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8. August 2017
Prognose für das deutsche BIP-Wachstum in Q2 auf 0,8% angehoben. Starker privater Konsum belebt den Einzelhandel. Deutscher Fiskalausblick: Idealzustand währt nicht ewig! EZB: Zwei Schritte vorwärts, einer zurück. [mehr]
Ausblick Deutschland Prognose für das deutsche BIP-Wachstum in Q2 auf 0,8% angehoben. Ange- sichts zuletzt starker Vertrauensindikatoren und monatlicher Daten haben wir unsere BIP-Prognose für Q2 von 0,6% auf 0,8% (gegenüber Vorquartal) ange- hoben (Q1 0,6%). Der private Verbrauch dürfte der Haupttreiber für das deutlich über Potenzial liegende Wachstum sein. Im zweiten Halbjahr sollte die zuletzt deutliche Euro-Aufwertung spürbar werden. Andererseits haben die ifo Ex- porterwartungen in den letzten Monaten deutlich zugelegt und lagen im Juli nur noch um einen Punkt unter ihrem Allzeithoch. Dies könnte auf die stärker als er- wartet wachsende Konjunktur im Rest der Eurozone sowie auf eine Belebung der Nachfrage aus China zurückzuführen sein. Starker privater Konsum belebt den Einzelhandel. Der reale private Konsum verzeichnete in den Jahren 2015 und 2016 jeweils ein Plus von gut 2%. Damit war er der stärkste Wachstumstreiber. Der Einzelhandel verzeichnete über- durchschnittliche Zuwächse und konnte sogar den Trend eines abnehmenden Anteils am Konsum stoppen. Eine günstige Realeinkommensentwicklung dank hoher Beschäftigungszuwächse, guten Lohnabschlüssen und dennoch niedriger Inflation stützt die privaten Konsumausgaben auch in den kommenden Quarta- len. Deutscher Fiskalausblick: Idealzustand währt nicht ewig! Die deutschen Staats- finanzen stehen derzeit im internationalen Vergleich sehr gut da, dank starker Konjunktur und Niedrigzinsen. Nach unseren Berechnungen dürfte der deutsche Staat zwischen 2008 und 2016 fast EUR 260 Mrd. (ca. 8% des letztjährigen BIP) an Zinsen eingespart haben. Eine Normalisierung der Geldpolitik sowie eine alternde Gesellschaft dürften die öffentlichen Finanzen ab Mitte der nächs- ten Dekade unter erheblichen Druck setzen. Stattdessen werden - im Hinblick auf den steigenden Einfluss älterer Wählergruppen - die langfristigen Risiken für die Staatsfinanzen im aktuellen Bundestagswahlkampf weitestgehend ignoriert. In Zukunft, wenn diese bitteren Erkenntnisse Realität werden und Handlungsbe- darf erfordern, wird es noch schwieriger sein, politische Mehrheiten für die dann notwendigen fiskalischen Anpassungen zu organisieren, die aufgrund der heuti- gen kollektiven Ignoranz noch um ein Vielfaches härter ausfallen dürften. EZB: Zwei Schritte vorwärts, einer zurück . Draghi, ein moderater Falke, hat leicht zurückgerudert. Die Presseerklärung der letzten Ratssitzung enthielt meh- rere taubenhafte Elemente; unter anderem verwendete Draghi häufig das Wort „Geduld“, das Peter Praet gern nutzt, um einer gewissen Vorsicht Ausdruck zu verleihen. Gleichzeitig hat die Straffung der Finanzmarktbedingungen nach der Rede von Sintra Draghi nicht veranlasst, „korrigierende“ Signale an die Märkte zu senden. Das kräftigere Wachstum im zweiten Quartal dürfte dazu beitragen, den steigenden Wechselkurs zu kompensieren und das Vertrauen in die begin- nende Inflationsbeschleunigung zu stärken. Autoren Sebastian Becker +49 69 910-21548 sebastian-b.becker@db.com Barbara Böttcher +49 69 910-31787 barbara.boettcher@db.com Dieter Bräuninger +49 69 910-31708 dieter.braeuninger@db.com Jochen Möbert +49 69 910-31727 jochen.moebert@db.com Marc Schattenberg +49 69 910-31875 marc.schattenberg@db.com Stefan Schneider +49 69 910-31790 stefan-b.schneider@db.com Editor Stefan Schneider Deutsche Bank AG Deutsche Bank Research Frankfurt am Main Deutschland E-Mail: marketing.dbr@db.com Fax: +49 69 910-31877 www.dbresearch.de DB Research Management Stefan Schneider Inhaltsverzeichnis Seite Prognosen ......................................................2 Prognose für das deutsche BIP-Wachstum in Q2 auf 0,8% angehoben ............................3 Starker privater Konsum belebt den Einzel- handel .............................................................5 Deutscher Fiskalausblick: Idealzustand währt nicht ewig.…………………………………..…7 EZB: Zwei Schritte vorwärts, einer zurück..11 DB Makro-Überraschungsindex Deutschland .................................................14 Exportindikator .............................................15 Eventkalender ..............................................16 Datenkalender ..............................................16 Finanzmarktprognosen ................................17 Datenmonitor ................................................18 Original in engl. Sprache: 4. August 2017 8. August 2017 Konjunkturboom kein Grund für fiskalische Selbstzufriedenheit Konjunkturboom kein Grund für fiskalische Selbstzufriedenheit 2 | 8. August 2017 Ausblick Deutschland Wachstum, Inflation, Leistungsbilanz, Budgetsaldo DX BIP-Wachstum Inflation* Leistungsbilanzsaldo Budgetsaldo in % gg. Vj. in % gg. Vj. in % des BIP in % des BIP 2016 2017P 2018P 2016 2017P 2018P 2016 2017P 2018P 2016 2017P 2018P Euroland 1,7 2,2 2,0 0,2 1,6 1,5 3,5 3,1 2,9 -1,5 -1,4 -1,3 Deutschland 1,9 1,6 1,7 0,5 1,6 1,6 8,4 8,0 7,8 0,8 0,5 0,2 Frankreich 1,1 1,4 1,6 0,3 1,3 1,3 -0,9 -0,6 -0,5 -3,4 -3,1 -2,8 Italien 0,9 1,0 1,0 -0,1 1,4 1,3 2,6 2,7 2,3 -2,4 -2,3 -2,3 Spanien 3,2 2,7 2,1 -0,3 2,0 1,8 1,9 1,9 1,8 -4,5 -3,3 -2,8 Niederlande 2,2 2,1 1,5 0,1 1,1 1,4 8,5 10,2 10,2 0,4 0,6 0,0 Belgien 1,2 1,6 1,6 1,8 2,3 1,9 -0,4 1,0 1,0 -2,6 -2,1 -2,1 Österreich 1,6 1,8 1,6 1,0 1,9 1,6 1,7 2,8 3,1 -1,6 -0,9 -0,8 Finnland 1,9 1,2 1,5 0,4 1,0 1,4 -1,1 -1,0 -0,7 -1,9 -2,1 -1,6 Griechenland 0,0 0,9 2,0 0,0 1,1 1,0 -0,6 1,0 1,0 0,7 -1,3 0,6 Portugal 1,4 2,5 1,4 0,6 1,2 1,5 1,0 0,7 0,7 -2,0 -1,8 -1,7 Irland 5,1 4,0 3,2 -0,2 0,2 1,3 3,3 10,0 8,0 -0,6 -0,7 -0,5 Großbritannien 1,8 1,6 1,2 0,6 2,7 2,8 -4,4 -4,0 -4,0 -2,9 -2,9 -2,5 Dänemark 1,7 1,7 1,8 0,3 1,1 1,4 6,5 6,5 6,5 -2,1 -2,5 -1,9 Norwegen 0,7 1,6 1,8 3,6 2,7 2,5 4,4 6,2 7,0 3,7 3,9 4,2 Schweden 3,0 3,0 2,4 1,0 1,5 1,5 4,7 4,9 5,1 2,0 0,0 0,3 Schweiz 1,3 1,5 1,7 -0,3 0,5 0,7 9,5 9,3 9,0 -0,1 -0,1 -0,1 Tschech. Rep. 2,3 2,8 2,1 0,7 2,5 2,1 1,1 1,1 1,0 0,6 -0,6 -0,6 Ungarn 2,0 3,8 3,5 0,4 2,3 2,5 5,5 3,0 2,3 -1,9 -2,3 -2,4 Polen 2,7 3,4 3,2 -0,6 1,8 2,0 -0,3 -1,1 -1,2 -2,5 -2,9 -3,0 USA 1,5 2,1 2,4 1,3 2,0 1,9 -2,6 -2,9 -3,2 -3,1 -3,6 -2,8 Japan 1,0 1,2 0,7 -0,1 0,4 0,5 3,7 3,9 4,0 -3,5 -3,4 -3,0 China 6,7 6,7 6,3 2,0 1,7 2,7 1,8 1,3 1,1 -3,8 -4,0 -4,0 Welt 3,1 3,6 3,7 4,3 5,2 4,3 *Inflationsdaten für EU-Länder basieren auf harmonisierten Verbraucherpreisindizes außer bei Deutschland. Dies kann zu Diskrepanzen zu anderen DB Publikationen führen. Quellen: Nationale Behörden, Nationale Zentralbanken, Deutsche Bank Prognosen Deutschland: BIP-Wachstum nach Komponenten, % gg.Vq., Jahresdaten % gg.Vj. DX 2017 2018 2014 2015 2016 2017P 2018P Q1 Q2P Q3P Q4P Q1P Q2P Q3P Q4P BIP 1,6 1,7 1,9 1,6 1,7 0,6 0,8 0,5 0,5 0,4 0,3 0,3 0,3 Privater Konsum 0,9 2,0 2,1 1,2 1,5 0,3 0,6 0,4 0,4 0,3 0,3 0,3 0,3 Staatsausgaben 1,2 2,8 4,0 1,2 1,0 0,4 0,3 0,3 0,3 0,3 0,3 0,3 0,3 Anlageinvestitionen 3,4 1,7 2,2 2,1 3,0 1,7 0,7 0,9 1,0 0,7 0,7 0,7 0,6 Ausrüstungen 5,5 3,7 1,1 1,1 3,5 1,2 1,0 1,0 1,0 1,0 0,8 0,8 0,5 Bau 1,9 0,3 2,8 3,1 3,3 2,3 0,5 1,0 1,2 0,7 0,7 0,7 0,7 Lager, %-Punkte -0,3 -0,5 -0,2 0,2 0,0 -0,4 0,2 0,0 0,0 0,0 0,0 0,0 0,0 Exporte 4,1 5,2 2,7 3,7 3,9 1,3 1,1 1,2 1,0 1,0 1,0 1,0 1,0 Importe 4,0 5,5 3,8 4,0 4,5 0,4 1,1 1,2 1,1 1,0 1,2 1,2 1,2 Nettoexport, %-Punkte 0,4 0,3 -0,4 0,1 0,0 0,5 0,1 0,1 0,0 0,1 0,0 0,0 0,0 Konsumentenpreise* 0,9 0,2 0,5 1,6 1,6 1,9 1,7 1,6 1,3 1,3 1,6 1,9 1,8 Arbeitslosenquote, % 6,7 6,4 6,1 5,7 5,5 5,9 5,8 5,7 5,6 5,6 5,5 5,4 5,4 Industrieproduktion** 1,5 1,1 1,4 1,5 1,0 Budgetsaldo, % BIP 0,3 0,7 0,8 0,5 0,2 Öffentlicher Schuldenstand, % BIP 74,9 71,2 68,3 65,9 63,4 Leistungsbilanzsaldo, % BIP 7,3 8,3 8,4 8,0 7,8 Leistungsbilanzsaldo, EUR Mrd. 213 253 263 259 260 *Inflationsdaten für Deutschland basieren auf nationaler Abgrenzung. Dies kann zu Diskrepanzen zu anderen DB Publikationen führen. ** Verarbeitendes Gewerbe (NACE C) Quellen: Statistisches Bundesamt, Deutsche Bundesbank, Arbeitsagentur, Deutsche Bank Research Konjunkturboom kein Grund für fiskalische Selbstzufriedenheit 3 | 8. August 2017 Ausblick Deutschland Prognose für das deutsche BIP-Wachstum in Q2 auf 0,8% angehoben — Angesichts zuletzt starker Vertrauensindikatoren und monatlicher Daten ha- ben wir unsere BIP-Prognose für Q2 von 0,6% auf 0,8% (gegenüber Vor- quartal) angehoben (Q1 0,6%). — Der private Verbrauch dürfte der Haupttreiber für das deutlich über Poten- zial liegende Wachstum sein. — Im zweiten Halbjahr sollte die zuletzt deutliche Euro-Aufwertung spürbar werden. Andererseits haben die ifo Exporterwartungen in den letzten Mona- ten deutlich zugelegt und lagen im Juli nur noch um einen Punkt unter ihrem Allzeithoch. Dies könnte auf die stärker als erwartet wachsende Konjunktur im Rest der Eurozone sowie auf eine Belebung der Nachfrage aus China zurückzuführen sein. Wir hatten zwar eine gewisse Normalisierung nach dem sehr starken Q1 BIP- Wachstum von 0,6% (gegen Vorquartal) erwartet, allerdings deuten sowohl die harten als auch die weichen Konjunkturindikatoren (Umfragen) auf eine weitere Beschleunigung im zweiten Quartal hin. Das Statistische Bundesamt wird die erste Schätzung zum Q2 BIP am 15. August veröffentlichen. Selbst wenn man in unseren auf Umfragen (ifo, Index der Einkaufsmanager) basierenden BIP- Modellen die in den letzten Quartalen aufgetretene Überschätzung von rund ¼ Prozentpunkt korrigiert, ergibt sich im Durchschnitt ein Zuwachs um 0,8%. Mo- delle, die auf harten Monatsdaten basieren (Industrieproduktion, Einzelhandel- sumsätze), die in den letzten beiden Quartalen nur marginale Prognoseabwei- chungen hatten, zeigen aktuell sogar noch leicht höhere Zuwachsraten, nicht zuletzt wegen des kräftigen Zuwachses beim Einzelhandel um 1,3% in Q2 (siehe dazu auch den Artikel „Starker privater Konsum belebt den Einzelhan- del“). Aber auch die Industrieproduktion verzeichnet, trotz des unerwarteten Rückgangs um 1,1% gg. Vormonat im Juni, im Quartal immer noch einen An- stieg um 1,8%. Sowohl der ifo Index als auch das Konsumentenvertrauen (GfK), die sich im Juni und Juli weiter verbesserten und sogar ein Allzeithoch (ifo) oder einen zyklischen Spitzenwert (GfK) verzeichneten, sprechen für weiterhin kräfti- ges Wachstum. Der private Verbrauch bleibt der Hauptwachstumstreiber Der private Verbrauch sollte im zweiten Quartal den höchsten Beitrag zum BIP- Wachstum geliefert haben. Dagegen dürfte der Beitrag der Investitionen sich gegenüber den 0,3 Prozentpunkten des ersten Quartals leicht abgeschwächt haben, was zum Teil auch auf Wettereffekte zurückzuführen sein dürfte. Aller- dings könnte sich bei den Bauinvestitionen die im Februar vorgenommene Revi- sion des Berichtskreises auch noch positiv im Ergebnis des zweiten Quartals niederschlagen. Die sehr volatilen Ausrüstungsinvestitionen haben im ersten Quartal zumindest marginal zum Wachstum beigetragen. Wichtige Einflussfak- toren für die Ausrüstungsinvestitionen wie beispielsweise die Kapazitätsauslas- tung oder die Exporterwartungen haben sich im zweiten Quartal weiter verbes- sert. Andererseits haben die Investitionsgüterbestellungen aus dem Inland, ein meist guter, gleichlaufender Indikator für die Ausrüstungsinvestitionen, in den letzten Monaten eher enttäuscht, erst im Juni konnte dann ein kräftiger Anstieg verzeichnet werden (7,5% gg. Vormonat). Der Nettoaußenbeitrag, eine weitere volatile Komponente des BIP, dürfte sich wohl nach dem Beitrag von 0,4 Pro- zentpunkten in Q1 verringern, wenngleich sich im zweiten Quartal wohl noch kein Effekt der jüngsten Euro-Aufwertung niederschlagen dürfte. 0,0 0,2 0,4 0,6 0,8 1,0 1,2 Q1 2015 Q3 2015 Q1 2016 Q3 2016Q1 2017 Bridge-Modelle, Durchschnitt BIP, aktuell Kurzfristige BIP-Modelle - überzeichnen, aber um wieviel? 1 % gg. Vq. Quellen: Deutsche Bundesbank, Markit, ifo, Deutsche Bank Research -5 0 5 10 15 20 30 35 40 45 50 55 60 12 13 14 15 16 Exportnachfrage (PMI), links Welthandel gg. Vj., rechts Exporterwartungen (ifo), rechts Exportausblick: Gemischtes Bild 2 Index Index, gg. Vj. Quellen: IFO, Markit, Deutsche Bundesbank -12 -10 -8 -6 -4 -2 0 2 4 6 8 10 -30 -20 -10 0 10 20 30 2000 2003 2006 2009 2012 2015 USD/EUR (links) Dt. preisl. Wettbewerbsfähigkeit v56 CPI Preisliche Wettbewerbsfähigkeit & USD/EUR 3 % gg. Vj. % gg. Quelle: Deutsche Bundesbank Konjunkturboom kein Grund für fiskalische Selbstzufriedenheit 4 | 8. August 2017 Ausblick Deutschland Sehr optimistische Exporterwartungen trotz jüngster Eurostärke, die sich im Verlauf von H2 auswirken dürfte Im zweiten Halbjahr könnte sich das Wachstum leicht gegenüber dem sehr kräf- tigen Wachstum des ersten Halbjahres verlangsamen, sollte aber immer noch deutlich über der Trendwachstumsrate liegen, die wir derzeit bei knapp unter 0,4% (gg. Vq.) veranschlagen. Ein Argument dürfte die deutliche Aufwertung des EUR sein. Gängige Elastizitäten, die sich auf den Außenwert oder Maße der preislichen Wettbewerbsfähigkeit beziehen, liegen im Bereich von 0,2 bis 0,5 für den deutschen Export über 12 Monate, was zunächst einen vergleichs- weise geringen Effekt nahelegt. Zwar hat der Euro gegenüber dem USD – nicht zuletzt wegen der kräftigen Bewegung der letzten Wochen – seit Jahresbeginn um rund 12% an Wert gewonnen. Der Index der deutschen realen, preislichen Wettbewerbsfähigkeit gegenüber 56 Ländern (CPI-Basis) hat sich in H1 (neuere Daten stehen noch nicht zur Verfügung) nur um gut 1% verschlechtert, während im gleichen Zeitraum EUR/USD um rund 6% zulegte. Der Zusammenhang der EUR/USD und dem breiteren Index der Wettbewerbsfähigkeit ist sehr volatil, aber ganz grob liegt die Veränderung bei dem Index bei etwa 1 / 3 der EUR/USD- Bewegung. Danach dürfte der Index seit Jahresbeginn nunmehr um rund 4% gestiegen sein. Bei einer Elastizität von 0,3 dürften damit die deutschen Exporte über die nächsten 12 Monate um 1 ¼ Prozentpunkte niedriger ausfallen. Andererseits dürfte die aktuell stärker als erwartete Erholung im Rest der Euro- zone, in die immer noch 37% der deutschen Exporte fließen, ein Gegengewicht liefern. Allerdings ist auch hier der Effekt gering, was wohl auch an den innereu- ropäischen Wertschöpfungsketten liegen dürfte. Eine Studie des Sachverständi- genrates aus dem Jahr 2012 zeigt, dass ein Anstieg des privaten Verbrauchs im Rest der Eurozone um 1% das deutsche BIP nur um 0,14% erhöht. In den nächsten Monaten sollte aber auch die Nachfrage aus China, wo sich die Kon- junktur ebenfalls besser als erwartet entwickelt, stützen. In den ersten fünf Mo- naten verzeichneten die nominalen Exporte nach China einen Anstieg um 16,1%, doppelt so hoch wie der Zuwachs der deutschen Exporte insgesamt (7,4%). Die dynamischere Konjunkturentwicklung in diesen wichtigen Export- märkten spiegelt sich deutlich in den Exporterwartungen des verarbeitenden Gewerbes wieder. Diese haben in den letzten Monaten kräftig zugelegt und la- gen im Juli nur noch einen Punkt unter ihrem Allzeithoch. Insgesamt dürfte die wachstumsbedingt stärkere Nachfrage aus diesen Regio- nen zunächst zu einer Belebung der Auslandsaufträge führen. Diese lagen zwar im Mai/Juni um 5 ½% über Vorjahr, allerdings zeigte sich im Verlauf der ersten fünf Monaten des Jahres noch kein eindeutiger Aufwärtstrend. Richtung Jahres- ende dürfte sich dann die aktuelle Aufwertung des Euro dämpfend auf den Ex- port auswirken. Stefan Schneider (+49 69 910-31790, stefan-b.schneider@db.com) -8 -6 -4 -2 0 2 4 6 8 10 42 44 46 48 50 52 54 56 58 12 13 14 15 16 EMU PMI Verarb. Gew. ex GER (links) Dt. Exporte in die EWU % gg. Vj., mvg. avg. lag3 Markantes EMU W achstum stärkt deutsche Exporte 4 Index % gg. Vj. Quellen: Statistisches Bundesamt, Markit Konjunkturboom kein Grund für fiskalische Selbstzufriedenheit 5 | 8. August 2017 Ausblick Deutschland Starker privater Konsum belebt den Einzelhandel — Der reale private Konsum verzeichnete in den Jahren 2015 und 2016 je- weils ein Plus von gut 2%. Damit war er der stärkste Wachstumstreiber. — Der Einzelhandel verzeichnete überdurchschnittliche Zuwächse und konnte sogar den Trend eines abnehmenden Anteils am Konsum stoppen. — Eine günstige Realeinkommensentwicklung dank hoher Beschäftigungszu- wächse, guten Lohnabschlüssen und dennoch niedriger Inflation stützt die privaten Konsumausgaben auch in den kommenden Quartalen. Der starke private Konsum belebt den Einzelhandel Der reale Umsatz des deutschen Einzelhandels (ohne Kraftfahrzeuge) belebte sich im ersten Halbjahr 2017 weiter. Der preisbereinigte Umsatz stieg um 1,7% im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Damit setzt sich die günstige Entwicklung der letzten Jahre fort. So lagen die Jahresdurchschnitte der Veränderung der re- alen Einzelhandelsumsätze (ohne Kfz) in den Jahren 2014, 2015 und 2016 bei 1,2%, 3,8% sowie 2,6% gegenüber dem jeweiligen Vorjahr. Diese Zuwachsra- ten lagen über denen des realen privaten Konsums im Vergleichszeitraum. Dies ist bemerkenswert, denn es zeigt, wie sich die gute konjunkturelle Lage insbe- sondere in der Nachfrage nach Einzelhandelsgütern widerspiegelt. Die gegen- wärtige Angleichung der realen Wachstumsrate an die des privaten Konsums deutet darauf hin, dass möglicherweise Sättigungseffekte zum Tragen kommen. Gleichzeitig deuten sowohl der GfK-Konsumklimaindex wie auch der Konsum- klimaindex der Europäischen Kommission auf eine weiterhin gute Konsumstim- mung. Die Entwicklung der Einzelhandelsumsätze spiegelt die sehr gute konjunkturelle Verfassung der deutschen Volkswirtschaft wider. Eine nähere Betrachtung der Wachstumsbeiträge einzelner Komponenten zeigt den gegenwärtig starken An- teil des privaten Konsums. Er profitiert vom positiven Effekt der niedrigen Infla- tion auf die Realeinkommen. Zudem sind die Beschäftigungszuwächse hoch und es werden aus Arbeitnehmersicht gute Lohnabschlüsse erreicht. Daher ver- wundert es nicht, dass der private Konsum in den Jahren 2015 und 2016 jeweils ein reales Plus von gut 2% verzeichnete. Damit lag der jährliche Wachstumsbei- trag zum realen BIP bei 1,1 Prozentpunkten, bei Wachstumsraten des realen BIP von 1,7% bzw. 1,9%. Insbesondere die robuste Baukonjunktur treibt dabei -2 -1 0 1 2 3 4 5 6 -1 0 1 2 11 12 13 14 15 16 EC Konsumklima GfK Konsumklima Einzelhandelsumsatz Konsumklima deutet auf robuste Einzelhandelsumsätze 1 Konsumklima, normalisiert (links); % gg. Vj., laufender 3-M Schnitt, ssb. (rechts) Quellen: Statistisches Bundesamt, Europäische Kommission, GfK, Deutsche Bank Research -4 -3 -2 -1 0 1 2 3 4 5 02 04 06 08 10 12 14 16 Einzelhandelsumsatz (ohne Kfz) Privater Konsum Privater Konsum wächst meist stärker als Einzelhandelsumsätze (ohne Kfz) 2 Quellen: Statistisches Bundesamt, Deutsche Bank Research Real, % gg. Vj. -1,0 -0,5 0,0 0,5 1,0 1,5 2,0 2,5 3,0 95 99 03 07 11 15 Privater Konsum: 2015 und 2016 über 2%-Plus 4 Privater Konsum, real, % gg. Vj. Quellen: Statistisches Bundesamt, Deutsche Bank Research -6 -5 -4 -3 -2 -1 0 1 2 3 4 5 07 08 09 10 11 12 13 14 15 16 Privater Konsum Ausrüstungsinvestitionen Bau Außenbeitrag Rest Auf privaten Konsum entfiel mehr als die Hälfte des BIP-Wachstums 2016 3 Wachstumsbeitrag, % gg. Vj. Quellen: Statistisches Bundesamt, Deutsche Bank Research Konjunkturboom kein Grund für fiskalische Selbstzufriedenheit 6 | 8. August 2017 Ausblick Deutschland die Umsatzentwicklung im Einzelhandel. Neubauten und Renovierungen – die zum Teil in Eigenregie gemacht werden und damit den Baumärkten zugutekom- men – ziehen häufig Anschaffungen entsprechender Ausstattungsgegenstände, wie Möbel, Haushaltsgeräte oder moderne IT, für diese Wohnungen nach sich. So stieg im ersten Halbjahr 2017 der preisbereinigte Umsatz im Bereich Einrich- tungsgegenstände, Haushaltsgeräte und Baubedarf um 4,6%. Neben dem „klassischen“ Einzelhandel in Warenhäusern und Supermärkten entwickelte sich auch der Internet- und Versandhandel im ersten Halbjahr 2017 positiv. Der preisbereinigte Umsatz nahm hier um 6,6% zu. Auch die Ausgaben in der Folge der zurückliegenden Zuwanderungswelle schlagen sich in verschiedenen Bereichen des Einzelhandels positiv nieder. Das betrifft sowohl Ausgaben für Nahrungsmittel, für Bekleidung, bis hin zur Ausstattung von Wohnungen. Der starke Arbeitsmarkt stützt die Einkommen und den Konsum Die Konsumklimaindikatoren (Abb. 1) zeigen aktuell ein positives Stimmungsbild mit weiterhin soliden Aussichten. Dabei liegt das GfK-Konsumklima bereits seit den vergangenen vier Jahren auf einem hohen Niveau. Der Konsumindikator der EU-Kommission verzeichnete hingegen, insbesondere in den letzten drei Jahren, eine starke Aufwärtsbewegung. Im Zusammenhang mit der Entwicklung des privaten Konsums ist der längerfristige quantitative Erklärungsgehalt der beiden Indizes allerdings dennoch differenziert zu betrachten. Unseren derzeitigen Prognosen folgend erwarten wir, dass der private Konsum 2017 und 2018 real 1,2% bzw. 1,5% zulegen wird. Es gibt aber eine Reihe von Gründen, die ein stärkeres Wachstum möglich erscheinen lassen. Der Beschäf- tigungsaufbau setzt sich weiterhin dynamisch fort. Die für Arbeitnehmer güns- tige Arbeitsmarktsituation, insbesondere mit Blick auf die anstehenden Lohnver- handlungen in 2018, sollte die Einkommenssituation der privaten Haushalte wei- ter stützen. Der feste Euro sollte zusammen mit anhaltend niedrigen Ölpreisen den inflationsbedingten Verlust an Kaufkraft begrenzen. Somit stehen die Chan- cen gut, dass sich die positiven Signale der Konsumindikatoren in einer guten Entwicklung der Einzelhandelsumsätze realisieren. Es ist aber auch zu berück- sichtigen, dass das Konsumentenverhalten von kurzfristigen, nicht zwingend di- rekt ökonomischen Ereignissen beeinflusst werden kann. Marc Schattenberg (+49 69 910-31875, marc.schattenberg@db.com) 80 85 90 95 100 105 110 115 02 04 06 08 10 12 14 16 Einrichtungsgegenstände, Haushaltsgeräte, Baubedarf elektrische Haushaltsgeräte Ausgewählte Einzelhandelsumsätze im Haus- und Wohnbereich, Deutschland 5 Quellen: Statistisches Bundesamt, Deutsche Bank Research Reale Einzelhandelsumsätze, 2010=100 Konjunkturboom kein Grund für fiskalische Selbstzufriedenheit 7 | 8. August 2017 Ausblick Deutschland Deutscher Fiskalausblick: Idealzustand währt nicht ewig! — Die deutschen Staatsfinanzen stehen derzeit im internationalen Vergleich sehr gut da, dank starker Konjunktur und Niedrigzinsen. Während bedeu- tende Industrieländer (wie die USA oder Japan) noch immer mit hohen Haushaltsdefiziten und einer weiter zunehmenden öffentlichen Verschul- dung kämpfen, hat Deutschland seit 2014 – als einziges G7-Land – Haus- haltsüberschüsse erwirtschaftet, die bereits zu einem deutlichen Rückgang der Staatsschuldenquote geführt haben. — Die günstige Entwicklung der deutschen Staatsfinanzen dürfte kurz- bis mit- telfristig dank dynamisch wachsender Staatseinnahmen – und trotz hohem Ausgabenwachstum – andauern . In dem aktuellen Stabilitätsprogramm von 2017 plant die jetzige Bundesregierung für den Zeitraum 2017 bis 2021 durchgängig mit (gesamtstaatlichen) Haushaltsüberschüssen, sodass die Schuldenquote Ende 2020 unter die Maastricht-Grenze von 60% des BIP fallen könnte. Grundvoraussetzungen dafür sind eine anhaltend günstige Konjunktur und niedrige Zinsen. — Die Staatsfinanzen profitieren derzeit sehr stark von einer brummenden Wirtschaft, Niedrigzinsen und einer „demografischen Atempause“. Nach un- seren Berechnungen dürfte der deutsche Staat zwischen 2008 und 2016 fast EUR 260 Mrd. (ca. 8% des letztjährigen BIP) an Zinsen eingespart ha- ben. Ohne Niedrigzinsen hätte der deutsche Fiskus 2016 noch immer rote Zahlen geschrieben und die öffentliche Schuldenquote läge ein ganzes Stück höher. Die durch diese Sonderfaktoren verursachten vorübergehen- den Haushaltsüberschüsse sollten daher auf keinen Fall als Rechtfertigung für permanente Ausgabenerhöhungen oder Abgabensenkungen erachtet werden. — Eine Normalisierung der Geldpolitik (und damit graduell steigende Zinsen) sowie eine alternde Gesellschaft dürften die öffentlichen Finanzen ab Mitte der nächsten Dekade unter erheblichen Druck setzen. Die Alterung der Ge- sellschaft dürfte stark voranschreiten und die öffentlichen Haushalte bereits in naher Zukunft spürbar belasten. Im Hinblick auf den steigenden Einfluss älterer Wählergruppen werden diese absehbaren Entwicklungen aktuell wei- testgehend ignoriert. In Zukunft, wenn diese bitteren Erkenntnisse Realität werden und Handlungsbedarf erfordern, wird es noch schwieriger sein, poli- tische Mehrheiten für die dann notwendigen fiskalischen Anpassungen zu organisieren, die aufgrund der heutigen kollektiven Ignoranz noch um ein Vielfaches härter ausfallen dürften. — Die langfristigen Risiken für die Staatsfinanzen werden im aktuellen Bun- destagswahlkampf weitestgehend ignoriert. Vielmehr überziehen Steuer- senkungs- und Ausgabensteigerungspläne die Wahlprogramme der Par- teien. Zur Sicherstellung der Tragfähigkeit der deutschen Staatsfinanzen sollte die im September neu gewählte Bundesregierung nicht noch weiter an der Ausgabenschraube drehen (als von der jetzigen Regierung ohnehin schon geplant), damit Ausgaben den Einnahmen nicht davonlaufen. Volle Kassen dank starker Konjunktur und Nullzinsen Während bedeutende Industrieländer (wie die USA oder Japan) und große eu- ropäische Volkswirtschaften (u.a. Frankreich, Spanien) noch immer mit hohen Haushaltsdefiziten und einer weiter steigenden Staatsverschuldung kämpfen, hat Deutschland seit 2014 – als einziges G7-Land – gesamtstaatliche Haus- haltsüberschüsse erwirtschaftet, die sich – auch dank eines hohen Wachstums 0 1 2 3 4 5 6 7 96 98 00 02 04 06 08 10 12 14 16 Implizite Verzinsung der Staatsschuld (nominal), % p.a. Marktzins (langfristig; hier: Rendite auf 10-J Bundesanleihen) (nominal), % p.a. Der deutsche Fiskus kann sich derzeit über "Minizinsen" freuen 1 Quellen: Eurostat, AMECO, Bloomberg, Deutsche Bank Research Die implizite Verzinsung der Staatsschulden ergibt sich rechnerisch aus dem Verhältnis zwischen den staatlichen Zinsausgaben eines Jahres und den Bruttostaatsschulden am Ende des Vorjahres. -5 -4 -3 -2 -1 0 1 2 96 98 00 02 04 06 08 10 12 14 16 Haushaltssaldo: Tatsächlicher Wert Haushaltssaldo: Hypothetischer Wert* Haushaltssaldo (Mittelwert: 1996-16) Deutsche Haushaltsüberschüsse dank Niedrigzinsen 2 Gesamtstaatlicher Haushaltssaldo, % BIP Quellen: Eurostat, AMECO, Bloomberg, Deutsche Bank Research * Ermittelt auf Basis eines konstanten impliziten Zinssatzes (auf dem Niveau von 2007) für den Betrachtungs- zeitraum 2008-16. 40 50 60 70 80 90 00 02 04 06 08 10 12 14 16 Hypothetischer Wert* Tatsächlicher Wert Die deutsche Schuldenquote ist bereits spürbar gefallen, auch dank "Minizinsen" 3 Gesamtstaatliche Schulden (konsolidiert), % BIP * Ermittelt auf Basis eines konstanten impliziten Zinssatzes (auf dem Niveau von 2007) für den Betrachtungszeitraum 2008-16. Quellen: Eurostat, Deutsche Bank Research Konjunkturboom kein Grund für fiskalische Selbstzufriedenheit 8 | 8. August 2017 Ausblick Deutschland – bereits in einem deutlichen Rückgang der Staatsschuldenquote niederge- schlagen haben. In der Tat stehen die deutschen Staatsfinanzen aktuell so gut da wie lange nicht mehr: Der gesamtstaatliche Finanzierungssaldo (aus Bund, Ländern, Gemeinden und Sozialversicherungsträgern einschließlich Sonder- haushalten) lag 2016 laut Maastricht-Definition mit rund EUR 23,7 Mrd. (ca. 0,8% des BIP) das dritte Jahr in Folge im Plus (siehe Grafik 4). Die öffentlichen Haushalte profitierten auf der Ausgabenseite von den niedrigen (und weiterhin sinkenden) Zinsausgaben und auf der Einnahmenseite von sprudelnden Steuer- einnahmen und Sozialbeiträgen. Trotz einer bereits spürbaren Ausweitung der gesamtstaatlichen Primärausgaben (Staatsausgaben vor Schuldzinsen), insbe- sondere im Bereich der Sozialausgaben (Stichworte: „Rente mit 63“, „Mütter- rente“, etc.), dürfte die günstige Entwicklung der öffentlichen Finanzen zumin- dest kurz- bis mittelfristig dank brummender Konjunktur und dynamisch wach- sender Staatseinnahmen andauern. In dem aktuellen Stabilitätsprogramm von 2017 plant die jetzige Bundesregie- rung für den Zeitraum 2017 bis 2021 mit durchgängig positiven (gesamtstaatli- chen) Haushaltssalden (siehe Grafik 4), die – bei anhaltend günstigem Konjunk- turverlauf und niedrigen Zinsen – zu einer stark rückgängigen Schuldenquote bis 2021 führen könnten. Laut Bundesregierung könnte die Schuldenquote 2020 erstmals seit 2002 wieder unterhalb der Maastricht-Grenze von 60% des BIP sinken (siehe Grafik 5). Auch wenn ein solcher Rückgang der Schuldenquote nicht unrealistisch erscheint, hängt eine weiterhin günstige Entwicklung der deutschen Staatsfinanzen in hohem Maße von einer anhaltend guten Konjunk- tur und einem weiteren dynamischen Zuwachs bei den Staatseinnahmen (Steu- ern, Sozialbeiträge) ab. Insbesondere der starke Zuwachs bei den Sozialausga- ben (Rente, Arbeit, Gesundheit) birgt das Risiko, dass die öffentlichen Haus- halte langfristig unter großen Druck geraten könnten, spätestens dann, wenn die Konjunktur nicht mehr so rundläuft wie jetzt, die Zinsen wieder steigen und die Alterung der Gesellschaft dazu führt, dass das Wachstum der Einnahmen nicht mehr mit den Ausgabensteigerungen Schritt halten kann. Keine Haushaltsüberschüsse (und deutlich mehr Schulden) ohne Nullzinsen Um zu sehen, wie stark der deutsche Staat von den Negativ- bzw. Nullzinsen profitiert (bzw. bereits profitiert hat), kann man einen Blick auf den Verlauf des impliziten Zinssatzes werfen. Dieser „Durchschnittszinssatz“ – der sich rechne- risch aus den in einem Haushaltsjahr zu leistenden gesamtstaatlichen Zinsaus- gaben im Verhältnis zum am Ende des vorherigen Haushaltsjahres vorherr- schenden Schuldenstands ergibt – ist seit Ausbruch der globalen Finanz- und Wirtschaftskrise immer tiefer gesunken und hat sich von rund 4,2% p.a. im Jahr 2008 auf nur noch 2% p.a. 2016 mehr als halbiert (siehe Grafik 1). Aus diesem Grund ist die Zinslast des deutschen Fiskus trotz des nach Ausbruch der globa- len Finanzkrise ausgelösten Schuldenanstiegs merklich gefallen (siehe Grafik 5). Während in den fünf Jahren vor Ausbruch der Finanzmarktkrise 2007 jährlich im Durchschnitt noch rund EUR 64 Mrd. an Zinszahlungen flossen (ca. 2,8% des BIP), musste der Staat 2016 nur noch EUR 43 Mrd. an Zinsen berappen (1,4% des BIP). Wären die Zinsen zwischen 2008 und 2016 nicht immer tiefer gesunken, hätte der deutsche Staat (nach unseren Berechnungen) für seinen Zinsdienst im abgelaufenen Haushaltsjahr 2016 statt lediglich 1,4% des BIP mehr als doppelt so hohe 3,2% des BIP aufwenden müssen (siehe Grafik 6). Folglich hätte der gesamtstaatliche Haushalt nicht das dritte Jahr in Folge mit ei- nem Überschuss (von ca. 0,8% des BIP) abgeschlossen, sondern noch immer ein Defizit (von rund 1% des BIP) ausgewiesen (siehe Grafik 7). Dies verdeut- licht, dass die seit 2014 erwirtschafteten Haushaltsüberschüsse nur dank des Zinsverfalls erreicht worden sind (siehe Grafik 4 und 7). Die zwischen 2008 und -5 -4 -3 -2 -1 0 1 2 3 Haushaltssaldo Primärsaldo (Haushaltssaldo ohne Zinsausgaben) Struktureller Haushaltssaldo* Haushaltsüberschüsse seit 2014 4 % BIP (Gesamtstaat) * Konjunkturbereinigt und exklusive Sondereffekte. Prognosen: Deutsches Stabilitätsprogramm (2017). Quellen: Eurostat, AMECO, Bundesfinanzministerium, Deutsche Bank Research 0 10 20 30 40 50 60 70 80 90 0,0 0,5 1,0 1,5 2,0 2,5 3,0 Zinsausgaben (linke Skala) Staatsverschuldung (rechte Skala) Quellen: Eurostat, AMECO, Bundesfinanzministerium, Deutsche Bank Research Laut Bundesregierung könnte die Schuldenquote 2020 unter 60% fallen 5 % BIP (Gesamtstaat) 0 2 4 6 8 10 I E E S P T F I D E E A 1 9 N L B E A T F R I T G R Zinsersparnis pro Jahr (hier: im Jahr 2016)* Zinsausgaben (tatsächlich) % BIP (2016) (Gesamtstaat) Quellen: Eurostat, AMECO, Deutsche Bank Research * Differenz zwischen den tatsächlichen und hypothetischen Zinszahlungen des Gesamtstaates. Die hypothetischen Zinszahlungen wurden auf Basis eines konstanten impliziten Zinssatzes (auf dem Niveau von 2007) für den Betrachtungszeitraum 2008-16 errechnet. Niedrigzinsen drücken die Zins- ausgaben vieler Eurozonen-Staaten 6 Konjunkturboom kein Grund für fiskalische Selbstzufriedenheit 9 | 8. August 2017 Ausblick Deutschland 2016 kumulierte Zinsersparnis des deutschen Fiskus ist dabei noch ein Vielfa- ches größer und beläuft sich unseren Berechnungen nach auf fast EUR 260 Mrd. (8,2% der letztjährigen Wirtschaftsleistung). Mit anderen Worten: Wäre der implizite Zinssatz (auf die deutsche Staatsschuld) nicht immer weiter gefallen, hätte die deutsche Staatsverschuldungsquote Ende 2016 nicht 68,3% des BIP, sondern mehr als 75% des BIP betragen 1 . Die aufgrund des Niedrigzinsumfel- des eingetretenen haushaltsentlastenden bzw. schuldendämpfenden Effekte sind jedoch keineswegs ein rein deutsches Phänomen. Vielmehr haben die Staatshaushalte vieler anderen Eurozonen-Staaten ebenso in sehr hohem Maße von dem Niedrigzinsniveau profitiert. So liegen z.B. die kumulierten Zins- ersparnisse Frankreichs mit geschätzten EUR 250 Mrd. nicht weit unterhalb des deutschen Niveaus. Relativ zur nationalen Wirtschaftsleistung fielen sie (mit rund 11% des BIP) sogar deutlich großer aus als in Deutschland. In der Tat liegt Deutschland mit einer kumulierten Zinsersparnis von etwas mehr als 8% des letztjährigen BIP unterhalb des Eurozonen-Durchschnitts (von rund 9% des BIP) und deutlich unterhalb großer Schuldnernationen wie Frankreich, Belgien oder Italien (siehe Grafik 8). Zinswende und demografiebedingte Lasten drohen, die deutschen Staatsfinanzen ab Mitte der nächsten Dekade erheblich unter Druck zu setzen Es ist unrealistisch anzunehmen, dass die öffentliche Finanzlage Deutschlands auf Dauer in der gegenwärtigen Idealverfassung bleibt. So dürfte der Zinsdienst bei einer einsetzenden geldpolitischen Normalisierung der EZB mittel- bis lang- fristig wieder Druck auf die öffentlichen Finanzen ausüben. Des Weiteren wird die Alterung der deutschen Gesellschaft stark voranschreiten und die öffentli- chen Haushalte bereits in naher Zukunft spürbar belasten, einerseits über sich schwächer entwickelnde Staatseinnahmen (Steuern, Sozialbeiträge) – aufgrund eines Rückgangs der Erwerbstätigen und damit einer sinkenden Potenzial- wachstumsrate – und andererseits über stark ansteigende Staatsausgaben (ins- besondere in den Bereichen gesetzliche Rente, Gesundheit und soziale Pflege). Spätestens Mitte/Ende der nächsten Dekade dürften die „altersreagiblen“ Aus- gaben des Staates (d.h. jene in den Bereichen Rente, Gesundheit und sozialer Pflege) im Verhältnis zum BIP deutlich ansteigen und damit erheblichen Druck auf die Staatsausgaben entfalten 2 . Nach Einschätzung des Bundesfinanzminis- teriums befindet sich Deutschland derzeit noch in einer sogenannten „demogra- fischen Atempause“, die jedoch spätestens Mitte/Ende der nächsten Dekade enden sollte, wenn zunehmend mehr Rentner die staatlichen Rentenkassen (bzw. öffentlichen Haushalte und/oder Beitragszahler) belasten und eine abneh- mende Erwerbsbevölkerung auf das Wachstumspotenzial drückt. Eine Kenn- zahl, die dies auf den Punkt bringt, ist der Alterslastenquotient, der die Bevölke- rung im Alter von 65 und mehr Jahren ins Verhältnis zur Bevölkerung im Alter von 15 bis 64 Jahren setzt. Auf Basis der aktuellen Bevölkerungsprognosen von Eurostat dürfte diese Kennzahl ab Anfang der nächsten Dekade deutlich anstei- gen (siehe Grafik 9). Die Simulationsergebnisse des Bundesfinanzministeriums zur langfristigen Tragfähigkeit der Staatsfinanzen zeigen, dass die deutsche Staatsschuldenquote bei einer ungünstigen Entwicklung (bzgl. Bevölkerungs- und BIP-Wachstum, Anstieg der altersreagiblen Ausgaben etc.) – und ohne ent- sprechendes politisches Gegensteuern – bis Ende 2060 auf rund 220% des BIP 1 Die Deutsche Bundesbank kommt in ihrem Monatsbericht Juli 2017 zu ähnlichen Ergebnissen, schätzt die kumulierte Zinsersparnis allerdings auf etwas geringere EUR 240 Mrd. bzw. 7,7% des letztjährigen BIP. 2 Eine vertiefte Analyse der Staatsfinanzen im Kontext der Alterung der Gesellschaft findet sich in Becker, Sebastian. Deutsche Staatsfinanzen: Überschüsse dank Vollbeschäftigung und Nullzins, -8 -6 -4 -2 0 2 ES FR BE IT PT FI AT EA19 IE NL GR DE Haushaltssaldo (tatsächlich) Haushaltsentlastender Effekt* Haushaltssaldo (hypothetisch**) * Differenz zwischen den tatsächlichen und hypothetischen Zinszahlungen des Gesamtstaates. **Die hypothetischen Zinszahlungen wurden auf Basis eines konstanten impliziten Zinssatzes (auf dem Niveau von 2007) errechnet. Quellen: Eurostat, AMECO, Deutsche Bank Research % BIP (2016) (Gesamtstaat) Niedrigzinsen entlasten die Staats- haushalte der Eurozone in hohem Maße 7 0 5 10 15 20 25 GR AT FR IT NL BE EA19 DE FI PT IE ES % BIP (2016) (Gesamtstaat) Quellen: Eurostat, AMECO, Deutsche Bank Research Kumulierte Zinsersparnis* aus- gewählter Staaten der Eurozone 8 * Kumulierte Differenz zwischen den tatsächlichen und hypothetischen Zinszahlungen des Gesamtstaates. Die hypothetischen Zinszahlungen wurden auf Basis eines konstanten impliziten Zinssatzes (auf dem Niveau von 2007) errechnet. 0 10 20 30 40 50 60 90 95 00 05 10 15 20 25 30 35 40 45 50 55 60 Alterslastenquote, 1. Variante (Anteil der Bevölkerung im Alter von 65 und mehr Jahren bezogen auf die Bevölkerung im Alter von 15 bis 64 Jahren) Die Alterslastquote dürfte ab Anfang der nächsten Dekade stark ansteigen 9 Quellen: Eurostat, Deutsche Bank Research Konjunkturboom kein Grund für fiskalische Selbstzufriedenheit 10 | 8. August 2017 Ausblick Deutschland ansteigen könnte 3 . Trotz dieses recht alarmierenden Befundes scheinen die langfristigen Risiken für die Staatsfinanzen im aktuellen Bundestagswahlkampf keine größere Rolle zu spielen. Vielmehr hat die aktuelle volkswirtschaftliche und fiskalische Schönwetterlage allseits Steuersenkungs- und Ausgabensteige- rungswünsche geweckt, die in vielfältigsten Formen Eingang in die Wahlpro- gramme der Parteien gefunden haben (siehe auch unsere aktuellen Publikatio- nen zu den deutschen Staatsfinanzen 4 und den sozialpolitischen Vorschlägen im Vorfeld der Bundestagswahl 5 ). Um die Wirtschaft und die Staatsfinanzen für die voranschreitende Alterung der Bevölkerung zu wappnen und die Notwendigkeit abrupter und scharfer fiskali- scher Anpassungen in der Zukunft zu vermeiden, sollten im Hinblick auf die im September anstehende Bundestagswahl nicht immer weitere Wahlgeschenke (Steuersenkungen, Ausgabensteigerungen) versprochen werden, die dauerhaft nur schwer solide gegenfinanziert werden können. Auf Basis des aktuell gülti- gen Stabilitätsprogrammes der Bundesregierung dürften die gesamtstaatlichen Ausgaben bereits 2017 und 2018 laut Planung signifikant stärker wachsen als die Einnahmen (siehe Grafik 10). Dies ist unter anderem auch das Ergebnis der alternden Gesellschaft bzw. Wählerschaft. Aufgrund des zahlenmäßigen An- stiegs der älteren Bevölkerung richten die Parteien zunehmend ihre Politik an älteren Wählerschichten aus. Während dank der aktuellen volkswirtschaftlichen Schönwetterlage leicht der falsche Eindruck entstehen könnte, dass die starke Haushaltslage ewig währt (die derzeit noch stark von der demografischen Atem- pause begünstigt wird), wird es in Zukunft – wenn die demografische Rechnung bezahlt werden muss – immer schwieriger werden, die für die Haushaltsanpas- sungen notwendigen politischen Mehrheiten zu organisieren. Sebastian Becker (+49 69 910-21548, sebastian-b.becker@db.com) Erklärung zur Berechnung der kumulierten Zinsersparnis: Es wurde der hypo- thetische Verlauf der Zinsausgaben (bzw. des Haushaltssaldos) und der Ver- schuldung berechnet, so wie er eingetreten wäre, wenn der implizite Zinssatz auf die Staatsschuld in dem Betrachtungszeitraum auf dem Niveau von 2007 (ca. 4,2%) verblieben wäre. Alle sonstigen den Haushalt und Schuldenstand be- einflussenden Größen (wie z.B. das BIP-Wachstum, die Staatseinnahmen oder Ausgaben vor Zinszahlung) fließen auf Basis ihrer tatsächlichen Werte in die obige Rechnung ein. aber Demografie droht! Deutsche Bank Research. Deutschland-Monitor Bundestagswahl 2017. 10. Juli 2017. 3 Siehe „Vierter Tragfähigkeitsbericht der öffentlichen Finanzen“ und „Deutsches Stabilitätspro- gramm, Aktualisierung 2017“. Bundesfinanzministerium. 4 Siehe Becker, Sebastian. Deutsche Staatsfinanzen: Überschüsse dank Vollbeschäftigung und Nullzins, aber Demografie droht! Deutsche Bank Research. Deutschland-Monitor Bundestags- wahl 2017. 10. Juli 2017. 5 Siehe Bräuninger, Dieter. Parteien schreiben Zukunftsvorsorge zu klein: Sozialpolitische Vor- schläge in Zeiten guter Konjunktur. Deutsche Bank Research. Deutschland-Monitor Bundestags- wahl 2017. 10. Juli 2017. -1 0 1 2 3 4 5 12 13 14 15 16 17 18 19 20 21 Sonstige Ausgaben* Sozialleistungen Bruttoanlageinvestitionen Zinsausgaben Subventionen Staatlicher Konsum Löhne und Gehälter Gesamteinnahmen Gesamtausgaben Prozentuale Veränderung gg. Vj. und Wachstumsbeiträge in Prozentpunkten *Sonstige laufende Ausgaben und sonstige Investitions - ausgaben. Die Projektionen der Einnahmen und Ausgaben entstammen dem Deutschen Stabilitätsprogramm (2017). Quellen: Eurostat, AMECO, Bundesfinanzministerium, Deutsche Bank Research Laut Stabilitätsprogramm dürften die Staatsausgaben 2017/18 deutlich stärker als die Einnahmen wachsen 10 Konjunkturboom kein Grund für fiskalische Selbstzufriedenheit 11 | 8. August 2017 Ausblick Deutschland EZB: Zwei Schritte vorwärts, einer zurück — Draghi, ein moderater Falke, hat leicht zurückgerudert. Die Presseerklärung der letzten Ratssitzung enthielt mehrere taubenhafte Elemente; unter ande- rem verwendete Draghi häufig das Wort „Geduld“, das Peter Praet gern nutzt, um einer gewissen Vorsicht Ausdruck zu verleihen. Gleichzeitig hat die Straffung der Finanzmarktbedingungen nach der Rede von Sintra Draghi nicht veranlasst, „korrigierende“ Signale an die Märkte zu senden. — Draghi hat sich im Zeitablauf als bester Frühindikator für den Kurs der EZB erwiesen. Er muss seine Argumentation noch einmal neu fassen und sich Unterstützung sichern (und weitere Belege sammeln), bevor er – entspre- chend der in Sintra ausgedrückten Zuversicht – mit seiner Politik fortfahren kann. Anscheinend setzt Draghi auf Wachstum, frei nach dem Motto: Wenn man der Konjunkturerholung nur genügend Zeit lässt, wird die Inflation schon anziehen. Diese These vertrat Draghi in Sintra, und daran hält er nach wie vor fest. — Der Rat vermied es bewusst, Andeutungen zum Zeitpunkt einer geldpoliti- schen Entscheidung zu machen. Wahrscheinlich wird ein Ausstieg am 26. Oktober angekündigt; nur in unserem Risikoszenario rechnen wir damit bereits am 7. September. Im Auge behalten sollte man die Inflation/die Infla- tionserwartungen, die Finanzmarktbedingungen und das Wachstum. Das kräftige BIP-Wachstum im zweiten Quartal hat dazu beitragen, den steigen- den Wechselkurs zu kompensieren und das Vertrauen in die beginnende In- flationsbeschleunigung zu stärken. — Wir rechnen weiterhin mit einem langsamen Ausstieg der EZB. Wahrschein- lich im Oktober dürfte eine Fortsetzung der QE mit einem geringeren Volu- men von EUR 40 Mrd. pro Monat bis Mitte 2018 bekanntgegeben werden. Bei enttäuschenden Inflationsdaten, einer falkenhaften Überreaktion des Marktes oder Anzeichen für eine Wachstumsverlangsamung dürfte es Draghi schwerer fallen, den Worten aus Sintra Taten folgen zu lassen. Da zudem breiter Konsens darüber herrscht, dass „Geduld“ nötig ist, könnte die EZB vorübergehend sogar die QE mit dem derzeitigen Volumen verlängern. Der moderate Falke Draghi hat leicht zurückgerudert Die Presseerklärung enthielt einige taubenhafte Elemente: Die Aussagen zur In- flation blieben unverändert; bisher wurden die Ausschüsse nicht beauftragt, ver- schiedene Optionen auszuloten; Draghi verwendete das von Praet gern ge- nutzte Wort „Geduld“; der in Sintra verwendete Begriff „Reflation“ wurde tech- nisch neu interpretiert und Draghi wies erneut auf die Flexibilität des Kaufpro- gramms für Vermögenswerte hin, was signalisiert, dass das Programm erforder- lichenfalls fortgesetzt werden kann. Gleichzeitig sagte Draghi zwar, dass restriktivere Finanzmarktbedingungen „das Letzte“ seien, was die EZB benötige – dies entspricht unserer Auffassung, dass eine nachhaltige Straffung der Finanzmarktbedingungen die für den Ausstieg notwendige konjunkturelle Mindestgeschwindigkeit gefährden könnte –, zeigte sich aber gleichzeitig vom restriktiveren Kurs der Märkte nach seiner Rede in Sintra unbeeindruckt. Unserem FCI (Index für die Finanzmarktbedingungen) zu- folge sind die Finanzmarktbedingungen weiterhin lockerer als im Durchschnitt des ersten Quartals. Draghi hat den Märkten keine korrigierenden Signale gege- ben. Unseres Erachtens sind Draghis Äußerungen während seiner Amtszeit bisher der beste Indikator für den Kurs der EZB gewesen. In Sintra verlieh der EZB- Präsident einem Sinneswandel Ausdruck. Allerdings muss er seine Kollegen Konjunkturboom kein Grund für fiskalische Selbstzufriedenheit 12 | 8. August 2017 Ausblick Deutschland noch überzeugen, wenn der in Sintra geäußerte Optimismus in den kommenden Monaten zu einer Ausstiegsentscheidung führen soll. Daher rührt der Eindruck, Draghi habe bei der vergangenen Sitzung zurückgerudert. Er muss seine Argu- mentation noch einmal neu fassen und sich Unterstützung sichern (und weitere Belege sammeln), bevor er mit seiner Politik fortfahren kann. Anscheinend setzt Draghi dafür auf Wachstum. Draghi setzt auf Wachstum „Zuversicht“ war ein Begriff, der während der gesamten Pressekonferenz immer wieder auftauchte. In Sintra hatte sich diese Zuversicht noch direkt auf die Infla- tion und die Argumentation bezogen, die niedrigen Inflationsraten seien vo- rübergehender Natur. Jetzt jedoch zeigte sich Draghi in Bezug auf das Wirt- schaftswachstum zuversichtlich, das sich „fraglos verbessert“ habe. Das Wachs- tum bietet Draghi die argumentative Basis, um den Konsens im Rat so zu beein- flussen, dass sich die Mehrheit seiner in Sintra vertretenen Auffassung an- schließt. Wie Draghi in Sintra darlegte, gibt es zwar Anzeichen für eine Abfla- chung der Phillips-Kurve aufgrund der Unterbeschäftigung; der Verlauf der Phil- lips-Kurve hängt jedoch nicht linear von der augenblicklichen Position im Kon- junkturzyklus ab. Wenn man der Konjunkturerholung nur genügend Zeit lässt, zieht die Inflation schon an. Diese These vertrat Draghi in Sintra, und daran hielt er auch in der Pressekonferenz fest. Der einzige wesentliche Gesichtspunkt, der in der Presseerklärung zusätzlich genannt wurde, war der Hinweis darauf, dass die EZB auf die Beziehung zwischen Wachstum und Inflation vertraue. Wie geht es weiter? Der Rat vermied es bewusst, Andeutungen zum Zeitpunkt einer geldpolitischen Entscheidung zu machen – ungeachtet der Frage, ob das Programm mit dem derzeitigen Volumen von EUR 60 Mrd. fortgesetzt wird oder ob das Volumen verringert wird. Damit sinkt die Wahrscheinlichkeit, dass bereits im September eine Entscheidung fällt. Der Dezember-Termin könnte wiederum als zu spät an- gesehen werden, da langfristige Unsicherheit über den geldpolitischen Kurs zu Marktvolatilität führen könnte. Der wahrscheinlichste Termin für eine Ankündi- gung ist wohl der 26. Oktober, wobei den Ausschüssen am 7. September ein Auftrag erteilt wird. Dass bereits im September eine geldpolitische Entscheidung getroffen wird, ist wohl nur als Risikoszenario anzusehen. Drei Dinge sollten im Auge behalten werden. Erstens die Inflation und die Inflati- onsprognosen/-erwartungen. Wir rechnen weiterhin mit einer allmählichen Be- schleunigung der Kerninflation in den kommenden Monaten. Zweitens die Fi- nanzmarktbedingungen. Eine Überreaktion der Märkte – einschließlich einer Aufwertung des Euro – könnte das Wachstum dämpfen und zu einer Abwärts- korrektur der Inflationsprognosen führen. Dann würde der Ausstieg wohl ge- stoppt, bevor er richtig beginnen könnte. Drittens das Wirtschaftswachstum. Die Bedeutung der Wachstumsdynamik ist mit Blick auf das Vertrauen der EZB in eine allmähliche Normalisierung der Inflation nicht zu unterschätzen. Obwohl das BIP-Wachstum im Euroraum nach der Vorabschätzung mit 0,6% gg. Vorquartal in Q2– wie erwartet – kräftig zugelegt hat, dürfte die EZB nicht überstürzt bereits im September einen Ausstieg beschließen. Das kräftige Wachstum sollte jedoch die Auffassung bestätigen, dass der Ausstieg kurz be- vorsteht. So müssten die BIP-Prognosen der EZB nur um ein paar Zehntelpro- zentpunkte nach oben korrigiert werden, um die Auswirkungen des stärkeren Euro auf die Prognose für die Kerninflation zu kompensieren. 0,3 0,4 0,5 0,6 0,7 0,8 0,9 1,0 16 17 Wahlen in Frankreich A n s t i e g = L o c k e r u n g R ü c k g a n g = S t r a f f u n g Reaktion auf Sintra Finanzmarktbedingungen bereiten der EZB noch keine Sorgen ... 1 Quellen: Deutsche Bank, Bloomberg Finance LP, Haver Analytics LP Marktbasierter FCI, Zahl der Standardabweichungen vom Mittelwert Brexit -15 -10 -5 0 5 10 15 -1,5 -1,0 -0,5 0,0 0,5 1,0 1,5 2008 2010 2012 2014 2016 DB FCI, 12-Monats-Veränderung (links) Kreditimpuls, 12-Monats-Veränderung (rechts) Kreditimpuls steht mit Mindestausstiegs- geschwindigkeit Quellen: Deutsche Bank, Bloomberg Finance LP, Haver Analytics LP ... nachhaltige Straffung des FCI würde aber die Ausstiegsbedin- gungen gefährden 2 Konjunkturboom kein Grund für fiskalische Selbstzufriedenheit 13 | 8. August 2017 Ausblick Deutschland Unsere Auffassung Wir rechnen weiterhin mit einem langsamen Ausstieg der EZB. Wahrscheinlich im Oktober dürfte eine Fortsetzung der QE mit einem geringeren Volumen be- kanntgegeben werden, nämlich EUR 40 Mrd. pro Monat bis Mitte 2018. Bei ent- täuschenden Inflationsdaten, einer falkenhaften Überreaktion des Marktes oder Anzeichen für eine Wachstumsverlangsamung dürfte es Draghi schwerer fallen, den Worten aus Sintra Taten folgen zu lassen. Da zudem breiter Konsens dar- über herrscht, dass „Geduld“ nötig ist, könnte die EZB vorübergehend sogar die QE mit dem derzeitigen Volumen verlängern. Mark Wall (+44 20 754-52087, mark.wall@db.com) Stefan Schneider (+49 69 910-31790, stefan-b.schneider@db.com) Konjunkturboom kein Grund für fiskalische Selbstzufriedenheit 14 | 8. August 2017 Ausblick Deutschland DB Makro-Überraschungsindex Deutschland Der DB Makro-Überraschungsindex vergleicht den Wert der veröffentlichten Konjunkturdaten mit den Markterwartun- gen und liefert damit Hinweise über die Richtung künftiger Prognoseanpassungen. Neu berechnet von Marc Schattenberg und Jochen Möbert (+49 69 910-31727, jochen.moebert@db.com) Quelle: Heiko Peters (2014). DB Makro-Überraschungsindex Deutschland. Ausblick Deutschland, 4. August 2014. 0 Letzte 20 veröffentlichte deutsche Konjunkturdaten DX -0,5 -0,4 -0,3 -0,2 -0,1 0,0 0,1 0,2 0,3 0,4 0,5 14 15 16 17 DB Makro-Überraschungsindex +/- 1 Standardabweichung DB Makro - Überraschungsindex Deutschland Durchschnitt der z-Werte der vergangenen 20 Datenüberraschungen Werte über (unter) 0 bedeuten über (unter) der Markterwartung liegende Datenveröffentlichungen Quellen: Bloomberg Finance LP, Deutsche Bank Research Bloomberg Ticker Indikator Berichts- monat Veröffentlich- ungsdatum Aktueller Wert Bloomberg Konsensus Überra- schung Standardisierte Überraschung Quantils- rang GRIMP95Y Index Importpreise (% gg. Vj.) 5 2017 28/06/2017 4.1 4.6 -0.5 -0.1 0.4 GRFRIAMM Index Einzelhandelsumsätze (% gg. Vm.) 5 2017 30/06/2017 0.5 0.3 0.2 0.4 0.7 GRUECHNG Index Veränderung Arbeitslose (Tsd. gg. Vm.) 6 2017 30/06/2017 6.0 -10.0 -16.0 -0.8 0.1 MPMIDEMA Index PMI Verarbeitendes Gew erbe 6 2017 03/07/2017 59.6 59.3 0.3 0.3 0.7 MPMIDESA Index PMI Dienstleistungssektor 6 2017 05/07/2017 54.0 53.7 0.3 0.4 0.7 GRIORTMM Index Auftragseingänge (% gg. Vm.) 5 2017 06/07/2017 1.1 1.9 -0.8 -0.4 0.3 GRIPIMOM Index Industrieproduktion (% gg. Vm.) 5 2017 07/07/2017 1.2 0.2 1.0 0.9 0.8 GRCAEU Index Leistungsbilanzsaldo (EUR Mrd.) 5 2017 10/07/2017 17.3 15.4 1.9 0.2 0.6 GRCP20YY Index VPI (% gg. Vj.) 6 2017 13/07/2017 1.6 1.6 0.0 0.2 0.3 GRZEWI Index ZEW - Konjunktur (Erw artungen) 7 2017 18/07/2017 17.5 18.0 -0.5 0.0 0.5 GRZECURR Index ZEW - Konjunktur (Situation) 7 2017 18/07/2017 86.4 88.0 -1.6 -0.4 0.3 GRIMP95Y Index Importpreise (% gg. Vj.) 6 2017 25/07/2017 2.5 2.9 -0.4 0.0 0.4 GRIFPBUS Index ifo Geschäftsklimaindex 7 2017 25/07/2017 116.0 114.9 1.1 0.7 0.7 GRCP20YY Index VPI (% gg. Vj.) 7 2017 28/07/2017 1.7 1.7 0.0 0.2 0.3 GRFRIAMM Index Einzelhandelsumsätze (% gg. Vm.) 6 2017 31/07/2017 1.1 0.2 0.9 1.0 0.9 MPMIDEMA Index PMI Verarbeitendes Gew erbe 7 2017 01/08/2017 58.1 58.3 -0.2 -0.2 0.3 GRUECHNG Index Veränderung Arbeitslose (Tsd. gg. Vm.) 7 2017 01/08/2017 -8.0 -5.0 3.0 -0.1 0.5 MPMIDESA Index PMI Dienstleistungssektor 7 2017 03/08/2017 53.1 53.5 -0.4 -0.4 0.3 GRIORTMM Index Auftragseingänge (% gg. Vm.) 6 2017 04/08/2017 1.0 0.5 0.5 0.2 0.6 GRIPIMOM Index Industrieproduktion (% gg. Vm.) 6 2017 07/08/2017 -1.1 0.2 -1.3 -1.1 0.1 Quellen: Bloomberg Finance LP, Deut sche Bank Research Konjunkturboom kein Grund für fiskalische Selbstzufriedenheit 15 | 8. August 2017 Ausblick Deutschland Deutscher Exportindikator Der Exportindikator identifiziert die Auswirkungen von globalen Nachfrageveränderungen und von Währungs- bewegungen (Preisimpuls) auf die deutschen Exporte. 6 Jochen Möbert (+49 69 910-31727, jochen.moebert@db.com) 6 Siehe für Details Ausblick Deutschland, 3. März 2016. Konjunkturboom kein Grund für fiskalische Selbstzufriedenheit 16 | 8. August 2017 Ausblick Deutschland Deutschland: Termine der Finanz-, der Wirtschafts- und der Europapolitik Datum Ereignis Anmerkungen Bis 4. Sep. Deutscher Bundestag Parlamentarische Sommerpause. 7. Sep. Sitzung des EZB-Rates, Pressekonferenz Wir erwarten weiterhin einen langsamen Ausstieg aus der unkonventionellen Geldpoli- tik. Insbesondere erwarten wir – voraussichtlich am 26. Oktober, als Risikoszenarium am 7. September – die Entscheidung, dass das QE-Programm verlangsamt und zeitlich gestreckt wird, und zwar bis Mitte 2018 mit reduzierter Gangart von EUR 40 Mrd pro Monat. 15./16. Sep. Eurogruppe und ECOFIN, Tallin Thematische Debatte über Wachstum u. Beschäftigung: wirtschaftliche Widerstandsfä- higkeit in der EWU; (möglicherweise) Lage in Griechenland. 24. Sep. Bundestagswahl Aktuellen Umfragen zufolge dürfte die CDU/CSU klar stärkste Partei werden. Welche Koalition die nächste Regierung bilden wird, ist derzeit aber noch offen. 9./10. Okt. Eurogruppe und ECOFIN, Luxemburg Debatte über (internationale) Wechselkursentwicklungen; Thematische Debatte über Wachstum u. Beschäftigung: Finanzierung der Absenkung von Steuern u. Abgaben auf Arbeitseinkommen; (möglicherweise) Portugal - Überwachung nach Programmab- schluss (6. Prüfung); Lage in Griechenland. 19./20. Okt. Europäischer Rat, Brüssel (Möglicherweise) Debatte über die Zukunft der EU27 und (mögl.) über Brexit-Verhand- lungen. 26. Okt. Sitzung des EZB-Rates, Pressekonferenz Wir erwarten eine Ankündigung des Tapering. Siehe Eintrag unter 7. September. 6./7. Nov. Eurogruppe und ECOFIN, Brüssel (Möglicherweise) Debatte über wirtschaftliche Lage – Herbstprognose 2017 der Kom- mission und Inflationsentwicklung, thematische Debatte über Wachstum und Beschäfti- gung – Qualität öffentlicher Finanzen: Investitionen in Humankapital u.a. Quelle: Deutsche Bank Research Dieter Bräuninger (+49 69 910-31708, dieter.braeuninger@db.com) Deutschland: Datenkalender Datum Uhrzeit Daten Berichtszeitraum DB Schätzung Letzter Wert 4 Aug 2017 8:00 Auftragseingang im Ver. Gewerbe (% gg. Vm., sb.) Juni 0,8 1,0 7 Aug 2017 8:00 Industrieproduktion (% gg. Vm., sb.) Juni 1,5 1,2 8 Aug 2017 8:00 Handelsbilanz (EUR Mrd., sb.) Juni 20,5 20,3 8 Aug 2017 8:00 Warenexporte (% gg. Vm., sb.) Juni 1,2 1,5 8 Aug 2017 8:00 Warenimporte (% gg. Vm., sb.) Juni 1,3 1,3 15 Aug 2017 8:00 Reales BIP (% gg. Vq., sb.) Q2 2017 0,8 0,6 24 Aug 2017 9:30 PMI Verarbeitendes Gewerbe (Flash) August 58,0 58,1 24 Aug 2017 9:30 PMI Dienstleistungssektor (Flash) August 53,0 53,1 25 Aug 2017 8:00 Reales BIP (% gg. Vq., sb.) - Details Q2 2017 0,8 0,6 25 Aug 2017 10:30 ifo Geschäftsklima (Index, sb.) August 115,8 116,0 30 Aug 2017 14:00 Vorläufiger VPI (% gg. Vj., sb.) August 1,8 1,7 31 Aug 2017 8:00 Einzelhandelsumsätze (Index, sb.), % gg. Vm.* Juli 1,5 1,1 31 Aug 2017 09:55 Arbeitslosenrate (%, sb.) August 5,7 5,7 *lt. Statistischem Bundesamt auch früherer Veröffentlichungstermin möglich Quellen: Deutsche Bank Research, Statistisches Bundesamt, Bundesagentur für Arbeit, ifo, Markit Marc Schattenberg, Sebastian Becker & Jochen Möbert (+49 69 910-31727, jochen.moebert@db.com) Konjunkturboom kein Grund für fiskalische Selbstzufriedenheit 17 | 8. August 2017 Ausblick Deutschland Finanzmarktprognosen DX US JP EWU GB CH SE DK NO PL HU CZ Leitzinssatz, % Aktuell 1,125 -0,10 0,00 0,25 -0,75 -0,50 0,05 0,50 1,50 0,90 0,25 Dez 17 1,375 -0,10 0,00 0,25 -0,75 -0,50 0,05 0,50 1,50 0,90 0,25 Mrz 18 1,375 -0,10 0,00 0,25 -0,75 -0,50 0,50 1,50 0,90 0,75 Jun 18 1,625 -0,10 0,00 0,25 -0,75 -0,50 0,50 1,50 0,90 0,75 3M Geldmarktsatz, % Aktuell 1,31 0,08 -0,34 0,29 Dez 17 1,58 0,05 -0,30 0,40 Mrz 18 1,58 0,05 -0,30 0,40 Jun 18 1,83 0,05 -0,30 0,40 Rendite 10J Staatsanleihen, % Aktuell 2,21 0,07 0,36 1,16 Dez 17 2,75 0,00 0,65 1,50 Mrz 18 2,80 0,00 0,75 1,65 Jun 18 2,85 -0,03 0,85 1,70 Wechselkurse EUR/USD USD/JPY EUR/GBP GBP/USD EUR/CHF EUR/SEK EUR/DKK EUR/NOK EUR/PLN EUR/HUF EUR/CZK Aktuell 1,19 110,10 0,90 1,32 1,15 9,61 7,44 9,38 4,26 303,74 25,96 Dez 17 1,17 116,00 0,91 1,29 1,05 9,50 7,46 9,75 4,10 310,00 26,00 Mrz 18 1,18 117,00 0,92 1,28 1,06 9,38 7,46 9,69 4,20 312,50 25,93 Jun 18 1,19 118,00 0,93 1,28 1,08 9,25 7,46 9,63 4,28 315,00 25,85 Quellen: Bloomberg Finance LP, Deutsche Bank Research Konjunkturboom kein Grund für fiskalische Selbstzufriedenheit 18 | 8. August 2017 Ausblick Deutschland Deutschland: Datenmonitor DX Q3 2016 Q4 2016 Q1 2017 Q2 2017 Q3 2017 Mrz 2017 Apr 2017 Mai 2017 Jun 2017 Jul 2017 Aug 2017 Konjunkturumfragen Gesamtwirtschaft ifo Geschäftsklima 108,2 110,7 111,1 114,3 112,2 113,1 114,6 115,2 116,0 ifo Geschäftserwartungen 102,4 105,5 104,2 106,2 105,4 105,2 106,5 106,8 107,3 Produzierendes Gewerbe ifo Verarbeitendes Gewerbe 102,7 105,4 106,1 109,5 107,7 107,9 110,3 110,4 112,0 Produktion (% gg. Vp.) 0,2 0,0 1,2 0,2 0,7 1,2 Auftragseingang (% gg. Vp.) 0,1 4,2 -1,0 0,8 1,0 -2,1 1,1 1,0 Grad der Kapazitätsauslastung 84,8 85,7 85,9 86,0 86,7 Bauhauptgewerbe Produktion (% gg. Vp.) 1,7 -1,4 4,7 2,7 -0,7 -0,5 Auftragseingang (% ggü. Vp.) -4,6 8,2 0,4 -0,4 0,4 -6,6 ifo Bauhauptgewerbe 126,8 129,6 128,3 130,3 128,5 129,8 130,6 130,4 131,4 Konsumentennachfrage EC Konsumentenbefragung -2,5 -1,5 -0,6 3,6 0,2 2,8 3,1 5,0 5,2 Einzelhandelsumsätze (% gg. Vp.) 0,5 0,8 0,2 1,3 0,8 -0,3 0,5 1,1 Neuzulassungen PKW (% gg. Vj.) 4,2 -0,3 6,7 0,0 11,4 -8,0 12,9 -3,5 1,5 Außenhandel Auslandsaufträge (% gg. Vp.) 1,8 3,1 -0,4 1,0 4,6 -3,6 3,4 -2,0 Exporte (% gg. Vp.) -0,2 2,4 2,8 0,4 0,9 1,5 Importe (% gg. Vp.) 1,7 3,5 3,6 2,0 1,2 1,3 Nettoexporte (EUR Mrd.) 61,2 60,1 59,9 19,8 19,8 20,3 Arbeitsmarkt Arbeitslosenquote (%) 6,1 6,0 5,9 5,7 5,8 5,8 5,7 5,7 5,7 Veränderung Arbeitslosigkeit (Tsd. gg. Vp.) -28,3 -32,0 -59,7 -41,0 -28,0 -14,0 -8,0 6,0 -8,0 Beschäftigung (% gg. Vj.) 1,2 1,3 1,5 1,5 1,5 1,5 1,5 1,5 ifo Beschäftigungsbarometer 109,0 111,1 110,3 111,1 109,4 111,4 110,8 111,0 112,1 Preise, Löhne und Arbeitskosten Preise HVPI (% gg. Vj.) 0,4 1,0 1,9 1,6 1,5 2,0 1,4 1,5 1,5 Kern-HVPI (% gg. Vj.) 1,1 1,2 1,0 1,4 0,9 1,6 1,1 1,5 Harmonisierter PPI (% gg. Vj.) -1,7 0,2 2,8 2,8 3,1 3,4 2,8 2,4 Rohstoffe ohne Energie (% gg. Vj.) 2,9 19,2 32,7 8,9 26,3 16,5 8,3 2,0 2,7 Rohöl, Brent (USD/Bbl) 46,6 51,1 54,5 50,8 52,6 53,8 51,4 47,6 49,1 52,1 Inflationserwartungen EC Haushaltsumfrage 6,2 10,0 18,9 17,6 20,6 17,4 17,5 17,9 15,1 EC Unternehmensumfrage 3,0 6,2 13,0 12,2 13,8 11,7 13,4 11,4 11,9 Lohnstückkosten (gg. Vj.) Lohnstückkosten 1,8 2,3 1,1 Arbeitnehmerentgelt je Arbeitnehmer 2,3 2,3 2,3 Arbeitnehmerentgelt je Stunde 2,4 3,4 0,8 Monetärer Sektor (gg. Vj.) M3 6,6 5,7 6,0 5,6 6,0 5,1 4,9 5,6 Trend von M3* 5,7 5,5 5,3 5,2 Kredite an Unternehmen und Privatpersonen 2,6 2,9 3,3 3,8 3,3 3,1 3,2 3,8 Kredite an öffentliche Haushalte -0,1 8,9 21,0 4,1 21,0 11,5 9,9 4,1 % gg. VP = Veränderung gegenüber der Vorperiode; * zentrierter 3M-Durchschnitt Quellen: Bundesagentur für Arbeit, Deutsche Bundesbank, Europäische Kommission, Eurostat, Statistisches Bundesamt, HWWI, ifo, Markit 19 | 8. August 2017 Ausblick Deutschland Ausblick Deutschland Unsere Publikationen finden Sie unentgeltlich auf unserer Internetseite www.dbresearch.de Dort können Sie sich auch als regelmäßiger Empfänger unserer Publikationen per E-Mail ein- tragen. Für die Print-Version wenden Sie sich bitte an: Deutsche Bank Research Marketing 60262 Frankfurt am Main Fax: +49 69 910-31877 E-Mail: marketing.dbr@db.com Schneller via E-Mail: marketing.dbr@db.com * Konjunkturboom kein Grund für fiskalische Selbstzufriedenheit ...................................................... 8. August 2017 * Überhitzungsrisiken drohen ............................................... 7. Juli 2017 * Robuste Konjunktur unterstützt Merkels Wiederwahl ......... 6. Juni 2017 * Positive Signale ................................................................. 8. Mai 2017 * Öffentliche Investitionen und Wohnungsbau ziehen an ......................................................................... 7. April 2017 * Wachstum und Inflation dürften EZB noch kalt lassen ..................................................... 22. März 2017 * Risiken für den Export – trotz unterstützender EZB ................................................... 30. Januar 2017 * Ausblick 2017 – solide, trotz nachlassendem Rückenwind .......................................................... 16. Dezember 2016 * Schwache Industrieproduktion dämpft Lohnwachstum .......................................................... 28. Oktober 2016 * Schwierige Zeiten für deutsche Sparer ........................ 4. Oktober 2016 © Copyright 2017. Deutsche Bank AG, Deutsche Bank Research, 60262 Frankfurt am Main, Deutschland. Alle Rechte vorbehalten. Bei Zitaten wird um Quellenangabe „Deutsche Bank Research“ gebeten. Die vorstehenden Angaben stellen keine Anlage-, Rechts- oder Steuerberatung dar. 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