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13. August 2020
Die durch die Corona-Pandemie verursachten Wachstumseinbrüche im 2. Quartal waren ohne Zweifel dramatisch. Allerdings zeigt sich in den Konjunkturdaten sowie in den nunmehr akribisch verfolgten täglichen und wöchentlichen Echtzeitindikatoren, dass die meisten Länder den Weg aus der Talsohle bereits im Mai wieder eingeschlagen haben. [mehr]
PROD0000000000511043 1   |    13. August 2020 Aktuelle Grafik 13. August 2020 Insolvenzmoratorium Das dicke Ende kommt mit Sicherheit Autor www.dbresearch.de Deutsche Bank Research Management Stefan Schneider Stefan Schneider +49(69)910-31790 stefan-b.schneider@db.com Die durch die Corona-Pandemie verursachten Wachstumseinbrüche im 2. Quartal waren ohne Zweifel dramatisch. Allerdings zeigt sich in den Konjunk turdaten sowie in den nunmehr akribisch verfolgten täglichen und wöchentli chen Echtzeitindikatoren, dass die meisten Länder den Weg aus der Talsohle bereits im Mai wieder eingeschlagen haben. In Deutschland lag die Produktion im Juni „nur noch" um 11,5% unter Vor jahr, nach einem Einbruch um fast 25% im April. Diese Lücke im Vorjahresver gleich dürfte sich während der Sommermonate weiter verringern. Allerdings dürfte in der Gesamtwirtschaft das Vorkrisenniveau innerhalb der nächsten 12 Monate wohl kaum zu erreichen sein, selbst wenn der derzeitige Anstieg der Infektionszahlen nicht zu einer „zweiten Welle" führt und die für die Win termonate zu befürchtende Zunahme der Infektionszahlen unser Gesund heitssystem nicht überfordern sollte. Laut einer Umfrage des ifo Instituts rechnen deutschen Unternehmen im Schnitt mit Einschränkungen des öffent lichen Lebens bis April 2021. Wir nehmen an, dass es bis Mitte 2021 dauern dürfte, bis ein Impfstoff großflächig zur Verfügung steht, der solche Ein schränkungen nach einer gewissen Zeit beenden könnte. Angesichts des temporären Stillstands vieler Branchen im April war die rück wirkend zum ersten März eingeführte befristete Aussetzung der Insolvenzan tragspflicht ein wichtiger Schritt zur Schadensbegrenzung. Das Moratorium gilt explizit nur für Fälle, in denen die Corona-Pandemie ursächlich für die Zahlungsunfähigkeit oder Überschuldung des betroffenen Unternehmens ist. Dass trotz der auch schon vor Corona schwierigen Konjunkturlage die Unter nehmensinsolvenzen im Mai sogar um 9,9% unter das Vorjahresniveau ge sunken sind, lässt allerdings den Verdacht aufkommen, dass in manchem Un ternehmen die wirtschaftlichen Auswirkungen von Corona sehr großzügig in terpretiert werden könnten. Diese Vermutung dürfte auch mit dazu beigetra gen haben, dass zunehmend vor einer ab Oktober hereinbrechenden Pleite welle gewarnt wird. Nicht ganz überraschend sind daher die Überlegungen im Justizministerium, den Tag der Abrechnung zu verschieben, indem das Mora torium bis März 2021 verlängert wird. Allerdings stellt sich die Frage, wieso einem Unternehmen, dass es bis Ende September nicht geschafft hat, sich an das neue durch Corona veränderte Umfeld anzupassen, dies bis März 2021 Deutsche Bank Research Insolvenzmoratorium 2   |    13. August 2020 Aktuelle Grafik gelingen sollte. Zumal zu befürchten steht, dass die Belastungen durch die Pandemie im Winterhalbjahr eher wieder zunehmen. Eine von der Politik verordnete Aussetzung von Insolvenzverfahren für ein ganzes Jahr dürfte zu einer erheblichen Belastung für die gesunden Unter nehmen führen. Die Zahl der „Zombie-Unternehmen" wird weiter steigen. Diese werden eine aggressive Preispolitik verfolgen, die die Gewinnmargen der gesunden Unternehmen belastet und insgesamt den Strukturwandel be hindert. Zwar hat die Zahl der Zombie-Unternehmen durch die Nullzinspolitik der EZB schon seit einiger Zeit zugenommen, aber die durch das Moratorium geschaffene neue Gattung ist weitaus gefährlicher. Da sich die Zinspolitik der EZB wohl auf Jahre nicht verändern wird, dürften die „Zinswiedergänger" noch entsprechend lange umhergeistern. Der nunmehr entstehenden Gat tung von Zombies dürfte dagegen nur ein kurzer Aufenthalt im Reich der Un toten beschieden sein - mit entsprechenden Risiken für die Banken und für gesunde Unternehmen, die mit diesen Unternehmen Geschäftsbeziehungen unterhalten. Mit dem Ablauf des Moratoriums Ende März dürfte nicht nur die Zahl der dann einsetzenden Insolvenzverfahren - im Vergleich zu Ende Sep tember - deutlich steigen, es könnte gar zu einem Dominoeffekt kommen, bei dem auch gesunde Unternehmen durch die Häufung von Zahlungsausfällen in die Knie gezwungen werden. Man kann sich allerdings schon heute fragen, ob die Regierung sechs Monate vor der Bundestagswahl ein derartiges Szenario riskieren würde? Somit spre chen nicht nur ordnungspolitische Überlegungen, sondern auch polit-ökono mische Argumente gegen eine Verlängerung des Moratoriums über den Sep tember hinaus. Entscheidet sich Berlin trotzdem für eine Verlängerung, dürfte diese wohl nicht die letzte bleiben und wir würden dem Staatskapitalismus wieder einen großen Schritt näher kommen. Deutsche Bank Research Insolvenzmoratorium 3   |    13. August 2020 Aktuelle Grafik © Copyright 2020. Deutsche Bank AG, Deutsche Bank Research, 60262 Frankfurt am Main, Deutschland. Alle Rechte vorbehalten. Bei Zitaten wird um Quellenangabe „Deutsche Bank Research" gebeten. Die vorstehenden Angaben stellen keine Anlage-, Rechts- oder Steuerberatung dar. Alle Meinungsaussagen geben die aktuelle Einschätzung des Verfassers wieder, die nicht notwendigerweise der Meinung der Deutsche Bank AG oder ih rer assoziierten Unternehmen entspricht. Alle Meinungen können ohne vorherige Ankündigung geändert werden. 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