1. Research
1. Dezember 2021
Die Omikron-Variante des SARS-CoV2-Virus wurde von der WHO als besorgniserregend eingestuft. Virologen halten sich bislang mit Einschätzungen noch zurück. Nach gestrigen Beratungen von Bund und Ländern soll es bereits am kommenden Donnerstag eine Ministerpräsidentenkonferenz zu weiteren Corona-Maßnahmen geben. Die designierten Regierungsparteien haben ihren Koalitionsvertrag vorgelegt. Wir erörtern wichtige Aspekte in unserem Focus Germany: Coalition treaty aims at a greener economy and more resilient society. Inflationssprung im November: Nach erster Schätzung kletterte die deutsche Inflationsrate (VPI) im Nov. auf 5,2% gg. Vj. und damit auf ein 29-Jahreshoch. Die nach EU-Vorgaben harmonisierte Rate (HVPI) sprang sogar auf 6%. Für den deutlichen Anstieg des HVPI war neben bereits vielfach erörterten Sonder- und Basiseffekten auch die Neugewichtung von Pauschalreisen maßgeblich. [mehr]
Brief Deutsche Bank Research 1 Deutsche Bank Research Frankfurt Team Stefan Schneider, stefan-b.schneider@db.com, +49 69 910-31790 Marc Schattenberg, marc.schattenberg@db.com, +49 69 910-31875 Eric Heymann, eric.heymann@db.com, +49 69 910-31730 01. Dezember 2021 Deutschland: Konjunktur und Corona kompakt Dieses Dokument darf an Kunden weitergegeben werden. Schlüsselthema der Woche  Inflationssprung im November: Nach erster Schätzung kletterte die deutsche Inflationsrate (VPI) im Nov. auf 5,2% gg. Vj. (Okt: 4,5%) und damit auf ein 29-Jahreshoch (Juni 1992: 5,8%). Die nach EU Vorgaben harmonisierte Rate (HVPI) sprang sogar auf 6% (Okt: 4,6%). Für den deutlichen Anstieg des HVPI war neben den vielfach erörterten Sonder- und Basiseffekten (MwSt., CO 2 -Bepreisung, geringere Energiepreise im Vj.) auch die Neugewichtung von Pauschalreisen maßgeblich. Dieser Ausgabenanteil sank 2020 coronabedingt und reduzierte so dessen HVPI-Gewicht (jährliche Anpassung) im laufenden Jahr. Der saisonal übliche Preisrückgang bei Pauschalreisen dämpfte nun weniger stark (Bundesbank: ¼ %-Pkt.), sodass die Gesamtrate im Nov. zusätzlich nach oben getrieben wurde. Der Effekt entfällt im Dezember, wie auch der MwSt.-Effekt im Jan. 2022. Die Nov.-Meldung könnte vorerst den Gipfel bei der monatlichen Inflationsrate markieren. Trotz Wegfall statistischer Sondereffekte dürften im Jahr 2022 eine ganze Reihe von Faktoren weiterhin preistreibend wirken. Dazu zählen erhöhte Energiepreise so wie gestiegene Fracht- und Rohstoffkosten, die nach und nach an die Endverbraucher weitergegeben werden. Darauf deuten sowohl die PMI-Komponenten zur Preissetzung als auch die jüngste ifo-Um frage hin. Eine Kombination aus erhöhter Inflation und günstiger Arbeitsmarktlage (Fachkräftemangel) birgt zudem das Risiko einer Lohn-Preis-Spirale, wofür es bisher aber (noch) keine Anhaltspunkte gibt. Die Anhebung des Mindestlohns auf EUR 12 dürfte nicht nur die Verbraucherpreise im personalintensi ven Dienstleistungssektor treiben, sondern sich auch auf die Lohnentwicklung der unteren Tarifgruppen auswirken. Wirtschaftliches Update Deutschland:  Die saisonbereinigte Arbeitslosenzahl ist im November erneut deutlich gesunken (Nov: -34.000, Okt: -40.000), wenngleich sich der positive Trend erwartungsgemäß abgeschwächt hat. Die Erwerbstätig keit stieg im Oktober um 0,1% gg. Vm. Die Erwerbstätigenzahl liegt noch 0,8% (-368.000) unter dem Vorkrisenniveau (Feb 2020). Die Tarifverdienste (inkl. Sonderzahlungen) sind in Q3 um durch schnittlich 0,9% gg. Vj. gestiegen (geringster Anstieg seit Beginn der Zeitreihe 2010). Da der VPI in Q3 auf 3,9% gg. Vj. zulegte, ging die reale Kaufkraft spürbar zurück.  Entgegen den Markterwartungen (+1% gg. Vm.) gingen die Einzelhandelsumsätze im Oktober um -0,3% gg. Vm. (rev. Sep: -1,9%) zurück. Lieferengpässe dürften den realen Umsatz gedämpft haben. Dieser Datenpunkt stützt unsere Erwartung einer Stagnation des BIP in Q4.  Die Industrie ächzt zunehmend unter Materialmangel. Lt. ifo-Institut stiegen die Meldungen im Nov. um 4 %-Pkt., auf nun 74,4% an. Die Unternehmen wollen in großem Umfang mit Preisanhebungen rea gieren. Auch im Einzelhandel haben sich die Engpässe deutlich verschärft. Im Nov. klagten 77,8% (Okt: 60%) der Händler über Lieferprobleme bei bestellten Waren. Lt. ifo-Institut planen gut 2/3 der Ein zelhändler Preisanhebungen in den kommenden drei Monaten.  Zum Wochenende werden die finalen PMI-Daten zeigen, ob sich die Einschätzungen der Erstmeldun gen (ca. 85% Meldungen; PMI Industrie: 57,6; Dienstleistungen: 53,4) bestätigen. Die Pandemieent wicklung lässt eine Abwärtskorrektur erwarten. Wirtschaftliches Update International:  Eurozone: Nach erster Schätzung sprang die Inflationsrate der Eurozone (EWU) im Nov. auf 4,9% gg. Vj. (Okt: 4,1%), die vorläufige Kernrate legte auf 2,6% gg. Vj. (2%) zu. Auch hier spielen Basiseffekte, die im kommenden Jahr entfallen, eine entscheidende Rolle. EZB-Vertreter ( Isabel Schnabel im ZDF Interview ) weisen immer wieder auf die Rolle der Sondereffekte hin. Für das Gesamtjahr 2021 erwarten wir einen Anstieg des HVPI um 2,5%, gefolgt von 2,8% im Jahr 2022.  Angesichts der Pandemieentwicklung trübte sich das Verbrauchervertrauen in der EWU im Nov. erwar tungsgemäß ein (final Nov: -6,8 Pkt. gg. Okt: -4,8). Auch das Geschäftsklima bekam einen Dämpfer (Nov: 117,5 gg. Okt: 118,6).  USA: Zum Ende der Woche rückt der US-Arbeitsmarktbericht in den Fokus. Im Nov. könnte der Be schäftigungsaufbau deutlich um weitere 600.000 Personen zulegen, nach einem bereits kräftigen Okto ber (+531.000). Eine anhaltend positive Entwicklung könnte die Fed zur Beschleunigung des Tapering Deutsche Bank DB Research 2 © Copyright 2021. Deutsche Bank AG, Deutsche Bank Research, 60262 Frankfurt am Main, Deutschland. Alle Rechte vorbehalten. 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In Australien sollten Privatkunden eine Kopie der betreffenden Produktinformation (Product Disclosure Statement oder PDS) zu jeglichem in diesem Bericht erwähnten Finanzinstrument beziehen und dieses PDS berücksichtigen, bevor sie eine Anlageentscheidung treffen. bewegen, da zudem auch die Inflation weiter aufwärtsgerichtet ist. im Juni 2022 könnte dann eine An hebung des Leitzins es um 25bp (gefolgt von zwei weiteren in 2022 und drei im Jahr 2023) erfolgen. Allerdings dürfte insb. die Verbreitung der neuen Omikr on-Variante ein Abwärtsrisiko darstellen. Wir erwarten nunmehr EUR/USD-Wechselkurs Ende 2022 bei 1,08.  Global: OPEC(+): Am 1. und 2. Dez. beraten die OPEC bzw. OPEC+ über eine Anpassung der Förder mengen. Auch hier sorgt die Pandemieentwicklung für zusätzliche Unsicherheit. Wirtschafts- und ordnungspolitische Maßnahmen:  Deutschland: Die kommenden Regierungsparteien haben ihren Koalitionsvertrag vorgelegt. Wir ha ben wichtige Aspekte in der Publikation Focus Germany: Coalition treaty aims at a greener economy and more resilient society erörtert. Corona-Update:  Zahl der Neuinfektionen hat global nur noch leicht zugenommen. Europa bleibt Corona-Hotspot. Nur wenige Länder mit relativ niedrigen Inzidenzen (Schweden, Spanien, Italien).  7-Tage-Inzidenz in Deutschland im Vergleich zur Vorwoche erneut gestiegen (heute 442,9), aber zuletzt verringerte Dynamik und sinkende Inzidenz in einzelnen Bundesländern. Es bleibt bei der sehr großen Spreizung zwischen den Bundesländern. Weiter hohe Inzidenzen bei den jungen Bevölkerungsgruppen (Höchstwerte bei 5- bis 14-Jährigen), aber überall steigende Tendenz.  Hospitalisierungsrate in Deutschland leicht gestiegen (gestern 5,7); auch hier große Spreizung zwi schen den Bundesländern. Knapp 4.600 Erwachsene in intensivmedizinischer Behandlung (Anstieg). Spitzenwert lag bei über 5.700. Zahl der Krankenhäuser im Regelbetrieb nimmt weiter ab. Hospitalisie rungsrate und Inzidenz bei Ungeimpften höher als bei Geimpften.  Anstieg bei Zahl der Todesfälle im Zusammenhang mit Corona setzt sich fort (etwa 2.000 Todesfälle pro Woche; in der Spitze waren es über 6.000 pro Woche). Fallsterblichkeit sinkt weiter (etwa 1,7%).  Zahl der Impfungen steigt wieder, vor allem dank der Auffrischungsimpfungen. In der letzten Woche aber auch deutlich mehr Erstimpfungen. Inzwischen sind 68,5% der Gesamtbevölkerung vollständig ge impft (46,1% der 12- bis 17-Jährigen).  Nach gestrigen Beratungen von Bund und Ländern soll es bereits am kommenden Donnerstag (ur sprünglich 9. Dez.) eine Ministerpräsidentenkonferenz zu weiteren Corona-Maßnahmen geben. Bei den Beratungen wurde der neue Krisenstab vorgestellt. Bundesländer mit höheren Inzidenzen wünschen sich bundeseinheitliche Regelungen.  WHO hat Virusvariante Omikron als besorgniserregend eingestuft. Virologen halten sich bislang mit Ein schätzungen noch zurück, ob Omikron ansteckender ist als die Delta-Variante, eher schwerere oder mildere Krankheitsverläufe auslöst oder ob bei der Variante mit mehr Impfdurchbrüchen zu rechnen ist. Lt. Pressebericht äußerte sich der Biontech-Chef optimistisch , dass Impfstoff bei Omikron gegen schwere Verläufe schützt, wenngleich Stéphane Bancel von Moderna eher vorsichtig blieb. Erste Er kenntnisse sprechen dafür, dass Omikron ansteckender ist, aber eher milde Verläufe auslöst. Die Un tersuchungen laufen aber noch. Artikel im Q&A-Format. Impfstoffhersteller prüfen derzeit die Wirksam keit gegen Omikron und kündigten ggf. Anpassungen an.
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