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11. Juli 2016
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Die demografische Verteilung der Wählerstimmen im britischen Referendum über den EU-Austritt ist bereits vielfach diskutiert worden. Ältere Briten haben eher für einen EU-Austritt gestimmt, laut einigen Analysen war die Wahrscheinlichkeit hierfür in der Altersgruppe über 65 mehr als doppelt so hoch wie bei den unter 25-Jährigen.* Dass Europa in unterschiedlichen Altersgruppen anders wahrgenommen wird, ist allerdings nicht nur in Großbritannien zu beobachten. [mehr]
PROD0000000000448238 1   |    11. Juli 2016Aktuelle Grafik 11. Juli 2016 Ist „Europa” eine Frage des Alters? Autor www.dbresearch.de Deutsche Bank Research Management Stefan Schneider Patricia Wruuck patricia.wruuck@db.com Die demografische Verteilung der Wählerstimmen im britischen Referendum über den EU-Austritt ist bereits vielfach diskutiert worden. Ältere Briten haben eher für einen EU-Austritt gestimmt, laut einigen Analysen war die Wahrschein- lichkeit hierfür in der Altersgruppe über 65 mehr als doppelt so hoch wie bei den unter 25-Jährigen.* Dass Europa in unterschiedlichen Altersgruppen anders wahrgenommen wird, ist allerdings nicht nur in Großbritannien zu beobachten. Eine neuere Umfrage, die insgesamt 10 europäische Länder umfasst, legt ebenfalls nahe, dass jüngere Menschen einen positiveren Blick auf die EU ha- ben als ältere Befragte (hier bereits ab 50 Jahre). In sechs Ländern beträgt die- ser „Generationenunterschied” sogar mehr als 10 Prozentpunkte. Italien ist in doppelter Hinsicht ein Sonderfall: Erstens zeigt die Umfrage hier kaum einen Unterschied zwischen jüngeren und älteren Befragten (55% bzw. 56% mit posi- tiven Einstellungen zur EU). Zweitens ist es in diesem Fall das mittlere Alters- segment (35 bis 49 Jahre), das die europafreundlichsten Einstellungen zu Pro- tokoll gibt (63%). Dies ist insofern bemerkenswert, als dass andernorts der An- teil der Befragten mit einer positiven Sicht auf die EU - unabhängig vom Ge- samtniveau - typischerweise mit dem Alter abnimmt.** Eurobarometer-Umfragen zeigen durchaus ähnliche Muster: Beispielsweise ge- ben 59% der (sehr) jungen Befragten zwischen15-24 Jahren an, die EU auf per- sönlicher Ebene vor allem mit „der Freiheit zu reisen, studieren und arbeiten” zu assoziieren. Hier liegen die Angaben 10 Prozentpunkte über dem Gesamt- durchschnitt über alle Altersgruppen hinweg (49%, EU28) und deutlich über dem Anteil in der Altersgruppe 55+ (42%).*** Deutsche Bank Research Ist „Europa” eine Frage des Alters? 2   |    11. Juli 2016Aktuelle Grafik Was beeinflusst die Unterschiede in Wahrnehmung und Bewertung der EU in den unterschiedlichen Altersgruppen? Mehrere Punkte sind hierbei zu beach- ten. Erstens scheint die Wahrnehmung einiger Vorzüge der EU altersabhängig zu sein. Dies betrifft auch die Freiheit, innerhalb der Union zu reisen, zu studie- ren und zu arbeiten; eine Möglichkeit, die insbesondere Jüngeren intuitiv reiz- voll erscheinen dürfte, nicht zuletzt weil sie hiervon aktuell Gebrauch machen oder dies in näherer Zukunft vorhaben, etwa im Rahmen von Auslandsaufent- halten im Studium. Dies ist erstmal nicht neu und der Blick auf Umfragen, die in- zwischen fast eine Dekade zurückliegen, zeigt ähnliche Muster für die beiden Altersgruppen.**** Zweitens ist die Frage nach der „Sicht auf die EU” natürlich eine sehr allgemeine. Für sich genommen, sagt sie noch nicht viel darüber aus, wo die Gründe für (weniger) positive Bewertungen herkommen. Allerdings er- scheint es plausibel, die Gesamtbewertung der EU im Zusammenhang mit eini- gen Punkten zu sehen, die Menschen mit Europa assoziieren. Hier wiederum zeigt der parallele Blick auf das Eurobarometer, dass ältere Befragte (55+) häu- figer einige Negativpunkte mit der EU in Zusammenhang bringen, etwa „Geld- verschwendung” (29% ggü. 15% der 15-24-Jährigen), „Bürokratie” (27% ggü. 13%) oder „zu wenig Kontrolle an Außengrenzen” (28% ggü. 16%). Auch dieses Muster ist für sich genommen nicht neu, aber manches deutet darauf hin, dass „Altersunterschiede” in und bezüglich Europa inzwischen deutlicher geworden sind. 1.) * Siehe beispielsweise Analysen von YouGov oder Lord Ashcroft. Für das Referendum in Großbritannien gab es keine offiziellen „exit polls“, daher basieren Angaben zur Abstimmung nach Alter auf Analysen von Umfrageinstituten am Tag der Abstimmung. Auch im Vorfeld wa- ren bereits Unterschiede in Abstimmungsabsichten in Abhängigkeit vom Alter zu beobachten. 2.) ** Siehe Pew Research Center / Bruce Stokes (7. Juni 2016): Euroskepticism Beyond Brexit. 3.) *** Siehe Eurobarometer Nr. 84 (Nov. 2015). 4.) **** Im Jahr 2007 gaben 59% der Befragten in der jüngsten Altersgruppe (15-24 Jahre) an, mit der EU persönlich die Freiheit zu leben, reisen und arbeiten zu verbinden. In der Alters- gruppe 55+ betrug der Wert 43%. (Eurobarometer Nr. 67) Deutsche Bank Research Ist „Europa” eine Frage des Alters? 3   |    11. Juli 2016Aktuelle Grafik © Copyright 2017. Deutsche Bank AG, Deutsche Bank Research, 60262 Frankfurt am Main, Deutschland. Alle Rechte vor- behalten. Bei Zitaten wird um Quellenangabe „Deutsche Bank Research“ gebeten. Die vorstehenden Angaben stellen keine Anlage-, Rechts- oder Steuerberatung dar. Alle Meinungsaussagen geben die ak- tuelle Einschätzung des Verfassers wieder, die nicht notwendigerweise der Meinung der Deutsche Bank AG oder ihrer as- soziierten Unternehmen entspricht. Alle Meinungen können ohne vorherige Ankündigung geändert werden. 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