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  4. Ausblick Deutschland
30. März 2015
Das Zusammenspiel von strukturell langsamerem Wachstum des Welthandels, zunehmender Lokalisierung der Produktion, demografischem Wandel, den von politischer Seite veränderten Rahmenbedingungen und einem sich weiter verschärfenden internationalen Wettbewerb dürfte auf mittlere Sicht eine erhebliche Herausforderung für die deutsche Exportwirtschaft darstellen. Die Binnenwirtschaft dürfte daher künftig wieder eine größere Rolle spielen. Die Politik kann helfen, diesen Wandel zu gestalten. Die deutschen Exporteure könnten dadurch mittelfristig noch stärker zu global agierenden Unternehmen werden, wobei die Reaktion auf Branchenebene unterschiedlich ausfallen dürfte. Die generierten Gewinne könnten für eine alternde, stärker binnenorientierte Volkswirtschaft in den nächsten Dekaden ein Segen sein. [mehr]
Ausblick Deutschland: Kräftiger Gegenwind für deutsche Exportwirtschaft trotz Euroabwertung Aktuelle Themen Konjunktur Kräftiger Gegenwind für deutsche Exportwirtschaft trotz Euroabwertung. Das Zusammenspiel von strukturell langsamerem Wachstum des Welthandels, zu- nehmender Lokalisierung der Produktion, demografischem Wandel, den von politischer Seite veränderten Rahmenbedingungen und einem sich weiter ver- schärfenden internationalen Wettbewerb dürfte auf mittlere Sicht eine erhebli- che Herausforderung darstellen. Die Binnenwirtschaft dürfte daher künftig wie- der eine größere Rolle spielen. Dies ist eine natürliche Reaktion einer Volkswirt- schaft auf sich verändernde Rahmenbedingungen. Die Politik kann helfen, die- sen Wandel zu gestalten. Die deutschen Exporteure könnten dadurch mittelfri- stig noch stärker zu global agierenden Unternehmen werden, wobei die Reakti- on auf Branchenebene unterschiedlich ausfallen dürfte. Die generierten Gewin- ne könnten für eine alternde, stärker binnenorientierte Volkswirtschaft in den nächsten Dekaden ein Segen sein. 2015: Starke Binnenwirtschaft und volatiles H1. Dank der verbesserten Stim- mungsindikatoren, der kräftigen realen Einkommensgewinne durch den gefalle- nen Ölpreis und steigende Sozialleistungen sowie des höheren durch die Euro- Abschwächung getriebenen Exportwachstums dürfte die deutsche Volkswirt- schaft 2015 um 2% wachsen. Das Wachstum sollte breit angelegt, aber vom privaten Konsum dominiert sein. Gegenüber unserer letzten Prognose haben wir primär eine Änderung des Quartalsprofils vorgenommen. Wir erwarten, dass der milde Winter beim Bau für Vorzieheffekte sorgt und ein äußert kräftiges BIP- Wachstum in Q1 (+0,8% gg. Vq.) nach sich zieht. Darauf dürfte in Q2 (+0,2%) – wie schon im Vorjahr – eine Gegenbewegung folgen. Regierung setzt mit Haushaltsentwurf Kurs auf höhere Investitionen. Der Nach- tragshaushalt für 2015, der Haushaltsentwurf für 2016 und die mittelfristige Fi- nanzplanung bis 2019 beinhalten als primäre Politikmaßnahme eine deutliche Anhebung der öffentlichen (Infrastruktur-)Investitionen. Bis 2019 addieren sie sich auf EUR 13,5 Mrd. zum Teil durch Ko-Finanzierung kommunaler Projekte. Damit würde ein großer Teil des von uns identifizierten Investitionsmehrbedarfs gedeckt werden, Gespräche mit der EU-Kommission über Deutschlands hohen Leistungsbilanzüberschuss erleichtert werden, und es könnte ein kleiner Beitrag zum Ausgleich der wirtschaftlichen Ungleichgewichte in der EWU sein. EZB: Auswirkungen von QE bislang positiv. Das erweiterte Anleihekaufpro- gramm der EZB ist im März erfolgreich angelaufen. Bislang wurden EUR 26,3 Mrd. an Staatsanleihen (und Anleihen staatlicher Institutionen wie KfW und ESM) gekauft. Das Programm dürfte bis mindestens September 2016 anhalten und die EZB-Bilanz auf über 3 Bill. treiben. Die Zinsen auf Staatsanleihen sind zuletzt weiter gefallen wie auch die Zinsen für die Realwirtschaft. Zusammen mit der kräftigen Abwertung des EUR sollte dies die Konjunkturerholung in der Eurozone stützen. Trotz der vorläufig positiven Anzeichen dürfte es bis Anfang 2016 dauern, bis die EZB den Erfolg des Kaufprogramms bewerten kann. Autor en Eric Heymann +49 69 910-31730 eric.heymann@db.com Heiko Peters +49 69 910-21548 heiko.peters@db.com Oliver Rakau +49 69 910-31875 oliver.rakau@db.com Stefan Schneider +49 69 910-31790 stefan-b.schneider@db.com Editor Stefan Schneider Deutsche Bank AG Deutsche Bank Research Frankfurt am Main Deutschland E-Mail: marketing.dbr@db.com Fax: +49 69 910-31877 www.dbresearch.de DB Research Management Ralf Hoffmann Originalveröffentlichung in englischer Sprache: 27. März 2015. Inhaltsverzeichnis Seite Prognosetabellen ............................................2 Kräftiger Gegenwind für deutsche Export- wirtschaft trotz Euroabwertung ........................3 2015: Starke Binnenwirtschaft und volatiles H1 ................................................... 18 Haushalt der Bundesregierung stellt die Weichen für höhere Investitionen .................. 20 EZB: Auswirkungen von QE bislang positiv ... 23 DB Makro-Überraschungsindex Deutschland .................................................. 25 Chartbook ..................................................... 26 Eventkalender ............................................... 33 Datenkalender .............................................. 34 Finanzmarktprognosen ................................. 34 Datenmonitor ................................................ 35 30. März 2015 Ausblick Deutschland Kräftiger Gegenwind für deutsche Exportwirtschaft trotz Euroabwertung Ausblick Deutschland 2 | 30. März 2015 Aktuelle Themen Wachstum, Inflation, Leistungsbilanz, Budgetsaldo DX BIP - Wachstum Inflation* Leistungsbilanzsaldo Budgetsaldo in % gg. Vj. in % gg. Vj. in % des BIP in % des BIP 2014P 2015P 2016P 2014P 2015P 2016P 2014P 2015P 2016P 2014P 2015P 2016P Euroland 0,9 1,4 1,6 0,4 0,0 1,4 2,4 3,3 2,6 - 2,5 - 2,1 - 1,7 Deutschland 1,6 2,0 1,7 0,9 0,0 1,5 7,6 8,3 8,2 0,6 0,6 0,7 Frankreich 0,4 1,1 1,6 0,6 0,1 1,1 - 1,0 - 0,5 - 0,8 - 4,4 - 4,0 - 3,4 Italien - 0,4 0,6 1,3 0,2 0,1 1,1 1,8 2,5 2,7 - 3,0 - 2,7 - 2,2 Spanien 1 ,4 2,5 2,3 - 0,2 - 0,6 1,5 0,1 0,7 0,5 - 5,6 - 4,5 - 3,7 Niederlande 0,8 1,7 1,1 0,3 0,0 1,3 10,9 11,4 11,5 - 2,5 - 2,0 - 1,9 Belgien 1,0 1,3 1,6 0,5 0,2 1,6 1,0 1,5 1,2 - 3,0 - 2,7 - 2,2 Österreich 0,3 1,2 1,8 1,5 0,7 1,7 0,7 1,2 1,5 - 2,3 - 1,6 - 1,2 F innland - 0,1 0,8 1,4 1,2 0,1 1,3 - 1,9 - 1,5 - 1,3 - 3,4 - 3,3 - 2,8 Griechenland 0,7 0,8 3,2 - 1,4 - 1,6 1,0 1,0 1,5 1,2 - 3,5 - 0,7 - 0,7 Portugal 0,9 1,6 1,6 - 0,2 0,1 1,3 0,5 1,0 0,7 - 5,0 - 3,1 - 2,5 Irland 4,8 3,7 3,5 0,3 0,1 1,8 4,5 5,0 4,5 - 4,0 - 2,8 - 2,5 Großbritannien 2,6 2,4 2,3 1,5 0,4 1,9 - 5,3 - 4,1 - 2,9 - 5,0 - 4,0 - 2,0 Dänemark 1,0 1,7 1,8 0,6 1,0 1,5 6,2 6,0 6,0 - 1,0 - 2,5 - 2,5 Norwegen 2,3 2,0 2,2 2,0 2,0 2,0 8,5 8,0 7,5 9,1 9,0 8,5 Schweden 2,3 2,8 2,8 - 0,2 0,5 1,5 6,3 5,5 5,0 - 1,9 - 1,2 - 0,6 Schweiz 2,0 1,0 1,0 0,0 - 0,8 - 0,4 8,0 8,5 8,5 0,2 0,5 0,5 Tschech. Rep. 2,0 2,6 2,5 0,4 0,3 1,9 - 1,0 - 0,8 - 0,6 - 1,3 - 2,1 - 2,2 Ungarn 3,6 2,7 2,4 - 0,2 - 0,3 2,5 3,6 3,5 3,5 - 2,9 - 2,7 - 2,4 Polen 3,3 3,4 3,5 0,0 - 0,4 1 ,5 - 1,3 - 1,3 - 1,5 - 3,4 - 2,9 - 2,7 USA 2,4 3,3 3,1 1,6 0,6 2,6 - 2,6 - 2,8 - 3,5 - 2,9 - 2,6 - 2,9 Japan 0,0 0,9 1,8 2,7 0,7 0,9 0,6 3,5 3,4 - 5,9 - 5,3 - 4,4 China 7,4 7,0 6,7 2,0 1,8 2,7 3,1 3,4 3,3 - 2,1 - 3,0 - 3,0 Welt 3,4 3,4 3,7 3,7 3,3 3,7 *Inflationsdaten für EU - Länder basieren auf harmonisierten Verbraucherpreisindizes außer bei Deutschland. Dies kann zu Diskrepanzen zu anderen DB Pub likationen führen. Quellen: Nationale Behörden, Nationale Zentralbanken, Deutsche Bank Prognosen Deutschland: BIP-Wachstum nach Komponenten, % gg.Vq., Jahresdaten % gg.Vj. DX 20 14 2015 2012 2013 2014 2015P 2016P Q1 Q2 Q3 Q4 Q1P Q2P Q3P Q4P BIP 0,4 0,1 1,6 2,0 1,7 0,8 - 0,1 0,1 0,7 0,8 0,2 0,4 0,3 Privater Konsum 0,7 0,8 1,2 2,3 1,0 0,6 0,0 0,8 0,8 0,6 0,5 0,4 0,3 Staatsausgaben 1,2 0,7 1,1 1,0 0,4 0,1 0,6 0,6 0,2 0,1 0,2 0,3 0,2 Anlageinvestitionen - 0,7 - 0,6 3,4 2,7 1,7 3,0 - 1,7 - 1,2 1,2 3,1 - 2,0 1,0 0,6 Ausrüstungen - 3,1 - 2,4 4,3 3,9 3,5 2,0 0,6 - 1,4 0,4 2,0 0,0 2,0 1,0 Bau 0,6 - 0,1 3,6 3,1 1,1 4,5 - 3,7 - 1,5 2,1 5,0 - 4,0 0,7 0,6 Lager , % - Punkte - 1,4 0,2 - 0,4 - 0,3 0,1 - 0,1 0,1 - 0,5 - 0,2 0,0 0,1 0,1 0,0 Exporte 2,8 1,6 3,9 4,4 5,1 - 0,4 1,0 2,0 1,3 - 0,2 1,3 1,0 1,2 Importe 0,0 3,1 3,4 4,5 4,5 - 0,3 1,2 1,3 1,0 0,3 1,2 1,5 1,5 Nettoexport, % - Punkte 1,3 - 0,5 0,4 0,3 0,6 - 0,1 0,0 0,4 0,2 - 0,2 0,1 - 0,1 - 0,1 Konsumentenpreise* 2,0 1,5 0,9 0,0 1,5 1,2 1,1 0,8 0,5 - 0,3 - 0,1 0,1 0,5 Arbeitslosenquote, % 6,8 6,9 6,7 6,5 6,6 6,8 6,7 6,7 6,6 6,5 6,4 6,4 6,6 Industrieproduktion - 0,4 0,1 1,5 1,8 1,8 Budgetsaldo, % BIP 0,1 0,1 0,6 0,6 0,7 Öffentlicher Schuldenstand, % BIP 79,0 76,9 73,3 69,3 65,8 Leistungsbilanzsaldo, % BIP 6,8 6,5 7,6 8,3 8,2 Leistungsbilanzsaldo, EUR Mrd. 187 182 220 250 255 *Inflationsdaten für Deutschland basieren auf nationaler Abgrenzung. Dies kann zu Diskrepanzen zu anderen DB Publikationen fü hren. Quellen: Statistisches Bundesamt, Deutsche Bundesbank, Arbeitsagentur, Deutsche Bank Research Ausblick Deutschland 3 | 30. März 2015 Aktuelle Themen Kräftiger Gegenwind für deutsche Exportwirt- schaft trotz Euroabwertung — Die deutsche Industrie befindet sich zwar in einer exzellenten Ausgangslage mit einer hohen internationalen Wettbewerbsfähigkeit. Das Zusammenspiel von strukturell langsamerem Wachstum des Welthandels sowie den unge- nügenden Fortschritten bei seiner Liberalisierung, zunehmender Lokalisie- rung der Produktion durch die deutsche Industrie, demografischem Wandel in Deutschland (höherer Lohndruck), den von politischer Seite verschlech- terten Rahmenbedingungen daheim und einem sich weiter verschärfenden internationalen Wettbewerb dürfte jedoch spätestens auf mittlere Sicht eine erhebliche Herausforderung für die deutschen Exporteure darstellen. — Zwar kann der strukturelle Gegenwind durch die heimische Wirtschaftspoli- tik ohnehin nur gedämpft werden. Tatsächlich wurde zuletzt aber zusätzli- cher starker Gegenwind erzeugt. Wir haben die Wirtschaftspolitik der deut- schen Bundesregierung in den letzten Jahren vielfach deutlich kritisiert. — Auf Branchenebene reagierten die Unternehmen unterschiedlich auf die zunehmende Globalisierung. Die Automobilindustrie verfolgte eine zweiglei- sige Strategie aus einer Modernisierung der heimischen Werke und Ausbau der Exporte sowie einer massiven Ausweitung der Produktion im Ausland. Der Maschinenbau kommt auf einen relativ hohen heimischen Wertschöp- fungsanteil. In der Elektrotechnik gab es eine Verschiebung hin zu Investiti- onsgütern. Die Chemieindustrie ist die einzige der traditionellen Exportbran- chen, in denen der reale Kapitalstock in Deutschland zuletzt stetig gesun- ken ist. Die Investitionszurückhaltung dürfte hauptsächlich auf die hohen Energiepreise und die Unsicherheiten über die künftige Ausrichtung der Energiepolitik zurückzuführen sein. — Die Binnenwirtschaft dürfte künftig einen höheren Anteil an der Gesamtwirt- schaft ausmachen. Dies muss kein Beinbruch sein, obgleich eine solche Entwicklung Teilen der Politik und Öffentlichkeit Sorgen bereiten dürfte. Vielmehr ist es eine natürliche Reaktion einer Volkswirtschaft auf sich ver- ändernde wirtschaftliche und politische Rahmenbedingungen. — Damit die grundsätzlich gute Ausganslage der exportstarken deutschen Unternehmen nicht unnötig verschlechtert wird, sollten dem kräftigen Gegenwind geeignete Maßnahmen entgegengestellt werden. Es ist zwar unwahrscheinlich, dass die Politik ihre großen „Vorzeigeprojekte“ zurück- nimmt. Allerdings kommt es nun umso mehr darauf an, die Situation nicht weiter zu verschärfen und die noch vorhandene Flexibilität etwa im Bereich des Arbeitsmarktes zu erhalten. Zudem ist es wichtig, das gesamte Bil- dungssystem noch mehr zu stärken. Zusätzliche Impulse würden die deut- schen Unternehmen auch von einem erfolgreichen Abschluss der derzeit verhandelten Handelsabkommen erhalten (v.a. TTIP). — Die deutsche Exportwirtschaft stellte sich immer wieder erfolgreich den glo- balen Herausforderungen. Zur Abfederung der demografischen Herausfor- derungen kann die Arbeitsproduktivität über eine stärkere Automatisierung erhöht werden. Mehr gezielte Zuwanderung, eine längere Lebensarbeitszeit sowie eine höhere Erwerbsbeteiligung von Frauen könnten das Arbeitskräf- tepotenzial erhöhen. — Die Unternehmen dürften ihre globalen Wertschöpfungsketten und die Pro- duktion im Ausland weiter ausbauen. Dies könnte mittelfristig dazu führen, dass die Unternehmen der deutschen Exportwirtschaft noch stärker zu glo- bal agierenden Unternehmen werden. Die so generierten Gewinne könnten für eine alternde, stärker binnenorientierte deutsche Volkswirtschaft in den nächsten Dekaden zu einem Segen werden. Ausblick Deutschland 4 | 30. März 2015 Aktuelle Themen Gute Ausgangslange lässt Raum für Anpassung Die Weltwirtschaft ist ein hoch dynamisches System, dass sich in ständigem Wandel befindet. Die Globalisierung wurde in den vergangenen 20 bis 30 Jah- ren durch die Integration zahlreicher Schwellenländer – insbesondere China und Indien sowie die Ostblock-Staaten – in die Weltwirtschaft sowie die tiefgrei- fenden Fortschritte der Informations- und Kommunikationstechnologien (IKT), die den Aufbau von globalen Wertschöpfungsketten ermöglichten, angetrieben. In diesem Umfeld positionierte sich die stark exportabhängige deutsche Indust- rie in den 2000er Jahren hervorragend. Trotz der herausfordernden Entwicklun- gen seit Ausbruch der Weltwirtschaftskrise und der später folgenden Euro-Krise, die Deutschland angesichts seiner Handelsverflechtung mit dem Währungsraum besonders trafen, konnte sich die deutsche Exportwirtschaft behaupten. So ist der Anteil Deutschlands am Welthandel zwar von noch über 11% Anfang der 1990er Jahre auf gut 7% im Jahr 2014 zurückgegangen. Allerdings ist dies im Vergleich zu anderen Industrienationen und angesichts des Aufstiegs Asiens und insbesondere Chinas dennoch beachtlich. Rechnet man darüber hinaus die vergleichsweise schwache heimische Bevölkerungsentwicklung ein, wird noch deutlicher, wie stark sich die deutsche Exportwirtschaft von jener der anderen großen Industrienationen unterscheidet: Pro Kopf ist der Welthandelsanteil ei- nes Deutschen etwa doppelt so hoch (s. Grafik 1). Auch innerhalb Deutschlands hat die Exportwirtschaft eine exponierte Stellung. Legt man das Verarbeitende Gewerbe (Industrie) zugrunde, beträgt der Anteil an der gesamtwirtschaftlichen Wertschöpfung seit Mitte der 1990er Jahre stabil rd. 22%. In der EWU ist der Anteil von über 20% auf knapp 16% zurückgegan- gen. Die deutsche Industrie macht direkt etwa die Hälfte ihres Umsatzes mit dem Ausland. Allerdings liegt die indirekte Exportquote aufgrund von engen Zulieferbeziehungen innerhalb der Industrie sowie wegen des Rückgriffs auf heimische Dienstleistungsunternehmen deutlich höher. Verdeutlicht wird dies dadurch, dass die Exportabhängigkeitsquote des deutschen Bruttoinlandspro- dukts bei 27% liegt und rd. ein Viertel der deutschen Beschäftigung an den Ex- porten hängt. 1 Das Zusammenspiel von strukturell langsamerem Wachstum des Welthandels sowie den ungenügenden Fortschritten bei seiner Liberalisierung, zunehmender Lokalisierung der Produktion durch die deutsche Industrie, demografischem Wandel in Deutschland (höherer Lohndruck), den von politischer Seite ver- schlechterten Rahmenbedingungen daheim und einem sich weiter verschärfen- den internationalen Wettbewerb dürfte jedoch spätestens auf mittlere Sicht eine erhebliche Herausforderung für die deutschen Exporteure darstellen. Die hervorragende Ausgangsposition der deutschen Industrie lässt immerhin Raum für Anpassungsmaßnahmen der Unternehmen selbst. Dies gilt natürlich auch für die deutsche Politik. Deren jüngste große Reformprojekte mit dem Rentenpaket und arbeitsmarktpolitischen Maßnahmen gehen jedoch in die komplett falsche Richtung. Wie stark und über welche Kanäle die deutschen Exportunternehmen überhaupt von diesen veränderten Rahmenbedingungen getroffen werden und welche Anpassungsstrategie sie wählen könnten, hängt von vielen Faktoren ab. Deutsche Exportwirtschaft ist anders Im Vergleich mit anderen Industrieländern haben die deutschen Unternehmen seit Anfang der 1990er Jahre die sich ergebenden Möglichkeiten durch die Ent- wicklungen im Bereich der IKT sowie die Öffnung Osteuropas beherzter genutzt. Sie bauten rasant globale Wertschöpfungsketten auf, um durch Ausnutzung von 1 Siehe Globalisierungsindikatoren des Statistischen Bundesamtes. Angaben beziehen sich aufs Jahr 2010. 0,00 0,05 0,10 0,15 0,20 0,25 60 64 68 72 76 80 84 88 92 96 00 04 08 12 FR DE IT JP ES UK US Quellen: EU Kommission (AMECO), Deutsche Bank Research Pro-Kopf-Anteil am Welthandel % pro 1 Mio. Bürger Deutschlands Anteil am Welthandel: Hoch und recht stabil 1 Ausblick Deutschland 5 | 30. März 2015 Aktuelle Themen Skalen- und komparativen Vorteilen Kosten zu sparen. Darüber hinaus errichte- ten sie Produktionsstätten im Ausland, um die dortige Nachfrage durch den Rückgriff auf die dortigen (oft günstigeren) Produktionsfaktoren und das länder- spezifische Know-how besser bedienen zu können, was zudem positiv für die lokale Markenwahrnehmung war und teilweise auch durch regulatorische Grün- de bedingt war. Außerdem kam ihnen zugute, dass die aufstrebenden Schwel- lenländer genau die Investitionsgüter nachfragten, bei denen die deutschen Anbieter eine starke Marktposition innehatten. Der dadurch bedingte rasante Anstieg der deutschen Exporte führte dazu, dass der Offenheitsgrad der deutschen Wirtschaft immer weiter stieg. Mit 45% liegt er deutlich über dem Wert anderer großer entwickelten Volkswirtschaften (OECD- Länder unter 30%). Die exzellente Positionierung der deutschen Unternehmen sorgte dafür, dass die Nachfrageschwäche aus der Eurozone seit Beginn der Staatsschuldenkrise durch die gestiegenen Exporte in Drittländer überkompen- siert wurde. Mittlerweile werden rund 65% der Exporte in Länder außerhalb der Eurozone geliefert, 10%-Punkte mehr als Ende der 1990er-Jahre. Der hohe Offenheitsgrad bedeutet, dass die deutsche Wirtschaft in guten Zeiten von der globalen Konjunktur stärker profitiert als andere Länder, aber dafür auch bei Abschwüngen viel stärker getroffen wird – wie der Einbruch der deut- schen Exporte im Krisenjahr 2009 um 18% zeigt. Von der im weiteren Jahresverlauf 2015 erwarteten moderaten globalen Konjunkturbelebung dürften damit die deutschen Exporteure stärker profitieren als die anderer großer Länder der Eurozone (Frankreich, Italien, Spanien), da mit der anziehenden Konjunktur die Investitionsnachfrage wieder zulegt und über die Verflechtung der Industrie auch die Vorleistungsgüterproduktion an Fahrt gewinnen dürfte. Der Anteil der Investitions- und der Vorleistungsgüter an den Exporten ist in Deutschland mit 45% bzw. 31% relativ hoch. Die hohe Bedeutung von oftmals kundenspezifischen Investitionsgütern für die deutschen Exporte mildert für viele Unternehmen den Preisdruck im internatio- nalen Wettbewerb. So ist die Nachfrage etwa nach Spezialmaschinen oder Fahrzeugen der automobilen Oberklasse weniger preiselastisch als etwa bei standardisierten Konsumgütern. Damit sind in diesen Sparten auch Wechsel- kursänderungen weniger relevant, zumal für viele deutsche Exportprodukte – zumindest kurzfristig – oftmals keine Substitutionsprodukte vorhanden sind. Evidenz hierfür liefert die Selbsteinschätzung der Unternehmen, die im Rahmen Wettbewerbslage deutscher Unternehmen hängt weniger am eff. Wechselkurs … 3 Quellen: EU Kommission, EZB, Deutsche Bank Research … aber stärker an der globalen Produktion 4 Quellen: EU K ommission, CPB, Deutsche Bank Research Extra-EWU-Exporte hängen relativ stark an globaler Produktion … 5 Quellen: Eurostat, CPB Deutsche Bank Research … aber weniger stark an der Wechsel- kursänderung in Deutschland 6 Quel len: Eurostat, EZB, Deutsche Bank Research 20 25 30 35 40 45 50 95 97 99 01 03 05 07 09 11 13 FR DE IT ES Quellen: Eurostat, Deutsche Bank Research % des BIP (nominal) Offenheitsgrad Deutschland deutlich stärker als in andern großen EWU Ländern gestiegen 2 Ausblick Deutschland 6 | 30. März 2015 Aktuelle Themen der vierteljährlichen Umfrage „European Commission Business and Consumer Surveys“ für den Industriesektor nach ihrer „Wettbewerbslage in den letzten 3 Monaten außerhalb der EU“ befragt werden. Für Deutschland zeigt sich ein deutlich schwächerer Zusammenhang zwischen der Selbsteinschätzung der Wettbewerbslage und der Höhe des Wechselkurses. Dies ist auch in Spanien der Fall. In Frankreich und Italien ist der Zusammenhang aber deutlich stärker. 2 Der Zusammenhang zwischen der Wettbewerbslage und der globalen Produk- tion ist in Deutschland hingegen stärker als in den anderen großen EWU- Ländern. Dies zeigt die Abhängigkeit der deutschen Exportwirtschaft vom Voranschreiten der Globalisierung, das mit einem kräftigen Wachstum des Welt- handels einherging. Ferner zeigt sich, dass der Zusammenhang zwischen der Veränderung der Ex- porte in Länder außerhalb der Eurozone und der globalen Produktion stärker als in den anderen großen EWU-Ländern ausgeprägt ist und die Korrelation mit dem nominalen Wechselkurs schwächer. Die geringere Bedeutung des Wechselkurses dürfte zudem Ausdruck dafür sein, dass viele deutsche Unternehmen (v.a. aus der Automobilindustrie) besonders den Aufbau von globalen Wertschöpfungsketten forcierten und die Produktion vor Ort ausbauten. Die deutschen Unternehmen sind es somit gewohnt, auf wechselkursbedingte „Störungen“ ihrer komplexen, über zahlreiche Länder hin- weg aufgebauten Produktionsstrukturen zu reagieren und diese ständig zu op- timieren. 3 Der Importanteil der deutschen Exporte lag im Jahr 2010 bei 43,4%. 4 Strukturelle Veränderungen dämpfen ausländische Nachfrage Die von uns erwarteten und im Folgenden skizzierten strukturellen Veränderun- gen im Bereich des Welthandels dürften angesichts der hohen Bedeutung der Exporte – ceteris paribus – negative Auswirkungen für die deutsche Exportwirt- schaft mit sich bringen. So erholte sich der Welthandel direkt nach 2009 zwar relativ kräftig. Seit dem Jahr 2012 dümpelt er allerdings vor sich hin und wuchs anders als in den vergangenen Jahrzehnten sogar schwächer als das globale BIP. Die wenig dynamische Entwicklung seit dem Jahr 2012 deutet auf struktu- relle Veränderungen hin, die insbesondere die deutschen Exporte treffen: Der Ausbau globaler Wertschöpfungsketten hat zuletzt an Dynamik eingebüßt und könnte vorerst sogar ein Plateau erreicht haben. China wird wegen seiner stär- keren Binnenfokussierung dem Welthandel geringere Impulse liefern als in frü- heren Jahren. Und die Verhandlungen neuer großer Handelsabkommen gestal- ten sich zunehmend schwieriger – insbesondere beim Abbau nicht-tarifärer Handelsbeschränkungen und der Einigung auf internationale Standards. Seit Mitte der 1990er Jahre fand bei den Handelsabkommen aufgrund des Stockens der internationalen Verhandlungen auf WTO-Ebene eine Fragmentierung statt. In der Folge ist die Zahl der regionalen Handelsabkommen (RTA), die immer nur eine Second-Best-Lösung darstellen, rasant gestiegen. Momentan im Fokus stehen die Verhandlungen der Mega-RTAs zwischen den USA und der EU (die transatlantische Handels- und Investitionspartnerschaft – TTIP) und im asiati- schen Raum (Trans-Pacific Partnership – TPP). Bei voller Umsetzung des TTIP dürfte dies der deutschen Exportwirtschaft einen neuen Schub geben. Sollte hingegen beim asiatischen TPP ein schneller Abschluss erfolgen, dürfte Deutschland vom handelsumlenkenden Effekt des Abkommens als Drittland negativ betroffen sein. Die Verhandlungen der EU etwa mit Indien oder einigen ASEAN-Staaten kommen nur langsam voran. Zudem wurden von den G20- 2 Siehe auch Focus Europe, 25 January 2013, Deutsche Bank Research. 3 Globale Wertschöpfungsketten sichern deutschen Unternehmen Wettbewerbsvorteile, Ausblick Deutschland, 1. Juli 2013. Deutsche Bank Research. 4 Siehe Globalisierungsindikatoren des Statistischen Bundesamtes. 0 20 40 60 80 LU PT NL BE AT ES FR MT IT CY DE IE FI GR EE LV LT 2014 1999 Quellen: Eurostat, Deutsche Bank Research Bedeutung der Extra - EWU - Exporte deutlich gestiegen 7 % der gesamten Exporte 0,00 0,05 0,10 0,15 0,20 0,25 99 01 03 05 07 09 11 13 IT FR DE ES Auswirkungen einer Erhöhung der Extra - EWU - Exporte um 1% auf das BIP - Wachstum in % Quellen: Eurostat, Deutsche Bank Research Einfluss der Extra - EWU - Exporte aufs BIP - Wachstum in Deutlichland relativ hoch 8 0 1 2 3 4 5 6 7 96 98 00 02 04 06 08 10 12 EWU Andere EU - Länder Andere europäische Länder Afrika Amerika Ozeanien und Polarregionen Asien Quelle: Deutsche Bundesbank Mio. Personen Beschäftigte in ausländischen deutschen Tochterunternehmen 9 Ausblick Deutschland 7 | 30. März 2015 Aktuelle Themen Ländern teilweise neue restriktive Handelsmaßnahmen erlassen. Das Welthan- delswachstum dürfte daher auch in den nächsten Jahren relativ verhalten sein, vor allem im Vergleich mit der Dynamik der Vorkrisenjahre. 5 Das deutsche Exportwachstum ist allerdings stark vom hohen volumenmäßigen Wachstum des Welthandels abhängig. Wie weiter oben gezeigt wurde, ist diese Abhängigkeit deutlich ausgeprägter als in anderen Ländern. Daher würde ein dauerhafter Dynamikverlust, wie wir ihn erwarten, ein klarer Gegenwind für die deutsche Exportwirtschaft mit sich bringen. Hier gilt es auf EU-Ebene, auf eine stärkere Liberalisierung des Welthandels hinzuwirken. So könnten aus Deutsch- land heraus leichter die Märkte erschlossen werden, die in den kommenden Jahren stärker wachsen werden als Europa. Wenn man z.B. bedenkt, dass die deutschen Ausfuhren nach Dänemark mit seinen 5,6 Mio. Einwohnern im Jahr 2014 annähernd doppelt so hoch waren wie jene nach Indien (mehr als 1,2 Mrd. Einwohner), dann wird das enorme Potenzial deutlich, welches in solchen Län- dern liegt, die ihre Märkte heute jedoch oft noch durch Zölle und andere Maß- nahmen schützen und von der deutschen Exportwirtschaft noch kaum erschlos- sen sind. Konkurrenz schläft nicht Künftig dürfte sich der internationale Wettbewerb für die deutschen Unterneh- men weiter verschärften. Die großen Schwellenländer werden ihre Bestrebun- gen, die Wertschöpfungsketten hinaufzuklettern, weiter forcieren. Beein- druckend ist hier die Entwicklung Chinas, wo der Anteil der Hochtechnologie- güter von 6% Anfang der 1990er Jahre auf inzwischen über 25% angestiegen ist. Im Verarbeitenden Gewerbe stieg der Anteil an den globalen Exporten auf 17,5%, 1980 lag der noch bei unter 1%. Der WTO-Beitritt Chinas Ende 2001 war ein wesentlicher Treiber. Hinzu kommt die Integration der Schwellenländer der zweiten Reihe (z.B. Thailand, Indonesien, Malaysia, Philippinen, Vietnam) in die Weltwirtschaft, im asiatischen Raum oftmals angetrieben über Produktions- verflechtungen mit Japan oder China. 5 Strukturelle Verlangsamung des Welthandels belastet deutsches BIP-Wachstum. Ausblick Deutschland. 2. Dezember 2014. Deutsche Bank Research. Ähnlich argumentierte auch der IWF: Constantinescu, C. (2015). The Global Trade Slowdown: Cyclical or Structural? IMF Working Pa- per. Januar 2015. China gewann inbs. im Verarbeitenden Gewerbe Weltmarktanteile 12 % der globalen Exporte (2013) 1980 1990 2000 2013 Landwirtschaftliche Produkte China 1,5 2,4 3,0 4,0 Extra - EU 10,0 10,0 USA 17,0 14,3 13,0 10,1 Verarbeitendes Gewerbe China 0,8 1,9 4,7 17,5 Extra - EU 14,1 15,0 USA 13,0 12,1 13,8 9,5 Automobilsektor China 0,0 0,1 0,3 3,4 Extra - EU 12,2 18,7 USA 11,9 10,2 11,7 10,0 Quelle: WTO, International Trade Statistics 2014 0 2 4 6 8 10 12 14 70 74 78 82 86 90 94 98 02 06 10 14 Reales BIP Realer Welthandel Trend, % gg. Vj., Quartalsdaten, HP-Filter Quellen: Deutsche Bank Research, IWF-IFS Welthandel wächst nicht mehr schneller als BIP 10 0 5 10 15 20 25 30 35 88 92 96 00 04 08 12 DE CN IN EMU WLD HIC LMY Hochtechnologieexporte (% der Gesamtexporte des Verarbeitenden Gewerbes) Quellen: Weltbank, Deutsche Bank Research China kletterte Wertschöpfungskette deutlich hinauf 11 WLD = World, HIC = High income countries, LMY = Low−medium income countries Ausblick Deutschland 8 | 30. März 2015 Aktuelle Themen Aus den USA dürfte sich die Konkurrenz durch eine mögliche Reindustrialisie- rung in Folge der geringen Energiekosten erhöhen. Mit dem durch den Fracking-Boom ausgelösten deutlichen Rückgang der Energiekosten verscho- ben sich die Kostenrelationen teilweise zugunsten einer Produktion im Inland (siehe Abschnitt zur Chemieindustrie weiter unten). Der Aufbau der ehemals komplett ins Ausland verlagerten Tätigkeiten ist allerdings eine komplexe Herausforderung, da auch die benötigten qualifizierten Arbeitskräfte ausgebildet werden müssten und nötiges Fachwissen wieder aufgebaut werden müsste, das zum Teil mit der kompletten Auslagerung verlorengegangen war. Dennoch ist zu erkennen, dass der Anteil der Industrie an der US-Wirtschaft nicht mehr sinkt und viele global agierende Unternehmen – nicht nur aus energieintensiven Branchen – wieder vermehrt in den USA investieren. In der Eurozone dürfte das Umfeld zwar auch in den nächsten Jahren schwierig bleiben und die Nachfrage wegen eines weiteren Schuldenabbaus im privaten und öffentlichen Sektor gedämpft werden. Mittelfristig könnten allerdings die Unternehmen in anderen Ländern der Eurozone von einem Wiedererstarken ihres Heimatmarkten und den (erhofften) verbesserten Rahmenbedingungen in Folge der angebotsseitigen Strukturreformen profitieren. So liegen die Exporte Spaniens, das vergleichsweise reformfreudig war, wie jene Deutschlands in realer Rechnung derzeit etwa 15% über dem Vorkrisenhoch. Dies liegt nicht zuletzt daran, dass der Vorsprung Deutschlands bei den Lohnstückkosten z.B. gegenüber Spanien seit einiger Zeit wieder schrumpft. Damit dürfte die Konkur- renz für die deutschen Unternehmen auch in der Eurozone wieder (zumindest moderat) schärfer werden, wenngleich viele deutsche Unternehmen selbst mit Produktionsstätten in den betreffenden Ländern vertreten sind. Insofern könnte die wieder steigende Wettbewerbsfähigkeit in einigen EWU-Ländern auch die konzerninterne Konkurrenz zwischen einzelnen Standorten verschärfen. Demografie und gute Konjunktur erzeugen Lohndruck Darüber hinaus wird der demografische Wandel in Deutschland in den kommenden Jahren zunehmend seine negativen Auswirkungen entfalten. Die zuletzt hohe Nettozuwanderung nach Deutschland ist zwar hoch willkommen. 6 Sie dürfte allerdings zum Teil temporär sein und kann den demografischen Wandel und insbesondere den Rückgang der Personen im erwerbsfähigen Alter bestenfalls dämpfen. Aber selbst bei einer durchschnittliche Nettozuwanderung von 200.000 Personen jährlich und einer massive Erhöhung der Erwerbsperso- nenquoten (höhere Erwerbsbeteiligung von Frauen, Älteren und Menschen mit Migrationshintergrund) auf den Durchschnitt der drei Industrieländer mit der höchsten Quote könnte dies langfristig nicht den negativen Demografieeffekt ausgleichen. 7 Dies wird nicht nur die binnenwirtschaftliche Nachfragedynamik beschränken, sondern auch negative Folgen für die Angebotsseite der Volks- wirtschaft mit sich bringen. Das Erwerbspersonenpotenzial dürfte bis 2030 um deutlich mehr als ein halbes Prozent pro Jahr (!) oder um insgesamt über 10% zurückgehen. Dagegen fällt die Bevölkerungszahl in diesem Zeitraum nur leicht. 8 Angesichts des schrumpfenden Erwerbspersonenpotenzials kann es sich Deutschland nicht leisten, dass rd. 10% eines Schuljahrgangs die Schule ohne Abschluss verlassen. Nicht nur dürfte das absolute Arbeitskräfteangebot sinken. Zudem dürften die arbeitsintensiven Dienstleistungen für eine alternde Bevölkerung viele Ar- beitskräfte binden und damit den Industriearbeitgebern zusätzlich Konkurrenz machen, wobei diese dank ihrer hohen Produktivität höhere Gehälter zahlen, 6 Temporärer Zuwanderungsboom: Weckruf für die Politik? Deutsche Bank Research. Standpunkt Deutschland. 28. Juli 2014. 7 Trendwachstum der Beschäftigung – auf längere Sicht negativ. Ausblick Deutschland. 8 Annahme: 200.000 Zuwanderer pro Jahr. 10 12 14 16 18 90 94 98 02 06 10 Quelle: Bureau of Economic Analysis Anteil des Verarbeitenden Gewerbes am BIP, % Industrie in den USA: Abwärtstrend zuletzt gestoppt 13 -1,4 -1,2 -1,0 -0,8 -0,6 -0,4 -0,2 0,0 0,2 0,4 12 16 20 24 28 32 36 40 200.000 Zuwanderer 400.000 Zuwanderer Erwerbspersonenpotenzial schrumpft deutlich 14 Quellen: Statistisches Bundesamt, Deutsche Bank Bevölkerung 15 - 65, % gg. Vj. Ausblick Deutschland 9 | 30. März 2015 Aktuelle Themen die Produktion noch weiter automatisieren oder aber die Auslagerung arbeitsin- tensiver Produktionsstufen vorantreiben und internationale Spitzenkräfte anwer- ben können. Vorhandene Arbeitskräfte sind zwar nicht ohne Weiteres zwischen diesen sehr unterschiedlichen Wirtschaftsbereichen mobil; auf mittlere Sicht können aber unterschiedliche Aussichten durchaus die (Aus-)Bildungsentscheidungen des Nachwuchses beeinflussen. Der viel beschworene „Fachkräftemangel“ wird sich dadurch voraussichtlich auf Jahre hinaus verschärfen. Zwar ist dieser Begriff weder eindeutig definiert noch unumstritten; zumindest aber werden die teilwei- se vorhandene regionale und branchenspezifische Arbeitskräfteknappheit und die Knappheit bestimmter Qualifikationen zunehmen. In diesem Umfeld und kombiniert mit der derzeit hervorragenden Lage am deut- schen Arbeitsmarkt könnte der Lohndruck in den kommenden Jahren zuneh- men. Nachdem die Lohnentwicklung 2004/05 ihren Tiefpunkt erreicht hat, fand trotz der zwischenzeitlichen Krise ein graduelle Beschleunigung statt. Seit 2010 stiegen die Effektivlöhne um im Schnitt 2,5% p.a. im Vergleich zu nur 1,2% p.a. von 2000 bis 2008. Die Tariflöhne erreichten 2014 mit +3,2% sogar die höchste Wachstumsrate der letzten 20 Jahre und dürften auch 2015 etwa mit dieser Rate ansteigen. 9 Gleichzeitig ist die Arbeitslosigkeit auf Rekordtief (Nachwende- Zeit) und dürfte zumindest in den nächsten Monaten weiter fallen. Die Beschäf- tigung und die Zahl der offenen Stellen sind auf Rekordhoch und steigen. Angesichts dieser Umstände ist die deutsche Lohndynamik fast noch als zu- rückhaltend zu bezeichnen. Die relativ geringe Abhängigkeit der Lohn-/Preis- entwicklung von der Arbeitsmarktsituation zeichnet Deutschland international aus. 10 Dies gilt auch für das seit Jahren grundsätzlich gute Verhältnis zwischen Gewerkschaften und Arbeitgebern gerade im Industriebereich. Sollte sich hieran nichts merklich ändern, könnte dies den kommenden Lohndruck zwar etwas begrenzen. An dem Mangel an Fachkräften würde dies aber nichts ändern, was die Verhandlungsposition der (oder zumindest bestimmter) Arbeitnehmer stär- ken wird. Darüber hinaus blieb die Produktivitätsentwicklung in der gesamten deutschen Wirtschaft zuletzt deutlich hinter ihrem Vorkrisentrend zurück und dürfte zunächst auch nicht spürbar zulegen, was teilweise auf den Aufbau der Beschäftigung vor allem im Dienstleistungssektor zurückgeht. Die deutschen Lohnstückkosten werden daher kurzfristig merklich zulegen, und der über Jahre aufgebaute Vorsprung gegenüber vielen europäischen Nachbarländern dürfte schmelzen. Wirtschaftspolitik schwächte Rahmenbedingungen zuletzt Der dargestellte strukturelle Gegenwind kann durch die heimische Wirtschafts- politik nur gedämpft werden. Tatsächlich wurde zuletzt aber zusätzlicher starker Gegenwind erzeugt. Wir haben die Wirtschaftspolitik der deutschen Bundesre- gierung in den letzten Jahren vielfach deutlich kritisiert. 11 Die Politik der Großen Koalition hat unseres Erachtens mit ihren sozialpolitisch motivierten Entschei- dungen das Potenzialwachstum in Deutschland geschwächt und insbesondere auch die Investitionsanreize gesenkt. 12 Das Rentenpaket verursacht nicht nur hohe Kosten für die künftigen Generatio- nen, sondern belastet wegen der Rente mit 63 auch kurzfristig das Arbeitsan- 9 Höheres Wachstum und Löhne, Sparer weiter vorsichtig. Deutsche Bank Research. Ausblick Deutschland. 2. März 2015. 10 Schneider, S. (2014). Höhere deutsche Inflation: Mission Impossible? Deutsche Bank Research. Aktuelle Themen. 29. Oktober 2014. 11 Große Koalition – kleinmütige Politik. Deutsche Bank Research. Standpunkt Deutschland. 16. Dezember 2013. 12 Mehr Infrastrukturinvestitionen – trotz fragwürdiger „Lückenanalyse“. Deutsche Bank Research. Standpunkt Deutschland. 5. Dezember 2014. 90 100 110 120 130 140 150 99 01 03 05 07 09 11 13 EMU FR DE IE IT PT ES Lohnstückkosten, Gesamtwirtschaft, Q1 '99=100 Quelle: OECD Kostenvorteil liegt in Europa noch klar bei Deutschland 15 Ausblick Deutschland 10 | 30. März 2015 Aktuelle Themen gebot, da viele erfahrene und hoch produktive Arbeitnehmer den Arbeitsmarkt abrupt verlassen. Einer vorsichtigen Schätzung der Deutschen Bundesbank zu- folge, senkt die Rente mit 63 das Niveau des Produktionspotenzials der Volks- wirtschaft bis 2016 um ½%. 13 Die Einführung des Mindestlohns sowie die stärkere Regulierung der Leihar- beit 14 stehen im krassen Gegensatz zu den Arbeitsmarktreformen Mitte der 2000er Jahre, die der Grundstein für die heutige sehr gute Arbeitsmarktlage waren und über die Deregulierung bei der Leiharbeit oder aber Werkverträge die externe Flexibilität der Unternehmen deutlich erhöht hatten. 15 Zwar gibt es Fälle, bei denen die Möglichkeiten von Leiharbeit und Werkverträgen von Unternehmen missbraucht wurden. Dies kann jedoch kein Argument dafür sein, eine komplette Kehrtwende vorzunehmen. Der Mindestlohn dürfte dazu beitra- gen, dass der Beschäftigungsaufbau bei gering Qualifizierten auf mittlere Sicht zum Erliegen kommt und die strukturelle Arbeitslosigkeit erhöht wird. 16 Im Bereich der Energiepolitik sollte die Politik auch künftig für besonders ener- gieintensive Unternehmen Vergünstigungen gewähren, zumindest solange an- dere Ländern sich mit ambitionierten energie- und klimapolitischen Zielen zu- rückhalten. Dies ist angesichts der eigenen energie- und klimapolitischen Ziele zwar ein schmaler Grat. Eine einseitige Belastung energieintensiver Wirt- schaftszweige wäre jedoch kontraproduktiv. Denn eine unzureichende Investiti- onstätigkeit in diesen Sektoren kann mittelfristig auch die Innovationskraft der Abnehmerindustrien schmälern und die integrierte industrielle Wertschöpfungs- kette in Deutschland – ein wichtiger Standortvorteil – belasten. 17 Trotz gewisser Fortschritte hat die Reform der Energiewende nicht für genügend (langfristige) Investitionssicherheit gesorgt, und der Mangel an Marktmechanismen dürfte für anhaltend hohe bzw. steigende Preise sorgen. 18 Fallender Euro könnte Export auf Jahre (moderat) stützen Die derzeitige Geldpolitik der EZB und insbesondere die voraussichtlich auf Jahre angelegte Divergenz der hiesigen und der US-amerikanischen Geldpolitik dürften den Euro kurz- bis mittelfristig schwächen. Während die US-Zentralbank darüber diskutiert, die Zinsen noch 2015 anzuheben, hat die EZB im März ihr Anleihekaufprogramm massiv ausgeweitet und plant, es bis mindestens Oktober 2016 laufen zu lassen. Dies hat zuletzt dazu geführt, dass der EUR gegenüber. dem USD auf ein 12-Jahrestief von 1,05 am 13. Marz 2015 gefallen war und sich zuletzt wieder etwas auf etwa 1,10 erholte. Zwar sind Wechselkursprogno- sen mit besonders hohen Unsicherheiten behaftet. Angesichts der Fundamen- talfaktoren (Wachstums- und Zinsdifferenzen) vertreten wir eine Wechselkurs- prognose, laut der der EUR/USD-Kurs Ende 2015 bei 1,00, Ende 2016 bei 0,90 und Ende 2017 sogar bei 0,85 stehen könnte. Der Effekt auf deutsche Exporteure dürfte jedoch geringer ausfallen, als diese Zahlen zunächst suggerieren: Die EUR-Schwäche ist gegenüber den Währun- gen anderer wichtiger Handelspartner sehr viel schwächer ausgeprägt, da diese im Vergleich zur US-Zentralbank ebenfalls eine weniger restriktive Geldpolitik fahren dürften. Darüber hinaus hatten wir im ersten Teil der Studie herausge- 13 Monatsbericht. Dezember 2014. 66. Jahrgang. Nr. 12. 12.12.2014. Deutsche Bundesbank. 14 Leiharbeit: Erfolgsgeschichte mit ungewissem Ausgang. Deutsche Bank Research. Ausblick Deutschland. 28. Februar 2014. 15 Pluralisierung der Erwerbsformen mit positiven Effekten auf den Arbeitsmarkt. Deutsche Bank Research. Ausblick Deutschland. 9. Mai 2012. 16 Robuste Binnenwirtschaft durch gute Absichten gefährdet. Deutsche Bank Research. Ausblick Deutschland. 4. Juni 2014. 17 Vgl. Heymann, Eric und Hannah Berscheid (2013). Carbon Leakage: Ein schleichender Prozess. Deutsche Bank Research. Aktuelle Themen. Frankfurt am Main. 18 Energiewende 2.0 – Wettbewerbsfähigkeit nicht riskieren. Deutsche Bank Research. Standpunkt Deutschland. 26. November 2013. 0,8 0,9 1,0 1,1 1,2 1,3 1,4 1,5 1,6 1,7 1,8 60 80 100 120 140 160 180 95 97 99 01 03 05 07 09 11 13 15 JPY (links) Nominaler effektiver Wechselkurs (links) USD (rechts) Wechselkurs ggü. EUR Quelle: EZB EUR-Schwäche vor allem gg. USD 16 Ausblick Deutschland 11 | 30. März 2015 Aktuelle Themen stellt, dass die deutschen Exportprodukte im Durchschnitt weniger wechselkurs- abhängig sind als jene anderer Exportnationen. Insgesamt dürfte der Wechsel- kurs aber den Gegenwind der anderen Faktoren leicht dämpfen. Deutsche Exportwirtschaft schaltet Gang nach unten Unseres Erachtens überwiegen die Argumente dafür, dass die deutsche Ex- portwirtschaft künftig geringere Wachstumsraten erzielen wird als in der heißen Globalisierungsphase. Legt man plausible Annahmen für Entwicklung der oben definierten Parameter zugrunde, könnten die deutschen Exporte in den nächs- ten Jahren um durchschnittlich etwa gut 4% wachsen. Ist das (gesamtwirtschaftlich) überhaupt ein Problem? Aus gesamtwirtschaftlicher Sicht muss eine relativ zur Binnenwirtschaft weniger dynamische Entwicklung der Exportwirtschaft kein Beinbruch sein. Im Gegenteil: Ein ständiger sektoraler Wandel ist ein natürliches Merkmal einer Volkswirt- schaft, deren makroökonomische und politische Rahmenbedingungen (Demo- grafie, strukturelle Auslandsnachfrage, Technologie, Standortkosten) sich ver- ändern. Deutschland hat ohnehin einen sehr hohen Industrieanteil, vor allem wenn man es mit seinem fortgeschrittenen Entwicklungsstand vergleicht. In anderen hoch- entwickelten Volkswirtschaften ging zunehmender Wohlstand meist mit einem steigenden Anteil des Dienstleistungssektors einher. In nebenstehender Grafik stechen Deutschland und Irland als Länder mit einem hohen Wertschöpfungs- anteil des Verarbeitenden Gewerbes bei gleichzeitig hohem Pro-Kopf-BIP her- aus. Deutschlands Industrieanteil liegt bei etwa 22% (Frankreich: 11%; EWU: 16%; USA: 12%). Die USA, Großbritannien, Schweden, Dänemark und Öster- reich sind aber Beispiele für Länder, die zugleich einen geringeren Industriean- teil und ein höheres Pro-Kopf-BIP aufweisen als Deutschland. Frankreich hat beispielsweise einen nur halb so hohen Industrieanteil und gleichzeitig ein nur moderat geringeres Pro-Kopf-BIP, wenn man die hohe Streuung in der Welt einkalkuliert. Es zeigt sich also, dass unterschiedliche Länder sehr verschiede- nen „Geschäftsmodelle“ verfolgen können. Ein weiteres Argument ist die Demografie. Deutschland ist eine der am schnells- ten alternden Gesellschaften weltweit. Die recht hohe Sparquote der deutschen Haushalte spiegelt die Vorsorge für den Ruhestand. Kürzlich haben wir gezeigt, dass die Sparquote künftig tendenziell weiter sinken dürfte, sobald der zuneh- mende Anteil der Rentner beginnt, sein Erspartes zu konsumieren oder zumin- dest seine Sparquote zu verringern. 19 Die Ersparnisse wurden angesichts der langfristig höheren Rendite-/Wachstumsaussichten zu einem großen Teil im Ausland angelegt. Dieser Kapitalexport ging zwangsläufig mit hohen Leistungs- bilanzüberschüssen einher, die im Falle Deutschlands durch Überschüsse beim Warenhandel erzielt wurden – es wurden mehr Waren exportiert als importiert. Wenn das alternde Deutschland künftig weniger spart, wird es also auch geringere Außenhandelsüberschüsse aufweisen, was ein (relativ) höheres Wachstum der Binnen- gegenüber der Exportwirtschaft impliziert. 20 19 Schneider, S. (2015). Höheres Wachstum und Löhne, Sparer weiter vorsichtig. Deutsche Bank Research. Ausblick Deutschland. 2. März 2015. 20 ZEW (2012). Sparen und investieren vor dem Hintergrund des demographischen Wandels. End- bericht an das Bundesministerium der Finanzen. 0 10 20 30 40 50 60 70 80 90 0 20 40 60 Pro - Kopf - BIP, reale USD, '000 Anteil Verarbeitendes Gewerbe, % BIP Quellen: Deutsche Bank Research, World Bank Durchschnitt der letzten 3 verfügbaren Jahre , m eist 2013 Irland Deutschland Deutschland sticht international heraus 17 Puerto Rico Frankreich Welt EWU USA Ausblick Deutschland 12 | 30. März 2015 Aktuelle Themen Politik: Wandel gestalten, aber nicht forcieren oder aufhalten Aus politischer Sicht kommt es aber darauf an, dass die Anpassung an solche sektoralen Veränderungen nicht durch eigenes Handeln ohne Not forciert wird, da abrupte Reaktionen von Unternehmen höhere gesamtwirtschaftliche Kosten mit sich bringen dürften als eine graduelle Verschiebung der Gewichte, die auf Marktentwicklung und nicht veränderte politische Rahmenbedingungen zurück- zuführen ist. Eine Wirtschaftspolitik, die gegen die grundlegenden Wirkungs- kanäle der vielfältigen, dynamischen globalen Veränderungen ausgerichtet ist, wäre kontraproduktiv. Durch intensive Betreuung und entsprechenden Bildungs- maßnahmen sollten die negativen Auswirkungen der strukturellen Veränderun- gen abgemildert werden und damit die Mobilität der Arbeitskräfte zwischen Sek- toren und Regionen erhöht werden. Zudem ist es wichtig, dass die Unterneh- men sich auf die richtig gesetzten und langfristig ausgerichteten wirtschaftspoli- tischen Rahmenbedingungen verlassen können – die bereits angesprochene Energiewende ist hier ein Negativbeispiel. Die Politik sollte hier internationale Verschiebungen frühzeitig erkennen und die Rahmenbedingungen entspre- chend anpassen. Richtig gesetzte Strukturreformen können hier grundlegende Veränderungen bewirken, wie die deutschen Arbeitsmarktreformen Mitte der 2000er-Jahre gezeigt haben. Reaktion der Unternehmen Auf Seiten der Unternehmen gibt es zahlreiche Möglichkeiten, wie diese reagie- ren können, um auch künftig im internationalen Wettbewerb erfolgreich beste- hen zu können. Vielfach sind diese Möglichkeiten offensichtlich, aber in der Praxis auch häufig nicht einfach umsetzbar. Als Reaktion auf Verschiebungen der Kostenrelationen, z.B. ausgelöst durch die Energiewende oder die Einführung des Mindestlohns, können die Unternehmen die Verlagerung der Produktion ins Ausland (noch weiter) vorantreiben, um mit Hilfe dort geringerer Energiekosten (z.B. in den USA) oder aber auch niedrige- ren Lohnkosten (Schwellenländer) die gesamte Kostenbelastung zu reduzieren. Ebenso sprechen die – nicht zuletzt demografisch bedingten – besseren lang- fristigen Wachstumsaussichten in Schwellenländern, sowie Zölle und nicht- tarifäre Handelshemmnisse dafür, Auslandsmärkte auch künftig mindestens zum Teil durch lokale Produktionsstandorte zu bedienen. Den demografischen Herausforderungen im Inland dürften die Unternehmen durch vielfältige Schritte entgegenwirken. Will die deutsche Industrie weiterhin in vielen Sparten Innovationsführer bleiben, müssen die Unternehmen ihr Werben um die besten Köpfe intensivieren. Dies gilt sowohl für klassische Ausbildungs- berufe, die das Fundament für Facharbeiter, Industriemeister und andere pro- duktionsnahe Tätigkeiten bilden, als auch für akademische Laufbahnen. Die Unternehmen könnten z.B. durch Stipendien für in- und ausländische Studenten noch mehr als bislang dazu beitragen, den eigenen Nachwuchs zu sichern. Dafür müssen natürlich auch die Voraussetzungen geschaffen werden, dass Studenten aus dem nicht-europäischen Ausland nach ihrem Abschluss dauer- haft in Deutschland arbeiten dürfen. Weiterbildung im Unternehmen wird wichti- ger, um die Produktivität der Beschäftigten über den kompletten Lebenszyklus zu erhalten/erhöhen. Auch (noch) flexible(re) Arbeitszeitmodelle zur Erhöhung der Erwerbsbeteiligung von Frauen und Ältereren können helfen, die erwartete Arbeitskräfteknappheit zu mildern. Freilich bringt dies zum Teil erheblichen An- passungsbedarf bei den betriebsinternen Prozessen mit sich – nicht zuletzt auch die Offenheit, z.B. Englisch zur Betriebssprache zu machen. Ein Vorteil der Industrie im Kampf um die besten Talente gegenüber vielen Dienstleistun- gen ist, dass sie (derzeit) höhere Löhne und Gehälter zahlt. Ausblick Deutschland 13 | 30. März 2015 Aktuelle Themen Als Reaktion auf die zunehmende Konkurrenz aus den Schwellenländern und deren Hinaufklettern der Wertschöpfungsketten, dürften die deutschen Anbieter anstreben, Innovationsvorreiter zu bleiben, ihre Produktionsprozesse fortlaufend zu optimieren und sich durch Produkte mit den höchsten Qualitätsstandards von der Konkurrenz absetzen. Im Folgenden betrachten wir, wie unterschiedlich die wichtigsten deutschen Exportbranchen betroffen sind und welche Reaktionen in den einzelnen Sekto- ren auf die Globalisierung stattgefunden haben bzw. zu erwarten sind. Deutsches Exportmodell strukturell unter Druck – die Branchen- perspektive Fast alle deutschen Industriebranchen haben ihre Exportquote in den letzten zehn Jahren erhöht. Unter den „klassischen“ Exportsektoren konnte der sonsti- ge Fahrzeugbau (u.a. Flugzeuge, Schiffe) seinen Exportanteil am stärksten ausweiten, und zwar um knapp 14%-Punkte (Exporte in EWU und nicht-EWU Länder). Auch in der Pharmaindustrie (+10,7%-Punkte) und im Maschinenbau (+6,2%-Punkte) hat das Auslandsgeschäft im genannten Zeitraum stark zuge- nommen. Insgesamt verzeichnete die Pharmaindustrie 2014 mit 68,6% die höchste Exportquote von allen Industriebranchen. Auf den Plätzen folgen der sonstige Fahrzeugbau (65,4%), die Automobilindustrie (63,7%), der Maschinen- bau (62,6%), die Chemieindustrie (57,5%) sowie die Elektrotechnik (54,7%). Die Metallindustrie (36,9%) oder die Gummi- und Kunststoffindustrie (40,4%) weisen zwar unterdurchschnittliche Exportquoten auf. Hier ist jedoch zu beachten, dass diese Branchen einen nennenswerten Anteil ihrer Erzeugnisse an inländische Fabriken der zuvor genannten exportintensiven Branchen liefern. Unter dem Strich sind die hohen (direkten und indirekten) Exportquoten Ausdruck für die hohe internationale Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Industriesektoren. Ein Blick auf die Entwicklung der Ausfuhren auf Branchenebene zeigt jedoch, dass sich in fast allen exportintensiven Sektoren die Dynamik seit etwa 2011/12 verlangsamt hat – zum Teil deutlich. Im Maschinenbau lagen die nominalen Ausfuhren des Jahres 2014 sogar knapp unter dem Wert von 2012. Auch in der Automobilindustrie, der Elektrotechnik oder der Chemieindustrie gingen die durchschnittlichen Wachstumsraten der nominalen Ausfuhren in den letzten zwei bis drei Jahren spürbar zurück. Insgesamt zieht sich auch auf Branchen- ebene das Muster durch, nach dem auf eine starke Erholung der Ausfuhren in den Jahren 2010 und (zum Teil) 2011 eine deutliche Abkühlung der Exportdy- namik folgte. Industriebranchen reagieren unterschiedlich auf Globalisierung Die wichtige Frage lautet nun, ob die geringere Exportdynamik der bedeutenden deutschen Industriebranchen in den letzten Jahren vor allem auf die konjunktu- relle Nachfrageschwäche in der Eurozone und einigen anderen Ländern zu- rückzuführen und damit temporärer Natur ist, oder ob in den betreffenden Sek- toren der Exportmotor aufgrund von strukturellen Veränderungen auch künftig häufiger stottern wird. Eine Antwort auf diese Frage fällt nicht leicht, zumal ein- zelne industrielle Wirtschafszweige in der Vergangenheit unterschiedlich auf die Globalisierung reagiert bzw. diese gestaltet haben. Ferner stehen die Sektoren auch in der Heimat vor unterschiedlichen Herausforderungen. Alle traditionellen deutschen Exportsektoren haben zumindest gemeinsam, dass sie den Bestand ihrer ausländischen Direktinvestitionen in den vergangenen Jahren erhöht ha- ben. Diese Investitionen stehen naturgemäß in Konkurrenz zu Investitionen in Deutschland. 17,9 14,5 13,9 9,4 44,3 Automobilindustrie Maschinenbau Elektrotechnik Chemieindustrie Sonstige Quelle: Statistisches Bundesamt Vier Branchen machen mehr als die Hälfte der deutschen Exporte aus 18 Anteil einzelner Branchen an deutschen Waren - ausfuhren, 2014, % 40 50 60 70 05 06 07 08 09 10 11 12 13 14 Automobilindustrie Maschinenbau Elektrotechnik Chemieindustrie Verarbeitendes Gewerbe Quelle: Statistisches Bundesamt Exportquote steigt tendenziell 19 Anteil des Auslandsumsatzes am Gesamtumsatz nach Branchen, Deutschland, % 60 100 140 180 220 08 09 10 11 12 13 14 Automobilindustrie Maschinenbau Elektrotechnik Chemieindustrie Quelle: Statistisches Bundesamt Dynamik zuletzt verflacht 20 Nominale Warenausfuhr aus Deutschland nach Branchen, EUR Mrd. Ausblick Deutschland 14 | 30. März 2015 Aktuelle Themen Automobilindustrie forciert Globalisierung Die deutsche Automobilindustrie verfolgte in den letzten Jahren eine zweigleisi- ge Globalisierungsstrategie. Zum einen steigerte sie die Ausfuhren aus Deutschland und investiert regelmäßig in die Modernisierung ihrer heimischen Werke. Die enge Verflechtung von Autoherstellern, Zulieferern, Ausrüstern, universitären und sonstigen Forschungseinrichtungen sowie Logistikunterneh- men hat dabei entscheidend dazu beigetragen, dass der Automobilstandort Deutschland trotz der im internationalen Vergleich hohen Lohnkosten im globa- len Wettbewerb bestehen konnte. Grundvoraussetzung für den Erfolg der letz- ten Jahre ist natürlich die Produktpalette, die derzeit weltweit den Geschmack der Kunden trifft. Zum anderen hat die deutsche Automobilindustrie in den letz- ten Jahren massiv ihre ausländischen Produktionskapazitäten ausgebaut; dies gilt für Hersteller und (große) Zulieferer gleichermaßen. Neben günstigeren Standortkosten im Ausland und verschiedenen Handelsbeschränkungen ist in den meisten Fällen die Bedienung des lokalen Marktes hierfür das entscheiden- de Motiv. So werden (bislang) fast alle Autos mit deutschen Markenzeichen, die in China vom Band rollen, auch vor Ort abgesetzt. Die Auslandsproduktion der Branche wuchs sehr viel schneller als die Inlandsproduktion und die Exporte aus Deutschland. Gleichwohl konnte die Automobilindustrie auch ihre Exporte in Länder mit bedeutender lokaler Fertigung ausbauen, etwa weil Motoren, Teile und Komponenten aus Deutschland in diese Staaten geliefert werden. Zudem ist es nicht möglich, sämtliche Automodelle in allen wichtigen Absatzmärkten zu bauen, weshalb die Ausfuhren von Pkw und Lkw stets ein wichtiges Standbein für den Sektor geblieben sind. Die meisten Erweiterungsinvestitionen der deutschen Automobilindustrie wer- den auch in den kommenden Jahren im Ausland erfolgen. Diese Investitionen erhöhen den konzerninternen Wettbewerb zwischen einzelnen Autofabriken und können daher das deutsche Exportpotenzial schmälern. So könnte z.B. die steigende Autonachfrage in den ASEAN-Staaten mittelfristig überwiegend aus Werken deutscher Autohersteller in China (oder direkt in den ASEAN-Staaten) statt aus Deutschland beliefert werden. Dafür spricht ferner, dass der Handel Deutschlands mit diesen Ländern oder auch Indien durch Zölle und nicht- tarifäre Handelshemmnisse erschwert wird. Da aber die deutsche Automobilin- dustrie fortlaufend umfangreiche Investitionen in ihre heimischen Werke und Forschungseinrichtungen tätigt, Europa ein wichtiger Automarkt bleibt, sich der Aufbau einer Autofabrik nicht in jedem Wachstumsmarkt lohnt und der Produkti- ons- und Forschungsstandort Deutschland viele seiner Stärken behalten wird, dürften die wertmäßigen Exporte der Branche aus Deutschland auch künftig weiter steigen. Dabei ist jedoch wahrscheinlich, dass sich die Dynamik spürbar abschwächt. Für den Standort Deutschland ist eine hohe Kapazitätsauslastung erforderlich, um Nachteile etwa bei den absoluten Lohnkosten auszugleichen. Flexible Arbeitszeitmodelle bleiben daher (nicht nur) für die Automobilindustrie essentiell. 21 Maschinenbau mit recht hoher heimischer Wertschöpfung Im Vergleich zur Automobilindustrie zeichnet sich der deutsche Maschinenbau durch eine höhere heimische Wertschöpfung und eher mittelständische Unter- nehmensstruktur aus. Zwar hat auch der Maschinenbau seine ausländischen Direktinvestitionen in den letzten Jahren ausgebaut, aber viele Maschinenbau- unternehmen produzieren nach wie vor überwiegend (oder gar ausschließlich) in Deutschland, obwohl sie in ihrer Nische nicht selten Weltmarktführer sind. Ein wichtiger Faktor ist hierbei, dass sich der deutsche Maschinenbau traditionell 21 Siehe hierzu auch Heymann, Eric (2014). Zukunft des Automobilstandorts Deutschland. Deutsche Bank Research. Aktuelle Themen. Frankfurt am Main. 0 20 40 60 80 100 120 140 95 97 99 01 03 05 07 09 11 Investor aus Deutschland gehört zur Automobilindustrie Unternehmen, in das investiert wird, gehört zur Automobilindustrie Quelle: Deutsche Bundesbank Deutsche Investoren aus der Auto- mobilindustrie im Ausland sehr aktiv 21 Bestand ausländischer Direktinvestitionen dt. Unternehmen, Automobilindustrie, EUR Mrd. 0 10 20 30 40 95 97 99 01 03 05 07 09 11 Investor aus Deutschland gehört zum Maschinenbau Unternehmen, in das investiert wird, gehört zum Maschinenbau Quelle: Deutsche Bundesbank Recht stetiger Anstieg 22 Bestand ausländischer Direktinvestitionen dt. Unternehmen, Maschinenbau, EUR Mrd. 20 30 40 50 91 93 95 97 99 01 03 05 07 09 11 Automobilindustrie Maschinenbau Elektrotechnik Chemieindustrie Verarbeitendes Gewerbe Quelle: Statistisches Bundesamt Anteil der Bruttowertschöpfung am Produktions - wert nach Branchen, Deutschland, % Elektrotechnik und Maschinenbau mit hohem Wertschöpfungsanteil 23 Ausblick Deutschland 15 | 30. März 2015 Aktuelle Themen auf Spezialmaschinen konzentriert. Dieser Fokus vermindert auch den Preis- druck in der Branche, wenngleich auch andere (relativ junge) Maschinenbau- nationen wie China bestrebt sind, in diese Segmente vorzustoßen. Die global wachsende Nachfrage nach Maschinen wird auch künftig den Produktions- standort Deutschland begünstigen. Dennoch wird der Maschinenbau in den nächsten Jahren vermehrt auch eigene Produktionsstätten in den wichtigen Absatzmärkten errichten, weil dies von den Kunden verlangt wird und dienstlei- stungsnahe Mehrwertdienste leichter angeboten werden können. Auch hier gilt, dass eine solche Entwicklung – ceteris paribus – das Exportpotenzial aus Deutschland heraus künftig schmälern wird. 22 Der mittelständische Maschinenbau könnte durch den zuvor beschriebenen demografischen Wandel zudem härter getroffen werden als z.B. die großen Automobilhersteller. So gibt es innerhalb der Industrie deutliche Lohnunter- schiede. Bei den großen Automobilherstellern liegen diese systematisch über dem Niveau des mittelständischen Maschinenbaus. Elektrotechnik konzentriert sich auf Investitionsgüter Auch für die Elektrotechnik bleibt Deutschland ein wichtiger Produktionsstand- ort. Allerdings erfolgte in der Branche in den vergangenen Jahrzehnten eine Verschiebung zwischen einzelnen Segmenten. So sank im langfristigen Ver- gleich die Produktion von elektronischen Haushaltgeräten oder Unterhaltungs- elektronik; dabei spielten Kostenaspekte (Löhne) sowie die scharfe Konkurrenz aus Asien eine wichtige Rolle. Dagegen nahm die inländische Fertigung etwa in der Energietechnik, bei Mess- und Kontrollgeräten, in der Medizintechnik oder bei optischen Geräten langfristig zu, wobei die Auslandsnachfrage eine tragen- de Rolle spielte. Natürlich haben auch Unternehmen der Elektrotechnik ihr En- gagement im Ausland stetig ausgebaut; dies gilt vor allem für die großen Unter- nehmen der Branche. Da der technische Fortschritt innerhalb der Branche schneller voranschreitet und Produktzyklen in einzelnen Segmenten kürzer aus- fallen als in anderen Branchen, können Produkte, die heute noch erfolgreich sind, schon nach kurzer Zeit verdrängt werden; dies gilt insbesondere für kon- sumnahe Erzeugnisse. Nicht zuletzt deshalb dürfte sich die Branche in Deutsch- land stärker auf Investitionsgüter konzentriert haben. Bleibt die deutsche Elektrotechnik in diesem Segment innovativ, wird auch das Exportmodell in den nächsten Jahren funktionieren. Die weiter zunehmende Konkurrenz aus Asien und den USA sowie die Lokalisierung von Fertigungsstätten deutscher Unter- nehmen lassen jedoch auch hier ein geringeres Wachstumspotenzial bei den Exporten erwarten. Chemieindustrie reduziert Investitionen in den Deutschland Die Chemieindustrie ist die einzige der traditionellen deutschen Exportbranchen, in denen der reale Kapitalstock in Deutschland aufgrund von unzureichenden Investitionen in den letzten Jahren stetig gesunken ist – bei gleichzeitig steigen- den Exporten und Produktion. 23 Da die Chemieindustrie zu den energieintensi- ven Sektoren zählt, dürften die hohen Energiepreise in Deutschland und – noch mehr – die Unsicherheiten über die künftige Ausgestaltung der deutschen Ener- giepolitik hierfür wesentliche Treiber gewesen sein. Jüngste Auslandsinvestitio- nen großer deutscher Chemiefirmen in den USA wurden ganz explizit mit den dort niedrigeren Energiepreisen und verlässlicheren Rahmenbedingungen er- 22 Vgl. Auer, Josef, (2014). Neue Wachstumschancen für den deutschen Maschinenbau. Technolo- gieführerschaft & Auslandsinvestitionen. Deutsche Bank Research. Aktuelle Themen. Frankfurt am Main. 23 Vgl. hier und im Folgenden Heymann, Eric (2014). Investitionen in Deutschland auf Branchen- ebene. Dienstleister (noch) expansiv, Industrie schrumpft leicht. Deutsche Bank Research. Ak- tuelle Themen. Frankfurt am Main. 35 45 55 65 05 06 07 08 09 10 11 12 13 14 Automobilindustrie Maschinenbau Elektrotechnik Chemieindustrie Verarbeitendes Gewerbe Exportbranchen zahlen überdurch- schnittlich 24 Quelle: Statistisches Bundesamt Jährliche Bruttolohn - und Gehaltssume pro Beschäftigten, '000 EUR 60 80 100 120 95 97 99 01 03 05 07 09 11 Automobilindustrie Maschinenbau Chemieindustrie Verarbeitendes Gewerbe Quelle: Statistisches Bundesamt Kapitalstock wächst in der Automobil - industrie am stärksten 25 Reales Nettoanlagevermögen, Deutschland, 2010=100 Ausblick Deutschland 16 | 30. März 2015 Aktuelle Themen klärt; es handelt sich hier recht eindeutig um Auslandsinvestitionen, die ein stär- keres Engagement in Deutschland ersetzen. Derzeit spricht wenig dafür, dass sich das Investitionsklima in der Chemieindustrie am Standort Deutschland kurz- bis mittelfristig grundlegend ändert. Zu groß sind die Unsicherheiten über die weitere Entwicklung der Energiewende, wobei Investitionsentscheidungen natürlich nie monokausal sind und die Branche an den bestehenden Standorten durchaus investiert. Dennoch wird es für die Branche schwieriger, inländische Produktion und Ausfuhren dauerhaft zu steigern, wenn die Investitionen in Deutschland weiterhin unter den Abschreibungen bleiben. Insofern zählt die Chemieindustrie zu den Sektoren, in denen das bislang erfolgreiche Exportmo- dell am schnellsten unter Druck geraten kann. Auch in den anderen energieintensiven Industriezweigen (Papierindustrie, Bau- stoffe, Metallerzeugung) sank in den letzten Jahren der reale Kapitalstock in Deutschland. Die Exportquote in diesen Branchen liegt unter dem Durchschnitt des gesamten Verarbeitenden Gewerbes und ist in den letzten Jahren relativ konstant geblieben. Fallen auch künftig die Investitionen dieser Branchen in Deutschland zu niedrig aus, um einen Substanzverlust beim Anlagevermögen zu verhindern, hätte dies negative Auswirkungen auf Produktivitätsfortschritt, Innovationskraft, Produktionspotenzial und Exporttätigkeit. Fazit: Gute Ausgangslage der deutschen Exporteure nicht ver- spielen Aufgrund der von uns beschriebenen Entwicklungen dürfte die Binnenwirtschaft künftig einen zunehmenden Anteil an der Gesamtwirtschaft einnehmen. Trotz einer in der deutschen Öffentlichkeit und Politik vermutlich vorherrschenden Skepsis muss dies bei weitem kein Beinbruch sein. Vielmehr ist dies eine natür- liche Reaktion einer Volkswirtschaft auf sich verändernde gesamtwirtschaftliche und politische Rahmenbedingungen – vor allem die hervorstechende demogra- fische Entwicklung Deutschlands. Eine weniger exportabhängige deutsche Wirt- schaft würde zudem mittel- bis langfristig weniger schwankungsanfällig werden. Aus Unternehmens- und politischer Sicht kommt es entscheidend darauf an, diesen Wandel graduell zu vollziehen und nicht durch falsche politische Rah- menbedingungen zu forcieren. Dies könnte merkliche gesamtwirtschaftliche Folgen mit sich bringen. Damit die gute Ausganslage der exportstarken deutschen Unternehmen nicht unnötig verspielt wird, sollten dem kräftigen Gegenwind aus dem In- und Aus- land entsprechende Maßnahmen entgegengestellt werden. Von politischer Seite ist es zwar unwahrscheinlich, dass die großen „Vorzeigeprojekte“ – z.B. Rente mit 63 und Mindestlohn – zurückgenommen werden. Allerdings kommt es nun entscheidend darauf an, dass die Mindestlohnkommission keine überhöhten Steigerungen beschließt, um keinen zusätzlichen negativen Effekt auszulösen. Tarifvertragsparteien sollten mit Bedacht handeln und bei einem kommenden Fachkräftemangel die Lohnsteigerung nicht derart überziehen, dass die Wett- bewerbsfähigkeit der Unternehmen abrupt gemindert wird. Zudem sollte die noch vorhandene externe Arbeitsmarktflexibilität über Leihar- beit und Werkverträge erhalten bleiben. Zur Abfederung der Verschärfung des demografischen Wandels durch die Rente mit 63 sollte der Zugang ausländi- scher Fachkräfte weiter flexibilisiert werden. Zudem ist es wichtig, das Bildungs- system weiter zu stärken, wobei mehr Ressourcen in der frühkindlichen Phase sowie im Bereich der Spitzenforschung eingesetzt werden sollten und konti- nuierliche Weiterbildungen über den kompletten Lebenszyklus hinweg stattfin- den sollten. 0 20 40 60 80 95 97 99 01 03 05 07 09 11 Investor aus Deutschland gehört zur Chemieindustrie Unternehmen, in das investiert wird, gehört zur Chemieindustrie Quelle: Deutsche Bundesbank Ausländische Chemieunternehmen für deutsche Investoren attraktiv 26 Bestand ausländischer Direktinvestitionen dt. Unternehmen, Chemieindustrie, EUR Mrd. - 30 - 20 - 10 0 10 20 95 97 99 01 03 05 07 09 11 Verarbeitendes Gewerbe Nicht - energieintensive Branchen Energieintensive Branchen Energieintensive Industriebranchen investieren weniger 27 Anteil der nom. Nettoanlageinvestitionen an den nom. Bruttoanlageinvesitionen, Deutschland, % Quelle: Statistisches Bundesamt Ausblick Deutschland 17 | 30. März 2015 Aktuelle Themen Zusätzliche Impulse könnten die deutschen Unternehmen auch von einem er- folgreichen Abschluss der derzeit verhandelten Handelsabkommen, insbeson- dere TTIP, erhalten. Die Unternehmen dürften den erfolgreichen Kurs der vergangenen Jahrzehnte fortsetzten. Sie stellten sich immer wieder erfolgreich den globalen Herausforde- rungen. Zur Abfederung der demografischen Herausforderungen können die Produktivität der Beschäftigten über eine stärkere Automatisierung erhöht und durch eine höhere Flexibilität bei der Arbeitszeit die Erwerbsquoten gesteigert werden. Zudem dürften die Unternehmen ihre globalen Wertschöpfungsketten noch weiter ausbauen und die Produktion im Ausland weiter erhöhen. Dies wird mittelfristig dazu führen, dass die Unternehmen der deutschen Ex- portwirtschaft noch stärker zu global agierenden Unternehmen werden, die ihre Produkt(ions)expertise dort einsetzen, wo dies am gewinnträchtigsten ist, und ihre Produkte weltweit vertreiben. Die so generierten Gewinne könnten für eine alternde, stärker binnenorientierte deutsche Volkswirtschaft in den nächsten Dekaden zu einem Segen werden. Eric Heymann (+49 69 910-31730, eric.heymann@db.com) Heiko Peters (+49 69 910-21548, heiko.peters@db.com) Oliver Rakau (+49 69 910-31875, oliver.rakau@db.com) Ausblick Deutschland 18 | 30. März 2015 Aktuelle Themen 2015: Starke Binnenwirtschaft und volatiles H1 — Dank der sich verbessernden Stimmungsindikatoren, der kräftigen realen Einkommensgewinne durch den gefallenen Ölpreis und steigende Soziallei- stungen sowie des höheren durch die Euro-Abschwächung getriebenen Ex- portwachstums dürfte die deutsche Volkswirtschaft 2015 um 2% wachsen. — Das Wachstum sollte breit angelegt sein, aber von der Binnenkonjunktur, vor allem dem privaten Konsum, dominiert sein. Exporte und Ausrüstungs- investitionen dürften weiterhin deutlich hinter den hohen Wachstumsraten der Vorkrisenjahre zurückbleiben. — Gegenüber unserer letzten Prognose 24 haben wir primär eine Änderung des Quartalsprofils vorgenommen. Wir erwarten, dass der milde Winter beim Bau für Vorzieheffekte sorgt und ein äußert kräftiges BIP-Wachstum in Q1 (+0,8% gg. Vq.) nach sich zieht. Darauf dürfte in Q2 (+0,2%) – wie schon im Vorjahr – eine Gegenbewegung folgen. Wachstumsaussichten zuletzt aufgehellt In den letzten Monaten haben sich die Wachstumsaussichten Deutschlands spürbar aufgehellt. Dazu trugen der kräftige Rückgang des Ölpreises, der dem Konsum Impulse gibt, und der wegen der Maßnahmen der Europäischen Zent- ralbank (EZB) deutliche Rückgang des effektiven Wechselkurses des Euro, der den Export nach und nach stützen sollte, bei. Zudem war das Wachstum Ende 2014 stärker als gedacht. Aufgrund dieser Faktoren hatten wir in der letzten Ausgabe des Ausblick Deutschland unsere Prognose für das BIP-Wachstum in 2015 auf 2% angehoben. Starkes Winterhalbjahr 2014/15 Das kräftige BIP-Wachstum von 0,7% gg. Vq. in Q4 2014 machte die Stagnati- onsphase des Sommerhalbjahres vergessen und ließ das Jahr 2014 aus Kon- junktursicht positiv enden. Zudem erwarten wir, dass das 1. Quartal 2015 ein ebenso kräftiges Wachstum (+0,8%) aufweisen wird. Allerdings dürfte die Stär- ke des Winterhalbjahres die zugrundeliegende Dynamik überzeichnen, da das Rentenpaket der Bundesregierung für kräftige Einkommenszuwächse bei den monetären Sozialleistungen gesorgt hat, was den ohnehin vorhandenen Beitrag des niedrigeren Ölpreises zu den realen verfügbaren Einkommen zusätzlich stärkte. Des Weiteren sorgt der milde Winter bei den Bauinvestitionen für Vor- zieheffekte. Die durchschnittliche Temperatur betrug im Januar und Februar diesen Jahres 3,3°C. Seit 1992 lag der Durchschnitt bei 1,1°C. In Q2 dürfte es eine kräftige Gegenbewegung geben, was einer Wiederholung der Entwicklung in H1 2014 gleich käme. Insgesamt würde die deutsche Wirtschaft damit im 1. Halbjahr aber immer noch ein sehr solides Wachstum aufweisen. 90% des Wachstums kommen von der Binnenwirtschaft Vor allem der private Konsum sollte mit über 2% kräftig wachsen. Dazu tragen die hervorragende Arbeitsmarktlage mit robustem Lohn- und Beschäftigungs- aufbau und der anhaltende starke Zustrom von Zuwanderern bei. Aufgrund der nahezu fehlenden Inflation dürften dieses Jahr die höchsten realen Einkom- menszuwächse der letzten 20 Jahre zu Buche schlagen. Diese Faktoren – zu- 24 Ausblick Deutschland. 2. März 2015. -6 -4 -2 0 2 4 6 8 10 10 11 12 13 14 15 Bauinvestitionen (VGR) Bauaktivität (Industrieproduktion) Treibt der Bau das Wachstum in Q1? 1 Real, % gg. Vq. (bislang verfügb. Montaswerte) Quellen: Statistisches Bundesamt, Deutsche Bank Research - 1,5 - 1 - 0,5 0 0,5 1 1,5 2 2,5 3 3,5 4 92 96 00 04 08 12 16 Quellen: Statistisches Bundesamt, Deutsche Bank Research Privater Konsum, % gg. Vj. Konsum 2015 mit kräftigem Plus 2 Ausblick Deutschland 19 | 30. März 2015 Aktuelle Themen sammen mit den historisch niedrigen Zinsen – tragen außerdem dazu bei, dass die Bauinvestitionen ein solides Plus von 3% verzeichnen dürften. Exporte mit gradueller Beschleunigung Dank der Abwertung des EUR und der weiteren moderaten Erholung der Welt- wirtschaft im Jahresverlauf dürften die deutschen Ausfuhren mit 4,4% ein leicht höheres Wachstum als im Vorjahr verzeichnen. Die unserer Ansicht nach struk- turelle Trägheit des Welthandels dürfte aber das Aufwärtspotenzial beschrän- ken. Daher dürfte auch die Kapazitätsauslastung der Industrieunternehmen nicht spürbar über den historischen Durchschnitt steigen, was die Ausrüstungs- investitionen ausbremsen sollte (+4%). Dennoch dürfte der deutsche Leistungs- bilanzüberschuss auf über 8% des BIP ansteigen – zum Großteil wegen der ölpreisbedingt niedrigen Importpreise –, obwohl die Importe (+4,5%) wegen der soliden Binnenkonjunktur stärker als die Exporte wachsen dürften. Fiskalpolitik setzt auf mehr Investitionen Der anhaltend hohe Leistungsbilanzüberschuss ist der Europäischen Kommis- sion und anderen EWU-Ländern ein Dorn im Auge. Viele sehen sie als ein Hin- dernis für einen schnelleren Ausgleich der wirtschaftlichen Ungleichgewichte in der Eurozone. Dieses Thema dürfte im Rahmen der Macroeconomic Imbalances Procedure der EU (Überwachung makroökonomischer Ungleichge- wichte) in den nächsten Monaten eine wichtige Rolle spielen. Vermutlich auch zum Teil um dieser Diskussion zuvorzukommen, hat die deutsche Bundesregie- rung im kürzlich beschlossenen Nachtragshaushalt für 2015, dem Haushalts- entwurf 2016 und der mittelfristigen Finanzplanung bis 2019 eine deutliche Stei- gerung der öffentlichen (Infrastruktur-) Investitionen vorgesehen. Allerdings wird dies durch höhere Einnahmen, niedrigere Ausgaben an anderer Stelle und vor allem durch die dank der EZB niedrigere Zinslast finanziert. Dadurch soll der Haushalt bis 2019 ausgeglichen bleiben. Der Effekt auf die Binnennachfrage und damit auf den Abbau der Ungleichgewichte dürfte daher aber niedrig ausfal- len. Heiko Peters (+49 69 910-21548, heiko.peters@db.com) Oliver Rakau (+49 69 910-31875, oliver.rakau@db.com) Ausblick Deutschland 20 | 30. März 2015 Aktuelle Themen Haushalt der Bundesregierung stellt die Weichen für höhere Investitionen — Am 18. März hat das Kabinett den von Finanzminister Schäuble vorgelegten Nachtragshaushalt der Bundesregierung für 2015, den Haushaltsentwurf 2016 und die mittelfristige Finanzplanung bis 2019 beschlossen. — Die wichtigste politische Maßnahme – obwohl bereits im Vorfeld bekannt – ist die starke Erhöhung der staatlichen (Infrastruktur-)Investitionen. Diese Mehrinvestitionen werden sich bis 2019 auf EUR 13,5 Mrd. belaufen und z. T. der Kofinanzierung von Investitionen in Gemeinden dienen. Sie tragen dazu bei, einen großen Teil des von uns bereits in der Vergangenheit identi- fizierten Investitionsbedarfs zu decken. Außerdem werden jeweils weitere EUR 8 Mrd. auf Entwicklungshilfe und die Bundeswehr entfallen. — Diese Maßnahmen dürften die deutsche Regierung bei ihren Gesprächen mit der Europäischen Kommission über Deutschlands hohen Leistungsbi- lanzüberschuss helfen, worauf auch die ersten Reaktionen des EU- Kommissars für Wirtschaft und Finanzen, Pierre Moscovici, schließen las- sen. Das Investitionsprogramm ist jedoch insgesamt relativ klein (unter 0,2% des BIP p.a.) und wird durch höhere Einnahmen und niedrigere Zins- ausgaben finanziert. So plant die Regierung wie schon letztes Jahr bis 2019 mit einen ausgeglichenen Bundeshaushalt. Damit dürfte der Beitrag zum Abbau der wirtschaftlichen Ungleichgewichte in der EWU eher gering sein. Andere Regierungsmaßnahmen werden jedoch maßgeblich über das Sozialversicherungssystem und nicht den Bundeshaushalt finanziert und stützen die deutsche Binnenkonjunktur, was auch leicht positiv auf die Ungleichgewichte wirkt. Haushalts- und Leistungsbilanzüberschüsse sind der EU- Kommission und anderen EWU-Ländern ein Dorn im Auge Die deutsche Wirtschaftspolitik ist zurzeit ein umstrittenes Thema in Europa. Besonders der hohe Leistungsbilanzüberschuss wird als Hindernis für einen rascheren Abbau der wirtschaftlichen Ungleichgewichte innerhalb der Eurozone gesehen. In Focus Europe (6. März) hatten wir zuletzt darauf hingewiesen, dass die gegenwärtige Lohnentwicklung in Deutschland auf mittlere Sicht zu einer leichten Verringerung des deutschen Leistungsbilanzüberschusses beitragen könnte. Das Ausmaß der Reduzierung wird die EU-Kommission jedoch kaum überzeugen. Sie wird voraussichtlich weitere Schritte fordern, um den von uns prognostizierten Überschuss von 8,4% des BIP (Prognose 2015; 2014 ca. 7 ½%) auf die obere Grenze der makroökonomischen Ungleichgewichte zu- rückzuführen (6%). Basierend auf ihrem detaillierten Länderbericht zu Deutsch- land dürfte die EU-Kommission einen Anstieg der staatlichen (Infrastruktur-) Investitionen fordern. Viele Länder scheinen die Einschätzung zu vertreten, dass ein ausgeglichener Haushalt in Deutschland angesichts der gegenwärtigen ökonomischen Situation in Europa mit Deutschland als Konjunkturlokomotive nicht ausreichend ist. Die Hoffnungen richten sich darauf, dass eine weniger restriktive Haushaltspolitik / höhere Investitionen in Deutschland der wirtschaftli- chen Erholung, die sich derzeit in der Eurozone entfaltet, zusätzliche Impulse verleiht. Vor diesem Hintergrund hat das Kabinett den von Finanzminister Schäuble vorgelegten Nachtragshaushalt der Bundesregierung für 2015, den Haushaltsentwurf 2016 und die mittelfristige Finanzplanung bis 2019 verab- schiedet. Ausblick Deutschland 21 | 30. März 2015 Aktuelle Themen Fokus liegt auf zusätzlichen Infrastrukturinvestitionen Die wichtigste politische Initiative ist die starke Erhöhung der Infrastrukturinvesti- tionen, worüber wir schon früher geschrieben haben: — Gegenüber früheren Haushaltsplanungen für 2015 sollen die Einnahmen EUR 3,5 Mrd. höher und die Zinsausgaben EUR 700 Mio. niedriger liegen. Diese Mittel werden zum Großteil für einen Sonderfonds zur Unterstützung finanzschwacher Städte und Gemeinden im Zeitraum 2015-2018 verwen- det. Bis zu 90% der jeweiligen Investitionsprojekte können durch den Fonds getragen werden, wobei dies davon abhängig ist, wie prekär die Finanzlage der Kommune ist. Dies ist aus politischer Sicht sowie unter dem Aspekt der Umverteilung nachvollziehbar. Außerdem sind die Städte und Gemeinden für einen Großteil der öffentlichen Infrastruktur verantwortlich und viele von ihnen sind in der Tat als finanzschwach einzustufen. Aus wirtschaftlicher Sicht ist diese Allokation jedoch weniger verständlich, da die Rendite bei In- frastrukturprojekten keine Rolle für die Investitionsentscheidung spielt und den finanziellen Ausblick schwacher Kommunen nicht fundamental verän- dert. — Außerdem wird die Bundesregierung selbst für den Zeitraum von 2016 bis 2018 insgesamt EUR 10 Mrd. zusätzlich investieren. Von diesem Betrag sind EUR 7 Mrd. bereits für festgelegte Projekte verplant, wobei EUR 4.3 Mrd. in die Verkehrsinfrastruktur (im wesentlichen Autobahnen) und die digi- tale Infrastruktur (z. B. zur Unterstützung des Ausbaus der Breitbandversor- gung in ländlichen Gegenden, wo diese andernfalls in vielen Fällen nicht rentabel ist) fließen sollen. Die restlichen EUR 3 Mrd. werden den verschie- denen Ministerien zugeteilt und sollen für Investitionszwecke verwendet werden. Obwohl sich über den Nutzen spezifischer Investitionsprojekte sicherlich endlos diskutieren lässt, halten wir die Stoßrichtung der Investitionsprojekte im Wesent- lichen für richtig. Außerdem trägt die vorgeschlagene Investitionssumme dazu bei, den von uns identifizierten Investitionsbedarf im öffentlichen Sektor zu decken (weitere EUR 5–10 Mrd. p.a.; Standpunkt Deutschland, 5. Dezember 2014). Zudem ist zu berücksichtigen, dass der Bund nur für einen kleinen Teil der öffentlichen Infrastruktur verantwortlich ist, so dass die Fokussierung auf höhere Investitionen in Städten und Kommunen generell zu befürworten ist. Andere volkswirtschaftliche Beobachter fordern zum Teil ein deutlich höheres Investitionsvolumen. Wir teilen diese Einschätzung nicht, insbesondere vor dem Hintergrund der demografischen Entwicklung und der verwendeten Berech- nungsmethoden. In die Entwicklungshilfe sollen für den Zeitraum von 2016 bis 2019 insgesamt EUR 8,3 Mrd. mehr fließen, was womöglich auch der „Reduzierung des Lei- stungsbilanzüberschusses“ zugerechnet werden könnte. Auf jeden Fall könnte dies als weiteres Anzeichen gewertet werden, dass Deutschland in der geopoli- tischen Arena sichtbarer wird. Die Erhöhung der Verteidigungsausgaben um EUR 8 Mrd. bis 2019 ist ebenfalls in diesem Kontext zu sehen. Die Sonderaus- gaben von EUR 1,8 Mrd. für die innere Sicherheit wurden mit dem Hinweis auf den Terroranschlag in Paris im Januar 2015 expressis verbis gerechtfertigt. Haushaltsausgleich gut für die CDU und höhere Investitionen gut für die SPD – ökonomische Auswirkungen begrenzt Aus innenpolitischer Sicht können beide Partner der Regierungskoalition zufrie- den sein. Die von Sigmar Gabriel geführte Sozialdemokratische Partei kann auf die Erhöhung der Investitionen verweisen. Die Sozialdemokraten sind im allge- meinen Befürworter der These einer „Investitionslücke“. Außerdem könnte die Ausblick Deutschland 22 | 30. März 2015 Aktuelle Themen Unterstützung für die Kommunen, die sich − wenn alle Transferzahlungen und andere finanzielle Erleichterungen zusammengenommen werden − bis 2019 auf EUR 25 Mrd. belaufen (u. E. etwas hoch gegriffen), tendenziell den finanziell schwachen Kommunen zugutekommen, die im Allgemeinen häufig von Sozial- demokraten geführt werden bzw. die sich in Bundesländern befinden, die von der SPD regiert werden. Die CDU unter Kanzlerin Merkel und im Besonderen Finanzminister Schäuble können auf das Ziel eines ausgeglichenen Haushalts in jedem Jahr bis 2019 verweisen. Im Jahr 2015 könnte es sogar begrenztes Aufwärtspotenzial geben: Nach unserer Prognose wird das BIP um 2% steigen verglichen mit der Regierungsprognose von 1,5%. Auf der anderen Seite legte die Regierung eine Inflationsrate von 0,8% zugrunde, während wir annähernd unveränderte Verbraucherpreise erwarten. Damit sind die Risiken ungefähr ausgewogen. Zum Kabinettsbeschluss des Bundeshaushalts sagte Schäuble: „Mit dem Eck- wertebeschluss schlagen wir ein neues Kapitel in der Haushaltspolitik auf. Wir erhöhen die Investitionen deutlich, ohne dafür neue Schulden aufnehmen zu müssen. Damit verbessern wir die Struktur des Haushalts und machen Deutsch- land zukunftsfest.” 25 Aus europäischer Sicht dürfte der Haushalt weniger eindeutig positiv bewertet werden. Offensichtlich konzentriert sich das Interesse auf das Infrastrukturpaket, welches die Koalition nach außen stark betont und auch besondere Beachtung in den Medien findet. Pierre Moscovici, der französische EU-Haushalts- Kommissar, sagte, dass der Vorschlag der deutschen Regierung in die richtige Richtung ginge, obwohl (noch) mehr hätte getan werden können. Dies könnte darauf hindeuten, dass die Risiken einer kurzfristigen Eskalation der Diskussion mit der Kommission gering sind. Anfang März argumentierten wir, dass es an- gesichts des gerade Italien und Frankreich eingeräumten Spielraums ohnehin schwierig wäre, gegenüber Deutschland eine zu harte Haltung zu vertreten. Mit ca. EUR 3-4 Mrd. pro Jahr macht das Paket allerdings weniger als 0,2% des BIP aus, und ein großer Teil der Wertschöpfung dürfte im Inland stattfinden, was den stimulierenden Effekt für die Eurozone begrenzt. Zudem werden die Mehr- investitionen durch geringere Zinsausgaben, Ausgabekürzungen in anderen Bereichen und höhere Einnahmen gegenfinanziert, denn der Bundeshaushalt soll laut Finanzplan bis 2019 jedes Jahr ausgeglichen sein. Anders ausgedrückt: Die aktualisierten Ausgaben- und Einnahmeströme für 2016-2018 entsprechen nahezu dem Niveau des Vorjahres. Auf der anderen Seite ist die obige Diskussion auf den Bundeshaushalt be- grenzt. Die jüngsten politischen Maßnahmen der Großen Koalition werden aller- dings in vielen Fällen über das Sozialversicherungssystem finanziert. So haben z.B. die Option einer Frührente mit 63, höhere Renten für einige Mütter und die allgemeine Rentenerhöhung das verfügbare Einkommen im 2. Halbjahr 2014 kräftig erhöht. Insgesamt betrug das Plus EUR 9,5 Mrd., wovon EUR 4,1 Mrd. auf die höheren Sozialleistungen zurückgingen. In den vorherigen sechs Jahren machten sie weniger als ein Drittel aus. Dies kommt zu den ohnehin soliden Einkommenszuwächsen hinzu, die das Wachstum des privaten Verbrauchs in Deutschland im Jahr 2015 auf über 2% treiben dürften. Die Stärke des deut- schen Verbrauchs trägt dazu bei, den deutschen Leistungsbilanzüberschuss gegenüber den anderen EWU-Ländern zu dämpfen, während der Gesamtüber- schuss u.a. aufgrund der schwachen Rohstoffpreise weiter gestiegen ist. Oliver Rakau (+49 69 910-31875, oliver.rakau@db.com) 25 http://www.bundesfinanzministerium.de/Content/DE/Pressemitteilungen/Finanzpolitik/2015/03/20 15-03-18-PM13-bundeshaushalt-eckwerte.html Ausblick Deutschland 23 | 30. März 2015 Aktuelle Themen EZB: Auswirkungen von Quantitative Easing ( QE) bislang positiv — Das erweiterte Anleihekaufprogramm der Europäischen Zentralbank (EZB) ist erfolgreich angelaufen. Bislang wurden EUR 26,3 Mrd. an Staatsanleihen (und Anleihen staatlicher Institutionen wie KfW und ESM) gekauft. Das Pro- gramm dürfte bis mindestens September 2016 laufen und die EZB-Bilanz auf über 3 Bill. treiben. — Die Erwartung, gefolgt von der Ankündigung und dem Beginn des Pro- gramms haben die Zinsen auf Staatsanleihen kräftig nach unten gedrückt, was auch die Zinsen für die Realwirtschaft deutlich fallen ließ. Zusammen mit der kräftigen Abwertung des EUR sollte dies die Konjunkturerholung in der Eurozone stützen. — Trotz der vorläufig positiven Anzeichen dürfte es bis mindestens Anfang 2016 dauern, bis die EZB den Erfolg des Kaufprogramms bewerten kann. Anleihekaufprogramm ist gestartet Am 9. März haben die EZB, bzw. die nationalen Zentralbanken, begonnen Staatsanleihen zu kaufen – das sogenannte Quantitative Easing oder die quan- titative Lockerung. Im Rahmen des im Januar erweiterten breitbasierten Anlei- hekaufprogramms sollen voraussichtlich bis mindestens September 2016 Wert- papiere im Wert von EUR 60 Mrd. pro Monat aufgekauft werden. Dadurch soll die Bilanz der EZB um EUR 1 Bill. ausgeweitet werden bzw. auf über EUR 3 Bill. steigen. Dieses Niveau hatte sie schon einmal 2012/13 erreicht. Bis 20. März haben die EZB, bzw. die nationalen Zentralbanken, EUR 26,3 Mrd. an Staatsanleihen (und staatlicher Institutionen wie KfW und ESM) gekauft. Damit scheint das Euro-System auf gutem Weg, die monatliche Quote zu erfüllen. Zum Teil wurden Zweifel geäußert, ob die EZB genügend Verkäufer von Staats- anleihen findet, da diese wegen einem unattraktiven Risiko-/Renditeprofil ande- rer Anlageklassen wenig Alternativen sehen bzw. regulatorischen Zwängen unterliegen. Derzeit mehren sich die Anzeichen, dass sich die Konjunktur in der Eurozone beschleunigt und der Kreditzyklus beginnt. In vier der letzten fünf Monate war die Kreditneuvergabe an den Privatsektor positiv. Das Bank Lending Survey (quartalsweise Umfrage der EZB unter Banken) deutet sowohl auf steigende Kreditnachfrage als auch steigendes -angebot hin. Dies sollte graduell dazu beitragen, dass die Banken ihre Anleihen verkaufen und stattdes- sen zu höheren Zinsen Kredite an die Realwirtschaft vergeben. Fallende Marktzinsen, …. Das Anleihekaufprogramm hat mehrere potenzielle Wirkungskanäle. Die ersten Anzeichen sind positiv, dass das Programm sowohl über den Währungs- als auch den Zinskanal positive Auswirkungen hat. In realer Rechnung sind die Refinanzierungskosten der EWU-Staaten (Terminge- schäfte auf 5-Jahressicht) zuletzt in den negativen Bereich gefallen und lagen damit selbst unter den Niveaus, die in den USA während der Hochphase der dortigen quantitativen Lockerung oder in Japan vorherrschten. Dies trägt dazu bei, dass die EWU-Staaten laut der EU-Kommission 2015 nur 2,5% des BIP für Zinskosten auf- wenden müssen. Dies sind 0,6%-Punkte weniger als noch 2014. Die EZB-Politik hat auch Auswirkungen auf das Zinsniveau für den privaten Sektor. Die durch- schnittlichen Zinsen, die nicht-finanzielle Kapitalgesellschaften für Kredite an Ban- ken entrichten müssen, sind um 60 Basispunkte gesunken und das Bank Lending 1600 1800 2000 2200 2400 2600 2800 3000 3200 0 200 400 600 800 1000 1200 1400 1600 09 10 11 12 13 14 15 16 CBPP SMP LTRO TLTRO PSPP ABS PP EZB - Bilanz (r.) Unkonventionelle geldpolitische Maßnahmen der EZB 1 Mrd. EUR Quellen: EZB, Deutsche Bank Research - 1 - 0,5 0 0,5 1 1,5 2 2,5 3 3,5 08 09 10 11 12 13 14 15 USA Eurozone Quellen: Deutsche Bank Research, Bloomberg Finance LP EZB QE - Programm hat reale Renditen unter US - Niveau gedrückt 2 Terminkurs für in 5 Jahren abzgl. marktimpliziter Inflation in 5 Jahren; EWU - Daten BIP gewichtet Ausblick Deutschland 24 | 30. März 2015 Aktuelle Themen Survey deutet auf eine weitere Margenkompression hin. Diese Entwicklung ist auch an den Aktienmärkten nicht spurlos vorbeigegangen. Seit die EZB im letzten Sep- tember begonnen hatte über Anleihekaufprogramme zu sprechen, sind die Aktien- kurse in der EWU um 15% angestiegen. Dies reflektiert die niedrigeren Abzinsungsfaktoren. Dadurch steigt der Wert von Sicherheiten, die die Banken z.B. bei der EZB hinterlegen können, was dem Kreditzyklus positive Impulse geben könnte. … schwächerer EUR und steigende Inflation Unseres Erachtens ist allerdings der Wechselkurs der wichtigste Transmissi- onskanal. Gegenüber dem Höchstkurs vor einem Jahr hat der EUR in handels- gewichteter Form 15% an Wert verloren. Dies dürfte im Gegensatz zur Abwer- tung während der OMT-Phase eine längerfristige Abwertung darstellen. Ange- sichts der Sorgen der EZB um eine mögliche Deflationsspirale sind die Effekte einer schwächeren Währung auf die Inflationsaussichten sicher hoch willkom- men. Legt man das OECD Interlink Modell (ein globales makroökonomisches Modell) zugrunde, hat eine Währungsabwertung über steigende Importpreise positive Effekte auf die Inflation. Selbst wenn man nur einen halb so starken Effekt annimmt wie in dem Modell, würde dies etwa 0,5%-Punkte zur Inflations- rate in der Eurozone im Jahr 2017 beitragen. Zwar ist die Abwertung des Euro schon vor dem Start des Anleihekaufprogramms erfolgt. Allerdings geht ein nicht unerheblicher Anteil des Rückgangs auf die Erwartung eines solchen Pro- gramms zurück. Somit kann die schon erfolgte Abwertung nicht als Argument gegen weitere Anleihekäufe herangezogen werden. Der EUR hat sich nach den starken Verlusten zu Beginn des Jahres zwar zuletzt etwas stabilisiert, aber unsere Währungsstrategen gehen weiter davon aus, dass der EUR bis Ende 2015 auf Parität und bis Ende 2017 sogar auf 0,85 fallen dürfte. Es gibt klare (vorläufige) Anzeichen, dass die Inflation dadurch Impulse erhält. So sind die deutschen Einfuhrpreise für Konsumgüter aus Ländern außerhalb der Eu- rozone im Januar um 1,8% gg. Vm. angestiegen. Das ist dreimal so stark wie der Anstieg für die Konsumgüter aus der Eurozone und der höchste monatliche Anstieg seit mindestens 15 Jahren. Dennoch dürfte es angesichts der schwachen Energie- preisentwicklung 3-6 Monate dauern, bis es klare Anzeichen gibt, dass die Kernin- flation ihren Boden gefunden hat. Es wird wohl sogar bis Anfang 2016 dauern, bis die EZB den Erfolg des Programms einschätzen kann. Basierend auf den Aussa- gen der EZB und vor allem der Ratsmitglieder scheint die Tendenz – trotz der ers- ten Erfolge – eher in Richtung einer längeren Laufzeit zu gehen, da der Zusammenhang zwischen Währungen, Wachstum und Inflation derzeit nicht ein- deutig ist und die (marktimpliziten) Inflationserwartungen weiterhin niedrig sind. Erster Zinsschritt wohl erst 2017 Wir haben unsere BIP-Wachstumsprognose für die Eurozone für 2015 zuletzt weiter angehoben auf nunmehr 1,4% – deutlich höher als die 0,9% im Vorjahr und die -0,4% im Jahr 2013. Das Wachstum geht 2015 aber zum Teil auch auf die positiven Effekte des Ölpreisverfalls auf die realen verfügbaren Einkommen zurück. Insgesamt dürfte das Wachstum auch 2016 noch moderat bleiben, zu- mal wenn man die Schwächephase der letzten Jahre einbezieht. Eine akkom- modierende Geldpolitik der EZB wird daher noch auf absehbare Zeit nötig sein. Wir erwarten frühestens im späteren Jahresverlauf 2017 einen ersten Zinsschritt der EZB nach oben. Es besteht das Risiko, dass die Zinsen bis zum nächsten Konjunkturabschwung nicht wieder auf „Normalmaß“ ansteigen und Anleihekäu- fe damit in Zukunft zum Standardrepertoire der EZB gehören werden. Mark Wall (+44 20 754-52087, mark.wall@db.com) Stefan Schneider (+49 69 910-31790, stefan-b.schneider@db.com) 90 95 100 105 110 115 10 11 12 13 14 15 Nominaler handelsgewichteter Wechselkurs, Q1 1999=100 Quellen: Deutsche Bank Research, EZB Diskussion und Erwartung von QE haben EUR um 15% abwerten lassen 3 -15% 0 0,1 0,2 0,3 0,4 0,5 0,6 0,7 0,8 2015 2016 Öl Wechselkurs Quelle: Deutsche Bank Research Ölpreisverfall und EUR - Abwertung 2015/16 wichtigste Wachstumstreiber 4 Effekte der seit Sept. geänderten Ölpreise und EUR - Erwartungen auf EWU BIP - Prognose, % - P. Ausblick Deutschland 25 | 30. März 2015 Aktuelle Themen DB Makro-Überraschungsindex Deutschland Der DB Makro - Überraschungsindex vergleicht den Wert der veröffentlichten Konjunkturdaten mit den Markterwartungen und liefert damit Hinweise über die Richtung künftiger Prognoseanpassunge n. 26 Heiko Peters (+49 69 910-21548, heiko.peters@db.com) 26 Siehe für Details Ausblick Deutschland. 4. August 2014. -0,7 -0,5 -0,3 -0,1 0,1 0,3 0,5 14 15 DB Makro - Überraschungsindex +/ - 1 Standardabweichung +/ - 1 Standardabweichung DB Makro-Überraschungsindex Deutschland Durchschnitt der z-Werte der vergangenen 20 Datenüberraschungen Werte über (unter) 0 bedeuten über (unter) der Markterwartung liegende Datenveröffentlichungen Quellen: Bloomberg Finance LP, Deutsche Bank Research Letzte 20 veröffentlichte deutsche Konjunkturdaten DX Bloomberg TickerIndikator Berichts- monat Veröffentlich- ungsdatum Aktueller Wert Bloomberg Konsensus Überra- schung Standardisierte Überraschung Quantils- rang GRCAEU IndexLeistungsbilanzsaldo (EUR Mrd.)12 201409.02.1525.620.84.81.10.8 GRCP20YY IndexVPI (% gg. Vj.)1 201512.02.15-0.4-0.3-0.1-0.30.2 GRZEWI IndexZEW - Konjunktur (Erwartungen)2 201517.02.1553.055.0-2.0-0.20.4 GRZECURR IndexZEW - Konjunktur (Situation)2 201517.02.1545.530.015.52.11.0 GRIFPBUS Indexifo Geschäftsklimaindex2 201523.02.15106.8107.7-0.9-0.80.2 GRGDPPGQ IndexBIP (% gg. Vq.)12 201424.02.150.70.70.0-0.10.3 GRUECHNG IndexVeränderung Arbeitslose (Tsd. gg. Vm.)2 201526.02.15-20.0-10.010.00.20.6 GRIMP95Y IndexImportpreise (% gg. Vj.)1 201527.02.15-4.4-4.60.20.50.8 MPMIDEMA IndexPMI Verarbeitendes Gewerbe2 201502.03.1551.150.90.20.20.6 GRFRIAMM IndexEinzelhandelsumsätze (% gg. Vm.)1 201503.03.152.30.41.91.71.0 MPMIDESA IndexPMI Dienstleistungssektor2 201504.03.1554.755.5-0.8-0.80.2 GRIORTMM IndexAuftragseingänge (% gg. Vm.)1 201505.03.15-3.9-1.0-2.9-1.40.1 GRIPIMOM IndexIndustrieproduktion (% gg. Vm.)1 201506.03.150.60.50.10.10.6 GRCAEU IndexLeistungsbilanzsaldo (EUR Mrd.)1 201509.03.1516.816.50.3-0.30.4 GRCP20YY IndexVPI (% gg. Vj.)2 201512.03.150.10.10.00.30.4 GRZEWI IndexZEW - Konjunktur (Erwartungen)3 201517.03.1554.859.4-4.6-0.50.3 GRZECURR IndexZEW - Konjunktur (Situation)3 201517.03.1555.152.03.10.30.7 MPMIDEMA IndexPMI Verarbeitendes Gewerbe3 201524.03.1552.451.50.90.80.9 MPMIDESA IndexPMI Dienstleistungssektor3 201524.03.1555.355.00.30.40.7 GRIFPBUS Indexifo Geschäftsklimaindex3 201525.03.15107.9107.30.60.30.6 Quellen: Bloomberg Finance LP, Deutsche Bank Research Ausblick Deutschland 26 | 30. März 2015 Aktuelle Themen Chartbook – Gesamtwirtschaft — Das Wachstum der deutschen Wirtschaft beschleunigte sich im vierten Quartal deutlich (0,7% gg. Vq.). Dies war das höchste Wachstum unter den großen Industrieländern. Im Jahresdurchschnitt 2014 expandier te das BIP um 1,6 % , was eine spürbare Beschleunigung im Vergleich zu den beiden Vorjahren darstellte (2012: +0,4%; 2013: 0,1%). Hauptwachstumstreiber war dank der anhaltend guten Situation auf dem Arbeitsmarkt erneut der private Konsum. Die Beschäftigung stieg auf einen neu en Höchststand von 42,7 Millionen Personen und die verfügbaren Einkommen e r- höhten sich um solide 2,4%. Angesichts der erhöhten geopolitischen Risiken und der enttäuschenden Entwicklung des Welthandels stiegen die Investitionen nur äußerst moderat. Nettoexp orte trugen ebenfalls etwas zum Wachstum bei. — Die Stimmungsindikatoren hellten sich zuletzt merklich auf und deuten auf ein Q1 Wachstum von etwa ½% gg. Vq. Der Einbruch der Ölpreise und die kräftige Abwertung des Euro wirken günstig auf die deutsche Konju nktur. Zudem dürfte der milde Winter wie im Vorjahr für eine jahreszeitlich untypisch gute Baukonjunktur sorgen. Dämpfend wirken jedoch die anhaltenden geopolitischen Risiken (vor allem die Ukraine - Russland - Krise). Der ifo - Index stieg im März den fünften M onat in Folge. Die Einschätzung der Einkaufsmanager verbesserte sich zuletzt deutlich und stieg auf den höchst en Wert seit August 2014. Dies wird zunehmend auch von der Einschätzung der Industrie gestützt, nac h- dem die Anstiege zuvor vor allem von dem binne nwirtschaftlich orientierten Dienstleistungssektor getrieben waren. — Durch das hohe Ausgangsniveau für das Jahr 2015 in Folge des Q4 - Wachstums, den Verfall des Ölpreises und der Abwertung des EUR erwarten wir für 2015 ein Wachstum der deutschen Wirtschaft v on 2,0%. Für 2016 rechnen wir mit einem Wachstum von 1,7%. Quellen: Statistisches Bundesamt, Markit, ifo, Deutsche Bank Research - 2 0 2 4 6 - 1 0 1 2 3 10 11 12 13 14 15 % gg. Vq. (links) % gg. Vj. (rechts) Entwicklung des realen BIP - 2 - 1,5 - 1 - 0,5 0 0,5 1 1,5 2 2,5 12 13 14 15 16 Privater Konsum Staatskonsum Ausrüstungsinvestitionen Bau Außenbeitrag Lager BIP (% gg. Vj.) Beitrag zum realen BIP - Wachstum (% - Punkte) 70 80 90 100 110 120 130 08 09 10 11 12 13 14 15 Klima Lage Erwartungen ifo - Index - Gewerbliche Wirtschaft insgesamt (2005=100) 30 40 50 60 70 08 09 10 11 12 13 14 15 Gesamtindex Dienstleistungen Verarb. Gewerbe Einschätzungen der Einkaufsmanager (PMI, Index) Ausblick Deutschland 27 | 30. März 2015 Aktuelle Themen Chartbook – Außenhandel — Die Außenhandelszahlen überraschten im Januar negativ und vielen stärker als er wartet. Allerdings folgte der Rüc k- gang um 2,1% gg. Vm. auf einen Anstieg von 2,8% im Dezember. Auch in den Vormonaten war das Tempo solide. Daher waren die Exporte in den letzten Monaten 1% über dem 3 - Monatszeitraum zuvor. Teilweise wegen der Schw ä- che der Ölpreise gingen die Importe erneut zurück ( - 0,3% gg. Vm. nach - 0,7% im Dezember). Der Handelsbilanzübe r- schuss fiel daher etwas, blieb aber hoch. — Der laufende 3 - Monatsdurchschnitt des Exportwachstums lag bei 3% gg. Vj. Die Nachfrage aus Asien und den USA bl eibt hoch und die Ausfuhren dorthin liegen 9% (gleitender 3M - Schnitt) bzw. 8% über dem Vorjahresniveau. Die E x- porte in die EWU (+3% gg. Vj.) bremsen dagegen. — Nach Sektoren stieg die Ausfuhr von Automobilen mit 5% gg. Vj. (gleitender 3M - Schnitt) relativ krä ftig. Auf Grund von Einmaleffekten ( Verkürzung/Verschiebung der Werksferi en; Umstellung der Produktion auf neue Modelle) war die Volatilität in den vergangen Monaten allerdings relativ hoch. Die Exporte des Sektors Elektrotechnik stiegen mit rund 6% gg. V j. Negativ war das Wachstum im Maschinenbau ( - 1,5%), Chemie ( - 1,0%) und dem Metallgewerbe ( - 0,2%). — Die Frühindikatoren für den Außenhandel stiegen im Februar und März, blieben aber auf einem moderaten Niveau und zeigen eine gedämpfte Exportentwicklung an. D er ungelöste Ukraine - Russland - Konflikt und der eingetrübte Au s- blick für einige Haupthandelspartner – vor allem China, Frankreich und Italien – belasten die deutsche n Expor te . Mit der moderaten Erholung der Weltwirtschaft im weiteren Jahresverlauf – getri eben von den USA – und dem schwäch e- ren Euro erwarten wir dann aber eine langsame Erholung der Exporte. Die Importe dürften durch die robuste inländ i- sche Nachfrage relativ kräftig expandieren. Quellen: Statistisches Bundesamt, Markit, ifo, D eutsche Bank Research, CPB 0 5 10 15 20 25 30 35 40 45 50 - 30 - 20 - 10 0 10 20 30 40 08 09 10 11 12 13 14 15 Handelsbilanz (rechts) Ausfuhren (links) Einfuhren (links) Warenhandel % gg. Vj., gl. 3M - Schnitt (links); Mrd. EUR (rechts) - 40 - 30 - 20 - 10 0 10 20 30 40 08 09 10 11 12 13 14 15 Insgesamt Asien USA Eurozone Deutsche Ausfuhren nach Regionen % gg. Vj., gl. 3M - Schnitt - 20 - 10 0 10 20 30 40 50 10 11 12 13 14 15 Chemie Elektrotechnik Maschinenbau Metallbranche Automobil Ausfuhren nach Sektoren % gg. Vj., gl. 3M - Schnitt - 2 - 1 0 1 2 - 30 - 20 - 10 0 10 20 30 10 11 12 13 14 15 Ausfuhren (links) Welthandel (links) PMI Verarb. Gew. - Exportaufträge (rechts) ifo Exporterwartungen (rechts) Ausfuhren und Frühindikatoren % gg. Vj., gl. 3M - Schnitt (links); Standardisierte Werte (rechts, 4M Vorlauf) Ausblick Deutschland 28 | 30. März 2015 Aktuelle Themen Chartbook – Industrie — Die Industrieproduktion stieg im Januar recht kräftig um 0,6% gg. Vm. Zudem wurde der schwache Dezemberwert deutlich aufwärts revidiert. Während das verarbeitende Gewerbe im Januar nur stagnierte, tr ug vor allem der Bau (+5%) zum Wachstum bei, da der milde Winter Vorzieheffekte mit sich brachte. Dies deutet auf einen robusten Ja h- resstart hin. — Die Verbesserung des ifo - Index und des PMI für das Verarbeitende Gewerbe sowie der weitere Anstieg der Kapaz i- t ätsauslastung deuten auf eine Fortsetzung der Erholung in der Industrie. Auf dem jetzigen Niveau der Indikatoren dürfte das Wachstum der Industrieproduktion in Q1 aber noch relativ moderat ausfallen. — Die Industrieproduktion in Deutschland dürfte im Verlauf von 2015 nach oben tendieren. Wichtige Treiber sind der schwache Euro sowie niedrigere Ölpreise. Wir rechnen für 2015 mit einem Anstieg der realen Produktion um 1,5% (2014: +1,9%). Eine Rolle spielt dabei auch, dass das 4. Quartal 2014 etwas besser gelauf en ist als noch im Herbst erwartet. In der Automobilindustrie und im Maschinenbau erwarten wir für 2015 jeweils ein Fertigungsplus von rd. 2%. Während sich der Maschinenbau damit gegenüber 2014 (+0,8%) verbessert, schwächt sich in der Autoindustrie das Wac hstum gegenüber 2014 (+4,5%) ab. In der Elektrotechnik halten wir für 2015 ein Produktionsplus von 1,5% für wahrscheinlich – nach einem Plus von 2,5% im letzten Jahr. Die Metallindustrie dürfte 2015 um gut 1% wachsen (2014: +3,2%). Die Chemieproduktion dür fte 2015 ihre Fertigung zwar um 1,5% ausweiten, damit würde sie jedoch nicht die Verluste von 2014 ( - 2,9%) ausgleichen. Die Produktion im Ernährungsgewerbe könnte 2015 um real etwa 0,5% steigen (2014: +0,1%). Quellen: Statistisches Bundesam t, ifo 60 70 80 90 100 110 120 130 -40 -30 -20 -10 0 10 20 30 40 08 09 10 11 12 13 14 15 Industrieproduktion (links) Auftragseingang (links) ifo Geschäftserwartungen im Ver. Gewerbe (rechts, 4M Vorlauf) Industrieproduktion, Auftragseingang & ifo-Erwartungen % gg. Vj., gl. 3M-Schnitt (links); Index (rechts) -50 -40 -30 -20 -10 0 10 20 30 40 08 09 10 11 12 13 14 15 Insgesamt Inland Ausland (EWU) Ausland (Nicht - EWU) Auftragseingang nach Ursprung % gg. Vj., gl. 3M-Schnitt 60 70 80 90 100 110 120 130 140 08 09 10 11 12 13 14 15 Automobilindustrie Chemieindustrie Elektrotechnik Maschinenbau Metallindustrie Produktion der größten Industriebranchen (2010=100, sb.) 50 60 70 80 90 100 110 120 130 08 09 10 11 12 13 14 15 Automobilindustrie Chemieindustrie Elektrische Ausrüstungen Maschinenbau Metallerzeugnisse ifo Geschäftserwartungen der größten Industriebranchen (2005=100) Ausblick Deutschland 29 | 30. März 2015 Aktuelle Themen Chartbook – Inländische Nachfrage — Der deutsche Arbeitsmarkt zeigte auch im Februar weiter Stärke. Die Arbeitslosigkeit fiel erneut ( - 20 Tsd. gg. Vm.). Das weiter kräf tige Beschäftigungswachstum wurde vor allem durch erhöhte Arbeitsmigration befriedigt, was Mismatch - Probleme bei der heimischen Bevölkerung zeigt. Die Outperformance der Beschäftigung gegenüber der A r- beitslosigkeit setzt sich fort und basiert auf mehr als 300,000 zusätzlichen in den Arbeitsmarkt integrierten Personen, hauptsächli ch durch Nettozuwanderung. Frühindikatoren deuten auf eine weiter positive Entwicklung in den nächsten Monaten. Im weiteren Verlauf des Jahres dürfte sich aber nach und nach der negative Mindestlohneffekt zeigen. Die Arbeitslosenquote dürfte im Jahresdurch schnitt 2015 auf 6,5% sinken (2014: 6,7%) . — Die realen Einzelhandelsumsätze stiegen im Januar um 2,9% gg. Vm. Das war der 4. Anstieg in Folge, was seit 1994 nur viermal passierte. Im Schnitt der letzten drei Monate lagen die Umsätze über 3% über Vorjahr. D er anhaltende Beschäftigungsaufbau, solide Lohnanstiege und der fallende Ölpreis trugen alle dazu bei. Die Umsätze stiegen 2014 um 1,5% und damit stärker als der private Konsum (1,2%). Stimmungsindikatoren deuten auf einen anhaltenden m o- deraten Aufwärtstre nd der Umsätze hin. Die ausgeprägte Stärke der letzten Monate dürfte temporär sein. — Die Ausrüstungs - und Bauinvestitionen dürften 2015 zum BIP - Wachstum beitragen. Für Q1 deuten die inländischen Investitionsgüterbestellungen und Kapazitätsauslastungen a uf e ine moderate Erholung der Ausrüstungsinvestitionen hin . Im weiteren Jahresverlauf dürften die Ausrüstungsinvestitionen dann anziehen und 2015 um etwa 4% wachsen. — Die Bauwirtschaft profitiert dank hoher Nettozuwanderung und steigender Einkommen von der zune hmenden Nac h- frage nach Wohnraum. 2 015 könnten die Bauinvestitionen um 3% zulegen . Die monatlichen Indikatoren zum Bau h a- ben zuletzt allerdings trotz robuster Unternehmensstimmung eher enttäuscht. Quellen: Statistisches Bundesamt, Gfk, EU - Ko mmission, ifo, Deutsche Bank Research 85 90 95 100 105 110 115 -400 -200 0 200 400 600 800 08 09 10 11 12 13 14 15 Arbeitslose (links, invertiert) Beschäftigte (links) ifo Beschäftigungsbarometer (rechts, 6M Vorlauf) Arbeitslosigkeit, Beschäftigung und ifo Beschäftigungsbarometer '000 gg. Vj. (links); Index (rechts) -4 -3 -2 -1 0 1 2 3 4 -4 -3 -2 -1 0 1 2 3 4 08 09 10 11 12 13 14 15 GfK Konsumklima (links) Konsumentenvertrauen (EU - Kommission, links) Einzelhandelsumsätze (rechts) Einzelhandelsumsätze und Konsumentenvertrauen Konsumentenvertrauen, standardisiert (links); % gg. Vj., gl. 3M-Schnitt (rechts) 96 97 98 99 100 101 102 103 -30 -20 -10 0 10 20 07 08 09 10 11 12 13 Ausrüstungsinvestitionen DB Investitionsklimaindex Ausrüstungsinvestitionen und DB Investitionsklimaindex % gg. Vj. (links); Index standardisiert auf 100 (rechts) 0 50 100 150 200 250 91 95 99 03 07 11 Bauaktivität Auftragseingang Bauhauptgewerbe: Bauaktivität und Auftragseingang 2010=100, gl. 3M-Schnitt Ausblick Deutschland 30 | 30. März 2015 Aktuelle Themen Chartbook – Finanzmärkte — Nach einem kurzzeitigen Fall in den negativen Bereich hat sich die Inflation im Februar wieder erholt. Sie lag nach vo r- läufigen Angaben bei +0,1% g g . Vj. nach - 0,4% im Januar. Dank der teilweisen Erholung des Ölpreises lagen die Ene r- giepreis e im Februar weniger stark unter Vorjahr als noch im Januar ( - 7,3% gg. Vj. gg. - 8,4% zuvor). Den Nahrungsmi t- telpreisen erging es ähnlich ( - 0,4% nach - 1,3% zuvor). Wie erwartet erholte sich die Kerninf lation, nachdem sie im J a- nuar auf 1,1% gefallen war. Sie dürfte dank der Normalisierung der volatilen Preise für Pauschalreisen auf 1,3% ange - stiegen sein. In den nächsten Monaten dürfte die Gesamtinflation wegen der anhaltend niedrigen Energiepreise nahe der Nulllinie verharren. Bei der Kerninflation könnten sich hingegen Effekte des Mindestlohns bemerkbar machen. — Aus Sorge vor einer negativen Rückkopplungsschleife aus abschwächender Inflation, einer Entankerung der Inflat i- onserwartungen und eines schwache n Bankensystems, das das Kreditangebot eins chränkt, entschied sich die EZB auf der Ratssitzung im Januar ihr Assetkaufprogramm deutlich auszuweiten und senkte den Zinssatz für die TLTROs. Im März startete die EZB bis mindestens September 2016 zusätzlich zu den Käufen von Covered - Bonds und ABS - Papieren auch noch Käufe von im Euroraum ansässigen Zentralstaaten, Emittenten mit Förderauftrag und europ ä- ischen Institutionen begebene Anleihen im Umfang von insgesamt monatlich EUR 60 Mrd. Die Ziele der Käufe sind e ine Kreditlockerung und die Schwächung des EUR in Folge der Bilanzausweitung um wahrscheinlich EUR 1,1 - 1,2 Billionen. — Aufgrund der extrem expansiven Ausrichtung der EZB sind die Zinsen für 10 - jährige Staatsanleihen weiter gefallen. Die Rendite für deutsch e Staatsanleihen fiel deutlich und liegt derzeit bei etwa 0,2%. Der Renditeabstand zwischen den 10 - jährigen US Treasuries und den Bunds lag zuletzt bei rd. 1,8% - Punkten . Quellen: Statistisches Bundesamt, EZB, Global Insight, Reuters -20 -10 0 10 20 -4 -3 -2 -1 0 1 2 3 4 08 09 10 11 12 13 14 15 Insgesamt (links) Kerninflation (links) Nahrungsmittel (rechts) Energie (rechts) Verbraucherpreise (% gg. Vj.) 0 1 2 3 4 5 6 08 09 10 11 12 13 14 15 EZB - Leitzins 3M - Satz EWU: Leitzins und 3M-Satz (%) 0 1 2 3 4 5 6 7 8 08 09 10 11 12 13 14 15 US DE FR IT ES Rendite 10J-Staatsanleihen (%) 1 1,1 1,2 1,3 1,4 1,5 1,6 1,7 1,8 90 95 100 105 110 115 120 125 08 09 10 11 12 13 14 15 Nom. eff. EUR - Wechselkurs (links) Realer eff. EUR - Wechselkurs (links) USD je EUR (rechts) Wechselkursentwicklung des Euro 1999Q1=100 (links), USD je EUR (rechts) Ausblick Deutschland 31 | 30. März 2015 Aktuelle Themen Chartbook – Kreditvergabe — Die Kreditvergabe an Unternehmen in der Eurozone ist seit März 2012 rückläufig. Auch aktuell war weiter ein leichter Rückgang zu verzeichnen, allerdings lag dieser erstmals seit Mitte 2012 unter der 1% - Marke (Feb.: - 0,8%, Jan.: - 1,6% gg. Vj.). Damit hat der Schrumpfungsprozess, der bereits im Verlauf des letzten Jahres schrittweise an Schärfe verlor, inzwischen ein vergleichsweise moderates Niveau erreicht (zum Vergleich: Feb. 2014: - 3,6%, Mitte 2013: - 5,9%) . Dies spiegelt sowohl das Ausmaß des bislang erfolgten Abbaus von Verbindlichkeiten als auch die leicht verbesserten Wachstumsaussichten in der Eurozone wider. — D ie Verbindlichkeiten der Haushalte in der Eurozone blieben im Februar 2015 stabil (erneut - 0,1% gg. Vorjahr). Auch hier waren die Rückgänge bereits in der zweiten Jahreshälfte 2014 zunehmend geringer geworden ( zum Vergleich: - 0,8% im Juli 2014 ). — Die Finanzierungsbedingungen für deutsche Unternehmen sind auch zum Jahresauftakt weiter a ußerordentlich gü n- stig. Die Zins en für Unternehmenskredite lagen im Januar bei knapp 2,6%. Im Februar 2015 hatte die Kredithürde für Unternehmen der gewerblichen Wirtschaft ein neues Allzeittief erreicht: Nur 1 6 , 2 % der befragten Firmen schätzen die Kreditvergabe als restriktiv ein (Janua r: 17,1 %). Für Bauunternehmen ist der Zugang zu Krediten ebenfalls nach wie vor sehr gut, obwohl hier zuletzt die Kredithürde leicht anzog und im Februar bei 22,2% lag (Januar: 20,9%). Insg e- samt ist die Kredithürde um mehr als 50% niedriger als vor fünf Ja hren. Trotz der außerordentlich günstigen Bedi n- gungen war die Kreditvergabe an Unternehmen im letzten Jahr verhalten geblieben. Während der zweiten Jahreshäl f- te deutete sich eine minimale Belebung im Vorjahresvergleich an (Nov ember : +0,9 % ). Der leichte Rüc kgang am a k- tuellen Rand ( Dezember und Januar mit Schrumpfung, Februar 2015: - 0,4% gg. Vorjahr) ist durch statistische Änd e- rungen bedingt. Die eher zurückhaltende Kredit nachfrage deutscher Unternehmen spiegelt teils auch die verstärkte Nutzung von alternati ven Finanzierungsmöglichkeiten wider, etwa Unternehmensanleihen, deren Volumen sich seit 2008 mehr als verdoppelt hat. — Die Kreditvergabe an Haushalte in Deutschland wuchs im Februar weiter mit +1,6% gg. Vorjahr. Treiber für die Z u- wächse bleibt die Immobil ienkreditvergabe, die Ende 2014 angesichts weiter sinkender Zinsen (Feb.: 2%) etwas a n- gezogen hatte. Die Zuwächse liegen nun seit 3 Monaten bei rd. 3%. — Die gute Realeinkommensentwicklung in Deutschland führt – trotz des niedrigen Zinsniveaus – zu einer in sgesamt nach wie vor eher moderaten Kreditnachfrage auf Seiten vieler Haushalte, da Anschaffungen teils aus Einkommen bzw. Vermögen finanziert werden. Das Geschäft mit Konsumentenkrediten entwickelte sich auch im Februar verhalten ( - 1, 3 % gg . Vorjahr). Quellen: EZB, ifo, Deutsche Bank Research -10 -5 0 5 10 15 20 06 07 08 09 10 11 12 13 14 15 EWU - nicht finanz. Kapitalgesell. DE - nicht finanz. Kapitalgesell. EWU - priv. Haushalte DE - priv. Haushalte Kredite an den privaten Sektor (% gg. Vj.) -6 -4 -2 0 2 4 6 05 06 07 08 09 10 11 12 13 14 15 Konsumentenkredite Hypothekarkredite Kredite an private Haushalte (% gg. Vj.) 0 1 2 3 4 5 6 7 06 07 08 09 10 11 12 13 14 15 EZB - Leitzins Hypotheken (5 - 10 - jährige Zinsbindung) Unternehmenskredite (<1 Mio. EUR, Neugeschäft) Zinssätze (%) 0 20 40 60 08 09 10 11 12 13 14 15 Kredithürde Bau Kredithürde Gewerbliche Wirtschaft Kreditbedingungen aus Sicht der Unternehmen Kredithürde: Prozentsatz der Unternehmen, die angeben, Kreditvergabe sei restriktiv. Höhere Werte bedeuten restriktiveren Zugang aus Unternehmenssicht. Ausblick Deutschland 32 | 30. März 2015 Aktuelle Themen Chartbook – Staatsfinanzen — Wie bereits 2013 (0,1%) , konnte der Gesamthaushalt auch 2014 mit einem Überschuss (0,6% des BIP ) abschließen. 2015 dürfte sich die Haushaltslage nicht wesentlich ändern und der Gesamthaushalt mit einem vergleichbaren Plus a b- schließen. Dazu trägt vor allem die weiterhin gute Einnahmelage angesichts der freundlichen Konjunkturaussichten bei. Die solide wachsenden Einnahmen dürften im laufenden Jahr ausreichen, eine Reihe fiskal isch belastender Maßna h- men , wie die Einführung des flächendeckenden Mindestlohns , aber auch die Rente mit 63 oder die Mütterrente , auszu - gleichen. Die Finanzpuffer der Sozialversicherungen werden durch die Leistungsausdehnungen jedoch weiter schrum p- fen. Ei ne Ursache für die kontinuierlich steigenden Einnahmen liegt u.a. im seit mehreren Jahren im Wesentlichen unver - änderten Tarif der Einkommensteuer, wodurch der Entzugseffekt der kalten Progression zunimmt. Änderungen in di e- sem Bereich werden derzeit kontro vers diskutiert, nach Vorlage des Existenzmini mum berichts ist ohnehin eine erneute Anpassung des Grundfreibetrags notwendig . — Ein Jahr früher als gedacht konnte der Bund nun bereits das Jahr 2014 mit einem ausgeglichenen Haushalt abschli e- ßen. Auch für 2015 - 2019 sind ausgeglichene Haushalte vorgesehen. Die Chancen hierfür stehen zumindest 2015 gut, wenn nicht größere ungeplante Mehrbelastungen – wie z.B. im Falle eines möglichen erneuten Schuldenschnitts in Griechenland – für den Haushalt auftreten. Kommunen und Sozialversicherungen schlossen 2014 ebenfalls erneut mit einem – gegenüber 2013 aber stark rückläufigen – Überschuss ab. Auch die Ländergesamtheit wies zum ersten Mal seit geraumer Zeit einen kleinen Überschuss aus. Innerhalb der Länder – wie auch der Kommunen – ist die Lage aber weiterhin sehr heterogen. Eine Reihe von Länderhaushalten schreibt tiefrote Zahlen, während andere Überschüsse verzeichnen und ihre Verschuldung zurückführen können. 2014 war neben dem Gesamthaushalt auch der Bunde s- haushalt ers tmals seit längerem strukturell ausgeglichen. — Der öffentliche Schuldenstand (in Maastricht - Abgrenzung) betrug Ende Q 3 2014 insgesamt nur noch 7 4,8 % des BIP (Q4 2013: 76,9%). In den nächsten Jahren dürfte die Staatsverschuldung bei fortgesetzter k onjunktur eller Dynamik kontinuierlich abnehmen. Alleine der anhaltende Portfolioabbau bei den Bad Banks wird den Schuldenstand zusät z- lich um etwa 0,5% des BIP p.a. zurückführen. Bereits in diesem Jahr könnte die Schuldenstandsquote erstmals seit 2008 wieder unter d ie Marke von 70% des BIP rutschen. Quellen: Deutsche Bank Research, Europäische Kommission, Bundesbank 50 60 70 80 90 - 5 - 3 - 1 1 3 01 02 03 04 05 06 07 08 09 10 11 12 13 14 15 16 Budgetsaldo Staatsverschuldung (rechts) Staatsverschuldung und Budgetsaldo Gesamtstaat, in % des BIP - 5,0 - 4,0 - 3,0 - 2,0 - 1,0 0,0 1,0 2,0 00 01 02 03 04 05 06 07 08 09 10 11 12 13 14 15 16 Strukturell Zyklisch Budgetsaldo Budgetsaldo Gesamtstaat, in % des BIP - 10% - 5% 0% 5% 10% 15% 20% 10 11 12 13 14 15 Steuereinnahmen Veränderung gg. Vorjahrjahresmonat und als 12 Monatsdurchschnitt - 4% - 2% 0% 2% 4% 6% 8% 10% 12% 14% 12 13 14 15 Steuereinnahmen gesamt Einkommensteuer Umsatzsteuer Verbrauchsteuern Entwicklung wichtiger Steuern Veränderung ggü Vorjahr, 12 - Monats - Durchschnitt Ausblick Deutschland 33 | 30. März 2015 Aktuelle Themen Dieter Bräuninger (+49 69 910-31708, dieter.braeuninger@db.com) Nicolaus Heinen (+49 69 910-31713, nicolaus.heinen@db.com) Deutschland: Termine der Finanz-, der Wirtschafts- und der Europapolitik DX Datum Ereignis Anmerkungen 15. April Sitzung des EZB - Rates, Pressekonferenz Überprüfung des geldpolitischen Kurses. 17. - 19. Apr il Treffen G20 - Finanzminister und Notenbankgouverneure sowie Frühjahrstagung IWF und Weltbank, Washington Debatten über Lage der Weltwirtschaft sowie Situation an internationalen F inanzmärkten. 24. - 25. Apr il Treffen Eurogruppe und informeller ECOFIN, Riga Entwicklung der Finanzmarktstabilität und der makroökonomischen Stabilität in der Eurozone und den Mitgliedsländern, Lage in Griechenland u.a. 10. Mai Bürgerschaftswahl in Breme n Es wird eine klare Bestätigung der deutlichen Mehrheit der rot - grünen Koalition erwartet. 11. - 12. Mai Treffen Eurogruppe und ECOFIN, Brüssel Lage im Eurogebiet – F rühjahrsprognose der Kommission, Inflations - und Wechselkursentwicklun g, Wachstum und Bes chäftigung – I mplementierung der Empfehlungen für das Eurogebiet. 27. Mai Treffen G7 - Finanzminister und Notenbankgouverneure, Dresden Internationale Finanzmarktarchitektur, Stärkung des internationalen Handels, (möglicherweise) Lage in Ukraine u.a. 3. Ju ni Sitzung des EZB - Rates, Pressekonferenz Der EZB - Rat ist fest überzeugt vom laufenden Programm der Anleihekäufe im Volumen von EUR 60 Mrd . pro Monat bis September 2016 und möglicherweise darüber hinaus. Quelle: Deutsche Bank Research Ausblick Deutschland 34 | 30. März 2015 Aktuelle Themen Heiko Peters (+49 69 910-21548, heiko.peters@db.com) Oliver Rakau (+49 69 910-31875, oliver.rakau@db.com) Deutschland: Datenkalender DX Datum Uhrzeit Daten Berichtszeitraum DB Schätzung Letzter Wert 3 1 . Mrz 2015 8:00 Einzelhandelsumsätze (Index, sb.), % gg. Vm. Februar - 1,7 2,3 31. Mrz 2015 10:00 Arbeitslosenrate (%, sb.) März 6,5 6,5 8. Apr 2015 8:00 Auftragseingang im Ver. Gew erbe (Index, sb.), % gg. Vm. Februar 1,9 - 3,9 9. Apr 2015 8:00 Industrieproduktion (Index, sb.), % gg. Vm. Februar 0,2 0,6 9. Apr 2015 8:00 Handelsbilanz (EUR Mrd., sb.) Februar 17,6 20,0 9. Apr 2015 8:00 Warenexporte (EUR Mrd., sb.), % gg. Vm. (gg. Vj .) Februar - 2,2 (0,9) - 2,2 (0,9) 9. Apr 2015 8:00 Warenimporte (EUR Mrd., sb.), % gg. Vm. (gg. Vj.) Februar 0,5 (0,3) - 0,5 ( - 0,2) 23. Apr 2015 9:30 PMI Verarbeitendes Gewerbe (Flash) April 52,5 52,4 23. Apr 2015 9:30 PMI Dienstleistungssektor (Flash ) April 55,0 55,3 24. Apr 2015 10:30 ifo Geschäftsklima (Index, sb.) April 108,0 107,9 29. Apr 2015 8:00 Einfuhrpreise (Index, sb.) % gg. Vm. (gg. Vj.) March 0,3 ( - 2,7) 1,4 ( - 3,0) 29. Apr 2015 14:00 Vorläufiger VPI (sb.), % gg. Vm. (gg. Vj.) April 0,5 (0,4) 0,9 (0,1) 13. Mai 2015 8:00 Reals BIP (Index, sb.), % gg. Vq. Q1 2015 0,8 0,7 Quellen: Deutsche Bank Research, Statistisches Bundesamt, Bundesagentur für Arbeit, ifo, Markit Finanzmarktprognosen DX US JP EWU GB CH SE DK NO PL HU CZ Leitzinssatz, % Aktuell 0,120 0,10 0,05 0,50 - 1,25 - 0,25 0,05 1,25 1,50 1,95 0,05 Jun 15 0,125 0,10 0 ,05 0,50 - 0,75 - 0,25 0,05 1,25 1,50 1,85 0,05 Sep 15 0,500 0,10 0,05 0,50 - 0,75 - 0,25 0,05 1,25 1,50 1,85 0,05 Dez 15 0,750 0,10 0,05 0,50 - 0,75 - 0,25 0,05 1,25 1,50 1,85 0,05 3M Geldmarktsatz, % Aktuell 0,35 0,15 0,02 0,57 Jun 15 0,75 0,15 0,00 0,59 Sep 15 1,30 0,15 0,00 0,59 Dez 15 1,35 0,15 - 0,10 0,60 Rendite 10J Staatsanleihen, % Aktuell 2,00 0,33 0,22 1,58 Jun 15 2,50 0,50 0,30 1,60 Sep 15 - 0 ,55 0,40 1,80 Dez 15 2,65 0,60 0,40 2,00 Wechselkurse EUR/USD USD/JPY EUR/GBP GBP/USD EUR/CHF EUR/SEK EUR/DKK EUR/NOK EUR/PLN EUR/HUF EUR/CZK Aktuell 1,09 119,30 0,74 0,67 1,05 9,26 7,47 8,60 4,07 299,65 27, 38 Jun 15 1,04 121,00 0,71 1,47 1,07 9,00 7,46 9,00 4,08 310,50 27,50 Sep 15 1,02 123,00 0,71 1,43 1,09 9,00 7,46 9,00 4,03 311,00 27,50 Dez 15 1,00 125,00 0,74 1,36 1,10 8,90 7,46 8,90 4,08 315,00 27,50 Quellen: Bloomberg, Deutsche Ba nk Ausblick Deutschland 35 | 30. März 2015 Aktuelle Themen Deutschland: Date nmonitor DX Q1 2014 Q2 2014 Q3 2014 Q4 2014 Q1 2015 Okt 2014 Nov 2014 Dez 2014 Jan 2015 Feb 2015 Mrz 2015 Konjunkturumfragen Gesamtwirtschaft ifo Geschäftsklima 110,8 110,1 106,7 104,5 107,1 1 03,4 104,6 105,5 106,7 106,8 107,9 ifo Geschäftserwartungen 107,5 105,5 101,9 100,1 102,8 98,9 100,1 101,3 102,0 102,5 103,9 PMI Composite 55,4 55,2 54,5 52,5 54,2 53,9 51,7 52,0 53,5 53,8 55,3 Produzierendes Gewerbe ifo Ver arbeitendes Gewerbe 106,9 106,3 102,8 99,7 102,8 98,6 99,4 101,1 102,2 102,3 103,8 Produktion (% gg. Vp.) 1,0 - 1,0 - 0,2 0,7 0,4 0,1 1,0 0,6 Auftragseingang (% gg. Vp.) 0,1 - 0,2 0,1 2,1 2,8 - 2,2 4,4 - 3,9 Grad der Kapazitätsauslastung 84 ,0 83,9 83,8 84,2 84,6 Bauhauptgewerbe Produktion (% gg. Vp.) 5,7 - 4,7 - 0,1 1,3 - 0,1 0,7 1,2 1,0 Auftragseingang (% ggü. Vp.) 0,8 - 4,5 - 2,4 - 0,1 1,8 0,3 1,0 9,8 ifo Bauhauptgewerbe 122,7 119,9 120,3 120,3 118,7 120,8 120,7 119,5 119,2 119,1 117,9 Konsumentennachfrage EC Konsumentenbefragung 0,3 4,3 1,0 - 1,2 - 0,7 - 1,6 - 1,4 0,0 - 0,1 Einzelhandelsumsätze (% gg. Vp.) 1,9 - 0,2 0,0 1,6 2,0 0,3 1,1 2,3 Neuzulassun gen PKW (% gg. Vj.) 2,8 - 0,3 4,1 2,7 3,7 - 1,8 6,7 2,6 6,6 Außenhandel Auslandsaufträge (% gg. Vp.) - 1,2 0,2 1,7 2,0 0,4 - 0,3 3,8 - 4,8 Exporte (% gg. Vp.) 0,1 0,4 2,3 1,6 1,2 - 2,8 2,8 - 2,2 Importe (% gg. Vp. ) 0,6 0,0 0,7 1,0 - 1,5 1,3 - 1,0 - 0,5 Nettoexporte (EUR Mrd.) 54,0 55,0 59,9 62,3 22,1 18,4 21,8 20,0 Arbeitsmarkt Arbeitslosenquote (%) 6,8 6,7 6,7 6,6 6,6 6,6 6,5 6,5 6,5 Veränderung Arbeitslosigkeit (Tsd. gg. Vp.) - 41,0 - 19,0 1,7 - 38,0 - 24,0 - 16,0 - 26,0 - 10,0 - 20,0 Beschäftigung (% gg. Vj.) 0,7 0,9 0,9 1,0 1,0 1,0 1,0 1,0 ifo Beschäftigungsbarometer 107,6 106,8 106,5 106,3 107,1 105,2 106,7 108,1 106,8 Preise, Löhne und Arbeitskosten Preise HVPI (% gg. Vj.) 1,0 0,9 0,8 0,4 0,7 0,5 0,1 - 0,5 - 0,1 Kern - HVPI (% gg. Vj.) 1,1 1,1 1,2 1,1 1,1 0,9 1,2 0,8 1,0 Harmonisierter PPI (% gg. Vj.) - 1,0 - 0,8 - 0,8 - 1,2 - 1,0 - 0,9 - 1,7 - 2,2 - 2,1 Rohstoffe ohne Energie (% gg. Vj.) - 11,1 - 4,9 - 1,8 0,9 0,9 1,7 0,1 2,3 1,4 Ölpreis (USD) 108,2 109,7 102,0 76,4 87,3 78,8 63,1 49,7 Inflationserwartungen EC Haushaltsumfrage 22,0 16,9 13,4 8,6 11,1 8 ,5 6,2 0,5 - 0,7 EC Unternehmensumfrage 5,6 2,3 4,2 2,1 4,7 3,2 - 1,5 - 1,2 - 0,1 Lohnstückkosten (gg. Vj.) Lohnstückkosten 0,8 2,0 2,0 1,7 Arbeitnehmerentgelt je Arbeitnehmer 2,8 2,5 2,5 2,3 Arbeitnehmerentgelt je Stunde 0,8 2,3 2,1 1,6 Monetärer Sektor (gg. Vj.) M3 3,8 4,5 4,7 4,7 4,0 5,1 4,7 5,9 Trend von M3* 4,6 4,6 5,2 Kredite an Unternehmen und Privatpersonen - 3,6 - 3,5 1,4 1,7 1,2 1,5 1,7 2,1 Kredite an öffentliche Haushalte - 1,5 9,7 5,9 12,6 5,1 3,6 12,6 19,0 % gg. VP = Veränderung gegenüber der Vorperiode; * zentrierter 3M - Durchschnitt Quellen: Bundesagentur für Arbeit, Deutsche Bundesbank, Europ äische Kommission, Eurostat, Statistisches Bundesamt, HWWI, ifo, Markit Ausblick Deutschland Unsere Publikationen finden Sie unentgeltlich auf unserer Internetseite www.dbresearch.de Dort können Sie sich auch als regelmäßiger Empfänger unserer Publikationen per E - Mail eintragen. Für die Print - Version wenden Sie sich bitte an: Deutsche Bank Research Marke ting 60262 Frankfurt am Main Fax: +49 69 910 - 31877 E - Mail: marketing.dbr@db.com Schneller via E - Mail: marketing.dbr@db.com Im Ausblick Deutschland aus der Reihe Aktuelle Themen/Konjunktur we r- den volkswirtschaftliche und wirtschaftspolitische Themen zu Deutschland behandelt. Jede Ausgabe enthält zudem Übersichtstabellen zu finanz - und wirtschaftspolitischen Terminen sowie einen detaillierten Datenmonitor zu deutschen Wirtschaftsindikatoren. Die Ausgabe erscheint monatlich.  Höheres Wachstum und Löhne, Sparer weiter vorsichtig ................................ ...................... 2. März 2015  Deutsches BIP nach Öl, EUR und EZB ........................ 2 . Febr uar 2015  2015: Konjunkturerholung mit Risiken ............................ 6. Januar 2015  Strukturelle Verlangsamung des Welthandels belastet deutsches BIP - Wachstum ........................... 2. Dezember 2014  Weitere Enttäuschungen ................................ ........... 5. Nov ember 2014  Risiken nehmen zu ................................ ................. 30. September 2014  Ice bucket challenge und strukturelle Investitionslücke ................................ .... 2. September 2014  Nur schwache Konjunkturerholung in H2 ........................ 4. August 2014  Solides Wachstum, wenig Inflation (trotz EZB) ................................ ................................ ......... 30. Juni 2014  Robuste Binnenwirtschaft durch gute Absichten gefährdet ................................ ............................ 4. Juni 2014  So weit, so gut ................................ ................................ ...... 2. Mai 2014  2% Wachstum in 2015 trotz belastender Beschäftigungspolitik .............................. 28. Februar 2014  Weiter im Aufwind ................................ ......................... 27. Januar 2014  Aufbruch in die Vergangenheit (Aktuelle Themen – Konjunktur) ............................. 29. November 2013  Trotz Wachstum in der Kritik (Research Briefing – Konjunktur) ............................ 19. November 2013 (Research Briefing – Konjunktur) ................................ 15. Oktober 2013  Deutschland nach der Wahl (Aktuelle Themen – Konjunktur) ................................ ... 1 . Oktober 2013  Ja mei, is denn scho o’zapft? (Research Briefing – Konjunktur) ........................... 16. September 2013  Deutsches BIP +0,5% in 2013 – trotz Verlangsamung in H2 (Aktuelle Themen – Konjunktur) .............................. 2. September 2013  Das Wandern ist des Deutschen Lust (Research Briefing – Konjunktur) ................................ .. 15. August 2013 © Copyright 2015. Deutsche Bank AG, Deutsche Bank Research, 60262 Frankfurt am Main, Deutschland. Alle Rechte vorbehalten. Bei Zitaten wird um Quellenangabe „Deutsche Bank Research“ gebeten. Die vorstehenden Angaben stellen keine Anlage-, Rechts- oder Steuerberatung dar. Alle Meinungsaussagen geben die aktuelle Einschätzung des Verfassers wieder, die nicht notwendigerweise der Meinung der Deutsche Bank AG oder ihrer assoziierten Unternehmen entspricht. Alle Meinungen können ohne vorherige Ankündigung geändert werden. Die Meinungen können von Einschätzungen abweichen, die in anderen von der Deutsche Bank veröffentlichten Dokumenten, einschließlich Research-Veröffentlichungen, vertreten werden. 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