1. Research
20. Januar 2021
Beschlüsse der Bund-Länder-Konferenz: Verlängerung der aktuellen Maßnahmen bis zum 14. Februar. Pflicht zum Tragen medizinischer Masken im ÖPNV und im Einzelhandel. Per Verordnung mehr Homeoffice, wo immer dies möglich ist. Verlängerung der bisherigen Maßnahmen bei Kitas und Schulen und „restriktive Umsetzung“. * Auftragsbestand im Verarbeitenden Gewerbe in Deutschland steigt zum sechsten Mal in Folge. * Vorläufiger Bundeshaushaltsabschluss 2020: Defizit und Neuverschuldung deutlich geringer als erwartet, auch aufgrund von Verzögerungen beim Mittelabfluss (Hilfsgelder). * Umsatz im deutschen Gastgewerbe ist 2020 um 38% gg. Vorjahr zurückgegangen. * Zahl der Neuinfektionen in Deutschland rückläufig (-21% gg. Vorwoche), weniger Intensivpatienten, aber hohe Todesfallzahlen. [mehr]
Brief Deutsche Bank Research 1 Deutsche Bank Research Frankfurt Team Stefan Schneider, stefan-b.schneider@db.com, +49 69 910-31790 Eric Heymann, eric.heymann@db.com, +49 69 910-31730 20. J anuar 2021 Deutschlands Kampf gegen das Coronavirus - Update Dieses Dokument darf an Kunden weitergegeben werden. Corona-Update:  Die weltweite Zahl der neu registrierten COVID-19-Fälle ist in der letzten Woche leicht gesunken. Rück läufige oder stagnierende Fallzahlen in den meisten europäischen Staaten. Deutliche Beruhigung in Ir land nach zwischenzeitlich rapidem Anstieg. Fallzahlen aber in vielen Ländern noch auf hohem Nive au ( UK , ES). Rüc kläufige Zahlen in den USA sowie in Indien, dagegen Zuwachs in Brasilien. Die Zahl d er neuen Todesfälle im Zusammenhang mit COVID-1 9 ist weltweit weiter leicht ge stiegen.  Die wichtigsten Daten für Deutschland: 114.576 neue Fälle in Deutschland in den letzten 7 Tagen. Rückgang auf Wochenbasis um 20,9%. Wert liegt um 35% unter dem Höchststand aus der Woche vor Weihnachten. 7-Tage-Inzidenz gg. Vorwoche auf 123,5 gestiegen (Höchststand am 21. Dezember: 197). Kein Feiertagseffekt mehr.  Aktuell offiziell etwa 277.700 akute Erkrankungsfälle (etwa 0,33% der Bevölkerung). Rückgang bei der Zahl der akuten Erkrankungsfälle gg. Vorwoche. Erstmals seit etwa Anfang/Mitte Dezember wieder un ter 300.000.  4.947 COVID-19-Patienten in intensivmedizinischer Behandlung; Rückgang um 283 Patienten in einer Woche. Zuletzt fast immer Rückgänge auf Tagesbasis (auch wegen hoher Todesfallzahlen). 16% aller Intensivbetten nicht belegt.  Kumulierte Zahl der bestätigten COVID-19-Infektionen in Deutschland: 2.068.002.  Kumuliert 48.770 Todesfälle. In der letzten Woche 6.133 Todesfälle; knapp neuer Rekordwert. Deutli che Übersterblichkeit in der KW 51 (+24% gg. Durchschnitt der Vorjahre). Vor allem Altersgruppe der Über-80-Jährigen betroffen.  Geschätzt sind etwa 1.741.800 Menschen in Deutschland von ihrer COVID-19-Erkrankung genesen. Offizielle Fallsterblichkeit (Verhältnis von allen offiziellen COVID-19-Todesfällen zu COVID-19-Fällen) auf 2,4% gestiegen. Fallsterblichkeit seit Anfang Juni liegt bei 2,1%. Todesfälle steigen noch immer schneller als Neuinfektionen; weiterhin viele Ausbrüche in Alten- und Pflegeheimen. Laut RKI nach wie vor wichtigstes Umfeld bei bekannten Neuinfektionen, vor privaten Haushalten.  Erneut kein Landkreis ohne neue Infektionen oder mit maximal fünf bzw. 25 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner in den letzten sieben Tagen. Aktuell liegen nur 14 Land- bzw. Stadtkreise nicht über der Corona-Obergrenze (mehr als 50 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner in den letzten sieben Tagen). In 277 Fällen liegt die 7-Tage-Inzidenz über 100; davon in 32 Fällen über 250; Tendenz rückläufig. Nachverfolgung der Infektionsketten vielerorts weiterhin sehr problematisch.  Gesunkene 7-Tage-Inzidenz in allen Altersgruppen. Gruppe der 65- bis 79-Jährigen weiter unter dem bundesdeutschen Durchschnitt von 123,5. Diesen Menschen, die zumeist nicht in Einrichtungen woh nen, gelingt es besser als dem Bundesdurchschnitt, sich vor Infektionen zu schützen.  7-Tage-R-Wert in den letzten Tagen wieder unter 1. Gestern: 0,87. Aktueller RKI-Situationsbericht hier .  In KW 1 wurden etwa 1,2 Mio. Tests durchgeführt; Anstieg gg. den Vorwochen, die von Feiertagen ge prägt waren. Positiv-Quote auf 12,8% gesunken von 15,9% (Tiefstand lag bei 0,6%). PCR-Testkapazi täten bei 2,2 Mio. pro Woche. Neue Daten zu Tests werden heute Abend veröffentlicht.  Bislang knapp 1,2 Mio. Menschen (einmalig) geimpft. Knapp 500.000 mehr als in der Vorwoche. Zudem wurde damit begonnen, die zweite Impfdosis zu verabreichen. Temporär geringere Lieferungen des Impfstoffs von Pfizer und Biontech (Umbau der Produktionsanlagen).  Mund-Rachen-Spülungen können als zusätzliche Schutzmaßnahmen z.B. in Kliniken oder Pflegehei men dienen. Virenlast wird verringert.  Spahn: Mindestens 5% der Positivproben sollen künftig auf Mutationen untersucht werden. Südafrikani sche Virusmutation führt wohl nicht zu höherer Quote an Todesfällen. Virusmutation auch in einer Klinik in Garmisch-Partenkirchen entdeckt . Untersuchungen laufen.  UK hat damit begonnen, die Über-70-Jährigen zu impfen. Wirtschaftliches Update:  Auftragsbestand im Verarbeitenden Gewerbe in Deutschland steigt zum sechsten Mal in Folge. Zu wachs im November um 0,8% gg. Vormonat. Damit liegt Auftragsbestand um knapp 6% über dem Deutsche Bank DB Research 2 © Copyright 2021. Deutsche Bank AG, Deutsche Bank Research, 60262 Frankfurt am Main, Deutschland. Alle Rechte vorbehalten. Bei Zitaten wird um Quellenangabe „Deutsche Bank Research" gebeten. Die vorstehenden Angaben stellen keine Anlage-, Rechts- oder Steuerberatung dar. Alle Meinungsaussagen geben die aktuelle Einschätzung des Ver fassers wieder, die nicht notwendigerweise der Meinung der Deutsche Bank AG oder ihrer assoziierten Unternehmen entspricht. Alle Meinungen kön nen ohne vorherige Ankündigung geändert werden. Die Meinungen können von Einschätzungen abweichen, die in anderen von der Deutsche Bank veröffentlichten Dokumenten, einschließlich Research-Veröffentlichungen, vertreten werden. Die vorstehenden Angaben werden nur zu Informations zwecken und ohne vertragliche oder sonstige Verpflichtung zur Verfügung gestellt. Für die Richtigkeit, Vollständigkeit oder Angemessenheit der vorste henden Angaben oder Einschätzungen wird keine Gewähr übernommen. In Deutschland wird dieser Bericht von Deutsche Bank AG Frankfurt genehmigt und/oder verbreitet, die über eine Erlaubnis zur Erbringung von Bankge schäften und Finanzdienstleistungen verfügt und unter der Aufsicht der Europäischen Zentralbank (EZB) und der Bundesanstalt für Finanzdienstleis tungsaufsicht (BaFin) steht. Im Vereinigten Königreich wird dieser Bericht durch Deutsche Bank AG, Filiale London, Mitglied der London Stock Exchange, genehmigt und/oder verbreitet, die von der UK Prudential Regulation Authority (PRA) zugelassen wurde und der eingeschränkten Aufsicht der Financial Conduct Authority (FCA) (unter der Nummer 150018) sowie der PRA unterliegt. In Hongkong wird dieser Bericht durch Deutsche Bank AG, Hong Kong Branch, in Korea durch Deutsche Securities Korea Co. und in Singapur durch Deutsche Bank AG, Singapore Branch, verbreitet. In Japan wird dieser Bericht durch Deutsche Securities Inc. genehmigt und/oder verbreitet. In Australien sollten Privatkunden eine Kopie der betreffenden Produktinformation (Product Disclosure Statement oder PDS) zu jeglichem in diesem Bericht erwähnten Finanzinstrument beziehen und dieses PDS berücksichtigen, bevor sie eine Anlageentscheidung treffen. Corona-Tief vom Mai 2020. Zuvor Rückgang der Beschäftigung im Verarbeitenden Gewerbe um 0,1% gg. Vormonat. Im Vergleich zum Vorjahr ist dies nur ein Minus von 2,8%; Kurzarbeit stützt.  Vorläufiger Bundeshaushaltsabschluss 2020 : Defizit und Neuverschuldung deutlich geringer als erwar tet ( Presse ). 2020 fielen Defizit und Nettokreditaufnahme (EUR 130,5 Mrd. bzw. 3,9% vom BIP) deutlich niedriger als veranschlagt (EUR 217,8 Mrd. bzw. 6,5%) aus. Gründe: Rückgang bei Steuereinnahmen (EUR 283,3 Mrd. vs. EUR 264,4 Mrd.) und Anstieg bei Ausgaben (EUR 443,4 Mrd. vs. EUR 508,5 Mrd.) weniger drastisch als erwartet. Wir finden: Einerseits gut, dass der Schuldenberg weniger stark als be fürchtet wächst. Andererseits Beleg, dass es nach wie vor erhebliche Probleme und Verzögerungen beim Mittelabfluss (Corona-Wirtschaftshilfen, öffentliche Investitionen) gibt; mehr Pleiten erwartet . Bun desregierung hat angekündigt, die Corona-Wirtschaftshilfen auszuweiten und den Zugang zu erleich tern . Künftig soll u.a. die monatliche Obergrenze bei bis zu EUR 1,5 Mio. pro Unternehmen liegen statt bisher EUR 500 Tsd. (Kosten der Nachbesserungen: ca. EUR 10 Mrd.). Insgesamt ist zu erwarten, dass viele der nicht in 2020 verausgabten Mittel erst in diesem Jahr defiziterhöhend anfallen werden.  Der Umsatz im deutschen Gastgewerbe ist 2020 um 38% gg. Vorjahr zurückgegangen . In den kom menden Wochen und Monaten viele Geschäftsaufgaben zu erwarten. 72% weniger Gästeübernachtun gen im November als im Vorjahr.  23% mehr Paketversendungen im Weihnachtsgeschäft 2020 als im Vorjahr.  Letzte Woche: Deutsches BIP -5% im Jahr 2020, Haupttreiber privater Verbrauch (-6%). Wirtschafts- und geldpolitische Maßnahmen:  Beschlüsse der gestrigen Bund-Länder-Beratungen werden vor allem mit Gefahr durch Virusmutationen begründet. Vorsorgeprinzip. Verlängerung der aktuell gültigen Maßnahmen bis zum 14. Februar. Emp fehlung zu noch weniger Kontaktpersonen. Pflicht zum Tragen medizinischer Masken im ÖPNV und im Einzelhandel; Empfehlung auch bei längeren persönlichen Kontakten. Zudem wollen Bund und Länder per Verordnung des BMAS mehr Homeoffice , wo immer dies die Arbeitsaufgaben erlauben. Lt. Böckler Erwerbspersonenbefragung lag der Anteil im November (14%) deutlich unter dem des Lockdowns An fang 2020 (Apr: 27%). Hier unser aktuelles Podzept zum Thema . Höherer Schutz der Belegschaften, wo Homeoffice nicht möglich ist (Tragen von medizinischen Masken). Kitas und Schulen : Auch hier Ver längerung der bisherigen Maßnahmen und „restriktive Umsetzung". Merkel: Höhere Ansteckungsgefahr durch Virusmutationen auch bei Kindern und Jugendlichen. Gottesdienste weiter unter strengen Aufla gen erlaubt, aber nun muss bei mehr als 10 Teilnehmern vorher Anmeldung beim Ordnungsamt erfol gen. Personelle Stärkung der Gesundheitsämter. EU wird zum Thema Reisen beraten. Presse.  Corona-Hilfen der EU : Befürchtung, dass gerade südeuropäische Länder (Italien, Spanien) Corona-Hil fen der EU nur unzureichend abrufen werden. Politischer Streit über Verwendung der Mittel. Zugleich will EU-Kommission höhere Staatshilfen für größere Unternehmen genehmigen. Presse hierzu . Unternehmensnachrichten:  Eurowings einigt sich mit Ver.di auf Krisenpaket zur Sicherung der Beschäftigung.  Deutsche Bahn : Weniger Passagiere, höhere Pünktlichkeit.  Presse: Galeria Karstadt Kaufhof verhandelt mit Bundesregierung über Finanzhilfen. Etwas Positives zum Schluss:  Die Impfstoffproduktion von Pfizer/Biontech kann künftig auch im westfälischen Halle stattfinden. Lokal ansässiges US-Pharmaunternehmen wird beauftragt. Wichtig: Auch ein weiterer Impfstoff (der US Firma Novavax ), dem bislang allerdings noch die Zulassung fehlt, soll später dort hergestellt werden.
13.3.0