1. Research
14. Oktober 2021
Deutschlands Potenzialwachstum wird in den kommenden Jahren zunehmend unter demografischen Druck geraten, es dürfte auf knapp ein ¾% absinken. Nachlassendes Potenzialwachstum beeinträchtigt die konjunkturelle Resilienz und schwächt tendenziell die Schuldentragfähigkeit. Daher sollte das Potenzialwachstum noch stärker in den Mittelpunkt politischer Debatten rücken. Es ist das große bindende Thema zwischen effizientem und zugleich klimagerechtem Wirtschaften, dem demografischen Wandel und dem Megatrend der Digitalisierung. Kurzfristig wirken steigende Energiekosten und die regulatorische Verkürzung der Nutzungszeiten von Anlagen wie ein negativer Angebotsschock. Das gilt umso mehr, wenn es mittelfristig nicht gelingt, die Chancen für Neuinvestitionen zu nutzen und adäquaten Ersatz zu installieren. [mehr]
Deutschland-Monitor Deutschlands Potenzialwachstum wird in den kommenden Jahren zunehmend unter demografischen Druck geraten. Das sinkende Erwerbspersonenpotenzial schwächt den Produktionsfaktor Arbeit. Zudem könnte die Altersverschiebung ein Absinken der Arbeitsproduktivität und Innovationsfähigkeit mit sich bringen. Das Potenzialwachstum der deutschen Wirtschaft dürfte auf knapp ein ¾% ab sinken. Neben dem Arbeitsvolumen wird das Potenzialwachstum vom Kapitalstock und der totalen Faktorproduktivität (TFP) bestimmt. Beide Faktoren könnten den ne gativen demografischen Effekt dämpfen. Vor allem der TFP käme dabei eine große Bedeutung zu. Volkswirtschaftliche Rückkopplungseffekte dürften dies je doch begrenzen. Nachlassendes Potenzialwachstum beeinträchtigt die konjunkturelle Resilienz und schwächt tendenziell die Schuldentragfähigkeit. Zyklische Schwankungen könnten häufiger auftreten und vermehrt zu fiskalischen und geldpolitischen Ge genmaßnahmen führen. Ein schwaches Potenzialwachstum reduziert den Spiel raum zum Schuldenabbau. Mögliche Koalitionsparteien sollten das Potenzialwachstum noch stärker in den Mittelpunkt stellen. Es wäre das große bindende Thema zwischen dem effizien ten und zugleich klimagerechten Wirtschaften, dem demografischen Wandel und dem Megatrend der Digitalisierung. Parteien einer möglichen Regierungskoalition mit zum Teil großen thematischen Überschneidungen. Alle Parteien positionieren sich zum Klimaschutz. Auch die Wachstumsthemen Forschung und Entwicklung, Technologieoffenheit, Bildung, und Infrastrukturausbau werden aufgegriffen. Ziele und Umsetzungspläne sind hingegen unterschiedlich akzentuiert. Bei Arbeitsmarktflexibilität, vor allem im Kontext des demografischen Wandels, wird dies deutlich. Der Übergang zur klimaneutralen Wirtschaft ist die Herausforderung in der kom menden Dekade, gleichzeitig aber auch eine Chance zur Modernisierung. Die ambitionierten EU-Klimaziele erfordern einen weitreichenden Umbau des Kapi talstocks der deutschen Volkswirtschaft. Betroffen sind Produktionsanlagen, aber auch Gebäude. Kurzfristig wirken steigende Energiekosten und die regulatorische Verkürzung der Nutzungszeiten von Anlagen wie ein negativer Angebotsschock. Das gilt umso mehr, wenn es mittelfristig nicht gelingt, die Chancen für Neuinvestitionen zu nutzen und adäquaten Ersatz zu installieren. Der produktionsrelevante Kapi talstock würde dann schrumpfen und das Potenzialwachstum dämpfen. Autor Marc Schattenberg +49 69 910-31875 marc.schattenberg@db.com Editor Stefan Schneider Deutsche Bank AG Deutsche Bank Research Frankfurt am Main Deutschland E-Mail: marketing.dbr@db.com Fax: +49 69 910-31877 www.dbresearch.de DB Research Management Stefan Schneider 14. Oktober 2021 Wachstumspotenzial bedroht, schnelles Handeln notwendig Wachstumspotenzial bedroht, schnelles Handeln notwendig 2 | 14. Oktober 2021 Deutschland-Monitor Das deutsche Potenzialwachstum 1 wird in der kommenden Dekade spürbaren Gegenwind bekommen und könnte sich bis zum Jahr 2025 auf knapp ein ¾% 2 pro Jahr abschwächen, wenn für die Nettozuwanderung eine plausible Größen ordnung von gut 220.000 Personen pro Jahr unterstellt wird. Vor allem die de mografische Entwicklung stellt eine zunehmende Herausforderung für Deutsch lands Wachstumsperspektiven dar. Es zeichnet sich ein deutlicher Rückgang des Erwerbspersonenpotenzials ab, der den Produktionsfaktor Arbeit verknap pen wird. Zudem sind negative Auswirkungen auf den Kapitalstock und die In novationskraft nicht auszuschließen. Formal könnten eine schwächere totale Faktorproduktivität (TFP) und eine sinkende Kapitalintensität dann den Anstieg der Arbeitsproduktivität verlangsamen. Sinkende Erwerbsbevölkerung dämpft Potenzialwachstum Besondere Brisanz gewinnen der Rückgang der Erwerbsbevölkerung und die sich abzeichnende Wachstumsschwäche durch die Umlagefinanzierung der so zialen Sicherung in Deutschland. Die künftige Bundesregierung muss diese im mense Herausforderung angehen, bevor sich das Verhältnis von Rentenemp fängern zu Beitragszahlern zunehmend verschlechtert. Das Erwerbspersonen potenzial könnte durch höhere Erwerbsquoten, längere Lebensarbeitszeit, ver besserte Qualifikationen und beschäftigungsorientierte Zuwanderung gestärkt werden. Dazu müssten arbeitsmarktpolitische Fehlanreize beseitigt werden. Klimagerechter Umbau und Erneuerung des Kapitalstocks Gleichzeitig erfordert das Umsetzen der mittel- und langfristigen EU-Klimaziele einen Umbau und die Erneuerung des volkswirtschaftlichen Kapitalstocks. Be reits vorhandene Anlagegüter könnten aus regulatorischen Gründen nicht mehr für die Produktion zur Verfügung stehen, bevor adäquater Ersatz installiert ist. Ob die angestrebte Restrukturierung des Kapitalstocks mittelfristig zu einer Stär kung des Produktionspotenzials führt, ist zudem keinesfalls selbstverständlich. Infolge globaler Wettbewerbsnachteile könnten sich Unternehmen gezwungen sehen, Kapazitäten zu verlagern oder generell abzubauen. Klimapolitische Fehl anreize behindern zudem Investitionen in effiziente CO 2 -Reduktion. Digitalisierung fordert Anpassungsfähigkeit der Wirtschaft heraus Auch der globale Trend zur Digitalisierung fordert die Anpassungsfähigkeit der deutschen Wirtschaft heraus. Gleichwohl bieten die zahlreichen technologi schen Facetten Chancen das Potenzialwachstum zu stärken. Durch Produktivi tätssteigerungen könnten die Auswirkungen der Alterung gedämpft werden und auch die Klimaanpassung dürfte von höherer Effizienz profitieren. Gut ausgebil dete Arbeitskräfte sind dafür ebenso Voraussetzung wie technologieoffene re gulatorische Vorgaben, damit Deutschland nicht digital abgehängt wird. Anhaltende staatliche Hilfen in der Corona-Pandemie bremsen die Neuordnung der Produktionsfaktoren (schöpferische Zerstörung) In der Corona-Pandemie halfen massive staatliche Stützungsmaßnahmen die ökonomischen Folgen zu dämpfen. Der Trend zu einer zeitlichen Ausdehnung 1 Mit ökonometrischen Methoden zur Trend-Zyklus-Zerlegung kann der langfristige Wachstums trend des BIP ermittelt werden. Zwar dienen diese Ansätze zur Quantifizierung des Potenzial wachstums, dennoch sind Potenzial- und Trendwachstum genau genommen nicht äquivalent. Vgl. dazu Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung (2007). Jahresgutachten - Das Erreichte nicht verspielen, S. 439. 2 Basierend auf den Ergebnissen des Frühjahrsgutachtens 2021 der Gemeinschaftsdiagnose. Konzept des Potenzialwachstums 2 Das Potenzialwachstum bildet die Verände rung der volkswirtschaftlichen Produktions möglichkeiten ab, die sich bei normaler Auslas tung der Ressourcen ergibt, ohne dass dies in flationstreibend wirkt. Da das Produktionspo tenzial nicht direkt beobachtbar ist, muss es mithilfe ökonometrischer Verfahren geschätzt werden. Die dazu verwendeten Methoden un terscheiden sich vor allem darin, inwieweit sie ökonomische Strukturen berücksichtigen. Sie reichen von der quasi theorielosen Betrach tung aufeinanderfolgender Hochpunkte im Konjunkturzyklus (Peak-to-Peak) über zeitrei henbasierte Filterverfahren bis hin zu ökono metrischen Ansätzen, die produktionstheoreti sche Zusammenhänge einbeziehen. Viele die ser Verfahren stützen sich auf eine Trennung von zyklischen und trendmäßigen Einflüssen. Das so ermittelte Trendwachstum wird dann als Quantifizierung des Potenzialwachstums herangezogen. Quelle: Deutsche Bundesbank (2014). Zur Verlässlichkeit der Schätzungen internationaler Organisationen zur Produktions lücke. Monatsbericht April, S. 13-38. -0,6 -0,4 -0,2 0,0 0,2 0,4 0,6 0,8 1,0 1,2 1,4 1,6 Kapitalstock Totale Faktorproduktivität Arbeitsvolumen Produktionspotenzial in % gg. Vj. Komponenten des potenziellen BIP (modifizierte EU-Methode), in %-Punkten Quellen: Statistisches Bundesamt; Berechnungen und Projektionen der Gemeinschaftsdiagnose Potenzialwachstumsrate könnte unter 1% fallen 1 Wachstumspotenzial bedroht, schnelles Handeln notwendig 3 | 14. Oktober 2021 Deutschland-Monitor der verschiedenen Hilfen behindert gleichzeitig aber die übliche Neuordnung der Produktionsfaktoren. Wenngleich die volkswirtschaftlich en Schäden kurzfris tig minimiert wurden, könnte das Potenzialwachstum dav on mittelfristig ge bremst werden. Im Extremfall könnten die staatlichen Kreditgarantien daz u füh ren, dass vermehrt Darlehen an langfristi g nicht überlebensfähige Unternehmen vergeben werden. 3 Im Unterschied zu bisherigen Krisen waren die Probleme vieler Unterneh men während der Corona-Pandemie auf die staatlich verordne ten Eindämmungsmaßnah men zurückzuführen und nicht ursächlic h von ihrer betriebswirtschaftlichen Situati on hervorgerufen. Die EZB weist darauf hin, dass das Problem des Moral Hazard bei der Kreditvergabe daher in der aktuellen Krise weniger pr oblematisch sein dür fte, da ein großer Teil der kurzfristig unter stützungsbedürftigen Betrie be strukturell gesund sei. 4 Unabhängig davon dürfte aber das schon zuvor lang anhaltende Niedrigzinsumfeld in der Eurozone die Problematik der sogenannt en „Zombifizierung" v erschärft ha ben. Potenzialwachstum als wirtschaftspolitische Richtschnur Schätzungen zum Potenzialwachstum sind für viele ökonomische Frage stellun gen von Bedeutung. Phasen eines s chwachen Potenzial- bzw. Trendwachstums können eher für konjunkturelle Schwankungen anfällig s ein und damit häufiger wirtschaftspolitische Gegenmaßnahmen erforderlich machen. 5 Zur Beurteilung der konjunkturellen Lage einer Volkswirtschaft läs st sich die relative Abwei chung des Bruttoinlandsprodukts vom Produktionspotenzial heranziehen. D ie so ermittelte Produktionslücke bi ldet eine wichtige Entscheidungsgrundlage für die Geld- und Finanzpolitik. Im Zusammenhang mit den EU -Fiskalregeln stützt sich die Konjunkturbereinigung zur Berechnung struktureller Defizite auf d ieses Kon zept. Die EZB nutzt unter a nderem Abschätzungen zur Produktionslücke, u m den Inflationsdruck in der Eurozone z u beurteilen. 6 Am Arbeitsmarkt wirkt sich das Produktionspotenzial auf d ie Beschäftigungsschwelle aus. „ Okuns Gesetz" beschreibt jene Wachstumsrate, ab der es zu einer Beschäftigungsausweitung kommt bzw. ab der die Arbeitslosigkeit zurückgeht. Zudem wächst m it zuneh mender Arbeitsproduktivität der v erteilungsneutral e Spielraum für Lohnverhand lungen. Mittel- und langfristig spielen die Bestimmungsgrü nde des `Potenzialwachstums eine Rolle. D ie produktionstheoretische Abgrenzung de r volkswirtschaftlichen Ressourcenausstattung i n Arbeitseinsatz, K apital und TFP ermöglicht eine diffe renzierte Berücksichtigung der Entwicklungstrends dieser treibenden Kompo nenten. Die so gewonnenen Informationen können dann in geeignete wi rt schaftspolitische Maß nahmen einfließen, um der Abschwächung des P otenzial wachstums entgegenzuwirken. Demografie setzt deutschem Potenzialwachstum zu Die demografische Entwicklun g ist für die deutsche Wirtschafts entwicklung von entscheidender Bedeutung. Für das Produktionspotenzial an sich sind d ie Per sonen im erwerbsfähigen Alter, d eren Erwerbsquote und durchschnittliche Ar beitszeit sowi e die relevanten Berufsqualifikationen bestimmend. Das i n Stun den gemessene Arbeitsvolumen bildet den Produktionsfaktor Arbeit ab. Bis zur 3 La even, Luc, Glenn Schepens und Isabel Schnabel (2020). Zombification in Europe in times of Pandemic. VoxEU, 11. Oktober 2020. 4 E uropäische Zentralbank ( 2021). Die finanzpolitischen Reaktionen der Länder des Euro- Wäh rungsgebiets i n den Anfangsphasen der C ovid-19-Krise. Wirtschaftsbericht 1/2021, S . 106. 5 D eutsche B undesbank ( 2003). Zur Entwicklung des Produktionspotenzials in Deutschland. M o natsbericht M ärz, S. 51f. 6 D ie EZB geht von einem A nstieg der Inflation um etwa 0,2 Prozentpunkte pro 1% R ückgang der Produktionslücke aus. V gl. EZB (2021). ECB staff macroeconomic projections for the euro area. März 2021, S. 18. -1 0 1 2 3 4 5 6 DE IT JP GB US Nachlassende Arbeitsproduktivität im Ländervergleich 3 BIP je Erwerbstätigenstunde, % gg. Vj, gleit. 5J-Durchschn. Quellen: OECD, Deutsche Bank Research Wachstumspotenzial bedroht, schnelles Handeln notwendig 4 | 14. Oktober 2021 Deutschland-Monitor Mitte der Dekade dürfte die Alterung und Schrumpfung der Erwerbsbevölkerung das Potenzialwachstum im Jahresmittel um 0,1 %-Punkte 7 dämpfen. Im Jahr 2025 könnte der negative Effekt dann bei rund 0,4 %-Punkten liegen. Alternde und schrumpfende Erwerbsbevölkerung vorgezeichnet Noch in der laufenden Dekade wird der demografische Wandel das inländische Erwerbspersonenpotenzial spürbar reduzieren. Zur Mitte der 2020er Jahre be schleunigt sich der bereits beginnende Renteneintritt der „Babyboomer" (gebur tenstarke Jahrgänge der 1950er bis 1960er Jahre). Etwa im Jahr 2030 dürfte diese Entwicklung dann ihren Gipfel erreicht haben. Im Vergleich dazu werden die in das erwerbsfähige Alter (15. Lebensjahr) nachrückenden Jahrgänge weit schwächer besetzt sein. Unter plausiblen Annahmen würden so bis 2030 pro Jahr durchschnittlich etwa 480.000 Personen 8 mehr aus dem allgemeinen Be rufsleben austreten als hinzukommen. Je nach Entwicklung des tatsächlichen Renteneintrittsalters (2019: 64,3 Jahre), könnte dieses „Defizit" in den Jahren 2025/26 bei gut 520.000 liegen und 2029 sogar bis auf 570.000 klettern. Unter Berücksichtigung der üblichen Altersabgrenzungen von 15 bis 74 Jahren bzw. 20 bis 66 Jahren und einer Nettozuwanderung von gut 220.000 Personen pro Jahr könnte das Erwerbspersonenpotenzial bis 2030 um 1,5 Mio. bzw. bis zu 3,5 Mio. sinken. Mit Blick auf das tatsächlich beobachtbare Berufseintritts- und -austrittsalter dürfte die Abgrenzung von 20 bis 66 Jahren plausibler sein und der Rückgang somit eher kräftiger ausfallen. Zuwanderung kann kaum demografische Entlastung bringen Die deutsche Erwerbsbevölkerung ist langfristig durch die demografische Ent wicklung im Inland vorgezeichnet. Lediglich eine höhere Nettozuwanderung könnte das Erwerbspersonenpotenzial erhöhen. Allerdings geht bereits die mitt lere Variante der aktuellen Erwerbspersonenvorausberechnung von einer jährli chen Nettozuwanderung von gut 220.000 Personen aus. Um die Alterung und Schrumpfung der Erwerbsbevölkerung zahlenmäßig auszugleichen, müsste die jährliche Zuwanderung also viel höher ausfallen. Die Erfahrungen nach der Zu wanderung im Zuge der Flüchtlingsbewegungen des Jahres 2015 zeigen, dass die gesellschaftliche und politische Akzeptanz einer anhaltend überdurch schnittlichen Zuwanderung jedoch begrenzt ist. Offen bliebe auch, wie schnell sich die Immigranten überhaupt in den deutschen Arbeitsmarkt integrieren könnten. Oft passen die im Heimatland erworbenen schulischen und beruflichen Qualifikationen nicht zu den hiesigen Anforderun gen. Andererseits ist aber auch zu beobachten, dass zugewanderte Hochqualifi zierte aufgrund der mangelnden Anerkennung ihrer Bildungsabschlüsse keine adäquate Beschäftigung aufnehmen können. Hier wäre ein Ansatzpunkt die Ar beitsmarktintegration zu erleichtern. Vorhandenes Erwerbspersonenpotenzial stärker aktivieren Eine kräftig steigende Nettozuwanderung von schnell in den Arbeitsmarkt zu in tegrierenden Personen ist sehr unwahrscheinlich. Daher bleibt nur, das vorhan dene Erwerbspersonenpotenzial besser auszuschöpfen. Mögliche Stellschrau ben für eine Ausweitung des angebotenen Arbeitsvolumens sind die Erwerbs quote, die Arbeitszeit und beschäftigungsrelevante Qualifikationen. Zudem 7 Gemeinschaftsdiagnose 1-2021 (2021). Pandemie verzögert Aufschwung - Demografie bremst Wachstum, S. 59f. 8 Auf Grundlage des mittleren Szenarios (G2-L2-W2) der aktuellen 14. Koordinierten Bevölke rungsvorausberechnung des Statistischen Bundesamtes sowie der plausiblen Annahme, dass das aktuelle tatsächliche Renteneintrittsalter von gut 64 Jahren kaum ansteigt. 30 000 32 000 34 000 36 000 38 000 40 000 42 000 44 000 2019 2030 2040 2050 2060 Variante mittlerer Nettozuwanderung (211.000), Erwerbsquote 85% Variante mittlerer Nettozuwanderung (211.000), Erwerbsqute 80% Demografischer Wandel zeichnet kräftigen Rückgang der Erwerbspersonenzahl vor 4 Quelle: Statistisches Bundesamt Erwerbspersonen im Alter von 20 - 66 Jahren, in Tsd. 25 000 30 000 35 000 40 000 45 000 50 000 2019 2030 2040 2050 2060 Ø 147.000 Personen pro Jahr Ø 221.000 Personen pro Jahr Ø 311.000 Personen pro Jahr Zuwanderung wird Schrumpfung der Erwerbsbevölkerung nur dämpfen 5 Quellen: Statistisches Bundesamt, Deutsche Bank Tsd. Personen Wachstumspotenzial bedroht, schnelles Handeln notwendig 5 | 14. Oktober 2021 Deutschland-Monitor könnte die Anpassung von Arbeitsangebot und -nachfrage durch bildungs- und arbeitsmarktpolitische Initiativen weiter gefördert werden. Oftmals sind Berufs ein- und -umsteigern die Chancen in volkswirtschaftlich bedeutsamen Beschäfti gungsbereichen gar nicht bewusst. Das könnte z.B. ein Grund für den Nach wuchsmangel im Handwerk sein. So bremst der Fachkräftemangel schon heute die Umsetzung von dringend notwendigen Infrastrukturprojekten und beein trächtigt damit die Modernisierung auf gesamtwirtschaftlicher Ebene. Übergang von Arbeitslosigkeit in die Erwerbstätigkeit fördern Bis zur Corona-Pandemie verzeichnete der deutsche Arbeitsmarkt in den zu rückliegenden Jahren stetig sinkende Arbeitslosenzahlen und eine kräftige Zu nahme der Erwerbstätigkeit. Dennoch existiert nach wie vor ein nennenswertes Reservoir von Personen, die für den Arbeitsmarkt aktiviert werden könnten. Dazu zählen aktuell etwa 2,6 Mio. gemeldete Arbeitslose sowie Arbeitssu chende, die nicht als solche bei der Bundesagentur für Arbeit registriert sind. Je nach Erhebungsmethodik umfasst diese „stille Reserve" nochmals knapp 900.000 Personen, wobei nur rund 50% als zeitnah verfügbar gelten können. Auch wenn diese Zahlen natürlich zum großen Teil konjunkturelle Einflüsse wi derspiegeln, verdeutlichen sie dennoch weiteren arbeitsmarktpolitischen Hand lungsbedarf. Das wird umso klarer, als derzeit laut IAB-Stellenerhebung rund 1,17 Mio. (Stand Q2 2021) offene Stellen verfügbar sind. Neben der kaum ver meidbaren friktionellen Arbeitslosigkeit deutet diese Diskrepanz aber auch auf mangelnde Übereinstimmung von Arbeitsangebot und -nachfrage hin. Oftmals dürften die Qualifikationsprofile der Arbeitssuchenden nicht zu den Stellenanfor derungen passen. Zudem könnten aber auch steuer- und transferrechtliche Fehlanreize den Übergang in die Erwerbstätigkeit vor allem bei Geringqualifi zierten behindern. Ein Beispiel sind die Hinzuverdienstregelungen im Rahmen des Arbeitslosengeldes II („Hartz IV"). Die hier vorgegebenen Fixbeträge führen dazu, dass schnell ein Großteil des Hinzuverdienstes auf die Transferleistungen angerechnet wird und so der Anreiz zur Ausweitung der Erwerbstätigkeit entfällt. Würden die Hinzuverdienstgrenzen in der Grundsicherung kontinuierlicher ge staltet, könnte dies die problematische Anreizsituation verbessern. Hinsichtlich der qualifikationsbezogenen Diskrepanzen am Arbeitsmarkt sollte das Prinzip von Fördern und Fordern nicht geschwächt werden. Angesichts der zunehmen den Digitalisierung und des Strukturwandels in Kernbereichen der deutschen Wirtschaft muss die Aus- und Weiterbildung der potenziellen Arbeitskräfte weiter gestärkt werden. Erwerbsbeteiligung von Eltern stärken Für die Stärkung der Erwerbsbeteiligung gibt es zahlreiche arbeitsmarkt- und sozialpolitische Ansatzpunkte. Für viele Menschen fällt das erste Drittel des Ar beitslebens mit der Gründung einer Familie zusammen. Kommen dann Kinder hinzu, fehlt oft bis ins Schulalter ein adäquates und vor allem mit dem Berufsall tag der Eltern gut vereinbares Betreuungsangebot. Meist reduziert dann ein El ternteil - oftmals Frauen - die Arbeitszeit oder scheidet vorerst ganz aus dem Erwerbsleben aus. Der Schritt zurück wird dann umso schwerer, je ausgedehn ter diese Phase war. Auch das steuerrechtliche Konstrukt des Ehegattensplit tings kann den Wiedereintritt in das Erwerbsleben behindern, da es mit prohibi tiv hohen Grenzsteuersätzen verbunden sein kann. 9 Zwar vereinfacht der durch die Corona-Pandemie herbeigeführte Aufschwung des Homeoffice neuerdings die Vereinbarkeit von Familie und Beruf für viele Haushalte, dennoch ändert das aber nichts am strukturellen Mangel an Betreuungsmöglichkeiten. Das wurde in 9 Peichel, Andreas und Helmut Rainer (2021). Erwerbstätigenpotenzial besser ausschöpfen. Ifo Schnelldienst 7/2021, S. 6-10. Homeoffice kann Erwerbstätigkeit von Eltern fördern, Ausbau der Kinderbetreuung aber nicht ersetzen Betreuungsangebot ausbauen, steuerliche Anreize anpassen 4,5 5,0 5,5 6,0 6,5 7,0 7,5 300 400 500 600 700 800 900 11 12 13 14 15 16 17 18 19 20 Offene Stellen (links) Arbeitslosenquote (rechts) '000 % Quelle: Deutsche Bundesbank Arbeitsmarkt selbst in Pandemie stabil, aber massiv gestützt durch Kurzarbeit 6 Wachstumspotenzial bedroht, schnelles Handeln notwendig 6 | 14. Oktober 2021 Deutschland-Monitor der Pandemie nochmals klarer. Homeoffice dürfte oft hinter seinen Möglichkei ten zurückbleiben, wenn Eltern gleichzeitig die Kinder zu Hause betreuen müs sen. Nichtsdestotrotz ist festzuhalten, dass die neue zeitliche und räumliche Ar beitsflexibilität für viele Personen die Opportunitätskosten der Arbeitsaufnahme bzw. einer Verlängerung der Erwerbstätigkeit gesenkt haben dürfte. Flexibilisierung des Renteneintritts nicht negieren Auch am entgegengesetzten Ende des Arbeitslebens könnte die Erwerbsquote zulegen, da viele Arbeitnehmer heute schon vor dem Regelalter aus dem Er werbsleben austreten. Die durchschnittliche Erwerbsbeteiligung der 60- bis un ter 65-Jährigen lag im Jahr 2019 bei etwa 64%, während sie bei den 55- bis un ter 60-Jährigen noch 85% erreichte. Die Gründe hierfür sind oft nicht monokau sal. Abgesehen vom vorzeitigen Erreichen der 45 Beitragsjahre dürften gesund heitliche Gründe eine wichtige Rolle spielen, aber auch die persönliche Einstel lung zum beruflichen Arbeiten und nicht zuletzt attraktive betriebliche Vorruhe standsangebote. Auf der anderen Seite gibt es sicherlich auch viele Arbeitskräfte, die gerne län ger ihrer beruflichen Tätigkeit nachgehen möchten und dies auch leisten kön nen. Zudem könnten so eventuell fehlende Beitragszeiten kompensiert werden. Angesichts der vorgezeichneten Entwicklung der Erwerbsbevölkerung und des sich damit verschärfenden Fachkräftemangels dürfte es auch im Interesse der Unternehmen liegen, gut qualifizierte und erfahrene Mitarbeiter länger zu halten und nicht in den Ruhestand abzufinden. Allerdings stößt eine weitere Flexibili sierung des Renteneintritts häufig auf heftigen politischen Widerstand, siehe auch die Versprechen im Wahlkampf. Die ablehnenden Reaktionen auf die jüngsten Reformvorschläge des Wissenschaftlichen Beirats beim Bundesminis terium für Wirtschaft und Energie (BMWi) 10 machten dies wieder deutlich. Dennoch gehört die Flexibilisierung des Renteneintritts auf die Agenda der kom menden Bundesregierung. Nicht nur das Potenzialwachstum wird von der De mografie unter Druck gesetzt, sondern vor allem die Beitragsseite des Sozial versicherungssystems. Teilzeitbeschäftigung könnte zunehmen Im Zuge der Alterung und Schrumpfung der Erwerbsbevölkerung ist eine antei lige Zunahme der Teilzeitbeschäftigung zu erwarten, wenn sich die bisherigen Erwerbstätigkeitsmuster fortsetzen. Das angebotene Arbeitsvolumen würde sich damit zusätzlich reduzieren und den bisherigen Trend durchschnittlich sinken der Arbeitszeiten je Erwerbstätigen fortsetzen. Allerdings war bereits in der zurückliegenden Dekade ein deutlicher Anstieg der Erwerbsbeteiligung älterer Personen zu beobachten. Wenngleich der Zuwachs bei den über 70-Jährigen eher überschaubar bleiben wird, dürfte aber die Annä herung des tatsächlichen Renteneintrittsalters an das gesetzliche Regelalter zu einer weiteren Zunahme in der Altersgruppe der 65- bis 70-Jährigen führen. Mit Altersteilzeitangeboten könnte die Erwerbsbeteiligung angeregt werden, insbe sondere, wenn sie gegebenenfalls mit dem Arbeiten im Homeoffice kombinier bar wäre. So könnte der negative Teilzeit-Effekt auf das gesamtwirtschaftliche Arbeitsangebot gemildert werden. 10 Wissenschaftlicher Beirat beim Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (2021). Vorschläge für eine Reform der gesetzlichen Rentenversicherung. 8 0% 20% 40% 60% 80% 100% Teilzeitquoten insg. Männlich Weiblich Quellen: Statistisches Bundesamt, Deutsche Bank Research Teilzeitquoten abhängig erwerbstätiger Personen nach Altersgruppen 8 Stand 2019 0% 20% 40% 60% 80% 100% Männer 2009 Männer 2019 Frauen 2009 Frauen 2019 Quellen: Statistisches Bundesamt, Deutsche Bank Research Altersspezifische Erwerbsquoten 7 0% 10% 20% 30% 40% 50% 60% 70% 60-65 65-70 70-75 2009 2019 Quelle: Statistisches Bundesamt Erwerbsbeteiligung älterer Personen zuletzt schon deutlich gestiegen 9 Wachstumspotenzial bedroht, schnelles Handeln notwendig 7 | 14. Oktober 2021 Deutschland-Monitor Lebenslanges Lernen bleibt das A und O Neben der Stärkung der Erwerbsbeteiligung ist die Aus- und Weiterbildung das Kernthema für die dauerhafte Beschäftigungsfähigkeit potenzieller Arbeitskräfte. Mehr denn je erfordert der verstärkte Strukturwandel in den Kernbereichen der deutschen Wirtschaft, wie auch der allgemeine Trend zur Digitalisierung, eine kontinuierliche Verbesserung der Qualifikationsprofile. Die gute Arbeitsmarkt lage der vergangenen Jahre fußt zu einem großen Teil auf dem Beschäftigungs aufbau im Dienstleistungssektor. Im Zuge dieser Entwicklung fanden dort vor al lem auch viele gering qualifizierte Arbeitskräfte eine Anstellung. In den kommen den Jahren könnten gerade diese Arbeitsverhältnisse zunehmend von digitalen Lösungen unter Druck gesetzt werden. Damit die Beschäftigungschancen weiter gewahrt bleiben, wird eine stetige Weiterbildung unumgänglich sein. Aber nicht nur der untere Qualifikationsbereich wird durch den Strukturwandel herausgefor dert. Auch die Veränderungen in der Industrie werden von vielen gut qualifizier ten Fachkräften eine Anpassung erfordern. An dieser Schnittstelle zwischen praktischer Arbeit und Weiterbildung besteht ein großes Potenzial, die berufli che Weiterbildung mit den akademischen Strukturen der Universitäten und Fachhochschulen zu verknüpfen. Daneben dürfte auch der unternehmensinterne Wissenstransfer mit dem Aus scheiden der Babyboomer weiter an Bedeutung gewinnen, wenn eine große Zahl sehr erfahrener Arbeitskräfte aus dem Erwerbsleben austritt. Aber auch vor dem Arbeitsleben muss das Bildungssystem weiter flexibilisiert und angepasst werden. Wie groß diese Aufgabe ist, wurde bei der angestrebten Digitalisierung des Schulunterrichts während der Corona-Pandemie deutlich. Gleichzeitig zeigt dieses Beispiel auch, welche Schritte möglich sind, wenn die Anstrengungen zielführend kanalisiert werden. Anhand der Möglichkeiten zur di gitalen Teilhabe am Schulunterricht wurde aber auch einmal mehr verdeutlicht, wie sehr der mögliche Bildungserfolg vom sozioökonomischen Hintergrund be stimmt wird. Hier sollte noch mehr Chancengleichheit verwirklicht werden. Produktionsfaktor Kapital und der Klimaschutz Der Kapitalstock ist neben dem volkswirtschaftlichen Arbeitsangebot und der TFP der entscheidende Produktionsfaktor. Er wird abgegrenzt in Ausrüstungen, Bauten und sonstige Anlagen. Die Kapitalausstattung je Arbeitnehmer (respek tive Arbeitseinheit in Effizienzeinheiten) ist entscheidend für die Arbeitsprodukti vität. Langfristig geht die Entwicklung von Kapitalstock und volkswirtschaftlichen Produktionsmöglichkeiten Hand in Hand (stilisierter Fakt nach Kaldor). Über die Investitionen muss sich der Kapitalstock so anpassen können, dass er sich un ter Berücksichtigung der Abschreibungen mit der Trendrate der Produktion ver ändert. Darin spiegelt sich der gleichgewichtige Zusammenhang mit der demo grafischen Entwicklung bzw. des Arbeitsangebots und mit dem technischen Fortschritt 11 wider. Die schwache deutsche Investitionstätigkeit der vergangenen Jahre dürfte sich daher teilweise auf die demografische Entwicklung zurückführen lassen. In Re gionen der Bundesrepublik, die in der Vergangenheit von der Abwanderung jün gerer Kohorten betroffen waren oder dies auch heute noch sind, besteht bereits jetzt ein Fachkräftemangel, der Unternehmen schon heute in ihrer Geschäfts entwicklung beschränkt und so deren Investitionstätigkeit hemmt. Aber auch im öffentlichen Bereich ist eine Stagnation des Kapitalstocks vor allem im Nicht wohnungsbau zu attestieren, zu dem die Verkehrsinfrastruktur gehört. Bei die ser wichtigen Komponente mangelt es nicht nur am Ausbau, sondern auch an 11 Um unter wachstumstheoretischen Gesichtspunkten ein Gleichgewicht zu erreichen, muss der technische Fortschritt arbeitsvermehrend wirken. Wachstumspotenzial bedroht, schnelles Handeln notwendig 8 | 14. Oktober 2021 Deutschland-Monitor der Substanzerhaltung, was sich im anhaltend sinkenden Modernitätsgrad wi derspiegelt. 12 Zudem wird das geringe TFP-Wachstum ebenfalls zur anämischen Investitions tätigkeit beigetragen haben und dürfte so einen Teil der sinkenden Arbeitspro duktivität erklären. Gleichwohl ist die kausale Richtung des Zusammenhangs von Investitionsschwäche und Arbeitsproduktivität aus wissenschaftlicher Sicht nicht eindeutig. Auch die strukturelle Verschiebung der volkswirtschaftlichen Produktionsstruktur, von kapitalintensiver Industrieproduktion zu arbeitsintensi ven Dienstleistungen, hatte einen dämpfenden Effekt auf die gesamtwirtschaftli che Arbeitsproduktivität. Nicht zu vernachlässigen ist auch der kapitalgebundene technische Fortschritt, der seine positive Wirkung auf die Arbeitsproduktivität erst bei entsprechenden Investitionen entfaltet. Durch die gängige Wachstumszerlegung kann dieser Ef fekt kaum erfasst werden, da die Methodik einen faktorungebundenen technolo gischen Fortschritt unterstellt. Ohne eine methodische Erweiterung des Kapital begriffs würde dieser blinde Fleck zum Beispiel Qualitätsverbesserungen von Kapitalgütern in der Informations- und Kommunikationstechnologie außen vor lassen. 13 Während makroökonomische Simulationsrechnungen diesem Zusam menhang häufig Rechnung tragen, wird der positive Effekt auf die Arbeitspro duktivität von einfachen Wachstumszerlegungen eher unterschätzt. Der für die Produktion in der deutschen Volkswirtschaft relevante Kapitalstock wird durch das Bruttoanlagevermögen abgebildet. Allerdings liegen für diese Bestandsgröße nur unvollständige Daten vor. Daher wird an dieser Stelle auf die Kumulierung von Flussgrößen (Perpetual-Inventory-Methode) zurückgegrif fen. Vereinfacht ausgedrückt ergibt sich der zu einem Zeitpunkt im Bestand be findliche Anteil der Anlagen aus der Historie der laufenden Bruttoanlageinvestiti onen und den jeweils angenommenen Nutzungszeiten der einzelnen Kapitalgü ter. 14 Mit Blick auf die verschärften EU-Vorgaben zur Reduktion der CO 2 - Emissionen hat dieses Detail stark an Bedeutung gewonnen, da sich die ur sprünglich angesetzten Nutzungszeiten quasi über Nacht teilweise drastisch re duzierten. Für ein investitionsfreundliches Wirtschaftsumfeld Für unternehmerische Investitionsentscheidungen spielt die Rechtssicherheit eine übergeordnete Rolle, dafür sprechen schon die langen Nutzungszeiten der meisten Anlagegüter. Politische Unsicherheiten hinsichtlich der Eigentums rechte oder der Erträge aus den Projekten sind massive Investitionshemmnisse. Auch überbordende Komplexität von Regulierungen und intransparente, lang wierige Vergabeverfahren belasten das Investitionsklima. Zu den investitionsför dernden ordnungspolitischen Rahmenbedingungen zählt hingegen ein effizien tes Steuersystem, das insbesondere auch die internationale Wettbewerbssitua tion des deutschen Mittelstands im Blick behält. Gerade im Bereich der Körper schaftssteuern nimmt Deutschland jedoch einen Spitzenplatz ein. Für die kon krete Umsetzung von Investitionsprojekten vor Ort sind neben schlanken Ge nehmigungsverfahren auch die Infrastruktur (Verkehrsanbindung, leistungsfä 12 Grömling, Michael, Michael Hüther und Markos Jung (2019). Verzehrt Deutschland seinen staatli chen Kapitalstock? Wirtschaftsdienst 99(1), S. 25-31. 13 Deutsche Bundesbank (2021). Kapitalgebundener technologischer Fortschritt und seine Bedeu tung für die Arbeitsproduktivität: eine DSGE-Betrachtung. Monatsbericht Januar, S. 21-27. 14 Schmalwasser, Oda und Nadine Weber (2012). Revision der Anlagevermögensrechnung für den Zeitraum 1991 bis 2011. Wirtschaft und Statistik 11/2012, S. 935. 0% 10% 20% 30% Portugal Deutschland Japan Frankreich Italien Kanada USA Niederlande Spanien Schweiz Großbritannien Gesetzliche Körperschaftssteuersätze im OECD-Vergleich 10 Quelle: OECD Wachstumspotenzial bedroht, schnelles Handeln notwendig 9 | 14. Oktober 2021 Deutschland-Monitor hige Internetanbindung) und die Verfügbarkeit von gut ausgebildeten Arbeits kräften entscheidend. Und natürlich sind auch die Finanzierungsbedingungen für den Wirtschaftsraum relevant. 15 EU-Klimaziele noch mit vielen Fragezeichen für die Wirtschaft Ohne die Berücksichtigung einer intakten Umwelt als Lebensraum wären lang fristige Überlegungen zur Wirtschaftsentwicklung selbstredend unvollständig. Aus volkswirtschaftlicher Sicht bedeuten die ambitionierten Klimaschutzziele der EU und deren notwendige Umsetzung in Deutschland erst einmal, dass weite Teile des Kapitalstocks angepasst werden müssen. Die regulatorischen Vorga ben verkürzen die Nutzungszeiten vieler Kapitalgüter (Metallerzeugung, Kraft werke etc.) teilweise drastisch. Gerade in energieintensiven Branchen, wie der Herstellung von chemischen Erzeugnissen (18 Jahre) oder in der Metallererzeu gung (knapp 16 Jahre) ist die durchschnittliche Nutzungsdauer der Anlagegüter vergleichsweise lang. Im Verarbeitenden Gewerbe insgesamt liegt sie bei 14 Jahren. Damit könnte es also zu Sonderabgängen aus dem Kapitalstock kom men. Unter dem Strich dürfte die angestrebte Dekarbonisierung viele Produkti onsanlagen vom Wertschöpfungsprozess ausschließen, sofern sie nicht ange passt werden können oder deren Emissionen durch die Unternehmen entspre chend kompensiert werden. Bevor neue Anlagen installiert sind, dürften viele energieintensive Branchen ihren Kapitalstock erst einmal reduzieren, wie es im Bereich der Elektrizitätserzeugung bereits zu beobachten ist. Sollte die Moderni sierung nicht so schnell vonstattengehen wie zum Teil erhofft, würde sich dar aus neben der demografischen Entwicklung eine weitere Schwächung des Pro duktionspotenzials ergeben. Zudem dürfte es ebenfalls zu einer Neubewertung von immateriellen Kapitalgü tern (Patente) kommen, da sich auch hier die Nutzungsperspektive geändert hat. In Kombination mit den steigenden CO 2 -Preisen kann diese Entwicklung mittelfristig als negativer Angebotsschock interpretiert werden. Gleichwohl stel len die geplanten Übergangszeiträume eine Anpassungshilfe dar, die den kurz fristigen Überraschungseffekt begrenzen, anders als bspw. beim angebotsseiti gen Ölpreisschock der 1970er Jahre. Nach heutigem Stand gilt die Elektrifizierung mithilfe alternativer Energieträger als tragendes Basiselement zum Erreichen der EU-Klimaziele. Zu dieser Strate gie muss unter anderem die Anpassung des deutschen Elektrizitätsnetzes ge hören, um den technischen Notwendigkeiten alternativer Energiequellen gerecht zu werden. Unter dieser Voraussetzung kann dann z.B. eine weitergehende Elektrifizierung der Mobilitätsinfrastruktur möglicherweise umgesetzt werden. Die klimagerechte Anpassung der Produktionsstrukturen bleibt jedoch nicht die einzige Herausforderung für den Kapitalstock, denn er umfasst gleichermaßen die Wohngebäude. Auch hier sind die ambitionierten Klimaziele umzusetzen. 16 Angesichts der bisherigen mittelfristigen Renovierungsquote von etwa 1% pro Jahr erscheint es illusorisch, die Vorgaben bis 2030 zu erreichen. Politische Ent scheider könnten daher noch strengere Regulierungen und/oder umfassendere Förderprogramme anstreben. Die klimagerechte Anpassung dürfte aber ange sichts des schon gegenwärtig existierenden und sich künftig noch weiter ver schärfenden Fachkräftemangels schwer umzusetzen sein. Nach einer mittelfristigen Übergangsperiode kann aus den Bestrebungen zur CO 2 -Neutralität der deutschen Volkswirtschaft ein langfristig positiver Effekt auf 15 Schuknecht, Ludger (2020). Für Stabilität und Wachstum in Deutschland und Europa - mehr Markt, mehr Ordnungspolitik wagen! Ifo Schnelldienst 73(9), S. 78-88. 16 Möbert, Jochen (2021). Wohnungspolitik in Deutschland: Linke und rechte Parteien mit nur klei ner Schnittmenge. Deutsche Bank Research. Deutschland-Monitor. Wachstumspotenzial bedroht, schnelles Handeln notwendig 10 | 14. Oktober 2021 Deutschland-Monitor die ökonomische Wettbewerbsfähigkeit entstehen. Voraussetzung ist allerdings die globale Koordination und Durchsetzung der Umweltstandards. Ansonsten könnte es zu einem „Grünen Paradoxon" 17 kommen, wie es bereits von Hans Werner Sinn und anderen Autoren sehr anschaulich diskutiert wurde. Schlussendlich darf hinsichtlich des volkswirtschaftlichen Kapitalstocks auch nicht per se davon ausgegangen werden, dass auf umweltbezogene Regulie rungsverschärfung Wettbewerbsvorteile entstehen und wachstumsstärkende In vestitionen folgen. 18 Gleichwohl wird diese auf der schwachen Form der Porter Hypothese 19 basierende Argumentation nur allzu oft pauschal in umweltpoliti sche Sonntagsreden übernommen. In einer freien Marktwirtschaft bleibt es im mer auch eine Option, Kapazitäten abzubauen und nicht zu ersetzen. Langfris tig würde dies einer Schwächung des Wachstumspotenzials gleichkommen und so auch den Wohlstand nachfolgender Generationen schmälern. Totale Faktorproduktivität, die große Unbekannte Die TFP ergibt sich als Residualgröße, einer auf der Cobb-Douglas-Produkti onsfunktion basierenden Wachstumszerlegung des realen Bruttoinlandspro dukts. Ihre Wachstumsrate hat sich in den vergangenen 20 Jahren auf rund ½% abgeschwächt. Die TFP fasst all jene Wachstumstreiber zusammen, die nicht durch die Entwicklung des Arbeitsvolumens und des Kapitalstocks abgebil det werden. Die Umformung der Produktionsfunktion zeigt, dass die TFP, neben der Entwicklung der Kapitalintensität, der entscheidende Treiber der Arbeitspro duktivität ist. Häufig wird die TFP als Maß für den faktorungebundenen technischen Fort schritt angesehen. Eher sollte sie jedoch als allgemeiner Indikator der volkswirt schaftlichen Produktionseffizienz angesehen werden. Bei der Interpretation bleibt auch zu berücksichtigen, dass die Ergebnisse zur TFP durch sich im Zeit verlauf ändernde Kapazitätsauslastung der Produktionsfaktoren verzerrt werden können. Zudem erfassen viele Ansätze zur Prognose des Potenzialwachstums (z.B. EU-Methode „MODEM") keine demografischen Einflüsse auf die TFP, da sie konstruktionsbedingt lediglich den Rückgang des angebotenen Arbeitsvolu mens abgreifen. 20 Dennoch liefert die Forschung zu den Bestimmungsgründen der TFP Anhalts punkte, die für eine wachstumsfördernde Wirtschaftspolitik interessant sind. Un ternehmensdaten aus der EU legen nahe, dass in den untersuchten Branchen weniger ein Mangel an Innovationen herrscht, sondern vielmehr die Ausbreitung (Diffusion) der Technologie lahmt. Darin verbirgt sich die gute Nachricht, dass die TFP-Schwäche wahrscheinlich doch nicht auf eine „säkulare Stagnation" 21 zurückzuführen ist. Allerdings gibt es Hinweise, dass für die langsame Techno logiediffusion die geringe Dynamik (Marktein- und -austritte) in der europäischen Unternehmenslandschaft verantwortlich sein dürfte. Zudem erscheint ein Man 17 Sinn, Hans-Werner (2008). Das grüne Paradoxon: Plädoyer für eine illusionsfreie Klimapolitik. Econ Verlag. 18 Rubashkina, Yana, Marzio Galeotti und Elena Verdolini (2014). Environmental Regulation and Competitiveness: Empirical Evidence on the Porter Hypothesis from European Manufacturing Sectors. FEEM Working Paper No. 080.2014, Available at SSRN: https://ssrn.com/ab stract=2504425 or http://dx.doi.org/10.2139/ssrn.2504425 19 Porter, Michael E. und Claas van der Linde (1995). Toward a New Conception of the Environ ment-Competitiveness Relationship." Journal of Economic Perspectives, 9(4), 97-118. 20 Deutsche Bundesbank (2021). Zur Verlangsamung des Produktivitätswachstums im Euroraum. Monatsbericht Januar, S. 39. 21 Summers, Laurence H. (2015). Demand Side Secular Stagnation. The American Economic Re view, Papers and Proceedings, 105(5), S. 60-65. -1,5 -1,0 -0,5 0,0 0,5 1,0 1,5 2,0 2,5 3,0 DE IT JP GB US Verlangsamung des TFP-Wachstums im Ländervergleich 11 Quellen: OECD, Deutsche Bank Research % gg. Vj., gleit. 5J- Durchschn. Wachstumspotenzial bedroht, schnelles Handeln notwendig 11 | 14. Oktober 2021 Deutschland-Monitor gel an hochqualifizierten Fachkräften für die Umsetzung von Innovationen eben falls plausibel. Schließlich könnten die Eigenheiten der digitalen Technologien en und der immaterieller Kapitalgüter an sich die Adaption erschwert haben. In diesem Kontext müssen zudem die weiter oben schon erwähnten negativen Seiten des jahrelangen Niedrigzinsumfelds in der Eurozone betrachtet werden. Dadurch wurden in den letzten Jahren möglicherweise viele wenig innovative Unternehmen am Leben erhalten, was mit dem Begriff „Zombifizierung" plas tisch beschrieben wird. Für neue innovative Wettbewerber hätte das dann den Marktzutritt tendenziell erschwert, die „schöpferische Zerstörung" unterbleibt, sodass das TFP-Wachstum hinter seinen Möglichkeiten zurückblieb. Der Hinweis auf die mangelnde Unternehmensdynamik hat zudem eine große aktuelle Relevanz. Die Kehrseite der massiven staatlichen Unternehmenshilfen während der Corona-Pandemie ist eine Abschirmung von der ansonsten übli chen Marktbereinigung, die auch „kreative Zerstörung" genannt wird. Die kurz fristig gewünschte Verhinderung einer Neuordnung der Produktionsfaktoren, hin zu den produktivsten Einsatzmöglichkeiten, dürfte mittelfristig die Marktposition von etablierten Firmen gestärkt haben. Innovativen Wettbewerbern könnte aber wiederum der Markteintritt erschwert worden sein. Nach den massiven staatli chen Interventionen während der Corona-Pandemie sollte die Stärkung des Wettbewerbs wieder auf der politischen Tagesordnung nach vorn rücken. Hinsichtlich der diffusionsbehindernden Eigenheiten der digitalen Technologien und immaterieller Kapitalgüter, dürften hauptsächlich verstärkte und gebündelte Forschungsanstrengungen erfolgversprechend sein. Wie schon zuvor erörtert ist dafür die Aus- und Weiterbildung der Arbeitskräfte eine notwendige Bedingung. Damit würde auch der scheinbare technologiekomplementäre Fachkräftemangel adressiert werden. Auch abseits der Digitalisierung ist die Technologieoffenheit relevant. Man stelle sich angesichts der stark verbreiteten Skepsis gegenüber der Gentechnik vor, es hätte Unternehmen wie Biontech in der Corona-Pande mie nicht gegeben. Mögliche Koalitionsparteien sollten das Potenzialwachs tum stärker in den Fokus stellen Nach der Bundestagswahl dürften die in den Wahlprogrammen aufgestellten Forderungen nach wie vor als Richtschnur für die anstehenden Sondierungsge spräche und die folgenden Koalitionsverhandlungen dienen. Die sich abzeich nende strukturelle Wachstumsschwäche der deutschen Volkswirtschaft hätte in den Wahlprogrammen der Parteien eine prominentere Position verdient. Es könnte entgegnet werden, dass die volkswirtschaftlichen Zusammenhänge rund um das Potenzialwachstum vielleicht zu komplex für Wahlprogramme sind. Die ser Einwand erscheint aber wenig plausibel, da einige Parteien zumindest ein zelne Facetten dieses Themenbereichs ansprechen. Zudem scheut sich auch ein Großteil der Parteien nicht, ihre Programme auf weit über 100 Seiten darzu legen. TFP zwischen Technologieoffenheit und Regulierungsplänen Unter dem Eindruck der Corona-Pandemie stellen CDU/CSU, SPD, Bündnis 90/Die Grünen (Grüne) und FDP gleich zu Beginn ihrer Wahlprogramme einen Modernisierungs- und Reformbedarf für Deutschland fest. So allgemein diese Erkenntnisse erst einmal auch sein mögen, könnte deren tatsächliche Umsetzung vor allem Deutschlands TFP stärken. Da dieser Faktor alle produktionssteigernden Einflüsse zusammenfasst, die nicht auf die Auswei tung des Arbeitsvolumens oder des Kapitalstocks zurückgehen, lässt sich hier F&E, Technologieoffenheit bei CO 2 - Reduktion oder Infrastrukturausbau sind bei allen Parteien im Programm und könnten die TFP voranbringen Wachstumspotenzial bedroht, schnelles Handeln notwendig 12 | 14. Oktober 2021 Deutschland-Monitor natürlich ein breites Spektrum politischer Vorhaben einordnen, selbst wenn das in den Wahlprogrammen im Einzelnen so nicht direkt adressiert wird. Es ist zu begrüßen, dass alle Parteien die Notwendigkeit des Vorantreibens der Digitali sierung und des dafür notwendigen Ausbaus der digitalen Infrastrukturen er kannt haben. Auch über die Förderung von Forschung und Entwicklung (F&E) und den Abbau von Bürokratie herrscht programmatische Einigkeit. Im Zusam menhang mit dem klimaneutralen Umbau der deutschen Volkswirtschaft setzen insbesondere CDU/CSU und FDP auf eine Technologieoffensive. Aber auch SPD und Grüne sehen Technologie als Säule zum Erreichen der Klimaziele an. Die zum Teil neue Technologieoffenheit in dieser Breite könnte für die TFP in der kommenden Dekade einen positiven Schub bedeuten. Grundsätzliche Unterschiede werden deutlich, wenn es um die Ausgestaltung oder die Weiterentwicklung des Wirtschaftssystems geht. Das eher linke Spek trum der Parteien plädiert für mehr regulierende Eingriffe als die konservativen und liberalen Parteien. Bemerkenswert ist der Duktus der Grünen. Dort wird nicht direkt von Regulierungen gesprochen, sondern „ein Stärken" vieler Berei che angestrebt, was dann aber mit entsprechenden Regulierungen verbunden sein dürfte. Aus volkswirtschaftlicher Perspektive sind wettbewerbsorientierte Politikansätze zu begrüßen, da sie eine marktbasierte, effiziente Faktorallokation fördern. Denn die kontinuierliche Neuordnung der Produktionsfaktoren - die sogenannte kreative Zerstörung - gehört zur normalen Entwicklung von Marktwirtschaften, da sie sich, anders als Planwirtschaften, auf diese Weise dezentral koordinie ren. Dennoch bleiben genügend politische Gestaltungsmöglichkeiten übrig, wenn es darum geht den freien Marktzugang und einen fairen Wettbewerb zu gewährleisten. Im Gegensatz dazu führen selbst wohlmeinende direkte Markt eingriffe meist nur zu größerer Komplexität der Regelwerke und schlimmsten falls erzeugen sie sogar negative Gesamteffekte, da übergeordnete Marktent wicklungen außer Acht bleiben. Auch in Details der Wahlprogramme zeigen sich Unterschiede wie bspw. bei der Regulierung von Lieferketten. In der jüngeren Vergangenheit konnten deutsche Unternehmen ihre Effizienz durch die Auslagerung von Produktionsabläufen steigern, wovon letztendlich die TFP im Ganzen profitierte. Hinsichtlich einer stärkeren Regulierung reichen die Standpunkte der Parteien von einem EU Ansatz (CDU, FDP) bis hin zu einer sowohl nationalen als auch internationalen Ausweitung (Grüne, SPD eher allgemein). Der demografischen Entwicklung den Wind aus den Segeln neh men Die Schrumpfung und Alterung der deutschen (Erwerbs-)Bevölkerung ist auf grund der Langatmigkeit demografischer Entwicklungen vorgezeichnet. Somit ist der trendmäßige Rückgang des Arbeitsangebots in der kommenden Dekade ein nicht zu negierender Fakt. Es existieren jedoch viele Ansatzpunkte, um diesen demografischen Gegenwind für das Potenzialwachstum zu mildern. Dabei las sen sich vier große Handlungsfelder abgrenzen. Zum einen die Schul-, Aus- und Weiterbildung, die Erwerbsbeteiligung, das Thema Lebensarbeitszeit und nicht zuletzt die Zuwanderung. Parteien zu Schul-, Aus- und Weiterbildung Der Erörterung der Parteipositionen - die Wahlprogramme dürften nach wie vor als Richtschnur in den Koalitionsverhandlungen gelten - ist voranzustellen, dass Schule und weite Teile der Hochschulbildung in Deutschland Ländersache sind. Eine gute Schul- und Ausbildung mit arbeitsmarktrelevanten Inhalten ist Umweltbezogene Technologie- offenheit, Digitalisierung und Marktorientierung bieten TFP große Chancen FDP, CDU/CSU, SPD und Grüne treten mit unterschiedlicher Akzentuierung für Wettbewerb ein In Deutschland sind Schulbildung und weite Teile der Hochschulbildung Ländersache Wachstumspotenzial bedroht, schnelles Handeln notwendig 13 | 14. Oktober 2021 Deutschland-Monitor eine Bedingung für den erfolgreichen Eintritt möglichst vieler junger Menschen in das Erwerbsleben. Die Notwendigkeit zur Bildungsförderung vom Kleinkindal ter an wird in den hier erörterten Wahlprogrammen aufgegriffen. SPD, Grüne und CDU/CSU, wie auch die FDP thematisieren die vorschulische Bildung und auch die damit einhergehende Chancengleichheit direkt. Bei Schulbildung, dua ler Berufsausbildung und Studium zeigt sich ein ähnliches Bild, wobei die Par teien ihre Schwerpunkte selbstredend unterschiedlich wählen. Bei der FDP sticht das Ziel der Reformierung des Bildungsföderalismus hervor. Die SPD for dert eine kräftige Personalaufstockung im Bildungsbereich. Sie bleibt aber im Unklaren, wie sich die große Zahl qualifizierter Arbeitskräfte rekrutieren lassen soll. Gemeinsam mit den Grünen legt die SPD insbesondere Wert auf die Bil dungsinfrastruktur, während die CDU/CSU die finanzielle Unterstützung betont. Bei den Vorzügen der dualen Berufsausbildung herrscht zwischen den Parteien weitgehende Einigkeit. Eine Umsetzung der erörterten bildungspolitischen Ziele könnte das Qualifikationsniveau potenzieller junger Arbeitskräfte tatsächlich ver bessern und noch mehr Jugendlichen den Berufseinstieg ermöglichen. Ein dezi diert früherer Berufseintritt, um das Erwerbspersonenpotenzial zu stärken, wird aber nicht thematisiert. Angesichts der sich abzeichnenden strukturellen Umbrüche in der Arbeitswelt - Stichwort Digitalisierung - wird die berufliche Weiterbildung weiter an Gewicht gewinnen. Auch diesen Bereich greifen die Parteien mit unterschiedlicher Schwerpunktsetzung auf. Die Grünen verknüpfen das Recht auf Weiterbildung mit einer Finanzierungsforderung, allerdings in Form eines „Qualifizierungs Kurzarbeitergeldes". Die FDP setzt in diesem Kontext auf ein „Midlife-BAföG" von bis zu EUR 1000 pro Jahr und die stärkere steuerliche Berücksichtigung von Weiterbildungsausgaben der Arbeitnehmer. Zudem wird die Vernetzung von beruflicher und akademischer Bildung hervorgehoben. Auch CDU/CSU wol len das BAföG zur Unterstützung der Weiterbildung flexibilisieren, denn dem le benslangen Lernen ordnen sie eine Schlüsselrolle zu. Für eine ähnliche Aus richtung der Finanzierung und Flexibilisierung plädiert auch die SPD. Sie fordert zudem ein explizites Recht auf Weiterbildung. Alle Parteien heben den Komplex Bildung in ihren Wahlprogrammen hervor. Angesichts des wirtschaftlichen Strukturwandels ist vor allem zu begrüßen, dass auch der Weiterbildung große Aufmerksamkeit zuteilwird. An dieser Stelle explizit ein Umverteilungsziel zu verfolgen, dürfte den Umsetzungserfolg entsprechender Maßnahmen aber eher dämpfen. Insgesamt würde die Umsetzung der erörterten Ziele für den Bil dungsbereich die Beschäftigungsfähigkeit fördern. Zudem könnten sich auch positive Wechselwirkungen auf die TFP einstellen. Erwerbsbeteiligung und Lebensarbeitszeit müssen zulegen Die Parteien widmen dem Thema Arbeit ausgedehnte Passagen ihrer Wahlpro gramme. Um der sinkenden Erwerbspersonenzahl entgegenzuwirken, wären zukünftig weitere politische Weichenstellungen wünschenswert, die zu einer hö heren Erwerbsbeteiligung von Personen im entsprechenden Alter führten. Zu dem sollten Anreize so angepasst werden, dass mehr Arbeitskräfte zumindest bis zur Regelaltersgrenze am Erwerbsleben teilnehmen, natürlich nur, wenn es u.a. ihre Gesundheit erlaubt. Aus gesamtwirtschaftlicher Perspektive muss der Arbeitsmarkt hinreichend flexibel sein, damit sich die Produktionsfaktoren effi zient ordnen können. Ein zu starrer Arbeitsmarkt würde die Möglichkeiten zur Erwerbstätigkeit einschränken, wie es bspw. in der Periode vor der sogenann ten Agenda 2010 der Fall war. Gerade bei letzterem Punkt unterscheiden sich die Wahlprogramme deutlich. FDP und CDU/CSU stellen die Gewährleistung der Arbeitsmarktflexibilität deut lich heraus. Beide Parteien erkennen die Zeitarbeit nicht zuletzt als wichtige Ein Förderung beruflicher Weiterbildung zu begrüßen, aber nicht als Vehikel zur Umverteilung CDU/CSU, SPD & FDP mit größten Überschneidungen bei Weiterbildung Alle Parteien prinzipiell für mehr und bessere Bildung Unterschiedliche Schwerpunkte Erwerbspersonenpotenzial aktivieren, Arbeitsmarktflexibilität erhalten! FDP & CDU/CSU treten dezidiert für Arbeitsmarktflexibilität ein Wachstumspotenzial bedroht, schnelles Handeln notwendig 14 | 14. Oktober 2021 Deutschland-Monitor stiegsbrücke für Geringqualifizierte oder (Langzeit-)Arbeitslose. Auch die Wei terentwicklung der Minijobs (Hinzuverdienstmöglichkeiten) unterstreicht den Fle xibilitätsaspekt. Gleichwohl berücksichtigen sowohl FDP als auch CDU/CSU die Arbeitnehmerseite, indem sie von Unternehmensseite arbeitszeitliche und örtli che (mobiles Arbeiten) Flexibilität einfordern, insbesondere für Eltern und Allein erziehende. Auch die SPD thematisiert diese Möglichkeit und spricht sich für ein Beibehalten der während der Corona-Pandemie gewonnenen räumlichen und zeitlichen Arbeitsflexibilität aus. Auf Unternehmensseite sollen die Selbstständi gen gestärkt werden und andererseits die Tarifbindung vorangetrieben werden, vor allem auch im Handwerk. Die SPD fordert: „Wenn die Arbeit durch Produkti vitätsgewinne weniger werden sollte, müssen alle davon profitieren." 22 Das heißt aber implizit auch, dass die Arbeitsstunden entsprechend umverteilt werden sol len. Da, wo Gewerkschaften Arbeitszeitkürzungen fordern, möchte die SPD dies unterstützen. Eine abrupte Erhöhung des Mindestlohns auf EUR 12 (derzeit EUR 9,60) dürfte die Einstellungsbereitschaft im unteren Lohnsegment zumin dest kurzfristig spürbar dämpfen. Selbst gewerkschaftsnahe Ökonomen 23 wei sen auf die negativen Beschäftigungseffekte einer plötzlichen Erhöhung hin. Zu dem würde eine solche Erhöhung in die bestehende Struktur der Tarifverträge eingreifen. Die Unternehmen müssen sich auf ein transparentes Anpassungs verfahren verlassen können, das auf den Entscheidungen der unabhängigen Mindestlohnkommission beruht. Um dieses Verfahren zu umgehen, müsste das Mindestlohngesetz geändert werden. Im einfachsten Fall könnte der Anpas sungszyklus auf ein Jahr verkürzt werden, um der Tarifentwicklung besser fol gen zu können. Darüber hinaus möchten aber vor allem die Sozialdemokraten den Mindestlohn „armutsfest" machen, damit Mindestlohnbezieher im Alter nicht auf staatliche Rentenzuschüsse angewiesen sind. Bis eine solche Gesetzesän derung umgesetzt ist, könnte die Mindestlohnkommission das 12-Euro-Ziel auch auf regulärem Wege schrittweise erreichen. Nahezu Einstimmigkeit herrscht in den Wahlprogrammen bei der Förderung der Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Obwohl es kaum direkt adressiert wird, könnte sich daraus tendenziell ein höheres Arbeitsangebot der Haushalte erge ben. Auch über die allgemeine Stärkung der Position von Frauen im Erwerbsle ben herrscht kein Dissens. Die Umsetzung beider Ziele würde einer Steigerung der Erwerbsbeteiligung gleichkommen und der Schrumpfung der Erwerbsbevöl kerung entgegenwirken. Die fortgesetzte steuerliche Berücksichtigung des mo bilen Arbeitens im Homeoffice könnte die Erwerbsbeteiligung weiter fördern. Deutliche Unterschiede lassen sich dann wieder beim Thema Lebensarbeitszeit erkennen. Hier ist vor allem die FDP im Vergleich sehr progressiv, indem sie de zidiert fordert: „Wer früher in Rente geht, bekommt eine geringere, wer später geht, erhält eine höhere Rente." 24 Dabei soll aber der gesundheitliche Zustand berücksichtigt werden, damit es nicht zu Benachteiligungen kommt. Die Grünen wollen an der Altersgrenze von 67 Jahren festhalten, aber einen späteren Ein tritt ermöglichen. CDU/CSU streben dagegen lediglich an, dass Menschen bis zum tatsächlichen Regelalter arbeiten. Ähnlich stellt sich auch die SPD auf, schließt aber zudem eine weitere Anhebung des Renteneintrittsalters aus. Unter dem Strich kommen in diesem Punkt die programmatischen Forderungen von FDP und Grünen einer weiteren Aktivierung des Erwerbspersonenpotenzials am nächsten. 22 Wahlprogramm der SPD (2021). Das Zukunftsprogramm der SPD. S. 29. 23 Krebs, Tom und Moritz Drechsel-Grau (2021). Mindestlohn von 12 Euro: Auswirkungen auf Be schäftigung, Wachstum und öffentliche Finanzen. IMK Study. 24 Wahlprogramm der Freien Demokraten (2021). Nie gab es mehr zu tun. S. 87. Linkes Parteienspektrum konzentriert sich auf Verteilung „der Arbeit" Alle Parteien: Bessere Vereinbarkeit von Familie & Beruf kann Erwerbs quote steigern, vor allem bei Frauen FDP und Grüne offen für längere Lebensarbeitszeit Wachstumspotenzial bedroht, schnelles Handeln notwendig 15 | 14. Oktober 2021 Deutschland-Monitor Strategien für Zuwanderung sensibel behandelt Eine Zuwanderung von Personen im erwerbsfähigen Alter, vorzugsweise auch noch mit arbeitsmarktrelevanten Qualifikationen, würde den demografischen Druck auf das Potenzialwachstum mildern. In diesem Sinne warnte jüngst der Vorstandsvorsitzende der Bundesagentur für Arbeit, Scheele, wie folgt vor ei nem Fachkräftemangel: „Wir brauchen 400.000 Zuwanderer pro Jahr. Also deut lich mehr als in den vergangenen Jahren." 25 Wichtig sei dabei eine gezielte Mi gration. Allerdings wird dieses Thema nach der Zuwanderungswelle des Jahres 2015 sehr sensibel behandelt. Die Grünen und die FDP positionieren sich beim Thema Zuwanderung beson ders progressiv, vor allem wenn es um den Arbeitsmarkt geht. Die Grünen thematisieren besonders deutlich die Vorteile von gezielter Arbeits- und Bil dungsmigration nach Deutschland. Zudem wollen sie sich stark für die Integra tion von (ehemaligen) Zuwanderern einsetzen. Ähnliche Forderungen kommen aus den Reihen der FDP. CDU/CSU stehen der gezielten Migration ebenfalls positiv gegenüber, geben dem Thema aber weit weniger Raum. Die SPD stellt auch insbesondere Gerechtigkeitsaspekte der Integration in den Vordergrund und nimmt weniger direkten Bezug auf den Arbeitsmarkt. Der Kapitalstock lebt von Investitionen Die Neuausrichtung der deutschen Volkswirtschaft auf ein CO 2 -neutrales Wirt schaften erfordert eine weitreichende Anpassung des Kapitalstocks. Dazu sind umfangreiche private und öffentliche Investitionen notwendig. Die Strategien zur Umsetzung der EU-Klimaziele nehmen daher in den Wahlprogrammen der Par teien eine prominente Stellung ein. Erwartungsgemäß unterscheiden sie sich programmatisch zum Teil recht deutlich. Die Grünen verflechten die Themen Kli maschutz und Investitionen sehr weitreichend. Die Abkehr von nach ihrer An sicht klimaschädlichen Technologien wird dezidiert gefordert, sodass sich die öf fentliche Hand aus klimaschädlichen Investitionen zurückziehen soll. In dieser Absolutheit enthält die Forderung aber einen Widerspruch zum ebenfalls ge wünschten Infrastrukturausbau. Investitionen in diesem Bereich verursachen bei Baumaßnahmen CO 2 -Emissionen und fördern diese auch durch ihre Existenz an sich, wie es z.B. bei Straßen der Fall wäre. Dennoch dürfte die Umsetzung der programmatischen Ziele einen positiven Investitionsimpuls liefern, wenn die Forderungen zielgerichtet umgesetzt werden können. Auch bei FDP und CDU/CSU haben Investitionen in den Klimaschutz hohe Prio rität. Beide Lager heben aber vor allem auch den Aspekt der Wirtschaftlichkeit bei der Umsetzung der Klimaziele hervor. In dieser Hinsicht setzt sich die FDP besonders stark für eine anreizgelenkte Investitionstätigkeit ein. Die SPD wid met sich den klimaschutzorientierten Investitionen ebenfalls eingehend. Sie plant ein öffentliches Investitionsvolumen von jährlich EUR 50 Mrd. aufrechtzu erhalten. Die Wahlprogramme dieser möglichen Koalitionsparteien eint, dass sie beim Klimaschutz ambitionierte Investitionspläne darlegen. Aus volkswirtschaftli cher Sicht ist dennoch anzumerken, dass es schon in der jüngeren Vergangen heit weniger der Mangel an Finanzmitteln war, der insbesondere die öffentlichen Investitionen bremste, als vielmehr die fehlenden Fachkräfte. Das Bauen und Wohnen ist ein weiterer Themenkomplex, der für den Kapitalstock eine wichtige Rolle spielt und zudem stark von der Klimapolitik berührt wird. Die Parteien tra gen der Forderung nach mehr (bezahlbarem) Wohnraum Rechnung. Diese Vor haben stehen nicht zuletzt im Spannungsfeld von Klimapolitik, regulierenden Markteingriffen und Kapazitätsgrenzen in der Bauwirtschaft. Dennoch können 25 https://www.sueddeutsche.de/karriere/arbeitsmarkt-arbeitsagentur-chef-brauchen-400-000-zu wanderer-pro-jahr-dpa.urn-newsml-dpa-com-20090101-210824-99-946632 Grüne & FDP mit besonders konstruktiver Haltung zum Thema Arbeitsmarkt & Migration Priorität: Investitionen zum klimagerechten Umbau des Kapitalstocks Alle Parteien mit klimaschutzorientierten Investitionsplänen Bauen, Wohnen und Klimaschutz Wachstumspotenzial bedroht, schnelles Handeln notwendig 16 | 14. Oktober 2021 Deutschland-Monitor die Verspannungen am Wohnungsmarkt in letzter Konsequenz nur durch den Neubau gelöst werden. Für die klimagerechte Ertüchtigung bestehender Bau werke sollten effizienzorientierte Grundsätze gelten. Vor allem die Grünen ver knüpfen die Themen Bauen und Klimaschutz. Die soziale Perspektive kommt bei den programmatischen Forderungen aller Parteien zum Tragen. Hervorzu heben ist das Eintreten von FDP und CDU/CSU für marktorientierte angebots seitige Lösungen und das Zurückweisen von rigiden preissetzenden Marktein griffen. Grüne und SPD plädieren eher für Mietpreisbremsen oder ein Mietmora torium, wenngleich auch sie den Wohnungsbau fördern wollen. Es sind aber nicht nur die neuen umweltpolitischen Vorgaben und die Nach frage nach Wohnraum, die weitere Investitionen zur Ertüchtigung des Kapital stocks erfordern. Wie zuvor erörtert, kann der Alterung und Schrumpfung der Erwerbsbevölkerung in gewissem Grade mit einer Kapitalintensivierung entge gengewirkt werden. Auch die TFP-stärkende Modernisierung der (digitalen) In frastruktur macht zusätzliche Investitionen notwendig. Zudem würden wichtige Impulse von der Förderung der deutschen Gründungskultur ausgehen. Durch Investitionen in Kapitalgüter, an die ebenfalls technologischer Fortschritt gebun den ist, könnten sprichwörtlich „zwei Fliegen mit einer Klappe" geschlagen wer den, da so auch die TFP tendenziell gestärkt würde. Nicht zuletzt erfolgt die volkswirtschaftliche Technologiediffusion durch junge, innovative Unternehmen. Die Parteien gehen darauf ein, indem sie eine Stärkung des sogenannten Wag niskapitalsektors anstreben. Mit einer Umsetzung dieser Pläne könnte Deutsch land auch im internationalen Vergleich aufholen und auch für Investoren interes santer werden. Bisher finden viele junge Unternehmen (Startups) im angelsäch sischen Bereich günstigere Voraussetzungen für eine Gründungsfinanzierung. Ambitionierte Wahlprogramme geben Richtschnur vor Die Wahlprogramme der Parteien einer möglichen Regierungskoalition enthal ten ambitionierte Ziele für den klimagerechten Umbau der deutschen Volkswirt schaft. Im Grundsatz könnte die Umsetzung der nachhaltigkeitsorientierten In vestitionspläne das Potenzialwachstum stärken, das in dieser Dekade einen zu nehmenden demografischen Gegenwind erfahren wird. Jedoch dürfte gerade die Alterung und Schrumpfung der deutschen Erwerbsbevölkerung eines der größten Hindernisse für die Umsetzung der Investitionen bilden. Große Chan cen dieser demografischen Entwicklung einigen Wind aus den Segeln zu neh men, liegen in einer Kombination aus digitalem Fortschritt, Infrastrukturausbau und progressiver Bildungspolitik sowie flexiblen Lebensarbeitszeitmodellen. Eine arbeitsmarktorientierte Zuwanderung könnte das Potenzialwachstum zu sätzlich stärken. Marc Schattenberg (+49 69 910-31875, marc.schattenberg@db.com) Wagniskapital stärken Kapitalintensivierung zur Stärkung des Potenzialwachstums © Copyright 2021. Deutsche Bank AG, Deutsche Bank Research, 60262 Frankfurt am Main, Deutschland. Alle Rechte vorbehalten. Bei Zitaten wird um Quellen angabe „Deutsche Bank Research" gebeten. Die vorstehenden Angaben stellen keine Anlage-, Rechts- oder Steuerberatung dar. Alle Meinungsaussagen geben die aktuelle Einschätzung des Verfassers wieder, die nicht notwendigerweise der Meinung der Deutsche Bank AG oder ihrer assoziierten Unternehmen entspricht. Alle Meinungen können ohne vorherige Ankündigung geändert werden. Die Meinungen können von Einschätzungen abweichen, die in anderen von der Deutsche Bank veröffentlichten Dokumenten, einschließlich Research-Veröffentlichungen, vertreten werden. Die vorstehenden Angaben werden nur zu Informationszwecken und ohne vertragliche oder sons tige Verpflichtung zur Verfügung gestellt. Für die Richtigkeit, Vollständigkeit oder Angemessenheit der vorstehenden Angaben oder Einschätzungen wird keine Gewähr übernommen. 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