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18. März 2019
Nach einem stürmischen Winter scheint das wirtschaftliche Klima zum Frühjahrsanfang milder zu werden. Allerdings bestehen beträchtliche Abwärtsrisiken, welche diese Hoffnungen im Keim ersticken könnten. Deshalb geht es im Moment vor allem darum, unser optimistisches Basisszenario und die gestiegenen Risiken miteinander zu vereinbaren. [mehr]
Weltwirtschaftlicher Ausblick – Kurzfassung Kommt der Frühling? 18. März 2019 Autoren: himanshul.porwal@db.com, quinn.brody@db.com, jim.reid@db.com 18. März 2019 Internet: www.dbresearch.de Makroprognosen Welt — Nach einem stürmischen Winter scheint sich die Situation für die Weltwirtschaft etwas zu beruhigen. Allerdings bestehen beträchtliche Abwärtsrisiken, die den Aufschwung wieder aus dem Tritt bringen könnten. Deshalb geht es derzeit vor allem darum, unser optimistisches Basisszenario und die gestiegenen Risiken miteinander zu vereinba- ren. — Optimistisch stimmen die Anzeichen für eine Konjunkturbelebung in China und die trotz der erwarteten, vorübergehenden Schwächephase im ersten Quartal weiterhin robuste US-Wirtschaft. Ein Handelsabkommen zwischen den beiden Ländern wäre ein wichtiger Impuls. — Größere Risiken für die Weltwirtschaft gehen von Europa aus, wo die Wachstumsra- ten niedrig sind und sich noch verlangsamen. Die Lage sollte sich in diesem Jahr sta- bilisieren; wir behalten die Risiken jedoch genau im Blick. Die EZB dürfte ihre Geldpo- litik auf kurze Sicht nicht wesentlich ändern, sodass die Konjunktur anfällig bleibt. USA — Wir haben unsere BIP-Wachstumsprognose für Q1 auf annualisiert 1,5% gesenkt. Im weiteren Jahresverlauf sollte die Expansion jedoch kräftig bleiben, und wir prognosti- zieren für das Gesamtjahr ein Wachstum von 2,3%. Die Arbeitsmarktsituation verbes- sert sich weiter und deutet auf einen weiteren Anstieg der Konsumausgaben hin. Steuersenkungen und Staatsausgaben dürften die Konjunktur bis ins Jahr 2020 stüt- zen. — Unseres Erachtens bleiben die Inflationsrisiken bestehen. Bei Engpässen am Arbeits- markt (d.h., wenn die Arbeitslosenquote um über einen Prozentpunkt unter der natürli- chen Rate liegt) versteilt sich die Phillips-Kurve. Dementsprechend wird ein weiterer Rückgang der Arbeitslosenzahlen die Inflation künftig stärker nach oben treiben als in früheren Jahren. — Als Abwärtsrisiken sind vor allem folgende Punkte zu nennen: (i) Eskalation des Han- delskonflikts; (ii) deutliche Verschlechterung der finanziellen Bedingungen; (iii) Belas- tung des Wachstums durch die Konjunkturabschwächung in China/im Euroraum. Auf- wärtsrisiken könnten sich bei einer positiven Lösung des Handelskonflikts oder bei ei- ner weiteren Lockerung der finanziellen Bedingungen ergeben. Zuletzt fielen einige Daten etwas schwächer aus und die finanziellen Rahmenbedingungen wurden restrik- tiver, aber weitere Befürchtungen wären übertrieben. Der ISM stand zuletzt mit einem annualisierten BIP-Wachstum von rund 4% im Einklang. Euroraum — Im Euroraum schwächt sich die Wachstumsdynamik merklich ab. Wir prognostizieren für das Gesamtjahr ein Wachstum von 0,9%; sowohl Deutschland als auch Italien dürften mit 0,5% bzw. 0,3% unter diesem Wert liegen. Im Euroraum insgesamt sollte das Wachstum damit etwa der Trendrate entsprechen. — Die lahmende Exportnachfrage ist eine ernsthafte Belastung. Darüber hinaus beste- hen Sorgen um die Binnenkonjunktur: Beschäftigung und Investitionen schwächen sich ab. Das Verarbeitende Gewerbe in Deutschland schrumpft. — Es gibt jedoch Anzeichen für eine Stabilisierung. Unsere SIREN-Momentum- und - Surprise-Indizes haben sich im vergangenen Monat erholt. Auch einige harte Daten (z.B. Einzelhandelsumsätze in Deutschland, Konsumausgaben in Frankreich) und Umfrageindikatoren (z.B. Einkaufsmanagerindex für den Euroraum) sind wieder ange- stiegen. Kommt der Frühling? Autoren: jim.reid@db.com, quinn.brody@db.com, himanshu.porwal@db.com 18. März 2019 Internet: www.dbresearch.de — Die Abwärtsrisiken überwiegen: Ein „No-Deal“-Brexit, eine Eskalation des Handels- konflikts (US-Zölle auf Autos) oder ein Schuldenereignis in Italien könnten den Euro- raum in eine Rezession stürzen. China — Nach einer moderaten Verlangsamung des realen BIP-Wachstums im vergangenen Jahr rechnen wir mit einer weiteren Abschwächung und prognostizieren für Q1 bzw. Q2 Wachstumsraten von 6,1% bzw. 5,9%. Der offizielle Einkaufsmanagerindex ver- harrte im dritten Monat in Folge im Kontraktionsbereich. — Die finanziellen Bedingungen haben sich jedoch zuletzt verbessert und das Kredit- wachstum hat sich belebt. Die Gesamtkreditvergabe wuchs im Januar so stark wie nie zuvor, verlangsamte sich aber im Februar aufgrund des Neujahrsfestes wieder. — Wir rechnen in diesem Jahr mit politischen Lockerungsmaßnahmen. Mit 2,8% lag der angekündigte Zielwert für das Haushaltsdefizit etwas über unseren Erwartungen; die Steuern sollen stärker als erwartet gesenkt werden. Das Budgetdefizit könnte das Wachstum durchaus wieder belasten, insbesondere, wenn sich der Immobilienmarkt wie von uns erwartet abkühlt. — In der Geldpolitik ist angesichts des fortgesetzten, leichten Lockerungskurses mit eini- gen weiteren Zinssenkungen in diesem Jahr zu rechnen. Schwellenländer — Die Schwellenländer geraten von zwei Seiten unter Druck: die Binnennachfrage schwächt sich ab, und es kommt zu externem Gegenwind. Insgesamt prognostizieren wir weiterhin eine recht kräftige Wachstumsrate von 4,5%; eine spürbare Erholung in Brasilien sollte die Verlangsamung in China, Indien und anderen weiterentwickelten Ländern kompensieren. — Daher nehmen wir in Bezug auf die Schwellenländer derzeit eine neutrale Position ein, bleiben mittelfristig jedoch konstruktiv. Die Risiken sind vorwiegend externer Na- tur; das Wachstum in China, den USA und/oder Europa könnte sich stärker verlangsa- men. — Die Wachstumsdynamik hat sich vor allem in Asien abgeschwächt; China und export- orientierte Länder (Singapur, Taiwan etc.) stehen im Fokus. In Lateinamerika ist der Ausblick für Brasilien und Mexiko leicht positiv; in Argentinien ist dagegen mit einer weiteren Kontraktion zu rechnen. Im Raum CEEMEA stehen vor allem landesspezifi- sche Risiken für die Türkei (Zentralbank), Südafrika (Fiskalpolitik, mögliche Ratingher- abstufung) und Russland (Sanktionsrisiko) im Blickfeld. Im Vorfeld der Wahlen in mehreren Schwellenländern (Indien, Türkei, Südafrika, Argentinien, Indonesien usw.) könnte die dortige Konjunktur angekurbelt werden. Geldpolitik — Fed: Je eine Zinsanhebung im September 2019 und im Jahr 2020 — EZB: Leitzinsanhebung frühestens Ende 2020 — BoJ: Abwartend, Zielrenditen für Renditekurvenkontrolle unverändert, möglicherweise bis deutlich ins Jahr 2020 hinein — BoE: Eine Zinsanhebung im August 2019 — PBoC: Zwei weitere Senkungen der Mindestreserveanforderungen um jeweils 100 Bp. im Jahr 2019. Zwei Leitzinssenkungen um jeweils 25 Bp., eine in Q2 und eine in Q3 Wichtige Abwärtsrisiken — Rezession: Deutliche Wachstumsverlangsamung in China und Europa und entspre- chende Rezession/Korrektur an den Finanzmärkten könnte Wachstum der Weltwirt- schaft um 1–1,5%-Punkte dämpfen — Handelskonflikt: Deutliche Eskalation des Handelskonflikts und Ausweitung auf Eu- ropa (Zölle auf Autos) würden das Wachstum spürbar dämpfen — „Crash“-Brexit: Harter Brexit wäre vor allem für Großbritannien und die EU schmerz- haft und könnte 2019/2020 zu BIP-Verlusten in Höhe von insgesamt ~4% bzw. 1% führen Kommt der Frühling? Autoren: jim.reid@db.com, quinn.brody@db.com, himanshu.porwal@db.com 18. März 2019 Internet: www.dbresearch.de — Politische Entwicklungen in Europa: Wahlen zum EU-Parlament, Wahlen in Deutsch- land und Tragbarkeit von Italiens Verschuldung als Risiken in diesem Jahr Schlüsselthemen — Brexit: Brexit geht in die Endphase, wichtige Abstimmung am 12. März. Im Basissze- nario gehen wir von einer Einigung aus und sehen nur eine geringe Wahrscheinlich- keit eines „no deal“-Brexit (5%) — Handelskonflikt: Handelsgespräche zwischen den USA und China verliefen zuletzt günstig, aber noch kein Durchbruch. Positives Ergebnis könnte Handel und Wachs- tum ankurbeln — Politik in der EU/in Deutschland: Protestparteien werden bei den anstehenden Wahlen Sitze hinzugewinnen, was eine effektive Wirtschaftspolitik und die Wahl des nächsten Kommissionspräsidenten erschweren könnte Marktprognosen Marktstimmung — Höhere Risiken: Die Fundamentaldaten sind nach wie vor solide, aber das Wachstum in Europa und China verlangsamt sich und die Kurse dürften künftig stärker schwan- ken Aktien — Optimistisch für US-Aktien. Gewinne wachsen langsamer, Markt preist jedoch über- mäßig kräftige Verlangsamung ein — Neutral für europäische Aktien, die nach jüngster Erholung wieder fair bewertet sind Staatsanleihen — Strategisch pessimistisch. Markt unterschätzt zu erwartende Fed-Zinserhöhungen weiterhin, zumal wir von einer allmählichen Inflationsbeschleunigung im Jahresverlauf ausgehen — In Europa spiegelt der Rückgang der Anleiherenditen eine übermäßig pessimistische Einschätzung der wirtschaftlichen Aussichten wider Devisen — Der Dollar dürfte in diesem Jahr aufgrund der Kapitalströme abwerten. Außerdem werden politische Risiken in den USA an Bedeutung gewinnen, da der Präsident- schaftswahlkampf 2020 Fahrt aufnimmt — Bullish für den Euro. Die Kapitalflüsse sollten sich stabilisieren, der Leistungsbilanz- überschuss hoch bleiben und die EZB ihren allmählichen Straffungskurs fortsetzen, wenn auch mit einer gewissen zeitlichen Verschiebung — Eher bullish für den Yen. Der Yen dürfte gegenüber dem Dollar eher aufwerten Unternehmensanleihen — Strukturelle Ausweitung, kurzfristig jedoch Erleichterungsrallye. Voraussichtlich posi- tive Überschussrenditen in diesem Jahr Schwellenländer — Die Wachstumsprognosen sind etwas schwächer, sodass die Abwärtsrisiken für die Schwellenländerwährungen überwiegen — Die Fundamentaldaten sprechen für niedrigere Zinsen und gut unterstützte Unterneh- mensanleihen Öl — Die Ölpreise (Sorte Brent Blend) könnten auf kurze Sicht etwas ansteigen, zum Jah- resende jedoch wieder nahe dem aktuellen Stand notieren Kommt der Frühling? Autoren: jim.reid@db.com, quinn.brody@db.com, himanshu.porwal@db.com 18. März 2019 Internet: www.dbresearch.de BIP-Wachstum (%) Wichtige Marktkennzahlen 2018 2019P 2020P Aktuell Q2 19P Q4 19P Global 3,8 3,4 3,5 US 10J-Renditen (%) 2,60 2,95 2,90 USA 2,9 2,5 2,1 EUR 10J-Renditen (%) 0,06 0,20 0,40 Euroraum 1,8 0,9 1,3 EUR/USD 1,13 1,18 1,25 Deutschland 1,4 0,5 1,4 USD/JPY 111 104 100 Japan 0,8 0,4 0,2 S&P 500 2.792 3.075 3.250 Großbritannien 1,4 1,5 1,3 Stoxx 600 373 350 345 China 6,6 6,1 6,0 Gold (USD/Unze) 1.302 1.230 1.230 Oil WTI (USD/Barrel) 56,9 54,0 56,0 Oil Brent (USD/Barrel) 66,9 63,0 65,0 Aktuelle Preise vom 12.03.2019 Leitzinsen (%) Aktuell 2019P 2020P USA 2,38 2,63 2,88 Euroraum -0,40 -0,40 -0,25 Japan -0,10 -0,10 -0,10 Großbritannien 0,75 1,00 1,50 China 1,50 1,50 1,50 Indien 6,25 5,75 5,75 Original in englischer Sprache: 12. März 2019 © Copyright 2019. Deutsche Bank AG, Deutsche Bank Research, 60262 Frankfurt am Main, Deutschland. Alle Rechte vorbehalten. Bei Zitaten wird um Quellenangabe „Deutsche Bank Research“ gebeten. 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