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  4. Ausblick Deutschland
13. Mai 2020
Schwächer als erwartete „harte Daten“ für März und geradezu erschreckende Umfrageergebnisse für April deuten darauf hin, dass die Talsohle der Konjunktur auf einem tieferen Niveau liegen könnte als bisher angenommen. Wir prognostizieren inzwischen für das zweite Quartal eine BIP-Kontraktion um 14% gg. Vq., wobei die Abwärtsrisiken weiterhin überwiegen. Im Jahr 2009 hat der private Konsum in der Rezession als wichtiger Puffer fungiert. Aufgrund der Ausgangsbeschränkungen, der sozialen Distanzierung und der voraussichtlich deutlich sinkenden Einkommenserwartungen dürfte der private Konsum im Jahr 2020 um 10% schrumpfen. Angesichts des weltweit asynchronen Verlaufs der Corona-Pandemie und der anhaltenden Einschränkungen des Welthandels wird die Erholung (die Mitte Mai einsetzen und sich dann in der zweiten Jahreshälfte verstärken sollte) wahrscheinlich nicht so dynamisch sein wie ursprünglich erhofft. Für Deutschland erwarten wir daher in diesem Jahr eine BIP-Kontraktion um 9% und 2021 wieder ein Wachstum von etwa 4%. (Außerdem in dieser Ausgabe enthalten: Öffentliche Finanzen, Verarbeitendes Gewerbe, krisenbedingter Burgfriede in der Politik geht zu Ende) [mehr]
Microsoft Word - AD_2020.05_SA.docx Ausblick Deutschland Liebling, wir haben die Wirtschaft geschrumpft! Schwächer als erwartete „harte Daten“ für März und geradezu erschreckende Umfrageergebnisse für April deu- ten darauf hin, dass die Talsohle der Konjunktur auf einem tieferen Niveau lie- gen könnte als bisher angenommen. Wir prognostizieren inzwischen für das zweite Quartal eine BIP-Kontraktion um 14% gg. Vq., wobei die Abwärtsrisiken weiterhin überwiegen. Im Jahr 2009 hat der private Konsum in der Rezession als wichtiger Puffer fungiert. Aufgrund der Ausgangsbeschränkungen, der sozia- len Distanzierung und der voraussichtlich deutlich sinkenden Einkommens- erwartungen dürfte der private Konsum im Jahr 2020 um 10% schrumpfen. An- gesichts des weltweit asynchronen Verlaufs der Corona-Pandemie und der an- haltenden Einschränkungen des Welthandels wird die Erholung (die Mitte Mai einsetzen und sich dann in der zweiten Jahreshälfte verstärken sollte) wahr- scheinlich nicht so dynamisch sein wie ursprünglich erhofft. Für Deutschland er- warten wir daher in diesem Jahr eine BIP-Kontraktion um 9% und 2021 wieder ein Wachstum von etwa 4%. Öffentliche Finanzen: Ausufernde Defizite führen zu rasantem Schuldenanstieg. Die Regierung hat schnell und entschieden gehandelt und Anti-Krisenpakete in noch nie dagewesenem Ausmaß aufgelegt. Der deutsche Staat setzt dabei nicht nur auf einen Mix aus öffentlichen Subventionen, zusätzlichen Gesund- heitsausgaben, steuerlichen Erleichterungen und dem arbeitsmarktpolitischen Instrument der Kurzarbeit, sondern stemmt sich auch mit umfangreichen öffent- lichen Garantien und großvolumigen Beteiligungs- und Kreditprogrammen ge- gen den wirtschaftlichen Abwärtstrend. In unserem Basis-Szenario könnte die Staatsverschuldung bis Ende 2021 auf 82,2% des BIP ansteigen (von 59,8% 2019). Bei einem noch ungünstigeren Konjunkturverlauf, den wir in unserem Ri- sikoszenario abgreifen, könnte die Schuldenquote jedoch bis Ende 2021 sogar auf knapp unter 100% des BIP hochschießen. Verarbeitendes Gewerbe: Produktion könnte 2020 um bis zu 15% sinken . Im Jahr 2020 wird die Produktion im Verarbeitenden Gewerbe in Deutschland vo- raussichtlich so stark sinken wie zuletzt während der globalen Wirtschafts- und Finanzkrise. Hersteller von Investitionsgütern sind besonders betroffen. 2021 könnte die Industrieproduktion um mehr als 10% steigen. Allerdings wäre selbst bei einem solch kräftigen Anstieg das Produktionsniveau von 2018 noch nicht wieder erreicht. Krisenbedingter Burgfriede in der Politik neigt sich dem Ende zu . Bundesländer entscheiden zukünftig über die Lockerung der Coronavirus-bedingten Maßnah- men im Alltag. Bundesweit einheitliche „Obergrenze“ für Neuinfektionen, ab der mit regionalen Einschränkungen reagiert werden muss. Kostenverteilung der Krisenmaßnahmen führt zu Diskussionen zwischen und innerhalb der Regie- rungsparteien und signalisiert langsame Rückkehr auch der Politik in den Alltag. Der Wettbewerb um den CDU-Parteivorsitz gewinnt wieder an Aufmerksamkeit, ein klarer Spitzenreiter ist aber derzeit nicht zu erkennen. Autoren Sebastian Becker +49 69 910-21548 sebastian-b.becker@db.com Barbara Böttcher +49 69 910-31787 barbara.boettcher@db.com Eric Heymann +49 69 910-31730 eric.heymann@db.com Kevin Körner +49 69 910-31732 kevin.koerner@db.com Jochen Möbert +49 69 910-31727 jochen.moebert@db.com Marc Schattenberg +49 69 910-31875 marc.schattenberg@db.com Stefan Schneider +49 69 910-31790 stefan-b.schneider@db.com Editor Stefan Schneider Deutsche Bank AG Deutsche Bank Research Frankfurt am Main Deutschland E-Mail: marketing.dbr@db.com Fax: +49 69 910-31877 www.dbresearch.de DB Research Management Stefan Schneider Inhaltsverzeichnis Seite Prognosen .................................................... 2 Liebling, wir haben die Wirtschaft ge- schrumpft! ................................................... 3 Öffentliche Finanzen: Ausufernde Defizite führen zu rasantem Schuldenanstieg ........ 11 Verarbeitendes Gewerbe: Produktion könnte 2020 um bis zu 15% sinken .......... 13 Krisenbedingter Burgfriede in der Politik neigt sich dem Ende zu ............................. 15 DB Makro-Überraschungsindex ................ 18 Datenmonitor ............................................. 19 Finanzmarktprognosen ............................. 20 Original in englischer Sprache: 8. Mai 2020 13. Mai 2020 Liebling, wir haben die Wirtschaft geschrumpft! Liebling, wir haben die Wirtschaft geschrumpft! 2 | 13. Mai 2020 Ausblick Deutschland Wachstum, Inflation, Leistungsbilanz, Budgetsaldo DX BIP-Wachstum Inflation* Leistungsbilanzsaldo Budgetsaldo in % gg. Vj. in % gg. Vj. in % des BIP in % des BIP 2019 2020P 2021P 2019 2020P 2021P 2019 2020P 2021P 2019 2020P 2021P Euroland 1,2 -12,0 5,0 1,2 0,4 0,6 3,0 2,1 1,8 -0,6 -13,4 -11,4 Deutschland 0,6 -9,0 4,0 1,3 0,4 0,6 7,8 6,6 6,4 1,4 -8,7 -8,0 Frankreich 1,3 -14,0 6,0 1,3 0,3 0,8 -3,0 -16,2 -13,8 Italien 0,3 -14,0 5,5 0,6 -0,2 0,2 -1,6 -15,9 -12,7 Spanien 2,0 -15,0 6,0 0,8 -0,2 1,2 -2,8 -16,3 -13,2 Niederlande Belgien Österreich Finnland Griechenland Portugal Irland Großbritannien 1,4 -11,5 3,0 1,8 0,9 1,3 -2,2 -13,4 -5,7 Dänemark Norwegen Schweden Schweiz Tschech. Rep. 2,5 -6,3 5,5 2,8 3,2 2,1 -0,4 -2,3 0,5 0,3 -4,4 -2,4 Ungarn 4,9 -2,0 4,7 3,4 3,5 3,0 -0,8 -2,8 -0,6 -2,0 -4,6 -3,2 Polen 4,1 -3,9 4,5 2,3 3,4 2,6 0,5 -2,6 -0,1 -1,0 -7,9 -3,3 USA 2,3 -7,1 2,6 1,8 0,3 1,3 -2,3 -3,5 -3,5 -4,6 -23,0 -12,0 Japan 0,7 -6,4 1,2 0,5 -0,1 0,5 3,6 3,8 4,2 -4,1 -10,5 -7,6 China 6,1 -1,1 9,5 2,9 3,5 2,4 1,0 0,7 1,1 -4,9 -4,0 -3,0 Welt 3,1 -5,1 5,0 3,0 2,7 2,5 *Inflationsdaten für EU-Länder basieren auf harmonisierten Verbraucherpreisindizes. Dies kann zu Diskrepanzen zu anderen DB Publikationen führen. Quellen: Nationale Behörden, Nationale Zentralbanken, Deutsche Bank Prognosen Deutschland: BIP-Wachstum nach Komponenten, % gg.Vq., Jahresdaten % gg.Vj. 2020 2021 2018 2019 2020P 2021P Q1P Q2P Q3P Q4P Q1P Q2P Q3P Q4P BIP 1,5 0,6 -9,0 4,0 -1,8 -14,0 6,0 2,5 1,5 1,3 1,0 1,1 Privater Konsum 1,3 1,6 -10,0 7,0 Staatsausgaben 1,4 2,6 6,8 0,4 Anlageinvestitionen 3,5 2,6 -9,3 6,0 Ausrüstungen 4,4 0,6 -20,7 10,7 Bau 2,5 3,9 -3,2 3,7 Lager, %-Punkte 0,3 -0,9 -0,3 -0,4 Exporte 2,1 0,9 -14,0 6,0 Importe 3,6 1,9 -9,8 5,7 Nettoexport, %-Punkte -0,4 -0,4 -2,6 0,3 Konsumentenpreise (HVPI) 2,0 1,3 0,4 0,6 Arbeitslosenquote, % 5,2 5,0 7,0 6,0 Industrieproduktion* 1,1 -4,2 -12,0 11,0 Budgetsaldo, % BIP 1,9 1,4 -8,7 -8,0 Öffentlicher Schuldenstand, % BIP 61,9 59,8 75,6 82,2 Leistungsbilanzsaldo, % BIP 7,4 7,8 6,6 6,4 Leistungsbilanzsaldo, EUR Mrd. 241,4 267,1 206 210 * Verarbeitendes Gewerbe (NACE C) Quellen: Statistisches Bundesamt, Deutsche Bundesbank, Arbeitsagentur, Deutsche Bank Research Liebling, wir haben die Wirtschaft geschrumpft! 3 | 13. Mai 2020 Ausblick Deutschland Liebling, wir haben die Wirtschaft geschrumpft! — Schwächer als erwartete „harte Daten“ für März und geradezu erschre- ckende Umfrageergebnisse für April deuten darauf hin, dass die Talsohle der Konjunktur auf einem tieferen Niveau liegen könnte als bisher angenom- men. Wir prognostizieren inzwischen für das zweite Quartal eine BIP- Kontraktion um 14% gg. Vq., wobei die Abwärtsrisiken weiterhin überwie- gen. — Im Jahr 2009 hat der private Konsum in der Rezession als wichtiger Puffer fungiert. Aufgrund der Ausgangsbeschränkungen, der sozialen Distanzie- rung und der voraussichtlich deutlich sinkenden Einkommenserwartungen dürfte der private Konsum im Jahr 2020 um 10% schrumpfen. — Angesichts des weltweit asynchronen Verlaufs der Corona-Pandemie und der anhaltenden Einschränkungen des Welthandels wird die Erholung (die Mitte Mai einsetzen und sich dann in der zweiten Jahreshälfte verstärken sollte) wahrscheinlich nicht so dynamisch sein wie ursprünglich erhofft. Für Deutschland erwarten wir daher in diesem Jahr eine BIP-Kontraktion um 9% und 2021 wieder ein Wachstum von etwa 4%. Die Umfragedaten (ifo, Einkaufsmanagerindex) brachen im April auf Allzeittief- stände ein. Insgesamt verließen die Indizes das bisher bekannte Terrain; im Verarbeitenden Gewerbe lag die Stimmung nur geringfügig über den Tiefstän- den Anfang 2009. Die Industrieproduktion (-9,2% gg. Vm.), die Auftragsein- gänge (-15,6%) und die Exporte (-11,8%) fielen im März ernüchternd aus. Gleichzeitig deutet der Einbruch der Autoproduktion um 97% im April (März: -37%) auf einen noch stärkeren Rückgang der Auftragseingänge und der Pro- duktion im April hin. Die bei den Arbeitsämtern eingegangenen Anträge auf Kurzarbeit lassen vermuten, dass im April knapp 9 Millionen Menschen in Kurz- arbeit sein könnten – ein Wert, der noch vor wenigen Wochen unvorstellbar schien. Nichtsdestotrotz gilt: Wenn die Nacht am dunkelsten ist, steht die Mor- gendämmerung kurz bevor. Die offiziellen Wirtschaftsdaten (die lediglich die Vergangenheit abbilden) werden noch einige Zeit lang erschreckend ausfallen. Echtzeitdaten, z.B. Indizes zur täglichen Mobilität und zum Verkehrsaufkom- men, zeigen dagegen, dass die Lockerung der Ausgangssperren und die An- passungen des Verbraucherverhaltens bereits Wirkung zeigen. Daher gehen wir nach wie vor davon aus, dass die Konjunktur in Deutschland im zweiten Quartal die Talsohle erreicht. Allerdings sind wir in Bezug auf den Aufschwung im zwei- ten Halbjahr skeptischer geworden: Wir rechnen nicht mehr mit einer V-förmigen Erholung. 0 20 40 60 80 100 120 08 08 08 09 09 19 19 19 20 ifo Geschäftsklima (links) ifo Verarb. Gewerbe (links) PMI Composite (rechts) PMI Verarb. Gewerbe (rechts) Quellen: ifo Institut, IHS Markit Index Index Stimmungsindikatoren: Aktuell vs. 2008/09 _____________________________________________________________ 1 Liebling, wir haben die Wirtschaft geschrumpft! 4 | 13. Mai 2020 Ausblick Deutschland BIP-Prognosen basieren auf einer Einschätzung der aktuellen Situation sowie einer Reihe zentraler Annahmen. Eine wichtige Annahme bezieht sich dabei auf den weiteren Verlauf der Corona-Pandemie. Mit Blick auf diesen Faktor finden wir es ermutigend, dass die Epi-Kurve in China seit März flach verläuft und sich die Zahl der Neuinfektionen in vielen Industrieländern klar verringert hat. Dage- gen hat sich in den USA und Großbritannien ebenso wie in wichtigen Schwel- lenländern (z.B. Brasilien, Indien oder Russland) die Steigung der Kurve noch nicht abgeflacht. Dieser asynchrone Verlauf der Pandemie hemmt die Erholung des Welthandels, die Wiederbelebung der globalen Lieferketten und damit auch den Aufschwung in Deutschland. Folglich ist nicht nur die Nachfrage belastet, sondern auch angebotsseitig die sich nur graduell belebende Produktion. -30 -25 -20 -15 -10 -5 0 5 10 15 80 90 100 110 120 130 140 150 Jan 20 Mrz 20 Mai 20 Index Lkw-Verkehr (Autobahn) gg. Vj. Index Lkw-Verkehr (MAUT) 3 Quellen: Destatis, Deutsche Bank Research Index sb. (7-Tages-Durchschnitt) gg. Vj. -20 -15 -10 -5 0 5 10 Output Verarb. Gewerbe Output Baugewerbe Aufträge Export Einzelhandels- umsätze März vs. Februar Q1/Q4 Zykliche Indikatoren brechen im März ein 2 % gg. Vorperiode Quellen: Destatis, Deutsche Bank Research -120 -100 -80 -60 -40 -20 0 20 40 60 80 100 2020-03-01 2020-03-03 2020-03-05 2020-03-07 2020-03-09 2020-03-11 2020-03-13 2020-03-15 2020-03-17 2020-03-19 2020-03-21 2020-03-23 2020-03-25 2020-03-27 2020-03-29 2020-03-31 2020-04-02 2020-04-04 2020-04-06 2020-04-08 2020-04-10 2020-04-12 2020-04-14 2020-04-16 2020-04-18 2020-04-20 2020-04-22 2020-04-24 2020-04-26 2020-04-28 2020-04-30 Einzelhandel Lebensmittelläden/Apotheken Parkanlagen Bahnhöfe Arbeitsstätten Wohnung Fast alle Bundesländer schließen Kitas und Schulen Bundesweite Ausgangs- beschrän- kungen Verlängerung Geschäfte bis der Ausgangs- 800 qm Verkaufs- beschränkungen fläche dürfen öffnen %, Änderungen der Mobilität in Deutschland im Vergleich zum März 2019 auf Basis von Mobilfunkdaten* Mobilität der Deutschen weiterhin eingeschränkt 4 Quelle: Statista COVID-19 Mobility Project *Vergleich zu den jeweiligen Wochentagen einer Woche aus dem März 2019, Bewegungsdaten der Mobilfunkanbieter Deutsche Telekom und Telefónica Liebling, wir haben die Wirtschaft geschrumpft! 5 | 13. Mai 2020 Ausblick Deutschland Basis-Szenario: BIP-Kontraktion um 14% im zweiten Quartal bzw. 9% im Gesamtjahr 2020 BIP-Prognosen stellen in der Regel vor allem auf die Nachfrageseite ab. An- hand der Exportnachfrage, der Entwicklung der Einkommen der privaten Haus- halte, der Kapazitätsauslastung und der Gewinnerwartungen werden Prognosen für wichtige Nachfragekomponenten wie die Exporte, den privaten Konsum und die Investitionen erstellt. Angesichts der durch die Corona-Pandemie bedingten Ausgangsbeschränkungen versuchen die Analysten derzeit zu beurteilen, wie stark die Produktion in den einzelnen Sektoren (also die Bruttowertschöpfung) geschrumpft sein könnte und damit den Umfang des gesamten Abschwungs ab- zuschätzen. In Deutschland greift dieser Ansatz wahrscheinlich nicht so gut wie in zahlreichen anderen Ländern, weil viele Bereiche der Wirtschaft (z.B. das Verarbeitende Gewerbe oder der Bausektor) nicht direkt von den Ausgangsbe- schränkungen betroffen waren, sondern lediglich indirekt von einem Nachfrage- einbruch oder von Beschaffungsproblemen in Mitleidenschaft gezogen wurden. Zudem ist eine gewisse Vorsicht angezeigt, wenn es um derartige aggregierte BIP-Prognosen geht, denn im Grunde wird die Unsicherheit lediglich um eine Ebene verschoben und liegt jetzt bei den Schätzungen der Einzelkomponenten. Allerdings spricht viel dafür, dass der Ausstoß im Dienstleistungssektor voraus- sichtlich noch stärker schrumpfen wird als in der Industrie (vgl. Grafik 8). Insge- samt könnte das BIP in Q2 um knapp 15% niedriger ausfallen als in Q1; auch ein Rückgang um 20% erscheint durchaus möglich. 0 50.000 100.000 150.000 200.000 250.000 Mrz 20 Apr 20 Mai 20 DE FR* IT ES UK Quellen: WHO, Johns Hopkins University Kumulierte bestätigte COVID-19-Fälle, '000 Kontinentaleuropa gelang es besser 5 abzuflachen als UK *Revision der Statistik Anfang April 0 200 400 600 800 1.000 1.200 1.400 Mrz 20 Apr 20 Mai 20 Kumulierte bestätigte COVID-19-Fälle, '000 Quelle: WHO Anhaltende Zunahme von Neuinfektionen in den USA 6 0 50 100 150 200 Mrz 20 Apr 20 Mai 20 BR RU IN Starker Anstieg der Neuinfektionen in den Schwellenländern 7 Kumulierte bestätigte COVID-19-Fälle, '000 Quelle: WHO -35 -30 -25 -20 -15 -10 -5 0 5 10 15 2020 Q2 2020 Q3 BIP nach Sektoren 8 % real gg. Vq. Quelle: Deutsche Bank Research Liebling, wir haben die Wirtschaft geschrumpft! 6 | 13. Mai 2020 Ausblick Deutschland Im Mai verlässt die Wirtschaft den Lockdown Ab 20. April gab es erste, leichte Lockerungen. Laut den Beschlüssen der Bun- desregierung und der Ministerpräsidenten der Länder vom 6. Mai 1 dürfen nun alle Geschäfte wieder öffnen, sofern angemessene Hygieneregeln eingehalten werden und der Kundenstrom kontrolliert wird. Dabei entscheiden die Landesre- gierungen über den genauen zeitlichen Ablauf und die Öffnungsbedingungen. Große öffentliche Veranstaltungen, z.B. Volksfeste oder Sportveranstaltungen mit zahlreichen Zuschauern, sind die einzige wirtschaftliche Aktivität, die aus- drücklich bis mindestens Ende August verboten ist. Der Ausstieg aus dem Lock- down und die Wiederaufnahme der Produktion in den Autofabriken (die rund 20% des Gesamtausstoßes im Verarbeitenden Gewerbe ausmachen) sollten für eine ganz allmähliche Konjunkturbelebung sorgen, die im Mai beginnt und sich über den Sommer verstärkt. Das BIP könnte in Q3 um 6% wachsen und so die Kontraktion in Q2 etwa zur Hälfte wettmachen. Für Q4 prognostizieren wir ein BIP-Wachstum von 2,5%. Daraus ergibt sich für das Gesamtjahr 2020 eine BIP- Kontraktion um 9%. Für 2021 erwarten wir ein Wachstum von etwa 4%. In Q4 2021 sollte das BIP immer noch um rund 4% unter dem Stand vor Beginn der Corona-Krise liegen. Anders ausgedrückt: Es kommt nicht zu einer V-förmigen Erholung. Durch die soziale Distanzierung wird der Aufschwung von der Ange- botsseite her gedämpft und die Nachfrage belastet, da die sozialen Aktivitäten der Verbraucher wohl nicht so schnell das Vorkrisenniveau erreichen werden. Einer McKinsey-Umfrage zufolge planen 30–40% der Deutschen weniger öffent- liche Verkehrsmittel zu nutzen, weniger zu reisen und auch nach dem Abklingen der Pandemie weniger häufig ins Konzert, ins Kino oder ins Theater zu gehen. 2 Rückgang des privaten Konsums um 10% In der Vergangenheit hat der private Konsum die Konjunktur in Zeiten von Ab- schwüngen häufig stabilisiert. So ging der private Konsum im Jahr 2009 ledig- lich um 0,1% zurück, obwohl das BIP insgesamt um 5,7% schrumpfte. Auch wenn man die durch die Abwrackprämie geförderten Autokäufe nicht berück- sichtigt, schrumpfte der private Konsum lediglich marginal. In Q2 2020 dagegen dürfte der Konsum um knapp 20% zurückgehen und damit die bei Weitem größte Belastung für das Wachstum darstellen. Im Gesamtjahr wird er voraus- sichtlich um rund 10% schrumpfen und das BIP um etwa 5 Prozentpunkte schmälern. Der Rückgang im März/April war zum einen darauf zurückzuführen, dass die Menschen überhaupt keine Möglichkeiten zum Geldausgeben hatten (Geschäfte, die keine lebensnotwendigen Güter anboten, waren zumeist ge- schlossen), zum anderen darauf, dass sich die Verbraucher aufgrund der teils erzwungenen, teils freiwilligen sozialen Distanzierung stärker in ihr Zuhause zu- rückzogen (Stichwort „Cocooning“). Das Einkommen der privaten Haushalte wird durch eine Reihe staatlicher Maßnahmen, insbesondere durch Kurzarbei- tergeld, gestützt. Dennoch könnte das verfügbare Einkommen der privaten Haushalte im Jahr 2020 um 5–7% schrumpfen, wenn die Beschäftigung sinkt, die effektiven Löhne aufgrund einer deutlich negativen Lohndrift zurückgehen und die Gewinne und Einnahmen von Selbstständigen (die rund 30% des ge- samten verfügbaren Einkommens ausmachen) um einen zweistelligen Wert schrumpfen. Nach hohen Tarifabschlüssen in den Jahren 2018 (2,9%) und 2019 (3%) dürfte die Tariflöhne in den Jahren 2020 und 2021 voraussichtlich um recht moderate 1% ansteigen. Außerdem dürften die Verbraucher weiterhin nur geringe Risiken eingehen wollen und ihr Verhalten daher nur sehr langsam an- 1 https://www.bundesregierung.de/breg-en/search/statement-nach-corona-kabinett-1751100 2 Siehe McKinsey & Company: Coronavirus COVID-19. Consumer insights from Germany, May 5, 2020 -20 -15 -10 -5 0 5 10 15 -15 -10 -5 0 5 10 17 18 19 20 21 gg. Vq. (links) gg. Vj. (rechts) BIP-Prognose (real, Quartale) 9 Quellen: Destatis, Deutsche Bank Research % % -12 -6 0 6 16 17 18 19 20 21 Außenbeitrag Lager Bauinvestitionen Ausrüstungsinvestitionen Staatskonsum Privater Konsum Reales BIP, % gg. Vj. Reales BIP-Wachstum und Komponenten 10 Beiträge zum realen BIP-Wachstum, %-Punkte, % Quellen: Destatis, Deutsche Bank Research 60 70 80 90 100 110 120 65 70 75 80 85 90 08 09 10 11 12 13 14 15 16 17 18 19 20 Kapazitätsauslastung (Verarb. Gewerbe) (links) ifo Schätzung (rechts) Trübe Geschäftsaussichten 11 Index Index Quelle: ifo Institut Liebling, wir haben die Wirtschaft geschrumpft! 7 | 13. Mai 2020 Ausblick Deutschland passen. Vor diesem Hintergrund brach der GfK-Index für das Verbraucherver- trauen im Mai auf einen historischen Tiefstand von -23,4 Punkten ein. Ange- sichts der höheren Arbeitsplatzunsicherheit wird sich der in Q2 zu beobach- tende Anstieg der Sparquote bei den privaten Haushalten (der nicht zuletzt auf mangelnde Konsummöglichkeiten zurückzuführen ist) wohl verstetigen. Arbeitsmarkt: Kurzarbeit ist kein Allheilmittel In wirtschaftlichen Schwächephasen fungierte die Binnenwirtschaft immer als Stütze der deutschen Konjunktur und glich damit auch Arbeitsplatzverluste in exportorientierten Unternehmen aus. Derzeit jedoch bietet der binnenwirtschaft- lich orientierte, personalintensive Dienstleistungssektor keinen vergleichbaren Puffer für die Beschäftigung, da er in besonderem Maße von den Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie in Mitleidenschaft gezogen wird. Zahl der Kurzarbeiter könnte in der Corona-Krise auf 9 Millionen ansteigen Den jüngsten verfügbaren Zahlen der Bundesanstalt für Arbeit (BA) zufolge hat- ten bis zum 26. April 2020 bereits 751.000 Unternehmen Kurzarbeit angemel- det. Damit hatten die Arbeitgeber im April Kurzarbeitergeld für 10,1 Millionen Beschäftigte beantragt (d.h. 30% aller sozialversicherungspflichtig Beschäftig- ten). Einer Umfrage zufolge haben ein Drittel der insgesamt 2,2 Millionen Unter- nehmen mit mindestens einem sozialversicherungspflichtig Beschäftigten inzwi- schen einen Antrag auf Kurzarbeit gestellt. Rund ein Fünftel der betroffenen Be- schäftigten (2,2 Millionen) entfallen auf die drei Sektoren Einzelhandel, Gastro- nomie und Autoindustrie. Dabei ist zu berücksichtigen, dass gegebenenfalls nicht alle Mitarbeiter tatsächlich in Kurzarbeit gehen, für die ein entsprechender Antrag gestellt wurde. Da die Bearbeitung der Anträge eine gewisse Zeit in An- spruch nimmt, veröffentlicht die BA die Zahlen zur realisierten Kurzarbeit mit ei- ner Verzögerung von rund drei Monaten. Laut dem gewichteten Durchschnitt der Zahlen aus dem Unternehmensregister des Statistischen Bundesamts (Stand: 2017) haben Unternehmen in den Be- schäftigtengrößenklassen „0 bis 9“ und „10 bis 49“ im Durchschnitt 7,6 Mitarbei- ter. Bezieht man auch die Beschäftigtengrößenklasse „50 bis 249“ mit ein, liegt der gewichtete Durchschnitt bei 11,1 Mitarbeitern. Aus den oben erwähnten Zahlen ergibt sich für diese Unternehmensgruppen, dass in nächster Zeit zwi- schen 6 und gut 8 Millionen Beschäftigte in Kurzarbeit gehen könnten. Und nach dem 26. April sind sicherlich weitere Anträge auf Kurzarbeit eingegangen. 4,5 5,0 5,5 6,0 6,5 7,0 7,5 300 400 500 600 700 800 900 11 12 13 14 15 16 17 18 19 20 Offene Stellen (links) Arbeitslosenquote (rechts) Arbeitsmarkt: Corona-Pandemie zeigt erste Auswirkungen 12 Tsd. % Quelle: Deutsche Bundesbank 0 1 2 3 4 5 6 7 8 9 2008 2010 2012 2014 2016 2018 2020 Mio, nsb. Kurzarbeiter 13 Quellen: Bundesagentur für Arbeit, Deutsche Bank Research Liebling, wir haben die Wirtschaft geschrumpft! 8 | 13. Mai 2020 Ausblick Deutschland In diesem Fall werden die Rücklagen der BA in Höhe von EUR 26 Mrd. bereits im Jahr 2020 verbraucht sein, und zusätzlich müssten noch EUR 4–5 Mrd. aus staatlichen Mitteln bereitgestellt werden. Eine ifo-Unternehmensumfrage vom 5. Mai zeigt ebenfalls, dass Kurzarbeit in- zwischen in nahezu allen Sektoren in Deutschland stattfindet. Besonders ver- breitet ist sie im Restaurant- und Gastronomiegewerbe, wo 99% der Betriebe Kurzarbeit in Anspruch nehmen, sowie bei Hotels (97%). Dies ergibt sich aus Umfragen des ifo Instituts im April. Auch in der wichtigen Autoindustrie ist der Prozentsatz mit 94% der Unternehmen bemerkenswert hoch. Im Einzelhandel liegt der Wert bei 62% (ifo-Umfrage vom 23. April: 55%). Der Durchschnitt über alle Sektoren hinweg beläuft sich auf 50%. Höchststand der monatlichen Arbeitslosenrate bei über 8% Trotz der umfangreichen Maßnahmen zur Beschäftigungssicherung dürfte die Arbeitslosigkeit im Jahr 2020 ansteigen. In unserem Basis-Szenario rechnen wir mit einem Anstieg der Arbeitslosenquote auf knapp 7% im Jahr 2020 (mit einem monatlichen Höchststand bei gut 8%) und einem Rückgang auf lediglich 6% im Jahr 2021. Bei einer länger anhaltenden Pandemie könnte sich die Quote in die- sem Jahr auf rund 9% erhöhen (monatlicher Höchststand: 13%) und bei einer langsam verlaufenden Erholung und angesichts der verzögerten Arbeitsmarkt- reaktion im Jahr 2021 bei durchschnittlich 8,5% liegen. Die Zahl der Beschäftig- ten dürfte 2020 um rund 550.000 sinken. Einbruch der Investitionsausgaben um 20% Abgesehen von Ausgaben, die zur Einhaltung der sozialen Distanzierung und Hygiene erforderlich sind, gibt es für Unternehmen aus dem privaten Sektor kaum Anlass zu Investitionssteigerungen. Die Gewinne brechen ein, die Ge- winnerwartungen dürften aufgrund der Unsicherheit über den weiteren Verlauf der Pandemie und die Entwicklung der Exportnachfrage düster ausfallen und das globale BIP dürfte 2020 um über 3% schrumpfen. Die Kapazitätsauslastung hat sich deutlich verringert, sodass die Nachfrage auch bei einer Belebung problemlos mit Hilfe der vorhandenen Ressourcen befriedigt werden kann. -5,5 -4,5 -3,5 -2,5 -1,5 -0,5 0,5 1,5 15 16 17 18 19 20 IAB-Arbeitsmarktbarometer (Komponente A: Arbeitslosigkeit) ifo-Beschäftigungsbarometer PMI Beschäftigungskomponente PMI Industrie Beschäftigungskomp. Arbeitsmarktindikatoren signalisieren spürbaren Anstieg der Arbeitslosigkeit 14 Standardisierte Werte Quellen: Bundesagentur für Arbeit, ifo Institut, IAB, IHS Markit Liebling, wir haben die Wirtschaft geschrumpft! 9 | 13. Mai 2020 Ausblick Deutschland Exportrückgang um 14%, ähnlich wie im Jahr 2009 Die Corona-Pandemie hat zu einem Einbruch des Welthandels geführt. Die no- minalen Zahlen zu den bilateralen Güterexporten dürften den Umfang der epi- demiologischen Krise in den einzelnen Regionen widerspiegeln. Die Exporte der asiatischen Länder z.B., die weniger stark betroffen sind, könnten im Gesamt- jahr 2020 im Vergleich zu 2019 nur geringfügig zurückgehen. Dagegen könnten die Güterexporte in den Euroraum und nach Großbritannien stark in Mitleiden- schaft gezogen werden und um bis zu 25% schrumpfen; im März sind die Ex- porte in einige europäische Länder bereits um bis zu 20% gg. Vj. eingebrochen. Die Exporte in die USA sind bis März nur marginal gesunken. Allerdings scheint die Pandemie dort ihren Höchststand noch nicht erreicht zu haben. Daher prog- nostizieren wir einen Rückgang der Exporte in die USA um über 10%. Insge- samt dürften die Güterexporte im Jahr 2020 um nominal 17% zurückgehen, und die Dienstleistungsexporte dürften in ähnlichem Umfang schrumpfen. In realer Betrachtung wird der Exportrückgang wohl geringer ausfallen, da auch die Ex- portpreise sinken dürften. Aus unserem auf den Rohstoffpreisen basierenden strukturellen Modell ergibt sich ein Rückgang um lediglich 1,2% gg. Vj. Dabei ist der Einbruch der Gesamtnachfrage jedoch noch nicht berücksichtigt. Wir ergän- zen das Modell daher um den statistischen Fehler, der in der globalen Finanz- krise im Jahr 2009 festzustellen war. Dann ergibt sich eine Verringerung um 3% im Jahr 2020 – ein Allzeittiefstand. Dementsprechend dürften die Exporte real um 14% schrumpfen, also ähnlich stark wie in der globalen Finanzkrise. Da der private Konsum und die Investitionen um rund 10% zurückgehen dürften, sollten auch die Importe im Jahr 2020 in ähnlichem Umfang schrumpfen. Der Außen- beitrag könnte das BIP-Wachstum dementsprechend um 2,6%-Punkte dämpfen. Der Leistungsbilanzüberschuss dürfte 2020 auf „lediglich“ 6,6% des BIP zurück- gehen und damit nach wie vor über dem Zielwert der EU-Kommission von 6% liegen. Wir rechnen nicht mit einer raschen Normalisierung der wirtschaftlichen Situation. Die soziale Distanzierung wird auf lange Zeit hinaus die globalen Lie- ferketten aus dem Tritt bringen und die Gesamtnachfrage dämpfen. -30 -15 0 15 30 00 02 04 06 08 10 12 14 16 18 20 Euroland Asien US UK Mrd. EUR Bilaterale Exporte in Länder & Regionen 15 Quellen: Destatis, Deutsche Bank Research Liebling, wir haben die Wirtschaft geschrumpft! 10 | 13. Mai 2020 Ausblick Deutschland Länger anhaltende Pandemie: Es nimmt mehr Zeit in Anspruch und es ist schwieriger, die Corona-Pandemie unter Kontrolle zu bekommen Angesichts der Unsicherheiten im Zusammenhang mit der Corona-Pandemie halten wir an unserem Ende März 3 vorgestellten Szenario-Ansatz fest. In unse- rem aktualisierten Szenario für eine länger anhaltende Pandemie gehen wir von einem ungünstigeren Verlauf aus. In manchen Ländern könnte es zu einer zwei- ten oder sogar dritten Welle kommen, die erneute Ausgangsbeschränkungen erforderlich macht. In anderen Ländern wären zur Eindämmung der Infektions- quoten drastischere Maßnahmen erforderlich als in unserem Basis-Szenario an- genommen. In diesem Szenario würde das deutsche BIP im Jahr 2020 um 15% schrumpfen und sich 2021 eher seitwärts bewegen (+1,0%). Stefan Schneider (+49 69 910-31790, stefan-b.schneider@db.com) Jochen Möbert (+49 69 910-31727, jochen.moebert@db.com) Marc Schattenberg (+49 69 910-31875, marc.schattenberg@db.com) 3 Folkerts-Landau, David et al. (2020). Impact of Covid-19 on the global economy: Beyond the abyss. Deutsche Bank Research. Special Report. March 30. Liebling, wir haben die Wirtschaft geschrumpft! 11 | 13. Mai 2020 Ausblick Deutschland Öffentliche Finanzen: Ausufernde Defizite führen zu rasantem Schuldenanstieg Regierung hat sich schnell und entschlossen gegen die Krise ge- stemmt Die deutsche Regierung hat schnell und entschieden gehandelt, um die ökono- mischen Schäden der Corona-Pandemie zu begrenzen. Die staatlichen Antikri- sen-Pakete von Bund und Ländern bestehen aus einem breiten Maßnahmen- bündel, das darauf abzielt, (a) die Ausgaben der Pandemiebekämpfung zu fi- nanzieren, (b) die negativen wirtschaftlichen Auswirkungen auf Unternehmen, Arbeitnehmer und Selbstständige abzufedern und (c) die deutsche Wirtschaft, vor einer unkontrollierten Welle an Unternehmensinsolvenzen zu schützen. Der deutsche Staat setzt dabei nicht nur auf einen Mix aus öffentlichen Subventio- nen, zusätzlichen Gesundheitsausgaben, steuerlichen Erleichterungen (wie z.B. Steuerstundungen) und dem arbeitsmarktpolitischen Instrument der Kurzarbeit, sondern stemmt sich auch mit umfangreichen öffentlichen Garantien und groß- volumigen Beteiligungs- und Kreditprogrammen gegen den wirtschaftlichen Ab- wärtstrend. Während einige Maßnahmen unmittelbar auf die öffentlichen Haushalte und die Staatsverschuldung durchschlagen (wie z.B. Subventionen an kleine Firmen und Selbstständige oder Ausgaben für medizinische Geräte und Schutzausrüs- tung), führen andere Maßnahmen (wie z.B. die im Rahmen der staatlichen Kre- dit- und Beteiligungsprogramme getätigten finanziellen Transaktionen) zunächst nur zu einem Anstieg der öffentlichen Verschuldung, nicht aber zu einer Auswei- tung des staatlichen Haushaltsdefizits (dies würde nur geschehen, wenn es tat- sächlich zu Kreditausfällen und Beteiligungsverlusten käme). Wiederum von an- deren Maßnahmen (wie z.B. staatlichen Garantien) gehen zunächst überhaupt keine Effekte auf den Finanzierungssaldo des Staates und die öffentliche Ver- schuldung aus: Diese würden nur dann auftreten, wenn staatliche Garantien ge- zogen werden, sprich der Garantiefall eintritt. Für detailliertere Informationen zur fiskalpolitischen Antwort Deutschlands siehe „Aktueller Kommentar: Corona- Krise: Staatsverschuldung dürfte rapide steigen” (vom 24. April 2020) und „Fo- cus Germany: Quantifying the fiscal costs from corona virus” (vom 17. April 2020). Regierung wird fiskalischen Spielraum ausschöpfen Dank großer Haushaltüberschüsse in den letzten sechs Jahren (2014-19) und einer deutlich absinkenden Schuldenquote (im Verhältnis zum BIP) auf nur 59,8% (Ende 2019) stehen die deutschen Staatsfinanzen im internationalen Vergleich sehr solide dar. Deutschland verfügt daher auch über einen großen fiskalischen Spielraum, den es nunmehr zur Abmilderung der Krise nutzt. Auch wenn die Staatsverschuldung rapide steigen dürfte, bleibt positiv festzuhalten, dass der deutsche Staat unter besseren finanziellen Startvoraussetzungen in die gegenwärtige Krise geht als er dies vor über 10 Jahren zu Zeiten der globa- len Finanz- und Wirtschaftskrise tat. Dies legt zumindest ein Blick auf den staat- lichen Finanzierungssaldo und die öffentliche Verschuldungsquote nahe: Wäh- rend der deutsche Gesamtstaat 2019 einen großen Haushaltsüberschuss von 1,4% vom BIP erzielte und die Schuldenstandquote unter der Maastricht- Grenze von 60% lag, erzielte Deutschland 2008 einen lediglich annähernd aus- geglichenen Haushalt bei einer gleichzeitig höheren Schuldenquote von rund 65 ½%. Insgesamt ergeben sich die fiskalischen Kosten der Krise aus (1) den Corona- bedingten (diskretionären) finanzpolitischen Maßnahmen (Einnahmenseite, -20 -15 -10 -5 0 5 05 07 09 11 13 15 17 19 21 Ist DB Research Basis-Szenario DB Research Risikoszenario Gemeinschaftsdiagnose (8. April) IWF (Fiscal Monitor April 2020) EK (Spring Forecasts Mai 2020) Prognosen für den deutschen Staatshaushalt in den Jahren 2020/21 1 Haushaltssaldo (Gesamtstaat - VGR), % BIP Quellen: Destatis, Deutsche Bank Research, IWF, Europäische Kommission, Gemeinschaftsdiagnose -20 -15 -10 -5 0 5 05 07 09 11 13 15 17 19 21 Ist Basis-Szenario (alt) Risikoszenario (alt) Basis-Szenario (neu) Risikoszenario (neu) DB Research Prognosen für den deutschen Staatshaushalt in den Jahren 2020/21 2 Haushaltssaldo (Gesamtstaat - VGR), % BIP Quellen: Destatis, Deutsche Bank Research Liebling, wir haben die Wirtschaft geschrumpft! 12 | 13. Mai 2020 Ausblick Deutschland Ausgabenseite, Nebenhaushalte), (2) der konjunkturbedingten Verschlechte- rung der öffentlichen Haushalte (d.h. dem Wirken der automatischen Stabilisato- ren) sowie (3) schlagend werdenden öffentlichen Garantien und/oder auflaufen- den fiskalischen Verlusten aus den staatlichen Kredit- und Beteiligungsprogram- men. Angesichts der Breite und Tiefe der aktuellen Wirtschaftskrise sowie der umfangreichen fiskalpolitischen Maßnahmen rechnen wir für den deutschen Ge- samtstaat mit einem Finanzierungsdefizit von 8,7% des BIP in diesem und 8,0% im nächsten Jahr. Aufgrund der großen Haushaltsdefizite und des beträchtli- chen, für die staatlichen Kredit- und Beteiligungsprogramme erforderlichen Fi- nanzierungsbedarfs könnte die Bruttostaatsverschuldung bis Ende 2020 auf 75,6% vom BIP ansteigen. Bis zum Ende des Jahr 2021 könnte sie weiter auf 82,2% anstiegen (z. Vgl. Ende 2019: 59,8%). Die obigen Projektionen für die Schuldenentwicklung basieren auch auf der An- nahme, dass von den EUR 250 Mrd., die der Bund und die Länder für ihre Kre- dit- und Beteiligungsprogramme einsetzen können, rund die Hälfte im Jahr 2020 und die andere Hälfte im nächsten Jahr an den Finanzmärkten aufgenommen wird (für weitere Details siehe „Focus Germany: Quantifying the fiscal costs from corona virus ” (vom 17. April 2020)). Ebenso fließen in unsere Projektionen für das öffentliche Haushaltsdefizit und die Staatsverschuldung im Jahr 2021 etwa- ige Kosten für gezogene Staatsgarantien und auftretende Kreditausfälle/Beteili- gungsverluste mit ein (Schätzung: EUR 75 Mrd.). Zu guter Letzt berücksichtigen wir in den Projektionen noch, dass die Regierung angesichts der Wachstums- schwäche im nächsten Jahr ein Konjunkturpaket auf den Weg bringen dürfte (Annahme: EUR 100 Mrd.). Aufgrund der vielen Unbekannten (z.B. Timing und Volumen eines möglichen Konjunkturprogramms, Kosten etwaiger Garantiefälle, mögliche Verluste aus Kredit- und Beteiligungsprogrammen etc.) sowie der hohen Unsicherheiten für den weiteren Konjunkturverlauf unterliegen auch unsere Projektionen für die deutschen Staatsfinanzen derzeit hohen Unsicherheiten. Im Falle einer noch schlechteren Wirtschaftsentwicklung – die wir im Rahmen unseres Risikoszena- rios („protracted pandemic scenario“) abgreifen – könnte das Staatsdefizit auf- grund eines tieferen zyklischen Defizits, aber höherer Kosten für Garantiefälle, Kreditausfälle und Beteiligungsverlusten (geschätzt EUR 125 Mrd. statt EUR 75 Mrd. wie im Basis-Szenario) in diesem Jahr bei 12,2% vom BIP liegen und 2021 weiter auf 14,5% anschwellen. In diesem Fall könnte die Staatsverschuldung Ende 2020 bei 83,2% vom BIP liegen und bis Ende 2021 sogar auf 97,8% hoch- schießen. Sebastian Becker (+49 69 910-21548, sebastian-b.becker@db.com) 55 60 65 70 75 80 85 90 95 100 95 99 03 07 11 15 19 Ist Basis-Szenario (alt) Risikoszenario (alt) Basis-Szenario (neu) Risikoszenario (neu) DB Research Prognosen für die deutsche Staatsverschuldung in den Jahren 2020/21 3 Bruttostaatsverschuldung (Gesamtstaat), % BIP Quellen: Destatis, Deutsche Bank Research Liebling, wir haben die Wirtschaft geschrumpft! 13 | 13. Mai 2020 Ausblick Deutschland Verarbeitendes Gewerbe: Produktion könnte 2020 um bis zu 15% sinken — Im Jahr 2020 wird die Produktion im Verarbeitenden Gewerbe in Deutsch- land voraussichtlich so stark sinken wie zuletzt während der globalen Wirt- schafts- und Finanzkrise. Wir rechnen damit, dass die Industrieproduktion um real etwa 10 bis 15% schrumpfen wird. Hersteller von Investitionsgütern sind besonders betroffen. — 2021 könnte die Industrieproduktion um mehr als 10% steigen. Allerdings wäre selbst bei einem solch kräftigen Anstieg das Produktionsniveau von 2018 noch nicht wieder erreicht. Die Produktion im Verarbeitenden Gewerbe in Deutschland sank im März um real 11,5% gg. Vormonat. Dies war der stärkste Rückgang auf monatlicher Ba- sis seit der Wiedervereinigung. Gleichwohl erwarten wir, dass die industrielle Fertigung in Deutschland im April noch kräftiger einbrechen wird, weil beinahe alle deutschen Autohersteller ihre Produktionsstätten in diesem Monat ge- schlossen hatten. Wir rechnen ab Mai mit einer Erholung der Produktion. Der jüngste Neustart der Fertigung in großen Teilen der deutschen Automobilindus- trie spricht für eine solche Entwicklung. Die immense Bedeutung der Autoindus- trie als Auftraggeber für andere Industriesektoren dürfte dort für Nachfrage- impulse sorgen. Allerdings dürfte die Produktion im Verarbeitenden Gewerbe al- lein im 2. Quartal um 15% gg. Vq. sinken. Die erwartete Erholung wird von niedrigem Niveau erfolgen und nicht sonderlich steil verlaufen. Dies dürfte durch die zeitliche Streckung der Corona-Krise ver- hindert werden. Zudem sind die negativen wirtschaftlichen Folgen für viele Un- ternehmen durch die Corona-Krise so gravierend, dass das globale Investitions- verhalten im gesamten Jahr gedämpft wird. Schließlich dürften die Schutzmaß- nahmen, die Unternehmen in ihren Fabriken ergreifen werden (Abstands- und Hygieneregeln, Kapazitätsanpassungen etc.), die Produktivität schmälern. Nach unserer Einschätzung dürfte das ohnehin niedrige durchschnittliche Produkti- onsniveau von 2019 auch im 2. Halbjahr 2020 noch nicht wieder erreicht sein. Im Jahr 2020 wird die Produktion im Verarbeitenden Gewerbe in Deutschland voraussichtlich so stark sinken wie zuletzt während der globalen Wirtschafts- und Finanzkrise. Wir rechnen damit, dass die Industrieproduktion um real etwa 10 bis 15% schrumpfen wird. Der Rückgang könnte auf 10% begrenzt bleiben, wenn sich die negativen wirt- schaftlichen Auswirkungen der Krise in allen wesentlichen Exportmärkten Deutschlands (also auch den USA) auf das 2. Quartal konzentrieren und die be- reits einsetzende Erholung in China voranschreitet. Der nationale und internatio- nale Güterverkehr würde in diesem Szenario schon im Verlauf des 2. Quartals so weit funktionieren, dass die Kunden beliefert werden können. Unterbrechun- gen der Lieferkette wären die Ausnahme oder beherrschbar. Unter diesen Um- ständen dürfte die Produktion im Mai gegenüber April schon wieder steigen (al- lerdings auf ein sehr niedriges Niveau) und im Rest des Jahres relativ stetig nach oben tendieren. Ein Produktionseinbruch von 15% könnte eintreten, wenn die Anpassung an die Corona-Pandemie bzw. deren Bewältigung in wichtigen ausländischen Absatz- märkten und/oder in Deutschland bis ins 2. Halbjahr dauern sollte und es zu weiteren Infektionswellen käme, die erneut zu Einschränkungen der Wirtschaft führten. Es fällt natürlich nicht schwer, plausible Szenarien zu entwerfen, in de- nen die inländische Fertigung sogar um mehr als 15% sinken würde. 80 85 90 95 100 105 110 115 15 16 17 18 19 20 Produktion Aufträge Quelle: Destatis Verarbeitendes Gewerbe in DE, 2015=100 Produktion und Aufträge sinken massiv 1 60 70 80 90 100 110 120 12 13 14 15 16 17 18 19 20 Automobilindustrie Maschinenbau Elektrotechnik Quelle: Destatis Produktion in ausgewählten Industriebranchen in DE, 2015=100 Produktionsrückgänge in Automobil- industrie besonders kräftig 2 -80 -60 -40 -20 0 20 40 60 12 13 14 15 16 17 18 19 20 Erwartungen Lage Corona schlägt durch 3 Verarbeitendes Gewerbe, Saldo aus positiven und negativen Firmenmeldungen Quelle: ifo Institut Liebling, wir haben die Wirtschaft geschrumpft! 14 | 13. Mai 2020 Ausblick Deutschland Hersteller von Investitionsgütern besonders betroffen Grundsätzlich erwarten wir, dass die Hersteller von Investitionsgütern stärker von der Krise betroffen sein werden als etwa das Ernährungsgewerbe, die Che- mieindustrie und verständlicherweise die Pharmaindustrie. Besonders starke Produktionsrückgänge erwarten wir daher im Maschinenbau, der Automobilin- dustrie sowie in der Metallindustrie. Die kompletten Produktionsschließungen in der Automobilindustrie Ende Q1 und Anfang Q2 hinterlassen dabei ihre Spuren auch in vorgelagerten Industriesektoren. Auch große Teile der Elektrotechnik in Deutschland sind auf Investitionsgüter spezialisiert. Einzelne Sparten wie die Medizintechnik dürften die Krise aber besser meistern können. Bei dem unterstellten Produktionsverlauf für das Verarbeitende Gewerbe (all- mähliche Erholung im Verlauf des 2. Halbjahres) würde es zum Jahreswechsel 2020/21 zu einem hohen statistischen Überhang kommen. Selbst wenn sich die Dynamik im Verlauf von 2021 gegenüber dem 2. Halbjahr 2020 verlangsamen würde, könnte die Industrieproduktion im Jahresdurchschnitt von 2021 um real mehr als 10% steigen. Allerdings wäre selbst bei einem solch kräftigen Anstieg das Produktionsniveau von 2018 noch nicht wieder erreicht. Eric Heymann (+49 69 910-31730, eric.heymann@db.com) 50 60 70 80 90 100 07 08 09 10 11 12 13 14 15 16 17 18 19 20 Kapazitätsauslastung Mittelwert seit 1992 Kapazitätsauslastung im Verarbeitenden Gewerbe in Deutschland, % Quelle: ifo Institut Kapazitätsauslastung gibt im 2. Quartal deutlich nach 4 Liebling, wir haben die Wirtschaft geschrumpft! 15 | 13. Mai 2020 Ausblick Deutschland Krisenbedingter Burgfriede in der Politik neigt sich dem Ende zu — Bundesländer entscheiden zukünftig über die Lockerung der Coronavirus- bedingten Maßnahmen im Alltag. Bundesweit einheitliche „Obergrenze“ für Neuinfektionen, ab der mit regionalen Einschränkungen reagiert werden muss. — Kostenverteilung der Krisenmaßnahmen führt zu Diskussionen zwischen und innerhalb der Regierungsparteien und signalisiert langsame Rückkehr auch der Politik in den Alltag. — Der Wettbewerb um den CDU-Parteivorsitz gewinnt wieder an Aufmerksam- keit, ein klarer Spitzenreiter ist aber derzeit nicht zu erkennen. Lockerungen werden unter regionaler Verantwortung ausgeweitet. Auf der Bund-Länder-Konferenz am 6. Mai haben Bundeskanzlerin Merkel und die Re- gierungschefs der 16 Länder weitere Lockerungen vereinbart. Zukünftig werden die Bundesländer in eigener Verantwortung die schrittweisen Öffnungen be- schließen und umsetzen. Die Kontaktbeschränkungen einschl. des Abstandsge- bots bleiben bis zum 5. Juni bestehen, ebenso wie das Verbot von Großveran- staltungen bis zum 31. August – länderspezifische Regelung können aber auch hier gelten, so erlaubt Hessen z.B. Veranstaltungen von bis zu 100 Personen. Um trotz der weitreichenden Öffnungen eine (zu) dynamische Entwicklung der Pandemie zu verhindern, gibt es eine bundeseinheitliche „Notbremse“ (MP Söder), ab der auf regionaler/lokaler Ebene mit Einschränkungen reagiert wer- den muss. Dieses Vorgehen kann erhebliche Anforderungen an die Koordina- tion stellen, sollte ein lokaler Ausbruch die Grenze zwischen zwei Bundeslän- dern überschreiten, die unterschiedliche COVID-19-Regimes verfolgen. Föderalismus hat sich in der Krise weitgehend bewährt. Das Krisenmanagement der letzten Wochen wurde begleitet von Diskussionen, ob bzw. wie gut das deutsche föderale System mit seinen verteilten Kompetenzen, z.B. im Gesund- heitswesen, in der Lage ist, dieser Herausforderung zu begegnen. Im Großen und Ganzen gut, muss man feststellen. In manchen zentralistisch gegliederten Nachbarländern wurde diese Staatsform dank ihrer Nähe zum regionalen Infek- tionsgeschehen sogar als hilfreich für effizientes und zielgerichtetes politisches Handeln beim Umgang mit der Pandemie herausgestellt. In der Tat haben Exe- kutive von Bund und Ländern frühzeitig eine einheitliche Strategie gefahren, entsprechende Maßnahmen beschlossen und implementiert sowie in regelmäßi- gen Bund-Länder-Treffen geprüft. Unter dem Eindruck der (vorerst) erfolgrei- chen Eindämmung der Pandemie gewann dann jedoch die Diskussion um Ge- schwindigkeit und Umfang des Lockerungskurses an Fahrt, zeitweilig entstand sogar der Eindruck eines Überbietungswettbewerbs bei der Rücknahme der Pandemiemaßnahmen. Hier spielten z.T. eine unterschiedliche Sichtweise auf die negativen wirtschaftlichen und sozialen Nebenwirkungen des Shutdown eine Rolle, mindestens genauso aber die voneinander abweichenden Infektionsver- läufe und -raten in den einzelnen Bundesländern. Gerade mit Blick auf Letzteres ergibt es auch Sinn, dass die Bundesländer nun wieder in eigener Verantwor- tung die notwendigen Maßnahmen für den gesundheitlichen Schutz der Bevöl- kerung einschl. der Vorbeugung einer weiteren Infektionswelle übernehmen so- wie über die zulässigen Öffnungsschritte in Abhängigkeit vom lokalen Infekti- onsgeschehen entscheiden. Politik auf dem Weg in die „Normalität“? Mit der Bekämpfung der Corona-Pan- demie hat die deutsche Politik alle anderen inhaltlichen und personellen Kon- flikte zurückgestellt und sich damit deutlich geschlossener gezeigt, als dies in anderen betroffenen Ländern der Fall war. Die Zufriedenheit der Bevölkerung 38,6 15,8 10,0 5,5 7,4 16,8 5,8 32,9 20,5 12,6 10,7 9,2 8,9 5,2 0 5 10 15 20 25 30 35 40 CDU/CSU SPD AfD FDP Linke Grüne Sonstige Aktuelle Umfragen* Bundestagswahl 2017 % der Stimmen Aktuelle Stärke der Parteien & Ergebnis der Bundestagswahl 2017 1 Quelle: Wahlrecht.de, 11. Mai 2020 * Durchschnitt der Ergebnisse jüngster Umfragen führender Meinungsforschungsinstitute (Forsa, Kantar, FG Wahlen, INSA, Allensbach, Infratest Dimap) Liebling, wir haben die Wirtschaft geschrumpft! 16 | 13. Mai 2020 Ausblick Deutschland mit dem Krisenmanagement spiegelt sich in gestiegenen Beliebtheitswerten ein- zelner Politiker sowie stärkerer Unterstützung der Regierungskoalition generell wider – bei der CDU/CSU allerdings in deutlich stärkerem Maße als bei der SPD. Inzwischen zeigen sich jedoch die ersten Konfliktlinien wieder, zwischen den Koalitionspartnern, aber auch innerhalb der einzelnen Parteien. Der libe- rale, wirtschaftsnahe Flügel der CDU/CSU ist zunehmend besorgt über das Ausmaß, mit dem der Staat über einen längeren Zeitraum in wirtschaftliche Ent- scheidungsprozesse intervenieren könnte und drängt auf klare Leitplanken da- für. Die schwierigen Verhandlungen mit Lufthansa über ein Krisenpaket und die Rechte für den Staat als Aktionär sind nur ein Beispiel. In Teilen des Wirt- schaftsflügels der CDU/CSU sind die Bedenken sogar noch größer, dass einige in der SPD die Krise zum Anlass nehmen könnten, dauerhaft marktwirtschaftli- che Prinzipien zugunsten eines Staatskapitalismus zurückzudrängen, den (teu- ren) Sozialstaat weiter auszubauen oder zusätzliche Arbeitsmarktregulierung auf den Weg zu bringen (Recht auf Homeoffice). Debatte über Kostenverteilung und Rolle des Staates absehbar. Die sich bereits abzeichnende Debatte über die Verteilung der Kosten, die durch die umfangrei- chen Stützungsmaßnahmen in der Krise entstehen, und auch ihre Angemes- senheit dürfte den Wahlkampf in 2021 polarisieren. Forderungen aus der SPD nach einer Vermögensabgabe und ganz generell einer stärkeren Belastung hö- herer Einkommen stehen Forderungen aus der CDU/CSU (und der FDP) entge- gen, mit Steuervergünstigungen die wirtschaftliche Erholung zu unterstützen. Wie schnell (wenn überhaupt) die im Zuge der Krise stark steigende Gesamtver- schuldung wieder zurückgefahren wird, hängt nicht zuletzt von der Zusammen- setzung einer neuen Regierung nach den Bundestagswahlen im September 2021 ab. Angesichts des derzeit guten Abschneidens der CDU/CSU in Umfra- gen ist es nicht unwahrscheinlich, dass sie auch nach der Wahl eine Koalitions- regierung anführen wird. Obwohl das herausragende Thema der jüngeren Ver- gangenheit, der Klimaschutz, mit der Pandemie in den Hintergrund geraten ist, wünscht sich weiterhin eine Mehrheit als nächstes eine schwarz-grüne Regie- rung (Politbarometer). Rein rechnerisch ist das weiterhin möglich, auch wenn die Grünen gegenüber ihrem Umfragehoch in 2019 deutlich zurückgefallen sind und eindeutig als Juniorpartner in eine solche Koalition gingen. Freilich ist offen, ob diese Verschiebung in der Stärke der Parteien auch nach der akuten Krise anhält. Es kann auch nicht ausgeschlossen werden, dass die CDU/CSU von den derzeit sehr guten Umfragewerten wieder auf die Werte vor der Krise (d.h. unter 30%) zurückfällt, sollte die generelle (wirtschaftliche) Exitstrategie sich als nicht erfolgreich erweisen. Wettbewerb um CDU-Parteivorsitz und Kanzlerkandidatur wieder zurück. In ei- ner Welt ohne Corona-Pandemie wäre der neue CDU-Parteivorsitzende vor gut zwei Wochen gewählt worden. Nun wird die Wahl – wie ursprünglich vorgese- hen – auf dem regulären Parteitag am 5./6. Dezember in Stuttgart erfolgen. Nicht nur der Zeitplan, sondern auch die Sichtbarkeit der Kandidaten hat sich mit der Pandemie verändert. Diejenigen, die in politischer Verantwortung ste- hen, konnten sich im Krisenmanagement profilieren, während sich Friedrich Merz, der vom Wirtschaftsflügel der CDU unterstützt wird, in den jetzigen Zeiten schwerer tut. Freilich kann er in der Auseinandersetzung um die zukünftige Rolle des Staates und die Rückkehr zu einem marktwirtschaftlichen, wirtschafts- liberalen Kurs seine wichtige Stimme erheben. Dies gilt auch für europapoliti- sche Fragen, wo er sich jüngst zum Urteil des Bundesverfassungsgerichts zum EZB Anleihekaufprogramm geäußert und die Reaktion von EU Kommissions- präsidentin von der Leyen darauf kritisiert hatte (ZEIT 12. Mai). Dem zweiten of- fiziellen Kandidaten, Norbert Röttgen, der den außenpolitischen Ausschuss im Bundestag leitet, wurden von Anfang an keine großen Chancen eingeräumt. Dieser hatte wiederum das Urteil des BVerfG selbst als fatale Entscheidung be- zeichnet (nwzonline 12. Mai). 2,6 2 2 1,5 1,1 1 0,8 0,6 0,2 -1,2 -0,2 0,8 1,8 2,8 A. Merkel (CDU) M. Söder (CSU) O. Scholz (SPD) J. Spahn (CDU) R. Habeck (Grüne) A. Laschet (CDU) A. Baerbock (Greens) H. Seehofer (CSU) F. Merz (CDU) Quelle: Forschungsgruppe Wahlen Politbarometer April 2020 „Was halten Sie von?...", Skala von +5 (höchste Meinung bis -5 (niedrigste Meinung) Beurteilung deutscher Spitzenpolitiker nach Sympathie und Leistung 2 Liebling, wir haben die Wirtschaft geschrumpft! 17 | 13. Mai 2020 Ausblick Deutschland Ministerpräsidenten in vorderster Linie. Armin Laschet, Ministerpräsident von NRW und dritter Kandidat, hat sich frühzeitig für vorsichtige Lockerungen des Shutdown eingesetzt, obwohl NRW hohe Infektionszahlen aufzuweisen hatte. Er hat in dem Zusammenhang immer wieder auf soziale Belastungen sowie wirtschaftliche Probleme gerade von kleineren Unternehmen und Selbstständi- gen verwiesen. Er hat sich auch gegen allgemeine Grenzschließungen gewehrt und die Grenzen zwischen NRW und Belgien bzw. den Niederlanden offen ge- halten. Diese Positionierung hatte allerdings keine größeren Auswirkungen auf seine Beliebtheitswerte. Eine andere Linie hat Markus Söder als Ministerpräsi- dent von Bayern verfolgt, der sehr strikte Maßnahmen (u.a. bei Kontaktbe- schränkungen) ergriffen hatte und vor zu schnellen und umfangreichen Locke- rungen warnte bzw. warnt. In jüngsten Umfragen zu den Präferenzen für einen CDU/CSU-Kanzlerkandidaten steht Söder an erster Stelle. Bereits vor der Corona-Krise hatte er mehrfach daran erinnert, dass die Entscheidung über den Kanzlerkandidaten 2021 gemeinsam von CDU und CSU getroffen werde und der nächste CDU-Parteivorsitzende nicht automatisch auch Kanzlerkandidat sein müsse. Sein deutlicher (bundesweiter) Reputationsgewinn im Zuge des Kri- senmanagements hat in den Medien zu Spekulationen über sein eigenes Inte- resse daran geführt. Allerdings waren CDU/CSU-Kanzlerkandidaten aus Bayern in der Vergangenheit nicht erfolgreich. Zudem hat Söder immer wieder darauf hingewiesen, dass sein Platz in Bayern sei. Schließlich gibt es noch einen „inof- fiziellen“ Kandidaten, Bundesgesundheitsminister Jens Spahn, der Armin La- schet unterstützt. Spahn ist durch seine öffentlichen Erklärungen zur Corona- Pandemie zu einem der bekanntesten Gesichter des politischen Krisenmanage- ments geworden. Sollte Laschet im Dezember die Mehrheit der Delegiertenstim- men gewinnen, stärkt dies auch Jens Spahns Position. Es ist auch nicht auszu- schließen, dass Laschet zwar CDU-Vorsitzender wird, Jens Spahn aber zu ei- nem späteren Zeitpunkt als Kanzlerkandidat bestimmt wird. Freilich: Eine mas- sive zweite Welle könnte auch das politische Bild wieder ändern, zumal wenn eine Rückkehr zu größeren Einschränkungen gerade dort erforderlich wird, wo vorher auf zügige Lockerungen gesetzt wurde. Die einzige Option, die wir trotz entsprechender Gedankenspiele in einigen Medien ausschließen würden, wäre eine fünfte Amtszeit von Kanzlerin Merkel. Barbara Böttcher (+49 69 910-31787, barbara.boettcher@db.com) Kevin Körner (+49 69 910-31718, kevin.koerner@db.com) 53 33 27 21 35 55 56 54 02 04 06 0 Söder Merz Laschet Röttgen Guter Kandidat Kein guter Kandidat Umfrage zum CDU/CSU-Kanzler- kandidat 2021 3 % Quelle: Deutschlandtrend Mai 2020 Liebling, wir haben die Wirtschaft geschrumpft! 18 | 13. Mai 2020 Ausblick Deutschland DB Makro-Überraschungsindex Deutschland Der DB Makro-Überraschungsindex vergleicht den Wert der veröffentlichten Konjunkturdaten mit den Markterwartun- gen und liefert damit Hinweise über die Richtung künftiger Prognoseanpassungen. Neu berechnet von Marc Schattenberg und Jochen Möbert (+49 69 910-31727, jochen.moebert@db.com) Quelle: Heiko Peters (2014). DB Makro-Überraschungsindex Deutschland. Ausblick Deutschland, 4. August 2014. Letzte 20 veröffentlichte deutsche Konjunkturdaten DX -0,6 -0,4 -0,2 0,0 0,2 0,4 0,6 14 15 16 17 18 19 20 DB Makro-Überraschungsindex +/- 1 Standardabweichung DB Makro-Überraschungsindex Deutschland Durchschnitt der z-Werte der vergangenen 20 Datenüberraschungen Werte über (unter) 0 bedeuten über (unter) der Markterwartung liegende Datenveröffentlichungen Quellen: Bloomberg Finance LP, Deutsche Bank Research Bloomberg Ticker Indikator Berichts- monat Veröf f entlich- ungsdatum Aktueller Wert Bloomberg Konsensus Überra- schung Standardisierte Überraschung Quantils- rang GRIPIMOM Index Industrieproduktion (% gg. Vm.) 2 2020 07.04.2020 0,3 -0,8 1,1 0,0 0,8 GRBTEXMM Index Exporte (% gg. Vm.) 2 2020 09.04.2020 1,2 -1,0 2,2 1,1 0,9 GRTBALE Index Handelsbilanz (EUR Mrd.) 2 2020 09.04.2020 20,6 16,5 4,1 1,5 0,9 GRCAEU Index Leistungsbilanzsaldo (EUR Mrd.) 2 2020 09.04.2020 23,7 17,0 6,7 1,7 1,0 GRBTIMMM Index Impor te ( % gg. V m.) 2 2020 09.04.2020 -1,5 -0,7 -0,8 -0,3 0,3 GRCP20YY Index VPI (% gg. Vj.) 3 2020 16.04.2020 1,4 1,4 0,0 0,2 0,4 GRZEWI Index ZEW - Konjunktur (Erw artungen) 4 2020 21.04.2020 28,2 -42,0 70,2 7,4 1,0 GRZECURR Index Z EW - Konjunktur ( Situation) 4 2020 21.04.2020 -91,5 -77,5 -14,0 -2,1 0,0 GRCP20YY Index VPI (% gg. Vj.) 4 2020 29.04.2020 0,8 0,8 0,0 0,2 0,4 GRIMP95Y Index Importpreise (% gg. Vj.) 3 2020 29.04.2020 -5,5 -3,8 -1,7 -1,1 0,0 GRFRIAMM Index Einzelhandelsumsätze (% gg. Vm.) 3 2020 30.04.2020 -5,6 -8,0 2,4 2,2 1,0 GRUECHNG Index V er änderung Arbeitslose (Tsd. gg. Vm.) 4 2020 30.04.2020 373,0 74,5 -298,5 -9,8 0,0 MPMIDEMA Index PMI Verarbeitendes Gew erbe 4 2020 04.05.2020 34,5 34,4 0,1 0,1 0,6 GRIORTMM Index Auftragseingänge (% gg. Vm.) 3 2020 06.05.2020 -15,6 -10,0 -5,6 -2,7 0,0 MPMIDESA Index PMI Dienstleistungssektor 4 2020 06.05.2020 16,2 15,9 0,3 0,4 0,7 GRIPIMOM Index Industrieproduktion (% gg. Vm.) 3 2020 07.05.2020 -9,2 -7,4 -1,8 -1,5 0,1 GRTBALE Index Handelsbilanz (EUR Mrd.) 3 2020 08.05.2020 17,4 18,8 -1,4 -0,7 0,2 GRBTIMMM Index Impor te ( % gg. V m.) 3 2020 08.05.2020 -5,1 -4,0 -1,1 -0,5 0,3 GRBTEXMM Index Exporte (% gg. Vm.) 3 2020 08.05.2020 -11,8 -5,0 -6,8 -3,5 0,0 GRCAEU Index Leistungsbilanzsaldo (EUR Mrd.) 3 2020 08.05.2020 24,4 20,7 3,7 0,8 0,8 Quellen: Bloomberg Finance LP, Deut sche Bank Research Liebling, wir haben die Wirtschaft geschrumpft! 19 | 13. Mai 2020 Ausblick Deutschland Deutschland: Datenmonitor DX Q2 2019 Q3 2019 Q4 2019 Q1 2020 Q2 2020 Dez 2019 Jan 2020 Feb 2020 Mrz 2020 Apr 2020 Mai 2020 Konjunkturumfragen Gesamtwirtschaft ifo Geschäftsklima 98,6 95,1 95,3 92,6 96,3 95,9 96,0 85,9 74,3 ifo Geschäftserwartungen 94,8 91,6 92,4 88,5 93,8 92,8 93,1 79,5 69,4 Produzierendes Gewerbe ifo Verarbeitendes Gewerbe 95,2 91,0 91,0 90,1 91,2 92,7 92,8 84,8 72,8 Produktion (% gg. Vp.) -2,0 -0,8 -1,7 -2,5 -1,5 1,9 0,4 -11,5 Auftragseingang (% gg. Vp.) -1,1 -0,2 -1,0 -2,7 -1,5 4,8 -1,2 -15,6 Grad der Kapazitätsauslastung 85,3 83,9 82,6 82,9 71,4 Bauhauptgewerbe Produktion (% gg. Vp.) 1,7 0,4 0,8 4,9 -1,8 6,8 -1,3 -1,1 Auftragseingang (% ggü. Vp.) -4,7 0,4 7,1 -2,9 2,5 -7,7 ifo Bauhauptgewerbe 113,4 112,7 111,3 106,7 110,4 108,0 108,1 104,0 92,6 Konsumentennachfrage EC Konsumentenbefragung -1,7 -3,1 -3,3 -4,6 -3,7 -3,6 -2,6 -7,6 -16,3 Einzelhandelsumsätze (% gg. Vp.) 0,1 0,8 0,1 -0,4 -1,5 1,4 0,8 -5,6 Neuzulassungen PKW (% gg. Vj.) 0,9 6,8 13,7 -20,3 19,5 -7,3 -10,8 -37,7 -61,1 Außenhandel Auslandsaufträge (% gg. Vp.) 0,9 0,0 -1,0 -2,7 -3,1 8,3 -3,2 -16,1 Exporte (% gg. Vp.) -1,4 0,6 0,6 -3,5 0,2 0,1 1,2 -11,8 Importe (% gg. Vp.) -1,0 -0,6 0,7 -2,5 -0,5 0,6 -1,5 -5,1 Nettoexporte (EUR Mrd.) 54,1 57,7 57,7 52,9 19,1 18,7 21,4 12,8 Arbeitsmarkt Arbeitslosenquote (%) 5,0 5,0 5,0 5,0 5,0 5,0 5,0 5,0 5,8 Veränderung Arbeitslosigkeit (Tsd. gg. Vp.) 20,7 20,3 -5,7 -9,3 8,0 -4,0 -8,0 0,0 373,0 Beschäftigung (% gg. Vj.) 1,0 0,7 0,6 0,3 0,5 0,4 0,3 0,2 ifo Beschäftigungsbarometer 100,6 98,8 99,0 97,0 98,8 99,6 98,1 93,4 86,3 Preise, Löhne und Arbeitskosten Preise HVPI (% gg. Vj.) 1,6 1,0 1,2 1,5 1,5 1,6 1,7 1,3 0,8 Kern-HVPI (% gg. Vj.) 1,5 0,9 1,5 1,3 1,7 1,3 1,4 1,3 1,0 Harmonisierter PPI (% gg. Vj.) Rohstoffe ohne Energie (% gg. Vj.) 0,2 6,3 5,3 2,1 9,2 9,1 0,2 -2,5 -7,3 Rohöl, Brent (USD/Bbl) 68,6 62,1 62,5 50,7 65,2 63,4 55,8 33,9 26,9 Inflationserwartungen EC Haushaltsumfrage 33,8 33,7 31,6 34,3 32,5 35,1 34,4 33,3 42,3 EC Unternehmensumfrage 7,1 2,2 2,7 2,2 2,7 3,2 3,4 0,0 -4,6 Lohnstückkosten (gg. Vj.) Lohnstückkosten 4,2 3,0 3,0 Arbeitnehmerentgelt je Arbeitnehmer 3,3 3,6 2,8 Arbeitnehmerentgelt je Stunde 4,2 3,0 3,5 Monetärer Sektor (gg. Vj.) M3 4,8 5,1 4,6 6,7 4,6 4,7 4,7 6,7 Trend von M3* 4,8 4,6 4,7 5,4 Kredite an Unternehmen und Privatpersonen 4,6 4,5 4,9 5,3 4,9 4,8 4,9 5,3 Kredite an öffentliche Haushalte 5,7 3,1 -5,9 -5,9 7,1 3,6 % gg. VP = Veränderung gegenüber der Vorperiode; * zentrierter 3M-Durchschnitt Quellen: Bundesagentur für Arbeit, Deutsche Bundesbank, Europäische Kommission, Eurostat, Statistisches Bundesamt, HWWI, ifo, Markit Liebling, wir haben die Wirtschaft geschrumpft! 20 | 13. Mai 2020 Ausblick Deutschland Finanzmarktprognosen DX US JP EWU GB CH SE DK NO PL HU CZ Leitzinssatz, % Aktuell 0,125 -0,10 0,00 0,10 -0,75 0,00 -0,60 0,00 0,50 1,07 0,25 Jun 20 0,125 -0,10 0,00 0,10 -0,75 0,00 -0,75 1,50 0,25 1,75 0,25 Sep 20 0,125 -0,10 0,00 0,10 -0,75 0,00 -0,75 1,50 0,25 1,25 0,25 Dez 20 0,125 -0,10 0,00 0,10 -0,75 0,00 -0,75 1,50 0,25 0,90 0,25 3M Geldmarktsatz, % Aktuell 0,43 -0,05 -0,26 Jun 20 0,50 0,03 -0,40 Sep 20 0,40 0,03 -0,40 Dez 20 0,50 0,03 -0,40 Rendite 10J Staatsanleihen, % Aktuell 0,71 0,00 -0,51 0,27 Jun 20 0,50 0,00 -0,40 0,63 Sep 20 0,60 0,00 -0,28 0,60 Dez 20 0,70 0,00 -0,20 0,70 Wechselkurse EUR/USD USD/JPY EUR/GBP GBP/USD EUR/CHF EUR/SEK EUR/DKK EUR/NOK EUR/PLN EUR/HUF EUR/CZK Aktuell 1,08 107,45 0,88 1,23 1,05 10,68 7,46 11,12 4,56 350,01 27,50 Jun 20 1,08 105,00 0,89 1,21 1,05 11,00 10,75 4,55 360,00 27,25 Sep 20 1,09 100,00 0,92 1,18 1,02 11,00 10,75 4,50 365,00 27,00 Dez 20 1,10 100,00 0,93 1,18 1,00 10,75 7,46 10,25 4,45 365,00 26,50 Quellen: Bloomberg Finance LP, Deutsche Bank Research © Copyright 2020. 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