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15. März 2019
Die Kreditvergabe an Unternehmen und Selbstständige war im letzten Jahr so stark wie seit der Euroeinführung nicht mehr (EUR +65 Mrd. bzw. 5,2% ggü. Vj.). Im vierten Quartal gab es jedoch einen Dämpfer, der Höhepunkt des Zyklus dürfte erreicht sein. Das Kreditvolumen legte 2018 in fast allen Branchen zu; den größten Schwung verzeichneten Auslandsbanken und Landesbanken. Leidtragender waren Anleiheemissionen, die auf das schlechteste Ergebnis seit der Krise kamen. Die deutsche Volkswirtschaft hat in Q4 eine technische Rezession knapp vermieden. Nach dem Schrumpfen im Vorquartal stagnierte die Wirtschaftsleistung zum Jahresende hin. Im Gesamtjahr 2018 wuchs das reale BIP um 1,4%. Nachlassende Exporte und ein nicht mehr so kräftiger privater Konsum waren die Hauptgründe für die Verlangsamung ggü. Vj. Die Prognose für dieses Jahr wurde angesichts einer Vielzahl von Risikofaktoren auf nur noch 0,5% gesenkt. [mehr]
Deutschland-Monitor Unternehmensfinanzierung Unternehmensfinanzierung Kreditvergabe 2018 so dynamisch wie seit der Euroeinführung nicht mehr, auf breiter Branchenbasis. Das Kreditvolumen mit Unternehmen und Selbstständi- gen in Deutschland erhöhte sich im vergangenen Jahr um EUR 65 Mrd. bzw. 5,2%. Im vierten Quartal gab es jedoch einen Dämpfer und nur noch ein gerin- ges Plus von EUR 6,4 Mrd. ggü. Vorquartal (+0,5%, nicht saisonal bereinigt). Sowohl die Industrie als auch der Dienstleistungssektor steigerten ihren Kredit- bestand 2018 kräftig. Die Expansion wurde v.a. von kurz- und mittelfristigen Krediten getragen. Auslandsbanken und Landesbanken verzeichneten das größte Momentum und auch die Verbünde legten weiter deutlich zu. In diesem Jahr ist angesichts der wesentlich schwächeren Konjunkturentwicklung von ei- ner Verlangsamung der Kreditvergabe auszugehen, die angesichts weiterhin sehr niedriger Zinsen jedoch robust bleiben dürfte. Flaute bei Anleiheemissionen, schleppendes Einlagengeschäft . Unter der star- ken Kreditfinanzierung litt 2018 insbesondere die Ausgabe von Unternehmens- anleihen, die auf den niedrigsten Wert seit der Finanzkrise einbrach (netto nur EUR 2,3 Mrd.). Dafür dürfte nicht zuletzt die Einstellung des Kaufprogramms der EZB verantwortlich sein. Leasing und Commercial Paper verbuchten mode- rate Zuwächse; das Aktienemissionsgeschäft kam dank einer großen Transak- tion in der Chemiebranche auf ein gutes Ergebnis. Eine Belastung für das Einla- genwachstum (lediglich 1,6% ggü. Vorjahr) waren die unverändert negativen Zinsen. Konjunktur Das reale Wachstum der deutschen Volkswirtschaft stagnierte in Q4 2018. Posi- tive Wachstumsimpulse kamen nur von der Binnenwirtschaft. Nach dem Rück- gang in Q3 belebten sich die privaten Konsumausgaben in Q4 wieder leicht. Der Staatskonsum nahm vor allem aufgrund gestiegener Kollektivausgaben stark zu. Die Ausrüstungsinvestitionen expandierten nach vorheriger Stagnation wie- der solide, während die Bauinvestitionen im Quartalsvergleich kräftiger zuleg- ten. Der Abbau der Lagerbestände schlug mit einem negativen Wachstumsbei- trag zu Buche. Die Nettoexporte waren in Q4 2018 wachstumsneutral. Das deutsche BIP ist im Jahr 2018 um 1,4% gewachsen. Für das Jahr 2019 ha- ben wir unsere Prognose auf 0,5% (1%) revidiert. Mit dem stagnierenden Quar- talswachstum in Q4 wurde eine technische Rezession zum Jahresende knapp vermieden. Aufgrund der anhaltenden außenwirtschaftlichen Gegenwinde und der damit verbunden Rezession in der deutschen Industrie haben wir unsere Wachstumsprognose für das Jahr 2019 auf 0,5% (1%) angepasst. Gegenwärtig sind erhöhte Kontraktionsrisiken nicht von der Hand zu weisen, sodass die kon- junkturelle Abkühlung auch in eine Rezession führen könnte. Vor allem die Bin- nennachfrage dürfte im Jahr 2019 aber für Wachstumsimpulse sorgen. Autoren Jan Schildbach +49 69 910-31717 jan.schildbach@db.com Marc Schattenberg +49 69 910-31875 marc.schattenberg@db.com Editor Stefan Schneider Deutsche Bank AG Deutsche Bank Research Frankfurt am Main Deutschland E-Mail: marketing.dbr@db.com Fax: +49 69 910-31877 www.dbresearch.de DB Research Management Stefan Schneider 15. März 2019 Kreditgeschäft wächst gedämpft, deutsche Wirtschaft stagniert in Q4 2018 Kreditgeschäft wächst gedämpft, deutsche Wirtschaft stagniert in Q4 2018 2 | 15. März 2019 Deutschland-Monitor Unternehmensfinanzierung in Deutschland Kreditvolumen Die Kreditvergabe an Unternehmen und Selbstständige in Deutschland hat 2018 stark expandiert. Das Kreditvolumen erhöhte sich um EUR 65 Mrd. bzw. 5,2%. Das war der beste Wert seit der Einführung des Euro. Gleichzeitig dürfte der Höhepunkt des Kreditbooms überschritten sein: Im vierten Quartal verrin- gerte sich das Wachstumstempo etwas (ausstehende Kredite EUR +6,4 Mrd.; +0,5% ggü. Vorquartal) und angesichts der deutlich schwächeren Entwicklung der Gesamtwirtschaft ist für dieses Jahr auch von einem niedrigeren – aber den- noch robusten – Kreditwachstum auszugehen (zu den Details des aktuellen Konjunkturverlaufs und -ausblicks siehe Teil 2 im Anschluss). Im Euroraum insgesamt verlief das Kreditgeschäft mit nichtfinanziellen Unter- nehmen in Q4 etwas gedämpfter als in den Vorquartalen. Das Kreditvolumen nahm nur noch um 0,3% zu und der Vergleich mit Dezember 2017 ging leicht auf 1,9% zurück. Trotzdem war es das beste Gesamtjahr seit der Finanzkrise. Der Anstieg in Deutschland (ebenso wie in Frankreich) entsprach dabei mehr als 60% des Anstiegs im Eurogebiet als Ganzes, während das ausstehende Kreditvolumen in Italien und Spanien unter dem Strich weiterhin stark rückläufig war – auch aufgrund von Portfolioverkäufen notleidender Kredite. Der Kreditaufschwung in Deutschland fand 2018 auf einer breiten Branchenba- sis statt. So legte das Kreditgeschäft mit dem Verarbeitenden Gewerbe um 6,8% zu, mit dem Dienstleistungssektor um 6% und mit Selbstständigen (bei teilweiser Überschneidung) um 3,1%, jeweils bereinigt um statistische Brüche. Für die beiden Letztgenannten war es das beste Ergebnis seit 1999. Hinsichtlich einzelner Industriebranchen ragte die Chemie mit einem Plus von 21% ggü. Vorjahr heraus, was auf die Finanzierung einer größeren Übernahme zurückzuführen war. Auch bei Gummi/Kunststoffen (+11%) und Elektrotechnik (+7%) lief es ausgesprochen gut. Maschinenbau/Auto, die Kernbranche der deutschen Volkswirtschaft, lag mit +5 ½% im Mittelfeld, genauso wie die Metall- industrie, die ihr höchstes Kreditwachstum seit der Finanzkrise verzeichnete. Ein minimales Minus verbuchten lediglich Holz/Papier/Möbel. Innerhalb des Dienstleistungsgewerbes schnitten Beteiligungsgesellschaften (+12%), Wohnungsunternehmen (+8%) und Telekom/Beratung/Werbung (+7%), d.h. die unternehmensnahen Dienstleistungen, besonders stark ab. Dabei war 2018 für Wohnungsunternehmen und Gewerbeimmobilienfirmen (+5%), die bei- den Schwergewichte innerhalb des Dienstleistungssektors (sie kommen zusam- men auf weit mehr als die Hälfte des Kreditvolumens), das beste Jahr seit 1998 bzw. 2002. Mit Blick auf die sonstigen Branchen expandierte 2018 der Kreditbestand ge- genüber dem Bau am meisten (+7%), wohingegen Versorger/Bergbau mit nur +2% leicht enttäuschten. Verkehr (-2%) war neben Holz/Papier/Möbel der ein- zige Wirtschaftszweig mit einem schrumpfenden Kreditvolumen, wobei sich der Rückgang immerhin auf den geringsten Wert seit 2011 verlangsamte. Hinsichtlich der verschiedenen Fristigkeiten verharrte das Wachstumstempo bei den langfristigen Krediten – der mit Abstand größten Komponente – im Jahres- verlauf 2018 im Großen und Ganzen bei 4%. Einen eindrucksvollen Auf- schwung erlebten dagegen die kurz- und mittelfristigen Kredite, die am Jahres- ende jeweils 9% im Plus lagen, verglichen mit dem Stand 12 Monate zuvor. Das dürfte zum einen an verstärkter Liquiditätshaltung mancher Unternehmen lie- gen, die sich vorsorglich für ein raueres Umfeld in Zeiten schwächerer Konjunk- tur, Brexit-Sorgen und Handelsstreitigkeiten wappnen wollten. Zum anderen könnte es bereits auf eine abnehmende Profitabilität und einen nachlassenden Cashflow mancher Firmen hindeuten, worauf diese mit einer erhöhten Kreditauf- nahme reagierten. -2 -1 0 1 2 3 4 5 6 14 15 16 17 18 ggü. Vorjahr ggü. Vorquartal Kredite an inländische Unternehmen und Selbstständige* 1 % * ohne sonstige Finanzinstitute Quellen: Bundesbank, Deutsche Bank Research -6 -4 -2 0 2 4 6 8 14 15 16 17 18 Verarbeitendes Gewerbe Dienstleistungssektor Selbstständige ... nach Branche 2 % ggü. Vorjahr Quellen: Bundesbank, Deutsche Bank Research -6 -3 0 3 6 9 12 14 15 16 17 18 Kurzfristige Kredite Mittelfristige Kredite Langfristige Kredite ... nach Fristigkeit* 3 % ggü. Vorjahr * ohne sonstige Finanzinstitute Quellen: Bundesbank, Deutsche Bank Research -10 -5 0 5 10 15 20 14 15 16 17 18 Kreditbanken darunter Auslandsbanken Landesbanken Sparkassen Kreditgenossenschaften ... nach Bankengruppe* 4 * ohne sonstige Finanzinstitute % ggü. Vorjahr Quellen: Bundesbank, Deutsche Bank Research Kreditgeschäft wächst gedämpft, deutsche Wirtschaft stagniert in Q4 2018 3 | 15. März 2019 Deutschland-Monitor Das kräftigste Kreditplus unter den einzelnen Bankengruppen verzeichneten letztes Jahr die Auslandsbanken (+11% ggü. Vj.). Allerdings waren gewisse Überhitzungstendenzen kaum zu übersehen – nach sehr hohen Zuwächsen in den Vorquartalen ging das Kreditvolumen in Q4 zurück. Damit drängen sich Pa- rallelen zur Situation 2007/08 auf: Auch damals konzentrierte sich die Expan- sion der Auslandsbanken auf die späte Phase des Kreditzyklus, und als dieser mit der Finanzkrise zu Ende ging, traten sie bei der Kreditvergabe umso schär- fer auf die Bremse. Gleiches gilt für die Landesbanken. Diese steigerten sich 2018 stark auf (allerdings immer noch unterdurchschnittliche) +4 ½% ggü. Vj. und fuhren damit ihr bestes Ergebnis seit der Krise ein (Vorjahr: -1%). Weniger volatil entwickelt sich dagegen weiterhin das Geschäft der Kreditgenossen- schaften (+6%) und der Sparkassen (+5%). Die inländischen Kreditbanken (+3 ½%) sowie die Förderbanken (einschl. DZ Bank) (+2%) verloren trotz höhe- rer Wachstumsraten als im Vorjahr unverändert Marktanteile. Nebenbei: 2018 war das erste Jahr seit einem Jahrzehnt, in dem sämtliche großen Bankengrup- pen ihr Kreditbuch ausweiten konnten. Die Auslandsbanken profitierten 2018 zum einen vom gestiegenen Finanzie- rungsbedarf in der Chemiebranche, zum anderen vom starken Anstieg ihrer Ausleihungen an den Handel, die Beteiligungsgesellschaften und unterneh- mensnahen Dienstleistungen. Die Genossenschaftsbanken schnitten besonders gut ab bei Wohnungsunternehmen, dem Bau und ebenfalls den unternehmens- nahen Dienstleistungen. Die Sparkassen legten v.a. bei den immobiliennahen Dienstleistern (Wohnungsunternehmen und Gewerbeimmobilienfirmen) sowie den Beteiligungsgesellschaften zu. Für die Landesbanken lief es sowohl bei den immobilien- als auch bei den unternehmensnahen Dienstleistungen relativ rund. Andere Finanzierungsquellen Commercial Paper von Nichtbanken beendeten 2018 mit einem leichten Minus (EUR -0,4 Mrd. an Nettoemissionen in Q4). Im Gesamtjahr stand jedoch ein so- lider Anstieg um EUR 2,8 Mrd. zu Buche – das beste Ergebnis seit 2011. Für Anleihen nichtfinanzieller Unternehmen war 2018 mit Blick auf neue Emissi- onen ein desaströses Jahr. Das vierte Quartal war da mit einem Nettovolumen von EUR 1,4 Mrd. keine Ausnahme, sondern bestätigte den Trend. Insgesamt fielen die Emissionen von einem Rekordwert von EUR 23,8 Mrd. 2016 auf jetzt gerade einmal noch EUR 2,3 Mrd. (-72% ggü. Vj.), das schlechteste Resultat seit einem Jahrzehnt. Offenbar hat die Reduzierung und schließlich Einstellung des Kaufprogramms durch die EZB dem Markt zumindest vorübergehend jegli- ches Momentum entzogen. Hinzu kommt die Resubstitution von Anleihen durch Kredite, die in den letzten beiden Jahren zu beobachten war. Auch in Euroland als Ganzes verlor das Anleihegeschäft v.a. in H2 2018 an Schwung, blieb mit ei- nem Volumen von netto EUR 42,7 Mrd. (-31%) aber noch im seit der Finanz- krise üblichen Rahmen. Der Leasingmarkt in Deutschland schwächelte zum Jahresende hin ebenfalls. Im vierten Quartal lagen die Neuabschlüsse bei Mobilien geringfügig unter dem Niveau des Vorjahres, für 2018 insgesamt ergab sich jedoch noch ein modera- tes Plus von 3 ½% auf EUR 48,8 Mrd. Dafür war insbesondere das Geschäft mit Maschinen und Büroelektronik verantwortlich, aber auch Pkw, Lkw und Busse verzeichneten einen Zuwachs wie der Durchschnitt des Gesamtmarkts. Das Im- mobilienleasing schnitt nicht nur von Oktober bis Dezember robust ab (+11% ggü. Vj.), sondern machte auch auf 12-Monats-Sicht das Minus aus dem Vorjahr wieder wett (+20% auf EUR 1,3 Mrd.). Mehrere mittelgroße Kapitalerhöhungs-Transaktionen aus verschiedenen Bran- chen führten in Q4 bei der Ausgabe neuer Aktien zu einem ordentlichen Ab- schluss des Jahres (EUR 1,9 Mrd.). Auch insgesamt lief es 2018 mit einem Vo- lumen von EUR 16,2 Mrd. relativ rund – einer großen Übernahme in der Che- miebranche sei Dank. -2 0 2 4 6 8 10 14 15 16 17 18 Anleihen inländischer nichtfinanzieller Unternehmen, Nettoemission 6 Mrd. EUR Quellen: Bundesbank, Deutsche Bank Research -8 -6 -4 -2 0 2 4 6 14 15 16 17 18 Commercial Paper inländischer Nichtbanken, Nettoemission 5 Mrd. EUR Quellen: Bundesbank, Deutsche Bank Research 0 2 4 6 8 10 12 14 16 14 15 16 17 18 Mobilien Immobilien Mrd. EUR Leasinggeschäft, Neuvolumen* 7 * statistischer Bruch in Q1 2017 Quelle: BDL 0 2 4 6 8 10 12 14 15 16 17 18 Aktienemissionen inländischer Unternehmen (einschl. Finanzinstitute) 8 Mrd. EUR Quellen: Bundesbank, Deutsche Bank Research Kreditgeschäft wächst gedämpft, deutsche Wirtschaft stagniert in Q4 2018 4 | 15. März 2019 Deutschland-Monitor Einlagenvolumen Unternehmen und Selbstständige legten im Herbstquartal, saisonal nicht unty- pisch, zusätzliche Liquidität in beträchtlicher Höhe bei den Banken an (EUR +22,7 Mrd.). Wieder einmal entfiel der Anstieg fast ausschließlich auf Sichteinla- gen. Termingelder stagnierten de facto, was nach acht Quartalen mit schrump- fenden Beträgen immerhin eine Verbesserung darstellte. Im Gesamtjahr stand unter dem Strich ein recht bescheidenes Plus von 1,6% bzw. EUR 20 Mrd., wo- bei es sich angesichts des hohen Einlagenbestands und weiter negativer Zinsen eher um eine gesunde Normalisierung handelt. Der im Prinzip schon seit der Fi- nanzkrise etablierte, ausgeprägte Substitutionseffekt zwischen Sicht- und Ter- mineinlagen hielt an – Erstere wuchsen um EUR 50 Mrd., Letztere sanken um EUR 30 Mrd. Obwohl die Zuflüsse im Jahresverlauf insgesamt etwas zunah- men, war der Abstand zwischen dem dynamischen Kreditwachstum und dem schleppenden Einlagengeschäft so groß wie schon lange nicht mehr. Ergebnisse des Bank lending surveys der EZB An den allgemeinen Kreditstandards für Unternehmen änderte sich in Q4 wieder einmal fast nichts, von einer leichten Lockerung für große Unternehmen abge- sehen (berichtet von netto 7% der befragten Banken). Auch bei den konkreten Konditionen für tatsächlich ausgereichte Kredite trat eine gewisse Beruhigung ein und insbesondere der Margendruck ließ nach. Zwar wirkte sich der intensive Wettbewerb weiter negativ auf die Margen aus, den gegenteiligen Effekt hatte allerdings die geringere Risikotoleranz der Banken. Im Euroraum insgesamt sah das Bild im Großen und Ganzen gleich aus. Die Kreditnachfrage belebte sich in Q4 – 22% der deutschen Banken meldeten eine Zunahme ggü. dem Vorquartal. Bemerkenswert dabei der weiterhin beste- hende Unterschied zwischen der eher mäßigen Entwicklung bei kurzfristigen Krediten (6%) und dem „Boom“ bei langfristigen Krediten (34%), auch wenn sich das im ausgereichten Volumen so nicht widerspiegelte. Nachfragetreiber Nr. 1 blieb die Finanzierung von Investitionen (22%). Im Eurogebiet als Ganzes er- höhte sich die Nachfrage zwar ebenfalls erneut, allerdings verspürten dies nur noch 9% der Banken und damit so wenige wie seit Q1 2017 nicht mehr. Für das laufende Quartal prognostizieren die deutschen Banken keine nennens- werte Änderung der Kreditstandards und ein moderates Nachfrageplus (9%). Bei den EWU-Banken ist die Nachfrage-Erwartung (2%) dagegen so pessimis- tisch wie seit der Euro-Staatsschuldenkrise nicht mehr. Nach der zähen Steige- rung des Kreditwachstums mit Unternehmen in den letzten Jahren scheinen also zumindest die Banken nicht mehr von einer substanziellen weiteren Ver- besserung auszugehen. Zinssätze Die Kreditzinsen im Neugeschäft blieben zum Jahresende hin unverändert unter Druck, insbesondere für längere Zinsbindungsfristen und für Kredite an Selbst- ständige und Personengesellschaften. Letztere kosteten im Durchschnitt erst- mals weniger als 2% p.a. 2018 insgesamt ging das Zinsniveau ebenfalls leicht zurück, aber am stärksten bei kleineren Krediten (< EUR 1 Mio.) an Kapitalge- sellschaften, um 0,3 %-Punkte auf 2,1% sowie bei variabel verzinsten Krediten (-0,2 %-Punkte auf 1,2%). Dank der attraktiven Konditionen sollte es auch 2019 ein zwar schwächeres, aber immer noch robustes Kreditwachstum geben. Die Einlagenzinsen waren das ganze vergangene Jahr über negativ (zuletzt -3 Bp. für Sicht- und -2 Bp. für Termineinlagen), was zweifelsohne zu dem mage- ren Volumenanstieg beigetragen hat – woran sich so schnell auch nichts ändern dürfte. Jan Schildbach (+49 69 910-31717, jan.schildbach@db.com) 1.150 1.175 1.200 1.225 1.250 1.275 1.300 1.325 -30 -20 -10 0 10 20 30 40 14 15 16 17 18 Termineinlagen, ggü. Vorquartal (links) Sichteinlagen, ggü. Vorquartal (links) Volumen insgesamt** (rechts) Mrd. EUR * einschließlich sonstiger Finanzinstitute ** Enthält Anstieg um EUR 9,4 Mrd. in Q4 14 aufgrund statistischer Umklassifizierungen. Sicht- und Termineinlagen von inländi- schen Unternehmen & Selbstständigen* 9 Quellen: Bundesbank, Deutsche Bank Research Kreditgeschäft wächst gedämpft, deutsche Wirtschaft stagniert in Q4 2018 5 | 15. März 2019 Deutschland-Monitor 0,0 0,5 1,0 1,5 2,0 2,5 3,0 3,5 14 15 16 17 18 Kredite an nichtfinanzielle Kapitalgesellschaften, * EUR 1 Mio. Kredite an nichtfinanzielle Kapitalgesellschaften, > EUR 1 Mio. Kredite an Selbstständige und Personengesellschaften % Ø-Zins im Kredit-Neugeschäft, nach Kredithöhe 13 Quelle: EZB -35 -30 -25 -20 -15 -10 -5 0 Q 4 1 5 Q 2 1 6 Q 4 1 6 Q 2 1 7 Q 4 1 7 Q 2 1 8 Q 4 1 8 Deutschland Euroraum ... gesunken Bank lending survey: Margen für durchschnittliche Unternehmenskredite 11 Quellen: Bundesbank, EZB 0 5 10 15 20 25 30 Q 1 1 6 Q 3 1 6 Q 1 1 7 Q 3 1 7 Q 1 1 8 Q 3 1 8 Q 1 1 9 Deutschland Euroraum ...gestiegen Bank lending survey: Nachfrage nach Unternehmenskrediten* 12 * Q1 19 erwarteter Wert Quellen: Bundesbank, EZB 0,0 0,5 1,0 1,5 2,0 2,5 3,0 3,5 14 15 16 17 18 Kredite mit Zinsbindung * 1 Jahr Kredite mit Zinsbindung von 1-5 Jahren Kredite mit Zinsbindung > 5 Jahre ... nach Zinsbindungsfrist 14 %, Kredite an nichtfinanzielle Kapitalgesellschaften Quelle: EZB -0,2 -0,1 0,0 0,1 0,2 0,3 0,4 14 15 16 17 18 Sichteinlagen Termineinlagen % Ø - Zins auf Einlagen von nichtfinanziellen Kapitalgesellschaften (Neugeschäft) 15 Quelle: EZB -12 -10 -8 -6 -4 -2 0 2 4 6 Q 1 1 6 Q 3 1 6 Q 1 1 7 Q 3 1 7 Q 1 1 8 Q 3 1 8 Q 1 1 9 Deutschland Euroraum * Q1 19 erwarteter Wert ... verschärft ... gelockert Bank lending survey: Kreditstandards für Unternehmen* 10 Quellen: Bundesbank, EZB Kreditgeschäft wächst gedämpft, deutsche Wirtschaft stagniert in Q4 2018 6 | 15. März 2019 Deutschland-Monitor Stagnierendes BIP-Wachstum in Q4, Prognose für das Jahr 2019 auf 0,5% gesenkt — Positive Wachstumsimpulse kamen in Q4 2018 nur von der Binnenwirt- schaft. Nach dem Rückgang in Q3 belebten sich die privaten Konsumaus- gaben wieder leicht. Der Staatskonsum nahm vor allem aufgrund gestiege- ner Kollektivausgaben stark zu. Die Ausrüstungsinvestitionen expandierten nach vorheriger Stagnation wieder solide, während die Bauinvestitionen im Quartalsvergleich kräftiger zulegten. Der Abbau der Lagerbestände schlug allerdings mit einem negativen Wachstumsbeitrag zu Buche. Die Nettoex- porte waren in Q4 2018 wachstumsneutral. — Das deutsche BIP ist im Jahr 2018 um 1,4% gewachsen. Mit dem stagnie- renden Quartalswachstum in Q4 wurde eine technische Rezession zum Jahresende knapp vermieden. Aufgrund der anhaltenden außenwirtschaftli- chen Gegenwinde und der damit verbunden Rezession in der deutschen In- dustrie haben wir unsere Wachstumsprognose für das Jahr 2019 auf 0,5% (1%) angepasst. Das Quartalwachstum zu Beginn des Jahres dürfte wieder leicht negativ ausfallen. — Gegenwärtig sind erhöhte Kontraktionsrisiken nicht von der Hand zu wei- sen, sodass die konjunkturelle Abkühlung auch in eine Rezession führen könnte. Der robuste Arbeitsmarkt, die soliden Lohnzuwächse und der struk- turelle Nachfrageüberhang am Immobilienmarkt, verbunden mit weiterhin extrem niedrigen Zinsen, sprechen aber dafür, dass die deutsche Binnen- konjunktur im Jahr 2019 weiter auf Wachstumskurs bleibt. BIP in Q4 2018 – Stagnation, technische Rezession vermieden Im vierten Quartal 2018 verharrte das reale deutsche BIP auf dem Niveau des Vorquartals. Damit kühlte sich die Konjunktur in der zweiten Jahreshälfte deut- lich ab. Nach dem Rückgang in Q3 war keine spürbare Belebung zu verzeich- nen, da es zu einem relativ starken Abbau der Lagerbestände kam. Die sto- ckende Entwicklung zum Jahresende war zudem auf eine weiterhin schwache Industrieproduktion sowie außenwirtschaftliche Gegenwinde zurückzuführen. Nach den umfangreichen Produktionsausfällen im Automobilsektor, die sich durch die Probleme bei der Einführung des neuen EU-weiten Abgasmessver- fahrens WLTP (Worldwide Harmonized Light Vehicles Test Procedure) ergeben hatten, kam es zu keiner starken Aufholbewegung. Aber auch in anderen In- dustriebranchen wurde ein Gang zurückgeschaltet. Infolge der starken Ex- portausrichtung der deutschen Industrieunternehmen dürfte sich hier die ver- langsamte Weltkonjunktur und der gedämpfte Handel bremsend ausgewirkt ha- ben. Das spiegeln auch die globalen Stimmungsindikatoren wider. Der globale PMI für die Industrie ging in Q4 abermals zurück, auf nun 51,8 Punkte (Q3: 52,4). Auch der ifo Index zum Weltwirtschaftsklima zeigte ein ähnliches Bild. Mit -13,1 Saldenpunkten für Q1 2019 (Q4 2018: -2,2) deuten die aktuellen Daten auf eine weiter anhaltende Schwächephase hin. Damit sehen wir unsere Sicht- weise bestärkt, dass es sich bei der gegenwärtigen Abkühlung der deutschen Konjunktur nicht nur um eine Aneinanderreihung spezifisch deutscher Effekte (lange Grippewelle, Streiks, Niedrigwasser, WLTP etc.) handelt, sondern dass wir es mit den Auswirkungen der weltwirtschaftlichen Verlangsamung zu tun ha- ben. Gleichwohl blieb die Binnennachfrage in Q4 der Impulsgeber der deut- schen Volkswirtschaft. Im Gegensatz zum Vorquartal belebten sich die gesamtwirtschaftlichen Kon- sumausgaben zum Jahresende. Der private Verbrauch legte um 0,2% ggü. Vq. zu und leistete mit 0,1 %-Punkten nun wieder einen positiven Wachstumsbeitrag (Q3: -0,2 %-Punkte). Die Konsumausgaben des Staates (Q4: + 1,6% ggü. Vq.) Deutschland: Konjunkturprognose 16 % gg. Vj. 2018 2019P 2020P Reales BIP 1.4 0.5 1.4 Privater Konsum 1.0 0.8 1.3 Staatsausgaben 1.0 2.0 1.4 Anlageinvestitionen 2.6 2.5 2.8 Ausrüstungen 4.2 2.1 2.4 Bau 2.4 3.5 3.8 Lager, %-Punkte 0.5 -0.2 -0.1 Exporte 2.0 1.6 3.2 Importe 3.3 3.5 3.9 Nettoexport, %-Punkte -0.4 -0.8 -0.1 HVPI 1.9 1.7 1.6 Staatsverschuldung, % BIP 60.1 57.7 55.1 Arbeitslosenquote, % 5.2 4.9 4.8 Budgetsaldo, % BIP 1.7 0.8 0.8 Leistungsbilanzsaldo, % BIP 7.4 6.5 6.1 Quellen: Statistisches Bundesamt, Deutsche Bank Research -1,0 -0,5 0,0 0,5 1,0 1,5 2,0 2,5 Q4 17 Q1 18 Q2 18 Q3 18 Q4 18 18 19P 20P Außenbeitrag Lager Bauinvestitionen Ausrüstungsinvestitionen Staatskonsum Privater Konsum Reales BIP Wachstumsbeiträge zum realen BIP-Wachstum, ggü. Vq., ggü. Vj., %-Punkte Quellen: Statistisches Bundesamt, Deutsche Bank Research Binnenwirtschaft Hauptwachstumstreiber 17 Kreditgeschäft wächst gedämpft, deutsche Wirtschaft stagniert in Q4 2018 7 | 15. März 2019 Deutschland-Monitor trugen mit 0,3 %-Punkten verhältnismäßig stark zum Wachstum bei. Ursächlich dafür war insbesondere der Ausgabenanstieg für den Kollektivkonsum des Staates (Sicherheit und Verteidigung, Infrastruktur etc.) um 3,2% ggü. Vq. (Indi- vidualkonsum: 0,8% ggü. Vq.). Bei den Investitionen bremste der Abbau der La- gerbestände das Quartalswachstum des BIP in Q4 um 0,6 %-Prozentpunkte, während die Ausrüstungs- und die Bauinvestitionen jeweils einen positiven Bei- trag von 0,1 %-Punkten leisteten. Die Entwicklung der Vorratsinvestitionen ist im Kontext des starken Lageraufbaus im Vorquartal (Q3: 0,8 %-Punkte) zu sehen, der insbesondere durch fertig produzierte, aber bis dahin noch nicht WLTP- zertifizierte Neuwagen getrieben wurde. Von den Nettoexporten ging in Q4 (Q3: -0,9 %-Punkte) kein Wachstumsbeitrag aus. Exporte und Importe nahmen je- weils um 0,7% ggü. Vq. zu. Anlageinvestitionen in Q4 dynamischer, Lagerabbau bremst BIP Die Bruttoanlageinvestitionen beschleunigten sich im Schlussquartal 2018 und legten um 0,9% ggü. Vq. zu. Damit zeigten sie eine gewisse Widerstandsfähig- keit in einem ansonsten eingetrübten Umfeld, das vor allem von anhaltenden außenwirtschaftlichen Unsicherheitsfaktoren belastet ist. Trotz sich abschwä- chender Kapazitätsauslastung expandierten die Ausrüstungsinvestitionen um 0,7% ggü. Vq., nachdem sie im Vorquartal nur stagnierten (Q3 von 0,8% auf 0% ggü. Vq. revidiert). Die Abkühlung der Industriekonjunktur und die eingetrübten Aussichten wirkten dämpfend. Im Gesamtjahr 2018 expandierten die Ausrüs- tungsinvestitionen um 4,2% ggü. Vj. Die Bauinvestitionen nahmen in Q4 um 1,3% ggü. Vq. (rev. Q3: 0,7%) zu. Dabei wuchs insbesondere der private Anteil um 1,7% ggü. Vq., während die staatli- chen Ausgaben in diesem Bereich um 1,4% ggü. Vq. schrumpften. Im Gesamt- jahr 2018 expandierten die Bauinvestitionen um 2,4% ggü. Vj. Das anhaltende Niedrigzinsumfeld und der Nachfrageüberhang, gerade in den Ballungszentren, befeuerten diese Entwicklung. Somit verwundert es nicht, dass die Stimmung auch in Q4 bestens war. Das ifo-Geschäftsklima im Bauhauptgewerbe erreichte einen neuen Höchststand von 116,8 Punkten (Q3: 116,6). Allerdings geht die Stimmungseintrübung in der deutschen Volkswirtschaft auch an dieser Boombranche nicht spurlos vorbei. So fiel dieser ifo-Stimmungsindikator im Mit- tel der ersten beiden Monate des Jahres 2019 auf 111,1 Punkte und damit unter den Durchschnitt der letzten zwei Jahre (111,3). Maßgeblich dafür waren so- wohl eine Eintrübung der Geschäftserwartungen wie auch die ungünstigere Be- urteilung der Geschäftslage. Trotzdem ist der Bausektor nach wie vor in einer sehr guten Verfassung, wie der durchschnittliche Auftragsbestand von gut 4 Mo- naten und die komfortablen Preiserwartungen attestieren. Der Arbeitskräfteman- gel ist im gesamten Baugewerbe ein großes Hemmnis für die Fertigstellung von Bauprojekten. Das deutsche Investitionsklima war im Verlauf des Jahres 2018 von verschiede- nen Sondereffekten belastet, die teilweise immer noch nicht abgeklungen sind. Wie wir aber schon in der Februar- und der März-Ausgabe unserer Publikation „Ausblick Deutschland“ erörtert haben, sind die Verlangsamung der Weltkon- junktur und vor allem der rückläufige Handel eine Ursache der konjunkturellen Abkühlung. Hinzu kommen die anhaltenden (handels-) politischen Unwägbar- keiten, die wie Nackenschläge für das deutsche Investitionsklima wirken. Private Konsumausgaben in Q4 mit nur leichter Belebung Nach ihrem Rückgang im Vorquartal (-0,3% ggü. Vq.) erholten sich die realen Konsumausgaben der privaten Haushalte in Q4 und expandierten um 0,2% ggü. Vq. Angesichts der guten Einkommensentwicklung fiel dieser Anstieg aber ver- gleichsweise verhalten aus. Die Lohneinkommen stiegen um 4,3% ggü. Vj. (Q3: 70 72 74 76 78 80 82 84 86 88 -6 -4 -2 0 2 4 6 13 14 15 16 17 18 19 Investitonen in Maschinen & Ausrüstungen Kapazitätsauslastung ifo Kapazitätsauslastung 18 Quelle: Statistisches Bundesamt %, ggü. Vq. %, sb. -6,0 -4,0 -2,0 0,0 2,0 4,0 6,0 8,0 12 13 14 15 16 17 18 Investitionen, insgesamt Ausrüstungsinvestitionen Bauinvestitionen Leichte Belebung der Investitionen in Q4 19 % ggü. Vq., sb. Quelle: Statistisches Bundesamt Kreditgeschäft wächst gedämpft, deutsche Wirtschaft stagniert in Q4 2018 8 | 15. März 2019 Deutschland-Monitor rev. 5,1%). Das gesamte Volkseinkommen wuchs in Q4 mit 2,5% ggü. Vj. ähn- lich dynamisch wie im Vorquartal (Q3: rev. 2,6%). Allerdings gingen die Unter- nehmens- und Vermögenseinkommen das zweite Mal in Folge um 2,2% ggü. Vj. zurück, was auf die schwache Entwicklung der Bruttowertschöpfung zurückzu- führen ist. Als Folge zurückhaltender Konsumausgaben stieg die Sparquote der privaten Haushalte zum Jahresende 2018 auf 10,9% (Q3: 10,6%). Im Gesamt- jahr 2018 nahmen die Konsumausgaben der privaten Haushalte um 1% ggü Vj. zu. Die anhaltend günstige Arbeitsmarktentwicklung dürfte den privaten Konsum weiter stützen. Die Zahl der Erwerbstätigen stieg in Q4 um 1,1% ggü. Vj. bzw. um 507.000 Personen. Die Arbeitslosenquote sank auf 5%. Zu den Neuab- schlüssen aus den Tarifverhandlungen des Jahres 2018 in Höhe von 3,5%, dürften auch in 2019 Ergebnisse von durchschnittlich knapp 3% hinzukommen. Das spiegelt auch die Komponente der Einkommenserwartungen der GfK-Um- fragen wider. Nach einer leichten Schwächephase in Q4 2018 (52,8) stieg sie seit Jahresbeginn auf knapp 58 Punkte an. Insgesamt zeigt sich das Konsum- klima in Q1 2019 mit 10,7 Punkten robust auf der Höhe des Jahresdurchschnitts von 2018. Die GfK-Verbraucherumfrage zeigt aber auch, dass die Konsumenten ihre Au- gen nicht vor den konjunkturellen Risiken verschließen. So legte die Kompo- nente der Konjunkturerwartungen in den letzten fünf Monaten eine regelrechte Talfahrt hin und sank im Februar 2019 auf 4,2 Punkte – dem niedrigsten Wert seit März 2016. Die deutsche Industrie im außenwirtschaftlichen Gegenwind Auslöser der spürbaren Konjunkturverlangsamung in Deutschland ist das Verar- beitende Gewerbe. Nach einer Stagnation im ersten Halbjahr 2018 mit durch- schnittlichen Quartalsraten von -0,1% brach die Industrieproduktion in der zwei- ten Jahreshälfte massiv ein. Im dritten Quartal schrumpfte sie um 0,9% ggü. Vq., im vierten Quartal dann nochmals um 1%. Die Frage, ob die Rezession im Verarbeitenden Gewerbe vor allem das Ergebnis von Sondereffekten ist (WLTP, Niedrigwasser des Rheins und die stark schwankende Fertigung im Pharmasek- tor), wird zwar nach wie vor kontrovers diskutiert. Aus unserer Sicht spricht je- doch der weitere Rückgang von ifo und Einkaufsmanagerindex für das Verarbei- tende Gewerbe (PMI) – insbesondere bei den vorausschauenderen Komponen- ten – dafür, dass diese Sondereffekte wohl in begrenzterem Umfang als ange- nommen für den Abschwung verantwortlich sind. Obwohl die Auftragseingänge für den Dezember aufwärts revidiert wurden und sich somit in Q4 eine Zunahme von 1,2% ggü. Vq. ergab, spiegeln die Daten am aktuellen Rand die konjunktu- relle Abkühlung wider. Im 2-Monatsvergleich zwischen Dezember und Januar bzw. November und Oktober schrumpften die Auftragseingänge aus dem ge- samten Ausland um 1,6%. Insbesondere die Aufträge aus dem Eurowährungs- raum gingen um 2,7% zurück. Aufgrund der zuvor schon erläuterten Risiken haben wir unsere Prognose für die deutsche Industrieproduktion angepasst. Nach 1,5% im Jahr 2018 rechnen wir für das Jahr 2019 nur mit einer Stagnation und dann mit einem Anstieg der Produktion von 1% in 2020. Der Mangel an geeigneten Fachkräften dürfte das Produktionswachstum zusätzlich angebotsseitig hemmen. Angesichts des en- gen deutschen Arbeitsmarktes wird dieses Problem auch im Jahr 2019 weiter bestehen. -0,8 -0,6 -0,4 -0,2 0 0,2 0,4 0,6 0,8 1 1,2 1,4 11 12 13 14 15 16 17 18 Quelle: Statistisches Bundesamt %, ggü. Vq., sb. Verhaltene Belebung der realen privaten Konsumausgben in Q4 2018 20 95 100 105 110 115 14 15 16 17 18 Produktion Aufträge Quelle: Statistisches Bundesamt Verarbeitendes Gewerbe in DE, 2015=100 Industrieproduktion: Signale stehen auf Kontraktion 21 -20 -15 -10 -5 0 5 10 15 20 25 30 14 15 16 17 18 … zur Entwicklung der Geschäftstätigkeit … zur Entwicklung der Exporttätigkeit Leichte Anzeichen einer Erholung in der Autoindustrie 22 Erwartungen in der dt. Automobilindustrie... Saldo aus pos. u. neg. Firmenmeldungen Quelle: ifo Institut Kreditgeschäft wächst gedämpft, deutsche Wirtschaft stagniert in Q4 2018 9 | 15. März 2019 Deutschland-Monitor 1,4% BIP-Wachstum in 2018 – Prognose für 2019 auf 0,5% (1%) gesenkt Mit der Meldung der BIP-Details für Q4 revidierte das Statistische Bundesamt die Jahreswachstumsrate für 2018 auf 1,4% (vorl. 1,5%). Mit dem stagnieren- den BIP-Wachstum im Schlussquartal ist die deutsche Volkswirtschaft nur knapp einer technischen Rezession entgangen. Aufgrund des anhaltend kräfti- gen außenwirtschaftlichen Gegenwindes befindet sie sich aber nach wie vor in schwierigem Fahrwasser. Dies ist unter anderem dem Brexit, den globalen Han- delsspannungen und der Abkühlung der chinesischen Wirtschaft geschuldet. Eine weitere Belastung ist die weltweit geringere Fahrzeugnachfrage, die Deutschland besonders hart trifft, da diese Warengruppe einen Großteil der deutschen Exporte ausmacht. Unter Berücksichtigung all dieser externen Fakto- ren, wie auch des Fehlens eines Wachstumsüberhangs aus 2018 sowie der zu Jahresbeginn noch weiter gesunkenen Stimmungsindikatoren, haben wir unsere Wachstumsprognose für das Gesamtjahr 2019 auf 0,5% ggü. Vj. (1%) gesenkt. Wir gehen davon aus, dass das Quartalswachstum zu Beginn des Jahres 2019 wieder leicht negativ ausfallen wird (Q1: -0,1% ggü. Vq.). Nach dem langandau- ernden Aufschwung war eine Verlangsamung der volkswirtschaftlichen Dynamik zu erwarten. Gegenwärtig sind aber die erhöhten Risiken nicht von der Hand zu weisen, dass die konjunkturelle Abkühlung in eine Rezession führen könnte. Der robuste Arbeitsmarkt, die soliden Lohnzuwächse und der strukturelle Nach- frageüberhang am Immobilienmarkt, verbunden mit weiterhin extrem niedrigen Zinsen, sprechen aber dafür, dass die deutsche Binnenkonjunktur weiter auf Wachstumskurs bleibt. EZB vor mehr Herausforderungen, als ihr lieb sein kann Nach dem erwartungsgemäßen Beenden der Nettoanleihekäufe zum Jahres- ende 2018 sieht sich die EZB auf dem Weg zu einer weiteren Normalisierung der Geldpolitk nun mit einem anspruchsvollen ökonomischen Umfeld in der Eu- rozone konfrontiert. Wir haben unsere BIP-Wachstumsprognose für 2019 von 1,7% im Dezember auf nunmehr 0,9% gesenkt. Der Euroraum befindet sich in einer „rezessionsnahen Umlaufbahn“: Zum Jahresbeginn 2019 bestehen durch- aus Kontraktionsrisiken. Allerdings ist nicht mit einer dauerhaften Rezession zu rechnen, da insgesamt keine größeren Ungleichgewichte vorhanden sind und die Geldpolitik weiterhin expansiv ist. Auch wenn wir unsere Erwartungen stär- ker nach unten korrigiert haben als der Markt, sehen wir unsere Einschätzung nach wie vor als optimistisch an. Sie stützt sich auf eine gute Lösung für die po- litischen Risiken (Handelskonflikt, Brexit) und darauf, dass die binnenwirtschaft- lichen Belastungen auf einzelne Länder beschränkt sowie von vorübergehender Natur sind. Insofern besteht für uns Anlass zur Sorge. Den jüngsten Daten zu- folge hat das Rezessionsrisiko zwar nicht weiter zugenommen, das Wachstum ist jedoch schwach und die Konjunktur bleibt anfällig. Während der EZB-Sitzung am 7. März waren die Äußerungen zu den kommen- den TLTRO3 sicherlich die wichtigste geldpolitische Entscheidung. Daneben wurde aber auch die zeitliche Bindung an unveränderte Leitzinsen verlängert, jedoch nur um drei Monate bis zum Ende 2019, und nicht wie von uns erwartet um ein halbes Jahr. Angesichts der deutlichen Verschlechterung der Makroaus- sichten ist es unwahrscheinlich, dass die EZB die Zinsen bereits Anfang 2020 anheben wird. Wir sind der Meinung, dass es bis Ende 2020 keine Zinsanhe- bungen geben wird. Die Kosten für die Banken aufgrund der anhaltend negati- ven Zinsen werden derzeit diskutiert, aber eine Lösung steht nicht unmittelbar bevor. Marc Schattenberg (+49 69 910-31875, marc.schattenberg@db.com) Kreditgeschäft wächst gedämpft, deutsche Wirtschaft stagniert in Q4 2018 10 | 15. März 2019 Deutschland-Monitor © Copyright 2019. Deutsche Bank AG, Deutsche Bank Research, 60262 Frankfurt am Main, Deutschland. Alle Rechte vorbehalten. Bei Zitaten wird um Quellenangabe „Deutsche Bank Research“ gebeten. Die vorstehenden Angaben stellen keine Anlage-, Rechts- oder Steuerberatung dar. Alle Meinungsaussagen geben die aktuelle Einschätzung des Ver- fassers wieder, die nicht notwendigerweise der Meinung der Deutsche Bank AG oder ihrer assoziierten Unternehmen entspricht. Alle Meinungen kön- nen ohne vorherige Ankündigung geändert werden. Die Meinungen können von Einschätzungen abweichen, die in anderen von der Deutsche Bank veröffentlichten Dokumenten, einschließlich Research-Veröffentlichungen, vertreten werden. Die vorstehenden Angaben werden nur zu Informations- zwecken und ohne vertragliche oder sonstige Verpflichtung zur Verfügung gestellt. Für die Richtigkeit, Vollständigkeit oder Angemessenheit der vorste- henden Angaben oder Einschätzungen wird keine Gewähr übernommen. In Deutschland wird dieser Bericht von Deutsche Bank AG Frankfurt genehmigt und/oder verbreitet, die über eine Erlaubnis zur Erbringung von Bankge- schäften und Finanzdienstleistungen verfügt und unter der Aufsicht der Europäischen Zentralbank (EZB) und der Bundesanstalt für Finanzdienstleis- tungsaufsicht (BaFin) steht. 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