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  4. Deutschland Monitor Unternehmensfinanzierung
1. März 2018
Das Kreditvolumen mit Unternehmen und Selbstständigen hat auch im Schlussquartal kräftig zugelegt (+0,7% ggü. Vq.) und ist 2017 insgesamt um 3,7% gestiegen – das höchste Plus seit der Finanzkrise. Dazu trugen viele Branchen bei. Die Auslandsbanken verzeichneten zweistelliges Wachstum, gefolgt von den Verbünden, während inländische Kreditbanken den Anschluss verloren. Das Zinsniveau stabilisierte sich. Das Anleihegeschäft litt unter der starken Kreditvergabe. Die deutsche Volkswirtschaft blieb auch in Q4 auf ihrem Expansionspfad (BIP +0,6% ggü. Vq.). Impulse kamen v.a. vom Außenhandel. Die Exporte verzeichneten mit 2,7% den stärksten Quartalsanstieg seit 2010. Die Ausrüstungsinvestitionen legten weiter zu, während Bauinvestitionen erneut schwächelten. Der private Konsum blieb unverändert. Im Gesamtjahr ergab sich ein starker BIP-Anstieg von 2,2% (kalenderbereinigt: 2,5%); für 2018 liegt die Prognose bei 2,3%. [mehr]
Deutschland-Monitor Unternehmensfinanzierung Unternehmensfinanzierung Kreditvergabe gewinnt weiter an Fahrt, Auslandsbanken wachsen zweistellig, gefolgt von Genossenschaftsbanken und Sparkassen. Das Kreditgeschäft mit Unternehmen und Selbstständigen in Deutschland hat auch im vierten Quartal weiter angezogen (ausstehendes Volumen EUR +8,4 Mrd. bzw. +0,7%) und 2017 insgesamt das kräftigste Plus seit fast einem Jahrzehnt erreicht (+3,7% ggü. Vorjahr). Es liegt damit aber weiterhin, wenn auch knapp, unter dem nomi- nalen BIP-Wachstum (3,8%). Der Anstieg war breit getragen – sowohl das Ver- arbeitende Gewerbe als auch die Dienstleister legten deutlich zu (insbesondere Maschinenbau/Auto bzw. die immobiliennahen Branchen und unternehmens- nahe Dienstleistungen). Ebenfalls positiv: Die langfristigen Kredite erreichten mit +3,8% ggü. Vorjahr den besten Wert seit Einführung des Euro. Die Auslands- banken setzten sich mit einem Zuwachs von über 10% an die Spitze, gefolgt von Kreditgenossenschaften und Sparkassen. Erstere expandierten so stark wie seit der Finanzkrise nicht mehr. Im Gegensatz dazu war das Wachstum der in- ländischen Kreditbanken das schwächste seit der Krise und die Landesbanken hinkten weiter hinterher. Das Einlagenvolumen erhöhte sich um solide 1,9%. Das Zinsniveau stabilisierte sich nach jahrelangem Rückgang, bei Einlagen al- lerdings im negativen Bereich. Substitution von Kapitalmarkt- durch Kreditfinanzierung. Unter der starken Kre- ditvergabe litten die übrigen externen Finanzierungskanäle. Nach dem Rekord im Vorjahr brachen Anleiheemissionen 2017 um zwei Drittel ein. Aktienemissio- nen wurden von einer Transaktion aus dem Finanzsektor dominiert, während Commercial Paper praktisch stagnierten. Nur das Leasinggeschäft schnitt mit einem Allzeithoch an neu abgeschlossenen Verträgen ausgezeichnet ab (+7%). Konjunktur Die deutsche Wirtschaft legte im vierten Quartal weiter zu. Das BIP-Wachstum hat sich im Schlussquartal 2017 mit 0,6% ggü. Vq. als robust erwiesen. Dabei kamen die Wachstumsimpulse in erster Linie vom Außenhandel. Die Exporte stiegen um 2,7% ggü Vq. Die Importe legten mit 2,0% ggü. Vq. ebenfalls kräftig zu. Vor dem Hintergrund der hohen Kapazitätsauslastung legten auch die Inves- titionen in Ausrüstungen mit 0,7% ggü Vq. weiter zu. Die Bauinvestitionen gin- gen hingegen mit -0,4% ggü Vq. das zweite Quartal in Folge zurück. Aufgrund der hohen Auslastung der Bauindustrie könnten Kapazitäts- und Lieferengpässe die Investitionen in Bauten zunehmend begrenzt haben. Für das Jahr 2018 erwarten wir einen BIP-Anstieg von 2,3%. Die Prognose der Industrieproduktion wurde auf 2,5% angehoben. Mit Blick auf das gute weltwirt- schaftliche Umfeld und insbesondere auf die fortschreitende Erholung der Euro- zone sehen wir für unsere Wachstumsprognose von 2,3% eher Aufwärts- als Abwärtsrisiken, zumal die deutsche Volkswirtschaft mit einem Wachstumsüber- hang von 1% in das neue Jahr gestartet ist. Die Wachstumsimpulse dafür dürf- ten – wie bereits in 2017 – hauptsächlich vom privaten Verbrauch und den In- vestitionen kommen. Autoren Jan Schildbach +49 69 910-31717 jan.schildbach@db.com Marc Schattenberg +49 69 910-31875 marc.schattenberg@db.com Editor Stefan Schneider Deutsche Bank AG Deutsche Bank Research Frankfurt am Main Deutschland E-Mail: marketing.dbr@db.com Fax: +49 69 910-31877 www.dbresearch.de DB Research Management Stefan Schneider 1. März 2018 Kreditvergabe zieht weiter an, Konjunktur in Deutschland boomt in Q4 2017 Kreditvergabe zieht weiter an, Konjunktur in Deutschland boomt in Q4 2017 2 | 1. März 2018 Deutschland-Monitor Unternehmensfinanzierung in Deutschland Kreditvolumen Die Kreditvergabe an Unternehmen und Selbstständige hat sich in Deutschland auch zum Jahresende 2017 weiter beschleunigt. Im Vorjahresvergleich lag das ausstehende Kreditvolumen bereinigt 3,7% oder EUR 44,8 Mrd. im Plus – der stärkste Anstieg seit 2008. Zwischen September und Dezember gab es einen Zuwachs von EUR 8,4 Mrd. bzw. 0,7%, auch das der beste Q4-Wert seit fast ei- nem Jahrzehnt. Gleichzeitig war es schon der 12. Quartalsanstieg in Folge. Eine solch lange, wenngleich eher flache Expansionsphase hat es seit der Einfüh- rung des Euro in Deutschland noch nicht gegeben. Das Kreditgeschäft bleibt damit im Einklang mit der ausgesprochen positiven gesamtwirtschaftlichen Ent- wicklung (zu den Details des Konjunkturverlaufs und -ausblicks siehe Teil 2 im Anschluss). Im Euroraum kommt die Kreditvergabe dagegen trotz ähnlich guter Rahmenbe- dingungen nicht vom Fleck. Im vierten Quartal erhöhte sich das Kreditvolumen mit nichtfinanziellen Unternehmen zwar um 0,4%, lag damit aber nur 0,2% hö- her als vor einem Jahr. Diese Stagnation hält seit nunmehr dreieinhalb Jahren an. Auch wenn Portfolioverkäufe notleidender Kredite in südeuropäischen Län- dern die Schwäche überzeichnen, ist die Diskrepanz zum dynamischen Kredit- geschäft in Deutschland doch frappierend. Unter den verschiedenen Sektoren in Deutschland bleibt die Kreditvergabe an das Dienstleistungsgewerbe auf einem stetigen Wachstumskurs (bereinigt um statistische Brüche +4,7% ggü. Vorjahr). Das deutlich volatilere Verarbeitende Gewerbe verzeichnete zwar im Quartalsvergleich nur ein quasi konstantes Kre- ditvolumen, verbesserte sich aber auf 12-Monats-Sicht auf +4,9%. Auf den ers- ten Blick nicht ganz so gut läuft das Kreditgeschäft mit Selbstständigen. Der An- stieg um 2,5% bedeutet jedoch den besten Wert seit Anfang 2000. Innerhalb des Verarbeitenden Gewerbes konnte die größte Branche, Maschi- nenbau/Auto, 2017 den stärksten Zuwachs verbuchen (+9,3%), gefolgt von Chemie (9,2%) und Ernährung (6,8% – der kräftigste Anstieg seit dem Wieder- vereinigungsboom 1992). Textil verzeichnete das einzige Minus (-0,7%). Bei der Industriebranche mit dem zweithöchsten Kreditvolumen – Metall – stagnierte der Kreditbestand de facto. Bei den sonstigen Branchen beschleunigte sich 2017 das Kreditgeschäft in mehreren Bereichen: Versorger/Bergbau (bereinigt +5% ggü. Vj.), Handel (+4%) und Bau (bereinigt +3,9%). Im Gegensatz dazu gab es bei der Landwirtschaft das erste Minus im Vorjahresvergleich seit 2005 (-0,8%), während sich die Schrumpfkur des Kreditvolumens mit der Verkehrsbranche ungebremst fort- setzte (-9,6%). Im Dienstleistungssektor hält das starke Wachstum bei Wohnungsunternehmen an (+5% ggü. Vj.). Auch bei Telekom/Beratung/Werbung, d.h. den unterneh- mensnahen Dienstleistungen (+4,5%), Gewerbeimmobilien (bereinigt +4,2%) und den Beteiligungsgesellschaften (+16,4%) entwickelte sich die Kreditvergabe weiterhin deutlich positiv, während die Dynamik bei Tourismus/Gastronomie (+3,1%) und Gesundheit (+2,8%) etwas moderater war. Wieviel Schwung das Geschäft mit Dienstleistungsfirmen insgesamt in den letzten beiden Jahren ge- wonnen hat, zeigt sich auch daran, dass für einige Branchen das Kreditvolumen einen Rekordstand erreicht hat: für Wohnungsunternehmen, unternehmensnahe Dienstleistungen und Gesundheit. Trotzdem liegt der Gesamtbetrag für alle Dienstleister noch unter dem Höchstwert von 2002. Hinsichtlich der Kreditfristigkeiten war in Q4 nur das relativ gute Abschneiden der kurzfristigen Kredite bemerkenswert. Diese sind in der Regel zum Jahres- ende hin stark rückläufig (-4,2% ggü. Vorquartal im Durchschnitt der Jahre 2010-16), dieses Mal jedoch blieb das Minus mit -1,3% eher gering. Dadurch -2 -1 0 1 2 3 4 13 14 15 16 17 ggü. Vorjahr ggü. Vorquartal Kredite an inländische Unternehmen und Selbstständige* 1 % * ohne sonstige Finanzinstitute Quellen: Bundesbank, Deutsche Bank Research -6 -4 -2 0 2 4 6 13 14 15 16 17 Verarbeitendes Gewerbe Dienstleistungssektor Selbstständige ... nach Branche 2 % ggü. Vorjahr Quellen: Bundesbank, Deutsche Bank Research -6 -4 -2 0 2 4 6 8 13 14 15 16 17 Kurzfristige Kredite Mittelfristige Kredite Langfristige Kredite ... nach Fristigkeit* 3 % ggü. Vorjahr * ohne sonstige Finanzinstitute Quellen: Bundesbank, Deutsche Bank Research -12 -9 -6 -3 0 3 6 9 12 13 14 15 16 17 Kreditbanken darunter Auslandsbanken Landesbanken Sparkassen Kreditgenossenschaften ... nach Bankengruppe* 4 * ohne sonstige Finanzinstitute % ggü. Vorjahr Quellen: Bundesbank, Deutsche Bank Research Kreditvergabe zieht weiter an, Konjunktur in Deutschland boomt in Q4 2017 3 | 1. März 2018 Deutschland-Monitor drehte der Vorjahresvergleich auf +5,8% – die beste Marke seit der Finanzkrise. Auch die langfristigen Ausleihungen expandierten 2017 insgesamt um robuste 3,8% – sogar das höchste Jahresplus seit 1998. Kredite mit mittlerer Laufzeit (1- 5 Jahre) kletterten um 1,2%. Vom breit angelegten Kreditaufschwung profitiert allerdings nur ein Teil des Bankensektors, genaugenommen hat sich der Markt zweigeteilt. Zu den Ban- kengruppen , deren Wachstum 2017 weiter angezogen hat, gehören die Aus- landsbanken (+10,4% ggü. Vj.), die Genossenschaftsbanken (+6,8%) sowie die Sparkassen (+5,1%). Erstere legten damit so kräftig zu wie seit 2008 nicht mehr. Auf der anderen Seite war das Kreditvolumen der Landesbanken (-0,8%) und der Förderbanken (einschließlich DZ Bank) mit bereinigt -3,5% unverändert rückläufig und die Kreditvergabe der einheimischen Kreditbanken verlangsamte sich auf nur noch +1%, den geringsten Wert seit 2009. Eine Ausweitung des Kreditgeschäfts gelang den Auslandsbanken im vergange- nen Jahr vor allem bei Maschinenbau/Auto sowie im Handel. Die Verbünde von Kreditgenossenschaften und Sparkassen wiederum schnitten bei den immobi- liennahen Branchen (Wohnungsunternehmen & Gewerbeimmobilienfirmen) aus- gesprochen gut ab und in geringerem Maße auch bei den unternehmensnahen Dienstleistungen. Die Sparkassen konnten außerdem ein nennenswertes Plus in der Baubranche verbuchen, die Genossenschaftsbanken bei der Gesundheit. Die Landesbanken waren in ihrer früheren Paradedisziplin Verkehr besonders schwach. Andere Finanzierungsquellen Die übrigen Finanzierungsformen haben unter dem Kreditaufschwung im ver- gangenen Jahr überwiegend gelitten. Bei der kurzfristigen Kapitalmarktfinanzierung von Nichtbanken über Commercial Paper stagnierte das Geschäft im Großen und Ganzen; die Nettoemission lag bei gerade einmal EUR 206 Mio. Angesichts der niedrigen Kosten, zu denen Unternehmen gegenwärtig auch über längere Fristen Gelder aufnehmen kön- nen, ist dies wenig überraschend. Der Anleihemarkt hat 2017 nach seiner rekordhohen Emissionsaktivität im Vor- jahr einen Einbruch erlebt. Das Volumen der von nichtfinanziellen Unternehmen netto neu begebenen Papiere fiel um zwei Drittel auf nur noch EUR 8,2 Mrd. Selbst die fortgesetzten Käufe der EZB konnten nichts daran ändern, dass man- che Schuldner offenbar lieber zu ihrer Hausbank zurückkehrten, um einen Kre- dit aufzunehmen, als sich die Mittel über den Kapitalmarkt zu beschaffen. Es kann aber auch ein Zeichen verstärkten Kapitalbedarfs von kleineren und mittle- ren Unternehmen sein, die häufig keinen Zugang zum Kapitalmarkt haben. Im Euroraum als Ganzes blieb die Emission von Anleihen dagegen robust, auch wenn es im Gesamtjahr einen 22%igen Rückgang auf EUR 67,6 Mrd. gab. Wie der Markt auf das wohl zum Jahresende zu erwartende Ende der EZB-Käufe re- agieren wird, bleibt vorerst abzuwarten. Das Leasinggeschäft in Deutschland hat 2017 mit neu abgeschlossenen Verträ- gen im Umfang von EUR 57,6 Mrd. ein Allzeithoch erreicht. Im Mobilienseg- ment, das den Schwerpunkt bildet, stand ein Plus von 8% ggü. Vj. auf EUR 56,5 Mrd. zu Buche. Das Wachstum war aus Objektsicht breit angelegt, einen Rück- gang verzeichnete lediglich die Büroelektronik. Immobilien wurden im Wert von EUR 1,1 Mrd. neu geleast (-12% ggü. Vj.). Die Unternehmen gaben 2017 für insgesamt EUR 15,6 Mrd. neue Aktien aus, wobei mehr als die Hälfte davon aus einer Kapitalerhöhung im Finanzsektor stammte. Im vierten Quartal ging eine Reihe mittelgroßer Unternehmen aus ver- schiedenen Branchen an die Börse oder erhöhte das Kapital. Im laufenden Jahr sind die Aussichten dank mehrerer großvolumiger Transaktionen, die zum Teil schon auf den Weg gebracht wurden, deutlich besser. -2 0 2 4 6 8 10 13 14 15 16 17 Anleihen inländischer nichtfinanzieller Unternehmen, Nettoemission 6 Mrd. EUR Quellen: Bundesbank, Deutsche Bank Research -8 -6 -4 -2 0 2 4 6 13 14 15 16 17 Commercial Paper inländischer Nichtbanken, Nettoemission 5 Mrd. EUR Quellen: Bundesbank, Deutsche Bank Research 0 2 4 6 8 10 12 14 16 13 14 15 16 17 Mobilien Immobilien Mrd. EUR Leasinggeschäft, Neuvolumen 7 Quelle: BDL 0 2 4 6 8 10 12 13 14 15 16 17 Aktienemissionen inländischer Unternehmen (einschl. Finanzinstitute) 8 Mrd. EUR Quellen: Bundesbank, Deutsche Bank Research Kreditvergabe zieht weiter an, Konjunktur in Deutschland boomt in Q4 2017 4 | 1. März 2018 Deutschland-Monitor Einlagenvolumen Nachdem die Einlagenzuflüsse der Unternehmen und Selbstständigen zuletzt etwas geschwächelt hatten, haben sie im Schlussquartal wieder angezogen und damit den Vorjahresvergleich auf solide +1,9% angehoben. 2017 hielt die Sub- stitution von längerfristigen Termingeldern (EUR -34 Mrd. bzw. -7% ggü. De- zember 2016) durch jederzeit verfügbare Sichteinlagen (EUR +58 Mrd., +8%) an. Unter dem Strich war jedoch im abgelaufenen Jahr zum ersten Mal seit 2012 das Kreditwachstum der deutschen Banken im Geschäft mit inländischen Unternehmen signifikant höher als das Einlagenwachstum. Ergebnisse des Bank lending surveys der EZB Die Banken nahmen in Q4 2017 bei den allgemeinen Standards für Kredite an deutsche Unternehmen keine nennenswerten Änderungen vor. Die konkreten Kreditkonditionen wurden vor allem aufgrund eines deutlich verschärften Wett- bewerbs von netto 13% der befragten Institute gelockert, was sich im Wesentli- chen in einer geringeren Marge für durchschnittliche Kredite niederschlug, bei großen Unternehmen auch in niedrigeren Kreditnebenkosten. Im Eurogebiet wurden die Kreditstandards nur bei Ausleihungen an große Unternehmen und bei kurzfristigen Krediten leicht gelockert und die Margen für durchschnittliche Kredite befanden sich weiter im Sinkflug (24% der Banken meldeten eine Ver- ringerung – das 19. Quartalsminus in Folge). Anhaltend positiv, wenn auch ohne viel Schwung entwickelt sich die Nachfra- gesituation in Deutschland. 9% der Banken registrierten eine Zunahme in Q4, wobei das Plus bei großen Unternehmen doppelt so stark ausfiel wie bei KMU und bei langfristigen Krediten doppelt so stark wie bei kurzfristigen. Förderlich wirkten sich hierbei verstärkte Investitionen der Unternehmen aus, dämpfend dagegen gute Profitabilität, d.h. Innenfinanzierung, sowie die Verfügbarkeit von Krediten anderer Banken. Im Euroraum fiel der Nachfrageanstieg kräftiger aus (21%), zudem gleichmäßig bei großen und kleineren Firmen. Für das erste Quartal 2018 gehen die deutschen Banken im Großen und Gan- zen von einer Fortsetzung der jüngsten Trends aus – keine wesentliche Ände- rung der Kreditstandards (mit Ausnahme einer moderaten Lockerung bei KMU), begrenzte Belebung der Nachfrage (überwiegend bei KMU und langfristigen Krediten). Auf EWU-Ebene ähneln die Erwartungen ebenfalls der Entwicklung in Q4. Zinssätze Nach jahrelangem Rückgang – de facto seit 2012 – hat sich das Zinsniveau 2017 stabilisiert. Im Kredit-Neugeschäft wurden zwar Großkredite (> EUR 1 Mio.) an Kapitalgesellschaften nochmals etwas günstiger (1,3% zum Jahres- ende), Kredite an Selbstständige und Personengesellschaften dagegen gering- fügig teurer (2,1%). Kleinkredite (< EUR 1 Mio.) blieben konstant bei 2,4%. Vari- abel verzinste Kredite und solche mit einer Zinsbindung von 1-5 Jahren wurden im Jahresvergleich jeweils etwas billiger (1,3% bzw. 1,8%), Kredite mit langer Zinsbindungsfrist von über 5 Jahren verharrten bei 1,7%. Diese leichte Inversion der Zinsstrukturkurve, mit höheren Zinsen in der mittleren als in der langen Frist, ist häufig ein Zeichen für einen kommenden Abschwung und hält üblicherweise nicht sehr lange an. In Europa gilt diese Anomalie allerdings mehr oder weniger schon seit Sommer 2007. Die Zinsen auf Sicht- wie auch auf Termineinlagen blieben im Jahresverlauf weitgehend stabil und bildeten somit bei -2 bzw. -3 Bp. (im Dezember) einen Boden aus. Jan Schildbach (+49 69 910-31717, jan.schildbach@db.com) 1.100 1.125 1.150 1.175 1.200 1.225 1.250 1.275 1.300 -40 -30 -20 -10 0 10 20 30 40 13 14 15 16 17 Termineinlagen, ggü. Vorquartal (links) Sichteinlagen, ggü. Vorquartal (links) Volumen insgesamt** (rechts) Mrd. EUR * einschließlich sonstiger Finanzinstitute ** Enthält Rückgang um EUR 80,9 Mrd. in Q3 13 und Anstieg um EUR 9,4 Mrd. in Q4 14 aufgrund statistischer Umklassifizierungen. Sicht - und Termineinlagen von inländi - schen Unternehmen & Selbstständigen* 9 Quellen: Bundesbank, Deutsche Bank Research Kreditvergabe zieht weiter an, Konjunktur in Deutschland boomt in Q4 2017 5 | 1. März 2018 Deutschland-Monitor -40 -35 -30 -25 -20 -15 -10 -5 0 Q 4 1 4 Q 2 1 5 Q 4 1 5 Q 2 1 6 Q 4 1 6 Q 2 1 7 Q 4 1 7 Deutschland Euroraum ... gesunken Bank lending survey: Margen für durchschnittliche Unternehmenskredite 11 Quellen: Bundesbank, EZB 0 5 10 15 20 25 30 35 40 Q 1 1 5 Q 3 1 5 Q 1 1 6 Q 3 1 6 Q 1 1 7 Q 3 1 7 Q 1 1 8 Deutschland Euroraum ... gestiegen Bank lending survey: Nachfrage nach Unternehmenskrediten* 12 * Q1 18 erwarteter Wert Quellen: Bundesbank, EZB 0,0 0,5 1,0 1,5 2,0 2,5 3,0 3,5 13 14 15 16 17 Kredite an nichtfinanzielle Kapitalgesellschaften, * EUR 1 Mio. Kredite an nichtfinanzielle Kapitalgesellschaften, > EUR 1 Mio. Kredite an Selbstständige und Personengesellschaften % Ø - Zins im Kredit - Neugeschäft, nach Kredithöhe 13 Quelle: EZB 0,0 0,5 1,0 1,5 2,0 2,5 3,0 3,5 4,0 13 14 15 16 17 Kredite mit Zinsbindung * 1 Jahr Kredite mit Zinsbindung von 1-5 Jahren Kredite mit Zinsbindung > 5 Jahre ... nach Zinsbindungsfrist 14 %, Kredite an nichtfinanzielle Kapitalgesellschaften Quelle: EZB -0,2 -0,1 0,0 0,1 0,2 0,3 0,4 13 14 15 16 17 Sichteinlagen Termineinlagen % Ø - Zins auf Einlagen von nichtfinanziellen Kapitalgesellschaften (Neugeschäft) 15 Quelle: EZB -12 -10 -8 -6 -4 -2 0 2 4 6 Q 1 1 5 Q 3 1 5 Q 1 1 6 Q 3 1 6 Q 1 1 7 Q 3 1 7 Q 1 1 8 Deutschland Euroraum * Q1 18 erwarteter Wert ... verschärft ... gelockert Bank lending survey: Kreditstandards für Unternehmen* 10 Quellen: Bundesbank, EZB Kreditvergabe zieht weiter an, Konjunktur in Deutschland boomt in Q4 2017 6 | 1. März 2018 Deutschland-Monitor Solides Wachstum im Schlussquartal 2017 – Kapazitäts- engpässe zunehmend spürbar — Die deutsche Wirtschaft hat auch im vierten Quartal ihr Wachstumstempo beibehalten. Die stärksten Wachstumsimpulse kamen dabei vom Außen- handel, während die inländische Verwendung nahezu auf ihrem Vorquar- talsniveau verharrte. — Die Bruttoanlageinvestitionen sind auf dem Niveau des Vorquartals verblie- ben. Die Unterkomponenten zeigten ein gemischtes Bild. Während die In- vestitionen in Anlagen und Ausrüstungen um 0,7% ggü. Vq. stiegen, gingen die Bauinvestitionen – überraschend – um 0,4% ggü. Vq. zurück. — Die weiter kräftig gestiegene Beschäftigung und das Lohnwachstum stütz- ten den privaten Konsum. So konnte er trotz des starken Ölpreisanstiegs (Brent) in Q4 von 18% ggü. Vq. (17,6% in Euro) sein Vorquartalsniveau hal- ten. Die Sparquote ist nach ihrem Tief im Sommer (9,7%) das zweite Quar- tal in Folge auf jetzt 10,2% gestiegen. — Mit Blick auf das gute weltwirtschaftliche Umfeld und insbesondere auf die fortschreitende Erholung der Eurozone sehen wir für unsere Wachstums- prognose von 2,3% eher Aufwärts- als Abwärtsrisiken, zumal die deutsche Volkswirtschaft mit einem Wachstumsüberhang von 1% in das neue Jahr gestartet ist. Wir haben unsere Prognose der Industrieproduktion in 2018 auf 2,5% angehoben. Robustes BIP-Wachstum in Q4 und positiver Konjunkturausblick Das Wachstum des deutschen BIP hat sich im Schlussquartal 2017 mit 0,6% ggü. Vq. als robust erwiesen und im Vergleich zum starken Vorquartal nur wenig an Dynamik eingebüßt. Damit lag es leicht über unserer Erwartung von 0,5%. Das statistische Bundesamt teilte zudem mit, dass das Ergebnis für das dritte Quartal auf 0,7% (0,8%) ggü. Vq. revidiert wurde. Vom Außenhandel kamen im vierten Quartal die stärksten Wachstumsimpulse, er trug 0,5 Prozentpunkte zum Wachstum bei. Dabei ist die Zunahme der Ex- porte um 2,7% ggü. Vq. bemerkenswert, es war der höchste Quartalszuwachs in den vergangenen 7 Jahren. Hier schlug sich die kräftige Weltkonjunktur nie- der, während die gut 10-prozentige Aufwertung des Euro ggü. dem USD (Vor- jahresvergleich) noch nicht spürbar war. Die Importe legten mit 2,0% ggü. Vq. ebenfalls kräftig zu. Infolge der dynamischen Wirtschaftsentwicklung wurden vor allem Vorleistungs- und Konsumgüter eingeführt. Die Konsumausgaben des Staates stiegen um 0,5% ggü. Vq. und steuerten damit die verbleibenden 0,1 Prozentpunkte zum Quartalswachstum bei. Die privaten Konsumausgaben sind auf dem hohen Niveau des Vorquartals verblieben. Die Konsumenten bestellten zwar fleißig im Internet- und Versandhandel, was zu einem Anstieg der realen Umsätze im Einzelhandel führte. Sie hielten sich jedoch beim Kauf von Informa- tions- und Kommunikationstechnik zurück. Die Bruttoanlageinvestitionen ver- harrten auf dem Niveau des Vorquartals. Dabei stiege die Investitionen in Anla- gen und Ausrüstungen um 0,7% ggü. Vq., die Bauinvestitionen gingen erneut leicht zurück (0,4% ggü. Vq., Q3 -0,3%) . Das Beschäftigungswachstum blieb auch im vierten Quartal hoch. Die Zahl der Erwerbstätigen stieg auf rund 44,7 Millionen. Das waren 642.000 Personen mehr als ein Jahr zuvor. Im Jahr 2017 lag der Anstieg gegenüber dem Vorjahr bei 1,5%. Daneben setzte sich auch das Lohnwachstum fort. Die Tariflöhne auf Deutschland: Konjunkturprognose 17 % gg. Vj. 2017 2018P 2019P Reales BIP 2,2 2,3 1,8 Privater Konsum 2,0 1,8 1,5 Staatsausgaben 1,4 1,0 1,0 Anlageinvestitionen 3,0 3,7 3,6 Ausrüstungen 2,2 3,5 5,1 Bau 2,7 2,6 4,0 Lager, %-Punkte 0,1 0,3 0,0 Exporte 4,7 4,8 4,5 Importe 5,2 5,2 5,1 Nettoexport, %-Punkte 0,2 0,2 0,0 HIVP 0,4 1,7 1,6 Staatsverschuldung, % BIP 64,4 60,9 58,1 Arbeitslosenquote, % 5,7 5,3 5,3 Budgetsaldo, % BIP 1,2 0,8 0,5 Leistungsbilanzsaldo, % BIP 7,2 6,5 6,5 Quellen: Statistisches Bundesamt, Deutsche Bank Research -1,0 -0,5 0,0 0,5 1,0 1,5 2,0 2,5 Q4 16 Q1 17 Q2 17 Q3 17 Q4 17 16 17 18P Außenbeitrag Lager Bauinvestitionen Ausrüstungsinvestitionen Staatskonsum Privater Konsum Reales BIP Quelle: Statistisches Bundesamt Wachstumsbeiträge zum realen BIP-Wachstum, gg. Vq., %-Punkte Außenhandel Hauptwachstumstreiber in Q4 16 Kreditvergabe zieht weiter an, Konjunktur in Deutschland boomt in Q4 2017 7 | 1. März 2018 Deutschland-Monitor Stundenbasis (ohne Einmalzahlungen) wuchsen um 1,9% (Bundesbank) gegen- über dem Vorjahresquartal. Verglichen mit der Effektivlohnentwicklung von 2,9% ergibt sich eine Lohndrift von 1%. Die zuletzt kräftig um rund 18% ggü. Vq. ge- stiegenen Ölpreise (Brent, 17,6% in Euro) wirkten dabei dämpfend auf das Re- allohnwachstum. Die Sparquote der privaten Haushalte lag im vierten Quartal saisonbereinigt bei 10,2%. Investitionen – Atempause auf hohem Niveau, Kapazitätseng- pässe spürbar Vor dem Hintergrund des anhaltend guten wirtschaftlichen Umfeldes und der mit 87% sehr hohen Kapazitätsauslastung der deutschen Volkswirtschaft fiel der vierte Quartalsanstieg in Folge bei den Ausrüstungsinvestitionen im Schluss- quartal 2017 mit 0,7% etwas enttäuschend aus. Allerdings übertrafen sie ihren Vorjahresstand um beindruckende 6%. Im Jahresdurchschnitt stiegen die Aus- rüstungsinvestitionen real um 4% gegenüber 2016 an. Dies passt in das Bild der sehr guten Einschätzungen von Lage und Geschäftserwartungen im Verarbei- tenden Gewerbe. So erreichte das ifo Geschäftsklima dieses Sektors im No- vember einen Rekordwert von117,6. Auch wenn die jüngsten PMI- und ifo-Um- frageergebnisse der Gewerblichen Wirtschaft für den Februar einen Rückgang verzeichneten, liegen sie dennoch auf hohen Niveaus. Insgesamt spricht vieles dafür, dass die Industrie vermehrt Erweiterungsinvestitionen vornehmen wird. Mit der Datenveröffentlichung des Statistischen Bundesamtes wurde auch eine Revision des dritten Quartals auf 1,3% ggü. Vq. (1,5%) und des ersten Quartals auf 2,6% ggü. Vq. (2,3%) bekannt gegeben. Die Bauinvestitionen zeigten sich in Q4 mit -0,4% ggü. Vq. das zweite Mal in Folge schwächer. Im Vergleich zum Vorjahresquartal wuchsen sie lediglich um 1,3%. Auf Jahressicht stiegen die Bauinvestitionen real um 2,7% gegenüber 2016 an. Die Schwäche der Bauinvestitionen im 2. Hj. 2017 geht einher mit ei- nem Produktionsrückgang im Baugewerbe von 1% in Q4. Insbesondere der De- zember zeigte ein schwaches Ergebnis der Bauleistung im Bauhauptgewerbe. Darin könnten sich die Auswirkungen von Kapazitäts- und Lieferengpässen im Bausektor widerspiegeln. Dies deckt sich auch mit der hohen Auslastung im Bauhauptgewerbe von 77% in Q4. Nach einer Sonderumfrage des ifo-Institutes, gaben im Oktober 74% der befragten Unternehmen des Bauhauptgewerbes an, dass bei ihnen Überstunden geleistet wurden. Diese könnten viele Arbeitneh- mer zum Jahresende „abgefeiert“ haben. Der starke Auftragseingang in Q4 von 12.2% ggü. Vq. sowie die Reichweite der Auftragsbestände von durchschnittlich 3,8 Monaten lassen für das folgende Quartal eine dynamischere Entwicklung der Bauinvestitionen erwarten. Dafür spricht auch, dass nach Angaben des ifo Instituts Bauunternehmen vermehrt planen, in den kommenden drei bis vier Mo- naten neues Personal einzustellen. Aufgrund der bereits bestehenden regiona- len Arbeitskräfteknappheit könnte sich dies allerdings als schwierig erweisen. Hinzu kommen die Tarifverhandlungen für rund 700.000 Angestellte des Bau- hauptgewerbes. Um den Gewerkschaftsforderungen Nachdruck zu verleihen, könnte es zu Arbeitsniederlegungen kommen. Neben dem günstigen ökonomischen Investitionsklima zeigte sich auch das po- litische Umfeld derzeit etwas ruhiger, auch wenn hier eher von einem „Gewöh- nungseffekt“ zu sprechen ist. Nach wie vor ist der Verlauf des Brexits nicht klar. Die weitere politische Entwicklung in Italien dürfte auch nach den Wahlen schwierig bleiben. Auch die langwierige Regierungsbildung in Deutschland kann noch zur Unsicherheit beitragen, sollte der Koalitionsvertrag von SPD und CDU/CSU nicht die Zustimmung der SPD-Mitglieder finden. Wir erwarten eine Annahme, wenn auch mit einer knappen Marge. 70 72 74 76 78 80 82 84 86 88 -6 -4 -2 0 2 4 6 8 10 11 12 13 14 15 16 17 18 Investitionen Maschinen & Ausrüstungen Kapazitätsauslastung OECD (rechts) Kapazitätsauslastung, M&E Investitionen 18 Quelle: Statistisches Bundesamt %, gg. Vq. % -2 -1 0 1 2 -20 -10 0 10 20 12 13 14 15 16 17 Ausrüstungsinvestitionen (links) Auftragseingänge ** (Inl. Investitionsgüter ohne Transport, links) ifo Exporterwartungen* (rechts) PMI* (neue Exportaufträge, rechts) *Vorlauf von * 2Q * *1Q Weitere Beschleunigung der Ausrüstungsinvestitionen zu erwarten 19 % gg. Vj. (links), standardisierte Werte (rechts) Quellen: ifo, IHS Markit, Statistisches Bundesamt, Deutsche Bank Research -15 -10 -5 0 5 10 15 10 11 12 13 14 15 16 17 Bauinvestitionen Ausrüstungsinvestitionen Investitionen, insgesamt Investitionsentwicklung 20 % gg.Vj. Quelle: Statistisches Bundesamt Kreditvergabe zieht weiter an, Konjunktur in Deutschland boomt in Q4 2017 8 | 1. März 2018 Deutschland-Monitor Die deutsche Industrie wächst 2017 kräftig – Prognose für 2018 auf 2,5% angehoben Die Produktion im Verarbeitenden Gewerbe in Deutschland nahm im Jahr 2017 preisbereinigt um 3% zu und damit kräftiger als noch vor Jahresfrist erwartet. Es war der vierte Anstieg in Folge und zugleich der stärkste seit 2011. Gerade in den letzten beiden Monaten von 2017 erreichte die Industrie ein hohes Produkti- onsniveau. Unter den großen Industriebranchen verzeichneten die Elektrotech- nik und die Pharmaindustrie mit jeweils etwa 5,5% die höchsten Produktionszu- wächse. Die Metallindustrie und die Kunststoffindustrie erzielten ein Plus von etwa 4%, während die Automobilindustrie sowie der Maschinenbau ihre Ferti- gung um rd. 3% ausweiten konnten. Für alle genannten Branchen war dies der höchste Zuwachs seit (mindestens) 2011. Positiv ist hervorzuheben, dass das konjunkturelle Sorgenkind im deutschen Verarbeitenden Gewerbe, die Chemie- industrie, 2017 die inländische Produktion ebenfalls erhöhen konnte, und zwar um 2%. Von 2014 bis 2016 war die Chemieproduktion in Deutschland jeweils geschrumpft. Eine Rezession in der Industrie ist derzeit nicht in Sicht, wenngleich die Volatili- tät und Nervosität an den Finanzmärkten angesichts der anstehenden Zins- wende und höherer Inflationserwartungen zuletzt zugenommen hat. Insgesamt dürfte sich die deutsche Industrie derzeit auf dem Höhepunkt im aktuellen Kon- junkturzyklus befinden. Eine weitere Euroaufwertung im Jahresverlauf würde ei- nen mäßigen Dämpfungseffekt auf das Produktionsergebnis ausüben. Deutsche Wirtschaft mit viel Schwung in das Jahr 2018 gestartet Die deutsche Volkswirtschaft hat ihre hohe konjunkturelle Dynamik über den Jahreswechsel hinaus beibehalten. Mit Blick auf das gute weltwirtschaftliche Umfeld und insbesondere auf die fortschreitende Erholung der Eurozone sehen wir für unsere Wachstumsprognose von 2,3% für das laufende Jahr eher Auf- wärts- als Abwärtsrisiken, zumal die deutsche Volkswirtschaft mit einem Wachs- tumsüberhang von 1% in das neue Jahr gestartet ist. Die Wachstumsimpulse dafür dürften – wie bereits in 2017 – hauptsächlich vom privaten Verbrauch und den Investitionen kommen. Auch wenn die jüngsten PMI- und ifo-Sentiment-In- dikatoren im Februar Rückgänge von den letzten Rekordständen auf Werte des Q3 2017 verzeichneten, sind dies immer noch Niveaus, die eine sehr gute Stim- mung attestieren und immer noch eine weitere ökonomische Expansion signali- sieren. Nach dem schwachen Ergebnis der Bauproduktion Ende 2017 deutet der jüngste PMI für den Bausektor auf einen sehr schwungvollen Januar. Die Umfrageteilnehmer meldeten die höchsten Auftragszuwächse in der 18-jährigen Umfragegeschichte. Zudem wurden starke Wachstumsraten im Wohnungs- und gewerblichen Bau gemeldet. Hier wirkte sich die günstige Witterungslage auch positiv aus. Aus deutscher Sicht sind die Regierungsbildung und der Verlauf der Tarifver- handlungen im Öffentlichen Dienst und im Bauhauptgewerbe – wo der uner- wartet hohe Abschluss in der Metall- und Elektroindustrie (3,9% in 2018) die Er- wartungen der Beschäftigten zusätzlich angeheizt haben dürfte – die bestim- menden Themen des ersten Quartals 2018. Beide sollten sich zumindest kurz- fristig nicht wachstumsdämpfend auswirken und könnten den Zyklus sogar wei- ter stärken. Allerdings kommt die Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands in den derzeitigen Groko-Verhandlungen bestenfalls indirekt vor, beispielsweise bei den geplanten Infrastrukturinvestitionen. Stattdessen werden die Belastungen der Unternehmen bei der Krankenversi- cherung oder auch durch weitere Re-Regulierung am Arbeitsmarkt erhöht, wäh- rend gleichzeitig auf der anderen Seite des Atlantiks mit massiven Steuersen- kungen für Unternehmen für ausländische Direktinvestitionen geworben wird. -20 -10 0 10 20 30 10 11 12 13 14 15 16 17 … zur Entwicklung der Geschäftstätigkeit … zur Entwicklung der Beschäftigung … zur Entwicklung der Produktionstätigkeit … zur Entwicklung der Exporttätigkeit Erwartungen der Unternehmen in DE, Saldo aus positiven und negativen Firmenmeldungen Quelle: ifo Institut Positive Stimmung im Verarbeitenden Gewerbe 21 -4 -2 0 2 4 6 8 -2,0 -1,5 -1,0 -0,5 0,0 0,5 1,0 1,5 2,0 2,5 3,0 11 12 13 14 15 16 17 PMI gesamt (standardisiert) ifo Geschäftserwartungen (standardisiert) Reales BIP (% ggü. Vq.) Deutsches BIP Wachstum und seine Frühindikatoren 22 Deutschland; standardisierte Werte (links); % gg. Vj. (rechts) Quellen: IHS Markit, ifo , Statistisches Bundesamt Kreditvergabe zieht weiter an, Konjunktur in Deutschland boomt in Q4 2017 9 | 1. März 2018 Deutschland-Monitor Die europäische Geldpolitik wird nach unseren Erwartungen noch lange Zeit ex- pansiv bleiben. Wir gehen weiterhin davon aus, dass die EZB ihre Anleihekäufe im Schlussquartal dieses Jahres weiter zurückfährt und Ende 2018 schließlich komplett einstellt. Bis zu einer Zinsanhebung dürfte dann noch ein halbes Jahr vergehen. In diesem Zeitraum wird die EZB die Auswirkungen ihrer reduzierten geldpolitischen Lockerung weiter beobachten. Die erste Zinsanhebung um 25 Bp. erwarten wir dann im Juni 2019, also einige Monate früher als der Markt- Konsens. Sollten die Wahlen in Italien ohne Zwischenfälle verlaufen und die Wirtschaft weiter kräftig wachsen, wäre der Weg frei für die von uns erwartete frühe Zinsanhebung, insbesondere bei einer dynamischen Entwicklung des Kreditwachstums. Marc Schattenberg (+49 69 910-31875, marc.schattenberg@db.com) © Copyright 2018. Deutsche Bank AG, Deutsche Bank Research, 60262 Frankfurt am Main, Deutschland. Alle Rechte vorbehalten. Bei Zitaten wird um Quellenangabe „Deutsche Bank Research“ gebeten. Die vorstehenden Angaben stellen keine Anlage-, Rechts- oder Steuerberatung dar. Alle Meinungsaussagen geben die aktuelle Einschätzung des Ver- fassers wieder, die nicht notwendigerweise der Meinung der Deutsche Bank AG oder ihrer assoziierten Unternehmen entspricht. Alle Meinungen kön- nen ohne vorherige Ankündigung geändert werden. Die Meinungen können von Einschätzungen abweichen, die in anderen von der Deutsche Bank veröffentlichten Dokumenten, einschließlich Research-Veröffentlichungen, vertreten werden. Die vorstehenden Angaben werden nur zu Informations- zwecken und ohne vertragliche oder sonstige Verpflichtung zur Verfügung gestellt. 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