1. Research
26. Januar 2022
Eine verstetigte und breite Inflation in der Eurozone lässt eine frühere Reaktion der EZB erwarten als bislang angenommen. Trotz entfallender Sondereffekte dürfte auch die Inflation in Deutschland vorerst erhöht bleiben. In den USA wird die heutige Sitzung der Fed mit Spannung erwartet. Bei den deutschen Unternehmen hat sich die Stimmung im Januar aufgehellt. Maßgeblich waren die deutlich verbesserten Geschäftserwartungen, während die Lage von der aktuell rasanten Infektionsentwicklung getrübt wird. Insgesamt erwarten wir für das Winterhalbjahr 2021/22 eine technische Rezession. Dazu folgt am Freitag die Erstmeldung zum BIP in Q4. Wie auch für Q1 2022 erwarten wir einen leichten Rückgang um 0,5% gg. Vq. für Q4 2021. Die guten Aussichten für das Frühjahr stützen sich auf ein großes Auftragspolster, gestiegene Kapazitätsauslastung und eine leichte Entspannung der Lieferprobleme. Die Dienstleistungs- und Handelsunternehmen dürften von einer Verbesserung der Pandemielage im Frühjahr profitieren. Ein erster Gesetzentwurf lässt die Anhebung des Mindestlohns auf EUR 12 im Oktober 2022 erwarten. [mehr]
Brief Deutsche Bank Research 1 Eric Heymann, eric.heymann@db.com, +49 69 910-31730 Marc Schattenberg, marc.schattenberg@db.com, +49 69 910-31875 Stefan Schneider, stefan-b.schneider@db.com, +49 69 910-31790 26. Januar 2022 Deutschland: Konjunktur und Corona kompakt Dieses Dokument darf an Kunden weitergegeben werden. Schlüsselthema der Woche  Deutsche Bank Research ändert Einschätzung zur EZB-Politik: Die aktuelle Inflationsentwicklung ist deutlich breiter und nachhaltiger als zunächst vermutet. Wir erwarten nun, dass auch in der mittleren Frist (in den Jahren 2024/25) die Inflationsrate bei rd. 2% liegen wird, eine Einschätzung, die sich auch in künftigen Projektionen der EZB widerspiegeln dürfte. Damit werden dann alle drei von der EZB fest gelegten Kriterien für eine Zinserhöhung erfüllt sein (1. HVPI-Rate muss ausreichend vor Ende des Prognosehorizonts (ca. 18 Mon.) beim Inflationsziel von 2% liegen. 2. HVPI muss dauerhaft (18 Mon. bis 3 Jahre) bis zum Ende des Prognosehorizonts bei 2% erwartet werden. 3. Aktuelle HVPI muss hin reichend fortgeschritten beim 2%-Ziel liegen.). Entsprechend erwarten wir nun, dass die EZB bereits Ende 2022 ihren Einlagezinssatz um 25 Basispunkte anheben wird. Weitere Zinsschritte um jeweils 25 Basispunkte pro Quartal dürften folgen. Die EZB dürfte auch ihr APP-Wertpapierkaufprogramm bis Ende September beendet haben. Eine spätere Zinsanhebung (März oder Juni 2023) könnte u.a. dann eintreten, wenn die Löhne nur geringfügig steigen oder wenn geopolitische Spannungen zu einem ge änderten wirtschaftlichen Ausblick führen. Zwar erwarten wir nach wie vor einen leichten Rückgang der Inflationsrate im Verlauf von 2022. Allerdings dürfte der EWU-HVP aufgrund der hohen Werte zu Jah resbeginn im Gesamtjahr auf 4% steigen (nach 2.6% in 2021). Die Bundesbank hat in ihrem aktuellen Monatsbericht ausgeführt, dass auch die Inflationsrate in Deutschland Anfang 2022 „außerordentlich hoch" bleiben dürfte, obwohl Sondereffekte (Mehrwertsteuer, geringere Erhöhung der CO 2 -Abgabe) ent fallen. Am kommenden Montag wird die Inflationsrate für Deutschland für Januar berichtet. In unserem Germany Blog zeigen wir auf, dass die Klima- und Energiepolitik auch mittelfristig zu einer höheren Teuerungsrate beitragen dürfte. Wirtschaftliches Update Deutschland:  Ifo: Ifo Geschäftsklimaindex stieg im Januar auf 95,7 (94,8) , nachdem er sechs Monate auf Talfahrt war. Die Aufwärtsbewegung wurde von einer deutlichen Verbesserung der Geschäftserwartungen (Jan: 95,2 gg. Dez. 92,7) getrieben. Leichte Entspannungen bei Lieferengpässen und die Erwartung saisonal abflauender Infektionszahlen stützten die Aussichten über alle befragten Sektoren. Die Lagebeurteilung (Jan: 96,1 gg. Dez: 96,9) hat sich aber erneut leicht eingetrübt. Die aktuellen ifo-Daten passen zu unse rer Erwartung einer leichten technischen Rezession im Winterhalbjahr 2021/22.  BIP-Zahlen für Q4: Am Freitag wird die vorläufige BIP-Wachstumsrate für Q4 2021 veröffentlicht. Im Kommentar zur Jahresrate 2021 (2,7%) deutete das Statistische Bundesamt an, dass der Rückgang im Bereich von -0,5% bis -1% gg. Vq. liegen dürfte. Auch für Q1 2022 erwarten wir einen Rückgang um etwa 0,5% gg. Vq. Im Frühjahr dürfte die Konjunktur deutlich an Fahrt gewinnen.  Erzeugerpreise steigen um mehr als 24%. Die Erzeugerpreise für gewerbliche Produkte expandierten im Dezember um 24,2% gg. Vj. Das ist der stärkste Anstieg seit Beginn der Zeitreihe im Jahr 1949. Am kommenden Freitag werden die deutschen Einfuhrpreise berichtet. Auch hier ist ein Anstieg um mehr als 20% gg. Vj. zu erwarten. Die ifo-Preiserwartungen lagen im Dezember weiterhin in der Nähe des Rekordniveaus vom November.  Auftragsbestand: Der Auftragsbestand im Verarbeitenden Gewerbe in Deutschland ist erneut gestie gen und hat einen neuen Rekordwert erreicht. Er liegt jetzt um mehr als 27% über dem Niveau von vor der Corona-Krise (Februar 2020). Lieferengpässe sind weiterhin ein Grund hierfür. Wirtschaftliches Update International:  Eurozone - Stimmungsindikatoren und Verbraucherpreise: In Europa werden am Freitag Stim mungsindikatoren veröffentlicht. Die PMI-Daten Anfang der Woche fielen gemischt aus: Während sich die Stimmung in der Industrie verbesserte, gab es bei den Dienstleistungen einen Rücksetzer. Die wich tigsten Datenpunkte werden am kommenden Montag (erste BIP-Schätzung für Q4) sowie am Mittwoch nächster Woche (Inflationsrate) veröffentlicht.  USA - Fed-Sitzung: In den USA steht heute die Sitzung der US-Notenbank Fed auf der Tagesord nung. Ein erster Zinsschritt dürfte noch nicht erfolgen. Damit rechnen wir erst im März. Zudem erwarten wir insgesamt vier Zinsschritte im Gesamtjahr 2022. Die Fed hat die Inflationsrisiken in den letzten Wo chen sehr viel stärker betont als die EZB. Deutsche Bank DB Research 2 © Copyright 2022. Deutsche Bank AG, Deutsche Bank Research, 60262 Frankfurt am Main, Deutschland. Alle Rechte vorbehalten. Bei Zitaten wird um Quellenangabe „Deutsche Bank Research" gebeten. Die vorstehenden Angaben stellen keine Anlage-, Rechts- oder Steuerberatung dar. Alle Meinungsaussagen geben die aktuelle Einschätzung des Ver fassers wieder, die nicht notwendigerweise der Meinung der Deutsche Bank AG oder ihrer assoziierten Unternehmen entspricht. Alle Meinungen kön nen ohne vorherige Ankündigung geändert werden. Die Meinungen können von Einschätzungen abweichen, die in anderen von der Deutsche Bank veröffentlichten Dokumenten, einschließlich Research-Veröffentlichungen, vertreten werden. Die vorstehenden Angaben werden nur zu Informations zwecken und ohne vertragliche oder sonstige Verpflichtung zur Verfügung gestellt. Für die Richtigkeit, Vollständigkeit oder Angemessenheit der vorste henden Angaben oder Einschätzungen wird keine Gewähr übernommen. In Deutschland wird dieser Bericht von Deutsche Bank AG Frankfurt genehmigt und/oder verbreitet, die über eine Erlaubnis zur Erbringung von Bankge schäften und Finanzdienstleistungen verfügt und unter der Aufsicht der Europäischen Zentralbank (EZB) und der Bundesanstalt für Finanzdienstleis tungsaufsicht (BaFin) steht. Im Vereinigten Königreich wird dieser Bericht durch Deutsche Bank AG, Filiale London, Mitglied der London Stock Exchange, genehmigt und/oder verbreitet, die von der UK Prudential Regulation Authority (PRA) zugelassen wurde und der eingeschränkten Aufsicht der Financial Conduct Authority (FCA) (unter der Nummer 150018) sowie der PRA unterliegt. In Hongkong wird dieser Bericht durch Deutsche Bank AG, Hong Kong Branch, in Korea durch Deutsche Securities Korea Co. und in Singapur durch Deutsche Bank AG, Singapore Branch, verbreitet. In Japan wird dieser Bericht durch Deutsche Securities Inc. genehmigt und/oder verbreitet. In Australien sollten Privatkunden eine Kopie der betreffenden Produktinformation (Product Disclosure Statement oder PDS) zu jeglichem in diesem Bericht erwähnten Finanzinstrument beziehen und dieses PDS berücksichtigen, bevor sie eine Anlageentscheidung treffen. Wirtschafts- und ordnungspolitische Maßnahmen:  Mindestlohn: Lt. Pressemeldungen soll der deutsche Mindestlohn (gem. Gesetzentwurf) bereits zum 01. Oktober 2022 auf EUR 12 angehoben werden. Bislang war eine Anhebung zum 1. Juli auf EUR 10,45 vorgesehen, von derzeit EUR 9,82. Von der erneuten Anhebung im Okt. dürften gut 6 Mio. Be schäftigte betroffen sein.  Politische Reaktion auf hohe Energiepreise: In Deutschland wird darüber diskutiert, die erst für 2023 vorgesehene Abschaffung der EEG-Umlage zeitlich vorzuziehen. Bereits zum Jahreswechsel wurde die EEG-Umlage von 6,5 Cent pro kWh auf gut 3,7 Cent abgesenkt. Corona-Update:  Global steigt die Zahl der Corona-Neuinfektionen weiter an, allerdings bei verringerter Dynamik. Die offi ziell gemeldeten Todesfälle im Zusammenhang mit Corona nehmen deutlich langsamer zu als die Zahl der Neuinfektionen. Wir hatten in der letzten Woche ausgeführt, dass die Fallzahlen in jenen Ländern bereits wieder gesunken waren oder sich stabilisiert hatten, in denen die Omikron-Variante sehr früh das Infektionsgeschehen dominiert hatte. In Dänemark oder Frankreich kam es in den letzten Tagen jedoch wieder zu einem beschleunigten Anstieg. Wissenschaftler untersuchen derzeit, ob dies mit dem Omikron-Subtyp (BA.2) zu tun haben könnte, der in Dänemark schon das Infektionsgeschehen domi niert. Aktuell sind noch viele Fragen offen, aber BA.2 könnte noch ansteckender sein als die zunächst aufgetretene Omikron-Variante (BA.1) und/oder den Immunschutz (z.B. durch Impfung) noch leichter umgehen. Zudem könnten Reinfektionen auftreten. Das heißt, wer sich bereits mit BA.1 infiziert hat, kann sich später dennoch mit dem Subtyp BA.2 infizieren. Bislang gibt es keine Hinweise darauf, dass BA.2 schwerere Krankheitsverläufe auslöst. Zudem dürfte eine Impfung auch bei BA.2 vor schweren Krankheitsverläufen schützen. Erste Untersuchungen aus Dänemark zeigen jedenfalls keine Unter schiede bei der Hospitalisierung. Artikel hierzu im Q&A-Format.  Einzelne Zahlen zu Deutschland: 7-Tage-Inzidenz in Deutschland letzte Woche weiter auf neuen Re kordwert gestiegen (heute 940,6). In KW 2 sehr hohe Inzidenzen bei den 5- bis 29-Jährigen. Inzidenzen hier zum Teil mehr als zehnmal so hoch wie in älteren Bevölkerungsgruppen.  Hospitalisierungsrate in Deutschland im Vergleich zur Vorwoche auf 4,07 gestiegen. Gestern 2.364 Er wachsene in intensivmedizinischer Behandlung. Erneuter Rückgang gg. Vorwoche, aber zuletzt auch wieder leichte Anstiege an einzelnen Tagen. Spitzenwert war über 5.700. Wieder mehr Krankenhäuser im Regelbetrieb. Größtes Engpassrisiko liegt im Personal (Quarantäne und Infektionsrisiko).  Rückgang bei Zahl der Todesfälle im Zusammenhang mit Corona gg. Vorwoche (1.045 letzte Woche; in der Spitze waren es über 6.000 pro Woche). Fallsterblichkeit sinkt weiter auf 1,3%.  Spürbarer Rückgang bei Zahl der Impfungen (letzte Woche gut 3,2 Mio. Dosen und damit 1 Mio. weni ger als in der Vorwoche). Auffrischungsimpfungen dominieren. 50% der Gesamtbevölkerung mit Boos ter-Impfung, 24,6% der Bevölkerung ungeimpft.  Bund-Länder-Beschluss hier im Wortlaut . Aktuelle Regelungen bleiben in Kraft. Wegen knapper PCR Testkapazitäten soll eine Priorisierung beim Einsatz der PCR-Tests vorgenommen werden: Sie sollen „auf vulnerable Gruppen und Beschäftigte, die diese betreuen und behandeln, konzentriert werden."
23.1.3