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8. November 2012
Die Elektrotechnik im Gesundheitsbereich ist ein wichtiger Faktor für die gesamtwirtschaftliche Entwicklung weltweit. Die moderne Elektromedizin erhöht die Effizienz der Prozesse in der Gesundheitswirtschaft, verbessert die Volksgesundheit, reduziert die Verweildauer der Patienten und verschiebt die Versorgung kostensparend. Dank qualitativ hochwertiger Produkte sollte die deutsche Elektromedizin – trotz des zunehmenden Preiswettbewerbs – ihre führende Weltmarktposition behaupten können. Demnach erwarten wir hier für die Jahre 2012 und 2013 jeweils ein Umsatzwachstum von real 5% gg. Vj. [mehr]
Medizintechnik: Elektromedizin als Treiber im Gesundheitsbereich Aktuelle Themen Branchen Innovative Produkte begründen internationalen Erfolg der elektromedizinischen Technik in Deutschland. Die zeigt sich sowohl in der Umsatzstärke der deut- schen Medizintechnik verglichen mit anderen Industrieländern als auch in der Exportquote von über 70%, die den an sich schon hohen Wert der Elektroin- dustrie im Schnitt noch übersteigt. Innovationen am Standort Deutschland profi- tieren von guten Rahmenbedingungen, insbesondere auch hinsichtlich Infra- struktur und Fachkräfte-Pool. Als Beschäftigungs- und Wachstumsmotor spielt die Branche eine zentrale Rolle in der Gesundheitswirtschaft. Enge Verknüpfung von Medizintechnik und innovativen Branchen. Die Branche mit ihren Produkten und Lösungsangeboten für klinische Fragestellungen ist wesentlicher Teil moderner Infrastrukturen zur Gesundheitsversorgung. Zur weiteren Qualitätssteigerung und zur Senkung der Kosten werden elektromedi- zinische Systeme beitragen, indem sie Prozesse in Kliniken und darüber hinaus optimieren. Damit tragen sie den demographischen Veränderungen und den daraus folgenden neuen Anforderungen an die Versorgung Rechnung. Neben dem klinischen und dem ambulanten Sektor entsteht als dritte Säule die mobile Versorgung bzw. die Versorgung zuhause. Vergütungssystem bremst Dynamik im deutschen Gesundheitsmarkt. Innovati- onshemmnisse im Gesundheitssystem liegen in der aufwändigen Bereitstellung von Kosten-Nutzen-Bewertungen, die zur Einführung innovativer Methoden erforderlich werden. Befristete öffentliche Finanzierungen neuer Methoden könnten helfen, diesen Mangel zu beheben. Problematisch ist zudem die künst- liche Trennung der Entgeltsysteme. Diese steht integrierten Behandlungsansät- zen und patientenorientierter Versorgung im Weg, weil sie den Behandlungs- prozess unnötig in einzelne Episoden aufteilt, anstatt ein ganzheitliches Gesundheitsmanagement zu ermöglichen. Basis hierfür wäre ein sektorüber- greifendes Vergütungssystem. Dualistik bremst Branchenentwicklung. Die Gesundheitspolitik sollte die investi- tionshemmende gesetzliche Trennung zwischen dem Träger der Investitions- kosten und dem der Betriebskosten weiter abbauen. Eine Investitionskompo- nente sollte in den Fallpauschalen des Diagnosis-Related-Groups-Systems verankert werden. Sondervereinbarungen mit den Kostenträgern könnten die- ses System bei Bedarf ergänzen. Insofern sich mit dem Rechtsrahmen auch die Kassenlage bei den Gesundheitseinrichtungen verbessert, könnten dann lange hinausgeschobene Projekte schneller umgesetzt werden. Für 2012 und 2013 rechnen wir mit einem realen Umsatzplus von jeweils 5% für Medizintechnik 'Made in Germany'. Diese Prognose gründet auch darauf, dass vor allem international absehbar mit Mehrausgaben im Gesundheitssektor zu rechnen ist. Dabei geht es sowohl um die Modernisierung als auch den Neuauf- bau von Versorgungsstrukturen. 8. November 2012 Medizintechnik Elektro medizin als Treiber im Gesundheitsbereich Autor en Stefan Heng DB Research +49 69 910-31774 stefan.heng@db.com Jürgen Polzin ZVEI +49 69 6302-230 polzin@zvei.org Andreas Bätzel ZVEI +49 69 6302-388 baetzel@zvei.org Editor Antje Stobbe Deutsche Bank AG DB Research Frankfurt am Main Deutschland E-Mail: marketing.dbr@db.com Fax: +49 69 910-31877 www.dbresearch.de DB Research Management Ralf Hoffmann | Bernhard Speyer Elektromedizin als Treiber im Gesundheitsbereich 2 | 8. November 2012 Aktuelle Themen ZVEI Der ZVEI – Zentralverband Elektrotechnik- und Elektronikindustrie e. V. vertritt die gemeinsamen Interessen seiner rund 1.600 Mitgliedsunternehmen auf nati- onaler und internationaler Ebene. Zusammen mit seinen Partnern gestaltet der ZVEI aktiv die Rahmenbedingungen für das Wachstum und die Innovationskraft der Elektrobranche im internationalen Wettbewerb. Mit seiner Hauptstadtreprä- sentanz in Berlin und einem Büro in Brüssel ist der ZVEI vor Ort bei der politi- schen Meinungsbildung. Sein Büro in Peking ist die Vertretung der europäi- schen Elektroindustrie. Die Kompetenzzentren des ZVEI sind thematische Plattformen, die das Wissen der Elektroindustrie zur Elektromobilität, zu Embedded Software & Systems, Gesundheitswirtschaft und Smart Grid bündeln. Weitere Informationen finden Sie unter: www.zvei.org/ Deutsche Bank Research Deutsche Bank Research ist verantwortlich für die volkswirtschaftliche Analyse in der Deutsche Bank Gruppe und berät die Bank, ihre Kunden und Stake- holder. DB Research verfolgt die für die Deutsche Bank relevanten Trends auf den Finanzmärkten, in Wirtschaft und Gesellschaft, einschließlich ihrer Chancen und Risiken. Seit über 10 Jahren forscht DB Research zu den Auswirkungen von techni- schem Fortschritt und Innovation auf Wirtschaft und Gesellschaft. Weitere Informationen finden Sie unter: www.dbresearch.de/ Elektromedizin als Treiber im Gesundheitsbereich 3 | 8. November 2012 Aktuelle Themen Elektromedizinische Technik einer der größten Fachbereiche der deutschen Elektroindustrie Die elektromedizinische Technik (Elektromedizin) bildet eine entscheidende Basis für moderne medizinische Versorgung und besteht aus den großen Wa- rengruppen der bildgebenden Systeme, der Patientenüberwachung sowie einer Reihe therapeutischer Technologien. Sie ist mit ihrer hohen Innovationskraft ein technologisch herausragender Bestandteil der deutschen Elektroindustrie ‒ mit wachsender Bedeutung. Auch im internationalen Vergleich konnte die Position dieses Fachzweiges in den letzten Jahren stetig ausgebaut werden. Obwohl ihr Umsatz- und Produktionsanteil an der gesamten Elektroindustrie eher gering erscheint, nimmt sie in den Abläufen des Gesundheitssystems und in ihrer öko- nomischen Reichweite im Gesundheitsmarkt eine zentrale Rolle ein. Deutsche Elektroindustrie ‒ dynamisch und innovativ Zunächst zur Elektroindustrie insgesamt: Das Produktspektrum der Elektrotech- nik und Elektronikindustrie (kurz: Elektroindustrie) ist äußerst breit gefächert. In den internationalen harmonisierten Statistiken nach ISIC (International Standard Industrial Classification) finden sich die Erzeugnisse der Elektroindustrie in fast 30 verschiedenen Klassen, den so genannten 4-Stellern, wieder. 1 Mit einem Volumen von EUR 3,4 Bill. ist der globale Markt für elektrotechnische und elektronische Erzeugnisse und Systeme der größte Produktmarkt weltweit. Zwei Drittel der globalen Elektroproduktion entfallen inzwischen auf die Region Südostasien. 17% der weltweit hergestellten Elektroerzeugnisse stammen aus Europa (14% aus der Europäischen Union), 11% aus Nordamerika und 3% aus Lateinamerika. Aus Marktsicht (verstanden als: Markt = Produktion minus Ex- porte plus Importe) nimmt Asien heute 55% des weltweiten Elektromarktes ein. Knapp ein Fünftel des globalen Marktes wird von Europa vereinnahmt (14% von der EU) und 21% von Amerika. Mit derzeit 848.000 Beschäftigten (per Ende August 2012) ist die deutsche Elektroindustrie die zweitgrößte Industriebranche hierzulande. Ein Fünftel der Beschäftigten sind Ingenieure, weitere drei Fünftel Fachkräfte. Seit April 2010, als die Zahl der Beschäftigten bedingt durch die 2009er Finanz- und Wirt- schaftskrise bis auf 800.000 gesunken war, hat die Branche damit 48.000 neue Arbeitsplätze geschaffen. Insgesamt ist die deutsche Elektroindustrie mittel- ständisch geprägt: 90% der Unternehmen haben weniger als 500 Beschäftigte. Zu den Inlandsbeschäftigten kommen noch einmal 659.000 Beschäftigte in Elektrounternehmen im Ausland, die sich ganz oder teilweise in deutschem Besitz befinden. Die Elektrobranche steht für 12% der gesamten Industriepro- duktion in Deutschland. Zur Entstehung des heimischen Bruttoinlandsprodukts (BIP) trägt sie unmittelbar 3% bei. Das Produktportfolio der deutschen Elektroindustrie ist ebenso breit gefächert wie innovativ und dynamisch. Knapp vier Fünftel der hergestellten Produkte und Systeme entfallen auf den Bereich der Investitionsgüter (etwa die Segmente Automation, Energietechnik oder etwa elektromedizinische Technik), 12% auf Vorleistungsgüter ‒ insbesondere elektronische Bauelemente bzw. Halbleiter ‒ und 10% auf Gebrauchsgüter wie Elektrohausgeräte oder Unterhaltungselekt- ronik. 1 Schwerpunktmäßig wird die Branche in den beiden Abteilungen 26 („Datenverarbeitung, elektro- nische und optische Erzeugnisse“) und 27 („Elektrische Ausrüstungen“) erfasst, darüber ‒ ganz oder teilweise ‒ in den Klassen 1820, 2343, 2821, 2824, 2931, 3020, 3250, 3313, 3314 und 3320. CN 33 US 14 JP 8 DE 3 Asien (ohne CN, JP) 14 Europa (ohne DE) 16 Amerika (ohne US) 7 sonstige 5 China mit größtem Markt 1 Quelle: ZVEI, 2012 insg. EUR 3.4 Bill. Weltmarkt Elektroindustrie, 2011, % 790 800 810 820 830 840 850 860 Dez 2008 Dez 2009 Apr 2010 Dez 2010 Dez 2011 Aug 2012 Quelle: ZVEI, 2012 Beschäftigte deutsche Elektroindustrie, '000 Auf hohem Niveau 2 Auto - mation 27 Bauele - mente 12 Energie - technik 8 IKT 6 Fahr - zeug - elektrik 5 Haus - geräte 5 Medizin - technik 5 Installa - tion 3 Kabel u. Drähte 3 Licht 3 CE 2 Sonstige 21 Quelle: ZVEI, 2012 Breit aufgestelltes Produktportfolio 3 insg. EUR 178 Mrd. Produkte der deutschen Elektroindustrie nach Umsatzanteilen, 2011, % Elektromedizin als Treiber im Gesundheitsbereich 4 | 8. November 2012 Aktuelle Themen Neue Ideen setzen die Unternehmen der Elektroindustrie schneller als andere in marktreife Produkte um. So bringen acht von zehn Elektrofirmen regelmäßig Produkt- und Prozessinnovationen hervor, und 40 EUR-Cent von jedem bran- chenweit umgesetzten Euro werden mit Produktneuheiten, die nicht älter als drei Jahre sind, erlöst. Jede dritte Innovation im Verarbeitenden Gewerbe ins- gesamt erfährt ihren originären Anstoß durch die Elektroindustrie. Das heißt: Die Elektrobranche wartet nicht nur mit eigenen Innovationen auf, sondern sie gibt zusätzlich auch noch die Impulse für Neuerungen, die dann an anderer Stelle im industriellen Sektor auf den Weg gebracht werden. Grundlage für die Innovationsstärke der deutschen Elektroindustrie sind jährli- che Anlageinvestitionen in Höhe von EUR 6 Mrd., Aufwendungen für Forschung und Entwicklung (F&E) von fast EUR 13 Mrd. sowie Ausgaben für Aus- und Weiterbildung von EUR 2 Mrd. – zusammen genommen also Investitionen in die Zukunft von mehr als EUR 20 Mrd. bzw. von deutlich mehr als einem Zehntel des gesamten Branchenumsatzes. Im vergangenen Jahr hat die Branche einen Umsatz von EUR 178 Mrd. erzielt und damit die Verluste aus der 2009er-Krise in zwei Jahren so gut wie aufge- holt. Sie steht damit für ein Zehntel des gesamten Industrieumsatzes in Deutschland. Von besonderer Bedeutung für die deutsche Elektroindustrie sind die Exporte. Mit EUR 155 Mrd. hat die Branche hier 2011 ein neues Rekord- hoch erreicht. Ein Siebtel aller deutschen Ausfuhren geht allein auf das Konto der Elektroindustrie. Die Gewichte im Exportportfolio der Elektroindustrie haben sich in den vergan- genen Jahren deutlich verschoben. Während im Jahr 2000 noch mehr als vier Fünftel der gesamten Branchenausfuhren in die Gruppe der 34 Industrieländer (nach IWF-Abgrenzung) gingen und erst 18% in die Schwellenländer, hat die deutsche Elektroindustrie 2011 bereits ein Drittel ihrer Gesamtexporte auf den dynamisch wachsenden Märkten der Schwellenländer abgesetzt. Entsprechend ist der Anteil der Industrieländer auf zwei Drittel gefallen. Die Gewichte dürften sich auch in Zukunft weiter zugunsten der aufstrebenden Volkswirtschaften ver- schieben. So sind die Elektroexporte in die Schwellenländer 2011 +11% gg. Vj. mehr als fünfmal so stark gestiegen wie die Ausfuhren in die Industrieländer (+2%). Auch im Länderranking der wichtigsten Abnehmer für deutsche Elektroexporte hat es zuletzt einige Verschiebungen gegeben. Inzwischen haben die USA den jahrzehntelangen Spitzenreiter Frankreich als wichtigsten Abnehmer abgelöst. China rangiert hier nun auf Platz drei. Rund zwei Drittel der Branchenexporte werden allerdings immer noch in Europa abgesetzt, die Hälfte davon ‒ bzw. ein Drittel insgesamt ‒ im Euroraum. Von den Top-ten-Abnehmerländern befinden sich acht in Europa. Entsprechend spielt die wirtschaftliche und politische Entwicklung in Europa für die deutsche Elektroindustrie nach wie vor eine ganz wesentliche Rolle ‒ wenn auch vor ei- nem Jahrzehnt noch drei Viertel aller Ausfuhren der deutschen Elektroindustrie nach Europa gegangen sind. 2 15 16 35 0 10 20 30 40 Automobil - industrie Maschinen - bau Chemie Elektro - industrie Anstöße zu Innovationen im Verarbeitenden Gewerbe stammen zu ... % aus ... Elektroindustrie besonders innovativ 4 Quellen: ZEW, ZVEI, 2012 100 110 120 130 140 150 160 00 01 02 03 04 05 06 07 08 09 10 11 Quelle: ZVEI, 2012 Exporte deutsche Elektroindustrie, EUR Mrd. Auf Allzeithoch 5 0 10 20 30 40 50 60 70 80 00 01 02 03 04 05 06 07 08 09 10 11 Europa Schwellenländer 72% 18% 66% 34% Schwellenländer werden wichtiger 6 Exporte der deutschen Elektroindustrie, Anteile am Gesamtexport, % Quelle: ZVEI, 2012 Elektromedizin als Treiber im Gesundheitsbereich 5 | 8. November 2012 Aktuelle Themen Deutsche Elektromedizin stark exportorientiert Die globale Produktion elektromedizinischer Erzeugnisse und Systeme (statis- tisch erfasst in den ISIC-Klassen 2660 und Teile aus 3250) 2 ‒ und damit auch das globale Marktvolumen ‒ belief sich im Jahr 2010 auf EUR 80 Mrd. Das sind EUR 33 Mrd. oder 70% mehr als noch vor 10 Jahren. Jeweils ein Drittel der globalen Produktion entfallen auf die Regionen Amerika und Asien, 29% auf Europa. Aus Marktsicht nehmen Amerika 35%, Asien 32% und Europa 26% ein. Mit mehr als EUR 22 Mrd. ist der US-amerikanische Markt für elektromedizini- sche Technik der größte Einzelländermarkt. Sein Volumen ist höher als das der nächstgrößten Märkte ‒ Japan (EUR 7,1 Mrd.), China (EUR 5,6 Mrd.), Südkorea (EUR 4,5 Mrd.) und Deutschland (EUR 3,4 Mrd.) ‒ zusammen. Europa insge- samt kommt auf ein Marktvolumen von EUR 20,2 Mrd. Auch schon im Jahr 2001 stellten die USA mit EUR 16,4 Mrd. den größten Einzelmarkt für elektro- medizinische Technik, gefolgt von Japan mit EUR 5,1 Mrd., Deutschland mit EUR 2,9 Mrd., Großbritannien mit EUR 2,1 Mrd. und Frankreich mit EUR 1,8 Mrd. Mit einem Umsatz von fast EUR 9 Mrd. im Jahr 2011 hält die elektromedizini- sche Technik einen Anteil von 5% am Gesamtumsatz der deutschen Elektroin- dustrie. In den vergangenen zehn Jahren hat sich der Umsatz der elektromedi- zinischen Technik nahezu verdoppelt. Die Dominanz des Auslandsgeschäfts war damals noch mit einem Anteil des Auslandsumsatzes am Gesamtumsatz von 74% etwas geringer als heute mit 78%. Damit liegen die Gewichte ‒ anders als bei der Elektroindustrie insgesamt ‒ hier noch deutlicher auf dem Auslands- geschäft. Derzeit zählt die elektromedizinische Technik 33.100 Beschäftigte in Deutschland. Dies sind rund 4% der Gesamtbeschäftigten der Elektroindustrie. Innerhalb eines Jahrzehnts hat die elektromedizinische Technik 12.000 neue Arbeitsplätze in Deutschland geschaffen. Dies entspricht einem Zuwachs von mehr als 56%. Während die gesamte Elektro-Branche jährlich einen Umsatz von TEUR 211 pro Beschäftigten erzielt, sind es in der Medizintechnik TEUR 276 pro Kopf und Jahr. 2 In dieser statistischen Umschreibung sind im Wesentlichen folgende Produktklassen einge- schlossen, die in ihren Eigenschaften im Rahmen dieser Studie nicht alle weiter erläutert werden sollen: konventionelle Röntgengeräte (mobil / stationär), Computertomographen, Strahlenthera- piegeräte, Kernspintomographen, Ultraschalldiagnosesysteme, konventionelle nuklearmedizini- sche Anlagen und Positronenemissionstomographien, Endoskope, Elektrokardiographen, Blut- druckmessgeräte, Geräte zur Patientenüberwachung, Geräte für Ozon-, Sauerstoff- oder Aero- soltherapie, Geräte für Anästhesie, Herzschrittmacher, Ultraschalltherapiegeräte, Hörgeräte, Dentalbohrmaschinen, künstliche Nieren, Massagegeräte. Mit Conrad Röntgen fing es an 8 Mit der Entdeckung der X-Strahlen im Jahr 1895 durch Wilhelm Conrad Röntgen, fortan als Röntgen-Strahlen bezeichnet, begann das Zeitalter der bildgebenden Diagnostik in der Medizin. Erstmals bestand damit die Möglichkeit, Knochen und später auch Organe im menschlichen Körper sichtbar zu machen, ohne diesen operativ zu öffnen. Mit der Röntgentechnik, der Radiographie, stand somit bereits Anfang des 20. Jahrhunderts ein Projektionsverfahren zur Verfügung, das bis heute seine Bedeutung im Gesundheitssystem erhalten hat. Mit der Angiographie und der Verwen- dung von Kontrastmitteln wurde der Anwendungsbereich deutlich erweitert. Bei der modernsten Form der Röntgenanwendung, der Computertomographie (CT), werden drei-dimensionale Bilder erzeugt, indem eine Röntgen-Strahlenquelle und ein Detektor während der Untersuchung um den Patienten herum rotieren. Bei der jüngsten der drei grundlegenden Technologien, der erst seit den 1980er Jahren verbreiteten Kernspintomographie (MRT), befindet sich der Patient in einem starken Magnetfeld. Ein zusätzliches schwaches Magnetfeld regt die Protonen in den Wassermolekülen des Körpers an. Durch das gezielte Anregen dieser Moleküle können unterschiedliche Wassergehalte und damit verschiedene Gewebestrukturen sichtbar gemacht werden. Bereits mehr als 50 Jahre wird hingegen das strahlungsfreie und dynamische Verfahren der Ultraschalldiagnostik angewendet, das auf der Reflexion von Schallwellen beruht und im Gegensatz zu CTs und MRTs Schnittbilder in Echtzeit darstellt. 5 7 9 11 13 CZ PL CH AT NL GB IT CN FR US Quelle: ZVEI, 2012 Exporte der deutschen Elektroindustrie nach Abnehmerländern, 2011, EUR Mrd. China unter den drei größten Abnehmern 7 US 28 JP 9 CN 7 DE 4 Europa (ohne DE) 22 Asien (ohne CN, JP) 16 Amerika (ohne US) 7 sonstige 7 Quelle: ZVEI, 2012 insg. EUR 80 Mrd. USA weiterhin führend 9 Weltmarkt Elektromedizin, 2010, % 20 22 24 26 28 30 32 34 2002 2007 2011 Quelle: ZVEI, 2012 Beschäftigte der deutschen Elektromedizin, '000 Jobmotor Elektromedizin 10 Elektromedizin als Treiber im Gesundheitsbereich 6 | 8. November 2012 Aktuelle Themen Wie die Elektrotechnik insgesamt, so ist auch die deutsche Elektromedizin- Branche äußerst international ausgerichtet. Speziell das Geschäft mit den Nicht- EU-Ländern wird dabei immer bedeutender (s. Grafik 14). Die Branche erwartet, dass die Zahl der medizinischen Eingriffe und damit auch die Ausgaben für Ge- sundheit weltweit weiter steigen werden (s. Grafik). Diese Erwartung gründet auf den schon derzeit zu beobachtenden positiven Entwicklungen, hier insbesonde- re dem Handel mit den aufstrebenden Schwellenländern Asiens und Südameri- kas, sowie dem Handel mit Russland und mit den USA, welche die Verbesse- rung der bedarfsgerechten medizinischen Versorgung ihrer Bevölkerung auf ihre politischen Agenden gesetzt haben – mit all den länderspezifischen Unter- schieden im Nachfrageverhalten. Im Jahr 2011 hat die deutsche elektromedizinische Technik Produkte und Sys- teme im Wert von EUR 10,8 Mrd. exportiert. 3 Dies sind 7% der Gesamtausfuh- ren der heimischen Elektroindustrie und genau doppelt so viel wie noch vor einem Jahrzehnt. Dem standen Importe nach Deutschland von EUR 5,4 Mrd. gegenüber. 46% der Branchenausfuhren ‒ also etwa EUR 5 Mrd. ‒ werden in Europa abgesetzt, 28% in Amerika (EUR 3 Mrd.) und 21% in Asien (EUR 2,3 Mrd.). Noch im Jahr 2002 blieben 47% der Ausfuhren auf dem heimischen Kon- tinent, und ein Drittel ging nach Amerika, während Asien mit einem Anteil von erst 18% noch eine geringere Rolle für die Branchenexporte spielte als heute. Das nach wie vor wichtigste Abnehmerland für die elektromedizinische Technik aus Deutschland bleiben die USA mit einem Anteil an den Gesamtexporten der Branche von 22% ‒ weit vor China (7%), Russland (6%) und Frankreich (5%). Mit Exporten von EUR 5 Mrd. bedient Deutschland damit 29% des gesamten europäischen Marktes (Gesamtmarkt ohne Deutschland: EUR 16,9 Mrd.). Ge- genüber 2001 hat die deutsche Elektromedizin damit ihre Marktposition in Euro- pa um 8%-Punkte ausgebaut. Daneben haben sich auch die deutschen Exporte nach Asien in den letzten 10 Jahren vervierfacht. Während im gleichen Zeitraum der asiatische Markt für Elektromedizin von EUR 11,7 Mrd. auf EUR 25,4 Mrd. gewachsen ist, sich also mehr als verdoppelt hat, konnte der deutsche Marktan- teil weiter von 7% auf 9% gesteigert werden. Auch auf dem amerikanischen Markt für elektromedizinische Produkte und Systeme hat die deutsche Industrie ihre Marktposition deutlich verbessern können. Ihr Anteil am amerikanischen Markt, der sich derzeit auf EUR 28 Mrd. beläuft, hat sie von 6½% im Jahr 2001 auf zuletzt 10½% 2010 erhöht. 4 Treiber, Trends und Chancen in der Elektromedizin Wie im vorangegangenen Kapitel ausgeführt, umfasst die Elektrotechnik im Gesundheitsbereich eine große Spanne von Produkten und Verfahren, die weltweit retten, heilen, helfen und die Lebensqualität verbessern. Darüber hin- aus ist die Elektromedizin-Branche ein wichtiger Faktor für die gesamtwirtschaft- liche Entwicklung und die nachhaltige Finanzierbarkeit des Gesundheitssys- tems. So hat Schätzungen zufolge der medizintechnische Fortschritt allein im 3 Der mit EUR 10,8 Mrd. deutlich über dem Umsatz von EUR 9 Mrd. liegende Branchenexport erklärt sich dadurch, dass zum Umsatz nur diejenigen Betriebe melden, die schwerpunktmäßig zu diesem Wirtschaftszweig gehören. Branchenfremde Unternehmen, die in geringem Maße auch elektromedizinische Technik herstellen, werden hier mit ihrem Umsatzwert nicht erfasst. In die Exportwerte gehen dagegen neben den sog. Re-Exporten (das sind Exporte von importierten und nicht oder nur unwesentlich weiterverarbeiteten Erzeugnissen) auch alle grenzüberschrei- tenden Warenbewegungen ein, unabhängig von der Zugehörigkeit des exportierenden Unter- nehmens zu einem bestimmten Wirtschaftszweig. 4 Die Stellung der Elektromedizin auf ausländischen Märkten (bzw. ihre Marktposition) ist jeweils allein auf Basis der Exporte von Deutschland aus in diese Märkte berechnet worden. Gegebe- nenfalls zusätzlich vor Ort erfolgte Produktion konnte nicht berücksichtigt werden. 0 100 200 300 400 500 600 08 09 10 11 12 Ausland Inland Dynamik aus dem Ausland 11 Elektromedizin, Umsatz, EUR Mio. Quelle: Statistisches Bundesamt, 2012 0 1 2 3 4 5 IT JP CA UK FR DE US Ohne Systemänderungen steigen Kosten deutlich an 13 Quelle: IWF, 2010 Anstieg öffentlicher Gesundheitsausgaben 2010 vs. 2030, % - Punkte BIP 22,2 7,4 5,6 5,5 5 4,4 3,4 3,4 43,1 US CN RU NL FR JP IT GB sonst. China auf Platz zwei 12 Quelle: ZVEI, 2012 Exporte der Elektromedizin, 2011, Anteil in % Elektromedizin als Treiber im Gesundheitsbereich 7 | 8. November 2012 Aktuelle Themen Zeitraum 2000 bis 2008 in Deutschland zu einer Kosteneinsparung in Höhe von EUR 22 Mrd. geführt. 5 Dieses Einsparpotenzial wird u.a. dadurch umsetzbar, dass die moderne Elektromedizin die Prozesskette von Diagnose, Therapie sowie Rehabilitation optimiert, beschleunigt und sektorübergreifend aufstellt. So ist die Elektromedi- zin mittlerweile ein unverzichtbarer Teil der technischen Infrastruktur für moder- ne Gesundheitsversorgung. Die Technologie erhöht die Effizienz der Prozesse in der Gesundheitswirtschaft, erhöht die Volksgesundheit, reduziert die Verweil- dauer der Patienten 6 und ermöglicht die Versorgung am besten „Ort“. Dies ge- schieht beispielsweise dadurch, dass die Versorgung dort, wo es sinnvoll er- scheint, nicht mehr stationär, sondern ambulant und nicht zuletzt auch über die „dritte Säule“ Homecare, nämlich die Versorgung zu Hause, erfolgt. So hilft die Technologie dabei, die Kostenspirale im Gesundheitssystem zu durchbrechen und dabei dennoch die hohen und erweiterten Anforderungen an die Versor- gung zu gewährleisten. Branche innovativ ausgerichtet Deutlicher noch als die Elektrotechnik insgesamt profitiert die deutsche Elektro- medizin-Branche von ihrer Innovationsintensität. So sind die meisten Anmel- dungen beim Europäischen Patentamt der Medizintechnik zuzuordnen; ange- meldet wurden aktuell doppelt so viele Patente wie 10 Jahre zuvor. Dement- sprechend erzielen die deutschen Hersteller heute rund ein Drittel ihres Umsat- zes mit Produkten, die maximal 3 Jahre alt sind. Dabei investieren die Unter- nehmen in Deutschland grosso modo 9% ihres Umsatzes in Forschung und Entwicklung – also doppelt so viel wie der Durchschnitt des Verarbeitenden Gewerbes. Im Vergleich zu den US-amerikanischen Mitbewerbern ist dies zwar immer noch ein kleiner Anteil. Allerdings sind Forschungsinvestitionen hierzu- lande offensichtlich recht effizient eingesetzt. So können die innovativen Pro- dukte innerhalb des EU-weit umgesetzten Rechtsrahmens der Medical Devices Directive (MDD) dank eines im Vergleich zu den USA unbürokratischen Prüfver- fahrens recht schnell zur Marktzulassung kommen. Entsprechend stellen Josh Makower, u.a. fest, 7 dass die Unternehmen hierzulande ihre medizintechni- schen Produkte mit bis zu einem Sechstel des Kapitaleinsatzes und bis zu 3 Jahre früher zur Marktzulassung bringen als ihre US-amerikanischen Mitbe- werber. Eine weitere Ursache für diese Innovationskraft liegt sicherlich bei der Struktu- rierung des Innovationsprozesses. Für Deutschland typisch ist die enge Ver- zahnung zwischen Industrie, Wissenschaft und Anwendern, die sogenannte Translation. Wie im folgenden Text noch vertieft, sind hierzulande beispielswei- se die Kooperationen mit Lead-Usern, also trendführenden Anwendern, die die Entwicklung im Massenmarkt vorweg nehmen, besonders verbreitet. So gaben bei einer Umfrage des Verbandes Spectaris 72% der Medizintechnik- Unternehmen an, ihre Produkte in solchen Kooperationen voranzutreiben – 5 Die direkten Kosten beschreiben hier den unmittelbar mit einer medizinischen Behandlung, Re- habilitationsmaßnahme (inkl. Verwaltungskosten) zusammenhängenden Kapitaleinsatz im Gesundheitswesen. Demgegenüber beschreiben die indirekten Krankheitskosten den mittelbar mit der Erkrankung zusammenhängenden Ressourcenverlust (z.B. infolge von Arbeitsunfähigkeit, Invalidität und vorzeitigem Tod). Die Quantifizierung fällt dabei oft recht schwer. Vgl. Henke, Klaus-Dirk, u.a. (2011). Innovationsimpulse der Gesundheitswirtschaft – Auswirkungen auf Krankheitskosten, Wettbewerbsfähigkeit und Beschäftigung. Berlin. 6 Beispielsweise stellt Stephanie Domer fest, dass sich die Verweildauer nach einer Hüft- Totalendoprothesenimplantation mit moderner Medizintechnik von durchschnittlich 13,5 auf 7 Krankenhaustage senken lässt. Vgl. Domer, Stephanie (2009): Ergebnisse in der mittleren Reha- bilitationsphase nach Hüfttotalendoprothesenimplantation in MIS-Technik im Vergleich zum Standardverfahren. Inauguraldissertation. Bochum. 7 Vgl. Makower, Josh, u.a. (2010). FDA impact on U.S. medical technology innovation: A Survey of over 200 medical technology companies. Stanford. Translation hilft 0 100 200 300 400 500 08 09 10 11 12 Umsatz m. Eurozone Umsatz m. sonst. Ausland Quelle: Statistisches Bundesamt, 2012 Elektromedizin, Auslandsumsatz, EUR Mio. Konvergenz am aktuellen Rand 14 Elektromedizin als Treiber im Gesundheitsbereich 8 | 8. November 2012 Aktuelle Themen insbesondere zusammen mit Ärzten und medizinischem Pflegepersonal. 8 Der Erfolg dieser Maßnahme rührt dann zum einen aus der Abfrage der Bedürfnisse der Anwender, zum anderen aber auch aus der Mund-zu-Mund-Propaganda zufriedener Anwender in interessierten Fachkreisen. Standort Deutschland positiv bewertet Ein solch hohes Innovationstempo ist nur zu erreichen, wenn etliche günstige Standortfaktoren zusammenkommen. Neben den rechtlichen Rahmenbedin- gungen und der staatlichen Förderung sind dies auch die Faktoren Arbeit und Infrastruktur. Zudem kommen mehr als ein Drittel der Elektromedizin-Unter- nehmen in Deutschland in den Genuss staatlicher Förderung. Darauf aufbauend spricht für den Standort, dass es hierzulande eine zur wissensintensiven Elektromedizin passende Gesamtheit an gut ausgebildeten Fachkräften gibt; bis hin zu hoch spezialisierten Ingenieuren und Ärzten – wenn auch nicht jederzeit in jeder Ausrichtung und an jedem Ort in völlig ausreichender Zahl. Dabei ist auf dem Weg von der Innovation hin zur Marktzulassung die Nähe zu angrenzen- den leistungsfähigen Branchen – in Deutschland insbesondere auch zum Ma- schinenbau – für die Elektromedizin vorteilig. Neben den Arbeitskräften zeichnet sich der Standort Deutschland sicherlich auch durch seine gute Infrastruktur aus. Zunächst sind es die klassischen Infra- strukturbereiche, wie Energie und Verkehr, die hier ins Auge fallen. So ist bei- spielsweise die Herstellung von elektromedizinischen Erzeugnissen auf versor- gungssichere Energienetze angewiesen. Die physischen Güter benötigen dann ein hinreichend gutes und umfassendes Verkehrsnetz (insb. Straßen, Schiene, Luftverkehr), um innerhalb der Wertschöpfungskette weiter zu gelangen. Hier kann der Produktionsstandort Deutschland mit seiner Infrastrukturausstattung und nicht zuletzt auch mit seiner zentralen Lage in Europa zweifelsohne punk- ten. Neben diesen klassischen Infrastrukturbereichen werden nicht zuletzt leistungs- fähige Datennetze bedeutender. Insbesondere in global aufgestellten, wissens- intensiven Branchen wie der Elektromedizin kommt es darauf an, dass Informa- tionen schnell und zuverlässig ausgetauscht werden können (s. Box 15). Dazu passend, stellen die Elektromedizin-Unternehmen dem Standort Deutsch- land gute Noten aus. Vom BVMed gefragt nach den Standortvorteilen, nennen aktuell 58% der Unternehmen die Infrastruktur, 47% die schnelle Marktzulas- sung, 44% gut ausgebildete Ärzte und 42% die hochwertige klinische For- schung. 8 Vgl. Bohnet-Joschko, Sabine und Jandeck, Lisanne M. (2011). Erfolg durch Innovation: Das Innovationsmanagement der deutschen Medizintechnikhersteller. Berlin. Infras truktur zeichnet Standort Deutschland aus Elektromedizin braucht moderne Netze Moderne Elektromedizin braucht zuverlässige moderne Kommunikationsnetze 15 Elektromedizinische Produkte bauen im Einsatz immer mehr auf zuverlässige hoch-leistungsfähige Kommunikationsnetze – insbesondere auch in ländlichen Gebieten. Allerdings sind Kapazitätseng- pässe im Datennetz keine ferne Utopie, sondern angesichts des ständig steigenden IP-Volumens absehbare Realität. Im Wissen um die gesellschaftliche und wirtschaftliche Bedeutung einer hinreichenden Breitband- versorgung formulierte die EU-Kommission ambitionierte Ausbauziele, die mit enormen Investitionen verbunden sind. Dabei legt Deutschland die eigene Latte nochmal höher und strebt bis 2018 einen Internet-Zugang mit 50 Mbit/s für alle deutschen Haushalte an. Die Erreichung dieses Zieles setzt insbesondere in den östlichen, ländlich geprägten Bundesländern wesentliche Anstrengungen vor- aus. Diesen Investitionsbedarf taxiert die Europäische Investitionsbank (EIB) in ihren eher konserva- tiven Schätzungen für die Europäische Union insgesamt auf mehr als EUR 220 Mrd. (vgl. Heng, Stefan (2011). Netzneutralität: Innovation und Differenzierung keine Antipoden. Deutsche Bank Research, E-conomics 86. Frankfurt am Main). Elektromedizin als Treiber im Gesundheitsbereich 9 | 8. November 2012 Aktuelle Themen Etliche Trends treiben die Entwicklung Die Grenzen zwischen Elektromedizin und IT, Biotechnologie, optischer Tech- nologie, Nanotechnologie, Mikrosystemtechnik und Mikroelektronik verschwim- men. Dabei eröffnen sich insbesondere Einsatzfelder in den medizinischen Teil- bereichen der Orthopädie (z.B. Wirbelsäulenchirurgie), der Kardiologie (z.B. minimal-invasive Operationsverfahren) und der Inneren Medizin (z.B. Endosko- pie). Dies zeigt sich beispielsweise bei der interventionellen Elektromedizin (z.B. sprachgesteuerte Roboter-assistierte Interventionen) 9 , dem Neuroengineering (z.B. implantierte Neurostimulation bei Parkinson oder Epilepsie), der Zell- und Gewebetechnik (z.B. mitwachsende Herzklappen), den neuen bildgebenden Verfahren (z.B. Phasenkontraströntgen) sowie der Telemedizin (z.B. computer- assistierte Diagnostik und Therapieplanung). Auf die hier relevanten Treiber, die unter den Überschriften Wirtschaftlichkeit und mobile Technologie zusammen- gefasst werden können, wollen wir im Folgenden näher eingehen. 9 Interventionell bezeichnet ein Vorgehen, bei dem der Eingriff äußerst gezielt und mit lediglich kleinen Nebeneffekten möglich ist. Innovative Medizintechnik in der Praxis angekommen 1 7 Fallbeispiel 1: Verbreitete Innovationen der Elektrochirurgie Die angespannte Kostensituation im Gesundheitssystem macht es erforderlich, dem chirurgischen Anwender optimale Instrumente zur Verfügung zu stellen, die einen schnellen und zuverlässigen Therapieerfolg gewährleisten und die dadurch entstehenden Kosten zu minimieren. Bei jedem ope- rativen Eingriff steht eine sichere und schnelle Blutstillung im Vordergrund. Sie stellt durch die damit verbundene schnelle Genesung einen großen Vorteil für den Patienten sowie einen wirtschaftlichen Vorteil für das Krankenhaus dar. Des Weiteren ist eine Blutstillung mit einer anschließenden Gewebedurchtrennung ohne Instrumen- tenwechsel ein Vorteil, der kürzere OP-Zeiten und dadurch eine Kostenersparnis zur Folge hat. Die Kosten können durch den Wegfall von Einmalmaterialien wie Clips oder Nahtmaterial zusätzlich gesenkt werden. Seit einiger Zeit gelingt es, Blutgefäße und Gewebsbündel unter Nutzung bipolarer Hochfrequenzströme sicher und schnell zu versiegeln. Da die Wundheilung schneller erfolgt und sowohl die Komplikationen als auch die Behandlungskosten erheblich geringer ausfallen, profitiert das Krankenhaus in mehrfacher Hinsicht. Erfolgreich verbreitet ist auch die Wasserstrahl-Dissektion, bei der durch Druck ein feiner Wasser- strahl erzeugt wird, der zum Durchtrennen von Gewebe verwendet wird. Durch das Prinzip zur Erzeugung des Wasserstrahls ist es gelungen, kompakte, leichte und einfach zu bedienende Sys- teme zu entwickeln. Ein prinzipbedingter Vorteil der Wasserstrahldissektion ist die unterschiedliche Empfindlichkeit verschiedener Gewebearten gegenüber dem Dissektionsstrahl und die damit ver- bundene Möglichkeit, durch Regulierung des Drucks bzw. Volumenstroms bestimmte Gewebe zu trennen, während andere erhalten bleiben. Durch die Verwendung natürlicher Medien zur Gewebe- trennung, wie beispielsweise physiologischer Kochsalzlösung, wird der biologische Zellhaushalt nicht belastet. Durch die Anwendung selbst, der Applikation des Flüssigkeitsstrahls, entstehen keine thermischen Nebeneffekte (vgl. ZVEI, Spectaris, u.a. (2010). Das Einsparpotenzial innovativer Me- dizintechnik im Gesundheitswesen. Berlin.). Fallbeispiel 2: Potenzial für Krebsbehandlung mittels PET-CT Betrachtet man für Krebserkrankungen die Diagnose- und Therapieoptionen und die Auswirkungen auf die Kosten im Gesundheitssystem, wird das Spannungsfeld zwischen zunehmenden medizini- schen Möglichkeiten und der begrenzten gesellschaftlichen Finanzierungsbereitschaft dieser Leis- tungen deutlich. Die Fortschritte in der Früherkennung und in der zielgenauen Kontrolle von Thera- pieerfolgen sind groß. Die Positronen-Emissionstomographie (PET) gehört dabei zu den kostspie- ligsten bildgebenden Verfahren in der modernen Medizin. Eine Ganzkörper-PET/CT mit einem Hybridgerät aus PET und Computertomographie kostet in Deutschland beispielsweise mehr als doppelt so viel wie eine Ganzkörper-Kernspintomographie. Die GKV in Deutschland übernimmt die Kosten für eine PET-Untersuchung im Gegensatz zur Praxis in anderen europäischen Staaten in der Regel nur, wenn der Patient stationär aufgenommen bzw. behandelt wird. Seit 2007 werden in Deutschland die Kosten einer PET-Untersuchungen für die Diagnostik des nichtkleinzelligen, seit 2009 auch des kleinzelligen Lungenkarzinoms (NSCLC) von den gesetzlichen Krankenkassen übernommen, jedoch existieren noch keine EBM-Nummern (EBM = Einheitlicher Bewertungsmaßstab), so dass die routinemäßige Abrechnung sich immer noch schwierig gestaltet. Der GBA (GBA = Gemeinsamer Bundesausschuss) hat für den Fall eines unkla- ren Resttumors die PET/CT als Regelleistung im ambulanten Bereich der gesetzlichen Krankenkas- sen eingeführt. Mit PET-CT mehr erkennen 16 Quelle: Siemens AG Healthcare Sector Elektromedizin als Treiber im Gesundheitsbereich 10 | 8. November 2012 Aktuelle Themen Wirtschaftlichkeit rückt bei Diagnose, Therapie, Rehabilitation und Strukturen verstärkt in den Fokus Der Kostendruck im Gesundheitssystem bringt weltweit neue Technologien, neue Strukturen und neue Geschäftsmodelle hervor– vor allem in den wohlha- benden Industrienationen mit ihren alternden Gesellschaften und oftmals hoher Staatsverschuldung. Die Elektromedizin ist hier gefragt, zur Entlastung des Gesundheitssystems beizutragen. Der Schlüssel liegt sicherlich in der Therapie und Rehabilitation, nicht zuletzt aber auch in der Diagnostik. So kann die Effizienz der Gesundheitswirtschaft dadurch steigen, dass die Technologie operative Eingriffe erleichtert. Über diese Erleichterung verringern sich Pflegebedarf und -kosten; und nicht zuletzt wird dem Patienten nach dem Eingriff wieder wesentlich schneller ein selbstbestimmtes Leben möglich. Bei- spielsweise sind dank der Elektromedizin heute Implantationen künstlicher Ge- lenke üblicherweise Routineeingriffe. Solche Eingriffe bringen dem Patienten einen Teil verlorener Lebensqualität zurück und verringern die Abhängigkeit von der Hilfe Dritter. Hier kann die Elektromedizin also Patient und Gesundheits- system gleichermaßen helfen. Wie alle Betriebe im Wettbewerb benötigen aber auch Unternehmen der Gesundheitswirtschaft politisch gesetzte Rahmenbedingungen, die Planungssi- cherheit und Transparenz sowie ein Mindestmaß an Vorlauf und Zeit garantie- ren. So können sie unternehmerisch planen und in Forschung und Entwicklung, in Arbeitsplätze und in die Produktionsmittel bzw. neue Medizintechnik investie- ren. Der Investitionsstau im öffentlichen Gesundheitsbereich erfordert eine Mo- dernisierung der Entgeltsysteme für Kliniken und Ärzte, die auf Dauer die Finan- zierung der notwendigen Investitionen aus den Einnahmen erlaubt. Im zunehmend privatisierten Gesundheitsbereich dagegen gibt es in Deutsch- land einen aktuellen Trend zur Fusion von Krankenkassen und Krankenhäu- sern. 10 Damit entstehen kapitalstärkere Einheiten, die notwendige Projekte auf höherer Ebene und mit größerem finanziellem Hintergrund schneller durchfüh- ren können. 11 Dies gilt umso mehr, als die Zahl der spezialisierten privaten Krankenhäuser, die nötige Investitionen in moderne Technologie eher stemmen können, zunimmt. In dieser Gesamtsituation entdecken Patienten und Ärzte immer stärker auch ihre Verantwortung für die Wirtschaftlichkeit des Gesundheitssystems. Bei- spielsweise sprechen 80% der aktuell von der Unternehmensberatung Bain & Company befragten Ärzte davon, dass sie die Kostensenkung im Gesundheits- system als einen Teil ihrer Verantwortung begreifen. Daneben wächst bei den privaten Verbrauchern mit zunehmendem Gesundheitsbewusstsein auch die Bereitschaft, für das eigene Wohlergehen und die eigene Gesundheit – auch präventive – Leistungen außerhalb des Katalogs der Krankenkassen selbst zu zahlen. Entsprechend wird bei diesem aufgeklärt verantwortungsbewussten neuen Typus von Patienten die Kommunikation und Information immer wichti- ger. Die Demografie eröffnet der Branche nachfrageseitig neue Potenziale. Denn mit zunehmendem Durchschnittsalter, hinreichendem Vermögen und nicht zuletzt wachsendem Gesundheitsbewusstsein steigt in den wohlhabenden In- dustrieländern auch direkt die Nachfrage nach Gesundheitsleistungen. Doch die Elektromedizin eröffnet nicht nur bei der Therapie und Rehabilitation, sondern auch bei der Diagnostik große Verbesserungsmöglichkeiten. Denn tatsächlich braucht es zunächst moderne Diagnostik, um schneller zu genauen 10 Vgl. Bräuninger, Dieter und Antje Stobbe (2012).Gesundheitswirtschaft: Weiteres Aufwärtspoten- zial, Aktuelles Thema. Frankfurt am Main. 7. November 2012. 11 In den letzten zehn Jahren schrumpfte die Zahl der Krankenhäuser in Deutschland um mehr als 180. Betroffen waren dabei insbesondere die Krankenhäuser der kommunalen Gebietskörper- schaften. Es ist zu erwarten, dass sich dieser Trend weiter fortsetzt. So könnten mittelfristig meh- rere hundert deutsche Krankenhäuser von dieser Konsolidierungswelle betroffen sein. Technik kann helfen, verlorene Lebensqualität zurück zu bringen Kapitalstärkere Einheiten können Innovation voranbringen Nachfrage nach Gesundheits - leistung en verändert sich Elektromedizin als Treiber im Gesundheitsbereich 11 | 8. November 2012 Aktuelle Themen Befunden und damit auch zu passenden Therapiemaßnahmen zu gelangen. Beispiele für moderne Elektromedizin, die über die neuen Möglichkeiten in der Diagnostik zur Entlastung des Gesundheitssystems beitragen, finden sich ins- besondere bei der modernen Zell- und Gewebetechnik, der Computer Assistier- ten Diagnose (CAD), der optischen Biopsie und der medizinischen Bildverarbei- tung. Dabei geht es beispielsweise um endoskopische Verfahren mit feinfühli- gen Sensoren und Navigationssystemen, die dem Arzt in nahezu Echtzeit not- wendige Informationen liefern. 12 Letztlich bietet die Elektromedizin vielfältige Ansatzpunkte, zahlreiche Prozesse im Gesundheitsbereich neu zu gestalten. Pilotprojekte, wie am Universitätsklini- kum Hamburg-Eppendorf zeigen heute schon, dass Innovationen wie die pa- pierlose Klinik oder Managementsysteme zum Einsatz steriler Instrumente 13 erhebliche Kostensenkungen ermöglichen. 14 Darüber hinaus zeichnet sich in der Praxis ab, dass Krankenhäuser dazu übergehen, ihre IT-Ressourcen orga- nisatorisch zusammenzulegen. Dies könnte perspektivisch auch in sehr weitrei- chenden innovativen Lösungen geschehen, wie sie heute beispielsweise im Umfeld des Cloud Computing angepriesen werden. 15 Wachsende Nachfrage aus den Emerging Markets nach Elektromedizin Wie viele andere Branchen hat auch die Elektromedizin in den vergangenen Jahren von der wachsenden Nachfrage aus den Emerging Markets profitiert. Auch wenn aktuell die Weltkonjunktur schwächer läuft, erwarten wir doch, dass die strukturelle Dynamik bei den Investitionen und beim Konsum anhält. Dafür spricht vor allem die wachsende Mittelschicht (s. Grafik), z.B. in den asiatischen Ländern, die mehr langlebige Konsumgüter und höherwertige Dienstleistungen nachfragt. Gleichzeitig wird die Infrastruktur in diesen Ländern ausgebaut, nicht zuletzt, um die stark wachsende Bevölkerung in den Städten zu versorgen. Von dieser Entwicklung dürfte die Nachfrage nach elektromedizinischen Produkten auch künftig profitieren. Dabei wird die Nachfrage auf den internationalen Märkten von zwei Trends do- miniert, die sich überlagern. Einerseits bestimmt die unterschiedliche Einkom- mensentwicklung und -verteilung den Bedarf und die Kaufkraft, den wesentliche Teile der jeweiligen Bevölkerung ausmachen. Insofern ist nicht immer das High- End-Gerät die optimale Lösung zur Versorgung breiter Bevölkerungsschichten. Andererseits ist es aber die Zielsetzung gerade in Schwellenländern, beim Auf- bau moderner Strukturen die Vorteile heutiger Technologien unmittelbar zu nut- zen und in effiziente Prozesse umzusetzen. Überkommene Strukturen müssen dazu nicht erst überwunden werden, da sie teilweise noch gar nicht existieren. Die Implementierung moderner Prozesse ist also ein generelles Merkmal, wäh- rend die produkttechnische Ausstattung von Land zu Land und je nach gesund- heitspolitischem Leitbild durchaus variieren kann. Technologie macht mobil Die Chancen für die Elektromedizin steigen nochmals, wenn die Nutzung schnell und bequem erscheint. Dies gilt umso mehr, wenn die Anwendungen sowohl im dienstlichen als auch im privaten Umfeld eingesetzt werden. Solche 12 Vgl. Lenkeit, Daniel (8.12.2011). Moderne Diagnostik verspricht gezieltere Behandlung und ge- ringere Kosten. Pressemitteilung. Germany Trade & Invest. Berlin. 13 Vgl. Kraft, Marc (2010). Effektives Prozessmanagement mit innovativer Medizintechnik. Berlin. 14 Spectaris schätzt das Einsparpotenzial in Deutschland allein für sterile Instrumente auf rund EUR 100 Mio. Vgl. Spectaris, u.a. (2010). Das Einsparpotenzial innovativer Medizintechnik im Gesundheitswesen. Berlin. 15 Vgl. Heng, Stefan und Stefan Neitzel (2012). Cloud Computing: Freundliche Aussichten für die Wolke. Deutsche Bank Research. E-conomics. Frankfurt am Main. Pilotprojekte deuten Potenzial an 0 1 2 3 4 5 6 7 Ostasien Osteuropa Latein - amerika Südasien 2000 2030 3X 13X Mittelklasse, % des Welteinkommens Quelle: Weltbank Asiens Mittelklasse wächst am schnellsten 18 Elektromedizin als Treiber im Gesundheitsbereich 12 | 8. November 2012 Aktuelle Themen Innovationen sind deshalb besonders aussichtsreich, weil sie durch die Anwen- der getrieben werden und nicht von den Anbieterunternehmen. Ein hervorstechendes Beispiel für solche neuen Nutzungsmöglichkeiten, die aus dem privaten Bereich – dort sogar mit spielerischem Vergnügen – in den dienst- lichen diffundiert, sind Apps für Smartphones und Tablet-PCs. So gibt es immer mehr Apps für den medizinischen Bereich, die vom medizinischen Personal genutzt werden. Beispielsweise können Krankenhausärzte über diese moderne Technologie nun auf die digitale Patientenakte des Krankenhausinformations- systems zugreifen und sich so den Umgang mit der papiergebundenen Patien- tenakte ersparen. Auch bremsende Faktoren in Sicht Neben den diversen positiven Aspekten bestehen auch Hemmnisse im Markt- umfeld. Beispielsweise gaben jeweils zwei von fünf Unternehmen der aktuell von Spectaris befragten Unternehmen in Deutschland an, dass die Aufwendun- gen, die sich aus der allgemeinen Gesetzgebung für Medizinprodukte und der Zulassung neuer Produkten ergeben, ihre Marktentwicklung bremsen. Daneben nannte nur jedes sechste Unternehmen problematische Kooperationen bzw. jedes zehnte Unternehmen eine ungenügende öffentliche Förderung als Brem- ser. Hier kann die staatliche Unterstützung im Bereich der Forschung und Ent- wicklung insbesondere den kleinen mittelständischen Unternehmen helfen. Auf die hier mitschwingenden wichtigen bremsenden Faktoren, nämlich hinsicht- lich der Finanzierung bei Großprojekten (Verantwortung für Anschaffungs- und Betriebskosten), des Fachpersonal-Pools und der Wirtschaftskrise wollen wir im Folgenden näher eingehen. Beschränkte Möglichkeiten zur Finanzierung von Investitionen bedingen Investitionsstau im Inland Speziell in Deutschland verhindert der Rechts- und Vergütungsrahmen oftmals, dass die öffentlichen Träger ihrem Auftrag zur Innovation im Gesundheitsbe- reich hinlänglich nachkommen können. Daher bedarf es dringend investitions- freundlicher Vorgaben. Wie im Folgenden noch vertieft, geht es dabei insbe- sondere darum, die hemmende Trennung zwischen dem Träger der Investiti- onskosten und dem der Betriebskosten, also die sogenannte Dualistik im Kran- kenhaus-Bereich, abzubauen. Obgleich von Seiten der Gesundheitspolitik aktuell die hinlänglich stimulieren- den Effekte absehbar noch ausbleiben, sollte künftig ein monistischer Ansatz verfolgt werden, wonach eine Investitionskomponente in den Fallpauschalen- katalog des DRG-Systems (DRG: Diagnosis Related Groups) verankert wird. Ergänzend könnte es bei Großinvestitionen für Krankenhäuser nicht mehr not- wendig sein, mit den Krankenkassen bezüglich der Finanzierung jeweils Son- dervereinbarungen aushandeln zu müssen. Insofern sich mit dem Rechtsrah- men auch die Kassenlage bei den Gesundheitseinrichtungen verbessert, könn- ten lange hinausgeschobene Projekte schneller umgesetzt werden. Dazu passend ist im deutschen Gesundheitssystem derzeit ein Investitionsstau auszumachen, der die Entwicklung des Gesundheitsbereiches bremst. Aktuell taxiert der Branchenverband ZVEI den Investitionsstau allein für die Medizin- technik in deutschen Krankenhäusern auf EUR 15 Mrd. Das innovationshem- mende Vergütungssystem der Krankenkassen und die enge Kassenlage der öffentlichen Haushalte erschweren die Realisierung von gesundheitlich und wirtschaftlich sinnvollen Großprojekten. Finanzierung, Fachpersonal und Wir t- schaftsentwicklung wichtige Faktoren Dualistik kritisch für die Innovati on Vergütungssystem unter die Lupe nehmen Elektromedizin als Treiber im Gesundheitsbereich 13 | 8. November 2012 Aktuelle Themen Vereinheitlichung der IT-Landschaft mit Hindernissen Wie angemerkt, wird mit der Innovation bei Produkten und Prozessen auch eine Umgestaltung und Konsolidierung bei den IT-Landschaften einhergehen. Mit übergreifenden großen Lösungen sollen Skalenerträge erzielt werden. Doch dabei tauchen wesentliche grundsätzliche Herausforderungen auf. Zum einen hat sich bei den medizinischen IT-Netzen bislang kein Standard durchgesetzt. Eine Zusammenlegung könnte mit großem Aufwand bei der Pro- grammierung der Schnittstellen zwischen den einzelnen Teilbereichen verbun- den sein und darüber auch die Stabilität und Leistung des Gesamtsystems re- duzieren. Die in der EU eingeführten internationalen Normen IEC 80001-1 („Risk Management for IT-Networks incorporating Medical Devices“) und ISO/IEC 27001 (Information technology – Security techniques – Information security management systems – Requirements) 16 definieren zusammen speziell für das medizinisch genutzte IT-Netz die Anforderungen an ein Informations- sicherheits-Management-System bezüglich der IT-Risiken (speziell System- und Datenschutz). Die darauf aufbauenden Angebote in der Praxis müssen aber noch ankommen. Zum anderen besteht auf dem Weg zur weiträumigen Zusammenlegung der IT- Landschaften die Gefahr, dass große Anbieter ihre Systeme proprietär anlegen und darüber versuchen, ihre Lösungen als Standard durchzusetzen. Anzeichen 16 Die internationale Norm ISO/IEC 27001 (Information technology – Security techniques – Informa- tion security management systems – Requirements) definiert die Anforderungen an ein Informati- onssicherheits-Management-System eines gesamten Unternehmens hinsichtlich IT-Risiken. Krankenkassen sollten Fortschritt und Kostenbewusstsein fördern 1 9 Die aktuelle Struktur der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) behindert tendenziell eine d y- namische Entwicklung der Gesundheitswirtschaft über einen Wettbewerb innovativer Produkte, Dienstleistungen und Lösungen. Die Kostenübernahme für medizinische Leistungen wird im Lei s- tungskatalog der GKV fest gelegt. Über die Aufnahme in diesen Leistungskatalog entscheidet in Deutschland der Gemeinsame Bundesausschuss (GBA), ein Organ der Selbstve rwaltung, best e- hend aus Vertretern von Kassen und Kliniken. Nicht aufgeführte Leistungen können im ambulanten Bereich (sog. EBM - Ziffern) nicht abgerechnet werden, im Klinikbereich gilt der sogenannte Verbot s- vorbehalt. So bieten zwar die Vergütungsniveaus f ür bereits bestehende Verfahren die Möglichkeit, neuere Methoden in Krankenhäusern abzurechnen, wenn auch ohne Innovationsprämie. Dennoch ist die Trennung in den Abrechnungswegen für ambulante und stationäre Leistungen ein Kardina l- problem der deutschen Sys tematik. Integrative Anreize fehlen in der Vergütung, die beiden Sektoren bleiben somit künstlich getrennt. Innovationen könnten im Grunde genommen weitreichende Au s- wirkungen auf Abläufe über die Sektorengrenzen hinaus haben, die aber in den Entgeltsysteme n nicht berücksichtigt werden und deshalb tendenziell unterbleiben. Die derzeit geplante Erprobungsregelung für neue medizinische Produkte und Verfahren hat das Potenzial, die Erzeugung von Daten zur Kosten - Nutzen - Bewertung zu beschleunigen oder übe r- haupt erst zu ermöglichen. Darüber hinaus haben Kassen die Möglichkeit, eigenständig Vergütu n- gen über das im Katalog definierte Maß hinaus mit Leistungserbringern zu vereinbaren (Selektivve r- träge). Das vermehrte Zusammengehen von Kassen zu größeren Verbünden kön nte dazu führen, dass diese Spielräume künftig stärker aus geschöpft werden. Entsprechend könnte eine innovation s- freundlichere Ausgestaltung des Vergütungssystems mit einer größeren Wahlfreiheit der Versiche r- ten – auch hinsichtlich E - Health, Telemedizin, Ho mecare bei älte ren bzw. chro nisch kranken Me n- schen (vgl. Heng, Stefan (2009). Altersgerechte Informationstechnik auf dem Vormarsch. Deutsche Bank Research, E - conomics 74. Frankfurt a.M.) – und einer Mehrkostenregelung beim Leistungsk a- talog auch die Dynamik der inländischen Nachfrage nach Elektromedizin nachhaltig erhöhen. Seit Einführung des diagnosebasierten Fallpauschalensystems (DRG - Katalog) zur Vergütung med i- zinischer Leistungen im Bereich öffentlicher Kliniken sind den Erlösmöglichkeiten der Krankenhä u- ser pro Patient Grenzen gesetzt. Die Wirtschaftlichkeit eines Klinikbetriebs hängt deshalb mehr als zu Zeiten der Pflegesätze davon ab, die Kostenstrukturen unterhalb der Einnahmen über DRGs zu stabilisieren. Dazu ist es sowohl beim Einsatz von Produkten, also einem Einzelschritt in der Ve r- sorgungskette, als auch bei den übergreifenden Prozessen im Klinikalltag wichtig, Ausgaben zu reduzieren. In einer mehrjährigen Studie konnten die Verbände ZVEI und Spectaris (vgl. Spectaris und ZVEI (2011). Einsparpotent ial innovativer Medizintechnik im Gesundheitswesen. Berlin.) für rund 40 Beispi ele in novativer medizintechnischer Verfahren ein Einsparpotenzial von deutlich über EUR 4 Mrd. für Deutschland aufzeigen. Einheitliche Schnittstellen helfen Elektromedizin als Treiber im Gesundheitsbereich 14 | 8. November 2012 Aktuelle Themen einer solchen blockierenden proprietären Strategie sind laut Spectaris bei- spielsweise bei den vernetzten Operationssystemen bereits wahrzunehmen. Ebenso gibt es in der Medizintechnik aber eine vergleichsweise enge Abstim- mung von Industrie und Anwendern. Dabei zeigen sich Entwickler flexibel in der Fähigkeit, die klinischen Erfordernisse zu berücksichtigen. Gleichzeitig ist es für die Nutzer von innovativen Geräten eine gute Chance und Erfahrung, frühzeitig mit neuen Technologien zu trainieren. Beispielgebend für dieses Miteinander ist die auf deutscher wie auf internationaler Ebene erfolgreiche Initiative „Integrating the Healthcare Enterprise (IHE)“, bei der das Zusammenspiel unter- schiedlicher Technologien im klinischen Alltag auf Basis existierender Standards beherrschbar gemacht wird. Das mit ZVEI-Beteiligung stattfindende IHE-Projekt kann wesentlich die Investitionssicherheit und die Effizienz der Versorgungspro- zesse im Krankenhaus erhöhen. Neugestaltung braucht Fachpersonal Der demografische Wandel wirkt angebots- und nachfrageseitig gegenläufig auf die Elektromedizin. Wie beschrieben, wächst einerseits in einer alternden Ge- sellschaft die Nachfrage nach Elektromedizin-Produkten. Andererseits aber kann der demografische Wandel die Branchenentwicklung schon allein dadurch belasten, weil in einer schrumpfenden überalterten Gesellschaft gut ausgebilde- te Fachkräfte rar sein werden. Dieser Trend trifft die Elektromedizin umso mehr, als hier bei der Gestaltung des Wandels kreative Köpfe besonders gefragt sind – noch mehr als in bereits lang etablierten Branchen. Fehlen diese kreativen Köpfe, dann braucht es länger, bis neue Produkte marktreif werden; schlimms- tenfalls bleiben Innovationen sogar ganz aus. Eine solche Verringerung des Arbeitsangebotes würde für die Branche und letztlich auch für den Standort vehemente Nachteile mit sich bringen. Dies ist umso bedenklicher, als sich in Deutschland heute bereits ungünstige Vorboten ausmachen lassen. So liegt das Durchschnittsalter der in der deutschen Elektro- industrie erwerbstätigen Ingenieure bei 46 Jahren; mit weiter steigender Ten- denz. Damit sind heute 62% der Ingenieure älter als 40 Jahre (s. Grafik). Dane- ben steht den rund 10.000 Elektroingenieuren, die ihr Studium erfolgreich ab- schließen, gemäß ZVEI jährlich ein Bedarf von 14.000 gegenüber. Der Fach- kräfteengpass dürfte sich bis 2020 somit nochmals deutlich verschärfen. Zahlungsausfälle als Herausforderung Über all diese längerfristigen Trends hinaus stehen insbesondere kleine mittel- ständische Medizintechnik-Unternehmen regelmäßig vor der Herausforderung, dass mit der aktuellen Finanzkrise in der stark exportorientierten Elektromedizin die Zahlungsausfälle der Nachfrager verstärkt in den Fokus rücken. Hierbei verweist der ZVEI darauf, dass insbesondere bei Geschäften mit südeuropäi- schen Abnehmern auch vor der Finanzkrise bereits Zahlungsfristen von 1,5 Jahren üblich waren, sich allerdings mit der Krise die Situation der Anbieter nochmals deutlich verschlechtert hat. Die verspäteten und oft auch unvollstän- digen oder gar völlig ausbleibenden Zahlungen belasten die exportorientierte Demografie als zweis chneidiges Schwert 2 1 Die durchschnittliche Lebenserwartung der deutschen Bevölkerung nimmt dank besserer medizini- scher Vorsorge weiter zu. Damit steigt die Zahl der über 65-Jährigen (rd. 6 Mio. mehr Alte bis 2050 gg. 2012). Demgegenüber schrumpft die Bevölkerungszahl in Deutschland auch heute schon. Von derzeit rd. 82 Mio. dürfte die Bevölkerungszahl bis 2020 auf 80 Mio. und bis 2050 auf 69 Mio. sinken (s. Grafik). 74 76 78 80 82 84 95 99 03 07 11 15 19 23 27 31 35 * Variante 1-W1 (mittlere Bevölkerung, Untergrenze) Quelle: Statistisches Bundesamt Nach 2003 fallend 20 Bevölkerung in Deutschland, Mio.* 0 20 40 60 80 100 2000 2004 2008 2012 2016 2020 80+ 65 - 80 40 - 65 20 - 40 0 - 20 Anteil der über 65 - Jährigen an Bevölkerung steigt 22 in % Variante 1: Wanderungssaldo 100.000 Personen p.a. Quelle: Statistisches Bundesamt, 2009 10% 28% 37% 25% bis 30 31 - 40 41 - 50 über 51 Altersstruktur deutscher Elektroingeneure, % Stand: 2009 Quelle: ZVEI, 2012 Verrentungswelle voraus 23 Elektromedizin als Treiber im Gesundheitsbereich 15 | 8. November 2012 Aktuelle Themen Branche; insbesondere kleine mittelständische Unternehmen ohne große Finanzpolster. 17 Marktaussichten positiv Bis ins Jahr 2030 dürfte der globale Gesundheitsmarkt um durchschnittlich 6% p.a. wachsen. Dabei sollten die Pro-Kopf-Ausgaben für Gesundheitsleistungen besonders stark in Russland (+13% p.a.), Vietnam (+13%) und China (+12%) steigen. 18 Damit prognostiziert das Hamburgische Weltwirtschaftsinstitut (HWWI) für die Nachfrage nach Medizintechnik bis 2020 in den Industrienatio- nen ein durchschnittliches Plus von 4% p.a., bzw. in den Schwellenländern ein durchschnittliches Plus von 16% p.a. 19 Demnach dürfte der Weltmarkt zu Be- ginn der nächsten Dekade dann auf ein Volumen von EUR 380 Mrd. kommen. Auch wenn mit der Standardisierung von Produktlinien sicherlich die Auslage- rung von Betriebsteilen in Niedriglohnländer diskutiert wird (insbesondere im Hardware-Bereich) und darüber hinaus die starke Position deutscher Unter- nehmen im internationalen Handel weiter von ausländischen Unternehmen an- gefochten wird, dürfte die deutsche Elektromedizin insgesamt vom globalen Wachstum profitieren. Dies gilt umso mehr, wenn die deutschen Unternehmen danach streben, ihr Geschäftsfeld um die wissensintensiven Bereiche Wartung, Service und Life-Cycle-Management (von der Beratung über die Planung bis hin zur Entsorgung) zu komplettieren. Insofern der Anbieter hier Kundennähe und Flexibilität gewährleisten kann, hat dieses Geschäft gute Wachstumspotenziale. Auf dieser Grundlage erwarten wir, dass die deutschen Elektromedizin- Unternehmen über qualitativ hochwertige Produkte auch im zunehmenden Wettbewerb ihre führende Weltmarktposition beim Aufbau nachhaltiger Infra- strukturen und der Versorgung breiter Bevölkerungsschichten weltweit absehbar weiter behaupten können. Für 2012 und 2013 rechnen wir entsprechend mit einem realen Umsatzplus von jeweils 5% für Medizintechnik 'Made in Germany'. Fazit: Elektromedizin als Treiber im Gesundheitsbereich Es ist weniger die Frage, ob Fortschritte in der medizinischen Versorgung machbar sind, als vielmehr, welchen Wert die Bevölkerung diesen neuen Optio- nen beimisst. Denn dies muss sich in den Vergütungssystemen des Gesund- heitsmarkts niederschlagen. Die Aufgabe der Politik besteht darin, zwischen der medizinisch notwendigen Grundversorgung einerseits und dem schnellen Zu- gang zu innovativen Verfahren für möglichst Viele andererseits eine balancierte, nachhaltig finanzierbare Lösung zu finden. Für die forschende und innovative Industrie steht das Anliegen im Mittelpunkt, dass sich die Investitionen in Inno- vationen im Gesundheitsmarkt absehbar refinanzieren lassen. Mit ihren hoch qualitativen Produkten können die deutschen Medizintechnik- Unternehmen international reüssieren. Die zeigt sich sowohl in der Umsatzstär- ke der deutschen Medizintechnik verglichen mit anderen Industrieländern als auch in der Exportquote von über 70%, die den an sich schon enormen Wert der Elektroindustrie im Schnitt noch übersteigt. Innovationen am Standort Deutschland profitieren von guten Rahmenbedingungen, insbesondere auch hinsichtlich Infrastruktur und Fachkräfte-Pool. Als Beschäftigungs- und Wachs- tumsmotor spielt die Branche eine zentrale Rolle in der Gesundheitswirtschaft. 17 Vgl. VDI Nachrichten (18.11.11): Industrie prangert Investitionsstau in der Medizinbranche an. 18 Vgl. Kartte, Joachim und Neumann, Karsten (2011). Weltweite Gesundheitswirtschaft: Chancen für Deutschland. München. 19 Vgl. Bräuninger, Michael, Jana Stöver und Henning Vöpel (2010): Globale Absatzmärkte der deutschen Medizintechnik – Perspektiven und Prognosen 2020. Hamburg. Deutschland profitiert vom internationalen Austausch Innovationsfreundliches Vergütungssystem gefragt - 10 - 5 0 5 10 15 2007 2008 2009 2010 2011 Gesamt Inland Ausland Quelle: Statistisches Bundesamt, 2012 Inländisches Wachstum schwächelt aktuell 24 Umsatz deutsche Medizintechnik, Veränderung gg. Vj., % Elektromedizin als Treiber im Gesundheitsbereich 16 | 8. November 2012 Aktuelle Themen Die Branche mit ihren Produkten und Lösungsangeboten für klinische Fragestel- lungen ist wesentlicher Teil moderner Infrastrukturen zur Gesundheitsversor- gung. Elektromedizinische Systeme helfen bei der weiteren Qualitätssteigerung und Senkung der Kosten, indem sie Prozesse nicht nur in den Kliniken optimie- ren. Wichtig dabei ist die immer engere Verknüpfung von Medizintechnik und Informationstechnologie. Damit trägt die Technik den demographischen Verän- derungen und den daraus folgenden neuen Anforderungen an die Versorgung Rechnung. Innovationshemmnisse liegen in der aufwändigen Bereitstellung von Kosten- Nutzen-Bewertungen, die zur Einführung innovativer Methoden erforderlich werden. Befristete öffentliche Finanzierungen neuer Methoden könnten diesen Mangel beheben helfen. Problematisch ist zudem die künstliche Trennung der Entgeltsysteme im ambulanten Sektor (Einheitlicher Bewertungs-Maßstab, EBM) und im stationären Sektor (DRG). Sie steht integrierten Behandlungsan- sätzen und patientenorientierter Versorgung im Wege, weil sie den Prozess unnötig in einzelne Episoden aufteilt, anstatt ein ganzheitliches Gesundheits- management zu ermöglichen. Erforderlich ist also ein Vergütungssystem, das den Anforderungen an die neue Versorgungswirklichkeit nachhaltig gerecht wird. Die Gesundheitspolitik sollte die investitionshemmende Trennung zwischen dem Träger der Investitionskosten und dem der Betriebskosten weiter abbauen. Eine Investitionskomponente sollte in den Fallpauschalen des DRG-Systems veran- kert werden. Sondervereinbarungen mit den Kostenträgern könnten dieses Sys- tem bei Bedarf ergänzen. Insofern sich mit dem Rechtsrahmen auch die Kas- senlage bei den Gesundheitseinrichtungen verbessert, könnten so lange hin- ausgeschobene Projekte schneller umgesetzt werden. Dank qualitativ hochwertiger Produkte sollten die deutschen Elektromedizin- Unternehmen – trotz des zunehmenden Preiswettbewerbs – beim Aufbau nach- haltiger Infrastrukturen und der Versorgung breiter Bevölkerungsschichten ihre führende Weltmarktposition behaupten können. Demnach erwarten wir in der deutschen Elektromedizin für die Jahre 2012 und 2013 jeweils ein Umsatz- wachstum von real 5% gg. Vj. Diese Prognose gründet auch auf der Annahme, dass sowohl die Modernisierung als auch der Neuaufbau von Versorgungsstruk- turen im Gesundheitsbereich weltweit weiter an Bedeutung gewinnen und somit die Gesundheitsausgaben international steigen. Andreas Bätzel, ZVEI (+49 69 6302-388, baetzel@zvei.org) Stefan Heng, DB Research (+49 69 910-31774, stefan.heng@db.com) Jürgen Polzin, ZVEI (+49 69 6302-230, polzin@zvei.org) Entgeltsys tem in der Kritik Über Qualität im intensiven Preiswettbewerb bestehen © Copyright 2012. Deutsche Bank AG, DB Research, 60262 Frankfurt am Main, Deutschland. Alle Rechte vorbehalten. Bei Zitaten wird um Quellenan- gabe „Deutsche Bank Research“ gebeten. Die vorstehenden Angaben stellen keine Anlage-, Rechts- oder Steuerberatung dar. Alle Meinungsaussagen geben die aktuelle Einschätzung des Verfassers wieder, die nicht notwendigerweise der Meinung der Deutsche Bank AG oder ihrer assoziierten Unternehmen entspricht. 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