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15. Dezember 2016
Deutschland ist Stabilitätsanker mit unangefochtener Führungsrolle in Europa und befindet sich als einziges Land auf annähernd gleicher Augenhöhe mit den USA. Dies basiert auf vielen, sich zum Teil bedingenden und verstärkenden strukturellen Faktoren, die wir in fünf Gruppen einteilen: (1) Stabilitäts- und wachstumsorientierte Makropolitik (2) Ordo-liberal geprägte Institutionen (3) Global aufgestellte – strukturell einzigartige – Unternehmen (4) Ein ausgleichendes Sozialsystem mit kooperativen Tarifpartnern (5) Eine langfristige Orientierung von Unternehmen und Bürgern mit der Bereitschaft, auf sofortige Belohnung zu verzichten – dem ultimativ wichtigsten Erfolgsfaktor! Die Kombination aus innovativen, international aufgestellten Firmen, funktionierenden Institutionen und gut ausgebildeten Arbeitnehmern wird unserer Meinung nach auch zukünftig Wettbewerbsfähigkeit und Wohlstand sichern. Die deutsche Politik steht damit vor der großen Herausforderung, die Eurozone zusammenzuhalten. Sollten in wichtigen Partnerländern eurokritische Strömungen die Oberhand gewinnen und damit die disruptiven Risiken steigen, könnte es auch in Deutschland zu einer Neueinschätzung der Kosten und Nutzen kommen. [mehr]
dbStandpunkt Bundeskanzlerin Merkel brachte es auf den Punkt: „Den Menschen in Deutsch- land ging es noch nie so gut“. Deutschlands wirtschaftlicher Erfolg ist aber kein temporäres Ereignis, sondern ein seit der Nachkriegszeit zu beobachtendes Phänomen – und dies, obwohl das Land mit dem Wiederaufbau, den Belastun- gen durch die Wiedervereinigung von mehr als zwei Billionen EUR, der globalen Wirtschafts- und Finanzkrise und den Problemen in der EWU erhebliche Herausforderungen zu bewältigen hatte. Innerhalb der großen Länder ist Deutschlands wirtschaftliche und politische Stabilität einmalig. Während das Vereinigte Königreich auf Jahre mit dem Brexit kämpfen wird, in Frankreich und Italien notwendige Reformen an der fehlenden Entschlossenheit der Politik und dem Widerstand von Interessengruppen scheitern, Japan in der Deflationsfalle gefangen scheint und Chinas Finanzsystem zunehmend fragiler wird, ist Deutschland Stabilitätsanker mit unangefochtener Führungsrolle in Europa. Es befindet sich damit als einziges Land auf annähernd gleicher Augenhöhe mit den USA. Eine derart lange Erfolgsgeschichte basiert auf dem Zusammenwirken vieler, sich zum Teil bedingender und verstärkender struktureller Faktoren, die wir in fünf Gruppen einteilen: 1.) Stabilitäts- und wachstumsorientierte Makropolitik 2.) Ordo-liberal geprägte Institutionen 3.) Global aufgestellte – strukturell einzig- artige – Unternehmen 4.) Ein ausgleichendes Sozialsystem mit kooperativen Tarifpartnern 5.) Eine langfristige Orientierung von Unternehmen und Bürgern mit der Bereitschaft, auf sofortige Belohnung zu verzichten – dem ultimativ wichtigsten Erfolgsfaktor! Die Kombination aus innovativen, international aufgestellten Firmen, funktio- nierenden Institutionen und gut ausgebildeten Arbeitnehmern wird unserer Meinung nach auch zukünftig Wettbewerbsfähigkeit und Wohlstand sichern. Industrie 4.0 ist die Synthese von IT und Ingenieurskunst, der deutschen Para- dedisziplin. Hier besitzt Deutschland viele „Hidden Champions“, deren Namen im Gegensatz zu den amerikanischen IT-Schwergewichten kaum bekannt sind. Die mit Verve einsetzende Transformation der deutschen Automobilindustrie zeigt, dass Deutschland auch in Zukunft Innovationsvorsprünge generieren kann. Dabei wird „Made in Germany“ immer häufiger durch das neue Erfolgs- label „Invented in Germany“ ergänzt. Damit bleiben die übrigen EWU-Mitglieder unter erheblichem Anpassungsdruck. Dies stellt die deutsche Politik vor die große Herausforderung, die Eurozone zusammenzuhalten. Trotz der im Rahmen der Eurorettung bisher aufgelaufenen potenziellen Verbindlichkeiten von über 1 Billion Euro (ESM, EFSF, QE, Target2) überwiegen für Deutschland wohl noch die Vorteile – nicht zuletzt, weil eine eigene deutsche Währung sofort massiv aufwerten würde. Sollten in wich- tigen Partnerländern eurokritische Strömungen die Oberhand gewinnen und damit die disruptiven Risiken steigen, könnte es aber auch in Deutschland zu einer Neueinschätzung der Kosten und Nutzen kommen. David Folkerts-Landau Group Chief Economist Stefan Schneider Chief German Economist Deutsche Bank AG Deutsche Bank Research Frankfurt am Main Deutschland E-Mail: marketing.dbr@db.com Fax: +49 69 910-31877 www.dbresearch.de 15.Dezember 2016 Hochburg der Stabilität: Was Deutschland so erfolgreich macht Hochburg der Stabilität: Was Deutschland so erfolgreich macht 2 | 15. Dezember 2016 dbStandpunkt Einleitung Seit seinem Aufstieg zu einer Industrienation vor rund 150 Jahren hat Deutsch- land, ungeachtet zahlreicher massiver Rückschläge (Weltkriege, Währungsre- formen) und Herausforderungen (Wiedervereinigung, Migration) einen Spitzen- platz unter den Industrieländern behauptet. Seit mehr als einem halben Jahr- hundert liegt Deutschland bei den BIP-Wachstumsraten in der Spitzengruppe der Industrieländer. Seit 2007 nehmen Deutschland und die USA mit jeweils durchschnittlich 1,3% p.a. die beiden Spitzenplätze ein, während die meisten anderen Länder der Eurozone mit den Anfang des Jahrtausends entstandenen Fehlentwicklungen kämpfen. Die deutsche Industrie ist in vielen Bereichen schon seit Dekaden Weltspitze. Daher konnte Deutschland trotz des Aufstiegs der Schwellenländer während der letzten 25 Jahre, anders als die übrigen In- dustrieländer, seinen Welthandelsanteil nahezu halten. Bis vor 10 Jahren hatte Deutschland ein Abo auf den Titel des Exportweltmeisters, seitdem ist das Land immer unter den Top 3. Die wirkliche herausragende Position Deutschlands ergibt sich aber erst dadurch, dass es hier, anders als in den meisten übrigen Industrieländern, während dieser Zeit zu keinen größeren politischen und wirt- schaftlichen Exzessen oder Krisen gekommen ist. Seit 1949 kam es in Deutschland nur dreimal zu vorgezogenen Neuwahlen. Das Land wurde von lediglich acht Bundeskanzlern regiert, deren durchschnittliche Amtszeit bei über 8 Jahren liegt. Es gab weder große Verwerfungen durch Im- mobilienpreisblasen noch durch private oder öffentliche Schuldenkrisen. Ganz im Gegenteil, Staat, Unternehmen und Private Haushalte haben in den letzten Jahren ihre ohnehin niedrige Verschuldung weiter zurückgeführt. Der deutsche Staat war immer einer der besten Schuldner weltweit. Die Stabilität der D-Mark war sprichwörtlich. Wirtschaftswunder und D-Mark wurden zum Gründungs- mythos der Bundesrepublik. Die D-Mark war Sinnbild für den ostdeutschen Wunsch nach Wiedervereinigung. Selbstverständlich war die deutsche Inflati- onsrate seit 1960 mit 2,7% die mit Abstand niedrigste unter den großen Indust- rieländern (USA 3,9%, Japan 3,2%, ganz zu schweigen von UK 5,3% oder gar Italien 6,2%). Die Schweiz verzeichnet als einziges OECD-Land eine marginal geringere Inflation (2,6%), eine um den temporären Inflationsschub der Wieder- vereinigung bereinigte deutsche Rate würde aber noch unter der der Schweiz liegen. Obwohl der deutsche Bundkanzler Schmidt 1972 bei einer Wahlkampfveranstal- tung gesagte hatte, dass ihm 5% Inflation lieber seien als 5% Arbeitslosigkeit, zeigt die deutsche Entwicklung, dass anders als durch die Phillips-Kurve sugge- riert, Preisstabilität und niedrige Arbeitslosenraten miteinander vereinbar sind. Aufgrund des im internationalen Vergleich längere Zeit komfortablen sozialen Sicherungssystems liegt die deutsche Arbeitslosenquote zwar im historischen Durschnitt mit 7,9% über dem OECD-Schnitt (7,0%), aber deutlich unter den größeren europäischen Nachbarländern. Nicht zuletzt dank der kooperativen Tarifpartnerschaft und der Hartz-Reformen hat der Arbeitsmarkt in Deutschland den durch die globale Wirtschafts- und Finanzkrise verursachten Wachstums- einbruch deutlich besser als in den übrigen OECD-Industrieländern verkraftet. Seit Q4 2007 ist die Erwerbstätigenquote in Deutschland um 4,8 Prozentpunkte gestiegen; die höchste Zunahme unter den Industrieländern; das Plus ist deut- lich stärker als in Japan (3,1%) und der OECD insgesamt (0,2 pp, USA -2,4 pp). Dabei beeindruckt im internationalen Vergleich insbesondere die niedrige deutsche Arbeitslosenquote bei Jugendlichen von unter 7% (NL 10,5%, FR 26%, IT 36%, ES 43%). Ein Grund dafür ist das deutsche duale Ausbildungs- system, das sich zu einem Exportschlager entwickelt hat. Ein weiterer Exportschlager ist das deutsche Rechtssystem, das in allen interna- tionalen Vergleichen weit vorne landet. Auch bei Vergleichen der Qualität von 0 20000 40000 60000 80 85 90 95 00 05 10 15 GB US FR West-DE Ost-DE IT ES Nominales BIP pro Kopf 1 USD Quellen: IWF, Deutsche Bank Research 10000 20000 30000 40000 80 87 94 01 08 15 West-DE Ost-DE FR IT ES Reales BIP pro Kopf 2 EUR Quellen: Statistisches Bundesamt, Deutsche Bank 0 5 10 15 91 96 01 06 11 16 DE FR IT GB JP US Weltmarktanteile 3 % Güterexporte am Weltmarkt Quellen: Ameco, Deutsche Bank Research Hochburg der Stabilität: Was Deutschland so erfolgreich macht 3 | 15. Dezember 2016 dbStandpunkt Regierung und Verwaltung ist Deutschland regelmäßig auf Spitzenplätzen zu finden. Dieser beeindruckende Erfolg ist Ergebnis einer einmaligen Kombination aus mikro- und makroökonomischen Faktoren und institutionellen Charakteristika, die sich in ihrer Wirkung gegenseitig ergänzt und verstärkt haben. Im Folgenden diskutieren wir 5 stilisierte Fakten, die Grundlage für Deutsch- lands Erfolge sind. i.Stabilitäts- und wachstumsorientierte Makropolitik ii.Ordo-liberal geprägte Institutionen iii.Global aufgestellte – strukturell einzigartige – Unternehmenslandschaft iv.Ein ausgleichendes Sozialsystem mit kooperativen Tarifpartnern v.Eine langfristige Orientierung von Unternehmern und Bürgern Natürlich kann sich Deutschland auf diesen Erfolgen nicht ausruhen. In den letzten Jahren hat sich das Reformtempo deutlich verlangsamt. In der Arbeits- markt und Rentenpolitik wurden teilweise Maßnahmen durchgeführt, die sich in der Zukunft als Belastungen erweisen dürften. In der Energiepolitik ist Deutsch- land immer noch auf der Suche nach einem Weg, der wirtschaftliche und ökolo- gische Notwendigkeiten in Einklang bringt. Die größten Herausforderungen dürf- ten sich aber innerhalb der europäischen Währungsunion sowie durch die Infragestellung der Globalisierung in vielen Teilen der Welt ergeben. Damit wer- den wir uns im letzten Abschnitt dieses Artikels befassen. Kritiker aus den unterschiedlichsten Lagern werden uns wohl dennoch vorwer- fen, dass die Beurteilung Deutschlands in dieser Studie zu wohlwollend ausge- fallen ist. Wir finden es allerdings richtig und wichtig, uns in einer Welt, die zu- nehmend von negativen Überraschungen und krisenhaften Entwicklungen do- miniert wird, mit der politischen und wirtschaftlichen Stabilität Deutschlands, die nunmehr über ein halbes Jahrhundert andauert und häufig als gegeben betrach- tet wird, zu beschäftigen. Man kann davon nur lernen! 0 20 40 60 83 87 91 95 99 03 07 11 15 DE ES NL FR IT Jugendarbeitslosenrate 4 % Quelle: Eurostat Hochburg der Stabilität: Was Deutschland so erfolgreich macht 4 | 15. Dezember 2016 dbStandpunkt Stabilitäts- und wachstumsorientierte Makropolitik Mit der Einführung der D-Mark im Jahr 1948 hielten die Westdeutschen nach schmerzvollen Erfahrungen mit früherem Papiergeld zum ersten Mal eine stabile Währung in ihren Händen. Die D-Mark erwies sich bereits im System von Bretton Woods als besonders wertstabil, denn viele Währungen – allen voran der französische Francs – werteten gegen sie ab. Die Stabilität der D-Mark be- ruhte auf niedrigen Inflationsraten, ein Ergebnis der langfristig orientierten Geld- politik der Deutschen Bundesbank. Diese Ausrichtung führte beispielsweise zur Einführung des Geldmengenziels (vor allen anderen Zentralbanken) und damit der Kontrolle der Kreditvergabe im Einklang mit dem Potentialwachstum. Wenngleich die Bundesbank dieses Ziel pragmatisch handhabte, stiegen die deutschen Leitzinsen aufgrund der starken Stabilitätsorientierung häufig früher und stärker als in anderen Ländern. Beispielsweise hob nach der zweiten Ölp- reiskrise die Bundesbank die Zinsen an, um die Inflation zu bremsen, während der französische Leitzins unverändert blieb, um die negativen Wachstumseffek- te des Ölpreisschocks zu dämpfen. Die deutsche Wirtschaft stellte sich auf die unterschiedlich ausgerichtete Geldpolitik der verschiedenen Zentralbanken in Europa ein. Die Abwertungen anderer europäischer Währungen führten zwar kurzfristig zu Wettbewerbsnachteilen, erhöhten aber die Anreize für die deut- schen Unternehmen, die Produktqualität der Exportgüter zu steigern und Markt- führerschaft anzustreben. Dies wirkt sich bis heute auf die deutsche Unterneh- mensstruktur aus. F iskalpolitik: Von der Globalsteuerung zur schwarzen Null Ebenso wie bei der Geldpolitik wurde auch bei der Fiskalpolitik stärker als in den meisten anderen europäischen Ländern auf Nachhaltigkeit geachtet. Zwar gibt es eine ganze Reihe kleinerer Industrieländer mit gemessen am BIP deutlich niedrigeren öffentlichen Schuldenständen, aber gegenüber den anderen großen Industrienationen ist der Schuldenstand von rund 70% moderat (Großbritannien rund 90%, Frankreich 95%, Spanien 100%, USA 105%, Italien 130%, Japan 250%). Der Anstieg der deutschen Staatsschulden zwischen 1960 und 2000 hatte zwei wesentliche Ursachen. Zum einen in den 1970er Jahren die Verfol- gung eines keynesianischen Ansatzes der Globalsteuerung der Nachfrage, der aber in der Stagflation endete. Zusammen mit den negativen Folgen der Öl- preiskrisen verdoppelte sich so die öffentliche Verschuldung. Zum anderen ließ die Wiedervereinigung die deutsche Verschuldung abermals um rund 20%- Punkte steigen. So flossen zu Lasten des Staatssektors bis zu EUR 2.000 Mil- liarden nach Ostdeutschland, um den Strukturwandel nach dem Niedergang der ostdeutschen Industrie zu finanzieren. Deutschlands Staatschulden stünden im internationalen Vergleich ohne den Wiedervereinigungseffekt folglich noch deut- lich besser da. Nach der Wirtschafts- und Finanzmarktkrise 2007 bis 2009 und den Staatshilfen für den Bankensektor stieg die Verschuldung kurz über 80%, hat sich seitdem aber wieder deutlich reduziert. Dazu haben nicht zuletzt die dank der Niedrig- zinspolitik der EZB angefallenen Ersparnisse von mehr als EUR 100 Milliarden im Staatssektor beigetragen. Setzt sich die positive Entwicklung der letzten Jah- re in ähnlichem Tempo fort, könnte die Verschuldung am Ende des Jahrzehntes auch unter die 60%-Schuldengrenze fallen, wie im Maastrichtvertrag im Jahr 1992 vereinbart. In der Eurozone dagegen ist die Staatsschuldenquote 2015 erstmals wieder leicht gesunken (90,4%). In den USA dürfte die Schuldenquote wohl mit dem Regierungswechsel deutlich steigen. Die relativ solide deutsche Fiskalpolitik erhält dem Staat Handlungsspielräume – auch für unvorhergesehe- ne Ereignisse. Das zeigte sich besonders bei der Bewältigung der jüngsten Kri- sen, in denen Deutschland auch mit Garantien für andere Euroländer eintreten konnte, ohne sein Toprating einzubüßen. Eine geringe Staatsverschuldung ist 0 25 50 75 100 56 60 64 68 72 76 80 84 88 92 96 USD GBP FRF ITL NLG BEF Deutsche Mark vs. andere Währungen 5 1956=100 Quellen: Bundesbank, Deutsche Bank Research -5 0 5 10 59 63 67 71 75 79 83 87 DE FR 10jährige inflationsbereinigte Kapitalmarktzinsen 7 % Quellen: IWF, Deutsche Bank Research -4 0 4 8 12 99 01 04 06 09 11 14 16 M3 EZB Referenzwert EZB monetäres Ziel 8 % gg. Vj. Quelle: EZB -5 5 15 25 59 63 67 71 75 79 83 87 91 95 99 DE FR ES IT % gg. Vj. Quellen: IWF, Deutsche Bank Research Konsumentenpreise 6 Hochburg der Stabilität: Was Deutschland so erfolgreich macht 5 | 15. Dezember 2016 dbStandpunkt auch ein von der Gesellschaft grundsätzlich befürwortetes Ziel (siehe S. 12/13). So wurden im Jahr 2009 auf Verfassungsebene Schuldenbremsen implemen- tiert. Die Nettoschuldenaufnahme des Bundes ist seit dem Jahr 2016 begrenzt und die der Länder ab dem Jahr 2020. Man darf skeptisch sein, ob dieser vor- bildliche Ansatz den Praxistest in einer Rezession oder einer Wirtschaftskrise besteht. Doch die Implementierung in der Verfassung unterstreicht, wie wichtig vielen deutschen Politikern und Wählern eine nachhaltige Fiskalpolitik ist. Ordo-liberal geprägte Institutionen Ein wichtiger Faktor für Deutschlands Erfolg nach dem zweiten Weltkrieg war das Leitbild der Sozialen Marktwirtschaft. Die Soziale Marktwirtschaft ist ein Konzept des Ausgleichs zwischen Marktergebnis und dem politisch gewünsch- ten Maß an Gemeinwohl. Sie zielt auf Inklusion. Das Motto heißt Teilhabe mög- lichst vieler am sozialen und kulturellen Leben, am Arbeitsmarkt und am Kon- sum. Für die Balance von Wirtschaft und Sozialem sorgen ein unabhängiges freiheitlich orientiertes Rechtssystem, eine am Konkurrenzprinzip und an der Offenheit der Märkte ausgerichtete Wettbewerbsordnung, die Sozialpartner- schaft der Tarifparteien und ein ausgleichendes Sozialsystem sowie demokra- tisch legitimierte Parteien, in deren Wettbewerb unterschiedliche Gruppeninter- essen ausbalanciert werden. Ergebnis ist ein im internationalen Vergleich sehr robustes aber trotzdem flexibles Wirtschafts- und Sozialsystem. Aus der Sozialstaatsgarantie des Grundgesetzes leiten sich Schranken ab, die wirtschaftliche Dynamik mitunter zwar bremsen, wie etwa beim Wohnungsbau (Mieterschutz, Mietpreisbremse), aber andererseits privatwirtschaftliche Aktivitä- ten selbst in regulierten Bereichen, wie dem Gesundheitswesen oder dem Wohnungsbau, ermöglichen. Deutschlands relativ gutes Ranking beim „Ease of Doing Business Indikator“ der Weltbank bestätigt diesen Befund. Erfolgsmodell „Soziale Marktwirtschaft“ In Krisenzeiten kann das deutsche Modell der Sozialen Marktwirtschaft überra- schend flexibel sein. So sucht die Agenda 2010 – „das“ Konzept (der Regierung Schröder) zur Reform des deutschen Sozialsystems und des Arbeitsmarktes – im internationalen, insbesondere im europäischen Vergleich ihresgleichen. Die Großreform brach Verkrustungen am Arbeitsmarkt auf und wirkte der Überforde- rung des Sozialstaates entgegen. Nach dem Prinzip Fordern und Fördern stärk- te sie Arbeitsanreize und sorgte durch restriktivere staatliche Lohnersatzleistun- gen für mehr Beweglichkeit bei den Löhnen im unteren Bereich. Dem Flexibili- tätsschub verdankt Deutschland eine im europäischen Vergleich überaus nied- rige Arbeitslosenquote. Ordo-Liberalismus zur Vermeidung wirtschaftlicher Macht Das deutsche Wirtschaftswunder basiert auch auf einem klaren Bekenntnis zum Wettbewerbsgedanken, einer aktiven Wettbewerbspolitik sowie dem Primat einer stabilen Währungspolitik. All dies fußt auf den Erkenntnissen des Ordo- liberalismus, für die insbesondere Walter Eucken steht. Demnach sorgen offene Märkte für Konkurrenz, Wettbewerb, Innovationen, Kundenorientierung und auch adäquate Preise. Sozial inakzeptable Ergebnisse verhindern Wettbe- werbs-, Wirtschafts-, Ordnungs- und auch Sozialpolitik sowie die Begrenzung wirtschaftlicher Macht. Die Soziale Marktwirtschaft ist ein auch international anerkanntes Leitbild. Sie meistert bisher auch große Herausforderungen; z.B. die Integration Europas oder die fortschreitende Globalisierung des Handels und der internationalen Arbeitsteilung. 0 100 200 300 JP IT US ES FR UK DE 2015 Staatsschulden 9 % des BIPs Quelle: OECD 10 20 30 40 50 60 50 54 58 62 66 70 74 78 82 86 90 94 98 Öffentliche Schulden 10 in % des BIPs Quellen: Statistisches Bundesamt, Deutsche Bank Research 50 60 70 80 90 00 05 10 15 20 in % des BIPs Quellen: Bundesbank, Deutsche Bank Research Gesamtstaat: Schuldenstand 11 0 10 20 30 40 50 NZ SG DK KR UK US SE DE CA NL FR CH ES JP IT * Unter 190 Ländern Quelle: Weltbank 2016 Ease-of-doing-business Rang* 12 Hochburg der Stabilität: Was Deutschland so erfolgreich macht 6 | 15. Dezember 2016 dbStandpunkt Entscheidend zum Erfolg Deutschlands hat beigetragen, dass es zum einen zwar ganz grundsätzlich auf die Freiheit des Wettbewerbs, Marktlösungen und freies Unternehmertum setzt, dass die entscheidenden Akteure zum anderen aber auch in wirtschaftlich bzw. politisch heiklen Situationen sowie bei Zukunfts- themen den Mut aufbringen, sehr flexibel – z.B. durch politische Weichenstel- lungen – zu kooperieren. Global aufgestellte – strukturell einzigartige – Unternehmenslandschaft Die ordo-liberalen Rahmenbedingungen, eine lange, gute unternehmerische Tradition und die zunehmende internationale Arbeitsteilung haben in Deutsch- land eine kompetitive – strukturell einzigartige – Unternehmenslandschaft er- möglicht. Dynamischer Mittelstand plus Großunternehmen Deutschlands Unternehmenslandschaft kennzeichnen bemerkenswerter Eigen- schaften: — Erstens, ist der Mittelstand prägend. Besonders hervorzuheben sind dabei die größeren Familienunternehmen. Vor allem diese stellen einen großen Unterschied zu vielen anderen entwickelten Volkswirtschaften dar. Die 4.500 größten Familienunternehmen beschäftigten 2013 in etwa 7,2 Millio- nen Mitarbeiter (rund 1.600 Mitarbeiter pro Unternehmen) und erwirtschafte- ten einen durchschnittlichen Umsatz in Höhe von rd. EUR 1.750 Mrd. (fast EUR 400 Mio. pro Unternehmen). Damit erzielen sie rund ein Fünftel der Gesamtumsätze aller deutschen Unternehmen und beschäftigten rund ein Sechstel aller Arbeitnehmer. Viele dieser Unternehmen sind global aufge- stellt. Eine durchaus beachtliche Zahl, laut ZEW rund 1.500, der Unterneh- men des Mittelstandes sind in einem Nischenmarkt führend, darunter viele „Hidden Champion“, d.h. in der Öffentlichkeit kaum bekannt. — Zweites besitzt Deutschland aber auch einen hohen Anteil an Großunter- nehmen mit mehr als 250 Mitarbeitern. So zählen in Deutschland rund 2% aller Unternehmen zu den Großunternehmen, während in anderen Ländern oftmals weniger als 1% der Unternehmen in diese Kategorie fallen. — Drittens, die DAX-Unternehmen sind globale Wettbewerber, die im Inland rund 3,5 Millionen Menschen beschäftigen (in etwa jeder 12. deutsche Ar- beitsplatz); wobei viele dieser Unternehmen im Ausland noch mehr Mitar- beiter als im Inland haben. Trotzdem werden bis heute einige der großen Aktienunternehmen aufgrund ihrer speziellen Eigentümerstruktur auch zu den Familienunternehmen gezählt. BMW, Continental, Fresenius, Merck und Volkswagen sind besonders bekannte Beispiele. — Viertens sind einige nicht gelistete Familienunternehmen ähnlich große Arbeitgeber wie die börsennotierten. Zu den bekanntesten Namen zählen große Einzelhändler, wie die Schwarz-Gruppe und Aldi Nord/Süd, aber na- türlich auch viele Industrieunternehmen, darunter Robert Bosch, Freuden- berg, Liebherr und Würth. — Fünftens gehören viele deutsche Unternehmen regionalen und sektoralen Clustern an. In diesen existiert eine enge technologische und räumliche Verzahnung von Herstellern, Zulieferern, Logistikunternehmen, Ausrüstern und universitären Forschungseinrichtungen. Diese Cluster sind vielfach die Grundlage für Innovationen und neue Produkte. 0 2 4 6 8 10 12 DE GB FR ES IT Mittelstandsunternehmen 13 Anteil in % der Unternehmen mit 50-249 Mitarbeiten an allen Unternehmen Quellen: OECD, Deutsche Bank Research 0 2 4 6 8 4500 größte Familien- unternehmen DAX Anzahl Beschäftigte 14 in Mio. Quellen: IfM, Deutsche Bank Research 0 10 20 30 CN DE PL JP TR IN IT ES US BR FR GB RU 2015 Verarbeitendes Gewerbe 15 Anteil am BIP in % Quellen: Weltbank, Deutsche Bank Research 0 30 60 90 120 150 US JP UK AU KO IN CN DE IT RU BR Marktkapitalisierung 16 in % BIP Quellen: Bloomberg Finance LP, Deutsche Bank Research Hochburg der Stabilität: Was Deutschland so erfolgreich macht 7 | 15. Dezember 2016 dbStandpunkt — Sechstens erklärt diese Eigentümerstruktur auch die gemessen am Brut- toinlandsprodukt relativ geringe Marktkapitalisierung aller AGs von lediglich rund 50% (Großbritannien, Japan und die USA über 100%). Auch rein zah- lenmäßig gibt es in Deutschland neben den 30 DAX-Werten nur rund 800 weitere gelistete Börsenunternehmen. Damit ist die Finanzierungsstruktur vieler deutscher Unternehmen weiterhin eher kapitalmarktfern. — Siebtens hat Deutschland aufgrund der hohen Innovationstätigkeit seiner Unternehmen bis heute einen besonders hohen Wertschöpfungsanteil des Verarbeitenden Gewerbes. Zudem ist die Bedeutung der Industrie in den letzten 20 Jahren stabil geblieben, ganz im Gegensatz zu den meisten an- deren entwickelten Volkswirtschaften. Die einmalige Industrie- und Unternehmensstruktur macht die deutsche Wirt- schaft besonders anpassungsfähig und offen für internationale Entwicklungen. Deutsche Unternehmen: extrem innovativ & (notfalls) immer wieder revolutionär Der Aufstieg des Industriestandorts im Herzen Europas vor mehr als hundert Jahren beruht auf Erfindern und Unternehmerpersönlichkeiten wie Carl Bosch, Gottlieb Daimler, Friedrich Engelhorn, Friedrich Krupp, Carl von Linde, Ferdi- nand Porsche, August Thyssen und Werner von Siemens – um nur einige zu nennen. Sie begleiteten ihre bahnbrechenden Produkt- oder Prozessinnovatio- nen von der Idee bis zur Serienreife und legten damit den Grundstein für eine dauerhafte Erfolgsgeschichte. Die globale Patentstatistik belegt Deutschlands Einfallsreichtum auch in den letzten 50 Jahren. Das wohl umfassendste Bild der Innovationsfreudigkeit in Europa liefert der jährliche „Innovation Scoreboard Index“ der EU-Kommission. Unter den großen Ländern ist nur Deutschland in der Spitzengruppe. Beispiels- wiese tätigt Deutschland regelmäßig höhere private und öffentliche For- schungsausgaben und ist innovativer als andere bevölkerungsreiche Länder. Die Innovationsfreudigkeit dürfte auch in den kommenden Jahren Marktanteile sichern. Beispielsweise ist Deutschland, weitgehend unbemerkt, führend bei der Anzahl der Patente für autonomes Fahren – eine Zukunftsvision rund um die Digitalisierung von Transport, Verkehr und Mobilität. Ebenso bauen die Markt- führer der Automobiltechnologie nun verstärkt auf Elektromobilität (und auch künftige Wasserstoffautos), wie die zahlreichen ambitionierten Investitions- Von „Made in Germany“ zu „Invented in Germany“ 17 „Made in Germany“ geht auf eine Initiative der britischen Regierung 1887 zurück. Mit dieser Kennzeichnung sollten deutsche Waren dis- kriminiert und so vom britischen Markt fernge- halten werden. Dies geschah nicht ohne Grund, denn deutsche Exporteure nutzten damals auch teilweise unfaire Strategien.. Die britischen Maßnahmen waren allerdings nur von mäßigem Erfolg. Allein von 1883 bis 1893 stiegen die deutschen Exporte nach Großbri- tannien um 30%. Die damaligen Erfolgsfakto- ren deutscher Waren – Kundennähe, Innovati- on, Preiswürdigkeit, Qualität und Güte – gelten auch heute noch. Schon früh mutierte die vermeintliche Stigmati- sierung zum kostenfreien Marketing. Damit verbunden war eine beispiellose Aufholjagd des spät industrialisierten Deutschlands, die darin kumulierte, dass „Made in Germany“ zum Etikett für technisch anspruchsvolle, hochwer- tige und international gleichwohl günstige Waren stand. Inzwischen gibt es Weiterentwicklungen des Labels wie „Invented in Germany“. Dieses signalisiert, dass die betreffenden Waren mit deutschem Know-how – Forschung und Ent- wicklung – kreiert wurden. Immer öfter nutzen ausländische Produzenten den Innovations- standort Deutschland, seine vorbildlichen Forschungs- und Entwicklungssysteme. Dies umfasst so unterschiedliche Institutionen/ Einrichtungen wie Hochschulen (v.a. techni- sche Hochschulen und Universitäten), innova- tionsfreudige Mittelständler und forschungs- starke Industrieunternehmen (in Deutschland praktisch in allen Industriezweigen zu finden) sowie die in Deutschland etablierten Netzwer- ke und Forschungszentren. Die ungebrochene Attraktivität von „Invented in Germany“ sieht man daran, dass nach wie vor viele ausländische Unternehmen den Standort Deutschland für R&D nutzen. Dies erfolgt durch direkte Investitionen vor Ort, aber auch in den Technologiesegmenten, wo deutsches Know-how – zumindest in kurzer Zeit – kaum aufholbar erscheint, einfach durch Unterneh- mensübernahmen. Ein besonderer Anreiz für Übernahmen besteht freilich immer dann, wenn „der Markt“ den Wissens- bzw. Know- how-Vorsprung noch nicht „eingepreist“ hat. In jüngster Zeit besorgt diese Entwicklung immer mehr, insbesondere wenn deutsche Know- how-Träger von ausländischen Adressen übernommen werden/werden sollen, die ihrer- seits überwiegend staatlich finanziert sind (z.B. China). No path$$SheetNameNo sheetname$$TextTableTextTable 0% 5% 10% 15% 20% 25% 30% Antriebstechnik Fördertechnik Werkzeugmaschinen Landtechnik Nahrungsmittel- und Verpackungsmaschinen Präzisionswerkzeuge Kompressoren, Druckluft- und Vakuumtechnik Verfahrenstechnische Maschinen und Apparate Flüssigkeitspumpen Fluidtechnik Kunststoff- und Gummimaschinen Druck- und Papiertechnik Textilmaschinen (ohne Trockner) Mess- und Prüftechnik Industrieöfen, Brenner und Feuerungen Holzbearbeitungsmaschinen Feuerwehrgeräte Reinigungssysteme Maschinenbau insgesamt Quellen: Statistisches Bundesamt, VDMA Deutschland ist Exportweltmeister im Maschinenbau: Nr. 1 in 18 von 31 Maschinenbauzweigen 18 % an Weltexport, 2014 Hochburg der Stabilität: Was Deutschland so erfolgreich macht 8 | 15. Dezember 2016 dbStandpunkt programme der großen deutschen Automobilbauer belegen. In einer ähnlichen herausfordernden Position befindet sich auch der weiterhin hochinnovative Maschinenbau. Die Transformation zum Industrieland 4.0 dürfte die globalen Wertschöpfungsketten neu ausrichten. Spitzenreiter in vielen Technologiefeldern Deutschland dominiert die Automatisierungstechnik, revolutioniert die Robotik und ist Spitze in der digitalen Produktion. Zudem ist Deutschland führend im Zukunftsmarkt virtuelle Systeme und offeriert ständig neue Lösungen für hoch- komplexe und gleichwohl effiziente Produktionssysteme. Überdies liefert Deutschland auch die Software für hochpräzise Fertigungssteuerung; dies spart Kosten, steigert das Tempo und es werden höhere Standards von der Produkti- on bis zur Liefertreue erreicht. Software ist neben Prozessdefinition und Hard- ware die dritte Säule von Industrie 4.0. Die vollständige Elektrifizierung der Mobilität ist zwar noch Zukunftsvision. In der aktuellen Übergangszeit werden aber effizientere Hybridmodelle, Motoroptimierungen sowie der gesamte Power- train immer wichtiger; dies alles liefern aktuell und wohl auch in Zukunft insbe- sondere deutsche Unternehmen, die überdies auch intensiv das Zukunftsfeld „Additive Manufacturing“ bearbeiten. Deutschland hat schon jetzt eine hohe Reputation, wenn es um Bildverarbeitung, Laserfertigungsverfahren sowie neue Technologien bei industriellen 3D-Druckern geht; diese bieten die Chance, die industrielle Fertigung der Zukunft sprunghaft zu verändern. Heute fragen lt. Ro- land Berger 70 von 100 Industrieunternehmen weltweit, die 3D-Drucker für m etallische Werkstoffe benötigen – z.B. zur Fertigung von Prototypen neuer Auto- oder Maschinenbauteile – in Deutschland nach. Immer wichtiger wird die Laser-Mikrobearbeitung in der Elektronikindustrie; hier geht es um Volumen- märkte. Immer wieder neue Laserideen, -technologien und Anwendungsfelder sichern die Zukunftsfähigkeit des Industriestandorts. Bereits seit Dekaden ist der Maschinenbau der Technologietreiber der Industrie. Dass deutsche Maschinenbauer für die Zukunft auch im internationalen Kontext gut gerüstet sind, dokumentiert abermals die Patentstatistik des Europäischen Patentamts: Rund ein Viertel der in der letzten Dekade angemeldeten Maschi- nenbaupatente – und damit mehr als von jedem anderen Land – kamen von deutschen Adressen. Deutschland ist international auch ein renommierter Großanlagenbauer. BASF, bekannt als größter Chemiekonzern der Welt, zeigt, dass „große Industrielösun- gen“ zentral in einer Metropolregion angesiedelt sein können und keineswegs besonders umweltbelastend sein müssen. Der deutsche Großanlagenbau be- schäftigt (direkt und indirekt) 160.000 Personen. 87% seiner Produktion – also Kraftwerke, Elektro-, Chemie-, Baustoffanlagen sowie Hütten – gehen ins Aus- land; schon dies ist ein Alleinstellungsmerkmal. Deutsche Anlagenbauer sind erste Adressen, wenn selbst ganze Länder auf (Re-)Industrialisierung setzen. Qualität, Zuverlässigkeit, Service, Effizienz und Umweltfreundlichkeit sind wich- tige Assets der Deutschen. 0 100 200 300 JP KR US DE GB FR PL RU IT CN ES 1960-2014 Patente 19 Anzahl pro 1 Million Einwohner pro Jahr Quellen: Weltbank, Deutsche Bank Research 0 1000 2000 3000 Auto - hersteller Zulieferer Elektronik Google, Apple etc. Gesamt weltweit Deutschland Erteilte Patente* für autonomes Fahren: Deutsche Automobilindustrie führend 20 Quellen: Patentscope, IW Köln * seit 2010; Summen bereinigt um Doppelzählungen 0% 20% 40% 60% 80% Ernährung Textil Papier Chemie Pharma Kunststoffe Baustoffe Metallerzeugung Metallerzeugnisse Elektrotechnik Maschinenbau Automobil Verarbeitendes Gew. Deutsche Industrieprodukte begehrt 21 Exportquote in % der Bruttowertsch..; 2015 Quellen: Statistisches Bundesamt, DB Research Hochburg der Stabilität: Was Deutschland so erfolgreich macht 9 | 15. Dezember 2016 dbStandpunkt Energie- und Umweltpolitik fördert Zukunftstechnologien Die Beschäftigung mit Nachhaltigkeitsfragen reicht in Deutschland beispielswei- se in der Forstwirtschaft schon mehr als 300 Jahre zurück. Deutschland ist in der Führungsgruppe, wenn es um wichtige Zukunftsfragen rund um Klima, Energie und Umwelt geht. Dabei sind gerade in Deutschland die Politikbereiche Energie und Umwelt seit Mitte des 20. Jahrhunderts gekennzeichnet durch vielfältige – auch fundamen- tale – Richtungswechsel und Schwerpunktverlagerungen. Dem Wiederaufbau mit Fokus Versorgungssicherheit folgten die 1960er Jahre mit Akzentuierung von Kohle und Kernenergie, in den 1990ern die Neustrukturierung in Ost- deutschland sowie die (auch europäische) Liberalisierung der Märkte für Gas und Strom. Spätestens im 21. Jahrhundert wurden Klimafragen noch wichtiger und ein Ende der heimischen Steinkohle wurde vereinbart. Dazu kam der – zunächst nicht konsistente und konsequente – Kernenergieausstieg. Heute be- steht weitgehend Einigkeit bezüglich des deutschen Energie- und Klimakon- zepts 2050; freilich mit unterschiedlichen Präferenzen und auch Zeitvorstellun- gen. „Typisch deutsch“ ist die Antwort des Industrielandes Deutschland, bei dem die Kernkraft in 2010 immerhin 22% an der Stromerzeugung ausmachte, auf das Atomunglück in Japan; es führte zu einer radikalen Neujustierung und -bewertung energie- und klimarelevanter Herausforderungen und Fragen. Die deutsche Gesellschaft leistet sich eine recht teure Energiewende. Aber der da- mit einhergehende technische Fortschritt rund um Sonnen-, Wind- und Bioener- gien kommt letztlich Ländern weltweit zugute. Und Deutschland feilt bereits an neuen technischen Antworten auf wichtige Energie- und Klimafragen. Mehr Nachhaltigkeit und Klimaschonung versprechen Initiativen rund um Power to Gas, to Heat, to Liquids – sowie, ganz grundsätzlich – das Megathema der Zu- kunft „Sonnenenergie und Wasserstoff“, wobei auch hier die Kosten noch stark sinken müssen. Deutschlands Energiewirtschaft befindet sich in einem tiefgreifenden Umbruch; damit ist die deutsche Wirtschaft insgesamt einem bis dato beispiellosen Wan- del ausgesetzt. Noch kein Industrieland hat sich ein solches „Experiment“ der vollständigen Transformation eines ganzen Infrastrukturbereichs zugetraut. Ge- lingt das Vorhaben, könnte es Blaupause/Muster für andere Länder werden. Alle Industriestaaten blicken derzeit auf Deutschland. Die Lernkurven sind ermu- tigend; so sanken die Erzeugungskosten für Wind- und Solarstrom nicht zuletzt auch wegen der mittels hoher Subventionen ermöglichten Serien- bzw. Mas- senproduktion. Die deutsche Energiewende – mit den Megathemen Transfor- mation des Kraftwerkparks und Neuausrichtung der Automobilität in Richtung Elektroantriebe – ist eine Generationenaufgabe. Politik und Gesellschaft stehen zu diesem Generationenvertrag/Zukunftspakt – und dies trotz der sehr hohen erforderlichen Investitionen. Die Kostendebatte dürfte aber wohl weiter intensiv geführt werden. Ein ausgleichendes Sozialsystem mit kooperativen Tarifpartnern Zu den Kernelementen des deutschen Erfolgsmodells gehört ein dichtes Netz sozialer Sicherungssysteme. In dessen Zentrum stehen die gesetzlichen Sozial- versicherungen. Sie decken die großen Lebensrisiken Arbeitslosigkeit, Krank- heit und (Arbeits-)Unfall sowie Alter und Pflegebedürftigkeit ab. Die gesetzliche Kranken- und die Rentenversicherung etablierte der damalige Reichskanzler Bismarck bereits in den 1880er Jahren mit dem Ziel, die Arbeiterschaft mit dem Staat zu versöhnen. In ihrer heutigen Gestalt sind die Sozialversicherungen 0 1 2 3 DE FR UK IT ES PL Privat Öffentlich in % des BIP Quellen: European Commission, EIS Forschungsausgaben 22 0 5 10 15 20 25 30 35 0 2000 4000 6000 8000 10000 12000 14000 EUR Pro-Kopf (links) % des BIP (rechts) Sozialschutzausgaben in der EU 23 2014, EUR (linke Skala), % (rechte Skala) Quelle: Eurostat Hochburg der Stabilität: Was Deutschland so erfolgreich macht 10 | 15. Dezember 2016 dbStandpunkt aber keine rein staatliche Veranstaltung, sondern durch die Selbstverwaltung, also wesentliche (Mit-)Entscheidungsbefugnisse der Tarifparteien, d.h. der Ar- beitgeberverbände und der Gewerkschaften, geprägt. Das fördert den sozialen Frieden. Es vereinfacht auch die Berücksichtigung wirtschaftlicher Belange. So haben sich die Sozialsysteme immer wieder als anpassungsfähig gezeigt. An- ders als noch vor 15 Jahren bieten die Sozialversicherungen heute keine um- fänglichen Leistungspakete nach dem Vollkaskoprinzip, wie sie sich angesichts Globalisierung und demografischen Wandels als nicht mehr solide finanzierbar erwiesen. Vielmehr sind die Bürger zu ergänzender Eigenvorsorge gefordert. Wirksam ergänzt werden die Sozialversicherungen durch die Sozialhilfe bzw. die Grundsicherung als untere Auffanglinie. Hinzu treten Einrichtungen der Frei- en Wohlfahrtspflege, etwa der Kirchen, sowie Institutionen der betrieblichen Sozialpolitik, insbesondere die betriebliche Altersversorgung und die Entgelt- fortzahlung im Krankheitsfall. Diese Beispiele belegen ebenfalls, dass Sozial- partnerschaft in Deutschland kein Schlagwort ist, sondern gelebte Realität, wo- für die Unternehmen auch finanziell viel beitragen. Insgesamt beläuft sich der Sozialaufwand (nach EU-Abgrenzung) auf 29% des BIP. Damit liegt Deutsch- land trotz seiner wirtschaftlichen Stärke nahe am EU-Durchschnitt. Allein die Kapitalgesellschaften finanzieren 27% des Sozialbudgets. Die Wirtschaft ist damit neben den privaten Haushalten (30,9%) noch vor dem Bund (21,3%, üb- rige Gebietskörperschaften 18,9%) Hauptgeldgeber des Sozialstaats. Funktionierendes Sozialsystem erhöht Resilienz der Bürger Die Sozialsysteme tragen auf mehrfache Weise zum wirtschaftlichen Erfolg und zur politischen Stabilität bei. Sie dämpfen die negativen sozialen Effekte der „schöpferischen Zerstörung“ (Schumpeter) des globalen Wettbewerbs, dem Deutschland als offene Volkswirtschaft besonders ausgesetzt ist. Wer in Deutschland seine Stelle verliert, der erhält für (maximal) ein Jahr (Ältere für maximal zwei Jahre) Arbeitslosengeld I, das sich – anders als etwa in Italien – auf einen erheblichen Anteil von 60% (für Personen mit Kindern 67%) des bis- herigen Nettoarbeitslohns beläuft. Zudem zahlt die Arbeitsagentur Beiträge zu den Sozialversicherungen, so dass die Alterssicherung weiter bedient wird und der Krankenversicherungsschutz erhalten bleibt. Bei längerer Arbeitslosigkeit greift i.d.R. das bedarfsabhängige Arbeitslosengeld II (Hartz IV). Der umfassende Sozialschutz fördert nicht nur die Akzeptanz struktureller Ver- änderungen, er erleichtert es den Versicherten auch, berufliche Risiken zu übernehmen. So genießen auch Auszubildende vollen Sozialschutz und damit insbesondere eine preiswerte Absicherung für (Arbeits-)Unfall und Krankheit, was die Ausbildungsbereitschaft tendenziell fördern dürfte. Generell sollte sich der Schutzschirm der Sozialversicherungen positiv auf die Bereitschaft zum Arbeitsplatzwechsel und zu beruflicher Flexibilität auswirken. All das fördert den Strukturwandel und relativiert damit auch den relativ hohen Aufwand für den Sozialschutz. Wiederholt konnten die Sozialsysteme in den vergangenen Jahrzehnten größe- re „Schocks“ erfolgreich absorbieren. An erster Stelle ist hier die Vereinigung Deutschlands zu nennen. Daraus resultierte eine dreifache Herkulesaufgabe: Erstens die Absicherung der durch den Zusammenbruch des Sozialismus ar- beitslos gewordenen Personen. Allein in Ostdeutschland stieg die Zahl der re- gistrierten Arbeitslosen ungeachtet erheblicher Abwanderung von 1991 bis 2005 von 1,0 Mio. auf 1,61 Mio. Zweitens und drittens ging es darum, die Bürger in Ostdeutschland in die Krankenversicherung und die Rentenversicherung zu integrieren. In jüngerer Zeit hat der Sozialstaat insbesondere mit der Auswei- tung und Verlängerung der Kurzarbeitsregelung zur guten Bewältigung der internationalen Wirtschafts- und Finanzmarktkrise der Jahre 2008 und 2009 beigetragen. Die Option, Arbeitnehmer bis zu 24 Monate in Kurzarbeit zu be- schäftigen, ermöglichte es damals vielen Firmen, ihre Kernbelegschaften un- geachtet der Absatzflaute an Bord zu behalten. Als die Weltkonjunktur dann wieder anzog, waren deutsche Firmen mit als erste lieferfähig und konnten so auf der Welle des Aufschwungs surfen. Unter- nehmen 27 Länder 9 Bund 21,3 Gemein- den 9,9 Sonstige ** 1,9 Private Haus- halte 30,9 Finanzierung des Sozialbudgets* 24 2015, Finanzierungsanteile in % Quelle: BMAS * EUR 888 Mrd.; Finanzierung nicht konsol. EUR 935,5 Mrd. ** Private Organisationen, Sozialversicherungen 0 1000 2000 85 90 95 00 05 10 15 Deutschland: Zahl der Kurzarbeiter 25 Quelle: Bundesagentur für Arbeit in '000 Hochburg der Stabilität: Was Deutschland so erfolgreich macht 11 | 15. Dezember 2016 dbStandpunkt In der vergangenen Dekade bewährte sich auch die Sozialpartnerschaft. Durch eine längere Phase lohnpolitischer Mäßigung korrigierten die Tarifparteien vorhergehende Übersteigerungen und leisteten einen wichtigen Beitrag zur Verbesserung der preislichen Wettbewerbsfähigkeit in Deutschland gefertigter Produkte. Heute fordert die notwendige Integration der Flüchtlinge die Sozialsysteme her- aus. Dazu bedarf es wohl weiterer Reformen. Sie sollten einerseits etwa darauf zielen, passgenaue Leistungen zur Arbeitsmarktintegration zu ermöglichen, et- wa Kombinationen von Sprachschulung und geförderter Beschäftigung. Ander- erseits gilt es zu prüfen, wie der Sozialstaat so adjustiert werden kann, dass er nicht als verfehlter Zuwanderungs-Magnet fungiert und damit unbezahlbar wird. Hoher Stellenwert von Bildung und Ausbildung Auch der Bereich von Bildung und Ausbildung reflektiert das deutsche (Sozial-) Staatsverständnis. Bildung gilt als Aufgabe des Staates, während Ausbildung weithin in Kooperation von Wirtschaft und Staat erfolgt. So ist die Zusammenar- beit von Hochschulen und Unternehmen, darunter zunehmend auch viele mit- telständische Firmen, seit einigen Jahren ein Thema auch in der Öffentlichkeit. Freilich gehören solche Kooperationen insbesondere mit Technischen Hoch- schulen (einschließlich Fachhochschulen und Universitäten) in den Kernberei- chen der Wirtschaft (Automobilbau, Chemie, Elektrotechnik, Maschinenbau) seit Langem zum beiderseitigen Selbstverständnis. Insbesondere das duale System der Berufsausbildung gilt international als vor- bildlich. Es gewährleistet eine bedarfsorientierte Ausbildung und reibungslosen Übergang von der Ausbildung in den Beruf. So weist Deutschland mit 2,5% die geringste NEET-Quote der Jugendlichen in der EU auf. Die Quote bezeichnet den Anteil der 15- bis 19-Jährigen, der sich weder in schulischer oder berufli- cher Ausbildung noch in Beschäftigung befindet. Bei den 20- bis 24-Jährigen liegt Deutschland mit 9,3% auf Platz zwei nach den Niederlanden (8,8%). Zu Recht betont die OECD, dass das duale System die Beschäftigungsfähigkeit fördert und verweist auf die im internationalen Vergleich niedrige Arbeitslosen- quote von Personen mit einem Berufsabschluss des Sekundarbereichs II. Di e überwiegend im dualen System ausgebildeten „Facharbeiter“ sind Rückgrat des deutschen Arbeitsmarktes. Von den rd. 36 Mio. abhängigen Erwerbstätigen (2015) verfügen knapp 53% über eine Lehre oder einen vergleichbaren Berufs- abschluss. Die Standardausbildung ermöglicht es, diese Arbeitskräfte ohne lange Rüstzeiten mit unterschiedlichen Aufgaben ihres Berufsfeldes zu betrau- en. Das stärkt die Qualität und Flexibilität der Produktion. Angesichts von Globalisierung, Digitalisierung und zunehmender Integration von industrieller und dienstleistungsbasier Wertschöpfung werden indes entspre- chende höhere bzw. akademische Qualifikationen ebenfalls immer wichtiger. Aber hier hat Deutschland viel Boden gut gemacht. In den vergangenen 10 Jah- ren von 2005 bis 2014 stieg die Anzahl der Hochschulabsolventen um gut 50% auf rd. 314.000. Dabei verzeichnete der für den Technologie- und Innovations- standort wichtige MINT-Bereich besondere Dynamik. Die Zahl der Absolventen in Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik legte um gut zwei Drittel auf knapp 110.000 zu. Heute kommen rd. 35% aller Absolventen aus diesen Fachgebieten; 2005 waren es erst 31,3%. Damit liegt Deutschland welt- weit an der Spitze vor Korea mit 31%. 0 5 10 15 20 25 30 35 DE SE NL DK CH AT OECD FR UK ES IT 15 - 19 20 - 24 2015, % * Anteil der Personen, die nicht in Beschäftigung, Bildung oder Ausbildung sind, an jeweiliger Altersgruppe insges. Quelle: OECD Günstige NEET-Quoten* in Deutschland 26 0 5 10 15 20 25 30 35 40 DE KR UK SE FR IT CH JP US Naturwissenschaft, Mathematik & IT Ingenieurwesen einschl. Maschinenbau & Bauing. Quelle: OECD Anteil an allen tertiären Abschlüssen, % * Gemäß internationaler ISCED-11-Klassifikation Tertiäre Abschlüsse in MINT-Fächern* 27 Hochburg der Stabilität: Was Deutschland so erfolgreich macht 12 | 15. Dezember 2016 dbStandpunkt Eine langfristige Orientierung von Unternehmen und Bürgern Kaum ein Merkmal unterscheidet Deutschland so sehr von anderen großen ent- wickelten Volkswirtschaften wie seine hohe Sparneigung. Am bekanntesten sind Deutschlands hohe gesamtwirtschaftliche Ersparnisse gegenüber dem Ausland. Grundlage hierfür sind die Erfolge der Exportindustrie. Im Jahr 2015 erreichten sie fast EUR 1.200 Mrd., ein Plus von 25% seit dem Jahr 2010. Auch bezüglich der Qualität – rund ein Drittel der Exporte waren Maschinen und Fahrzeuge – sind Deutschlands Exporte beachtenswert. Ähnlich dynamisch wie die Exporte entwickelte sich auch der Außenhandelsüberschuss, der im Jahr 2015 mit fast EUR 250 Mrd. (8% des BIP) einen neuen Rekord erreichte, welcher im Jahr 2016 nochmals übertroffen werden dürfte. Nur China weist noch größere Über- schüsse aus. Aber von den chinesischen Exporten profitiert Deutschland indi- rekt, denn China ist der Hauptimporteur Deutschlands und der EU. Dabei impor- ti ert Deutschland, trotz der rasanten Aufholjagd Chinas, weiterhin hauptsächlich c hinesische Massenware und exportiert überwiegend Hochtechnologie. Die Exportstatistik dokumentiert dies für den Maschinenbau eindrucksvoll: In 18 von 31 vergleichbaren Subsektoren sind deutsche Maschinenbauer weltweit Ex- portweltmeister. Als Folge der hohen Exportdynamik stiegen auch die Direktin- vestitionen kräftig an. In den letzten 20 Jahren vervierfachten sie sich auf über EUR 1.800 Mrd., und ähnlich hoch ist mittlerweile das Nettoauslandsvermögen der deutschen Volkswirtschaft, das bei über EUR 1.500 Mrd. liegt. Leistungsbilanzüberschüsse nicht nur wegen des schwachen Euros Kritiker der Überschüsse führen oft die Euroeinführung und die Agenda 2010 als Ursachen an. Ein Blick auf die Geschichte zeigt aber, dass Deutschland auch zu Zeiten der D-Mark-Aufwertung Exportüberschüsse erwirtschaftete. Die zu- sätzliche preisliche Wettbewerbsfähigkeit durch die Euroeinführung und die niedrigen Lohnkosten bzw. Lohnstückkostenanstiege seit den Hartz-Reformen greifen also als einzige Erklärung für den Leistungsbilanzüberschuss zu kurz. Zudem belegen aktuelle Studien eine geringe Wechselkurselastizität von be- sonders produktiven Unternehmen, was für einen Großteil der wichtigsten Ex- portunternehmen in Deutschland, Großunternehmen und Hidden Champions, zutreffen dürfte. Hohe Schuldenaversion Die hohe Sparneigung ist aber nur eine Seite des typisch deutschen Finanz- gebarens, die andere Seite der Medaille ist die hohe Schuldenaversion. -8 -6 -4 -2 0 2 4 6 8 10 12 UK AU NZ CA US FR FI PT BE ES IT AT CN JP SE SI DK NO NL DE IE CH 2015 Leistungsbilanzüberschuss 30 in % BIP Quellen: IWF, Deutsche Bank Research 0 200 400 600 800 1000 1200 1400 08 09 10 11 12 13 14 15 Rest Roh-, Grundstoffe und Metalle Fahrzeuge Maschinen Exporte nach Sektoren 28 EUR Mrd. Quellen: Statistisches Bundesamt, Deutsche Bank Research -500 0 500 1000 1500 2000 99 01 03 05 07 09 11 13 15 Nettovermögen Aktiva Direktinvestitionen Passiva Direktinvestitionen EUR Mrd. Quellen: Bundesbank, Deutsche Bank Research Deutschland: Auslandsvermögen 29 0 100 200 300 400 LU IE HK NO NL DK BE SE CH CA CN AU KR PT FI FR NZ ES JP EUL GB WOR US CL SG AT MY GR TH IT IL HU DE CZ PL TR ZA BR RU SA IN MX ID AR Nichtfinanzunternehmen private Haushalte Schuldenstände der privaten Sektoren 31 % des BIP Quellen: BIZ, Deutsche Bank Research Hochburg der Stabilität: Was Deutschland so erfolgreich macht 13 | 15. Dezember 2016 dbStandpunkt So haben Haushalte und (Nichtfinanz-)Unternehmen zusammen einen Schul- denstand von rund 100% gemessen an der Wirtschaftsleistung (BIP). Alle ande- ren Industrieländer haben Schuldenniveaus von deutlich mehr als 150% und viele mehr als 200%. Gerade unsere Unternehmen sind gekennzeichnet von einer äußerst geringen Verschuldung von etwas mehr als 50% gemessen am BIP. Großbritannien, das Land mit der zweitniedrigsten Quote, hat bereits eine Verschuldung von etwas mehr als 70%, während die Mehrheit der entwickelten Länder eine Verschuldung von mehr als 100% aufweist. Die Verschuldung der priv aten Haushalte beträgt gemessen am BIP ebenfalls etwas mehr als 50%, wobei der Hauptanteil (40% des BIPs) auf Hypothekarkredite entfällt. Hier liegt Deutschland im internationalen Vergleich nach Italien und Österreich auf Rang drei – die drittniedrigste Verschuldungsquote unter den Industrieländern. Die Mehrzahl der Industrieländer hat eine Verschuldungsquote jenseits der 70% gemessen am jeweiligen nationalen BIP. Die hohe deutsche Schuldenaversion hat durchaus weitreichende Konsequen- zen. Manche Kritiker attestieren insbesondere den deutschen Unternehmen eine Unterfinanzierung, was im internationalen Vergleich durchaus gerechtfertigt erscheint. Eine aggressivere Schuldenaufnahme von Unternehmen und privaten Haushalten könnte die Wirtschaftsdynamik aber nur vorübergehend erhöhen. Die deutschen Haushalte und Unternehmen jedoch sehen in ihrer geringen Ver- schuldung eines ihrer Erfolgsrezepte, nicht zuletzt auch mit Blick auf die demo- grafischen Herausforderungen. Seit dem Mittelalter hat sich das Vorsichtsprinzip als Grundhaltung eines ehrbaren Kaufmanns etabliert. Zudem ist es nicht nur im Denken und Handeln, sondern auch im Handelsgesetzbuch (HGB) und damit der deutschen Rechnungslegung fest verankert. Seine Anwendung erlaubt auch heute noch vielen nicht gelisteten Unternehmen – also auch Großunternehmen –das Ausweisen geringer Gewinne, also die Bildung von Bewertungsreserven. In der Praxis wirken diese antizyklisch, was in einer Unternehmenskrise oder Rezession vorteilhaft sein kann. Die so gewonnene Zeit kann den Entschei- dungsdruck reduzieren und damit die Neuausrichtung eines Unternehmens er- leichtern. Das Vorsichtsprinzip zusammen mit der niedrigen Verschuldung ist ein Grund, wieso Deutschland zumindest in den letzten 70 Jahren von wirtschaftli- chen Exzessen und Spekulationsblasen weitgehend verschont blieb. Eine der wenigen Ausnahmen war die Ost-Immobilienblase in den Jahren nach der Wiedervereinigung. Der Staat gewährte hohe Sonderabschreibungen auf Investitionen, um den ostdeutschen Immobilienbestand wieder aufzubauen. Mitte der 1990er Jahre führten diese Steueranreize zu einem hohen Überange- bot und entsprechend hohen Leerständen, wodurch die Hauspreise im Osten um mehr als 20% nachgaben. Diese Blase wurde also hauptsächlich über steuerliche Fehlanreize verursacht, wenngleich als Folge hiervon das Kreditvo- lumen von 1990 bis 1995 um durchschnittlich 10% pro Jahr anstieg. Erst der im Jahr 2009 beginnende aktuelle Immobilienzyklus beendete den Preisverfall. Die Auswirkungen auf den deutschen Häusermarkt blieben aber mit einem Preis- rückgang von rund 5% überschaubar. Ein Vergleich mit den Hauspreisblasen der USA, Irlands und Spaniens verdeutlicht, wie verhältnismäßig klein die Preis- korrektur auf nationaler Ebene ausfiel (Grafik). Obwohl die Fehlinvestitionen in Ostdeutschland also keine gesamtwirtschaftlichen Verwerfungen nach sich zo- gen, sind sie fest im Gedächtnis der deutschen Immobilienbranche verankert. Womöglich erklärt diese Erfahrung auch die Investitionszurückhaltung und ge- ringe Kreditaufnahme im aktuellen Immobilienboom. Obwohl die Hauspreise seit dem Jahr 2009 bis heute um mehr als 40% anstiegen, blieb das Kreditwachs- tum verhalten. Denn die niedrigen Zinsen kurbelten zwar das Neugeschäft an, gleichzeitig verdoppelte sich aber die Standardtilgungsrate von 1,5% auf 3% pro Jahr. Daher wuchs seit dem Jahr 2009 das Hypothekenkreditbuch nur wenige Prozent und kaum schneller als die Inflationsrate. Auch wenn Deutschlands Anleger zu Recht als konservativ gelten, ließen sie sich doch einmal von den Wachstumsversprechen des Neuen Marktes und Dutzenden von Neuemissio- nen und hohen Gewinnversprechen ins Risiko locken. So stieg die Marktkapita- -3 0 3 6 9 12 1 2 3 4 5 DE US IT ES JP Nettosparrate der privaten Haushalte 32 % am verfügbaren Einkommen Quelle: OECD 40 60 80 100 1 4 7 10 13 16 19 22 25 28 31 34 37 USA 2007-11 IE 2007-13 ES 2008-14 DE 1995-2005 y-Achse: Preismaximum = 100 x-Achse: Quartale, 1. Quartal = Preishoch Quellen: OECD, Deutsche Bank Research Nationale Hauspreise: Preisrückgänge im Vergleich 33 Hochburg der Stabilität: Was Deutschland so erfolgreich macht 14 | 15. Dezember 2016 dbStandpunkt lisierung des Neuen Marktes von wenigen Milliarden Euro Ende der 1990er Jahre auf über EUR 200 Mrd. an, um dann in den frühen 2000er Jahren zu kol- labieren. Auch deshalb hat Deutschland gemessen an der Einwohnerzahl eine besonders niedrige Anzahl von Aktionären von deutlich unter 10% – was auch die hohe Risikoaversion widerspiegelt. Geduld – Schlüssel zum Erfolg Niedrige private und öffentliche Verschuldung, hohe Bildungsbereitschaft und langfristig ausgerichtete Unternehmensstrategien sind Ergebnis spezifischer Verhaltensweisen. In den Verhaltenswissenschaften werden diese als Selbst- kontrolle und als Fähigkeit, auf sofortige Belohnung zu verzichten, bezeichnet, in der Ökonomie werden sie unter dem Begriffe „Zeitpräferenz“, beispielsweise im Zusammenhang mit dem Problem der Zeitinkonsistenz diskutiert. Seit dem berühmten Princeton Marshmallow-Experiment von Walter Mischel 1989 1 wurde in vielen Studien gezeigt, dass Selbstkontrolle und Geduld überaus wichtige Faktoren für ökonomischen Erfolg – sowohl einzelwirtschaftlich als auch ge- samtwirtschaftlich – sind. Weitere Studien zeigen, dass Ungeduld zu signifikant niedrigeren Investitionen in das eigene Humankapital und damit auch zu deut- lich geringeren Lebenseinkommen führt. In Untersuchungen und Experimenten stellt sich heraus, dass in der deutschen Bevölkerung die Bereitschaft, auf eine sofortige Belohnung zu verzichten, sowie Gewissenhaftigkeit sehr hoch ausge- prägt sind. Dies führt zu hohem Bildungserfolg, einer eher niedrigen marginalen Konsumquote bzw. hohen Sparquote, aber auch einer größeren Bereitschaft zum Umweltschutz. Gesamtwirtschaftlich begünstigen diese Eigenschaften ge- ringe Inflationsraten, niedrige Verschuldung oder in einem Wort: Stabilität. Ausblick und Risiken Deutschlands herausragende Wirtschaftsentwicklung ist, wie dargestellt, dem Zusammenwirken individueller, makroökonomischer und institutioneller Faktoren zu verdanken. Diese haben es dem Land – besser als den meisten anderen Industrieländern – einerseits ermöglicht, die durch Globalisierung und Digitali- sierung entstandenen Chancen erfolgreich zu ergreifen. Andererseits gelang es auch, soziale Herausforderungen zu bewältigen, indem mittels des Steuer- und Sozialsystems Benachteiligte kompensiert wurden. Zwar ist wie in den übrigen Ländern durch Globalisierung und Digitalisierung die Ungleichheit der Marktein- kommen gestiegen, dank des funktionierenden Systems der Umverteilung weist das Land aber nach wie vor ein im OECD-Vergleich sehr geringes Maß an Un- gleichheit bei den Haushaltsnettoeinkommen auf. Daher fällt in Deutschland die Beurteilung der Globalisierung regelmäßig besser als in den anderen großen europäischen Ländern oder im Schnitt der EU28 aus. Trotz kontroverser Dis- kussion über Freihandelsabkommen gibt es im Exportland Deutschland keine populistisch geprägte Infragestellung der Globalisierung, wie etwa derzeit in den USA. Die Anpassungsfähigkeit des privaten Sektors – Ergebnis der günstigen Rah- menbedingungen – zeigt sich derzeit in Deutschlands nach wie vor prominente- sten Industriebereich, der Automobilindustrie. Die aktuelle Krise des größten Autokonzerns der Welt hat eine radikale Neujustierung bei allen drei großen Autokonzernen eingeleitet. Ein Reaktionsmuster, das in seiner Konsequenz auch schon früher zu beobachten war. Deutschland ist derzeit noch nicht Spit- ze; aber die Weichen in Richtung Elektromobilität (und auch künftiger Wasser- stoffautos) sind gestellt. Und Deutschland wechselt auf die Überholspur: Schon 1 Mischel, Walter, Yuichi Shoda, and Monica L. Rodriguez, “Delay of Gratification in Children," Science, 1989. 1 2 3 4 5 10 11 12 13 14 15 16 Tilgungsrate 5-10J Hypothekenzinsen Tilgung und Hypothekenzinsen 35 % Quellen: ECB, Dr. Klein, Deutsche Bank Research 0 2 4 6 8 10 12 1988 1996 1999 2002 2005 2008 2011 2014 Aktienbesitzer Anleger in Aktienfonds Deutschland: Zahl der Aktionäre 36 in Mio. Quelle: DAI 0% 25% 50% 75% 100% DE BE CH NL NO FI SE DK CZ PL AT HU UK IE US FR PT RO ES GR IT RU Anteil der Befragten, die bevorzugen zu warten Quelle: T. Hens, M. O. Rieger und M. Wang (2016) Title: How Time Preferences Differ: Evidence from 53 Countries, Journal of Economic Psychology Welches Angebot bevorzugen Sie? USD 3.400 diesen Monat oder 3.800 nächsten Monat 34 Hochburg der Stabilität: Was Deutschland so erfolgreich macht 15 | 15. Dezember 2016 dbStandpunkt jetzt ist es die Nr. 1 bei den erteilten Patenten für künftiges autonomes Fahren, eine weitere Zukunftsvision rund um die Digitalisierung von Transport, Verkehr und Mobilität. Allerdings weist selbst die jüngere deutsche Wirtschaftsentwicklung Höhen und Tiefen auf. Zum Jahrtausendwechsel drohten die infolge der Wiedervereinigung aufgelaufenen Fehlentwicklungen das Land aus der Bahn zu werfen. Der Eco- nomist bezeichnete Deutschland als „The sick man of Europe“. Es bedurfte massiver, auch heute noch umstrittener Reformen, um das Land wieder auf Kurs zu bringen. Aber der Mut zur Veränderung hat sich gelohnt. Gerade Deutschlands schnell alternde Gesellschaft und die bevorstehenden technologischen Umbrüche im Informationszeitalter stellen die deutsche Wirt- schaft weiterhin vor enorme Herausforderungen. Misslingt die Integration der in den letzten Jahren Zugewanderten und deren Kinder, wird dies das Land mas- siv belastet. Die auch in Deutschland abnehmenden Wachstumsraten werden Verteilungskonflikte, die die Gesellschaft bis dato vergleichsweise gut bewältigt hat, verschärfen. Die in einer alternden Gesellschaft stärker ausgeprägte Ver- lustaversion wird es schwieriger machen, Reformen durchzusetzen. Nicht zu- letzt, weil die durch die Vernetzung stark gestiegene Komplexität ökonomischer und gesellschaftlicher Zusammenhänge es Populisten erleichtert, mit vermeint- lich einfachen Lösungen zu punkten. Diese Gefahr ist in einigen unserer euro- päischen Partnerländer wohl noch ausgeprägter. Zumal hier, nicht zuletzt auf- grund der von uns erwarteten weiterhin hohen deutschen Wettbewerbsfähigkeit, der Anpassungsdruck nicht nachlassen wird. Bis dato dürften die Vorteile des Euro für Deutschland überwiegen; würden doch im Falle eines völligen Zusammenbruchs der Eurozone die derzeitigen Eventualverbindlichkeiten aus ESM, ESFS, den EZB-Staatsanleihekäufen und den Target2-Salden realisiert und damit für Deutschland Verluste von über einer Billion Euro zu Buche schlagen. Zusätzlich würde die Rückkehr zu einer eige- nen Währung zu einer zumindest anfänglichen Aufwertung um 20% bis 30% führen und damit das Land in eine tiefe Rezession stürzen. Fehlende Anpassungsschritte oder politische Entwicklungen in anderen EWU- Partnerländern, die die Basis des gesamten Projektes in Frage stellen, könnten aber mittelfristig auch in Deutschland zu einer Neueinschätzung führen Gerade mit Blick auf die politischen Veränderungen in den USA ist es wichtig, dass es Europa gelingt, einen konstruktiven Dialog aufzubauen. Dabei fällt Deutschland aufgrund seines politischen und wirtschaftlichen Gewichts eine führende Rolle zu. Sollte sich die transatlantische Kooperation, die gerade für die Erfolge der deutschen Industrie enorm wichtig ist, nachhaltig verschlechtern, würde dies künftige Wohlfahrtsgewinne erheblich gefährden, insbesondere für die beiden wichtigsten Industrieländer, Deutschland und USA. David Folkerts-Landau (+44 20 754-55502, david.folkerts-landau@db.com) Stefan Schneider (+49 69 910-31790, stefan-b.schneider@db.com) Hochburg der Stabilität: Was Deutschland so erfolgreich macht © Copyright 2016. Deutsche Bank AG, Deutsche Bank Research, 60262 Frankfurt am Main, Deutschland. Alle Rechte vorbehalten. Bei Zitaten wird um Quellenangabe „Deutsche Bank Research“ gebeten. Die vorstehenden Angaben stellen keine Anlage-, Rechts- oder Steuerberatung dar. Alle Meinungsaussagen geben die aktuelle Einschätzung des Verfassers wieder, die nicht notwendigerweise der Meinung der Deutsche Bank AG oder ihrer assoziierten Unternehmen entspricht. Alle Meinungen können ohne vorherige Ankündigung geändert werden. Die Meinungen können von Einschätzungen abweichen, die in anderen von der Deutsche Bank veröffentlichten Dokumenten, einschließlich Research-Veröffentlichungen, vertreten werden. Die vorstehenden Angaben werden nur zu Informations- zwecken und ohne vertragliche oder sonstige Verpflichtung zur Verfügung gestellt. Für die Richtigkeit, Vollständigkeit oder Angemessenheit der vorste- henden Angaben oder Einschätzungen wird keine Gewähr übernommen. In Deutschland wird dieser Bericht von Deutsche Bank AG Frankfurt genehmigt und/oder verbreitet, die über eine Erlaubnis zur Erbringung von Bank- geschäften und Finanzdienstleistungen verfügt und unter der Aufsicht der Europäischen Zentralbank (EZB) und der Bundesanstalt für Finanzdienstleis- tungsaufsicht (BaFin) steht. Im Vereinigten Königreich wird dieser Bericht durch Deutsche Bank AG, Filiale London, Mitglied der London Stock Ex- change, genehmigt und/oder verbreitet, die von der UK Prudential Regulation Authority (PRA) zugelassen wurde und der eingeschränkten Aufsicht der Financial Conduct Authority (FCA) (unter der Nummer 150018) sowie der PRA unterliegt. In Hongkong wird dieser Bericht durch Deutsche Bank AG, Hong Kong Branch, in Korea durch Deutsche Securities Korea Co. und in Singapur durch Deutsche Bank AG, Singapore Branch, verbreitet. In Japan wird dieser Bericht durch Deutsche Securities Inc. genehmigt und/oder verbreitet. In Australien sollten Privatkunden eine Kopie der betreffenden Pro- duktinformation (Product Disclosure Statement oder PDS) zu jeglichem in diesem Bericht erwähnten Finanzinstrument beziehen und dieses PDS be- rücksichtigen, bevor sie eine Anlageentscheidung treffen. Druck: HST Offsetdruck Schadt & Tetzlaff GbR, Dieburg Print: ISSN 2198-1329 / Internet: ISSN 2198-1345 Ranking DE im Vergleich zu anderen Ländern 37 JahrRubrik / IndexES,FR,ITG7G20Was wird gemessen? Lebensqualität 2016Overall Best Countries Ranking111Wirtschafts-, Gesellschaftsdaten, Lebensqualität 2015Human Development Index112Wirtschafts-, Gesellschaftsdaten, Lebensqualität 2016Global Youth Development Index111Wirtschafts-, Gesellschaftsdaten, Lebensqualität von Jugendlichen (15-29J) 2016Quality of Life Index for Country112Kaufkraft, Hauspreise, Einkommen, Lebenshaltungskosten, Sicherheit, Gesundheit, Verkehr, Umwelt Weiche Faktoren 2016Global Passport Power Rank111Mainly Visa-Free Score 2016Index of Economic Freedom145Rechtsstaatlichkeit, Machtgrenzen des Staates, regulatorische Effizienz, freie Märkte 2016World Press Freedom Index111Medienfreiheit: Pluralismus, Unabhängigkeit, etc. 2015Corruption Perceptions Index122Korruption im öffentlichen Sektor Wettbewerbsfähigkeit 2016Global CEO survey: Global manufacturing competitiveness 123Bildung, Kosten, Produktivität, Infrastruktur, Institutionen, Energie, etc. 2016IMD World Competitiveness Yearbook133Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen und Rahmenfaktoren 2015/16Competitiveness Rankings122Institutionen, Politikmaßnahmen und Faktoren, welche die Produktivität einer Ökonomie bestimmen. 2016Ease of doing business135Handelsvorschriften und ihre Durchsetzung 2013Employment protection index3611Verfahren und Kosten, um Arbeitnehmer zu entlassen und einzustellen Bildung 2016/17National universities (Top800 globally)144 2015PISA Mathematik134 2015PISA Lesen124 2015PISA Naturwissenschaft146 2016English Proficiency Index (ex Natives)111 Lehre, Forschung, Zitierungen, etc. Kompetenzen und Wissen 15jähriger Schüler Kompetenzen und Wissen 15jähriger Schüler Kompetenzen und Wissen 15jähriger Schüler Basierend auf Testdaten von 950.000 Erwachsenen aus 72 Ländern und Hoheitsgebieten Innovation/IT-Kenntnisse 2016European Innovation Scoreboard1Personal, Forschungssysteme, Unternehmensinvestitionen, geistiges Vermögen, Innovatoren 2016Global Innovation Index rankings133Institutionen, Humankapital, Forschung, Infrastruktur, Wissen, Technologie, geistiges Vermögen 2016E-Governement Survey248Onlinedienste, Telekommunikationsinfrastruktur, Humankapital 2011IT Industry Competitiveness Index145Geschäftsumfeld, IT Infrastruktur, Humankapital, rechtliches und F&E Umfeld weforum.org, doingbusiness.org, oecd.org, timeshighereducation.com, ef.edu, ec.europa.eu, globalinnovationindex.org, globalindex11.bsa.org, publicadministration.un.org Quellen: usanews.com, hdr.undp.org, youthdevelopmentindex.org, numbeo.com, passportindex.org, heritage.org, rsf.org, transparency.org, deloitte.com, imd.org,