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12. Dezember 2011
Die niedrigen Erwartungen an die Klimaschutzkonferenz von Durban waren gerechtfertigt. Ein rechtlich verbindliches Klimaschutzabkommen mit substanziellen Emissionsreduktionszielen wurde nicht nur nicht beschlossen, sondern es scheint auf absehbare Zeit unrealistisch zu sein. Trotz vielfältiger Investitionen in Energieeffizienz oder erneuerbare Energien wird es immer unwahrscheinlicher, das 2°C-Ziel zu erreichen. Faktisch entscheidet sich die Welt also für mehr Anpassung an den Klimawandel. [mehr]
Internationale Klimapolitik: Die Welt entscheidet sich für Anpassung Seite 1 von 2 Aktueller Kommentar Internationale Klimapolitik: Die Welt entscheidet sich für Anpassung 12. Dezember 2011 Die niedrigen Erwartungen an die Klimaschutzkonferenz von Durban waren gerechtfertigt. Ein rechtlich verbindliches Klimaschutzabkommen mit substanziellen Emissionsreduktionszielen wurde nicht nur nicht beschlossen, sondern es scheint auf absehbare Zeit unrealistisch zu sein. Trotz vielfältiger Investitionen in Energieeffizienz oder erneuerbare Energien wird es immer unwahrscheinlicher, das 2°C-Ziel zu erreichen. Faktisch entscheidet sich die Welt also für mehr Anpassung an den Klimawandel. Die Erwartungen an die Klimakonferenz von Durban waren niedrig – und eine positive Überraschung blieb aus. Das Ziel, ein rechtlich verbindliches Nachfolgeabkommen für die 2012 endende erste Verpflichtungsperiode des Kyoto-Protokolls zu vereinbaren, das nennenswerte Emissionsreduktionsziele zumindest für die Industrieländer beinhaltet, wurde nicht nur verfehlt. Nach Durban verfestigt sich der Eindruck, dass ein globales Klimaschutzabkommen mit deutlichen und rechtlich verbindlichen Reduktionszielen aller großen Emittenten grundsätzlich äußerst schwer zu erreichen ist und – wenn überhaupt – wohl zu spät kommt. Natürlich gab es auch in Durban wieder „Schritte in die richtige Richtung“ zu vermelden: So wird das Kyoto- Protokoll fortgeschrieben, allerdings noch ohne konkrete Vereinbarung über die Treibhausgasreduktion; Staaten wie Japan, Russland und Kanada haben zudem angekündigt, bei einer zweiten Verpflichtungsperiode nicht mehr dabei zu sein. Ferner soll bis 2015 eine „Vereinbarung mit Rechtskraft“ geschlossen werden, die auch Reduktionsziele von Staaten außerhalb des Kyoto-Protokolls (z.B. USA; China, Indien) einschließen und ab 2020 in Kraft treten soll; entscheidend ist jedoch, dass die rechtliche Verbindlichkeit dieses Konstrukts unklar ist. Ferner wurde der Green Climate Fund, über den Klimaschutz- und Anpassungsmaßnahmen in Entwicklungs- und Schwellenländern ab 2020 mit USD 100 Mrd. pro Jahr finanziert werden sollen, weiter auf den Weg gebracht, wenngleich unklar bleibt, welchen finanziellen Beitrag einzelne Länder zu leisten haben und welche Staaten nach welchen Kriterien profitieren sollen. Auch im Bereich des Waldschutzes gab es Fortschritte. Richtig ist auch, dass viele Länder unabhängig von der internationalen Klimapolitik auf Energieeffizienz oder erneuerbare Energien setzen. Die EU hat hierzu schon seit längerer Zeit konkrete Ziele beschlossen, und die geplante Energiewende in Deutschland zielt in diese Richtung. Selbst die beiden größten Emittenten von Treibhausgasen, China und USA, investieren massiv in Erneuerbare und Energieeffizienzmaßnahmen. Bei objektiver Betrachtung reicht das alles aber nicht aus, um den nach oben geneigten Trend bei den globalen Treibhausgasemissionen zu stoppen oder umzukehren; allein im letzten Jahrzehnt sind die energiebedingten CO 2 -Emissionen der Welt um mehr als 30% gestiegen. Der globale Energiehunger ist gewaltig und wird weiterhin zu großen Teilen von fossilen Energieträgern gestillt. Gerade die Kohle ist in vielen wirtschaftlich aufstrebenden Staaten reichlich vorhanden, kostengünstig und damit häufig der Energieträger der ersten Wahl. In den nächsten Dekaden wird die Bevölkerungszahl auf der Erde um mehr als 2 Mrd. Menschen wachsen – und deren Konsumbedürfnisse wachsen ebenfalls. Gleichzeitig sagen uns die Naturwissenschaftler, dass die globalen Treibhausgasemissionen noch vor 2020 ihren Höhepunkt überschreiten müssen, damit eine realistische Chance besteht, den Temperaturanstieg auf der Erde auf maximal 2°C gegenüber dem vorindustriellen Niveau zu begrenzen. Angesichts der oben beschriebenen Entwicklungen fällt es jedoch schwer, sich die dafür notwendige dramatische Trendwende in der internationalen Klimapolitik vorzustellen. Denn das häufig geäußerte Bekenntnis zum 2°C-Ziel der Politik passt nicht zu den vorgeschlagenen Maßnahmen und Anstrengungen in den internationalen Klimaschutzverhandlungen und in den meisten Fällen auch nicht zu einzelnen nationalen Klimaschutzprogrammen. Heute verweisen nach wie vor die meisten Länder auf die Verantwortung der jeweils anderen. Warum aber soll sich daran in den nächsten Jahren substanziell etwas ändern? Die Verhandlungsposition etwa von China und den USA wird auch bis 2015 oder 2020 nicht wesentlich anders sein als heute. Und die EU kann den Trend der global Seite 2 von 2 steigenden Treibhausgasemissionen allein nicht aufhalten, zumal sie noch beweisen muss, dass ihr dies selbst in Zeiten der Schuldenkrise dauerhaft gelingt. Was bedeutet das nun für die Zukunft der Klimapolitik? Ist es noch zeitgemäß, auf UN-Ebene zu einem globalen Durchbruch kommen zu wollen? Nach den Erfahrungen der letzten Jahre lautet die Antwort wohl eher Nein. Ist eine kleinere Ländergruppe – etwa die G20 – die bessere Alternative, substanzielle Fortschritte im Klimaschutz zu erzielen? Vermutlich ja, denn so lässt sich eher eine verlässliche Koalition von Vorreitern schmieden. Anlass für überschwänglichen Optimismus ist aber auch hier nicht gegeben, denn auch in der G20 stehen sich Protagonisten mit konträren Positionen gegenüber. Unabhängig vom organisatorischen Rahmen sollte man sich sicherlich nicht darauf verlassen, dass die Naturwissenschaftler mit ihren Prognosen zum Klimawandel falsch liegen. Es bleibt daher richtig, auch künftig sinnvolle Maßnahmen zur Vermeidung von CO 2 -Emissionen zu ergreifen, und es bleibt richtig, dass Regierungen und Unternehmen mit gutem Beispiel vorangehen, zumal dadurch sparsamer mit knappen Ressourcen umgegangen wird. Große Potenziale liegen u.a. in der Energieeffizienz, dem Waldschutz oder in den erneuerbaren Energien. Politik und Wirtschaft sollten weiterhin auf den technischen Fortschritt setzen und diesen fördern, da er die preisliche Wettbewerbsfähigkeit etwa der Erneuerbaren erhöhen wird. Dies alles wird aus heutiger Sicht aber wohl nicht genügen, um das 2°C-Ziel zu erreichen. Faktisch bedeutet der langsame Fortschritt in der internationalen Klimapolitik daher, dass sich die Welt für mehr Anpassung an den Klimawandel entscheidet.   Die Aktuellen Kommentare im Audio-Format finden Sie hier...     ...mehr zum Research-Bereich Branchen Aktuelle Kommentare - Archiv   © Copyright 2011. Deutsche Bank AG, DB Research, D-60262 Frankfurt am Main, Deutschland. Alle Rechte vorbehalten. Bei Zitaten wird um Quellenangabe „Deutsche Bank Research“ gebeten. Die vorstehenden Angaben stellen keine Anlage-, Rechts- oder Steuerberatung dar. 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