 105,5 105,0 103,9 103,3 104,1 Preise, Löhne und Arbeitskosten Preise HVPI (% gg. Vj.) 1,6 1,7 1,6 1,4 1,4 1,2 1,5 1,4 2,2 Kern-HVPI (% gg. Vj.) 1,4 1,5 1,3 1,3 1,3 1,4 1,3 1,0 1,5 Harmonisierter PPI (% gg. Vj.) 2,8 2,7 2,5 2,0 2,1 1,8 1,9 2,0 Rohstoffe ohne Energie (% gg. Vj.) 8,9 4,2 -5,6 -12,4 -11,1 -13,5 -12,6 -6,3 5,9 Rohöl, Brent (USD/Bbl) 50,8 52,2 61,5 66,9 69,1 65,3 66,0 72,0 76,9 75,2 Inflationserwartungen EC Haushaltsumfrage 17,6 16,3 16,0 16,4 16,6 18,3 14,4 15,1 16,8 EC Unternehmensumfrage 11,4 10,2 14,2 15,0 16,3 14,5 14,2 14,6 12,1 Lohnstückkosten (gg. Vj.) Lohnstückkosten 2,4 1,8 1,0 2,2 Arbeitnehmerentgelt je Arbeitnehmer 2,6 2,6 2,4 2,8 Arbeitnehmerentgelt je Stunde 3,9 2,6 2,6 3,7 Monetärer Sektor (gg. Vj.) M3 5,6 4,7 4,3 3,3 3,6 3,2 3,3 3,5 Trend von M3* 4,1 3,7 3,4 3,3 Kredite an Unternehmen und Privatpersonen 3,8 3,9 4,2 4,3 4,3 4,3 4,3 4,3 Kredite an öffentliche Haushalte 4,1 5,5 -2,9 -20,0 -5,4 -12,9 -20,0 % gg. VP = Veränderung gegenüber der Vorperiode; * zentrierter 3M-Durchschnitt Quellen: Bundesagentur für Arbeit, Deutsche Bundesbank, Europäische Kommission, Eurostat, Statistisches Bundesamt, HWWI, ifo, Markit Ausblick Deutschland Unsere Publikationen finden Sie unentgeltlich auf unserer Internetseite www.dbresearch.de Dort können Sie sich auch als regelmäßiger Empfänger unserer Publikationen per E-Mail eintragen. Für die Print-Version wenden Sie sich bitte an: Deutsche Bank Research Marketing 60262 Frankfurt am Main Fax: +49 69 910-31877 E-Mail: marketing.dbr@db.com Schneller via E-Mail: marketing.dbr@db.com * Mehr Signale eines schwächeren Wachstumstrends .... 11. Juni 2018 * Nachlassende Wachstumsdynamik, aber Normalisierung der Inflation ...................................... 8. Mai 2018 * Handelskonflikt fordert Unternehmen und Regierung .... 10. April 2018 * Kräftiges Wachstum, (noch) begrenzte Inflation ........... 13. März 2018 * Partyzeit ................................................................... 5. Februar 2018 * Ausblick 2018: Robuste Konjunktur – fragile Politik ...................... 14. Dezember 2017 * Konjunktureller Rückenwind für Koalitions- verhandlungen ....................................................... 3. November 2017 * Jamaika-Koalition dürfte kein Füllhorn ausschütten .... 6. Oktober 2017 * Konjunkturboom – noch ohne Lohndruck ............... 6. September 2017 © Copyright 2018. Deutsche Bank AG, Deutsche Bank Research, 60262 Frankfurt am Main, Deutschland. Alle Rechte vorbehalten. Bei Zitaten wird um Quellenangabe „Deutsche Bank Research“ gebeten. Die vorstehenden Angaben stellen keine Anlage-, Rechts- oder Steuerberatung dar. Alle Meinungsaussagen geben die aktuelle Einschätzung des Ver- fassers wieder, die nicht notwendigerweise der Meinung der Deutsche Bank AG oder ihrer assoziierten Unternehmen entspricht. 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