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15. April 2020
Die Corona-Pandemie trifft den deutschen Maschinenbau in einer ohnehin schwierigen Zeit. Spätestens seit 2019 belastet die Maschinenbauer die Neuausrichtung insbesondere der deutschen Automobilindustrie in Richtung Elektromobilität. Hinzu kamen denkbare Sonderbelastungen durch den möglichen Wegfall von Zulieferungen aus China (Stichwort: Handelskonflikt). Infolge von Corona ist 2020 ein Produktionsrückgang von über 25% möglich. [mehr]
PROD0000000000506980 1   |    15. April 2020Aktueller Kommentar 15. April 2020 Maschinenbau bekommt Corona zu spüren Autor www.dbresearch.de Deutsche Bank Research Management Stefan Schneider Josef Auer +49(69)910-31878 josef.auer@db.com Die Corona-Pandemie trifft den deutschen Maschinenbau in einer ohnehin schwierigen Zeit. Spätestens seit 2019 belastet die Maschinenbauer die Neu- ausrichtung insbesondere der deutschen Automobilindustrie in Richtung Elektromobilität. Hinzu kamen denkbare Sonderbelastungen durch den mög- lichen Wegfall von Zulieferungen aus China (Stichwort: Handelskonflikt). In- folge von Corona ist 2020 ein Produktionsrückgang von über 25% möglich. Die Corona-Krise weckt Erinnerungen an das Jahr 2009, als die Maschinen- bauer einen Produktionseinbruch von 26% hinnehmen mussten. Die in den kommenden Wochen zu erwartenden Auftrags- und Stimmungsindikatoren werden zeigen, wie schlecht die Situation bereits heute ist. Und von einer wei- teren Eintrübung infolge von Corona ist zumindest bis Ende des laufenden Quartals zu rechnen. Darauf deuten die jüngsten Umfrageergebnisse des Ifo- Instituts hin. Die Geschäftserwartungen des Maschinenbaus sanken auf mi- nus 44 Punkte im März von minus 12 Punkten im Februar. Und laut VDMA- Umfrage stieg der Anteil der in ihrem Betriebsablauf beeinträchtigten Ma- schinenbauer von Mitte März 60% bis Ende März auf 84%. Als Konsequenz, so der VDMA, nahmen bereits drei Viertel der Maschinenbauunternehmen Kapazitätsanpassungen vor. Dazu nutzten sie vor allem Arbeitszeitkonten, Einstellungsstopps sowie das Instrument der Kurzarbeit. Und selbst Perso- nalabbau ist mittlerweile für 12% der Unternehmen ein Thema. In der aktuel- len Corona-Krise ist der Pilotabschluss in Nordrhein-Westfalen zweckmäßig, der eine Nullrunde bei den Löhnen, einen Verzicht auf betriebsbedingte Ent- lassungen sowie eine Aufstockung des Kurzarbeitergeldes vorsieht. Von Corona werden praktisch alle rund 30 Fachzweige des Maschinenbaus betroffen. Noch schlechter als Durchschnitt (also mindestens -25%) wird möglicherweise der besonders zyklische Werkzeugmaschinenbau abschnei- den. Ihn treffen zusätzlich auch die Neuausrichtung der Autoindustrie sowie seine hohe Verwundbarkeit bei lahmender Weltkonjunktur. Unterdurchschnittlich werden wohl auch die Hersteller von Präzisionswerk- zeugen bleiben, die Maschinen für die Blechverarbeitung der Autoindustrie liefern. Die Fachzweige Robotik und Automation trifft die aktuelle Investiti- onszurückhaltung der Fahrzeugindustrie ebenfalls zusätzlich. Maschinenbau: Stimmungsindikato- ren eingebrochen Quelle: ifo, Deutsche Bank Research Maschinenbau bekommt Corona zu spüren 2   |    15. April 2020Aktueller Kommentar Höhere Fertigungsrückgänge drohen auch den Produzenten von Kunststoff- und Gummimaschinen. Hier belastet neben den Unsicherheiten der Autoin- dustrie zudem die immer noch nicht beantwortete Frage nach der Zukunft der Verpackungen; also welche Verpackungen werden künftig noch toleriert (z.B. PET?). Unterdurchschnittlich dürften auch Hersteller von Gießereimaschinen und Messtechnik abschneiden. Es gibt nur wenige Fachzweige, die zwar nicht wirklich gut, aber wohl besser als der Maschinenbauschnitt durch die aktuelle Krise kommen könnten. Dazu zählen die Hersteller von Armaturen. Ihnen kommt zugute, dass die Bauwirt- schaft „noch läuft“. Auch die Antriebstechnik könnte weniger getroffen wer- den. Als China vor einigen Monaten drohte als Zulieferer wegzufallen, gab es hier volumenträchtige Angstbestellungen im Inland; diese sind immer noch abzuarbeiten. In einem Positivszenario mit einer wirtschaftlichen Belebung im zweiten Halb- jahr 2020, die sich 2021 und 2022 fortsetzt, werden die Perspektiven des Ma- schinenbaus wieder ungleich günstiger. Dafür spricht seine international ein- zigartige Breite der Produktpalette bei sehr hohen Qualitätsstandards. Deutschland ist in der Hälfte der rund 30 Maschinenbausparten Weltspitze. Etwa 70% der deutschen Maschinen sind Einzelfertigung oder Kleinserie. Und international geht der Nachfragetrend zu diesen Maschinen. Werden die Wertschöpfungsketten infolge eines Zurückdrängens der Globalisierung künftig wieder stärker heimatnah verankert, sollte dies den heimischen Ma- schinenbauern in den kommenden Jahren zugutekommen. Überdies dürfte der deutsche Maschinenbau bei Energie- und Klimathemen weiter punkten. Die Modernisierung des globalen Kraftwerkparks ist ein wich- tiges Zukunftsthema. Und in Deutschland sind die Weichen jüngst klar in die- se Richtung gestellt worden. Gerade auch der Maschinenbau ermöglicht es, die Kosten alternativer Energiequellen zu senken. Innovative Maschinenbauer werden auch für die Steigerung der Energieeffizienz in der Produktion sowie bei Konsumartikeln benötigt. Es wird wohl einige Jahre erfordern, damit der Fertigungsrückgang 2020 wie- der aufgeholt wird. Dennoch sind wir optimistisch, dass dank deutscher Inge- nieurskunst der deutsche Maschinenbau auf mittlere Sicht wieder mit durch- schnittlichen Produktionszuwächsen um die 2% pro Jahr aufwarten kann. Maschinenbau bekommt Corona zu spüren 3   |    15. April 2020Aktueller Kommentar © Copyright 2020. Deutsche Bank AG, Deutsche Bank Research, 60262 Frankfurt am Main, Deutschland. Alle Rechte vorbehalten. Bei Zitaten wird um Quellenangabe „Deutsche Bank Research“ gebeten. Die vorstehenden Angaben stellen keine Anlage-, Rechts- oder Steuerberatung dar. Alle Meinungsaussagen geben die aktuelle Einschätzung des Verfassers wieder, die nicht notwendigerweise der Meinung der Deutsche Bank AG oder ih- rer assoziierten Unternehmen entspricht. 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Im Vereinigten König- reich wird dieser Bericht durch Deutsche Bank AG, Filiale London, Mitglied der London Stock Exchange, genehmigt und/oder verbreitet, die von der UK Prudential Regulation Authority (PRA) zugelassen wurde und der eingeschränkten Aufsicht der Financial Conduct Authority (FCA) (unter der Nummer 150018) sowie der PRA unterliegt. In Hongkong wird dieser Bericht durch Deutsche Bank AG, Hong Kong Branch, in Korea durch Deutsche Securities Korea Co. und in Singapur durch Deutsche Bank AG, Singapore Branch, verbreitet. In Japan wird dieser Bericht durch Deutsche Securi- ties Inc. genehmigt und/oder verbreitet. In Australien sollten Privatkunden eine Kopie der betreffenden Produktinfor- mation (Product Disclosure Statement oder PDS) zu jeglichem in diesem Bericht erwähnten Finanzinstrument beziehen und dieses PDS berücksichtigen, bevor sie eine Anlageentscheidung treffen.
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