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25. Oktober 2016
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Die Europäische Kommission hat im Rahmen der Halbzeitüberprüfung des Haushalts vorgeschlagen, die Mittel für Programme zur Bekämpfung von Jugendarbeitslosigkeit deutlich aufzustocken. Wie ist der Vorstoß vor dem Hintergrund der Arbeitsmarktsituation für junge Menschen in Europa zu beurteilen? [mehr]
PROD0000000000447560 1   |    25. Oktober 2016Aktueller Kommentar 25. Oktober 2016 Jugendarbeitslosigkeit in der EU - Besserung in Sicht? Autor www.dbresearch.de Deutsche Bank Research Management Stefan Schneider Patricia Wruuck null patricia.wruuck@db.com Die Europäische Kommission hat im Rahmen der Halbzeitüberprüfung des Haushalts vorgeschlagen, die Mittel für Programme zur Bekämpfung von Ju­ gendarbeitslosigkeit deutlich aufzustocken. Wie ist der Vorstoß vor dem Hinter­ grund der Arbeitsmarktsituation für junge Menschen in Europa zu beurteilen? Die gute Nachricht zuerst: Aktuell sind in Europa rund 1,4 Millionen Jugendliche weniger arbeitslos als 2013. Damals erreichte die Arbeitslosenrate der 15-24- Jährigen mit 23,7 % im EU-Durchschnitt ihren Höchststand. Aktuell liegt der Wert bei 18,6%. Auch wenn man alternative Indikatoren zur Erfassung der Ar­ beitsmarktbedingungen für Jugendliche heranzieht, etwa den Anteil der NEET (Jugendliche, die weder in Beschäftigung, Bildung oder Ausbildung sind) oder die Beschäftigungsquote der 15-24-Jährigen, ist in den letzten Jahren eine Trendwende zu beobachten. Die geringere Arbeitslosenrate im Durchschnitt resultiert vor allem aus Verbes­ serungen in Süd­ und Osteuropa. Insgesamt haben seit 2013 neun EU­Mitglied­ staaten Rückgänge von mehr als 10 Prozentpunkten verzeichnet. Lediglich in Luxemburg, Österreich und Finnland stiegen die Raten gegen den Trend leicht an. Trotz der Rückgänge beinhaltet der EU-Durchschnittswert nach wie vor deutliche Unterschiede – selbst wenn man berücksichtigt, dass die Jugendar­ beitslosenquote Länderunterschiede teilweise überzeichnet und ein direkter Vergleich aus methodischer Sicht seine Tücken hat.Insbesondere in Deutsch­ land, wo seit 2011 europaweit der geringste Anteil junger Erwerbsloser zu ver­ zeichnen ist, kontrastiert die Arbeitsmarktsituation weiter gegenüber v.a. der in Südeuropa. Insgesamt verzeichnen noch acht Mitgliedstaaten Quoten über der 20%-Marke. Aktuell ist der Anteil arbeitsloser Jugendlicher in Spanien oder Griechenland rund sechsmal höher als hierzulande (ES: 43,2%, EL: 42,7%, DE: 6,9%), auch die Arbeitslosenquote der 15­24­Jährigen als Anteil an der Gesamt­ bevölkerung ist ca. viermal so hoch (ES: 15,5%, EL: 12,1%, DE: 3,5%). 1 2 Jugendarbeitslosigkeit in der EU - Besserung in Sicht? 2   |    25. Oktober 2016Aktueller Kommentar In Teilen spiegeln die Rückgänge seit 2013 den generellen Trend auf dem Ar­ beitsmarkt wider (Arbeitslosigkeit EU-28: 10,9% in 2013 ggü. 8,6% Aug. 2016). Ausgehend von höheren Niveaus sind die Rückgänge bei der Jugendarbeitslo­ sigkeit deutlicher (­5,1 pp). Gleichzeitig sind eine Reihe von Maßnahmen ge­ startet worden, um die Beschäftigungsperspektiven von Jugendlichen zu ver­ bessern. So wurden insbesondere im Rahmen der Beschäftigungsinitiative für junge Menschen (YEI) über den EU-Haushalt Mittel bereitgestellt, um Projekte in Ländern bzw. Regionen mit besonders hoher Jugendarbeitslosigkeit zu för­ dern und die, von den Mitgliedstaaten ebenfalls 2013 abgegebene, Beschäfti­ gungsgarantie zu unterstützen. Aktuell wird diskutiert, die Mittel für die YEI – ursprünglich EUR 6,4 Mrd. (2014­2020) – um EUR 2 Mrd. aufzustocken. Hier­ an knüpft natürlich auch die Frage nach der Wirkung bzw. Wirksamkeit bisheri­ ger Maßnahmen und der Potenziale durch Erhöhung der Mittel an. Bei den zu beobachtenden Rückgängen der Jugendarbeitslosigkeit spielen Konjunktureffekte und Politikmaßnahmen zusammen. Die Bewertung letzterer wird zudem dadurch erschwert, dass Programme häufig erst zeitverzögert Wir­ kung zeigen. Daher geben sowohl Rückgänge der Arbeitslosenraten als auch die Inanspruchnahme von Programmitteln nur bedingt Aufschluss über Effektivi­ tät von Maßnahmen. Dennoch gibt es einige Hinweise darauf, dass die Be­ schäftigungsinitiative zu Reduktion beigetragen hat. 3 4 Die YEI soll nicht zuletzt Anstoß für Reformen in Mitgliedstaaten geben bzw. de­ ren Durchführung unterstützen. Ein Blick auf die Entwicklung der Jugendar­ beitslosigkeit im Vergleich zur Arbeitslosenquote insgesamt legt nahe, dass in Ländern mit stärkeren Reformanstrengungen auch tendenziell mehr Verbesse­ rungen zu verzeichnen waren (s. Grafik 2). Zudem ist die Beschäftigungsquotein Ländern, wo vermehrt Maßnahmen gestartet worden sind, stärker angestiegen. Natürlich bleibt der Ländervergleich nach wie vor schwierig, auch weil Maßnah­ men wie Lohnsubventionen für junge Beschäftigte oder die Verbesserung dua­ ler Ausbildungssysteme sich in Qualität und ihrer Wirksamkeit über die Zeit und wohl auch in ihrer Nachhaltigkeit unterscheiden. Was könnte eine Aufstockung der EU­Budgetmittel für die YEI bewirken? Ers­ tens lässt sich argumentieren, dass diese zur Fortführung begonnener Refor­ men genutzt werden könnte bzw. dass hier weitere Anreize / Unterstützung nö­ tig sind. Der Mehrwert (weiterer) Maßnahmen liegt hier nicht nur in der Reduzie­ rung von Jugendarbeitslosigkeit aktuell, sondern auch in längerfristig stärkerer Resilienz. Zweitens kann diese die Erweiterung von Projekten erleichtern, etwa eine regional erfolgreiche Maßnahme wie etwa spezielle Beratungsangebote landesweit zu etablieren, nachdem in den vergangenen Jahren bereits Verbes­ serungspotenziale identifiziert und vielerorts Aktivitäten gestartet worden sind. Drittens legt die Analyse der bisherigen Aktivitäten nahe, dass insbesondere für Jugendliche, die besonders weit vom Arbeitsmarkt entfernt sind, noch Bedarf zur besseren Integration in den Arbeitsmarkt besteht. Hier könnten zusätzliche Mittel genutzt werden. 1.) Der Anteil innerhalb der Altersgruppe in Studium und Ausbildung ist höher als in anderen Al­ tersgruppen und der Anteil der 15­24­Jährigen, die Teil der Erwerbsbevölkerung sind, gerin­ ger. Da die Arbeitslosenrate den Anteil der arbeitslosen Jugendlichen als Anteil der Erwerbs­ bevölkerung in der Altersgruppe betrachtet, führt eine geringere Anzahl im Nenner zu tenden­ 5 6 Jugendarbeitslosigkeit in der EU - Besserung in Sicht? 3   |    25. Oktober 2016Aktueller Kommentar ziell höheren Raten als in anderen Altersgruppen. S. Vetter (2013) für weiterführende Diskus­ sion. 2.) Arbeitslosenraten als Monatswerte, Angaben für August. Anteil arbeitsloser Jugendlicher als Anteil an der Gesamtbevölkerung Stand Q2. 3.) Daneben werden auch Mittel aus den Strukturfonds für Projekte zur Verbesserung der Be­ schäftigungsperspektiven für junge Menschen genutzt. 4.) Der Kommissionsvorschlag sieht EUR 1 Mrd. zusätzliche Mittel für die Beschäftigungsinitiati­ ve sowie EUR 1 Mrd. über den Europäischen Sozialfonds vor. 5.) Gruppendefinition s. Europäische Kommission (04.10.2016): Starker Reformfortschritt: BE, BG, FR, HR, HU, IT, LI, LV, PL, PT, SI; Konstanter Reformfortschritt: AT, DE, DK, EE, FI, IE, LU, MT, NL, SE, UK; Beschränkter Reformfortschritt: CY, CZ, EL, ES, EU, SK. Während  in den Gruppen „Starker Reformfortschritt „ und „Beschränkter Reformfortschritt “alle Staaten berechtigt sind, finanzielle Hilfsmittel der EU im Rahmen der YEI an zu fordern, Sind es in der Gruppe „Konstanter Reformfortschritt“ nur drei. Insgesamt wurde letzterer ein vergleichsweise guter institutioneller Rahmen zur Bekämpfung der Jugendarbeitslosigkeit attestiert und damit entsprechend geringerer Reformbedarf. 6.) In der Gruppe „Starker Reformfortschritt“ um 3.2 PP, in der Gruppe „Beschränkter Reform­ fortschritt“ um 1,8 pp. / Die Beschäftigtenquote der 15­24­Jährigen im Vergleich zur Alters­ gruppe 15-64 ist in ersterer Gruppe um 7%, in zweiter um 3% gestiegen. Siehe auch Vetter, Stefan (2014). Who is Europe's "lost generation"? An anatomy of (un)employment demograph-ics in Europe. Deutsche Bank Research. Research Briefing. 3. Februar 2014. European Commission (2016). Communication “The Youth Guarantee and Youth Employment Initiative three years on”. 4. Oktober 2016. Jugendarbeitslosigkeit in der EU - Besserung in Sicht? 4   |    25. Oktober 2016Aktueller Kommentar © Copyright 2017. Deutsche Bank AG, Deutsche Bank Research, 60262 Frankfurt am Main, Deutschland. Alle Rechte vor­ behalten. Bei Zitaten wird um Quellenangabe „Deutsche Bank Research“ gebeten. 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